Dentist
"Night Swimming"
(Cleopatra Records)
Wenn man den Joke mit dem Zahnarzt schon gemacht hat, bleibt einem nicht viel mehr als die Musik. Denn Informationen zur Band selbst sind bei Dentist nur schwer zu bekommen. Man weiß von der Vorliebe zu eigentümlichen Bandnamen - Justin und Emily Bornemann haben mal gemeinsam bei der Formation No Wine For Kittens gespielt - später kam dann noch Matt Hockenjos dazu und blieb. Das aktuelle Album ist das dritte seit der Gründung im Jahr 2013 und wenn wir uns in Folge auf die Musik beschränken, dann ist das beileibe kein Nachteil. Denn mit dem mal angepunkten, mal ziemlich powerpoppigen Surfsound der Platte wird man ziemlich schnell warm. Dabei spielt die klare und helle Stimme der Sängerin eine entscheidende Rolle, sie gibt den locker dahinwippenden Dreiminütern eine angenehme Grundierung. Und auch das Gitarrenspiel, das in den dunkleren Momenten gern auf einem Interpol-Album Platz gefunden hätte, changiert schön zwischen knorriger Roughness ("Figure-Four"/"Tight Spot") und der fast verträumten Entspanntheit von "All Is Well (In Hell)". Gern wird in diesem Zusammenhang auf Referenzen wie The Primitives, The Cars oder, wenn neueren Datums, Japanese Breakfast und Fazerdaze verwiesen - die Musik aus New Jersey hat, das weiß nicht nur Bruce Springsteen, eben einen ganz besonderen Klang. "Dieses Album war ein Versuch, all die verschiedenen Aspekte von uns selbst einzufangen und etwas zu schaffen, das wir alle hören wollten", so Justin Bornemann, und Emily ergänzt: "Musikalisch sind wir von Rohheit und Einfachheit angezogen, aber melodisch neigen wir eher zu einer gewissen Pop-Ästhetik. Die Texte konzentrieren sich meist auf soziale Ängste, Liebeskummer und Verlust, zeigen aber manchmal Liebe und Optimismus." Alles drin also, was gute Musik ausmacht, recht viel mehr muss man von einer gelungenen Platte nicht erwarten.
Mittwoch, 1. August 2018
Paul Weller: Tagesgeschäft [Update]
Ganze sechs Jahre hat er noch, bevor nach der altbekannten Regel des Mannes mit dem weißen Bademantel das Leben erst richtig anfängt: Paul Weller ist im Mai sechzig geworden, keinesfalls zu alt, um nicht in gewohntem Turnus neue Platten zu veröffentlichen. Seine nächste wird also "True Meanings" heißen und am 14. September in Umlauf gehen, ganze vierzehn Stücke sollen sich darauf versammeln, eingespielt zusammen mit Rod Argent von den Zombies, Martin Carthy, Danny Thompson, Connor O’Brien von den Villagers ist ebenso dabei wie Erland Cooper von Erland And The Carnival. Die erste Single "Aspects" darf hier schon mal vorgehört werden.
Update: Heute kommt eine recht getragene Nummer mit Namen "Movin' On" nach, auch das kann er also - und zwar frei von Peinlichkeiten.
Update: Heute kommt eine recht getragene Nummer mit Namen "Movin' On" nach, auch das kann er also - und zwar frei von Peinlichkeiten.
Dienstag, 31. Juli 2018
Idles: Widerstand erwünscht
Auch wenn wir aller Voraussicht nach leider nicht vor Ort sein können - wir lieben, was die Idles lieben und deshalb wollen wir auch die Nachricht teilen, dass die Kapelle aus Bristol, die gerade auf Hochtouren ihr neues Album "Joy As An Act Of Resistance" promotet, eben dieses auf eine ganz besondere Weise und zu einem guten Zweck tun wird. Die Band nämlich wird für den Release-Day am 31. August in der Londoner HM Electrics Gallery, eine Ausstellung von zehn Künstlern und achtzehn Kunstwerken organisieren - die Erlöse der Aktion gehen zu Gunsten der britischen Samariter-Hilfe, einer Vereinigung, die sich um die Beratung und Seelsorge Hilfsbedürftiger kümmert. Die Liste der Künstler liest sich wie folgt: Orlando Weeks, Nigel Talbot, Tao Lapsley, Russell Oliver, Robin Stewart, Tom Ham, Dapper Signs, Chris Nicholls, Ed Barrett und Beth Cater. Ob die Idles auch das eine oder andere Liedchen trällern werden, wissen wir nicht, wenn aber schon Joe Talbots Vater Nigel mit von der Partie ist, wird vielleicht Bassist Adam Devonshire das eine oder andere seiner berüchtigten Tänzchen in den Räumlichkeiten wagen.
Emma Ruth Rundle: Fieberträume [Update]
Der gestrige Tag war ja nun wirklich nicht arm an verheißungsvollen Neuigkeiten, eine davon hat es bei all dem Überangebot nicht auf's Tagestableau geschafft, unterschlagen wollen wir sie deshalb trotzdem nicht: Die kalifornische Singer/Songwriterin Emma Ruth Rundle nämlich hat via Sargent House für den 14. September ihr nächstes Album "On Dark Horses" angekündigt, und zwar mittels einer neuen Single "Fever Dreams". Hört man diese, weiß man auch wieder, warum der roughe Gitarrenrock der Dame so nachhaltig im Gedächtnis verblieben ist.
Update: Und hier kommt auch schon ein zweiter Song vom Album - "Darkhorse" ist laut Stereogum im Original sechs Minuten lang, hier gibt es die etwas kürzere Edit Version.
08.07. Stuttgart, Juha West
09.07. Karlsruhe, Jubez
14.07. Augsburg, Kantine
18.10. Leipzig, UT Connewitz
20.10. Köln, Gebäude 9
21.10. München, Milla
23.10. Berlin, Bi Nuu
24.10. Hamburg, Hafenklang
Update: Und hier kommt auch schon ein zweiter Song vom Album - "Darkhorse" ist laut Stereogum im Original sechs Minuten lang, hier gibt es die etwas kürzere Edit Version.
08.07. Stuttgart, Juha West
09.07. Karlsruhe, Jubez
14.07. Augsburg, Kantine
18.10. Leipzig, UT Connewitz
20.10. Köln, Gebäude 9
21.10. München, Milla
23.10. Berlin, Bi Nuu
24.10. Hamburg, Hafenklang
Sleaford Mods: Five more tracks to rage
Gerade sind die letzten Töne verklungen (live on BBC6, Ehrensache), da kommt auch gleich die Meldung des Tages daher: Jason Williamson und Andrew Fearn, besser bekannt als middle-aged and angry oder einfach die Sleaford Mods, haben die Veröffentlichung einer neuen EP via Rough Trade verkündet. Das Teil soll am 14. September erscheinen, fünf neue Tracks enthalten und die Leadsingle "Stick In A Five And Go" gibt es hier gleich mal for free.
Tracklisting
Stick In A Five And Go
Bang Someone Out
Gallows Hill
Dregs
Joke Shop
Tracklisting
Stick In A Five And Go
Bang Someone Out
Gallows Hill
Dregs
Joke Shop
Slaves: Casting
Natürlich geht es hier nicht ständig um Relevanz und Wahrhaftigkeit. Manchmal geht es einfach auch mal um Spaß. Und deshalb tauchen heute überraschend die Slaves im Tagesticker auf. Denn Isaac Holman und Laurie Vincent mögen zwar nicht die glaubwürdigsten Punks unter Britanniens Sonne sein, von unterhaltsamen und einigermaßen selbstironischen Videoclips scheinen sie etwas zu verstehen. Zuerst kam das verschwitzte "Cut And Run", nun schieben sie mit "Chokehold" ein vertontes Casting hinterher. Allerlei Prominenz versammelt sich hier zum Vortrommeln, wir sehen Joel Amey (Wolf Alice), Dave Rowntree (Blur), Ben Thatcher (Royal
Blood), Dom Boyce (Peace), Sam Doyle (The Maccabees) und auch Amber Grimbergen von den Hinds - den Job bekommt dann aber letztlich - ach was, selber reinschauen. Das neue Album "Acts Of Fear And Love" kommt übrigens am 14. August.
21.10. Berlin, Lido
22.10. Hamburg, Knust
25.10. München, Strom
26.10. Zürich, Dynamo
04.11. Köln, Luxor
21.10. Berlin, Lido
22.10. Hamburg, Knust
25.10. München, Strom
26.10. Zürich, Dynamo
04.11. Köln, Luxor
Montag, 30. Juli 2018
Interpol: Die nächste Nummer
Aus alter Tradition ist das natürlich eine Nachricht, die wir gern teilen wollen: Interpol haben gerade einen weiteren Song von ihrem am 24. August bei Matador erscheinenden Album "Marauder" geteilt - der Einfachheit halber nennt sich dieser "Number 10" und folgt der ersten Single ""The Rover".
Samstag, 28. Juli 2018
Michaela Meise: Transformation
Michaela Meise
“Ich bin Griechin”
(Martin Hossbach)
Wenn man Michael Buhrs zuhört, kommt man selbst ins Grübeln: So leicht sollte dem Direktor des Münchner Künstlerhauses Villa Stuck eigentlich nichts mehr die Sprache verschlagen. Schließlich hat im Keller seines Museums schon Marina Abramovic bergeweise Knochen geschrubbt, nagelte Hermann Nitsch im Garten unter Beigabe von jeder Menge Blut und Gedärmen abermals Jesus ans Kreuz und auch Richard Jackson beanspruchte die Räumlichkeiten mit seinen obskuren Farbinstallationen nicht eben wenig. Wer Jonathan Meese ertragen hat, dem, so meint man, ist nichts mehr fremd. Und doch schwingen Ungläubigkeit und Erstaunen mit, wenn Buhrs vom vergangen Freitag erzählt. Da nämlich gastierte im Rahmen einer Ausstellung des Münchners Christian Hartard die Berliner Musikerin und Songwriterin Michaela Meise für einen Kurzauftritt in der Villa. Von Meise weiß man, dass sie seit längerem als sogenanntes “konstituierendes Mitglied” des Duos Phantom/Ghost geführt wird, dem Projekt also von Film- und Theaterregisseur Thies Mynther und Dirk von Lowtzow (Tocotronic), das seit der Jahrtausendwende in unregelmäßigen Abständen für Jubelstürme bei Kritikern und (hüstel) Feuilletonisten sorgt.
Im Jahr 2010 hat Meise eine auf den ersten Blick ziemlich skurrile, weil dermaßen aus dem Zeitgeist gefallene Arbeit veröffentlicht – gemeinsam mit auserlesenen Gästen und begleitet vom eigenen Akkordeon sang sie auf denkbar unverfälschte Weise alte, katholische Kirchenlieder ein. “Preis dem Todesüberwinder”, so der Titel, sollte mitnichten ein religiöses Statement oder gar eine kabarettistische Lachnummer sein, sondern in der Tradition griechischer Rembetiko-Aufnahmen den Fokus auf das Volksliedhafte und die Dichtkunst der eingespielten Stücke richten. Vier Beispiele dieser Sammlung hat Meise an diesem Abend den Ausstellungsgästen vorgetragen, mehr wären, so Michael Buhrs, dem Publikum auch kaum zuzumuten gewesen, welches genau wie er ziemlich perplex dem Geschehen folgte und von der Wirkung dieser ungewöhnlichen Arrangements einigermaßen geplättet war.
Auf Wunsch von Christian Hartard gab Meise zudem noch einen Einblick in ihr gerade erschienenes Werk und auch zu diesem gibt es natürlich eine interessante Geschichte. Der Name des Albums bezieht sich auf eine Platte der griechischen Schauspielerin und Sängerin Melina Mercouri, die sie Anfang der Siebziger unter dem Titel “Je Suis Grecque” in französischer Sprache aufnahm. Meise wiederum hat hier Lieder von Mikis Theodorakis, Barbara Brodi, Georges Moustaki und der deutschen Chansonette Alexandra zusammengetragen, übersetzt und gemeinsam mit Musikern der Band Isolation Berlin und deren Produzenten David Specht eingespielt. Das Ergebnis ist schlicht überwältigend. Die Stücke nehmen zum Teil deutlichen Bezug auf Greuel und Unmenschlichkeit von Krieg und Gefangenschaft und das damit einhergehende Flüchtlingselend (“Ich bin ein Fremder”) – und könnten deshalb aktueller und drängender kaum sein.
Allein der Gesang an die Frauen von Mauthausen, Auschwitz, Dachau und Bergen-Belsen (“Hoheslied”, das Original “Asma Asmaton” stammt aus einem Liederzyklus von Iakovos Kambanellis und Mikis Theodorakis) geht einem derart nahe, dass es kaum auszuhalten ist. Ähnliches passiert kurz darauf mit dem Stück “Lume, Lume”, einer rumänischen Weise, in welcher die Vergänglichkeit der Erde thematisiert wird und die Michaela Meise als Anklage an die Menschheit interpretiert. Tonlage und Reduziertheit der Lieder legen Assoziationen zu Christa Päffgen alias Nico und ihren düsteren Goth-Gesängen der Spätsechziger nahe, allerdings ist der Kontext hier ein anderer, eher gegenwärtiger und weniger von dramatischer Mystik bestimmt. Zusammen mit Martin Hossbach ist Michaela Meise so jedenfalls ein eindrucksvolles und wohl auch einzigartiges Album gelungen, dem mit sparsamen Mitteln und einfachen Worten eine Transformation früherer Texte ins Heute gelingt. Auf den Trost des Erlösers folgt jetzt also die eindringliche Mahnung.
“Ich bin Griechin”
(Martin Hossbach)
Wenn man Michael Buhrs zuhört, kommt man selbst ins Grübeln: So leicht sollte dem Direktor des Münchner Künstlerhauses Villa Stuck eigentlich nichts mehr die Sprache verschlagen. Schließlich hat im Keller seines Museums schon Marina Abramovic bergeweise Knochen geschrubbt, nagelte Hermann Nitsch im Garten unter Beigabe von jeder Menge Blut und Gedärmen abermals Jesus ans Kreuz und auch Richard Jackson beanspruchte die Räumlichkeiten mit seinen obskuren Farbinstallationen nicht eben wenig. Wer Jonathan Meese ertragen hat, dem, so meint man, ist nichts mehr fremd. Und doch schwingen Ungläubigkeit und Erstaunen mit, wenn Buhrs vom vergangen Freitag erzählt. Da nämlich gastierte im Rahmen einer Ausstellung des Münchners Christian Hartard die Berliner Musikerin und Songwriterin Michaela Meise für einen Kurzauftritt in der Villa. Von Meise weiß man, dass sie seit längerem als sogenanntes “konstituierendes Mitglied” des Duos Phantom/Ghost geführt wird, dem Projekt also von Film- und Theaterregisseur Thies Mynther und Dirk von Lowtzow (Tocotronic), das seit der Jahrtausendwende in unregelmäßigen Abständen für Jubelstürme bei Kritikern und (hüstel) Feuilletonisten sorgt.
Im Jahr 2010 hat Meise eine auf den ersten Blick ziemlich skurrile, weil dermaßen aus dem Zeitgeist gefallene Arbeit veröffentlicht – gemeinsam mit auserlesenen Gästen und begleitet vom eigenen Akkordeon sang sie auf denkbar unverfälschte Weise alte, katholische Kirchenlieder ein. “Preis dem Todesüberwinder”, so der Titel, sollte mitnichten ein religiöses Statement oder gar eine kabarettistische Lachnummer sein, sondern in der Tradition griechischer Rembetiko-Aufnahmen den Fokus auf das Volksliedhafte und die Dichtkunst der eingespielten Stücke richten. Vier Beispiele dieser Sammlung hat Meise an diesem Abend den Ausstellungsgästen vorgetragen, mehr wären, so Michael Buhrs, dem Publikum auch kaum zuzumuten gewesen, welches genau wie er ziemlich perplex dem Geschehen folgte und von der Wirkung dieser ungewöhnlichen Arrangements einigermaßen geplättet war.
Auf Wunsch von Christian Hartard gab Meise zudem noch einen Einblick in ihr gerade erschienenes Werk und auch zu diesem gibt es natürlich eine interessante Geschichte. Der Name des Albums bezieht sich auf eine Platte der griechischen Schauspielerin und Sängerin Melina Mercouri, die sie Anfang der Siebziger unter dem Titel “Je Suis Grecque” in französischer Sprache aufnahm. Meise wiederum hat hier Lieder von Mikis Theodorakis, Barbara Brodi, Georges Moustaki und der deutschen Chansonette Alexandra zusammengetragen, übersetzt und gemeinsam mit Musikern der Band Isolation Berlin und deren Produzenten David Specht eingespielt. Das Ergebnis ist schlicht überwältigend. Die Stücke nehmen zum Teil deutlichen Bezug auf Greuel und Unmenschlichkeit von Krieg und Gefangenschaft und das damit einhergehende Flüchtlingselend (“Ich bin ein Fremder”) – und könnten deshalb aktueller und drängender kaum sein.
Allein der Gesang an die Frauen von Mauthausen, Auschwitz, Dachau und Bergen-Belsen (“Hoheslied”, das Original “Asma Asmaton” stammt aus einem Liederzyklus von Iakovos Kambanellis und Mikis Theodorakis) geht einem derart nahe, dass es kaum auszuhalten ist. Ähnliches passiert kurz darauf mit dem Stück “Lume, Lume”, einer rumänischen Weise, in welcher die Vergänglichkeit der Erde thematisiert wird und die Michaela Meise als Anklage an die Menschheit interpretiert. Tonlage und Reduziertheit der Lieder legen Assoziationen zu Christa Päffgen alias Nico und ihren düsteren Goth-Gesängen der Spätsechziger nahe, allerdings ist der Kontext hier ein anderer, eher gegenwärtiger und weniger von dramatischer Mystik bestimmt. Zusammen mit Martin Hossbach ist Michaela Meise so jedenfalls ein eindrucksvolles und wohl auch einzigartiges Album gelungen, dem mit sparsamen Mitteln und einfachen Worten eine Transformation früherer Texte ins Heute gelingt. Auf den Trost des Erlösers folgt jetzt also die eindringliche Mahnung.
Freitag, 27. Juli 2018
Santigold: Let da riddim hit ya!
Ein kleines Überraschungsschmankerl hatte sich gestern schon angekündigt, heute steht es vollumfänglich für ein sonniges Wochenende bereit: Santigold, zuletzt mit ihrem Album "99¢" im Geschäft, hat ein komplettes Mixtape mit herrlich lässigen Dancehall-Tracks aufgenommen - zehn Stücke finden sich auf "I Don't Want (The Gold Fire Sessions)", viel mehr Worte muß man sich bei diesem Wetter darum nicht machen, hier geht es allein um's Feiern. Los geht's, let da riddim hit ya!
Doe: Her mit den Referenzen!
Es ist wohl eine Illusion, wollte man von jedem neuen Musiker, jeder neuen Band auch immer neue Töne hören. Dass gerade in der Pop- und Rockmusik ein jedes Jahrzehnt der Historie in unregelmäßigen Abständen auf Wiedervorlage kommt, ist kein Geheimnis. Und auch kein Grund zur Klage - schaut man sich beispielsweise die Klassik an, dann werden dort schon seit Jahrhunderten die immergleichen Symphonien, Sonaten, Opern und Kantaten variiert, wirklich Neues oder gar Bahnbrechendes ist kaum zu hören. Und es beschwert sich niemand. Also freuen wir uns, wenn die Referenz gut gelungen ist, so gut wie beispielsweise bei Doe, einem Londoner Trio, das gerade bei Topshelf Records sein zweites Album "Grow Into It" angekündigt hat und aus diesem Grund die Vorabsingle "Heated" teilt. Sound, Videoästhetik, alles wie zu seligen MTV-Zeiten, es knirscht und scheppert gewaltig und wer hier an die Breeders, The Cars oder Weezer denkt, hat zumindest ein tadellos funktionierendes Erinnerungsvermögen. Und nebenbei jede Menge Spaß.
Metric: Begleiterscheinung [Update]
Wer sie sehen und hören will, muß derzeit etwas mehr Geld hinlegen: Metric, kanadische Indierockband um die charismatische Sängerin Emily Haines, touren gerade mit den wiedervereinten Smashing Pumpkins durch Nordamerika, nach dem letzten Album "Pagans In Vegas" und Haines Solonummern mit Soft Skeleton gibt es nun auch für den Support ein paar neue Songs. Neben dem kürzlich aufgetauchten "Come On Angel" ist jetzt "Dark Saturday" erschienen, von einer dazugehörigen Studioplatte ist derweil noch nicht die Rede.
Update: Das Video zur neuen Single "Dark Saturday" wurde von Justin Broadbent komplett mit dem Smartphone gefilmt - man wäre nicht drauf gekommen. Außerdem haben wir mit "Dressed To Suppress" gleich noch einen neuen Song am Start.
30.10. Hamburg, Knust
31.10. Berlin, Kesselhaus
05.11. München, Technikum
14.11. Frankfurt, Gibson
Update: Das Video zur neuen Single "Dark Saturday" wurde von Justin Broadbent komplett mit dem Smartphone gefilmt - man wäre nicht drauf gekommen. Außerdem haben wir mit "Dressed To Suppress" gleich noch einen neuen Song am Start.
30.10. Hamburg, Knust
31.10. Berlin, Kesselhaus
05.11. München, Technikum
14.11. Frankfurt, Gibson
Donnerstag, 26. Juli 2018
Blood Orange: Einer der besten [Update]
Diese erfreuliche Meldung kam zwar schon vor einer knappen Woche aus dem Ticker, doch erst heute mit der offiziellen Vorauskopplung ist sie perfekt: Dev Hynes aka. Blood Orange zählt seit Jahren zu den begehrtesten Produzenten und zu den honorigsten Künstlern der schwarzen R'n'B- und Soulcommunity. Allein seine letzten beiden Alben "Cupid Deluxe" (2013) und "Freetown Sound" ernteten wahren Elogen bei Publikum und Kritikern gleichermaßen - völlig zu Recht, versteht sich. Nachdem er zuletzt als Gast im Video zu "Deadly Valentine", einem Song der aktuellen Platte von Charlotte Gainsbourg ("Rest") auftauchte, macht er nun wieder selbst Musik. "Negro Swan" soll das nächste Album heißen (VÖ 24. August) und die Anspielprobe "Charcoal Baby" hat Hynes zusammen mit Aaron Maine von Porches verfasst. Wir konstatieren: Nichts verlernt.
Update: Kurz danach kam auch gleich noch ein zweiter Song mit entsprechendem Video dazu, der Clip zu "Jewelry" wurde von Hynes selbst produziert.
06.11. Berlin, Columbia Theater
Update: Kurz danach kam auch gleich noch ein zweiter Song mit entsprechendem Video dazu, der Clip zu "Jewelry" wurde von Hynes selbst produziert.
06.11. Berlin, Columbia Theater
Steiner und Madlaina: Das ganze Orchester
Eine schöne Nachricht hat es da gerade über die Berge geschafft: Steiner und Madlaina, das oft geheim getippte Gesangsduo aus der Schweiz, haben für den 19. Oktober ihr Debütalbum namens "Cheers" via Glitterhouse Records angekündigt. Und man liest erfreuliches - es gibt deutsche, schwyzerdütsche und englischsprachige Songs darauf, eine vollumfängliche Band haben Nora Steiner und Madlaina Pollina mittlerweile auch zu Diensten und schon mit der ersten Single "Wenn Du mir glaubst" greifen die zwei zum ganzen Orchester. Das unterscheidet die Platte wohl auch maßgeblich von den bisherigen EP, von denen "Speak" Ende 2017 die letzte war. Thematisch geht es um sehr Persönliches, aber auch kritische Anmerkungen zu Globus und Heimatland werden dem Vernehmen nach zu hören sein. Wir freuen uns.
Kagoule: Die einfachen Dinge
Our Girl: Keine Angst [Update]
Update: Zum neuen Song gibt es aktuell heute auch noch ein Video und ein paar Zusatzinfos wie Albumtitel ("Stranger Today"), VÖ-Tag (17. August via Cannibal Hymns) und die Coverart (siehe oben) - kann also kommen. Und hier dann auch noch schnell ein weiterer Song namens "In My Head", gleich mit Video von Tayo Kopfer.
Mittwoch, 25. Juli 2018
Deaf Wish: Laute Grüße aus der Heimat
Deaf Wish
„Lithium Zion“
(Sub Pop)
Der Vergleich ist jetzt kein neuer, wir haben ihn an gleicher Stelle schließlich auch schon gemacht. Aber ganz so falsch kann man mit der Behauptung, Deaf Wish wären ohne Sonic Youth kaum vorstellbar, nicht liegen. Man könnte sogar in Anbetracht des neuen Albums konkretisieren: Ohne „Daydream Nation“ wäre eine Platte wie „Lithium Zion“ nicht zu denken. Denn auch wenn beide Bands aus unterschiedlichen Zeiten und Richtungen kommen, sind die Parallelen dennoch auffällig – lärmendes Gitarrenfeedback, bedachtsam eingestreute Dissonanzen und Pausen, ein Quietschen, Scheppern und Krachen, wie man es eben von Moore und Gordon kennt oder, möchte man noch ein wenig zurück in der Zeitmaschine, aus den Stücken von Velvet Underground. Alles hängt also irgendwie zusammen, daran ist überhaupt nichts ehrenrühriges, dafür sind Stücke wie „FFS“, „Metal Carnage“ oder das gut sechsminütige „Smoke“ einfach zu laut, zu schnell und zu schön, die Vorbilder zudem viel zu lange in der Versenkung verschwunden.
Schön also, wenn derlei Erinnerungen von Sarah Hardiman, Jensen Tjhung, Daniel Tworney und Nick Pratt wiederbelebt werden – auch Deaf Wish sind ja mittlerweile beim fünften Album angelangt und nicht wenige behaupten, dieses sei ihr wohl bestes geworden. Garage Punk mit Post-Punk-Einflüssen, rohe Energie, ständige Wechsel zwischen Hardiman und Tworney am Mikro und selbst wenn die Texte manchmal etwas einfacher sind, so überzeugen Deaf Wish doch maßgeblich durch die ungehobelte Wucht ihrer Stücke. Das eigene Label macht bei den vieren eine Energie, eine Furchtlosigkeit aus, die sich schlicht aus ihrer Heimat Australien speist – „die natürliche Konsequenz für all jene, die auf einem Kontinent leben, der von grapefruitgroßen Spinnen und menschenfressenden Mückenschwärmen wimmelt.“ Man hat schon weniger unterhaltsame Begründungen gelesen, es wird Zeit, dass Deaf Wish auch hierzulande den Beweis für jede einzelne der hier formulierten Behauptungen antreten.
„Lithium Zion“
(Sub Pop)
Der Vergleich ist jetzt kein neuer, wir haben ihn an gleicher Stelle schließlich auch schon gemacht. Aber ganz so falsch kann man mit der Behauptung, Deaf Wish wären ohne Sonic Youth kaum vorstellbar, nicht liegen. Man könnte sogar in Anbetracht des neuen Albums konkretisieren: Ohne „Daydream Nation“ wäre eine Platte wie „Lithium Zion“ nicht zu denken. Denn auch wenn beide Bands aus unterschiedlichen Zeiten und Richtungen kommen, sind die Parallelen dennoch auffällig – lärmendes Gitarrenfeedback, bedachtsam eingestreute Dissonanzen und Pausen, ein Quietschen, Scheppern und Krachen, wie man es eben von Moore und Gordon kennt oder, möchte man noch ein wenig zurück in der Zeitmaschine, aus den Stücken von Velvet Underground. Alles hängt also irgendwie zusammen, daran ist überhaupt nichts ehrenrühriges, dafür sind Stücke wie „FFS“, „Metal Carnage“ oder das gut sechsminütige „Smoke“ einfach zu laut, zu schnell und zu schön, die Vorbilder zudem viel zu lange in der Versenkung verschwunden.
Schön also, wenn derlei Erinnerungen von Sarah Hardiman, Jensen Tjhung, Daniel Tworney und Nick Pratt wiederbelebt werden – auch Deaf Wish sind ja mittlerweile beim fünften Album angelangt und nicht wenige behaupten, dieses sei ihr wohl bestes geworden. Garage Punk mit Post-Punk-Einflüssen, rohe Energie, ständige Wechsel zwischen Hardiman und Tworney am Mikro und selbst wenn die Texte manchmal etwas einfacher sind, so überzeugen Deaf Wish doch maßgeblich durch die ungehobelte Wucht ihrer Stücke. Das eigene Label macht bei den vieren eine Energie, eine Furchtlosigkeit aus, die sich schlicht aus ihrer Heimat Australien speist – „die natürliche Konsequenz für all jene, die auf einem Kontinent leben, der von grapefruitgroßen Spinnen und menschenfressenden Mückenschwärmen wimmelt.“ Man hat schon weniger unterhaltsame Begründungen gelesen, es wird Zeit, dass Deaf Wish auch hierzulande den Beweis für jede einzelne der hier formulierten Behauptungen antreten.
Idles: Echte Männer
Was soll man sagen: Man kann gar nicht anders, als diese Jungs zu lieben. Zumal das ganz gut zu ihrer aktuellen Single passt. Denn die Idles aus Bristol, die uns ja schon seit längerem in mehr als homöopathischen Dosen auf ihr neues Album "Joy As An Act Of Resistance" vorbereiten, haben sich einige Gedanken zu Rolle des Mannes in der Gesellschaft gemacht. Klingt trocken und unspaßig, ist davon aber weit entfernt: "The mask of masculinity
is a mask, a mask that's wearing me ... I'm a real boy, boy and I cry. I hate myself and I want to try. This is why you never see your father cry", und dann schieben sie (nach Nirvana) noch einen schönen Gruß an Kate Perry hinterher: "I kissed a boy and I liked it". Ganz große Klasse! Der Song ist seit heute draußen und heißt "Samaritans", das Video dazu stammt vom britischen Filmemacher Theo Watkins, alles weitere dann spätestens am 31. August.
Dienstag, 24. Juli 2018
UMA: Zarte Künstlichkeit
Manche Dinge treffen einen so unvermittelt, dass man sich kurz schütteln muss: UMA? Hatten wir doch eigentlich schon unter "bezaubernd, aber verschollen" abgelegt. Denn auch denn zwischendurch ein paar Lebenszeichen von Ella und Florian Zwietnig aus Berlin auftauchten - so recht wollte man an kein zweites Album nach dem gleichnamigen Debüt aus dem Jahr 2014 (siehe unten) mehr glauben. Und doch, es kommt eines. Es wird den schönen und sehr poetischen Titel "If You Fall, Someone Will Notice" tragen und am 21. September erscheinen. Die erste Single nennt sich "A Remedy (To Argue How I Feel)" und kommt mit einem monochromen Video von Bossi Baker. Der Sound ist von reduzierter, zarter Künstlichkeit, voller Wärme und Schönheit.
29.09. Berlin, (tba)
20.10. Brüssel, Église Du Béguinage
29.09. Berlin, (tba)
20.10. Brüssel, Église Du Béguinage
Kristin Hersh: Nicht nur leise Töne [Update]
Update: Und auch von "Breathe In", dem nächsten Song vom neuen Album, gibt es eine sogenannte rough version - nicht zu viel versprochen. Zur Coverart hier auch noch die erste offizielle Single "No Shade In Shadow" + Albumteaser.
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