Freitag, 6. März 2020

Viagra Boys: First Aid Kit

Viagra Boys
"Common Sense"

(Year 0001/Rough Trade)

Nein, davon kann man nicht genug bekommen. In Zeiten der Übercorrectness, wo man sich jeden Pups dreimal überlegen muß (bitte nicht zu verwechseln mit "das wird man ja wohl noch sagen dürfen!") ist eine Truppe wie die herrlich verstörenden Viagra Boys aus Schweden eine Art Überlebenselixier. Das war schon im vergangenen Frühjahr so, als ihr Debüt "Street Worms" erschien und für reichlich skeptische Blicke hier und deshalb berechtigte Furore dort sorgte. Und ändert sich nicht mit dem heutigen Tag, da in Vorbereitung ihrer anstehenden Tour eine neue EP erscheint. Die enthält zwar nur vier Stücke - aber was für welche! Das geht gleich los mit dem erstaunlich eingängigen Titelsong, der sich eines dieser Tage berechtigten Themas annimmt: Des gesunden Menschenverstandes. Dass dieser in Zeiten um sich greifender Panik vor messerbewährten, marodierenden Flüchtlingshorden, vor todbringenden Seuchen biblischen Ausmaßes und vielem mehr zusehends abhanden kommt, ist mehr als auffällig. Die Schuld bei der eigenen Beschränktheit suchen die Beschränkten selten bei sich selbst, Dummheit scheint plötzlich erblich zu sein, es ist zum Verzweifeln.



Da hilft ein wenig von dem Humor, den die Viagra Boys auch in den Videos zu ihren Songs transportieren (vom Album Teaser gar nicht zu reden), machen ein paar Minuten das Leben erträglicher. Das trifft natürlich auch auf die anderen drei Stücke zu, "Lick The Bag" haut mächtig in die Saiten und glänzt wie der Rest mit fabelhaft wilden Saxophon-Passagen, bei "Sentinel Island" taumelt und leiert des Sängers Stimme (Sebastian Murphy) auf ganz und gar wunderbare Weise, bevor er dann abschließend bei "Blue" versoffen und selbstmitleidig das Blaue vom Himmel verspricht. Irgendwann bricht der Song unvermittelt ab, so daß man glaubt, Murphy wäre entweder dem Rausch erlegen oder würde sich anderen Dingen widmen, er bringt es aber doch noch halbwegs ordentlich zu Ende. Wie so oft bei solcherlei Kurzformaten: Mit dem Allernötigsten auf den Punkt, gelingt den Herren hier ein kleines Meisterwerk. Wen es jetzt reut, keine Karten für die (größtenteils ausverkauften) Konzerte im Frühjahr gekauft zu haben, den tröstet die Band mit ein paar Nachholterminen im Spätherbst, ein bisschen Warterei muss zur Strafe dann aber schon sein.

26.03.  Wien, Flex Cafe
27.03.  München, Feierwerk
28.03.  Zürich, Mascotte
02.04.  Köln, Gebäude 9 (ausverkauft)
03.04.  Hamburg, Molotow (ausverkauft)
04.04.  Berlin, Lido (ausverkauft)
Neu:
28.11.  Köln, Kantine
30.11.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
01.12.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
02.12.  Leipzig, Conne Island 







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