Freitag, 5. Juni 2020

Muzz: Ganz bei sich

Muzz
„Muzz“

(Matador)

Dass der Mann mit seinen Identitäten nicht durcheinander kommt, ist ein kleines Wunder: Paul Banks hat aus der Vielzahl seiner musikalischen Interessen nie ein Hehl gemacht und wer meinte, Banks müsse, weil er mit seiner Band Interpol dem Wave-Rock zu neuer Blüte verholfen hatte, ständig und überall The Chameleons, Television und Joy Divison als seine Vorbilder preisen, der hatte sich kräftig geschnitten. Bislang nämlich zählten, wenn die Rede darauf kam, hauptsächlich Hip-Hop-Künstler zu seinen Favoriten, eben das der Grund, warum er zusammen mit dem Wu-Tang-Boss RZA als Banks+Steelz eine gemeinsame Platte aufgenommen hat (und dies bald wieder tun will). Nun also darf man vermuten, er hat in den Referenzkanon einige Größen aus Jazz, Soul und Country aufgenommen. Gemeinsam mit Matt Barrick an den Drums und Jugendfreund Josh Kaufman (Gitarre) bespielt er auf dem Debüt seiner neugegründeten Formation Muzz nämlich ein erstaunlich klassisches, aber deshalb nicht weniger berückendes Repertoire, hier steht ausgewogenes, sorgsam arrangiertes Songwriting weitaus deutlicher im Mittelpunkt als früher noch die düstere Pose. Wobei auch diese Produktion vom markant schimmernden Klang seiner Stimme lebt.



Dennoch: An die kommerziell erfolgreichsten Zeiten von Interpol und somit an Songs wie „Slow Hands“ oder „Evil“ erinnert hier maximal die Single „Knuckleduster“ mit ihrem treibenden Schlagzeug und den forschen Gitarrenakkorden, der Rest des Albums kommt eher sanft und reduziert daher. Stücke wie „Evergreen“, „Patchouli“ oder „Summer Love“ wiegen sich vielmehr im Downtempo, glänzen mit eleganten Bläsersätzen, Pianopassagen, Streichern und beim Hören des Abschlußstückes „Trinidad“ wäre sicher auch Leonard Cohen ein wohlwollendes Lächeln übers Gesicht gehuscht. Melancholie, Wehmut, Besinnlichkeit bestimmen den Takt, Muzz wirken im Zusammenspiel sehr bei sich und erreichen so mit eigentlich recht konventionellen Mitteln eine Intensität und Tiefe, die Banks und seinen Kumpanen Kessler und Fogarino zumindest in den letzten Jahren nicht mehr so recht gelingen wollte. Und das ist dann sowohl für uns als auch für den vielbeschäftigten Multitasker aus New York eine erfreuliche Nachricht.



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