Montag, 20. August 2018

Death Cab For Cutie: Beschwingte Sanftmut

Death Cab For Cutie
„Thank You For Today“
(Atlantic)

Vielleicht ist es tatsächlich so, daß etwas nicht „zu schön“ sein kann. Aber die Frage wird kommen. Denn die Songs von Death Cab For Cutie finden sich (vermutlich) seit jeher am häufigsten auf solchen Playlists und Mixtapes, die mit Stimmigkeit, Harmonie und Schönheit punkten wollen. Solche Lieder wollen gefallen und genau das möchte man ja irgendwie auch, wenn man sie verlinkt, teilt oder (Achtung: Steinzeitwort) aufnimmt. Und auf den Alben der Band, ob nun wie der Großteil vom ehemaligen Gitarristen Chris Walla oder, wie die letzten beiden, von Rich Costey produziert, klebte ja immer der imaginäre Sticker „Popmagie“ drauf, so rund, so geschmeidig und eingängig waren fast alle der darauf befindlichen Stücke. Sie nicht zu mögen war geradezu unmöglich, ihnen Gefallsucht oder übertriebene Perfektion vorwerfen zu wollen, schien unangebracht und vermessen. Die Befürchtung, nach Wallas Abgang würde sich daran Grundlegendes ändern, zerstob mit „Kintsugi“ nach wenigen Minuten, und wird sich, das können wir vorwegnehmen, auch jetzt nicht bestätigen.

Denn in Ben Gibbard hat das Quintett aus Washington noch immer einen der besten, weil geschmackssichersten Songwriter des amerikanischen Indiepop in seinen Reihen und in Costey einen Mann an den Reglern, der – laut Gibbard – den unbestechlichen, objektiven Blick von außen in die Produktion einbringt und weiß, was gut ist für ein DCFC-Album und was eher nicht. Und so auch mit dem neunten Album die Geschichte der Band als Konstante im besten Sinne fortschreibt. Natürlich sind sie älter geworden, Gibbard ist knapp über die vierzig gerutscht und sieht sich, wie er gern sagt, in der Mitte des Lebens. Und möchte von dort aus, wie wahrscheinlich viele andere in diesem Alter auch, gern ein wenig mehr Dankbarkeit und Achtsamkeit in seinen Songs anklingen lassen. Dass diese dennoch keinerlei kitschige Erbaulichkeit verströmen, liegt wohl am sicheren Gespür und Verantwortungsbewußtsein des Künstlers für sein Werk. Und zu gleichen Teilen am Sound der Band selbst. Denn beschauliche Akustik findet hier eher am Rande statt.



Der Großteil der Stücke federt frisch und mit den gewohnt perlenden Gitarrenhooks ausgerüstet durchs Programm. Es mag auch an Gibbards Timbre liegen, dass man nicht eben selten an Neil Tennant und seine Pet Shop Boys denken muß. Die lakonische Melancholie tut ein Übriges, wenn Vergangenem nachgetrauert („Gold Rush“), über schmerzliche Veränderungen sinniert wird („I Dreamt We Spoke Again“/“You Moved Away“). Freundschaften werden gefeiert, die seltenen Augenblicke der Glückseligkeit sowieso und manchmal kippt Gibbards Gefühligkeit mitsamt der Grundierung dann doch kurz, wie bei „Northern Lights“, ins Liebliche. Auch der Schluß mit „60 And Punk“ kramt doch in allzu bekannten Sozialklischees („There's nothing elegant in being a drunk, it's nothing righteous being 60 and punk. But when you're looking in the mirror do you see, that kid that you used to be?“). Geschenkt, mißmutiges Kriteln und Granteln kann einem hier schnell als neunmalgescheit oder Neid ausgelegt werden. Es ist gut, Songs mit beschwingter Sanftmut und leiser Ironie wie diese zu haben. An Gelegenheiten, da man sie gut brauchen kann, wird es, das weiß wohl auch Gibbard, mit zunehmendem Alter nicht mangeln. https://deathcabforcutie.com/

06.02.  Köln, Live Music Hall
07.02.  Berlin, Astra Kulturhaus
09.02.  Hamburg, Große Freiheit

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