Freitag, 21. Februar 2020

Messer: Beschwingtes Verschwinden

Messer
„No Future Days“
(Trocadero)

Sich stets von seinen Erwartungen leiten zu lassen ist selten eine kluge Entscheidung, das festgefügte Bild verengt den Blickwinkel und läßt kaum Überraschungen, kaum neue Erfahrungen zu. Hendrik Otremba beispielsweise, Sänger der Münsteraner Post-Punk-Kapelle Messer und längere Zeit schon als Buchautor unterwegs, erscheint vielen seiner Mitmenschen wohl als eher zurückhaltend grüblerischer Zeitgenosse, der zumeist dunklen Gedanken nachhängt – hört man sich die ersten drei Alben der Band an, käme man kaum auf den Gedanken, dass Otremba auch mal der Schalk im Nacken sitzt. Um so erstaunlicher kommt es einen an, wenn man bei der Lektüre seines letzten Romans „Kachelbads Erbe“, einer gleichwohl ziemlich düsteren Geschichte über kryonische Experimente in einer dem Untergang geweihten Welt, kleine, gekonnt eingeflochtene Hinweise auf den Autor und seine musikalische Profession trifft. Da erscheint ein Lieferwagen mit dem Nachnamen des Autors, werden Messer-Songs zitiert, fast sieht man das verschmitzte Lächeln des Schreibers beim Verfassen solcher Zeilen. Aber auch das ist natürlich nur eine Annahme, denn Otremba liebt offenkundig die Verzweigung, das Verknüpfen von Buch und Musik, auch auf der neuen Platte ist mit „Tod In Mexiko“ mindestens ein Bezug zur Literatur zu finden. Anders ist es wohl auch kaum denkbar, auch er wird an Prosa oder Song schließlich kaum in strikt getrennten Zeiträumen sitzen, es mischt sich, interagiert miteinander.

Noch ungewohnter allerdings ist der Sound der vorliegenden Platte, der sich mit Veröffentlichung der ersten Single „Anorak“ schon andeutete (es gibt davon sogar einen sehr feinen House-Mix) und hernach tatsächlich und nahezu durchgängig seinen Weg ins Werk fand: Reggae-Rhythmen, Dub- und Dancehall-Anklänge gar, Gitarren und Bass wippen mit ungewohnten Funkakkorden, einzig Otrembas Stimme bleibt so schneidend und unterkühlt wie gewohnt. Bei all den neuen, manchmal regelrecht beschwingt groovenden Klängen vergißt man fast, dass die Texte zu den neun Stücken eher den Schattenseiten des Lebens entnommen sind: Es ist dies, so liest man in einem Interview des Sängers mit dem Kaput-Magazin, ihr persönlichstes Album geworden, Gedankenspiegelungen mit sehr realen Ab- und Hintergründen aller Bandmitglieder, familiäre Verluste, Ängste, Einsamkeit und Suche nach Orientierung trifft man allerorten. Erinnerungen und Gedanken fungieren auf „No Future Days“ wie eine Art labyrinthisches Gebäude, vom Autor gebaut, vom Hörer betreten, der Weg hindurch oder heraus ist stets ein anderer, jede und jeder soll ihn anders erleben.



Von Otremba sind Deutungen oder gar Erklärungen nicht und niemals zu erwarten, sein Kunstbegriff ist ein freier, eigenverantwortlicher und das betrifft in diesem Falle sowohl den Verfasser als auch den Rezipienten. Namen wenigstens fallen in besagtem Gespräch, Holger Czukay von CAN spielt offensichtlich die Rolle des allgegenwärtigen Mentors, Wolfgang Paalen und Andrej Tarkowski werden erwähnt, mehr ist nicht zu haben. Was nicht schlimm ist, denn verrückte Erzählungen und Sprachbilder, Reizpunkte für die eigene Fantasie, Platz für Assoziationen also bietet die Platte reichlich. Zum Beispiel die „Tapetentür“ – getarnter Zu- oder Abgang für solche, die keine Aufmerksamkeit erregen, die unerkannt auftauchen und verschwinden wollen, sowie es ihnen gefällt. Das Äquivalent dazu vielleicht die „Jalousie“ des Vorgängers, dosierbarer Durchblick, Graubereiche, abgeschirmt. Genug davon – weitere Versuche, etwas zu beschreiben, erübrigen sich an dieser Stelle, denn die Wirkung stellt sich unmittelbar und für jeden auf seine Weise ein. Messer sind auf „No Future Days“, das vielleicht die größte Gemeinsamkeit ihres bisherigen Oeuvres, so schwer zu fassen wie zuvor, weil sie Neues wagen, nutzen sie sich nicht ab, bleiben unkalkulierbar, spannend.

13.03. Köln, Gebäude 9
14.03. Münster, Gleis 22
20.03. Hannover, Café Glocksee
21.03. Wuppertal, Die Börse
22.03. Saarbrücken, Sparte 4
23.03. Stuttgart, Merlin Kulturzentrum
24.03. München, Milla
25.03. Wien, Rhiz
26.03. Dresden, Scheune
27.03. Berlin, Musik und Frieden
28.03. Hamburg, Knust

Fontaines D.C.: Rangetraut

Da traut sich nicht jeder ran: Einen Song der Pixies zu covern, dazu gehört schon etwas mehr Mut, das muss, will man sich nicht lächerlich machen, gut überlegt sein. Nun, an Selbstbewußtsein dürfte es den Fontaines D.C., Senkrechtstarter aus Irland und seit ihrem Debüt "Dogrel" aus dem vergangenen Jahr everybody's Indie-Darling, nicht gerade mangeln. Also haben sie sich an "Gouge Away" versucht und die Version gerade bei Annie Mac im BBC präsentiert. Nicht ganz ohne Grund, wie Sänger Grian Chatten während der Sendung erzählte, schließlich hält er die Krach-Elfen für eine bewundernswerte Band und stand mit zehn Jahren das erste Mal bei einem Gig von Frank Black und Kolleg*innen in Dublin vor der Bühne. Hat ihn wohl nachhaltig beeindruckt, das Ganze...

Donnerstag, 20. Februar 2020

Choir Boy: Wo die weichen Kerle wohnen

Die letzte Monate haben wir hier ja ziemlich ausführlich und jederzeit völlig zu Recht Die Kerzen aus dem meck-pommerschen Ludwigslust (aka. Berlin, haha) gefeiert, heute dürfen wir daran erinnern, dass natürlich auch weit überm Teich solche sanften Töne, gespielt von ebenso sanften Männern, zu Hause sind. Denken wir beispielsweise an die Band Choir Boy aus Salt Lake City, die gerade die Veröffentlichung ihres zweiten Albums ("Gathering Swans", 8. Mai) nach dem Debüt "Passive With Desire" via Dais Records bekanntgegeben hat. Zur Kapelle gehören neben Sänger Adam Klopp (der mit dem Blutauge) Bassist Chaz Costello, Jeff Kleinman (Keyboard, Saxophon) und Gitarrist Michael Paulsen. Man mag es ja kaum glauben, aber vor nicht allzu langer Zeit haben die vier Jungs noch mit so unterschiedlichen Acts wie Ceremony oder Cold Cave die Bühne geteilt, die Überschneidungen im Fanlager dürften überschaubar gewesen sein. Macht aber nix, zeugt vor allem von viel Selbstbewußtsein. Im neuen Video zur Vorabsingle "Complainer" hantiert das Quartett im Handkameragefunzel mit gruseligen SM-Requisiten aus den 80ern, der Sound dazu ist butterweich - was soll da wohl noch schiefgehen?



Glass Animals: Hören und warten

Sie machen es wirklich spannend: Die Glass Animals aus dem britischen Oxford stehen für innovative Tanzmusik, derzeit zieren sie sich aber ein wenig mit der Bekanntgabe für ihr neues, drittes Album. Hatten wir im Dezember vergangenen Jahres mit "Tokyo Drifting" ihre erste Singleveröffentlichung seit "Pork Soda" aus 2017 gefeiert, an der ja auch Denzel Curry mitwirkte, gibt es jetzt den nächsten Dancetrack, diesmal ganz im Stile der 2000er (The Neptunes, Timbaland, Timberlake, etc.) - "Your Love (Déjà Vu)" macht noch mehr Appetit, aber weiterführende Informationen sind rare Ware. Auch in puncto Liveauftritte wird noch geknausert, ein paar Festivals, doch in Deutschland ist vorerst noch nichts geplant. Heißt: Hören und weiterwarten.

RVG: Getrennte Wege

Da ist keine Parallelität zu erkennen, auch wenn die Gelegenheit günstig wäre: Unsere Bloglieblinge Sleaford Mods touren Anfang März erstmals durch Down Under - für die Fliegerei und/oder die Autostrecken beneiden wir sie nicht, beim Rest wären wir aber doch gern dabei. Auf den letzten Terminen in Deutschland wurden Jason Williamson und Andrew Fearn bekanntlich von der tollen australischen Band RVG begleitet, die Romy Vager Group stellte bei der Gelegenheit ihr Debüt "A Quality Of Mercy" vor und gewann dafür und vor allem für die beeindruckende Intensität ihrer Liveshows viele neue Anhänger. Nun kündigt die Band das Nachfolgealbum "Feral" an, am 24. April wird die Platte bei Fire Records erscheinen, produziert wurde sie laut Brooklyn Vegan von Victor Van Vugt, der auch schon PJ Harvey, Nick Cave und Robert Forster im Studio betreute. Mit "I Used To Love You" gibt es auch schon eine erste Single vorab, das sparsam inszenierte Video leitet die Aufmerksamkeit ganz auf Vagers Person bzw. Stimme und stammt von Tom Campbell. Die Tourtermine von RVG und den Sleaford Mods, damit zurück zum Einstieg, sind übrigens selten deckungsgleich, ein Support wird diesmal also nur schwer möglich sein.



Mittwoch, 19. Februar 2020

Deichkind: Geniale Lieferanten

Deichkind
Schwabenhalle, Augsburg, 18. Februar 2020

Auch wenn es unfreiwillig komisch war – eine Richtigstellung ist schon angebracht: Auf der Autobahnabfahrt zum Augsburger Messegelände war vor Konzertbeginn noch der warnende Hinweis vermerkt: „Deichkind – Staugefahr!“ Das kann man so nicht stehenlassen, denn wenn die multitalentierten Chaoten aus Hamburg etwas tunlichst zu vermeiden wissen, dann ist das jedwede Art von Gefühlsstau. Keiner anderen deutschen Band gelingt es (und dies schon seit knapp zwanzig Jahren) so gut, ihr Publikum von der Notwendigkeit vollkommener körperlicher und geistiger Hingabe zu überzeugen. Und man weiß das auch erst dann wirklich zu schätzen – gelungene Tonträger hin oder her – hat man Deichkind wenigstens einmal live bei der Arbeit erlebt. Schon die Mischung des Publikums ist beachtlich, Partygranaten und Feierbiester treffen auf nerdige Rap-Hipster, vollbärtige Dadrocker moschen mit durchgeknallten Karnevalisten, das verliebte Pärchen knutscht enthemmt unter umherfliegenden Bierbechern und über allem wabert der süßlich Duft sorgsam gedrehter Kräutervielfalt, es könnte bunter nicht sein.



In einem Interview haben die Herren kürzlich erzählt, dass sie zwar die Verschiedenartigkeit ihres Anhangs zu schätzen wissen, diesen aber gern jederzeit und völlig gewissenlos in Mithaftung nehmen, wenn es um Dinge geht, die ihrer Meinung nach wichtig und unerläßlich sind. Subversiv ist das nun nicht mehr, eher frei heraus, und so gibt es zu brachialer Bassmucke gepflegtes Nazibashing, sehr viele kluge Reime über die Dumpf- und Stumpfheit spießbürgerlicher Gemütlichkeit und Doppelmoral, darf man sich im Vorprogramm den Partisanenklassiker (noch immer sehr en vogue) in der Originalversion anschauen und auch der unvermeidliche Lars Eidinger gibt sich in einem Video-Intro als performatives Medium die Ehre. Soll heißen: Lass die Sau raus, folge deinen Instikten, aber bitteschön zu unseren Bedingungen. Wohlwollende Nötigung nennt man das wohl, nie war sie wichtiger als heute und nirgends sonst macht sie so viel Spaß. Denn so wie Deichkind musikalisch nicht nur einem bestimmten Genre folgen, sondern genüßlich alle Stile mischen, die ihnen in den Kram passen, so treten sie auch auf der Bühne nicht nur als Band, sondern in vielerlei mehr Gestalt auf: Hip-Hop-Kolchose, Improtheater, Ballettensemble, das Faß rollt raus, der Donut kreiselt, es geht ans „Limit“.



Sie nehmen ja auch gern mal die eine oder andere hohle Phrase auf’s Korn, doch diese hier passt zu gut: Die Erwartungen waren nach dem furiosen Album „Wer sagt denn das?“ sicher nicht eben klein, aber Deichkind machen, was man sich erhofft hatte – sie liefern. Und zwar vollumfänglich: Dreißig Songs in zweieinhalb Stunden, die neuen gehen (was nicht bei allen Künstlern selbstverständlich ist) durch die Decke, die anderen hinterher. Selbst ganz alte Sachen wie „Bon Voyage“ und der lässige Mitgröler „Komm schon!“ sind auf der Liste, während die Halle dampft und kocht, gibt’s Umbaupausen und Kostümwechsel in Rekordgeschwindigkeit. Und ganz ehrlich: Wer einen Track wie „Knallbonbon“ so auf die Bretter gezaubert bekommt, dem kann wirklich keiner was! Da oben herrscht derweil Hochbetrieb, die Kulissen formieren sich minütlich neu, Ästhetik ist alles und funktioniert bis ins kleinste Detail. Nach reichlich Bierkontext dann das letzte Bühnenbild: Vor dem Emoji-Scheißhaufen in Übergröße schwingt der Wrecking Ball, dazu tanzt der aufgekratzte Haufen eine Polonaise zu den Klängen von Creams „White Room“. Weird. Und Fakt: Das verdammte Deutschland hat zur Zeit nichts Vergleichbares zu bieten.

Talk Show: Für die Liebe [Update]

Für die Londoner Band Talk Show war das vergangene Jahr mit Sicherheit ein gutes - Debütsingle bravourös draußen, gleich mit der nächsten 7" nachgezogen, Bühnen als Support gebucht, es läuft. Und das sollte sich 2020 nicht ändern. Denn am 27. März wird bei Council Records ihre EP "These People" erscheinen, vier neue Stücke finden sich darauf, von denen wir mit "Banshee" eines vorstellen dürfen. Der Song ist, so Sänger Harrison Swann, im Kern eine verkappte, enttäuschende Liebesgeschichte, dennoch wollten sie das Ganze nicht frustriert oder depressiv, sondern eher leidenschaftlich und druckvoll rüberbringen. Gar nicht so schlecht gelungen.

Update: Nächster Kracher - hier kommt "Stress".



The Strokes: Weitermachen [Update]

Das muß man ihnen ja lassen: Sie erfinden sich einfach immer wieder neu. Und gehen nicht weg. The Strokes haben seit ihrem unbestritten fabelhaftesten Debüt "Is This It" nie klein bei gegeben, haben probiert, getrotzt, durchgehalten. Und auch wenn einige ihrer Kollegen von der "The"-Fraktion und aus den Nullerjahren in der Bedeutungslosigkeit versanken - sie haben sich einen gewissen Ruf erworben, der wenigstens dafür sorgt, für eine Nachricht wie diese den Hypegenerator anzuschmeissen. Von neuem Material kündeten ja schon die letzten Wochen - nun also "At The Door". Und das heißt: Bratzige Synths, Casablancas immer noch leicht angenölte Stimme, dazu ein klassisch gezeichnetes SciFi-Animationsvideo mit Bambi-Optik von Mike Burakoff. Was es nicht hat: Gitarren. Keine zu hören. Dass das für die komplette neue Platte gilt, wollen wir mal bezweifeln, ganz genau wissen wir es aber erst am 10. April, dann nämlich erscheint "The New Abnormal" bei RCA und zwar unter freundlicher Mithilfe vom ollen Rick Rubin. Ebenfalls nicht ganz klar ist wohl die Frage zu beantworten, wie gut sich denn die Herren aus New York so gehalten haben, das letzte Lebenszeichen in Albumlänge "Comedown Machine" war ja 2013 nicht eben eine Offenbarung, da klangen die Solosachen von Casablancas und seine Arbeiten mit The Voidz doch etwas inspirierter.

Update: Und heute kommt mit "Bad Decisions" gleich noch ein neuer Song um die Ecke.







Dienstag, 18. Februar 2020

Sports Team: Spass in der Halle

Mit Turnhallen ist das so eine Sache, von wenigen Ausnahmen abgesehen, haben sie eigentlich immer eine sehr gewöhnungsbedürftige Atmosphäre - die Schuhe quietschen, der Geruch ist eigenwillig bis übel, man denkt an die Peinlichkeiten früher Jugendtage, an Abiprüfungen und öde Schuldiskos (und wer ein paar positive Erinnerungen beizutragen hat, ist zu beneiden und sicher nicht in der Mehrheit). Sports Team aus London lassen sich davon nicht abschrecken - wie auch, mit diesem Namen! Wir hatten sie im Herbst vergangenen Jahres mit ihrer EP "Keep Walking!" auf dem Radar, nun haben die sechs für den 3. April ihr Debüt-Album "Deep Down Happy" bei Island Records terminiert, die aktuelle Single heißt "Here's The Thing" und folgt den Vorauskopplungen "The Races", "Fishing" und "Here It Comes Again" aus 2019. Also dann, Sport frei!











Pearl Jam: Superlativ [Update]

Okay, das ist jetzt ziemlich dicke. Aber nicht ganz überraschend. Denn seit die Red Hot Chili Peppers beschlossen haben, wieder gemeinsame Sache mit John Frusciante zu machen, war klar, dass Tour und Album dazu wohl nicht lange auf sich würden warten lassen. Und dass es schwer werden würde, das zu toppen. Eddie Vedder zumindest versucht es und hat heute die Veröffentlichung eines neuen Albums von Pearl Jam bekanntgegeben. Plus Tour, versteht sich. "Gigaton" wird die Platte heißen, der Teaser ist einigermaßen kryptisch und verrät quasi noch überhaupt nichts außer ein paar dräuenden Tönen. Am 27. März soll es kommen und im Sommer dann sind die Grunge-Veteranen dann für zwei Termine in Deutschland gebucht. Und - pssst, kein so großes Geheimnis mehr, weil quasi ausverkauft - im Vorprogramm spielen die Idles. Wer noch einen Grund gebraucht hat, die sündteuren Tickets trotzdem zu kaufen, jetzt hat er ihn.

23.06.  Frankfurt, Festhalle (mit Idles)
25.06.  Berlin, Waldbühne (mit Idles)
07.07.  Wien, Stadthalle (mit White Reaper)
17.07.  Zürich, Hallenstadion (mit White Reaper)

Update: Und da ist sie, die erste Single seit Jahrtrillionen - "Dance Of The Clairvoyants", gefolgt vom neuesten Streich "Superblood Wolfmoon".





Montag, 17. Februar 2020

Bambara: Hinter den Fassaden

Bambara
„Stray“

(Wharf Cat)

In der Regel versucht man ja allzu deutliche Hinweise auf Referenzen aus Rücksicht auf die empfindliche Psyche von Künstlern zu vemeiden, sie mögen es halt nicht so gern, wenn man sie mit der Nase auf ihre Vorbilder stößt, es könnte ja das eigene Werk schmälern. Wenn allerdings, wie in diesem Falle, die Verwandtschaft so offensichtlich ist und noch dazu die Wahlverwandtschaft ausdrücklich erwünscht ist, dann wollen wir uns auch nicht lumpen lassen. Reid Bateh, der Sänger der so düsteren wie wunderbaren New Yorker Post-Punk-Kapelle Bambara, hat jedenfalls kürzlich in einem Interview mit Loud And Quiet auf die nachhaltige Bedeutung von Nick Cave und dessen Album „Murder Ballads“ hingewiesen, er bemühte sogar eine Art Kausalkette, an der man sich entlanghören könne – auf Cave folge Cohen, auf Cohen dann Waits und schon sei man mittendrin in einer, seiner Welt „overpopulated with dark, grimy characters“. Damit angefangen haben die drei Herren, die ursprünglich aus dem Südstaatenstädtchen Athens stammen (immerhin die Wiege zweier so populärer und genialer Bands wie den B‘52s und R.E.M.), schon 2012, um den Dreh herum erschien ihr Debüt „Dreamviolence“, drei Jahre darauf „Swarm“, doch erst „Shadow On Everything“ gelang dem Trio, mittlerweile im New Yorker Kreativquartier Brooklyn beheimatet, der endgültige Durchbruch.



Schon da war die Vorliebe für die morbide, tiefschwarze Mischung aus Blues, Westerngitarren und hartem Gothicrock zu hören, die mittlerweile stilprägend für Bambara ist und den Swans ebenso nahe kommt die Cave’s früherer Band Birthday Party, mit den Bad Seeds geht dann endgültig alles zusammen. Und so werden die bedrohlich rasselnden und wilden Songs mit einer Unzahl zwielichtiger Gestalten bevölkert, verruchte Damen, Gescheiterte und Verschlagene aus den Halbwelten finsterer Großstädte, ein bisschen Marlowe, ein bisschen „Chinatown“ und „Once Upon A Time…“ – romantische Endzeit. Es grollen die Bässe, schrillen die Bläser, die Gitarre als Maschinengewehr („Machete“) und der Protagonist bittet um die fällige Bestrafung: "Try to stay cruel for me, just for another minute, try to stay cruel for me and though I don't deserve it, try to stay cruel for me, yeah!” Bambara haben es, so Bateh, sich zur Aufgabe gemacht, das Böse und Kranke hinter den sauberen Fassaden der Bürgerlichkeit aufzuzeigen. Woher die Obsession für den Tod kommt, ließ sich allerdings auch in dem besagten Gespräch nicht endgültig klären. Solange es jedoch so faszinierend klingt, kann uns Zuhörern aber reichlich egal sein.

25.05.  Köln, Bumann und Sohn
26.05.  Hamburg, Hafenklang
27.05.  Berlin, Urban Spree
28.05.  München, Feierwerk
29.05.  Mainz, Schon Schön



Billie Eilish: Solides Handwerk

Mit etwas Abstand betrachtet war die Nachricht, dass gerade Billie Eilish den nächsten Bond-Song schreiben würde, gar keine so große Sensation. Schließlich werden auch in der Filmbranche für findige Marketingstrategen ordentliche Gehälter gezahlt und für die Gewissheit, dass sich mit dem grüngefärbten Twen derzeit gut Kasse machen lässt, reicht ein schneller Blick in die Mädchenzimmer dieser Welt. Alles klar also in Sachen neue Käuferschichten, Marketingpotential und Gewinnmaximierung, aber eine Garantie, dass der Song funktioniert, ist das natürlich nicht. Schließlich haben es zuvor schon Sam Smith, Alicia Keys und Jack White verhauen und das sind auch keine Anfänger. Einzig Adele gelang eine ordentliche Leistung und in diese Kategorie können wir nun wohl auch Billie Eilish verbuchen - zarter Beginn, daramtischer Abgang, solides Handwerk, es funktioniert. Die große Überraschung ist es dann nicht geworden, aber die hat ehrlicherweise auch niemand erwartet.

Freitag, 14. Februar 2020

Arlo Parks: Gefühlschaos

Einen neuen Song, ein neues Video gibt es von Arlo Parks: Ende letzten Jahres haben wir hier noch ihre EP "Sophie" gebührend gefeiert, nun gibt es von der Londonerin mit der markanten, samtweichen Stimme die erste Single des neuen Jahres - für "Eugene" hat sie mit dem Brüderpaar Loyle-Carner zusammengearbeitet, Ryan und Benjamin haben zu dem Track einen recht stimmungsvollen Clip geschnitten, der Parks' Gedanken zum Beziehungswirrwar und Gefühlschaos auf das Beste illustriert. In zehn Tagen ist die Künstlerin im Übrigen live in Berlin zu sehen und für den Sommer sind immerhin Auftritte auf den Puls Open Air und dem Melt geplant.

24.02.  Berlin, Berghain Kantine
06.06.  Kaltenberg, Puls Open Air
17.07.  Ferropolis, Melt Festival

PINS: Heiße Sache

Zuallererst fallen einem immer die wunderschönen Cover ein: Das war bei der letzten EP "Bad Thing" so und auch die 7" "Serve The Rich" aus dem Jahr 2017 war in dieser Hinsicht äußerst remarkable. Die Rede ist von dem Trio PINS aus Manchester, also Faith Vern, Lois MacDonald und Kyoko Swan. Bevor wir allzu ungeduldig werden, ist nun endlich eine neue Single von den dreien erschienen, via 4AD kommt heute "Hot Slick" in den Handel. Erfreulicherweise bleiben sie dabei auch ihrer visuellen Linie treu, wir hoffen darüberhinaus, bald ein komplettes Album in den Händen zu halten.

Jehnny Beth: Liebesleben [Update]

Erst war es nur Gerede, nun ist es also raus: Am 8. Mai erscheint es nun also, das lang erwartete Soloalbum von Savages-Frontfrau Jehnny Beth. Nachdem ja vor einigen Wochen schon die erste Single "I'm The Man" samt Video um die Ecke kam, gab es heute belastbare Daten zur Platte plus einen weiteren Song namens "Flower". Zu den Eckdaten zählt auch der Hinweis, dass Beth auf ihrem Debüt u.a. Joe Talbot (Idles), Romy Madley Croft (The XX) und Schauspieler Cillian Murphy (Peaky Blinders) zur Seite stehen. "To Love Is To Live" wurde im Übrigen von Atticus Ross, Flood und Partner Johnny Hostile produziert und kommt via Caroline International ins den Handel.

02.06.  Hamburg, Mojo Club
30.06.  Berlin, Säälchen

Update: Sehr sehenswert natürlich das neue Video von Anthony Byrne, der auch schon ihre Single "I'm The Man" abgefilmt hatte, Beth zeigt sich hier gemeinsam mit Model Rebeka Adams von ihrer lustvollen, experimentellen Seite.

Ultraísta: Zuerst der Groove [Update]

Man hätte ja annehmen können, daß Nigel Godrich als Produzent dieser Tage genügend um die Ohren hat, schließlich hört man von neuen Platten seiner letzten Klienten Thom Yorke und den Red Hot Chili Peppers. Aber dem Mann bleibt offenbar noch genügend Zeit, sich um seine eigene Band zu kümmern. Und das meint nicht die Atoms For Peace, sondern Ultraísta, das Trio gemeinsam mit Sängerin Laura Bettinson und Joey Waronker. Deren Debüt liegt schon knapp acht Jahre zurück, vielleicht wurde es also einfach Zeit für eine Wiederauffrischung. Godrich gab zu Protokoll, dass das neue Werk mit dem Titel "Sister" mehr als nur einen Stil, mehr als nur hohe Kunst beinhalten sollte, hört man sich die erste Single "Tin King" an, bleibt zunächst einmal der Groove im Gedächtnis - Underworld lassen grüßen. Am 13. März dann der Rest via Partisan Records.

Update: Die neue Single "Anybody" kommt heute dazu - ob Laura Bettinson viel Spaß beim Videodreh hatte, ist nicht überliefert.





Donnerstag, 13. Februar 2020

Die Wilde Jagd: Bis zum Rausch

Genaugenommen geht es hier wohl gar nicht mehr um Songs, sondern eher um Atmosphäre, Stimmungen, Klanggefühl. Und am Ende auch um so etwas wie Selbsterfahrung, auch wenn das jetzt vielleicht etwas zu esoterisch rüberkommt. Das zumindest ist die Vermutung, wenn man die Ankündigung des neuen Albums von Die Wilde Jagd liest und den Teaser sieht. 2018 erschien die letzte Platte von Sebastian Lee Philipp und Ralf Beck, "Uhrwald Orange" hieß sie und auch diese Platte ließ schon reichlich Deutungen zu. Die Titelanzahl haben die beiden nun nochmal halbiert, ganze vier Stücke finden sich auf "HAUT", dem neuen Longplayer, und das Label Bureau B, wo das Werk auf den 17. April datiert ist, schwärmt von hypnotischen Rhythmen, feierlichem Kanon, entschlossener Kriegslust und Rausch. Nehmen wir alles gern mit, auch die anstehenden Livetermine und hoffen dann zu gegebener Zeit auf weitere Einblicke wie den Dreiminutenteaser.

29.04.  Düsseldorf, FFT
30.04.  Hamburg, Kampnagel
08.05.  Chemnitz, Atomino





Mittwoch, 12. Februar 2020

King Princess: Ihre andere Seite

Dass Harry Styles nicht nur erstklassigen Pop macht (und das ausdrücklich nach seiner Zeit mit One Direction), sondern auch ein Faible für queere Musik hat, wissen wir, seit die wunderbaren Muna bei Ihm im Vorprogramm spielten. Nun hat er ein weiteres Mal seinen exzellenten Geschmack bewiesen und Mikaela Straus aka. King Princess als Support eingeladen, sie eröffnet für ihn die Konzerte in Berlin, Hamburg, Köln und München. Im vergangenen Jahr hat Straus ihr vielbejubeltes Album "Cheap Queen" veröffentlicht, nun bringt sie selbiges nochmals in einer Deluxe-Version heraus inklusive fünf neuer Songs. Einer davon, "Ohio", zeigt die Künstlerin von einer überraschend harten Seite, zu sehen im dazugehörigen Videozusammenschnitt.

29.04.  Berlin, Mercedes-Benz-Arena
08.05.  Hamburg, Barclaycard-Arena
27.05.  Köln, Lanxess Arena
28.05.  München, Olympiahalle



The Screenshots: Und jetzt noch mal

Ganz so dienstleistungsorientiert sind wir dann doch nicht, denn dass ein Teil der für November avisierten Konzerte von The Screenshots verschoben werden musste, hatten wir zwar mitbekommen, aber nicht weitergemeldet. Nun gut, sie konnten das natürlich trotzdem ganz gut allein ausbügeln, denn mit etwas Verspätung geht die Reise nun nochmals los - am 19. Februar ist Start in Mainz und damit es auch schön kuschelig wird, spendieren die drei aus Krefeld noch den programmatischen Toursong dazu - "Liebe Grüße an alle" hier mit Video und die neuen Termine obendrauf. Gern geschehen - jetzt aber hin!

19.02.  Mainz, Schon Schön
20.02.  Leipzig, Tanzcafé Ilses Erika
21.02.  Berlin, Bi Nuu
26.02.  München, Milla
27.02.  Wien, Flex
29.02.  Stuttgart, Merlin, Kulturzentrum
16.04.  Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus

Blond: Großer Spaß mit Tiefenwirkung

Blond
"Martini Sprite"
(Beton Klunker)

Noch einmal: Dass es von Blond, also den Geschwistern Lotta und Nina Kummer plus Johann Bonitz am Keyboard, bislang kein ganzes Album gab, mochte man gar nicht glauben, tourten sie doch schon seit gefühlt einem halben Jahrtausend landauf, landab mit einem ansehnlichen Repertoire aus knackigen Hau-Drauf-Songs durch die Lande. Insofern mußte sich wohl nur noch jemand finden, der die drei von der Notwendigkeit einer vollumfänglichen Liedersammlung überzeugte - macht man heute immer noch so, braucht's für die Reputation, die Leute vom Merch jammern schon, es gab wohl viele Gründe. Und so folgt denn "Martini Sprite" den beiden beim Chemnitzer Atomino Tonträger erschienenen EP "BLOND" und "TRENDY" und jetzt wissen auch alle, dass das eine gute Idee war.



Denn die Platte bietet sowohl gewohnten Sound als auch neue Töne, es wird gebrettert, geschimpft und gelästert wie es sich gehört und trotzdem gibt es keinen Wiederaufguss. Denn auf dem Longplayer rückt nicht ganz grundlos das in den Vordergrund, was gerade die beiden Schwestern offenkundig schon länger begleitet - die fortschreitende Emanzipation in ihrer natürlichen Arbeitsumgebung. Gerade hat sich beispielsweise eine Userin bei Twitter mal die Mühe gemacht, prominente Festival-LineUps nach female acts zu filtern, herausgekommen ist ein ziemlich mickriger Prozentsatz unter erdrückend männlicher Vorherrschaft. Was das für heranwachsende Besucherinnen für ein Zeichen ist, kann sich jede/r selbst denken. Genau das zu ändern sind Blond angetreten. Es gilt, jedem "Thorsten" dieser Welt eine unmissverständliche Ansage zu machen, das bräsige Patriarchat mit seinen Vorurteilen zu konfrontieren und gleichzeitig Selbstverständnis und Kampfbereitschaft da herauszufordern, wo sie sich noch allzu oft wegduckt, klein beigibt und aus Bequemlichkeit, Angst oder Gewohnheit in der alten Rolle verschwindet.



Einfache Parolen gehören ebenso dazu wie drastische Bilder, ein Song wie "Es könnte grad nicht schöner sein" holt auf äußerst treffende Weise die Scham aus der Nische auf die offene Bühne, ein Thema, das in verschiedensten Genres (Schnipo Schranke, Le Butcherettes, Marika Hackman, Angèle, u.a.) gerade wieder an Aufmerksamkeit gewinnt. Vielleicht sitzt nicht jedes Riff auf "Martini Sprite" und so mancher Reim kommt nicht ohne den Holzhammer aus, andererseits überraschen Blond bei "Sanifair Millionär" als durchaus talentierte Rapperinnen (das scheint ja  ein grundsätzliches Kummer-Ding mit Potential zu sein) und geben sich auch sonst stilistisch mit Pop, House oder Funk bemerkenswert angstfrei. Unterm Strich also ein großer Spaß - und zwar mit Tiefenwirkung. https://www.blond-band.de/

Anna Burch: Harmonie und Chaos

In der Erinnerung ist sie immer noch die Frau mit der Gitarre. Mitverantwortlich dafür war ihr beachtliches Debüt "Quit The Curse" aus dem Jahr 2018. Anna Burch aus Detroit trat auf diesem nicht immer laut, sondern eher eindringlich auf, die Songs spiegelten sehr persönliche Erfahrungen, Beziehungsarbeit, solche Dinge. Hört man sich nun ihre beiden neuen Singles "Not So Bad" und das aktuelle "Party's Over" an, fällt zu allererst die verspielte Melodik auf, mit der diese arrangiert sind, weiche Harmonien, 60ies Pop, Singalongs. Das eine, wie sie sagt, ein "optimistic love song", das andere als teils verträumtes, teils wildes Hochzeitschaos visualisiert. Es sieht ganz so aus, als hätte sie Spaß aus Ausprobieren gefunden, als sei sie bereit für den zweiten, großen Schritt. Und der erfolgt ganz offiziell am 4. März, dann nämlich erscheint bei Heavenly Recordings die zweite Studioplatte "If You're Dreaming".

20.05.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
21.05.  Berlin, Privatclub
22.05.  München, Heppel und Ettlich





Dienstag, 11. Februar 2020

Leonie singt: Aus der Balance

Vor fünf Jahren waren wir also noch auf unsicherem Gewässer, heute ist das Wasser weg, die Unwägbarkeit, das Schwanken sind geblieben. Leonie Felle, bildende Künstlerin und Musikerin aus München, hatte im Januar 2015 ein beachtliches Debütalbum vorgelegt, gemeinsam mit Hagen Keller, Sascha Schwegeler (G.Rag Y Los Hermanos Patchekos) und Jakob Egenrieder brachte sie unter dem Namen Leonie singt zwölf melancholisch bis traurige Lieder zwischen Folk, Chanson und klassischem Indierock auf Bühne und Konserve. Schwere Gedanken, die sich auch in dem Covermotiv von der ebenso schweren See wiederfinden ließen, aufgewühlt, unruhig, immer auch gefährlich. Jetzt schickt sie sich also an, bei den Buddies von Gutfeeling Records und unter Regie von Labelmate Fred Raspail eine weitere Sammlung zu veröffentlichen, wieder zwölf teils deutsche, teils englische Stücke. "Horizont" wird es heißen und ein Blick auf die Plattenhülle verrät, dass es hier nicht weniger nachdenklich zugehen wird. "Der Titelsong", so Felle, "handelt vom Verlust des Gleichgewichts und dem Versuch, es wieder zu erlangen. Der Horizont ist für mich die Balance. Im Lied ist die Balance gekippt. Der Schwerpunkt und die Mitte sind verloren gegangen." Mit dem Gefühl steht sie in diesen Zeiten wohl nicht allein da, vielen von uns kommen die sichergeglaubten Bezugs- und Ankerpunkte abhanden, alte Gewißheiten geraten ins Wanken, Abschiede, Unsicherheiten, Neuorientierungen sind die Folge. Und auch wenn wir (dank eines gewissen Herrn Lindenberg) ahnen, dass es hinter dem Horizont immer weitergeht, bleibt doch ein eigenartiges, nicht selten bedrohliches Gefühl. Ob sie's denn trifft - wir werden es spätestens am 20. März genauer wissen.

20.03.  München, Heppel & Ettlich
21.03.  Wasserburg, Kino Utopia Headquarter
22.03.  Bergen am Chiemsee, LadenBergen
01.04.  München, Glockenbachwerkstatt/Fish ’n‘ Blues
18.04.  Rosenheim, Bebop Schallplatten
02.07.  Olching, Haus am See



2Raumwohnung: Alte Gewissheiten

Wo wir es gerade von Gewissheiten hatten: Inga Humpe und Tommy Eckart sind seit nunmehr zwanzig Jahren unter dem Kleinanzeigenkürzel 2Raumwohnung unterwegs und wollte man unter ihrem Namen bestimmte Begriffe clustern, dann gehören mit Sicherheit die folgenden drei dazu: Berlin, Disko und Sexyness. Das ging schon damals los, als sie sich in einem Garten getroffen haben, bei 36 Grad unter zwei Millionen von Sternen und hält sich als Gefühl irgendwie bis heute. Humpes Stimme klingt noch immer etwas kleinmädchenhaft, kokett sagte man dazu mal, lasziv geht auch, komischerweise sind 2Raumwohnung immer eher 80er- als Nullerjahre. Jetzt jedenfalls gibt es ein Album mit dem schnöden (weil unsexy) Titel "20 Jahre 2Raumwohnung", einer Hallentour (naja, mäßig sexy) und dem neuen Track "Hier Sind Wir Alle" (nach "Das ist nicht das Ende Baby") - und der funktioniert wie ein Schalter, wie immer also.

17.03.  Osnabrück, Rosenhof Osnabrück
19.03.  Köln, E-Werk
20.03.  Frankfurt, Batschkapp
21.03.  Stuttgart, Im Wizemann
27.03.   München, Muffathalle
28.03.   Zürich, Xtra
29.03.  Wien, Arena
02.04.  Leipzig, Täubchenthal
03.04.  Hamburg, Große Freiheit





Montag, 10. Februar 2020

Cable Ties: Laute(r) Treffer [Update]

Auch diese drei sind dringend zu empfehlen, auch wenn sie nicht mit ganz so viel Rückenwind kommen: Die australische Band Cable Ties hat aber, aus Gründen, deutlich mehr Treffer bei Google zu verzeichnen als manch andere Truppe, noch dazu gaben sie heute die Veröffentlichung ihres neuen, zweiten Album "Far Enough" für den 27. März via Merge Records bekannt. Anzunehmen, dass es darauf auch genauso laut zugeht wie auf dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 2017, dies legt auch die erste Vorauskopplung "Sandcastles" nahe - besser nachhören kann das wer will auch im April, wo das Trio aus Melbourne für zwei Termine in Deutschland vorbeischaut.

13.04.  Hamburg, Hafenklang
14.04.  Berlin, Zukunft am Ostkreuz

Update: Und hier kommt ein neuer Song der Kabelbinder - "Self-Made Man" mit Video.





Sonntag, 9. Februar 2020

Le Butcherettes: Nur keine Fortsetzung

Le Butcherettes
„Don’t Bleed“
(Rise Records)

Zuerst dieses Video. „Tunisia“ also. Das der erfahrene Kinogänger schnell als knapp dreiminütige Persiflage der gruseligen Sorte auf Steven Kings „Misery“-Verfilmung mit Kathy Bates erkannte. Nur eben jetzt mit Teri Gender Bender in der Rolle des durchgeknallten Fangirls und Bassist Riko Rodriguez-Lopez statt James Caan und nicht als Autor, sondern Produzent. Und zwar des letztjähringen Butcherettes-Albums „bi/MENTAL“. Wilkes aka. Bates aka. Gender Bender besteht nachdrücklich auf einer Fortsetzung, der Produzent verneint und verzweifelt und wählt letztendlich die bekannt drastische Art, ihr das zu verklickern. Nun, er hat sich wohl durchsetzen können, denn die neue EP ist tatsächlich von einem „weiter so“ meilenweit entfernt. Dass Gender Bender nicht nur live eine Grenzgängerin ist, wissen die Anhänger, trotzdem werden sich nicht wenige von ihnen irritiert auf dem Label der Platte versichern, dass der Verkäufer nicht doch die falsche Scheibe in die richtige Hülle gepackt hat – nö, kein Zweifel, sie sind es. Le Butcherettes wagen auf „Don’t Bleed“ so einiges, zumindest, was den Sound der 12“ angeht, denn textlich bleibt die streitbare Leadsängerin bei ihrem ureigensten Thema – dem Dasein ergo dem Kampf als Frau. Gegen Entrechtung, Ausgrenzung und Sexismus, um Selbstbehauptung und -bestimmung.

Deshalb die eindrucksvollen Bilder auf der Verpackung, deshalb ein so krasser Song wie „Don’t Bleed“, über den Gender Bender sagt: „This was a slow awakening to some uncomfortable truths about our biological nature. About how to rationalize and broker a deal between the emotional and the intellectual. And how as women we are always, in the eyes of others, a prey to hunt as we are always bleeding“. Aber zurück zum Sound des Formats. Denn schon der Anfang „Wounds Belong To Me“ mit abgekoppelter Gitarre und blecherner Stimme ist anders als gewohnt – und erinnert etwas an die brillanten Aufnahmen der „Texas Campfire Tapes“ von Michelle Shocked. Danach geht’s dann aber zwar mit vollem Orchester weiter, aber auch hier nicht immer in die übliche Richtung. Denn wer hätte gedacht, dass wir mit Stücken wie „Now I Know“ und „Love Someone“ zwei waschechte Popsongs zu hören bekommen, ersteres mit schönen Hooks und federnden Rhythmen, letzteres als – nunja – Powerballade!? Klar kann jede/r selbst entscheiden, wie sie oder er dazu steht, den Ultraorthodoxen werden das sicher ein paar Schritte zu viel sein und irgendjemand schreit ja immer „Verrat!“ Egal, Grenzüberschreitung ist das, was man von einer Band wie dieser erwarten darf und wenn es mal in die andere Richtung geht, um so besser. Die Stücke wirken überzeugend, funktionieren prächtig, sie haben alles richtig gemacht. https://www.lebutcherettesofficial.com/


Loose Fit: Vermutlich ziemlich gut

Viel wissen wir tatsächlich noch nicht über dieses Quartett aus Sydney und selbst der mögliche Bezug des Bandnamens ist reine Vermutung: Dass sich Loose Fit nach einem der bekanntesten Songs der Happy Mondays benannt haben könnten, passt aber ganz gut in den Kram. Zwar machen Anna Langdon, Kaylene Milner, Max Edgar und Richard Martin Post-Punk, allerdings solchen, der ziemlich schnell in die Beine geht und da haben wir die entsprechende Gemeinsamkeit mit den Helden aus Manchester. Während es diese aber schon geschafft haben und über eine wirkliche Rückkehr mitsamt Shawn Ryder ständig spekuliert wird, stehen Loose Fit erst am Anfang ihrer Karriere. Die Debüt-EP jedenfalls ist eingespielt und soll am 3. April bei Fat Cat Records erscheinen, nachdem wir mit "Reflux" und "Black Water" vor ca. einem Jahr die ersten Songs davon zu hören bekamen, ist nun "Pull The Lever" am Start, der Rest dann in ein paar Wochen.





Freitag, 7. Februar 2020

Napalm Death: Auf Umwegen

Natürlich gibt es den Hinweis zur britischen Grindcore-Formation Napalm Death nicht ohne entsprechende Umwege. Zum einen hatten wir hier erst kürzlich über Mick Harris, den ehemaligen Schlagzeuger der Band berichtet, der mit seinem Industrial-Projekt Scorn einen gemeinsamen Track mit Sleaford-Mods-Frontmann Jason Williamson präsentierte. Und zum anderen stammt einer der beiden Titel, die wir vorstellen wollen, von Sonic Youth, die hier quasi einen Heldenstatus genießen und deshalb Erwähnung in jedweder Art erwarten dürfen. Napalm Death also haben gerade mit einer Doppel-A-Single, der ersten Neuveröffentlichung nach vier Jahren, überrascht - zu hören sind die Songs "Logic Ravaged By Brute Force" und mit "White Kross" das Cover besagter New Yorker No-Wave-Idole um Thurston Moore und Kim Gordon. Einfach Volume auf maximales Level und einmal das Hirn durchgepustet - Tourneestart im Übrigen heute Abend.

07.02.  Oberhausen, Kulttempel
08.02.  Hamburg, Gruenspan
09.02.  Nürnberg, Hirsch
13.02.  Leipzig, Werk 2
14.02.  Berlin, Astra Kulturhaus
15.02.  Mannheim, MS Connexion Complex
26.02.  Saarbrücken, Garage
04.03.  Stuttgart, Im Wizemann
05.03.  Lindau, Club Vaudeville
06.03.  München, Backstage
08.03.  Köln, Essigfabrik



Poliça: Dämonen und Lebensgeister

Poliça
„When We Stay Alive“

(Memphis Industries)

„Snow falls on the tip of my tongue
Tasting blood of the violence to come
Branches hang?low?to drag and?reach
Crows begging a hawk for its?meat
Prism dug from the bottle waves
This, the skin and the hair, you came
Cuts was made for the nerves to die
Some so bold, they speak in light
Legs running in the tall tear blades
Imagine wanting life and the want remains
Watching rot in every passing eye
Bones bend to eat the shit from the flies…“
(“Driving”)

Ein Risiko geht man immer ein, überall. Wäre kein Risiko dabei, wäre es keine Kunst, wäre man kein/e Künstler/in. Insofern ist der Ansatz, den Channy Leaneagh, Sängerin der Synthpop-Formation Poliça, für ihr viertes Album wählt, gar nicht so überraschend. Im Winter vor zwei Jahren fiel sie so unglücklich vom Dach ihres Hauses, dass sie für die Rekonvaleszenz eine lange Zeit ans Bett gefesselt war. Es ergab sich, dass sie auf Empfehlung ihres Arztes diese Monate zur Besinnung ergo Arbeit nutzte und ihre Fantasien, Sehnsüchte, Ängste und nicht zuletzt das Glücksgefühl, den Unfall relativ unbeschadet überstehen zu können, als lyrischen Unterbau für die vorliegende Platte verwendete – „when we stay alive“ eben.



Und so kreisen die Gedanken bei Stücken wie “Feel Life“ oder „Be Again“ ums langsam wiedererwachende Lebensgefühl, um eine neue Bewusstheit, Körperlichkeit, ist Dankbarkeit herauszuhören, mütterliche Fürsorge, aber auch Empfindlichkeit und nicht selten auch das Sinnieren über Einsamkeit und Isolation. Man kennt das von sich selbst aus ähnlichen Situationen – zur Bewegungslosigkeit gezwungen, eingeschlossen in einen imaginären Käfig, auf’s eigene Ich zurückgeworfen, spuken viele Dinge durch den Kopf und manche davon sind, wenn auch hilfreich, doch schmerzhaft und unangenehm. Leaneagh hat einige dieser innernen Kämpfe gleichsam in ihren Songs dokumentiert, in „Fold Up“, das fast an einen Fiebertraum erinnert, „Forget Me Now“ als zorniges Statement zu Selbstbehauptung und Unverstelltheit und „Sea Without Blue“, das mit einer eindringlichen Bitte endet: „Make a choice if you want to stay, then look at me and communicate, forgive for real when you say you do, don't say you'll make it up to me, you never do” und kurz darauf: “Don't forget it, don't forget, had a good thing but we let it quit, throwing out hearts over one bad night, regret it, we will for the rest of our lives.”



Dass man zuweilen dann doch zur Skip-Taste schielt, liegt weniger an diesen sehr persönlichen Betrachtungen als daran, dass der Sound mit der Kraft der Worte nicht immer mitzuhalten vermag. Ein wenig härter, ein Stück griffiger, zupackender hätte man sich die synthetische Kulisse gerade im zweiten Teil schon gewünscht, hier unterscheidet sich das neue Werk dann doch deutlich von den Vorgängern „Give You The Ghost“, „Shulamith“ und „United Crushers“. Möglicherweise rächt sich an dieser Stelle die ausschließliche Fokusierung auf’s Persönliche dann doch, verlassen sich Poliça zu sehr auf den zarten, anmutigen Leadgesang Leaneaghs und das Spannungsfeld ihrer Selbstbetrachtungen.

16.02.  Frankfurt, Zoom
18.02.  Köln, Artheater
19.02.  Hamburg, Grünspan
25.02.  Berlin, Columbia Theater
29.02.  München, Hansa 39

Donnerstag, 6. Februar 2020

Christine And The Queens: In bester Gesellschaft

Nach diesem Song hat man erst mal wieder genug damit zu tun, in der eigenen Plattensammlung zu kramen. Denn dann weiß man, wie sehr man diese Frau vermisst hat. Zwei Jahre ist es her, da seit Heloise Adelaide Letissier, bekannter unter ihrem Moniker Christine And the Queens, ihr zweites Soloalbum "CHRIS" veröffentlicht hat und bis heute, behaupten wir mal, gibt es im Pop nur sehr wenige, die einen so verzaubern, so für sich einnehmen können wie diese Frau. Der Tanz, die Gestik, der Gesang, das Gespür für die perfekte Komposition und Dramatik - all das hatte sie schon 2014 auf ihrem Debüt "Chaleur Humaine" grandios zelebriert, es gelang ihr mit dem Nachfolger auf ähnliche Weise. Danach war längere Zeit Sendepause, Neuigkeiten gab es nur gemeinsam mit Charli XCX auf deren Album mit der Single "Gone". Und nun endlich Grund zur Freude, denn die Musikplattform COLORSXSTUDIOS hat Letissier vor's Mikrophon gebeten, um dort ihre Single "People, I've Been Sad" einzusingen, eine sehr gefühlvoller, zweisprachiger und natürlich entsprechend dramatischer Song. So gut, dass einen nicht mal die dummen Kommentare zu Frisur und Sakko weiter stören wollen. Und wer Lust bekommen hat, der sollte sich unbedingt auch noch ein paar weitere Auftritte, u.a. von Billie Eilish, Little Simz, Tierra Whak und viele andere mehr anschauen - sie ist in bester Gesellschaft.







Algiers: Gegen die Zerstörung

Algiers
„There Is No Year“

(Matador)

„Was ist das eigentlich?“ – diese Frage begleitet Algiers Zeit ihres Bestehens und sie teilen sie mit den beiden Bands, die ihnen stilistisch am nächsten kommen, den schottischen Young Fathers und TV On The Radio aus New York. Beantwortet wird sie auch mit dem neuen, dritten Studioalbum nicht und wer halbwegs wachen und offenen Geistes durch diese Welt geht, der kann darüber nur froh sein. Denn an Energie, Wucht und Ideenreichtum haben die vier Musiker aus Atlanta rein gar nichts verloren. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass sie auf „There Is No Year“ (experimentierfreudig und düster waren sie ja seit jeher) noch wütender und entschlossener zu Werke gehen. Zerstörerisch möchte man das nicht nennen, weil ja genau das eines der Hauptthemen ist, welches sie textlich in der Gesellschaft um sie herum anprangern und beklagen: Die anhaltende Spirale aus Gewalt, Entmenschlichung, zunehmender Armut und Zerstörung der Lebensgrundlagen ist es, was sie umtreibt, zu dystopischen Metaphern und harten, disruptiven Klängen greifen läßt.



Schnelle, hämmernde Basskasskaden, geloopte Beats wie beim Eröffnungstrack oder später in „Unoccupied“, wütender Punk gar für den Kehraus „Void“ und auch dazwischen viel schwergewichtiger, kunstvoll geschichteter und synthetisch veredelter Krach – der Sound packt einen und läßt bis zum Schluß nicht locker. Ihrer Vorliebe für Soul, Blues, Spirituals und auch den Jazz lassen Algiers einmal mehr freien Lauf, das wunderbare „Chaka“ kommt als Remeniszenz an die schon zu Lebzeiten legendäre Sängerin Chaka Khan mit Sax-Solo ebenso überzeugend daher wie die Verweise auf den No-Wave von Suicide und die Synthpopper Depeche Mode. Letztere liegen ihnen näher, als manche/r denken mag, schließlich haben sie für Gore und Gahan schon als Remixer gearbeitet und konnten auf der letzten Tour der Briten gar im Vorprogramm glänzen – Stücke wie „Hour Of The Furnances“ oder die crispy Gitarren von „Repeating Night“ zeugen von einer nicht eben losen Wahlverwandtschaft. Stilistisch ist das allerhöchste Schule und von einer Kraft, die, gerade bei entsprechender Lautstärke, nachhaltig beeindruckt.



Der lyrische Anspruch, den Sänger Franklin James Fisher in seine teils traurigen, teils zornigen Texte legt, ist ebenfalls nicht gering zu schätzen, alle Texte entstammen, so liest man, aus einem Gedichtwerk namens „Misophonia“, das im Laufe der letzten Jahre entstanden ist und sich zum einen aus Fishers real existierendem Krankheitsbild speist, zum anderen aber mit den verstörenden Zuständen um ihn herum beschäftigt: „This record is about … how life stops making sense and about methods you employ typically or historically in order to find sense. You feel like you‘re in a freefall, everything is chaos and you get to a certain point in your life where parents start dying, the government is run by children, the planet is on the edge of absolute collapse. It‘s where we are as a race of humans, that‘s where we are as a culture, that‘s where we are as a society that‘s predicated on a system which is capitalism that cannot last forever. Relationships fail when you have loss and friends get sick, friendships end, families break apart, all of those things (Bedroomdisco).” Kein dünnes Brett, fürwahr. Dass es jedoch auch für ihn nicht ganz so hoffnungslos aussieht, lassen die Zeilen am Ende ahnen: „Got to find a way to get out of it“, heißt es da mit kämpferischem Ton im Chorus und: „It is coming around (it's opportunity)“ setzt den Punkt. Man darf die Platte, bei aller gebotenen Vorsicht, wohl unter dem Stichwort ‘Meisterwerk‘ einordnen.

14.02.  Club Volta, Köln
15.02.  Club Manufaktur, Schorndorf
17.02.  Frankfurt, Zoom
18.02.  Beatpol, Dresden
24.02.  Strom, München
21.04.  Knust, Hamburg
27.04.  Lido, Berlin

Mittwoch, 5. Februar 2020

The Magic Gang: Gelungene Warnung

Gerade weil jeder Tag so viele traurige Nachrichten bereithält (kann sich jede/r selbst ein paar passende heraussuchen, die Auswahl ist groß), braucht es ab und zu einfach gute Musik, ganz im Sinne von Caspers "Alles endet (aber nie die Musik)" oder Niels Frewerts "Immer noch die Musik". Heute ist diese Rolle dem wirklich wunderbar lockeren Banger "Think" von The Magic Gang vorbehalten - eingängigster Rhythmus, feinste Hooks, schönes Video. Sänger Kris Smith hat dem Netzportal The Line Of Best Fit über den Song übringens Folgendes gesagt: "Das Stück ist eine Art Warnung. Es geht darum, Konflikte zu vermeiden und daran zu denken, die Dinge nicht auf Kosten aller zu erschweren." Ob und wann ein Nachfolger für das Debütalbum der Band, 2018 bei Yala! erschienen, auch schon in den Startlöchern steht, werden wir wohl bald erfahren.

Pottery: In lautem Gedenken

Für Freunde des gepflegten Post-Punk waren die letzten Tage ziemlich traurig. Andy Gill, stilbildender Gitarrist der englischen Gang Of Four, war am 1. Februar an einer Lungenentzündung gestorben und hinterläßt tatsächlich eine ziemlich große Leerstelle und haufenweise Hooks und Erinnerungen. Grund genug, sein Erbe zu befeuern und dem Nachwuchs einmal mehr eine Chance zu geben, schließlich hatte auch seine Karriere mit gerade mal zwanzig Jahren begonnen. Pottery aus Montreal zum Beispiel wären durchaus einen Versuch wert, schon im Mai vergangenen Jahres konnten sie uns mit ihrer Debüt-EP "No.1" und dem Video zur Single "The Craft" überzeugen. Nun haben die fünf Herren ihr erstes Album namens "Welcome To Bobby's Motel" via Partisan Records angekündigt, flankiert von einem zweigeteilten Song mit dem Titel "Texas Drums Pt. I/II".



Dienstag, 4. Februar 2020

The Radio Dept.: Neues wagen

Auf ein neues Album zu hoffen wäre an dieser Stelle noch etwas übertrieben: Die schwedischen The Radio Dept. haben gerade einen neuen Song veröffentlicht - "The Absence Of Birds" ist ein verträumtes Stück - es geht, nicht schwer zu erraten, um Verlust, aber auch ums Neuanfagen, Wagen. Laut einem Statement von Johan Duncanson und Martin Carlberg ist im Laufe des Jahres mit weiterem Material zu rechnen, unklar ist allerdings, in welchem Format die Stücke in den Verkauf gehen werden, eine ganze Studioplatte wie die letzte "Running Out Of Love" (2016) ist nur eine Option unter vielen.



Nadine Shah: Alles, was sie nicht will

Wenn diese Frau ein neues Album ankündigt, darf sich mancher schon mal warm anziehen. Ein Satz, bei dem man ohne Gender-Sternchen auskommt, denn Nadine Shah ist eine ausgewiesene Feministin und es ist damit zu rechnen, dass gerade die Männer auch auf "Kitchen Sink", ihrer vierten Studioplatte nach "Holiday Destibation", ihr verdientes Fett wegbekommen. Und eigentlich passiert das gleich vom Start weg, denn die erste Single "Ladies For Babies" geht sogleich zur Sache - in den Linernotes gibt sie zu Protokoll: "Mein Bruder hat, als er jünger war, mal eine Bemerkung über Sexismus gemacht, er malte ein Bild von einem Mann, der eine Ziege umarmt, und dazu den Satz: 'Frauen für die Babys, Ziegen für die Liebe...'. Das blieb immer bei mir haften, wohl, weil es sich so dumm anhörte, aber vor allem, weil ich schon damals genau wußte, was damit gemeint war und welche Absicht dahintersteckte" und weiter: "Ich dachte auch an viele der Lieder, die ich damals gehört hätte, Lieder, die ich ohne Nachzudenken mitsang, ohne deren Bedeutung zu hinterfragen. 'Ladies for Babies' ist eine direkte Antwort auf 'All That She Wants' von Ace of Base. Ich habe einfach das Geschlecht vertauscht und mache mich über einen Ehemann lustig, der von mir als Ehefrau nichts anderes erwartet, als sein Kind auszutragen und die Rolle der gehorsamen, unterwürfigen Trophäenfrau zu spielen."

08.05.  Berlin, Pitchfork Festival