Freitag, 30. November 2018

Idles vs. Heavy Lungs: Blutsbande

Und weil es jetzt für den Tag (s.u.) einen griffigen Namen hat, passt diese Nachricht wie die Faust auf's Auge: Die Heavy Lungs aus Bristol haben heute endlich gemeinsam mit ihren Buddies, den Idles, die Double-A-Single "Danny Nedelko/Blood Brother" via Partisan Records veröffentlicht und dankenswerterweise gibt es dazu auch gleich noch ein neues Video, aufgenommen von Elliot Pearce. Regelmäßige Besucher wissen natürlich längst, dass beide Songs aus der gegenseitigen Wertschätzung der beiden Sänger Joe Talbot (Idles) und Danny Nedelko (Heavy Lungs) entstanden sind, aber selbst ohne diese Geschichte knallen sie außerordentlich.



Sleaford Mods: Angry Friday

Gerade mal eine Woche ist es her, da konnte man hierzulande beobachten, wie verführbar bis dämlich die sogenannte soziale Marktwirtschaft uns schon konditioniert hat - Black Friday, Cyber Friday, Du-brauchst-den-Scheiß-zwar-nicht-aber-nimmst-ihn-trotzdem-weil-billig-Friday, zum Haare raufen. Es wurde also Zeit, dass der Freitag wieder einer neuen Bedeutung zugeführt wird und weil er auch ein Release-Day ist, machen wir aus dieser Ankündigung die große Nummer: Die Sleaford Mods, Punks qua Haltung aus Nottingham, haben heute die Veröffentlichung ihres neuen Albums "Eton Alive" bekanntgegeben, am 22. Februar werden die zwölf neuen Tracks via Rough Trade an den Start gehen und zu diesem Zeitpunkt wird auch eine beachtliche Tour durch Irland und England starten. Ob dieser dann auch wieder ein paar Termine in Deutschland folgen, wird sich weisen, mit "Flipside" jedenfalls gibt es schon mal einen ersten Song vorab. Das Statement zur Platte übrigens fällt bei Frontmann Jason Williamson gewohnt zornig aus:

"'Eton Alive' speaks for itself really. Here we are once again in the middle of another elitist plan being digested slowly as we wait to be turned into faces once more. Some already are, some are dead and the rest of us erode in the belly of prehistoric ideology which depending on our abilities and willingness, assigns to each of us varying levels of comfort that range from horrible to reasonably acceptable, based on contribution. So after the digestive system of the Nobles rejects our inedible bones we exit the Arse of Rule, we fall into the toilet again and at the mercy of whatever policies are holding order in the shit pipe of this tatty civilisation. It is here our flesh regenerates as we rattle into another form, ready, and ripe for order ..."

Donnerstag, 29. November 2018

Shame: Witz vs. Frust [Update]

Shame
„Songs Of Praise“
(Dead Oceans)

An dem Umstand, dass jede Gesellschaft die Musik bekommt, die sie verdient, ist nun wirklich nichts Neues. Und so schlecht, wie das jetzt klingt, muss das dann gar nicht sein. Weil es nämlich auf der Insel noch immer drunter und drüber geht, das Land zwischen sozialpolitischem Desaster, wirtschaftlicher Hilflosigkeit und antieuropäischer Isolation gerade seine Coolness und auch ein Stück seines vielgelobten Humors zu verlieren droht, finden sich immer mehr junge Menschen, die aus ihrer Wut und Frustration kein Hehl machen. Und darüber singen – loud und auch mächtig proud, so wie früher schon. Deshalb die Sleaford Mods, die Idles, The Fat White Family, deshalb auch Jungspunde wie SONNDR und eben Shame. Fünf milchbärtige Lads aus London, die dem Punk und dem Britpop mal wieder einen weiteren Kick verpassen und auf dem Debüt einen zwar altbekannten, aber immer noch spannenden Sound feiern.



Die zehn „Songs Of Praise“ kommen meistenteils als rohe und rotzige Gitarrennummern daher, mal schnell und lässig wie „Concrete“, „Tasteless“ und „Lampoon“, mal zäh und schroff wie beim Einstieg „Dust On Trial“ oder dem einigermaßen rätselhaften „The Lick“. Daß sich die Jungs auch ihre poppigen Momente gönnen – der Kehraus „Angie“ hält davon ganze wunderbare sieben Minuten bereit – macht sie noch sympathischer, denn nichts ist so langweilig wie verbissenes Einerlei. Auch der Witz ist ihnen noch nicht abhandengekommen, schaut man sich den Clip zu „Gold Hole“ an, in welchem Sänger Charlie Steen den selbstverliebten Gockel und nervigen Besserwisser gibt und seine Bandkollegen wie armselige Trottel aussehen läßt. An anderer Stelle („One Rizla“) versuchen sich die Kerle, vom Haus- und Hofherren zunächst misstrauisch beäugt und später väterlich belächelt, in mehr oder weniger ernsthafter Landarbeit. Ein großer Spaß. So wie die ganze Platte.

Update: Bald geht sie los, die Tour, mit dabei sind Sorry aus London - und hier kommt das Video zur aktuellen Single "Dust On Trial".

08.05.  Wien, Chelsea
11.05.  Zürich, Dynamo
08.12.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
09.12.  Berlin, SO36
10.12.  München, Strom
12.12.  Köln, Luxor

Frittenbude: Der Sonne entgegen

(c) Bastian Bochinski
Neue Chance, endlich mal wieder das alte Audiolith-T-Shirt aus dem Schrank zu holen: Denn Frittenbude sind wieder am Start. Vor ein paar Wochen schon gab es in Zusammenarbeit mit Jörkk Mechenbier, dem Sänger von Love A, einen ersten neuen Song - "Die Dunkelheit darf niemals siegen" kam mit griffigen Slogans zur aktuellen politischen Debattenlage daher und wirkte, so ganz ohne Metaebenen und poetischen Ansatz, vielleicht etwas hölzern, gleichwohl war und ist der Song als dringliche Wortmeldung natürlich unverzichtbar. Die offiziell erste Single ihres kommenden Albums "Rote Sonne" ist da schon etwas vielschichtiger geraten, "Süchtig" macht was es verspricht und baut so die nötige Spannung für den 22. Februar auf, Sonnenaufgang quasi. Eine Tour der Jungs gibt es 2019 natürlich auch, zeitiges Buchen sichert Tickets, das zeigt die Erfahrung - VVK startet morgen um 10:00 Uhr bei https://www.tixforgigs.com/.

15.03.  Hannover, Faust
16.03.  Hamburg, Uebel & Gefährlich
21.03.  Wien, Flex
22.03.  Salzburg, Rockhouse
23.03.  Graz, PPC
28.03.  Dresden, Scheune
30.03.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
04.04.  Jena, Kassablanca
05.04.  Leipzig, Täubchenthal
06.04.  Wiesbaden, Schlachthof
11.04.  Münster, Gleis 22
12.04.  Essen, Hotel Shanghai
13.04.  Köln, Luxor
25.04.  Nürnberg, Z-Bau
26.04.  Stuttgart, Im Wizemann
27.04.  München, Muffathalle

Grimes: Metal Machine Music

Wo sie's wohl gehört hat? Es war ja eine ganze Weile recht ruhig um Claire Boucher alias Grimes. Ihr letztes Album "Art Angels" stammt aus dem Jahr 2015, konnte mit feinen Mangabildern und noch feinerem Sound aufwarten, eine der letzten Wortmeldungen allerdings stammt von ihrer Kollaboration mit Janelle Monáe und ihrem Song "PYNK", die man als Revanche zur früheren Zusammenarbeit beim Track "Venus Fly" verstehen konnte. Heute jedenfalls ein erster neuer Song - "We Appreciate Power feat. Hana" ist nach ihrem Verständnis Mathmetal-Maschinenmusik aus der Zukunft, die Amerikaner vermuten Einflüsse von Nine Inch Nails, hierzulande tippt man eher auf Rammstein (wer weiß, was Elon Musk so im Tesla laufen hat). Mehr mit Sicherheit in Kürze.



Mittwoch, 28. November 2018

Fiasco: Nur kein Argwohn

Bei manchem ist das ja tatsächlich so, daß Songs, die allzu geschmeidig daherkommen, sofort Argwohn auslösen. Und auch wir können uns davon nicht ganz ausnehmen. Da wäre zum Beispiel diese neue, junge Band aus Paris. Vier junge Herren, die sich Fiasco nennen und nicht mehr als zwei Lieder vorzuweisen haben. Dummerweise sind diese beiden allerdings ziemlich gelungen und so richtig viel Widerspruch will sich auch mit großer Mühe nicht finden lassen. Denn einerseits hätten wir da das samtweiche "Dancing Days", das mit ein bisschen Vocoderschnörkel ganz entspannt aus den Boxen tropft. Und zudem die aktuelle Single "B(l)ack", ebenso soft, aber mit einem lässigen Beat unterlegt.



Dienstag, 27. November 2018

Black Thought: Feste Größe

So wie sein Buddy Questlove aus dem Ensemble von Jimmy Fallons Tonight Show nicht wegzudenken ist, so darf auch Tariq Trotter, weit bekannter unter seinem Alias Black Thought, bei der Aufzählung der gewichtigsten Stimmen des Hip Hop der letzten Jahre nicht fehlen. Und weil ihre gemeinsame Formation The Roots gerade nichts am Start hat (zuletzt gab's eine Art Biertaufe mit Musik), veröffentlicht Black Thought kurzerhand seine neue EP "Streams Of Thought Volume 2: Traxploitation". Ganze neun Stücke umfaßt die 12", aufgenommen wurde zusammen mit Salaam Remi, das Cover Artwork stammt von Leslie Hewitt.

Le Butcherettes: Hoffen lernen

Okay, zugegeben, wir waren kurz davor, unsere Hoffnungen dranzugeben: Mit viel Vorfreude hatte man die beiden Vorabsingles "spider/WAVES" und "struggle/STRUGGLE" im Frühjahr willkommen geheißen, aber als für lange Zeit außer einer mageren EP nichts mehr nachkam, machten sich Trübsinn und Vergessen breit - doch kein neues Album von den grandiosen Le Butcherettes? Ha! Denkste! Teresa Suárez Coscío und Kollegen haben sich also doch entschlossen, den nunmehr vierten Longplayer fertigzustellen und so präsentieren wir hier nicht nur Artwork und VÖ-Datum (1. Februar) für "bi/MENTAL", sondern auch gleich noch den aktuellen Song "father/ELOHIM" samt Nachrücker aus dem Oktober "strong/ENOUGH". Fast genauso sehnlich erwartet natürlich eventuelle Livedaten - die Tour durch Amerika ist soweit eingetütet, Europa kann demnach auch nicht mehr lang dauern. Hoffen haben wir ja schließlich gelernt.

27.03.  Berlin, Frannz Club
28.03.  Hamburg, Hafenklang
05.04.  Köln, Artheater



Sharon Van Etten: Für den Moment [Update]

Wenn man von ihr gerade die zarten, die getragenen und nicht selten sehr melancholischen Songs im Ohr hat, dann dürfte dieser erste neue einigermaßen überraschen: Sharon Van Etten hat gerade nach vier Jahren Pause das nächste Studioalbum "Remind Me Tomorrow" angekündigt und als erste Single einen ordentlichen Wachmacher geteilt - "Comeback Kid". Treue Anhänger wissen natürlich, dass Van Etten nun wirklich nicht untätig war, schließlich hat sie zusammen mit David Lynch die Wiederauflage von "Twin Peaks" musikalisch begleitet, studierte Psychologie, schrieb einen Soundtrack und fand sogar noch Zeit, in der Netflix-Serie "The OA" eine Rolle zu übernehmen. Nun also die Nachfolgeplatte zu "Are We There" (2014), auf der es thematisch um die vielen Rollen geht, die man im Leben ausfüllen muss und will und darum, trotzdem den Moment, den wertvollen Augenblick zu leben, am 18. Januar 2019 ist es soweit.

Update: Und wer will, der darf schon mal den Kalender aktualisieren - vier Termine für 2019 sind im Angebot. Mit dabei sicher auch die nächste Single "Jupiter 4", zusätzlich veredelt durch den eindrucksvollen Videodreh von Katherine Dieckmann.

02.04.  Köln, Luxor
03.04.  München, Strom
05.04.  Berlin, Lido
06.04.  Hamburg, Grünspan



Montag, 26. November 2018

Iceage: Zum Ausklang

Für eine neue Platte wäre es bei ihnen wahrscheinlich noch etwas zu früh, schließlich haben sie erst im Sommer mit "Beyondless" eine richtig gute abgeliefert: Die dänischen Iceage touren gerade durch Nordamerika und vielleicht setzt die ungewohnte Weite zusätzliche Kraft und Inspiration frei. Jedenfalls gibt es innerhalb von wenigen Tagen zwei neue Songs von ihnen zu hören, nach "Balm Of Gilead" kommt nun die Reihe an "Broken Hours". Und wer möchte, darf sich das Ganze in diesem Jahr gern noch mal in Berlin aus der Nähe ansehen.

05.12.  Berlin, Bi Nuu



Ex:Re Alleinstehende Tochter

Das geht ja mal schnell: Elena Tonra, Sängerin der so wunderbaren wie maximal melancholischen Londoner Band Daughter hat gerade via 4AD ihr selbstbetiteltes Soloalbum unter dem Moniker Ex:Re angekündigt. Ein Premiere, die letzte Platte der kompletten Band "Not To Disappear" liegt zwei Jahre zurück - eine Parallele könnte die Hinwendung zu mehr Elektronik sein, die dort schon ihren Anfang nahm und, hört man sich die Vorabsingle "Romance" an, auf dem Alleingang ihre Fortsetzung findet.

The Streets: Zugabe vorab

Wenn sie alle da drauf kommen, müssten wir es schon fast komplett haben. Also das neue Album von Mike Skinner aka. The Streets. Denn einige neue Songs haben wir hier ja schon vorgestellt und seit heute wissen wir auch, dass Skinner 2019 nicht nur auf Tour geht, sondern auch eine neue Platte veröffentlichen wird. Wie sie heißt, ist noch nicht bekannt, dafür gibt es aber mit "Call Me In The Morning", entstanden gemeinsam mit Chip und Grim Sickers

16.02.  Berlin, Columbiahalle
18.02.  Hamburg, Große Freiheit
19.02.  Köln, Live Music Hall
20.02.  Wiesbaden, Schlachthof
22.02.  München, Muffathalle

Samstag, 24. November 2018

Hajk: Auf Umwegen [Update]

Okay, wir geben das jetzt mal zu: Zur norwegischen Band sind wir über die Jalousie gekommen. Das muß man kurz erklären. Denn die Cover ihrer beiden Debütsingles "Magazine" und "Best Friend" zierten jeweils ziemlich schnöde Plastik-Lamellen. Und weil man den Musiknerd nicht verleugnen kann, wurde daraus flugs eine heitere Suche quer durch die Verpackungsbranche auf der Suche nach weiteren Bespielen künstlerischer Industriefotografie - das Familienalbum #23 also. Seither wissen wir, dass auch das einfachste Utensil, richtig in Szene gesetzt, den Zweck heiligen kann. Und - weitaus wichtiger - dass eben Hajk aus Oslo wunderbar leichtfüßige Songs schreiben. Wer sich von Phoenix vor Jahren anfixen ließ, der ist auch bei den fünf Nordlichtern bestens aufgehoben, die neue Single "Dancing Like This" stammt vom Album "Drama", das im Februar kommenden Jahres bei Jansen Records erscheinen wird. More to come - gehen wir mal stark von aus...

Update: Und genauso ist es. Hier nämlich kommt die neueste Single "Keep Telling Myself", ein eher nachdenkliches Stück Musik über das oft mühsame Wälzen von Gedanken. Und es bleibt dabei - Oslo ist mit Hajk so etwas wie die Stadt der Stunde, zumindest was den europäischen Inidepop betrifft.

Freitag, 23. November 2018

Moderate Rebels: Zur freien Verfügung

Moderate Rebels
„Shared Values“
(Everyday Life Recordings)

Es hat sich ja leider eingebürgert, alles mit dem Etikett Post-Punk zu versehen, was ansprechend düster daherkommt, halbwegs politisch ist und sich ansonsten mit keinem griffigeren Etikett versehen läßt. Warum also nicht mit den Moderate Rebels ähnlich verfahren, schwarze Outfits bevorzugt, London passt sowieso, nichts einfacher als das also. Doch nur nicht zu voreilig. Denn das hieße, die offensichtliche Vorliebe der Formation für den Psychrock der frühen Siebziger, insbesondere Velvet Underground, zu ignorieren. Auch auf dem zweiten Album der Band (Debüt: The Sound Of Security) dominieren die Referenzen an die New Yorker Kultkapelle – mantraartige Textfragmente zu kräftig schrammelnder Grundierung, das Fundament ächzt so schief wie der ganze Laden da drüben auf der Insel, The Murder Mystery rules. Alles wieder sehr sparsam und schnörkellos arrangiert, selbst der Gesang beschränkt sich mehr oder minder auf eine Tonhöhe. Auch ein Wiedergänger scheint das Grundthema des Albums, es dreht sich um die zunehmende Entfremdung der Menschen voneinander, um Digitalisierung, Künstlichkeit – möglicherweise.

Denn nichts ist dem Kollektiv fremder als einfache Antworten. Dafür sprechen jedenfalls die spärlichen Zitate, die man von ihnen im Netz findet: „We don’t believe in easy answers, but we believe in asking lots of questions – always”, und an anderer Stelle: “We’re quite comfortable saying that we didn’t know what we were doing.” Das macht die Interpretation einfach und schwer zugleich, jede/r nimmt sich seinen Teil, feste Anhaltspunkte gibt es dagegen kaum. Ein Stück wie “I Love Today” stellt das zunehmende Chaos, mit dem wir täglich konfrontiert werden, in den Mittelpunkt, diesen Moment zu lieben, könnte zynisch, fatalistisch oder vorausschauend gemeint sein, schließlich ahnt man, dass es kaum besser werden wird. Vielleicht ist ja die pessimistische Note die einzige Konstante auf diesem Album (obwohl sie auch das wohl vehement bestreiten würden), Rettung ist nicht in Sicht. Jesus, so singen sie an anderer Stelle, sollte für die Seelenrettung verantwortlich sein, aber wer bitteschön schütze einen vor der eigenen Regierung? Ergo: “I have to save myself.” Keine schönen Aussichten, fürwahr. Selbst der Strandurlaub in Brasilien ist mörderisch, darüber können auch die LaLaLa-Chöre nicht hinwegtäuschen. Nicht sehr tröstlich das alles, aber trotzdem ziemlich gut.

Donnerstag, 22. November 2018

Marble Arch: Auf dem Weg

Das hatten wir in der Tat länger nicht mehr - eine Band aus Paris. Wird deshalb sofort ins Portfolio übernommen, gerade auch weil der vorgestellte Song so bezaubernd in Szene gesetzt worden ist. Die Rede ist von dem Quintett Marble Arch, fünf junge Männer um Sänger Yann Le Razavet, die sich dem Shoegazing-Dreampop verschrieben und 2014 ihr Debütalbum "The Bloom Of Division" veröffentlicht haben. Das zweite ist für Anfang des kommenden Jahres via Géographie Records angekündigt, "Children Of The Slump" soll es heiße und die erste Single "I'm On The Way" klingt schon mal recht gut. Das Video mit dem blondgelockten Unschuldslamm und seiner beneidenswerten Phantasiewelt haben Elliot Broué und Nino Le Chenadec gedreht.

Art Brut: Laßt ihn machen!

Art Brut
„Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!“
(Alcopop Records)

Eddie Argos würde das sicher gefallen, wenn man ihm biblisch käme, der Junge kann schließlich einen guten Spaß vertragen: „Ein jegliches hat seine Zeit“, so steht’s im Buch der Prediger und wie das so ist mit solchen Zitaten, man kann sie in vielerlei Richtungen deuten. Bezogen auf die neue Platte von Art Brut (und ähnliche Anläufe anderer vormals bekannter Bands) werden sich sicher einige finden, die meinen, die Zeit der Londoner Kapelle sei einfach abgelaufen. Nach „It’s A Bit Complicated“ ist es eben nicht nur komplizierter, sondern auch weniger erfolgreich geworden, aus Bang! Bang! wurde nur mehr ein ungehörtes Klopfen. Und jetzt (Vater geworden) sieben Jahre und ein paar Umbesetzungen später, greift Eddie wieder an und deutet den Bibelspruch auf seine Weise: „I don’t wanna go home yet, there’s still some people I haven’t met, there’s a fire in my soul I can’t put it out!“ Er hat also verdammt noch mal keine Lust, die Schuhe jetzt schon an den Nagel zu hängen – die Geschichte ist für ihn noch nicht zu Ende erzählt. Denn schließlich hat ja auch der Prophet nicht nur vom heilen, bauen, weinen und lachen gesprochen, sondern auch von tanzen. Und das macht er jetzt also.



Klar ist dass keine 180-Grad-Wende geworden (wer hätte die auch haben wollen), sondern eine gediegene, standesgemäß dahingerotzte Indierockplatte alter Schule. Argos ist ja ein durchaus liebenswerter, laut polternder Romantiker, der seine Gedanken gern in großen, bunten Lettern in die Gehörgänge anderer plakatiert – Wham! Und so finden sich auf der Neuen eine Reihe wirklich sehr unterhaltsamer Songs: Das hoffentlich letzte Trennungslied seiner Karriere (haha!), das ihn wieder als gewohnt bissigen Ironiker zeigt („I hope you’re very happy together and if you’re not, that’s even better“), eine humorvolle Hommage an seine Heimatstadt Berlin, manchmal klingen seine Mitstreiter wie die Housemartins (was nicht das Schlechteste ist), für „Too Clever“ dagegen packen sie ein ordentliches AC/DC-Riff aus, es geht eben beides – Bang! Und dass der Mann mit dem Schelmengesicht auch ganz wunderbar über sich selbst lachen konnte und kann (hier: „Hospital“, „Kultfigur“, etc.), haben wir ohnehin gewußt. Kein Grund zu erkennen, warum „Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!“ nicht hätte erscheinen sollen – irgendwie war es an der Zeit.

Montag, 19. November 2018

Waves Of Dread: Aufgeräumt

Jetzt also in schlichtem Schwarz: Die Shoegazing-Kapelle Waves Of Dread aus Newcastle war hier schon mit verschiedenen, vielversprechendes Songs zugange - Markenzeichen: laute, stürmische Gitarren, hübsche Melodien, da war es nicht schwer, sie ins Herz zu schließen. Die aktuelle Double-A "Forevermore/Levity" besticht nun mit äußerst aufgeräumter Optik, der Sound allerdings ist so crispy wie zuvor.

Jungstötter: Aus alt mach jung und anders

Den Jungen kennen viele, auch wenn sie nicht so genau wissen, woher: Fabian Altstötter war vor nicht allzulanger Zeit noch der Sänger der Landauer Indieband Sizarr und gab dort dem melancholischen Sound die stimmliche Tiefe, den Schmelz. Mittlerweile ist er über Umwege in Berlin gelandet und mit dieser örtlichen gab es auch eine Verschiebung der musikalischen Koordinaten. Nennt sich jetzt Jungstötter, macht auf solo und klingt damit eher wie Nick Cave oder Simon Bonney. Für den 1. Juli hat er jedenfalls sein Debütalbum "Love Is" bei PIAS angekündigt und mit "I Wonder Why" eine erste Single vorweggeschickt, zeitgelich gibt es auch noch eine ausgedehnte Tour.

26.01.  Stuttgart, Merlin
07.02.  Jena, Trafo
08.02.  Baden, One Of A Million Festival
09.02.  Frankfurt, Mousonturm
05.03.  Berlin, Volksbühne
06.03.  Dresden, Beatpol
07.03.  Leipzig, UT Connewitz
08.03.  Hamburg, Nachtasyl
09.03.  Köln, Artheater
12.03.  Nürnberg, Z-Bau
13.03.  Mainz, Schon Schön
14.03.  München, Milla
15.03.  Wien, Volkstheater
16.03.  Graz, Orpheum Extra

Grandaddy: Wunder in Fortsetzung

Da darf die Information gern auch mal knapp sein: Das Onlineportal The Line Of Best Fit hat heute einen neuen Song der kalifornischen Wunderkapelle Grandaddy vorgestellt (wem das zu hoch angesetzt ist, der skippt an dieser Stelle besser weiter), viel mehr Notizen als den Titel des Songs "Bison On The Plaines" gab es allerdings nicht zu holen. Was nicht weiter schlimm ist, heißt es doch, Jason Lytle ist noch nicht fertig und läßt dem großartigen Album "Last Place" aus dem vergangenen Jahr noch mehr folgen. Zunächst einmal diese fünf Minuten, später gern mehr.

Sonntag, 18. November 2018

Otha: Einfache Entscheidung [Update]

Die meiste Zeit braucht man bei diesem Post eigentlich dafür sich zu entscheiden, welches der beiden Bilder man denn nun nehmen möchte, um Othalie Husoy, kurz Otha, einen würdigen Auftritt zu verschaffen. Schwierige Sache, denn so richtig glücklich und präsentabel schaut die norwegische Musikerin und Produzentin auf beiden möglichen Fotos nicht. Egal, sie stammen ja beide, also sowohl das Cover als auch das Pressepic, aus ihrer eigenen Sammlung, haben also ihre Zustimmung schon vorher gefunden. Passt. Was um so mehr passt, ist der Track zum Bild, soll heißen, bei "One Of The Girls" einem wunderbaren Electrostomp, muß man keine drei Sekunden überlegen, der stellt sich von selbst auf. Also, auf geht's, dazu noch mit "Hey" und (Update) ganz neu die Single "I'm On Top".

Ian MacKaye: Hoffnung vs. Hinweis

Und wenn sich was ergäbe? Das ist die mal hoffnungsvolle, mal bange Frage, die sich aus den Nachrichten der letzten Wochen ergibt. Dem Umstand also, dass sich Ian MacKaye, Gründungsmitglied und Sänger sowohl von Minor Threat als auch Fugazi, recht umtriebig zeigt und in ungewohnt schneller Folge die Schlagzeilen der einschlägigen Musikseiten zu füllen weiß. Zunächst stand er gemeinsam mit Fugazi-Bassist Joe Lally und Partnerin Amy Farina, Drummerin bei The Evens (einem weiteren Sideprojekt), für ein Überraschungskonzert am 11. November in Washington auf der Bühne, Ton- oder Filmdokumente sind davon bislang leider noch nicht aufgetaucht. Und gerade veröffentlicht Brian Baker von Minor Threat ein ikonografisches Foto, das ihn zusammen mit seinen Ex-Kollegen MacKaye, Nelson und Preslar in der gleichen Pose wie auf dem Covershot der EP "Salad Days" zeigt. Just a joke - wie Baker meint? Oder steckt doch mehr dahinter? Von MacKaye stammt im Übrigen der nützliche Hinweis, daß jedes gute Buch, was er jemals in die Hände nahm, immer auch ein Ende hatte. Es sollte einen wundern, wenn er dieser Logik, so leid es manchem tut, gerade jetzt widerspräche.


Swervedriver: Bleibt dabei [Update]

Ihre Wiedergeburt haben diese vier Männer schon hinter sich: Bereits vor drei Jahren rauften sich Swervedriver, das Quartett aus Oxford um Adam Franklin und Jimmy Hartridge, wieder zusammen und veröffentlichte das Studioalbum "I Wasn't Born To Lose You", das erste seit dem Split 1998. Sie scheinen die Lust am Weitermachen nicht verloren zu haben, denn laut Brooklyn Vegan soll am 25. Januar bei Dangerbird mit "Future Ruins" die nächste Platte erscheinen. Die erste Single heißt "Mary Winter" und zeigt die Shoegazer (sie selbst nennen es ja Easydelic) bei vorzüglicher Laune - Swervedriver mochten es ja immer gern etwas härter als die Konkurrenz und dabei ist es offenbar auch geblieben.

Update: Mit "Drone Lover" gibt es gleich noch einen weiteren Song vom neuen Album.



Glowie: Mädchen mit Message

Da kann man mal sehen, dass es um die eigenen Vorurteile auch nicht so gut bestellt ist: Dass nämlich diese junge Dame mit dem Künstlernamen Glowie mit ihrem federleichten Pop aus Island kommt, hätten wir so auch nicht unbedingt vermutet. Trotz GusGus, Björk, Fufanu und Múm. Man steckt einen Song wie "Body" eben weniger zwischen Lawagestein und Schafwollmützen, sondern eher in sonnige Gefilde - weit gefehlt also. Obwohl, auch das Stück selbst hat ja so seine Widerhaken. Denn so locker und lässig es klingt, Sara Pétursdóttir (so ihr richtiger Name) besingt ja keineswegs eine Welt aus Friede, Freude und Eierkuchen, sondern  die oft gestörte Beziehung von Teenagern zu ihrem eigenen Körper. Sie selbst hat in ihrer Schulzeit, so ist zu lesen, reichlich von diesen zweifelhaften Erfahrungen sammeln dürfen, wurde gemobbt, verspottet, ausgegrenzt und wenn ihre Familie nicht gewesen wäre und deren Liebe zur Musik, es wäre weitaus schwerer auszuhalten gewesen für sie. Der Song mit der klaren Message passt jedenfalls bestens in die Zeit, da junge Frauen nicht mehr mit ihrer Meinung hinterm Berg halten - und zwar in Wort und Bild.



Samstag, 17. November 2018

Idles: Mehr geht nicht

Idles
Support: JOHN
München, Ampere, 16. November 2018

Das Bild entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie: Da steht also ein Mann auf der Bühne, brüllt mit Inbrunst Richtung Publikum und das antwortet ihm mit begeisterten Schreien und zur Zustimmung wütend in die Luft gestreckten Mittelfingern. Allerdings besteht dieses Publikum größtenteils aus grimmig aussehenden, teilweise kahlgeschorenen Männern und der auf der Bühne textet in etwa wie folgt: „Die Maske der Männlichkeit ist eine Maske, die mich ausmacht … Ich bin ein richtiger Mann, ich weine und ich mag mich, möcht‘s versuchen – das alles passiert, weil Du Deinen Vater niemals weinen gesehen hast, weil Du ihn niemals weinen gesehen hast!“ und gleich darauf noch ein Popzitat hinterher: „I kissed a boy and I liked it!“ Das geht sehr deutlich gegen alles, was am Bild des Mannes von heute gestrig ist und was es nachhaltig ins Wanken bringt, gegen die über Generationen vererbte Schule der väterlichen Härte, gegen das längst überkommene Patriarchat.

Der Mann auf der Bühne ist Joe Talbot, Sänger der britischen Punkband Idles. Talbot ist selbst Vater und Sohn eines sehr dominanten Künstlers, er hadert, so sagt er, mit dessen Rolle in seinem Leben und liebt ihn gleichzeitig, auf seine Weise. Die Idles sind zur Zeit wohl eine der besten Livebands, die der Rockzirkus zu bieten hat – laut, aggressiv, politisch. Sie lieben Europa und verdammen den Brexit, der ihr Land in einen chaotischen Strudel aus Selbstzerfleischung, wirtschaftlichem Offenbarungseid und sozialer Destabilisierung getrieben hat („We are fucked, we are really fucked!“). Und sie werden nicht müde, dagegen anzusingen, brandmarken Nationalismus, fehlende Mitmenschlichkeit, Verwahrlosung und die Ohnmacht der Unterschicht. Ihr zweites Album „Joy As An Act Of Resistance“ steht dem Debüt „Brutalism“ an Wucht und ungebremsten Zorn in nichts nach, auf der Bühne gewinnt das Ganze nochmals an Schärfe.

Talbot gehört zu der Sorte Menschen, deren stete Wachsamkeit sich am ehesten aus ihren Augen ablesen läßt. Schon bei seinem letzten Besuch auf dem Münchner PULS-Open-Air tigerte er schon Minuten vor dem Auftritt nervös am Bühnenrand umher und sondiert die Umgebung, auch im vollgepackten Ampere ist er von Beginn an unter Hochspannung. Sein Blick bohrt sich geradezu in den wilden Mob zu seinen Füßen, er benennt „Dickheads“, wenn sie ihn nerven und widmet manchem neuen, guten Freund spontan den nächsten Song. Der Sound ist brachial, kein Stück fehlt – nicht die Hymne „Mother“, nicht das eingangs zitierte „Samaritans“ und selbst das wunderbare Solomon-Burke-Cover „Cry To Me“ kommt auf die Bretter. Die Band ist mit viel Spaß bei der Sache, allen voran der irre Gitarrist Mark Bowen, der immer ein wenig aussieht wie die noch durchgeknalltere Version von Eric Idle. Irgendwann stehen dann die Gäste von unten plötzlich oben an den Instrumenten, es klingt schräg, noch schräger, Ausgelassenheit, unendlicher Spaß. Wenig später verschwindet Talbot aus dem Lichtkegel des eifrigen best boy, Bowen schreit noch mal in die Menge, keine Zugabe, vorbei. Mehr geht nicht.

Freitag, 16. November 2018

Smashing Pumpkins: Nicht für jedermann

Smashing Pumpkins
„Shiny And Oh So Bright, Vol. 1/LP: No Past. No Future. No Sun“
(Napalm Records)

Ein Album wie dieses ohne die Masse medialer Nebengeräusche zu beurteilen, ist ein schwieriges Unterfangen. Denn Bill Corgan, der Mann mit dem verletzlichen Superego, ist nicht gerade jemand, der sich der öffentlichen Diskussion verweigert und trotzig im Elfenbeinturm verschwindet. Dass er Anerkennung und Respekt auf offensive, geradezu provozierende Weise sucht, hat ihm jede Menge bissige Kommentare eingetragen, weniger bei seinen Anhängern als bei Kollegen und Wegbegleitern. Die wenigen, die uneingeschränkt zu ihm stehen, lassen sich wohl an einer Hand abzählen (und sind selbst nicht die größten Sympathieträger), die Liste derer allerdings, die ihn für einen weinerlichen Soziopathen halten, der mit nichts und niemandem dauerhaft seinen Frieden machen kann und in der Reihe der prominenten Nervtöter stets die vordersten Plätze belegt, ist eine endlose und hat erst kürzlich mit Ex-Bassistin D’arcy Wretzky den aktuellsten Neuzugang erfahren. Ein schwieriger Charakter, fürwahr, ein wirrer Querkopf auch. Ob ihn seine Begeisterung für’s Wrestling nun gleich zum Tim Wiese der Popmusik macht, sei dahingestellt, fest steht allerdings eines: Corgan ist und bleibt ein begnadeter Songschreiber.

Dass von der nahezu in Urbesetzung eingespielten Platte „Shiny And Oh So Bright…“ keine Wunderdinge zu erwarten waren, ist sicher unstrittig, über ein zweites „Gish“ oder eine Reinkarnation des furiosen Monsters „Mellon Collie…“ muss man deshalb nicht diskutieren. Zu dürftig war alles, was nach „Adore“ noch kam, zu viel gewollt und kaum etwas gelungen, den Streitereien Tribut gezollt und das Stückwerk mit Trotz zum Ergebnis der angeblichen Selbstbefriedung geadelt. Es war mehr ärgerlich und traurig, weil der Verdienst der Gründerjahre mithaftend in Verruf geriet. Um so erstaunlicher ist es deshalb, wie schnörkellos und vergleichsweise unaufgeregt nun das neue Album daherkommt. Man kann Rick Rubin, dem rauschbärtigen Urzeitguru ja einige Verfehlungen vorwerfen, daß ihm sein Gespür für verstecktes Potenzial gänzlich abhanden gekommen wäre, sicher nicht. Es ist ein angenehm knappes Werk geworden, acht Songs, keine elegischen Zwölfminüter dabei, keine experimentellen Wagnisse. Der Lärm hält sich in Grenzen und wenn im Eröffnungsstück „Knights Of Malta“, einer eher durchschnittlichen Soulrocknummer, das Violinensolo Sekundenbruchteile vor der Gitarre einsetzt, dann kann man das durchaus als schlechtes Zeichen deuten. Ist es aber nicht.



Corgan geht eher auf Nummer sicher, besinnt und beschränkt sich auf sein Handwerkszeug und liefert gleich im Anschluss drei wundervolle Beispiele begnadeten Songwritings ab: „Silvery Sometimes (Ghosts)“ klingt so lässig, als wäre „1979“ gerade mal drei Wochen alt, „Travels“ danach glänzt mit feiner Poesie und hübschen Indierockreminiszenzen und im famos marschierenden „Solara“ gibt er dem Zuhörer zwischen kernigen Mathrock-Riffs noch einmal gratis Auskunft über den Grund für seine ungebrochene, anhaltende Selbstbehauptung: „I’m not everyone!“ Vieles klingt hier wie aus einer anderen Zeit, an den Sound der 90er will man sich ja nicht so gern erinnern lassen, wenn man schon das Jahrzehnt davor zähneknirschend als stilbildend anerkannt hat. Breitbeinige Gitarren, irische Folkanklänge, Powerballaden – die Smashing Pumpkins werden es mit diesem Mix vermutlich nicht unbedingt auf die Trendlisten der aktuellen Saison schaffen. Dennoch bleibt zu vermerken, dass wir hier von einem überwiegend erfreulichen Ereignis sprechen dürfen (was nicht unbedingt zu vermuten war). Es ist nicht der befürchtete, abermalige Reinfall geworden, sondern eine solide, streckenweise sogar sehr gelungene Arbeit, die sich gut anhören lässt. Ob das allerdings dem Ego des einen und dem Argwohn der anderen zur Versöhnung reicht, bleibt abzuwarten. https://www.smashingpumpkins.com/

Donnerstag, 15. November 2018

Moon Panda: Bekannte Handschrift [Update]

Manchmal kann man selbst als Laie die Handschrift eines Produzenten erkennen - zumindest will man das glauben. Moon Panda aus Brighton beispielsweise haben gerade ihre Debütsingle "Rabbit" veröffentlicht und abgemischt hat sie Cam Blackwood, der auch schon für das Trio London Grammar an den Reglern saß. Ähnlich geschmeidig und warm ist dieses Stück dann auch geraten, was natürlich auch an der butterweichen Stimme von Maddy Myers liegt - gemeinsam mit Gitarrist Gustav Moltke, Georg Godwin (Keyboards) und Alfie Webber an den Drums soll nun bald mehr folgen.

Update: Und das kommt hier - die neue Single "Gun" ist gerade erschienen.



Dienstag, 13. November 2018

The Twilight Sad: Nicht mehr dieselben [Update]

So erfreulich der Anlass ist, die Nebengeräusche dazu sind nicht zur Erheiterung gedacht: Das Thema Mental Health hat in den letzten Jahren auch im Musikbusiness zunehmend an Bedeutung gewonnen, zu traurig waren die Nachrichten über die Todesfälle von Chester Bennington, Chris Cornell, Tim Berkling aka. Avicii und Scott Hutchinson. Letzterer war mit seiner Band Frightened Rabbit ein enger Freund und Kollege von James Graham und Andy MacFarlane, deren Band The Twilight Sad ebenfalls aus dem schottischen Glasgow stammt. Dem NME hat Graham gerade von dieser jahrelangen Freundschaft und dem schmerzlichen Verlust erzählt und dabei erwähnt, dass das Duo die Veröffentlichung eines weiteren Albums plant. Wie genau es heißen wird und wann es kommt, ist dabei noch nicht herausgekommen, einzig die neue Single "I/m not here [missing face]" und erste Livetermine wurden bekannt - und das ist doch schon mal nicht wenig.

11.11.  Wiesbaden, Schlachthof
12.11.  München, Ampere
13.11.  Wien, Chelsea
15.11.  Berlin, Musik und Frieden
16.11.  Hamburg, Molotow

Update: Mittlerweile haben wir auch einen Termin und einen Titel, denn am 18. Januar soll nun mit "It Won't Be Like This All The Time" bei Rock Action Records das neue Album der Band erscheinen. Und nach "Videograms" gibt es heute auch noch die aktuelle Single "VTr" davon zu hören.





Montag, 12. November 2018

Fontaines D.C.: Viel unterwegs

Auch schon kein Geheimtipp mehr: Die Fontaines D.C. hatten wir hier schon im Frühjahr auf dem Schirm, damals mit einer Reihe wunderbar griffiger Garagen-Songs. Von der Qualität der Herren aus Dublin waren auch andere schnell zu überzeugen, die fünf touren derzeit mit Shame und den Idles durch die Clubs der Welt und auch ihre aktuelle Single "Too Real" und die B-Seite "The Chuckoo Is Callin'" sollte dann zu hören sein. Im Januar kommen sie im Übrigen noch einmal allein zu uns.

19.01.  Dresden, Ostpol
24.01.  Berlin, Schokoladen
25.01.  Köln, Privat
26.01.  Hamburg, Molotow



Dido: Keineswegs vergessen

Wo wir gerade bei gut gemachten Pop sind, springen wir mal schnell noch ein kleines Stückchen weiter über unseren Schatten und teilen mit, dass auch Dido bald wieder mit einer neuen Platte am Start ist. Und auch wenn der Großteil ihres Soloprogrammes in der Vergangenheit recht soft und brav daherkam, sie hat immerhin mit Faithless, Rufus Wainwright, Eminem, Annie Lennox und Brian Eno kollaboriert - alles Namen von großem Klang und so ist auch ihr gehöriger Respekt sicher. Fünf Jahre nach "Girl You Got Away" kommt also nun ihr nächstes Album "Still On My Mind" ins Regal, die erste Single "Hurricanes" überzeugt als perfekte, trippige Popnummer, deren Reiz man sich kaum entziehen kann. Mal schauen, wie das mit dem Rest aussieht, am 8. März wissen wir mehr.

07.05.  Zürich, Volkshaus
10.05.  München, Zirkus Crone
11.05.  Wien, Stadthalle
13.05.  Frankfurt am Main, Alte Oper
15.05.  Berlin, Tempodrom
16.05.  Hamburg, Laieszhalle
19.05.  Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall

The Japanese House: Reality bites [Update]

Dass Menschen, die einander lieben, sich irgendwann wieder trennen, ist nicht eben neu, schmerzhaft ist es dagegen immer. Dass die beiden aber, wie in diesem Fall, noch einmal zusammenfinden, um ein gemeinsames Video über die Zeit vor und nach dieser Trennung zu drehen, ist dann doch eher selten: Amber Bain, besser bekannt unter ihrem Moniker The Japanese House, war einige Zeit mit Musikerin Marika Hackman liiert und bat diese, einige Zeit nach dem Ende der Beziehung, im Clip zu ihrer aktuellen Single "Lilo" mitzuspielen und aus der fiktiven Geschichte somit eine durchaus reale zu machen. Hackman sagte zu und so ist das ohnehin schon anrührende Stück um eine Note reicher und wird zum traurig schönen Rückblick für beide.

Update: Da schicken wir gern eine eine Aktualisierung hinterher - am 1. März wird nun also das Debütalbum von Bain erscheinen, "Good At Falling" soll es heißen und bei Dirty Hit verlegt werden. Wieder mit dabei George Daniel (1975) und es gibt auch gleich eine neue Single zu hören, hier kommt "Follow My Girl". Ach ja, Termine hat's auch noch...

30.01.  Köln, Artheater
01.02.  Hamburg, Nochtspeicher
02.02.  Berlin, Kantine Berghain
04.02.  Wien, Fluc
07.02.  Zürich, Papiersaal



Sonntag, 11. November 2018

Sade: Der Star im Hintergrund

Schon ihr letzter Song war eine Arbeit für's Kino, für den Film: Sade veröffentlichte im Frühjahr für Disney's "A Wrinkle In Time" das Stück "Flower Of The Universe", nun steht "The Big Unknown" für Steve McQueens "Widows" im Tracklisting für den Soundtrack. In dem Film, der am 16. November in die deutschen Kinos kommt, übernehmen die Witwen gescheiterter Gangster den Job ihrer Männer, Viola Davis, Michelle Rodriguez, Liam Neeson, Colin Farrell und Robert Duvall gehören zum Staraufgebot des Thrillers. Der größte Name allerdings, das wird beim Hören schnell klar, stand wohl hinterm Studiomikrophon.

The Desert: Zwangsläufig [Update]

So manchem Straftäter (Achtung - verwirrende Herleitung) rechnet man ja bei der Verurteilung an, dass das Milieu, die Umgebung, wo er sozialisiert wurde, zwangsläufig zum Fehlverhalten führen musste. Und nun fragen wir uns: Gilt das auch für die Musik? Werden also junge Menschen, die in der englischen Stadt Bristol aufwachsen, grundsätzlich Trip-Hopper? Eben weil dort Massive Attack und Portishead ihre Wiege stehen hatten? Okay, bei den Idles hat das wohl nicht hingehauen, die haben so gar nichts mit der melancholischen Verschmelzung von Hip Hop und Dub am Hut, bei Gina Leonard und Tom Fryer, dem Kernteam von The Desert, sieht die Sache etwas anders aus, da hat der Bristol Sound voll durchgeschlagen., gerade so, als hätte es gar keine andere Möglichkeit gegeben. Vor einem Jahr ist ihre erste EP "Playing Dead" erschienen, nun folgt via Funnel Music die nächste, eine erste neue Single namens "Gone" ist jetzt schon zu haben.

Update: Einen weiteren Track von der neuen EP gibt es heute mit "Distract Me".

Samstag, 10. November 2018

Miya Folick: Bloß nicht aufhalten

Miya Folick
„Premonitions“
(Terrible Records PS)

Es ist erstaunlich und ebenso erfreulich, mit welcher Selbstverständlichkeit sich junge Künstlerinnen im Musikbusiness mittlerweile zu bewegen wissen, ohne es an Glamour und inhaltlicher Relevanz fehlen zu lassen, zwei Dingen, die sich vor Jahren noch kategorisch ausgeschlossen haben. Generierten sich zu früheren Zeiten weibliche Popstars eher als hübsch dekorierte Blaupausen, handwerklich solide talentiert, sonst aber eher harmlos bis nichtssagend, bringt die Emanzipation und die (leider schmerzliche, aber dringend notwendige) #metoo-Debatte eine neue, starke Generation des female rock und pop in die Studios, auf die Bühnen und generell in die öffentliche Wahrnehmung. Musikerinnen, die auf  tradierte Erwartungen und Rollenbilder ebenso wenig geben wie auf gewohnte und nicht selten überholte Genregrenzen. Das mag für die angstgetriebene Unterhaltungsbranche schwerer kalkulierbar sein, für uns Zuhörer bringt es, ein Mindestmaß an Toleranz vorausgesetzt, einen erfreulichen Zugewinn. Neuestes Beispiel also Miya Folick, in Kalifornien aufgewachsene Songwriterin mit japanischen und russischen Wurzeln (ihre Eltern finden sich übrigens in Teilen auf dem Covershot). Zwei EP hat Folick seit 2015 aufgenommen und damit für Achtungserfolge gesorgt, in diesem Jahr hat sich die Entwicklung mit jeder weiteren Veröffentlichung noch einmal beschleunigt.



Für das nun erschienene Debütalbum nämlich drehte die Frau mit dem markanten Kurzhaarschnitt und dem grimmigen Blick nämlich nochmals an der Soundschraube. Auch wenn ihr Wiki-Profil noch Indiefolk/-rock vermerkt – in diesen Kategorien denkt Folick schon länger nicht mehr. Der Stilmix der Platte ist bemerkenswert vielfältig, Powerballaden wie „Stock Image“ wechseln mit poppigen Tanznummern („Stop Talking“), der Kontrast zwischen dem zarten Einstieg „Thingamajic“ und der überdrehten Nummer „Freak Out“ könnte größer kaum sein. Die beiden stärksten Stücke gibt’s im letzten Drittel: Auch wenn man mit solchen Vergleichen generell und in diesem Falle besonders vorsichtig sein sollte, so erinnert Folick in „Deadbody“ zumindest stimmlich an die frühe Sinead O’Connor. Thematisch ist der Song zwar schnell als „ihr Beitrag zu“ eingeordnet, selten klang das allerdings in letzter Zeit so aufwühlend und zornig wie hier. Und auch das darauffolgende „Baby Girl“ hat eine handliche Botschaft, wie Folick gerade der Seite The 405 sagte: „Ich denke, gerade wenn wir Leid und Schmerz erfahren haben, ist es um so wichtiger, auch wieder Spaß zu haben, unser eigenes Leben weiterleben zu können. Wir dürfen es von niemandem ruinieren lassen, nur weil er selbst Probleme hat. Es ist wichtig, sich den Menschen zuzuwenden, die wir lieben, und zu sagen: ‚OK, lasst uns jetzt etwas anderes machen, etwas Positives.‘“ Keine Frage, wenn das in der Geschwindigkeit so weitergeht, sind alle Warnungen berechtigt – Grund, sie aufzuhalten, gibt es dagegen keinen. https://miyafolick.com/

05.12.  Berlin, Musik und Frieden
06.12.  Hamburg, Häkken
09.12.  Haldern, Haldern Pop Bar
10.12.  Köln, Blue Shell



Freitag, 9. November 2018

HEALTH vs. Youth Code: Gimme some noise

Es ist die dritte Kollaboration und mithin die härteste. Und es läßt sich sagen: Der Schritt von Soccer Mommy bis zu Youth Code nicht gerade ein kleiner. Mit beiden haben die Industriemetaller von HEALTH aus L.A. gemeinsame Sache gemacht, zwischendrin stand noch ein Studiotermin mit dem französischen Musiker Perturbator auf dem Programm. Doch "Innocence", der Track mit Sara Taylor und Ryan George (ebenfalls aus der kalifornischen Metropole), die hinter Youth Code stecken, kommt mit reichlich Krach und Dezibel daher und vervollständigt das Bild um eine weitere, wenn auch ziemlich derbe Klangfarbe.

27.02.  Frankfurt, Nachtleben
28.02.  München, Feierwerk
01.03.  Leipzig, Täubchenthal
02.03.  Berlin, SO36

J Mascis: Kopfkino

J Mascis
„Elastic Days“
(Sub Pop)

Ob man das so sagen darf, ohne sich am künstlerischen Ethos fremdzuvergehen? Sicher wird es aber vielen Anhängers des früh ergrauten Gitarrengottes J Mascis ähnlich gehen: Entscheidend ist tatsächlich, dass wir in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mit seinen Solowerken, gern natürlich auch mit denen seiner Band Dinosaur jr. versorgt werden, großartige Abhandlungen und inhaltliche Bewertungen sind dagegen kaum notwendig. Weil man sich darauf verlassen kann, dass darauf mindestens drei, vier seiner stilbildenden Riffs zu hören sein werden – auf „Elastic Days“ vergeht keine Minute bis zum Einsetzen desselben. Das erste seiner Art erklang vor mehr als dreißig Jahren und seither versetzt einen dieses kratzige Geschwurbel, das in Ausnahmefällen (denken wir nur an die herrliche Live-Version von „Thumb“ auf  der 12“ von „Whatever’s Cool With Me“) auch mal mehrere Minuten dauern kann, in eine Art kontemplative Extase.



Und erzeugt auch heute noch Bilder längst vergangener Tage. Schön zu hören, dass es ihm auch nicht anders geht, beschreibt er dieses Gefühl doch selbst in den Eingangszeilen: „See you at the movies, movies in my head“. Das Album ist einmal mehr eine melancholische, manchmal gar sentimentale Rückschau geworden und ähnelt somit nicht nur musikalisch auf angenehme Art den Vorgängern. Mascis sinniert, philosophiert, träumt, hadert. Das gipfelt in so schönen Erkenntnissen wie: „Finding you was easy, finding me is hard“, von Fehlern und Reue ist oft die Rede, von Vergänglichkeit, Sehnsucht, Mittfünfzigerthemen halt. Dennoch gelingt Mascis die recht intime Selbstbespiegelung auf angenehm unprätensiöse Art, er singt halt von seinen Sorgen und Nöten und hofft einfach, jemand (sie) werde ihm zuhören. Unsereins jedenfalls könnte das ewig so weitertun, im Vergleich zu manch anderen (und weitaus nutzloseren) Dingen ist hier ein Sättigungsgrad nicht erreichbar. http://www.jmascis.com/

Mittwoch, 7. November 2018

Peter Bjorn And John: Different Shades of grey

Peter Bjorn And John
„Darker Days“
(Ingrid)

Wo bitteschön soll denn das enden, wenn schon die sonst so Gutgelaunten dem Trübsinn verfallen? Erst haben MGMT, einst bekannt geworden durch ihren quietschvergnügten Hit „Kids“, das dunkle Zeitalter ausgerufen, nun ziehen auch die Herren Morén, Yttling und Eriksson nach und besingen die düsteren Tage!? Gut, auch wenn „Gimme Some“, die letzte Platte von Peter Bjorn And John so klang, als sei sie direkt im Bällebad aufgenommen worden – es war schon immer ein gehöriges Augenzwinkern dabei, sie beherrschten die Kunst, Nachdenkliches in lustig hüpfende Rhythmen zu packen, wie nur wenige. Dennoch stellt „Darker Days“ eine Zäsur da, denn dass sich die drei so ausführlich und ungewohnt deutlich dem deprimierenden Weltgeschehen widmen, ist neu. Korrupte Politiker, schmelzende Polkappen, Krieger, Populisten, Nationalisten, wohin man schaut und die Aussichten werden nicht besser.

Da fällt es schwer, die Haltung oder in diesem Falle die gute Stimmung zu bewahren und weil auch sie nicht so recht weiterwissen, verbleiben sie im Titelsong mit dem simplen Ratschlag: „I can’t heal it, I can’t rip it up and just start over again, lend a friend a hand.“ Und später dann bei „Sick And Tired“ fast schon als Widerruf (auch an die eigene Adresse): „I'm sick and tired of the comical, it won't be funny for a long time. I'm sick and tired of the cynical, because I'm always on the wrong side.“ Entsprechend büßt auch der stets so locker dahinwippende Sound der Band etwas an Dominanz ein, macht Platz für schattigere Momente, für die andere Seite der Farbpalette. „Every Other Night“ kommt dann wie eine Mischung aus Vampire Weekend und The Drums daher, „Velvet Sky“ als trauriges Trennungsstück gar wie die Electrofolk-Version von Simon And Garfunkel. Und ganz so verkehrt ist das nicht. Denn wenn man ehrlich ist – die ostentative Glückseligkeit der letzten Kompositionen konnte in der Masse schon auch gehörig nerven, da setzt das erweiterte Klangspektrum, das Verhaltene, Melancholische schon einen neuen Reiz.



Das geht dann bis zur achtminütigen Psychrockballade „Heaven And Hell“, bei der zum Schluß die Orgel wie schon eingangs herrlich deep purpelt. Den besten Beweis, dass ihnen ihr feiner Humor noch nicht ganz abhanden gekommen ist, liefern die Herren aus Stockholm dann aber mit dem „Silicon Valley Blues“ ab, einem herrlich schrägen Big-Data-Schieber. Hier bricht sich der Sarkasmus noch einmal Bahn, denn selbst wenn du glaubst allein zu sein, dann gibt es immer noch jemanden, der dich ganz genau kennt und wenn schon nicht auf dich, so doch wenigstens auf deine Daten aufpasst. Sie können übrigens ziemlich gut über sich selbst lachen. In einem Interview mit BlackBook charakterisieren sie ihre Platte selbst wie folgt: „Swedish winter darkness, American political darkness and private mid-life darkness“ und weiter: „Swedish melancholy, Stockholm break-up mysteries and some Ingmar Bergman indie rock“. Die Quintessenz heißt also: Es mag dunkler werden da draußen, aber es bleibt ganz sicher unterhaltsam. Auch ein Trost. https://www.peterbjornandjohn.com/

IDER: Ausblick [Update]

Eine kleine Weile hat es gedauert, nun aber ist das Jahr 2018 auch eines des wunderbaren Londoner Popduos IDER. Wir erinnern uns gern, dass Megan Marwick und Lily Somerville uns schon 2017 mit ihren Singles "Body Love" und "Learn To Let Go" verzaubern konnten, ganz so, wie es zuvor beispielsweise Muna gelungen war. Und auch wenn von einem Debütalbum noch nicht die Rede ist, freuen wir uns über den Song "You've Got Your Whole Life Ahead Of You Baby" - eine Feststellung, die uneingeschränkt gilt, obwohl die Zeitspannen dann doch recht unterschiedlich sein können. Egal, trotzdem sehr schön.

30.08.  Köln, Pop Festival
05.03.  Berlin, Kantine Berghain

Update: Und noch nicht Schluß damit, hier kommt die neue Single "Mirror". Mittlerweile wird ein Debütalbum in Betracht gezogen, terminiert ist es aber erst für 2019. Wir warten.



Dienstag, 6. November 2018

Sorry: Heiße Ware

Als einer der interessantesten Neuvorstellungen werden derzeit die Londoner Sorry gehandelt. Das Quartett, bestehend aus Asha Lorenz, Louis O'Bryen, Lincoln Barrett und Campbell Baum, musiziert mit wachsender Besetzung und Begeisterung seit 2015, hat eine Reihe Demos und Mixtapes aufgenommen, so richtig Fahrt aufgenommen hat ihre Tour durch die üblichen Blogs und Portale aber gerade mit ihrer aktuellen Single "Starstruck" (via Domino Records) und dem dazugehörigen, augenzwinkernd verpixelten Video. Grunge, Pop und Post-Punk gemischt und zwar auf eine ziemlich clevere Art, da ist wohl noch so einiges zu erwarten. Für die bessere Werkskunde gibt es hier jedenfalls auch noch die etwas älteren Stücke "Showgirl", "Twinkle" und "Lies". Und wer Lust hat, kann die vier auch auf Tour mit Shame erleben, die im Dezember hierzulande die Runde machen.







My Brightest Diamond: Selbstverschuldet

Wenn das mal keine dicke Hypothek ist - hat sie sich allerdings selbst eingebrockt: Vor vier Jahren ist das letzte Album "This Is My Hand" von Shara Nova alias My Brightest Diamond erschienen und die Behauptung, es habe sich hierbei um ein wirkliches Meisterwerk gehandelt, braucht nicht sonderlich viel Mut. An dieser Platte muß sich nun aber "A Million And One" messen lassen, das am 23. November bei Rhyme And Reason/Membran veröffentlicht wird. Eine erste Single haben wir von diesem auch schon im Angebot, "It's Me On the Dancefloor" pumpt schon mal recht lässig und läßt erahnen. wohin diesmal die Reise gehen könnte. Genaueres dann sicher auch auf den drei Konzertterminen in den nächsten Tagen.

16.11.  Hamburg, Kampnagel
17.11.  Berlin, Frannz Club
18.11.  Köln, Artheater