Mittwoch, 31. März 2021

For Those I Love: Schmerztherapie

For Those I Love
„For Those I Love“

(September Recordings)

Die meisten von uns neigen mit zunehmendem Alter dazu, die Zeit ihrer Jugend zu verklären und unangenehme Dinge möglichst auszublenden. Natürliche Sache, das. Macht das Leben leichter. David Balfe wird das nicht gelingen. Nicht nur, weil er im Dubliner Vorort Coolock aufgewachsen ist, einem ziemlich rauen Pflaster, einer harten Schule. Einem Viertel also, in welchem man die Versäumnisse von Politik, die Verwerfungen der Gesellschaft deutlicher als anderswo zu spüren bekommt. Zum anderen, weil sich vor drei Jahren sein engster Freund Paul Curran ebendort das Leben genommen hat. Balfe und Curran waren best buddies, sie spielten zusammen in diversen Punkbands, hingen rum, machten Unsinn, es ließ sich so halbwegs ertragen, das Leben der Vorstadt. Der Schock, als dies mit einem Mal zu Ende war, hat Balfe kurzfristig in die Isolation getrieben, hat ihn nachdenken und hadern lassen. Er ist damit noch lange nicht durch, aber er hat sich entschlossen, seine Musik als Möglichkeit zu begreifen, mit dem Unfassbaren fertig zu werden, es halbwegs zu verarbeiten. Und so ist das Debütalbum des jungen Mannes eine Liebeserklärung an den verlorenen Freund und an die eigene Jugend geworden, ohne diese glorifizieren oder schönreden zu wollen.



Schön daran war nur die Gemeinschaft und genau deshalb heißt diese Platte „For Those I Love“, eine Zeile, die die Zuhörer über alle Songs begleitet wie eine trotzige Erinnerung daran, wofür es sich zu leben lohnt. Balfe schildert in den neun Tracks die schwierigen Verhältnisse, in denen jener Freundeskreis zusammenwuchs, er erzählt von ersten Gewalterfahrungen, die einen Geburtstag zum Albtraum werden ließen („Birthday/The Pain“), von einer Gesellschaft, die Schwäche und Verletzlichkeit nicht verzeiht und besser ausblenden will („Top Scheme“), von Schlaflosigkeit, Armut, aber auch Trost und Zusammengehörigkeit. Die Lyrics pendeln zwischen Anklage und Hoffnung: „We don't know what it is to sleep, when each night your eyes bleed, cause there's not a lot of steps between peace and utter misery, when you're 17 and all you have is love and dreams“ heißt es beispielsweise in „To Have You“, später bei „The Shape Of You“ dann: „Patient and free will heal the pain that's left in me, and that's the truth, the fear in my bones is the only growth I know - we had our youth.“



Sein Vater war es, der ihm den Punk-Poeten John Cooper Clarke nahebrachte, er selbst benennt in Mike Skinner alias The Streets sein erstes und wohl größtes Vorbild und natürlich hört man dessen Sound und Stil, den schwer verständlichen Dialekt, die stolpernden Beats, auf dem Album wie eine Blaupause wieder. Aber eben auch die schönen Synthpop-Melodien der Pet Shop Boys, die klugen Basteleffekte von Jamie XX und die Düsternis des Dubsteppers Burial. Sehr ernsthaft das alles, sehr traurig, aber auch sehr schön – wie Balfe in allen Tracks Gesprächsfetzen aus WhatsApp-Chats seiner Freunde, auch von Curran selbst, einspielt, wie er alle großen Themen stets auf die persönlichen Erfahrungen herunterbricht. „You Live/No One Like You“ ist eine wunderbare Aufzählung der Dinge, die immer schon geholfen haben – die Pogues, Joy Division, der Fußballklub, aber eben auch Wes, Ross, Gilly, Rob und Sam. In jedem und jeder von ihnen lebt das Andenken an den schmerzlich Vermissten weiter, im Hintergrund wummern die Technobeats. Ganz zum Schluß doch noch mal die verzweifelte Frage: „What happened to my best mate? I have a love - and it's full of pain“, Balfe wird noch länger brauchen, wenn er denn überhaupt jemals eine Antwort bekommt …

CLAMM: Keine Zweifel [Update]

Wenn eine Band mit einem sehr überschaubaren Werksverzeichnis für mächtig viel Rummel sorgt, dann kann das natürlich viele Gründe haben. Möglichkeit 1 - es ist Jahresbeginn, noch nicht viel los, da stürzt sich die gesamte Musikpresse gierig auf jedes Riff und jeden Akkord, derer sie habhaft werden kann. Möglichkeit 2 - sie sind wirklich gut und der ganze Rummel trifft die richtigen. Weil wir hier deutlich zum zweiten Grund tendieren, können wir also CLAMM aus dem australischen Melbourne nicht unerwähnt lassen. Das Trio hat in aktueller Besetzung mit Maisie Everett (Bass), Miles Harding (Drums und Backing Vocals) und Jack Summers (Gitarre, Gesang) gerade die Veröffentlichung seines Debütalbums "Beseech Me" für den 9. April via Meat Machine angekündigt, angefangen haben sie - damals noch mit Bassist Luke Scott - im Jahr 2019 mit der Single "Dog". Der Song wird sich übrigens genauso auf der Platte befinden wie die erste Auskopplung "Keystone Pols", die wir hier mit dem dazugehörigen Video präsentieren. Ansonsten darf davon ausgegangen werden, dass der klanggewaltige, kantige Post-Punk ziemlich schnell ein ansehnliches Publikum finden wird.

Update: Und hier kommen Titelsong und ein weiterer Track vom neuen Album - sein Name ist "Liar". Aber das ist sicher nur die halbe Wahrheit.









Italia 90: Stellung beziehen [Update]

Und wieder ist es an der Zeit, unsere Freunde von Italia 90 zur Sprache kommen zu lassen. Das Quartett aus London hatte im Winter 2019 mit der 12" "III" den erstklassigen Output an EP ergänzt, nun schicken sie sich an, ein weiteres Doppel folgen zu lassen. Die erste Seite "Borderline" thematisiert die Gefahren und Irrtümer des sogenannten "Dritten Weges", einer extremistischen Bewegung, die in Großbritannien wie auch in anderen Ländern mit seiner nationalistischen Ideologie gerade unter Jugendlichen viele Anhänger gefunden hat. Die Band dazu: "Borderline takes aim at the failed third-way ideology that led to our present political moment. 'the thing you created / is the thing you have hated’ takes to task the hegemonic establishment for its complicity in the very brutality it claims to speak against." Die Flipside "Declare" folgt in den nächsten Wochen, der offizielle Release Day ist der 16. April via Brace Yourself Records.

Update: Endlich sieht man sie mal bei der Arbeit - live wäre natürlich noch schöner - hier kommt das Video zu "Borderline".





Working Men's Club: Folgeerscheinung

Das zumindest hat sich nicht geändert: Jedes ernstzunehmende Musikportal hat wohl mindestens eine studentische Hilfskraft eingestellt, die sich den ganzen Tag durch die Websites von ebenfalls ernstzunehmenden Künstler*innen klickt, um jede noch so kleine Änderung oder Ankündigung (Bild, Countdown, kryptischer Code) zu regsitrieren und dann sofort die üblichen Meldungen Marke "XY are up to something" abzusetzen. Nun, uns jedenfalls fehlt dazu die notwendige Kohle und so sind wir auf Zufallstreffer wie diesen angewiesen. Working Men's Club aus Yorkshire haben im vergangene Jahr ein wirklich fabelhaftes Debütalbum abgeliefert, auf welchem die Historie des tanzbaren Post-Punks in aller Gänze vorgeführt wurde. Und nun also: Rätselhaftes Logo - war klar, was folgen musste. Mit "X" geht nun ein neuer Song an den Start, der auch gleich eine heimische Tour für den Herbst einläutet. Sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn uns nicht auch bald noch ein neues Album erwartet...



Dienstag, 30. März 2021

International Music: Neubesetzung

Dann also der dritte Post des Tages zum Elend dieser Tage, wie könnte es auch anders sein. Selten jedoch klingt das Elend so verführerisch wie jenes von International Music aus Essen. Diese wunderbare Band hat es geschaftt, dass wir den Begriff "Ente" neuerdings zusammen mit "Traum" denken und auch sonst haben die Herren eine gar wunderbare Art, mit Dunkelheit, Tristesse, Verlorenheit und Einsamkeit umzugehen, solche Dinge verlieren bei ihnen den Schrecken, man möchte ihnen ewig lauschen, wenn sie davon singen. Auch ein Wort wie "Misery" mag manchem in eher schlechter Erinnerung sein, unsereiner denkt da an die durchgeknallte Kathy Bates, wie sie dem wehrlosen Bestsellerautor mit dem Vorschlaghammer die Fußknöchel ruiniert - Stephen King also. Hier steht es trotz der traurigen Zeilen für ein maximal entspannntes Uferpicknick, gemütliches Wassergeschipper, Enten natürlich und am Ende für - Stille. Überflüssig zu erwähnen, dass wir nun noch dringender auf das neue Album "Ententraum" warten, das am 23. April bei Staatsakt erscheinen wird.




Annabel Allum: Gewöhnlich kaum möglich

Gewöhnlich ist an unserem Leben dieser Tage eigentlich so gar nichts - wir hocken zumeist daheim, Sozialkontakte gehen gehen Null, die Nerven gespannt, die Stimmung gereizt, wie's weitergeht, weiß kaum jemand. Eine Möglichkeit - Tür auf, raus, und wenn's nur für ein paar Minuten ist. Annabel Allum hat, das ist anzunehmen, mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen wie viele von uns, dennoch lässt sie sich offenbar die Stimmung nicht verhageln und legt nach ihrer wunderbaren Lockdown Session einen weiteren schönen Song vor, der hier heißt "Ordinary Life", wurde von Ben Hillier co-produziert und stammt von ihrer aktuellen B-Seiten-EP "Hear Me Out". Also dann: "Its an ordinary longing for something else and something more, loose your feet, knock on the door, it's an ordinary life..."



Sonntag, 28. März 2021

Noga Erez: Tanzkampflieder

Noga Erez
„KIDS“
(City Slang)

Angefangen hatte alles mit diesen irren Beats. Metallenen, trockenen, abgehackten Beats – Electro, Grime, Techno, Dance, whatever. Und der Frage: „Can you shoot while dancing, can you dance while you shoot?“ Gestellt wurde sie von einer Frau, die so gar nicht wie eine aussah, die provozieren, die anecken, die unbequem sein wollte. Wie sie in dem abgefuckten Betonklotz stand, die Haare brav zum Knoten hochgesteckt oder offen über die Schultern fallend, unauffällig gekleidet – da wirkte sie fast ein wenig fehlplatziert, ganz so, als hätte der Regisseur sie testen wollen, ob sie in dieser trostlosen Atmosphäre wohl bestehen könnte. Nun, man muß sich um Noga Erez keine Sorgen machen, sie weiß, was sie will, sie kennt das und hält es aus. Geboren in Tel Aviv, einer Stadt, die wie keine zweite in Israel die Gegensätze dieses Landes, der Kulturen, der Religionen und Lebensentwürfe sichtbar werden lässt, wo das tägliche Leben wie nirgendwo sonst den Widerspruch zwischen ultraorthodoxer Selbstbeschränkung und wilder, westlicher Freiheit, zwischen kaum zu verhehlender Armut und überbordendem Luxus spiegelt. Und doch: Der Krieg ist nebenan, ein paar Kilometer weiter und die Frage, der niemand entkommt, heißt demnach: „Wie kannst du damit leben, ohne verrückt zu werden?“



Noga Erez ist nicht verrückt, sie ist politisch. Auf dem ersten Album „Off The Radar“ (2017) und auch auf dem neuen. Krasse Rhymes und Raps bedeuten für sie und ihren Partner Rousso, den Problemen nicht auszuweichen, sondern sie anzunehmen, zu benennen, auch wenn man die Lösung nicht kennt, nicht weiß, wie es am Ende der Straße weitergeht. An Reizthemen ist kein Mangel, seien sie privater oder gesellschaftlicher Natur – für Erez fließen diese beiden Dinge ohnehin unabdingbar ineinander. Toxisches, männliches Machtgehabe („You So Done“), die medieale Dauerbeschallung, der kein Mensch entkommen kann („Views“), Korruption, Waffengewalt, Zukunftsängste. Da sind viel Bitterkeit und Wut in ihren Versen, aber auch Trotz und Stolz, oft mit dem Hinweis auf ihre Kindheit und ihr Elternhaus verbunden – in „Bark Loud“ ist sie das „underdog kid“, bei „Knockout“ dann ein „shitty child“, in „Fire Kites“ wiederum heißt es „little girl became a monster“. Aus dem schwierigen Kind also ist die laute, zornige Frau geworden, die nun selbst reklamiert: „Kids that never grow old, mom's heart 'bout to explode, all tumbling, all stumbling, pacing down the streets, left-right-left, left-right-left. Who's blaming, who's blaming who? Pacing down the streets, Peace is dead, now rest in peace“ („Kids“).



Es sind Kampflieder, allesamt. Deren Sound im Vergleich zum Vorgängeralbum noch vielschichtiger, aber auch tanzbarer geworden ist. Die schweren Killerbeats sind geblieben, die synthetische Grundierung auch, hinzugekommen eine Reihe feiner Brass-Sektionen, wie man sie hierzulande in gemäßigterer Form von La Brass Banda oder Meute kennt. Spannend auch die Verbindung von (Achtung Klischee!) Klub und Kibbuz – traditionelle Klänge ihrer Heimat werden von Tüftler Rousso verfremdet und geloopt, hebräische Zeilen (von ihrer Mutter) eingesprochen, Straßenlärm, Sirenengeheul. Lebendiger und zeitgemäßer kann Musik heute kaum klingen. Apropos zeitgemäß: Nicht von ungefähr entdeckt man an vielen Stellen Parallelen zum Stil von Billie Eilish und ihrem Bruder Finneas, die sanfte, tiefe Stimme, die Vorliebe dunkle Szenerien und ASMR-Effekte, die eine kurzzeitige Nähe und Intimität erzeugen. Eilish scheint eine Schwester im Geiste zu sein – dem Rolling Stone erzählte Erez gerade, dass beide sich schon längere Zeit kennen und schätzen. Und auch, wenn der Hintergrund hier ein gänzlich anderer scheint, es ist diese besondere Mischung, die unser Hineingeworfensein und unsere unbedingte Suche nach Orientierung in diese/r Welt wohl am besten zum Ausdruck bringen. Jeden neuen Tag – tanzen und kämpfen.




The Usual Boys: Dringliche Wiedervorlage

Da darf man dann gern noch mal den Kopf schütteln. Als die Berliner Band The Usual Boys im vergangenen Jahr hier anklopften, waren wir angenehm überrascht, mit welcher Klarheit, Finesse und Selbstverständlichkeit sie ihre Songs - so viele waren es noch nicht - zum Klingen brachten. Jazz, Rock, Pop waren da drin, Coltrane, The Kinks, ein bisschen Weller Paule auch, nicht schwer, sich in den Sound zu verlieben. Um so erstaunter nahm man zur Kenntnis, dass das Quartett mit "still unsigned" grüßte, also für ihre Musik noch kein Label gefunden schien. Das Verflixte: Heute, eine EP ("So, What Now?") und diesen neuen, wunderbaren Song "Josef K." später, hat sich daran offenbar noch nichts geändert - so richtig in den Kopf will einem das nicht. Gut, offene Klubs, in denen sich die gierigen Scouts der Klein- und Kleinstverleger auf der Suche nach dem nächsten big thing herumtreiben könnten, gibt es momentan nicht, aber es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich für Aleksi Oksanen, Ethan Dalziel, Patrick und Rasmus Schmidt nicht bald jemand fände, der die Qualität ihrer Songs zu schätzen weiß. Sonst müssten wir das am Ende noch selbst übernehmen ...







Freitag, 26. März 2021

Death From Above 1979: So geht Wumms!

Death From Above 1979
„Is 4 Lovers“

(Universal)

Selbstverständlich könnten wir uns jetzt ausführlich mit den Inhalten, den politischen Dimensionen und Intentionen des vierten Albums von Jesse F. Keeler und Sebastien Grainger, zusammen Death From Above 1979, beschäftigen. Und man täte den beiden Kanadiern sehr unrecht, würde man das gänzlich beiseitelassen. Was allerdings den sturmerprobten Anhang des Duos aus Toronto am meisten interessiert, ist die Frage, wie es um die Geberqualitäten der Band bestellt ist. Und da können wir schnell beruhigen: Die beiden Herren können immer noch erstklassig austeilen, sie wissen auch nach zwanzig Jahren inklusive mehrerer Unterbrechungen noch, wie man Punk so elektrifiziert, dass beim Anhören die Birne angenehm taub wird. Kurz: Auch auf „Is 4 Lovers“ gibt es kräftig eins auf die Mütze. Zumindest im ersten Teil des Albums. Nach „Outrage! Is Now“ war ja zwischenzeitlich nicht sicher, ob es denn noch einen Nachfolger geben würde – die Frage ist also beantwortet, die Antwort ist gelungen. Für die ersten sechs Tracks der Platte holen Keeler und Grainger wirklich alles auf die Bühne, was laut, wild und böse ist – der Sound erweist sich einmal mehr als perfekte Mischung aller zur Verfügung stehenden Präfixe, hier also Prog-, Hard-, Art-, Stoner- und Punkrock, irgendwo zwischen AC/DC, Queens Of The Stone Age und Muse. Das Ganze dann noch mit einem anständigen Beat verzimmert, fertig ist der Schuppen.

Sie hätten allerdings nicht so eine große Fangemeinde, würden sie nur stumpf ihr Brett herunterschrubben. „NYC Power Elite“ kommt in zwei Geschwindigkeiten und bissigen Anspielungen auf Polizeigewalt und Militarismus, „Mean Streets“ triggert toxische Männlichkeit und den Irrsinn medial zur Schau gestellten Wahnsinns. Und auch klanglich gibt es mit „Glass Homes“ eine merkliche Zäsur – die Steine aus dem Glashaus fliegen zu Technoklängen, denen Gitarren nurmehr als Untermalung dienen, wirklich toller Song das. „Lover Letter“ und das besagte „Mean Streets“ wiederum kommen mit dicken Pianoklängen und breitbeinigem Soulrock daher, Erinnerungen an die Gigantomanie des Britpop Marke Oasis schieben sich ins Bild. Ganz zum Schluss noch eine standesgemäße Ode an den Wahnsinn unserer Welt: „Fake hate, fake love, no-one can see through the blood. Moonwalk on Che Guevara’s grave, for Rockers and Gays, we’re locked up in cages, for ages and ages“, und weiter: „The whole world is hard to believe, if you speak in words that you don’t understand.“ Da wird noch mal in maximaler Drehzahl geknüppelt, bis die Membran bricht und die Ohren pfeifen. Vielleicht sollte man unserem schläfrigen Finanzminister doch mal nahebringen, wie so ein „Wumms!“ wirklich klingen muss – hier wäre die Gelegenheit.

Talk Show vs. Eli Brown: Gemeinsam krasser

Die beiden hatte der Brandt Willy sicher nicht auf dem Schirm, als er meinte, hier wachse zusammen, was zusammengehört. Aber das sich der Satz quasi universell auch auf dieses Couple anwenden ließe, das will man nach dem Anhören sicher nicht bestreiten: Der britische Resident DJ Eli Brown und die Londoner Post-Punk-Kapelle Talk Show haben für den Track "Trouble" gemeinsame Sache gemacht. Vor einem Monat bereits erschienen die rüde Techno-Variante des Stückes, heute nun Teil zwei der Session, jetzt eher im Stile der Band. Beides ist großartig, beides hat Punch. Bleibt zu hoffen, dass sich aus der Partnerschaft weiterhin Fruchtbares entwickelt, von Talk Show steht ja zuletzt die feine EP "These People" aus dem März 2020 zu Buche.








Donnerstag, 25. März 2021

Gazelle Twin vs. NYX Electronic Drone Choir: Anstrengende Unterhaltung

Gazelle Twin &  NYX Electronic Drone Choir
„Deep England“

(Nyx Collective Records/Cargo)

Wir Deutschen neigen ja gern dazu, etwas, das wir nicht verstehen oder erklären können, wenigstens kategorisieren und einordnen zu wollen. Nicht von ungefähr sind wir wohl der einzige Sprachraum, der Musik mit den Etiketten „E“ für ernsthaft und „U“ für unterhaltsam versieht, und wenn wir so nicht weiterkommen, versuchen wir es in unserer Hilflosigkeit noch mit „F“ als funktional oder „A“ wie autonom. Was für ein Mumpitz! Auch, weil das komplette Werk von Elizabeth Bernholz alias Gazelle Twin keinem dieser Raster gerecht würde und somit der Rat heißen müsste, es in Ablage „K“ zu sortieren – wie „Keine Ahnung“ also. Natürlich sind Wegweiser nützlich und erleichtern den Erstkontakt, aber eine vorbehaltlose, unbefangene Annäherung macht doch allemal mehr Spaß als die öde Beschäftigung mit der zwanzigsten Wiederauflage des immer gleichen Versuchs, das nächste Hitalbum hinzulegen, es mal wieder allen zu zeigen, den Alten, den Jungen, den Kritikern. Lieber doch jemandem zuhören, die oder der begriffen hat, dass Unterhaltung auch anstrengend sein darf, weil ja die Kunst das Ich in der Gesellschaft spiegelt und das eben nur dann spannend ist, wenn es knirscht.

Und schon sind wie bei PJ Harvey und ihrem „The Hope Six Demolition Project“, sind wir bei Alejandra Ghersi aka. ARCA, bei Björk, den Swans, Holly Herndon, Anohni, Planningtorock oder Fever Ray. Und nicht ganz zufällig war letztere auch für Bernholz das auslösende Moment, Genregrenzen zu überwinden und künstlerisches Selbstverständnis über die Konvention zu stellen. 2018 ist mit „Pastoral“ das letzte Studioalbum von Gazelle Twin erschienen, es übersetzt auf sehr spezielle Weise den zunehmend chaotischen Zustand Englands der ersten Jahre des Brexits in eine zum Teil altertümlich anmutende Kulisse, der Sound ist ein sehr freier, avantgardistischer Stilmix, elektronisch, künstlich, ungemein komplex, und ja: auch herausfordernd und anstrengend. Diese Platte nun, die ja selbst schon über eine Zeit von vier Jahren entstanden ist, hat sich Bernholz nun noch einmal in Zusammenarbeit mit dem Londoner Electronic Drone Choir NYX vorgenommen, hat einige der Stücke auseinandergenommen, mit gänzlich anderen Komponenten versehen und erneut zusammengesetzt. Sechs der nun vorliegenden acht Kompositionen haben diesen Wandlungsprozess durchlaufen, einzig „Fire Leap“ und „Golden Dawn“ („Deep England“ selbst stammt in der Urfassung von der Single „Hobby Horse“) sind neu hinzugekommen.



Die Grundierung jetzt weltliche und sakrale Choralmusik, elektronisch versetzter Drone-Folk, mal zart und zerbrechlich mit Flötentönen und Flüsterstimmen, mal dramatisch und ungemein düster (weil es ja im Kontext zur politischen Lage auch die Umstände düster geworden sind). Die Gesänge des sechsköpfigen Chorensembles werden dabei wie Instrumente in die Stücke verbaut, einzeln, mehrspurig, hier klassisch gregorianisch oder gar als Koloratur, dort in Form von verzerrten oder verfremdeten Klangsequenzen. Bei „Better In My Day“ beispielsweise, auf „Pastoral“ noch mit deutlich elektronischer Textur, übernehmen die hektischen Stimmen quasi den Beat. Die Texte stammen dabei wieder hauptsächlich von Bernholz selbst, „Fire Leap“ dagegen geht auf eine Komposition von Paul Giovanni und „The Wicker Man“ zurück und auch William Blake erfährt später wieder seine Würdigung. Die ursprünglichen Stücke bekommen durch die Metamorphose einen organischeren, im Falle des Titelstücks sogar elementaren Klang, werden unmittelbarer, auch drängender. Das zu erkennen, ja zu spüren, braucht es eigentlich kein Vorwissen. Dazu reicht allein die Bereitschaft, sich einzulassen.

Mittwoch, 24. März 2021

Moderate Rebels: Das ganz große Paket [Update]

Natürlich könnte man behaupten, wir seien ziemlich spät dran. Andererseits ist in diesem Jahr von der Londoner Kapelle Moderate Rebels so viel neues Material zu erwarten, dass Eile nicht wirklich Not tut. Das letzte Album "Shared Values" des mittlerweile komplett aus Frauen bestehenden Quintetts datiert nun auch schon wieder auf Ende 2018, im vergangenen Jahr stand mit "Feeling Lucky" wenigstens eine Single zu Buche. Aber jetzt - ganze drei Teile eines dreißig Titel umfanssenden Großwerkes sind in Arbeit, jeweils zehn neue Stücke also pro Veröffentlichung und im April wird demnach Teil eins von "If You See Something That Doesn't Look Right" erscheinen. "Perfect Grey Day" mit Man-Ray-Lookalike-Cover eröffnet den Reigen, Weiteres wird dann sicherlich in den nächsten Wochen folgen. Was uns erwartet? Nun, im Waschzettel ist von einer Mischung aus Phil Spector, Fripp/Eno und Syd Barrett, Bezügen zu Spiritualized, St. Etienne, Stereolab und dem Humor der Pet Shop Boys die Rede - klingt doch gar nicht so verkehrt und natürlich typisch britisch.

Update: Seit gestern im Netz - hier kommt die neue Single "Higher Than The Hierarchy".







Dienstag, 23. März 2021

Easy Life: Ziemlich viele Wendungen

Schon klar - alles easy, das Leben ein Sandstrand, mach dich locker, geht doch. Läuft scheinbar bei Easy Life, der fünfköpfigen Truppe aus Leicester, England. 2017 gegründet, eine Reihe ziemlich cooler und maximal entspannter Singles veröffentlicht, geht es für Murray Matravers und Buddies endlich ans Debüt. Am 4. Juni soll nun "Life's A Beach" erscheinen und wer es schafft, das Video zur ersten Auskopplung "Daydreaming" über die komplette Länge (mit Wurstgesicht, Kloblumen und ganz vielen - ähm, Wendungen) anzuschauen, der hat am Ende nicht nur eine einigermaßen schwummrige Birne, sondern für den Rest des Tages auch ein gutes Gefühl. Und das ist doch an einem Tag wie diesem nicht das Schlechteste (Pssst - bleibt übrigens nicht bei dem easycheesy Wohlgefühl, das zeigen ja das Cover und die etwas ältere Aufnahme von "Nightmares" directly aus der ambulanten Notaufnahme...)






Beachy Head: Geschichte in Kalkstein

Wie nah Freude und Leid beieinander liegen, erfahren wir dieser Tage häufiger: Da gibt es viele Menschen, die an der verordneten/gebotenen Einsamkeit und Einschränkung regelrecht verzweifeln, andere empfinden das als willkommene Ruhe und genießen es. Die einen schließen nach langer Zeit endlich wieder ihre alten Eltern in die Arme, andere dürfen nicht einmal deren letzte Stunden begleiten oder auf der Beerdigung angemessen trauern - es sind verrückte Zeiten. Als Symbol dafür taugt ein Felsen wie Beachy Head in der südenglischen Grafschaft Sussex (leider) nur allzu gut, dient er doch vielen Besuchern als beliebter Aussichtspunkt über die Weite des Meeres, Menschen, die die Lust am Leben verloren haben, nutzen ihn allerdings auch als Ort, um sich von dort in die Tiefe und somit in den Tod zu stürzen. Dieser Widerspruch wird den Mitgliedern der gleichnamigen Band präsent gewesen sein, als sie einen Namen für ihre Supergroup suchten - Slowdives Rachel Goswell und Christian Savill, der Drummer der Flaming Lips Matt Duckworth, Ryan Graveface (Casket Girls, Dreamend) und Steve Clarke von The Soft Cavalry haben sich also zusammengefunden und ein gemeinsames Album aufgenommen. Dieses soll am 30. April erscheinen, mit "Destroy Us" liegt bislang einer von acht Tracks zur Begutachtung vor. Nicht ganz auszuschließen, dass auch ein anderes Stück Inspirationsquelle für die Formation war, denn auch die Industrialpioniere von Throbbing Gristle haben für ihr wegweisendes Album "20 Jazz Funk Greats" einen Track namens "Beachy Head" einespielt, das Cover ist vor Ort aufgenommen und auch The Cure drehten das Video zur Single "Just Like Heaven" an den berühmt berüchtigten Klippen. Weiterer Funfact (naja): Auf dem Debüt von Beachy Head wird sich außerdem ein Song namens "Hiddensee" befinden - der ostdeutsche Kreidefelsen als Pendant zum britischen befindet sich allerdings ein paar Kilometer weiter auf Rügen - auf die Auflösung darf man also schon mal gespannt sein.





Yard Act: Düsterer Kreislauf

Es gibt ja bei jedem so ein paar Knöpfe, die man im Gespräch mal besser nicht drücken sollte. Reizpunkte, auf die niemand angesprochen werden will. Bei Musiker*innen sind das oft vermeintliche Vorbilder - wer Paul Banks von der New Yorker Kapelle Interpol beispielsweise mit Joy Division kam, durfte von gelangweiltem Gähnen bis zu demonstrativem Unmut alles erwarten, nur keine Zustimmung. Man wüßte nun gern, wie das Quartett Yard Act auf den Verweis zu Franz Ferdinand reagiert - gut möglich, dass hier wenigsten eine Augenbraue in die Höhe oder ein Mundwinkel nach unten geht. Dennoch, wer alt genug ist, sich an den Beginn der 2000er zu erinnern, wird den Groove von "Darts Of Pleasure" oder "Take Me Out" noch im Gedächtnis haben, diese zackige Gitarren-Marschmusik, die jede/n sofort aus dem Phlegma riss. Und auch wenn beide Bands nicht nur ein Faible für diese Art von Sound teilen, sondern auch eine Vorliebe für graphischen Purismus bei der Gestaltung ihrer Plattencover - Alex Kapranos und James Smith trennen doch weit mehr als nur zwanzig Jahre. Schotte der eine, aus Leeds der andere, Smith hat sich vor gut einem Jahr mit seinem Freund und Bassisten Ryan Needham zusammengetan, später kamen Gitarrist Samy Robinson und George Townends an den Drums hinzu. Und seit dieser Zeit fröhnen die vier einer angenehm schroffen, kantigen Spielart des Post-Punk, Smith spricht mehr als er singt, wenn es um den ewigen Kreislauf trüber Tage und Nächte im Brexit-Britain geht. "Dark Days" heißt ihre aktuelle EP, die schon Anfang Februar mit vier Tracks erschienen ist, unbedingt erwähnenswert sind die Tourdaten, mit denen Yard Act auch Europa und Deutschland bereisen wollen, allerdings erst in knapp einem Jahr - Geduld ist also gefragt.

05.02.  Hamburg, Molotow
09.02.  Berlin, Badehaus
10.02.  Köln, Blue Shell

Montag, 22. März 2021

Thom Yorke: So fucking special

Radiohead sind beileibe nicht die ersten und einzigen Musiker, die keinen Bock darauf haben, Songs aus ihren früheren Alben live aufzuführen - in der Regel sind das genau jene Stücke, mit denen der kommerzielle Durchbruch gelang (was ja für manchen Künstler nicht ausschließlich Grund zur Freude ist), die aber vom Publikum gerade deshalb verehrt werden. Ein verzwicktes Problem. "Creep" jedenfalls hasst Thom Yorke ebenso sehr wie einst Kurt Cobain "Smells Like Teen Spirit", die Beastie Boys "Fight For Your Right", die Gallagher-Brüder ihre "Wonderwall", Led Zeppelin den "Stairway To Heaven" und selbst John Lennon wird ein höchst zwiespältiges Verhältnis zu "Let It Be" nachgesagt. Es kommt also einer klitzekleinen Sensation gleich, wenn Yorke jetzt für den japanischen Modedesigner Jun Takahashi einen neunminütigen, wunderbar schrägen Akustikmix des Songs für eine aktuelle Modenschau spendiert. Unter dem Namen "Creep Very" gelangt das Stück während der zweiten Hälfte der Show (ca. ab 08:30) zur Aufführung, Teil eins wird von MARS98 bespielt. Im Übrigen war das nicht das erste Mal, dass Yorke sich für solche Zwecke umstimmen ließ - 2017 gab er zusammen mit Gitarrist Jonny Greenwood auf der Pariser Fashion Week (ebenfalls für Takahashi) eine Art Radiohead-Megamix zum Besten.





Sonntag, 21. März 2021

MAHENDRA: Nicht von dieser Welt

Wo wir gerade Mine vorgestellt haben, da ist der Sprung zu diesem Trio nicht weit: Hinter MAHENDRA verbergen sich die drei jungen Musiker Björn Tillmann, Lukas Streich und Robin Plenio, deren Fachgebiet mit elektronischer Musik nur recht grob umrissen ist. Denn von Post- und Krautrock über Cold Wave bis hin zum klassischem Synthpop spielen viele Subgenres im von ihnen erzeugten Soundgeflecht eine Rolle. Die drei vermeiden ganz bewusst eine regionale Verortung, wollen - offiziell heimatlos - den Blick eher auf den universalen Klang ihrer Stücke richten, eine zu genaue Festlegung stört da nur. Und wenn, dann sind es eher die kosmischen Dimensionen, mit denen sie uns kommen - "SonneMond", einer der vier bislang veröffentlichten Tracks, spinnt die Bildhaftigkeit der Himmelskörper, ihre Gegensätzlichkeit, die einander abstößt als auch bedingt, ja sogar sucht, für unser Leben weiter. Dunkel wabernde Flächen, ineinander verschränkt und von Tillmanns zarter Stimme und weichen Drumloops getragen, hat der Song tatsächlich etwas extraterrestrisches, quasi their own Space Oddity. Ähnlich verhalten, jetzt fast schon buchstäblich körperlich verinnerlicht, dann "Sporen", eine Reise ins Ich, dazu noch "Unfall" aus dem Januar dieses Jahres. Ganz neu und vergleichsweise eingängig die aktuelle Single "Splitter", fast schon Wavepop, weniger experimentell. Ihr Debütalbum "Partikel" soll Mitte April bei Raufaser Tonträger erscheinen, co-produziert hat die eingangs erwähnte Mine unter Mithilfe von Kollegin Antonia Rug alias Novaa. 





Mine: Ausgeblendet

Da sind wir ja wirklich froh, dass wir uns hier keine Gedanken um die passende Berufsbezeichnung machen müssen. Nicht rappende Bestsellerautorin oder übergeschnappte Musikvideotante also, bei Jasmin Stocker aka. Mine sollte Künstlerin genügen, um ihre Qualität hinreichend zu umreißen. Schließlich hat sie, blättert man in ihrem Lebenslauf, auf hartnäckigste Weise an eben jenem Beruf, der bei ihr zweifellos auch Berufung ist, gearbeitet, hat ausprobiert, geübt, studiert, gesammelt (Geld und Erfahrungen) und nunmehr eine Reihe erstklassiger Alben vorzuweisen. Zuletzt waren das die bewundernswert starke Trennungsplatte "Alle Liebe nachträglich" mit Fatoni (2018) und das schlichtweg fantastische "Klebstoff" ein Jahr später. Wenn man von Kunst hört, liest man oft noch die Ergänzung "ernstzunehmend" - bei ihr wäre das tatsächlich eine ziemlich alberne Doppelung. Denn wer wie sie an eine Sache rangeht, kann gar nicht anders, als mit vollem Einsatz, heißt mit ganzem Herzen dahinterzustehen. Das zeigt übrigens auch die Single "UNFALL", vor gut einem Monat erschienen und einem Thema gewidmet, das Stocker wohl schon lang beschäftigt. Und mit dem sich jede und jeder auseinandersetzen sollte, die/der dank Zufall, Fügung oder Schicksal die Gnade eines privilegierten Lebens in einer Wohlstandsgesellschaft genießen darf. Und nur zu oft die Augen verschließt vor der schreienden Ungerechtigkeit unserer Welt, vor Flüchtlingselend und Armut. Musikalisch weniger schwer, deshalb aber nicht weniger gut nun die neue Single "ELEFANT", zu geschmeidigem Groove singt Mine von den unangenehmen Dingen, die offensichtlich, die drängend sind - und die wir doch oft nicht wahrhaben wollen. In der Beziehung, in der Gesellschaft, überall. Dass diesen beiden Stücken ein wunderbares Album folgen wird, ist, auch wenn wir es noch nicht mit Bestimmtheit wissen können, fast schon zwangsläufig. Es wird "HINÜBER" heißen und am 30. April erscheinen. 






Freitag, 19. März 2021

Glasvegas: Rückkehr mit Wundertüte

Dass die schottische Band Glasvegas nach acht Jahren ein neues Album veröffentlichen wird, ist schon seit geraumer Zeit bekannt und nicht nur für die eingeschworene Fangemeinde ein Grund zu großer Freude. Die Formation um Frontmann James Allan hat Zeit ihres Bestehens Begriffe wie Emotion, Drama, Pathos und Leidenschaft als unabdingbaren Bestandteil ihrer Musik begriffen, negative Konnotationen in Kauf genommen, unbeirrbar. Drei Alben sind bislang von ihnen erschienen - neben dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 2008 noch "Euphoric Heartbreak" (2011) und "Later ... When The TV Turns To Static" (2013) - nun soll am 2. April "Godspeed" kommen. Schon im vergangenen Jahr gab es mit der Single "Keep Me A Space" die erste Vorauskopplung zu hören, später folgten dann "My Body Is A Glasshouse (A Thousand Stones Ago)" und "Dying To Live", heute nun Titel Nummer vier "Shake The Cage (für Theo)". Was genau von der neuen Platte zu erwarten sein wird, ist dabei immer noch etwas vage, nicht umsonst kann man im Merge-Shop auch eine Wundertüte ungeklärten Inhalts bestellen. Für das neue Stück jedenfalls, das u.a. Textfragmente aus Stephen Hawkings "Eine kurze Geschichte der Zeit", aber auch aus der Autobiografie des schwedischen Egoshooters Zlatan Ibrahimovic "I Am Zlatan" enthält, hat Regisseur Lukasz Pytlik reichlich Bildmaterial, nicht selten politisch aufgeladen, ineinander geschnitten. Wir dürfen weiter gespannt sein, was noch folgt.










Bilderbuch: Nackt am See

Kein Zweifel - die Pandemie hat uns fest im Griff, die Muskeln schlaff, das Hirn weich, keine Gegenwehr möglich. Gerade erst hat Fritzi Ernst davon gesungen, dass jede Sekunde ein Genuss sei, in der sie nichts machen müsse, nun hat's auch Bilderbuch erwischt. Und zwar gleich im Doppelpack. Die Wiener Kapelle um Maurice Ernst hatte ja Ende '18/Anfang '19 in kurzer Folge mit "Mea Culpa" und "Vernissage My Heart" zwei allzu feine Alben abgeliefert, dann war lange Zeit Ruhe im Karton. Nun also ein Lebenszeichen, und zwar ein vom Lockdown gezeichnetes: Tagträume haben offenbar Besitz von ihnen ergriffen, anders ist es kaum zu erklären, dass Ernst sich nackt am "Nahuel Huapi" wähnt und dem "Daydrinking" das Wort singt. Beides nicht so ohne, schließlich liegt der besagte See in einem Nationalpark im argentinischen Patagonien und ist demzufolge at the moment nur mit dem Finger auf der Landkarte oder aber eben per Traumreise erreichbar. Diese wiederum ist bekanntermaßen mit einem gewissen Quantum an alkoholischen Substanzen einfacher zu bewerkstelligen (was abhängig von Tageszeit und Häufigkeit nicht ganz ungefährlich ist). Und da haben wir sie auch schon, unsere Krisenlieder. Zum Glück klingen die bei Bilderbuch weit weniger bedrohlich, ja sogar einladend, der Zeitpunkt hier und heute sollte also passen.



Middle Kids: Keine Bange

Middle Kids
„Today We’re The Greatest“

(Domino Records)

Natürlich ist es einfacher, wenn man für den Einstieg in die Rezension eine kleine Geschichte ausgraben kann – Stadt, Land, Leute, irgendetwas Außergewöhnliches, Besonderes, ein Anhaltspunkt nur. Doch bei den Middle Kids? Fehlanzeige. Selbst die Behauptung, die Musik des Trios aus Sydney klänge typisch australisch, würde keine Minute Bestand haben, denn wer hierfür die durchschnittliche Anzahl an Tages-Sonnenstunden ins Feld führen wollte, hat die Rechnung ohne Nick Cave und Dead Can Dance gemacht. Belassen wir es also dabei, wer eine Sängerin mit Namen Hannah Joy und einen Song wie „Questions“ im Programm hat, muss sich ohnehin für nichts und vor niemandem rechtfertigen. Dieses Lied nämlich erzählt von einer ziemlich traurigen, ja regelrecht deprimierenden Zweierbeziehung und gibt der verzweifelten Frau eine Stimme, die ihr ganzes Elend beklagt, den versoffenen Partner also mit all seinen Beteuerungen, die doch nur Lügen sind und ihr jede Luft zum Atmen, jede Hoffnung nehmen. „And how are we supposed to dance and kiss, when we are sighing all the time…“ heißt es da und dennoch tanzt diese Frau am Ende, klingt der Song so fabelhaft trotzig mit seinen Bläsern, dass es einen schlicht umhaut und man nicht anders kann als staunend und angerührt mitzuwippen. „Dancing with tears in my eyes“ – for real.



Nun ist nicht jeder Song auf dem Album ein solcher Knaller. Die Middle Kids kommen ja eher vom Rock und haben diesem auf ihrem Debüt „Lost Friends“ 2018 auch kräftig Futter gegeben. Nicht so auf dem Nachfolger, hier mischen sich einige poppige („R U 4 Me?“) oder auch nachdenkliche, getragene Töne ins Repertoire. Zwar gibt es mit „I Don’t Care“ einen veritablen Kracher, der sich selbst Mut zuspricht und ordentlich gegen Konventionen rebelliert. Zumeist wirkt Hannah Joy aber eher grüblerisch. Das mag ihrer neuen Rolle als Mutter geschuldet sein – viele der Stücke, so liest man, sind noch zur Zeit ihrer Schwangerschaft Anfang 2020 entstanden und manche klingen deshalb, als wolle sie dem Nachwuchs ein paar tröstliche und ermutigende Gedanken mit auf den Weg geben. Bei „Cellophane (Brain)“ beispielsweise geht es um die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen und in der Unvollkommenheit anzunehmen, bei „Summer Hill“ wiederum um Mut, mögliche Auswege und Neuanfänge. Beistand, Vertrauen, Selbstwertgefühl, diese Dinge scheinen nun viel wichtiger und aus dieser Quelle schöpft schließlich auch der Titelsong: „Someday we'll be gone, but today we're the greatest, even though we feel so small, are you here where we are? 'Cause today we're the greatest“, so heißt es dort. Für den Moment also alles bestens.





The Coral: Bloß nicht kleckern [Update]

Und wieder mal so eine Band, die sich aus dem Unterbewusstsein herausgräbt und in Erinnerung bringt. Allzu lang haben wir The Coral, britische Folkrockband, nicht mehr als solche wahrgenommen, nach anfänglichen Hitschüben im Zuge des The-Band-Booms waren sie dann doch einigermaßen verblasst und haben Platz machen müssen für die zahlreichen Nachkommen. Nun allerdings kam dieser Tage der Song "Faceless Angel" um die Ecke und so meldete der Radar einen unleugbaren Wiedererkennungseffekt - James Skelly und Paul Duffy vermögen also noch immer mit ihrem psychedelischen Sound zu punkten. Und wollen das auch in großem Stil wieder tun, Ende April soll ihr neues Doppelalbum "Coral Island" erscheinen und weil sie nun mal Briten sind, vergleichen sie es denn im NME auch gleich mal bescheiden mit Werken wie dem "White Album" der Beatles, "The River" von Bruce Springsteen oder "Tranquillity Base Hotel And Casino" der Arctic Monkeys. Kann ja nur groß werden.

Update: Und wieder alles so schön bunt hier - die zweite Vorauskopplung nennt sich "Lover Undiscovered".





Donnerstag, 18. März 2021

Matt Berninger: Klage im Dämmerlicht

Matt Berninger
„Serpentine Prison/Deluxe Edition"

(Caroline International)

Ja, mit den Cha-Cha-Cha-Changes ist das so eine Sache. Bei anderen erwarten wir sie stets in dem Maße, wie sie uns zu passe kommen, selbst scheuen wir Veränderungen gern mit dem Hinweis auf Alter und/oder Umstände. In der Musik läuft’s auch gern mal andersrum – als Hörer*in hüpft man gern von Blüte zu Blüte, unstet, stimmungsabhängig, ohne Geduld, von den Idolen der Jugendzeit wird aber die zuverlässige Lieferung von Alterhergebrachtem erwartet, dazu angetan, Nostalgie und Gegenwartsflucht zu befriedigen – bloß keine Herausforderungen. Auch interessant: In Zeiten wie diesen, wo die Welt unter der Pandemieglocke stillzustehen scheint, keine Bewegung (erst recht nicht zum Besseren) in Sicht, ändert sich unser mentales Befinden sehr wohl, werden wir unsicher, zweifelnd, misstrauisch, reizbar, klammern wir uns an kleine Gewissheiten. Wie passt da jetzt die Platte von Matt Berninger hinein? Nun, der Mann hat zunächst die Veränderungen, die das Alter so mit sich bringt, zum Thema seiner Soloarbeit gemacht – nicht selten sind es schmerzhafte, die mit Enttäuschungen, Verlusten einhergehen. Zudem ist Berninger jemand, der selbst als gutes Beispiel für innere und äußere Wandlungen herhalten kann.

Dem Musikexpress hat er im vergangenen Jahr, als die erste Version des Albums erschienen ist, gesagt: „Ich denke, ich habe mich weiterentwickelt. Ich bin freundlicher in meinem Songwriting. Aber immer noch ehrlich“, nicht ohne hinterherzuschieben: „Es ist nicht immer einfach, freundlich und ehrlich zur gleichen Zeit zu sein.“ Um das zu untermauern, nimmt Berninger hier Bezug auf die Songs von „Sad Songs For Dirty Lovers“, einem der frühen Werke seiner Band The National aus dem Jahr 2003. Spielt man davon Stücke wie „Slipping Husband“ oder „Available“ an, möchte man ihm sofort zustimmen. Wildes Geschrei, Wutausbrüche sind da zu hören, von Gelassenheit, Selbstbeherrschung oder gar Liebenswürdigkeit keine Spur, dort muss raus, was sich an Frust und Unmut staut. The National waren beileibe keine Punkband (aber sie zählten solche zu ihren Vorbildern), sie waren laut, sie waren düster.



Diese Düsternis ist nun einer altermilden, melancholischen Stimmung gewichen, dunkel noch, aber nicht mehr so unversöhnlich und bissig. Dem Ausflug unter die Diskokugel zusammen mit Brent Knopf als EL VY folgt also mit dem Soloalbum - jetzt gern stilecht mit Loafers und Jacket - klassisches und tatsächlich allerfeinstes Songwriting. Die Stücke auf „Serpentine Prison“, allesamt produziert von Allzeitlegende Booker T. Jones und eingespielt mit Musikern von Nancy (früher), The National (heute) und The Walkmen (als Fan und Bewunderer), strengen nicht an, sondern gefallen in Eingängigkeit, gemacht für die besinnlichen Stunden im Dämmerlicht späterer Tage. Angefangen beim wunderbaren „My Eyes Are T-Shirts“ und den zärtlichen Zeilen: „My eyes are T-shirts, they're so easy to read, I wear 'em for you but they're all about me. They always say ‚I want you to take me home‘, they always say ‚I want you to leave me alone‘“. Noch schöner dann „One More Second“, ein rührendes Flehen um die zweite Chance zur Rettung einer Zweisamkeit, die ihm zu entgleiten droht – „Give me one more year to get back on track, give me one more life to win you back“ – ach herrje, wer wollte da nicht schwach werden …



Und so geht es weiter: Traurigkeit und Verzweiflung („Loved So Little“), musikalisch untermalt von Bläsern, Streichern, Piano- und Orgelpassagen, danach das Duett „Silver Springs“ mit Gail Ann Dorsey, später noch „Collar Of Your Shirt“, wo sich Berningers Stimme in ungewohnte Höhen croont. Eigentlich hätte das Album anfangs ja ausschließlich mit Coverversionen gefüllt werden sollen, dass es nicht so kam, ist im sicher kein Schaden. Denn das neu eingesungene Bonusmaterial kann, genaugenommen ja eher ein Kompliment, nicht ganz mithalten mit den Eigenkompositionen. „European Son“ von Velvet Underground ist nur vorsichtig verwegen, wo das Original doch so herrich scheppert, auch die geliehenen Songs von Morphine, Bettye Swann und Eddie Floyd bleiben entweder hinter den Erwartungen oder passen nur bedingt zum Interpreten. Am Ende erlaubt sich Berninger noch einen kleinen Scherz, indem er mit „Let It Be“ und „The End“ zwei vermeintlich fremde Stücke einspielt, die mit den vermuteten allerdings nur den Titel gemeinsam haben und doch aus seiner Feder stammen. Es ist egal, denn das Beste haben wir ohnehin schon gehört. In besagtem Interview sagte Berninger übrigens zum Songschreiben: „Es ist, als würde ich in einen tiefen Wald laufen. Vielleicht finde ich etwas. Vielleicht werde ich aber auch beim Versuch, da wieder heil rauszukommen, aufgefressen.“ Sieht ganz so aus, als hätten wir ihn unbeschadet wieder.

Mittwoch, 17. März 2021

Flock Of Dimes: Unüberhörbar

Die erste Single haben wir noch fahrlässig übersehen, die zweite ist dann aber so gut, dass kein Vorbeikommen mehr ist: Jenn Wasner, im Hauptberuf die wunderbare Stimme von Wye Oak aus Baltimore, geht ja bekanntlich auch gern ihre eigenen Wege. schon 2016 erschien ihr Soloalbum "If You See Me, Say Yes", eingespielt unter dem Moniker Flock Of Dimes - nun ist für den 2. April bei Sub Pop mit "Head Of Roses" der Nachfolger eingetragen. Kaum zu ignorieren also schon die vorab ausgekoppelten Singles "Two" und "Price Of Blue", beides eher klassische Popsongs, "Hard Way" dagegen kommt so reduziert daher, dass es zusätzlich aufhorchen läßt. Die so einfachen wie wirkungsvollen Effekte des Videos stammen im Übrigen von Lachlan Turczan, der auch für Phoebe Bridgers schon diverse Clips angefertigt hat.







Sorry: Zusätzlicher Kontext

Da ist sie also wieder, die Band aus London, die auf den meisten Fotos als Duo zu sehen ist, zu der aber dann doch fünf Personen gehören: Neben den Langzeit-Buddies Asha Lorenz und Louis O'Bryen zählen zum offiziellen Lineup von Sorry also noch Drummer Lincoln Barrett und die beiden Sound-Tüftler Campbell Baum und Marco Pini. Gemeinsam haben sie im Frühjahr vergangenen Jahres ihr Debütalbum "925" veröffentlicht und konnten mit diesem im Gepäck auch zuvor bei ihren Liveshows für viel Beifall sorgen. Man muss sicher nicht extra erwähnen, dass auch Sorry unter den Folgen der Pandemie zu leiden haben, dennoch oder gerade deshalb haben sie sich entschlossen, zwei neue Tracks - in Heimarbeit entstanden - via Domino Records zu veröffentlichen. Diese zeigen, entweder den Produktionsbedingungen oder einer Neuausrichtung geschuldet, die neue Lust des Quintetts am vermehrten Einsatz elektronischer Elemente, die Ideen zu den Videos der Singles "Cigarette Pack" und "Separate" hat Lorenz gemeinsam mit Regisseur Flo Webb entwickelt, beide verfügen über eine durchaus ungewöhnliche Bildsprache und geben den Stücken so einen zusätzlichen Kontext.

Die Sängerin sagt dazu in den Linernotes: "Die Videos zeigen eine sehr spielerische Komponente, während wir gleichzeitig versuchen, viele Stimmungen und Emotionen ausdrücken. Die Verwendung von schwarzem Raum und die Tatsache, dass wir nie ganze Gesichter zeigen oder Objekte (wie die Spielzeugautos) verwenden, soll das Gefühl vermitteln, dass es sich um Gedankenblitze oder surreale Erinnerungen handelt. 'Separate' basiert lose auf dem Roman Crash von J. G. Ballard. Es ist, als ob das Wasser seinen Verstand ausmacht und er die Serie von Zusammenstößen mit den Spielzeugautos wiedergibt oder plant. Die Clips werden vor allem für visuelle Farbspritzer oder die Bewegung genutzt, um dem Song quasi eine weitere Rhythmusebene zu geben, die vielleicht nicht unbedingt hörbar ist, man kann sie aber visuell im Song spüren. Bei 'Cigarette Packet' wollten wir, dass es klaustrophobisch wirkt und dass sich die Intensität dort aufbaut, wo es sich richtig anfühlt. Die Münder verschmelzen alle zu einer Stimme, am Ende ist es schwer zu sagen, wer was sagt, als ob alle deine Freunde oder Leute, die du triffst, nur Teile von dir sind. Es ist seltsam, was dein Verstand alles anstellt, um zu hören oder sich zu erinnern."







Dienstag, 16. März 2021

Shelter Boy: Aus einer anderen Zeit

Die Zeiten, wo es in England viel zu bestaunen und zu beneiden gab, sind schon ziemlich lang vorbei, das Land kommt mit Brexit, Corona, NHS und was sonst noch nicht mehr recht auf die Füße. Bloß gut, dass es zumindest musikalisch nichts zu meckern gibt, und selbst wenn - die Vergangenheit ist ja auch noch da. Und die kann man sich gerade bei H+M für 9,99 Euro in die Tüte packen lassen. Oder aber man hört sich die neue Single von Shelter Boy aus Dresden an. Simon Graupner, so sein Klarname, war ja hier schon mit seinen beiden Singles "Forever You'll Be Known" und "Calm Me Down" zu Gast, nun geht mit "Atmosphere" eine krachende Hommage an den stolzen, breitbeinigen Britpop der Mittneunziger an den Start. Das Stück ist am vergangenen Freitag standesgemäß bei Scruff Of The Neck Records aus Manchester erschienen.




Montag, 15. März 2021

Lido Pimienta: Bildgewaltig [Update]

Ein neues Video gibt es von der kolumbianisch-kanadischen Künstlerin Lido Pimienta, deren Titel "Nada" es hier im Blog zum Song des Jahres 2020 schaffte. Die aktuelle Single "Coming Thru" stammt dabei ebenfalls vom phänomenalen Album "Miss Colombia", das bei ANTI- erschienen ist. Der Clip wiederum ist eine wiederholte Zusammenarbeit mit dem Designer Orly Anan, mit dessen Hilfe schon das Stück "No Pude" inszeniert wurde und der auch maßgeblichen Einfluß auf das Artwork der letzten Platte (s.u.) hatte.

Update: Ein Grammy ist es (unverständlicherweise) leider nicht geworden, aber ihre Show auf der Veranstaltung war trotzdem atemberaubend.






Sonntag, 14. März 2021

Familienalbum # 36: Future Teens


Zugegeben, das ist etwas weit hergeholt: Wenn wir an dem Tag, an welchem in dem Bundesland, das dem deutschen Sprachschatz die Kehrwoche geschenkt hat, ein neues Landesparlament gewählt wird, ein neues Familienalbum zum Thema "Staubsauger" präsentieren, dann knirscht das schon mächtig im Bezugsgebälk. Aber irgendeine Überleitung zur neuen EP "Deliberately Alive" der Indierock-Truppe Future Teens aus Boston müssen wir ja schließlich finden. Und das ist dann eben der Staubsauger der bekannten Firma Hoover auf dem Cover derselben. Und auch wenn man es nicht glauben mag, selbst ein so gebräuchliches Haushaltgerät hat seinen Platz in der Cover-Art-Historie, auch wenn es sich nicht immer um genau das Fabrikat und um genau jenes Modell handelt. Bei all dem Staunen über die allzu wunderliche Motivauswahl wollen wir aber auch nicht vergessen, dass Amy Hoffman, Colby Blauvelt, Daniel Radin und Maya Mortman mit ihrer 12" fünf wirklich feine Gitarrenbretter abgeliefert haben, von denen wir hier stellvertretend die Single "Guest Room" (natürlich nur echt mit Staubsauger) vorstellen wollen. Gesondert Erwähnung soll natürlich auch die Coverversion von Cher und ihrem Überhit "Believe". Die restlichen Haushaltgeräte natürlich wie immer von links nach rechts und oben nach unten.

Future Teens "Deliberately Alive", The Cure "Three Imaginary Boys", Cymbals Eat Guitars "Pretty Years", The Vacuum Cleaners "Full Meat Carpet", Charlotte Birch "High Frequency", Queen "I Want To Break Free" (Single), Estaca Brown "La Estaca Brown", Wild Strawberries "Heroine", Arthur "Sweet Memory", The Arctic Monkeys "Tranquility Bae Hotel And Casino"