Donnerstag, 21. Juni 2018

Granada: Bilderwelten

Granada
„Ge bitte!“

(Karmarama)

Mit dem Dialekt ist das so eine Sache, er kann manchmal kräftig missverstanden werden. Wenn zum Beispiel ein Bayer „Geh weida!“ sagt, dann ist das beileibe keine böswillige Aufforderung an den Gegenüber, möglichst umgehend das Weite zu suchen, es drückt eher ein interessiertes Staunen aus. Das „Ge Bitte!“ des Österreichers wiederum hat mit einer höflichen Bitte nicht viel gemeinsam, diese Redewendung ist eher als ungläubige, genervte Entgegnung gedacht, einen doch künftig mit solchem Schmarren in Ruhe zu lassen. Wobei die Jungs von Granada hier wohl eher eine allgemeine Stimmung wiedergeben wollen, Grantler sind die fünf ja eher keine. Nur eben lässige Burschen, die ihre steirische Mundart nicht verstecken und seit dem Debüt 2016 sowohl die globale als auch die unmittelbare Befindlichkeit der Gesellschaft in den lässig, pointierten Versen ihrer Lieder spiegeln. Und das reicht von bissig sarkastisch über humorvollen Überschwang bis hin zu liebenswert und gemütvoll, Granada sind Meister der Ausgewogenheit und auch auf dem neuen Album gelingt ihnen diese Balance scheinbar mühelos.


  
Gleichwohl hatte man befürchtet, dass mit der ersten Single „Die Stodt“, welche ja nun einiges an politischer Beobachtung und düsterer Vorausschau enthält, auch die Leichtigkeit im Ganzen verlorengehen würde – die Umstände dort, hier, überall wären ja dazu angetan. Trotzdem falscher Alarm, diese erste Auskopplung bleibt eigentlich die einzige mit so eindeutigem Bezug zu heraufdämmerndem Populismus und brauner Angtsmache und Kleingeisterei, Thomas Petritsch sucht und findet eher kluge Sinnbilder für seine Texte, um das Große ins Kleine zu holen und so für mehr Nähe und Vertrautheit zu sorgen. Und eben auch nicht zu verstören, wie er sagt. Da werden die aufgedrehte und oft auch aufgesetzte Betriebsamkeit ebenso auf’s Korn genommen („Miad vom tanzen“) wie die abgehobenen Parallelwelten und Oberflächlichkeiten („Marie“/“Prada“), engstirnige Rachsucht karikiert („Berlin“) und gefährliche Liebe mit Haut und Haar besungen („Messer“).

Mal versunken im Regen von Mallorca, mit hochrotem Kopf und schwitzendem Leib in der „Sauna“ oder hoffnungslos versoffen, die Flasche Gin im Arm – Granada gelingt ein wunderbarer, sehr menschlicher Reigen über die Schwächen, Schwärmereien und Ärgernisse unserer Tage. Der Dreiklang aus „Kopf verlorn“, „Vom Herz kummt“ und „Verwoitn“ ganz zum Schluss ist ohne Zweifel große Liedkunst, wobei die Ehre für den Kehraus (ähnlich wie bei der „Taube im Glas“ vom Vorgänger) wieder Gitarrist Lukacz Custos gebührt, der hier zu kleiner Kapelle ein tiefschwarzes Bild von Fremdbestimmtheit und Fatalismus zeichnet. Für den Optimisten, so sagten sie kürzlich, gebe es schon Hoffnung, für den Realisten eher weniger. Hätte man bei all der Trübsal keine Platte wie diese, es wäre tatsächlich kaum auszuhalten. http://www.granadamusik.com/

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