Freitag, 16. August 2019

The Murder Capital: Der Ernst der Jugend

The Murder Capital
„When I Have Fears“
(Rykodisc)

Es sind tatsächlich andere Zeiten. Wir kennen ja durchaus Jahre, da war kein Mangel an jungen, aufstrebenden Gitarrenbands, da gaben sich die talentiertesten unter ihnen wöchentlich mit Verve die Klinke in die Hand, viele teilten sich ein „The“ im Namen und machten gleich einen Trend daraus – lang ist’s her. Heute dagegen ist die Spitze nicht breit, sondern eher dünn, übersichtlich besetzt, haben Pop und Rap den Indierock in Sachen Novitäten längstens überholt und wegen des Mangels ist die Freude jedes Mal um so größer, findet sich doch ein würdiger Vertreter, der dem oft totgesagten Genre ein wenig Hoffnung gibt und Glanz verleiht. Dass die Iren diesen Kampf ganz vorn mit ausfechten, ist ansich keine so große Überraschung (sind sie doch seit jeher eine Nation von Musikverrückten in des Wortes bestem Sinne), erstaunlich ist aber schon, dass mit den Silverbacks, den Fontaines D.C. und eben jener fünfköpfigen Post-Punk-Formation The Murder Capital gleich drei Bands aus Dublin mitmischen.

Ebenso bezeichnend ist es, dass sich James McGovern und Kollegen ganz in der Tradition ihrer (gar nicht so alten) Urahnen zu bewegen scheinen, ihre Songs sind so leidenschaftlich, melodieverliebt, zuweilen auch ein wenig pathetisch und schwermütig, wie man es wohl nur an der rauen Ostküste ihres Heimatlandes zuwege bringen kann. Man weiß nicht so recht, wie es die Jungen in Dublin mit einem Mann wie Paul David Hewson so halten, den Spötter, Neider und sonst alle anderen unter dem Namen Bono kennen, berufen haben sich The Murder Capital ja eher auf die britischen Joy Division denn auf U2. Naheliegend, klar. Aber es gibt eben durchaus Momente auf „When I Have Fears“, in denen man die frühen, die kraftvollen, die ungeschlachten Stücke der heute so öden Stadiontruppe durchhört, Sachen wie „40“, „Out Of Control“, „Stories For Boys“ oder auch das wunderbare „11 O’Clock Tick Tock“. Mag sein, dass solche Vergleiche heutzutage an Rufschädigung grenzen, als Kompliment sind sie dennoch gemeint.



Anders als die Fontaines D.C., deren Erstling um einiges aufgeräumter, hitorientierter geraten ist, lassen The Murder Capital düsteren Stimmungen deutlich mehr Raum und man merkt, dass sich Produzent Mark Ellis aka. Flood und die fünf ernsten Burschen nicht ohne Grund verabredet haben, schließlich hatte der auch schon Nick Cave, PJ Harvey, Warpaint und die Smashing Pumpkins im Studio (und ganz nebenbei eben auch U2, sorry). Ellis mag tiefe, raumgreifende Texturen, satten Sound und so böllern die Iren mit „For Everything“, „More Or Less“ und „Green And Blue“ auch gleich gewaltig los. Sie tun das, nicht ohne danach die Bässe dunkel zittern zu lassen, nehmen sich ebensoviel Zeit und Anlauf für getragene, ausladende Klangmalereien. Es geht hier dreierlei – die Roughness ihrer Vorabsingle „Feeling Fades“ mit Bad-Seeds-Referenzen, der herrliche Drive von „Don’t Cling To Life“ und das grabestiefe Gemurmel bei „How The Streets Adore Me Now“.

Den Titel des Albums, das möchte man dann doch noch erwähnen, hat McGovern im Übrigen einem Sonett des englischen Romantikers John Keats entlehnt. Betonen muß man das deshalb, weil es dem Vorurteil widerspricht, die Jugend von heute hätte mit klassischer Literatur, Lyrik gar, so überhaupt nichts mehr zu schaffen und kümmere sich lieber um Bequemlichkeit und Ablenkung in medialen Filterblasen. „Befällt mich Angst“ heißt der übersetzte Text des Dichters und enthält so wunderbare Zeilen wie diese: „Und wenn ich spüre, liebliche Gestalt, dass nimmermehr mein Auge dich umfasst, ich nie mehr koste holdeste Gewalt einsamster Liebe – steh ich, stiller Gast, am Strand der Welt allein und grüble lang, bis Ruhm und Liebe in ein Nichts versank.“ Das Wissen um diese Zeilen klingt ebenso schön nach wie die ganze Platte selbst, ein überaus gelungenes, wenngleich seltenes Beispiel dafür, dass es um den Rock nicht ganz so hoffnungslos bestellt ist wie befürchtet.

12.11.  Hamburg, Molotow
13.11.  Berlin, Musik und Frieden
14.11.  Köln, Artheater

MUNA: Back and forth

Es braucht tatsächlich noch ein wenig Geduld, bis wir das komplette Album zu hören bekommen: Am 6. September steht mit "Saves The World" endlich die zweite Platte des Queer-Pop-Duos MUNA im Regal und die beiden bisherigen Vorauskopplungen "Number One Fan" und "Who" lassen ahnen, dass der Nachfolger von "About U", dem Debüt aus dem Jahr 2017, keinen Deut schlechter geworden ist. "Stayaway", die dritte Single, kommt nun mit einem Video von Regisseurin Minnie Schedeen daher und ist als eine Art Back-And-Forth-Trip angelegt, es geht um Konsequenzen von Entscheidungen, die niemand voraussehen und planen kann, aber doch oft so gern möchte.

Surf Curse: Inspiration [Update]

Auch bei diesen beiden Herren fallen die eigenwilligen Haare sofort auf, auch bei diesen beiden macht die Musik jede Irritation sofort wieder wett: Das Duo Surf Curse kommt aus Los Angeles, besteht aus Nick Rattigan und Jacob Rubeck und spielt Lieder, die sich ohne große Schwierigkeiten sofort da einnisten, wo im Hirn der Platz für Ohrwürmer vorgesehen ist. Schon als vor einigen Wochen ihre erste neue Single "Disco" erschien, hat es uns mächtig in den Fingern gejuckt, nun mit "Midnight Cowboy" gibt es keine Ausreden mehr (inspiriert wurden Surf Curse zum Video des Songs im Übrigen von John Schlesingers gleichnamigem Film mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle). Und spätestens am 13. September, wenn bei Danger Collective ihr Album "Heaven Surrounds You" erscheint, wird jeder wissen, was er an den beiden hat.

Update: Mit "Hour Of The Wolf" gibt es jetzt die dritte Single vom neuen Album und dazu noch zwei Livetermine für den November - Surf Curse bleiben in Sachen Gitarrenrock eine erfreuliche Ausnahmeerscheinung.

11.11.  Berlin, Urban Spree
12.11.  Hamburg, Hafenklang





Donnerstag, 15. August 2019

RVG: Begründetes Anliegen

Nur eine kleine, kurze Randnotiz, aber für die Besucher der kommenden Konzerte der Sleaford Mods in Deutschland nicht ganz ohne Bedeutung: Als Support für die Termine hierzulande wurde nämlich die australische Post-Punk-Kapelle RVG eingeladen. Die Band aus Melbourne heißt eigentlich Romy Vager Group und hat ihr Debütalbum "A Quality Of Mercy" vor zwei Jahren bei Fat Possum veröffentlicht, im Mai diesen Jahres gab es ganz frisch die 7" mit den Titeln "Alexandra" und einem Cover des wunderbaren John-Cale-Songs "Dying On The Vine" zu hören. Wir werden also pünktlich bei dem Mods erscheinen müssen - aus Gründen.





Montag, 12. August 2019

Jason Lytle: Anders als gedacht

Vor ein paar Wochen hat der Onlinedienst Brooklyn Vegan ja schon für ein paar kleinere Luftsprünge gesorgt, als es verkündete, Jason Lytle bereite gerade auf Dangerbird Records die Veröffentlichung eines Werkes namens "Arthur King Presents Jason Lytle: NYLONANDJUNO". Denn auch wenn eine Nachricht über das Wohl und Wehe seiner Hauptband Grandaddy erwartet worden war, so geben wir uns dann doch erst mal mit diesem Lebenszeichen zufrieden, verschieben die Pläne für einen Nachfolger von "Last Place" für's erste und wenden uns dem Verfügbaren zu. Für die Zusammenarbeit mit dem Kunstkollektive Arthur King aus Los Angeles hat der Mann, ausgerüstet mit einer nylonbespannten Gitarre und eine Juno-Synthesizer, acht Stücke aufgenommen, von denen zwei bislang bekannt sind - "Dry Gulched On Rodeo Drive" und gerade eben noch "Don't Wanna Be There For All That Stuff".

CocoRosie: Von Lämmern und Wölfen

Die Rückkehr der beiden Schwestern ins angestammte Geschäft war dann doch eine halbwegs spektakuläre: Sierra und Bianca Casady, besser bekannt unter dem Namen CocoRosie, ließen Ende Juli aufhorchen, als sie auf der Single "Roo" von Chance The Rapper neben Taylor Bennett ein Feature übernahmen. Andererseits kann der Gastauftritt wirklich nur die überraschen, die mit der Lust der schillernden Damen nicht vertraut sind, denn eigentlich lieben die Geschwister das Experiment und die Irritation. Ihr letztes Album "Heartache City" hatte ja schon einige vorsichtige Raps zu bieten und auch der erste Vorabtrack "Lamb And The Wolf" ihrer gerade angekündigten siebten Langspielplatte klingt verrückt genug. Dem Magazin Fader haben sie zu dem Werk mitgeteilt: "Our new material is very beat-based and the vocals tend to be more and more rap verses and sung hooks. It's kind of our roots… poetry all that. Heartbreak, swag, frogs, roosters, and old-timey hooks" - wir sind gespannt.



Sonntag, 11. August 2019

The Golden Dregs: Smarter Starter

Wir beginnen unseren sonntäglichen Rundgang heute auch sonntäglich angemessen entspannt, und zwar mit der Musik des Londoner Projektes The Golden Dregs. Dahinter verbirgt sich Benjamin Woods, ein junger, sehr eleganter Mann, der die Tindersticks genauso schätzt wie Lou Reed und Tom Waits. Und was soll man sagen - es ist leicht herauszuhören. Aus seinem letztjährigen Debüt "Lafayette" ebenso wie aus seiner aktuellen Single "Just Another Rock". Letztere stammt vom Folgealbum "Hope Is For The Hopeless", das am 27. September erscheinen soll und auch die beiden zuvor geteilten Stücke "Nobody Ever Got Rich" und "The Queen Of Clubs" enthält. Den Tag recht spät damit begonnen, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.



Yeah But No: Erfahrungswerte

Verwiesen sei an dieser Stelle auf das neue, zweite Album des Berliner Synthpop-Duos Yeah But No, angekündigt für den 18. Oktober bei Sinnbus Records. "Demons", so der Titel, vereinigt, wie auch schon das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahr 2017, elf fein verwobene, kunstvoll arrangierte elektronische Stücke. Diese befassen sich auf sehr persönliche Weise mit den Ängsten, Kämpfen, Brüchen und Gefühlen im Leben der beiden Musiker Douglas Greed und Fabian Kuss - stellvertretend gibt es vorab davon die Songs "I Don't Want To Know" und "Caught Between Stations" zu hören. Ebenfalls empfehlenswert sind im Übrigen die Arbeiten von Daniel Brandt, Karmon (siehe unten) und Marc Holstege, die sich wie einige andere des Erstlings angenommen und zu eigenen Interpretationen umgearbeitet haben. Eine längere Tour der Band ist, so liest man, für den Spätherbst in Planung.

21.11.  Berlin, KaterBlau





TEROUZ: Zeit für neue Wege

Und noch mal eine Art Soloarbeit: Karim Terouz stammt ursprünglich aus der ägyptischen Hauptstadt Kairo, ging 2008 ins kanadische Montreal und gründete dort seine Band The Rising Few, mit der er zwei Platten einspielte. Nun, nach dem schmerzvollen Verlust seines Vaters, war es offenbar Zeit für eine Neuerfindung und so änderte er den Sound in Richtung Synthrock und nahm sich, wie unschwer herauszuhören, vor allem David Bowie zum Vorbild. Herausgekommen ist die Single "Outstanding", begleitet von einem Video unter Regie von Alexandre Desrochers-Coderre - er selbst, jetzt nur noch unter dem Namen TEROUZ unterwegs, sagt zu dem Stück, es klinge wie "Leonard Cohen auf einem Fitness-Laufband". Ein wenig verrückt also das Ganze und nicht ohne einen gehörigen Schuss Selbstvertrauen, man darf auf weitere Neuigkeiten gespannt sein.

Freitag, 9. August 2019

Gotts Street Park vs. Zilo: Sanfte Wucht

Der Track wäre doch tatsächlich fast untergegangen, verdient hätte er's gewiß nicht: Das Hip-Hop-Kollektiv Gotts Steet Park aus Leeds hat uns nämlich schon vor zwei Jahren mit einer ersten EP namens "Volume One"und einigen formidablen Tracks mehr begeistert, alles sehr deep, dunkel und für Debütanten dennoch erstaunlich vielseitig. Genau das stellen sie auch jetzt wieder unter Beweis, denn gerade ist ihre neueste Single "Bad" erschienen, deutlich näher am RnB als die vorangegangenen Stücke und gemeinsam mit der Londoner Künstlerin Zilo eine wirklich Wucht - wenn auch eine angenehm sanfte.



Hater: Entspannte Zwischenmeldung

Die vier hier können es mal ganz entspannt angehen: Ende des vergangenen Jahres ist die zweite Platte von Hater aus dem schwedischen Malmö erschienen, wie auch ihr Debüt war "Siesta" der erwartete Erfolg, sie wurden gefeiert und werden weiterhin geliebt. Daran wird sich auch nach Veröffentlichung ihrer neuen Double-A-7" "Four Tries Down/It's A Mess" nichts ändern, denn der zarte Gitarrensound ist weiterhin verführerisch gestrickt, verhaltenes Tempo, schöne Stimmen, was will man mehr - physischer Release am 6. September via Fire Records.



James Blake: Entwaffnung [Update]

James Blake
„Assume Form“
(Polydor)

Gerade schlägt ja der Werbespot eines amerikanischen Rasierklingenherstellers besonders in den USA hohe Wellen, es geht einmal mehr und sehr aufgeregt um die neue Männlichkeit, um Geschlechterrollen und -klischees und augenscheinlich ist diese Debatte sowohl bei Gegnern als auch Befürwortern des Wandels kaum noch ohne den Begriff „toxisch“ zu haben. Stellt sich die Frage: Taugt das neue Album von James Blake denn als Beitrag zum Diskurs? Antwort: Ja und nein. Ja, weil eigentlich alles, was irgendwo auf unserem hektischen Planeten passiert, Veränderungen der Gesellschaft mal mehr und mal weniger schnell beeinflußt, alles wird hinterfragt, ins Verhältnis gesetzt und bewertet, da macht auch diese Platte keine Ausnahme. Zumal sie natürlich von einem Mann vorgelegt wird, der mit seinem zarten Falsett, seiner Innerlichkeit und bewußten Verletzlichkeit so gar nicht in das Raster alter Männerversteher passen und noch immer so manch grob gezimmertes Weltbild zum Wanken bringen dürfte. Nein deshalb, weil Blake ja beileibe kein überraschendes Phänomen mehr ist. „Assume Form“ ist mittlerweile sein viertes Album und auch die vorangegangenen fanden ihr Publikum mit dieser bemerkenswerten Mixtur aus Dubstep, klassischem Songwriting und LoFi-Pop – over the top, klar, aber eben auch sehr berührend. Der einzige seiner Art ist er damit zwar nicht mehr, wohl aber der talentierteste.



Das überraschend kurzfristig veröffentlichte Album hat nun einige behutsame Änderungen im Programm, manche zum Vor-, andere zum Nachteil. Die Vermählung seines Sounds mit trippigem Hip-Hop-Rhymes, 2013 gemeinsam mit Chance The Rapper und dem grandiosen „Life Round Here“ gestartet, erfährt hier seine konsequente Fortsetzung – jetzt finden sich Kollaborationen mit André 3000 („Where’s The Catch“), Metro Boomin/Travis Scott („Mile High“) und dem Neo-Soul von Moses Sumney („Tell Them“) auf der Platte, allesamt sehr gelungen und catchy. Neu dagegen die spanisch-britische Variante, für „Barfood In The Park“ hat Blake die Katalanin Rosalía ins Studio gebeten, herausgekommen ist der wohl spannendste Track des Albums, weil zur bekannten Palette noch der kontrastreiche Gesang der jungen Spanierin hinzukommt, mal gefühlvoll gehaucht, mal rau und leidenschaftlich intoniert. Anderes dagegen gerät weniger zwingend: Wenn Blake im Stile eines gutgelaunten Crooners bei „Can’t Believe The Way We Flow“ den Barjazz beleiht, dann klingt das bei allem Respekt eine Ecke zu kitschig, als Grübler im Halbschatten macht er eine überzeugendere Figur denn als verliebter Charmeur.



Thematisch ist James Blake im Gegensatz zum sphärischen, deepen Klang seiner Tracks dann doch sehr diesseitig, dreht sich vieles um die Liebe mit all ihren Verirrungen, Schmerzen und dem Hochgefühl, welche/s sie für einen bereithält. Im wunderbaren „Power On“ mahnt er die Demut in Partnerschaften an, lobt die Fähigkeit, den anderen mit allen Fehlern und Schwächen zu akzeptieren und als Bereicherung zu erfahren. Das Titelstück wiederum meint die Liebe zur Körperlichkeit an sich eingedenk der Gefahr, sich der medialen Übermacht, der digitalen Verheißung hin- und die Verbindung zum realen Welt aufzugeben – Form annehmen also, hier sein, im Jetzt. Passend dazu der Aufruf an die Zuhörer (und sich selbst) gegen Ende („Don’t Miss It“), sich besser den Moment zu vergegenwärtigen, als ihm später hinterher zu trauern. Um den Bogen zum Anfang zu finden – toxisch ist an all dem gar nichts. Vielmehr geht es um Abrüstung, bestenfalls Entwaffnung, darum, Gefühl zuzulassen, Fehler zu dulden. Zum Rolemodel eines scharf kalkulierenden Markenartiklers eignet sich sich Blake dennoch nicht – in diesem speziellen Falle wäre er (ein Blick auf’s Cover genügt) für den Job auch einfach zu schlecht rasiert. https://www.jamesblakemusic.com/

Update: Wenn James Blake ein neues Video - und sei es auch nur zu einem Song von seinem bereits erschienenen Album - veröffentlicht, ist Aufmerksamkeit angebracht. Dieses hier zu "Can't Believe The Way We Flow" stammt aus einer Zusammenarbeit mit Frank Lebon (A$AP Rocky, King Krule, Skepta, FKA twigs), es wurde an sechs Tagen in London mit dreißig unterschiedlichen Paaren gedreht und hat man sich einmal auf das Tempo eingestellt hat, ist es äußerst spannend.

Donnerstag, 8. August 2019

North America: Schwelgen mit den Blumenjungs

Ein bisschen Schwelgen, ein wenig passion, dafür sind die hier genau die richtigen: North America kommen, wie der Name nicht sagt, aus dem Londoner Osten. Zu dem Quintett gehören Sänger P.F. Phillip, die Gitarristen Gabe Coulter und Jack Rennie, Sandro Giacometti am Bass und Sam Roberts am den Drums, seit 2017 sind sie als Band am Werkeln. Die beiden ersten Singles "Your Lips Are For Kissing" und "Call Me By My Name" gab es im vergangenen Jahr, letzteres erinnert angenehm an die Hau-Ruck-Riffs der Strokes und auch der neue Track "My Baby's No One's Girl" hat bittersüße Harmonien und ausreichend Biss. Dass die Jungs offebnbar ein Faible für Blumen und Wiesen haben, spielt da eher eine untergeordnete Rolle.

King Princess: Gelebter Widerspruch

Bei der nächsten Künstlerin steckt der spannende Widerspruch schon im Namen selbst: King Princess kommt aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn und landete im vergangenen Jahr mit der Single "1950" und der EP "Make My Bed" ihren großen Durchbruch. Queer-Pop war schon in diesen Tagen das große Thema und auch heute entstehen dort die mit Abstand reizvollsten Geschichten. Und so ist es kaum verwunderlich, dass die Aufmerksamkeit und Erwartung mit dem Titelsong "Cheap Queen" ihres für den Herbst bei Zelig angekündigten Debütalbums nicht eben kleiner geworden sind, gleiches gilt auch für die neue Auskopplung "Prophet", ein Stück voller Soul und eben ganz viel Popappeal.



Mittwoch, 7. August 2019

Elbow: Erweiterte Bandbreite

Nun hat das Kind also auch einen Namen: Seit Wochen haben Elbow schon die Tourplakate aufgehängt, womit sie allerdings auf Reisen gehen, war bis jetzt noch nicht so recht klar. Nun aber steht fest, dass ihre neue Platte "Giants Of All Sizes" am 11. Oktober erscheinen wird, aufgenommen wurde in Hamburg, Brixton, Salford und Vancouver und zwar mit Tracks und Spuren, die jedes Bandmitglied beisteuern durfte. Als Gäste werden Jesca Hoop, The Plumedores und Chilli Chilton genannt und auch bei den Referenzen ist die Bandbreite erstaunlich weit gefaßt - Velvet Underground und John Carpenter werden hier ebenso aufgeführt wie Ennio Morricone und die Plastic Ono Band. Die erste Single "Dexter And Sinister" ist dann mit den kantigen Rockriffs im Vergleich zum eher zahmen Vorgängeralbum "Little Fictions" aus dem Jahr 2017 schon mal ziemlich ungewöhnlich geraten. 

10.11.  Wiesbaden, Schlachthof
12.11.  München, Tonhalle
13.11.  Köln, Live Music Hall
14.11.  Berlin, Huxley's Neue Welt
16.11.  Rolling Stone Beach Festival, Weissenhäuser Strand



Pixies: Vollständiger

Nun, die Arbeit ist soweit gemacht bei den Pixies: Die Tour für den Oktober steht, das Album  "Beneath The Eyrie" wurde für den 13. September angekündigt, die erste Single mit "On Graveyard Hill" auch draußen, gefolgt von "Catfish Kate" als zweitem Appetizer. Zu letzterem Song hat nun das Krank! Collective ein Animations-Video nachgeschoben, das wir hier natürlich auch präsentieren wollen.

Marika Hackman: Besser bald normal

Marika Hackman
„Any Human Friend“

(Caroline/Universal)

Nun gut, auf den ersten Blick möchte man wirklich glauben, es sei alles in Ordnung. Der Queer-Pop mischt in den Charts kräftig mit, die Genderdebatte wirbelt den Alltag aller Geschlechter kräftig durcheinander und der Feminismus ist allerorten auf dem Vormarsch. Gut so. Geht aber besser. Denn gar so lang ist es auch noch nicht her, dass ein russisches Duo namens t.A.T.u. die Popwelt hyperventilieren ließ, ein Bühnenkuss zwischen Star (Madonna) und Sternchen (Britney Spears) als Skandal galt und Katy Perry auf die Idee kam, dass Frauenküsse nicht nur anders, sondern vielleicht sogar besser schmecken könnten. All das in einem Zeitraum von knapp zwanzig Jahren – und auch wenn die Menschheit heute schon wieder ein paar Schritte weiter ist, von Normalität ist sie noch sehr weit entfernt. Weiß auch Marika Hackman. Denn wir reden hier nicht von kichernden Teenagern, die zwischen ernsthafter Suche und herausfordernder Provokation noch kaum unterscheiden können oder wollen, wir reden auch nicht von der bigotten Akzeptanz sexueller Vorlieben für Fetischisten und patriarchalische Allmachtsfantasten. Sondern davon, dass es besser jetzt als bald egal sein sollte, wer wen wie liebt und nicht jedes Mal ein riesiges Bohei darum veranstaltet und das Abendland zu Grabe getragen wird.

Also macht Hackman aus der Not doch eine Tugend und die Sexualität zum Thema ihrer neuen, dritten Platte. Und sie tut das auf zweierlei Weise. Neben deutlichen Wortmeldungen versucht sie, mit ihren Songs auch eine intime, sinnliche Ebene auf gleichwohl selbstbestimmte Art zum Klingen zu bringen – dass sie dabei manche/n vor den Kopf stößt (und zu allererst waren das, wie sie selbst sagt, ihre eigenen Eltern), läßt sich nicht vermeiden. Einige müssen vielleicht schon beim Blick aufs Cover das erste Mal schlucken, es ist schließlich nicht eines/einer jeden Sache, mit den normierten und nicht selten verlogenen Werten unserer Körperwahrnehmung derart offensiv und öffentlich zu brechen, Widerspruch herauszufordern – dumme Kommentare, reichlich Trollpost garantiert. “I really didn’t want to create an image that was sexual in any way - even though it’s a sexual record,” sagte sie dem Portal DIY, “The sexuality of the record is from a very raw, open perspective. Yes, I’m in my giant pants, but I’m just going to stand here, that’s exactly how the record feels to me. Take it or leave it.”



Zu wissen, dass Hackman selbst gerade eine lange Beziehung mit Amber Bain aka. The Japanese House schmerzvoll beenden mußte, hilft da auch nicht viel weiter, der Mut, mit dem sie sich ihres Themas annimmt, ist deshalb trotzdem nicht leicht zu finden und um so bemerkenswerter. Wie sie durch den eigenen Gefühlswirrwarr kämpft, Zweifel zwar gelten läßt, aber hinter sich bringen möchte, wie sie sich auf ihre Eigenarten, ihr ganz persönliches Wesen beruft, all die Vorurteile, die sie treffen (könnten), vorsichtshalber gleich selbst benennt („You’re such an attention whore!“), das nötigt schon gehörigen Respekt ab. Stücke wie „The One“ oder „I’m Not Where You Are“ sind Manifeste der eigenen Willensbildung, der Selbstbehauptung und des Entschlusses, sich künftig keinesfalls mehr verstecken zu wollen. Wohl wissend, dass auch sie selbst Fehler machen kann, jemanden vor den Kopf stößt, enttäuscht. Denn darum geht es ja schließlich bei der Normalität.

Erfrischend Hackmans Kommentar zum Song „Hand Solo“ (den man so wohl kaum von einem Mann hören würde). Den ungewöhnlich deutlichen Worten („My finger touch, I’ve been feeling stuff, dark meat, skin pleat, I’m working - a monkey glove, you threw away two pounds of blood, it’s alright; I’m jerking”) folgt der Wunsch: “I think we need more wank anthems, especially for women. The more the merrier, that’s how I feel (DIY)”. Der Sound übrigens, auch das nicht ganz unwichtig, bringt eine gute Mischung aus crispy Gitarrenakkorden, synthetischen Klängen und tanzbaren Beats, mal schwappt das Ganze ins leicht Psychedelische, dann wieder zurück zum Diskofutter, so recht festlegen möchte sich Hackman wohl nicht und nutzt ihre Freiheiten weidlich aus. Auch wenn man sie öfters mit Courtney Barnett verglichen hat, so ist ihr unaufgeregter, klarer Stil eine noch eher seltene Erfahrung. Wir hätten nichts dagegen, wenn das recht schnell Alltag wäre. http://marikahackman.com/

Wives: Bewußte Irreführung [Update]

Die nächste Kapelle im Reigen kommt aus New York und nennt sich Wives. Keine Überraschung, dass sich mit Sänger Jay Beach, Gitarrist Andrew Bailey, Alex Crawford am Bass und dem Schlagzeuger Adam Sachs ausschließlich Männer im Quartett befinden. Der Sound der vier geht eher in Richtung elektrifizierter Bluesrock, Beachs Stimme hat zuweilen Ähnlichkeit mit der des großartigen Michael Hutchence, allerdings gehen's die Jungs hier etwas härter an als INXS zu ihrer Zeit. Am 4. Oktober jedenfalls soll das Debütalbum bei City Slang erscheinen, von "So Removed" wollen wir hier drei Songs vorstellen - die aktuelle Single "The 20 Teens" sowie die etwas älteren Stücke "Workin'" und "Waving Past Nirvana".

21.11.  Berlin, Urban Spree
22.11.  Wien, Fluc
25.11.  Hamburg, Aalhaus
29.11.  Basel, Kaserne

Update: Hier wird nachgebessert - das Artwork der kommenden LP "So Removed" steht jetzt fest und mit "Hit Me Up" gibt es gleich noch eine weitere Auskopplung zu hören plus drei neue Tourtermine.







Spector: Keine Zeit zu warten [Update]

Eine überraschende musikalische Zwischenmeldung kommt heute von der Londoner Kapelle Spector. Im März vergangenen Jahres hatten wir an dieser Stelle auf ihre EP "Ex-Directory" hingewiesen und die Single "Fine Not Fine" gepriesen, nun gibt es mit "I Won't Wait" einen Song, der die Erinnerungen an Joy Division und New Order definitiv nicht nur eben wachhält, sondern sogar befeuert. Es geht um all die Mühen und Aufwände, die wir betreiben, um Beziehungen und Freundschaften zu bewahren, so Sänger Fred Macpherson. Es soll dieses Jahr noch mehr kommen - klingt es so, ist das eine gute Nachricht.

Update: Das war also keine leere Versprechung - hier kommt ein weiterer Song und "Half Life" kann mit der ersten Single locker mithalten, gut so.



Dienstag, 6. August 2019

half•alive: Spaßfraktion

Was das nun wieder ist? Nun, fragen wir mal besser nicht - schreiben alle drüber, machen wir das natürlich auch: half•alive sind ein Synthpoptrio aus dem kalifornischen Long Beach, bestehend aus Leadsinger Josh Taylor, Drummer Brett Kramer und Bassist J Tyler Johnson. Ihre erste EP "3" (2017) war trotz nur dreier Tracks voller prickelnder Ideen, Loops und betörender Melodien, Entkommen zwecklos. Wollte ja auch eigentlich niemand. Das galt natürlich auch für die nächste Single "Feel It", schon wieder erstklassige, angefunkte Tanzmucke. Und nun also bald das vollwertige Debütalbum "Now, Not Yet", nächsten Freitag ist es soweit. Das neueste Video zum Song "Ok Ok" erinnert übrigens an eine Mischung an Marlen Haushofers "Die Wand" (nur lange nicht so beklemmend) und die Sci-Fi-Serie "Under The Dome" (nur lange nicht so gruselig) - die Jungs hier haben einfach nur jede Menge Spaß. Und mit dem sind sie auch bald unterwegs.

29.10.  Zürich, Papiersaal
30.10.  Wien, WUK
04.11.  Berlin, Frannz Club
05.11.  Hamburg, Knust
06.11.  Köln, Stadtgarten





Hendrik Otremba: Skurrilitäten mit Kachelbad

Zeit für einen wichtigen Zwischenruf in Sachen Bücher: Die Münsteraner Band Messer hat ja für das kommende Jahr eine neue Platte angekündigt, die erste Single soll noch in diesem erscheinen. Das sind gute Nachrichten, die allerdings Nerven kosten, denn schließlich haben wir gerade mal August und bekanntermaßen vergeht die Zeit um so zäher, je länger man auf ein Ereignis hinwartet. Was hilft als Trost? Nun, zum einen die Tour, die noch in diesem Herbst mit ersten Terminen startet. Und dann natürlich das neue Buch von Leadsänger Hendrik Otremba. Denn gestern ist bei Hoffmann und Campe mit "Kachelbads Erbe" sein zweiter Roman erschienen und wie wir dem Teaser unten entnehmen können, ist auch dieser wieder von allerlei merkwürdigen Außenseitern bevölkert. Otremba, der sich auf einem Visitenkarten-Entwurf in seinem Blog als ein Mensch mit vielen Befähigungen ausweist - Writer, Painter, Musician steht dort, dazu noch Hooker, Driver, Private Investigator, Exterminator und natürlich Scott-Walker-Expert - hatte ja schon in dem düsteren Endzeitstück "Über uns der Schaum" seinen Detektiv Joseph Weynberg durch chaotische Megacities und dystopische Landschaften jagen lassen auf der Suche nach Sehnsüchten und Trugbildern. Nicht weniger dürfen wir wohl auch hier erwarten, die hochverehrte Radiomoderatorin und Autorin Marion Brasch hat gerade notiert: "... der leuchtende Stoff, aus dem Weltliteratur entsteht." Wem im Übrigen der Titel des Buches bekannt vorkommt - ja, es gab von Messer eine EP mit dem Namen "Kachelbad", erschienen ist sie im Juni 2016.




Automatic: Those were the days

Ein kurzer, aber durchaus lohnenswerter Zwischenruf in Sachen Post-Punk: Das Trio Automatic aus Los Angeles haben wir hier ja schon diverse Male vorgestellt und angepriesen, ihr Album "Signal", das für den 27. September bei Stones Throw geplant ist, wird auch schon mit Sehnsucht erwartet. Und damit die Zeit bis dahin nicht allzu lang wird, haben sie gerade die Flipside ihrer Single "Calling It" veröffentlicht, diesmal eine Coverversion des alten Delta-5-Klassikers "Mind Your Own Business" aus dem Jahr 1979. Those were the days ...



Dry Cleaning: Schön schräg [Update]

Schön kalkuliert: Natürlich bekommt man bei der Suche nach Dry Cleaning auf den einschlägigen Videoportalen zunächst nicht das Video zu ihrer Single "Magic Of Meghan" zu sehen, sondern eine Unmenge an Wasch- und Bügeltutorials. Für manche/n sind diese ebenfalls schräg und aberwitzig, gleiches kann man von dem Clip sagen, um den es hier geht. Die Band aus London wurde im vergangenen Jahr zum Gesprächsthema, nachdem sie von den New Yorker Post-Punk-Shooting-Stars Bodega als Support gebucht waren. Nun also ein erster Tonträger - ihre Debüt-EP "Sweet Princess" enthält neben der besagten Auskopplung noch weitere fünf Songs und erscheint am 16. August bei It's OK.

Update: Und hier haben wir mit "Goodnight" noch einen zweiten Song vorab.



Montag, 5. August 2019

Bat For Lashes: Zurück in die Kindheit [Update]

Als vor drei Jahren das letzte Album von Natasha Khan aka. Bat For Lashes erschien, war von Aufatmen kaum etwas zu spüren, zu düster, zu dramatisch war "The Bride" als Gesamtkonzept geraten, als dass losgelöste Freude hätte aufkommen können. Gut und wichtig war die Platte natürlich trotzdem, handelte sie doch getreu dem Motto: Kunst, die nicht wenigstens verunsichert und irritiert, hat keine Berechtigung. Auf der gerade angekündigten neuen Platte soll es, glaubt man dem Beipackzettel, dennoch etwas optimistischer zugehen, bei "Lost Girls" dreht sich diesmal vieles um Kindheit, Aufwachsen, Erwachsenwerden. Sie ist für den 6. September bei AWAL gelistet und die erste Single "Kids In The Dark" kommt schon mal sehr getragen daher.

Update: Nachdem das Video für die erste Single raus ist, hier schon der nächste Song - "Feel For You", gefolgt vom Video zur dritten Single "The Hunger".





Friedberg: Zurück aus der Wüste [Update]

Assoziationen sind ja nicht gleich Vorbehalte, aber manchmal sollte man sie kurz beiseite lassen. Schließlich geht es um einen Einstand, und ob da nun die Städte London und Los Angeles stehen, ist letztlich unerheblich. Wichtig ist dagegen der Klang. Und der ist bei "Boom", der Debütsingle von Friedberg, ein durchaus verheißungsvoller. Anna Friedberg, die Namensgeberin des Quartetts, ist viel herumgekommen in den letzten Jahren. Ihre Wurzeln hat sie in Österreich und Italien, eine Weile hat sie in Berlin gelebt, war für den Fernsehsender Arte in der kalifornischen Wüste (Joshua Tree, U2, you know?) und hat dort in L.A. auch die Idee für den neuen Song geboren. Gemeinsam mit Daniel Brandt (Brandt Brauer Frick) und Matthias Biermann (Roosvelt) gab es erste Aufnahmen, aber erst in London, ihrer neuen Heimat, und mit ihren neuen Kolleginnen Emily Linden, Laura Williams und Cheryl Pinero wurde Friedberg, wurde der jetzige Sound daraus. Und wir dürfen jetzt mal ganz entspannt abwarten, was das Jahr noch so bringen wird.

Update: Und jetzt hat's auch ein kleines Vertikal-Filmchen zum Song ... und dann die nächste neue Single "Go Wild" gleich noch obendrauf, ebenso mit einem Vertikalclip geschmückt.



Sonntag, 4. August 2019

MIYNT: Erneut traumhaft

Die ersten Notizen, die wir uns zur schwedischen Künstlerin MIYNT gemacht haben, stammen aus dem Jahr 2015, sind also auch schon etwas älter. Damals erschienen die ersten gestreamten Songs von ihr, mit dabei eine schöne Version von Britney Spears' "Baby One More Time". Es folgten eine Reihe neuer Stücke, EPs und nun die neueste 12" - "Stay On Your Mind" vereint feinsten Dreampop, der durchaus auch mit kantigen Gitarren versetzt ist. Und sich, wie im Video zum Titelsong zu sehen ist, auch wunderbar als Soundtrack eignet. Der Klang ihrer Stücke gemahnt stark an den einer anderen großen Dame namens Alison Goldfrapp, aber selbst ohne diese Referenz wird MIYNT für dieses neue Werk mindestens ebensoviel Lob einfahren wie für ihre früheren.



Talkboy: Nahezu tadellos

Das können sie einfach, die Briten - treffen sich, fangen an zu musizieren und dann klingt das einfach so, als hätten sie ihr Leben nichts anderes gemacht, mühelos. Talkboy zum Beispiel - ein sechsköpfiges Kollektiv aus Leeds. Gerade haben sie ihre Debüt-EP via Come Play With Me und LAB Records angekündigt, der Stil irgendwo zwischen Beautiful South, Camera Obscura und Wolf Alice, also sowohl lässig plus popverliebt oder gern auch mal härter. Drei ihrer letzten Songs haben wir hier mal als Arbeitsproben ausgewählt - die etwas älteren "Wasting Time" und "Someone Else For You" und natürlich noch die aktuelle Single "All Works Out" mit vorbildlicher Arbeitsteilung am Mikro, hier singen sowohl Katie Heap als auch Calum Juniper. Das einzige was noch ausbaufähig scheint, ist die Suche nach einem geeigneten Bandfoto...

Steve Buscemi's Dreamy Eyes: Wieder eingefangen

Noch einmal Dreampop, noch einmal Schweden: Die Band Steve Buscemi's Dreamy Eyes war hier auch, aber nicht nur wegen ihres wunderschönen Namens schon zu Gast, vor zwei Jahren erschien ihre Debüt-EP "Four Waters" bei Rama Lama Records und wir waren angemessen begeistert. Nach langer Pause ist nun wieder Neues auf dem Weg, der Song "Change Of Heart" sollte nur ein Vorbote für Größeres sein. Die Stimme von Siri Sjöberg ist noch immer betörend, genauso wie die Musik ihrer drei Freunde aus Stockholm und so werden sie wohl keine Schwierigkeiten haben, uns auch dieses Mal wieder einzufangen.

Freitag, 2. August 2019

Tove Lo vs. ALMA: So wie die Kerle auch

Klar, im ersten Moment ist das natürlich ein ordentliches Troll-Fressen, weil hier mindestens eine Hälfte weit weg ist von dem blankpolierten Popgeschäft und zwar ganz bewusst. Und das ist dann auch sehr gut so, denn man tut sich tatsächlich leichter, auch mal den Töchtern daheim zu erklären, dass halt nicht alles so superstylisch aussehen muß und trotzdem - wie in diesem Falle - einfach sehr gut zusammenpasst und klingt. Die Rede ist von der aktuellen Single "Bad As The Boys" der Schwedin Tove Lo, die sich gerade die finnische Durchstarterin ALMA zum Duett mit ans Mikrophon geholt hat - der Song wird sich, wie auch die letzte Single "Glad He's Gone", auf dem kommenden Album "Sunshine Kitty" wiederfinden, das für den 20. September geplant ist. Die letzte Veröffentlichung der Finnin heißt übrigens "Lonely Night", wann die dazugehörige Platte "Have You Seen Her?" hierzulande erscheint, ist allerdings noch nicht bekannt.





The New Pornographers: Eine Chance für die Liebe

Dass Pornographie etwas mit Liebe zu tun hat, ist in der Tat eine sehr steile These, gerade in Zeiten von #MeToo und #NewFeminism läßt sich diese sicher recht schwer aufrecht erhalten. Das sich aber die kanadische Band The New Pornographers Gedanken um die Liebe macht, das dürfen wir schon durchgehen lassen, schließlich zählt sie seit dem Millenium zu den einflußreichsten Indierockformationen der Neuzeit und Sänger Carl Newman wiederum zu den begabtesten Songschreibern. Nach sechs Alben bei Matador ist das achtköpfige Musik-Kollektiv mit der letzten Platte "Whiteout Conditions" 2017 zu Concord Records gewechselt, wo nun auch ihr neues Werk "In The Morse Code Of Brake Lights" erscheinen wird. Und zwar am 27. September. Der eigenwillige Titel läßt erahnen, dass Newman sich wie erwartet wieder sehr viel Mühe beim Liederschreiben gegeben hat, die Vermutung, es käme ein Konzeptalbum dabei heraus, sei aber, sagte er dem Netzportal Under The Radar, nicht zutreffend. Vielmehr gehe es eben fast ausschließlich um das Thema Liebe, wie man unter anderem bei der ersten Single "Falling Down The Stairs Of Your Smile" hören kann: "Ich denke, es geht viel um die Art, wie wir mit den Ideen der Liebe und des Glücks in dieser Welt im Moment umgehen. Wenn die aktuellen Ereignisse stressig sind, dann belastet das die Liebesbeziehungen der Menschen und sie versuchen herauszufinden, wie sie mit ihrer Partnerschaft in einer Gesellschaft, die auf Schritt und Tritt immer hässlicher erscheint, glücklich sein können. Was nicht so einfach ist, wie es scheint.“

Foals: Zweiter Anlauf

Bislang sind wir um das Bekenntnis herumgekommen, aber der/die aufmerksame Leser/in wird schon gemerkt haben, dass die neue bzw. letzte von den Foals hier nur angeteasert und nicht wie erwartet in ganzer Größe besprochen worden ist. Was daran lag, dass sie hauptsächlich laut und weniger gut war. Yannis Philippakis und Kollegen haben sich, so muß man konstatieren, für den Stadionrock im Breitwandformat entschieden - überraschend kam das nicht, schon die Vorgängeralben ließen den Trend erkennen. Und die knackige Indiefunk von "Antidotes" war schon nach einer Platte perdu. Nun, es wäre unrecht, wollte man ihne die Chance zur Wiedergutmachung verwehren (wenn es solch eine denn braucht), "Everything Not Saved Will Be Lost" wird mit zehn neuen Tracks am 18. Oktober eine Fortsetzung finden und die erste Single "Black Bull" jedenfalls klingt schon mal recht schmissig und düster. Wir warten's also mal ab ...



Kytes: Wiederholte Auflockerung

Dass das noch immer nicht normal ist, zeigt uns, wie viel wir noch aufzuholen haben. Oder eben auch, dass man sich noch überraschen lassen kann und nicht Alltag ist, was andere schon als Routine wegdrücken. Meint: Dass die Münchner Band KYTES in ihrer Heimatstadt zwar schon ein großes Ding ist, aber international noch in den Kinderschuhen steckt, kann man bedauern, manchmal ist es aber auch nicht schlecht, wenn es Schritt auf Schritt geht. Nach dem Debütalbum "Heads And Tales" und der letztjährigen EP "Frisbee" ist im Frühjahr 2019 die Single "Alright" aufgetaucht - flirrend, unverschämt groovy und mit feinem Telegym-Video. Nun haben sie sich von André Allen Anjos aka. RAC einen Remix anfertigen lassen, der ihnen garantiert noch ein paar Fans mehr einbringen wird. Was man dann wieder bei der nächsten Tour (s.u.) wird beobachten können.

28.02.  München, Milla
12.03.  Wien, Arena
17.03.  Wiesbaden, Schlachthof
18.03.  Köln, Luxor
19.03.  Berlin, Lido
20.03.  Hamburg, Knust
21.03.  Leipzig, UT Connewitz



MUNA: Nur die wenigsten [Update]

Sie kam quasi über Nacht, die neue Single. Wenn auch nicht ganz so überraschend. Denn die Anzeichen, dass sich beim Trio MUNA aus Los Angeles etwas tut, mehrten sich in den letzten Wochen - Profilbildwechsel, Studiobilder, reichlich Anspielungen über die üblichen Kanäle. Und nun also "Number One Fan": trockene Drumbeats, fette Synths, Katie Gavins überraschend dunkle Stimme, fürwahr ein Killer. Nach dem wunderbaren Debüt "About U" gab es vor gut einem Jahr noch eine Akkustik-EP zu hören, sie waren im Vorprogramm von Harry Styles in ganz Europa unterwegs. Neben einem neuen Album wünscht man sich nun aber eine ausgedehnte Headlining-Tour, denn auch wenn sich mittlerweile viele an ihrer Art von Dark-Pop versuchen - so gut wie Muna bekommen es nur die wenigsten hin.

Update: Wunsch Nummer 1 ist mittlerweile erfüllt - am 6. September wird das Album "Saves The World" mit zwölf neuen Stücken bei RCA Records erscheinen. ... Und gerade kommt mit "Who" die zweite Auskopplung des Albums plus Video. ... Und von der Single ersten "Number One Fan" gibt es seit kurzem eine Remix-Version des New Yorker Duos Sofi Tukker, mit ganz viel Beat und Groove.





Idles: Back from beef [Update]

Schön, wenn man von seinen Idolen zur Abwechslung mal gute Nachrichten zu hören bekommt. Denn ganz ehrlich, die Streitereien der letzten Monate, wer denn nun für den Punk die richtige Realness mitbringt und ob die Middle-Class, in der Jason Williamson Joe Talbot verortet hat, überhaupt politisch links stehen und glaubhaft kämpferisch sein könne - sie ist nicht wirklich nachvollziehbar, diese Diskussion und bringt auch keinen voran, von Sympathiepunkten ganz zu schweigen. Heute nun besagte Ankündigung, dass die Idles im August eine neue 7" veröffentlichen werden, auf der sich zwei bislang unveröffentlichte Songs aus dem Pool ihres aktuellen Albums "Joy As An Act Of Resistance" befinden. Nachfolgend der Stream zu "Mercedes Marxist", sicher bald gefolgt von der B-Seite "I Dream Guillotine". Talbots Kommentar zum ersten Song: "'Mercedes Marxist' war ein seltsames Biest für uns, nach 'Rottweiler'. Es war das erste Lied, das wir für 'Joy...' geschrieben haben. Ich war wütend auf das, was ich war und wo ich war: Die Wochenenden verbrachte ich auf der Couch, während der Woche kümmert ich mich um meine Mutter. Die Balance in meinem Leben war futsch und dieses Lied spiegelt wieder, wie nutzlos ich mich fühlte. Es war eine meiner schlimmsten Zeiten und ganz ohne die sonstige Lebensfreude wurde sie zu Katharsis. ... Ich mag es jetzt."

Update: Videos von den Idles sind immer ein Hingucker, so auch das heute erschienene zur Sonderpressung "Mercedes Marxist", gedreht von Will Lovelace und Dylan Southern von ThirtyTwo. Die dazugehörige Flipside "I Dream Guillotine" gibt's noch als Zugabe on top.



Trettmann: Schon gehört? [Update]

Am Wochenende wussten es diejenigen, die auf dem Splash! in Gräfenhainichen vor der Bühne tanzten, mittlerweile ist die Sache auf allen Kanälen rum: Am 13. September wird bei KitschKrieg das neue Album von Trettmann erscheinen, dem Mann also, der mit seiner letzten Platte "#DIY" eine ganze Generation verblüfft und angeschoben hat - und, was Wunder, aus Chemnitz kommt. Man bräuchte das eigentlich nicht extra betonen, aber in Zeiten, in denen viele (von den Guten und den Bösen) den deutschen Osten schon für eine komplett national befreite Zone halten, sind Standort- und Standpunktfragen und die Antworten darauf wichtiger denn je. Es gab ja in den letzten Monaten immer wieder feinen Klangstoff vom Trendlabel, wurde der "Standard" gesetzt, machten "5 Minuten" den Unterschied" und der Gringo war ohnehin sauer. Jetzt jedenfalls steht dieser eine Termin und wer sich den Stream vom Festival via Arte anschaut, der wird dort schon neues Material finden.

Update: Seit Mitternacht draußen - ein neuer Track vom neuen Album, "Intro" heißt er. Und ab! ... Bestellbar ist das Album jetzt auch, natürlich bei Kitschkrieg. Nachgereicht gleich noch "Du weißt feat. GZUZ".

Tracklist
Intro
Bye Bye aka Delicious
Stolpersteine
Retro Shirt
Zeit steht feat. Alli Neumann
Du weißt feat. GZUZ
MDMDF
Hätten Wir sein können
Wir bleiben wach
Wenn du mich brauchst feat. Keke
Margarete





Donnerstag, 1. August 2019

Girl Ray: In die Pedale

Fragt man hierzulande in den Großstädten nach, dann ist (zumindest in München) eines der meistbenutzen Worte - oft verbunden mit dem entsprechenden Hashtag - das Fahrrad. Neue Verkehrkonzepte, ökologischer Sinneswandel, Fridays for Future, zu diesem Umfeld wird ja mittlerweile fast jeder Begriff ins Verhältnis gesetzt, das Rad ist da keine Ausnahme. Macht auch gar nix, ist ja seit jeher ein äußerst sympathischer Gegenstand. Mit dem man auch recht unterhaltsame Videoclips drehen kann - wie die Londoner Mädchenband Girl Ray gerade mit ihrer aktuellen Single "Show Me More" beweist. Poppy Hankin, Sophie Moss und Iris McConnell haben vor zwei Jahren ihr Debüt "Earl Grey" abgeliefert, nun steht für November der Nachfolger "Girl" ins Haus. Auf dessen Cover sind die drei zwar in einem Oldtimer abgebildet, wir gehen aber mal davon aus, dass sie sich lieber auf die Kraft der Pedale verlassen - wäre doch sehr sympathisch.



Secret Shame: Berufung [Update]

Beginnen wir unsere Wochenendrubrik Sundays Spotlights heute in Asheville, North Carolina. Der Ort ist dem durchschnittlichen Mitteleuropäer vielleicht nicht ganz so geläufig, Literaturliebhabern allerdings sollte er als Geburtsort von Thomas Wolfe schon ein Begriff sein, der Schriftsteller hat seiner Heimatstadt in seinem Roman "Look Homeward, Angel" (hier genannt Altamont) ein ewiges Denkmal gesetzt. Was Ashevilles Jugend höchstwahrscheinlich weniger interessiert, zumindest die fünf Leute, mit denen wir es bei der Band Secret Shame zu tun haben. Lena, Nikki, Matthew, Nathan und Billie jedenfalls schreiben in ihrer Kurzbio den Satz "Some people like to make music - others have to" und wem das noch nicht ernsthaft genug klingt, dem genügt ein Blick auf das obige Bild, um die Grundstimmung ihrer Musik zu ahnen. Düsterer, lauter Post-Punk ist es, dem sie sich seit 2017 verschrieben haben, da erschien ihre erste EP, nun haben sie via Portrayal Of Guilt Records für den 6. September ihr Debütalbum "Dark Synthetics" angekündigt. Und wer hiervon die erste Single "Dark" hört, weiß, dass Lena und ihre Freunde ihren Beruf resp. ihre Berufung tatsächlich sehr ernst nehmen.

Update: Mit "Calm" kommt heute ein weiterer Song vom Debütalbum - ebenso gut natürlich.



Mittwoch, 31. Juli 2019

Pom Pom Squad: Das Gegenteil von süß

Wer so vorlegt, dem muß um die Zukunft nicht bange sein: Die New Yorker Formation Pom Pom Squad hat vor zwei Jahren mit "Hate It Here" eine wunderbare Debüt-EP veröffentlicht und wir sind ehrlich genug um zuzugeben, dass vor allem Leadsängerin und Songschreiberin Mia Berrin einen großartigen Eindruck hinterlassen hat. Sie ist es natürlich auch, die die letzten Stücke dominiert hat - "Heavy Heavy" also vor ein paar Monaten und nun die aktuelle Single "Honeysuckle". Beide Tracks stammen von der kommenden EP "Ow", die für den 6. September terminiert wurde.





Sleater-Kinney: Kleiner Trost [Update]

Die Nachricht vom Ausstieg der Janet Weiss hat ja in den letzten Wochen für einigen Verdruß gesorgt. Gerade waren Sleater-Kinney mit der Meldung einer neuen Platte vorstellig geworden, die ersten Töne draußen, gemeinsame Auftritte in den Tonightshows der üblichen Verdächtigen und dann so etwas. Was auch immer die genauen Beweggründe für den Abschied waren, er hinterlässt eine schmerzhafte Lücke und trotz aller Mühe werden Sleater-Kinney (ähnlich wie die Pixies nach dem Abgang von Kim Deal) nicht mehr die selben sein (können). Tröstlich vielleicht, dass von der künftigen Platte "The Center Won't Hold" nun der Titelsong geteilt wurde.

Update: Und weiter geht es - hier kommt das Lyric-Video zur neuesten Auskopplung "Can I Go On".



Dienstag, 30. Juli 2019

Sleaford Mods: Kleine Bühne, große Wirkung

Ein sehr ungewöhnliches Konzert- bzw. Musikerlebnis gibt es derzeit wieder mal bei ARTE zu sehen. Seit ein paar Stunden endlich online abrufbar ist ein gut fünfundvierzigminütiger Film aus der Reihe "Release Party". Dahinter verbirgt sich die Idee, Künstler und ihr aktuelles Album in besonderem Rahmen zu präsentieren - hier die Sleaford Mods und deren fabelhafte Platte "Eton Alive". Kleine szenische Einspieler wechseln mit Livebildern vor ausgewähltem Publikum in einer alten Fabrikhalle, alle Schauspieler finden sich nach und nach unter den Zuschauern wieder. Jason Williamson und Andrew Fearn dagegen in den gewohnten Rollen - der eine mit breitem Grinsen und Bierflasche in Hüfthöhe, der andere als Tänzer und Animateur, kleine Flirts mit der Kamera, sparsame Gestik diesmal. Thematisch dreht sich das Storybook um Gewalt, Emotionen, Diskussionen, dass der Film nur in französisch zu haben ist, stört kaum, denn die Songs kommen ohnehin ungefiltert. Nicht das Übliche und deshalb unbedingt sehenswert - für Fans ohnehin ein Muss.

GHUM: Weit verzweigt

Ha, da haben wir gestern noch von der global agierenden Band Ora The Molecule und ihrem geschmeidigen LoFi-Pop geschwärmt, da kommt am Tag danach eine Band daher, die zwar musikalisch ein komplett anderes Feld beackert, dafür aber das Wort "global" gleich mal noch eine Dimension weiterdreht. Die Mitarbeiterinnen des Londoner All-Girl-Quartetts GHUM nämlich kennen gleich vier Kontinente bzw. Nationalitäten als da wären Europa (Spanien), Südamerika (Brasilien), Südostasien (Malaysia) und - naja, eben eine schwer definierbare Insel namens Großbritannien. Spaß beiseite - das gilt im Übrigen auch für die düsteren Post-Punk-Klänge der Formation, Ende Juni ist ihre zweite EP "The Coldest Fire" erschienen, von dieser stammt der Track "Saturn", der seit einem Tag auch ein Video hat.



Angel Olsen: Die dunkle Seite

Wenn eine Frau ein sicheres Gespür für große Popmomente hat, dann sie: Angel Olsen, amerikanische Songwriterin aus St. Louis, Missouri, hat gerade ihr drittes Album für das Label Jagjaguwar angekündigt - "All Mirrors" folgt "My Woman" aus dem Jahr 2016 und soll am 4. Oktober erscheinen. Wie sie selbst sagt, geht es darauf einmal mehr darum, die eigene, dunkle Seite zu erkennen und Veränderungen zu akzeptieren, auch wenn sie einem fremd erscheinen. Das Video zum Titelsong hat Olsen gemeinsam mit Ashley Connor gedreht, für die sie schon diverse Male in ihrer Karriere vor der Kamera stand, eine kurze Tour durch Deutschland ist erfreulicherweise für das kommende Jahr auch schon terminiert.

29.01.  München, Kammerspiele
30.01.  Berlin, Huxleys Neue Welt
05.02.  Hamburg, Gruenspan

Iggy Pop: Einer wie keiner [Update]

Wer sich in den letzten Tagen (man kam ja kaum daran vorbei) vermehrt mit dem eigenen Alterungsprozess, also genauer mit der FaceApp, beschäftigt hat, der wird, zumindest wenn er männlichen Geschlechts ist, festgestellt haben, dass diese Applikation durchaus auch Looking Like Iggy heißen könnte. Das soll jetzt gar nicht despektierlich sein, aber die Zeit und der Lebenswandel haben dem Urahn des Punk bekanntlich so viele markante Linien ins Gesicht geschrieben, dass dieses fast schon als Blaupause für alle gealterten Rockstars gelten darf. Dennoch muss man hier mit einiger Hochachtung bemerken, dass wohl kaum ein anderer seines Alters, mal abgesehen vom noch etwas reiferen Mick Jagger, eine derart bewundernswerte Konstitution und Energie vorweisen kann. Was die Nachricht von der neuerlichen Veröffentlichung eines Albums nur unterstreicht. Seine letzte Soloarbeit "Pop Post Depression" datiert ja auf das Jahr 2016, damals hatte er zusammen mit Josh Homme und den Herren Fertita und Helders mächtig Krawall gemacht - das angekündigte "Free" (VÖ 6. September) soll nun etwas anders werden. Er selbst sagt, es sprächen auf dieser Platte andere Künstler, er habe nur seine Stimme beigesteuert - hört man sich den kurzen Titeltrack an, dann stehen uns wohl einige Überraschungen bevor. Wohl dem, der das in solchem Alter noch von vorweisen kann.

Update: Heute kommt mit "James Bond" eine neue Kostprobe vom Album - irgendwie passend zum Boulevard-Thema der vergangenen Woche...