Donnerstag, 30. April 2020

Bloxx: Der nächste Schritt

Drei Jahre ist es her, da haben wir die Band Bloxx aus dem Londoner Stadtteil Uxbridge hier erstmals erwähnt. Damals gab es erste Singles zu bestaunen und es war von dem schönen Gefühl die Rede, wenn man ganz am Anfang der Entwicklung mit dabei sein kann. Nun hören wir von Plänen für ein neues Album, ein weiterer Schritt steht also an. Mittlerweile zum Trio geschrumpft, präsentieren die drei mit "Lie Out Loud" den Titelsong ihrer gleichnamigen Platte, die am 14. August bei Chess Club Records erscheinen soll. Das animierte Video dazu stammt von Barnaby Catterall.



Mittwoch, 29. April 2020

Schlachthofbronx: Sunny Side plus Reisestopp

Das ist jetzt nicht die taufrischste Nachricht, aber viel zu schade für eine Unterschlagung: Das Münchner Zweigestirn des Bass Schlachthofbronx hat in den letzten Tagen ihre Reihe Rave And Romance mit einer zweiten 12" fortgesetzt. Nachdem vor einem Monat der Aufschlag zusammen mit XL Mad und dem Titel "Wine 'Til The Morning" geglückt war, folgt nun eine Kollaboration mit der dänischen Dancehall-Künstlerin Lady Smita aus Kopenhagen. Der Track "Come In" markiert nach eigener Aussage die Rückkehr von Bene und Jakob in sonnigere Gefilde, die aktuelle Serie folgt ihrer letzten Edition "Haul And Pull Up" (drei EP) und der 12" "Drive By". Einzig ungewöhnliche und für die beiden tatsächlich ziemlich traurige Nachricht: No upcoming shows - das blöde Virus hindert nun also auch die passionierten Weltreisenden bei der Ausübung ihrer allerliebsten Tätigkeit, stuck at home heißt es leider ebenso für sie.



HAIM: Immer im Dienst [Update]

Im letzten Jahr gab es ja eine Reihe neuer Songs vom Geschwistertrio HAIM und wer sich bislang gefragt hatte, worin denn das wohl alles münden würde, der bekommt mit dem heutigen Tag die endgültige Antwort. Denn gerade haben Danielle, Alana und Este die Veröffentlichung ihres dritten Albums "Women in Music Part III" (VÖ 24. April) bekanntgegeben, sechszehn neue Songs sollen darauf Platz gefunden haben - dazu wird wohl auch die aktuelle Single "The Steps" (neben der letzten Auskopplung "Hallelujah") gehören, die zusammen mit der guten Nachricht durch's Netz kam. Das Metzgerei-Foto des Covers stammt im Übrigen von Paul Thomas Anderson, der auch die letzten Videos der Damen verantwortete.

Update: Das muss man schon sagen - sie verstehen einen immer wieder zu überraschen, die drei Schwestern. Gerade haben sie das Video zu ihrer neuen Single "I Know Alone" vernetzt und die recht unterhaltsame Choreografie dazu ist in Zusammenarbeit mit dem Projekt Francis And The Lights entstanden. Der neue Veröffentlichungstermin für das Album wurde im Übrigen auch verkündet, es soll jetzt am 26. Juni kommen.





Secret Shame: Düster schöne Runde

Die Post-Punk-Formation Secret Shame muß hier eigentlich nicht mehr gesondert vorgestellt werden, schließlich haben wir das Quintett aus dem nordamerikanischen Ashville schon im letzten Jahr lobend erwähnt, als ihr Album "Dark Synthetics" zur Veröffentlichung anstand. Erst im März ist zu der Platte eine durchaus lohnende Remix-Version erschienen, mit dabei auch die letzte Auskopplung "Calm", nun haben die fünf mit "Dissolve" eine neue Single am Start. Zu dem schönen Song gibt es auch einen ebenso schönen, wenn auch naturgemäß recht düsteren Clip, gedreht wurde die Runde nach Regieanweisungen von Sänger*in Lena Machina selbst - die B-Seite "Pure" werden wir hoffentlich bald nachreichen können.







Haiku Hands: Mach mir die Bitch, Alter!

Textsicherheit ist immer von Vorteil, selbst wenn man twerkend durch die Küche hüpft, hier ist allerdings nicht viel Kopfarbeit nötig: Das australische Dance-Trio Haiku Hands, schon durch eine Vielzahl feiner Hitsingles auffällig geworden, hat sein Debütalbum bekanntlich auf den August dieses Jahres terminiert, nun schicken sie einen weiteren Track in den Äther. "Manbitch" läßt, was die Intention angeht, nicht allzuviel Spielraum und wenn auch der Kopf nicht übermäßig bemüht werden muß, so kommt auf Bauch, Beine, Po gehörig Arbeit zu - einfach mal ausprobieren!



Protomartyr: Unzumutbarer Zustand [Update]

Die Lage der Dinge ist keine gute - was uns Mustermännern und -frauen im täglichen Leben frustriert, nervt und auch mal ohnmächtig aussehen lässt, ist Künstlern oft alleinige Arbeitsgrundlage. Sich am Zustand der Welt abzuarbeiten gehört also dazu wie die Luft zum Atmen, da macht auch Joe Casey von der Detroiter Post-Punk-Kapelle Protomartyr keine Ausnahme. Vier Alben hat er mit dem Quartett mittlerweile veröffentlicht und weil in der Zwischenzeit, zehn Jahren eben, nichts besser geworden ist, kommt nun Studioplatte Nummer fünf daher. Genauer am 29. Mai, dann nämlich sollen die zehn neuen Stücke via Domino Records unter dem Titel "Ultimate Success Today" erscheinen. Der Nachfolger von "Relatives In Descent" (2017) und der EP "Consolation" (2018) wird mit einer Tour begleitet, in Deutschland gibt es vorerst nur zwei Termine in Berlin - zu hören dort auch die erste Vorauskopplung "Processed By The Boys", das Video angelegt als Parodie eines brasilianischen TV-Clips.

02.05.  Berlin, Urban Spree
03.05.  Berlin, Urban Spree

Update: Der VÖ-Termin für das neue Album mußte nun leider auf den 17. Juli geschoben werden, dafür gibt es aber heute mit "Worm In Heaven" eine weitere Singleauskopplung zu hören/sehen.





Run The Jewels: Heraus mit Gebrüll [Update]

Untätig waren diese beiden Herren in den letzten Jahren gewiss nicht - das widerspräche auch dem Grundverständnis ihres Jobs, und der ist in eben jenen Jahren nicht weniger politisch und deshalb nicht weniger dringlich geworden: Run The Jewels, also Killer Mike und El-P, zählen im US-amerikanischen Hip-Hop zu den ganz gewichtigen Stimmen, vor allem mit ihrer Meinung zum grassierenden Rassismus-Problem ihres Heimatlandes, also auch dem von Donald Trump befeuerten Unsinnsprinzip der white supremacy, halten sie nicht hinterm Berg - viel zu tun also. Um so erfreulicher, dass diese Beschäftigung auch in ein neues Album zu münden scheint - der Nachfolger von "RTJ3", erschienen im Dezember 2016, soll noch in diesem Jahr anstehen (mit dabei übrigens wieder Produzent Rick Rubin) und gerade haben die beiden einen mutmaßlich ersten Track davon mit dem Titel "The Yankee And The Brave" geteilt. Krasser Stoff mit ganz viel Wumms, es hätte nicht viel besser beginnen können.

Update: "Ooh LA LA" ist der nächste fette Track, gebastelt zusammen mit DJ Premier und Greg Nice. Das Video wurde Anfang März wenige Tage vor dem offiziellen Lockdown gedreht und mutet nun wie aus einer anderen Zeit an - neben den beiden genannten Kollaborateuren ist auch Zack De La Rocha von Rage Against The Machine bei der Party zu sehen.





Sonntag, 26. April 2020

Kelly Lee Owens: Beste zweite Chance

Das ist mal ein Satz, wie man ihn selbst auf Wikipedia nicht alle Tage zu lesen bekommt: "Sie gab ihre Arbeit als Krankenschwester auf einer Krebsstation in Manchester auf, um sich der Musik zu widmen." Die Rede ist hier von Kelly Lee Owens, mittlerweile eine der wenigen etablierten Produzentinnen resp. Künstlerinnen in der doch sehr männlich dominierten Londoner Techno/DJ-Szene. Die Waliserin kam 2007 nach England, sammelte erste musikalische Erfahrungen bei Nebenjobs auf lokalen Indie-Festivals, letztlich wurde sie aber von ihren Patient*innen dazu gedrängt, es doch ernsthafter an den Turntables und im Tonstudio zu probieren. Und das sicher nicht, weil ihr für die Medizin die nötige Leidenschaft fehlte. Die Entscheidung war bestimmt nicht die falsche, Owens arbeitete mit Kollegen wie Daniel Avery, James Greenwood und Erol Alkan, ihrer ersten EP "Oleic" folgte 2017 das Debüt-Album "Kelly Lee Owens" und einer Kollaboration mit Jenny Hval, später folgten weitere mit Björk und St. Vincent. Für den 1. Mai nun hat sie ihre zweite Platte "Inner Song" via Smalltown Supersound angekündigt, vorab konnten wir davon zunächst den Track "Melt!" hören, nun schickt sie den erstaunlich eingängigen Song "Night" hinterher. Gespannt dürfen wir zudem auch auf ein weiteres Joint Venture sein, mit "Corner Of My Sky" findet sich auf dem Album auch ein Feature von John Cale.







Samstag, 25. April 2020

RVG: Eine Überwältigung

RVG
"Feral"

(Fire Records)

Man muss kein großer Fachmann sein, um zu wissen, dass sich hier genau die Richtigen getroffen haben: RVG, die Romy Vager Group aus dem australischen Melbourne also, gerade dabei, ihr zweites Album "Feral" aufzunehmen, nachdem sie 2017 mit "A Quality Of Mercy" debütierten. Und Produzent Victor Van Vugt, der schon mit Nick Cave und PJ Harvey gearbeitet hatte und zu dessen heiligen Berufsmaximen es gehört, das Einfangen des Live-Erlebnisses über alles zu stellen. Passte perfekt. Wer nämlich die Band schon auf der Bühne erleben durfte, wird wissen, dass es dort mördermäßig scheppert, dampft, dass sich Bandleaderin und Sängerin Romy schier die Seele aus dem Leib schreit, während der Schweiß in Sturzbächen fließt. Musik ist körperliche Arbeit - besser als bei RVG läßt sich das kaum beobachten. Das Verrückte und Beeindruckende an diesem Trio ist der Umstand, daß RVG ihre Songs mit sehr großer Leidenschaft und Ernsthaftigkeit zur Aufführung bringen, dafür aber (neben all dem Krach) durchaus auch wunderbar leichte, hochmelodische Gitarrenakkorde nutzen. Wollte man zwei Referenzen bemühen, um einem Unkundigen den Zauber und die Wirkmächtigkeit der Musik von RVG näherzubringen, dann würde man vielleicht behaupten, hier würde Patti Smith von den Go-Betweens begleitet.



Es hat Songs auf diesem Album, da möchte einem das Herz zerspringen, so klassisch und einfach sind sie arrangiert, so klar und unironisch kommen einen die Textzeilen von Vager an: "Help Somebody" beispielsweise - keine Metapher, kein doppelter Boden, sondern einfach die Feststellung, diese Welt sei um so vieles schlechter und dunkler, als sie es sein müßte und deshalb wäre es jetzt an der Zeit, zu helfen und von jeder Gemeinheit ein für alle Mal zu lassen. Und weil sich gegen Ende bedrohlich dunkle Töne in den Hintergrund schieben, gibt es auch gar keinen Zweifel, wie dringlich dieses Anliegen gemeint ist. Oder "Used To Love You", noch so ein Song, der einen mit Wucht von den Beinen holt. Vager singt von der schmerzhaften Erfahrung der Erkenntnis, dass eine Liebe, mag sie noch so tief und wahrhaft gewesen sein, durchaus endlich sein kann. Und davon, wie weh es tut, das Leid der/des anderen zu sehen und doch zu wissen, dass der Beschluss unabänderlich ist. Im besten Sinne ein Tearjerker dann das Schlußstück "Photograph", so abgrundtief traurig, trostlos und schwarz und doch voller Sehnsucht nach Hilfe und Besserung. Es raubt einem fast den Atem, wenn man diese Bekenntnisse hört, so ganz ohne jeden Schnörkel. Mögen sie von fiktiven Charakteren handeln - wer solches singt, weiß viel vom Leben und von den Abgründen, die es für uns bereithält. Diese Platte ist in vielerlei Hinsicht überwältigend schön.



Freitag, 24. April 2020

Princess Thailand: Mit Nachdruck

Jetzt mal kurz zu einer Band, die recht schwer zu fassen ist: Princess Thailand kommen zu Teilen aus Paris und Toulouse und haben 2018 ihr selbstbetiteltes Debütalbum herausgebracht. Sie selbst verorten sich zwischen Post-Punk, No Wave und Noiserock, dass einem auch die gute Siouxsie Sioux in den Sinn kommt, liegt vor allem an der markanten Stimme von Aniela Bastide. Der Rest der Besetzung: Pat Jeanson (Gitarre), JB Mancave (Gitarre), Maxime de Guibert (Bass), Yann Voegel (Flöte) und Jean Pellaprat (Drums). Die neue, zweite Platte der Formation "And We Shine" war zwar schon eher geplant, ist aber coronabedingt erst heute erschienen, eingespielt in den abgelegenen Barberine Studios von Quercy Blanc. Kleiner Tipp: Man sollte nicht mit Lautstärke geizen, wenn man sich die Platte anhört, manche Dinge wirken erst mit dem nötigen Nachdruck. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Band live agiert, legen wir hier noch das Video zur Single "Give It Up" bei, die sich auf dem Debüt befindet.



Rufus Wainwright: In herzlicher Verehrung [Update]

Joni Mitchell ist nicht jedermanns Sache, schon klar. Und wahrscheinlich braucht man für einen Zugang zu ihrer Musik sowohl ein gewisses Alter als auch jemanden, der einen in den Kanon der kanadischen Künstlerin einführt. Rufus Wainwright hat offensichtlich beides, denn zum einen ist der Mann selbst schon über die Mitte der Vierziger hinaus, sogar von edlem Grau gezeichnet, zum anderen hat ihm sein langjähriger Partner, der Berliner Regisseur Jörn Weisbrodt, seine Verehrung für Mitchell näherbringen können und so firmiert Wainwrights neue Single "Damsel in Distress" laut Selbstauskunft vor allem auch als Hommage an die Frau, der es bekanntlich momentan nicht sonderlich gutgeht, die aber offenbar auf ihre späten Tage noch einen neuen Fan gefunden hat. Der Song ist nach "Trouble In Paradise", das Stück erschien im Oktober vergangenen Jahres, das zweite Lebenszeichen Wainwrights im Hinblick auf die Veröffentlichung seines neuen Albums "Unfollow The Rules", das am 24. April bei BMG herauskommt. Das Animationsvideo, das immer auch etwas an die Revolver- und Submarine-Beatles erinnert, stammt übrigens vom preisgekrönten Zeichner und Filmemacher Josh Shaffner.

24.04.  Bremen, Die Glocke

Update: “Now more than ever, I think there’s nothing we desire more than to simply have a peaceful afternoon. Maybe at this moment, our living rooms are the best places to be. I hope you love this song as I do.” (Rufus Wainwright über seine neue Single "Peaceful Afternoon") ... Und noch ein Song zum Thema - "Alone Time".





Schmyt: Ganz allein unterwegs

Was zu lange im Posteingang herumgeistert, landet irgendwann im Papierkorb - ist das nicht so? Meistens. Manchmal krallt es sich aber auch in der Hirnrinde fest und man bekommt den Song nicht mehr los. Und dann holt man ihn doch wieder raus und siehe da, doch ein Grower, selbst im Schatten. Aber was heißt das eigentlich. Die winzig kleine Vorgeschichte scheint ja programmatisch zu sein für eine Stück wie das von Julian Schmit. Der hat mal mit Rakede mächtig aufs Tempo gedrückt, Dancehall, Beats und kluge Sprüche. Und nun: Niemand. Also genauer: "Niemand" - erste Solosingle (Jive Germany) unter dem neuen Namen Schmyt. Zuvor hat der Berliner Jung mit Yassin, Majan und Megaloh gemeinsame Sache gemacht, nun soll's alleine klappen. Und allein ist auch das Stichwort, denn genau darum geht's natürlich in den ersten drei Minuten, um Einsamkeit, die krank macht, um Zurückweisung, dunkle Abgründe und ganz viel Sehnsucht. Anregung, so sagt er, hat Schmyt in Homers Odyssee gefunden, dort also, wo der listige Seefahrer den einäugigen Riesen Polyphem über's Ohr haut, indem er sich selbst den Namen "Niemand" gibt und das Ungeheuer ein derart verwirrendes Klagegeheul anstimmt, dass ihn selbst die befreundete Einaugenbande für komplett neben der Spur hält. Was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der Song selbst eine gewaltige Traurigkeit atmet.



Donnerstag, 23. April 2020

Hallows: Kalt und dunkel

Dunkler wird es heute nicht mehr werden: Das Dark-Wave-Duo Hallows aus Seattle hat Anfang April seine Debüt-EP "Subtle" veröffentlicht, ein Werk voller Düsternis und Kälte, verpackt in dronige Synthklänge, mächtige Bässe und Maschinenbeats. Die 12" ist der erste physikalische Release von Dom R. (Gesang, Gitarre, Keyboards, Drums) und Vanee D. (Gesang, Keyboards, Bass), enthält fünf Tracks und zum Titelsong wurde heute eine Clip nachgereicht.





Melenas: Am Scheideweg

Tradition kann Fluch und Segen zugleich sein, ganz, von welcher Warte aus man sie betrachtet. Beispiel Pamplona: Die baskische Stadt in der nordspanischen Region Navarra ist ein Kleinod, Ignatius von Loyola hat hier gewirkt und auch der Schriftsteller Ernest Hemingway. Mit letzterem aber gehen die Probleme los, denn Hemingway war hauptsächlich deshalb in dem Ort zu Gast, weil hier eine Stierkampftradition gepflegt wurde und wird, die in puncto Leidenschaft selbst im restlichen Spanien ihresgleichen sucht. Er schrieb in Pamplona seinen Roman "Fiesta", ein Werk an dem sich die Geister scheiden, eben in Befürworter und Gegner dieser Tradition. Um noch eines draufzusetzen sollte man erwähnen, dass Pamplona mit Verlaß mindestens einmal jährlich in den Abendnachrichten auftaucht, dann nämlich, wenn dort aus Anlaß der Feierlichkeiten zu Ehren von San Fermin, dem Schutzheiligen der Stadt, wilde Stiere durch die Stadt getrieben werden und (je nach Gusto) tollkühne oder lebensmüde Menschen vor ihnen herstolpern. Wie gesagt - Segen und Fluch. Damit von Pamplona mal etwas anderes im Gedächtnis haften bleibt als das Genannte, sei hier auf die All-Girl-Band Melenas verwiesen, die 2017 mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum an den Start gingen und nun für den Mai den Nachfolger "Dias Raros" angekündigt haben. Zwei Stücke sind davon vorab bereits erschienen, auf "No Puede Pesar" und "3 Segundos" folgt nun Single Nummer drei "Primer Tiempo" mit einem hübschen Stop- and Go-Video, laut Oihana, Leire, María und Lauri geht es im Lied um die Momente im Leben, in welchen man am Scheideweg steht, das eine oder andere zu tun und somit innerhalb eines einzigen Augenblicks die Weichen für die Zukunft stellt, im Großen wie im Kleinen.





Bright Eyes: Nach all den Jahren [Update]

Fast wollte man es nicht glauben, aber ein Blick in die eigenen Bücher bestätigt es: Ganze neun Jahre ist es her, da die Bright Eyes ihr letztes Album "The People's Key" veröffentlicht haben und nicht zu Unrecht gab es hier damals große Lobeshymnen. Danach war vom Bandleader Conor Oberst reichlich Solomaterial zu hören, mit seiner Band allerdings hielt er sich lange zurück. Das ist nun vorbei, alle internen Konflikte, die zwischenzeitlich fast zur Auflösung führten, sollen beigelegt sein und nach dem Wechsel zum Label Dead Oceans ist mit dem Song "Persona Non Grata" nun auch neues Material zu haben. Das Stück entstammt nach offizieller Verlautbarung zwar noch keinem Album, sondern einer aktuellen Studiosession, aber wir dürfen wohl davon ausgehen, dass den Tourplänen auch bald handfeste Fakten zur nächsten Platte folgen werden - einen kleinen Brief an die Fans haben sie (siehe unten) jedenfalls schon mal geschrieben.

18.08.  Hamburg, Große Freiheit 36
21.08.  Berlin, Tempodrom
22.08.  Frankfurt, Batschkapp
25.08.  Köln, E-Werk
27.08.  Wien, Arena
28.08.  München, Muffathalle
29.08.  Zürich, Xtra

Update: Mit "Forced Convalescence" kommt ein weiterer Song ins Spiel.





Mittwoch, 22. April 2020

Iggy Pop: Geschenk des Jubilars

Es ist eher selten, dass der Jubilar zum Geburtstag nicht der Beschenkte, sondern der Schenkende ist. Weil aber an Iggy Pop vieles ungewöhnlich ist, überrascht er seine Fans aus Anlass seines gestrigen 73. mit der Neuaufnahme eines Covers des Songs "Family Affair" von Sly And The Family Stone, das er auch schon 1985 eingespielt hat. Die Besonderheit diesmal - Bootsy Collins spielt den Gast-Bass. Pop hat gegenüber der BBC noch von seiner besonderen Beziehung zu dem Song gesprochen: "Ich habe dieses Lied immer geliebt, es kam heraus, als ich 1971 in den Seilen hing. Es steckt eine Menge Wahrheit darin, besonders in der zweiten Strophe, Wahrheit über alle möglichen Fragen, die jetzt wieder auftauchen." Er hat sich, so sagt er, lange Zeit gelassen, diese Idee zu verwirklichen, weil es einfach nicht passen wollte - nun aber hofft er, dass der Song anderen ein ähnlich treuer Begleiter werden kann, wie er es für ihn stets gewesen ist.



Jason Williamson: Derselben Meinung

Viele prominente Menschen in diesem Land bekommen ja gerade schmerzhaft zu spüren, dass ihr bis dato größtes Kapital, die Öffentlichkeit, auf ein sehr überschaubares Maß, nämlich die eigenen vier Wände, und, weitaus schlimmer, auch die dazugehörige Aufmerksamkeit geschrumpft ist. Kein Veranstaltung, auf der zu glänzen sich lohnt, keine Insta-Story, die sich verkaufen ließe, ohne böse Kommentare und Sozialneid zu riskieren. Die Versuche, dem Dilemma zu entkommen, sind selten einfallsreich und gewitzt, sondern reichen eher von unbeholfen bis traurig. Hier eine Challenge, dort vor laufender Kamera eine Maske genäht, ein bisschen im Fotoalbum geblättert oder Muttis Rezepte nachgekocht, Gutenachtgeschichten vorlesen geht zur Not auch, singen weniger, das war’s dann schon. Weitaus seltener, und das unterscheidet natürlich den bloßen Promi vom prominenten Künstler, ist die politische Meinungsäußerung – zu ungewohnt, zu heißes Pflaster, die Gefahr, sich den Mund zu verbrennen und deshalb später, im postcoronalen Partyzeitalter, da oder dort von der Gästeliste gestrichen zu werden, ist einfach zu groß. Dabei gäbe es genügend drängende Themen, zu denen man sich öffentlich durchaus mal ein paar Gedanken machen könnte.

Same there, but different: Jason Williamson von den Sleaford Mods aus Nottingham, natürlich Künstler und dort eher gewichtige Stimme als bekanntes Gesicht, war schon immer ein durch und durch politischer Mensch und selbst wenn einem die Musik seiner Band wenig zugänglich erscheint, nötigt seine unablässig kritische und schonungslose Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Erosion und politischen Isolation Englands (und also sein lyrischer Furor) allergrößten Respekt ab. Williamson, der privat, wie er sagt, zur Zeit nurmehr den Besuch im Gym um die Ecke vermisst, hat gerade im DAZED-Magazin eine sehr lesenswerte Wortmeldung zur Lage in seinem Heimatland veröffentlicht und wenn auch die hiesigen mit den dortigen Lebensumständen nur bedingt vergleichbar sind, so findet man in dem Text doch viele Zeilen, die man auch hier sofort unterschreiben möchte.

Williamson schreibt davon, dass der Kapitalismus spätestens in der Krise brüchig geworden ist, dass er uns in Bereiche der Gesellschaft drängt, mit denen wir zuvor nicht vertraut waren. Wir erkennen zunehmend die Bedeutung von Berufen, er nennt sie „frontline workers“, die wir vordem als selbstverständlich vorausgesetzt und eben kaum wahrgenommen haben. Und reagieren dann damit, dass wir uns zum allabendlichen Klatschen auf den Balkonen versammeln. „Ich verstehe, dass die Menschen in Panik geraten sind, und ich verstehe, dass sie vielleicht das Gefühl haben, dass der Beifall alles ist, was sie in dieser Zeit der Krise tun können,“ so schreibt er, „aber das ist nicht genug. Diese Menschen brauchen keinen Applaus. Sie müssen einen Lohn erhalten, der es ihnen ermöglicht, in unserer Gesellschaft komfortabel leben zu können …“ Eine Erkenntnis, die man vielen Politiker-/Mitbürger*innen in Deutschland gleichfalls wünschen möchte. Es geht eben nicht nur um den Bonus-Scheck, es geht um das generelle Gehaltsgefüge, um die nachhaltige Wertschätzung derer, die dafür sorgen, dass – einfach formuliert – der Laden läuft.

Weiter schreibt Williamson von dem Wahnwitz, dass sich die führenden Eliten in England gerade dieselben hilflosen Gesten zu Eigen gemacht haben, genaugenommen also einem Gesundheitssystem (NHS) applaudieren, welches sie vorher skrupellos „bis auf die Knochen“ heruntergewirtschaftet haben – „Die Unterdrücker, die sich für ihre Opfer einsetzen, sind eine neue Ära des Schwachsinns“, konstatiert er und weiter: „Der freie Markt verschlingt derzeit kleine Unternehmen schneller, als eine schlecht vorbereitete Regierung blinzeln kann, unsere medizinischen Dienste kommen an ihre Grenzen, die Schwächsten leiden.“ Doch Williamson belässt es nicht bei zorniger Kritik, er fordert alle, auch uns alle in Europa, zum Weiterdenken auf, der Hässlichkeit des Geldes setzt er den dringend gebotenen kulturellen Wandel entgegen. Und die Hoffnung: „Wir werden [nach dem Lockdown] weitestgehend unverändert zu dem gewohnten Leben im gewohnten System zurückkehren … natürlich werden wir das tun. Aber sicher muss dieses System irgendwo beginnen, sich zu Gunsten des Humanismus zu verschieben.“ Worte, die wohl dort wie hier gelten sollten.

Slut: Runderneuert [Update]

Na ja, Humor haben sie ja. Bei Facebook hatten Slut 2019 ein Foto gepostet, an das der Hashtag #gibtsdienoch geheftet war. Klar, das wissen die vier Herren aus Ingolstadt schon selbst, dass sie sehr lang nichts mehr von sich hatten hören lassen. Ganze sieben Jahre ist die Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums "Alienation" her, da gerät schon mal in Vergessenheit, dass Slut hierzulande zu den stilbildenden Gitarrenbands der 90er gehörten und mit "Easy To Love" und "Time Is Not A Remedy" ganz vorzügliche Singles am Start hatten. Geschichte, schöne. Danach kamen dann Pelzig und Gender Bombs, Bühnenwerke, Schallnovellen und ähnliche Dinge, aber ein Album war nicht dabei. Das soll nun 2020, so verspricht die Band, definitiv anstehen, eine erste Vorabsingle ist mit dem heutigen Tag auch schon draußen und hört man in "For The Soul There Is No Hospital" rein, glaubt man den vollmundigen Versprechungen der Promoagentur, Slut hätten sich grundlegend gewandelt. Erster Eindruck: Elektronisch, hochmelodisch, ein Hit. Wir warten mit Spannung, was da wohl noch kommen wird, Plattenfakten und Tourdaten jedenfalls sind baldmöglichst versprochen.

Update: Das Video zur ersten Single "For The Soul There Is No Hospital" stammt von Ludwig Noack, die Illustrationen von Bandmitglied und Grafiker René Arbeithuber.



Missy Elliott: Freakout im Museum

Was sollen wir sagen - den Wunsch nach einem neuen Album wird das nicht eben kleiner machen: Missy Elliott hat gerade einen weiteren Track ihrer vor Monaten erschienenen EP "ICONOLOGY" mit einem Video versehen - "Cool Off" wurde wieder in einem Museum unter Regie von Daniel Russell gedreht, Schauspielerin Teyana Taylor ist für eine Gastrolle ebenfalls mit von der Partie - der Clip ist im Übrigen als szenische Fortsetzung von "Why I Still Love You" angelegt, der vor drei Monaten die Runde machte.



Dienstag, 21. April 2020

Coach Party: Wütende Stimmunngskanonen

Und wo wir schon mal bei den Gitarren sind, können wir die vier hier ganz sicher noch unterbringen: Coach Party von der südenglischen Isle Of Wight sind in Sachen Tagesworkout so etwas wie Stimmungskanonen, denn zu dieser Art überdrehtem Grunge-Pop kann garantiert keine/r stillehalten. Am 12. Juni soll ihre Debüt-EP mit dem passenden Titel "Party Food" bei Chess Club erscheinen, sechs Lieder sollen drauf sein - neben den beiden bislang bekannten "Oh, Lola" und "Breakdown" kommt heute im Vorspann das Video zu "Space" dazu. Wenn wir Sängerin und Bassistin Jess Eastwood richtig verstanden haben, dann sind die animierten Tier-Armeen ihre Art, auf spielerische Weise mit Wut und Frustration der heutigen Zeit zurechtzukommen.





L7 vs. Joan Jett: Gemeinsam besser rocken

Und noch einmal laute Gitarren: Wer die Leidenschaft für diese auch in den 90ern nicht ad acta gelegt hat, der kam an einem Album wie "Bricks Are Heavy" von der All-Girl-Band L7 nur sehr schwer vorbei. Für viele waren die vier Damen aus L.A. der Inbegriff des emanzipierten Weiberrocks und weil Butch Vig bei besagter Platte seine Produzentenfinger im Spiel hatte, konnte damals ohnehin nicht viel schiefgehen. Es folgten noch einige Alben mehr, längere Pausen und im vergangenen Jahr dann "Scatter The Rats". Dieses war natürlich, wen wundert es über die lange Zeit, mit dem Krach der frühen Tage nicht zu vergleichen, aber hört man sich beispielsweise die aktuelle Doppel-A "Fake Friends/Witchy Burn" an, ist beileibe nicht der ganze Zauber verloren gegangen. Wem der Titelsong bekannt vorkommt, liegt nicht ganz falsch, im Original stammt der nämlich von Joan Jett und ihren Blackhearts und eben jene Ikone hat sich hier, quasi sicherheitshalber, mit Gitarre und Gesang gleich selbst mit eingebracht.



TDOAFS: Globaler Punk

Gerade wird ja wieder sehr eifrig über die teuflische Globalisierung geschimpft, ganz so, als hätte sich das Virus in den Zug oder ins Flugzeug gesetzt und wäre auf diesem Wege gekommen, die ganze Welt zu unterjochen. Haha, guter Witz. Wie man diese Globalisierung wörtlich nehmen und richtig verstehen kann, zeigen uns wieder einmal junge Menschen, hier Musiker. Für eine gemeinsame Split-EP nämlich haben sich vier Bands aus vier Erdteilen zusammengefunden - Kafka. (mit Punkt) aus Prag, die russischen Junior Leagues, Virginia On Duty aus Malaysia und TDOAFS aus dem kanadischen Montreal. Gehörig Krach machen sie alle, doch letztere haben es uns besonders angetan. The Discord Of A Forgotten Sketch, so die komplette Schreibweise, sind als Trio seit 2011 am Start, es gab reichlich Singles und 12"s und eben Compilations wie diese hier. Drei Stücke enthält der Tonträger von No Funeral Records, erschienen ist er am 13. April und wem die anderen Bands ebenso gut gefallen, der wartet vielleicht bis zum 1. Mai, dann nämlich gibt's für einen Tag bei Bandcamp wieder satte Prozente.

The Psychedelic Furs: Besser abwarten [Update]

Kürzlich erschrocken, als die Nachricht die Runde machte, The House Of Love würden sich mit Plänen für ein Comeback beschäftigen - dazu ein aktuelles Foto: Echt jetzt!? Der Grad ist ein sehr schmaler. Und wie schnell die Wiederbelebung alter Helden ins Gruselige kippen kann, bekommt man derzeit auch beim neuen Album "Citizens Of Boomtown" von The Boomtown Rats vorgeführt - inspirationsloser Rockbrei, der jedes Klischee von alten weißen Männern, die offenbar keine Scham haben und dringend Geld brauchen, mühelos erfüllt. Man hätte Bob Geldof tatsächlich etwas mehr Gespür für das Mach- und Zumutbare gewünscht. Sei's drum, Vorsicht ist also angebracht und vorzeitiger Jubel gut zu überlegen, auch beim neuen Album von The Psychedelic Furs. 1992 eigentlich aufgelöst, gab es 2000 die Reunion und nun haben die Mannen um Richard Butler für den 1. Mai ein neues Album angekündigt - "Made Of Rain" ist das erste seit sage und schreibe 29 Jahren. Ende Januar gab es mit "Don't Believe" die erste Vorauskopplung zu hören, nun schicken sie "You'll Be Mine" hinterher. Und wir warten besser mal ab, bis das Ding komplett ist. So oder so, nur zur Sicherheit.

Update: Auch die Psychedelic Furs haben den Release ihres neuen Albums verschieben müssen, es wird jetzt erst am 31. Juli erscheinen. Als Trost gibt es dafür eine zusätzliche Vorabsingle zu hören - "No-One" jetzt im Stream.







Public Practice: Schnelle Schnitte [Update]

Und jetzt wollen wir uns mit viel Freunde noch zwei vornehmlich frauenbewegten Bands aus New York widmen. Den Anfang machen Public Practice, eine Band, die Mitglieder zweier mittlerweile verblichener Projekte Beverly und WALL vereint und am 15. Mai ihr Debütalbum "Gentle Grip" bei Wharf Cat Records veröffentlichen wird (mit ihrer letzten EP waren sie hier im Oktober 2019 schon im Gespräch). Neben Sängerin und Songwriterin Sam York finden sich hier Gitarrist Vince McClelland, Bassistin Drew Citron und Drummer Scott Rosenthal, der Sound erinnert hauptsächlich an den Wave und Punk der späten Siebziger und frühen Achtziger, im Video zur ersten Single "Compromised", gedreht von Josie Keefe und Jonny Campolo, geht es mit zackigen Vintage-Schnittmustern recht unterhaltsam zu. Die Ernsthaftigkeit der vier sollte man dabei dennoch nicht unterschätzen - im Mai kommen Public Practice zwar (noch) nicht nach Deutschland, aber wenigstens für ein paar Gigs nach Europa.

Update: Das geht auch zu Hause - Public Practice teilen ein Video, das sie kurz vor dem Shutdown aufgenommen haben, die Schritte zu "My Head" kann man aber leicht auch vor dem Homecomputer (haha) üben.





Montag, 20. April 2020

Headie One: Gang Bam!

Headie One
„Gang“
(Relentless)

Dass der Hip-Hop die Rolle des Punk als Musik der Widerständigen, Widerspenstigen, gern auch mal Widersprüchlichen übernommen hat, kann man schon allein daran erkennen, dass Punk heute nurmehr als Musikrichtung, nicht mehr als Lebenseinstellung wahrgenommen wird – laute Gitarren, Trommelfeuer, wildes Geschrei, mehr ist nicht geblieben. Der Rest ist dann wahlweise für den Style der Modeketten oder die lästigen Hunde-Penner vom Alex. Beim Hip-Hop dagegen ist immern noch mächtig Bewegung drinne, gibt’s endlich die längst überfälligen Debatten über Sexismus und Homophobie, ist der Impetus fast zwangsweise ein politischer und wenn nicht, wird auch darüber gestritten. Die soundtechnischen Facetten, auf die gereimt wird, sind so vielfältig wie nie und auch die Gegensätze halten die Diskussionen am laufen. Beispiel Grime und Kommerz: Die beiden britischen Bannerträger Stormzy und Wiley, einst in respektvoller Freundschaft verbunden, batteln sich jetzt gegenseitig nieder, nur weil der eine meint, er wäre Erfinder und Gralshüter in Personalunion und der andere sich einen Teufel um Konventionen schert und gern auch mal mit Softie Ed Sheeran eine Track aufnimmt und daraufhin selbstbewußt textet: „On a mission, swear they wishin' that I flop, boy, but I'll never stop poppin', I'm the pop boy“.



Dass Rapper*innen meist aus Bevölkerungsschichten, aus Stadtvierteln stammen, die häufiger mit dem Gesetz und dessen langen Armen in Konflikt geraten, ist auch keine Neuigkeit, viele haben eine – milde formuliert – recht bewegte Vita aufzuweisen, bevor sie den neuen Berufsweg einschlagen, manche arbeiten sogar problemlos auf zwei Karrierewegen. Und auch das ist eben manchmal schwer vermittelbar. Irving Adjei beispielsweise, geboren Mitte der Neunziger im Nordlondoner Stadtteil Tottenham, kam über den Fussball zum Rap, genauer zu einer Grime-Variante, dem UK Drill. Zunächst performte er unter dem Moniker Headz zusammen mit seinem Buddie Jordan Townsend aka. RV in einer Truppe namens Star Gang. Er hat eine große Zahl an Mixtapes abgeliefert (das eben, was zu Zeiten das Punk noch die Langspielplatte war), die letzten schon unter seinem neuen Pseudonym Headie One. Das bislang bekannteste Tape erschien vor knapp einem Jahr unter dem Titel „Music x Road“ und enthielt auch die bis dato erfolgreichsten Tracks – die Single „Both“ und „18HUNNA“, eine Kollaboration mit dem Kollegen Dave Santan.



Dass auch Headie One nicht zu den bravsten Musikern der Stadt zählt, ist kein Geheimnis, mehrmals war er wegen Waffenbesitzes und Dealerei im Gefängnis. Doch solche Dinge müssen, wenn man wie er mit herausragendem künstlerischen Talent gesegnet ist, nicht unbedingt abschreckende Wirkung haben, das zeigt die Schar der Mitstreiter, die seine neuste Platte veredeln. Auf „GANG“, dem Geniestreich, finden sich also neben Dauergast Fred Gibson alias Fred Again so honorige Stargäste wie FKA twigs („Judge Me“), Jamie XX („Smoke“) und Sampha („SOLDIERS“), noch dazu hat Legende Brian Eno (wir erwähnten es) gerade erst den Opener „Told“ geremixt, das ist zwar keine Absolution, aber mindestens ein Hinweis auf die Wertschätzung, die man Adjei mittlerweile entgegenbringt. Stilitisch hat der sich inzwischen aus der Drill-Nische verabschiedet, den Grund tat er – ganz ohne falsche Bescheidenheit – schon Ende 2019 in der englischen Presse kund: „I feel like I’m capable of doing whatever I put my mind to. If I just stuck to drill, I’d be holding back my talent.” Der selben Zeitung sagte er zur Wahl zwischen dem einen oder dem anderen Einkommen auch Folgendes: “It’s a thin line. It’s a long road. There’s a lot of people don’t make it across that thin line. But you know when it’s time to make the changeover.” Klingt ganz danach, als hätte er auch das hinter sich.



Nadine Shah: Drama am Spülbecken

Würde nicht meistens eine gehörige Portion Ernsthaftigkeit dahinter stecken, der Begriff hätte eine wahrhaft poetische Dimension. "Kitchen sink dramas" sind gemeint, also Spülbeckengeschichten. Nach denen hat bekanntlich die wundervolle Nadine Shah ihr künftiges Album benannt und meinte damit wohl die Dramen, wie sie der Kinozuschauer beispielsweise aus Robert Altmans "Short Cuts" kennt - kranke, fürchterliche Dinge also, die sich hinter verschlossenen Türen abspielen und die man den Bewohnern, sonst doch so liebevolle und harmlose Zeitgenossen, gar nicht hätte zutrauen wollen. Eine Küchenszene, die auch nicht mehr aus dem Kopf geht, ist die Begegnung von Uma Thurman als Black Mamba mit Vivica A. Fox alias Copperhead in der Küche eines beschaulichen Reihenhauses bei Tarantinos "Kill Bill I", die vor den Augen der kleinen Tochter in einem wahren Blutbad endet. Nun, ganz so böse wird es bei Shah wohl nicht werden, den Titelsong präsentiert sie für eine endgültiges Urteil trotzdem schon mal vorab. Und hat dann zum Thema Homestories via NME noch einen kleinen Trostsatz parat: "I see a hell of a lot of curtain twitching these days, during lockdown, but always coupled with a smile or a wave."

Sonntag, 19. April 2020

John Paul: Im Spiegel der Realität

John Paul
„Subjects“
(Enviromental Studies)

John Paul ist ein Mann, an dem sich das sonst so allmächtige Netz nun wirklich mal die Zähne ausbeißt. Also nicht an jedem, sondern nur an diesem. Wer sich für spießige IT-Manager, unfehlbare Päpste oder mittelmäßige Gitarristen interessiert, findet natürlich reichlich Material für seine Recherche. Nur eben kaum über jenen John Paul, der für uns nun mal der interessanteste unter allen möglichen ist. Und daran hat sich auch nichts Wesentliches geändert, seit vor zwei Jahren bei Harbinger Sound sein Debüt „No Filter“ erschienen ist. Man tritt ihm wohl nicht zu nahe, wenn man vermutet, dass John Paul aus Nottingham nichts dagegen hat, dem einen oder anderen Global Player, wie die gierigen Suchmaschinen sich ja gern nennen, einen Strich durch die Rechnung zu machen – gegen ein wenig mehr Bekanntheit hätte er wohl nichts einzuwenden, aber doch bitte auf seine Weise. Darüber, dass dieser Erfolg verdient wäre, müssen wir dabei sicher nicht diskutieren, zählt er doch unter den aktuellen Künstlern der britischen Independent-Szene mit Sicherheit zu denen mit der größten Bandbreite. Schon auf besagtem ersten Album mischte Paul so mühelos wie virtuos verschiedenste Stile wie Grime, Dub, Dancehall, Jazz und UK Garage, dies treibt er nun für „Subjects“ konsequent weiter und zählt mit dieser Mixtur nebenbei auch zu den Tanzbarsten seiner Zunft.



Grundbausteine des Sounds sind weiterhin, ähnlich wie bei den artverwandten Sleaford Mods, computergenerierte Beat- und Bassloops. Anders als Andrew Fearn, der dort seinen meistenteils düsteren Maschinensound zugunsten des wütenden Lyrik-Gebells von Jason Williamson sorgsam dosiert und eher zurücknimmt, reichert Paul seine Tracks zusätzlich um eine reichhaltige Klangpalette an, schichtet er Pianoparts, Bläsersätze oder technoide Töne dazu. Und wagt, eher unüblich, auch das eine oder andere Duett. Obwohl diese Bezeichnung vielleicht etwas irreführend ist, wird doch bei solchen Produktionen der Gesang eher in den Track hineingesampelt – so geschehen mit Ivana Lopez aka. Miss Innit bei „Girlfriend“. Und auf besondere Weise für „How To Breath“, einer Art Herzstück der Platte. Paul hat sie nämlich ebenjener Künstlerin gewidmet, die hier ihren traurigen RnB beisteuert – Diane Charlemagne ist 2015 mit nur 51 Jahren verstorben, Paul hält sie mit der Zeile „I can teach you how to breath, I can teach you how to dream“ in wehmütiger Erinnerung. Dass sich die Texte am gesellschaftlichen Niedergang mit bzw. nach nach Brexit und Machtübernahme durch einen populistischen Laiendarsteller abarbeiten, ist eine weitere traurige Konstante. Die düstere Realität auf klare und zugleich klanglich bestechende Weise zu spiegeln, das zählt zu den unbestrittenen Qualitäten dieses Albums.

Samstag, 18. April 2020

Brian Eno, Tyler, The Creator, Johnny Jewel: Mach was draus!

Vor einer Woche, zum Osterfest, gab es diese wirklich mehr als gelungene Playlist von Ellen Alien zu hören und wenn man die sechs Stunden Spielzeit hinter sich gebracht hatte, war zum einen der Heiland auferstanden und man wußte auch wieder, was so toll ist an einem Remix. Gibt es ja heute kaum noch - Coverversionen ja, aber das, was früher mal Maxi oder Extended hieß: Fehlanzeige. Dass es auch anders geht, zeigen uns in den letzten Tagen drei Beispiele, die ja vielleicht als Anregung dienen könnten, es weniger mit den immergleichen akkustischen Hauskonzerten und Sofasessions zu versuchen, sondern mal ein bisschen heimwerkerisch zu schrauben, frickeln, dekonstruieren. Tyler, The Creator hat das mit "Automatic Driver" von La Roux anschaulich schön gemacht, ebenso eindrücklich ist es Johnny Jewel gelungen mit seiner Version von Angel Olsens "All Mirrors" und last but not least der große Brian Eno, der sich Headie One und dessen Track "Told" vorgenommen hat - erste Sahne, das alles.





Freitag, 17. April 2020

Soft Plastics: Weich und schräg

So oder so, es klingt unangenehm. Meint: Froschauge oder Weichmacher, beides keine sonderlich angenehmen Dinge. Wobei wenigstens erstere ja nichts dafür können, dass sie an glitschigen Wesen wachsen. Aber zum eigentlichen Thema: Die Frog Eyes waren eine recht umtriebige Indierock-Kapelle aus dem kanadischen Victoria in British Columbia. Gegründet wurden sie 2001 vom Ehepaar Carey Mercer und Melanie Campbell, ad acta gelegt dann nach acht gemeinsamen Alben vor zwei Jahren. Das Ehepaar hat bald darauf zusammen mit Bandmitglied Shyla Seller das Trio Soft Plastics aus der Taufe gehoben, das nun für den 5. Juni via Paper Bag Records sein Debütalbum "5 Dreams" angekündigt hat. Von den zehn angenehm verfrickelten Songs mit dem schrägen Gesang kennt man bislang "Rope Off The Tigers", "The Party's Still On" und "Wyld Thyng", die letzte Single "Here's Where The Sun Was" kam gerade mit einem Video der Künstlerin Allison Hrabluik



Jehnny Beth: Liebesleben [Update]

Erst war es nur Gerede, nun ist es also raus: Am 8. Mai erscheint es nun also, das lang erwartete Soloalbum von Savages-Frontfrau Jehnny Beth. Nachdem ja vor einigen Wochen schon die erste Single "I'm The Man" samt Video um die Ecke kam, gab es heute belastbare Daten zur Platte plus einen weiteren Song namens "Flower". Zu den Eckdaten zählt auch der Hinweis, dass Beth auf ihrem Debüt u.a. Joe Talbot (Idles), Romy Madley Croft (The XX) und Schauspieler Cillian Murphy (Peaky Blinders) zur Seite stehen. "To Love Is To Live" wurde im Übrigen von Atticus Ross, Flood und Partner Johnny Hostile produziert und kommt via Caroline International ins den Handel.

02.06.  Hamburg, Mojo Club
30.06.  Berlin, Säälchen

Update: Sehr sehenswert natürlich das neue Video von Anthony Byrne, der auch schon ihre Single "I'm The Man" abgefilmt hatte, Beth zeigt sich hier gemeinsam mit Model Rebeka Adams von ihrer lustvollen, experimentellen Seite ... Was aussieht wie ein Geisterspiel, ist das aktuelle Live-Rehearsal des neuen Albums, dessen Erscheinungstermin sich auf den 12. Juni verschoben hat - hier der nächste Song "Innocence".



Teitur: Gegen die Trübsal [Update]

Quasi als eine Art Kontrapunkt zu den letzten Posts gibt es nun, ganz im Sinne der allgemeinen, vorösterlichen Entspannung, einen wohlmeinenden Hinweis zu einem Mann namens Teitur Lassen. Dass dieser sich mit seinen gut vierzig Jahren die meiste Zeit bei seinem Vornamen rufen läßt, hat weniger mit den übersichtlichen Einwohnerzahlen seines Heimatlandes, den Färöer-Inseln, zu tun (er wohnt ohnehin seit längerer Zeit in London) als vielmehr mit seinem Beruf - Lassen ist Songwriter und das schon seit seinem dreizehnten Lebensjahr. Bereits 1996 debütierte Teitur mit dem Album "Mark No Limits", nach und nach versammelten sich im Portfolio eine beachtliche Zahl an Studioplatten, er gewann mehrmals den dänischen Musikpreis und spielte obendrein gemeinsam mit Musikerinnen wie Ane Brun und Judith Holofernes (Wir sind Helden). Für den 17. April ist nun bei Ferryhouse Productions eine neue EP mit dem Titel "Modern Era" angekündigt und die beiden ersten Vorauskopplungen "Holiday Inn" und "Clara" sind überaus bezaubernd dahingetupfte Popsongs, bei denen es schwer fallen dürfte, die Trübsal dieser Tage weiter zu blasen.

Update: Und hier kommt mit "Enough" noch eines von diesen Liedern.







Donnerstag, 16. April 2020

Zachery Allan Starkey: Schattengewächs

Das Wetter ist zwar nicht dazu angetan, dunklen Gedanken nachzuhängen (die Situation drumherum allerdings schon), dennoch müssen wir hier kurz etwas düsterer werden. Grund dafür ist dieser Mann mit der wildgewordenen Robert-Smith-Gedenkfrisur - Zachery Allan Starkey. Bitte auf keinen Fall mit dem Sohn von Ringo Starr verwechseln, denn dieser Starkey hier ist ein Schattengewächs, meint Darl-Wave-Musiker aus New York City und außerdem ein guter Freund von Ex-Joy-Division Mastermind Bernard Sumner. Diesen und seine aktuelle Truppe New Order hatte ZAS 2017 auf der Music-Complete-Tour als Support begleitet, nun steuert Sumner für zwei Lieder des neuen Albums "Fear City" (VÖ 30. April) seine Künste bei. Natürlich stammt die kleine Übersicht hier aus der honorigen Fachpublikation Brooklyn Vegan vor Ort, es gehören neben den beiden Kollaborationen auch noch das Video zu "XXX" und der non-album-track "Fear Will Not Tear Us Apart" dazu.









Mittwoch, 15. April 2020

TV Priest: Von Rosenkriegen und hohen Rössern

Ganz aktuell dieser Tage: Man bekommt, wenn man sie denn gesehen hat, die Bilder nicht mehr aus dem Kopp, wie zwei wildgewordene amerikanische TV-Prediger vor einem (so befürchtet man) Millionenpublikum allen Ernstes versuchen, das böse Corona-Virus mit gespuckter Wortgewalt zum Teufel zu jagen. Würde es nicht so unfassbar albern ausgesehen, man hätte sich gruseln müssen vor so viel Schwachsinn in Potenz. Wir gehen jetzt mal davon aus, dass diese vier Herren aus London wesentlich sympathischer und auch ungefährlicher sind - Charlie Drinkwater (Gesang), Alex Sprogis (Gitarre), Nick Smith (Bass, Keyboards) und Ed Kelland (Drums) sind zwar schon seit Jugendtagen als TV Priest unterwegs, betrachten das allerdings nicht als geistliche Berufung oder gar modernes Kreuzrittertum, sondern eher als Hobby. Und haben gerade unter diesem mehrdeutigen Bandnamen ihre Debütsingle "House Of York" bei Hand In Hive Records veröffentlicht. Dort geht es dann allerdings auch nicht weniger ernst und leidenschaftlich zu, besingen sie doch ihre Zweifel, ob das britische Volk, seit Urzeiten mit der konstitutionellen Monarchie verwachsen, überhaupt in der Lage sei, nicht das Erbrecht, sondern Leistung und Verdienst als Führungsanspruch gelten zu lassen. Nebenbei verweisen sie mit dem Songtitel auch noch auf die berühmten Rosenkriege, in welchen sich die Häuser York und Lancaster um die Vorherrschaft stritten und die dann für letztere, also die Linie der Tudors, zu zweifelhaftem Erfolg führte. Das Cover der Single ziert im Übrigen eine Zeichnung der Statue von Prinz Albert, die am Londoner Holborn Circus steht - gemalt hat sie der Sänger selbst, der nebenbei auch noch als Maler unterwegs ist.



Roxy Girls: Erfolgsgeschichten

Ganz so ein riesiger Erfolg wie der der Netflix-Serie ist ihnen noch nicht beschieden, aber sie arbeiten daran: Die Roxy Girls kommen auch aus Sunderland ('til I die also), spielen aber keinen Fußball, sondern schnoddrigen, lauten Post-Punk. Wir hatten Tom Hawick und Freunde im Sommer 2019 hier wegen ihrer EP "The Poverty Of Attention" im Programm, nun kommen sie wieder vorbei und zwar mit einer weiteren 12", die unter dem Titel "A Wealth Of Information" am 5. Juni erscheinen wird - beiliegendes "Dirtier" ist einer von sieben neuen Songs.



Tim Burgess: Strictly underrated

Es gibt außer uns sicher noch einige mehr da draußen, die diesen Mann sträflich unterschätzt haben in den letzten Jahren: Tim Burgess also, der Songschreiber und Sänger der britischen Rave-Truppe The Charlatans, war nämlich beileibe nicht unproduktiv oder beruflich abwesend in den Zeiten anhaltender Bandpausen, er hat sich immerhin die drei wunderbaren Soloalben "I Believe", "Oh No I Love You" und "As I Was Now" draufgeschafft und wenn wir uns nicht grob täuschen, dann erwartet uns mit dem für den 22. Mai via Bella Union angekündigten vierten Streich "I Love The New Sky" nicht weniger Spannendes. Da muss man sich nur die aktuellen Songs des sympathischen Pilzkopfes anschauen und weiß sofort, dass es hier in Richtung Art Pop, missverständliches Wort für kluge Unterhaltung, geht. Wir hätten da also "Empathy For The Devil", "The Mall" und gerade ganz frisch "Laurie". Letzteres ein Liebesbrief, wie er selbst in einfachen Worten schreibt: “’Laurie’ is a love letter to the future from the past. An uplifting view of the world, written about a time when it’s hard to find positivity, but when you need optimism more than anything else.” Übrigens: Burgess ist, was gute Stimmung in schweren Zeiten angeht, zur Zeit ohnehin nicht untätig, gemeinsam mit Kollegen absolviert der Mann gerade regelmäßig Listening Parties seiner favorisierten Longplayer, mit dabei u.a. die Sleaford Mods, Fontaines D.C., Teenage Fanclub, Oasis, Ash und selbst die White Lies.






Muzz: Neues vom Ruhelosen [Update]

Neues aus New York City von einem, der noch nie lange stillhalten konnte: Paul Banks, Sänger der Kapelle Interpol, hat ja nun wahrlich schon vieles versucht, neben seinem Brotjob als Bandleader tat er sich durch diverse Soloarbeiten hervor (manche unter seinem Klarnamen, andere als Julian Plenti), veröffentlichte seine nicht ganz so heimlichen musikalischen Vorlieben auf Mixtapes und kollaborierte überraschend stimmig mit dem Wu-Tang-Member RZA als Banks And Steelz. Das reicht aber offenbar nicht, denn gerade hat der Mann die Gründung einer weiteren Band namens Muzz bekanntgegeben, mit dabei Matt Barrick (The Walkmen, Fleet Foxes) und Josh Kaufman (Bonny Light Horseman, Day Of The Dead). Eine erste Single steht mit "Bad Feeling" schon parat - stilistisch weit weniger dramatisch als Interpol, eher klassischer, zurückhaltender LoFi-Rock mit Jazzeinflüssen - über weitere Pläne ist vorerst aber noch nichts bekannt.

Update: Fast schon kontemplativ, in jedem Falle psychedelisch - die neue Single "Broken Tambourine" mit schönem Weltraumvideo von Griffin Frazen ... Und nun ist auch der Rest bekannt: Paul Banks hat also nicht nur eine Vorliebe für ausgefallene Strickmoden entwickelt, sondern auch zwei neue Freunde - und diese schon seit 2015. Seit diesem Jahr jedenfalls musizieren die drei Herren miteinander und nun soll am 5. Juni bei Matador ein ganzes Album von kommen. Zwölf Stücke on it, das dritte bekannte ist jetzt "Red Western Sky".