Freitag, 26. November 2021

Carmody: Über das Vergessen

Einer der wenigen positiven Aspekte der doofen Pandemie ist der Umstand, dass selbst das nächste Jahr schon reichlich vollgepackt ist mit geplanten, wenn auch wenig planbaren Terminen - das zumindest gilt für die Tourneen und Konzertreisen vieler Künstler*innen. Absehbarer die Veröffentlichungen, hier schiebt sich vieles auf 2022, weil es aus vielerlei Gründen in der auslaufenden Saison nicht klappte. Dazu gehört im Übrigen auch das Debüt "Imperfect Constellations" der Londonerin Jessica Carmody, die unter ihrem Familiennamen bislang einige EP und Kollaborationen verlegt hat, nun aber für den 6. Juli via Young Poet das lang erwartete Solo ankündigte. Es erwartet uns nicht nur ein Album mit mutmaßlich wunderbarem Jazzpop der ersten Güteklasse, sondern ein sehr spezielles Arrangement: Die Platte wird in vier verschiedene Teile, hier also Konstellationen, gegliedert sein, "Constellation A" ist mittlerweile komplett zu hören, denn nach den Songs "Replace" und "Still" ist gerade auch der dritte mit Namen "Memory" erschienen, aufgenommen gemeinsam mit dem ebenfalls in London wohnhaften Musiker und Produzenten Alfa Mist und der Saxophonistin Laura Misch. Carmody verknüpft für den ersten Part u.a. persönliche Erfahrungen mit der viele Menschen bewegenden Problematik der Demenz und unseren Umgang mit derselben. In den Linernotes meinte sie dazu: "'Constellation A' explores the multi-faceted concept of 'memory', as I examine how to remember, and keep sacred the things and people that are lost, without feeling a bitterness for what I no longer have. When my grandfather was diagnosed with dementia 5 years ago I watched his stories and his sense of self slowly disappear. It was surreal to me that I still had the past we shared together, but he had no recollection of it. In 'Still' I wanted to write about how his sense of self could be found through me and my memories of us together. Although these 3 songs are some of the oldest on the record, they orbit the world I currently inhabit, and as each constellation is released I'll move further into the centre of things and where it all began." Spannend, bewegend und schön anzuhören zugleich, ein Grund mehr, sich auf das kommende Jahr zu freuen.







Mittwoch, 24. November 2021

Casper: Hingehen, wo es weh tut [Update]

Wenn man nicht dahin geht, wo es weh tut, weiß man auch nicht, wie die Siege schmecken. Kühlschrankpsychologie, Lektion eins, schon klar, aber eben auch ein Stück Lebensweisheit. Und selbst wenn es schief geht (und das macht es nicht eben selten), lernt man aus den Niederlagen für den nächsten Anlauf. Benjamin Griffey, eigentlich eher Casper, ist nicht dafür bekannt, dass er Scherzen scheut. Schon seine Stimmbänder machen den Eindruck, als behandle er sie jeden Morgen mit ätzenden Substanzen, auch auf der Bühne kennt er keine Schonzeit - und er ist der Welt bekanntester Ehrenbielefelder. Was schon eine Probe sein kann, begegnet man doch ständig Menschen, die meinen, zu dieser Stadt ihre abgedroschenen Witze loswerden zu müssen. Was einen gebürtigen Ostwestfalen eigentlich kaum aus der Ruhe bringen, aber auf Dauer aber schon anstregend sein kann. Casper hat rein musiktechnisch lange Zeit recht still gehalten - "Lang lebe der Tod", sein letztes Werk, datiert immerhin schon auf das Jahr 2017, die nachfolgende Kollaboration mit Marteria "1982" blieb eher wegen der dazugehörigen Megatour als wegen der Songs in Erinnerung. Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei, das neue Studioalbum hört auf den schönen Namen "Alles war schön und nichts tat weh" und wird am 25. Februar kommenden Jahres erscheinen, eine Tour ist auch schon eingetütet. Der Titelsong ist gerade an den Start gegangen, viele Blumen, dramatische Töne und eine überraschend zarte Singstimme - wir bleiben gespannt.

17.03.22  Hannover, Capitol
18.03.22  Tübingen, Sudhaus
19.03.22  Bern, Bierhübeli
21.03.22  Leipzig, Felsenkeller
22.03.22  München, Muffathalle
23.03.22  Wien, Arena
25.03.22  Dortmund, FZW
28.03.22  Köln, Carlswerk Victoria
29.03.22  Mannheim, Alte Feuerwache
31.03.22  Berlin, Metropol
01.04.22  Münster, Skaters Palace
02.04.22  Bremen, Kulturzentrum Schlachthof
04.04.22  Hamburg, Uebel und Gefährlich

Update: Okay, das haben wir verstanden - der Mann ist und bleibt ein Nachtmensch. Der neue Song "TNT" zusammen mit Johannes Bruhns aka. TUA feierte heute im tiefsten Dunkel Premiere, hier dann im Stream nach dem Aufwachen ... und seit Neuestem auch mit Video.





Oceanator feat. JER: Dringend benötigt

Über die stimmungsaufhellende Wirkung von Ska müssen wir an dieser Stelle wohl kaum diskutieren, Laurel Aitken, Madness, Skatalites, Specials, das alles sollte es fast auf Rezept geben. Und gute Stimmung, auch da sind wir uns einig, ist momentan Mangelware. Mehr als passend deshalb, dass Elise Okusami aka. Oceanator zusammen mit den Fachleuten von JER (Jeremy Hunter/We Are The Union, Skatune Network) gerade den Ska-Punk-Song "Too Late" eingespielt hat - das im Nachgang zu ihrem wunderbaren Studiodebüt "Things I Never Said". Und wie sagte Brooklyn Vegan gerade so treffend: "More indie/punk artists should make ska songs!" Genau so.

Bloc Party: Mögliche Rückeroberung

Sind sie's? Oder doch nicht? Nun, wir hatten die britischen Bloc Party jedenfalls etwas anders in Erinnerung, nicht ganz so rough und kratzig wie auf ihrer neuen Single "Traps", die heute auf Sendung gegangen ist. Und zwar nicht einfach so, sondern zusammen mit der Ankündigung, dass ihr am 29. April 2022 via Infectious das nunmehr sechste Album mit dem Titel "Alpha Games" folgen soll. Das letzte, "Hymns", erschien vor ganzen fünf Jahren, danach gab es von Frontmann Kele Okereke reichlich Solomaterial. Nun also zwölf neue Stücke von den einstigen Königen des fiebrig nervösen Indierocks der Nullerjahre - gut möglich, dass sie gerade wieder dabei sind, verlorenes Terrain zurückzuerobern.

15.05.  Berlin, Tempodrom
16.05.  Köln, E-Werk



Dienstag, 23. November 2021

The Bug feat. Jason Williamson: Alles, nur kein Zufall

Ein ganz heißes Ding geht heute mit dieser Kollboration ins Rennen: Kevin Richard Martin, bekannter unter seinem Pseudonym The Bug, legendärer, britischer Musiker und Produzent, hat sich für eine Doppelsingle mit Jason Williamson von den Sleaford Mods zusammengetan. Natürlich ist das mehr als eine Zufallsbegegnung - die beiden dürften über ihre Arbeit und darüberhinaus eine weitaus größere Schnittmenge haben als hierzulande alle Ampelfunktionäre zusammen. Martin wurde zwar vom Post-Punk der 80er sozialisiert, fühlt sich aber schon seit langem vor allem im Umfeld von Hip-Hop, Dubsteb, Dancehall und Jazz zu Hause, Williamson wiederum kommt ebenfalls von der Gitarre, schwenkte aber bald zusammen mit seinem kongenialen Partner Andrew Fearn zu einer originären Mischung aus Computerbeats und aggressiven Rhymes um, die dem Duo eine Art Alleinvertretungsmerkmal gesichert hat. Nicht erst seit Martins aktuellem Album "Fire" überlegten die beiden offensichtlich, gemeinsames Material einzuspielen, nun veröfentlichen sie also bei Ninja Tune die beiden Tracks "Stoat" und "Treetop", herrlich schroffe und zugleich sehr verspielte Stücke, bei denen sich die Mischung aus Maschinenmusik und Williamsons wütendem Rap-Stakkato einmal mehr als Glücksgriff erweist. 

Hier noch die entsprechenden Statements der beiden. Zunächst The Bug: "Ich bin mit Mark E. Smith und Crass aufgewachsen, wie könnte ich da nicht von Sleaford Mods weggeblasen werden? Seit ich zum ersten Mal 'Austerity Dogs' gehört habe, war ich von Jasons messerscharfen Texten und seiner punkigen Art begeistert. Als wir uns vor ein paar Jahren zum ersten Mal auf Twitter unterhielten und beiläufig über unsere gemeinsame Vorliebe für asozialen amerikanischen Hiphop plauderten, haben wir sofort die Idee einer Zusammenarbeit diskutiert. Und obwohl es ein paar Jahre gedauert hat, bis wir das Konzept in die Tat umgesetzt haben, scheint 2021 der perfekte Zeitpunkt zu sein, wenn man die globale soziale Krise und die Veröffentlichung meines Albums, 'Fire', bedenkt. Es war eine große Freude, mit Jason an diesen Tracks zu arbeiten, und wir sprechen bereits über die Idee, weitere Tracks folgen zu lassen…". Williamson wiederum meinte zu dem Projekt: "Sowohl 'Stoat' als auch 'Treetop' gehen lyrisch den üblichen Weg für mich, Unsinn gemischt mit kleinen Mikrogeschichten von was auch immer. Ausreden, um Frustrationen und Ärger loszuwerden. Ich spreche mit Kevin schon seit ein paar Jahren darüber, ein paar Songs zu machen. Es war immer geplant, etwas mit seiner Musik zu verbinden, eine Chance, verschiedene stimmliche Ansätze bis zu einem gewissen Grad zu formen, was auf 'Stoat', denke ich, deutlich zu hören ist. Ich liebe beide Stücke. Richtig. Ich bin begeistert von dieser Kollaboration."



Yard Act: Von der Überforderung [Update]

Überforderung ist ein wichtiges Thema, ohne Zweifel. Überall überforderte Menschen - in den Regierungen, den Betrieben, an den Schulen und Universitäten, in den Sozialen Medien sowieso und in der Famile, immer gibt es irgendjemanden, die oder der sich nicht in der Lage sieht, den Anforderungen zu genügen, dann Murks baut, was wieder lauten Protest und noch mehr Unzufriedenheit hervorruft. Ein Kreislauf zunehmender Frustration, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt, es sei denn, man geht an den Südpol mit den Pinguinen tauchen (wenn es denn noch welche gibt) oder schaltet einfach das Netz ab. Yard Act aus Leeds haben zu diesem Thema ihre Banddissertation verfasst - also ein Debütalbum eingespielt, und zwar bei Zen F.C. und mit dem Titel "The Overload" und es ist anzunehmen, dass die Songs darauf a) noch immer so gut in die Beine gehen wie auf ihrer letzten EP "Dark Days" und b) die vier Herren genügend Humor besitzen, aus der Sache eine erträgliche, besser noch unterhaltsame zu machen. Am 7. Januar 2022 ist es soweit, heute kommt schon mal das Video zum Leadsingle.

Update: So langsam aber sicher entwickeln sich Yard Act zu einer Art Lieblingsband - wie sie ihre nächste Single "Land Of The Blind" gemeinsam mit James Slater in Szene setzen, das hat schon etwas verteufelt Charmantes ... Gleich hinterher noch die Single Nummer drei "Payday", ein Stück über die Absonderlichkeiten menschlicher Gedanken, wenn es um Klassenbewußtsein, Gentrifizierung und Konsum geht.

22./23.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
05.02.  Hamburg, Molotow
09.02.  Berlin, Badehaus
10.02.  Köln, Blue Shell







Sonntag, 21. November 2021

Howless: Ein guter Anfang

Musik aus Mexiko haben wir hier tatsächlich selten zu Gast, sieht man mal von Le Butcherettes (Guadalajara) ab, die vergleichsweise häufig vorbeischauen. Nennen wir es einfach mal Mangel an Gelegenheit - hier jedoch bietet sich diese. Denn die Einstiegssingle "Levels" des Quartetts Howless um Leadsängerin Dominique Sanchez und Texter Mauricio Tinejro ist feinster, melancholischer Shoegazing-Pop, dem man noch dazu seine Verehrung für The Cure deutlich anhört. Damit wir die Band aus Mexico City öfter hören können, ist natürlich mehr Material von Nöten - am 18. Februar soll bei Static Blooms Records das Debütalbum "To Repel Ghosts" erscheinen. Das wäre dann schon mal ein guter Anfang.



Tristesse: Notwendige Näherung

Wo wir schon mal melancholisch sind, können wir auch gleich noch von dem Quartett Tristesse aus Berlin berichten. Die fünf jungen Herren werden nämlich am 3. Dezember ihre Debüt-EP "Im schwächsten Licht" veröffentlichen. Vor einiger Zeit schon erschien die Debütsingle "Kreis", ein vergleichsweise ruhiger Song, nun folgt mit "Serotonin" eine Single mit ein paar härteren Riffs und durchaus ernsthafter Message - Sänger Jannes-Maximilian Priebels dazu: "'Serotonin' nähert sich der Thematik Depression und steht lyrisch bewusst im starken Kontrast zum tanzbaren und melodiösen Instrumental. Dieses Lied verfolgt ein uns wichtiges Anliegen: einen offenen, reflektierten und notwendigen Umgang mit mentaler Gesundheit." Sobald Konzerttermine für ein besseres Kennenlernen des Quintetts (weiter Marvin Alexander Jiménez Mairena an der Rhythmusgitarre, Eric-William Noack Bass, Florian Balmer Drums und Benedikt Kirst Leadgitarre) bekannt sind, werden wir diese natürlich ebenso weitergeben.





Horsegirl: Lust auf Lärm

Wer sehen möchte, wieviel Spaß darin stecken kann, etwas Neues zu probieren, einfach anzufangen damit, der darf sich gern das Video zu "Billy" ansehen, der neuen Single von Horsegirl. Das Trio aus Chicago mit einer Vorliebe für lauten, ungeschönten Gitarrenlärm hat hier zusammen mit ein paar guten Freund*innen und einer Kamera jede Menge Spaß eingefangen. Der könnte sich, so mutmaßen wir jetzt mal, auch deshalb eingestellt haben, weil das renommierte Label Matador diesen Song gemeinsam mit Produzentenlegende Steve Albini aufgenommen hat. Und das ist selbst für so selbstbewusste junge Frauen wie Penelope Lowenstein, Nora Cheng und Gigi Reece ein veritabler Aufreger. Bislang war ihre EP "Ballroom Dance Scene Et Cetera" das einzige Material, das die drei vorzuweisen hatten, gut möglich, dass da bald deutlich mehr hinzukommt.





Samstag, 20. November 2021

The Düsseldorf Düsterboys: Aus dem Keller geholt

Zeiten, in denen man nicht nach draußen gehen sollte, sind dazu angetan, dass man (auch mit Lust) in alten Sachen wühlen darf. Die wunderbaren The Düsseldorf Düsterboys haben das wohl getan und dabei den Song "Traurige Gesichter" von Maurice und die Familie Summen (vom Album "BMERICA") aus dem Keller geholt. Weil er schön ist, weil er so gut passt, weil. Und deshalb gibt es hier die Single, gerade bei Staatsakt erschienen.

01.12.  Berlin, Badehaus
02.12.  Potsdam, Waschhaus
03.12.  Braunschweig, Nexus
04.12.  Lüneburg, Salon Hansen
05.12.  Hamburg, Knust
08.12.  Bielefeld, Bunker Ulmenwall
09.12.  Köln, Gebäude 9
10.12.  Hannover, Cafe Glocksee
11.12.  Berlin, Huxleys Neue Welt



Freitag, 19. November 2021

Masha Qrella: Nimmermüde

Foto: Diana Näcke
Nein, wir werden nicht müde werden, die großartige Poesie eines Thomas Brasch an dieser Stelle zu betonen. Müßte man eigentlich gar nicht, sollte ohnehin klar sein. Gerade ist in ausgewählten Kinos des Landes der Film "Lieber Thomas" von Andreas Kleinert mit Jella Haase und Albrecht Schuch angelaufen, auf den im Ansatz Ähnliches zutrifft - grandios, überwältigend, einzigartig. Da passt es ganz gut, dass parallel dazu auch das Video zu "Märchen" erschienen ist, einem Song von Masha Qrellas Brasch-Album "Woanders", erschienen im Frühjahr diesen Jahres bei Staatsakt. Der Clip stammt im Übrigen von Filmemacherin Diana Näcke, die unter anderem auch schon die Bühneninstallation zur Perfomance von Qrella zum gleichen Thema im Berliner HAU (2019) gefertigt hatte. Song, Video, alles toll, nicht nur, aber auch wegen des Auftritts von Braschs Schwester Marion. Wer Masha Qrella in diesem Jahr noch einmal live sehen möchte, hat am Dienstag kommender Woche die letzte offizielle Gelegenheit, da nämlich spielt sie im Berliner Babylon, für 2022 sind schon mal drei Auftritte angekündigt.

23.11.  Berlin, Babylon
17.02.  München, Milla
18.02.  Regensburg, Ostertorkino
19.02.  Augsburg, Brecht Festival

Donnerstag, 18. November 2021

Eades: Lässig in Leeds

Frischer Wind aus Leeds, jetzt bald auch in Albumlänge: Die Indierocker Eades haben nach der Veröffentlichung mehrerer EP nun endlich einen Termin für den Verkaufsstart ihres Debüts "Delusion Spree" auf Heist Or Hit bekanntgegeben. Nachdem vor einigen Wochen schon die Single "Reno" mit lässigen Franz-Ferdinand-Hearalike-Beats erschienen ist, kommt nun das ebenfalls ziemlich direkte "Ever Changing" ins Netz. Songschreiber Tom O'Reilley hat dazu folgendes notiert: "At that time I was finding myself in a lot of situations with self-involved characters that I had no interest in, purely because they’re an easy distraction from everything I didn’t want to think about. I kept jumping from toxic relationships to chaotic friendships without thinking I could take a step back and centre myself to actually tackle real problems. ‘Ever Changing’ is about burying my head in the sand and avoiding real issues in my life. It’s about finding new ways to procrastinate and change to make each day feel more exciting than it really is."




Let's Eat Grandma: Gerne Gegensätzliches

Da sind sie also wieder, die beiden Damen mit dem herrlich verrückten Bandnamen: Rosa Walton und Jenny Hollingworth, die gemeinsam unter Let's Eat Grandma firmieren, haben gerade ein neues Album angekündigt. "Two Ribbons", datiert auf den 8. April bei Transgressive Records, folgt auf "I'm All Ears" aus dem Jahr 2018, das gefüllt war mit wunderbarem Synthpopgewummer. An dieses schloss die erste Auskopplung "Hall Of Mirrors" nahtlos an, der Titelsong dagegen ist eine zart gezupfte Folkballade über Einsamkeit und Tod. Wir mögen beides.





Mittwoch, 17. November 2021

A Place To Bury Strangers: Zurück zum Lärm

Gar nicht so lang her, da haben die drei ihre EP "Hologram" inklusive reichhaltigem Remix-Paket veröffentlicht, nun kündigt die Band A Place To Bury Strangers für den 4. Februar 2022 via Dedstrange Records ein neues Album mit dem Titel "See Through You" an. Im Beipackzettel zur aktuellen Vorabsingle "Let's See Each Other" steht etwas von "massive walls of chaos and noise" und für alle, die meinen, es sei etwas zu sanft zugegangen bei den dreien in letzter Zeit, ist das sicher ein durchaus erfreulicher Hinweis. Nicht vergessen wollen wir auch, dass Oliver Ackermann, Dion Lunadon und Lia Simone Braswell im nächsten Jahr ausgiebig auf Tour gehen werden.

09.03.  Hamburg, Hafenklang
10.03.  Dresden, Beatpol
29.03.  Zürich, Bogen F
30.03.  München, Backstage
05.04.  Münster, Gleis 22
12.04.  Berin, Hole 44
13.04.  Köln, MTC



LIFE: Freudlose Zeiten

Wie sehr man in Zeiten wie diesen Freunde braucht, muss an dieser Stelle wohl nicht erklärt weren. Selbst Menschen, die gemeinhin als sehr geduldig und vernünftig gelten, sind den Umständen der Pandemie überdrüssig, zeigen sich genervt und/oder einigermaßen hoffnungslos. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob wo genau man in Europa oder anderswo zu Hause ist. Auch im britischen Hull könnte die Stimmung besser sein - obwohl: LIFE, das Post-Punk-Quartett um Sänger Mez Green, haben gerade bei The Liquid Label ihre neue Single "Friends Without Names" veröffentlicht und zwar mit dem Hinweis, dass diese als Blaupause für das nächste Album gelten kann. Was ja mal eine gute Nachricht ist. Denn wir erinnern uns daran, dass schon die letzte Platte namens "A Picture Of Good Health" sehr gelungen war, es darf also gern so weitergehen.



Silverbacks: Reich an Facetten [Update]

Und noch eine Rückmeldung der erfreulichen Art - die Silverbacks aus Dublin sind ebenfalls mit neuem Material back in business. 2020 mit ihrem Debüt "Fad" nach einer Reihe erfolgreicher Singles endgültig durchgestartet, schicken sie heute anlässlich des Wechsels zum Label Full Time Hobby den Song "Wear My Medal" an den Start, ein durchaus vertrackter und interessanter Song mit vielen Facetten - flirrenden Gitarren, zarten Bläsern, dazu die schöne Stimme von Emma Hanlon und ein wirklich sehr extravagantes Animationsvideo von Lauren Gregory, es gibt hier wirklich gar nichts auszusetzen. Außer vielleicht dem Umstand, dass sie bislang nur Konzerttermine auf Inseln gebucht haben. Aber was nicht ist kann ja noch werden, wir würden es jedenfalls mehr als begrüßen.

Update: Nun also ein paar mehr Daten aus Dublin - das neue Album wird "Archive Material" heißen und am 21. Januar 2022 erscheinen, Titelsong und Video gibt es hier und heute vorab ... und gleich auch noch "Rolodex City" hinterher.






Sonntag, 14. November 2021

Idles: Dieses verdammte Leben

Idles
"Crawler"

(Partisan Records)

Das eigene Ich ist mit Sicherheit der Bereich, in dem sich jede und jeder selbst am besten auskennt, ob nun bewusst oder unterbewusst. Als sicheres Terrain taugt es deswegen noch lange nicht, vor allem, wenn allerhand Dämonen, soll heißen unangenehme Erinnerungen, Traumata, Ängste, dort ihr Unwesen treiben. Gut oder schlecht – sie verschwinden nicht, sie bleiben unaufgefordert und je mehr man sich weigert, sie zur Kenntnis zu nehmen, je mehr man sie auf Abstand hält, desto größer und bedrohlicher werden sie, scheinriesengleich. Joe Talbot, so möchte man annehmen, kennt diese Dämonen zur Genüge. Er hat ausreichend erlebt, um Respekt vor ihnen zu haben – das ambivalente Verhältnis zum dominanten Vater, die alkoholsüchtige Mutter, die eigenen Abhängigkeiten, ein lebensgefährlicher Unfall, ein totgeborenes Kind. Der Mann hätte also Grund, sich diesen schmerzhaften Gegenüberstellungen zu verweigern. Für ihre letzte Platte „Ultra Mono“ haben Talbot und seine Band, den Idles aus Bristol, neben einigem Lob auch reichlich Kritik abbekommen, zu viel Hülle, zu wenig Substanz, inhaltlich und musikalisch sehr unentschieden. Es gab jede Menge störende Nebengeräusche, die Band geriet, berechtigt oder nicht, in Rechtfertigungszwang zu Themen wie Glaubwürdigkeit, Rassismus und Frauenfeindlichkeit und manche/r stimmte schon den Niedergang an…



Dass sie nun mit diesem, ihrem vierten Album so kraftvoll und überzeugend reüssieren, hat sehr viel mit Talbots Selbstbehauptungswillen zu tun. Und damit, dass er sich dorthin zurückzieht, wo die wohl härtesten Schlachten ausgefochten werden im Leben – dem eigenen Ich. Das hat zur Folge, dass „Crawler“ im Vergleich zu seinen Vorgängern erstaunlich unpolitisch geworden ist, der anhaltend bedauernswerte Zustand seines Heimatlandes spielt also in den neuen Songs eine eher untergeordnete Rolle. Talbot als zorniger Beobachter, wenn es bei „The New Sensation“ um die mangelhafte Wertschätzung der Kunst in Pandemiezeiten geht, Talbot als Ankläger, weil die Gesellschaft die Gescheiterten und Hilflosen allzu oft dauerhaft als solche stigmatisiert und ihnen so jede Hoffnung auf Besserung, auf Rückkehr und Dazugehörigkeit nimmt. Sonst aber: Unaufhörlicher, unerbittlicher Kampf um dieses eine Leben, das einem – von wem auch immer – zugelost wurde und das einem, bei aller Unvollkommenheit und allen Schmerzen, doch so verdammt wertvoll erscheint.



Trotzki soll, so zitiert Talbot ganz am Schluss der Platte, trotz der Vorahnung seines nahenden, gewaltsamen Todes gesagt haben: „In spite of it all, life is beautiful“, eine Ansicht, die er sich in jedem der Songs auf „Crawler“ unbedingt zu eigen macht. Ob er aus mutwilliger oder fremdverschuldeter (Selbst)zerstörung hartnäckig den Weg zurück sucht, ob er seiner Vergangenheit entgegentritt und selbst wenn er versucht, einen buddhistischen Blick auf das manchmal doch so trostlose, alberne Leben zu werfen („King Snake“) – immer wirken er und die Band unglaublich energisch, entschlossen und ja: authentisch. Der Sound des Albums ist von seltener Kompromisslosigkeit, kein Lärm als Selbstzweck, sondern weil es eben genau so klingen muss, wenn einer mit sich ringt, sich wehrt und uns genau das zeigen will. Der Bassanschlag bei „The Wheel“ phänomenal, „The Beachland Ballroom“ auf den Spuren von Faith No More trotzdem überzeugend, die elektrische Textur von „Progress“ umwerfend und auch „The New Sensation“ ist nicht INXS, sondern eher DAF in der Rocky Horror Picture Show, wow! Damit war nicht zu rechnen, um so mehr freut es einen, dass der Weg zurück geglückt scheint. Auch, weil es ein sehr persönlicher geworden ist. Wie lange das dann trägt, steht auf einem anderen Blatt…




AUA: Nachschlag from outer space

Den eigenwillig versponnenen, spacigen Sound des Duos AUA hatten wir hier ja schon für mit Veröffentlichung des Debütalbums "I Don't Want It Darker" 2020 auf Crazysane Records gefeiert, nun haben Fabian Bremer und Henrik Eichmann für den Januar kommenden Jahres den Nachfolger "The Damaged Organ" angekündigt. Und was gibt es für solchen Anlass Schöneres als eine gelungene Einstiegssingle mit einer angenehm vertrauten Stimme? Genau die nämlich haben die zwei gerade vorgelegt - "Islands Song" kommt mit den unterkühlten Vocals von Annika Henderson daher, die ja selbst gerade erst bei Invada Records überzeugte. Bei AUA lesen wir weiter von ungewöhnlichen Instrumentierungen, Anlehnung beim Filmsound von Carpenter und sogar Surfgitarren. Es bleibt also wieder einmal alles anders.



Freitag, 12. November 2021

Nation Of Language: Blick zurück nach vorn

Nation Of Language
„A Way Forward“

(Play It Again Sam)

Es ist ja leider ein weit verbreiteter Irrglaube, wenn einige Mitmenschen denken, sie müssten sich die albernen Auftritte der vergreisten Stars ihrer Jugendtage auch heute noch anschauen, wenn sie auf deren Musik partu nicht verzichten wollen. Nein, das müssen sie nicht. Es gibt tatsächlich Unmengen wunderbar gelungener Popmusik, die der aus früheren Tagen in nichts nachsteht. Und nur wer wirklich meint, auf die ranzigen Altherrenwitze ergrauter Showmaster und Bilder von in wunderliche Neoprenanzüge gequetschten Senioren, noch dazu weit über dem Verfallsdatum, nicht verzichten zu können, sollte das tun. Wer aber beispielsweise ein Faible für die elektronische Musik der Endsiebziger und deren dunkle Verfeinerung aus den Achtzigern hat, also Bands wie Kraftwerk, OMD und Ultravox verehrt und wem zudem deren geniale Wiedergänger Jason Lytle (Grandaddy) und die Herren Gibbard und Tamborello (The Postal Service) nicht unbekannt sind, für den hat sich schon vor fünf Jahren eine sehr lohnende Alternative aufgetan.



Da nämlich gründete sich im New Yorker Stadtteil Brooklyn die Synthpop-Formation Nation Of Language, ausgestattet mit feinstem Gespür für geschmeidige, melancholische Melodien und der flauschig weichen Stimme von Ian Devaney. Das Trio legte dann auch mit „Introduction, Presence“ ein derart bezauberndes Debütalbum vor, dass manche der besagten Originale, ganz ohne bösen Willen, erstaunlich schnell vergessen waren. Ja, und nun gibt es also einen zweiten Schwung Nostalgieware. Diesmal ein wenig krautrockiger – Devaney nimmt zusammen mit Aidan Noell und Michael Sui-Poi nach eigener Auskunft sogar Bezug zur synthetischen Avantgarde der Gründerjahre, namentlich auf die Amerikanerin Laurie Spiegel, die seit den 70ern als Pionierin in Sachen Maschinenmusik gilt (und die wir ohne diese Erwähnung wohl niemals kennengelernt hätten).



Das wichtigste Erkennungsmerkmal der Band – die erhabenen, auserlesenen Melodien also – bleibt natürlich weiterhin gewahrt, auch auf „A Way Forward“ finden sich reichlich Songs zum Tanzen und/oder Schwelgen. So zum Beispiel das wunderbare Doppel „Across That Fine Line“/„Wounds Of Love“, ersteres markiert zu munter pluckernden Beats den zarten Moment, wo aus Freundschaft Liebe wird, letzteres beklagt zu getrageneren Klängen die Unauslöschbarkeit des Verlustschmerzes nach Beendigung derselben. Bei „The Grey Commute“ zeigt sich Devaney erstmals vorsichtig politisch, indem er mit den Nachwirkungen der Trump-Ära abrechnet, „This Fractured Mind“ und „Former Self“ wiederum thematisieren die Veränderung des Selbst durch die Widrigkeit der äußeren Umstände, der Sound mal lässig, mal mit cineastischem Drama. Ein Album, auf dem man nichts vermisst, der viel zitierte Blick zurück nach vorn, ganz ohne jede Peinlichkeit.



Donnerstag, 11. November 2021

Rosalía: Ziemlich dringend [Update]

Viel ist es noch nicht, was wir an Neuigkeiten haben, aber die Schlagzeile steht soweit schon mal und das ist ja jetzt auch nicht wenig: Rosalía hat ein neues Album angekündigt, 2022 soll es kommen und auf den Namen "Motomami" hören. Der dringlich erwartete Nachfolger für das vor vier Jahren veröffentlichte "El Mal Querer" erscheint auch nach einer Reihe von eigenständigen Kollaborationen, so zum Beispiel mit James Blake, Billie Eilish, Oneohtrix Point Never, Tokischa, Travis Scott und und und ...

Update: Und da ist sie, die erste neue Single - "La Fama" featuring The Weeknd und dem Machetenmann Danny Trejo.