Samstag, 17. April 2021

Peter Muffin Trio: Freischwimmer auf Langstrecke

"Richtig geil und richtig scheiße zugleich" - damit kann man was anfangen. Das markige Urteil ist laut Glitterhouse Records von Caroline d'Orville und Philipp Knoth überliefert und meint nichts anderes als die Meinung der beiden zum Namen des Debütalbums ihrer Band Peter Muffin Trio. Das nämlich hatte der dritte im Bunde, Julian Knoth, kurzerhand "Stuttgart 21" genannt - Ende Juni soll es erscheinen. Nun ist das Punk-Trio aus der schwäbischen Landeshauptstadt um griffige Titel nicht verlegen, ihre letzte EP hieß schließlich "Dose Scheiße". Sorgen muss man sich dennoch keine machen, die Platte aus dem Kosmos von Karies, Die Nerven, Timbeau und Yum Yum Club kann, so das Label, durchaus mit vielversprechender Wandelbarkeit aufwarten, man findet darauf Drei-Akkord-Kracher ebenso wie melancholischen Songwriter-Pop, Diskursmusik und sogar Jazzanklänge. Und wer bei der ersten Single "An allen Tagen" nebst Streichelzoo-Video an die fabelhaften Screenshots denken muss, liegt so weit nicht daneben, produziert hat beide Bands nämlich Nicolas Epe im Kölner Bear Cave Studio. Julian Knoth zum Debüt: "Auf der Platte gibt es einige Texte, die persönlicher sind als alles, was ich vorher geschrieben habe. Bei Die Nerven schreibe ich ja nicht alleine und da haben wir eine besondere Textsprache, die bewusst vieles im Vagen hält was ich sehr mag. Aber ich wollte mich mit Peter Muffin immer ein wenig Freischwimmen davon. Mit Philipp und Cali an der Seite habe ich jetzt eine tolle, sehr vertraute Arbeitsatmosphäre, wo ich mich das vielleicht auch mehr traue. Außerdem schreibe ich jetzt seit gut zehn Jahren auf Deutsch und habe so langsam das Gefühl, ich weiß, was ich da tue."



Freitag, 16. April 2021

Messer vs. Toto Belmont: Rückbau als Chance

Messer (von links): Milek, Pogo McCartney, Hendrik Otremba, Philipp Wulf
Man hört ja oft zu Recht, in Zeiten der Pandemie werde die Welt des eigenen Erlebens ein ganzes Stück kleiner. Um so wertvoller sind dann die kurzen Momente, die den Blick weiten, den Geist öffnen können - sei es durch Literatur, Film oder Musik. Oder durch ein Gespräch. Die Münsteraner Band Messer hat gerade einen Dub-Remix auf Albumlänge ihrer letzten Studioplatte "No Future Days" veröffentlicht, entstanden zusammen mit dem finnischen Freund, Musiker und Produzenten Kimmo Saastamoinen alias Toto Belmont. Der Umbau war radikal und unter Lockdown-Bedingungen manchmal eine Herausforderung, das Ergebnis ist überraschend und faszinierend zugleich. Und zwar nicht nur für die Zuhörer*innen, auch die Band ist von der Dekonstruktion der Tracks und den neuen Eindrücken nachhaltig begeistert. Ein Stück von dieser Freude einzufangen, haben wir (in München) uns via Zoom mit Sänger und Texter Hendrik Otremba (in Berlin) und Drummer Philipp Wulf (in Hamburg) getroffen und in dieser maximalen Dreieckskonstellation über die Wiederkehr alter Ideen, die Kraft des Dub, Rückkopplungen und die beseelende Wirkung der Tanzmusik gesprochen.

Wenn ich behaupte, ich hätte zu dieser neuen Dub-Version von „No Future Days“ einen weitaus besseren Zugang als zum Original, wie geht Ihr damit um?

Hendrik: Das geht mir genauso (lacht) …
Philipp: Für mich ist das neue Album tatsächlich eines, dem ich mich ganz anders nähern, das ich fast wie ein Stück fremde Musik hören kann. Für meinen Teil liegt das hauptsächlich daran, dass Kimmo die Platte neu zusammengesetzt hat und ich mich nicht in einem eigenen Spiel wiedererkenne. Schlagzeug und Percussion kommen nur noch als Samples in einem elektronischen Setting vor. Zumal das Analytische beim Hören wegfällt, was mich bei den eigenen Songs immer begleitet, solange man seinen Part als Musiker betrachtet. Daher fühlt sich die Platte wie ein Geschenk an: Kimmo hat unsere Platte in einen Sound verwandelt, auf den wir beide total stehen, bei dem ich aber niemals gedacht hätte, dass der im „Messer-Kosmos“ einen Platz finden könnte.
Hendrik: Das empfinde ich ähnlich – Kimmo hat uns da den Genuss des eigenen Schaffens zurückgegeben. Ich gehöre ja nicht zu den Leuten, die meinen, dass sie ihre eigenen Sachen nicht hören können, das halte ich für ziemlichen Quatsch. Klar gefällt mir manchmal mein Gesang nicht so gut oder ich finde einen Text scheiße, aber es gibt eben auch immer wieder Momente, die mich begeistern. Das hier ist aber etwas völlig Neues und es ist gar nicht so leicht, das zu beschreiben. Zum einen ist da so ein Vertrautheitsgefühl, andererseits hat die Musik aber auch eine Eigenständigkeit, auch deshalb, weil es nicht nur ein Song und ein Remix ist, sondern weil Kimmo so viele Stücke bearbeitet hat. Mir geht es beim Hören so, als würde ich mich auf der anderen Straßenseite laufen sehen und zwar in Klamotten, die ich gar nicht besitze. Und die mir dennoch gefallen.



Um beim Thema zu bleiben – wie klingen in diesem Zusammenhang dann die alten Platten für Euch?

Philipp: Es kommt eigentlich eher selten vor, dass ich mir unsere alten Platten anhöre. Viele Songs spielt man im Laufe der Jahre ja ohnehin ständig und wenn man sie eine Weile spielt, dann verändern sie sich nach und nach. Erst wenn man dann mal wieder eine ältere Platte hört, wird einem bewusst, wo und wie man mittlerweile vom Ursprung abweicht. Und es ist spannend, Stücke zu hören, die nicht zur Setlist gehören, die haben dann tatsächlich etwas angenehm Fremdes an sich. Und wo du gerade nach alten Platten fragst: Interessanterweise hatten wir nach den Aufnahmen zu unserem ersten Album „Im Schwindel“ den Plan, eine Art experimentelle, elektronische Kraut-Platte zu machen. Die sollte den Namen „No Future Days“ tragen. Wir haben dann ein paar schrottige Skizzen dafür aufgenommen, aber dann fielen uns plötzlich die Songs für „Die Unsichtbaren“ in den Schoß und der Plan wurde verworfen. Als wir fürs vierte Album einen Namen suchten, kam der Titel dann wieder auf – viel zu gut, um ungenutzt zu bleiben. Die Ironie der Geschichte ist, dass Kimmo jetzt mit der zugehörigen Dub-Platte quasi unseren Anspruch von damals verwirklicht hat.
Hendrik: Mich fasziniert vor allem, dass „No Future Days“ zuerst für uns eher so ein aufgeladenes Konstrukt war, mit Bezügen zu Punk und zum Album von CAN, aber heute und nach all den Jahren hat die Idee einen völlig anderen Kontext bekommen. Plötzlich haben dann Begriffe eine ganz neue Bedeutung, die man zuvor noch gar nicht angedacht hatte. Das passiert übrigens nicht nur, wenn man Bücher schreibt oder Musik macht, sondern auch beim Rezipieren – wenn wir beispielsweise Filme nach zwanzig Jahren wieder anschauen und ganz andere Seiten entdecken oder auch damit gar nichts mehr anfangen können. Das ist für mich ein ganz ähnliches Erleben.

"Mir geht es beim Hören so,
als würde ich mich auf der anderen Straßenseite
laufen sehen und zwar in Klamotten,
die ich gar nicht besitze.
Und die mir dennoch gefallen."


Kann es auch sein, dass die Zeit vielleicht noch nicht reif dafür war? Wenn man sich „Jalousie“ anhört, dann ist diese Platte ja schon deutlich elektronischer, experimenteller geworden, möglicherweise hat es ja dieses Zwischenschrittes bedurft, um jetzt umso konsequenter zu sein?


Philipp: Es war jedenfalls so, dass wir die Arbeit mit Synthesizern und Drumcomputern zwar spannend fanden, aber noch nicht wirklich beherrscht haben.
Hendrik: Das stimmt schon, aber ich glaube, dass das Vergangene immer eine Form des Übergangs zu dem ist, was jetzt gerade passiert. Zudem wäre ich vorsichtig mit dem Begriff der Entwicklung, weil ja bei „No Future Dubs“ das Prägende gar nicht von uns selbst stammt, sondern eben von außen. Kimmo hat ja etwas zu Tage gefördert, was wir eigentlich nur angelegt hatten, das macht die Sache für mich so speziell.

Wer war denn die treibende Kraft hinter der Idee des Dub-Albums?

Philipp: Den Impuls hat Kimmo gegeben. Erstmals war er für einen Remix von „Anorak“ in Erscheinung getreten, den er als klassische Dub-Techno-Nummer geremixt hat. Und weil er Lust hatte weiterzumachen und ihm „No Future Days“ gut gefiel, hat er dann im Lockdown um die Spuren des ganzen Albums gebeten. Weil er anfangs nur die „Anorak“-Spuren hatte, hat er sich zunächst an eine weitere Version davon gemacht. Deswegen gibt es jetzt die komplett verschiedenen Fassungen „A No. 2“ und „A No. 3“. Mit letzterem hat er uns allen dann so sehr die Schuhe ausgezogen, dass schnell die Idee aufkam, eine ganze Platte mit Dubs zu machen. Und ab dann schickte er regelmäßig neue Mixe rüber, über die wir uns dann ausgetauscht haben. Und ich erinnere mich an WhatsApp-Chats, in denen er nach der Bedeutung einzelner Worte fragte oder an welcher Stelle man Sätze abschneiden könne, ohne sie dem Sinn nach ganz zu entstellen.



Wieviel wurde denn von den Original-Tapes verwendet? Mussten Sachen neu eingespielt werden, die Vocals beispielsweise?

Philipp: Das ist witzig, dass Du fragst, ich finde nämlich auch, die Vocals klingen, als wären sie für diese Platte aufgenommen worden.

Ja klar, ich war fest davon ausgegangen, dass Hendrik da an vielen Stellen noch mal neu einsingen musste …

Hendrik: Nee, absolut gar nix. Meine These lautet ohnehin, dass Kimmo meine Stimme per Autotune so bearbeitet hat, dass sie zur Abwechslung mal gerade, im Takt und harmonisch wirkt.
Philipp: Er hat oft die Geschwindigkeit der Songs geändert – also auch die Gesangsparts mal schneller, mal langsamer laufen lassen …
Hendrik: (lacht) Das wusste ich noch gar nicht!
Philipp: Ansonsten hat Kimmo teilweise Bass-Parts ergänzt und einige Synthesizer eingespielt, viele der Synthies und Orgeln stammen aber auch von unserer Platte, sind dort aber nicht so laut hörbar. Mileks Gitarren wiederum spielen auch auf der Dub-Platte eine wichtige Rolle. Den Rest hat Kimmo virtuos aus Samples zusammengesetzt.

"Wir wollen immer, dass etwas geschieht,
sich etwas Neues ergibt mit den Dingen,
die wir machen – so gesehen
hat sich das quasi aus der Logik von Messer
heraus schon entschieden."


In so einer Produktion wird ja das Original komplett umgearbeitet und anders geordnet, die Prioritäten werden neu vergeben. Die Stimme beispielsweise fungiert ja hier eher als zusätzliches Instrument, tritt in den Hintergrund. Ist das eigentlich okay für Dich, Hendrik? Schließlich hast Du Dir ja bei den Texten einiges gedacht …

Hendrik: Ja, das ist mehr als okay. Schon allein deshalb, weil es das Original mit „No Future Days“ ja noch gibt. Würde das eine das andere ersetzen, fände ich das schon komisch. Ohnehin geht es mir bei Messer so, dass ich viele Texte im Moment des Entstehens gar nicht so sehr hinterfrage, ich bin da eher bei John Cage, der gesagt hat: „Never create and analyse at the same time. They’re different processes.“ Das wirklich Spannende für mich ist eher, dass Kimmo als Nicht-Muttersprachler die Dinge neu zusammensetzt und ich daraufhin wieder eine andere Bedeutung entdecken kann. Bei „Tiefenrausch IIb“ zum Beispiel, das ja für mich eine sehr persönliche Komponente und einen familiären Bezug besitzt, hat diese neue Tiefe und Sanftheit für mich eine zusätzliche Ebene aufgemacht, die es vorher nicht hatte.

Du setzt Dich dem also bewusst aus?

Hendrik: Absolut, ja.

Es hätte ja auch genauso gut sein können, dass bestimmte Eitelkeiten mit hineinspielen …

Hendrik: Eitelkeiten gibt es bei Messer in jedem Falle auch, das will ich gar nicht leugnen. Aber die Band gibt es jetzt seit über zehn Jahren, die Freundschaften noch länger, und wir haben als Band gelernt, im Laufe der Jahre damit umzugehen und finden mittlerweile einen guten und unterhaltsamen Umgang mit solchen Sachen. Überhaupt stand und steht diese Offenheit für uns als Band grundsätzlich nie zur Disposition. Wir wollen immer, dass etwas geschieht, sich etwas Neues ergibt mit den Dingen, die wir machen – so gesehen hat sich das quasi aus der Logik von Messer heraus schon entschieden.
Philipp: So eine produktive Neukontextualisierung der Texte gibt es auch bei „Versiegelter Dub II“: Wo im Original die Zeile „… stellen die Einsamkeit zur Schau“ nur einmal beiläufig vorkommt, erhält sie in der Dub-Version jetzt einen zentralen Platz und illustriert plötzlich die Lockdown-Situation der Vereinzelung.
Hendrik: Planen lässt sich so etwas eigentlich kaum, wir sorgen nur dafür, dass mit unserer Offenheit und der Bereitschaft, eben nicht starr einem Konzept zu folgen, solche Dinge möglich werden.



Nun hat „No Future Days“ auch eine gewisse Nähe zu Deinem Buch, Hendrik, manche/r hat beim Anhören der Platte Bilder und Bezüge aus „Kachelbads Erbe“ im Kopf. Durch die „No Future Dubs“ ändern sich für mich auch diese Bilder wieder, verweist die Deepness des Sounds auf die Cryo-Flüssigkeit, auf stickige Temperaturen und anderes. Seht Ihr solche Rückkopplungen eigentlich auch?

Philipp: Ich bin ja sozusagen Erstrezipient von Hendriks Texten und obwohl ich ahne, dass er überhaupt nicht mit der Intention herangeht, das Buch zur Platte oder umgekehrt zu machen, und obwohl Literatur und Musik schwer zu vergleichen sind, scheint es mir, dass bestimmte Dinge, spezielle Atmosphären da in Wechselwirkung treten. Bei „Tod in Mexiko“ beispielsweise entwickelt sich durch die Musik ein Vibe, den man gefühlsmäßig auch mit Hendriks Hauptfigur in Verbindung bringen kann. Und die neue Fassung „Mexiko“ hat vielleicht sogar eine noch stärker cineastische Qualität.
Hendrik: Mir gefällt der Begriff der Rückkopplung ganz gut, aber ich würde es eher als ungewolltes Feedback beschreiben wollen. Weil in der Regel keine Absicht dahintersteckt. Aber es ist schon so, dass mit dem entsprechenden Abstand Bilder aus dem Roman durch diesen neuen Sound deutlicher zu Tage treten.

Hendrik, Du schreibst ja nicht nur und machst Musik, sondern Du zeichnest zum Beispiel auch viel – sind denn da zukünftig noch mehr Überschneidungen zu erwarten? Stichwort Graphik Novell vielleicht?

Hendrik: Wenn ich an das erste Buch denke, dann kann ich mir dazu einen Zeichentrickfilm für Erwachsene sehr gut vorstellen. Im Juni mache ich aber – und das spielt da ganz gut rein – für das Center For Literature auf der Burg Hülshoff in der Nähe von Münster an drei Abenden performative, szenische Lesungen. Das Ganze findet im Rahmen des Dark Magic Festivals statt, ich werde dort von P.A. Hülsenbeck (Ex-Sizarr) und meinem Bruder Dominik Otremba alias Performance begleitet, es gibt eine 3-D-Animation, es gibt Tanz und ich werde sogar maskiert auftreten. Auch das ist für mich eine Art Remix, ein Rückbau des Buches, weil ich nicht nur aus dem Roman selbst vorlese, sondern auch aus Notizen, Tagebucheinträgen und den Quellen, die für den Roman wichtig waren. Und das ist wiederum mit dem Dub-Album ganz gut zu vergleichen: auch hier geht es um einzelne Bestandteile, ihre Herkunft und um das, was Neues daraus entstehen kann.

Abschließend vielleicht doch noch mal zurück zum Sound der Platte – „A No. 3“ ist nicht nur auf dieser Platte der vielleicht radikalste Track, so sehr Tanzmusik wie kaum ein anderer, den man mit Messer vielleicht am wenigsten in Verbindung gebracht hätte. Independent-Künstlern wie Euch unterstellt man ja gemeinhin ein eher zwiespältiges Verhältnis zur Tanzmusik im Allgemeinen – würdet Ihr das entkräften wollen? Ist das also etwas, was Ihr generell immer wieder machen würdet?

Hendrik: Also – wenn es mal dazu kommt, dass die Gruppe Messer tanzen geht, dann bleibt kein Auge trocken!
Philipp: Das ist natürlich eine Frage der musikalischen Sozialisation: Wie man Musik für sich entdeckt und auch älter und offener wird, wie sich das Lebensgefühl wandelt, das sich in der eigenen Musikwahl spiegelt. Und es hat auch viel mit meiner Freundschaft zu Kimmo zu tun. Als wir uns vor 14 Jahren kennenlernten, haben wir beide in Hardcore-Bands gespielt und waren Straight Edge. Gerade eine derart eingehende Hardcore-Sozialisation nimmt ihren Ausgang in dem Gefühl, etwas unglaublich Spezielles, Exklusives entdeckt zu haben, etwas, das keine Sau kennt, einem selbst aber total entspricht. Zugleich folgte daraus nicht unbedingt eine krasse Engstirnigkeit. Schon als Teenager war mir klar, dass ich noch viele Musikstile entdecken würde, aber ebenso sicher war ich mir: Reggae werde ich niemals gut finden! Mit etwa 19 kamen dann Techno und House dazu. Von Münster aus sind Hendrik und ich dann öfters auf die Kompakt-Partys nach Köln gefahren: Total Confusion mit Tobias Thomas und so weiter. Die Auseinandersetzung mit Techno – speziell mit allem, was aus dem Dunstkreis von Hardwax stammt – führte mich dann schließlich über Dub auch zu Reggae. Und diese ganze Befassung lief immer im engen Austausch mit Kimmo. Wir sind da komplett synchronisiert.
Hendrik: Philipp und ich waren im Zug nach Köln auf eine Kompakt Technoparty, als wir uns entschieden haben, die Band Messer zu nennen.
Philipp: Also – Berührungsängste zu Tanzmusik gibt es überhaupt nicht, bei keinem von uns. Das kommt mir richtig abwegig vor.
Hendrik: Ich glaube, dass sich Messer für uns alle immer schon als sehr körperliche Band angefühlt hat, somit ist das schon mit drin bei uns. Mir fällt da passenderweise ein Abend im Freiburger Slow Club ein, wo wir alle zusammen auf Tour eine Nacht durchgetanzt haben. Milek hat da ganz unglaubliche Moves ausgepackt und selbst Pogo hat getanzt – das kommt wirklich nicht oft vor. Aber wenn er es denn wie dort mit diesem einzigartigen, beseelten Lächeln tut, dann bedeutet das ein unfassbares Maximum an guter Laune.

"No Future Dubs" ist bei Turnland Records/Germany erschienen.

Van Holzen: Durchaus wandelbar

Foto: Jaro Suffner
Wer es gern noch etwas düsterer und klaustrophobischer mag, ist vielleicht mit Van Holzen entsprechend bedient. Zumindest, wenn man sich ihre beiden Singles anschaut und -hört, die das Trio aus Ulm in diesem Jahr veröffentlicht hat - "Biss" und "Schlafen" wummern und kreischen mächtig zu monochrom gefärbter Kulisse. Mit dem aktuellen Song "Gras" meint man nun ein Stück der ironischen Seite von Florian Kiesling, Jonas Schramm und Daniel Kotitschke zu erkennen, was ja dann für die Wandelbarkeit der Band spricht. Van Holzen haben nach ihrer selbstbetitelten Debüt-EP aus dem Jahr 2016 bislang zwei Studioalben ("Anomalie"/"Regen") veröffentlicht, gut möglich, dass bald ein weiteres hinzukommt - eine Tour steht jedenfalls (bei günstigen Rahmenbedingungen) noch in diesem Jahr an.

18.11.  Zürich, Kater
19.11.
  Bern, ISC
20.11.
  Stuttgart, Club Zentral
23.11.
  Wiesbaden, Kesselhaus
25.11.
  Saarbrücken, Studio30
30.11.
  Frankfurt, Milchsackfabrik
01.12.
  Köln, Yuca
02.12.
  Hannover, Lux
03.12.
  Bremen, Tower
04.12.
  Hamburg, Goldener Salon
05.12.
  Berlin, Badehaus
07.12.
  Leipzig, Naumanns
08.12.
  Chemnitz, Atomino
09.12.
  Nürnberg, Club Stereo
10.12.
  Wien, B72
11.12.
  München, Strom
16.12.
  Oberhausen, Druckluft
18.12.
  Ulm, Club Schilli 





shatten: Lärm und Reflexion

In genau zwei Wochen wird das Debüt der Hamburger Formation shatten bei Rookie Records erscheinen, wir hatten bereits von der ersten Single "Loecher im Himmel" berichtet. An der wohlwollenden Beurteilung ändert auch Hörprobe Nummer zwei nichts - ganz im Gegenteil, "Katzen fuettern" klingt ebenso wild und ungebändigt und macht Lust auf mehr. Der Song transportiert natürlich auch eine Botschaft, die Band schreibt dazu: "Noch eine Runde! Rasant erzählt 'Katzen fuettern' von Trott und Trotteligkeit. Es beleuchtet hastig Situationen, in denen ein Treppenabsatz als Ort tiefer Reflexion erkannt, in denen die eigene Schuldigkeit nicht allein monumental, sondern gleichsam als Verfängnis des Alltags erfahrbar wird." Nun wäre es schön, könnten wir hier gleich noch die passenden Auftritte von Jonas Kohlschmidt, Stefan Kühl, Kristian Kühl, Danny Steinmeyer und Simeon Melchior vermelden, da ist allerdings aus den bekannten Gründen noch etwas Geduld von Nöten.



The Lathums: Parallel Lines

Als wir zu Beginn dieses Jahres erstmals von der Band mit dem Namen The Lathums hörten, fühlte sich das auch ein wenig wie ein Deja-vu an. Denn irgendwie glaubte man einen solchen verzauberten Erstkontakt schon mal erlebt zu haben - ja, zu Beginn der 90er war das, als sich ein gewisser Fran Healy sich mit seinen melancholischen Songs ohne Umweg in unser Herz schlich. Die vier Herren aus Wigan beherrschen diese Kunst zweifellos ebenso gut, wenn uns nicht alles täuscht, steht ihnen eine ähnlich verheißungsvolle Karriere bevor. Heute jedenfalls gibt es erst einmal die neue Single "Oh My Love" mit einem sehr simplen, aber gleichwohl rührenden Video dazu - unbedingt sollte man sich auch frühere Stücke des Quartetts anhören/-sehen. Wann das dazugehörige Album kommt, ist noch nicht raus, Alex Moore und Kollegen müssen jetzt auch erst mal die bevorstehende gemeinsame Tour mit Paul Weller organisieren.



Donnerstag, 15. April 2021

Methyl Ethel: Vorstellungskraft

Was war das für ein Spaß, als im Jahr 2017 die Single "UBU" erschien und mit Methyl Ethel eine Band auf den Plan trat, die beherzt alle Konventionen mißachtete, wenn sie nicht dem Tanz verpflichtet waren. Die Australier aus Perth haben bis heute drei Alben und mehrere EP veröffentlicht, zuletzt 2020 die 12" "Hurts To Laugh" und die eigenständige Single "Holy Days". Nun ist mit "Neon Cheap" ein ganz frisches Stück am Start und was sollen wir sagen - es wippt wieder mächtig. Jake Webb, Kopf der Band, die live auf ganze sieben Mitglieder anwachsen kann, sagt zur Songidee: "Picture yourself scrolling, mind-numbingly at 3am. Now, instead of scrolling, you’re traipsing some Vegas-like strip. All the events and people you’d normally read about are there as you walk around, inoculated, casually observing. For me, this is ‘Neon Cheap.’” Nun gut, Fantasie ist ja wirklich eine feine Sache, aber auf der Bühne vor Ort wären uns Methyl Ethel irgendwann auch wieder ganz recht ...



Crumb: Geheimnisvoll bis verstörend [Update]

Aufrichtige Freude bereitet uns seit einigen Tagen das Wiedersehen und vor allem -hören mit dem New Yorker Quartett Crumb. Dass Lila Ramani (Gitarre/Gesang), Brian Aronow (Keyboards/Saxophon), Jesse Brotter (Bass) und Jonathan Gilad (Drums) im kulturellen melting pot Brooklyn wohnhaft sind, hätte man wohl 2019 auch ohne nachzulesen erraten, damals veröffentlichten sie ihr Debütalbum "Jinx" und hatten einen mit den vertrackten Grooves und Melodien sofort am Haken. Verwandtschaftliche Bezüge zum Frühwerk von Goldfrapp wollten wir ihnen aus diesem Anlass andichten, den Verweis auf das Filmwerk von David Lynch lieferten sie passenderweise gleich selbst. Vor einigen Wochen nun erschien mit "Trophy" eine erste Rückmeldung, gerade legen sie mit den beiden Tracks "BNR" und "Balloon" nach. Die Videos dazu wie gewohnt geheimnisvoll bis verstörend, was sonst noch folgt, werden wir sicher bald erfahren.

Update: Gesagt, getan - am 30. April erscheint das zweite Album unter dem Titel "Ice Melt" und wird zehn neue Stücke enthalten (Cover Art unten).







Dienstag, 13. April 2021

IDER: Ganz offiziell

Da hatten wir doch gedacht, das wäre es schon gewesen mit den Ankündigungen, aber so richtig los ging es dann doch erst heute: Im Oktober vergangenen Jahres meldete sich das Synthpop-Duo IDER aus Berlin mit einem Lockdown-Song namens "Saturday," zurück, Corona noch in den Knochen, aber schon wieder auf dem Wege der Besserung und voller Tatendrang. Von einem neuen Album allerdings war da noch nicht die Rede, diese Nachricht haben wir also jetzt auf dem Tisch. Denn der Nachfolger zum Debüt "Emotional Education" wird "shame" heißen und begleitet werden von acht Songs (zu denen das letztgenannte nicht einmal gehört). Eine Einstiegssingle haben wir mit "Cross Yourself" auch im Angebot, breakbeatartiger Sound, das wohlbekannte Gesangsdoppel von Lily Somerville und Megan Markwick - das wird sicher etwas Gutes werden.

Tom Jones: Same but different [Update]

Okay, zur unserer eigenen Entschuldigung sei gesagt, dass wir mit dem Namen Tom Jones eher das lustvolle "It'n Not Unsusual" aus den späten Sechzigern verbinden, wallendes Brusthaar, Goldkettchen, Schlafzimmerblick, solche Sachen. Und natürlich keinerlei Ahnung haben von den Unmengen an Alben und Hitsingles, die der Mann aus Wales - ursprünglich mal als Staubsaugervertreter gestartet - unter die Leute gebracht hat. Sei's drum, um so überraschender ist dann ein Song wie der "Talking Reality Television Blues", mit dem Jones dieser Tage aufkreuzt und sein neues Album "Surrounded By Time" ankündigt. Besonderheit Nummer eins: Es ist zum größten Teil ein Coveralbum, Jones singt hier die Songs ein, die er als wegweisend für seine gut fünfzigjährige Karriere sieht. Mit dabei also Bob Dylan, Bobby Cole, Cat Stevens, Michael Kiwanuka und eben auch Todd Snider. Dessen Original des Fernseh-Lamentos allerdings klang dann doch deutlich braver und kam mit hübschen Cartoon-Bildchen daher. Womit wir bei der nächsten, faustdicken Überraschung wären - denn Jones hat seine Version als knirschenden Elektroblues eingespielt und mit einer wild flackernden Drohkulisse aus mehreren Jahrzehnten TV-Geschichte versehen. Das erinnert eher an Jack White oder Gil Scott-Heron und läßt den Mann von mittlerweile 80 (!) Jahren in einem komplett anderen Licht erscheinen. Am 23. April wissen wir dann, wie der Rest der Platte klingt.

19.05.  Siegen, KulturPur Festival
21.05.  Berlin, Tempodrom
15.07.  Graz, Stadthalle
17.07.  Wien, Konzerthaus
29.07.  Köln, Roncalliplatz
13.08.  Kiel, Schleswig-Holstein Musik Festival

Update: Wir können es nicht verhehlen, der Mann überrascht uns weiter - hier kommt eine wunderbar soulige Version von "One More Cup Of Coffee" von Bob Dylan ... gefolgt von der ersten neuen Eigenkomposition "Pop Star".





Montag, 12. April 2021

Dave: Gegensatzpaar

Fast genau vor zwei Jahren kam der Erstling des jungen Londoner Rappers Dave Santan "Psychodrama" heraus und machte ihn in Nullkommanix und mit Recht zum Star - Grime war gerade sehr angesagt und Santan einer der ambitioniertesten Debütanten. Nachdem er mit diesem Album den renomierten Mercury-Prize gewonnen hat, kommt nun endlich Neuware ins Regal und zwar gleich zwei Tracks. "Titanium" u d "Mercury" geben dabei ein gutes Gegensatzpaar ab, schroff und hart der eine, weich und soulful und unter Mithilfe von Kamal der andere Song.Eine Auskunft darüber, ob den Veröffentlichungen bald eine weitere Studioplatte folgt, ist er uns aber einstweilen noch schuldig geblieben.



Lambchop: Gute Musik und gutes Benehmen [Update]

Still sitzen - vielleicht, untätig sein - no way. Kurt Wagner ist wohl niemand, der es längere Zeit im Müßiggang aushält, auch wenn ihn die Umstände dazu ermuntern oder zwingen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er mit seiner Band Lambchop die EP "Trip" mit sechs Coverversionen, eine Tour allerdings war nicht drin. Und weil auch in diesem Frühjahr daran noch nicht zu denken ist, kündigt der Rastlose ein neues Studioalbum an. "Showtunes", so der Titel, soll am 21. Mai bei Merge Records erscheinen und acht neue Stücke enthalten, deren Namen schon mal die Erwartungsfreude ankurbeln - wir lesen also "Papa Was A Rolling Stone Journalist", "Impossible Meatballs" und "A Chef's Kiss", letzteres gibt hier es vorab schon mal zu hören. Bei Musikportal Stereogum findet sich im Übrigen nicht nur eine Liste von Kollaborateuren (Ryan Olson/Gayngs und Poliça, James McNew von Yo La Tengo, Produzent Jeremy Ferguson und der Kölner DJ Twit One), sondern auch Wagners folgendes Statement zur Band als solche in dieser Zeit: "In hindsight, it made perfect sense. The original idea behind Lambchop was: Anyone could be part of Lambchop (so long as they behaved themselves). This revolving-door policy is how the band has grown and contracted through our many years. One of the things that holds Lambchop together, what binds us, is that we are friends with similar likes and an appreciation and respect for what each other does. It’s what has kept this band evolving through time. With this approach, the group has just gotten larger with its members free to come and go, to be a part of the music as the songs and their interest might allow. Just like in the beginning."

Update: Zum zweiten Vorabsong gibt es ein sehr spezielles Video, gedreht hat den Kurzfilm zu "Fuku" der Regisseur Doug Anderson. Wir sehen Stummfilmszenen, Laientheater, verwirrte Darsteller in komisch und befremdlich anmutenden Posen - dazu das experimentelle Stück von Wagner.




Sonntag, 11. April 2021

Outlander: Sonnenuntergang in Überlänge

Für diese Band fehlen dann doch die geeigneten Schubladen, was grundsätzlich ja mal kein Fehler ist. Outlander sind ein vierköpfiges Kollektiv aus dem britischen Birmingham, seit 2016 hat das Quartett neben diversen EP zwei Alben veröffentlicht, ihr Markenzeichen sind überlange, kraftvolle Songs zwischen Slowcore, Doom und Shoegazing-Rock. Für den 25. Juni nun ist via Church Road Records eine neue Single namens "Sundowning" angekündigt, deren A-Seite wir hier vorstellen wollen - die Flipside "Unconditional" folgt dann zu gegebener Zeit.

Melby: Ohne Pause

Neuigkeiten aus der bekanntesten Stockholmer Wohngemeinschaft: Das schwedische Quartett Melby ist mit der Single "Magic" zurück im Spiel, aus dem sie, nimmt man es genau, ja nie richtig raus waren. Erst im Januar dieses Jahres erschien der Song "Old Life", einen Monat später gefolgt von "Somewhere New". Die Häufigkeit, mit der die vier so bezaubernde Stücke aus dem Hut zaubern, lässt darauf hoffen, dass in Kürze mit einem weiteren Album nach "None Of This Makes Me Worry" (2019) zu rechnen ist.



The Early Mornings: Für und wider

Nun, wir können davon ausgehen, dass die Stadt Manchester den dreien keinen Blumenstrauß verehren wird, weil sie Werbung für einen Besuch ihrer Heimstadt gemacht hätten. Sieht man sich die Bilder an, die das Post-Punk-Trio The Early Mornings zu ihrer neuen Single "Blank Sky" zusammengeschnitten hat, bekommt man wenig Lust auf eine Sightseeing-Tour durch die Industriemetropole. Was natürlich auch nicht das vordringliche Anliegen von Danny Shannon, Annie Leader und Rhys Davies gewesen ist. Davon einmal abgesehen, dass Manchester, nehmen wir mal das urbane Kanalviertel, durchaus seine reizvollen Ecken hat. Die Musik der drei kann allerdings durchaus als Empfehlung gelten, denn der kantige Sound aus Sprechgesang und schroffen Gitarren klingt so cool wie die Stadt sicher gern wahrgenommen werden möchte. Der Song stammt übrigens von der EP "Unnecessary Creation", die im Sommer erscheinen soll, wir geben hier noch die Debütsingle "Artificial Flavour" und die Flipside "Just A Picture" dazu.





Freitag, 9. April 2021

Julien Baker: Paperworks [Update]

Das passt tatsächlich schön ins Bild: Gerade haben zwei Münchner Schülerinnen, um der Langeweile des Lockdowns zu entgehen und weil sie die Aktion berechtigterweise für eine ziemlich coole Idee hielten, ein komplettes Zimmer in Zeitungspapier eingewickelt - elf Tage, 61 Stunden hat die ganze Sache gedauert und glaubt man ihren Schilderungen, war es ganz gewiss keine einfache Aufgabe. Das kann allerdings nur der Anfang gewesen sein, denn hört man sich die Geschichte von Regisseur Joe Baughman an, dann haben die beiden Damen noch einiges an Herausforderungen vor sich. Der Mann nämlich hat für den animierten Videoclip zum neuen Song "Hardline" der Künstlerin Julien Baker ganze 600 Stunden an Feinarbeit gebraucht und sicher auch Unmengen von bedrucktem Papier dazu benötigt. Baughman ergänzt: "It was a fun and ambitious challenge creating something that could accompany such a compelling song. The style of the set design, inspired by a sculpture that Julien created, was especially fun to work in. I loved sifting through magazines, maps, and newspapers from the ’60s and ’70s and finding the right colors, shapes, and quotes to cover almost every surface in the video." Das Stück selbst findet sich (wie übrigens auch "Faith Healer") auf Bakers nächstem Album "Little Oblivions", das Ende Februar bei Matador erscheinen soll.

Update: Noch ein gutes Jahr hin bis zur Tour, dennoch schon mal die Termine für die Agenda.

17.04.2022  Hamburg, Fabrik
28.04.2022  Berlin, Festsaal Kreuzberg
30.04.2022  Wien, Arena
01.05.2022  Salzburg, Rockhouse
06.05.2022  Zürich, Bogen F
07.05.2022  Schorndorf, Manufaktur
08.05.2022  München, Technikum
10.05.2022  Köln, Kulturkirche






Paul Weller: Pop mit Nachdruck [Update]

Und wo wir gerade von der zunehmenden Lust an der Elektrifizierung gesprochen haben - die scheint allem Anschein nach auch Mod-Legende Paul Weller erwischt zu haben. Nachdem im vergangenen Jahr aus bekannten Gründen die Promotour für sein Album "On Sunset" abgesagt werden musste, fand der Mann laut Rolling Stone genügend Zeit, das heimische Archivmaterial neueren Datums zu studieren und das gab offensichtlich den Ausschlag, dem oft beargwöhnten Pop noch etwas mehr Platz einzuräumen. Und so soll die nächste Platte denn "Fat Pop (Volume I)" heißen (weil später auch noch ein weiterer Teil folgen soll), Vorabsingle Nummer eins "Cosmic Fringes" pluckert und pocht dann auch erstaunlich gelöst aus den Boxen. Zu Gast auf dem Album sind, wie wir lesen, Andy Fairweather Low, Lia Metcalfe von The Mysterines, Hannah Peel und sogar die eigene Tochter Leah, die wohl für den Song "Shades Of Blue" Zuarbeit leistete. 

Update: Und hier ist dann der Song, bei dem der Nachwuchs half - "Shades Of Blue".



Leoniden: Zurück im Namen der Liebe [Update]

Damit kann man getrost ins Wochenende geschickt werden: Die Leoniden aus Kiel melden sich heute mit einem neuen Track aus der Musikpause zurück und das ganz im Zeichen der Liebe. "L.O.V.E." nämlich heißt der Song, den sie zusammen mit Produzent Markus Ganter aufgenommen haben. Die visuelle Umsetzung der lockeren Tanznummer übernahm ein Design-Kollektiv namens No Talent und weil wiederum für die bewegungstechnische Umsetzung reichlich Publikum geladen werden muss, hängen wir gleich auch noch die geplanten Konzerttermine der Band hintendran - im März sollte das ja wieder möglich sein.

06.09.  Hamburg, Große Freiheit 36
07.09.  Hamburg, Große Freiheit 36
10.09.  Wiesbaden Schlachthof
11.09.  Stuttgart, Im Wizemann
12.09.  Köln, E-Werk
14.09.  Wien, Arena
16.09.  Salzburg, Rockhouse
17.09.  Winterthur, Salzhaus

18.09.  Bern, Dachstock
20.09.  Leipzig, Täubchenthal
21.09.  München, Muffathalle
22.09.  Berlin, Astra
23.09.  Osnabrück, Hyde Park
24.09.  Bremen, Schlachthof

Update: Das Begräbnis also, an dem keiner Schuld, wo niemand dabei sein will - die neue Single der Leoniden heißt "Funeral". Und die findet sich auf dem jetzt benannten Doppelalbum "Complex Happenings Reduced To A Simple Design", das am 20. August 2021 erscheinen wird. Und die Tourtermine sind auch auf dem neusten Stand ... Nachgereicht und neu angemeldet - die Singles "Disappointing Life" und ganz neu "Blue Hour".








Slut: Runderneuert [Update]

Na ja, Humor haben sie ja. Bei Facebook hatten Slut 2019 ein Foto gepostet, an das der Hashtag #gibtsdienoch geheftet war. Klar, das wissen die vier Herren aus Ingolstadt schon selbst, dass sie sehr lang nichts mehr von sich hatten hören lassen. Ganze sieben Jahre ist die Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums "Alienation" her, da gerät schon mal in Vergessenheit, dass Slut hierzulande zu den stilbildenden Gitarrenbands der 90er gehörten und mit "Easy To Love" und "Time Is Not A Remedy" ganz vorzügliche Singles am Start hatten. Geschichte, schöne. Danach kamen dann Pelzig und Gender Bombs, Bühnenwerke, Schallnovellen und ähnliche Dinge, aber ein Album war nicht dabei. Das soll nun 2020, so verspricht die Band, definitiv anstehen, eine erste Vorabsingle ist mit dem heutigen Tag auch schon draußen und hört man in "For The Soul There Is No Hospital" rein, glaubt man den vollmundigen Versprechungen der Promoagentur, Slut hätten sich grundlegend gewandelt. Erster Eindruck: Elektronisch, hochmelodisch, ein Hit. Wir warten mit Spannung, was da wohl noch kommen wird, Plattenfakten und Tourdaten jedenfalls sind baldmöglichst versprochen.

Update: Das Video zur ersten Single "For The Soul There Is No Hospital" stammt von Ludwig Noack, die Illustrationen von Bandmitglied und Grafiker René Arbeithuber ... und die gerade digital erschienenen Remixe der Single von Acid Pauli und Console, was dann genaugenommen in Person von Martin Gretschmann ein und dieselbe Quelle ist. In physischer Form erscheinen die Stücke übrigens am Record Store Day ... Und nun haben wir auch die restlichen Fakten auf dem Tisch: Am 18. Juni soll das Album mit zehn Stücken und dem Titel "Talks Of Paradise" bei Lookbook erscheinen (Artwork unten), begleitet wird diese Nachricht von der nächsten Single "Belly Call", das Video stammt von Anton Kaun.









Donnerstag, 8. April 2021

Alan Vega: Nachlassverwaltung [Update]

Musik zu entdecken, die wirklich neu, wirklich originell ist, wird im Laufe der Jahre immer schwieriger  - alles war im Grunde schon mal da, kommt einem vor wie die Kopie der Kopie der Kopie, wiederholt sich. Das war schon vor fünfzig Jahren so, auch wenn es damals sehr wohl noch Sounds und Ideen gab, die herausragten, tatsächlich überraschten, Türen aufstießen. Und zweifellos gehörten Alan Vega und Martin Rev mit der No-Wave-Formation Suicide zu diesen seltenen Beispielen, sie waren das, was man heute einen Gamechanger nennt. Vega ist 2016 gestorben, sein Nachlaß soll riesig sein und blieb bislang der Allgemeinheit verschlossen - es könnte allerdings sein, dass sich das gerade ändert. Denn das Label Sacred Bones hat heute die Veröffentlichung eines Albums mit dem Titel "Mutator" angekündigt, dass zu großen Teilen aus den originären Masterbändern der Mitte der 90er aus Vegas Archivs stammt und nun von Liz Lamere, seiner Ex-Frau, und seinem engen Freund Jared Artaud (The Vacant Lots) zur finalen Produktion bearbeitet worden ist. Das darf man ruhig eine kleine Sensation nennen, sich sich vielleicht im Zuge der zukünftig noch anstehenden Releases etwas relativieren könnte. Acht Stücke wird die Platte, geplant für den 23. April, enthalten, und mit "Nike Soldier" gibt es schon mal den passend unterkühlten Vorgeschmack dazu - das Video unter Regie von Jaqueline Castel zeigt im Übrigen Kris Esfandiari (Dalmatian, King Woman, Sugar High, NGHTCRWLR).

Update: Und hier kommen mit "Fist" und "Filthy" zwei weitere Songs vom geheimnisvollen Album. 




St. Vincent: Hinter den Fassaden [Update]

Natürlich geht auch hier der Tag nicht zu Ende ohne die Meldung vom neuen Album von St. Vincent. Dass eines kommen würde, waberte schon wochenlang als Gerücht durch die Gänge, heute nun gab es endlich belastbares Datenmaterial dazu und das hört sich folgendermaßen an: "Daddy's Home", so der Titel des Nachfolgers von "MASSEDUCTION" (2017) wird am 14. Mai bei Loma Vista erscheinen und elf Stücke enthalten. Die erste Auskopplung "Pay Your Way In Pain" ist ein ziemlich extrovertierter Stomp im Stile der 70er, das Video dazu schlägt in die gleiche Kerbe. Dieser Sound wird das ganze Album bestimmen, so Annie Clark, inhaltlich soll die Platte als eine Art Geschichtensammlung funktionieren: "Daddy’s Home collects stories of being down and out in downtown NYC, last night’s heels on the morning train. Glamour that’s been up for three days straight." Gehen wir mal davon aus, dass sich hinter diesen Stadtansichten ein paar Abgründe, ein paar Reizthemen verbergen, es wäre ja sonst nicht St. Vincent.

Update: Die zweite Auskopplung aus dem Album heißt "The Melting Of The Sun" und kommt mit einem bunten Cartoon-Clip mit Animationen von Chris McD.