Freitag, 19. April 2019

Frank Carter and The Rattlesnakes: Mit der Brechstange [Update]

Das Ende aller Leiden, wer wünscht sich das nicht. Wie's zu bekommen ist, darüber gibt es naturgemäß verschiedene Ansätze und nicht alle sind angenehm und leicht zu verwirklichen. Eine Möglichkeit, wenn auch sehr wörtliche und weniger nachhaltige ist der Kauf des neuen, dritten Albums von Frank Carter and The Rattlesnakes, denn deren neues Album "End Of Suffering" soll am 3. Mai erscheinen. Abgemischt wurde es von Alan Moulder, das Label verspricht nicht weniger als einen "akustischen Molotow-Cocktail" - die erste Single "Crowbar" ist laut Carter von Unruhen in den Pariser Banlieues inspiriert, den Clip dazu drehte Ross Cairns.

16.03.  Nürnberg, Z-Bau
04.04.  Hannover, Bei Chez Heinz
05.04.  Bochum, Matrix Club
20.07.  Cuxhaven, Deichbrand Festival

Update: Nicht mehr lang hin bis zur Veröffentlichung - heute gibt es zum Warmwerden ein weiteres Video, nämlich das zur Single "Anxiety".



Fat White Family: Ambition mit Hirn

Fat White Family
„Serfs Up!“
(Domino Records)

Das eigentlich Erstaunliche ist ja der Umstand, dass es ein drittes Album der Londoner Band überhaupt gibt. Im Zuge der Veröffentlichung von „Serfs Up!“ kamen die Brüder Lias und Nathan Saoudi nicht umhin, im Auftrag ihres neuen Label etwas Promotion zu betreiben, sie plauderten also ein wenig über vergangene Zeiten, vor allem über die nach Fertigstellung des Vorgängers „Songs To Our Mothers“ und man mußte nicht groß zwischen den Zeilen lesen können, um zu erfahren, dass es in dieser Zeit nicht gut um die Geschicke der fetten Familie stand. Drogenexzesse, Streitereien, Rausschmisse, die Post-Punk-Formation, die bis dahin keiner Provokation aus dem Weg gegangen war, sah sich plötzlich mit existenziellen Problemen konfrontiert, nichts ging mehr. Doch sie haben sich nach einigen Irrwegen zusammengerauft, sind in ein kleines Studio nach Sheffield gezogen, wo die Ablenkung der Megacity London beim besten Willen nicht zu haben war. Man nennt das wohl Konzentration auf das Wesentliche und sie haben sich wirklich bemüht, doch erst als Saul Adamczewski wieder mit an Bord und für das Saxophon Alex White gewonnen war, war kreative Kern beisammen, der das neue Album prägen sollte.



Und das ist erstaunlich abwechslungsreich geworden. Nicht im Sinne einer allzu leichten Verdaulichkeit, aber für ihre Verhältnisse experimentieren die Fat Whites mit einer Vielzahl an Stilen und Soundelementen, lassen Pop, Funk, Jazz und Dub mit Finesse und Verstand ineinanderfließen. Mehr als zuvor spielt Nathan Saoudis Keyboard eine (jetzt gleichwertige) Rolle, kommen zudem jede Menge neue Instrumente und Effekte zum Einsatz und vermitteln so den Eindruck, man habe sich diese neue Variabilität als eines Art Bibelspruch über die Studiotür genagelt. Der Opener „Feet“ eröffnet als dunkel pumpender Dancetrack mit anschmiegsamem, souligem Klang, bevor die hinzugekommenen Streicher kratzenden Gitarren das Feld räumen müssen, darauf folgen Synthrock-Mashups, smoother Barjazz, Psychgitarren und zarte Kammermusik. Mal zuckt es wild und unentspannt, mal bestimmen lässig swingende Westernmelodien das Bild, Bläser ertönen und selbstverständlich darf auch ein Engelschor nicht fehlen.



Die Provokationen sind auf „Serfs Up!“ eher zurückhaltend, subversiver platziert, Herr Goebbels muß diesmal draußen bleiben, dafür streichelt Kim Jong-Un zärtlich den roten Raketenknopf („Kim’s Sunsets“), gibt’s versteckte Anspielungen zu falsch verstandener Maskulinität (wie bei den heillos zerstrittenen Kollegen Idles und Sleaford Mods das große Thema also auch hier), Gewalt und Sexualität wiederum mischen sich bei „Feet“ zu skurrilem Kopfkino. Einen schönen Satz zum veränderten Ansatz und sein Vorbild Jean Genet hat Lias Saoudi gerade dem Netzportal The Quietus diktiert: „Genet war der lyrische Grundstein für dieses Album. Es gibt bei seiner Art zu Schreiben ein Element, bei dem du dein Hirn einschalten mußt, sonst bleibt alles ohne Sinn. Du musst dich darum bemühen. Vielleicht ist das anmaßend, aber etwas Ähnliches auf einem Pop-Album zu machen, war eine Sache, die ich gern versuchen wollte." Oder aber man bricht seine Einstellung auf ein paar einfachere Worte herunter, wie es sein Bruder an gleicher Stelle kurze Zeit später tut – ein Satz, der ohne Übersetzung noch klarer kommt: “Our ambition is to not be shit.“ Beides ist ihnen mit dem Album ausnahmslos gut gelungen. https://www.fatwhitefamilymusic.com/

02.06.  Hamburg, Molotow
03.06.  Berlin, Bi Nuu

Donnerstag, 18. April 2019

Sleaford Mods: Mia san Mods!

Eine schöne Geschichte mit einem kleinen Haken: Erst kürzlich haben wir von einem wirklich sehr gelungenen Gig unserer All-Time-Favorites Sleaford Mods in Manchester geschrieben - die beiden Jungs quasi einmal in ihrem Wohnzimmer zu erleben ist tatsächlich etwas besonderes. Geht aber auf Dauer ins Geld, besser wäre es schon, sie kämen daheim vorbei. Eine Bühne und ein paar Bierkästen lassen sich ja auch jederzeit in München auftreiben. Aber vielleicht kann eine kleine Entscheidungshilfe ja nicht schaden - also auf in die Stadt und alles an SM-Tags fotografiert, was vor die Linse kommt. Nun weiß jeder Münchner, besonders wenn er Anhänger eines bestimmten Fußball-Vereins ist, dass daran in bestimmten Gegenden kein Mangel ist und also dass wir hier ein wenig geschummelt haben. Was soll's, der Zweck heiligt schließlich die Mittel und seine Wirkung hat die Aktion nicht verfehlt - schon am nächsten Tag gab's neue Termine der Mods - Jason Williamson und Andrew Fearn werden ihr Album "Eton Alive" im Herbst auch außerhalb von Berlin noch einmal vorstellen. Wahre Liebe halt, beiderseits.

14. - 16.06.  Mannheim, Maifeld Derby
11.09.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
16.09.  München, Backstage
18. - 21.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
22.09.  Hannover, Faust, 60er Jahre Halle

She Drew The Gun: Nachholbedarf

Auch wenn wir ihr letztes Album hier dann doch unterschlagen haben, diese Single wollen wir nicht unterschlagen: She Drew The Gun, Projekt der Liverpooler Songschreiberin Louisa Roach, hat für ihre zweite Platte "Revolution Of Mind" im vergangenen Jahr viel Lob eingefahren, heute schickt sie für Single Nummer drei "Paradise", einen wunderschönen Indie-Heuler, ein Video hinterher, zuvor waren schon "Resister" und "Something For The Pain" erschienen. Eine Chance, die Frau aus nächster Nähe zu sehen, gibt es übrigens noch - im Juni kommt sie noch einmal nach Berlin.

04.06.  Berlin, Auster Club





Mittwoch, 17. April 2019

Flying Lotus: So geht Gästeliste

Da machen manche Künstler ein riesiges Bohei, wenn ihnen Promi X oder Star Y aus lauter Langeweile mal einen lauen Furz auf den Anrufbeantworter geschickt hat, nennen das dann ein Featuring und sind stolz wie Bolle. Danke für nichts. Denen sollte man am 24. Mai unbedingt das neue Album von Flying Lotus vorspielen, denn dort zeigt sich, was eine wahre Gästeliste ist, wer sie alle bekommt, ohne zu rufen und die besser daheim versauern läßt, die nicht gebraucht werden. Die Payroll zu "Flamagra", dem sechsten Werk des Mannes aus Los Angeles führt nämlich folgende Personen: Anderson .Paak, George Clinton, Little Dragon, Denzel Curry, Shabazz Palaces, Thundercat, Thierra Whack, Toro Y Moi und Solange - da wird so mancher sicher grün vor Neid beim Buchstabieren. Aber einen haben wir noch, denn für die erste Video- bzw. Singleauskopplung "Fire Is Coming" hat sich auch noch David Lynch unter die Tiermeute gemischt, es wird also verrückt. Ganze siebenundzwanzig Songs finden sich auf der Platte, erscheinen wird sie bei Warp Records.

Stereo Total: Auf ewig alles wie früher

Das hatte man ja nicht so recht glauben wollen, dass die beiden zusammen mit einem alt werden könnten - irgendwie wirkten sie immer so, als könne der Zahn der Zeit, wie die Dentisten sagen, ihnen nichts anhaben. Ist natürlich Quatsch, auch Francoise Cactus und Brezel Göring kommen in die Jahre. Dennoch machen sie den Eindruck, als wollten sie immer weitertrashen und natürlich ist das gut so. Wo kämen wir denn ohne sie hin!? "Ah! Quel Cinéma!" wird nun also das neuestes Album (Nummer zwölf immerhin schon) von Stereo Total heißen, am 12. Juli soll es bei Tapete Records erscheinen und der Teaser (siehe unten) führt sorgsam und fangerecht inszeniert in das Werk ein. Vierzehn neue Tracks in auf der Platte enthalten und bei der Nennung der Songtitel wie "Die Dachkatze", "Hass-Satellit" und "Elektroschocktherapie" bekommt man plötzlich wieder Lust, wie wild in der Gegend herumzuspringen. Kann man auch gern tun, denn im Herbst touren die beiden durch Deutschland, Österreich, Schweiz und spätestens dann ist eh alles wieder wie früher.

12.09.  Berlin, Festsaal
02.10.  Leipzig, UT Connewitz
04.10.  Dresden, Scheune
05.10.  Nürnberg, Desi
06.10.  Wien, Fluc
07.10.  München, Strom
09.10.  Zürich,  Exil
10.10.  Karlsruhe, P8
11.10.  Frankfurt, Zoom
16.10.  Köln, Gloria
17.10.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
18.10.  Bremen, Lagerhaus

Dienstag, 16. April 2019

Viagra Boys: Überhaupt nicht korrekt

Viagra Boys
„Street Worms“

(Kosmos Recordings)

Das ist schon verflixt: Die Freude darüber, dass es jemand mit der Political Correctness nicht ganz so genau nimmt, ist nun auch schon wieder ziemlich korrekt und man weiß gar nicht mehr, ob man mit dem Beharren auf künstlerischer Freiheit noch auf der richtigen Seite steht – und wo diese überhaupt ist? Je mehr Gedanken man sich darüber macht, so scheint es, desto schlimmer wirds. Wohltuend deshalb, wenn sich mal wer nach vorn wagt ohne groß zu überlegen. Die schwedischen Viagra Boys geben schon mit ihrem Namen Auskunft darüber, wie sie es mit hehren Begriffen wie sozialer Verantwortung und gesellschaftlichem Bildungsauftrag so halten. Genaugenommen sind das Dinge, über welche die fünf Kerle aus Stockholm eher selten nachdenken, sind sie doch der Meinung, ein jeder sollte den Anspruch zwischen ausgelassener Party und kritischer Hinterfragung mit sich selbst ausmachen – so jedenfalls haben sie es gerade dem OX-Magazin erzählt. Und so klingt auch ihr Debütalbum. Dort wird der Rock noch in fetten Lettern geschrieben, gibt es dreckige Gitarren, werden die Drums wie auf der Gallere gehauen und sind die Texte anständig rüde.



Allerdings steht in ihrer Stellenbeschreibung nicht ohne Grund ein „Post“ vor dem Punk, denn das überraschende Moment ist bei ihnen jederzeit zu haben: Irgendwo kreischt immer ein Saxophon, Sythesizer gehören zum Arbeitsgerät und auch die Texte sind nicht einfach nur böse, sondern auch lakonisch und voller Sarkasmus. Es geht um Psychopathen, Gruppendruck, Männlichkeit natürlich (oder das, was viele darunter verstehen wollen), um Hunde und Sport. Vor allem um Hunde und Sport. Erklären muss man das nicht, Sänger Sebastian Murphy sieht darin keinen großen Sinn: „Das Einzige, was ich über unsere Texte sagen kann, ist, dass wir eigentlich nicht die Absicht haben, mit dem Text zu unterhalten oder eine Botschaft zu vermitteln, aber hoffentlich tun sie beides.“ Besonders gut gelungen sind die Stücke „Sports“ und „Just Like You“, außerordentlich unterhaltsam die unfreiwillige Ludwig-Hirsch-Hommage „Worms“. Murphy spinnt hier das Bild von der fortschreitenden Verwesung weiter zu seinem Verständnis von Égalité: „The same worms that eat me will someday eat you too.“ Da darf dann auch mal laut gelacht werden – ausnahmsweise. https://www.vboysstockholm.com/

Beck: Überraschung inklusive

Für ihn sind Konstanz und Kalkulierbarkeit eher rote Tücher: Beck, auch schon knappe fünfzig und doch mutmaßlich auf ewig der sprillige Junge mit der blassen Haut und dem schüchternen Lächeln, wechselt nach Belieben immer wieder vom lauten zum leisen Fach and back again. Es gibt von ihm ziemlich lässige Rockstücke, aufgekratzten Dance und natürlich auch die schwerelosen, ätherischen Songs, die so erhaben und zart daherkommen, dass man fast Angst hat, sie würden sich im nächsten Moment ohne eigenes Zutun verflüchtigen. Dementsprechend wandelbar sind auch seine Alben, zuletzt erschien in Longform 2017 die Platte "Colors" (eher aus der Tanzecke), nun kommt der Mann mit den vielen Grammys mit einer neuen Single namens "Saw Lightning" daher, daran mitgearbeitet hat (unschwer herauszuhören) Pharrell Williams - also wieder Disco. Was das für das Album "Hyperspace" heißt, das für dieses Jahr angekündigt ist, weiß man noch nicht so recht, aber wer würde sich von dem smarten Herren nicht gern überraschen lassen - wieder einmal.

The Divine Comedy: Büromaschinen und -helden

Das ist ja wohl klar: Der Brexit ist erst dann ein richtiger Brexit, wenn dieser Mann seinen Kommentar dazu abgegeben. Nein, die Rede ist keineswegs von John Cleese, sondern von Neil Hannon. Also eigentlich von The Divine Comedy, seiner Band. Im Juni 2016 ist der Austritt der Briten aus der EU beschlossen worden, im Oktober kam "Foreverland", das bislang letzte Album der Kapelle, heraus und heute sind die Inselbewohner immer noch im Bunde und wenn es so weiter geht, ist der Berliner Großflughafen in Betrieb, bevor May ihre allerletzte Abstimmung verliert. Ob auf der gerade  für den 7. Juni angekündigten Platte "Office Politics" Kommentare dazu zu erwarten sind, ist nicht bekannt - angeblich geht es hauptsächlich um Maschinen, Liebe, Habgier und Synthesizer. Aber der eine oder andere sarkastische Satz wird schon fallen, da gehen wir mal fest von aus - hier schon mal die erste Single "Queuejumper".

Ach übrigens: Wo wir gerade vom Office reden - auf Netflix im Moment zu sehen die erste Staffel der neuen Serie von Büroheld Ricky Gervais, "After Life" handelt von einem unausstehlichen, aber sehr unterhaltsamen Grantler, der gerade seine Frau verloren hat und Schwierigkeiten hat, ins Leben zurückzufinden. Auch hier gibt's ein 'Office' (diesmal Lokalzeitung), einen dementen Vater und auch sonst viele spannende Zeitgenossen - und einen sehr wichtigen Hund. Unbedingt anschauen!



Sonntag, 14. April 2019

Fanclub: Nah beieinander

Den ersten Auftritt hatten Fanclub aus Austin in Texas bei uns im Dezember vergangenen Jahres, damals hatten wir ihre Debüt-EP "All The Same" vorgestellt. Heute präsentieren die Shoegazer ihre neue Single "Uppercut" mit Stream und Video - geblieben ist Leslie Crunkiltons weiche, zarte Stimme, der Sound des Trios auch bei diesem Stück wieder angenehm rough und treibend. Im Clip wiederum liegen Liebeslust und Heartache ganz nah beieinander, so soll es sein und bleiben.



Death Hags: Serienreif

Auch die Musik von Deaths Hags war hier schon zu Gast, Anfang des Jahres hatten wir ihren düsteren Doom-Pop im Programm, heute nun kommt ein neuer Track dazu. Zur Erinnerung: Hinter dem Moniker verbirgt sich die Soloküstlerin Lola Jean aus Los Angeles, in Frankreich geboren und offenbar ein großer Twin-Peaks-Fan. "Oublie Moi" nämlich ist als Hommage an die stilbildende Lynch-Serie gedacht und aus der Sicht von Josie Packard (Sägewerk, you know?) geschrieben. Ganz von ungefähr kommt diese Leidenschaft jedoch nicht, schließlich taucht ihre Musik auch schon in Werken von Stephen Soderbergh und Christophe Honoré auf.

Crumb: Gerne hintergründig

Lustigerweise können wir gleich bei David Lynch und Twin Peaks bleiben. Denn nun kommen wir zu einer Formation namens Crumb aus Brooklyn, New York. Zu dem Quartett gehören neben Sängerin und Gitarristin Lila Ramani noch Brian Aronow (Keyboards), Jesse Brotter (Bass) und Jonathan Gilad und alle zusammen bringen eine musikalische Mischung, die sofort Assoziationen an hintergründiges Kino weckt. Es brodelt zwischen Jazz, Trip Hop und Soul, den Verweis haben sich die vier allerdings mit dem Video zu ihrer aktuellen Single "Nina" verdient, in welcher niemand anderes als David Patrick Kelly mitspielt (hier wiederum Jerry Horne, Staffel 1 bis 3). Das tolle Stück stammt vom Debütalbum "Jinx", das am 14. Juni erscheinen wird, als Zugabe spendieren wir noch "Locket", einen älteren Song der gleichnamigen EP aus dem Jahr 2017. Hier gilt - unbedingt im Auge behalten!



Floral Shop: Mit Mut zum großen Gefühl

Und wenn jetzt jemand meint, hierzulande gäbe es nichts dergleichen zu berichten, dann können wir etwas Trost spenden. Obwohl, eigentlich spenden den eher Floral Shop, eine junge Kapelle aus Münster bzw. Köln, die gerade ihre neue Single "ISO" ins Rennen geschickt hat. Vor anderthalb Jahren haben Simon Graefe, Marvin Stecker, Igor Franjics und Marvin Mauelshagen ihre Debüt-Single "Around" veröffentlicht, auch diese schon bezaubernder Gitarrenpop mit Mut zum großen Gefühl. Mit dem aktuellen Stück machen die vier genau dort weiter - die dazugehörige EP "Parasols" wird am 7. Juni erscheinen.

Island: Genußgarantie

Den Abschluss machen heute fünf Herren aus London, die auch hier keine Unbekannten mehr sind. Island hätten uns vor zwei Jahren fast zu einer albernen Überschrift verführt, damals erschien ihre EP "A Place You Like" und auf dem Cover war eigentlich nur ein Berg Haare zu sehen. Dass die Band allerdings weniger mit Äußerlichkeiten als mit ihren wunderbaren Songs punkten kann, das wusste man schon nach den ersten Takten der 12". Geändert hat sich daran nichts, 2018 erschien ihr Album "Feels Like Air" und vor zwei Tagen dann die neue EP "When We're Still" und das nicht ohne Grund beim Label Beatnik Creative, das uns schon eine Reihe Lohnenswertes beschert hat in letzter Zeit, denken wir nur an Eliza Shaddad, Arlo Parks und Leif Erikson. Hier also das Kurzformat von Island im Stream - sozusagen mit Genußgarantie.



Samstag, 13. April 2019

Bleached: Wut und Krach reloaded

Okay, viel haben wir noch nicht, aber das Wenige ist Grund genug für einen kleinen Post: Denn Nick, Jennifer und Jessica - nein, das sind nicht die drei Engel für Charlie, sondern die kalifornische Girl-Boy-Girl-Kapelle Bleached, haben sich nach zwei Jahren Sendepause wieder aufgerafft und Pläne für ein neues Album geschmiedet. Das letzte hieß bekanntlich "Welcome The Worms" und war ärgerlich im besten Sinne. Und weil Wut und Krach so gut zusammenpassen, wollen wir auch gern den Nachschub begrüßen - zunächst in der Form der Single "Shitty Ballet" und dem dazugehörigen Video, in dem, nun ja, ein scheußliches Ballet zu sehen ist. Macht natürlich trotzdem Spaß, versprochen. Ein paar einleitende Worte gibt es übrigens ganz unten von der Band selbst zu lesen.



Dizraeli: Collapsing people

Toller Track, tolles Video: Rowan Alexander Sawday, besser bekannt unter seinem Pseudonym Dizraeli, hat für August diesen Jahres sein neues Album "The Unmaster" angekündigt. Der in Bristol geborene Rapper, der mittlerweile in London lebt, hatte im Februar schon die erste Vorabsingle "Madness" veröffentlicht, nun schiebt er "Oi Oi" hinterher und wieder kommt dazu ein so simpel wie eindrucksvoll arrangierter Clip. Die Idee zu dem Smartphone-Kurzfilm kommt von ihm selbst, gedreht hat Ben Hooper - hier noch ein Kommentar von Sawday zum Hintergrund: " I had a sense I've had often [since], that the world around me was falling to fragments. I think there's a lot of collapse happening at the moment, within and between people, and this song is about that."



Fontaines D.C.: Bemerkenswert frühreif

Fontaines D.C.
„Dogrel“
(Partisan Records)

Betrachtet man das Große und Ganze, ist das natürlich nur eine Randnotiz, aber man kommt nicht umhin festzustellen: Den Briten geht es momentan an allen Ecken ziemlich nass rein. Da schüttelt alle Welt den Kopf über ihr (die einen sagen unterhaltsames, die anderen behaupten würdeloses) Gezeter und Gezerre zum EU-Austritt, zu anderen gesellschaftlichen Themen werden sie gleich gar nicht mehr wahrgenommen. Und dann tritt plötzlich eine Band wie die Fontaines D.C. auf den Plan und liefert ein furioses Debüt ab, das so urbritisch wie nur irgendwas klingt und die besten Erinnerungen an längst vergangenen Ruhm weckt, an die Libertines, an Oasis und Maximo Park. Und woher kommen sie? Aus Dublin! Also mehr Demütigung geht nicht. Und wie sie kommen! Man kann sich wirklich auf lange Zeit an keine Band mehr erinnern, die aus dem Stand mit einem derartigen Punch aufgeschlagen ist, die ein solch komplettes Album abgeliefert hat.



Dass solches zu erwarten war, ließ sich in den Jahren zuvor schon erahnen: Gleich am Anfang, also im Sommer 2017, stand mit „Liberty Bell“ ein Song, der unter den vielen erstklassigen von „Dogrel“ auch heute noch herausragt – das Schlagwerk von Tom Coll ein lautes Rumpeln, die Gitarren wild und remarkable, Grian Chattens Gesang (mit Rrrroten-R) genervt bis lässig, was für ein Statement. Wäre es dabei geblieben – gut gebrüllt, thank u next. Aber es ging auf beachtlichem Niveau weiter, im selben Jahr noch ein krachendes „Hurricane Laughter“, Monate darauf das nächste Songpärchen, mit dem Geschrammel von „Chequeless, Reckless“ und „Boys In The Better Land“ hätten Carlos O’Connell und Conor Curley mühelos auch bei Wedding Present einsteigen können. „Too Real“ hieß dann der letzte Killer, den die sechs im November 18 von der Kette ließen, spätestens jetzt war klar, dass die Iren nicht vorhatten, das Schicksal von Eintagsfliegen zu teilen.



Das Album ein Hit-Sampler, kein Spannungsabfall herauszuhören. Und auch die Attitüde stimmt, die Stücke stecken voller bissiger Kommentare zu Kindheit und Jugend in der Heimatstadt: „Dublin in the rain is mine, a pregnant city with a catholic mind“ heißt es gleich zu Beginn, später dann „… you work for money and the rest you steal, like an old tattoo I feel“ („Sha Sha Sha“). Nicht die besten Voraussetzungen für eine steile Karriere also, aber weil es weder an Überlebenswillen, Leidenschaft noch einer gehörigen Portion Sarkasmus fehlt, träumt man trotzdem von einer besseren Zukunft: „My childhood was small, but I’m gonna be big“. Viel mehr Worte muss man über diese Platte eigentlich nicht verlieren, wer die Energie und die Entschlossenheit nicht spürt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Vielleicht noch eine Empfehlung zur laufenden Tour (die Fontaines sind gerade mit den Idles unterwegs und kommen im Herbst noch einmal kurz nach Deutschland) – lieber gleich anschauen, denn was größer wird, wird selten besser.

04.11.  Köln, Gebäude 9



Spirit Award: Lange nicht genug

Schnell noch ein Hinweis aus Gründen der Terminplanung: Ab Montag sind die Psychrocker Spirit Award aus Seattle in Deutschland unterwegs - wir hatten die drei Herren schon einmal im Rahmen der Veröffentlichung ihres Albums "Muted Crowd" auf dem Radar und nehmen sie nun wieder in den Sucher. Denn vor einiger Zeit ist ihre neue Single "Mountain" erschienen, eine Vorauskopplung aus der kommenden 7" "Currency", die am 7. Mai bei Share It Music/Sub Pop erscheinen soll. Darauf finden sich neben dem erwähnten Track auch noch zwei Versionen von "Is It Enough?", einem weiteren unveröffentlichten Stück.

15.4. Bochum, Bastion Bochum
16.4. Düsseldorf, Cube
17.4. Köln, Tsunami Club
18.4. Chemnitz, Aaltra
19.4. Leipzig, Noch Besser Leben
20.4. Marburg, Q-Cafe. Club. Kultur.
22.4. Offenbach, Hafen 2

Freitag, 12. April 2019

Kitschkrieg feat. Gringo: Zurückgesampelt

Ja und das hier ist vielleicht nicht das Einfallsreichste, geht aber trotzdem ganz gut: Kitschkrieg veröffentlichen einen weiteren Track vom schon vor der Veröffentlichung hoch gehandelten Album. Nach "Standard" und der Kollabo von Trettmann, AnnenMayKantereit und Cro "5 Minuten" kommt heute Kollege Gringo ins Geschäft und ist ziemlich sauer. Naja, da wird dann hin- und hergesampelt, bis er sich wieder gefangen hat.

Pottery: Mach es nicht selbst

Heimwerkerfreunden wird das Video die Tränen in die Augen treiben und uns fällt sofort der wunderschöne Song von Tocotronic "Mach es nicht selbst" ein: Die kanadische Post-Punk-Band Pottery hat gerade einen weiteren Song inklusive Video von der Debüt-EP "No. 1" (VÖ 10. Mai) ausgekoppelt und ins Netz gestellt  -"The Craft" zeigt auf sehr unterhaltsame Weise, wie man komplett danebenlangen und dennoch Spaß haben kann - die Band gibt die Craft-Crew und Sänger Austin Boylan hat Spaß daran, ihnen das Strebertum kräftig zu vermasseln, ganz fein. Hinzufügen wollen wir noch die Singles "Lady Solinas" und "Hank Williams", alle sind ihr Geld wert.