Dienstag, 16. Juli 2019

Automatic: Beste Voraussetzungen

Und noch eine Neuheitenmeldung für den heutigen Tag: Die drei Damen von Automatic hatten wir hier mit ihrem ziemlich skurrilen Werksvideo zur Single "Calling It" bereits vorgestellt, daß die Musik von Izzy Glaudini (Synths, Vocals), Lola Dompé (Drums, Vocals) und Halle Saxon (Bass, Vocals) kühl und reizvoll ist, wußten wir also schon. Nun dürfen wir für den 27. September via Stones Throw das Erscheinen ihres Debüts "Signal" verkünden, was die Band wiederum mit dem neuen Song "Too Much Money" feiert. Und ein Paar Konzerttermine gibt es heute auch noch. Zwei kleine Geschichten noch am Rande, die in der Vita des Trios zu finden waren - der Bandname geht auf einen Song der kalifornischen Go-Go's zurück (Belinda Carlisle, you know?), der einzigen All-Girl-Formation ever, die ein komplettes Album geschrieben und auf Platz 1 der amerikanischen Charts platziert hat. Und nicht nur dass Lola Dompé's Großmutter die Eigentümerin einer alten Alu-Bude (siehe oben) ist, ihr Vater Kevin Haskins war lange Zeit Schlagzeuger bei Bauhaus. Na, wenn das mal keine Vorschusslorbeeren sind.

27.10.  Hamburg, Goldener Salon
28.10.  Berlin, Urban Spree

Squid: Nachgelegt

Kürzlich hatten wir die britische Post-Punk-Band Squid noch mit dem österreichischen Kabarettisten Josef Hader in Verbindung gebracht, etwas abwegig, das geben wir gern zu, aber ihre Topfpflanzenhommage lud einfach dazu ein. Heute kündigen die fünf Herren aus London eine neue EP mit dem Titel "Town Centre" an, darauf werden sich neben der aktuellen Single "The Cleaner" (Spiellänge schlappe siebeneinhalb Minuten!) noch drei weitere Songs befinden, erscheinen soll sie am 6. September bei Speedy Wunderground.

Wilco: Nicht zu toppen

Die letzten Nachrichten? Waren nicht wenige: Jeff Tweedy mit einem Soloalbum, dazu ganz aktuell ein Tribute-Sampler zum All-Time-Liebling "Yankee Hotel Foxtrot", dessen Erlöse zugunsten der Aids Foundation Chicago gehen und worauf sich Bands wie Meat Wave, Adult Mom und Slow Mass finden. Nicht zu vergleichen allerdings mit der Ankündigung einer neuen Platte. Und die kommt nun also hier: Wilco werden am 4. Oktober als Nachfolger von "Schmilco" ihr nächstes Werk "Ode To Joy" veröffentlichen, begleitet von einer anständigen Tournee (mit drei Deutschlandterminen) und einer ersten Single namens "Love Is Everywhere (Beware)". Noch Fragen?

12.09.  Berlin, Tempodrom
13.09.  Köln, Carlswerk Victoria
14.09.  Hamburg, Elbphilharmonie
18.09.  Zürich, Volkshaus

LIFE: Heilige Dinge [Update]

Wer sein erstes Album "Popular Music" nennt, der hat schon mal eines: Humor. Und den nötigen Abstand zum eigenen Werk. LIFE aus dem englischen Hull jedenfalls würden wohl beides unterschreiben, 2017 ist ihr Debüt erschienen und über Nachfrage können sich die vier seitdem wohl kaum beklagen. Vor einigen Wochen hatten wir hier ihre neue Single "Moral Fibre" vorgestellt, dieser gesellt sich nun eine weitere hinzu plus Ankündigung für ein weiteres Album. Am 20. September wird "A Picture Of Good Health" (Coverart unten) bei Afghan Moon (PIAS) erscheinen und "Hollow Thing" nennt sich die besagte Auskopplung. [Update: Video plus Tourdaten]

29.09.  Köln, MTC
30.09.  Hamburg, Molotow
05.10.  Berlin, Musik und Frieden
08.10.  München, Kranhalle
10.10.  Zürich, Dynamo Werk



Frankie Cosmos: Treuepunkte [Update]

Das wird die vielen freuen, die sich mit dem entspannten Gitarrenpop der Band über die Jahre vertraut gemacht haben und Gefallen daran fanden, mit welcher Leichtigkeit Greta Simone Kline solch feine Songs aus dem Ärmel zu schütteln scheint: Frankie Cosmos, von denen wir hier reden, haben sich nicht erst im vergangenen Jahr mit ihrem Album "Vessel" eine treue Anhängerschaft aufgebaut, es ist davon auszugehen, dass diese mit dem gerade angekündigten "Close It Quietly" nicht von der Fahne gehen wird. Am 6. September soll also ihre vierte Studioplatte bei Sub Pop Records erscheinen, begleitet wird sie von auserlesenen Liveterminen und der ersten Single "Windows" samt Videoclip.

08.10.  München, Heppel und Ettlich
09.10.  Wien, Chelsea
11.10.  Köln, MTC

Update: Und hier kommt dann mit "Rings (On A Tree)" eine zweite Single vom Album.





Montag, 15. Juli 2019

Trettmann: Schon gehört?

Am Wochenende wussten es diejenigen, die auf dem Splash! in Gräfenhainichen vor der Bühne tanzten, mittlerweile ist die Sache auf allen Kanälen rum: Am 13. September wird bei KitschKrieg das neue Album von Trettmann erscheinen, dem Mann also, der mit seiner letzten Platte "#DIY" eine ganze Generation verblüfft und angeschoben hat - und, was Wunder, aus Chemnitz kommt. Man bräuchte das eigentlich nicht extra betonen, aber in Zeiten, in denen viele (von den Guten und den Bösen) den deutschen Osten schon für eine komplett national befreite Zone halten, sind Standort- und Standpunktfragen und die Antworten darauf wichtiger denn je. Es gab ja in den letzten Monaten immer wieder feinen Klangstoff vom Trendlabel, wurde der "Standard" gesetzt, machten "5 Minuten" den Unterschied" und der Gringo war ohnehin sauer. Jetzt jedenfalls steht dieser eine Termin und wer sich den Stream vom Festival via Arte anschaut, der wird dort schon neues Material finden.

Idles: Einstecken und Austeilen

Das ist jetzt eine willkommene Gelegenheit, nochmals auf die unglaublichen Live-Quailitäten der Punktruppe Idles aus Bristol hinzuweisen, auch wenn vorerst keine deutschen Termine mehr ins Land stehen. Vor einigen Tagen ging ja das legendäre Glastonbury Festival von Bauer Michael Eavis über die Bühnen und natürlich gab es auch in diesem Jahr wieder einige atemberaubende Auftritte, die sogar einen sonst seelenlosen Videostream lohnen. Da wäre zum einen der Gig von Grime-Rapper Stormzy und eben vor allem das unglaublich intensive Konzert von Joe Talbot und Kollegen. Viel besser kann man einen Termin bei Tageslicht nicht hinbekommen, in Sachen Emotionalität läßt er sich ohnehin (wie gesagt, reinschauen!) kaum toppen. Und die Gelegenheit - btw. - die Idles haben heute ein Video zu ihrer Single "Never Fight A Man With A Perm" veröffentlicht, der Illustrator Russell Taysom hat den herrlichen Splatter-Fight Talbot vs. Barry Fiffa und Timmy Thyroid gemalt, der dann doch recht überraschend endet.

PS: Im Netz gibt es übrigens eine eigene Petition, um Michael Eavis zum Ritter schlagen zu lassen - aus Gründen.



Babeheaven: Unüberhörbar

Nein, wir werden nicht müde werden, die Musik der wunderbaren Band Babeheaven hier offensiv anzupreisen. Dafür ist die Stimme von Nancy Anderson einfach zu smooth und der Sound von Jamie Travis zu eingängig. Zu Beginn dieses Jahres gab es von den beiden ja schon die EP "Circles" zu hören, nun ist von einem Debütalbum noch in dieser Saison die Rede (siehe Clash Magazin), eingeleitet wird diese erfreuliche Nachricht mit der bezaubernden Single "Jalisco". Das Video stammt von Saorla Houston, die Maniküre lieferte Sylvie Macmillan.

Sonntag, 14. Juli 2019

Secret Shame: Berufung

Beginnen wir unsere Wochenendrubrik Sundays Spotlights heute in Asheville, North Carolina. Der Ort ist dem durchschnittlichen Mitteleuropäer vielleicht nicht ganz so geläufig, Literaturliebhabern allerdings sollte er als Geburtsort von Thomas Wolfe schon ein Begriff sein, der Schriftsteller hat seiner Heimatstadt in seinem Roman "Look Homeward, Angel" (hier genannt Altamont) ein ewiges Denkmal gesetzt. Was Ashevilles Jugend höchstwahrscheinlich weniger interessiert, zumindest die fünf Leute, mit denen wir es bei der Band Secret Shame zu tun haben. Lena, Nikki, Matthew, Nathan und Billie jedenfalls schreiben in ihrer Kurzbio den Satz "Some people like to make music - others have to" und wem das noch nicht ernsthaft genug klingt, dem genügt ein Blick auf das obige Bild, um die Grundstimmung ihrer Musik zu ahnen. Düsterer, lauter Post-Punk ist es, dem sie sich seit 2017 verschrieben haben, da erschien ihre erste EP, nun haben sie via Portrayal Of Guilt Records für den 6. September ihr Debütalbum "Dark Synthetics" angekündigt. Und wer hiervon die erste Single "Dark" hört, weiß, dass Lena und ihre Freunde ihren Beruf resp. ihre Berufung tatsächlich sehr ernst nehmen.



FUR: The fabulous four

Bei dem britischen Quartett FUR ist es eher die sehr spezielle Frisur von Sänger Will Murray, die einem zuerst ins Auge fällt. Vermutungen, Murray habe eine große Affinität zur Musik der 60er und 70er, lassen sich mit solch einem außergewöhnlichen Schnitt wohl kaum von der Hand weisen. Und erhärten sich sofort, hört man sich ein paar Songs der Band an - hier jangled und swingt alles ganz wunderbar, so daß es schwer wird, sich dem Beat zu entziehen. Vor vier Jahren starteten FUR mit ein paar Singles (die man sich bei Soundcloud anhören kann), es folgten einige hübsche Videos und eine selbstbetitelte EP Anfang dieses Jahres. Und nun also mit "Nothing (Until Something Else Comes Along)" eine erste neue Single. Merke: Die Frisur sitzt weiterhin, der Sound stimmt, wir dürfen gespannt sein.





Surf Curse: Inspiration

Auch bei diesen beiden Herren fallen die eigenwilligen Haare sofort auf, auch bei diesen beiden macht die Musik jede Irritation sofort wieder wett: Das Duo Surf Curse kommt aus Los Angeles, besteht aus Nick Rattigan und Jacob Rubeck und spielt Lieder, die sich ohne große Schwierigkeiten sofort da einnisten, wo im Hirn der Platz für Ohrwürmer vorgesehen ist. Schon als vor einigen Wochen ihre erste neue Single "Disco" erschien, hat es uns mächtig in den Fingern gejuckt, nun mit "Midnight Cowboy" gibt es keine Ausreden mehr (inspiriert wurden Surf Curse zum Video des Songs im Übrigen von John Schlesingers gleichnamigem Film mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle). Und spätestens am 13. September, wenn bei Danger Collective ihr Album "Heaven Surrounds You" erscheint, wird jeder wissen, was er an den beiden hat.



Lola Marsh: Echokammer

Nach Israel hat uns unsere Perlentaucherei noch selten geführt, doch diese beiden lohnen die lange Anreise: Das Duo Lola Marsh kommt aus Tel Aviv und besteht aus Sängerin Yael Shoshana Cohen und Multiinstrumentalist Gil Landau. Für das Video zu ihrer neuen Single "Echoes" haben sie mit Regisseur Indy Hait zusammengearbeitet und eine verblüffende Lookalike-Choreografie erarbeitet, die zeitversetzt, eben wie ein Echo, agiert. Live treten die beiden übrigens mit einer Gruppe erstklassiger Musiker auf, wer sie in diesem Sommer bzw. Herbst sehen möchte, sollte sich die folgenden Termine notieren.

22.08.  Hamburg, Sommer in Altona
23.08.  Pütnitz am See, About You Pangea
11.10.  Wien, Rote Bar
12.10.  Nürnberg, Nürnberg Pop
18.10.  Basel, Sommercasino

Samstag, 13. Juli 2019

IDER: Emotionaler Imperativ

IDER
„Emotional Education“
(Glassnote)

Okay, Björn und Benny stören bei der Geschichte jetzt etwas. Aber wenn man über Großbuchstaben (für Freunde des Latinums: Versalien) in Bandnamen reden möchte, dann darf man natürlich ABBA nicht unter den Tisch fallen lassen. Sei’s drum, in der neueren Geschichte sind die dicken Lettern jedenfalls wieder sehr in Mode gekommen und zwar auffällig oft bei Formationen, die nur aus Frauen bestehen. Die Geschwister HAIM haben damit angefangen, vor ein paar Jahren legte das kalifornische Queer-Pop-Trio MUNA mit seinem Debüt „About U“ die Messlatte auf eine neue und beachtliche Höhe. Nun kommen IDER aus London und wie bei den beiden anderen Beispielen darf man die Schreibweise gern als eine Art Imperativ, als Ausrufezeichen verstanden wissen. Als Ausdruck des Selbstverständnisses, mit dem sich weibliche Künstler mittlerweile im noch immer männlich dominierten Musikbusiness zu bewegen und zu behaupten wissen.



Eben weil sich die Sichtweise endlich entscheidend geändert hat, weil der überwiegende Anteil an innovativen Ideen, Trends und Strömungen female ist – eine Kette, die über die Glieder Holiday, Piaf, Fitzgerald, Callas, Simone, Franklin, Harry, Smith, Ciccone, Knowles bis ins Heute führt und deren Bedeutung und Einfluß mal um mal spürbarer wird, jetzt, da sich tagtäglich neue Namen einreihen. Eine Tradition, der sich sicherlich auch Megan Markwick und Lily Somerville gern anschließen. 2013 schon veröffentlichten IDER ihre ersten Songs, als kurze Zeit später ihre EP „Gut Me Like An Animal“ erschien, hatten sie sich den Status als Geheimtipp schon erarbeitet. Das jetzt erschienene Debütalbum, bestückt mit den Singles der letzten beiden Jahre, sollte ihnen mühelos den nächsten Schritt voranbringen. Denn der facettenreiche, opulente Synthpop, den sie mit ihrem betörenden Doppelgesang und sorgsam eingestreuten Gitarren- und Bläserarrangements veredeln, hat genügend Potential fürs heißhungrige, hitverwöhnte Radio, ohne sich dem Mainstream an den Hals zu werfen.



IDER kommen mit großen Gefühlen, mit Leidenschaft und gelegentlich auch mit zarter Intimität, die Harmonien von „Mirror“ sind ebenso ansteckend wie die großspurigen Bekenntnisse bei „Wu Baby“ packend. Anrührend wiederum, wie sie versuchen, den Ängsten und Befürchtungen entgegenzutreten, die ihrer Generation in die Lebensplanung geschrieben sind: „I'm in my 20s, so I'm panicking every way, I'm so scared of the future, I keep missing today“, heißt es etwa an einer Stelle und weiter: „They keep telling me ‚You've got your whole life ahead of you, baby, don't worry, don't stress, do your best‘ - What if that doesn't save me?“ Emotionaler Höhepunkt dann der Song „Saddest Generation“, dem auch der Albumtitel entlehnt ist – trauriger hat wohl lange niemand mehr darüber gesungen, wie hilflos wir oft in schmerzvoller Erinnerung verharren, wenn wir von anderen Menschen enttäuscht wurden. Wahrscheinlich kennen auch IDER kein Rezept gegen gelegentliches Gefühlschaos. Manchmal hilft es aber auch schon, Musik zu hören, die im gleichen Takt auf und nieder schwingt wie unser eigenes Herz. http://weareider.com/

31.10.  Berlin, Frannz Club
01.11.  Hamburg, Molotow
10.11.  München, Milla

Freitag, 12. Juli 2019

Xul Zolar: Getanztes Drama

Kurz vor dem Wochenende läßt die Domstadt mal wieder von sich hören - und zwar in Sachen Feinkost-Pop: Aus Köln stammt bekanntlich das Quartett Xul Zolar, das im vergangenen Jahr mit dem Debütalbum "Fear Talk" für überraschte Blicke und reichlich Gesprächstoff gesorgt hat. Nun haben die Herren via Asmara Records eine neue EP mit dem Titel "Nightfalls" angekündigt und mit "Perfume" auch gleich eine offizielle Single geteilt (zuvor gab es schon einen ersten Track namens "Even"). Das Video dazu, ein ziemlich dramatischer Tanz, stammt von Stee van Stark, die Solisten sind Marje Hirvonen und Kelvin Kilonzo.

25.09.  Köln, Bumann und Sohn
26.09.  Darmstadt, Schlosskeller
27.09.  Nürnberg, Club Stereo
28.09.  München, Heppel und Ettlich
29.09.  St. Gallen, Grabenhalle
02.10.  Berlin, Berghain Kantine
03.10.  Dresden, Groovestation
04.10.  Leipzig, Moritzbastei
05.10.  Hamburg, Nachtasyl
10.10.  Göttingen, Freihafen
11.10.  Frankfurt, Lotte Lindenberg



Pumarosa: Gelungene Überraschung

Ursprünglich stand auf ihrem Etikett ja groß und breit Post-Punk drauf, doch schon mit dem Debütalbum "The Witch" ließ sich das eigentlich nicht mehr halten: Pumarosa aus London sitzen gern zwischen den Stühlen, die da Funk, Drum'n Bass, Jazz und Indierock heißen und wenn nicht alles täuscht, dann wird sich daran auch mit dem neuen Album nichts ändern - zum Glück. Denn die erste Single "Fall Apart", die Isabel Munoz-Newsome und Kollegen gerade vorgestellt haben, stolpert björkish (sagt man so?) dahin, Überraschung gelungen. Die ganze Platte heißt im Übrigen "Devastation", also Verwüstung, was genau das nun wieder bedeutet, werden wir spätestens am 1. November bei Fiction Records erfahren.




Just Friends And Lovers: Dreimal vier plus provokant

Es gilt an dieser Stelle etwas nachzuholen, das zu versäumen mehr als schade wäre: Das kleine Wiener Label Cut Surface hat Mitte Juni ein neues Album der Post-Punk-Kapelle Just Friends And Lovers veröffentlicht - drei mal vier Buchstaben (Vero, Lina und Lena) mit angenehm schiefen, gern auch mal lauten LoFi-Klängen. Seit 2011 machen die drei Damen aus Graz gemeinsame Sache, neben einer Reihe von Samplern, Singles und Kassetten erschien 2013 der Longplayer "What, Colour?", mit "Her Most Criminal Crimes" folgt nun also der zweite. Dass Angst keine Alternative und Provokation ihnen ein Anliegen ist, läßt sich unschwer an dem eigenwilligen Bandfoto oben erkennen, wem der Sound gefällt, der darf sich auch gleich noch ein paar Termine für den Herbst notieren.

28.09.  Darmstadt, tba
30.09.  Berlin, Schokoladen
02.10.  Prag, Kasárna Karlín
03.10.  Nürnberg, Flit Bar
04.10.  Wien, Venster 99





Marika Hackman: To Hell mit Problemzonen [Update]

Sie ist nicht als besonders ängstliche Frau bekannt, dennoch ist dieser Schritt ein beachtlicher: Marika Hackman, britische Songschreiberin, zeigt sich auf dem Cover ihres neuen Albums "Any Human Friend" in ungeschminkter Nacktheit, sie zwingt zum Hinschauen, zur Auseinandersetzung. In Zeiten, da selbst Kinofilme schon nachbearbeitet und -geschönt werden und das Frauenbild in der Musik- und Modebranche noch immer von durchgestylten, geglätteten Normkörpern dominiert wird, ist das ein Schritt, den man ihr nicht hoch genug anrechnen kann. Denn den Mut, sich auf diese Weise der Öffentlichkeit auszusetzen und einen Fick daruf zu geben, was wer als angebliche Problemzonen definiert, traut sich nicht eine jede (und ein jeder schon gleich dreimal nicht), Lena Dunham läßt grüßen. Der Nachfolger von "I'm Not Your Man" (2017) wird am 9. August bei Sup Pop erscheinen, die erste Single "I'm Not Where You Are" kommt schon heute samt Video von Will Hooper (Idles, Our Girl).

Wer sich für Marika Hackmans Erklärungen zur Cover Art ihrer Platte - das Foto stammt von Joost Vandebrug und ist auf Inspiration der Künstlerin Rineke Dijkstra entstanden - interessiert, kann gern ihre Auskünfte auf der Website des Labels nachlesen. Dort kann man im Übrigen auch das lachsfarbene Vinyl samt Unterbuchse und Schweinchensticker ordern.

Update: Mit "The One" kommt heute ein zweiter Song vom neuen Album dazu, über den sie selbst laut DIY sagt: "Probably the poppiest song I've ever written." Und visuell ein Hingucker: In dem Clip von Louis Bhose entwickelt sich Hackman vom schüchternen Kopiermädchen zum Discovamp.





Donnerstag, 11. Juli 2019

John Paul: Explorations in Pub

Schon geraume Zeit in Umlauf, hier aber sträflicherweise noch nicht erwähnt: John Paul, Musiker, Buddy und Kollaborateur der Sleaford Mods aus Bristol, wird am 7. September beim Duisburger Label In A Car Records eine neue 12" mit drei Tracks veröffentlichen. Zum ersten "Nuts" gibt es das nachfolgende Video, ergänzt wird mit dem Song "Subjects" und einer Dub-Version von "Chin In", eines Stücks vom Debütalbum "No Filter". Glaubt man dem Gezwitscher im Netz, ist ein zweiter Longplayer auch nicht mehr fern.

Paper Buoys: Kein Grund zum Schämen

Also wenn sie dieses Merkmal zum Prinzip erheben, dann könnte es mit der Band noch recht spannend werden - zwei Singles, zwei glasklare Assoziationen, die Paper Buoys aus Birmingham machen aus ihren Vorbildern offenkundig kein Hehl. Als im Mai ihre neue Single "Chasing Ghosts" erschien, waren The Cure mit die ersten, die sich nach den Anfangstakten in Erinnerung brachten. Und nun beim nächsten Song "Time Won't Wait" muß man nach Joe Strummer und The Clash auch nicht lange kramen. Beides fabelhafte Referenzen, für die man sich nicht schämen muß. Mit ihren selbstbetitelten Debüt haben die vier Herren 2018 den Musikaward ihrer Heimatstadt gewonnen, könnte gut sein, dass sie bald etwas größer planen müssen.



Party Hardly: Kulisse als Statement

Abgefuckte Wohnblocks haben nicht nur einen unleugbaren künstlerischen Aspekt, in England gelten sie spätestens seit Grenfell auch als Sinnbild der Tatenlosigkeit der regierenden Klasse bzw. als Anklage gegen selbige. Nicht verwunderlich also, dass sich so viele aufstrebende Bands vor solchen Bauten ablichten lassen, so auch die Formation Party Hardly aus Leeds. Tom Barr, Lachlan Banner, Matt Pownall und Stanley Braddock werden nicht nur wegen des Titels ihrer neuen EP "Modern Strife Is Snobbish" gern mit Blur verglichen, ihr Sound ist ähnlich roh plus melodisch. 2017 erschien mit "Friendly Feeling/Jobs" ihre erste 7", ein Jahr später dann die Debüt-EP "Cycle Of Life" (mit der Single "Football"). Vom aktuellen Kurzformat gibt es hier das Stück "Rats In The Kitchen" zu hören, dazu noch das etwas ältere "Hopskotch Man".