Freitag, 15. Februar 2019

More Pain: Kurzes Vergnügen

Gut möglich, dass das die erste EP mit einer Spieldauer unter einer Minute wird: Nick Zinner, vielbeschäftigtes Mitglied der Yeah Yeah Yeahs hat gerade zusammen mit Justin Pearson (The Locust, Retox, Dead Cross) unter dem Namen More Pain via Brooklyn Vegan die Veröffentlichung einer 12" angekündigt, die drei Stücke enthalten wird. Da es sich dabei um waschechten Hardcore handelt, ist zumindest eines davon - "Hammering Tenderness" - gerade mal 27 Sekunden kurz. Am 19. April wissen wir dann, wieviel Zeit wir für den Rest veranschlagen müssen, dann erscheint das Ganze bei Pearsons Label Three One G.

Bilderbuch: Überraschung gelungen

Noch eine Woche hin bis zum nächsten Album von Bilderbuch - am kommenden Freitag erscheint "Vernissage My Heart". Vielleicht haben die Jungs ja etwas zu oft gehört, ihnen gelängen keine wirklichen Überraschungen mehr, hier zumindest kommt mal eine: Ganze neun Minuten vierzig misst "Europa 22", ein Song zum eintauchen, treiben lassen - fort, nur fort ...

Sleaford Mods: Unverhandelbar

Eigentlich hatte die Woche ja nicht so gut begonnen: Fans können, da wird einem jeder Musiker und jede Musikerin zustimmen, sehr eigenartige Persönlichkeiten sein. Sie haben Erwartungen, die manchmal ziemlich anmaßend oder zumindest schwer verständlich sind. Zum Beispiel die der Sleaford Mods. Die mußten in diesen Tagen erfahren, dass deren Sänger Jason Williamson ein ziemlich ernsthafter Mann mit gewissen Grundsätzen und eben auch einer bestimmten Erwartungshaltung ist. Irgendwie hatte man angenommen, er würde Joe Talbot und die Idles genauso mögen wie man selbst, doch das ist nicht der Fall und gegenüber dem Guardian hat er die Gründe dafür recht deutlich benannt - es geht grob gesagt um das, was man zu sein vorgibt und das, was man letztendlich ist. Für ihn offenbar unverhandelbar. Zur Sprache kam das Ganze in einer Art Fragestunde, bei der sich eben jene Fans bei Mr. Williamson melden konnten, man erfährt nebenher noch eine ganze Menge interessanter Dinge. Im Übrigen haben die Mods heute einen neuen Song aus ihrem Album geteilt, "O.B.C.T." ist erneut ein ziemlich danceorientierter Track und macht die Vorfreude auf den kommenden Freitag, an dem "Eton Alive" erscheinen wird, noch größer.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Raketkanon: Bandgewordener Albtraum

Die letzten Wochen waren ja nun weiß Gott nicht arm an durchgeknallten Gestalten, sich mit ihren abgefahrenen Neuvorstellungen zu überbieten schienen - 404, Nord Nord Muzikk, Fat White Family, THE DSM IV, alle auf ihre Art am Rande des Nervenzusammenbruchs oder schon längst drübber. Heute lernen wir den bandgewordenen Albtraum von Anthony Kiedis, dem etwas in die Jahre gekommenen Frontmann der Red Hot Chili Peppers, kennen: Raketkanon kommen aus dem belgischen Gent und sehen ein wenig so aus, als wären sie schon viel zu lange in Anstalten mit geschlossenen Räumlichkeiten untergebracht und durften dort nur Videos von DIE ANTWOORD oder "Einer flog übers Kuckucksnest" im Directors Cut sehen. In Wahrheit haben sie gerade einen Deal bei Earache Records unterschrieben - warum die neue Single "Ricky" allerdings ausgerechnet zum Valentinstag kommt, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Jessie Ware: Fabelhafte Vorboten

Noch immer läßt sie uns im Unklaren, wie und womit genau es weitergeht: Heute hat Jessie Ware einen weiteren neuen Song geteilt - "Adore You" ist ein fabelhafter, deeper Dancetrack, der die Hoffnungen auf das, was vielleicht kommen wird, noch ein Stückchen weiter in die Höhe schraubt. Produziert haben Metronomy's Joe Mount und James Ford von Simian Mobile Disco, ähnlich wie auch schon den gleichermaßen pulsierenden, eine Spur funkigeren Track "Overtime", der vor ein paar Wochen in die Runde ging.



Jenny Lewis: Starschnitt [Update]

Okay, ein wenig irritiert ist man schon. Als Mann. Wegen des Bildes. Jenny Lewis würde wahrscheinlich fragen: Wieso das? Schließlich hat sie das Motiv eigens ausgewählt. Und außerdem zeigt es nur einen Ausschnitt aus dem Starschnitt und ist somit nur Teil zwei von vier. Der komplette Shot ziert nämlich das Gatefold-Cover ihres neuen Albums "On The Line", das am 22. März erscheinen soll. Die Platte folgt dem fabelhaften "The Voyager" aus dem Jahr 2014, dem Vernehmen nach sollen Beck, Ringo Starr und Ryan Adams mit von der Partie gewesen sein und die erste Single "Red Bull And Hennessy" gibt es gleich hier.

Update: Was hier so schön klingt und glitzert, das ist der zweite Vorabsong "Heads Gonna Roll" vom neuen Album.



Great White Shark: Angebissen

Okay, der erste Eindruck sagt: Poser. Aber der Song hat einen dann doch am Haken - fetter Bass, die Drums nicht minder, David Naville weiß also, wie man's macht. Der Mann stammt ursprünglich aus der Schweiz, lebt jetzt in Berlin und hat dort seit 2018 gemeinsam mit Matthieu Brismontier und Robin Villeval die Formation Great White Shark am Laufen. "Doberman", die erste Single der drei, hat Julien Magnan in Szene gesetzt, was danach kommt, werden wir wohl recht bald wissen.

Spielbergs: Mehr Anfang als Ende

Spielbergs
„This Is Not The End“
(By The Time It Gets Dark)

Das ist ein Satz, den man von einer Punkband wohl eher selten zu hören bekommt: “We’d been touring and sleeping on floors all over Europe and we were just sick of it. We wanted to get a decent job and family, so we did.” Gesagt hat ihn Mads Baklien, der Frontmann der norwegischen Band Spielbergs, in einem Interview mit dem NME. Die Gründe, warum er für diese Bemerkung nicht umgehend gekreuzigt wurde, sind zweierlei: Zum einen hat er ziemlich schnell als Ergänzung hinterher geschoben: „But then we weren’t happy with that either“ – passt wieder alles. Zum anderen haben die Spielbergs gerade ein sehr feines Debütalbum abgeliefert, das auf bemerkenswerte Weise altmodisch und frisch zugleich klingt. Baklien weiß, dass er zusammen mit seinen Kollegen Stian Brennskag und Christian Løvhaug einen Musikstil pflegt, der zwar dem knarzigen Garage-Punk und Grunge-Rock der 90er salutiert, aber dennoch wegen seiner Schärfe, seiner Energie von heute ist und ordentlich kickt.



Die Jungs haben sich sehr früh in der überschaubaren Indieszene Oslos kennengelernt, viel ausprobiert und hernach beschlossen, diesen Werdegang auf das Debüt zu pressen. Und so finden sich auf diesem nicht nur aktuelle Stücke, sondern auch Songs der ersten EP „Distant Star“. Wir hören also knirschende Gitarren, gern auch mal fuzzy, psychedelisch oder als verhaltener Folk-Rock („Sleeper“). Thematisch findet man jede Konfektionsgröße, der Brecher „We Are All Going To Die“ nimmt auf, was Plattentitel und Labelname quasi schon an universeller Befindlichkeit vorwegnehmen, die Liebe, sei sie unerfüllt oder zu spät erkannt („Distant Star“/“Forevermore“) kommt natürlich auch zur Sprache und beim gut siebenminütigen „McDonalds“ dreht sich eigentlich der ganze Frust nur um eine missratene Episode in der Frittenbude. So ist es, das Leben, manchmal gibt es Platz für die weiten Gedanken und die großen Gefühle, und manchmal pisst es einen unvermittelt an. Zuende ist es deswegen trotzdem nicht, die Spielbergs wissen Bescheid.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Danny Boyle: Hey, Dude!

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Da erfährt die gesamte Welt einen kapitalen Stromausfall und unser Protagonist, ein zwar begabter, aber notorisch erfolgloser Songwriter, baut zeitgleich einen Radunfall. Wacht auf und merkt, dass die komplette Menschheit die Erinnerung an die Beatles und jeden ihrer Songs einfach verloren hatte. Was folgt, ist eine aberwitzige Wiederholung der bekannten Karriere inklusive Hysterie mit anderen Mittel und Personen. Danny Boyle (Slumdog Millionaire/Trainspotting) hat "Yesterday" zusammen mit Himesh Patel als Jack Malik gedreht und ein ganz großer Spaß ist dabei herausgekommen.

Joseph Boys: Keine Wahl

Über Punk aus Düsseldorf muss man sicher nicht viel philosophieren, der war da irgendwie schon immer zu Hause und wird es wohl ewig und drei Tage bleiben. Das gilt natürlich bei dieser Stadt für alle Arten der Musik, die einst als Schnöselhochburg verschriene Metropole am Rhein braucht da mit Berühmtheiten nicht geizen. Trotzdem gut, wenn ab und an was Frisches nachkommt und deshalb freut man sich im Hause Flight13 Records natürlich um so mehr über das gerade angekündigte Debütalbum der Joseph Boys aus Düsseldorf Garath. Nach zwei EP ("Fett" 2015 und "Edition "S____E" 2017) geht nun also am 26. April "Rochus" an den Start. Über die Begleitumstände zur aktuellen Vorabsingle "Freizeitstätte Garath" könnten wir dann aber tatsächlich nicht besser schreiben als die Band selbst:

„Wenn man mit seinen 13 Geschwistern in einem Stadtteil wie Düsseldorf Garath aufwächst, wird es nie langweilig. Unser Onkel war Taubenzüchter. Beste Voraussetzung, sein Können mit dem Luftgewehr zu verbessern. Wird man dabei erwischt, muss man zum Psychologen. Danach dann erstmal die Zigarettenschachtel aus dem T-Shirtärmel gekrempelt und unter dem "Sonnenrad" ne Zigi geraucht. Wer keine Tauben züchtet, der funkt. 55 bedeutet in Funkerkreisen "Viel Erfolg". Auf der Kirmes dann Raupe fahren und ne Plastik-Rose schießen. Immer was los in Garath. Das muss man doch in einem Text verarbeiten. Du hast keine Wahl.“

27.04.  Düsseldorf, AK47
18.05.  Karlsruhe, Alte Hackerei
08.06.  Berlin, Schokoladen

Dienstag, 12. Februar 2019

Be Forest: Schaudern und Schimmern

Be Forest
„Knocturne“
(We Were Never Being Boring)

Naheliegender wären natürlich The Cure gewesen, aber den Wink mit dem Zaunspfahl haben sie sich erspart: In einem ihrer raren Interviews, gefunden in einer isländischen (!) Regionalzeitung, gaben Nicola Lampredi, Erica Terenzi und Costanza Delle Rose von der italienischen Shoegazing-Band Be Forest vor einiger Zeit Auskunft über ihre Vorbilder – Slowdive waren selbsterklärend, aber Syd Barrett und Nick Cave hätte man jetzt eher nicht vermutet. Zumindest nicht, wenn man sich das neue, dritte Album des Trios aus dem sonnenverwöhnten Urlaubsörtchen Pesaro anhört, das von dunklen, aber doch kunstvoll verschlungenen Gitarrenmelodien nur so wimmelt und mit Psychrock oder gar knochenklapperndem Voodoo-Blues nicht allzu viel gemein hat. Daran ist nun nichts Schlimmes, schließlich sind Be Forest mit diesem verwunschenen Sound bekanntgeworden.



Zwei Alben hatten sie seit 2011 veröffentlicht, zunächst das Debüt „Cold“ und drei Jahre darauf dann „Earthbeat“. In diese Zeit fällt auch der einzige „Ausrutscher“, der sich für die Formation allerdings als Karrierekick erweisen sollte, denn mit ihrer lustvoll dahingeschredderten Coverversion von „I Quit Girls“ wussten sie nicht nur ihr Publikum, sondern auch die Urheber des Songs, das kanadische Garage-Rock-Duo Japandroids, zu begeistern und so durften sie später mit diesen als Support die Bühne teilen. „Knocturne“ ist nun mit seinen zwölf neuen Stücken wieder etwas ruhiger geraten, die Stimme von Bassistin Delle Rose irrlichtert wieder zart im Hintergrund und drittelt sich die Aufmerksamkeit mit verdichteten Gitarrenspuren und dumpf pochenden Drums. Und weil das, Puzzleteilen gleich, so gut ineinanderpasst, schwingen sich Tracks wie „Bengala“, „K.“ oder „Gemini“ in hymnische Höhen und entfachen dort ein wohliges Schaudern und Schimmern. https://www.wwnbb.net/2019/02/be-forest-knocturne/

Swimming Tapes: Mal was Großes, Ganzes

Irgendwann hat den Swimming Tapes wohl mal jemand gesagt, dass Kurzformate schön und gut sind (und ihre sind es besonders), es aber nun langsam Zeit für ein anständiges Album wäre. Was die fünf Jungs aus London dann auch beherzigt haben. Über die letzten zwei Jahre durften wir hier ja schon diverse EP vorstellen, für den 24. Mai ist jetzt "Morningside" via Hand In Hive Records angekündigt, elf neue Songs sind darauf enthalten und dieser hier - "Pyrenees" - ist einer davon.

THE DSM IV: Brightons Freakiest 2.0

Ziemlich krass und ziemlich abgefahren, das waren The Eighties Matchbox B-Line Disaster aus Brighton. Drei Platten mit Psychobilly und Garage-Punk, ein paar Singles, 2013 war dann endgültig Schluß. Aber nicht für Frontmann Guy McKnight. Denn der hatte noch lange nicht genug und so dürfen wir jetzt auf seine neue Kapelle namens THE DSM IV hoffen, benannt nach einem etwas veralteten "diagnostischen Klassifikationssystem in der Psychatrie" (Wikipedia) - haha, immer noch krass. Ende letzten Jahres gab's mit "Racist Man" im wahrsten Sinne einen KickOff, nun kommt Single Nummer zwei "Funland" hinterher. Und was soll man sagen - es läßt sich gut an...





Montag, 11. Februar 2019

Levin Goes Lightly: Keine Angst

Veränderung tut gut - ein Satz, den viele Menschen gerade hierzulande nur schwerlich verinnerlichen können. Was wiederum ziemlich menschlich ist. Einer, der trotzdem etwas wagt, ist Levin Stadler. Zusammen mit seiner Band Levin Goes Lightly hat er für seine drei bislang erschienenen Alben als androgynes Wesen eine Gratwanderung zwischen David Bowie und Fad Gadget vollführt, alles in englischer Sprache. Optisch soll sich im Vergleich zum Vorgänger "GAPS" nichts ändern, wohl aber textlich, denn Stadler singt für seine neue Platte "Nackt", die für den 26. April bei Tapete Records terminiert ist, ab sofort deutsch. Was ungewohnt, aber doch recht reizvoll klingt. Wenn er für die kürzlich veröffentlichte Vorabsingle "Nichts ändern" ganz Zarah-Leander-mäßig das "R" rollt, hat das schon eine ganz spezielle Note - wir fügen dem dazugehörigen Video noch drei Schnipsel der Stücke "Nackt", "Rote Lippen" und "Ganz Nah" bei. Und warten gespannt.



Front Line Assembly & Jimmy Urine: Wiener Schmäh

Auch wenn wir nach dem kürzlich erschienenen "The Teal Album" von Weezer so ein bisschen die Lust am Cover verloren haben und auch die Lemonheads mit ihren "Varshons" daran nichts ändern konnten - diese Neubearbeitung wollen wir nicht verschweigen: Denn das kanadische Industrial-Trio Front Line Assembly hat gerade von ihrem gerade veröffentlichten Werk "Wake Up The Coma" die Single "Rock Me Amadeus" mit einem Video versehen und online gestellt. Und ja, genau den Song also, mit dem einer der größten Wiener Sängerknaben, genannt Falco, die Welt eroberte und damit zeigte, dass ein Österreicher es auch zu Ruhm bringen kann, selbst wenn er ohne Schnarrstimme, rote Armbinde und Witzbart auskommen muss. Ganz so weit hergeholt ist diese Variation im Übrigen nicht, denn Bandgründer Bill Leeb stammt ursprünglich auch aus Wien - nur von Jimmy Urine, der hier den exaltierten Part übernimmt, ist solches nicht bekannt. Rockt!

Sonntag, 10. Februar 2019

Death Hags: Zarte Dröhnung

Fundstücke am Sonntag 1/3: Das schieben wir mal schnell der Rezension der neuen HEALTH hinterher, passt einfach zu gut. Denn auch Lola Jean stammt aus Los Angeles und ihr Sound ist auch ein hauptsächlich elektronischer mit viel Punch. Unter dem Moniker Death Hags macht die junge Dame wavigen Technopop, der ordentlich dröhnt und trotzdem zu ihrer zarten, verhallten Stimme harmoniert. Der aktuelle Track "Electrochemical Communication" folgt den früher veröffentlichten Stücken "Earthbound" und einer feinen Coverversion von Leonard Cohens "The Partisan". Übrigens, morgen in Hamburg, später in Berlin.

11.02.  Hamburg, Molotow
14.02.  Berlin, 8mm Bar

WY: Durchaus schlagkräftig

Fundstücke am Sonntag 2/3: Wir bleiben bei der Maschinenmusik, gehen aber kurz nach Schweden. Von dort nämlich kommt das Duo WY. Auf dem Label Hybris haben Ebba und Michel, so heißen die beiden, die sich hinter den zwei Buchstaben versteckt, gerade einen Track namens "Pavements" an den Start geschickt, ziemlich schneller Stoff, nicht überhart, aber trotzdem recht griffig. Als die zwei das Stück im Freundeskreis vorstellten, meinte jemand, das klinge, als würde jemand einen Boxkampf bestreiten - Ebba gefiel das und so war die Idee zum Video geboren. Nach dem Debütalbum "Okay" steht nun hoffentlich bald der Nachfolger ins Haus.

Sistertalk: Natürlich mit Stil

Fundstücke am Sonntag 3/3: Das hier ist dann allerdings unverkennbar britisch und ziemlich handgemacht. Sistertalk sind eine fünfköpfige Formation aus Londoner Norden, 2017 gegründet von den Brüdern Daniel und Gabriel Levy und bsilang haben sie erst diese eine Debütsingle namens "Vitriol" für uns. Die taumelt und grummelt ordentlich und ist einigermaßen schwer zu fassen, ein wenig punky, dann doch ein paar dicke Synthesizer. Das Label, auf dem diese erste Hörprobe erscheint, heißt übrigens Family Portrait und wenn man sich das Press Pic der Band anschaut, dann weiß man, dass in diesem Hause noch Wert auf Stil und gute Manieren gelegt wird. Kann ja nicht schaden, darf mehr kommen.

HEALTH: Vorm Höllentor

HEALTH
„Slaves Of Fear“
(Loma Vista Records)

Wenn einem (wie überschlagen ca. siebeneinhalb Milliarden Menschen) zur Apokalypse noch immer belastbare Augenzeugenberichte fehlen, tut man sich mit Vergleichen naturgemäß ein wenig schwer. Und muss also auf Berichte zurückgreifen, die weniger auf Fakten (auweia!) denn auf Visionen beruhen – Lieblingsjünger Johannes hat ja in seiner Offenbarung etwas vorgespoilert, Bosch hat einen recht anschaulichen Starschnitt vom Fegefeuer gefertigt und auch Dante Alighieri konnte mit seinem Höllenspruch „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ ziemlich viele Gruselpunkte sammeln. Auch nicht ganz ohne ist die Schilderung Tolkiens, als sich Aragorns Getreue vor Morannon, dem Schwarzen Tor von Mordor, zur entscheidenden Schlacht versammeln und dieses sich mit lautem Getöse öffnet. Warum dieser Ausflug? Nun, weil die kalifornische Band HEALTH solche Szenarien auf die gleiche Weise musikalisch vorwegnimmt, weil ihr Sound diese Bilder (auf’s schönste oder schlimmste – je nach Sichtweise) heraufbeschwört.



„Slaves Of Fear“ schließt dabei nahtlos an das ebenso gelungene Vorgängeralbum „Death Magic“ an, wieder trifft Industrial-Lärm auf messerscharfe Mathcore-Riffs, wuchtige Percussions (gern auch mal ultraschnell wie bei „God Botherer“) mischen sich zu tiefschwarzen Drone-Synthesizern. Hochmelodisch bleibt es dennoch, dafür sorgt auch Jake Duzsiks warme Stimme, die stets etwas wattiert durch das infernalische Getöse bricht. Beim Titelsong übernimmt außer der Reihe Ryn Weaver den Gesangspart („Slaves of fear, from the moment we're born, slaves of fear, ‘til we’re dead in the ground“), was eigentlich erstaunt, hatten HEALTH doch vor Veröffentlichung des Albums mit einer Reihe ungewöhnlicher Kollaborationen (Soccer Mommy, Perturbator, Youth Code) überrascht – nun bleiben sie also bis auf diese Ausnahme unter sich und ihrem Stil treu. Was nicht weiter schlimm ist, denn eine Platte mit solcher Kraft, die ja trotz aller Endzeitfantasien eine schöpferische ist, hört man nun ganz selten. http://youwillloveeachother.com/

26.02.  Wien, Arena
27.02.  Frankfurt, Nachtleben
28.02.  München, Feierwerk
01.03.  Leipzig, Täubchenthal
02.03.  Berlin, SO36
19.03.  Lausanne, Le Romandie
20.03.  Luzern, Konzerthaus Schüür

Samstag, 9. Februar 2019

The Coathangers: Selbsterklärend

Über ein neues Album der amerikanischen The Coathangers muß man eigentlich nicht lange philosophieren, die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Band aus Atlanta war um deutliche Worte nie besonders verlegen, seit sie 2007 die Bühne betreten hat. Das letzte Album "Nosebleed Weekend" erschien vor knapp drei Jahren, nun soll am 8. März unter dem Titel "The Devil You Know" der Nachfolger erscheinen. Politisch und provokant sind sie also noch immer geblieben, die erste Single "Bimbo" spielt mit dem englischen Slangwort für "Tussi", die aktuelle spiegelt unmissverständlich die Haltung der drei zum Waffengesetz in den USA wieder. Zu "F The NRA" gibt es im Übrigen auch einen Essay, den Sängerin Julia Kugel zusammen mit Kathleen Hanna (Bikini Kill), Dennis Lyxzen (Refused) und Brendan Canty (Fugazi) via The Talkhouse geschrieben hat.