Dienstag, 26. Oktober 2021

Little Simz: Die Mutmacherin [Update]

Little Simz
„Sometimes I Might Be Introvert“

(Age 101/Rough Trade)

Jetzt müssen wir zu Beginn doch ganz kurz mal in die Zukunft und das gemeinsam mit Sibylle Berg. Diese hat ja vor einiger Zeit eine grandiose Dystopie mit dem Namen „GRM“ geschrieben, in der es nur am Rande um Grime geht – die Musik ist hier mehr Trost und Rückzugsort der Protagonisten und weniger Hauptthema des Romans. Namen werden selten genannt, der von Little Simz aus London ist allerdings schon mit dabei. Und weil sie in dieser heraufdämmernden, endzeitlichen Utopie schon zu den Etablierten, den Superstars gehört, sind die Kommentare zu ihr eher zurückhaltend, vielleicht sogar enttäuscht. Wie schnell diese Zukunft Realität werden kann, sieht und hört man nun an dem aktuellen zweiten Album der Künstlerin. An Selbstvertrauen hat es Simbiatu Ajikawo, Spitzname Simbi alias Little Simz aus dem Stadtteil Islington seit Anbeginn ihrer Karriere noch selten gemangelt, das ist gut so und vollkommen berechtigt – insofern ist der Titel der neuen Platte natürlich schon mal einen Extrapunkt wert.



Ihr Debüt „Grey Area“ war ein Meilenstein, schon dort merkte man deutlich, dass sie unbedingt Grenzen weiten, Stile verbinden wollte, ausschließlich Grime war nicht die Lösung. Den Weg setzt sie auf „Sometimes I Might Be Introvert“ konsequent fort, es beginnt orchestral, mächtige Bläser kündigen den Auftritt an und setzen auf beeindruckende Weise den Kurs – weiblich und schwarz, darum kreist das Album, das ist die Klammer, das Anliegen, das später noch um den Wert der Familie ergänzt wird. „I’m a black woman and I’m a proud one“ – die Zeile aus „Introvert“ ist Tatsache und unverhandelbares Statement zugleich, im darauffolgenden „Woman“ fügt sie diesem zusammen mit Dauergast Cleo Sol die entsprechenden Facetten hinzu. Weniger hart dann, sondern mit souligem Groove.



Little Simz beherrscht ihr Fach, als wäre sie schon Jahrzehnte im Geschäft – die stilistischen Wechsel meistert sie mit bewundernswerter Sicherheit, sie sind die herausragende Stärke dieses Albums. Die schnellen Rhymes sind mal eingebettet in weichen, sanft federnden RnB, dann wieder zu harten Beats gesetzt wie bei „Speed“ und „Rolling Stone“, perkussive Elemente wechseln mit musicalhaften Interludes, später wendet sie sich überzeugend und in Begleitung von Obongjayar aus Nigeria dem Afropop zu. Thematisch wird in der Rückschau ihr Weg bis ins Heute nachgezeichnet, gibt es beißende Ironie („The Rapper Came To Tea“ mit Schauspielerin Emma Corin), nachdenkliche Adressen an Männer im Allgemeinen und den Vater im Speziellen (u.a. „I Love You, I Hate You“), Liebeslieder natürlich und vor allem die Mutmacher, die Aufrufe, es ihr gleichzutun, sich nicht unterkriegen zu lassen. Self-Empowerment rules, in der Tat drängen derzeit viele Künstlerinnen mit Talent nach vorne – so schnell so gut wie Little Simz war bisher noch keine.

Update: Der kenianische Filmemacher Jeremy Ngatho Cole (Cleo Sol, Young Fathers) hat ein neues Video für den Song "I Love You, I Hate You" gedreht, in welchem Little Simz die Beziehung zu ihrem Vater thematisiert.



Sonntag, 24. Oktober 2021

PVRIS: Nichts weniger als gewaltig

Okay, das könnte dann doch ganz interessant werden: Als im August die erste neue Single "Monster" der amerikanischen Elektropopband PVRIS erschien, horchte man schon auf - störrische, elektrische Gitarren spotzten zu bösen Beats und erwiesen sich zusammen mit dem Video als passende Kulisse für den grimmigen Text. Nun, ein paar Monate später, wird klar, dass Lynn Gunn nicht locker lassen wird, denn auch der nächste Song "My Way" zeugt vom Kampf mit Erwartungen, von harten Zeiten und ebenso harten Entscheidungen. Und auch wenn noch immer nicht ganz klar ist, wohin das alles führen wird - von einem neuen Album ist bislang noch nicht die Rede - es wird wohl nichts weniger als gewaltig werden.





Freitag, 22. Oktober 2021

Boy Harsher: Der reine Horror

In Sachen Endzeitfantasien haben die beiden sicher einige Erfahrungen, schließlich lassen sich zu ihrer Musik reichlich Bilder heraufbeschwören, die dazu passen: Boy Harsher, Synthpop-Duo aus Massachusetts, konnten spätestens mit ihrem Album "Careful" aus dem Jahr 2019 für Furore sorgen, nun haben sie ein weiteres im Kasten. Und weil Dystopie und Horror nicht allzu weit voneinander entfernt liegen, werden sie ihre nächste Platte als Soundtrack zu einem eigens gedrehten Kurzfilm dieses Genres veröffentlichen. "The Runner", so der Titel des Gruselstreifens, kommt via Nude Television in die Kinos, der Soundtrack erscheint am 21. Januar bei Nude Club und City Slang mit acht Tracks, zum Opener "Tower" gibt es einen sparsamen Visualizer. Sängerin Jae Matthews meint dazu: "We wrote ‘Tower’ several years ago and although it’s evolved over the years, its initial intent remains the same – that feeling of being enveloped, suffocated, entrapped in a relationship, which in turn manifests into reckless attack. What you love the most can make you into a monster. And that’s what this song is about, being a paralyzed fiend."

16.02.  Leipzig, Werk 2
17.02.  Berlin, Astra
18.02.  Frankfurt, Zoom





Donnerstag, 21. Oktober 2021

Idles: Energischer Kriechgang [Update]

Es muss tatsächlich für eine/n Musiker*in ein komisches Gefühl sein, eine Platte im Kasten zu haben, aber sie nicht auf die Bühne bringen zu können/dürfen. Die Idles aus Bristol sind beileibe nicht die einziegn, die mit solchen Problemen zu kämpfen hatten - im vergangenen Jahr ist ihre dritte Studioplatte "Ultra Mono" erschienen, Pandemie und Lockdown hinderten die Band allerdings daran, die Stücke in aller Ausführlichkeit auch live zu präsentieren. Was, nebenbei bemerkt, für Joe Talbot und Kollegen vielleicht noch etwas schwerer war, denn die Auftritte vor Publikum sind nun mal ihrer wahre Währung. Um so überraschender jedenfalls, dass die Band heute mit der Nachricht aufschlug, am 12. November via Partisan Records schon den nächsten Longplayer ins Regal stellen zu wollen - "Crawler" (Coverart unten), so der Titel, kommt mit der Single "The Beachland Ballroom" im Schlepptau, einem langsamen, tatsächlich fast kriechenden, Grower. Songschreiber Mark Bowen, gerade bei Steve Lamacq am Mikrophon, meinte, das Stück stände für essentiell das, was die Idles ausmachen würde, einen Soul- oder Elektroniksong würden sie ohnehin nicht hinbekommen. Gibt es nichts gegen einzuwenden - wir bleiben einfach dran.

Update: Wie von der Band angekündigt, gibt es für die neue Single nun auch ein weiteres Video - hier kommt "The Beachland Ballroom, Part 2".


Mittwoch, 20. Oktober 2021

Bodega: Immer unter Strom

Als diese Band 2018 auf der Bildfläche erschien, gehörten sie mit einem Schlag zum Interessantesten, was Post-Punk aus New York zu bieten hatte. Entsprechend euphorisch wurde "Endless Scroll", das Debüt von Bodega, aufgenommen, entsprechend groß war die Neugier auf Konzerte, der Andrang ebenso. Klar, dass die Erwartungen an das Nachfolgealbum (nach einer Reihe von EP) ebenfalls ziemlich hoch sind - am 11. März kommt "Broken Eqipment" via What's Your Rupture? in den Handel und geht es nach der ersten Single "Doers" (hier mit Flidpside "Top Hat No Rabbit"), dann müssen wir uns um den anhaltenden Hype keine Sorgen machen. Der Song persifliert die allgemeine Umtriebigkeit, das zwangshafte Kümmern, Darstellen, Posen der sogenannten Macher, das eine/n jede/n von uns kirre bis irre werden lässt. 

25.04.  München, Hansa 39
26.04.  Köln, Bumann und Sohn
27.04.  Hamburg, Molotow





Jennylee: Doppelte Vorfreude

In der vergangenen Tagen gab es zumindest in Hamburg, Berlin und Köln einige Jubelschreie zu vernehmen - verständlich, schließlich kommen im Mai nächsten Jahres die Damen von Warpaint in den besagten Städten auf ein Konzert vorbei. Nachdem im April mit "Lilys" ja schon der erste neue Song der Band erschienen war, nährt das natürlich die Hoffnung auf ein weiteres Album des kalifornischen All-Girl-Quartetts. Nun könnte es allerdings durchaus sein, dass Bassistin Jenny Lee Lindberg sogar etwas schneller im Regal ist, schließlich veröffentlichte sie gerade ihre eigene aktuelle Solosingle "Newtopia", die ihrerseits wieder auf einen Nachfolger des Debüts "Right On!" aus dem Jahr 2015 spekulieren lässt. Aber ob nun Warpaint oder Jennylee, die Vorfreude ist dann halt einfach doppelt so groß, egal wer am Ende die Nase vorn hat.

NUKULUK: Gegen Langeweile

Manchmal kann man ein Gähnen followed by Maulsperre kaum vermeiden - da lesen wir von Coldplay, die mit einem Haufen kaum flügge gewordener, südkoreanischer Pos(t)erboys dem geschmacklosen Kitsch die nächste Ehre erweisen, da zeigen sich die Rolling Stones völlig unbeeindruckt vom Tod ihres Drummers und wollen es stadiontourtechnisch aber noch mal ganz genau wissen, Lana Del Rey stellt ihre monatliche Platte vor und olle Kanye nennt sich fürderhin Ye. Ach Gottchen, es langweilt brutal. Wie gut, dass es in London noch junge Menschen gibt, die anderes als das Übliche machen wollen. NUKULUK zum Beispiel, ein fünfköpfiges Hip-Hop-Kollektiv unter der Ägide von Produzent und Songwriters Syd Nukuluk. Vor zwei Wochen hat die hibbelige und ziemlich freshe Crew ihre Debütsingle "OOH AH" vorgestellt, nun schieben sie "FEEL SO" nach. Das alles stammt von einer EP mit dem Titel "Disaster Pop", die am 17. November erscheinen soll - wir sind schon mächtig gespannt.



Dienstag, 19. Oktober 2021

Shortparis: Die Interessanteren

Immer ein wenig verstörend, immer ein wenig blutig - Shortparis aus St. Petersburg sind mit einem aktuellen Video zurück. Nachdem in diesem Jahr mit "Yablonny Sad" ihr mittlerweile viertes Album erschienen ist, fanden sich die Mannen um den charismatischen Sänger Nikolai Komyagin auch in den hiesigen Feuilletons wieder und konnten sich so - um im neoliberalen Sprech der Zeit zu bleiben - neue Käuferschichten erschließen. Von besagter Platte stammt nun auch der Song "Lyubov moya budet tut", dessen Video in Eigenregie der Band entstanden ist - weitere Stücke finden sich in einem früheren Post. Das Material zusammengenommen sollte dann auch klar sein, dass hier allemal mehr Potential dahintersteckt als beispielsweise bei den südkoreanischen Milchbubis, nur hat das eben Chris Martin noch nicht mitbekommen. Oder sollten wir besser sagen: Zum Glück?



Freitag, 15. Oktober 2021

Tocotronic: Befremdliche Dinge

Natürlich hängen wir zu einem neuen Song von Tocotronic nicht einfach nur ein Update dran, sondern verfassen gleich einen neuen Post. Ehrenhalber, versteht sich. Vor einigen Wochen kam ja schon die Nachricht um die Ecke, dass Dirk von Lowtzow und Kollegen für den 28. Januar die Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums "Nie wieder Krieg" planen, die Single "Jugend ohne Gott gegen Faschismus" gab es obendrauf. Heute nun Vorabsingle Nummer zwei - der ganze Gegensatz, ein ruhiges, ätherisches Duett mit Anja Franziska Plaschg aka. Soap And Skin. So ungewohnt der Umschwung, so vertraut scheinen die Bilder zum Song - aufmerksame Serienjunkies werden das Setting der schwarzen Traumwelt sicher von Stranger Things kennen und gleich wieder erschaudern, tummelte sich doch dort in identischer Kulisse die zauberhafte Jane, Laborkindname Elf, der Ermittlungen wegen zwischen den Welten. Lustigerweise erfährt man in den Credits des Clips, dass die Postproduktion von einer Firma namens ELEVEN bewerkstelligt wurde - ein Schelm, der hier Zusammenhänge konstruiert. Und weil wir annehmen, dass von Lowtzow so etwas nicht ohne Grund macht, nehmen wir's mal als Huldigung - recht hat er.

02.03.2022  Marburg, KFZ
03.03.2022  Jena, Kassablanca
04.03.2022  Saarbrücken, Garage
05.03.2022  Düsseldorf, Zakk
07.03.2022  Dresden, Alter Schlachthof
08.03.2022  Dortmund, FZW
09.03.2022  Erlangen, E-Werk
10.03.2022  Magdeburg, Amo
06.04.2022  München, Tonhalle
07.04.2022  Zürich, X-tra
08.04.2022  Köln, E-Werk
09.04.2022  Leipzig, Felsenkeller
11.04.2022  Hannover, Capitol
12.04.2022  Wiesbaden, Schlachthof
13.04.2022  Stuttgart, LKA Longhorn
14.04.2022  Freiburg, E-Werk
16.04.2022  Hamburg, Edel-Optics Arena
22.04.2022  Berlin, Columbiahalle
19.08.2022  Hamburg, Stadtpark Freilichtbühne
03.09.2022  Potsdam, Waschhaus
08.09.2022  Wien, Arena
09.09.2022  Wien, Arena



Donnerstag, 14. Oktober 2021

Egyptian Blue: Angstgetrieben

Neues aus Brighton: Das Post-Punk-Quartett Egyptian Blue, in den letzten Jahren mit einer Reihe EP aufgefallen, plant für die nächste Zeit die Veröffentlichung eines Debüts im Langformat. Wann genau das sein wird, darauf hat sich ihr Label YALA! noch nicht festgelegt, wohl aber auf die Veräußerung einer ersten Vorabsingle mit Namen "Salt". Zu dessen Entstehungsgeschichte wiederum erklärt Sänger Andy Buss bei DIY: "The song came from a series of anxiety dreams containing monotonous behaviours that felt like walls closing in. That sense of chasing my own tail. Jumping into the dark pit of the pandemic only served to heighten this".

Sea Power: Naheliegende Verkürzung [Update]

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass eine Band ihren Namen ändert, weil die Zeiten nicht die selben geblieben sind und nun, im neuen Licht betrachtet, ein Beigeschmack hinzugekommen ist, auf den man nicht ständig hingewiesen werden möchte, der einen unter einen gewissen Rechtfertigungsdruck setzt. So geschehen in jüngerer Vergangenheit mit der kanadischen Gruppe Viet-Cong, die sich 2015 einfach in Preoccupations umbenannte, im vergangenen Jahr hatten selbst die Dixie Chicks genug und wollten fürderhin nur noch unter The Chicks firmieren. Die Kapelle British Sea Power aus Reading hatte sich, so liest man, schon länger mit dem Gedanken getragen, eine Kürzung vorzunehmen - das Erstarken von Nationalismus und Populismus im Zuge des unsäglichen Brexits hat sie nun den Schritt endgültig vollziehen lassen und so wird auf dem nächsten Album "Everything Was Forever" nur noch Sea Power vermerkt sein. Die erste Single "Two Fingers" wiederum ist von Albtraumgestalten des amerikanischen Autors HP Lovecraft bevölkert, einem so berühmten wie umstrittenen Manne, der nicht nur bedeutende Bücher geschrieben hat, sondern wohl auch ein gnadenloser und unausstehlicher Rassist war. Die neue Platte jedenfalls soll als Nachfolger von "Let The Dancers Inherit The Party" (2017) am 11. Februar 2022 erscheinen. 

Update: Und wir haben mit "Folly" einen weiteren Song von den Rückkehrern.  



Emma Ruth Rundle: Immer ein Ereignis [Update]

Keine Gitarren diesmal, nur ein Piano. Aber was heißt hier "nur"? Wenn Emma Ruth Rundle die Bühne betritt, dann ist das unabhängig vom Instrumentarium immer ein Ereignis. Das war beim letzten Studioalbum "On Dark Horses" so und ebenfalls beim gemeinsamen Projekt "May Our Chambers Be Full" mit der amerikanischen Metalband Thou. Wie sich nun das gerade angekündigten Solowerk "Engine Of Hell", VÖ 5. November bei Sargent House, anfühlen wird, wissen wir noch nicht, die erste Auskopplung "Return" zieht einen aber sofort in den Bann. Sie selbst sagt in den Linernotes dazu: "Here are some very personal songs; here are my memories; here is me teetering on the very edge of sanity dipping my toe into the outer reaches of space and I’m taking you with me and it’s very fucked up and imperfect." 

Update: Hier kommt mit "Blooms Of Oblivion" der zweite Song vom Album, das Video hat die Sängerin gemeinsam mit John Bradburn gedreht.




Marissa Paternoster: Ohne Illusionen

Das klingt jetzt nicht nach der klassischen Friedenstaube, eher nach einem ziemlich zerstörten Vogel: Marissa Paternoster, Sängerin der Screaming Females, hat mit der Ankündigung des ersten Soloalbums unter ihrem Namen die Single "White Dove" geteilt. Und wenn man sie im Video mit trübem Blick und ziemlich derangiert im feierlichen Kleid über einen Friedhof laufen sieht, wie sie von einer weißen Taube mit blutgetränkten Flügeln singt, dann hat das etwas ziemlich Desillusioniertes, Deprimierendes. Die nachfolgenden Songs auf der Platte heißen dann im Übrigen "Black Hole" und "I Lost You" und man kann sich denken, dass auch diese nicht gerade vor Fröhlichkeit bersten. Macht nix, Paternoster war schon bei ihrer Band als eindrucksvolle und emotionale Persönlichkeit in Erinnerung, dem Solo wird das ebenfalls gut tun. Entstanden ist dieses gemeinsam mit Andy Gibbs von der Metalformation Thou und Produzent Eric Bennett, mit dabei außerdem Shanna Polley und Cellistin Kate Wakefield - am 3. Dezember erscheint "Peace Meter", so der Titel, bei Don Giovanni Records.



Mittwoch, 13. Oktober 2021

Bambara: Alles muss raus!

Was soll man sagen - selbstbewußt ist er ja. Reid Bateh, Sänger der amerikanischen Band Bambara, ließ sich für das Cover des neuen Mini-Albums "Love In My Mind" einfach mal en face mit weit ausgeschnittenem Hemdkragen fotografieren, eine Sache, die sich außer Hugh Grant eigentlich nur wenige Männer trauen. Aus Gründen. Nun ja, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, wichtiger ist ja, dass Bambara tatsächlich neu angreifen, nachdem sie wie viele andere ihr letztes Album ("Stray", 2020 auf Wharf Cat) kaum promoten und schon gar nicht live bespielen konnten. "Mythic Love", die erste Single, scheppert dann auch mächtig los, weitere fünf Stücke werden noch folgen, darunter, wie man liest, auch Gesangsduette mit Bria Salmena (Orville Peck/Frigs) und Drew Citron (Public Practice) - am 25. Februar geht alles raus.

17.03.22  Hannover, Cafe Glocksee
18.03.22  Berlin, Urban Spree
21.03.22  Hamburg, Hafenklang
25.03.22  Haldern, Haldern Pop Bar UG
28.03.22  Köln, Bumann und Sohn



Baxter Dury: Ausnahmeerscheinung

Was für ein schöner Titel! Und was für ein toller Kerl - immer noch! Baxter Dury, von dem wir hier reden, hat wohl Zeit seines bisherigen Lebens immer etwas an dem Schatten seines berühmten Vater kauen müssen - Grund dafür gab es eigentlich keinen, denn als er zur Jahrtausendwende damit begann, eigene Soloplatten zu veröffentlichen, war schnell klar, dass er sich in keinster Weise verstecken muss. Seine Musik war immer zu gleichen Teilen verführerisch, diabolisch und subversiv, der Mann konnte im Maßgeschneiderten durch Casino, Nobelabsteige oder Gosse ziehen und machte doch immer eine gute Figur. Vor einem Jahr erschien sein wunderbares Album "The Night Chancers", nun hat er eine veritable Hitcompilation angekündigt - und zwar unter dem Namen "Mr Maserati 2001 To 2021", hach! Darauf finden sich Stücke seiner bislang sieben Studiowerke bis hin zum Debüt "Len Parrot's Memorial Lift" aus dem Jahr 2002. Und ein neuer Song namens "D.O.A" - die Idee dazu kam Dury, so schreibt er, während des Lockdowns, als sein Sohn Kosmo die Playlisten füllte. Darauf fanden sich dann also Stücke von Frank Ocean, Kendrick Lamar und Tyler, The Creator - "They’re embracing everything – sexuality, politics, all of it – and I find that inspiring." Alles zusammen am 3. Dezember bei Heavenly Recordings.



Sleaford Mods: Seltenheitswert

Auch wenn sich Jason Williamson und Andrew Fearn so gut miteinander verstehen, dass man manchmal meint, die beiden von den Sleaford Mods seien Brüder - sind sie natürlich nicht. Phil und Paul Hartnoll von einem anderen britischen Duo, Orbital nämlich, sind sehr wohl Geschwister, seit dem Ende der 80er setzen die beiden wegweisende Akzente in Sachen Techno, Trance und House (letztes Album "Monsters Exit" 2018). Und just am heutigen Tag haben Orbital den Remix von "I Don't Rate You", einem Track des aktuellen Mods-Albums "Spare Ribs" vernetzt. Was nicht nur eine überaus erfreuliche Sache ist, sondern auch eine kleine Rarität. Denn so gern Williamson sich zu anderen Künstlern ins Studio gesellt, so selten lassen die Mods Hand an ihre eigenen Songs legen. Deshalb gehört natürlich auch das Rework desselben Tracks aus den Händen von extnddntwrk, dem Moniker von Fearn selbst, mit zum Pflichtprogramm.



Dienstag, 12. Oktober 2021

Black Country, New Road: First things second

Wie es halt so ist in Pandemiezeiten - mitten in die vorgezogenen Feierlichkeiten zum potentiellen Album des Jahres kommt die Nachricht, dass das alles Schnee von gestern sein könnte, weil die nächste Platte längst bereit steht. Das Virus, wir wissen es, wirbelt so einiges durcheinander und auch der klassische Album-Tour-Album-Tour-Wechsel funktioniert nicht mehr so reibungslos. Die hochgelobte Londoner Kapoelle Black Country, New Road jedenfalls mochte so gar nicht zum Konzertieren kommen in diesem Jahr (bis jetzt jedenfalls, es tut sich was) - deshalb überholt die Ankündigung der zweiten Studioplatte beinahe die Aktivitäten zur ersten. Macht nix, die Truppe ist so gut, dass wir gern alles auf einmal nehmen. "Ants From Up There" soll nun am 4. Februar bei Ninja Tune erscheinen und die erste Single "Chaos Space Marine" knüpft mit ihrer verrückten Klangfülle genau da an, wo der grandiose Vorgänger "For The First Time" aufgehört hat.

23.10.  Köln, Bumann und Sohn
06.11.  Zürich, Bogen F
09.11.  Berlin, Frannz Club
11.11.  Leipzig, UT Connewitz
12.11.  Hamburg, Molotow



Sonntag, 10. Oktober 2021

Nalan: Viele Gesichter

Man kennt sie also, auch wenn man sie so nicht kennt: Als vor zwei Jahren das Debütalbum der Gaddafi Gals erschien, waren nicht nur die Kritiken hierzulande übereinstimmend euphorisch, es fiel vor allem auf, dass die vier Künstler*innen auch international punkten konnten. Was sich dieses Land wiederum gern ans Revers heftet, macht sich immer gut in Sachen Integration und Reputation. Naja. Nalan Karacagil muss sich diese Gedanken nicht machen, sie ist ohnehin unter mehreren Identitäten unterwegs - mit Band, als DJane alias Slimgirl Fat und seit längerer Zeit auch solistisch. Zunächst gab es erste Arbeiten unter dem Pseudonym Nalan381, 2018 die EP "Ugly" und nun soll im Dezember "I'm Good. The Crying Tape" erscheinen. Viel Material also, das man sich zusammensuchen kann - lohnenswert ist es alles. Vom Longplayer liefern wir hier jedenfalls neben der bereits bekannten Single "I'm Good" auch die aktuelle "Sorry" mit, Trennungsgedanken, eingebettet warmen RnB-Sound und ihre wunderbar weiche Stimme. Produziert hat beide Stücke im Übrigen walter p99 arke$tra, mit dem sie schon diverse Male (s.u.) zusammenarbeitete.







VLURE: Der passende Moment [Update]

Ganz ehrlich - einen Song mit diesem Titel genau heute, genau jetzt, das ist schon eine beängstigende, schicksalshafte Fügung. Weil aber nicht davon auszugehen ist, dass sich die schottische Gothrock-Band VLURE näher mit den Irrungen und Wirrungen der deutschen Politik beschäftigen, posten wir ihre Single "Shattered Faith" ganz einfach deshalb, weil die Bilder so schön vintage wirken und die Posen so herrlich überdreht. Bringt allemal Ablenkung im schnöden Alltag, war aber sicher genauso ernst gemeint, wie wir in anderem Zusammenhang geunkt haben. Oder - mit ihren eigenen Worten: "The story itself is about running from your inner demons, it's a response to strife, to desire and life. Shout to Ophidian the snake for being sound and not flying for us." 2020 in ihrer Heimatstadt Glasgow gegründet, gab es bislang von Hamish Hutcheson (Gesang), den Brüdern Conor Goldie (Gitarre) und Niall Goldie (Bass), Alex Pearson (Keyboards) und Schlagzeuger Carlo Kriekaarderst ein Tondokument für einen größeren Zuschauerkreis zu hören, die Single "Desire" teilen wir denn auch hier zusammen mit der neuen und warten auf weitere Treffer.

Update: Mit geschorenem Schädel, flackerndem Licht und irrem Blick wirkt das Video zur neuen Single "Show Me How To Live Again", ihrer ersten Veröffentlichung bei So Young Records, gleich noch ein Stück beeindruckender.




Orton: Den eigenen Weg finden [Update]

Weil wir erst kürzlich über Shoegazing sprachen: Für Ende Oktober ist bei Phlexx Records diese schöne 12" angekündigt - "Sparring" der Name, stammt sie von einem jungen Mann namens Will Crumpton aus Nottingham, der unter dem Alias Orton gerade mit der Single "Your Way" debütiert. Der Song wird einer von fünf Tracks der besagten EP sein, deren Stücke mit einer Reihe von Livemusikern in mehreren Studios seiner Heimatstadt entstanden sind, final abgemischt hat sie Alex Wharton (My Bloody Valentine, Radiohead, Portishead) in den Londoner Abbey Road Studios. Crumpton zu seinem Start in den Linernotes: "I wrote 'Your Way' earlier this year after being on universal credit for a couple of months at the time. I had a lot of people giving me their take on what I should be doing with my life and this song explains the struggle of finding my own way during the time and going forward. It goes deep into ideas and expectations both growing up and being an adult, how you’re expected to fit into some sort of system. This was the changing point for me as I began to realise advice is just advice, if you think you have a better idea then do it."

Update: Nicht weniger gelungen - hier kommt mit "Amongst Us" die zweite Auskopplung aus der EP.