Dienstag, 22. September 2009

Gehört_57



Pete Yorn & Scarlett Johansson „Break Up“ (Warner)
Das amtliche Frauenverstehermagazin Brigitte gab zu dieser Platte allen Ernstes zum Besten, dass sie „... so entspannt ist, dass man spätabends auch mal drüber einschlafen kann.“ Selbst wenn man mal hintenanstellt, dass „Einschlafen können“ hier als Qualitätsmerkmal herhalten soll, möchte man erwidern, viel mehr als Einschlafen kann man zu diesem Album eigentlich gar nicht und wenn man Glück hat, erwischt es einen schon nach dem ersten Song. Denn das, was nach der ersten Single „Relator“ daherkommt ist insgesamt so ermüdend, dass man sich fragen muß, was um alles in der Welt da wen getrieben hat, sich auf diese Menage á deux einzulassen. Denn so recht gewonnen hat keiner der beiden. Johansson hatte ja mit David Sitek von TV On The Radio als Produzent ihrer letzten Platte einen sehr cleveren Griff getan, auch das Songbook von Tom Waits gab einiges an Reizvollem her und so fiel ihr doch sehr dünnes Stimmchen auf dieser eher unkonventionellen Produktion nicht so ins Gewicht. In der klassischen Songstruktur, wie Yorn sie ihr auf „Break up“anbietet, erscheint das vokale Spektrum allerdings mehr als überschaubar, schlimmer noch, es hilft den ohnehin sehr blassen Songs in keinster Weise. So bleibt am Ende nicht viel haften von dem knapp 30 Minuten: Für „Wear And Tear“ durfte es eine Travis-Mandoline sein, bei „Search Your Heart“ wird der Drumcomputer angeschlossen, um dann „Blackie’s Dead“ mit ein paar Breakbeats aufzuhübschen – der Rest ist erschreckend harmlos und ganz schnell vergessen. „I Don’t Know What To Do“ quängelt Scarlett Johansson passenderweise in einem Song – vom Singen jedenfalls sollte sie in nächster Zeit die Finger lassen.

Freitag, 18. September 2009

Gefunden_28



Irgendwie hat man's ja schon immer gewußt, doch dank Lehramtsabsolventin Julia Kube, 24 und ihrer Master-Arbeit zum Thema Namen und Assoziationen ist nun auch dieses Vorurteil hinreichend bestätigt. Begonnen hatte das ganze Unheil bekanntlich im Jahr 1990, als plötzlich Unmengen männlicher Nachkommen mit dem Namen bestraft wurden, den die Eltern freudestrahlend vom Kinobesuch des - nun ja - recht einfach gestrickten Hollywoodfilmchens "Kevin allein zu Haus" mit seinem Hauptdarsteller Macaulay Culkin mit heimgebracht hatten. Der Name wucherte in der Folgezeit unaufhaltsam weiter, bekam viele (s.u.) ebenso abscheuliche Geschwister, während Culkin eine ganze Reihe weiterer sinnfreier Filme drehen durfte und am Ende wohl im Bett bei Michael "I love you all!" Jackson landete. Hier also noch einmal der treffende Wortlaut aus dem Spiegel: "Auffällig schlecht bewerten die Lehrer die Namen Chantal, Justin, Dennis, Marvin und Jaquelin. Doch die Höchststrafe für Kinder lautet nach Ansicht der Grundschulpädagogen Kevin. Er führt die Rangliste der unbeliebten Namen an, gilt als verhaltensauffällig und leistungsschwach. Eine befragte Lehrerin kommentierte: 'Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.'"

Donnerstag, 17. September 2009

Gehört_56



Massive Attack „Splitting The Atom“ EP (Virgin)
Ehrlich, als die Nachricht kam, Massive Attack würden bald mit nagelneuem Material überraschen war ich mir nicht ganz sicher, ob die Limitierung auf vier Songs eher gute oder schlechte Nachricht bedeutete. Denn eigentlich fand ich das 98er „Mezzanine“ streckenweise schon etwas fade und „The 100th Window“ konnte mich dann gleich gar nicht mehr überzeugen. Die Zeit war nicht danach. Nun ist sie’s wieder und nun bin ich mir auch sicher, dass die Band gut daran getan hat, ihr ganzes, ohne Zweifel vorhandenens Genie auf diese vier Stücke zu fokussieren. Die EP beginnt trotz allem mit dem für mich schwächsten Stück, dem Titelsong, einem typischen Bristol-Shuffle, den allerdings die Kollegen von Portishead wohl etwas druckvoller hinbekommen hätten. Das folgende „Pray For Rain“ mit Gastvocalist Tunde Adebimpe von den schwerstens angesagten TV On The Radio bedient passenderweise die brüchige, erdige Stimmung des Gesangparts, ist mit wenig mehr als Piano und grollenden Drums ausreichend instrumentiert. „Psyche“ mit der Ex(Gorillaz)Ex(Tricky)-Chanteuse Martina Topley Bird wiederum ist ein ganz und gar einnehmendes, prächtiges Stück Musik geworden, welches das zwischenzeitlich im Vorgänger auftauchende Echolot modifiziert, zum Leitmotiv umbaut und den Hörer in deutlich wärmere Gefilde führt. „Bulletproof Love“ läßt einen dann zunächst einmal etwas ratlos aussehen inmitten des düsteren Gepluckers, hatte man doch, von der letzten Elbow-Platte angefixt, mit einem vergleichsweise hymnischen Guy Garvey gerechnet. Reingelegt, nichts davon – es wispert und scheppert unheilvoll durch den Mix, zusammengefrickelt von den Produzenten der hier schon angebeteten Fever Ray. Der Song zieht aus dieser Reduktion trotzdem seinen unwiderstehlichen Reiz und schließt somit eine ganz und gar gelungene Kostprobe für das nächste Jahr ab. Denn dann, ja dann dürften es schon ein paar Minuten mehr sein von diesem heißen Scheiß.

Gefunden_27



So gesehen gestern Abend im Münchner Westen. Soll heißen: Es ist Wiesnzeit und die Wiesn bekommt wie immer die Gäste die sie verdient. In diesem Falle vier Inselaffen (bayr. für Engländer) auf eindeutiger Mission ...

Dienstag, 15. September 2009

Gehört_55



The Rifles „The Great Escape“ (Warner)
Die Rifles haben, da muß man nicht lange herumeiern, mit ihrem zweiten Album ein wirklich grundsolides Stück Indierock abgeliefert – elf unprätentiöse, schnurgerade und dabei sehr gefällige Songs, keiner zu lang, keine überflüssigen Verzettelungen, keine riskanten Experimente. Letzteres mag ihnen mancher vorwerfen, dem kann man dann entgegnen, dass es doch manches Mal auch ganz charmant ist, die 14,99 über den Ladentisch zu schieben und dafür genau das zu bekommen, was man erwartet hat. Denn in der hart umkämpften Disziplin „Zweites Album“ hat man schon viele kommen und um so schneller wieder verschwinden sehen, einen gelungenen Nachfolger, mag er dem Debüt (wie hier „No Love Lost“) auch noch so sehr ähneln, bekommt eben nicht ein jeder hin. Den Rifles ist dies perfekt gelungen, in der durchweg hohen Qualität ihrer Stücke sticht weniges heraus, da mag sich jeder selbst seinen Favoriten suchen. Bei mir ist’s letzten Endes das sehr entspannte „Toe Rag“ geworden, gefolgt vom ebenfalls bezaubernden Titelstück. Nur Nuancen also, die hier den Unterschied zum Rest machen – in diesem Punkt sind sie ihren Londoner Stadtrivalen, den Rakes sehr nahe. Die haben übrigens schon das dritte Album von gleicher Güte geschafft, das sollte den Rifles dann doch auch noch gelingen ...

Freitag, 11. September 2009

Gehört_54



Muse "The Resistance" (Warner)
Muse gehören bekanntlich zu der Kategorie von Bands, die sich, ähnlich wie Placebo, im Laufe der Jahre aus dem Indie–Biotop herausgewagt haben und mittlerweile in einer riesenhaften Dimension agieren, die zuweilen von außen eher als Unternehmen denn als „Musikgruppe“ wahrgenommen wird. Die sich in dieser Zeit eine riesige, leidenschaftliche Fanbase erarbeitet haben, wo langersehnte Neuveröffentlichungen so wahrgenommen werden wie andernorts Marienerscheinungen. Da kann man für eine kritische Einlassung schnell mal was um die Ohren bekommen und das nicht zu knapp. Und trotzdem muß es erlaubt sein zu sagen, dass dieses neue Album mit seiner schieren Überfülle an verschiedensten Musikstilen zu einem Monster geraten ist, das selbst hartgesottenste Fans einigermaßen überfordern dürfte. Dabei läßt sich der Beginn noch recht verdaulich an – „Uprising“ ist bester Powerpop, wie ihn in dieser Mischung nur wenige so perfekt hinbekommen, auch das Titelstück und der Nachfolger „Undisclosed Desires“ sind klassisch geprägte Muse-Titel, letzterer mit seinen elektronischen Verzierungen fast schon etwas für die Setlist der aktuellen Depeche-Mode-Tour. Danach – danach allerdings wird es mächtig dunkel. Wer in aller Welt möchte denn bitte solche breitgewalzten Progrocknummern wie „United States Of Eurasia“ oder „Guiding Light“ hören? Und wer bitte sagt Matt Bellamy, dass gegen die handelsübliche Heldenverehrung nichts einzuwenden ist, man aber nicht in jedem einzelnen Takt von schlecht geklauten Queen-Riffs angesprungen werden möchte? In der Folge erholt er sich dann zum Glück wieder etwas, streicht das ausufernde Gegniedel gegen die straightere, härtere Gitarrenvariante und bekommt mit „MK Ultra“ sogar wieder einen halbwegs gelungenen Song hin. Den Ausflug in genrefremde Gefilde haben die Killers auf „Day & Age“ weitaus besser geschafft, der mutige Versuch mit „I Belong To You“ mißrät Muse leider fast komplett und versinkt gegen Ende in plattem Kitsch. Der Rest ist – nein, nicht Schweigen, sondern Oper. Rockoper also, eine wahre Mutprobe für den geduldigen Laien, eine Offenbahrung vielleicht für den Hardcoreanhänger. Hier fängt er, der Satz vom Schuster und seinem Leisten, denn Bryan May ist die eine Sache, aber Chopin der Verwurstung anheim zu geben grenzt an schlichten Größenwahn. Sei’s drum, die Gemeinde wird es zähneknirschend ertragen, den Rest lieben und die Platte wird, soviel darf vermutet werden, der Renner im Spätherbst ...
"The Resistance" auf iLike

Mittwoch, 9. September 2009

Gehört_53



The Jaguar Club “And We Wake Up Slowly” (The Jaguar Club)
Sie hätten es nicht sagen müssen („We’re children of the eighties...“/Corks Pop), man wäre wohl auch von allein drauf gekommen. The Jaguar Club kommen, wie sollte anders sein, natürlich aus New York und wie bei den meisten Bands mit diesem Hintergrund gibt’s auch hier einiges an Referenzen abzuarbeiten. Angefangen beim etwas befremdlichen Namen des Trios: Dank Wiki weiß ich jetzt auch, dass es einstmals im westdeutschen Herford einen recht bekannten – ja: Jaguar Club gegeben hat, in welchem sich Jimi Hendrix, The Who und die Small Faces die Klinke in die Hand gegeben haben sollen. Der letzte Walzer ist dort schon lange gedreht und beim Anhören von „And We Wake Up Slowly“ will sich auch der musikalische Bezug bei mir nicht so recht einstellen, aber eine schöne Geschichte wär’s trotzdem. The Jaguar Club rocken jedenfalls mit sehr viel Emphase und mit einiger Phantasie mag der eine oder andere auch ein paar Anklänge aus den 70ern heraushören. Weitaus deutlicher drängt sich allerdings ein anderer Name auf: The Gun Club. Irgendwie erinnert Will Popadics leicht überdrehte Intonation an das brüchige Organ eines Jeffrey Lee Pierce, was natürlich mal eine satte Hypothek ist. Aber auch Verweise auf Echo And The Bunnymen (früher) und die Walkmen (heute) schlagen nicht völlig fehl, The Jaguar Club spielen eine recht breite Palette von Garage bis New Wave und dies auf durchweg sehr unterhaltsame Art. Das eingangs erwähnte „Corks Pop“ kann man sicher als einen Höhepunkt verbuchen, auch „Sleepwalking“ und „Blood Pressure“ haben eine zwingende Präsenz und Wucht. Ruhig können sie auch (Perfect Timing), wenn’s sein muß auch mal ohne Vocals (In The Leaves). Nach der letzten EP „Sirens“ (2007) klingt also auch das aktuelle Material recht überzeugend und – den Gimmick kann ich mir leider nicht schenken – sehr ausgeschlafen.

Gefunden_26



Ganz so einfach scheint es Morrissey nicht gefallen zu sein, diese Sammlung rarer Songs und B-Seiten freizugeben, jedenfalls schaut er recht gequält auf dem Cover seiner Ende Oktober erscheinenden Platte. Aber so ist er halt, der alte Mozzer, und wenn die Songs halbwegs die Güte der regulären Alben haben sollte uns das mehr als Recht sein. Nicht recht erklären kann ich mir aber nach wie vor nicht, warum das Cover eine so ähnliche Optik aufweist wie das neue von Robert W. Mhhhh ...?

Dienstag, 8. September 2009

Gehört_52



Taken By Trees „East Of Eden“ (Rough Trade)
Eins ist klar – mit diesem Album ist der Sommer nun endgültig passé. Insgeheim glaube ich ja, dass Victoria Bergsman, die Frau hinter Taken By Trees, überhaupt nicht anders kann als herbstliche Platten zu machen. So jedenfalls kommt das zweite Album zum richtigen Zeitpunkt: kühlere Nächte, goldene Blätter, Melancholie allerorten, passt. Ganz so einfach aber, wie man nach den ersten beiden Songs denken mag, wird es aber dem Höher dann doch nicht gemacht. Der Beginn ist natürlich fulminant: Kein Mensch, wenn er nicht gerade Gordon Gekko heißt und sich seine Brötchen mit Investmentbanking verdient, kann sich der herzzereißenden Traurigkeit von „To Lose Someone“ verschließen, auch das nachfolgende „Anna“ klingt leicht umflort. Doch schon ab dem dritten Lied schiebt sich das in den Vordergrund, was zuvor im Backround eher nur Andeutung war – fernöstliche, weltmusikalische Klänge und Melodien dominieren im Folgenden, mal mehr, mal weniger. Nicht immer zum Vorteil, denn einige Songs wirken dadurch ein wenig hektisch und weniger eingängig. Vielleicht hat das aber auch etwas mit westeuropäisch konditionierten Hörgewohnheiten zu tun, denn reizvoll bleiben die Stücke allemal. Zwischendurch gibt’s dann noch ein wenig landessprachliches (Tidens Gang, Bekennelse), mit den Stücken „My Boys“ und „Day By Day“ bleibt sie aber auch zum Ende hin ihrer weltumspannenden Mixtur treu. Mir persönlich hätten sicher ein paar Takte mehr vom Schlage des Eröffnungsstücks gefallen, aber warum soll man es immer einfach haben. „East Of Eden“ ist eben zweifellos auch ein Stück ambitionierte Hörkunst, die erarbeitet werden will. Tun wir ihr den Gefallen.

Gefunden_25



Ja wenn's so einfach wäre, Mann, dann wär's auch irgendwie langweilig, oder? Da hat sich der Herr Williams wohl gedacht, er macht mal so eine Art Gaga-Robbie, erfunden hat er sich ja schon oft genug, da kann man's ja mal versuchen. Klappt aber nicht. Die erste Single "Bodies" klingt wie der aufgehübschte lauwarme Aufguß eines Songs, den der Meister wohl vor ein paar Jahren nicht mal als B-Seite hergenommen hätte. Dafür die Warterei? Dafür der ganze Schmus von wegen BurnOut, UFOs und Tierkostüme? Ach Robbie ...

Montag, 7. September 2009

Gefunden_24



Der Titel ist schön und natürlich auch das Coverfoto - Jochen Distelmeyer aka. Herr Blumfeld a.D. macht jetzt alleine weiter und bleibt sich als Ästhet mehr als treu. Viel ist ja noch nicht bekannt von seiner neuen Platte "Heavy", doch schon die ersten beiden Lieder deuten den Spagat an, den er bei seinem Solodebüt wagt. Während "Laß uns Liebe sein" eine lässige Fame-Optik und beschwingte Seelsorge bietet, logiert "Wohin mit dem Hass?" ein paar Etagen weiter unten in der Tiefgarage, wo Distelmeyer beim zünftigen Stelldichein mit Scharfschütze, Slomopogo und Molotowpulle klare Ansagen zu sachte angerocktem Sound macht: "Kennst Du die Reichen und Mächtigen, lass ihre Wagen brennen!" und "Also gebt mir Euren Hass und seht mir zu, wie ich ihn für euch verwandle, wenn ich fertig bin laß ich euch in Ruh', alleine mit eurem Hass." Respekt der Herr, da dürfen wir wohl gespannt sein!

Freitag, 4. September 2009

Gehört_51



Fever Ray „Fever Ray“ (Universal)
Innerlich flucht man über solche Fälle, in denen ein so blitzsauberes Album vor Monaten leichten Schrittes unerkannt an einem vorbeigewandert ist – keine Notiz und keine Ahnung warum. Da kann man also den unzähligen Musikbloggs sprichwörtlich an den Lippen hängen und sich vor jedes Portal setzen und mit Argusaugen und –ohren wachen, das eine odere andere wird zwangsläufig überhört. Bei mir also Fever Ray. Was um so sträflicher ist, als das sich diese Musik als so eine Art perfekte Essenz verschiedenster bevorzugter Stile und Spielarten erweisen sollte. Und wenn auch der namentliche Vergleich als die Erbsünde der Musikkritik gilt, kommt man manchmal nicht umhin, seine Assoziationen zu benennen. Nämlich gerade dann, wenn es eben nicht um den Vorwurf der allzu billigen Blaupause geht, sondern das Namedropping eher die ehrfürchtige Bewunderung unterfüttern soll. Machen wir’s also kurz: Nahe bei „Felt Mountain“, bevor Goldfrapp zu zappeln anfingen, viel von der ruhigen Majestät einer Laurie Anderson und der elfenhaften Verspieltheit einer Kate Bush, manchmal, aber selten so dunkel wie Nico, Fad Gadget ohne den zerissenen Krach, also eher Frank Tovey solo und am Ende die Idee der morbiden, skandinavischen Variante von Massive Attack. Und sicher gibt es bei jedem der zehn einzigartigen Songs, von denen wirklich keiner qualitativ abfällt, noch eine ganze Reihe anderer Einflüsse, die zu nennen wären – trotzdem gelingt Karin Dreijer aka Fever Ray eine so berauschende Mischung, die einen zuweilen nur noch staunen läßt. Die Reizpunkte Stimme plus archaische elektronische Soundeffekte werden so gekonnt gesetzt und miteinander verwoben, dass man mit geschlossenen Augen endlos dem Kopfkino folgen möchte, was sich da Kulisse um Kulisse aufbaut. Dreijer hat ja mit Deus, Röyksopp und vor allem The Knife schon diverse Male glänzen können, so geschlossen und zwingend wie hier gelang das aber noch nicht. Die Texte dazu kryptisch, düster und um meine Schwägerin ins Spiel zu bringen, furchtbar „nahe am Grab“ (“I laying down, eating snow, my fur is hot, my tongue is cold, on a bed of spider web, I think about to change myself … whispering, morning keep the streets empty for me”), aber das Spiel funktioniert, macht süchtig, weghören ab jetzt nicht mehr möglich. Schon deshalb eines der interessantesten Projekte des Jahres. Und da ist es dann letzten Endes egal, wann man darüber stolpert, Hauptsache, man tut es.

Montag, 31. August 2009

Sensation, Baby?



“It’s with some sadness and great relief to tell you that I quit Oasis tonight. People will write and say what they like, but I simply could not go on working with Liam a day longer.”
Es sollte wohl als d i e Sensationsmeldung der neuen Woche daherkommen, bei näherer und subjektiver Betrachtung entpuppt sich die Nachricht eher als eine aus der Kategorie Reis/China/ Sack. Welche der beiden strunzdummen Hulpen nun die Band verlassen hat und warum ist eigentlich völlig wurscht, haben sie doch zusammen seit gefühlten 35 Jahren kein gescheites Album mehr hinbekommen. Aus rein psychologischer Sicht ist das Ganze natürlich schon ein kurzes Aufmerken wert, steigt doch der gesammelte IQ der Band vom Niveau eines Knäckebrotes auf den einer Stubenfliege – und das ist in Zeiten des Sommerlochs dann doch ein richtiger Kracher ...

Freitag, 28. August 2009

Gehört_50



Noah And The Whale „The First Days Of Spring“ (V2)
Böse Zungen könnten behaupten, Noah And The Whale hätten ihren Karrierepeak in dem Moment erreicht, als sie im letzten Jahr mit ihrem fidelen „Five Years Time“ einen österreichischen Mobilfunker bei dessen Werbefeldzug musikalisch unter die Arme greifen durften – was sollte danach noch kommen? Nun, zu einer zweiten Platte hat’s jedenfalls gereicht, von dem fröhlichen Ukulelenfolk ist darauf allerdings nicht mehr so viel übrig geblieben. Denn Noah And The Whale im Jahre 2009 lassen sich Zeit. Sie lassen sich viel Zeit. Ganze drei Stücke brauchts, um endlich nach zentnerschwerem, sparsam instrumentiertem und todtraurigem Beginn („I Have Nothing“) der Band mit zaghaftem Rhythmus ein wenig auf die Sprünge zu helfen. „My Broken Heart“ ist zwar auch nichts für einen spaßigen Telefonspot, beweißt aber zumindest einiges an Potential – hier ein hallender Bläsersatz, da ein verzerrtes Gitarrenriff, das ganze schön flauschig unterfüttert, man möchte sie fast anspornen, jetzt doch endlich mal die Handbremse zu lösen. Und wie das so ist, wer dabei nicht aufpaßt, schmiert halt auch mal kräftig ab – so geschehen bei „Love Of An Orchestra“, über das man mitsamt den Instrumentals schleunigst den Mantel des Schweigens legen möchte. Bei „Stranger“ haben sie sich dann wieder gefangen, sind ganz bei sich, steigern sich sogar noch ein wenig und machen aus „Blue Skies“ einen ganz passablen Schmachtfetzen, den Chris Martin auch nicht besser hinbekommen hätte. Der Rest erschöpft sich dann allerdings wieder in trostlosen Selbstbetrachtungen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass sich die Jungs aus London nie so ganz für eine Richtung entscheiden können: Für die Tindersticks fehlt es ihnen an der zerrütteten und übersteigerten Melodramatik eines Stuart Staples, für Bill Callahan an grandios versponnener Posie und für Coldplay und deren kitschiges Pathos haben sie nicht den Mut – was man ihnen aber nicht wirklich übelnehmen kann. Mal schauen, wo die Reise so hingeht, die ersten Frühlingstage hatte ich mir jedenfalls etwas anders vorgestellt ...

Donnerstag, 27. August 2009

Gehört_49



Brendan Benson „My Old, Familiar Friend“ (V2)
Ehrlicherweise sollte ich vorausschicken, dass der alternative Songwriterpop eines Brendan Benson nicht so ganz zu meinen Spezialgebieten gehört. Natürlich habe ich meinen Elliot Smith gehört, Sondre Lerche und Ben Kweller im Regal und natürlich sind mir auch die Raconteurs ein fester Begriff, wenn ich diesen die agressivere Variante von Jack Whites Nebenprojekten, also The Dead Weather, eher bevorzuge. Will sagen, ich kann schwerlich einschätzen, ob Benson, wie der stets unfehlbare Karl Bruckmaier schreibt, „Gott ist“ – dass er hier aber mit „My Old Familiar Friend“ eine fabelhafte Songsammlung vorlegt, das dürfte außer Frage stehen. Ein Akkordarbeiter scheint er ja nicht zu sein, der Amerikaner, was ihn nebenbei bemerkt sehr angenehm von seinem Kollegen Ryan Adams unterscheidet, in nunmehr dreizehn Jahren ist dies sein viertes Album. Und wenn das wie zu hören der Qualität der Songs zuträglich ist dann soll es mir nur recht sein. Schon mit dem zweiten Stück „Eyes on the horizon“ ist ihm ein wundervoller Song geglückt, gefolgt vom herrlichen „Garbage Day“, das in Text und Ton ohne Probleme auch dem Kopf eines Ben Folds entsprungen sein könnte. Die Parallelen zwischen beiden sind auch beim Rest des Albums erfreulich offenkundig. Beide scheuen nicht die überraschende Instrumentierung und wildern gern in scheinbar artfremdem Gebiet – so wird zum Beispiel aus „Feel like taking me home“ eine fast schon überraschende Dancenummer. Übriges pendelt zwischen traurig-süßer Ballade (fabelhaft hier: „Lesson Learned“), getragenem Midtempo und gut abgehangenem Rock, alles wirkt sehr frisch, inspiriert und an keiner Stelle gelangweilt. Neulich war ja zu lesen, dass die Londoner jetzt über die Musik in ihren U-Bahn per Internet abstimmen dürfen. Weitergesponnen heißt das dann: Wenn Benson also nicht Gott ist, so wollen wir hoffen, dass der echte wenigstens einen YouTube-Channel besitzt und kräftig für seinen vermeintlichen Stellvertreter voten kann. Es wäre nur gerecht.

Freitag, 21. August 2009

Gehört_48



Zoot Woman „Things Are What They Used To Be“ (Snowhite)
Nachdem der ansich sehr geschätzte Dirk Peitz es fertigebracht hat, im Kulturteil der SZ einen Fünfspalter über Zoot Woman unterzubringen, der nahezu nichts über die Musik auf deren neuer Platte zu berichten wußte, dafür umsomehr über ihren berühmten Bassisten und Superoberproduzenten Stuart Price und dessen seltsames Teilarbeitsverhältnis, schien es doch ganz ratsam, sich besagtes Album noch einmal genauer anzuhören. Die Erwartungen an diese Band, neben The Whitest Boy Alive vielleicht die zeitgemäßeste des noch jungen Jahrtausends, waren nach sechs Jahren Wartezeit und den Meriten der beiden erstklassigen Vorgänger schwindelnd hoch. Gelten sie doch nicht nur als bloße Blaupause der 80er Jahre, die einem, ob man nun will oder nicht, an jeder Ecke gnadenlos um die müden Ohren gehauen werden – Zoot Woman wird eine deutlich höhere Qualität zuerkannt, Premier League sozusagen. Der erste Eindruck von „Things Are What They Used To Be“ allerdings ist dann eher ein zwiespältiger. Nicht dass man mit dem Diktat des Grooves, das Price dem Album verordnet hat, nicht leben könnte, auch mit den teils unterkühlten, wohlkalkulierten Arrangements war zu rechnen. Was allerdings erstaunt ist die relativ eindimensionale Ausrichtung der Mittel, die hier zum Erfolg führen sollen. Es stampft und pumpt was die Membranen hergeben, neben dem Titelstück fallen dem auch „Memory“ und „Witness“ zum Opfer – letzteres Stück könnte durchaus auch für die aktuellen Depeche Mode taugen, wobei dann wohl Dave Gahan auch die deutlich stimmgewaltigere Gesangsalternative wäre. Das und der etwas flaue Beginn des Albums lassen einen etwas ratlos zurück und so kommt es, dass die wirklichen Höhepunkte eben die sind, die schon längere Zeit im Netz kursieren: „Saturation“ klingt, diese zweifelhafte Metapher muß erlaubt sein, wie heißes, pulsierendes Wachs – goldfarben natürlich, ebenso grandios kommen „We Won’t Break“ und „Live In My Head“ daher, allesamt runde Ohrenschmeichler, zu denen sich mit Abstrichen auch noch „Lonely By Your Side“ gesellen kann. Der Rest ist mir zu einfach schabloniert und dann zu schnell vergessen. Dass Price auch Hand an das neue Killers-Album gelegt hat, läßt sich an seinem eigenen Projekt leider so recht nicht erkennen – die Überraschungen, die einem da aus jedem Song entgegensprangen, fehlen hier fast gänzlich. Kein „Midas Touch“ also für den Klangveredler oder um im Bild zu bleiben, zu wenige „Killers“, zu viele „Fillers“ ...

Dienstag, 18. August 2009

Gehört_47



The XX „XX“ (XL Recordings)
Nee, nee, Alter, denkste dir, nee, nich mit mir! Gerade mal vierzich geworden, was von der Welt gesehen und zwar nich zu knapp. Die Achziger nich nur in der Glotze mit olle Hugo Balder erlebt, sondern mittendrinne sozialisiert – alles gehört: den Punk, New Wave, No Wave, Nu Wave und was nich alles. Kurz: Ahnung von Musik, und zwar reichlich. Denkste dir. Schon einiges mitgemacht, denkste, damals Nirvana, dabeigewesen – klar, war geil, war top. Dann später die Strokes, erst mal abwarten haste gesagt, aber keine Gegenwehr, kapituliert, waren zu gut, auch geil, auch top, keine Ausreden. Haste viel kommen und noch mehr gehen sehen, denkste dir. Und läßt dich nicht verrückt machen. Nur weil so ne angestaubte, oberwichtige Musikzeitung – en em eh, hohoho – wieder mal ne neue Sau durchs Dorf treibt. Ha, alles schon gehabt. Arctic Monkeys sagste, tja, fandste nich so toll, total überschätzt. Total. Dann The Enemy, dass du nich lachst, war doch nix, keine Ahnung, nur noch Hyper! Hyper! schreien als hätten’se Fieber. Nich mi dir, denkste. Und jetzt das – ha: Glauben das ist einfach, denken, sie haben’s raus – einfach mal so’n Kreuz auf die Hülle kritzeln. Hey, Milchgesichter allesamt, keine 20 und schon Platten machen wollen, die einen umhauen. Da lachste. Denkste – dich kriegen sie nich. Namedropping, haha, bin über vierzich und dann wollen se mir wieder was von Joy Division und The Cure erzählen – gut Mann, bei Interpol hat’s ja noch hingehauen, da haben’se Recht gehabt. Aber hey, das passiert in zwanzich Jahren ein Mal. Young Marble Giants hat einer geschrieben, hatter dich gehabt, haste dich breitschlagen lassen und hast mal reingehört. Nur mal so. Und was nu, ja verdammt noch mal, soll doch einer … ach Scheiße, hört doch einfach selbst rein, glaubt ja eh’ keiner! Gibt’s nich! Nich mit dir, haste gedacht, nich wahr?
http://www.myspace.com/thexx

Erster sein.



Da muß ein wenig Freude wohl erlaubt sein, auch wenn ich die Spötter schon aus allen Ecken rufen höre: "2. Spieltag, 2. Spieltag ..." - geschenkt! Ich jedenfalls kann mich an Zeiten erinnern, da skandierten die Kiezfans noch voller Leidenschaft am Montag Abend im DSF vor laufenden Kameras "Wir essen keinen Corny-Riegel, wir trinken kein Hasseröder!" - man mochte ganz offensichtlich die Montagsspiele nicht sooo sehr. Das sollte sich seit gestern Abend geändert haben - mit einem satten 5:0, in Worten FÜNF ZU NULL, hat der FC die Aachener daheim gleichsam weggeballert. Haben die Aachener Sportsfreunde wohl gedacht, sie wären die einzigen, die ein Tivoli zu bieten hätten und dabei wohl vergessen, dass beim FC St. Pauli das Tivoli in Form des Vereins- aka Revuepräsis quasi immer mit an Bord ist. Und das Ding hätte sehr wohl noch höher ausfallen können, wenn der Schiri den ersten Elfer gegen Naki auch noch gegeben hätte - ach, was soll's. Träumen wir halt ein wenig und genießen den Blick auf die Tabelle, denn ein St. Pauli-Fan weiß, wie kurz so ein Moment sein kann. Nicht vergessen werden sollen bei aller Freude die Genesungswünsche für den Fan, der beim Jubel von der Tribüne in die Tiefe gestürzt ist - er soll soweit außer Lebensgefahr sein ...

Montag, 17. August 2009

Gehört_46



Julian Plenti „Julian Plenti is ... Skyscraper” (Matador)
Es war natürlich sonnenklar, dass es Paul Banks mit seinem Alter Ego und dessen Solodebüt „Julian Plenti is ... Skyscraper“ nicht eben leicht haben würde bei der Kritik, allzu komplex und in sich gekehrt hat sich die Musik seiner Band Interpol in den letzten Jahren entwickelt, zu unnahbar wirkte der charismatische Sänger für die hechelnde Journaille. Und als er sich desöfteren mit Extopmodel Helena Christensen zeigte und sich auch daraus keine Stories für die Klatschpresse stricken ließen, war das Beil geschliffen und die Hinrichtung abgemachte Sache. Dass diese nun vorerst verschoben werden muß ist erstaunlich genug, die Kritiken zum ersten Soloalbum fallen doch milder aus als erwartet und manch ein Freund der Parole „Kopf ab!“ hat sich sogar zu einer wohlwollenden Empfehlung hinreißen lassen. Tatsächlich sind die Songs auf dem Album zwar bei weitem nicht so vielschichtig wie zum Beispiel auf „Our Love To Admire“, dem letzten Meilenstein von Interpol, auch den zwingenden, wuchtigen Beat von „Antics“ sucht man meist vergebens – interessanterweise findet man ihn dann beim einzigen Stück, an dem auch Sam Fogarino, der Drummer der Band, mitgefrickelt hat, der zweiten Single „Games For Days“. Und trotzdem ist es eine zwar gewohnt unterkühlte, doch abwechslungsreiche, interessante Platte geworden: Wieder entfaltet das raue, elegische Timbre von Banks seinen unwiderstehlichen Zauber und macht einige, wenn auch beileibe nicht alle Songs auf „...Skyscraper“ zu unverkennbaren Ohrwürmern. Wieder sind es eher die schwermütigen Sachen, die über dem Durchschnitt liegen, „On The Esplanade“ prickelt angenehm dunkel, „Skyscraper“ wirkt noch eine Spur mystischer, auch der „Madrid Song“ hat seine berückenden Momente. Anderes wieder kommt recht unentschieden daher, die erste Single „Fun That We Have“ zählt dazu genauso wie das fast schon beschwingte „Unwind“. Man möchte sich die Augen (oder besser die Ohren) reiben bei solchen Klängen, solche krachigen Zwitter waren ja die Sache von Interpol nicht und irgendwie passt es wohl auch zum Menschen Paul Banks, der deutlich geerdeter, klarer und lebensbejahender wirkt als noch vor eins, zwei Jahren. Der Zynismus ist einer durchaus positiven Melancholie gewichen, das Instrumental „H“ also auch ein kleines, augenzwinkerndes Gegenstück zum bitterbösen, kaltschnäuzigen „The Heinrich Maneuver“ aus dem Jahr 2007. Man darf sich also freuen über dieses Ergebnis der Selbstbesinnung und auch über den Mut, diese Platte zu bringen – in den letzten Interviews hatte Banks ja anklingen lassen, dass er mit Vorliebe eben nicht wie vielfach vermutet die alten Platten von Joy Division, Television und den Chameleons hört, sondern hauptsächlich Rap und Hip Hop. Gut, dass man das dem Album in keinster Weise anhört – so bleibt der Kopf dran!

Und los!

Klammheimlich hat während meines Urlaubs die neue Saison begonnen - nun, allzuviel ist noch nicht passiert: Schalke und Wolfburg rennen sich die Lunge aus dem Leib, die Bayern hecheln noch im Mittelfeld hinterher und spielen schon wieder so konfus wie gewohnt (sagt der Bayern-Michi, der hat's gesehen) und die Kiezkicker haben sich den geliebten Platz 8 von den blöden Sechzgern nehmen lassen - na warten wir's ab. In jedem Falle jetzt auch hier wieder alles halbswegs aktuell nachzulesen ...