Donnerstag, 30. Juli 2009

Ach, übrigens ...


http://www.urlaub-im-piemont.de/

Gehört_45



UUVVWWZ „UUVVWWZ“ (Saddle Creek)
Das ist jetzt beileibe keine spontane Konzessionsentscheidung, dieses Album schnell dem vorangegangenen hinterherzuschieben, nur weil es so schön bunt und der Name der Band so herrlich verquer ist. So richtig bekannt sind die vier aus Nebraska zwar hierzulande auch noch nicht, aber das könnte sich ändern, wenn das Debüt die Aufmerksamkeit findet, die es verdient hat. Leicht verorten lassen sich UUVVWWZ allerdings nicht. Spontan fällt mir an dieser Stelle ein, dass ich vor einiger Zeit recht traurig herumlamentierte, dass sich die Yeah Yeah Yeahs um Sängerin Karen O. wohl endgültig von ihrem angenehm sperrigen Gitarrenpop zugunsten der momentan recht hippen Diskonummer verabschiedet haben. Und so könnte man nun, ohne UUVVWWZ unrecht tun zu wollen behaupten, sie seien so etwas wie die Fortsetzung der YYYs mit anderen Mitteln (und bei dem ganzen Buchstabensalat hat das Ganze noch eine charmante Note). Der Sound jedenfalls ist ähnlich, harsche Breaks und apprupte Tempiwechsel, sanfte Pausen, in denen Sängerin Teal Gardner den Hörer in trügerische Ruhe hineinschmeichelt, um ihm gleich danach mit brachialem Schrei das nächste Brett vor den Kopf zu hauen. Die eingängigsten Songs sind der Opener „Berry Can“, der sich quasi von einem Riff zum nächsten schleicht, „The Sun“, der sich etwas linearer steigert als der Rest und das fast liebliche „Castle“, das auch ein wenig an die geliebten Breeders erinnert. Und auch das übrige ist nicht zu verachten, nur etwas mühevoller zu erschließen – „Green Starred Sleeve“ etwa quietscht und kratzt derart im Gehörgang, dass man Freund Tinitus geradezu ergeben winken sieht, bei „Jap Dad“ ist man geneigt, dem kompletten Ensemble eine Familienpackung Valium zu reichen – macht aber trotzdem mächtig Spaß. Am Ende fühlt sich der Kopf bestenfalls ein wenig taub an, man sollte mit dem nächsten Durchlauf trotzdem ein wenig warten, sicherheitshalber ...
http://uuvvwwz.blogspot.com/

Montag, 27. Juli 2009

Gehört_44


Madensuyu "D Is Done" (Bertus)
Böse Zungen mögen jetzt behaupten, ich würde Alben bevorzugt dann rezensieren und für gut befinden, wenn sie ein schwarzes Cover aufzuweisen hätten. Zugegeben, die letzten Beispiele mit den Japandroids und The Dead Weather lassen solches vermuten, aber keine Angst, es kommen auch wieder bunte Tage. Heute allerdings ist erst einmal die Stunde der belgischen Madensuyu. Die sind hierzulande so sehr Geheimtip, dass selbst das deutsche Amazon das aktuelle „D Is Done“ nicht im Programm führt und die Platte auch sonst reichlich schwer zu organisieren ist. Dabei ist sie gar nicht so neu, sondern schon seit November 2008 auf dem Markt und nur der Teufel weiß, warum die beiden Jungs mittlerweile nicht genauso bekannt sind wie andere vergleichbare Zweimannprojekte. Denn die Musik, die die beiden da hinzaubern ist so herrlich druckvoll und gleicht einer gut vierzigminütigen Dauerhypnose aus geschlagenem Beat, dreckigem Riff und dahingerotztem Textmantra. Schon beim zweiten Song „Fafafafucking“ weiß man, dass die Belgier ihre Lektion Velvet Underground gelernt haben, auch in der Folge spielen sie gekonnt mit Versatzstücken ihrer Vorbilder, zu denen offensichtlich auch die britischen Underworld mit ihren wuchtigen Loops gehören müssen. Klassische Songsstrukturen á la Bridge/Verse/Chrorus sind hier Fehlanzeige, hier geht es um Prägnanz und Prägung durch die Variantion der Wiederholung, hier wird nicht gekleckert, hier werden ganze Türme aus Gitarrenwänden zusammengezimmert – Noise galore! Herausrangend das atemlose „Oh Frail“ mit choraler Untermalung, getrieben von trockenen Schlägen und malträtierten Gitarrensaiten. Auch „Ti:Me“, „My“ und „Tread On Tread Light“ lassen einen atemlos zurück und nur der Titeltrack am Ende gönnt einem bei knapp neun Minuten Spielzeit streckenweise etwas Zeit zum Luftholen. Bleibt am Ende das Rätsel des Bandnamens – Madensuyu ist die türkische Bezeichnung für Mineralwasser. Und dieses Wort für solch hochprozentige Ware zu wählen kann man nur als reines Understatement werten…
http://www.madensuyu.be/

Mittwoch, 22. Juli 2009

Gefunden_23



"Da waren ja am Wochenende so viele Heavy-Metal-Bands, wie hießen die noch mal - ja, eine hieß ONASSIS - das war unglaublich laut dort."
Meine Mutter erzählte am Telefon über Bekannte, die bei Gräfenhainichen wohnen und den Krach im nahegelegenen Ferropolis erwähnten. Die Schlüsselworte heißen übrigens melt!, Britpop und wer den Namen der Band herausfindet, gewinnt wie immer - nix. In diesem Zusammenhang ist mir auch eingefallen, dass das melt! das einzige Festival ist, auf welches ich unsere Tochter jetzt schon mitnehmen könnte - nur würde man dann von ONASSIS nicht mehr viel hören, sondern nur: "Baggggggaaaaah!"

Dienstag, 21. Juli 2009

Gefunden_22



Man mag ja von Coldplay, von ihrer Musik und speziell von ihrem Sänger Chris Martin halten was man will (komisch, so fangen eigentlich seit Unzeiten auch meine Artikel über U2 an ...?), was sie allerdings mit Hilfe der Künstlergruppe Shynola zu ihrem aktuellen Song "Strawberry Swing" zusammengebastelt haben ist aller Ehren wert und verdient eindeutig die fränkische Ehrenauszeichnung meiner lieben Schwiegermutter: "Buzzich!"

Donnerstag, 16. Juli 2009

Gehört_43



Rotfront „Emigrantski Raggamuffin“ (Essay)
Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als der Focus auf den Plan trat und ein jeder schrie, dass es neben dem Spiegel kein zweites Nachrichtenmagazin geben könne? Nun, leider hat damals der dicke Markwort recht behalten und der Focus sein Stück vom Kuchen abbekommen. Abgesehen davon, dass die Geschichte den Nörglern ein wenig Recht geben mußte, denn der Focus ist heute kein Nachrichtenmagazin mehr, sondern ein besserer Ratgeber für Haus, Hof und Handyvertrag – abgesehen davon kommt der Vergleich in diesem Zusammenhang natürlich nicht nur auf Krücken, sondern gleich im Vollgips daher. Denn die Gegensatzpaare heißen hier Spiegel/Seeed vs. Focus/Rotfront – uiuiuihhh ... Eigentlich wollte ich aber nur sagen, dass im Schatten der mittlerweile etablierten Seeed sehr wohl noch die eine oder andere Alternative im Dancehallbiotop heranwachsen konnte. So eben das Emigrantski Raggamuffin Kollektiv Rotfront, 2003 gegründet von den beiden Wahlberlinern Yuriy Gurzhy, bekannt als die eine Hälfte von Kaminers Russendisko, und Simon Wahorn. Zu behaupten, Rotfront wären quasi Seeed von unten, würde dieser multiligualen Kombo nur ungenügend gerecht werden. Zwar treten sie bei Konzerten in ähnlicher Formationsstärke auf, beschränken sich aber bei ihrer Musik nicht nur auf die Mixtur von Reggae, Dub und Raggamuffin, sondern lassen auch gekonnt Spielarten von Klezmer, Hip Hop und deftigem Rock einfließen. So vielfältig wie die Nationalitäten der Besetzung sind auch die Texte gemischt, hier wird in deutsch, russisch, englisch und ungarisch stetig durchgewechselt. Die weiblichen Vocals kommen im Übrigen von Dorka Gryllus, deren Gesicht manchem vielleicht aus diversen Filmproduktionen wie dem „Knochenmann“ oder dem ARD-Tatort bekannt ist. In jedem Falle gibt es fetten Sound und mächtig Spaß, so bei „Sovietoblaster“ und „Zhiguli“, einem zünftigen „Remmidemmi“-Cover von Deichkind, einer schönen Piaf-Variation mit „Red Mercedes“ und viel, viel Tanzfutter für rappelvolle Clubs an der Spree oder auch anderswo. Das eingangs erwähnte Duell – jetzt runtergebrochen auf „Dickes B.“ vs. „B-Style“, steht einstweilen auf Unentschieden und die Herren um Peter Fox aka Pierre Baigorry gehören nun wieder – wie sagt man – „an den Start“.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Gehört_42



The Dead Weather „Horehound“ (Sony)
Wenn es stimmt, dass Musiker auf ihren Platten fortwährend ihr Leben, vorzugsweise ihre frühe Kindheit verarbeiten, so will man nach dem Anhören von „Horehound“ gar nicht mehr wissen, wem Jack White da im Sandkasten, so es überhaupt einen gab, die Schaufel über den Schädel gezogen hat. Man kann dem Jungen ja einiges vorwerfen, Liebedienerei allerdings zählt sicher nicht dazu. Denn dieses Werk seiner Zweit- oder Drittspielwiese The Dead Weather ist so monströs und schwer genießbar, dass er es damit garantiert nicht in die Herzen der Formatradiohörer schaffen wird (und auch die italienischen Ultras werden sich schwer tun, einen neuen Gesang für die Curva darauf zu finden). Nun will ich nicht ungerecht sein, „Horehound“ ist allemal hörbarer als atonale Zwölftonmusik von Schönberg oder die grenzdebilen Schunkelreigen der Kastelruther Spatzen. Aber vergleichsweise eingängige Songs wie „Seven Nation Army“ oder „Hotel Yorba“ sucht man auf der Platte vergeblich. Hier wird von der ersten Minute an dem Killerblues gehuldigt, elf Mal durchdekliniert und variiert, mal mit leichten Reggaetunes versetzt (Cut Like A Buffalo), mal als staubiger Wüstenrock (Rocking Horse), dann wieder als dunkel dräuende Anleihe an Birthday Party (So Far From Your Weapon) verkleidet. Gemeinsam sind allen Songs die kreischenden Powerchords und kurzatmigen Breaks, die Basswalze ist ebenso allgegenwärtig wie das knochentrockene Schlagwerk. Höhepunkte dagegen sind schwer auszumachen, vielleicht noch das Eröffnungsstück „60 Feet Tall“, wo man noch erleichtert aufatmet, wenn statt des quiekenden White die kampfbereite Alison Mosshart von den Kills ans Micro tritt. Das als melodisch gepostete Stück „Treat Me Like Your Mother“ klingt dann leider wie ein Wiedergänger dieser 90er-Jahre-Crossover-Bands deutscher Prägung wie H-Blockx oder Such A Surge, keine so gelungenen Vorbilder also. Am Ende taumelt, müde vom immerwährenden Geknüppel und mit wunden Stimmbändern, die ganze Entourage durstig und entkräftet (Will There Be Enough Water?) im Delirium dahin, ein wenig Mitleid hat man da schon. Ein durchaus interessantes Stück Musik also, aber für’s erste Date oder den lauen Sommerabend empfiehlt sich doch eher Bewährtes, da wäre eine Verwechslung zwischen Jack und Barry nicht sonderlich hilfreich ...

Mittwoch, 8. Juli 2009

Gehört_41



Japandroids „Post-Nothing“ (Polyvinyl)
Damals, als es noch Plattenläden gab oder besser, damals, als man seine Musik noch im Plattenladen kaufte, vorzugsweise auch in kleinen Secondhandbuden, wo reichlich Kundschaft ganz geschäftig über verstaubte Holzboxen mit CD-Hüllen gebeugt mit einer Engelsgeduld das Alphabet durchklappte und oder sich am Plattenspieler die Beine in den Bauch stand – damals also suchte man sich unbekannte Hörproben auch und vor allem nach dem Cover aus. Und weil die Platte der Japandroids so herrlich nach „damals“ ausschaut, bin ich auch auf sie gestoßen, sonst wären sie wohl ungehört im großen Malstrom täglicher Neuerscheinungen an mir vorbeigerauscht. Wehmütig erinnert an die angenehm schnörkellosen, schwarzgefärbten Verpackungen von Joy Division, Patty Smith oder Sylvia Juncosa, findet man auch beim Inhalt reichlich Grund zur Freude. Die beiden Kanadier beleben ein weiteres Mal die beliebte Tradition der Haudraufduos Marke White Stripes, Johnossi, Ting Tings oder auch Two Gallants – musikalisch gehen sie eher in Richtung Fugazi, Garage rules und der Bleifuß bedient stoisch das Pedalregister des erprobten Shoegazers. Als aktuellere Reminiszenz könnten durchaus auch No Age herhalten. Denn wie auf deren Debüt „Nouns“ wird auch auf „Post-Nothing“ ganz kräftig geschrammelt und gedroschen, ab und an auch geschrien, die Songs entfalten dabei eine ganz erstaunliche, treibende Wucht. Allein „Heart Sweats“, das rotzige „Press Corps“ oder auch das schwere und träge „I Quit Girls“ haben ganz eindeutig Sogwirkung, selbst das simple Schlechtwettermantra an ihre Heimatstadt „It’s raining in Vancouver, but I don’t give a fuck, cause I’m far from home tonight“ in „Sovereignty“ läßt sich prächtig mitgrölen, man kann ja im Zweifelsfall die Städtenamen einfach austauschen. Prima Platte also: Direkt aus dem Bauch, laut und definitiv keine Begleitmusik zum Hemdenbügeln ...

Montag, 6. Juli 2009

Gefunden_21



"El madrid ha solicitado modificaciones en su estadio para jugar contra el barça."
... entdeckt beim Stöbern in Facebook.

Samstag, 4. Juli 2009

Gefunden_20



"Dass wir mit Angela Merkel eine Kanzlerin haben, finde ich geil. Es zeigt, wie tolerant Deutschland ist."
Uwe Ochsenknecht in BUNTE/28

Freitag, 3. Juli 2009

Gehört_40



Wilco "Wilco (The Album)" (Warner)
Mit Wilco geht es mir, das muß ich zugeben, ähnlich wie mit dem Autor Max Frisch. Ich weiß, dass er gut ist, finde aber trotz vieler Mühe zu seinen Büchern einfach keinen Zugang. Genauso wie „Stiller“ und „Montauk“ seit Jahren mein Bücherregal zieren und ich sie in regelmäßigeren Abständen für einen neuen Versuch hervorhole, genauso zählen natürlich „Summer Teeth“ und „Yankee Hotel Foxtrot“ zu meiner CD-Sammlung. Und wenn es mich überkommt, dann werden auch die wieder mal rausgekramt. Woran es allerdings genau liegt, dass ich mit dem elektronisch verstärkten Countryrock noch nie so richtig warm geworden bin – ich weiß es nicht. Auch die neue Platte gibt da keinen rechten Aufschluß. Sie fängt ja mit dem augenzwinkernden „Wilco (The Song)“ verheißungsvoll an, der genau das liefert, was mir bisher bei Songs von Wilco allzu oft fehlte – angenehm aufgeraute Gitarrenparts. Danach wird’s zwar deutlich bedächtiger, aber mit dem wunderbar getragenen „One Wing“ nicht eben schlechter. Bei „Bull Black Nova“ wird dann erstaunlich spielfreudig fast schon psychedelischer, verzerrter Bluesrock zum besten gegeben, für mich der unbestrittene Höhepunkt des Albums. Das Duett von Jeff Tweedy mit Leslie Feist ist dann bestenfalls niedlich, das etwas breitbeinige „You Never Know“ hätten Wilco auch getrost Springsteen selbst überlassen können. „Solitaire“ gefällt durch seinen akkustischen, reduzierten Charakter, der Rest fällt dann nicht weiter auf, mit „Everlasting Everything“ gelingt aber ein würdiger Abschluß. Sicher ein Album, was man sich erarbeiten muß, einige Songs entfalten ihren Charme erst bei wiederholtem Hören. Und wer weiß, vielleicht wird es ja noch mein persönliches Schlüsselwerk – sollte das gelingen, nehme ich garantiert auch Herrn Frisch mal wieder in die Pflicht.

Donnerstag, 2. Juli 2009

C-Ess-U 2.0

Als Nachgang zu untenstehendem Post kann man wohl auch den Plakatentwurf von Gunter Sachs zum "SWR3 New Pop Festival" verstehen - da kommen wir, glaube ich, der singhammerschen Inspirationsquelle sehr, sehr nahe: Sachs beim SWR3

Gefunden_19



Es war nur ein kleiner Nebensatz, der sich da gestern im Sportteil der SZ in einem dieser mäßig interessanten, sommerlochfüllenden FC-Bayern-Saisonvorbereitungsartikel verkrochen hatte – ein Nebensatz, der gleichwohl die schier unglaubliche Tragweite der Umstrukturierungen beim Münchner Großmeister im Monat 3 der Nachklinsmannära beschrieb. Er lautete: „Aus dem Leistungszentrum ließ van Gaal DJ-Pulte und Bibliotheken entfernen ...“ Rumms! Das hat gesessen. Da kam einem das Panoramabild einer Münchner Boulevardzeitung, Sommer 2008, in Erinnerung, welches stolz erste optische Eindrücke vom neuen Leistungszentrum zeigte und da war, in voller Bildbreite, neben den obligatorischen Buddha-Statuen, der mutmaßlich intelligenteste Regalmeter der Republik zu sehen – die sagenumwobene „SZ-Bibliothek“. Schon damals versuchte man sich mit brutalstmöglicher Phantasie vorzustellen, wie ein Bastian Schweinsteiger, die Stirn kraus, das Haar zerzaust, mit dem „Untergeher“ von Bernhard in der Hand an einem völlig in sich versunkenen Lukas Podolski vorbeischlich, der wiederum über Ingeborg Bachmanns „Malina“ brütete, einzig gestört durch das bedrohliche Murmeln von Hamit Altintop, der sich pflichtbewußt durch eine deutsche Übersetzung von Orhan Pamuk quälte, wobei Phillip Lahm wiederum ... Schon damals konnte man ermessen, wie unsagbar schwierig das schwäbische Großprojekt werden würde oder auch, wie schnell es wohl scheitern könnte. Alles Geschichte. Denn mit den Büchern sind nun auch die letzten Erinnerungen an einen fatalen Fehlgriff des Managements getilgt, der Neue ist endlich da und so richtig traurig scheint an der Säbener Straße keiner darüber zu sein – denn wie sagte schon Uli Hoeneß schon in bester lutherischer Tradition: „For me – it’s scheißegal!“

Dienstag, 30. Juni 2009

Gehört_39



Moby "Wait For Me" (edel)
Es gab Zeiten, da galt der Begriff Kaffeehausmusik als ehrenvolle Bezeichnung für die entspannte Untermalung kurzweiliger Gespräche unter gedimmten Lüstern, Musik also, die quasi als akustische Tapete den Menschen unaufdringlich Wohlbefinden suggerieren sollte, anspruchsvoll schon, aber nie anstrengend. Und wer dazu dezent das Tanzbein schwingen wollte, konnte auch das tun – früher. Heutzutage wiederum gilt Kaffeehausmusik eher als grobe Beleidigung, wer also Musik macht, die in Coffeeshops in der Endlosschleife rotiert, wird schnell als untalentiert, überkommerziell und völlig unhip gedisst, last exit Fahrstuhlmuzak also. Langer Rede kurzer Sinn: Es wird nur eine kurze Zeit dauern, bis auch die neue Moby wieder in dieser Schublade steckt, wo auch schon seine früheren Veröffentlichungen gelandet sind. Der Vorwurf, das alles auf „Wait for Me“ sei weder neu, noch einfallsreich, ohne jedwede Überraschung und überhaupt so fürchterlich getragen, angekitscht und deprimierend obendrein, der Vorwurf wird kommen. Stimmt natürlich alles irgendwie und doch ist es egal. Denn auch so eine Platte muß erst mal gemacht sein und Moby wollte ja nach eigenen Aussagen genau diese verhaltenen, umschmeichelnden und plüschigen Klänge haben und die hat er dann auch gut hinbekommen. „Pale Horses“ und „Walk With Me“ sind mit der gebrochenen, lasziven Gospelstimme seltsam anrührend, „Shot In The Back Of The Head“ braucht nur ein verfremdetes Riff, um zu bezaubern und zu „Mistake“ muß man gar nichts weiter sagen – ein perfekter, tieftrauriger Popsong in bester Postpunktradition. Gegen Ende gehen Herrn Moby dann etwas die Ideen aus, etwas knapper hätte er sein Werk da schon fassen können, aber „Isolate“ setzt einen versöhnlichen Schlußpunkt. Also, kein „Play“, deshalb nur 4 von möglichen 5 Sternen. Und wir bestellen uns jetzt – na was, natürlich: Einen Middle Sized Caffé Latte Decaf To Go ...

Montag, 29. Juni 2009

C-Ess-U



Ja, da meint man, mit knapp 40 hätte man schon viel gesehen von der Welt oder, um das Themenfeld etwas enger zu fassen, da ist man mit einer Grafikerin verheiratet und denkt, man weiß wie der Hase läuft in der Werbebranche. Aber weit gefehlt! Als ich vor einiger Zeit an dieser Stelle aus dem wunderbaren Artikel von Edelfeder Kurt Kister über das fabelhafte Wahlplakat von CSU-Supermodel Bernd Posselt zitierte, sah alles danach aus als könne danach Besseres nicht kommen. Doch scheinbar fühlte sich Parteikollege Johannes Singhammer, gesegnet mit dem gleichen Charisma wie Exwirtschaftsminister Glos oder auch zweieinhalb Kilo Sülzwurst, derart herausgefordert, dass er schnurstracks zu seinem PR-Agenten lief und flugs ein weiteres, viel unschlagbareres Plakat für den Münchner Wahlbürger entwerfen lies. Singhammers Idee: Porträttechnisch kann ich den Posselt nicht toppen, aber ich habe einen so klangvollen Namen, da müßte sich doch was mit machen lassen. Und es lies sich ... was mit machen. Und mit dem Ergebnis, seien wir ehrlich, hat er uns im Sack, der Singhammer! A Hund isser scho ...

Mittwoch, 24. Juni 2009

Gefunden_18



So nah hat sich der lange Arm bzw. die linke Gerade des deutschen Feuilletons, also das „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung noch selten an die Popkultur herangetraut. Eine Institution in der hiesigen Zeitungslandschaft, die den Begriff Zeitgeist fürchtet wie der Teufel (München: Deifi) das Weihwasser, bringt in seinen 72 Zeilen auf einen Schlag die Begriffe „Jamie Hince“, „The Kills“, „Punk“, „Independent“ und „Kate Moss“ unter (nebenbei allerdings auch noch „Ein Prosit der Gemütlichkeit“) – ein Grund, also sich das ganze mal komplett zu gönnen. Ein ungekürztes Zitat ist hier aus presserechtlichen Gründen bekanntlich keine so gute Idee - Dank der Segnungen der modernen Medienlandschaft gibt es solches aber mittlerweile als Audiostream. Also denn: Hereingehört!
Süddeutsche.Audio/Streiflicht

Mittwoch, 17. Juni 2009

Gehört_38



Dinosaur Jr. "Farm" (PIAS)
Traditionell ist der Sommer ja eher arm an umwerfenden Neuveröffentlichungen – wer gut im Geschäft ist, tourt die allseits bekannten Festivals ab, alle anderen sitzen ohne Einladung schmollend im abgedunkelten Zimmer und verfluchen ihre unfähigen Agenten. Nicht so die Mannen um die singende Haargardine J. Mascis. Seit 26 Jahren bringen sie mit kleineren Unterbrechungen eigentlich immer ein und dieselbe Platte heraus. Aber ganz im Gegensatz zu manchem ihrer Kollegen ist man ihnen deshalb überhaupt nicht gram. Denn von Zeit zu Zeit verlangen Herz und Hirn nach festem Halt, nach – Achtung: Silbermondzitat (sic!) – einem kleinen bißchen Sicherheit. Und das heißt hier: verquengeltes Genuschel, minutenlanges Gitarrengeschwurbel, alles so herzlich liebgewonnen in den letzten Jahren. Da kramt man dann versonnen die alten Preziosen wieder aus dem Schrank: Das wunderbare Cure-Cover „Just Like Heaven“ inklusive schmerzlichem Brachialabbruch, das gut siebenminütige „Thumb“ in einer fabelhaften Liveversion, der ebenso gekonnt gecoverte Bowiesong „Quick Sand“ und und und ... Das Gute ist, dass die neuen Sachen keineswegs gegen die alten abfallen. So recht herausheben mag man eigentlich keines der Lieder, „Plans“ ist zum niederknien, das beschwingte „See You“ besticht durch ungewohnte Leichtigkeit, „I Don’t Wanna Go There“ ist allein schon durch seine Länge, aber auch wegen des infernalischen Gitarrensolos rezeptpflichtig. Und das eigentümliche Cover, ach herrje, ich wills doch gar nicht wissen, in wessen geistiger Verirrung das entstanden ist und ob da jemand eine Umdrehung Tolkien zuviel abbekommen hat – egal, man wärmt sich einfach an dieser Reise in frühere Zeiten und schweigt in stiller Andacht.

Dienstag, 16. Juni 2009

Gehört_37



The Gossip "Music For Men" (Sony)
Bei all dem Ballyhoo inklusive szenetypisch enervierendem Begleitpersonal von Zopfhanserl Lagerfeld bis Modelheroin(;-)e Kate Moss ist fast in Vergessenheit geraten, dass Beth Ditto nebst Kombo The Gossip kurz nach der Jahrtausendwende angetreten war, dem arrivierten Schubladendenken der Musikbranche mit ihrem energiegeladenen Mashup von Punk, Soul und Disko mal kräftig in den Arsch zu treten. Und natürlich nimmt sie die Einladung gern an, der nach Hippness lechzenden Prominenz das ach so abgefahrene Role Model zu geben, zeigt sich geschickt mit den richtigen Leuten, trifft mit ihrer Toughness den passenden Ton und spielt die Trumpfkarte Sex in bewundernswert souveräner Weise wo sie nur kann. Und, mein Gott, Kelly Osourne nimmt sich neben ihr förmlich wie ein spätpubertierendes Schulmädchen aus … Also, die Musik – ja, hätte man wie gesagt fast vergessen, dabei ist „Music For Men“ wieder ein unglaublich sattes Album geworden, schier berstend vor Selbstbewußtsein und bestem Songmaterial. Anders als beim rocklastigeren Vorgänger „Standing On The Way Of Control“ weist der Weg beim Nachfolger deutlich mehr in Richtung Disko und auch wenn sich ab und an mal etwas Gleichklang eingeschlichen hat, sind die Songs doch nach wie vor treibende, schwitzende Durchlauferhitzer. Nach den ersten drei brillanten, altbewährten Nummern – grandios „8th Wonder“ – kommt er in Fahrt, der Danceexpress. „Love Long Distance“, „Pop Goes The World“, „Vertical Rhythm“ – durch die Bank auf der Tanzfläche zu Hause, beim Titeltrack gibt’s sogar ein kokettes „Chain, Chain Chain“ obendrauf – Aretha Franklin auf Acid. Auch der Rest wird einfach nicht schlechter, allenfalls etwas gemäßigter. Ganz kurz wird noch mal mit der Gitarre dazwischengehauen, bei „2012“ meint man sogar ein wenig Souxie Sioux durchzuhören, „Spare Me From The Mold“ ist bester Punk. Wer diese Frau übrigens noch nicht live gesehen hat, sollte das dringend nachholen – auch wenn das jetzt wohl nicht mehr ohne störende mediale Nebengeräusche (s.o.) zu haben sein wird. Ach – und übrigens, schöne Grüße an Kollegin Karen O., wenn schon Disko, dann doch bitte so! Ansonsten: Mein Tip - Platte des Jahres.

Montag, 15. Juni 2009

Hören + Sehen



DEPECHE MODE, Olympiastadion München, 13.06.2009
Ob man nun will oder nicht, man kommt nicht umhin, dieses Konzert im Kontext mit der Krankheit Dave Gahans zu betrachten – kaum jemand konnte sich vorstellen, dass die Jungs nach dem zwischenzeitlichen und überraschenden Tourabbruch so schnell auf die Bühne würden zurückkehren können. Und durch diese Brille betrachtet wird daraus eine sehr emotionale, einzigartige Show, die sonst wohl eher als eine von vielen und sicher nicht die beste erschienen wäre.

So aber war die Spannung gleichsam mit Händen zu greifen – können sie die letzten Wochen einfach so wegstecken, würde Dave die Rampensau bleiben, die man im Laufe der Jahre so liebgewonnen hatte? Die Antworten waren dann schnell gegeben – ja, sie haben es offenkundig gut verkraftet und sich ihre Spielfreude sichtlich bewahrt, und ja, Gahan tanzte und wirbelte wieder wie ein Derwisch umher und nur bei den seltenen Großaufnahmen auf den Leinwänden mochte man ein schmaleres, blasseres Gesicht erkennen.

Dass die Band den Anfangsteil ihrer gut zweistündigen Show noch im Tageslicht absolvieren mußte, war sicher gewöhnungsbedürftig, auch die ersten zwei, drei Songs neueren Datums – auf der Platte von unbestrittener Qualität, haben live lange nicht das Potential der älteren Stücke. So war es erst der Stampfer „A Question Of Time“, der die Massen erstmals zur Messe brachte. Danach dann in rasanter Abfolge Höhen und Tiefen aus 30 Jahren Bandgeschichte, optisch gewohnt professionell und beieindruckend mit einer perfekten Videoshow in Szene gesetzt. Klassische Homeruns natürlich „Enjoy the Silence“, „I Feel You“ und „Personal Jesus“, ebenso das dunkle und tiefrote „In Your Room“, ein überraschend frisches „Precious“ und – allein das die knapp 70 Euro wert – die allseits beliebte Kornfeldchoreografie bei „Never Let Me Down Again“. Anderes, langersehntes blieb leider unter den Erwartungen – „Fly On The Windscreen“ ist ein wunderbarer Song, live funktioniert er nur sehr begrenzt. Die zweite aktuelle Single „Peace“ wiederum verlor durch die Visualisierung mittels Holzhammer fast komplett ihren Reiz, „Come Back“ blieb wie schon auf der Platte ein andauerndes Mißverständnis.

Zur Mitte hin holte sich dann auch Mastermind Martin Gore seine kollektive Umarmung vom euphorisierten Publikum ab – neben der schon auf der letzten Tour präsentierten, wunderbar anrühenden Akkustikversion von „Home“ gab es noch den heimlichen Höhepunkt der aktuellen Platte „Jezebel“ als Kraftwerk-Homage obendrauf. Als Zugaben die schon erwähnten Klassiker, dazu ein ärgerlich verhunztes weil zwangsmodernisiertes „Master & Servant“ und ein mediokres „Strangelove“, wo die bayerische Zensurbehörde wieder ganze Arbeit leisten mußte.

Das Fazit kann man natürlich auch gern verkürzen: lieber dunkel als hell, lieber laut als leise, lieber drinnen statt draussen und lieber alt statt neu. Aber so ist das mit Depeche-Mode-Konzerten: Kaum hat man sie erlebt, überhöhen sie sich schon von selbst wenige Stunden nach dem Besuch ins sehnsüchtig rosarote, Enttäuschungen wiegen immer weniger schwer oder, um es mit Gahans einfachen Worten zu sagen: „See’ya next time!“. Na hoffentlich, mein Junge!

Freitag, 5. Juni 2009

Gehört_36



Bei Placebo heißt es aufpassen, die Band um Kajalzwerg Brian Molko hat eine ähnlich fanatische Fanbase wie Muse oder Depeche Mode – nicht ohne Grund hat Molko kürzlich während eines Konzerts herzerweichende Genesungswünsche an den Kollegen Dave Gahan gerichtet – man kann also mit einer einzigen negativen Randnotiz so richtig knietief im Dreck zu stehen kommen. Dem möchte ich natürlich vorbeugen und so gebe ich unumwunden zu, dass Placebo nach ihrem wunderbaren „Black Market Music“, also vor knapp neun Jahren, bei mir so nach und nach vom Radar verschwunden sind. Aber, auch da die Parallele zu Muse, man sollte sie nie aufgeben, den wachsweichen Crowdpleaser, den hymnischen Tearjerker, den kriegen sie allemal noch gezaubert. Beim neuen Album ist das wohl der Titeltrack, „Battle For The Sun“ zwingt sich ins Ohr und will da erst mal nicht mehr raus, ähnliche Wirkung entfalten dann allenfalls noch „Speaking In Tongues“, „The Never-Ending Why“ und das wirklich fabelhafte „Kings Of Medicine“, das dankenswerterweise mal ohne die obligatorische Gitarrenwand auskommt. Der Rest scheint mir mit Verlaub eher bessere Füllware zu sein, durchaus hör- aber eben leider auch schnell austauschbar, die erste Single „For What It’s Worth“ ist richtiggehend ärgerlich und ideenarm. Textlich bewegen sich Placebo wieder auf eher bescheidenem Holzschnittniveau („A heart that hurts is a heart that works“), aber das war wohl bei ihnen noch nie das primäre Qualitätskriterium. Altersmilde gestimmt resümiert der Rezensent: Für eingefleischte Fans dreizehn gute Gründe für den Plattenkauf, den Download oder meinentwegen die Raubkopie – die Konfettikanone lassen wir aber mal für Kommendes ungezündet in der Ecke stehen.