Freitag, 29. Mai 2009

Reisefreiheit - jetzt!



Während die BILD seit dem letzten Spieltag fortwährend in selbstgestrickten Endzeitphantasien deliriert ("Die Liga bebt!"), ist unabhängig davon, wo Gomez sein Haarband künftig spazierenträgt, ob Neuer der Alte bleibt oder welcher Verein nun (kreizdeifihimmelherrgottsakranochamoi) endlich die 250 Billionen Euro für den Ribery zu zahlen bereit ist, die wichtigste Personalie der neuen Saison schon entschieden. Und das es diesmal kein Spieler ist, macht die Sache nicht einfacher: Hans Meyer, eine der wenigen glaubwürdigen Trainerpersönlichkeiten unserer Tage, hat nun offensichtlich endgültig dem quietschbunten Faschingsrummel Bundesliga Lebewohl gesagt, verlängert nicht bei Gladbach und zieht sich aufs Altenteil zurück. Soweit, so schade. Denn Eigenschaften wie Solidität, Glaubwürdigkeit, gesundes Urteilsvermögen und grundsympathisches Humorverständnis werden nunmehr keine Gallionsfgur mehr haben im Spielbetrieb des Oberhauses. Hans Meyer, der von sich sagte, er habe bis 1990 für den Sozialismus und nicht für's Geld gearbeitet, mußte manchem windschnittigen Jungmanager der Liga wie ein Faktotum erscheinen, Spieler - auch genannt IchAGs - haben ihn sicher zuweilen geradezu als Spielverderber empfunden - er war Berufsskeptiker, der schnellen Jubelarie ebenso abhold wie der häufig unreflektierten Generalmodernisierung der Vereinsarbeit, einen wie ihn neben Unpersönlichkeiten wie Nürnbergs Perserpräsi Michael A. Roth stehen zu sehen schmerzte beim bloßen Hinsehen. Dass Meyer seine Absage nun ernst meint, kann man wohl schon daran erkennen, dass er als Beschäftigungsalternative nicht mehr das Rosenschneiden im heimischen Garten, sondern die Sehnsucht nach dem entspannten Besuch ferner Orte anführt - beim Reisen, das wußte schon Roths Lookalike Erich H. Onecker verstehen die Ossis nun mal keinen Spaß. Immerhin, das bleibt zu hoffen, wird er als Trainer der AUTONAMA (Deutsche Nationalmannschaft der Autoren) den kleinen Helden Brussig, Ostermaier und Wortmann kräftig in den Dichterarsch treten, wenn sie mal wieder zu selbstverliebt herumdribbeln ...

Sonntag, 24. Mai 2009

Die magische 8



... oder "Who Cares VfL Bayern Stuttgart". Die Saison ist zu Ende und man hatte am Ende das Gefühl, dass der FC den achten Rang, auf dem er gefühlte zwanzig Wochen stand, unter keinen Umständen verlassen dürfte, weil sonst ein gar mächtiges Unglück über den Verein hereingebrochen wäre. Achter also, nun ja, es war recht früh in der Rückrunde klar, dass die Spannung sich schon aus den Spielen verabschiedet hatte - einzige Ausnahme vielleicht das mit viel Bedeutung aufgeladene Nordderby gegen Rostock. Ansonsten hatte das fade Restprogramm natürlich auch sein Gutes, denn das fürchterliche Abstiegsgespenst hat diesmal einen Riesenbogen ums Millerntor gemacht - auch gut. Dann also jetzt den Jungens die wohlverdiente Ruhepause und in ein paar Wochen auf in eine neue, ganz und gar unglaubliche Saison 2009/2010. Walk on!

Immer die Besten



Es gehen immer die Besten. Diese Empfindung hat man jedes Mal, wenn jemand ungewollt früh gehen muß. Natürlich ist das Quatsch und wahrscheinlich hat ein jeder seine Zeit, das galt schon für den schmerzlich vermissten Ulrich Mühe und in gleichem Maße seit gestern auch für Barbara Rudnik. Wieder eine, die noch hätte um so vieles größer werden können als sie es eh schon war - wird man lesen. Aber darum gehts wahrscheinlich gar nicht. So mancher Mensch macht einem die allgegenwärtige Möglichkeit von Verlust und Ohnmacht oft schmerzhafter deutlich. Und es spielt dann kaum eine Rolle, ob man diesem Menschen persönlich sehr nahe stand oder ob er auf die Ferne durch sein Wirken Herz und Geist zu bewegen und anzurühren wußte. Barbara Rudnik war so ein Mensch. Und sie wird fehlen.

Freitag, 22. Mai 2009

Gehört_33



Phoenix „Wolfgang Amadeus Phoenix“ (Universal)
Kurz, ganz kurz nur hatte ich mit mir gerungen, für diese Marginalie der Musikgeschichte die Rezension etwas dunkler einzufärben als ursprünglich geplant: Der deutsche Rolling Stone schreibt ja in seiner letzten Ausgabe, dass jetzt ausgerechnet der wenig erträgliche und ewig zerknautschte Helmut Karasek auch noch der Onkel des Phoenix-Sängers Thomas Mars sein will. Nein, diese Information hätte es nicht gebraucht, wirklich nicht. Wenn man aber gerecht sein will, so spielt dieses Verwandschaftsverhältnis keine entscheidende Rolle, läßt einen aber in diesem Zusammenhang einmal mehr über diese Band grübeln: Woher wenn nicht von einem ganz anderen, ganz weit da droben sitzenden Überonkel haben die Jungs denn ihre über alle Maßen genialen Songideen, die sie Jahr um Jahr mit jeder ihrer Veröffentlichungen als Ausnahmetalente des Popuniversums ausweisen? War „United“ im Jahre 2000 noch ein Achtungserfolg, der zwar aufhorchen, aber weiß Gott (oder Onkel) noch nichts ahnen ließ, so zwangen sie mit „Alphabetical“ vier Jahre später mit ihrer Spielart von Pop eine so große Schnittmenge unter einen ebensogroßen Hut, dass es einem schon reichlich Achtung abnötigte. Wieder zwei Jahre darauf noch immer keine Schwächen zu erkennen, sie schüttelten weiter reihenweise prachtvolle und perfekte Songs aus dem Ärmel, neben „Rally“ oder „Consolation Prices“ war besonders „Sometimes In The Fall“ ein unglaublicher Geniestreich. Nun also „Wolfgang Amadeus Phoenix“. Natürlich strotzt so ein Titel vom tonnenschweren Ego der Pariser, sie provozieren gekonnt und setzen den kompletten Kredit aufs Spiel. Und gehen mit der doppelten Menge des Einsatzes nach Hause: Ein neuer Coup, ein tolles Album mit haufenweise bestem Material mit noch mehr Rockappeal. „1901“ und „Lisztomania“ nehmen einem jedwedes Gegenargument, selbst das zweigeteilte und etwas psychedelisch angehauchte „Love Like A Sunset“ kann mithalten im Reigen. Das Glanzlicht setzt m.E. „Armistice“ mit einem herrlich mystischen Intro – der großartige Rest ist pures Vergnügen. Und wir wissen jetzt wenigstens, welche Musik Herrn Karasek im Himmel erwartet. Auch ein Trost für ihn.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Gehört_32



Manic Street Preachers "Journal For Plague Lovers" (Sony Music)
Allein der Umstand, dass zur Zeit mehr über das streitbare Cover des neuen Albums der Manic Street Preachers als über die Güte des Inhalts debattiert wird, sollte einen schon stutzig machen. Denn die richtige Frage lautet für mich keinesfalls, ob die Abbildung geschmackvoll ist oder nicht, hier hätte man sich bei früheren Alben wie „The Holy Bible“ mit dem auf gut bayrisch g’wamperten Weibsbild einen Vorgeschmack Kunstverliebtheit und kalkulierte Provokation der Band holen können. Nein, die richtige Frage muß lauten: Hat es eine neue Platte der Manic Street Preachers überhaupt gebraucht? Und nach dem Anhören muß man leider konstatieren: Eine solche nicht. Denn wenn man sich sonst über die allzugroße Glätte und Stromlinienförmigkeit von Produktionen beklagt, so hätten bei „Journal For Plague Lovers“ ein paar mehr Ideen, ein wenig mehr Verdaulichkeit nicht geschadet. Gut, ein neues „Motorcycle Emptiness“ konnte keiner erwarten, aber vom Glanz früherer Hymnen wie „My Little Empire“ und „“Kevin Carter“ ist auch weit und breit nichts zu spüren. Inspirationen Fehlanzeige, keine Glanzlichter, die einen wie früher mit schwächerem Material versöhnen konnten. Am ehesten hört man dem elektronisch aufgepimpten „Marlon J.D.“ noch an, dass die Manics mal vom Punk kamen. Leider sind sie heute bei eher belanglosem Hardrock angekommen. Da kann es auch nicht trösten, dass das Textmaterial vom schmerzlich vermißten Ricky James Edwards stammen soll – wenn die Musikverpackung so dermaßen durchschnittlich ist, möchte man vom Inhalt auch nicht mehr viel wissen.

Dienstag, 19. Mai 2009

Gehört_31



Jason Lytle „Yours Truly, The Commuter“ (SPV)
Vier Jahre sind seit der ewig bedauerten Auflösung der kalifornischen Grandaddy vergangen, die Tinte unter dem Nachruf also gerade mal getrocknet, schon kommt Mastermind Jason Lytle mit seinem Solodebüt „Yours Truly, The Commuter“ um die Ecke. Und was soll man sagen: Es ist wie heimkommen. Auf den „ersten Blick“ jedenfalls. Die selbe samtweiche Stimme schmeichelt sich ohne große Gegenwehr in den Gehörgang, hier ein Zirpen, da ein Knacksen, dort ein Rauschen – willkommen seltsamen Königreich des LoFi-Königs. Bei genauerem Hinhören wird allerdings schnell klar, dass die Band, so sie für die rockige Gangart von Grandaddy zuständig war, doch schmerzlich vermißt wird – zu wenig Krach für zu viele Minuten, die einstmals lärmigen Gitarrenwände sind abgebaut oder stehen wie bei „It’s Weekend“ unmotiviert in der Landschaft herum. Lytle beschränkt sich für meine Begriffe zu sehr auf die leisen, versponnenen Stücke für’s knisternde Lagerfeuer und macht sich bei „I Am Lost“ fast als Major Tom aus dem Staub. Das alles ist keineswegs schlecht, nur etwas spannungsarm und nach grob geschätzten dreißig Minuten ist man wohlig weggeschlummert.

Gefunden_17



Irgendwie hat man es ja geahnt, aber dennoch nicht wahrhaben wollen. Zuerst tauchte Jürgen Vogel in Schweigers Nicht-Film "Keinohrhasen" als grenzdebile Karrikatur seiner selbst auf - okay, nur eine winzige Nebenrolle, ein entschuldbarer Gefallen vielleicht. Dann allerdings rutschte er, wie die gesamte mittelmäßige C- oder D-Prominenz immer öfter bei diversen sinnfreien Chartshows Marke "Die 50 intelligentesten Scooterhits seit Kriegsende" von rechts/links/oben/unten ins Bild und gab ebenso sinnfreie Kommentare ab - nicht gut. Noch weniger gut dann die Rolle als Pausenclown in der "Schillerstraße", der WG also, die seit dem Abgang von Cordula Stratmann so interessant geworden ist wie ein Vierkantholz von OBI. Und nun also seine neueste "große" Rolle im aktuellen Werbespot der Sparkasse - unangenehm humorarm, provozierend geistlos. Und da fragt man sich kopfschüttelnd: Warum Jürgen? War's die Kohle? War's dieses universale Ben-Becker-Gefühl namens Ich-mach-was-ich-will-und-scheiß-drauf? Bitter allemal, wenn so nach und nach aus Hoffnungsträgern Suppenkasper werden. Sicher scheint nur zu sein, dass die Zahl der wackeren Neinsager zum Allerweltsblödsinn immer, immer kleiner wird ...
Wer's trotzdem sehen will

Freitag, 15. Mai 2009

Gehört_30



The Maccabees "Wall Of Arms" (Universal)
Also wenn der Bruckmaier Karl schon in seiner sparsam kommentierenden Tipprunde mit ganzen vier Sternen daherkommt und gewohnt pointiert ein „taugen was“ dazugibt, dann ist fast genug gesagt und die Laufrichtung schon vorgegeben. Üblicherweise tut man Bands mit Sätzen wie „klingt nach ...“ ja eher unrecht und trifft sowieso selten ins Schwarze, bei den Maccabees sollte das aber eher als Kompliment verstanden werden, denn Sänger Orlando Weeks kann tatsächlich so herrlich jammern wie Win Buttler von den mittlerweile übermächtigen Arcade Fire und in den besten Momenten klingen die Maccabees wirklich wie Echo And The Bunnymen. Und die waren nicht die Schlechtesten. Wunderbare Songs zu Hauf, fast alle sehr tanzbar und mit ruhelosem Beat verfeinert, wenn überhaupt welche herausstechen, dann vielleicht das etwas angedunkelte „No Kind Words“, das nervöse „Love You Better“ oder „William Powers“, bei dessen Komposition wohl jemand einen Gedanken an The Edge verschwendet hat. Alles ganz toll, nix zu bemängeln. Na ja, fast nix – das Cover ist Scheiße.

Gehört_29



Bill Callahan „Sometimes I Wish We Were ...“ (Drag City)
Da kann ich jetzt zur Abwechslung mal ganz unbefangen drauflos schreiben, denn so richtig viel weiß ich bisher nicht von Bill Callahan. Gut, er hat den Hauptteil seines bisherigen Werkes unter dem Namen Smog veröffentlicht und er ist nur drei Jahre älter als ich. Nichts, also, womit man großartig hausieren gehen könnte. Eine seiner letzten Smog-Platten „A River Ain’t Too Much To Love“ hat jedoch schon einen würdigen Ehrenplatz in meiner CD-Sammlung gefunden, ist sie doch ein so ausgezeichnetes Stück Musik, eines von den Werken, dass man beim Hausbrand schnell noch aus dem Regal reißen will, weil man ohne meint nur halb so gut leben zu können. Überhaupt, dieser Mann hat eine Stimme, die im Zusammenspiel mit der sehr reduzierten Klangkulisse ein Schimmern, einen Glanz entwickelt, der einen innerlich – ja, irgendwie zur Ruhe kommen läßt, einfach so. Das geht einem bei dem neuen Album nicht viel anders, auch wenn es nicht ganz so zugänglich scheint wie das besagte von Smog. Die Texte kann man ohne Zweifel literarisch nennen, kleine vertrackte Erzählungen über Träume, Verlustängste, Beziehungsgedanken – manche voll von schwarzem Humor und Lautmalerei wie bei „Eid Ma Clack Shaw“, andere lyrisch verbrähmt wie das großartige „Too Many Birds“, wo die Schlußzeile „If You Could Only Stop Your Heartbeat For One Heartbeat“ fast mantraartig aufgebaut wird. Callahan ist wohl kein Mann, der vor lauter Optimismus den ganzen Tag jubelnd durch die Gegend hüpfen muß, eher ein melancholischer, enttäuschter Fatalist („It’s The End Of Faith, No More Must I Strike, To Found My Peace In The Life … It’s Time To Put God Away, I Put God Away“ im neunminütigen Schlußstück „Faith/Void“), ein Tagträumer vielleicht. Man sollte sich den einzelnen Songs mit Behutsamkeit nähern, allesamt sind sie es der Mühe wert, auch wenn mancher nicht gleich zu Beginn in’s Ohr gehen will. Sind sie jedoch einmal drinnen, dann für sehr lange Zeit …

Mittwoch, 13. Mai 2009

Sag zum Abschied leise servus ...



Nun hat’s also auch die GALORE erwischt – im Zuge der allgemeinen Krise der Printmedien, meint hier vor allem Publikumstitel, verabschiedet sich jetzt auch das Interviewmagazin mit der 49. Ausgabe in Richtung Internetportal und damit – so bleibt zu vermuten – alsbald in Richtung Bedeutungslosigkeit. Gestartet mit einer Menge Ambition und Herzblut gingen dem Heft irgendwann die interessanten Gesprächspartner und also auch die Leser aus – mein Abo haben sie mit dem wohl gutgemeinten aber völlig missratenen Relaunch vor gut zwei Jahren verschenkt. Man wollte zuletzt alles und somit viel zu viel sein, neben den Gesprächen wurden nach und nach noch allerlei verzichtbare Rubriken ins Blatt gehoben, die man so und besser schon von unzähligen anderen Heften zur Genüge kannte, die klare optische Linie wurde zugunsten eines wahren Layoutwirrwarrs aufgegeben. Wirklich gut geführte Interviews fand der Leser immer seltener, so überrascht das Ende nicht wirklich. Sei’s drum, eine vergebene Chance vielleicht, ein wenig Trauer bestimmt ... http://www.galore.de/

Gehört_28



Jarvis Cocker „Further Complications“ (Indigo)
Kurz nachdem man die Play-Taste gedrückt hat, ist man fast versucht noch einmal zu kontrollieren, ob die CD nicht falsch belabelt ist – wer oder was zum Teufel schreit, hechelt und bellt denn da? Bist Du’s wirklich, Jarvis? Anscheinend schon, auch wenn der Wiedererkennungseffekt am Anfang denkbar gering ausfällt. Aber nach dem knarzenden Instrumental „Pilchard“ gelangt man kurz in ruhigere Fahrwasser und hat ihn wieder, den alten Crooner. Wenn auch viele Songs im ungewohnten Rockgewand wie „Caucasian Blues“ mehr als gewöhungsbedürftig klingen, manche sogar richtig daneben („Fuckingsong“ und „Homewrecker!“), so ist man mit anderem Material schnell wieder versöhnt. „I Never Said I Was Deep“ ist eine richtige Perle – ein Beispiel dafür, dass Cocker sich in seinen brillanten Momenten erschreckend nahe an David Bowie heranmusiziert hat. Wundervoll. Dass am Ende dann noch für „You’re In My Eyes“ die Diskokugel ausgepackt werden muß und dazu klebrig soulige Chöre mit schwülstig eindimensionalem Text zum Besten gegeben werden verzeiht man ihm dann um so leichter. A Propos Faltenrock: Ein Tip noch für unsere Angie, die ja gleichnamigen Song für den letzten Bundeswahlcontest dankenswerterweise nicht verwenden durfte – zur Erschließung neuer, jüngerer Wählerschichten bietet sich Cockers „Angela“ bestens an. Nur an Alter (“nearly 23”) und Übersetzung wird Frau Pastorentochter wohl noch etwas feilen müssen: „Boom you blew my mind (Angela), I feel the sap rising tonight (Angela), a dry stick at the end of a branch and an overzealous hand …”

Dienstag, 12. Mai 2009

Gefunden_16



Balsam auf die geschundene Seele des ewig unverstandenen Depeche-Mode-Fans ;-), ganz nebenbei noch den Jungs von der Tierhandlung und Timur... äh Bono und seinem Trupp ordentlich eine mitgegeben. Man mag von Alexander Gorkow halten was man will, er holt mit diesem Artikel das nach, was die Süddeutsche aus Ignoranz und/oder selbstverordneter Möchtegernhippness bisher hat vermissen lassen. Fast eine Hommage: Depeche Mode in Tel Aviv

Dienstag, 5. Mai 2009

Gehört_27



Maximo Park „Quicken The Heart“ (Warp)
Irgendwie ist es schade, denn so richtig falsch haben Maximo Park nichts gemacht mit ihrem dritten Album „Quicken The Heart“. Sie klingen immer noch so atemlos und hektisch wie bei ihrem Debüt „A Certain Trigger“, sie haben noch immer die großen Geste parrat und als Berufsjugendliche wie so manche ihrer Kollegen mag man sie auch nicht beschimpfen. Doch was 2003 noch spannend wirkte, klingt heute leider nicht mehr ganz so zwingend, seltsam zerissen und uninspiriert. Sie wissen wohl noch wie’s geht, aber von der Güte solcher Songs wie „Apply Some Pressure“, „Graffiti“ oder auch dem späteren „Our Velocity“ ist leider weit und breit nichts mehr zu hören. Woran’s wohl liegen mag? Man hat diesen Sound, der vor Jahren noch unverwechselbar war, mittlerweile in zahlreichen Variationen gehört, manches Mal wie bei den grandiosen Foals war die Kopie sogar noch einen Tick besser als das Original. Und wenn so viele an der selben Suppe kochen, ist man gut beraten, etwas am Rezept zu ändern. So allerdings hat es dann doch nur zum streckenweise schalen Einheitsbrei gereicht, ohne Mut zum Risiko. Schade, nochmal.

Samstag, 25. April 2009

Gefunden_15



"... Posselt ist eher stark gebaut und rundköpfig. Dem Grundkonzept des Halses, also einer deutlich abgesetzten Verbindung zwischen Torso und Kopf, scheint er skeptisch gegenüberzustehen. ... Und dann hat Posselt einen Schnurrbart. Der steht in zwei deutlich voneinander abgesetzten Haarbalken auf der Oberlippe. Man meint, der geteilte Schnurrbart habe sich gebildet aus einem Paar verrutschter Augenbrauen, die in der Annahme, der Mund werde sich später zu einem solitären Zyklopen-Auge entwickeln, bereits prophylaktisch gewachsen sind."
Kurt Kister in der Süddeutschen Zeitung vom 25./26. April 2009 zum Wahlkampfplakat des CSU-Kandidaten Bernd Posselt

Freitag, 24. April 2009

Gehört_26



The Breeders "Fate To Fatal" (The Breeders)
Kurze Platte, kurze Kritik - Volltreffer. Nachdem der letzte Longplayer der Breeders "Mountain Battles" selbst eingefleischten Fans etwas zu durchwachsen und unentschlossen war - sie waren im Nachhinein wohl selbst nicht so ganz zufrieden damit - ist ihnen mit ihrer ersten selbstproduzierten und -vertriebenen E.P. "Fate To Fatal" ein kleines Meisterwerk gelungen. Es enthält neben dem gleichnamigen, gewohnt kracherten Eröffnungsstück drei ungewöhnlich ruhige Songs: Bei "The Last Time" überlassen Deal und Conelly gleich dem Screaming-Trees-Frontmann Mark Lanegan das Mikro - sicher kein Fehler. Hernach eine gelungene, verhaltene Coverversion von Bob Marleys "Chances Are" und am Schluß gute fünf Minuten verschrobener Blues wie zu besten "Title TK"-Zeiten, "Pinnacle Hollow" beschließt ein sehr willkommenes Lebenszeichen. Wollen wir mal hoffen, Mr. Black aka Francis hat auch gut hingehört und weiß das Potential für das laut Gerüchten bald geplante neue Pixiesalbum zu nutzen. Besser wär' das.

Hören+Sehen



SONIC YOUTH, Haus der Kunst, 23.04.2009
Die Gefahr einer Überhöhung ist bei einer Band wie Sonic Youth, die ich zwar nicht seit ihren ersten Tagen, aber doch schon seit vielen Jahren in großer Zuneigung begleite, durchaus gegeben. Deshalb kann es gerade bei der Nachbetrachtung zum Konzert im Haus der Kunst zu schamlos unkritischen Schwelgereien kommen – ich möchte mich dafür allerdings nicht entschuldigen müssen. Denn was kann ich dafür, dass sich so viele Komponenten zu einem nahezu perfekten Ganzen ergänzt haben. Das Ambiente: Dosenbier in den heiligen Hallen. Aber gern. Zünftige Saunaluft bzw. deren Mangelverwaltung, dazu eine ambitionierte Ansage von Chris Dercon himself mit der Bitte, doch auch die Ausstellung von Gerhard Richter nicht zu vergessen. Mal schaun. Die Band: Ganze vier Gitarren inkl. wanderndem Bass, ein prächtig aufgelegter Schlagzeuger und das liebgewonnene Reihum am Mikrofon, leidenschaftlich Lee Ranaldo, gewohnt schluffig Thurston Moore und herrlich extatisch Kim Gordon. Überhaupt: KIM GORDON. Schwarzes Chiffonkostüm, sehr mini, einmal mehr omnipräsent bei Gesang und Tanz ... – besser, ich höre sofort auf, bevor es allzu peinlich wird und ich Probleme mit meiner Frau bekomme. Die Setlist war eine angenehm ausgeglichene – neue Songs vom kommenden Album „The Eternal“, geradliniger, melodiöser und etwas eingängiger als die älteren, wechseln mit Klassikern zu gleichen Teilen – phänomenale Höhepunkte natürlich „C’ross The Breeze“ und „Hey Joni“ vom legendären 88’er „Daydream Nation“, „100%“ ein Heuler vor dem Herrn und am Ende die obligatorische, zehnminütige Feedbackorgie – vier Menschen arbeiten sich völlig selbstvergessen an ihren Instrumenten ab, ein jeder wie mit einer Art Wünschelrute bewaffnet auf der Suche nach dem endgültigen, dem erlösenden Ton. Ein Erlebnis. Und gut zu sehen und zu hören, dass jahrzehntelang gelebte Verweigerung so vollkommene Formen erreichen kann. Immer wieder.

Donnerstag, 23. April 2009

Gefunden_14



"I can smell burning flesh ... and I hope to God it's human."
Morrissey auf dem Coachella-Festival 2009.

Dienstag, 21. April 2009

Gefunden_13


Man hört es förmlich aus dem Off:
„Nee, das is jetzt nicht Euer Ernst! Ich selber?“
„Doch, das kommt gut – total autenthisch! Mach mal!“
„Aber die Scheißdinger halten nich – bescheuerte Marketingidee!“
„Jetzt hab Dich nich so – die Kohle willste doch auch einstecken.“
(Ganz leise) „Verwichste Agenturfuzzis!“
„Was meinste?“
„Nix – mach ja schon ...“
Und er macht und gibt sich richtig Mühe. Jarvis Cocker bastelt für seine neue Single „Angela“ höchstselbst an seiner Website – sehr nett anzuschauen. Und natürlich auch anzuhören, klar ...
www.jarviscocker.net

Gehört_25



Metric „Fantasies“ (Pias UK)
Ja, was soll man Metric eigentlich vorwerfen? Sie haben mit „Fantasies“ ihr bislang viertes Studioalbum abgeliefert und klingen darauf so teuflisch einschmeichelnd, dass man automatisch ein schlechtes Gewissen bekommen muß, wenn man einen Haken daran sucht. Und leider auch findet – denn das war von Anfang an das Problem der Kanadier: Sie klingen leider so unglaublich glatt, dass einen das Gefühl beschleicht, sie hätten sich vor jeder Platte mit einem Universalratgeber hingesetzt, der da heißt „Moderner Indierock im Wandel der Zeiten, Vol. 1-4“. Und dass sie gut aufgepaßt haben, hört man „Fantasies“ eben an – windschnittige Rocksongs, perfekt in Aufbau und Auswahl der Zutaten, hier eine Prise Breeders, da ein Zitat von House of Love, ganz viel Garbage (Brüder und Schwestern im Geiste) kann gar nicht schaden, alles langsam köcheln lassen, sorgsam abschmecken – fertig: „Gimme Sympathy“, „Help I’m Alive“, „Blindness“, „Collect Call“, und und und ... Dummerweise klingt das halt alles nach dem zweiten Durchlauf nicht mehr so richtig spannend und später einfach nur noch langweilig. Und wenn dann zur Mitte noch so ein billiges Liquido-Riff durchschimmert, ist es leider ganz aus. Fazit: Zuviel gewollt und allzu wenig dafür getan. Die Bude wird wohl trotzdem voll werden, befürchte ich. Geschenkt.
Metric "Fantasies" Komplettstream

Montag, 20. April 2009

Bitte nicht stören!



Quasi als Nachtrag: Eingetroffen ist die Deluxe-Edition von "Sounds Of The Universe" und wird nun natürlich entsprechend zelebriert - also: Pssssst!