Freitag, 21. August 2009

Gehört_48



Zoot Woman „Things Are What They Used To Be“ (Snowhite)
Nachdem der ansich sehr geschätzte Dirk Peitz es fertigebracht hat, im Kulturteil der SZ einen Fünfspalter über Zoot Woman unterzubringen, der nahezu nichts über die Musik auf deren neuer Platte zu berichten wußte, dafür umsomehr über ihren berühmten Bassisten und Superoberproduzenten Stuart Price und dessen seltsames Teilarbeitsverhältnis, schien es doch ganz ratsam, sich besagtes Album noch einmal genauer anzuhören. Die Erwartungen an diese Band, neben The Whitest Boy Alive vielleicht die zeitgemäßeste des noch jungen Jahrtausends, waren nach sechs Jahren Wartezeit und den Meriten der beiden erstklassigen Vorgänger schwindelnd hoch. Gelten sie doch nicht nur als bloße Blaupause der 80er Jahre, die einem, ob man nun will oder nicht, an jeder Ecke gnadenlos um die müden Ohren gehauen werden – Zoot Woman wird eine deutlich höhere Qualität zuerkannt, Premier League sozusagen. Der erste Eindruck von „Things Are What They Used To Be“ allerdings ist dann eher ein zwiespältiger. Nicht dass man mit dem Diktat des Grooves, das Price dem Album verordnet hat, nicht leben könnte, auch mit den teils unterkühlten, wohlkalkulierten Arrangements war zu rechnen. Was allerdings erstaunt ist die relativ eindimensionale Ausrichtung der Mittel, die hier zum Erfolg führen sollen. Es stampft und pumpt was die Membranen hergeben, neben dem Titelstück fallen dem auch „Memory“ und „Witness“ zum Opfer – letzteres Stück könnte durchaus auch für die aktuellen Depeche Mode taugen, wobei dann wohl Dave Gahan auch die deutlich stimmgewaltigere Gesangsalternative wäre. Das und der etwas flaue Beginn des Albums lassen einen etwas ratlos zurück und so kommt es, dass die wirklichen Höhepunkte eben die sind, die schon längere Zeit im Netz kursieren: „Saturation“ klingt, diese zweifelhafte Metapher muß erlaubt sein, wie heißes, pulsierendes Wachs – goldfarben natürlich, ebenso grandios kommen „We Won’t Break“ und „Live In My Head“ daher, allesamt runde Ohrenschmeichler, zu denen sich mit Abstrichen auch noch „Lonely By Your Side“ gesellen kann. Der Rest ist mir zu einfach schabloniert und dann zu schnell vergessen. Dass Price auch Hand an das neue Killers-Album gelegt hat, läßt sich an seinem eigenen Projekt leider so recht nicht erkennen – die Überraschungen, die einem da aus jedem Song entgegensprangen, fehlen hier fast gänzlich. Kein „Midas Touch“ also für den Klangveredler oder um im Bild zu bleiben, zu wenige „Killers“, zu viele „Fillers“ ...

Dienstag, 18. August 2009

Gehört_47



The XX „XX“ (XL Recordings)
Nee, nee, Alter, denkste dir, nee, nich mit mir! Gerade mal vierzich geworden, was von der Welt gesehen und zwar nich zu knapp. Die Achziger nich nur in der Glotze mit olle Hugo Balder erlebt, sondern mittendrinne sozialisiert – alles gehört: den Punk, New Wave, No Wave, Nu Wave und was nich alles. Kurz: Ahnung von Musik, und zwar reichlich. Denkste dir. Schon einiges mitgemacht, denkste, damals Nirvana, dabeigewesen – klar, war geil, war top. Dann später die Strokes, erst mal abwarten haste gesagt, aber keine Gegenwehr, kapituliert, waren zu gut, auch geil, auch top, keine Ausreden. Haste viel kommen und noch mehr gehen sehen, denkste dir. Und läßt dich nicht verrückt machen. Nur weil so ne angestaubte, oberwichtige Musikzeitung – en em eh, hohoho – wieder mal ne neue Sau durchs Dorf treibt. Ha, alles schon gehabt. Arctic Monkeys sagste, tja, fandste nich so toll, total überschätzt. Total. Dann The Enemy, dass du nich lachst, war doch nix, keine Ahnung, nur noch Hyper! Hyper! schreien als hätten’se Fieber. Nich mi dir, denkste. Und jetzt das – ha: Glauben das ist einfach, denken, sie haben’s raus – einfach mal so’n Kreuz auf die Hülle kritzeln. Hey, Milchgesichter allesamt, keine 20 und schon Platten machen wollen, die einen umhauen. Da lachste. Denkste – dich kriegen sie nich. Namedropping, haha, bin über vierzich und dann wollen se mir wieder was von Joy Division und The Cure erzählen – gut Mann, bei Interpol hat’s ja noch hingehauen, da haben’se Recht gehabt. Aber hey, das passiert in zwanzich Jahren ein Mal. Young Marble Giants hat einer geschrieben, hatter dich gehabt, haste dich breitschlagen lassen und hast mal reingehört. Nur mal so. Und was nu, ja verdammt noch mal, soll doch einer … ach Scheiße, hört doch einfach selbst rein, glaubt ja eh’ keiner! Gibt’s nich! Nich mit dir, haste gedacht, nich wahr?
http://www.myspace.com/thexx

Erster sein.



Da muß ein wenig Freude wohl erlaubt sein, auch wenn ich die Spötter schon aus allen Ecken rufen höre: "2. Spieltag, 2. Spieltag ..." - geschenkt! Ich jedenfalls kann mich an Zeiten erinnern, da skandierten die Kiezfans noch voller Leidenschaft am Montag Abend im DSF vor laufenden Kameras "Wir essen keinen Corny-Riegel, wir trinken kein Hasseröder!" - man mochte ganz offensichtlich die Montagsspiele nicht sooo sehr. Das sollte sich seit gestern Abend geändert haben - mit einem satten 5:0, in Worten FÜNF ZU NULL, hat der FC die Aachener daheim gleichsam weggeballert. Haben die Aachener Sportsfreunde wohl gedacht, sie wären die einzigen, die ein Tivoli zu bieten hätten und dabei wohl vergessen, dass beim FC St. Pauli das Tivoli in Form des Vereins- aka Revuepräsis quasi immer mit an Bord ist. Und das Ding hätte sehr wohl noch höher ausfallen können, wenn der Schiri den ersten Elfer gegen Naki auch noch gegeben hätte - ach, was soll's. Träumen wir halt ein wenig und genießen den Blick auf die Tabelle, denn ein St. Pauli-Fan weiß, wie kurz so ein Moment sein kann. Nicht vergessen werden sollen bei aller Freude die Genesungswünsche für den Fan, der beim Jubel von der Tribüne in die Tiefe gestürzt ist - er soll soweit außer Lebensgefahr sein ...

Montag, 17. August 2009

Gehört_46



Julian Plenti „Julian Plenti is ... Skyscraper” (Matador)
Es war natürlich sonnenklar, dass es Paul Banks mit seinem Alter Ego und dessen Solodebüt „Julian Plenti is ... Skyscraper“ nicht eben leicht haben würde bei der Kritik, allzu komplex und in sich gekehrt hat sich die Musik seiner Band Interpol in den letzten Jahren entwickelt, zu unnahbar wirkte der charismatische Sänger für die hechelnde Journaille. Und als er sich desöfteren mit Extopmodel Helena Christensen zeigte und sich auch daraus keine Stories für die Klatschpresse stricken ließen, war das Beil geschliffen und die Hinrichtung abgemachte Sache. Dass diese nun vorerst verschoben werden muß ist erstaunlich genug, die Kritiken zum ersten Soloalbum fallen doch milder aus als erwartet und manch ein Freund der Parole „Kopf ab!“ hat sich sogar zu einer wohlwollenden Empfehlung hinreißen lassen. Tatsächlich sind die Songs auf dem Album zwar bei weitem nicht so vielschichtig wie zum Beispiel auf „Our Love To Admire“, dem letzten Meilenstein von Interpol, auch den zwingenden, wuchtigen Beat von „Antics“ sucht man meist vergebens – interessanterweise findet man ihn dann beim einzigen Stück, an dem auch Sam Fogarino, der Drummer der Band, mitgefrickelt hat, der zweiten Single „Games For Days“. Und trotzdem ist es eine zwar gewohnt unterkühlte, doch abwechslungsreiche, interessante Platte geworden: Wieder entfaltet das raue, elegische Timbre von Banks seinen unwiderstehlichen Zauber und macht einige, wenn auch beileibe nicht alle Songs auf „...Skyscraper“ zu unverkennbaren Ohrwürmern. Wieder sind es eher die schwermütigen Sachen, die über dem Durchschnitt liegen, „On The Esplanade“ prickelt angenehm dunkel, „Skyscraper“ wirkt noch eine Spur mystischer, auch der „Madrid Song“ hat seine berückenden Momente. Anderes wieder kommt recht unentschieden daher, die erste Single „Fun That We Have“ zählt dazu genauso wie das fast schon beschwingte „Unwind“. Man möchte sich die Augen (oder besser die Ohren) reiben bei solchen Klängen, solche krachigen Zwitter waren ja die Sache von Interpol nicht und irgendwie passt es wohl auch zum Menschen Paul Banks, der deutlich geerdeter, klarer und lebensbejahender wirkt als noch vor eins, zwei Jahren. Der Zynismus ist einer durchaus positiven Melancholie gewichen, das Instrumental „H“ also auch ein kleines, augenzwinkerndes Gegenstück zum bitterbösen, kaltschnäuzigen „The Heinrich Maneuver“ aus dem Jahr 2007. Man darf sich also freuen über dieses Ergebnis der Selbstbesinnung und auch über den Mut, diese Platte zu bringen – in den letzten Interviews hatte Banks ja anklingen lassen, dass er mit Vorliebe eben nicht wie vielfach vermutet die alten Platten von Joy Division, Television und den Chameleons hört, sondern hauptsächlich Rap und Hip Hop. Gut, dass man das dem Album in keinster Weise anhört – so bleibt der Kopf dran!

Und los!

Klammheimlich hat während meines Urlaubs die neue Saison begonnen - nun, allzuviel ist noch nicht passiert: Schalke und Wolfburg rennen sich die Lunge aus dem Leib, die Bayern hecheln noch im Mittelfeld hinterher und spielen schon wieder so konfus wie gewohnt (sagt der Bayern-Michi, der hat's gesehen) und die Kiezkicker haben sich den geliebten Platz 8 von den blöden Sechzgern nehmen lassen - na warten wir's ab. In jedem Falle jetzt auch hier wieder alles halbswegs aktuell nachzulesen ...

Donnerstag, 30. Juli 2009

Ach, übrigens ...


http://www.urlaub-im-piemont.de/

Gehört_45



UUVVWWZ „UUVVWWZ“ (Saddle Creek)
Das ist jetzt beileibe keine spontane Konzessionsentscheidung, dieses Album schnell dem vorangegangenen hinterherzuschieben, nur weil es so schön bunt und der Name der Band so herrlich verquer ist. So richtig bekannt sind die vier aus Nebraska zwar hierzulande auch noch nicht, aber das könnte sich ändern, wenn das Debüt die Aufmerksamkeit findet, die es verdient hat. Leicht verorten lassen sich UUVVWWZ allerdings nicht. Spontan fällt mir an dieser Stelle ein, dass ich vor einiger Zeit recht traurig herumlamentierte, dass sich die Yeah Yeah Yeahs um Sängerin Karen O. wohl endgültig von ihrem angenehm sperrigen Gitarrenpop zugunsten der momentan recht hippen Diskonummer verabschiedet haben. Und so könnte man nun, ohne UUVVWWZ unrecht tun zu wollen behaupten, sie seien so etwas wie die Fortsetzung der YYYs mit anderen Mitteln (und bei dem ganzen Buchstabensalat hat das Ganze noch eine charmante Note). Der Sound jedenfalls ist ähnlich, harsche Breaks und apprupte Tempiwechsel, sanfte Pausen, in denen Sängerin Teal Gardner den Hörer in trügerische Ruhe hineinschmeichelt, um ihm gleich danach mit brachialem Schrei das nächste Brett vor den Kopf zu hauen. Die eingängigsten Songs sind der Opener „Berry Can“, der sich quasi von einem Riff zum nächsten schleicht, „The Sun“, der sich etwas linearer steigert als der Rest und das fast liebliche „Castle“, das auch ein wenig an die geliebten Breeders erinnert. Und auch das übrige ist nicht zu verachten, nur etwas mühevoller zu erschließen – „Green Starred Sleeve“ etwa quietscht und kratzt derart im Gehörgang, dass man Freund Tinitus geradezu ergeben winken sieht, bei „Jap Dad“ ist man geneigt, dem kompletten Ensemble eine Familienpackung Valium zu reichen – macht aber trotzdem mächtig Spaß. Am Ende fühlt sich der Kopf bestenfalls ein wenig taub an, man sollte mit dem nächsten Durchlauf trotzdem ein wenig warten, sicherheitshalber ...
http://uuvvwwz.blogspot.com/

Montag, 27. Juli 2009

Gehört_44


Madensuyu "D Is Done" (Bertus)
Böse Zungen mögen jetzt behaupten, ich würde Alben bevorzugt dann rezensieren und für gut befinden, wenn sie ein schwarzes Cover aufzuweisen hätten. Zugegeben, die letzten Beispiele mit den Japandroids und The Dead Weather lassen solches vermuten, aber keine Angst, es kommen auch wieder bunte Tage. Heute allerdings ist erst einmal die Stunde der belgischen Madensuyu. Die sind hierzulande so sehr Geheimtip, dass selbst das deutsche Amazon das aktuelle „D Is Done“ nicht im Programm führt und die Platte auch sonst reichlich schwer zu organisieren ist. Dabei ist sie gar nicht so neu, sondern schon seit November 2008 auf dem Markt und nur der Teufel weiß, warum die beiden Jungs mittlerweile nicht genauso bekannt sind wie andere vergleichbare Zweimannprojekte. Denn die Musik, die die beiden da hinzaubern ist so herrlich druckvoll und gleicht einer gut vierzigminütigen Dauerhypnose aus geschlagenem Beat, dreckigem Riff und dahingerotztem Textmantra. Schon beim zweiten Song „Fafafafucking“ weiß man, dass die Belgier ihre Lektion Velvet Underground gelernt haben, auch in der Folge spielen sie gekonnt mit Versatzstücken ihrer Vorbilder, zu denen offensichtlich auch die britischen Underworld mit ihren wuchtigen Loops gehören müssen. Klassische Songsstrukturen á la Bridge/Verse/Chrorus sind hier Fehlanzeige, hier geht es um Prägnanz und Prägung durch die Variantion der Wiederholung, hier wird nicht gekleckert, hier werden ganze Türme aus Gitarrenwänden zusammengezimmert – Noise galore! Herausrangend das atemlose „Oh Frail“ mit choraler Untermalung, getrieben von trockenen Schlägen und malträtierten Gitarrensaiten. Auch „Ti:Me“, „My“ und „Tread On Tread Light“ lassen einen atemlos zurück und nur der Titeltrack am Ende gönnt einem bei knapp neun Minuten Spielzeit streckenweise etwas Zeit zum Luftholen. Bleibt am Ende das Rätsel des Bandnamens – Madensuyu ist die türkische Bezeichnung für Mineralwasser. Und dieses Wort für solch hochprozentige Ware zu wählen kann man nur als reines Understatement werten…
http://www.madensuyu.be/

Mittwoch, 22. Juli 2009

Gefunden_23



"Da waren ja am Wochenende so viele Heavy-Metal-Bands, wie hießen die noch mal - ja, eine hieß ONASSIS - das war unglaublich laut dort."
Meine Mutter erzählte am Telefon über Bekannte, die bei Gräfenhainichen wohnen und den Krach im nahegelegenen Ferropolis erwähnten. Die Schlüsselworte heißen übrigens melt!, Britpop und wer den Namen der Band herausfindet, gewinnt wie immer - nix. In diesem Zusammenhang ist mir auch eingefallen, dass das melt! das einzige Festival ist, auf welches ich unsere Tochter jetzt schon mitnehmen könnte - nur würde man dann von ONASSIS nicht mehr viel hören, sondern nur: "Baggggggaaaaah!"

Dienstag, 21. Juli 2009

Gefunden_22



Man mag ja von Coldplay, von ihrer Musik und speziell von ihrem Sänger Chris Martin halten was man will (komisch, so fangen eigentlich seit Unzeiten auch meine Artikel über U2 an ...?), was sie allerdings mit Hilfe der Künstlergruppe Shynola zu ihrem aktuellen Song "Strawberry Swing" zusammengebastelt haben ist aller Ehren wert und verdient eindeutig die fränkische Ehrenauszeichnung meiner lieben Schwiegermutter: "Buzzich!"

Donnerstag, 16. Juli 2009

Gehört_43



Rotfront „Emigrantski Raggamuffin“ (Essay)
Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als der Focus auf den Plan trat und ein jeder schrie, dass es neben dem Spiegel kein zweites Nachrichtenmagazin geben könne? Nun, leider hat damals der dicke Markwort recht behalten und der Focus sein Stück vom Kuchen abbekommen. Abgesehen davon, dass die Geschichte den Nörglern ein wenig Recht geben mußte, denn der Focus ist heute kein Nachrichtenmagazin mehr, sondern ein besserer Ratgeber für Haus, Hof und Handyvertrag – abgesehen davon kommt der Vergleich in diesem Zusammenhang natürlich nicht nur auf Krücken, sondern gleich im Vollgips daher. Denn die Gegensatzpaare heißen hier Spiegel/Seeed vs. Focus/Rotfront – uiuiuihhh ... Eigentlich wollte ich aber nur sagen, dass im Schatten der mittlerweile etablierten Seeed sehr wohl noch die eine oder andere Alternative im Dancehallbiotop heranwachsen konnte. So eben das Emigrantski Raggamuffin Kollektiv Rotfront, 2003 gegründet von den beiden Wahlberlinern Yuriy Gurzhy, bekannt als die eine Hälfte von Kaminers Russendisko, und Simon Wahorn. Zu behaupten, Rotfront wären quasi Seeed von unten, würde dieser multiligualen Kombo nur ungenügend gerecht werden. Zwar treten sie bei Konzerten in ähnlicher Formationsstärke auf, beschränken sich aber bei ihrer Musik nicht nur auf die Mixtur von Reggae, Dub und Raggamuffin, sondern lassen auch gekonnt Spielarten von Klezmer, Hip Hop und deftigem Rock einfließen. So vielfältig wie die Nationalitäten der Besetzung sind auch die Texte gemischt, hier wird in deutsch, russisch, englisch und ungarisch stetig durchgewechselt. Die weiblichen Vocals kommen im Übrigen von Dorka Gryllus, deren Gesicht manchem vielleicht aus diversen Filmproduktionen wie dem „Knochenmann“ oder dem ARD-Tatort bekannt ist. In jedem Falle gibt es fetten Sound und mächtig Spaß, so bei „Sovietoblaster“ und „Zhiguli“, einem zünftigen „Remmidemmi“-Cover von Deichkind, einer schönen Piaf-Variation mit „Red Mercedes“ und viel, viel Tanzfutter für rappelvolle Clubs an der Spree oder auch anderswo. Das eingangs erwähnte Duell – jetzt runtergebrochen auf „Dickes B.“ vs. „B-Style“, steht einstweilen auf Unentschieden und die Herren um Peter Fox aka Pierre Baigorry gehören nun wieder – wie sagt man – „an den Start“.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Gehört_42



The Dead Weather „Horehound“ (Sony)
Wenn es stimmt, dass Musiker auf ihren Platten fortwährend ihr Leben, vorzugsweise ihre frühe Kindheit verarbeiten, so will man nach dem Anhören von „Horehound“ gar nicht mehr wissen, wem Jack White da im Sandkasten, so es überhaupt einen gab, die Schaufel über den Schädel gezogen hat. Man kann dem Jungen ja einiges vorwerfen, Liebedienerei allerdings zählt sicher nicht dazu. Denn dieses Werk seiner Zweit- oder Drittspielwiese The Dead Weather ist so monströs und schwer genießbar, dass er es damit garantiert nicht in die Herzen der Formatradiohörer schaffen wird (und auch die italienischen Ultras werden sich schwer tun, einen neuen Gesang für die Curva darauf zu finden). Nun will ich nicht ungerecht sein, „Horehound“ ist allemal hörbarer als atonale Zwölftonmusik von Schönberg oder die grenzdebilen Schunkelreigen der Kastelruther Spatzen. Aber vergleichsweise eingängige Songs wie „Seven Nation Army“ oder „Hotel Yorba“ sucht man auf der Platte vergeblich. Hier wird von der ersten Minute an dem Killerblues gehuldigt, elf Mal durchdekliniert und variiert, mal mit leichten Reggaetunes versetzt (Cut Like A Buffalo), mal als staubiger Wüstenrock (Rocking Horse), dann wieder als dunkel dräuende Anleihe an Birthday Party (So Far From Your Weapon) verkleidet. Gemeinsam sind allen Songs die kreischenden Powerchords und kurzatmigen Breaks, die Basswalze ist ebenso allgegenwärtig wie das knochentrockene Schlagwerk. Höhepunkte dagegen sind schwer auszumachen, vielleicht noch das Eröffnungsstück „60 Feet Tall“, wo man noch erleichtert aufatmet, wenn statt des quiekenden White die kampfbereite Alison Mosshart von den Kills ans Micro tritt. Das als melodisch gepostete Stück „Treat Me Like Your Mother“ klingt dann leider wie ein Wiedergänger dieser 90er-Jahre-Crossover-Bands deutscher Prägung wie H-Blockx oder Such A Surge, keine so gelungenen Vorbilder also. Am Ende taumelt, müde vom immerwährenden Geknüppel und mit wunden Stimmbändern, die ganze Entourage durstig und entkräftet (Will There Be Enough Water?) im Delirium dahin, ein wenig Mitleid hat man da schon. Ein durchaus interessantes Stück Musik also, aber für’s erste Date oder den lauen Sommerabend empfiehlt sich doch eher Bewährtes, da wäre eine Verwechslung zwischen Jack und Barry nicht sonderlich hilfreich ...

Mittwoch, 8. Juli 2009

Gehört_41



Japandroids „Post-Nothing“ (Polyvinyl)
Damals, als es noch Plattenläden gab oder besser, damals, als man seine Musik noch im Plattenladen kaufte, vorzugsweise auch in kleinen Secondhandbuden, wo reichlich Kundschaft ganz geschäftig über verstaubte Holzboxen mit CD-Hüllen gebeugt mit einer Engelsgeduld das Alphabet durchklappte und oder sich am Plattenspieler die Beine in den Bauch stand – damals also suchte man sich unbekannte Hörproben auch und vor allem nach dem Cover aus. Und weil die Platte der Japandroids so herrlich nach „damals“ ausschaut, bin ich auch auf sie gestoßen, sonst wären sie wohl ungehört im großen Malstrom täglicher Neuerscheinungen an mir vorbeigerauscht. Wehmütig erinnert an die angenehm schnörkellosen, schwarzgefärbten Verpackungen von Joy Division, Patty Smith oder Sylvia Juncosa, findet man auch beim Inhalt reichlich Grund zur Freude. Die beiden Kanadier beleben ein weiteres Mal die beliebte Tradition der Haudraufduos Marke White Stripes, Johnossi, Ting Tings oder auch Two Gallants – musikalisch gehen sie eher in Richtung Fugazi, Garage rules und der Bleifuß bedient stoisch das Pedalregister des erprobten Shoegazers. Als aktuellere Reminiszenz könnten durchaus auch No Age herhalten. Denn wie auf deren Debüt „Nouns“ wird auch auf „Post-Nothing“ ganz kräftig geschrammelt und gedroschen, ab und an auch geschrien, die Songs entfalten dabei eine ganz erstaunliche, treibende Wucht. Allein „Heart Sweats“, das rotzige „Press Corps“ oder auch das schwere und träge „I Quit Girls“ haben ganz eindeutig Sogwirkung, selbst das simple Schlechtwettermantra an ihre Heimatstadt „It’s raining in Vancouver, but I don’t give a fuck, cause I’m far from home tonight“ in „Sovereignty“ läßt sich prächtig mitgrölen, man kann ja im Zweifelsfall die Städtenamen einfach austauschen. Prima Platte also: Direkt aus dem Bauch, laut und definitiv keine Begleitmusik zum Hemdenbügeln ...

Montag, 6. Juli 2009

Gefunden_21



"El madrid ha solicitado modificaciones en su estadio para jugar contra el barça."
... entdeckt beim Stöbern in Facebook.

Samstag, 4. Juli 2009

Gefunden_20



"Dass wir mit Angela Merkel eine Kanzlerin haben, finde ich geil. Es zeigt, wie tolerant Deutschland ist."
Uwe Ochsenknecht in BUNTE/28

Freitag, 3. Juli 2009

Gehört_40



Wilco "Wilco (The Album)" (Warner)
Mit Wilco geht es mir, das muß ich zugeben, ähnlich wie mit dem Autor Max Frisch. Ich weiß, dass er gut ist, finde aber trotz vieler Mühe zu seinen Büchern einfach keinen Zugang. Genauso wie „Stiller“ und „Montauk“ seit Jahren mein Bücherregal zieren und ich sie in regelmäßigeren Abständen für einen neuen Versuch hervorhole, genauso zählen natürlich „Summer Teeth“ und „Yankee Hotel Foxtrot“ zu meiner CD-Sammlung. Und wenn es mich überkommt, dann werden auch die wieder mal rausgekramt. Woran es allerdings genau liegt, dass ich mit dem elektronisch verstärkten Countryrock noch nie so richtig warm geworden bin – ich weiß es nicht. Auch die neue Platte gibt da keinen rechten Aufschluß. Sie fängt ja mit dem augenzwinkernden „Wilco (The Song)“ verheißungsvoll an, der genau das liefert, was mir bisher bei Songs von Wilco allzu oft fehlte – angenehm aufgeraute Gitarrenparts. Danach wird’s zwar deutlich bedächtiger, aber mit dem wunderbar getragenen „One Wing“ nicht eben schlechter. Bei „Bull Black Nova“ wird dann erstaunlich spielfreudig fast schon psychedelischer, verzerrter Bluesrock zum besten gegeben, für mich der unbestrittene Höhepunkt des Albums. Das Duett von Jeff Tweedy mit Leslie Feist ist dann bestenfalls niedlich, das etwas breitbeinige „You Never Know“ hätten Wilco auch getrost Springsteen selbst überlassen können. „Solitaire“ gefällt durch seinen akkustischen, reduzierten Charakter, der Rest fällt dann nicht weiter auf, mit „Everlasting Everything“ gelingt aber ein würdiger Abschluß. Sicher ein Album, was man sich erarbeiten muß, einige Songs entfalten ihren Charme erst bei wiederholtem Hören. Und wer weiß, vielleicht wird es ja noch mein persönliches Schlüsselwerk – sollte das gelingen, nehme ich garantiert auch Herrn Frisch mal wieder in die Pflicht.

Donnerstag, 2. Juli 2009

C-Ess-U 2.0

Als Nachgang zu untenstehendem Post kann man wohl auch den Plakatentwurf von Gunter Sachs zum "SWR3 New Pop Festival" verstehen - da kommen wir, glaube ich, der singhammerschen Inspirationsquelle sehr, sehr nahe: Sachs beim SWR3

Gefunden_19



Es war nur ein kleiner Nebensatz, der sich da gestern im Sportteil der SZ in einem dieser mäßig interessanten, sommerlochfüllenden FC-Bayern-Saisonvorbereitungsartikel verkrochen hatte – ein Nebensatz, der gleichwohl die schier unglaubliche Tragweite der Umstrukturierungen beim Münchner Großmeister im Monat 3 der Nachklinsmannära beschrieb. Er lautete: „Aus dem Leistungszentrum ließ van Gaal DJ-Pulte und Bibliotheken entfernen ...“ Rumms! Das hat gesessen. Da kam einem das Panoramabild einer Münchner Boulevardzeitung, Sommer 2008, in Erinnerung, welches stolz erste optische Eindrücke vom neuen Leistungszentrum zeigte und da war, in voller Bildbreite, neben den obligatorischen Buddha-Statuen, der mutmaßlich intelligenteste Regalmeter der Republik zu sehen – die sagenumwobene „SZ-Bibliothek“. Schon damals versuchte man sich mit brutalstmöglicher Phantasie vorzustellen, wie ein Bastian Schweinsteiger, die Stirn kraus, das Haar zerzaust, mit dem „Untergeher“ von Bernhard in der Hand an einem völlig in sich versunkenen Lukas Podolski vorbeischlich, der wiederum über Ingeborg Bachmanns „Malina“ brütete, einzig gestört durch das bedrohliche Murmeln von Hamit Altintop, der sich pflichtbewußt durch eine deutsche Übersetzung von Orhan Pamuk quälte, wobei Phillip Lahm wiederum ... Schon damals konnte man ermessen, wie unsagbar schwierig das schwäbische Großprojekt werden würde oder auch, wie schnell es wohl scheitern könnte. Alles Geschichte. Denn mit den Büchern sind nun auch die letzten Erinnerungen an einen fatalen Fehlgriff des Managements getilgt, der Neue ist endlich da und so richtig traurig scheint an der Säbener Straße keiner darüber zu sein – denn wie sagte schon Uli Hoeneß schon in bester lutherischer Tradition: „For me – it’s scheißegal!“

Dienstag, 30. Juni 2009

Gehört_39



Moby "Wait For Me" (edel)
Es gab Zeiten, da galt der Begriff Kaffeehausmusik als ehrenvolle Bezeichnung für die entspannte Untermalung kurzweiliger Gespräche unter gedimmten Lüstern, Musik also, die quasi als akustische Tapete den Menschen unaufdringlich Wohlbefinden suggerieren sollte, anspruchsvoll schon, aber nie anstrengend. Und wer dazu dezent das Tanzbein schwingen wollte, konnte auch das tun – früher. Heutzutage wiederum gilt Kaffeehausmusik eher als grobe Beleidigung, wer also Musik macht, die in Coffeeshops in der Endlosschleife rotiert, wird schnell als untalentiert, überkommerziell und völlig unhip gedisst, last exit Fahrstuhlmuzak also. Langer Rede kurzer Sinn: Es wird nur eine kurze Zeit dauern, bis auch die neue Moby wieder in dieser Schublade steckt, wo auch schon seine früheren Veröffentlichungen gelandet sind. Der Vorwurf, das alles auf „Wait for Me“ sei weder neu, noch einfallsreich, ohne jedwede Überraschung und überhaupt so fürchterlich getragen, angekitscht und deprimierend obendrein, der Vorwurf wird kommen. Stimmt natürlich alles irgendwie und doch ist es egal. Denn auch so eine Platte muß erst mal gemacht sein und Moby wollte ja nach eigenen Aussagen genau diese verhaltenen, umschmeichelnden und plüschigen Klänge haben und die hat er dann auch gut hinbekommen. „Pale Horses“ und „Walk With Me“ sind mit der gebrochenen, lasziven Gospelstimme seltsam anrührend, „Shot In The Back Of The Head“ braucht nur ein verfremdetes Riff, um zu bezaubern und zu „Mistake“ muß man gar nichts weiter sagen – ein perfekter, tieftrauriger Popsong in bester Postpunktradition. Gegen Ende gehen Herrn Moby dann etwas die Ideen aus, etwas knapper hätte er sein Werk da schon fassen können, aber „Isolate“ setzt einen versöhnlichen Schlußpunkt. Also, kein „Play“, deshalb nur 4 von möglichen 5 Sternen. Und wir bestellen uns jetzt – na was, natürlich: Einen Middle Sized Caffé Latte Decaf To Go ...

Montag, 29. Juni 2009

C-Ess-U



Ja, da meint man, mit knapp 40 hätte man schon viel gesehen von der Welt oder, um das Themenfeld etwas enger zu fassen, da ist man mit einer Grafikerin verheiratet und denkt, man weiß wie der Hase läuft in der Werbebranche. Aber weit gefehlt! Als ich vor einiger Zeit an dieser Stelle aus dem wunderbaren Artikel von Edelfeder Kurt Kister über das fabelhafte Wahlplakat von CSU-Supermodel Bernd Posselt zitierte, sah alles danach aus als könne danach Besseres nicht kommen. Doch scheinbar fühlte sich Parteikollege Johannes Singhammer, gesegnet mit dem gleichen Charisma wie Exwirtschaftsminister Glos oder auch zweieinhalb Kilo Sülzwurst, derart herausgefordert, dass er schnurstracks zu seinem PR-Agenten lief und flugs ein weiteres, viel unschlagbareres Plakat für den Münchner Wahlbürger entwerfen lies. Singhammers Idee: Porträttechnisch kann ich den Posselt nicht toppen, aber ich habe einen so klangvollen Namen, da müßte sich doch was mit machen lassen. Und es lies sich ... was mit machen. Und mit dem Ergebnis, seien wir ehrlich, hat er uns im Sack, der Singhammer! A Hund isser scho ...