Mittwoch, 13. Mai 2020

Ghostpoet: Wachsam bleiben

Ghostpoet 
„I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ 
(Play It Again Sam)

Natürlich könnte manche/r fragen, warum man sich ein Album wie dieses überhaupt antut. In Zeiten, die ohnehin nicht die fröhlichsten sind. Die altgewohnten Gewissheiten erodieren, gut und böse sind deutlich schwerer auseinanderzuhalten, Familien, Freundeskreise, die Gesellschaft, es knirscht und bröckelt an allen Enden und wir verlieren die Übersicht, das Verständnis, die Geduld und (womöglich) auch ein Stück weit auch unsere Mitmenschlichkeit. Und dann also dieser Obaro Ejimiwe, genannt Ghostpoet. Nun, einfach zu haben war der schon lange nicht, seit seinem Debüt „Peanut Butter Blues And Melancholy Jam“ hat sich der gebürtige Nigerianer, wohnhaft in London, der dunklen Seele der Musik verschrieben. Und die sucht sich, um die Eingangsfrage zu beantworten, nun mal ihre Adressaten. Wobei er wohl noch nie so düster war, uns Zuhörer noch nie so tief hat in den Abgrund blicken lassen wie auf dieser, seiner fünften Platte. Der Köder ist bei jedem ein anderer – hier war es der kurz an Billie Eilishs Geniestreich „When We Fall Asleep, Where Do We Go?“ gemahnende Titel, der hier doch um so vieles ernster und dystopischer angelegt ist. Und das buchstäblich pechschwarze Video zur ersten Single „Concrete Pony“: Ejimiwe sitzt, äußerlich unbewegt, in enger Ungemütlichkeit und betrachtet seinen baselitz’schen Dämonen kopfüber an der Decke, ringt jedoch, wird bedrängt in zwischengeschnittenen Albtraumbildern, alles zerfließt, verschwimmt, verklebt auch.

Sinnbilder das alles vielleicht: Die Welt, die Kopf steht, der müde Blick, die Schwere der eigenen Existenz, zurückgeworfen und letztlich einsam – eben dieser Welt müde sein und doch Angst davor haben, einzuschlafen. Bedrohlicher, verletzlicher kann man es kaum formulieren und düsterer nicht arrangieren. Der Sound, mit dem Ghostpoet uns an seinen Gedanken teilhaben läßt, ist ein äußerst spannender – elektrischer Blues, trockenes, bleischweres Schlagwerk, verstörende Geräusche, Streicher, Piano, Jazzsequenzen, alles sehr reduziert und LoFi, dennoch sehr komplex und dicht. Ejimiwe bringt in Interviews selbst The Fall mit Mark E. Smith (er nennt ihn einen „un-musician“) und Mark Hollis‘ Talk Talk ins Spiel, natürlich sind auch Massive Attack und die Bad Seeds von Cave als Orientierungspunkte nicht weit. Für die klaustrophobische Stimmung des Werkes könnten alle Genannten ihren Beitrag leisten, der Monolog auf engstem Raum, Dunkelkammermusik ohne Fluchtweg.

„Nowhere To Hide Now“ heißt ein Titel und der könnte eigentlich nicht besser zur gegenwärtigen Situation von uns allen passen. Quaratäne-Blues, auch wenn er darauf keinen direkten Bezug nimmt. Denn dieser Bezug, das weiß er wohl, verbraucht sich auch schnell. Vielmehr geht es in den Songs um Grundsätzliches, um unsere Verlorenheit in der Zeit, überwacht, überfordert, überdreht, ausgelaugt und nicht selten frustriert und machtlos. Mit „I am alive“ beginnt er die gut vierzig Minuten („Breaking Cover“), doch schnell heißt es dort: „I wanna die … I wanna know. What’s it all mean? What are we here? Is this the end? Can we turn back?“ – Ratlosigkeit in Worte gefaßt. Fast jeder Song des großartigen Albums dealt mit dieser Ohnmacht, er selbst sei, so sagte er kürzlich dem Onlinemagazin CLASH, zunehmend abgestumpft und deshalb sehr froh, all diese Gedanken und Gefühle in seiner Musik ansprechen, abarbeiten zu können. Denn andererseits, so seine Meinung, gäbe es ja durchaus Hoffnung, niemand wisse schließlich, wohin die Gesellschaft sich nach überstandener Pandemie hinbewege und ob sie nicht doch etwas dazugelernt habe. Wachsam bleiben, wach bleiben, das ist das Mindeste, das wir tun können – „Call it a mission, call it a inner fear, but I am awake, I am awake“, heißt es dazu im Titelsong.

18.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
17.10. Köln, Club Volta
23.10. Berlin, Columbia Theater
29.10. München, Strom
30.10. Bern, Dachstock

The Beths: Mächtig aufgeregt

Das ist schon ein verflixtes Ding mit der Aufregung: Da arbeitet man seit Jahren auf ein bestimmtes Ziel hin, dann ist es endlich soweit und dann kommen alle und fragen mit penetranter Aufdringlichkeit nach dem werten Befinden. So jedenfalls schildert es Elizabeth Stokes, Sängerin der neuseeländischen Kapelle The Beths, dem Netzportal Brooklyn Vegan. Das Quartett nämlich ist gerade auf dem besten Wege, endlich die Erfolge einzufahren, für die sie sich die Finger wundmusiziert haben (naja, so in etwa) und die ganzen Erkundigungen, wie man sich denn nun so fühle, ob es nicht der Wahnsinn schlechthin sei, gehen Stokes und Kollegen mächtig auf die Nerven. Klar sind sie aufgeregt, wie auch anders! Am 10. Juli erscheint bei Carpark Records schließlich das neue Album "Jump Rope Gazers" und schon die beiden ersten Singles "I'm Not Getting Excited" und "Dying To Believe" rocken ziemlich frisch daher. Läuft bei ihnen.





Montag, 11. Mai 2020

Easy Life: Quarantäne mal lässig

Okay, es ist nicht so, dass wir jede Quarantäne-Version doof fänden und jeden Lockdown-Song verreißen würden. Es gibt Ausnahmen, durchaus. Hier zum Beispiel musiziert die derzeit wohl lässigste Boyband Easy Life aus Leicester und weil die schon mit ihrer letzten EP "Junk Food" und dort im Speziellen mit der Single "Earth" vorstellig geworden sind, wurden wir gleich hellhörig, als das Quintett ein Doppel in Heimarbeit ankündigte. "Peanut Butter" und "Petty Crime" subsummieren unter dem Namen "See You Later Maybe Never"-Demos. Und klingen dennoch schon erstaunlich komplett.



TRIXSI: Krach ohne Dummbeutel



Gegen eine zünftige Herrenrunde so kurz vorm Vatertag ist ja nun gar nichts zu einzuwenden, erst recht nicht, wenn sich in dieser keinerlei Dummbeutel mit Bollerwagen, Bierbong und schwarz-rot-goldenem Schlapphut befindet, sondern lauter ehrenwerte Musiker: Angefangen mit Jörkk Mechenbier von Love A über Paul Konopacka und Torben Leske (beide Herrenmagazin), Kristian Kühl von Findus bis hin zu Klaus Hoffmann (ehemals Jupiter Jones). Zusammen sind sie TRIXSI und machen als solche recht amtlichen Punkrock - was bei der Besetzung eigentlich auch nicht anders zu erwarten war. Wenn man der Pressemitteilung glauben will, dann sind die Grenzen aber nicht so eng gesteckt, zwar eint sie ihre Weltanschauung, in Sachen Musik und was da alles so dazugehört, soll aber viel Raum für gute Ideen sein. Im Herbst des vergangenen Jahres kam jedenfalls mit "Trauma" ein erster Song von der Kapelle, nun folgt die nächste Single "Wannabe" und weil sie alle altgediente Schrammler und Klopper sind, wissen sie natürlich was sich gehört und vermelden auch gleich ein ordentliches Album. Das wird "Frau Gott" heißen und am 26. Juni bei Glitterhouse Records erscheinen. Und wenn der Kollege Mechenbier neben der Love-A-Jubiläumstour noch ein wenig freien Kalenderplatz findet, gehen sie vielleicht auch noch auf Konzertreise.





Friends Of Gas: Unersetzbar [Update]

Als wir hier kürzlich die aktuelle Single "Deutsch" von GEWALT vorgestellt haben, kam uns bei der Videorecherche (so nennt man das wohl) auch der etwas ältere Song "Pawlow" in die Hände - und da war sie wieder: Nina Walser. Sie und ihre rostige Stimme, die so klingt, als habe Katharina Thalbach Keuchhusten. Unglaublich, unnachahmlich. Und natürlich in erster Linie das Markenzeichen der Münchner Kapelle Friends Of Gas, die dann kurze Zeit später auch ihre EP "CARRARA" veröffentlichten und somit halbwegs die Gier nach Neuigkeiten zu stillen vermochten. Vollständig wird ihnen das aber erst am 5. Juni gelingen, dann nämlich erscheint mit "Kein Wetter" bei Staatsakt das neue Album der Band. Fast selbstverständlich, ist auch diese, ihre zweite Studioplatte nach "Fatal Schwach", wieder von Olaf O.P.A.L. produziert - in Ermangelung einer ersten Hörprobe aus den zehn neuen Stücken gibt es mit "Lost Somebody" hier einen ihrer früheren Songs.

30.05.  Leipzig, Trip Festival - Conne Island
06.06.  München, Strom
04./05.09.  Neustrelitz, Immergut Festival
16.10.  Chemnitz, Atomino
17.10.  Berlin, Zukunft am Ostkreuz
19.10.  Hamburg, Hafenklang
20.10.  Wiesbaden, Kreativfabrik
21.10.  Köln, Bumann & Sohn
22.10.  Bochum, Trompete
24.10.  Stuttgart, Merlin
10.11.  Nürnberg, Z-Bau
11.11.  Jena, Rosenkeller
13.11.  Saarbrücken, Sparte 4
14.11.  Karlsruhe, Kohi

Update: Wir korrigieren und ergänzen, endlich neue Konzerttermine (München und Leipzig naja?), und endlich auch der erste neue Song mit Video - "Felder" unter Regie von Anton Kaun ... Das Video zur neuesten Single "Graue Luft" wiederum entsand in Zusammenarbeit mit Anna McCarthy und Susanne Beck.





Samstag, 9. Mai 2020

Alex The Astronaut: Nur die Musik

So ist das an einem Tag wie diesem, der eigentlich sehr traurig ist, weil gerade einer der ganz Großen gegangen ist: Auch wenn der unvergleichliche Little Richard und die Australierin Alexandra Lynn auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam haben, so verbindet sie doch die Idee, dass Musik mehr sein kann als die Summer der einzelnen Töne. Ob klassisch, elektrisch, akustisch, ob leise oder laut, dramatisch oder von entspannter Leichtigkeit, ob die ganze Welt bewegt wird oder nur der eigene kleine Kosmos einen anderen anstößt, immer macht Musik etwas mit einem. Manchmal auch einen anderen Menschen. Ob das mit dem Song "Lost" passiert, muss jede/r selbst sagen, die/der ihn hört, er ist jedenfalls schnell drin im Kopf und will da auch so schnell nicht mehr raus. 2017 hat Lynn unter dem Namen Alex The Astronaut begonnen, Lieder zu veröffentlichen, die EP "To Whom It May Concern" erschien, eine weitere folgte mit "See You Soon" und nun hat sie für den August ihr Debütalbum "The Theory Of Absolutely Nothing" angekündigt. Der Titel kling ein wenig nach Douglas Adams, die Stücke, die sich darauf finden, erzählen allerdings weniger verquere, sondern eher anrührende Geschichten aus dem Alltag eines Twens aus Sydney. Neben dem besagten "Lost" kennen wir bereist die Stücke "Split The Sky", "I Think You're Great" und "I Like To Dance" und wenn wir nicht ganz falsch liegen, dann wird auch der Rest nicht schlechter sein.





The Streets: Sir Mix-a-lot [Update]

Telefonieren hilft gegen den Frust, zumindest manchmal - das alte Telefon erlebt gerade einen dritten Frühling und wenn das Teil noch so eine altes Schiebeding ist wie hier, dann gilt das gleich um so mehr: Mike Skinner aka. The Streets macht gerade wie wir alle keine spaßigen Zeiten durch, social distancing halt, keine Konzerte und wohl auch kein Studio. Dennoch hat der smarte Kerl gerade sein neues Mixtape mit dem herrlich poetischen Titel "None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive" angekündigt - zehn Songs und einer wie der andere als Kollaboration entstanden. Vorabsingle Nummer eins "Call My Phone Thinking I'm Doing Nothing Better" zum Beispiel Kevin Parker alias Tame Impala, andere wiederum mit den Idles, Kasien, Chris Lorenzo, Rob Harvey oder Jimothy Lacoste. Eine Reihe neuer Songs hat Skinner ja schon 2018 im Ramen seiner Konzertreise präsentiert, das neue Tape soll nun am 10. Juli bei Island Records erscheinen.

Update: Zu jeder Single gehört eine B-Seite, das ist auch heute noch so. Zur aktuellen gesellt sich gerade der Song "Where The F* And K Did April Go" - wird nicht auf dem Album sein.





Freitag, 8. Mai 2020

Little Simz: Kaum zu bändigen

Little Simz
"Drop 6"

(Age 101)

Das ist auch eine der unangenehmen Nebenwirkungen dieser Krisenzeit, dass manches leider etwas untergeht in dem ganzen Nachrichtengetöse. Andererseits wäre eine 12" wie diese der Londoner Künstlerin Simbiatu Ajikawo aka. Little Simz ohne das blöde Virus und die damit einhergehenden Wirrnisse so wohl auch kaum entstanden. Denn die Sechsundzwanzigjährige, wie alle Menschen durch Ausgangsbeschränkungen in ihrem Lebensradius eingeschränkt, hat die EP komplett im heimischen Studio aufgenommen, neben den fabelhaften und äußerst erfolgreichen Alben (zuletzt "Grey Area") ist es das sechste Kurzformat von ihr. Gefeiert wird Little Simz ja für ihre bemerkenswerte Mischung verschiedenster Stilrichtungen vornehmlich schwarzer Musik, so verbindet sie Grime, Hip-Hop, Dancehall, RnB und Soul und tut das auch auf der aktuellen Platte. Schnelle, beat- und basslastige Tracks wie der Opener "Might Bang, Might Not" und das teuflisch federnde "You Should Call Mum" wechseln mit entspannterer, gemäßigter Gangart, allen gemein sind die harten, selbstbewußten Rhymes, die den Augenblick feiern und einmal mehr von einem stabilen Ego künden. "I crashed the party, I am the party", heißt es eingangs und weiter: "I'm the force that we speak of, what's a wave to a Tsunami?" - so textet keine, die sich um ihren Platz im Business sorgen muss. Dass dahinter harte Arbeit, gepaart mit Geduld und Ausdauer stecken, ist kein Geheimnis und ebenfalls Thema ihrer Verse ("Damn Right"). Am Ende holt sie sich für "Where's My Lighter" zusätzlich noch die Stimme von Kollegin Alewya ans Mikro, eine kurze, eine runde Sache, das Ganze.

Executioner's Mask: Hymnen der Hoffnungslosigkeit

Manche/r wird die thematischen Sprünge vielleicht befremdlich finden, aber so oder so - es ist Musik. Something competely different also, wir reden über eine Band namens Executioner's Mask. Das Trio macht seit 2018 das, worum sich nur wenige kümmern - Gothrock aus der Schule der Sisters Of Mercy, Red Lorry Yellow Lorry, AFI, Fields Of Nephilim, you name it. Und sie machen das beileibe nicht schlecht, es läuft einem beim Anhören ihrer Debüt-EP "True Blue" noch immer kalter Schweiß den Rücken runter. Auf ihrem ersten Longplayer "Despair Anthems" gibt es sowohl diese älteren Stücke (siehe auch "Freight Of Fire") als auch neue zu hören, für "No Funeral" haben Jay Gambit, Ryan Wilson und Craig Mickle sogar ein Video drehen lassen - die Platte soll am 10. Juli bei Profound Lore Records erscheinen.




Babeheaven: Drinnen und draußen

Das Londoner Duo Babeheaven meldet sich recht spät, aber gewohnt geschmeidig ins neue Jahr zurück, was sicher den allgemeinen Umständen geschuldet ist. Die letzte Notiz haben wir aus dem Sommer 2019 verzeichnet, da erschien mit "Jalisco" ein neuer Song - diesem folgt nun "Human Nature", es geht um den Gegensatz dessen, was wir innerlich fühlen und äußerlich darstellen und wie wir damit in der Welt allgemeiner medialer Verfügbarkeit klarkommen. Über weitere Pläne von Nancy Anderson und Jamie Travis ist bislang noch nichts vermeldet, das Versprechen, neues Material folgen zu lassen, haben Babeheaven aber schon mal gegeben.



Pauls Jets: Vorstellungskraft [Update]

Vorstellungskraft ist momentan wirklich gefragt. Schließlich passieren Dinge im Land und weiter draußen, die man sich bislang kaum vorstellen konnte und dann passieren wieder so viele Dinge nicht, die man sich stattdessen vorstellen muss - komplizierte Zeiten sind das. Und mitterein platzen dann die Wiener Pauls Jets mit ihrer neuen Single "Blizzard", wo es um eben jene Vorstellungskraft geht. Obwohl - platzen ist jetzt der eindeutig falsche Ausdruck, schließlich ist der Song so sanft und warm wie ein Sommerabend an der Donau. Und enthält ein gesampeltes Zitat von Reinhold Messner, das folgendermaßen geht: "Es ist nicht möglich aufrecht zu stehen. Zelte und Mulden haben sich gefüllt mit Pressschnee, und wo vor einigen Wochen die Sonne stand, droht jetzt ein schwarzer Himmel mit Vernichtung. Mir ist, als sei ich selbst hierher geschleudert worden. Ich lasse alles liegen und ziehe mich in mich selbst zurück, um dem Tod zu entrinnen, dessen erste Schatten mich gestreift haben." Klingt jetzt nicht so sommerabendlich, macht aber im Kontext durchaus Sinn - einfach reinhören. Ganz von ungefähr und nur zum Trost kommt das Stück natürlich nicht, kündigt es doch das neue Album des Trios um Sänger Paul Hochhaus an - "Highlights zum Einschlafen" wird es wunderbarerweise heißen und wenn das böse C verschwunden sein sollte, winken im Herbst eine Anzahl lohnender Tourtermine.

08.09.  Wien/ Konzerthaus (Release-Show)
30.09.  Leipzig, Noch Besser Leben
01.10.  Hamburg, Molotow Skybar
02.10.  Berlin, Berghain Kantine
05.10.  Dortmund, FZW
06.10.  Köln, Die hängenden Gärten von Ehrenfeld
07.10.  Wiesbaden, Schlachthof
08.10.  Schorndorf, Manufaktur
09.10.  Ulm, Hudson Bar
10.10.  München, Import Export
04.11.  Nürnberg, Club Stereo

Update: Einen kleinen Einblick in die empfindsame Künstlerseele, das bietet der neue Song "Der Teufel", das Video stammt von Sophia Egger-Karlegger.





Donnerstag, 7. Mai 2020

The Ninth Wave: Wandelbar

Als wir die schottische Band The Ninth Wave vor zwei Jahren an gleicher Stelle vorstellten, da ging es auf ihrer EP "Never Crave Attention" noch deutlich dramatischer zu - gut waren sie damals schon. Nun, der Sound wurde entschlackt, ist nun experimenteller, elektronischer, auch die visuellen Mittel haben sich gewandelt. Gothic sind sie auf ihre Art noch immer. "Happy Days!" ist zugleich Name und Titelsong ihrer neuen EP, die von Faris Badwan von The Horrors produziert wurde, man darf gespannt sein, was darauf noch zu hören sein wird. Zum Vergleich unten übrigens die Single "Flower Into Wounds" vom Album "Infancy" (2019).





Nation Of Language: Mit einiger Verspätung [Update]

Schönen Synthpop gibt es heute vom Trio Nation Of Language aus Brooklyn. Die Band, seit 2016 im Geschäft, ist wie viele andere auch Opfer des doofen Virus geworden, denn eigentlich sollte ihr Debütalbum "Introduction, Presence" schon im vergangenen Monat erscheinen. Nun ist der Start auf den 22. Mai geschoben, was uns etwas mehr Spannung und eine weitere Vorauskopplung beschert. Zu den bislang veröffentlichten Tracks "The Motorist", "Rush And Ever", "Tournament" und "September Again" kommt nun also noch "Friend Machine", das laut Auskunft des Sängers Ian Devaney sein schwieriges Verhältnis zu modernen Kommunikationsmitteln beschreiben soll. Dem Portal Stereogum sagte er: "Wie viele Menschen verbringe ich einfach zu viel Zeit mit diesen Dingen. Es ist ein Kampf, bei dem ich versuche, meinen Umgang damit auszubalancieren, mich sowohl über die Welt zu informieren als auch zu etwas Kreativem inspirieren zu lassen. Die Konnektivität fühlt sich an, als ob sie mich gleichzeitig gefesselt und abwesend hält, sie kann mich aber auch dazu treiben, neue Dinge zu schaffen. Vielleicht ist das nur eine Ausrede, die ich für mich selbst erfinde, aber in meinem Kopf gibt es wirklich eine Art Push/Pull-Knopf und so versuche ich weiterhin, irgendwie eine vernünftige Symmetrie in meine Tech-Gewohnheiten zu bringen."

Update: Unten zu finden - ein weiterer feiner Song namens "The Wall And I".



Lianne La Havas: Zur besten Zeit

Guten Soul kann man nie genug im Haus haben - eine ganz alte Weisheit, die in Coronazeiten noch einmal mehr gilt. Denn guter Soul ist gleich Lebenshilfe. Auch und besonders der von Lianne La Havas, Londoner Künstlerin mit einer Irrsinnsstimme und reichlich Songwritingtalent gesegnet. Die erste Platte der dreißigjährigen Britin, deren Eltern aus Griechenland und Jamaika stammen, ist unter dem Titel "Is Your Love Big Enough?" 2012 erschienen, drei Jahre später kam dann der Nachfolger "Blood" hinterher und nun hat La Havas Album Nummer drei für den 17. Juli bei Nonesuch Records angekündigt. "Bittersweet", die erste Auskopplung, hat Ende Februar die Runde gemacht und war von ausgesuchter Qualität, das selbe gilt unbedingt auch für den neuesten Song "Paper Thin", ein wunderbar feinfühliges Stück, wie man es besser gerade nicht brauchen könnte.



Mittwoch, 6. Mai 2020

The Murder Capital: Seltenheitswert

Live-Aufnahmen oder Konzertmitschnitte sind immer so eine Sache - man wäre lieber dabei gewesen, als es nun mittels Konserve zu hören und nur ganz wenige Dokumente entfalten deshalb tatsächlichen Zauber. Zu den epochalen dieser Art muss das folgende noch nicht gerechnet werden, aber was die britische Post-Punk-Kapelle The Murder Capital in der BBC für Annie Mac's Maida Vale Sessions gespielt hat, ist schon ganz ordentlich. Drei Titel kamen zur Aufnahme, mit dabei neben den Tracks "Don't Cling To Life" und "Green And Blue" vom Debütalbum "When I Have Fears" auch ein durchaus bemerkenswertes Cover des FKA-Twigs-Songs "Cellophane". Das in Teilen so klingt, als seien die Drone-Metaller Sunn O))) zufällig auch mit im Studio gewesen.





Jamie XX: Wenigstens einer [Update]

Okay, von seinen beiden Mitstreiter*innen Oliver Sim und Madley Croft ist noch nicht so viel zu hören, The XX und das neue vierte Album bleiben im Ungefähren - da ist es ein Trost, dass sich wenigstens Jamie XX mit einem aktuellen Track zurückmeldet. Gerade lief "Idontknow" über die bekannten Plattformen und das Stück ist schon eine kleine Überraschung - Afropop-Drums zu Beginn, dann perkussive Trance mit orientalischem Einschlag und dicken Beats. Der erste Ausblick seit dem bunten Album "In Colours" (2015) bleibt vorerst standalone, mehr wird sich weisen.

Update: Einige Ausschnitte waren in den letzten Tagen schon zu sehen - hier nun der komplette Clip, den die irische Tänzerin Oona Doherty zusammen mit Regisseur Luca Truffarelli aufgenommen hat.



Dienstag, 5. Mai 2020

Arlo Parks: Hohe Erwartungen

Ein ernstes Thema zu später Stunde: Arlo Parks, Londoner Songwriterin mit großer Zukunft, hat wie alle anderen mit den Folgen wochenlanger Ausgangsbeschränkungen zu kämpfen, nur die Aufnahme-Sessions im eigenen Wohnzimmer können einen kleinen Teil dazu tun, sich nicht ganz so allein zu fühlen. Und doch denkt die knapp Zwanzigjährige an Mitmenschen, denen es weitaus schlechter ergeht, die an psychischen Störungen leiden und gerade jetzt auf Hilfe angewiesen sind. Die neue Single "Black Dog" folgt auf "Eugene", ein Stück aus dem Februar, dem Netzportal DIY sagte sie zum Thema des aktuellen Songs: "Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass psychische Gesundheitsprobleme heute häufiger auftreten oder ob wir einfach offener darüber reden, aber so oder so sind sie für unsere Generation typisch. Ich kann nicht für alle sprechen, aber nach dem, was ich bei meinen Freunden beobachtet habe, setzen die sozialen Medien uns alle unter einen enormen Druck. Wir sehen überall perfekte Menschen und perfektes Leben, die nicht real sind, und ich habe das Gefühl, dass wir deshalb ständig von uns selbst enttäuscht werden.“ Zu dem Lied selbst gibt es im Übrigen auch noch eine Gedicht, dass sie in einem anderen Clip aufgenommen hat.



Sleaford Mods: Rollentausch

Fragt man in englischen Pubs nach dem most favorite karaoke song, dann würden Tracks der Sleaford Mods wahrscheinlich nicht gerade unter den Top 50 landen. Leider, muss man sagen, denn kaum eine Band hat ihren Zuhörern (und auch jenen, die es eben nicht hören wollen) zur Situation im Land so viel Treffendes zu sagen wie das Duo aus Nottingham. Am 15. Mai werden Jason Williamson und Andrew Fearn mit "All That Glue" eine umfängliche Best-Of-Packung veröffentlichen, gefüllt mit Hits, Raritäten und Neuigkeiten. Der hier aufgeführte Song "Second" beispielsweise stammt, wie Williamson gerade dem Rolling Stone erzählte, aus den Sessions zum vorletzten Album "English Tapas" (2017), das Video zum Nachdreh wiederum verantwortete Robin Lee. Die Idee: Die beiden Schauspielerinnen Kate Dickie und Emma Stansfield geben auf der Bühne einer mäßig gefüllten Kneipe als Look-A-Likes ihr Bestes inkl. Notebook-Rack, Bierdose, Tanzeinlage und Sprühnebel fun fact: die Originalbesetzung schaut am Anfang ziemlich genau so wie alle, die die Mods das erste Mal zu Gesicht kriegen. Und bekommt am Ende nur den Finger.





Wire: Hartnäckigkeit als Kunst

Notizen zu Stammgästen, nächste Folge: Gerade erst haben wir die ungebrochene Kreativität der Herren Newman, Lewis, Grey und Simms, bekannter unter dem Bandnamen Wire, gelobt, Anfang des Jahres hatten sie ihr letztes Album "Mind Hive" veröffentlicht und es war beileibe kein schlechtes geworden. Nun schickt das Quartett laut Brooklyn Vegan am 19. Juni eine weitere Platte mit dem Titel "10:20" ins Rennen, auf der sich rares, unveröffentlichtes und überarbeitetes Material befinden wird. Aus welchem Zeitraum genau die dort vertretenen Stücke stammen werden, ist bisher noch nicht so ganz klar, die erste Hörprobe "The Art Of Persistence" zum Beispiel erschien in einer anderen Version schon auf der EP "The First Day" aus dem Jahr 2000.



Montag, 4. Mai 2020

Team Picture: Höchst melancholisch

So kann man sich täuschen: Da hatten wir schon so oft von Team Picture, der sechsköpfigen Band aus Leeds berichtet, dass wir automatisch annahmen, sie hätten schon ein Debütalbum veröffentlicht. Weit gefehlt, denn bislang sind von der Formation nur EP erschienen. Am 12. Juni soll es nun aber so weit sein, dann nämlich kommt via Clue Records die Platte "Handsome Machine" in den Handel. Und nachdem vor einem knappen Monat mit "Baby Rattlesnake" schon die erste Kostprobe davon die Runde machte, folgt nun der Titelsong, ein feine schimmerndes, melancholisches Stück Pop irgendwo zwischen The Cure, Air und Arcade Fire. Naja, so fast jedenfalls, auf den Rest darf man unbedingt gespannt sein.