Fundstücke am Sonntag 2/3: Wir bleiben bei der Maschinenmusik, gehen aber kurz nach Schweden. Von dort nämlich kommt das Duo WY. Auf dem Label Hybris haben Ebba und Michel, so heißen die beiden, die sich hinter den zwei Buchstaben versteckt, gerade einen Track namens "Pavements" an den Start geschickt, ziemlich schneller Stoff, nicht überhart, aber trotzdem recht griffig. Als die zwei das Stück im Freundeskreis vorstellten, meinte jemand, das klinge, als würde jemand einen Boxkampf bestreiten - Ebba gefiel das und so war die Idee zum Video geboren. Nach dem Debütalbum "Okay" steht nun hoffentlich bald der Nachfolger ins Haus.
Sonntag, 10. Februar 2019
Sistertalk: Natürlich mit Stil
Fundstücke am Sonntag 3/3: Das hier ist dann allerdings unverkennbar britisch und ziemlich handgemacht. Sistertalk sind eine fünfköpfige Formation aus Londoner Norden, 2017 gegründet von den Brüdern Daniel und Gabriel Levy und bsilang haben sie erst diese eine Debütsingle namens "Vitriol" für uns. Die taumelt und grummelt ordentlich und ist einigermaßen schwer zu fassen, ein wenig punky, dann doch ein paar dicke Synthesizer. Das Label, auf dem diese erste Hörprobe erscheint, heißt übrigens Family Portrait und wenn man sich das Press Pic der Band anschaut, dann weiß man, dass in diesem Hause noch Wert auf Stil und gute Manieren gelegt wird. Kann ja nicht schaden, darf mehr kommen.
HEALTH: Vorm Höllentor
HEALTH
„Slaves Of Fear“
(Loma Vista Records)
Wenn einem (wie überschlagen ca. siebeneinhalb Milliarden Menschen) zur Apokalypse noch immer belastbare Augenzeugenberichte fehlen, tut man sich mit Vergleichen naturgemäß ein wenig schwer. Und muss also auf Berichte zurückgreifen, die weniger auf Fakten (auweia!) denn auf Visionen beruhen – Lieblingsjünger Johannes hat ja in seiner Offenbarung etwas vorgespoilert, Bosch hat einen recht anschaulichen Starschnitt vom Fegefeuer gefertigt und auch Dante Alighieri konnte mit seinem Höllenspruch „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ ziemlich viele Gruselpunkte sammeln. Auch nicht ganz ohne ist die Schilderung Tolkiens, als sich Aragorns Getreue vor Morannon, dem Schwarzen Tor von Mordor, zur entscheidenden Schlacht versammeln und dieses sich mit lautem Getöse öffnet. Warum dieser Ausflug? Nun, weil die kalifornische Band HEALTH solche Szenarien auf die gleiche Weise musikalisch vorwegnimmt, weil ihr Sound diese Bilder (auf’s schönste oder schlimmste – je nach Sichtweise) heraufbeschwört.
„Slaves Of Fear“ schließt dabei nahtlos an das ebenso gelungene Vorgängeralbum „Death Magic“ an, wieder trifft Industrial-Lärm auf messerscharfe Mathcore-Riffs, wuchtige Percussions (gern auch mal ultraschnell wie bei „God Botherer“) mischen sich zu tiefschwarzen Drone-Synthesizern. Hochmelodisch bleibt es dennoch, dafür sorgt auch Jake Duzsiks warme Stimme, die stets etwas wattiert durch das infernalische Getöse bricht. Beim Titelsong übernimmt außer der Reihe Ryn Weaver den Gesangspart („Slaves of fear, from the moment we're born, slaves of fear, ‘til we’re dead in the ground“), was eigentlich erstaunt, hatten HEALTH doch vor Veröffentlichung des Albums mit einer Reihe ungewöhnlicher Kollaborationen (Soccer Mommy, Perturbator, Youth Code) überrascht – nun bleiben sie also bis auf diese Ausnahme unter sich und ihrem Stil treu. Was nicht weiter schlimm ist, denn eine Platte mit solcher Kraft, die ja trotz aller Endzeitfantasien eine schöpferische ist, hört man nun ganz selten. http://youwillloveeachother.com/
26.02. Wien, Arena
27.02. Frankfurt, Nachtleben
28.02. München, Feierwerk
01.03. Leipzig, Täubchenthal
02.03. Berlin, SO36
19.03. Lausanne, Le Romandie
20.03. Luzern, Konzerthaus Schüür
„Slaves Of Fear“
(Loma Vista Records)
Wenn einem (wie überschlagen ca. siebeneinhalb Milliarden Menschen) zur Apokalypse noch immer belastbare Augenzeugenberichte fehlen, tut man sich mit Vergleichen naturgemäß ein wenig schwer. Und muss also auf Berichte zurückgreifen, die weniger auf Fakten (auweia!) denn auf Visionen beruhen – Lieblingsjünger Johannes hat ja in seiner Offenbarung etwas vorgespoilert, Bosch hat einen recht anschaulichen Starschnitt vom Fegefeuer gefertigt und auch Dante Alighieri konnte mit seinem Höllenspruch „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ ziemlich viele Gruselpunkte sammeln. Auch nicht ganz ohne ist die Schilderung Tolkiens, als sich Aragorns Getreue vor Morannon, dem Schwarzen Tor von Mordor, zur entscheidenden Schlacht versammeln und dieses sich mit lautem Getöse öffnet. Warum dieser Ausflug? Nun, weil die kalifornische Band HEALTH solche Szenarien auf die gleiche Weise musikalisch vorwegnimmt, weil ihr Sound diese Bilder (auf’s schönste oder schlimmste – je nach Sichtweise) heraufbeschwört.
„Slaves Of Fear“ schließt dabei nahtlos an das ebenso gelungene Vorgängeralbum „Death Magic“ an, wieder trifft Industrial-Lärm auf messerscharfe Mathcore-Riffs, wuchtige Percussions (gern auch mal ultraschnell wie bei „God Botherer“) mischen sich zu tiefschwarzen Drone-Synthesizern. Hochmelodisch bleibt es dennoch, dafür sorgt auch Jake Duzsiks warme Stimme, die stets etwas wattiert durch das infernalische Getöse bricht. Beim Titelsong übernimmt außer der Reihe Ryn Weaver den Gesangspart („Slaves of fear, from the moment we're born, slaves of fear, ‘til we’re dead in the ground“), was eigentlich erstaunt, hatten HEALTH doch vor Veröffentlichung des Albums mit einer Reihe ungewöhnlicher Kollaborationen (Soccer Mommy, Perturbator, Youth Code) überrascht – nun bleiben sie also bis auf diese Ausnahme unter sich und ihrem Stil treu. Was nicht weiter schlimm ist, denn eine Platte mit solcher Kraft, die ja trotz aller Endzeitfantasien eine schöpferische ist, hört man nun ganz selten. http://youwillloveeachother.com/
26.02. Wien, Arena
27.02. Frankfurt, Nachtleben
28.02. München, Feierwerk
01.03. Leipzig, Täubchenthal
02.03. Berlin, SO36
19.03. Lausanne, Le Romandie
20.03. Luzern, Konzerthaus Schüür
Samstag, 9. Februar 2019
The Coathangers: Selbsterklärend
Über ein neues Album der amerikanischen The Coathangers muß man eigentlich nicht lange philosophieren, die mittlerweile zum Trio geschrumpfte Band aus Atlanta war um deutliche Worte nie besonders verlegen, seit sie 2007 die Bühne betreten hat. Das letzte Album "Nosebleed Weekend" erschien vor knapp drei Jahren, nun soll am 8. März unter dem Titel "The Devil You Know" der Nachfolger erscheinen. Politisch und provokant sind sie also noch immer geblieben, die erste Single "Bimbo" spielt mit dem englischen Slangwort für "Tussi", die aktuelle spiegelt unmissverständlich die Haltung der drei zum Waffengesetz in den USA wieder. Zu "F The NRA" gibt es im Übrigen auch einen Essay, den Sängerin Julia Kugel zusammen mit Kathleen Hanna (Bikini Kill), Dennis Lyxzen (Refused) und Brendan Canty (Fugazi) via The Talkhouse geschrieben hat.
JCRT: Lieblingsplatten zum Anziehen
Das ist mal eine schöne Idee, die uns Brooklyn Vegan da vorstellt, zumal sie nicht auf den Magen schlägt, sondern diesen eher schützt: Bislang konnte man seine Band ja nicht nur hören, sondern auch saufen, es gibt eine Reihe von Künstlern, die wahlweise Bier oder Wein mit ihrem Namen versehen, auf dass es noch mehr in der Kasse klingle. Dank Jeffrey Costello und Robert Tagliapietra ist es nun auch möglich, seine Lieblingsplatte auch anzuziehen. Und zwar als Flanellhemd. Die beiden Herren haben es sich mit ihrer Firma JCRT zur Aufgabe gemacht, meistgemochte Cover in Karos umzusetzen und so kann mal beispielsweise "Loveless" von My Bloody Valentine, "Violator" (Depeche Mode), "Hunky Dory" (David Bowie), "Age Of Consent" (Bronski Beat) oder "Disintegration" (The Cure) bei ihnen bestellen. Aktuellster Entwurf ist das Modell "Sunshine Rock" nach Bob Mould, zu Bestellung kommt übrigens auch ein Download-Code der jeweiligen Platte. Das Ganze gibt es nebenbei auch für Filmfreaks - wer also Lust auf ein Neuromancer-Hemd oder eine Deep-Blue-Hose hat - feel free.
Freitag, 8. Februar 2019
Show Me The Body: Besuch mit Folgen
Wieder weg von mellow, hin zu hard. Also: Hardcore. Der kommt heute aus New York und stammt von alten Bekannten, dem Trio Show Me The Body. Die drei Jungs haben wohl ehrenwerter Weise das gemacht, was viele amerikanische Schulklassen tun, wenn sie nach Europa kommen - sie haben das ehemalige Konzentrationslager in Auschwitz-Birkenau besucht. Unter diesen Eindrücken ist auch die Idee zum Song "Camp Orchestra" und dem dazugehörigen Video entstanden. Dennoch geben SMTB noch einen Hinweis mit dazu: “This album and our music does not belong to a political party, no authority, political movement, or side may claim the function of our music in this society. This album is personal. It is about and for the disenfranchised youth of this city, of this country, and of this earth. It is for our community and anyone who may find shelter within it.” Darf man gern mal so stehen lassen. Die Platte, von der hier die Rede ist, wird übrigens "Dog Whistle" heißen und am 29. März bei Loma Vista Records erscheinen.
KitschKrieg: Ohrwurm-Saga
Der Song für's Wochenende? Heute ein ganz sicherer Tip. Wenn nämlich Trettmann für Kitschkrieg gemeinsame Sache mit Cro und AnnenMayKantereit macht, dann will man zunächst einmal fragen, ob denn der Tretti noch ganz knusper ist, aber schon nach ein paar Sekunden ist die Sache geklärt und der Ohrwurm drinne. So wie vor ein paar Wochen "Standard". Einfach rein, ohne Probleme. Hoch die Hände...
Nord Nord Muzikk: Ein paar Schrammen
Ein bisschen Splatter am Mittag also? Dann schnell die Kids vom Bildschirm verräumen (gibt nur eine Menge Fragen und ziemlich viel Erklärungsnotstand) und dann das neue Video von Nord Nord Muzikk angeschaut - "Pathologie" kommt mit derben Texten und Gallonen voller Kunstblut daher, dass selbst olle Freddy Krüger seiner helle Freude gehabt hätte. Der Clip wurde von Sebastian Glowinski und Mina Gerngross gedreht, der Track stammt vom Album "Hexeh", das mitsamt der früher erschienen Stücke am 22. März erscheinen soll. Nun ja, wenn der Teufel sie nicht alle eher schon holt...
Bob Mould: Lieber hier und heute
Bob Mould
„Sunshine Rock“
(Merge Records)
Wenn es wer böse meint, dann könnte er oder sie behaupten, mit zunehmendem Alter müsse man wohl mit seinen Kräften haushalten und Bob Mould, ehemals Hüsker Dü und Sugar, habe schon bei Cover und Titel seiner neuen Platte damit angefangen. Dummer Spruch, denn es gibt kaum etwas, das auf diesen Mann so wenig zutrifft wie das starre Klammern an Routinen um des Selbstzwecks willen. Mould ist sehr wohl jemand, der gern Neues ausprobiert, gerade erst ist er mit Sack und Pack von San Francisco nach Berlin gezogen, weil er die offene, spannende Atmosphäre der Stadt schätzt und ihre Brüche allemal interessanter findet als die eingetretenen Pfade daheim. Mit dem Altenteil muß man ihm auch nicht kommen, schon kurz nach dem Umzug hat er begonnen, am Nachfolger für „Patch The Sky“ zu arbeiten. Und das Recht, für dieses vierte Album, das gemeinsam mit Jon Wurster und Jason Narducy (eine der wenigen verlässlichen Konstanten in seinem Leben), einen eher optimistischen Titel zu wählen, wird man ihm wohl auch kaum absprechen wollen. Schließlich sind ihm in den letzten Jahren erst der Vater, später die Mutter abhanden gekommen, beides hat er auf seinen Platten verarbeitet, nun ging es wohl eher um Selbstzuspruch und Zuversicht.
Und, hier kommt der Bezug zur Verpackung des Albums, um seine Wertschätzung für die Single-Hits der 60er, also die der Beach Boys, Hollies, The Who, Beatles. Das zumindest erzählte er gerade in einem Interview mit Popmatters. Dort gab er auch einen kurzen Einblick in seine Motivation: „Ich hatte das, was ich vor zwanzig Jahren tat, ziemlich satt. Ich denke, das Wichtigste besteht jetzt darin, mit meinen Gedanken im Hier und Jetzt zu bleiben. Ich mache mir nicht wirklich viele Sorgen um Trends. Ich mache, was ich tue und ich denke, mehr braucht es nicht. Dabei bin ich mir meines Alters durchaus bewusst.“ Dieses Bewusstsein sorgt denn auch dafür, dass Mould weiß, wie weit er gehen kann, ohne anbiedernd und albern zu wirken. Dass er mit knapp sechzig noch immer rockt, daran gibt es keinerlei Zweifel, dass er es ohne Peinlichkeit tut, ist nicht selbstverständlich.
Die melancholische Note, die dabei mitschwingt, geht mehr als in Ordnung. Schon der krachige Titelsong endet mit den Zeilen: „The search to find a love that makes your life complete, life is but a dance inside the power plant, so when the lights go down and people fade away, there is no second chance”, das klingt tatsächlich eher nach Einkehr und Bestandswahrung. “What Do You Want Me To Do” hat bei allen vorwärtsbretternden Akkorden ebenfalls nachdenkliche Momente, thematisiert Mould hier doch Brüchigkeit von Beziehungen, die Flüchtigkeit spontaner Ausschweifungen und die Leere danach. Und auch die dritte Single „Lost Faith“ zeigt den stämmigen Graubart als verletztlichen, argwöhnischen Zeitgenossen, wenngleich im Video bewusst ironisch überzeichnet. Drei Ausschnitte, die belegen, dass es dann gar nicht so weit her ist mit der sorglosen Sommerfrische auf dem Album (der Rolling Stone hat dennoch 27 Sonnen auf 37 Minuten Spieldauer gezählt), bei sich selbst scheint er aber mehr und mehr. Und zeigt sich offen genug, um zwischen die bulligen Riffs auch weichere Passagen mit Streichern und Chören zu bauen. Bis zum nächsten Solo gilt dieses deshalb erst mal als sein bestes. https://bobmould.com/
08.03. Hamburg, Grünspan
09.03. Berlin, Columbia Theater
11.03. Düsseldorf, Zakk
„Sunshine Rock“
(Merge Records)
Wenn es wer böse meint, dann könnte er oder sie behaupten, mit zunehmendem Alter müsse man wohl mit seinen Kräften haushalten und Bob Mould, ehemals Hüsker Dü und Sugar, habe schon bei Cover und Titel seiner neuen Platte damit angefangen. Dummer Spruch, denn es gibt kaum etwas, das auf diesen Mann so wenig zutrifft wie das starre Klammern an Routinen um des Selbstzwecks willen. Mould ist sehr wohl jemand, der gern Neues ausprobiert, gerade erst ist er mit Sack und Pack von San Francisco nach Berlin gezogen, weil er die offene, spannende Atmosphäre der Stadt schätzt und ihre Brüche allemal interessanter findet als die eingetretenen Pfade daheim. Mit dem Altenteil muß man ihm auch nicht kommen, schon kurz nach dem Umzug hat er begonnen, am Nachfolger für „Patch The Sky“ zu arbeiten. Und das Recht, für dieses vierte Album, das gemeinsam mit Jon Wurster und Jason Narducy (eine der wenigen verlässlichen Konstanten in seinem Leben), einen eher optimistischen Titel zu wählen, wird man ihm wohl auch kaum absprechen wollen. Schließlich sind ihm in den letzten Jahren erst der Vater, später die Mutter abhanden gekommen, beides hat er auf seinen Platten verarbeitet, nun ging es wohl eher um Selbstzuspruch und Zuversicht.
Und, hier kommt der Bezug zur Verpackung des Albums, um seine Wertschätzung für die Single-Hits der 60er, also die der Beach Boys, Hollies, The Who, Beatles. Das zumindest erzählte er gerade in einem Interview mit Popmatters. Dort gab er auch einen kurzen Einblick in seine Motivation: „Ich hatte das, was ich vor zwanzig Jahren tat, ziemlich satt. Ich denke, das Wichtigste besteht jetzt darin, mit meinen Gedanken im Hier und Jetzt zu bleiben. Ich mache mir nicht wirklich viele Sorgen um Trends. Ich mache, was ich tue und ich denke, mehr braucht es nicht. Dabei bin ich mir meines Alters durchaus bewusst.“ Dieses Bewusstsein sorgt denn auch dafür, dass Mould weiß, wie weit er gehen kann, ohne anbiedernd und albern zu wirken. Dass er mit knapp sechzig noch immer rockt, daran gibt es keinerlei Zweifel, dass er es ohne Peinlichkeit tut, ist nicht selbstverständlich.
Die melancholische Note, die dabei mitschwingt, geht mehr als in Ordnung. Schon der krachige Titelsong endet mit den Zeilen: „The search to find a love that makes your life complete, life is but a dance inside the power plant, so when the lights go down and people fade away, there is no second chance”, das klingt tatsächlich eher nach Einkehr und Bestandswahrung. “What Do You Want Me To Do” hat bei allen vorwärtsbretternden Akkorden ebenfalls nachdenkliche Momente, thematisiert Mould hier doch Brüchigkeit von Beziehungen, die Flüchtigkeit spontaner Ausschweifungen und die Leere danach. Und auch die dritte Single „Lost Faith“ zeigt den stämmigen Graubart als verletztlichen, argwöhnischen Zeitgenossen, wenngleich im Video bewusst ironisch überzeichnet. Drei Ausschnitte, die belegen, dass es dann gar nicht so weit her ist mit der sorglosen Sommerfrische auf dem Album (der Rolling Stone hat dennoch 27 Sonnen auf 37 Minuten Spieldauer gezählt), bei sich selbst scheint er aber mehr und mehr. Und zeigt sich offen genug, um zwischen die bulligen Riffs auch weichere Passagen mit Streichern und Chören zu bauen. Bis zum nächsten Solo gilt dieses deshalb erst mal als sein bestes. https://bobmould.com/
08.03. Hamburg, Grünspan
09.03. Berlin, Columbia Theater
11.03. Düsseldorf, Zakk
Donnerstag, 7. Februar 2019
Kim Gordon: Ein Schritt weiter
Die Chancen, dass diese Ausstellung auch zu uns nach Deutschland kommt, sind zugegebenermaßen recht gering, dennoch ist die Nachricht, die gerade durch die Musikportale streift, keine kleine: Kim Gordon, ehemalige Bassistin und Mitgründerin der No-Wave-Heroen Sonic Youth, hat gerade ihre erste eigene Ausstellung in Nordamerika annonciert. Im Andy-Warhol-Museum in Pittsburgh wird unter dem Titel "Lo-Fi Glamour" vom 17. Mai bis 1. September eine zweigeteilte Schau der Künstlerin zu sehen sein - einerseits eine Vielzahl von Malereien und Skulpturen, teilweise so noch nicht gezeigt. Zum anderen wird, wie Brooklyn Vegan berichtet, erstmals die Filmmusik zu "Kiss", einem Stummfilm von Warhol aus den Jahren 1963/64, zu hören sein. Aufgenommen 2018, spielt hier Kim Gordon zusammen mit Body/Head-Kollaborateur Bill Nace, Songwriter und Gitarrist Steve Gunn und dessen Partner John Truscinski. Für die dazugehörige, limitierte Vinyledition sind unter anderem auch Essays von Gordon zur Ausstellung angekündigt.
Mittwoch, 6. Februar 2019
Hajk: Melancholie mit Konzept
Hajk
„Drama“
(Jansen Records)
Um die Jahrtausendwende kam Mary J Blige mit ihrem Song und Albumtitel „No More Drama“ groß ins Geschäft, ein paar Jahre später sorgte Model-Scout Bruce Darnell mit seinem Spruch „Drama, Baby!“ zunächst für Quote bei der Zielgruppe und später noch für ein paar Leser seines gleichlautenden Ratgeberbändchens, übrigens versehen mit dem sinnigen Untertitel „Wie Sie werden, was Sie sind“. Beide Bezüge allerdings sind einigermaßen irreführend, denn aufregend oder gar reißerisch ist an diesem Wort ursprünglich erst einmal gar nichts. Das nämlich stammt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich nur „Handlung“, weiterführend dann als Text mit verteilten Rollen. Überall da, wo wir also mit einem Gegenüber, ob männlich, weiblich oder divers, interagieren, sind wir demnach dramatisch. Und das meint eben nicht überzogen emotional, aufgedreht oder niedergeschlagen, sondern: handelnd.
Natürlich meint auch der Name des zweiten Albums der norwegischen Band Hajk nicht nur das schnöde Hin und Her, sondern schon auch das ganze Spektrum, die komplette Berg- und Talbahn zwischenmenschlicher Beziehungsarbeit. Als sie vor zwei Jahren mit ihrem gleichnamigen Debütalbum begannen, klangen sie noch eine Spur beschwingter und galten schon damals als ernstzunehmende Alternative zum Pop der französischen Formation Phoenix, die sich just zu diesem Zeitpunkt in der Beliebigkeit von „Ti Amo“ endgültig verzettelte. Nun aber scheint es, als sei die Leichtigkeit etwas abhanden gekommen, denn über den gefälligen, weichen Sound der fünf Freunde aus Oslo hat sich eine unüberhörbare Schicht an Melancholie gelegt.
Und macht aus der zweiten das, was man eine Konzeptplatte nennt: Schon optisch unterscheidet sich „Drama“ vom Vorgänger – lugte man hier durch eine sonnenbeschienene Jalousie neugierig nach draußen, wird der Blick jetzt auf eine doch recht dunkel eingefärbte Innerlichkeit gelenkt, Abendrot, flackernde Beleuchtung, Regenschlieren, die Bildarbeiten von Steph Hope tun ein Übriges. Mitmenschlichkeit und Liebe bzw. die Abwesenheit derselben sind das Thema, von dem Sigrid Aase und Preben Sælid Andersen singen, Beschwichtigungen, Eingeständnisse, Entschuldigungen, man geht sehr bedächtig zu Werke. Sympathisch bleibt es dennoch, denn zumeist sind das feine und sparsame Arrangements, die da verbastelt werden und wirkliche Ausreißer hat es nur wenige dabei: „Breathe“ wird die Spur zu groß und laut, „Time To Forget“ erinnert vielleicht zu sehr an eine Neuauflage von „La Boum“. Der Rest aber passt – wehmütig, aber schön.
07.03. Berlin, Fluxbau
„Drama“
(Jansen Records)
Um die Jahrtausendwende kam Mary J Blige mit ihrem Song und Albumtitel „No More Drama“ groß ins Geschäft, ein paar Jahre später sorgte Model-Scout Bruce Darnell mit seinem Spruch „Drama, Baby!“ zunächst für Quote bei der Zielgruppe und später noch für ein paar Leser seines gleichlautenden Ratgeberbändchens, übrigens versehen mit dem sinnigen Untertitel „Wie Sie werden, was Sie sind“. Beide Bezüge allerdings sind einigermaßen irreführend, denn aufregend oder gar reißerisch ist an diesem Wort ursprünglich erst einmal gar nichts. Das nämlich stammt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich nur „Handlung“, weiterführend dann als Text mit verteilten Rollen. Überall da, wo wir also mit einem Gegenüber, ob männlich, weiblich oder divers, interagieren, sind wir demnach dramatisch. Und das meint eben nicht überzogen emotional, aufgedreht oder niedergeschlagen, sondern: handelnd.
Natürlich meint auch der Name des zweiten Albums der norwegischen Band Hajk nicht nur das schnöde Hin und Her, sondern schon auch das ganze Spektrum, die komplette Berg- und Talbahn zwischenmenschlicher Beziehungsarbeit. Als sie vor zwei Jahren mit ihrem gleichnamigen Debütalbum begannen, klangen sie noch eine Spur beschwingter und galten schon damals als ernstzunehmende Alternative zum Pop der französischen Formation Phoenix, die sich just zu diesem Zeitpunkt in der Beliebigkeit von „Ti Amo“ endgültig verzettelte. Nun aber scheint es, als sei die Leichtigkeit etwas abhanden gekommen, denn über den gefälligen, weichen Sound der fünf Freunde aus Oslo hat sich eine unüberhörbare Schicht an Melancholie gelegt.
Und macht aus der zweiten das, was man eine Konzeptplatte nennt: Schon optisch unterscheidet sich „Drama“ vom Vorgänger – lugte man hier durch eine sonnenbeschienene Jalousie neugierig nach draußen, wird der Blick jetzt auf eine doch recht dunkel eingefärbte Innerlichkeit gelenkt, Abendrot, flackernde Beleuchtung, Regenschlieren, die Bildarbeiten von Steph Hope tun ein Übriges. Mitmenschlichkeit und Liebe bzw. die Abwesenheit derselben sind das Thema, von dem Sigrid Aase und Preben Sælid Andersen singen, Beschwichtigungen, Eingeständnisse, Entschuldigungen, man geht sehr bedächtig zu Werke. Sympathisch bleibt es dennoch, denn zumeist sind das feine und sparsame Arrangements, die da verbastelt werden und wirkliche Ausreißer hat es nur wenige dabei: „Breathe“ wird die Spur zu groß und laut, „Time To Forget“ erinnert vielleicht zu sehr an eine Neuauflage von „La Boum“. Der Rest aber passt – wehmütig, aber schön.
07.03. Berlin, Fluxbau
Pet Shop Boys: Vandalistische Wallfahrten
Man mag es eigentlich nicht für möglich halten, aber manchmal übertrifft die Realsatire britischer Politik sogar noch den allgemein zu Recht gerühmten Humor der Habitants: Da stimmt ein Land mit großer Mehrheit trotz offensichtlicher wirtschaftlicher Probleme für einen Austritt aus dem Bündnis europäischer Staaten, macht sich aber keinerlei Gedanken über das Wann und das Wie und schickt nun die bemitleidenswerte (naja, nicht so ganz) Premierministerin von einer Klinke zur nächsten, um sich Abfuhr auf Abfuhr und also immer wieder eine blutige Nase abzuholen. Und just in dem Moment, in dem alles zum Himmel zu stinken scheint, wird bekannt, dass die Heimatstadt der äußerst umstrittenen Vorgängerin Theresa May's, also Margaret Thatchers, gedenkt, eine Bronze-Statue für die "Eiserne Lady" zu errichten. Perfektes Timing also, gibt es keine anderen Sorgen, macht man sich solche eben selbst (Grantham, so heißt das Örtchen, liegt ganze 35 Kilometer entfernt von Nottingham, der Heimstadt der Sleaford Mods, da ist also mit vandalistischen Wallfahrten zu rechnen). Postwendend fällt einem da natürlich der recht frische Song "Give Stupidity A Chance" von den Pet Shop Boys ein, gerade auch deshalb, weil Neil Tennant und Chris Lowe soeben die Veröffentlichung einer neuen EP mit dem Namen "Agenda" für diesen Freitag bekanntgegeben haben. Produziert von Stuart Price, findet sich dort auch ein Song namens "Social Media" und ein Loblied auf Google und Facebook, soviel scheint sicher, wird sich dahinter wohl kaum verbergen.
These New Puritans: Der Weg ins Feuer [Update]
Jack und George Barnett waren schon immer irgendwie besonders. Nicht so richt willens, sich an die Erwartungen verschiedener Genres, geschweige denn des Mainstreams anzupassen. Die Platten, die sie unter dem Namen These New Puritans aufgenommen haben, waren Grenzgänge zwischen Art, Pomp, Pop und Post-Punk, experimentelle Ereignisse. Drei davon haben sie bislang abgeliefert, nun steht ein weiteres in Aussicht - gerade haben die beiden Briten mit "Into The Fire" einen neuen Song geteilt, ihr Sound sei jetzt direkter, kraftvoller, ja primitiver geworden, so die Band in der Labelinfo, als Gast soll David Tibet von Current 93 mit an Bord sein.
Update: Heute kommt mit "Inside The Rose" ein neuer Song vom Album samt Video von Harley Weir in Umlauf, das ist im Übrigen auch der Titelsong, denn das Album, das am 22. März erscheint, wird den gleichen Namen tragen - gefolgt von Vorauskopplung Nummer drei "Anti-Gravity".
Update: Heute kommt mit "Inside The Rose" ein neuer Song vom Album samt Video von Harley Weir in Umlauf, das ist im Übrigen auch der Titelsong, denn das Album, das am 22. März erscheint, wird den gleichen Namen tragen - gefolgt von Vorauskopplung Nummer drei "Anti-Gravity".
Dienstag, 5. Februar 2019
Mike Krol: Herzrythmusstörungen
Mike Krol
„Power Chords“
(Merge Records)
Das ist ja die Krux mit den elektronischen Spielereien, Extravaganzen, Effekten, die in den letzten Jahrzehnten Einzug gehalten haben in die moderne Rock- und Popmusik – immer ausgeklügelter, verrückter müssen sie sein, damit sie uns fesseln. Und auch wenn das jetzt vielleicht etwas verkürzt daherkommt: Eine Gitarre hat derlei Eitelkeiten nicht nötig. Und eine elektrische schon gleich dreimal nicht. Eingesteckt, angerissen – rockt. So einfach funktioniert das natürlich nur in den besten Fällen, Mike Krol und sein aktuelles Album „Power Chords“ sind so einer. Einer zudem, wo der Name unbedingtes Programm ist. Denn diese Platte ist vollgepackt mit allerfeinsten Garage-Punk-Riffs, zur verzerrten Stimme werden hier die Saiten geschrubbt, daß es eine wahre Freude ist. Und ebenjene Gitarre hat für Krol offenbar eine Art therapeutische, heilende Funktion übernommen. „What’s the rhythm of my heart aching, what’s the rhythm of my heart breaking, it goes on and on and on and on” – das Kahn’sche “Weiter, immer weiter!”-Motto ist also auch seines, egal, wie sehr es schmerzt, egal, wie lange es dauert, die Akkorde kommen mit Macht und wollen gehört werden. Oder, mit dem Text des Titelsongs gesprochen: „With a couple power chords I'm gonna let you know, that revenge is better when you come from down below. When that song begins to play, it brings back some feelings, that I cannot explain and though it kills me, I wouldn't have it any other way.” Krol leitet uns durch seine Kämpfe, dabei geht es nicht so sehr um die äußerlichen Verletzungen (wie die auf dem Cover), sondern um die inneren, um die Enttäuschungen, Selbstzweifel, den ganzen alltäglichen Mist, der einem zuweilen um die Ohren fliegt. Er macht das mit sich selber aus, nur bei „I Wonder“ holt er sich Hilfe bei Allison Crutchfield (Swearin‘) und nur, wenn er sich gar nicht mehr zu helfen weiß, bittet er den Zuhörer um Beistand („An Ambulance“). Es ist ganz gewiss kein fröhliches Album geworden, das Krol uns nach vier Jahren vorstellt, seinem Sound und seinen Songs scheint der Schlagabtausch mit den inneren Dämonen allerdings sehr gut zu tun.
08.04. Hamburg, Molotow
09.04. Berlin, Monarch
12.04. Genf, La Graviere
„Power Chords“
(Merge Records)
Das ist ja die Krux mit den elektronischen Spielereien, Extravaganzen, Effekten, die in den letzten Jahrzehnten Einzug gehalten haben in die moderne Rock- und Popmusik – immer ausgeklügelter, verrückter müssen sie sein, damit sie uns fesseln. Und auch wenn das jetzt vielleicht etwas verkürzt daherkommt: Eine Gitarre hat derlei Eitelkeiten nicht nötig. Und eine elektrische schon gleich dreimal nicht. Eingesteckt, angerissen – rockt. So einfach funktioniert das natürlich nur in den besten Fällen, Mike Krol und sein aktuelles Album „Power Chords“ sind so einer. Einer zudem, wo der Name unbedingtes Programm ist. Denn diese Platte ist vollgepackt mit allerfeinsten Garage-Punk-Riffs, zur verzerrten Stimme werden hier die Saiten geschrubbt, daß es eine wahre Freude ist. Und ebenjene Gitarre hat für Krol offenbar eine Art therapeutische, heilende Funktion übernommen. „What’s the rhythm of my heart aching, what’s the rhythm of my heart breaking, it goes on and on and on and on” – das Kahn’sche “Weiter, immer weiter!”-Motto ist also auch seines, egal, wie sehr es schmerzt, egal, wie lange es dauert, die Akkorde kommen mit Macht und wollen gehört werden. Oder, mit dem Text des Titelsongs gesprochen: „With a couple power chords I'm gonna let you know, that revenge is better when you come from down below. When that song begins to play, it brings back some feelings, that I cannot explain and though it kills me, I wouldn't have it any other way.” Krol leitet uns durch seine Kämpfe, dabei geht es nicht so sehr um die äußerlichen Verletzungen (wie die auf dem Cover), sondern um die inneren, um die Enttäuschungen, Selbstzweifel, den ganzen alltäglichen Mist, der einem zuweilen um die Ohren fliegt. Er macht das mit sich selber aus, nur bei „I Wonder“ holt er sich Hilfe bei Allison Crutchfield (Swearin‘) und nur, wenn er sich gar nicht mehr zu helfen weiß, bittet er den Zuhörer um Beistand („An Ambulance“). Es ist ganz gewiss kein fröhliches Album geworden, das Krol uns nach vier Jahren vorstellt, seinem Sound und seinen Songs scheint der Schlagabtausch mit den inneren Dämonen allerdings sehr gut zu tun.
08.04. Hamburg, Molotow
09.04. Berlin, Monarch
12.04. Genf, La Graviere
Blaenavon: Geglückte Rückkehr
Auch das ein schöner Track im Filmgewand: Die britische Band Blaenavon hat kürzlich, nachdem ihr Sänger Ben Gregory nach längerer Krankheit und Auszeit zurückgekommen war, ihr neues Album "Everything That Makes You Happy" mit dem Song "Catatonic Skinbag" angekündigt, heute nun kommt der Clip dazu (Regie: Homer and Farley) - Banger.
Neneh Cherry: Unerreichbar
Über nichts wird in den letzten Monaten, fast Jahren so eifrig diskutiert und gestritten wie über unseren Umgang mit dem dem lästigen und doch auch so nützlichen Smartphone. Und nicht nur, wer Kinder hat, weiß, dass dies zu Recht geschieht. Denn keiner weiß so genau, was das unablässige Starren auf das Display mit uns, unseren Hirnen und auch Gefühlen macht, was viele eint ist die Befürchtung, dass es nichts Gutes ist. Als Neneh Cherry ihren Hit "Buffalo Stance" hatte, gab es noch gar kein Internet im gebräuchlichen, allgemeinzugänglichen Sinne, Telefone hatten Strippen, Wählscheiben und sogar ab und an Stoffbezüge und Videos sah man bei MTV. Im vergangenen Jahr hat die Schwedin ihr hochgelobtes Album "Broken Politics" veröffentlicht - auf diesem findet sich auch der Song mit dem Titel "Natural Skin Deep". Zu dieser nachträglichen Single-Auskopplung hat nun Cherry nun gemeinsam mit Akinola Davies alias Crack Stevens einen Clip in Beirut gedreht, der sich auf sehr bildhafte Weise (wie auch sonst bei einem Film) mit unserem Verhältnis zugleich geliebten und gehassten Tech-Toy befasst.
Sunn O))): Unteilbar
Das ist ja gerade das Schöne an einer Band wie der Doom-Metal-Formation Sunn O))) aus Kalifornien: Man wird sie auf absehbare Sicht nur mit einer versprengten Horde gleichfalls "irregeleiteter" Anhänger teilen müssen. Denn die Kuttenträger um Stephen O'Malley haben sich in den gut zwanzig Jahren ihres Bestehens für eine derartig abseitige Musik (die viele Klugscheißer und Popschnösel nicht einmal als solche bezeichnen wollten) stark und auch laut gemacht, dass mit einer Vereinnahmung durch ewiggierige Marketingstrategen nun wirklich nicht zu rechnen ist. Gut so. Und das wird sich auch mit den beiden neuen Alben nicht ändern, denn tatsächlich gibt es gleich zwei davon in diesem Jahr - im April folgt zunächst "Life Metal" mit vier neuen Stücken, später im Herbst dann das angeblich etwas meditativere "Pyroclasts". Produziert hat beide Platten im Übrigen Steve Albini, ein Mann also, der den Formatpop aus tiefster Seele hasst. Man darf gespannt sein - hier unten ein Ausschnitt aus dem ersten Akt.
28.02. Frankfurt, Mouseonturm
01.03. Graz, Orpheum
03.03. Hamburg, Kampnagel
28.02. Frankfurt, Mouseonturm
01.03. Graz, Orpheum
03.03. Hamburg, Kampnagel
Montag, 4. Februar 2019
Leif Erikson: Nordic Funk [Update]
Nein, nein - keine isländische Unterkühltheit, kein New Yorker Dunkelwave, sondern: Funk. Naja, zumindest in Ansätzen. Wenn man den Namen Leif Erikson hört, denkt man natürlich zuerst an den isländischen Seefahrer, der einen nicht unwichtigen Anteil an der Entdeckung und Urbarmachung Amerikas hatte. Dann weiter an die eben dort neuzeitlich tätige Band Interpol, die aus dem Mann und seiner Geschichte einen ihrer besten Songs gestrickt hat. Und nun neuerdings auch an die Londoner Formation um Sänger Sam Johnston. 2017 haben die fünf jungen Männer ihr Debütalbum bei Arts And Crafts veröffentlicht, nun steht für den Beginn des kommenden Jahres eine neue EP an, von welcher sie gerade die Single "Matter" geteilt haben. Und diese wiederum soll, so schreibt das Portal DIY, maßgeblich von Curtis Mayfield beeinflußt sein. Hört man und klingt überraschend stimmig. Dann warten wir mal gespannt auf den Rest.
Update: Heute kommt mit "21 Grams" ein weiterer Song plus zwei Termine für Kurzentschlossene.
18.02. Köln, Yuca Club
19.02. Berlin, Privatclub
Update: Heute kommt mit "21 Grams" ein weiterer Song plus zwei Termine für Kurzentschlossene.
18.02. Köln, Yuca Club
19.02. Berlin, Privatclub
Edwyn Collins: Dauerläufer
Manche Menschen nötigen einfach Bewunderung ab, ein ums andere Mal: Edwyn Collins beispielsweise könnte sich nach überstandenen Schlaganfällen auf der Couch von den Tantiemen seiner Band Orange Juice und seiner solistischen Charterfolge ausruhen (so nimmt man zumindest an), aber er denkt nicht daran. Nachdem er sich in seiner Heimatstadt Helmsdale eine Aufnahmestudio gebaut hat, kündigt er nun den Nachfolger zu seinem 2013 erschienenen Album "Understated" an - neben einer Reihe anderer Projekte, versteht sich. "Badbea" soll es jedenfalls heißen und die erste Single "Outside", einer von zwölf neuen Songs, klingt schon mal überraschend punky und rough, ganz wie es sich für einen unruhigen Geist wie ihn gehört. Am 29. März kennen wir das ganze Ergebnis.
Steiner und Madlaina: Besser Kleinformat
Steiner und Madlaina
Support: Tobias Carshey
Backstage Club, München, 3. Februar 2019
Wahrscheinlich ist es einfach nur menschlich. Musiker/innen sind ja nicht zwingend extrovertierte Wesen, nicht wenige verkriechen sich gern hinter ihren Instrumenten und sind ganz froh, dass sie ihr Publikum und dessen Reaktionen nur hören, aber nicht auch noch sehen müssen. Von diesen beiden Damen kann man das nicht behaupten, Nora Steiner und Madlaina Pollina gehören keinesfalls zu den schüchternen Mädchen, sie singen also nicht nur gut, sondern reden auch gern darüber und dazwischen, sie scherzen, komplimentieren, albern auf der Bühne – ein Abend mit den beiden kann also gar kein schlechter werden. Warum sich dann Pollina aber unbedingt einen David-Guetta-Moment wünscht, also so mit Hände zum Himmel, Hüpfburg und Stadiongesang, möchte man schon gern mal wissen. Denn ihren Zauber bezieht die Musik des deutsch-schweizerischen Duos ganz gewiss nicht aus platten Jubel-Trubel-Heiterkeitsparolen, sondern eher aus den grüblerischen, stillen und zarten Momenten. Menschlich, wie gesagt. Das Konzert vor knapp 300 Leuten macht klar, dass die Stärke von Fabers Schwester und ihrer kongenialen Gesangspartnerin mit der angenehm rauen Stimme unbedingt der kleine Rahmen schummriger Clubs ist, zu intim, zu hintersinnig sind ihre Texte, zu sparsam oft die Instrumentierungen, als dass man dies in einer großen Halle verschwenden, gar opfern wollte.
Neben Temperament und stimmlicher Präsenz gehört in jedem Falle auch die sprachliche Komponente auf die Habenseite der beiden – waren die deutschsprachigen Texte auf ihren beiden ersten EP noch klar in der Minderheit, so teilen sie sich auf dem wunderbaren Debütalbum „Cheers“ mit den englischen schon das Repertoire, hinzu kommen schwyzerdütsche und – wie an diesem Abend auf grandiose Weise vorgeführt – griechische Ausflüge. Bei aller Besinnlichkeit – Pollina hat natürlich den gewünschten Euphorieschub noch bekommen, schließlich haben Steiner und Madlaina mit „Das schöne Leben“ eine Art Hymne auf die mutige Unentschlossenheit unserer Tage im Programm und wenn die Band zuvor schon einigen Szenenapplaus für ihre Darbietung bekommen hatte, gerieten hier die Gäste kurz vollends aus dem Häuschen. Endgültig aufgekratzt gab’s von Pollina (in einem roten Kleid, wie man es sonst nur bei Karen O oder PJ Harvey sieht) noch ein paar Danksagungen, wieso allerdings der Tontechniker extra erwähnt wurde, erschließt sich dem Besucher nicht so ganz, in Anbetracht des einigermaßen miserabel abgemischten Raumes hatte man eher seine Zweifel, ob es dieser überhaupt aus dem Tourbus durch den Schnee geschafft hatte. Ein schöner Abend, trotzdem.
Support: Tobias Carshey
Backstage Club, München, 3. Februar 2019
Wahrscheinlich ist es einfach nur menschlich. Musiker/innen sind ja nicht zwingend extrovertierte Wesen, nicht wenige verkriechen sich gern hinter ihren Instrumenten und sind ganz froh, dass sie ihr Publikum und dessen Reaktionen nur hören, aber nicht auch noch sehen müssen. Von diesen beiden Damen kann man das nicht behaupten, Nora Steiner und Madlaina Pollina gehören keinesfalls zu den schüchternen Mädchen, sie singen also nicht nur gut, sondern reden auch gern darüber und dazwischen, sie scherzen, komplimentieren, albern auf der Bühne – ein Abend mit den beiden kann also gar kein schlechter werden. Warum sich dann Pollina aber unbedingt einen David-Guetta-Moment wünscht, also so mit Hände zum Himmel, Hüpfburg und Stadiongesang, möchte man schon gern mal wissen. Denn ihren Zauber bezieht die Musik des deutsch-schweizerischen Duos ganz gewiss nicht aus platten Jubel-Trubel-Heiterkeitsparolen, sondern eher aus den grüblerischen, stillen und zarten Momenten. Menschlich, wie gesagt. Das Konzert vor knapp 300 Leuten macht klar, dass die Stärke von Fabers Schwester und ihrer kongenialen Gesangspartnerin mit der angenehm rauen Stimme unbedingt der kleine Rahmen schummriger Clubs ist, zu intim, zu hintersinnig sind ihre Texte, zu sparsam oft die Instrumentierungen, als dass man dies in einer großen Halle verschwenden, gar opfern wollte.
Neben Temperament und stimmlicher Präsenz gehört in jedem Falle auch die sprachliche Komponente auf die Habenseite der beiden – waren die deutschsprachigen Texte auf ihren beiden ersten EP noch klar in der Minderheit, so teilen sie sich auf dem wunderbaren Debütalbum „Cheers“ mit den englischen schon das Repertoire, hinzu kommen schwyzerdütsche und – wie an diesem Abend auf grandiose Weise vorgeführt – griechische Ausflüge. Bei aller Besinnlichkeit – Pollina hat natürlich den gewünschten Euphorieschub noch bekommen, schließlich haben Steiner und Madlaina mit „Das schöne Leben“ eine Art Hymne auf die mutige Unentschlossenheit unserer Tage im Programm und wenn die Band zuvor schon einigen Szenenapplaus für ihre Darbietung bekommen hatte, gerieten hier die Gäste kurz vollends aus dem Häuschen. Endgültig aufgekratzt gab’s von Pollina (in einem roten Kleid, wie man es sonst nur bei Karen O oder PJ Harvey sieht) noch ein paar Danksagungen, wieso allerdings der Tontechniker extra erwähnt wurde, erschließt sich dem Besucher nicht so ganz, in Anbetracht des einigermaßen miserabel abgemischten Raumes hatte man eher seine Zweifel, ob es dieser überhaupt aus dem Tourbus durch den Schnee geschafft hatte. Ein schöner Abend, trotzdem.
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