Montag, 18. April 2011

Gehört_262



TV On The Radio „Nine Types Of Light“ (Universal)
Zwischen den Zeilen der maßgeblichen Rezensionen zu diesem Album lies sich, vielleicht nicht ganz grundlos, ein deutliches Unbehagen spüren, gegründet auf die Frage: Kann das angehen – schon das fünfte Album und trotzdem ein gutes? Selbst manchem hartgeprüften Musikjournalisten schlottern angesichts solcher Konstanz förmlich die Knie, denn wo gibt es das schon noch zu Zeiten, da Youtube und Facebook um die A&R-Krone rangeln, dass eine Band auf herkömmlichem Wege Alben produziert, welche sich allesamt in der gleißenden Sonne des Kritikerolymps sonnen dürfen? Ein kleiner trotziger Restzweifel vielleicht – hatte sich David Sitek am musikalisch-stimmlichen Unvermögen der Filmblondine Scarlett Johansson nicht die Finger verbrannt und auch seine Zöglinge Yeah Yeah Yeahs auf zumindest diskutable Abwege geführt, und war nicht auch Wuschelkopf Kyp Malone mit seiner Rain Machine als ambitioniertes Nischenprodukt fast unerhört geblieben?

Allein – „Nine Types Of Light“ wischt alle zögerlichen Bedenken mühelos vom Tisch und ist, das läßt sich recht schnell feststellen, wie auch die Vorgänger ein perfekt austariertes Meisterwerk geworden. TV On The Radio zeichnen sich ja dadurch aus, dass nicht unbedingt die einzelnen Stücke, sondern vielmehr das Album als Ganzes im Gedächtnis haften bleiben – keine Singleband, noch ein Anachronismus also im bedauernswert kurzatmigen Business. „Second Song“: Sanfter, fast besinnlicher Beginn, alsbald setzen die quengelnden Gitarren sein und Tunde Adebimpe zeigt dem Hörer wieder, was Funk, Soul und Sexyness auf engem Raum alles anrichten können. Und auch wenn sich die Jungs in der Folge einmal mehr als Meister der digitalen Ausschmückung erweisen, sie lassen sich trotzdem in keinem Stück ohne saitenbespanntes Griffbrett erwischen. Ob mit irrlichternden Konsolentönen, eingebettet in weiche, warme Melodien wie bei „Keep Your Heart“, trocken pochenden Anschlägen höherer Geschwindigkeit in „No Future Shock“ oder dem stampfenden, bläserchorbewährten „New Cannonball Blues“, TV On The Radio wissen zu überraschen und zu begeistern, sie sind die ungekrönten Könige des Backrounds, ohne Bewährtes außer Acht zu lassen.

Mittendrin drängende Liebesschwüre (You, Will Do), poetische Kammermusik, bezaubernde Bilder: „Sunshine, I saw you through the hanging vine, a memory of what is mine fading away, but this night heals the ground and the moonlight steals the sound, I could leave suddenly unafraid“ (Killer Crane). Fast jeden Song nimmt man zudem gern als großartiges Versprechen für kommende Konzertauftritte entgegen, wer die New Yorker schon einmal en face erleben durfte wird wissen, dass sie ihre hier sorgsam konservierte Energie ohne Probleme auf die Bühne zwingen können, ein Song wie das nervös zuckende „Repetition“ wird dann live noch größer, noch begeisternder. Spätenstens dort werden sie dann auch einen Status untermauern, der nur auf den ersten Blick widersprüchlich klingt: Sie sind, seit zehn Jahren, die Band der Stunde.
http://www.tvontheradio.com/

Samstag, 16. April 2011

Tschüss denn ...



Die Zeiten, in denen Pressekonferenzen von Fussballtrainern erbauliche und/oder erheiternde Informationen boten, sind längst vorbei - ungefähr seit etwa dem Moment, als sich der biedere Titten- und Zweitligasender DSF bemüßigt fühlte, ein Format mit dem Titel "PK-TV" ins Leben zu rufen, scheint der Reiz komplett verflogen. Wo früher, also in einem anderen Jahrtausend, ein Daum herrlich sinnentleert faselte ("Ich tue dies, weil ich ein absolut reines Gewissen habe"), ein Trappatoni tobte ("Eine Trainer iste immer eine Idiot") oder ein Matthäus hoffte ("I hope we have a little bit lucky"), gibt es heute nur mehr dröges Einerlei. Entweder man gefällt sich in vieldeutigem, humorfreiem Nichtssagen (Schaaf), verfällt in gehetzte und bockige Schnappatmung (van Gaal) oder niveauarme Schimpftiraden (Rehagel), ach, wie wohltuend unorthodox nahmen sich dagegen noch die Jounalistenscherze von Hans Meyer aus.

Da tut es gut, sich Holger Stanislawskis 36minütigen Abgang anzuschauen, weil so viel von dem drinnen steckt, was dieser ganze Fußballzirkus namens Bundesliga nur noch selten hat: Herzblut, Tränen, unfreiwillige Komik, trotzige Männerromantik, Unsicherheit, unverstellte Ehrlichkeit, und wer will, kann nebenbei noch eine ganze Menge über den Verein FC St. Pauli erfahren. Natürlich gibt es nach dieser melancholischsten aller Abschiedsreden auch einige unbeantwortete, vielleicht kritische Fragen: Warum dieser Zeitpunkt, warum jetzt? Wenn man ausgebrannt ist, warum dann gleich in der nächsten Saison zum nächsten Engagement hetzen? Und warum vom Alternativverein mit historischem Flair zum firmenalimentierten Dorfklub?

Sei's drum, vielleicht weiß der Holger das selbst nicht so genau, die knappe Dreiviertelstunde wirkt jedenfalls auch wie eine Entschuldigung an sich selbst, ein einziges großes Fragezeichen - hier versucht sich einer mächtig Mut zuzusprechen für die Zeit nach dem Absprung. Trotzdem - wer wollte schon ernsthaft verlangen, dass olle Stanislawksi wie Pierre Brice als ewiger Winnetou durch den Verein geistert, man gönnt ihm bei allem Abschiedsschmerz diesen klaren Schnitt. Für alle Verpasser in voller Länge - Kaffeetasse und Taschentücher bereithalten: hier.

Donnerstag, 7. April 2011

Trotzdem Danke



Zugegeben, eben neu ist das Thema nicht gerade, aber mal ehrlich - welcher Post ist das schon? Gern darf der Autor deshalb mal seiner trotzigen und höchstsubjektiven Neigung folgen und sich eine Liste mit den witzigsten deutschen Plattentiteln zurechtbasteln. Geboren ist das Ganze in einer Hirnregion, in welcher schon seit Jahren die ungeschlagenen internationalen Favoriten herumlungern - Bauhaus mit "Press The Eject And Give Me The Tape", Ben Folds' "The Unauthorized Biography of Reinhold Messner" und die unangefochtene Doppelspitze der Titelkönige Modest Mouse mit "This Is A Long Drive For Someone With Nothing To Think About" und "Good News For People Who Love Bad News". Hier also nun die heimische Auswahl, unsortiert und bereit für ergänzende Empfehlungen:

Die Goldenen Zitronen "Kampfstern Mallorca dockt an"
Rocko Schamoni "Die frühen Werke des Monsieur 70 Volt"
Georg Kreisler "Nichtarische Arien"
Mutter "CD des Monats"
Wiglaf Droste "Das Paradies ist keine evangelische Autobahnkirche"
Bernd Begemann "Ich habe nichts erreicht außer dir"
Die Ärzte "Runter mit den Spedierhosen, Unsichtbarer!"
Georg Ringsgwandl "Der Gaudibursch vom Hindukusch"
Foyer des Arts "Ein Kuss in der Irrtumstaverne"
Fehlfarben "Die Platte des Himmlischen Friedens"
Andreas Dorau "70 Minuten Musik ungeklärter Herkunft"
Helge Schneider "22 sehr, sehr gute Lieder"
Die tödliche Doris "Die unsichtbare 5. LP materialisiert als CD"
Einstürzende Neubauten "Fünf auf der nach oben offenen Richterskala"
Der Plan "Es ist eine fremde und seltsame Welt"

Gehört_261



The Raveonettes „Raven In The Grave“ (Rykodisc)
Man möchte sich gern einreden, die Raveonettes hätten die eigene Kritik am letzten Album „In And Out Of Control“ gelesen – zu nett, zu harmlos, zu glatt im Vergleich zum formidablen „Lust Lust Lust“ - was natürlich Nonsens ist, und doch klingt „Raven In The Grave“ zu großen Teilen so, also könne man den Abgesang auf das Dänenduo noch mal als Wiedervorlage auf die berühmte lange Bank schieben.

Der Start ist natürlich, im buchstäblichen Sinne betrachtet, nur die halbe Wahrheit, denn von einer Revolution zu sprechen, wäre doch etwas vermessen. Rückbesinnung würde besser passen. Wenn auf dem besagten Vorgänger mit „Boys Who Rape...“ nur ein leidlich akzeptabler Knaller war, so findet man auf der aktuellen Platte problemlos derer fünf: „Recharge And Revolt“ mit einem schönen, um einen Halbton versetzten Anfangsriff, das elegant schrammelnde „War In Heaven“, auch „Apparitions“ perlt schön. Nach kleineren, musikalisch wie textlich arg überzuckerten Durchhängern („Forget That You’re Young“/“Summer Moon“), gelingt ihnen mit „Ignite“ und „Evil Seeds“ ein veritabler Doppelschlag aus flottem, bassgetriebenem Gitarrenpop, zwei Songs, die mit ihrer mollgefärbten, hallenden Melodieführung fast schon eine Art Mustercharakter für die Raveonettes darstellen dürften.

Offensichtlich hat ihnen also diese rückwärtsgewandte Auffrischung recht gut getan, ein erfreulich inspiriertes Album ist „Raven In The Grave“, das war, noch einmal, nicht unbedingt zu erwarten. Back in black.

Erschöpfende Auskunft



"Sophia Thomalla, 21, Schauspielerin, hat einen neuen Freund: Till Lindemann, 48, Sänger der Band Rammstein. Ihr Partner ist damit drei Jahre älter als ihre Mutter, „Tatort“-Komissarin Simone Thomalla, die derzeit mit dem Handball-Nationalspieler Silvio Heinevetter liiert ist, der wiederum nur fünf Jahre älter ist als Sophia Thomalla. Davor war Simone Thomalla mit dem Fußball-Manager, Rudi Assauer zusammen, der 21 Jahre älter ist als sie, also 66 und damit immerhin 40 Jahre älter als sein Nachfolger, aber lediglich 18 Jahre älter als Lindemann. Dessen Tochter ist übrigens so alt wie Heinevetter."
Süddeutsche Zeitung vom Donnerstag, 7. April 2011

Mittwoch, 6. April 2011

[Blank]



Einer weg: Biller, Kopf, Glaser,_, Peichl, Timmerberg, Kracht, Horx, Goetz, Althen, Scheuring, Uslar, Seidl - als unbedingter Fan der tollsten, besten, amüsantesten und relevantesten Zeitschrift Deutschlands kann man den Tod von Marc Fischer nur bedauern. Unvergessen seine schamlos zu Kreuze kriechende Eloge auf Kate Moss, keiner war mehr TEMPO.

Montag, 4. April 2011

Gehört_260



Cold Cave “Cherish The Light Years” (Matador)
Wer die letzte Platte von Wesley Eisold aus dem Winter 2009 „Love Comes Close“ noch in Erinnerung hat, der wird sich bei der aktuellen einigermaßen erstaunt Augen und Ohren reiben. Denn der Mann, der auf dem letzten Album noch den verkühlten und distanzierten Elektrowave feierte, legt gleich zu Beginn seines neuen Opus los wie ein entfesselter Derwisch – „The Great Pan Is Dead“ prügelt im Stile der Altvorderen von Ministry oder den Anfängen der Nine Inch Nails vorwärts und bleibt – dieser Widerspruch wird einen die ganze Platte begleiten – trotzdem seltsam poppig. Und solches Riffgeknatter ist nicht das einzige, was „Cherish The Light Years“ irritierend und verstörend macht, die so selbstbewußt zwischen den verschiedensten Stilen des klassichen Wavepops irrlichtert.

Die alten Bekannten sind wieder da, New Order natürlich, und Eisold pflegt auch stimmlich wieder den nölenden Charme eines Robert Smith – aber spätestens beim wundervollen „Confetti“ kommen einem plötzlich – „Mr. Tennant, can you hear me?“ – die Pet Shop Boys in den Sinn. Natürlich erschrickt man da zunächst ein bißchen, aber eben nicht allzu sehr, sind es doch perfekte Harmonien, die sich hier durch den Gehörgang schleichen, kein Grund, deshalb gleich sauer zu werden. Auch „Catacombs“ besticht durch ein erstaunlich luftiges Arrangement, auch wenn die Textzeilen alles andere als flauschig klingen: „I know I'm buried down there in the catacombs of your mind, dig deeper and you'll find a haze of daisy chains and medicated pains, good god, when acid rain floods your brain ...” das ist am Ende fast schon von niedlicher Traurigkeit.

Nicht ganz so gelungen dagegen „Underworld USA“, Eisold als „zärtlicher Missionar“ versucht sich an halbgarer politischer Metaphorik, etwas breit und gewöhnlich und kaum überzeugend. Bei „Alchemy And You“ durchzuckt es einen dann wieder – was …, jawohl, Trompeten stolpern durch den nervösen Track, der so auch den Foals zugeschlagen werden könnte. Standesgemäß dann das Ende, mit „Burning Sage“ gibt’s den ersten halbwegs waschechten Goth, wird es – nicht zu spät – mal richtig dunkel und auch „Villains Of The Moon“ hat etwas von dieser berückend bedrückenden Atmosphäre, die auf Eisolds tiefschwarze Anfänge verweist. Manchem wird das am Ende vielleicht zu wenig Düsternis und zu viel Durcheinander sein, unbeirrbar und wandlungsfähig werden die Befürworter das Album nennen – die Wahrheit wird sich wohl, wie üblich, in der Mitte finden … http://coldcave.net/

Freitag, 1. April 2011

Gefunden_92



"Paris/Bofinger/Bastille, 21:05 Uhr: ... Dort sitzt, hermetisch, wie in einer anderen Welt, ein rührendes Paar, Louis-de-Funès-haft, auch aber könnte es aus einer Zeichnung Sempés gefallen sein: eine ältere Dame mit duldender, verprügelter Aura, vom Leben gezeichnetwie auch stark geschminkt. Ihr gegenüber biegt sich über ein elsässisches Eisbein mit Sauerkraut der wahnsinnig schlecht gelaunte, maulende, dabei mampfende Mann: mühsam gebändigte Geheimratsecken in Weiß, blau unterlaufene Augenränder, große Zähne. Der Mann zermalmt das Eisbein, Soße wird auf den Tisch geschüttet, Bier eingelitert, auf die Gattin eingeredet, nicht diese beschimpfend, aber ersichtlich über einen total vermasselten Tag brüllend, dabei weiter nagend, Sauerkraut nachladend wie auf Heugabeln, immer weiter Bier nachschüttend, als müsse in dem bösen Leib ein Brand gelöscht werden. Ehe als Expressionismus." Alexander Gorkow in der Süddeutschen Zeitung vom Samstag, 2. April 2011

Donnerstag, 31. März 2011

Einer oder keiner?



Eine hübsche Sache ist momentan bei NPR gepostet - unter dem Topic "So You Think You're A Superfan" hat die Seite eine bunte Mischung eingesandter Bilder veröffentlicht, auf denen sich aufdringliche Fans schamlos um die Hälse ihrer angehimmelten Stars winden - da kann man nur froh sein, wenn man weiß, dass sich im privaten Bildarchiv nichts vergleichbares finden läßt und man nicht Gefahr läuft, auf Facebook von einem peinlichem "Du wurdest auf folgendem Foto markiert"-Hinweis auf der Pinnwand überrascht zu werden. Kurz innehalten muß man allerdings bei Bild 8 der Sammlung - hier lautet die Frage: War Hape Kerkeling 1977 schon derart umtriebig unterwegs oder hat Günter Wallraff damals undercover auch in der Musikszene ermittelt? Rätsel, ungelöste ... Eine weitere Lektion in Sachen übertriebener Anhänglichkeit und aufgekündigtem Selbstwert kann man übrigens noch immer bestens anhand der Filmdoku "The Posters Came From The Walls" lernen, unangenehmer- aber bezeichnenderweise auch am Beispiel des exemplarischen Depeche-Mode-Fans. Nichts für schwache Nerven, weiß Gott.

Gehört_259



The Kills „Blood Pressures“ (Domino)
Macht man sich die Mühe und versucht sich an einer Bilanz, welche die derzeitige Relevanz der Bands abbildet, die um die Jahrtausendwende glorreich und hoffnungsvoll zur Rettung des Indierocks aufgebrochen sind, so fällt diese, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht eben postiv aus. Coldplay, die Killers und die Kings Of Leon ans Stadion und den weichgespülten Massengeschmack verloren, Interpol, Maximo Park und BRMC ohne kreative Schubkraft, eher Nischenprodukte, den White Stripes und den Libertines mangelte es an Ausdauer oder Überlebenswillen. Nun mag das eine sehr vereinfachte Darstellung sein, doch angesichts der Tatsache, dass sich kürzlich auch noch die Strokes in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet haben und somit allein Arcade Fire der Spagat zwischen künstlerischem Anspruch und größtmöglicher Ansprache gelungen ist, kann man ermessen, wie groß die Sehnsucht nach der einen, der guten Nachricht, wie hoch die Erwartung an das neue Album der Kills ist.

In der Zweckgemeinschaft der Nullerbands waren Alison Mosshart und Jamie Hince seit jeher als enfant terribles verschrien, paßten nicht so recht dazu – zu sperrig, zu plakativ, zu viel Kalkül und zu viel Trotz. Zumindest letzteres erweist sich nun als willkommene Eigenart, denn auch bei der nunmehr vierten Platte lassen sich die beiden in ihrem Stil nicht beirren – „Blood Pressures“ ist weder elektronisch aufgehübscht noch dem Formatfunk geopfert. Der Großteil des vorliegenden Materials ist herrlich kratziger, knochiger Bluesrock, sorgfältig geschreddert und gewohnt dunkel eingefärbt.

„Satellite“ und „Heart Is A Beating Drum“ poltern kraftvoll, das etwas gedrosselte „DNA“ gefällt mit schönen Stop-and-Go-Riffs. Etwas versöhnlicher klingen die Kills bei „Baby Says“ und der vergleichsweise schlichten Piano-Nummer „The Last Goodbye“, da möchte einem fast warm um‘s Herz werden. Das hält natürlich nicht lange an – Mosshart schüttelt einen mit ihrer beherzten und bissigen Beziehungslyrik kräftig durch (Damned If She Do), zuweilen gibt’s auch einen ordentlichen Tritt von hinten (You Don’t Own The Road), nie bösartig, immer kampfbereit. Weniger Gekreisch als bei ihrem Nebenprojekt Dead Weather, was den Songs aber eher gut tut. In Summe ein ordentliches Album, kompromißlos, unverdrossen, kein Grund also, weshalb einem um diese Band bange sein sollte. http://www.thekills.tv/

Mittwoch, 30. März 2011

Gehört_258



The Weeknd „House Of Balloons“
Einer der häufigsten Vorwürfe, den Netzrezensenten um die Ohren gehauen bekommen, lautet, sie würden sich ohnehin mindestens drei Viertel ihres angeblichen Fachwissens im Web zusammenklauen, das Ganze im besten Falle formschön arrangieren und schlussendlich als ihr Werk deklarieren und herumstolzieren lassen – mehr als ein milder Hauch von KTG durchweht also all diese Beiträge. Nun, ehrlicherweise muss man sagen, dass da nicht viel Falsches dran ist. Nein, wirklich nicht.

Was aber, wenn dem gierigen Hobbyschreiberling selbst die üblichen Bezugsquellen versiegen? Keine Klugscheisserei möglich ist? Wenn selbst einschlägige Onlinemagazine gestehen müssen, sie wüßten auch nicht so ganz genau, wer sich nun zum Beispiel hinter dem in den letzten Wochen blitzgehypten Projekt The Weeknd verbirgt? Es gibt demnach nicht mehr als eine Stadt – Toronto, einen Namen - Abel Tesfaye und einen Download. Was gleich zur nächsten Frage führt: Kann, was nix kostet, wirklich gut sein? Das wiederum ist nicht so schwierig zu beantworten, seit Radiohead weiß man, dass Beachtliches auch für lau hergehen kann, manchmal.

Und das Beachtliche entfacht hier bei „House Of Balloons“ einen zweifellos erstaunlichen Sog – synthetisch vervollkommneter Rhythm & Blues, komplett entschleunigt, strudeltief und betäubend, soulfull, wunderbar. Hier läßt sich alles Zeit, bedächtig und dunkel kriecht ein Track nach dem anderen aus dem Wunderhorn. Bezugsgrößen en masse: Leftfield, Portishead, Tricky, Burial und Morcheeba, von allem etwas und doch ein großes Stück auf eigenen Beinen. Träge gerapte Drogenbeichten, mantraartige Gesänge, einschmeichelnd, verführerisch wie die Droge selbst – der Sound ähnlich geheimnisvoll und hypnotisch wie beispielsweise bei den bislang unübertroffenen The XX (verdammt nah dran: „The Knowing“).

Der Zweiteiler aus Titelsong und „Glass Table Girls“ mit einem ganz und gar bezaubernden Zitat von Siouxsie Sioux „Happy House“, der Anschluß bleischwer – auch der fast achtminütige, behäbige Tank „The Party And The After Party“ läßt einen sprachlos zurück – Massive Attack hätten es wahrlich nicht besser machen können. Nach deren Meisterwerk „Heligoland“ ist das hier ein mehr als schlüssiger und würdiger Zwilling, Tesfaye hat Ideen im Überfluß und genügend Seele und Hirn für eine ganz große Platte, die genügend Potential hat, das Establishment gehörig durcheinander zu wirbeln. Mit dem Download sollte man sich also beeilen, sonst kommt noch wer auf die Idee, das Geschäftsmodell nachteilig zu überarbeiten. Hier geht’s lang: http://the-weeknd.com/.

Freitag, 25. März 2011

Gehört_257



Bodi Bill „What?“ (Sinnbus)
Empfehlungen der deutschen Depeche-Mode-Website unter dem Topic ‚Electro-News‘ sind, das hat die Vergangenheit gezeigt, mit äußerster Vorsicht zu genießen, auch wenn man sich dem Synthiepop gegenüber sonst recht aufgeschlossen zeigt. Ist die Gemeinde dort doch nicht gerade für ihre übermenschliche Toleranz und geschmackliche Flexibilität bekannt – offiziell geduldet waren bisher nur EBM-Senioren wie Front 242, Nitzer Ebb und De/Vision oder heimlich belächelte Plagiatoren wie Camouflage oder Hurts.

Der Tip zur Berliner Kapelle Bodi Bill war aber nun gerade dort zu finden, wo sich gestylte Hardcore-Devotees gegenseitig ihrer Einzigartigkeit versichern, weichgespülte Blaupausen sind sie deshalb noch lange nicht. Vom rockistisch verbrämten Weg, den die großen Brüder Gahan und Gore eingeschlagen haben, sind Fabian Fenk, Alex Amoon und Anton K. Feist glücklicherweise um Längen entfernt, Gitarren verirren sich in ihre Tracks nur sehr selten und eher als behutsames Accessoire. Die Stärke der Hauptstädter liegt klar beim feingliedrigen, sorgsam verfrickelten Elektropop, der sich ohne Probleme auch am heimischen Laptop bewerkstelligen läßt, wenn – ja wenn man, wie die drei, die nötigen Ideen und das entsprechende Know How hat.

Klanglich läßt sich das am besten mit den Kölnern von MIT vergleichen, auch wenn bei Bodi Bill noch eine Spur mehr Feinarbeit und Detailverliebtheit herauszuhören ist, Eigenschaften, die sie im Übrigen auch mit den Weilheimern von Notwist teilen dürften. Melancholische Grundstimmung, Tanzbarkeit nicht zwingend, sondern als mögliche Option – wenn doch mal Parallelen zu den englischen Gründervätern herauszuhören sind, dann erschöpft sich das in kleinen Geräuschen und Sequenzen. Dankenswerterweise nutzen sie dafür auch eher die „experimentelle“ Ära der Vorbilder, das metallische Klimpern in „Pyramiding“ und „And Patience“ kann man bei genauerem Hinhören vielleicht „Pipeline“ oder „Shame“ von „Construction Time Again“ zuordnen.

Schlechtes gibt es über „What?“ eigentlich nicht zu sagen, selbst ein Song wie „Hotel“, vorschnell als Schwachstelle ausfindig gemacht, wird durch den stimmlich kontrastierenden Gastbeitrag von Josephin Thomas hörenswert. Der Abschluß mit Zweiteilung und Überlänge („Friends“) ist feinstes Clubfutter, satt, auf Bewegung getrimmt und beileibe nicht plump dahingewummert. Kein Zweifel also: Fettes Plus für Berlin.
http://www.bodibill.de/

Donnerstag, 24. März 2011

Gehört_256



Peter Bjorn And John „Gimme Some“ (Startime International)
Das Schöne an Bands wie Peter (Morén) Bjorn (Yttling) And John (Eriksson) ist der Umstand, dass sie auf eine sehr angenehme Art, wie wahrscheinlich nur die Schweden es können, durch jedes griffige Raster fallen. Dass Menschen aus einem Land, welches die Lebensform des bestialischen Serienkillers zu höchster literarischer Weihe geführt hat, einen solch unbeschwerten musikalischen Stil pflegen, verwundert nur auf den ersten Blick. Denn schließlich hat dieses Land in Sachen Pop über die Jahre eine mehr als beachtliche Bandbreite abgedeckt, stecken die Fähnchen doch durchweg bei Erfolgsmodellen wie ABBA, Mando Diao, den Cardigans, Hives oder eben auch Ace Of Base und Roxette.

Wer Peter Bjorn And John und ihr widerhakenbewährtes „Young Folks“ vor fünf Jahren nicht wahrgenommen hat, musste sich schon für eine thoreuau’sche Randexistenz entschieden haben – kaum ein Song kam im Original, als Sample, Werbeuntermalung oder eingedeutschte Verwurstung öfter über den Äther und brachte den dreien jede Menge Kredit und Aufmerksamkeit. Klang jedoch das dazugehörige Album „Writer‘s Block“ noch recht „indie“, so kann davon auf dem aktuellen Album keine Rede mehr sein. Hier geht es eher um rauh gespielten und lustvollen Gitarrenpop – die Akkorde laufen ihnen dabei locker vom Griffbrett, „Dig A Little Deeper“, „Second Chance“, „Breaker Breaker“ und „I Know You Don’t Love Me“, alles wunderbar schwungvoll, mal 60’s, mal eine Dekade später, den Bezug zu den allgegenwärtigen Wavepopzeiten halten sie offenbar, besten Dank, für ausreichend abgearbeitet.

Dann schon lieber dreckig – „Black Book“ ist kurz, hart – Post Punk rules. Es scheppert also gewaltig auf „Gimme Some“ und die Raffinesse und Lässigkeit, mit der das Trio einen Song nach dem anderen heraushaut, als wäre weiter nichts dabei, läßt einen staunen. Die Herren Gallagher und Casablancas jedenfalls sollten sich trotz des milden Wetters besser etwas wärmer anziehen, denn das Album mit dem besten Rock’n Roll des Jahres 2011 kommt – Stand jetzt – nicht aus Manchester oder New York, sondern eben Stockholm.
http://peterbjornandjohn.com/blog/

Mittwoch, 23. März 2011

Abändern 2011 *Update



Jetzt, da das offizielle Tracklisting draußen ist, kann man noch mal einen ganz entspannten Blick auf das werfen, was da an nochmaligen Remixen aus dem Depeche-Mode-Gesamtwerk im Juni auf den Hörer, der eventuell auch ein Käufer, vielleicht aber auch nur ein Sauger ist, zukommt. 37 Tracks auf drei CD's oder 6 Vinylscheiben, 13 davon sind auf das aktuelle Jahr datiert und somit wirklich neu, den Rest hat der Sammler ohnehin schon. Aufmerksamkeit verdienen die ausgewählten Titel, so es ältere Songs sind (Leave in Silence, Puppets, Tora! Tora! Tora!, A Question Of Time) und die Namen derer, die sich daran mühen, so sie liebenswerte Bekannte sind (Alan Wilder/Ex, Vince Clark/Ex). Über die befürchteten Schwachstellen (House, Prydz, etc.) wurde hier schon referiert, deshalb lassen wir's besser gut sein und warten auf den Sommer. Für Statistiker: hier.

Dienstag, 22. März 2011

Gehört_255



William Fitzsimmons „Gold In The Shadow“ (Gronland)
Soll keiner sagen, er hätte sich nicht schon zu der einen oder anderen Folge einer x-beliebigen Notaufnahmenserie hinreißen lassen – wer es nicht wie der Autor selbst zum glühenden Verehrer der ersten Staffeln von Emergency Room geschafft hat, nahm dann später eben bei Private Practice oder meinenthalben Scrubs auf der Couch Platz, manchem reichte ja auch schon „Das Krankenhaus am Rande der Stadt“ oder „Klinik unter Palmen“ für den wöchentlichen Kick. Nichts zu sagen im Übrigen auch gegen die gefühlige OP-Show „Grey’s Anatomy“, die leider irgendwann in paranormale Zwischenwelten abglitt, deren treue Zuschauer aber in Sachen William Fitzsimmons einen Wissensvorsprung vorweisen können. Denn für genau diese Serie wurden zwei seiner bisher bekanntesten Songs, „Passion Play“ und „Please Don’t Go“ ausgewählt und fanden dort schnell ein heimeliges Plätzchen.

Fitzsimmons‘ Geschichte klingt, nebenbei bemerkt, selbst wie aus dem Drehbuch einer herzerwärmenden Überseeweekly entlehnt – als Sohn eines blinden Ehepaares brachte er sich die zum Musizieren nötigen Instrumente allesamt selbst bei, versetzt mit etwas elektronischem Zierrat gelingt ihm so seit einiger Zeit eine bezaubernde Spielart des Folk. Durchaus verwandt mit der leisetreterischen und versponnenen Kunst eines Nick Drake, nahe auch beim ebenso großen und leider ebenso toten Elliot Smith, haben diese Songs wirklich etwas Goldenes, Glänzendes, insofern verspricht der Albumtitel nicht zu viel. Die Texte, behutsam, nach innen gekehrt und fast andächtig, untermalt er ähnlich wie ein James Yuill mit zeitgemäßer und wohl dosierter Synthetik, doch bittet er nicht wie dieser zum Tanz, sondern lädt eher zum Mitsummen und entspannten Sinnieren ein. Für „Let You Break“ springt ihm noch Leigh Nash vom One-Hit-Wonder Sixpence Non The Richer zur Seite.

Nichts hier was weh, vieles dagegen dabei, was gut tut. Vielleicht nicht gerade die Platte, die man sich für den wilden Sommer erwartet hat, aber schließlich hat auch der laue Abende, die eines Soundtracks bedürfen. Und wer dann diesen Mann zur Hand hat, dem muß um die Choreographie derselben nicht bange sein.
http://www.williamfitzsimmons.com/

Schade, FCB ...



... aber Christoph Daum, sympathischster aller Ballsporttrainer, nimmt sich, wie man so schön sagt, selbst vom Markt. Soll heißen, er heuert bei der Frankfurter Eintracht an und macht das Rennen um die letzte offene Stelle in der heißbegehrten Bundesliga noch spannender. Es bleiben also noch im Spiel:
- Peter Neururer
- Friedel Rausch
- Jürgen Röber
- Klaus Topmöller
- Rudi Gutendorf
- Werner Lorant.
Ach ja, fast vergessen: Lothar Matthäus. So, lieber Hamburger Sportverein, nun mußt Du Dich entscheiden - wer ist Dein Herzblatt?

Meine Frau sagt ... [10]



... dass es durchaus auch für diesen Blog von Vorteil sein kann, mal die eine oder andere Kinderzeitschrift durchzublättern, stößt man dabei doch ab und zu auf ein feines Liedchen. Wie eben auf den niedlichen Dancepop von Mnemonic Sounds (Keeping It Quiet) aus Portland, die noch dazu mit putzigen Videoanimationen punkten können. Pssst, Remix ist besser ...

Montag, 21. März 2011

Kamera läuft ...



Diese Meldung in einem Blog zu lesen, der nicht einmal eine Karte von Mittelerde als Hintergrund aufweisen kann, dessen Initiator auch nicht Maphrambuloil heißt, mag etwas befremden. Doch obacht – es soll auch stinknormale Erdenbewohner geben, die zumindest Tolkiens Triologie „Der Herr der Ringe“ leidenschaftlich verehren und die letzten Verwicklungen im Zusammenhang mit der Verfilmung des Frühwerkes „Der kleine Hobbit“ mit Sorge verfolgt haben. Für die und alle übrigen Ork- oder wahlweise Elbenfreunde heute nun die erfreuliche Nachricht: Es wird gedreht, seit heute. Und zwar wieder in Neuseeland, wieder unter der Ägide von Peter Jackson, mit dabei zudem Elijah Wood (Frodo), Cate Blanchet (Galadriel), Ian McKellen (Gandalf), Andy Serkis (Gollum) und Christopher Lee (Saruman), Bilbo Beutlin wird in seiner jugendlichen Erscheinung nicht von Ian Holm, sondern von Martin Freeman (The Office) verkörpert. Das ganze soll dann – natürlich auch in 3D – zweigeteilt 2012/2013 in die Kinos kommen. Na denn man los ...
http://derhobbit-film.de/

Mittwoch, 16. März 2011

Gehört_254



The Dodos „No Color“ (Wichita)
Nach wenigen Minuten des vierten Albums der Dodos aus dem stets gutgelaunten San Francisco wird klar, wer gerechterweise von den beiden Bandmitgliedern den Hauptteil der Erlöse einstreichen dürfte. Nicht Meric Long, dessen Stimme die Songs allein nicht über die komplette Distanz tragen könnte, sondern Partner Logan Kroeber am Schlagzeug macht sich um den Sound des Duos verdient, hämmert dieser doch schon beim ersten Stück, dem furiosen „Black night“, so infernalisch drauflos, dass man sich berechtigte Sorgen um’s Equipment machen muss.

Knüppelfolk möchte man das nennen, was die zwei da fabrizieren, klänge es nicht so albern, vielleicht auch Midlake für die Moshpit, in jedem Falle drehen die Dodos den handelsüblichen Folk gehörig durch die Rhythmusmaschine und nehmen dem Hörer so die Möglichkeit, nach der Hälfte der Platte wie üblich sanft zu entschlummern. Wach bleiben heißt die Devise, nicht nur beim hochnervösen „Sleep“ („I cannot sleep, I cannot think, I cannot dream“), und es fällt nicht schwer. Dabei sollte man sich nicht täuschen lassen – selbst solche Sachen wie „Don’t Try And Hide It“, das anfangs ganz harmlos schnurrt, wird ab der Mitte im besten Sinne gnadenlos verkloppt.

Dass es dabei nicht langweilig wird, man also trotz akuter Trommelfellgefährdung trotzdem am Ball bleibt, liegt daran, dass Long und Kroeber wirklich feine Melodien um das anhaltende Getrommel herumbauen und die Gitarren zudem dreckig genug sind, um dem guten alten Indierock zu genügen. „Hunting Season“ ist so Programm und Traditionspflege zugleich, das traumhafte „Companions“ läßt einem mit seinen verfremdeten Flamencogitarren sogar ein wenig Platz zum Atmen. „No Color“ zeigt auf eindrückliche Weise, wie mit einfachen Mitteln Energie und Wohlklang zusammenfinden können, ohne gleich die komplette Rockhistorie plündern zu müssen.
http://www.dodosmusic.net/

Dienstag, 15. März 2011

Gehört_253



The Strokes „Angles“ (Sony)
Dass es die Strokes im Jahre 10 nach ihrem Debüt „Is This It“ nicht würden einfach haben, dürfte ihnen selbst, aufgeweckte, clevere Kerlchen, die sie sind, klar gewesen sein. Und da in dem Jahr, in welchem wieder zentnerweise Elogen auf den Erstling zusammengeschustert werden – in etwa: Wo warst Du, als ... – sowieso alles nur vergleichend gedacht und gesagt wird, haben sich die fünf wohl gedacht: Warum nicht gleich alles anders machen, wenn wir doch ohnehin keine Chance haben gegen uns selbst?

Nun, die Überraschung ist ihnen gelungen, über das Ergebnis läßt sich trefflich diskutieren. At first: The Strokes are getting funky! Wirklich, das hätte man zum Einstieg (Machu Picchu) eher nicht erwartet, dass Casablancas mit Micky-Maus-Stimme, begleitet von seltsam anmutenden Backroundchören, Steinruinen feiert. Dabei zeigt sich aber auch gleich, dass den Strokes ihre Fähigkeit, ein unverschämt eingängiges Riff über eine Songlänge zu reiten, auch beim vierten Album noch nicht abhanden gekommen ist – gut so, aber auch egal. Nach kurzer und eher vernachlässigbarer Klischeepflege (Under Cover Of Darkness) geht’s vogelwild weiter: eigenartige Softmetal-Anleihen und Kastratengekreisch (Two Kinds Of Happiness), feiner – tja, Indierock für „You’re So Right“, viel Synthie, weniger Gitarren, all das zeigt, wie sehr Casablancas entgegen allem Geunke noch immer die Hosen anhat, denn ähnliche Spielereien hatte er auf seinem Solowerk „Phrazes For The Young“ schon ins Herz geschlossen und der Rest der Band mochte ihm offenbar folgen.

Es gibt singspielartige Szenarien und Reminiszenzen an Slade und die Rockopern von Queen (Gratisfaction) und natürlich ist das für den hartgesottenen Strokes-Fan, sollte es ihn denn noch geben, schon arg schwer zu verdauen. Was soll der denn bloß mit einem Ungeheuer wie „Metabolism“ anfangen, wie klarkommen mit all den Tempowechseln, dem Georgel und Geheule? Der Band scheint das herzlich egal zu sein, außer der erwähnten Erwartungsfutter zu Beginn gibt es auf „Angles“ keinen Song, der mit früheren vergleichbar wäre. Selbstverliebt und abgehoben vielleicht, extrovertiert sowieso, die Jungs scheinen sich zu denken: „Wenn schon gehen, dann mit dem großen Knall“ – das ist mutig, albern, abgefahren und sicher kein dauerhaftes Erfolgsmodell. Dass sie damit durchkommen, darf bezweifelt werden, unvorstellbar auch, diesen Stil über mehrere Alben zu strecken. Einzige Möglichkeit also: Das Ende, aber ein lustiges.
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