Freitag, 22. Oktober 2021
Boy Harsher: Der reine Horror
16.02. Leipzig, Werk 2
17.02. Berlin, Astra
18.02. Frankfurt, Zoom
Mittwoch, 20. Oktober 2021
Bodega: Immer unter Strom
25.04. München, Hansa 39
26.04. Köln, Bumann und Sohn
27.04. Hamburg, Molotow
NUKULUK: Gegen Langeweile
Dienstag, 19. Oktober 2021
Shortparis: Die Interessanteren
Donnerstag, 14. Oktober 2021
Egyptian Blue: Angstgetrieben
Sea Power: Naheliegende Verkürzung [Update]
Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass eine Band ihren Namen ändert, weil die Zeiten nicht die selben geblieben sind und nun, im neuen Licht betrachtet, ein Beigeschmack hinzugekommen ist, auf den man nicht ständig hingewiesen werden möchte, der einen unter einen gewissen Rechtfertigungsdruck setzt. So geschehen in jüngerer Vergangenheit mit der kanadischen Gruppe Viet-Cong, die sich 2015 einfach in Preoccupations umbenannte, im vergangenen Jahr hatten selbst die Dixie Chicks genug und wollten fürderhin nur noch unter The Chicks firmieren. Die Kapelle British Sea Power aus Reading hatte sich, so liest man, schon länger mit dem Gedanken getragen, eine Kürzung vorzunehmen - das Erstarken von Nationalismus und Populismus im Zuge des unsäglichen Brexits hat sie nun den Schritt endgültig vollziehen lassen und so wird auf dem nächsten Album "Everything Was Forever" nur noch Sea Power vermerkt sein. Die erste Single "Two Fingers" wiederum ist von Albtraumgestalten des amerikanischen Autors HP Lovecraft bevölkert, einem so berühmten wie umstrittenen Manne, der nicht nur bedeutende Bücher geschrieben hat, sondern wohl auch ein gnadenloser und unausstehlicher Rassist war. Die neue Platte jedenfalls soll als Nachfolger von "Let The Dancers Inherit The Party" (2017) am 11. Februar 2022 erscheinen.
Update: Und wir haben mit "Folly" einen weiteren Song von den Rückkehrern.
Emma Ruth Rundle: Immer ein Ereignis [Update]
Keine Gitarren diesmal, nur ein Piano. Aber was heißt hier "nur"? Wenn Emma Ruth Rundle die Bühne betritt, dann ist das unabhängig vom Instrumentarium immer ein Ereignis. Das war beim letzten Studioalbum "On Dark Horses" so und ebenfalls beim gemeinsamen Projekt "May Our Chambers Be Full" mit der amerikanischen Metalband Thou. Wie sich nun das gerade angekündigten Solowerk "Engine Of Hell", VÖ 5. November bei Sargent House, anfühlen wird, wissen wir noch nicht, die erste Auskopplung "Return" zieht einen aber sofort in den Bann. Sie selbst sagt in den Linernotes dazu: "Here are some very personal songs; here are my memories; here is me teetering on the very edge of sanity dipping my toe into the outer reaches of space and I’m taking you with me and it’s very fucked up and imperfect."
Update: Hier kommt mit "Blooms Of Oblivion" der zweite Song vom Album, das Video hat die Sängerin gemeinsam mit John Bradburn gedreht.
Marissa Paternoster: Ohne Illusionen
Mittwoch, 13. Oktober 2021
Bambara: Alles muss raus!
17.03.22 Hannover, Cafe Glocksee
18.03.22 Berlin, Urban Spree
21.03.22 Hamburg, Hafenklang
25.03.22 Haldern, Haldern Pop Bar UG
28.03.22 Köln, Bumann und Sohn
Baxter Dury: Ausnahmeerscheinung
Sleaford Mods: Seltenheitswert
Sonntag, 10. Oktober 2021
Nalan: Viele Gesichter
VLURE: Der passende Moment [Update]
Update: Mit geschorenem Schädel, flackerndem Licht und irrem Blick wirkt das Video zur neuen Single "Show Me How To Live Again", ihrer ersten Veröffentlichung bei So Young Records, gleich noch ein Stück beeindruckender.
Orton: Den eigenen Weg finden [Update]
Update: Nicht weniger gelungen - hier kommt mit "Amongst Us" die zweite Auskopplung aus der EP.
Freitag, 8. Oktober 2021
Isolation Berlin: Fluchtgedanken
„Geheimnis“
(Staatsakt)
Nun, das könnte jetzt doch schwierig werden. Lockdown kein Thema gerade, neue Platte endlich draußen, Tourtermine gefixt. Und dann das: „Ich zieh' mich zurück, Stück für Stück, in mein Schneckenhaus. Noch ein letzter Blick, ich schaue mit Schrecken raus … Ich komme hier nie wieder raus, lass' die Rollos runter und stelle mich tot“, so singt nun also Tobias Bamborschke. Jetzt, wo vieles wieder zu gehen scheint, wo die Clubs geflutet und die Konzerthallen vorsichtig gefüllt werden, bläst der Kopf der Berliner Band zum Rückzug, machen Isolation Berlin mit ihrem neuen, dritten Album eine regelrechte Fluchtplatte. Aber keine über die Flucht nach vorn eben – sondern eher nach drinnen: „Ich zieh' mich zurück, schließe mich ein, schließ' euch aus“. Bamborschke wird, so hoffen wir, den Widerspruch aushalten, er ist schließlich Künstler genug und braucht nicht nur die Studiowände, sondern auch die Bühnenbretter, braucht die Bestätigung, die Rückkopplung aus dem Publikum. Und doch.
Fällt auf, dass er vor drei Jahren noch so gierig nach dem nächsten Kick verlangte – heute dagegen zieht es ihn weg, macht er zu, schottet sich besser ab. „Ich hab private Probleme, für die ich mich schäme, doch ich will nicht darüber reden“, so singt er an anderer Stelle und das klingt nicht so, als wolle er sich auf die öffentliche Couch legen oder als suche er ein klärendes Zwiegespräch, einen Austausch. Was jetzt, die Vermutung liegt nahe, auch damit zu tun haben könnte, dass heutzutage jede und jeder ihren/seinen intimsten Kummer in die sozialen Netzwerke hineinjammert, als sei gerade dort nicht nur Häme, sondern Hilfe zu erwarten. Flucht also: In geträumte Identitäten, zum Beispiel die von Nina Hagen. Der Elterliche Plattenschrank hat ihm vor Zeiten die Begegnung der dritten Art verschafft, seitdem verehrt er die Frau, die oft als Spinnerin und Ufotante verschrien und belacht worden ist.
Flucht vor – wir ahnen es nur, deuten hinein – Erinnerungen, unschönen Erlebnissen aus Kindheit und Jugend, wo Träume und Wünsche nicht zum vorherrschenden Männlichkeitsideal passen wollten (schön überzeichnet vom Lippenstift auf den Pressebildern) und in wüste Gedanken mündeten: „Ich wünschte alle wären tot oder wenigstens ein bisschen netter“ („Ich hasse Fußballspielen“). Fluchtgedanken auch in Stellvertretung – die „Klage einer Sünderin“ führt sie mit Blut an den Händen direkt in die erlösenden Fluten der See, die kruden Fantasien treiben den Wutbürger mit Faust in der Tasche in die Verzweiflung (ganz toll: „Stimme Kopf“), der Verlassene, Vereinsamte zeichnet die Dämonen der Nacht auf‘s Papier in der Hoffnung auf Linderung oder Erlösung. Alles passiert hier im Kopf, scheint eingeschlossen, gnadenlos präsent. Bamborschke entwirft das Bild eines gepeinigten Sonderlings, der, auf sich selbst zurückgeworfen, die Ruhe herbeisehnt und zugleich hasst wie nichts sonst.
Das „Geheimnis“ bleibt er schuldig, wir wissen nur, dass es dunkel und tief verborgen in seinem Hirn tobt. Positives, Erfreuliches dagegen hören wir nur selten auf diesem Album. Ganz zu Beginn vielleicht, da scheint sie kurz auf, die große Liebe, die über allem ist, die als einziges zählt. Und trotzdem steht er am Ende mit hängenden Schultern im leeren Saal, „Enfant Perdu“, da ist schon alles vorbei, die Show, der Erfolg, das Leben sogar. Das alles ist nicht angenehm zu hören, großartige Songs sind es dennoch geworden. Auch weil er sie zu präsentieren versteht, emotional, mal schreiend, mal wispernd, mal trotzig, mal matt. Mit einer Band, die das wunderbar zu illustrieren weiß, die die wenigen Höhen und vielen Tiefen mit ihm spielerisch auslotet. Und wer weiß, vielleicht wird ja doch noch etwas gut – wenn man ihn einfach lässt: „Ich will nicht wissen, was ich besser machen kann“, heißt es in „Enfant Terrible“, aber dann auch: „Ich werd mich ändern, wenn ich kann, ich werd mich ändern, irgendwann.“
Donnerstag, 7. Oktober 2021
The KVB: Die Welt in Flammen [Update]
Gerade erst hatten W.H. Lung mit einer neuen Single die glorreiche Historie ihrer Heimatstadt Manchester beschworen, da kommt auch schon die nächste Band um die Ecke, um exakt das Gleiche zu tun. Denn: The KVB, also Kat Day und Nicholas Wood, haben nach ihrer letzten Studio-EP "Submersion" (2019) einen ersten Song veröffentlicht. "World On Fire" steht in der klassischen Rave-Tradition ihrer Heimat, zum Inhalt des Tracks äußern sich die beiden in einem Statement wie folgt: "'World On Fire' wurde Ende 2019 geschrieben und befasst sich im Kern mit der Dualität bestimmter Phrasen wie ‚set the world on fire‘, die zerstörerisch klingen, aber eben auch etwas Bemerkenswertes beinhalten. ... Im Laufe der Zeit sind wir alle gegenüber schlechten Nachrichten und schrecklichen Ereignissen via TV und soziale Medien desensibilisiert worden. Wenn heute viele Leute abbremsen, um einen Autounfall zu begaffen, dann fühlt es sich an, als ob wir alle immer mehr davon besessen sind, die Welt in Flammen zu sehen." Die Single ist heute bei Invada Records erschienen, gut möglich, dass bald mehr Informationen folgen.
Update: Jetzt also doch - mit der nächsten Single "Unité" folgt auch die Ankündigung eines neuen Albums, "Unity" soll am 26. November erscheinen.
Mittwoch, 6. Oktober 2021
Big Thief: Das ganz große Ding
09.02. Zürich, Kaufleuten
10.02. München, Café Muffathalle
13.02. Berlin, Huxleys Neue Welt
16.02. Hamburg, Fabrik
18.02. Köln, Live Music Hall
10.-12.06. Berlin, Tempelhof Sounds
Dienstag, 5. Oktober 2021
Figure Of Speech: Right here, right now
So beeindruckend die Lyrics, so überraschend der Sound: Schon nach wenigen Minuten ist man in der Erinnerung bei den Veröffentlichungen des Kunstkollektivs Sault aus London, die mit Vielseitigkeit und Facettenreichtum schon 2020 quasi die komplette schwarze Musikhistorie auf ihren Alben Revue passieren ließen – Ähnliches gelingt hier auch Edwards und Hendy, allerdings in deutlich kleinerer Besetzung. Flirrender Afropop, Fusion Jazz, Soul, RnB, Hip-Hop. Oldschool-Rap-Einlagen Marke De La Soul wechseln mit klassischem Bristol-Sound á la Massive Attack, Boca 45 hat hier mit seinem Ideenreichtum tatsächlich ganze Arbeit geleistet. Ein Beweis also, dass mit den richtigen Leuten zur richtigen Zeit am richtigen Ort durchaus Erstaunliches gelingen kann. Mit diesem Hinweis schließt sich übrigens auch ein Kreis zu Edwards Aktivitäten. Er gehört nämlich (neben der Arbeit für seine eigene Agentur Patwa) zu den Mitbegründern der Online-Lernplattform Bridging Histories, die es sich zum Ziel gemacht hat, Möglichkeiten und Inhalte unabhängig von Alter, Bildungsstand, Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht zu fördern und zu vernetzen. Ein eindrückliches Beispiel für den Sinn und die Notwendigkeit solcher Anstrengungen hat er mit seinem Debütalbum gerade selbst abgeliefert.
Freitag, 1. Oktober 2021
Public Service Broadcasting: Liebeserklärung
Public Service Broadcasting
„Bright Magic“
(Play It Again Sam)
Auch wenn es das Ganze erst mal auf eine ziemlich alltägliche Stufe herunter zieht: Zu Berlin hat eigentlich jede und jeder eine Meinung. Wenn das Wetter im Small Talk nichts mehr hergibt und die üblichen Floskeln aufgebraucht sind, kann man immer noch – je nach Gusto – über die Hauptstadt spotten, schimpfen oder schwärmen. Auf der Hitliste der Allerweltskommentare ganz vorn rangieren so Sachen wie „Zum Urlaubmachen ist es ja toll, aber leben möchte ich da nicht“, „Da hat’s mehr Schwaben als in Stuttgart…“, „Im Winter ist es nicht auszuhalten!“ oder „Das alte Flair ist doch eh schon komplett weggentrifiziert…“ Ganz nebenbei gibt es kaum etwas, was die Einwohner*innen der Stadt (auch wenn sie selbst ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Kiez haben) mehr aufregt, als dass ihnen alle und immer ungefragt die Meinung zu ihrer Stadt meinen mitteilen zu müssen, ganz so, als wäre man ein wandelndes Trip-Advisor-Portal, wo aller Unsinn rund um die Uhr hineingerufen werden dürfte.
Ein Album wie „Bright Magic“ von der Londoner Formation Public Service Broadcasting ist da eine wahre Wohltat, denn es funktioniert auf ganz gegenteilige Art – wohlwollend, kunstvoll, klug und vor allem maximal unaufdringlich. Anders als beim Film, wo jeder sein „Berlin Alexanderplatz“, „Babylon Berlin“, „Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Himmel über Berlin“ oder „Victoria“ sofort parat hat, ist das Feld in Sachen Popkultur meets Berlin-Hommage nun nicht gerade unübersichtlich sortiert. Ein bisschen Hass und ebenso viel Love in Liedform neueren Datums gibt es wohl, aber monothematische Platten sind abgesehen von den gut abgehangenen Standards der Herren Reed, Pop und Bowie eher Mangelware (und endgültig nein, Pink Floyds „The Wall“ hat mit Berlin nun wirklich nicht viel zu tun). Insofern ist das, was J. Willgoose, Esq. mit Band hier anbietet, schon eher eine Seltenheit.
Es gibt in diesem so sorgfältig wie liebevoll arrangierten Werk eine derart große Anzahl von Querverweisen, Referenzen und Zitaten, dass man sich schon nach wenigen Augenblicken wie in einer Zeitkapsel zu fühlen beginnt, die über einer sich ständig verändernden Animation die Zeitachse entlang zu schweben scheint. Töne, Geräusche, Bilder bauen Stimmungen auf, beleuchten Vertrautes und holen Unbekannteres hervor. Informativer als die Redakteure von FM4 könnte man das alles kaum aufschreiben, weshalb wir an dieser Stelle einfach auf den dortigen Exkurs verlinken. Erwähnt werden soll natürlich trotzdem, dass der Sound der einzelnen Tracks einen immer wieder an anderer Stelle packt und ein jedes Mal auf’s Neue fasziniert.
Seien es Blixa Bargelds Betrachtungen eines kalten, modernistischen und wuchernden Molochs („Der Rhythmus der Maschinen“), die natürlich Erinnerungen an Fritz Langs meisterhaften Streifen „Metropolis“ evozieren, seien es die beiden Gastspiele von Anna Lena Bruland alias EERA, die bei „People Let’s Dance“ die Historie der legendären Berliner Clubkultur mit Dschungel, WMF, Tresor bis hin zum Berghain Revue passieren läßt und dabei von ein paar Takten Depeche Mode begleitet wird. Kurz darauf wird ihre Stimme dann zart und weich, wenn sie die Verse zu „Gib mir das Licht“ in das wohlige Dunkel sanften Jazzpops taucht. Ein ebenso bemerkenswerter, wenn auch gänzlich anderer Auftritt gelingt Andreya Casablanca – die Frontfrau der Berliner Band Gurr gibt zu kratzigen Gitarren ihre Interpretation von Marlene Dietrich in „Blue Heaven“.
Der Höhepunkt dann ganz zum Schluss („Ich und die Stadt“), hier liest Schauspielerin Nina Hoss das Gedicht „Augen in der Großstadt“ von Kurt Tucholsky zu sparsamen, wabernden Synth-Klängen. Willgoose Esq. dazu in den Linernotes: „Auch wenn man Deutsch nicht versteht, ist es ein wundervolles Gedicht, allein vom Rhythmus her. Er fasst für mich fast alles zusammen, was ich in meiner Zeit in Berlin erlebt habe. Diese flüchtigen Momente, die unvorhergesehenen Begegnungen und Zufälle, die alle deine Geschichte ein wenig ändern können. Und bevor du er merkst, ist alles vorbei und wird sich so nie wieder ereignen. Der Song drückt die Melancholie, aber auch die Dankbarkeit aus, dass ich all diese Erlebnisse haben konnte und es ist ein Glück, dass ich dieses wunderschöne Gedicht gefunden habe, um meine Berlingeschichte und das Album zu einem wunderschönen Ende zu bringen.“ Eine Liebeserklärung zum Anhören, für Berliner*innen und solche, die die Stadt nur flüchtig kennen und irgendwie trotzdem mögen.
Glowie: Mission Neustart [Update]
Update: Wie man ein ernstes Thema in einen tollen Popsong verpackt, zeigt sie uns mit der zweiten Single "ADHD" - kleiner Mutmacher für Eltern und Kinder mit ähnlichen Problemen.






























