Sonntag, 13. September 2020
Brausepöter x Bluthund: Angetreten!
Die einen ganz neu, die anderen altbekannt. Die einen aus Berlin, die anderen aus NRW. Was sie eint: Ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Militaria im Allgemeinen und der Bundeswehr im Speziellen. Denn einer der bekanntesten Songs von Brausepöter (das sind die Altbekannten) ist ein Song besagten Namens, Bluthund (die Newbies sozusagen) sind gerade dabei, ihre aktuell dritte Single zu promoten die da heißt "Soldatinnen und Soldaten" im Flintenuschi-Edit. Es gibt also, auch wenn man soundmäßig doch etwas auseinanderliegt, durchaus inhaltliche Parallelen und auch die gute alte Sturmhaube kommt bei beiden Truppen, äh - Bands wieder zu neuen Ehren. "FREMDER", so der Titel von Brausepöter, stammt im Übrigen aus dem Film "Das Theater träumt" von Christian Schäfer (mit Texten u.a. von Nora Gomringer, Theresia Walser, Tilman Rammstedt und Moritz Rinke) und soll die Zeit bis zum nächsten Album Anfang 2021 überbrücken. Bluthund wiederum hatten bislang die Tracks "BYE BYE IROKESENGANG" und "VIBEKILLAH" in Umlauf, mit ihrem "StromGitarrenWutRap" (Selbstbezichtigung) werden auch sie wohl bald in großem Stil auf LP debütieren. Vorerst das Ganze hier als gemeinsame Präsentation.
Samstag, 12. September 2020
Tropical Fuck Storm: Naturereignis [Update]
Gerade erst war zu lesen, worauf man mit ein wenig Allgemeinbildung auch schnell allein kommt: Wenn es ein Land, einen Kontinent gibt, dem es im Jahr 2020 besonders nass reingeht, dann ist das Australien. Gerade erst die schlimmsten Wald- und Buschbrände seit Urzeiten überstanden, kommt nun mit Verspätung das grauslige Virus um die Ecke und sorgt für Katastrophenstimmung in Wiedervorlage. Ein Trost deshalb, dass nicht bei jedem Sturm der Notstand ausgerufen werden muss - der folgende nämlich ist zunächst einmal rein künstlerischer Natur: Tropical Fuck Storm könnte man zwar im übertragenen Sinne durchaus als Naturereignis bezeichnen, dennoch zählt die Band aus Melbourne zur Gattung der musizierenden Kleinstkollektive. Gareth Liddiard, Fiona Kitschin, Lauren Hammel und Erica Dunn machen seit 2018, dem Erscheinungsjahr ihres Debüts "A Laughing Death in Meatspace", gemeinsame Sache, ein Jahr später schon kam Album Nummer zwei "Braindrops" in den Handel und nun im April eine 7" mit dem Namen "Suburbiopia/This Perfect Day", wobei letzteres die Coverversion eines alten Songs von The Saints ist. Wem beim Anhören des neuen Stückes eine der Stimmen bekannt vorkommt, die/der hat ein gutes Gehör, denn hier haben sich TFS Unterstützung bei Amy Taylor, Frontfrau von Amyl And The Sniffers, geholt. Der Stil des Quartetts läßt sich im Übrigen ziemlich schlecht umschreiben, vielleicht trifft es Art Punk noch am ehesten.
Update: Ein außerordentlich schöner Song, eine außerordentlich gelungene Coverversion - "Heaven" von den Talking Heads klingt bei Tropical Fuck Storm eine ganz Spur schiefer, kaputter. Der Song ist die Flipside der kürzlich veröffentlichten Single "Legal Ghost".
Freitag, 11. September 2020
The Screenshots: StartUp again [Update]
Die frohe Kunde geisterte ja schon ein paar Tage durch die Netzwerke der Republik, nun gibt es Gewißheit und auch Greif-, also Hörbares: The Screenshots, das überaus charmante Krefelder Punkrocktrio, holen zu einem weiteren Schlag gegen das Establishment aus und planen nicht nur für den Januar ihre "Glaub an deine Träume"-Tour, sondern auch die Veröffentlichung ihres zweiten offiziellen Albums. Für dieses haben sich Dax Werner, Susi Bumms und Kurt Prödel mit "Zwei Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee" auch einen unvergesslich schönen Titel einfallen lassen, am 16. Oktober rollt der Verkauf an. Und weil "Übergriff", "Ein starkes Team" und "Europa" mittlerweile schon bedenklich abgeschliffene Rillen auf dem Plattenteller haben, gibt es mit dem Song "Snacks" wenigstens schon mal einen Vorboten zu hören (zusätzlich garniert mit dem Video zur letzten Single "Die Welt geht noch nicht unter").
Update: An den Kennziffern (haha) hat sich nichts geändert, wir ergänzen nur eine weitere Single. Der neue Song "Träume feat. LGoony" kann mit viel brauchbarem Equipment aufwarten und vor allem mit dem sagenhaften "Christian-Lindner- Swag". Wer kann das schon toppen?
22.01. Münster, Gleis 22
23.01. Köln, Gebäude 9
16.02. Bremen, Lagerhaus
17.02. Hamburg, Molotow
18.02. Berlin, SO36
19.02. Leipzig, Naumanns
24.02. Wiesbaden, Schlachthof
25.02. Karlsruhe, Kohi
26.02. Nürnberg, Club Stereo
27.02. Augsburg, Soho Stage
01.03. Wien, B72
02.03. Salzburg, Rockhouse
03.03. München, Kranhalle
05.03. Dresden, Scheune
06.03. Bochum, Die Trompete
15.04. Osnabrück, Popsalon Festival
19.08. Dornstadt, Oberwiesenfestivalgelände
Update: An den Kennziffern (haha) hat sich nichts geändert, wir ergänzen nur eine weitere Single. Der neue Song "Träume feat. LGoony" kann mit viel brauchbarem Equipment aufwarten und vor allem mit dem sagenhaften "Christian-Lindner- Swag". Wer kann das schon toppen?
22.01. Münster, Gleis 22
23.01. Köln, Gebäude 9
16.02. Bremen, Lagerhaus
17.02. Hamburg, Molotow
18.02. Berlin, SO36
19.02. Leipzig, Naumanns
24.02. Wiesbaden, Schlachthof
25.02. Karlsruhe, Kohi
26.02. Nürnberg, Club Stereo
27.02. Augsburg, Soho Stage
01.03. Wien, B72
02.03. Salzburg, Rockhouse
03.03. München, Kranhalle
05.03. Dresden, Scheune
06.03. Bochum, Die Trompete
15.04. Osnabrück, Popsalon Festival
19.08. Dornstadt, Oberwiesenfestivalgelände
Donnerstag, 10. September 2020
Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs: Hingehört
Das nennt man Faust auf's Auge: Gerade heute einen sehr unterhaltsamen Artikel über den ledrigen Altherrenrock von Deep Purple in der Süddeutschen Zeitung gelesen und dann kommt kurz darauf eine neue Single der britischen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs um die Ecke und beweist eben, dass zumindest diese Jungs ziemlich gut hingehört haben müssen, als es um die maßgeblichen Dinge der Musik ging. "Hell's Teeth" jedenfalls scheppert ordentlich und stammt natürlich von der ebenso furiosen Platte "Viscerals", die erst im April dieses Jahres erschienen ist. Zu dem Song gibt es im Übrigen auch noch einen hübschen Animationsclip von Lucy Dyson und einen abgefahrenen Remix der mexikanischen Lorena Quintanilla, die hier unter dem Pseudonym J.Zunz firmiert.
Shame: Mit einiger Verspätung
Die Nachricht von einem neuen Album der Londoner Krachkapelle Shame stammt noch aus dem Januar, bekanntlich kam dann alles anders und schlimmer als gedacht und an business as usual war lange Zeit nicht zu denken. Langsam jedoch läuft die Maschine wieder an und so können Charlie Steen und Kollegen heute ihre aktuelle Single "Alphabet" präsentieren. Laut sind sie noch immer, waren sie schon auf ihrem phänomenalen Debüt "Songs Of Praise" und auch auf der Bühne ließen sich die fünf Herren nicht lumpen und gaben ordentlich Gas. Wie, wann und mit welchem Titel das zweite Komplettwerk erscheinen wird, geht sicher bald über den Ticker.
Mittwoch, 9. September 2020
Kala Brisella: Arbeiterklasse
Auch das hier zählt im weitesten Sinne noch zum Post-Punk, auch wenn es die Berliner Band Kala Brisella, so liest man gerade, mehr und mehr darauf anlegt, nicht mehr ganz so einfach in die jeweilige Schublade zu passen. Waren ihr Debütalbum "Endlich krank" noch ein veritabler Schrammelfetzen, so gab es auf dem Nachfolger "GHOST" schon differenziertere Töne zu hören. Auf "Lost In Labour" nun, der dritten Platte des Trios, sollen jetzt neben Krautrock-Reminiszenzen auch Disko und Rap zu hören sein. Dass Produzent Olaf O.P.A.L. auch hier seine Finger im Spiel hatte, verwundert da kaum, der Mann gilt schließlich als Klangveredler, verantwortlich für den letzten, den feinen Schliff. Für die erste Single "Working Star" greifen Anja Müller, Dennis Deter und Jochen Haker zum doppelten Boden und bringen mit Slogans wie "Deine Arbeit bist nicht du. Du bist nichts ohne sie" ihre Art von Systemkritik unters Tanzvolk. Der Rest wird dann am 13. November bei Tapete Records erscheinen.
Deadletter: Oder einfach tanzen
Auch nach der Sommerpause wird mit Post-Punk nicht geknausert - den Anfang macht die Londoner Band Deadletter, eine vierköpfige Herrenkapelle, die im vergangenen Jahr mit ihrer Single "Good Old Days" auf BBC6 debütierte und schon für Acts wie die Viagra Boys oder Squid die Bühne bereitmachte. Nun kommen sie also mit ihrem neuen Song "Fit For Work" um die Ecke, ein schmissiger Kracher irgendwo zwischen Gang Of Four und The Fall. Sänger Zac Woolley hat zur Idee des Stückes folgendes zu erzählen: "'Fit For Work' was a concept a long time before it was a song. As a
band, and as a writer, we [I] have always regarded the call and response
strategy as biblical. The idea of having a conversation during the
delivery of art leads to this absurd metaphysical tangent of
acknowledging your art is art whilst performing it; similar to when
artists use the line “I wrote this song for you because…” what they are
doing, when you think about it, is taking away the idea that what
they’re creating exists in itself, and is in fact an entity that exists
in a wholly real world." Wem das jetzt zu hochtrabend klingt, der darf auch einfach nur die Anlage laut aufdrehen und ein bisschen tanzen, die Jungs haben sicher nichts dagegen.
Montag, 7. September 2020
Viagra Boys: Neue Tour steht
Und noch ein Grund für ein kräftiges "Hallelujah!" heute - gerade haben die Viagra Boys aus Schweden ihre Tourdaten für das kommende Jahr aktualisiert. Eigentlich war die Konzertreise aus Anlass der Veröffentlichung ihres zweifellos phänomenalen Albums "Street Worms", gefolgt von der gleichermaßen grandiosen EP "Common Sense", für das Frühjahr 2020 vorgesehen, doch weil das doofe Virus dazwischen kam, waren sie eine der ersten Kapellen, denen die Auftrittsmöglichkeiten gestrichen wurden. So what dürfen wir heute sagen, sie kommen ja wieder:
19.05. Leipzig, Conne Island
21.05. Wien, Flex
23.05. München, Technikum
24.05. Berlin, Festsaal Kreuzberg
25.05. Hamburg, Uebel und Gefährlich
30.05. Köln, Kantine
19.05. Leipzig, Conne Island
21.05. Wien, Flex
23.05. München, Technikum
24.05. Berlin, Festsaal Kreuzberg
25.05. Hamburg, Uebel und Gefährlich
30.05. Köln, Kantine
Idles: Über den Kanal
31.05. Hamburg, Docks
01.06. München, Muffathalle
04.07. Berlin, Columbiahalle
05.07. Köln, E-Werk
Sonntag, 6. September 2020
Urlaub in Polen: Ungekannte Untiefen
Eigentlich sollte es diesen Post gar nicht geben, denn eigentlich war diese Band schon Geschichte. Eigentlich ist das aber auch egal, denn Urlaub in Polen haben gerade bei Tapete Records ihr sechstes Album "All" angekündigt und das ist nicht nur eigentlich, sondern wirklich eine gute Nachricht. Ganze neun Jahre nach "Boldstriker" haben sich Jan Philipp Janzen und Brenner also für eine weitere Platte zusammengetan (genaugenommen haben sie das schon vorher, denn solch ein Tonträger entsteht schließlich nicht über Nacht) - zehn neue Stücke werden sich darauf befinden und wie das Label mitteilte, messen diese die Untiefen zwischen Westküstenpop, rheinischem Techno und frühen Dire Straits aus. Was auch immer dabei rauskommen mag, es klingt verrückt genug, um es jetzt schon zu mögen. Die erste Single "Impulse Response" krautrockt jedenfalls schon mal kräftig und erinnert visuell dazu noch an die fabelhafte Luzie, den realsozialistischen Schrecken der Straße. Stammt aber tatsächlich aus noch früherer Zeit, genauer aus dem Jahr 1973 ("The Munchers: A Fable") und wurde von Christopher Marquez zusammengebaut. Apropos Straße - Livedates gibt es auch:
25.11. Köln, Bumann und Sohn
02.12. Dresden, Groove Station
03.12. Leipzig, Ilses Erika
04.12. Chemnitz, Atomino
05.12. München, Heppel und Ettlich
06.12. Nürnberg, Z-Bau
07.12. Freiburg, Café Atlantik
08.12. Frankfurt am Main, The Cave
09.12. Osnabrück, Bastard Club
10.12. Hamburg, Hafenklang
11.12. Hannover, Bei Chéz Heinz
12.12. Mühlheim, Makroscope
25.11. Köln, Bumann und Sohn
02.12. Dresden, Groove Station
03.12. Leipzig, Ilses Erika
04.12. Chemnitz, Atomino
05.12. München, Heppel und Ettlich
06.12. Nürnberg, Z-Bau
07.12. Freiburg, Café Atlantik
08.12. Frankfurt am Main, The Cave
09.12. Osnabrück, Bastard Club
10.12. Hamburg, Hafenklang
11.12. Hannover, Bei Chéz Heinz
12.12. Mühlheim, Makroscope
All diese Gewalt: Nicht im Reinen
Als Hörer empfindet man es ja stets als ungerecht und empörend, wenn die Schöpferinnen oder Schöpfer unserer Lieblingswerke Jahre später abfällig über diese reden, sie als unreif, verzichtbar oder misslungen bezeichnen, also das verunglimpfen, was uns Halt gegeben, durch schwere Zeiten gebracht und dem Leben einen Sinn gegeben hat. Und doch dürfen sie das, wollten wir es ihnen denn verbieten? Wie aber damit umgehen, wenn schon vor der Veröffentlichung zu lesen ist: "Ich finde das Album, so wie es jetzt geworden ist, furchtbar." Rumms. Wenn es nicht Max Rieger, Genius der Stuttgarter Punkband Die Nerven und hochgelobter Produzentenguru (Ilgen Nur, Drangsal, Jungstötter, Karies, Levin Goes Lightly) wäre, der da gesprochen hat, wir würden uns nicht weiter mit solch einem Satz beschäftigen. Doch Rieger nicht ernst zu nehmen, hieße seine bisherige zweifellos großartige Arbeit zu negieren, deshalb werden wir also das dritte Album, welcher er unter seinem Pseudonym all diese gewalt am 6. November bei Glitterhouse Records veröffentlicht, um so begieriger hören wollen, um herauszufinden, was ihn zu solchem Selbstzweifel trieb. Bei Rieger weiß man ja zum Glück nie so genau, was einen erwartet, auch die beiden vorangegangenen Alben "Kein Punkt wird mehr fixiert" (2014) und "Welt in Klammern" (2016) waren Wundertüten im besten Sinne. Der Titeltrack nun zu "ANDERE" kommt mit sphärischen, dramatischen Klängen, klaren und dennoch rätselhaften Worten und einem Video von Nicolas Ohnesorge und David Spaeth zusammen mit Schauspielerin Luzia Oppermann. Etwas hat Rieger im Übrigen noch ergänzt zu seinem obigen Statement: "Vielleicht finde ich es deshalb furchtbar, weil ich in diesem langen Entstehungsprozess nicht mit mir im Reinen war. Jetzt ist es schmerzlich, genau das zu hören." Macht die Sache nur noch spannender...
Plants And Animals: Gern mal verrückt [Update]
Einen ordentlichen Kracher wenigstens zum Wochenendbeginn haben wir noch - die australische Band Plants And Animals nämlich hat einen neuen Song namens "Sacrifice" fertig und auch wenn die drei Jungs aus Montreal ziemlich brav vom Pressefoto lächeln, das Stück hat es in sich. Nicolas Basque, Warren C. Spicer und Woody Matthew Woodley haben schon 2008 in der Szene ihrer Heimatstadt zusammengefunden, im gleichen Jahr erscheint auch ihr Debütalbum "Parc Avenue". Es folgten weitere Platten, zwischendrin gab es auch mal längere Auszeiten und nun soll noch in diesem Jahr ein neuer Longplayer ins Regal kommen. Über den aktuellen Song sagen sie folgendes: "Es ist ein Lied darüber, was Menschen für ein Gefühl der Akzeptanz und den schnellen Geschmack des Glücks zu tun bereit sind. Unser Ziel war es, zwei kontrastierende Abschnitte mit abrupten Übergängen gegenüberzusetzen. Da ist zunächst dieser rhythmische Part, hypnotisierend und intensiv und mit einer Gesangslinie, die verträumt und losgelöst durch ihn hindurch schwebt. Und dann, peng!, ziehen die Wolken auseinander, und es kommt ein Refrain, der überraschend leicht ist. Er symbolisiert die Klarheit der Rückschau ... Und gleich danach kippt das Ganze wieder zurück ins Verrückte."
Update: Und es geht so gut weiter wie begonnen - hier kommt mit "House On Fire" eine zweite Single und die Ankündigung, dass sich diese und der Vorgänger auf einem Album namens "The Jungle" wiederfinden, das am 23. Oktober bei Secret City Records erscheinen wird ... GErn ergänzen wir hier noch das Video zum neuen Song "Le Queens", gesungen auf französisch und inspiriert vom New Yorker Stadtteil Queens ... gefolgt von Auskopplung Nummer drei "Love That Boy".
Update: Und es geht so gut weiter wie begonnen - hier kommt mit "House On Fire" eine zweite Single und die Ankündigung, dass sich diese und der Vorgänger auf einem Album namens "The Jungle" wiederfinden, das am 23. Oktober bei Secret City Records erscheinen wird ... GErn ergänzen wir hier noch das Video zum neuen Song "Le Queens", gesungen auf französisch und inspiriert vom New Yorker Stadtteil Queens ... gefolgt von Auskopplung Nummer drei "Love That Boy".
Montag, 31. August 2020
I Like Trains: Zeichen der Zeit
I Like Trains
"Kompromat"
(Atlantic Curve)
Natürlich wird eine Band nach acht Jahren nicht einfach da weitermachen können, wo sie aufgehört hat. Zumindest nicht, wenn sie einem gewissen künstlerischen Anspruch folgt und da steht Weiterentwicklung bekanntlich an erster Stelle. Dass der Schritt dann aber ein so großer wird, war nicht unbedingt zu erwarten. Die Musik von I Like Trains aus Leeds war seit Gründung der Band 2004 eher auf der dunklen Seite zu Hause, David Martin gefiel sich auf den beiden bisherigen Alben in schwermütigem Raunen, sein Gesang war ein unheilvolles, zuweilen auch recht trauriges Lamento, der Sound dazu gothy, episch, dicht und größtenteils sehr, sehr langsam. Kein Wunder, dass das Quintett vor allem Fans von Interpol und den Editors in Verzückung versetzte – der Bedarf war da, sie lieferten. Nun, die Welt hat sich seither immer schneller gedreht und auch wenn Martin das, wie er sagt, explizit nicht vorhatte, so ist die neue, dritte Platte eine überraschend direkte, ja nahezu politische geworden.
Fast alle Songs sind gespickt mit mehr oder weniger deutlichen Anspielungen, düster weiterhin, aber ohne die bleierne Schwere, das Verinnerlichte, sondern mit mehr Frust und Wut über das, was seither mit Brexit und dem neuen amerikanischen Übel namens Trump über die Welt gekommen ist. Grundthema, Subtext, Konzept von „Kompromat“ ist der Umgang der westlichen Gesellschaft mit Daten und Informationen, es handelt davon, wie wir uns denen ausliefern, die diese Informationen sammeln und zuweilen auch mißbrauchen, wie sie uns lenken und manipulieren, wie wir uns bereitwillig lenken und manipulieren lassen. Zu Verschwörern taugen I Like Trains dennoch nicht, sie thematisieren ergebnisoffen, stellen Fragen und nehmen sich selbst von einer möglichen Schuldfrage nicht aus. „The Truth“ beispielsweise, so etwas wie das Herzstück der Platte, basiert auf einer Liste verschiedener Slogans, die Martin über längere Zeit aufschnappte, sammelte, stets bei sich trug und die er nun für das Stück scheinbar zusammenhanglos aneinanderreiht. Die Sinnsuche, die Assoziation sind des Zuhörers Sache.
Das alles baut sich hier zu einer bedrohlichen Kulisse auf, die etwas an die Bilder erinnert, mit denen auch Pink Floyd vor Jahrzehnten schon ihre Musik illustrierten. Der Albumtitel trägt seinen Teil zu diesem Eindruck bei, eine Art Wortverkürzung, welche zu Zeiten des Kalten Krieges auf russischer Seite kompromitierendes Material für etwaige Erpressungen bezeichnete – so jedenfalls liest man es. Der Sound ist im Übrigen nicht weniger überraschend, knorrige Riffs (herrlich bei „Patience Is A Virtue“), kraftvoller Gitarrenlärm und wuchtige Drums, verziert mit elektronischen Effekten, wechseln mit bezaubernden Melodien aus der Gründerzeit („Dig In“, „A Man Of Conviction“, „New Geography“), alles deutlich kompakter, drängender, zielgerichteter als zuvor. Einen ganz speziellen Dreh hält der Schlußsong „Eyes To The Left“ bereit, welchem die deutsch-britische Musikerin und Journalistin Annika Henderson ihre künstlich kühle Stimme leiht, um so dem Ausklang noch eine besondere, nicht weniger bedrohliche Note zu geben. Ein fulminante Rückkehr also, die so keinesfalls zu erwarten war.
"Kompromat"
(Atlantic Curve)
Natürlich wird eine Band nach acht Jahren nicht einfach da weitermachen können, wo sie aufgehört hat. Zumindest nicht, wenn sie einem gewissen künstlerischen Anspruch folgt und da steht Weiterentwicklung bekanntlich an erster Stelle. Dass der Schritt dann aber ein so großer wird, war nicht unbedingt zu erwarten. Die Musik von I Like Trains aus Leeds war seit Gründung der Band 2004 eher auf der dunklen Seite zu Hause, David Martin gefiel sich auf den beiden bisherigen Alben in schwermütigem Raunen, sein Gesang war ein unheilvolles, zuweilen auch recht trauriges Lamento, der Sound dazu gothy, episch, dicht und größtenteils sehr, sehr langsam. Kein Wunder, dass das Quintett vor allem Fans von Interpol und den Editors in Verzückung versetzte – der Bedarf war da, sie lieferten. Nun, die Welt hat sich seither immer schneller gedreht und auch wenn Martin das, wie er sagt, explizit nicht vorhatte, so ist die neue, dritte Platte eine überraschend direkte, ja nahezu politische geworden.
Fast alle Songs sind gespickt mit mehr oder weniger deutlichen Anspielungen, düster weiterhin, aber ohne die bleierne Schwere, das Verinnerlichte, sondern mit mehr Frust und Wut über das, was seither mit Brexit und dem neuen amerikanischen Übel namens Trump über die Welt gekommen ist. Grundthema, Subtext, Konzept von „Kompromat“ ist der Umgang der westlichen Gesellschaft mit Daten und Informationen, es handelt davon, wie wir uns denen ausliefern, die diese Informationen sammeln und zuweilen auch mißbrauchen, wie sie uns lenken und manipulieren, wie wir uns bereitwillig lenken und manipulieren lassen. Zu Verschwörern taugen I Like Trains dennoch nicht, sie thematisieren ergebnisoffen, stellen Fragen und nehmen sich selbst von einer möglichen Schuldfrage nicht aus. „The Truth“ beispielsweise, so etwas wie das Herzstück der Platte, basiert auf einer Liste verschiedener Slogans, die Martin über längere Zeit aufschnappte, sammelte, stets bei sich trug und die er nun für das Stück scheinbar zusammenhanglos aneinanderreiht. Die Sinnsuche, die Assoziation sind des Zuhörers Sache.
Das alles baut sich hier zu einer bedrohlichen Kulisse auf, die etwas an die Bilder erinnert, mit denen auch Pink Floyd vor Jahrzehnten schon ihre Musik illustrierten. Der Albumtitel trägt seinen Teil zu diesem Eindruck bei, eine Art Wortverkürzung, welche zu Zeiten des Kalten Krieges auf russischer Seite kompromitierendes Material für etwaige Erpressungen bezeichnete – so jedenfalls liest man es. Der Sound ist im Übrigen nicht weniger überraschend, knorrige Riffs (herrlich bei „Patience Is A Virtue“), kraftvoller Gitarrenlärm und wuchtige Drums, verziert mit elektronischen Effekten, wechseln mit bezaubernden Melodien aus der Gründerzeit („Dig In“, „A Man Of Conviction“, „New Geography“), alles deutlich kompakter, drängender, zielgerichteter als zuvor. Einen ganz speziellen Dreh hält der Schlußsong „Eyes To The Left“ bereit, welchem die deutsch-britische Musikerin und Journalistin Annika Henderson ihre künstlich kühle Stimme leiht, um so dem Ausklang noch eine besondere, nicht weniger bedrohliche Note zu geben. Ein fulminante Rückkehr also, die so keinesfalls zu erwarten war.
Freitag, 28. August 2020
Crucchi Gang: So oder so
Über das Tun und Treiben der Crucchi Gang gibt es ganz verschiedene Ansichten: Die einen sind maximal begeistert, weil hier endlich das italienische Lebensgefühl mit vermeintlich teutonischem Liedgut (okay, das ist jetzt einigermaßen übertrieben) vermählt wird, andere fanden's am Anfang toll, später nicht mehr so und einigen klingt's dann wieder arg bemüht. Wir meinen, dass es manchmal funktioniert und manchmal eben nicht. Zu den bekömmlichen Coverversionen zählen unseres Erachtens Von Wegen Lisbeths "Al Mio Locale (Meine Kneipe)" und das ganz neue "Tutto Grigio (Alles Grau)" von Isolation Berlin, weniger gelungen dagegen Steiner und Madlaina mit "La Dolce Vita (Das Schöne Leben)" oder "Carta Bianca (Weißes Papier)" von Element Of Crime. Woran es liegt, dass einem das eine passt und das nächste eher nicht, wissen wir nicht so genau, fest steht, dass die Hauptarbeit an Texten und Produktionen bei Francesco Wilking liegt, der sonst bei Die Höchste Eisenbahn Dienst tut. Nach der erfolgreichen EP "Patate in Wunderland" wird nun jedenfalls am 25. September das Debütalbum erscheinen und ein paar Überraschungen, so hört man, haben die Musiker Christoph Bernewitz (Gitarre), Alexander Binder (Bass, Madoline), Jan Burkamp (Drums) und Patrick Reising (Keyboards) noch in petto.
Montag, 24. August 2020
Westbam: Dreht bei ihm
Zur nächsten Urlaubsunterbrechung schieben wir schnell mal ein bisschen Diskomucke ein. Natürlich nicht irgendwelche, sondern quasi royale. Seit ein paar Wochen nämlich ist bekannt, dass olle Maximilian Lenz, filed under Westbam, eine neue Platte abliefern wird. "Famous Last Songs Vol.1" soll sie heißen und das nimmt keineswegs Bezug auf die bevorstehende Pensionierung des altgedienten DJs, sondern darauf, dass laut Selbstauskunft seine Songs bei Kollegen immer am Ende ihrer Sets gespielt wurden. Warum auch immer. Wie schon bei den vorangegangenen Alben "The Risky Sets" (2019) und "Götterstraße" (2013) hat sich der Mann wieder einige Unterstützung dazugeladen, wir hören also auch Marian Gold von Alphaville, Dieter Meier (Yello), die unvermeidliche Inga Humpe (2Raumwohnung) und Jon Marsh. Letzterer hatte mit seinem Projekt The Beloved in den 90ern den Überhit "Sweet Harmony" - hier spielt er mit Westbam den Track "Sky Is The Limit" ein. Auf das neue Gesamtwerk müssen wir dann aber leider noch etwas warten, Erscheinungsdatum soll der 22. Januar 2021 sein.
Cabaret Voltaire: Weiter im Alleingang
Und gleich noch ein etwas älteres Gewächs: Richard H. Kirk ist Freunden der elektronischen Unterhaltungsmusik ein geläufiger Name, schließlich hat er als Gründungsmitglied der britischen Formation Cabaret Voltaire maßgeblichen Einfluss auf Genres wie Industrial, Techno und Post-Punk genommen. Seit langer Zeit ist er unter gleichem Namen solo am Regler, nun hat der Mann aus Sheffield im Alleingang ein Album namens "Shadow Of Fear" aufgenommen, das am 20. November bei Mute Records erscheinen wird. Acht Stücke wird es enthalten und mit "Vasto" können wir hier schon mal eines davon präsentieren.
Dienstag, 18. August 2020
Liiek: Berlin by numbers
Der Dank für diese Entdeckung geht zur Hälfte an die taz aus Berlin und die Kollegen von Neolyd aus München. Die zwei nämlich haben sich mehr oder weniger ausführlich mit den Leuten von ADK (Allee der Kosmonauten) und dem Label Static Age Musik, beide aus der Hauptstadt, beschäftigt und zu Recht bemerkt, dass dort in Sachen Post-Punk eine erstaunliche Menge cooles Zeug zu holen ist. Bands wie AUS, Diät, Benzin, Heavy Metal oder Gilb werden erwähnt und eben auch Liiek, ein Trio, das gerade seine neue Single veröffentlicht hat. Aufgenommen wurde sie standesgemäß im legendären SO36 - die drei darauf enthaltenen Stücke "One Two", "Fog" und "Fitted And Lost" schreddern gar wunderbar aus den Boxen. Bei der Benennung des Tonträgers haben sich Sänger und Gitarrist Denes Bieberich, Bassist Oskar Militzer und Schlagzeugerin Anne Sophie Lohmann (auch bei AUS) wohl lange die Köpfe zermartert, letztlich sind sie dann bei "7"" gelandet. Was schlüssig erscheint, weil schon die erste Veröffentlichung aus dem April diesen Jahres "s/t" heißt. Von dieser stammt im Übrigen auch das nachfolgende Video zum Song "Crisis", eine Art Wellness-Trip für geplagte Punkmusiker*innen. Funfact: Liiek scheinen tatsächlich die einzige Band dieser Welt zu sein, die keinen Facebook-Account besitzt und das macht die drei nun wirklich ziemlich sympathisch.
Montag, 17. August 2020
The Clockworks: Der nächste Schritt
Und auch diese vier Herren aus dem irischen Küstenort Galway hatten wir schon im Programm - The Clockworks haben im Juni ihre vielversprechende Single "The Future Is Not What It Was" herausgebracht und weil das Ding sogleich in Ohr und Beine ging, ist jeder Nachschub höchst willkommen. Voilá, hier kommt "Can I Speak To A Manager?", im Video zur Single rennt Sänger James McGregor mit dem Mobiltelefon am Ohr durch seine überaus windige Heimatstadt und wir denken uns unseren Teil zu den Produktionskosten des Clips. Wichtig ist das nicht, denn die Band klingt weiterhin gut genug für den nächsten Karriereschub.
Annie: Weit mehr als Bits und Bytes [Update]
Die Sunday Spotlights widmen sich als Zug durch die Gemeinde sonst ja eher den Neuankömmlingen, den weniger Bekannten. Das ist heute etwas anders, denn die vergangene Woche hatte zum Thema Wiederkommen so viel Erfreuliches zu bieten, dass wir uns an dieser Stelle ausnahmsweise mal um die Arrivierten kümmern wollen. Den Anfang macht die wunderbare norwegische Künstlerin Anne Lilia Berge Strand, besser bekannt unter ihrem Kurznamen Annie. Die Songwriterin aus dem Küstenort Bergen, seit langer Zeit in Berlin zu Hause, ist mit ihrem Synthpop seit Ende der Neunziger weit über die Grenzen ihres Landes und selbst Europas bekannt geworden, ihre beiden Studioalben "Anniemal" und "Don't Stop" heimsten Preise und Lobeshymnen en masse ein. Nun hat sie nach ganzen elf Jahren die Veröffentlichung einer neuen Platte angekündigt, "Dark Hearts" soll sie heißen und am 16. Oktober erscheinen. Und schon die erste Single "American Cars" läßt einen sofort eintauchen in ihren Kosmos, in dem Maschinenmusik weit mehr ist als die sorgsam berechnete Aneinanderreihung von Bits und Bytes, hier sind Wärme und Gefühl keine Fremdworte, sondern Grundlage. Viel Grund zur Freude also auf den Herbst.
Update: Und da ist er dann, der Titeltrack des Albums "Dark Hearts", zusammen mit dem mittlerweile ebenfalls erschienenen "The Bomb".
Update: Und da ist er dann, der Titeltrack des Albums "Dark Hearts", zusammen mit dem mittlerweile ebenfalls erschienenen "The Bomb".
Sonntag, 16. August 2020
MAMMÚT: Naheliegend
Für jemanden, der die Band MAMMÚT zum ersten Mal hört und gefragt wird, an wen sie einen erinnert, gibt es eigentlich keine zwei Möglichkeiten - der zerbrechliche Gesang von Katrína Mogensen, die schiefen Gitarren, eigentlich die ganze Athmosphäre, man ist schnell bei den Sugarcubes, der einstigen Band von Björk. Und liegt damit nicht ganz so daneben, denn die fünf kommen tatsächlich aus Island, genauer Reykjavik und sind in wechselnden Besetzungen schon seit 2003, damals noch unter dem Namen ROK, zusammen. Vier Alben haben sie in dieser Zeit veröffentlicht, zuletzt "Kinder Versions" im Jahr 2017, nun ist die nächste Studioplatte angekündigt. "Ride The Fire" wird am 23. Oktober erscheinen und wir haben hier gleich ein ganzes Quartett an Stücken davon parat, angefangen mit "Forever On Your Mind" über "Fire" und "Sun And Me" bis hin zur aktuellen Auskopplung "Prince". Die Männerstimme in letzterer gehört im Übrigen Árni Hjörvar von The Vaccines, der das Stück auch produziert hat.
Abonnieren
Posts (Atom)






























