Mittwoch, 18. Mai 2011

Gefunden_93



Das Wochenende mit Beate von der SiPo, zwischen Geronto-Gang, Gegengerade und Kuchenblock - hübsch geschildert von Mike Glindmeier bei SPON.

Dienstag, 17. Mai 2011

Rememberance Day [the other]



Ian Curtis
* 15. Juli 1956 + 18. Mai 1980
http://en.wikipedia.org/wiki/Ian_Curtis

DFW_US: 898



Tip für jede Stadtverwaltung: "Der grasbewachsene und nicht sehr steile Abhang des Hügels verläuft im spitzen Winkel zur Arlington Street hinab, eine einzige breite Grünfläche ohne Hundekot, weil sich Hunde nicht auf abschüssigem Terrain erleichtern."

Gehört_274



Stars spielen Superpunk “Oh, dieser Sound!“ (Tapete)
Eine Platte, die man nicht groß erklären muß. Nicht den Sonderstatus, den Superpunk seit nunmehr 15 Jahren genießen und somit auch nicht den Grund, weshalb sich ein so erlauchtes Feld an Gratulanten eingefunden hat. Die einen mutmaßliche Vorbilder, andere dürften wiederum selbst die Hamburger und deren Repertoire verehren, zuletzt welche, die man hier nicht auf Anhieb mit einem Strauß Blumen erwartet hätte und die doch so wunderbar ins Teilnehmerfeld passen. Fettes Brot, Madsen und das Exblümchen eher wenig überrraschend, sehr schön dafür Nom de Guerres „Ford Escort“, das wirklich frostige Bierbeben „In eisigen Tiefen“ und die leichtgängigen Interpretationen von Station 17 und den Mobylettes. Thees Uhlmann versucht sich für „Ein bisschen Seele“ nicht ganz so ungeschickt wie befürchtet an einer Art von deutschem Shoegazing und Die Sterne tun sich naturgemäß etwas leichter mit Unerwartetem, ihre Version von „Ich weigere mich aufzugeben“ paßt deshalb prächtig ins neue Reggae-Kostüm. Dorau und Begemann, was sonst, über jede Kritik erhaben, unerreicht aber der grandiose Gastbeitrag aus Wien – was die Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune aus „Das Feuerwerk ist vorbei“ extrahiert, ist so komplett entspaßt, traurig und bitterböse, dass einem das kalte Grausen kurz die Jubiläumsfreuden vergellen will. Schaffen sie natürlich nicht, wird ja auch niemand wollen, der Gesamteindruck bleibt ein durchaus entspannter und abgesehen von der auffälligen Abwesenheit der Hamburger Szenegröße Jan Delay, der hier sicher gut ins Bild gepaßt hätte, gibt’s an dieser Platte so gar nichts auszusetzen.
http://www.superpunk.de/

Montag, 16. Mai 2011

Gehört_273



Planningtorock “W” (DFA)
Fast hätte man darauf wetten mögen, dass Janine Rostron, Videokünstlerin und Multiinstrumentalistin aus dem Norden Englands, mit ihrem gehypten Projekt Planningtorock natürlich nirgendwo anders heimisch werden konnte als in einem verrümpelten Hinterhof der Avantgarde-Metropole Berlin. „Dickes B“ also wieder mal als Mekka der Musikszene – hört bzw. sieht man sich die Arbeiten auf/zu Rostrons neuem Album „W“ an, ist man fast versucht, daran zu glauben.

Der Assoziationen gibt es viele, angefangen beim eigenwilligen Äußeren der Dame selbst in ihrem aktuellen Video „Doorway“: Der spextaugliche Fachbegriff für solche Spielereien nennt sich „Skullmorphing“, die plastisch verformten Gesichtspartien erinnern den Betrachter wahlweise an Camerons „Avatar“-Blaumännchen, stark überzeichnete Darstellungen des griechischen Schönheitsideals oder die teils grotesken Filmgestalten eines Matthew Barney. Musikalisch sucht man die Parallelen nicht zuletzt beim schwedischen Geschwisterpaar Karin Dreijer Anderson und Olof Dreijer, die zusammen mit Rostron schon im letzten Jahr den ehrenwerten, aber fast ungenießbaren Versuch unternahmen, die Darvinsche Evolotionstheorie in eine Art Bio-Oper zu packen. Doch auch wenn die stärkste Verwandschaft zu Andersons Alter Ego Fever Ray zu bestehen scheint, gibt es doch ein paar erwähnenswerte Unterschiede.

Im Gegensatz zur Schwedin setzt Rostron eher auf ein gleichwertiges Wechselspiel aus analogem, eher sinfonischem Instrumentarium, das sich – wenn auch digital eingespeist – hier den Synthieklängen als passende Ergänzung zugesellt. Mehr noch als Anderson nutzt die Wahlberlinerin ihre markante und wandlungsfähige Stimme als zusätzliches Stilmittel – fast jeder Song wird so auch in der Stimmlage variiert. Zuguterletzt entfernt sich Rostron auch deutlich öfter von den homogenen und hypnotisch anschmiegsamen Melodien, anders als Fever Ray scheut sie nicht die Ausflüge in weniger düstere Gefilde: Schon „Manifesto“, der vierte Song, wirkt mit seinen jazzigen Sequenzen etwas heller und beschwingter, der Electroclash von „I Am Your Man“ deutet auf eine Person ohne Geschlechtsspezifik hin und bezeugt, dass Peaches offenkundig zum auserwählten Freundeskreis gehört – „I don’t need a microphone to tell you what I’m realy feeling for you”, wunderbar.

Vieles, was textlich kryptisch und schwer deutbar bleibt wie das herrlich behäbige, fast erhabene „Breaks“ („Don’t be seduced, I tell you now my truth, I’m on fire ... we break too easily“) setzt dennoch die Ausrufezeichen auf „W“ – „Living It Out“ entpuppt sich als lässige Spielart von, ähem ... Italodisko, „Milky Blau“ zupft synthetisch den Marschrhythmus, wohingegen „Jam“ seinem Namen alle Ehre macht, atonal zuweilen, ein munteres Klappern und Jaulen, die Stimme am Ende als bloßer Laut. Mit „Janine“ gibt’s am Ende noch eine eigenwillige Version des Stücks von Arthur Russell, bevor Mdme. Rostron hernach Marc Almond umarmt und sich mit dem wavigen „9“ gekonnt vom Acker macht.
http://planningtorockoffical.tumblr.com/

Samstag, 14. Mai 2011

Ach, München



Nicht dass ich sie Dir wünschen würde, die Olympischen Winterspiele 2018, aber wenn Du mit Deiner Bewerbung einen Moment länger gewartet hättest, wäre mit ein bisschen Verhandlungsgeschick noch ein klasse Olympiasong mit passendem Video herausgesprungen. Die Visualisierung seiner wunderbaren Stückes "Riding For The Feeling" kann Bill Callahan nämlich nicht mehr als ungefähr drei Dollar vierachtzig gekostet haben. Und wenn es dann doch nix geworden wäre mit dem Rumgerodel und Skigebretter, und die Spiele gingen doch an die Koreaner (allg./nachträgl. Korr.), dann hättest Du wenigsten mächtig Geld gespart und noch dazu ein paar Coolness-Punkte gesammelt. Aber ach, Chance vertan, vorbei, vorbei.

Donnerstag, 12. Mai 2011

One piece of ... Gang Gang Dance_Eye Contact



Track #3 "Adult Goth" – Cocteau Twins als indische Importware, ohne Heiligenschein, aber mit Beats.

Gehört_272



Gavin Friday “Catholic” (Rubyworks)
Ein wenig erinnert einen das alles an ein ähnliches Spektakel aus dem Jahr 2009: In diesem Jahr veröffentlichten die Manic Street Preachers ihre Platte „Journal For Plague Lovers“, doch statt die mehr als durchschnittliche Qualität des präsentierten Materials zu kritisieren, zerriss sich die Musikpresse das Maul über das ach so schockierende Covermotiv der Malerin Jenny Saville. Das malträtierte Kindergesicht war großen Handelsketten in den USA immerhin fast den Boykott des Albums wert, schließlich einigte man sich auf einen hübschen Pappschuber, die Sache war geklärt, die Manics blieben im Gespräch in ihrer Lieblingsrolle als Salonprovokateure, die Musik als Nebenschauplatz interessierte kaum noch. Much ado about nothing – Meister Shakespeare ließ grüßen.

Fast scheint sich nun die Geschichte zu wiederholen, auch wenn die Gemengelage bei genauerer Betrachtung eine andere ist. Denn Gavin Friday, irischer Ex-Frontmann der Virgin Prunes, lässt sich für das Cover seines neuen Soloalbums von Fotokünstler Perry Ogden ikonografisch und detailgetreu als Kopie eines Ölschinkens in Szene setzen, auf dem das aufgebarte Idol des irischen Befreiungskampfes, Michael Collins, zu sehen ist. Natürlich inklusive Holzkreuz und grün-weiß-oranger Trikolore, die Kragenaufschläge werden flugs mit dem Plattentitel „catholic“ bestickt – fertig ist die Irritation.

Dass aber auf die visuelle Aufregung keine akustische folgt, ist die eigentliche Überraschung dieses Albums. Keine straßenkämpferischen Attitüden, keinerlei Politsong, nicht einmal der Anflug einer bonoesken Umarmungsgeste für sein zerrissenes Heimatland. Stattdessen über die komplette Länge fast verstörend intime und selbstreflektierende Songs, musikalisch angelehnt an die Alterswerke der Kollegen Bowie, Cale und Ferry. Der Großteil der Stücke gerät dabei ein wenig theatralisch – das klappt mal gut wie beim berührenden „A Song That Hurts“ oder der hintersinnigen Pianoballade „Blame“ („I love you and that says a lot“), kann aber auch kräftig nach hinten losgehen, wenn die Texte allzu sehr nach bräsiger, altmännerhafter Erbauungslyrik klingen wie in „It’s All Ahead Of You“ – Gemeinplatz rules: „The best is yet to come, it’s all ahead of you, if you want it, it’s all behind you, if you let it go, will you let me know, etc.“

Dass man ihm dies nach dem beschwingten Beginn mit „Able“ vielleicht übel nehmen könnte, muss Friday geahnt haben, für „Perfume“ wird’s deshalb noch mal etwas lebendiger im Trauerhaus, ein paar Drums, Gitarren dazu, schon wirkt er wieder frischer – der alte Mann ist also nicht nur hoffnungsloser Romantiker, er kann auch noch rocken. Für „Where’d Ya Go? Gone“ wird abermals draufgesattelt, lauter, aggressiver, ein letzter Totentanz, bevor es mit „Lord I’m Coming“ selbstredend und endgültig voller Pathos gen Himmel geht. Es wird sich wohl ein Plätzchen finden lassen da droben.
http://gavinfriday.com/

Mittwoch, 11. Mai 2011

Gehört_271



EMA „Past Life Martyred Saints“ (Rough Trade)
Künstler, die ihre Namen in komischen Kürzeln verarbeiten, sind auf dieser Website aus naheliegenden Gründen natürlich besonders willkommen, Erika M. Anderson hätte es aber auch unter ihrem Klarnamen mühelos zu einem Ehrenplatz geschafft. Nach diversen mehr oder weniger abseitigen Projekten wie den Gowns oder Amps For Christ schickt sie sich mit ihrem Solodebüt an, ein schaurig-schönes Gegenstück zum sommersonnigen und quietschbunten Formatsound der us-amerikanischen Charts zu setzen, wo einzig Lady Gaga ein halbwegs überraschendes, hier verrucht-luzides Image neben all den Hupfdolen wie Kesha, Rihanna und Kate Perry zu pflegen in der Lage ist.

(Wer im Übrigen ermessen will, zu welchen Verirrungen Befindlichkeitspop auch zu Zeiten von Barack Obama noch fähig ist, muß sich nur die aktuelle 9/11/Single der vermeintlich geschichtsbewußten Afroamerikanerin Beyonce Knowles zu Gemüte führen – was da unter dem Deckmantel der Vaterlandsliebe mit dem patriotischen Vershammer zusammengeschustert wurde, ist wohl nur für hartgesottene Rednecks oder Liebhaber von weißen Zipfelmasken ernsthaft zu ertragen: „And I gladly stand up, next to you and defend her still today, cause there ain’t no doubt I love this land, God bless the USA. And I’m proud to be an American, where at least I know I’m free ...“)

Die Ahnengalerie für EMA ist natürlich trotz des düsteren, sperrigen Sounds recht umfangreich, PJ Harvey und Karen O. sind so sicher mit von der Partie wie ihre Schwester im Geiste Karin Dreijer Andersson (The Knife/Fever Ray), naheliegend auch die Verwandschaften mit dem Electrogothic einer Zola Jesus oder dem torkelnden Knochenblues von Anna Calvi.

Schon der Beginn furios - sieben zähe Minuten lang schiebt sich ein graues Narrenschiff durch die Kulissen, anfangs noch zurückhaltend, zaudernd, später gedrängt und getrieben von tosender See. Tonnenschwere Synthesizergebirge folgen und Anderson fügt ihrer Stimme eine weitere Schattierung, die von Kim Gordon hinzu – „Fuck California, you made me boring, I’ve bled all my blood out …“. Der „Milkman“ knirscht und kreischt zum Gotterbarmen, die Stimme verfremdet, gehechselt als Dreingabe. „Marked“ dann als kleine Horrorshow – grollende Gitarrenläufe, dunkel dräuendes Wummern, eine Stimme wispert aus dem Höllenschlund: „I wish that every time he touched me he left a mark“.

Beschaulicher wird es nicht – auch „Butterfly Knife“ erzählt bildhaft Mörderisches zu hart angeschlagenen Saiten. Den Blues hebt sie sich für den Schluß auf, „Red Star“ kommt mit feinem Feedback, ohnehin nach eigener Aussage ihr liebstes Stilmittel, um die Ecke. Der Song beschließt eine Platte, die sicher an Polly Jean Harveys neuestem Opus gemessen wird, diesem Vergleich aber ohne weiteres standhalten kann – „Let America Shake“.
http://cameouttanowhere.com/

Montag, 9. Mai 2011

Gehört_270



Manchester Orchestra „Simple Math“ (Sony)
Im Nachgang zur aktuellen Platte der Fleet Foxes habe ich mich kürzlich gefragt, ob das eigentlich ein untrügliches Zeichen einsetzender Altersschwäche ist, wenn man solche Musik, na sagen wir mal, ganz passabel findet? Kann ja gar nicht sein, beruhigt man sich, denn die Menschen, die diese Klänge zu verantworten haben, sind ja selbst erst halb so alt wie man selbst und trotzdem findet man zueinander und mittels einer kleinen Plastikscheibe dann auch den gemeinsamen Nenner.

Mit den Fleet Foxes lassen sich die Jungs vom Manchester Orchestra ohnehin kaum vergleichen, sieht man mal von ein paar Äußerlichkeiten ab und vielleicht dem etwas befremdlich ruhigen Beginn ihrer neuen Platte „Simple Math“. In diesem Song „Deer“ versteckt sich eine sehr ungewöhnliche Ansprache an die Anhänger der Band („Dear everybody that has paid to see my band, it's still confusing, I'll never understand, I acted like an asshole so my albums would never burn, I'm hungry now and scraps are dirty dirt“). Überhaupt wollen einem so gar keine schnellen Vergleiche für diese Formation einfallen, deren Gründer und charismatischer Sänger Andy Hull 2005 nach eigener Auskunft eher bestrebt war, eine Art musizierenden Treffpunkt für seine Freunde ins Leben zu rufen – den Namen wählte er schlicht aus Verehrung für die nordenglische Stadt und ihre berühmten Söhne, die Smiths.

Doch auch mit deren Vermächtnis hat „Simple Math“ nichts zu tun, eher klingen die fünf wie eine angenehm beherzt aufspielende Variante von R.E.M., in den leisen wie auch in den lauten Momenten, manchmal erinnern sie auch etwas an die schwedischen The Soundtrack Of Our Lives. Knackiger Rock der Kategorien Alternative, Americana, Folk, manchmal mit feinen Bläserchören versetzt, immer kräftig, immer schwungvoll. Für „Pensacola“ darf’s auch schon mal ein kurzer und zackiger Mitgrölreim sein („Alcohol, dirty malls, Pensacola, Florida bars“), im satten „April Fool“ zetert Hull energisch: „I am the once now and irreplaceable son, I’ve got that rock and that roll, I’ve come around this time to set fire to your homes and let you go!“ Jedes von den zehn Stücken klingt nach durchdachter, ehrlicher Arbeit am Text und am Instrument, das leidenschaftliche „Pale Black Eye“ ebenso wie das wuchtige „Virgin“ (mit Math-Metall-Riffs, sic!) und das streicherbewährte, ruhige Titelstück.

Unverzeihlich, dass mir die beiden Vorgängerwerke entgangen sind, ist diese Platte doch der Beweis, dass es sehr wohl möglich ist, ein gutes und trotzdem ziemlich unspektakuläres Rockalbum aufzunehmen, ohne gleich platt, mittelmäßig oder übermäßig theatralisch klingen zu müssen. Wer also handwerklich soliden und geerdeten Indierock zu schätzen weiß, der läßt die überkandidelten und angestrengt politisierenden Manic Street Preachers tunlichst im Regal zurück und greift besser zum Manchester Orchestra. Das hier bleibt länger, versprochen.
www.themanchesterorchestra.com

1:8 [Nachtrag]



Dass der rote Uli mittlerweile am Kiez besser wegkommt als daheim, ist ja kein Geheimnis mehr, das Foto noch nachgereicht als versöhnliche Geste zum ansonsten ziemlich traurigen Nachmittag.
Forza St. PaUli.

Sonntag, 8. Mai 2011

Na denn Prost!



Die wahre Tragik dieser ansich recht kleinen und unscheinbaren Meldung, die heute via Kress-Report an die Abonnenten verteilt wurde, kann wirklich nur ein Mitarbeiter der Krombacher Brauerei KG ermessen. Mit den Worten "Es wird Zeit für mich zu gehen" kündigte Trainerlegende und Knallcharge Udo Lattek seinen Abschied als festgetackerte Sesselfüllung bei der DSF-Sendung Doppelpass an, einer Art spaßig abgefilmter Verweilanstalt für vergessene Fußballinvaliden und solcher, die es partu dahin schaffen wollten. Lattek gehörte wie sein quietschfideler Plaudergenosse Jörg "Wonti" Wontorra neben Palmen und extravagantem Sitzmobilar quasi zur Standarddeko des Formats und stemmte in über 750 Folgen geschätzte 50 Prozent des gesponsorten Pilsaufkommens - kein Wunder also, dass die Aussichten des Braukonzerns nach dieser Hiobsbotschaft in Wirtschaftskreisen mehr als kritisch betrachtet werden. Lattek, Urvater der hochroten Debatierbirne und als solcher natürlich um Längen vor Jupp "Osram" Heynckes gelistet, meinte, zuletzt "habe er manchmal morgens vor dem Spiegel gestanden und sich gefragt, ob er sie noch alle auf dem Baum habe" (kress). Das verwundert nun wirklich niemanden mehr, eher drängt sich die Frage auf, welchem seiner beiden Spiegelbilder er diese Frage stellte ... Über vereinzelte Auftritte werde auch in Zukunft nachgedacht, als Nachfolger ist angeblich der bekennende Intellektuelle und Feuilletonist Paul Breitner im Gespräch - ob das allerdings den Absturz der Firma Kormbacher noch aufhalten kann, darf doch stark bezweifelt werden.

Samstag, 7. Mai 2011

Damals hinterm Mond ... [Update]



Die Lösung - man kann sie weiter unten farblich hervorgehoben anschauen - kam natürlich, das hätte auch niemand anders erwartet, zuerst aus dem Osten: Alexander, Glückwunsch nach Jena, satte 58 von dann doch 62 möglichen Nennungen, Respekt!

1:8 [Willkommen zu Hause]



Das mag jetzt mancher ungerecht, neunmalklug oder schlichtweg unpassend empfinden, aber mit dem heutigen Spieltag ist der Herzensklub wieder dort angekommen, wohin er er nach Meinung vieler auch gehört - in der zweiten Liga. Ein kurzes Jahr nur hat das erneute Experiment gedauert, ein Jahr voller anfänglichem Überschwang und unglaublichem Stolz, der schnell in trotzigen Selbstbehauptungswillen und selbstironischen Hoffnungsglauben umschlug, je näher es dem Ende ging. Am Ende fehlte es fast an allem: Konstanz, Spielvermögen und Kaderstärke, nie jedoch an Herz und Leidenschaft - leider schießen die noch immer keine Tore. Zudem hat diese Saison auch gezeigt, dass der Klub in vielerlei Hinsicht doch nicht so anders ist als der Rest der Liga*. Sei's drum - kein Blick zurück im Zorn, sondern lieber ein wehmütiges "Servus!" mit Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl-Petz aka Freddy Quinn: "Viele Jahre schwere Frohn, harte Arbeit, karger Lohn, tagaus, tagein, kein Glück, kein Heim, alles liegt so weit, so weit - so schön, schön war die Zeit ..." Ach ja, fast vergessen: "Nie mehr, nie mehr, dritte Liga, nie mehr!"

* Nach den Bildern aus Frankfurt kann man das glücklicherweise etwas relativieren: Solchen Schwachsinn nicht mit unseren Fans, soweit sicher.

Freitag, 6. Mai 2011

Gehört_269



Whomadewho „Knee Deep“ (Kompakt)
Was kann da noch kommen, wenn man – wie zu lesen war – für das vorangegangene Album „The Plot“ 2009 mit dem Hinweis geadelt wurde, die Musik bringe momentan „die Hippness auf den Punkt“?

Nur wenige Bands, die ähnlich beleumundet waren, ließen sich von solchem Lob nicht irritieren und schufen auch weiterhin unbeeindruckt Bleibendes.Whomadewho, dem dänischen Trio, um das es hier sich hier dreht, mochte selbiges nicht gelingen, „Knee Deep“ ist – leider, möchte man sagen – ein recht mittelmäßiges Dancealbum geworden. Der Vergleich mit Kollegen wie Hot Chip, Zoot Woman oder Groove Armada, den sie noch vor wenigen Jahren nicht fürchten mussten, fällt nach dieser Platte eher ernüchternd aus: Zusammengeschraubt haben die Jungs um Jeppe Kjellberg das Ganze einmal mehr in der Dunkelkammer – die Grundstimmung der Tracks ist eher von schattiger Natur. Auf klassische Instrumente wurde weitestgehend verzichtet, sieht man einmal von einem mutmaßlichen Fagott im ersten Stück und vereinzelten Gitarrenzupfern ab. Von den acht Songs bleiben herzlich wenige im Gedächtnis haften, „Every Minute Alone“ erinnert ein wenig an die australischen Presets, für „Musketeer“ haben sich Whomadewho wohl an Duran Duran und Yello angelehnt. Das flotte „Nothing Has Changed“ bratzt zuweilen wie DAF in den wilderen Jahren – Texte fungieren hier und beim Rest eher als Textur, bekannte Allgemeinplätze: „Nothing has changed, people are strange, first comes love, than comes the pain“.

Die verbleibenden Minuten verlieren sich in mehr oder weniger interessanten Synthieloops und flächigem Geblubber. Sicher keine schlechte Platte, dennoch bleibt sie in diesem Jahr eine unter vielen – einen Trend werden Whomadewho damit jedenfalls kaum setzen können.
http://www.whomadewho.dk/

Donnerstag, 5. Mai 2011

Icons [smaller] reflected



Es gibt nicht wenige, die würden ganz gern mal in Sidneys berühmtem Opernhaus stehen, einfach nur um die sagenhafte Architektur von Jorn Utzon still genießen und bewundern zu können. Steven Pavlovic, Chef des Modular-Labels, bietet dem interessierten Publikum nun eine ungleich reizvollere Variante: Vom 27. Mai bis zum 6. Juni findet an bewußtem Ort das Vivid Live Festival 2011 statt, mit durchaus okayem LineUp statt. Robert Smith, als Stilikone und Leidensmann seit mehreren Jahrzehnten im Dienst am Szenevolk, sah sich offenbar durch einen vorangegangenen Post befeuert und herausgefordert, bei dieser Gelegenheit besonderes zu bieten und gleich drei seiner besten Cure-Alben, allesamt zu Recht verehrt, am Stück auf dem Festival aufzuführen, als da wären "Three Imaginary Boys", "Faith" und "Seventeen Seconds" - Respekt. Tickets? Vielleicht hier.

Jetzt also ...



... André Schubert. Im Nachhinein muss man sagen, dass sich der Start in Liga 2 mit einem unverbrauchten Gesicht statt mit einem der üblichen Verdächtigen (Koller, Wollitz, Scholl - alle "oll", wie man unschwer erkennen kann), schon eher als Neuanfang verkaufen lässt, von Neururer wollen wir jetzt mal tunlichst schweigen. Außerdem habe ich Schubert beim Saisonabschluß 2010 (eher unterbewußt) schon erleben können, denn da hat Paderborn bekanntlich am Millerntor gewonnen - Frage: Ist das jetzt ein gutes Omen? Dass der Mann neben Sport auch Germanistik studiert hat, kann mal getrost als Pluspunkt notiert werden, die Frisur stimmt ohnehin. Good luck!

Low budget lasting impression



Keine Ahnung, ob so nun "die Zukunft des Hip-Hop" klingt, wie die Süddeutsche, das anerkannte Fachblatt für schwarze Subkultur, so überaus selbstsicher behauptet - einen Blick auf das "Yonkers"-Video von Tyler The Creator kann man aber schon riskieren, selbst wenn man mit dem Sound sonst nichts am Hut hat. Ästhetik rules.

Dienstag, 3. Mai 2011

Icons hooked



Die Band, der Song – für die folgenden Clips muß man zweifellos Nehmerqualitäten besitzen, natürlich nur, wenn man, wie der Blogger selbst, Joy Division für eine der besten Bands des Universums hält und in dieser Beziehung auch unheilbar spaßfrei veranlagt ist. Dass deren (ehemaliger) Bassist Peter Hook im Zuge des allgemeinen Trends zur Komplettpräsentation legendärer Alben (Sonic Youth „Daydream Nation“, Pixies „Doolittle“, Dinosaur jr. „Bug“, etc.) seit einiger Zeit mit „Unknown Pleasures“, aus bekannten Gründen aber ohne Ian Curtis, ungestraft durch’s englische Königreich ziehen darf, ist eine Sache.

Dass aber Hook nun zusammen mit seinem neuen Projekt The Light neben den bekannten Stücken „New Dawn Fades“ und „Insight“ auf der EP 1102/2011 auch einen bisher unbekannten und unveröffentlichten Joy-Division-Track mit Namen „Pictures In My Mind“, gesanglich offenkundig talentfrei, durch die Gegend grölen darf, kann man schon als eine Art anmaßender Leichenschändung betrachten. Nicht genug damit, für Stück Nummer vier wird dann die heimliche Hymne „Atmosphere“ mit weiblichen Vocals (Rowetta/Happy Mondays) auf soulig-wohliges Kuschelformat gestutzt, dem Mann scheint offenbar nichts heilig.

In der Reihe durchaus gelungener Coverversionen – Ausriss: Hot Chip „Transmission“, LCD Soundsystem „No Love Lost“, Swans „Love Will Tear Us Apart“, fast alle: hier – nehmen sich diese Songs wie plumpe Fremdkörper aus und irgendwie beginnt man zu verstehen, warum Bernard Sumner selbst eine New-Order-Reunion für nahezu unmöglich hält.

Montag, 2. Mai 2011

Liebe Spex ...



... in der aktuellen Juni-Ausgabe schreibst Du im Editorial: „Und wenn sich dieses Heft trotz dieser schwer gewichtigen Themen leicht und frisch blättert, könnte das am Layout liegen: Unser neuer, bereits im letzten Heft vorgestellter Art-Director Andreas Wesle hat für einen umfassenden visuellen Relaunch gesorgt, mit mehr Luft, mehr Spiel, mehr Perspektiven. Wir sind hingerissen und gespannt auf das Echo unserer Leserschaft.“

Kannst Du haben: Ich habe ja eine ganze Zeit gebraucht, um mich an Deinen neuen Erscheinungsrhythmus, Folge des Redaktionsumzugs nach Berlin, zu gewöhnen und gebe gern zu, dass ich vorschnell den Daumen gesenkt hatte – im Gegensatz zur mittlerweile schwer erträglichen deutschen Ausgabe des Rolling Stone ist Deine liebenswürdig verkopfte Schreibe noch immer gut und gern zu lesen und auch die Auswahl der Themen – mehr noch als früher sammelst Du sie mit erfrischender Vorliebe jenseits der breitgetretenen Medienpfade – möchte man gerne loben.

Allein das neue Layout, von dem Du – welch rätselhafte Verblendung – so „hingerissen“ scheinst, ist eine Zumutung für das Auge des Betrachters. Kurz – auf jeder Seite eine vogelwilde Anhäufung verschiedenster Schriftarten, -schnitte und -größen, mit dem Gestaltungselement „Linie“ steht der Mann, der sich bei Dir Art Director nennt, auf Kriegsfuß und straft sie mit genereller Nichtachtung und –verwendung. Nichts hält zusammen und alles fällt auseinander, das Heft ein optischer Hühnerhaufen. Nun war die alte Spex nicht gerade als das Flaggschiff des deutschen Magazindesigns bekannt, als komplette Verweigerung in Sachen Lesbarkeit allerdings auch noch nicht. Das könnte sich nun ändern.

Zum Inhalt – Protestsongs und Bob Dylan, huihuihui – mag ich noch nichts sagen, wenn aber form der function followed, dann schwant mir nichts Gutes.