Mittwoch, 12. Dezember 2018

Lambchop: Nie frei von Ironie

Dass der Mann im kommenden Jahr wieder einmal die Bühnenbretter inspizieren würde, die er im besten Falle vor vielen Jahren selbst verlegt hat, war schon seit einigen Tagen klar. Und nun wissen wir auch, warum: Kurt Wagner, seines Zeichens hoch verehrter Kreativkopf der Band Lambchop aus Nashville, hat gerade via Merge Records die Veröffentlichung eines neuen Albums für den März 2019 verkündet. "This (Is What I Wanted To Tell You)" ist, glaubt man dem Label, die vierzehnte Platte des Künstlerkollektivs, weil die Zahl dreizehn aus Gründen des Aberglaubens wie bei Hotelaufzügen ausgespart wurde. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit dem Bruder des Labeleigners, Matt MacCaughan lieferte demnach die Synthesizer-Spuren, an welchen sich dann Lambchop und Wagner abarbeiten durften. Das Ergebnis wird, wie auch schon das phänomenale Vorwerk "FLOTUS", mit Sicherheit so überraschend wie spannend sein, die erste Single "The December-ish You", läßt uns schon mal vorschwelgen. Sein lakonischer Kommentar zum Song: "Picture yourself on a boat on a river, with tangerine trees and marmelade skies ... This is not that." Den Bezug zwischen Coverfoto und Albumtitel darf man sich übrigens selbst denken - mit einem leichten Schmunzeln.

17.04.  Leipzig, Felsenkeller
18.04.  München, Muffathalle
19.04.  Wien, WUK
20.04.  Darmstadt, Centralstation
24.04.  Bern, Dachstock
25.04.  Zürich, Rote Fabrik
26.04.  Berlin, Funkhaus
27.04.  Köln, Gloria
29.04.  Hamburg, Elbphilharmonie

Interpol: Gelungene Gastarbeiten

Kurz vor Jahresschluß ist es noch einmal Zeit, nach den New Yorkern von Interpol zu schauen. Mit "Marauder" haben Paul Banks, Daniel Kessler und Sam Fogarino in diesem Jahr bekanntlich ein überraschend gutes, wenn auch nicht überragendes Album abgeliefert, dazu gab's eine Reihe marketingtechnisch recht ausgefuchster Aktionen und nun touren sie wieder ausgiebig und haben auch für's kommende Jahr einige Festivalplätze gebucht. Interessant ist es um die drei zuletzt immer dann geworden, wenn sie ihre Songs in die Hände anderer gegeben haben - die Remixe lohnten dann im Vergleich zu den doch manchmal etwas braven Originalen die eine oder andere Extraumdrehung. Das gilt nun auch für die aktuelle Scheibe: Drei solche Reworks gab es ja bislang zu verzeichnen, neben dem DJDS-Remix von "The Rover" und "Party's Over" in der Lao-Version wurde auch noch "If You Really Love Nothing" von Petr Aleksander neu gedacht, heute nun ist eine Neubearbeitung von Mexico Institute Of Sound der Single "Complications" dazugekommen. Fazit: Kann sich hören lassen.







Boy Harsher: Ehrenrettung

Ist der Synthpop klassischer Prägung in diesem Jahr zu kurz gekommen? Möglicherweise, tot ist er deshalb noch lange nicht. Das beweist das Duo Boy Harsher aus Northhampton. Augustus Muller und Jae Matthews haben gerade via Brooklyn Vegan die zweite Single ihres für Februar angekündigten Albums "Careful" samt verstörendem Video vorgelegt - "Fate" ist ebenso wie die Erstauskopplung "Face The Fire" eine  düstere Angelegenheit und erinnert ein wenig an die ersten Töne von She Wants Revenge. Das eigentliche und offizielle Debüt der zwei ist übrigens 2016 mit "Yr Body Is Nothing" erschienen (und noch bei Bandcamp zu hören), für's Frühjahr sind Reisetermine der Band auch für Deutschland geplant.

21.02.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
04.03.  Heidelberg, Karlstorbahnhof
05.03.  Berlin, Berghain, Panorama Bar
06.03.  Leipzig, UT Connewitz
07.03.  Augsburg, Neue KAntine
08.03.  Köln, Artheater



Dienstag, 11. Dezember 2018

Shame: Mit Auszeichnung

Shame
Support: Sorry
Strom, München, 10. Dezember 2018

Auch wenn es die politische Weltlage momentan nicht unbedingt vermuten lässt – es gibt mit Sicherheit ein paar Dinge, die wir von den Briten da drüben lernen können. Okay, vielleicht nicht gerade, wie man erfolgreich den Komplettausstieg aus einem Staatenverbund moderiert oder trotz knapper Kassen die Sozialsysteme am Laufen hält, das eher nicht. Aber es ist kein Geheimnis, dass uns die Bewohner des heruntergewirtschafteten Königreichs in Sachen Lässigkeit, Coolness und Humor einiges voraus haben – und das trotz (oder eben weil) sie von ihrer eigenen Regierung, wie auch immer die gerade zusammengewürfelt ist, ein jedes Mal schmählich im Stich gelassen werden. Nehmen wir zum Beispiel die Londoner Kapelle Shame. Würde eine deutsche Band versuchen, ein Video im Stile von „One Rizla“ zu drehen (also einen gut gelaunten Landausflug mit Hindernissen), so sähe das entweder kitschig, albern, verkopft oder einfach nur doof aus. Doch weil Sänger Charlie Steen und Kumpanen ziemlich egal ist, wie was aussieht, wirkt oder interpretiert werden könnte, geben sie so die beste Bebilderung für ihren Leck-mich-Hit ab: „My nails ain't manicured, my voice ain't the best you've heard and you can choose to hate my words, but do I give a fuck. Socks are old and shoes are broke, lungs are tired 'cause they're filled with smoke, wallet's empty I'm going broke – but i'm still breathing.“



Es überrascht nicht wirklich, dass die vier diese wunderbare Attitüde problemlos und eins zu eins auf die Bühne bringen können. Vom Start weg ist die Band bei vollen einhundert Prozent und wird von diesem Level für die folgende Stunde keinen einzigen Skalenstrich abweichen. Das Set ist kurz und furios, es umfasst die Songs des Debütalbums „Songs Of Praise“ und mit „Human, For A Minute“, „Cowboy Supreme“ und „Exhaler“ drei bislang unbekannte. Wollte man die Performance der Band irgendwie vergleichen, fällt einem ein Konzert von Zugezogen Maskulin aus dem Januar dieses Jahres an gleicher Stelle ein – auch die beiden Jungs hatten das Publikum im Handumdrehen hinter sich und mithin in der Moshpit, es wurde schnell wild und für alle im Parkett phasenweise auch ein bisschen ungemütlich. In solchen Fällen ist es immer schön zu sehen, wenn die Band auf der Bühne den gleich Spaß hat wie die tobende Menge zu ihren Füßen und sich nicht schont.

Von halber Kraft jedenfalls war nichts zu sehen, Charlie Steen landete schon nach wenigen Minuten auf den ausgestreckten Armen des Publikums und tat auch sonst alles dafür, die Zuhörer in Bewegung und die Laune beim Besten zu halten. Wenn der Junge in manchen Momenten ein paar wehmütige Erinnerungen an die frühen Blur im Allgemeinen und Damon Albarn im Speziellen weckt, so hat man bei Bassist Josh Finerty öfters das Gefühl, er sei mit seinem Moptop direkt den Dreharbeiten von „Quadrophenia“ entstiegen. Seine Luftsprünge sind mehr als wagemutig und als er kurz vor Schluß aus dem Stand sogar zu einem Salto samt Instrument ansetzte, mußte man zwangsweise selbst die Luft anhalten. Ganz geklappt hat es nicht damit und Finerty hat wohl ein paar blaue Flecke mehr – allein, sein schmerzverzerrtes, aber glückliches Grinsen ließ keine wirkliche Reue erkennen. Man konnte übrigens während des Konzertes am Bühnenrand ab und an einen Besucher mit seiner Krücke winken sehen, die Behauptung, Shame brächten mit ihrem kantigen Mischung aus Britpop und Post-Punk Lahme zum Gehen, wäre dennoch übertrieben. Fest steht aber, daß es nicht viele gibt, die derart gut austeilen und einstecken können. Eventuelle Blessuren trägt man in solchem Falle wie eine Art Auszeichnung.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Oberpollinger 2018: Die MPMBL Short Cuts



20
Frankie Cosmos
"Apathy"




19
Kat Frankie
"Bad Behaviour"




18
David Byrne
"Everybody's Coming To My House"




17
Sleaford Mods
"Stick In A Five And Go"




16
Danger Dan
"Sand in die Augen"




15
Glowie
"Body"




14
The Smashing Pumpkins
"Silvery Sometimes (Ghosts)"




13
Dicht und Ergreifend
"Ned Dahoam"




12
MØ feat. Foster The People
"Blur"




11
K.I.Z.
"Hurra die Welt geht unter"




10
Eminem
"Lucky You feat. Joyner Lucas"




9
Sigrid
"Sucker Punch"




8
Slaves
"Chokehold"




7
Haiyti
"Berghain"




6
The Vaccines
"I Can't Quit"




5
MGMT
"Little Dark Age"




4
Childish Gambino
"This Is America"




3
Isolation Berlin
"Kicks"




2
Christine And The Queens
"5 Dollars"




1
Tocotronic
"Electric Guitar"


The Faded North: Leiwand auf britisch

Preisfrage: Britisch oder wienerisch - wonach sieht das Bild da oben aus? Antwort: Wahrscheinlich beides. Denn Matt Rhodes, Jim Jones und Matt Pottinger stammen tatsächlich von der Insel, haben sich aber Wien als Heimatstadt ausgesucht. Hört man auch nicht alle Tage. Macht aber Sinn, denn wer Wien kennt, der weiß, wie wunderbar es sich dort leben lässt und auch das Musizieren macht dort Spaß. Dafür spricht jedenfalls die wachsende Anzahl hoffnungsvoller Nachwuchsbands und namhafter Stars, die mittlerweile in der österreichischen Metropole leben. Und dazu gehören eben auch The Faded North, die Formation also, hinter der sich diese drei Herren verbergen. Ihre zweite EP "What Did I Miss?" ist gerade mit vier neuen Songs erschienen - Dreampop allererster Güte, zur aktuellen Single "Security" gibt es jetzt auch ein hübsches Super-8-Video.



Fanclub: Einfaches Rezept

Kurzer Schwenk vor Jahresschluß nach Austin, Texas: Von dort stammt das Trio Fanclub. So einfach wie der Name scheint auch das Rezept von Mike Lee, Leslie Crunkilton und Daniel Schmidt zu funktionieren - poppiger Gitarrensound mit ein paar feinen Ohrwurm-Hooks, Synthesizer zur Unterstützung und natürlicher einer weicher, gefälliger Leadgesang. Anfang nächsten Jahres wird ihre Debüt-EP "All The Same" auf dem Berliner Label Friendly Reminder erscheinen, wir haben hier schon mal drei Stücke zum Vorspielen dabei, neben "Reflection" und "Leaves" auch die aktuelle Single "Stranger".

Samstag, 8. Dezember 2018

Freunde der Italienischen Oper: Überlebt

Selbst der größte Ignorant wird bestätigen müssen, dass die Musikszene der ostdeutschen Vorwendezeit eine unglaublich vielfältige gewesen ist. Irgendein findiger Kaderfunktionär (?) hatte die Gesamtheit besagter Kreativität damals unter dem Stichwort "Die anderen Bands" für das staatseigene Tonträgerkombinat AMIGA zusammengefaßt, immerhin konnten so Bands wie Feeling B, Hard Pop, Sandow und WK13 auf ihre erste Vinylpressung verweisen. Nicht dabei leider Tausend Tonnen Obst, Wartburgs für Walter, Hans am Felsen, von bekannteren Szenegrößen wie Die Art, Die Skeptiker, Kaltfront, DEKAdance und AG Geige (uvm.) ganz zu schweigen. Ebenfalls unterschlagen: Die Freunde der Italienischen Oper. Deren Wiederkunft hat nun heute Peter Richter in einem Einspalter der Süddeutschen Zeitung erwähnt, dankenswerterweise gleich mit komplettem Werdegang samt Rummelsnuff-Intermezzo. Grund zur Freude also, die Platte "Via Dolorosa" erscheint bei Standard63 und seit kurzem gibt es mit "Teddybear" sogar ein aktuelles Video davon zu sehen - samt Kreuzigungsszene (Teddy Goes To Golgotha) und Friedhof der Kuscheltiere. Weiterführende Literatur dazu natürlich noch immer Richters Roman "89/90".

Margot: Durchaus ernstzunehmen

Wenn es um den Preis für erstklassige Singles in diesem Jahr geht, sollte das Londoner Quintett Margot in jedem Falle mit ganz vor gelistet sein. Schließlich haben die fünf Freunde mit dem für Ostdeutsche sehr einprägsamen Namen (haha, Dauerwitz) um eine Reihe erinnerungswürdiger Songs verdient gemacht, Stücke wie "Imagined Man", "Tired" und "Twenty Six"  seien stellvertretend erwähnt. Nun kommen offenbar drei weitere hinzu, die sich mit einem durchaus ernstzunehmenden Thema befassen - Stichwort: Mental Health. "Coffee Stained Scars" zum Beispiel handelt von Lebenskrisen und Ängsten älteren Menschen und deren Auswirkungen auf Familien und Freunde, so jedenfalls erzählt Sänger Alex Hannaway in einem Text zum Lied.

Giant Rooks: Erste Anzeichen

Ganz ehrlich, man hatte sich ja insgeheim schon gefragt, ob die Jungs von Giant Rooks auf ewig mit ihrer EP "New Estate" würden touren wollen. Denn egal ob als Headliner oder Vorband, das Set war begrenzt oder unbenannt und die Frage nach einem ersten Album wurde immer dringlicher. Was sicher auch daran liegt, dass Frederik Rabe und seine Band eine Genre auf ziemlich unpeinliche Weise wiederbeleben, das mit Coldplay etwas in Verruf geraten war - das des melodischen Gitarrenpops. Nun also könnte die Platte doch bald kommen, denn die neu veröffentliche Single "Wild Stare" gibt durchaus einen passablen Titelsong ab und eine gleichnamige Konzertreise gibt es natürlich auch schon.

22.04.  Stuttgart, Im Wizemann
23.04.  Köln, Live Music Hall
24.04.  Münster, Scaters Pallace
25.04.  Dornbirn, Dynamo Festival
26.04.  Zürich, Exil
29.04.  München, Muffathalle
12.05.  Bremen, Modernes
13.05.  Hannover, Capitol
14.05.  Leipzig, Täubchenthal
15.05.  Wien, WUK
17.05.  Hamburg, Große Freiheit
18.05.  Frankfurt, Batschkapp
19.05.  Berlin, Huxleys Neue Welt

Donnerstag, 6. Dezember 2018

HEALTH: Zurück auf Anfang

Schon ein wenig überraschend: Da kommen uns die Noiserocker von HEALTH in den letzten Wochen mit einer Reihe ziemlich ungewöhnlicher Kollaborationen und nun kündigen sie das Folgealbum zu "Death Magic" an, auf welchem keines der zuvor veröffentlichten Stücke zu finden sein wird. Nicht, dass einen das nicht freuen würde, denn schließlich bedeutet das ja nochmals zwölf niegelnagelneue Tracks. Einer davon ist übrigens der Titelsong - die komplette Ladung erscheint dann unter dem Namen "Vol. 4: Slaves Of Fear" am 8. Februar bei Loma Vista.

Familienalbum # 31: Sleeper

Das beweist die Geschichte: Man muß nur lange genug warten, es kommt alles wieder. Das gilt übrigens nicht nur für unangenehme Sachen wie Karottenjeans, Lederkrawatten und Strickwesten, sondern auch für Gutes. Wie zum Beispiel die britische Band Sleeper. Die war in den Neunzigern, als Britpop in Versalien und mit Ausrufezeichen geschrieben wurde, richtig dick im Geschäft, dann wurde es still und stiller und 1998 war dann ganz Schluss. Nun haben Louise Wener und Kollegen einen Neuanfang angekündigt, am 22. März soll ihr Album "The Modern Age" erscheinen und die erste Single "Look At You Now" klingt schon mal ziemlich vielversprechend und überhaupt nicht wie von früher. Und weil das Coverfoto der Platte so toll ist, haben wir uns gleich noch auf die Suche nach ähnlich sprunghaften Bildern für das neue Familienalbum umgesehen und sind fündig geworden - wie immer von rechts nach links und oben nach unten.

Sleeper “The Modern Age”, Sherwood  “QU”, Island “Feels Like Air”, A$AP FERG feat. Future “New Level”, New Order “NOMC15”, Daniel Ceasar “Paradise”, Bloody Knees “Maybe It’s Easy”, Matt Pond PA “Still Summer”, The Temper Trap “Falling Together, “The Gunshy “Undefeated”

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Bilderbuch: Smooth Operators

Bilderbuch
„mea culpa“
(Maschin Records)

Und natürlich findet sich auch hier so etwas wie der eine Hit, die sichere Bank, den/die man komischerweise immer braucht, um das große Ganze zu mögen. Nur lassen sich die Jungs diesmal erstaunlich viel Zeit damit. Überhaupt ist so einiges anders auf der Nummer fünf von Bilderbuch. Wenn für die vorangegangenen Alben alle üblichen Marktmechanismen durchdekliniert wurden (hieß langsames Anfüttern mit Club- und Hallentour, Vorabsingles, digital, physical, das komplette Programm), gleicht das vorliegende einer regelrechten Sturzgeburt. Erlaubt ist, was gefällt und ganz so neu ist diese Schiene ja auch nicht, schließlich schicken reichlich Stars mittlerweile ihre Mixtapes auf diesem Wege in die Runde, weil der Tonträger nicht mehr das zählt, was er früher mal wert war. Marketingtechnisch jedenfalls. Dass der Ruch des Schnellschusses, sei er berechtigt oder nicht, die Position des Künstlers in irgendeiner Weise schwächt, darf bezweifelt werden – time is running und wir alle mit. Letztendlich: Entscheidend ist auf der Platte und die ist gut oder eben nicht. Diese hier läßt sich zunächst einmal sehr viel Zeit. Die Beats kommen smooth und cheezy, nur keine Hektik, nur nicht überdrehen, Bilderbuch gehen es langsam an.



Die aufgekratzte Stimmung, die ganze gespreitzte Exaltiertheit, die letztens noch den Ton angegeben hatten, der schicke Schock also ist einer maximalen Entspanntheit gewichen, erst im dritten Track, erst in der „Lounge 2.0“ kommt langsam Schwung in die Bude, wippt es los. Die Tür einen Spalt weit auf, etwas Soul, etwas Funk, mehr darf vorerst nicht rein. Dazu relaxte Klickbeats, supersoft, gelooptes Gebell, es bleibt ganz geschmeidig. Danach erneutes Abdimmen, erst bei „Megaplex“ wird’s richtig fett, gehen die Strahler an, gehen die Regler hoch – Hollywood! Als besagter Hit erweist sich dann „Checkpoint (Nie Game Over)“, ein schöner Schunkler, die Gitarren jangeln fein, der Plüschclub gibt sein Bestes, wir fühlen uns wohl. Bilderbuch, das wird mit diesem Album klar, haben die Mitte gefunden, die sie mal mit „OM“ persifliert haben. Irgendwo bei Urvater Prince pendelt sich der Sound ein, das ist gut, das gefällt, das ändert sich aber auch nicht und überrascht kaum mehr. Zumindest nicht auf diesem Album – ein zweites soll ja recht bald kommen und erst dann wird sich zeigen, ob die No-Stress-Idee noch länger zieht oder ob wir nicht doch eine Blume weiter müssen. http://www.bilderbuch-musik.at/

06.04.  Würzburg, Posthalle
07.04.  Stuttgart, Beethovensaal
08.04.  Offenbach, Capitol
09.04.  Oberhausen, Turbinenhalle
11.04.  Leipzig, Haus Auensee
12.04.  Hannover, Capitol
13.04.  Köln, Palladium
14.04.  Kassel, Stadthalle
16.04.  München, Zenith
17.04.  Hamburg, Mehr! Theater
18.04.  Berlin, Columbiahalle
24.04.  Innsbruck, Dogana
25.04.  Basel, Volkshaus
26.04.  Zürich, X-Tra

Dienstag, 4. Dezember 2018

Death Cab For Cutie: Us and them

Wem die Musik von Death Cab For Cutie im Allgemeinen und die des letzten Albums "Thank You For Today" im Speziellen zu lieblich, vielleicht sogar zu langweilig war, der darf jetzt kurz aufmerken. Denn Ben Gibbard hat sich für einen Remix der Single "Summer Years" keinen Geringeren als Jimmy Tamborello alias Dntel als Partner gesucht. Und der war nun mal in einem früheren Leben sein kongenialer Partner und Teilhaber beim fast schon legendären Projekt The Postal Service. Deren einziges Album "Give Up" genießt ohne Zweifel Kultstatus, nun machen die beiden also für gute vier Minuten gemeinsame Sache und es klackt und knistert und ploppt ganz so, als wären sie nie weg gewesen. Schwärmen ausdrücklich erlaubt.

My Brightest Diamond: Ausnahmeerscheinung

My Brightest Diamond
„A Million And One“
(Rhyme And Reason Records)

Es gab Zeiten, da hatte man sich damit abgefunden, dass manche Rätsel der Menschheit für alle Zeiten ungelöst bleiben würden. Die populärsten unter ihnen waren das Verschwinden einzelner Socken in der Waschmaschine, die Sache mit den heruntergefallenen Marmeladentoastscheiben und auch der Umstand, dass man immer an der Kassenschlange zu stehen kommt, die garantiert am längsten braucht. Nun gut, Kleinigkeiten, wenigstens wissen wir seit dem französischen Film „Das brandneue Testament“, daß hinter all dem möglicherweise ein frustrierter und soziopathischer Kotzbrocken von Himmelherrgott steckt – ein kleiner Trost. Warum allerdings eine Künstlerin wie Shara Nova alias My Brightest Diamond nach einer Hand voll grandioser Alben (es sei nur an das brillante „This Is My Hand“ aus dem Jahr 2014 erinnert) neben Stars wie Björk, Florence And The Machine, Goldfrapp und Robyn ein undankbares Schattendasein fristen muss, will sich einem nicht erschließen. Denn aus der Schnittmenge dieser gleichwohl ehrenwerten Musikerinnen speist sich das Werk der New Yorkerin. Wem die Isländerin zu abgedreht, die eine Londonerin zu sehr over the top, die andere zu hibbelig und die Schwedin zu poppig ist, für den müsste doch ... Müsste, wie gesagt. Fraglich allerdings, ob Nova sich tatsächlich von solchen Gedanken umtreiben lässt. Ihre Fangemeinde sollte eine kleine, feine, aber auch sehr treue sein, geht man nach der Qualität, mit welcher sie in größeren Abständen versorgt wird.



Denn auch die aktuelle Platte ist wieder eine erstaunlich vielschichtige und noch dazu äußerst tanzbare geworden. Dass es mehr und mehr in Richtung Elektronik geht, hatte sich auf dem besagten Vorgänger schon angedeutet, hier nun stehen gleich mehrere Tracks mit dunkel pulsierenden Beats und dronig-brazzigen Synths auf dem Programm: Los geht’s mit dem programmatischen „It’s Me On The Dancefloor“, bei dem sich schon mal die ersten funkigen Gitarren und Loops blicken lassen, „Champagne“ stampft dann ungleich härter und richtig dicke wird’s spätestens mit „You Wanna See My Teeth“ – die Antwort darauf ist durchaus ernst zu nehmen „I’m gonna show ya!“ Dass Nova darüberhinaus auch über eine beeindruckende Stimmkraft verfügt, beweist sie kurz darauf in der trippigen Ballade „A Million Pearls“. Jedes Stück ist auf seine Weise fesselnd – die vertrackten Drums von „Sway“, der Stomp des Schlußtracks „White Noise“. Und ebenso das anrührende „Mother“, wohl die Art von Selbstfindung, die sie eingangs schon für den Tanzboden ankündigt („It’s me I’m looking for…“). Hier mit den Zeilen: „I came from my mother, then forgot my mother, so I'll go back to mother and I'll learn to love her”. Selten genug, dass man musikalisch wie thematisch in so kurzer Zeit so unterschiedliche Ansätze und Ideen findet, insofern bleibt My Brightest Diamond das, was sie schon vorher war: eine Ausnahmeerscheinung. https://www.mybrightestdiamond.com/

Montag, 3. Dezember 2018

Haze: Kein Ende

Kommt ihr mit dem Zählen noch mit? Jeden Tag erscheinen neue Bands auf der Bildfläche und es sind beileibe nicht alle so schlecht, wie es die Masse vermuten ließe. Besonders England scheint in den letzten Monaten und Jahren ein unversiegbarer Quell zu sein - London sowieso, dazu Leeds, Brighton, Manchester - und Bristol. Gerade erst hat das Netzportal Clash das Quartett Haze zur nächsten Band to Watch gekürt. Will, Ollie, Conor und Dan, vier sehr junge Burschen, die mit dem Video zu ihrer aktuellen Single "St. John" nicht nur der Zeitungsbranche die Ehre erweisen, sondern eben auch ganz ansprechend lässig punkrocken können. Die beiden anderen Songs "Ladz Ladz Ladz" und "Scratches" sind ein wenig älter, aber auch nicht ohne.



Sonntag, 2. Dezember 2018

Die Kerzen: Romance, Alter!

Zu ihrem Heimatort sollte man hier in Bayern und München natürlich eine besondere Beziehung haben, im Land und der Stadt des maximal barocken und ziemlich abgedrehten Märchenprinzen also. Ludwigslust, hey, das muß erst mal einer drauf kommen! Aber klar, hier geht es eher um die weniger bizarre Herrscherdynastie von Mecklenburg-Vorpommern und insbesondere um Herzog Christian II. Ludwig, am Rande jedenfalls. Denn hauptsächlich wollen wir von dort beheimateten Dreamboys und -girls berichten, einer Band namens Die Kerzen. Wer die Musik von Fizzy Blitz, Die Katze, Jelly del Monaco und Super Luci hört, fühlt sich sofort in die Zeit der romantischen 80er versetzt, Netzhemden, John-Wayne-Kragen, Schulterpolster und Grüne Wiese, dazu passend der Sound von ABC, A Flock Of Seagulls und den fabelhaften Thompson Twins. Schon verdrängt? Egal. Das ist fühlt sich gut an, ist geschmeidig und, nehmen wir speziell das Video zur aktuellen Single "True Love", irre witzig. Gerade ist bei Staatsakt ihre EP "Erotik International" erschienen und weil's so schön ist, ergänzen wir noch um die ebenso hübschen Lieder "Teleskop" und "Karamba".





SKOLES: Der bessere Weg

Say yes zu gutgemachtem Pop! Das gilt natürlich für Girls wie Boys gleichermaßen. Also auch für diesen jungen Mann hier - Jack Edwards aus London. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Billy Adamson macht er seit 2017 unter dem Moniker SKOLES Musik. Edwards stammt ursprünglich aus einer Kleinstadt in Südengland, hat früh mit dem Musikmachen angefangen, lebte und jobbte eine Zeitlang in Los Angeles und versuchte sich in einer Band namens Wild Wild Horses. Für jemanden, der sowohl Kanye West, Tame Impala als auch The Weeknd zu seinen Vorbildern zählt, gab das aber offenbar nicht ausreichende Befriedigung und so geht es nun in der neuen Konstellation auf zum nächsten Versuch. Das Video zur ersten Single "Am I Going Crazy?" ist seit ein paar Monaten draußen, nun kommt die zweite Single "Berlin" hinterher.



Samstag, 1. Dezember 2018

MØ feat. Foster The People: Noch mal spannend

Kurz vor Toresschluß noch einmal etwas Gerangel an der Spitze für den Song des Jahres. Grund: Die dänische Songwriterin  hat gemeinsam mit der kalifornischen Band Foster The People ihren Song "Blur" als Remix eingespielt und auch gleich ein Video dazu gepostet. Das Ergebnis: Bester Pop, kein Entrinnen. Wollten wir nur erwähnt haben - wer mehr davon braucht, sollte sich mit dem Album "Forever Neverland" versorgen, das im Oktober bei Columbia erschienen ist.

Men I Trust: Gutes Ende, guter Anfang

Zwei neue Stücke hatten die kanadischen Men I Trust in diesem Jahr schon eingespielt, "Show Me How" aus dem Frühjahr folgte im Spätsommer ein countryeskes "Seven" mit echtem Gitarrensolo, nun wissen wir, wo die Sache hinführen sollte. Denn für den Februar 2019 haben die Musiker aus Montreal ihr nächstes Album "Oncle Jazz" angekündigt und dieser Nachricht dann auch gleich den dritten Song beigefügt. "Say, You Can Hear" klingt so unverschämt lässig, daß man sich auf die kommende Platte wirklich nur freuen kann, passenderweise gastieren Men I Trust, wenn es wieder wärmer wird, auch in deutschen Clubs.

20.05.  Köln, YUCA
21.05.  Hamburg, Molotow
24.05.  Berlin, Lido
28.05.  Zürich, Papiersaal