Mittwoch, 13. Dezember 2017

Fufanu: Zum Fest

Sie wollen es als Geschenk für die bevorstehenden Feiertage verstanden wissen: Fufanu, isländische Post-Punk-Kapelle, die in diesem Jahr mit dem Album "Sports" und einigen sehr feinen Songs/Videos für Aufsehen gesorgt hat, schickt für alle Fans des Longplayers einen Nachzügler hinterher - "Top Of The Queens" nennt sich der Track, den wir hier vor Ort streamen, dazu gibt's auch noch die seit längerer Zeit erhältliche Remix-12" mit Arbeiten von Lafontaine, Atom Max und Bonaparte.



NEWMEN: Nachgezeichnet

Wenn Tags und FFOs mehr Platz einnehmen als der eigentliche Text zur Band, ist normalerweise höchste Vorsicht geboten, bei den NEWMEN aus Frankfurt kann man sich aber getrost entspannen. Denn egal ob Neo, Dance, Chill, Dream, High, Trip oder Fresh - man kann den Sound der fünf Herren ganz einfach unter dem Stichwort Pop ablegen und hat nichts falsch gemacht. Die aktuelle Single heißt zwar "Debbie Harry", einen direkten Bezug zur Blondie-Inkone sucht man allerdings in den Lyrics vergeblich. Dennoch ist der Bezug offenkundig, schließlich gibt es zum Stück einen hübsch animierten Comic-Clip, der sich sehr eng an den Zeichentrick-Kult von "Rock And Rule" von Clive A. Smith aus dem Jahr 1983 anlehnt und zu dessen Soundtrack neben Harry auch Lou Reed, Iggy Pop, Cheap Trick und Earth Wind And Wire beitrugen. 2018 soll dann neues Material kommen, ebenfalls produziert von Elias Förster wie die beiden älteren Stücke "Humanin" und "Electric Eel".

27.12.  Frankfurt, Zoom



The Spook School: Gegen die Regel

Auch nach einem knappen Jahrzehnt Blogbetrieb lautet die eiserne Regel: Keine Weihnachtsplatten! Und wozu sind Regeln da? Eben. Deshalb kommt also hiermit die rühmliche Ausnahme in Form eines Songs der Band The Spook School - "Someone To Spend Christmas With" klingt aber auch wirklich herzerwärmend schön und die beiden anderen Stücke bzw. Videos "Less Then Perfect" und "Still Alive" sind ebenfalls unbedingt erwähnenswert. Letztere beiden stammen im Übrigen vom neuen Album der Band aus Edinburgh, das unter dem Titel "Could it Be Different?" am 26. Januar bei Alcopop! erscheint.





Dienstag, 12. Dezember 2017

MGMT: Ganz trendy [Update]

Gothy ist das neue - ja, was eigentlich? Jedenfalls kommt der Stil der 80er jetzt ziemlich trendy daher, vor längerer Zeit gab es mit The Hidden Cameras und ihrer Platte "Age" eine Art Queer Goth, vor einigen Wochen das grandiose Album "Goths" von The Mountain Goats und nun melden sich MGMT aus New York wieder und kündigen ihr fünftes Album mit dem vielversprechenden Titel "Little Dark Age" samt passender Typo und - viel wichtiger - hübsch kostümiertem Videoclip des Titelsongs an.

Update: Nicht mehr ganz so gothy, aber trotzdem ein feiner Song - die neue Single "When You Die" samt Video.



Lake Jons: Draußen vom Walde

Geschmeidigen Pop aus Finnland haben selbst wir nicht allzu oft am Start - heute gibt's eine Ausnahme: Lake Jons sind ein Trio aus Helsinki und werden am 19. Januar via Anti Fragile Music ihr selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlichen. Daß dieses in einer Hütte tief im Wald aufgenommen sein soll, möchte man bei diesem ausgefuchsten Sound kaum glauben - aktuell präsentieren wir hier die neue Single "Call Me" und dazu die Vorgänger "Breathe Out The Fumes" und "Colors", letzteres mit Video.


Montag, 11. Dezember 2017

Björk: Näher als gedacht [Update]

Björk
„Utopia“
(Embassy Of Music)

Nein, beide Thesen sind nicht als verbrieftes Grundrecht zu haben. Weder ist festgelegt, daß eingängige, tanzbare Musik, die kein langes Überlegen und Abwägen braucht und sofort in Bauch und Beine geht, per se von minderem Wert ist – wohl wissend, daß gerade dem Leichten manchmal besonders harte Arbeit vorangeht. Ebensowenig steht nirgendwo geschrieben, daß Popmusik keine Arbeit machen darf, daß sie also ängstlich jeder Hirnzelle aus dem Weg gehen und möglichst wenig Widerstand bieten muß. Nein, Anspruch, Anregung, Reibungspunkte, Irritation, je selbst Provokation sind erlaubt, wenn nicht sogar gewünscht, denn wo blieben unsere trägen Geister, wenn sie sich keiner Herausforderung zu stellen hätten? Jetzt darf man darüber diskutieren – und damit je nach Sichtweise zum Objekt der Begierde oder des Verrisses – ob sich die Musik von Björk überhaupt noch in handelsüblichen Kategorien fassen läßt oder ob sie sich nicht vielmehr einen eigenen Kosmos, kunstvoll strukturiert und mit unzähligen Metaebenen versehen, erschaffen hat, der sich jeder herkömmlichen Bewertung entzieht.



Dafür spricht die Figur der Musikerin selbst, die sich mal um mal weiter vom profan Menschlichen zu entfernen scheint, dafür in schwebender Künstlichkeit auf den vorhandenen Kanälen nur noch sendet, um die Verbindung zu uns hier unten nicht gänzlich abreißen zu lassen. Dafür spricht natürlich auch die komplexe, kaum zu durchschauende Architektur ihrer neueren Werke, die sie zusammen mit auserwählten Klangzauberern erschafft, längst nicht mehr gemacht für die Tanzflächen, Auto- und Küchenradios dieser Welt, sondern nur in der Abgeschiedenheit hochgezüchteter HighEnd-Geräte und unter rauschfreien plus sündteuren Präzisionskopfhörern sinnvoll zu genießen (und jede/r muß selbst entscheiden, welche Wegstrecke er/sie bereit ist, dabei mitzugehen). Selbstverständlich kann wer will das Ganze schnell als hochgezüchtete, selbstreferenzielle Kopfgeburt einer durchgeknallten Schwanenprinzessin abtun (was ja oft und genüßlich genug geschieht), vergibt sich mit dieser Vereinfachung aber die Chance, Erstaunliches zu entdecken.



Denn auch wenn sich Björk sehr spezieller, manchmal vielleicht gewöhnungsbedürftiger Mittel bedient, nähert sie sich doch auch und gerade in ihren aktuellen Songs sehr weltlichen Dingen: Schöpfungsbewahrung (so called Umweltschutz), Liebesbedürfnis, Verlustängste, Generations-, ja sogar Trennungsprobleme kommen mehr oder weniger verschlüsselt zur Sprache und es ist tatsächlich eine zwar zuweilen mühevolle, aber durchaus gewinnbringende Erfahrung, ihr dabei zuzuhören. Beispiel „Sue Me“: Eine derart konfrontative, direkte Abrechnung mit Matthew Barney, dem Ex-Mann und Vater ihres zweiten Kindes, ließ sich selbst auf dem Scheidungsalbum „Vulnicura“ nicht finden, die Art und Weise, wie sie sein Verhalten in die genetische Kausalkette männlicher Verfehlungen stellt, zeugt von viel Sorge, Schmerz und nachhaltiger Trauer. Weiter – „Tabula Rasa“: Fast eine flehentliche Bitte an nachfolgende Generationen, nicht die Fehler der Alten zu wiederholen, sondern Neues zu wagen, mögliches Scheitern und Wiederaufstehen inbegriffen.

Noch krasser das fast zehnminütige „Body Memory“. Unterteilt in mehrere Kapitel, lädt die Künstlerin zum Kurzfilm für’s Kopfkino, führt durch persönliche Kämpfe, Gefühlswirren, gute wie ungute Erfahrungen – in dem Maß, wie Körper und Geist hinzulernen, bekommt auch der Sound einen weniger angespannten, mit vorsichtigen Beats unterlegten Flow. Überhaupt: Das Klanguniversum, das Björk entwirft, ist wieder von überwältigender Vielfalt, dystopisch anmutender, droniger Maschinenlärm („Losss“) wechselt mit urzeitlichen Dschungelfantasien, Flöten en masse, Harfen sowieso. Kein Wunder, daß die Isländerin, wie sie in „Blissing Me“ singt, in Arca die perfekte Ergänzung für ihre Berufung weiß („two music nerds obsessing“) und an anderer Stelle die heilende Kraft der Musik beschwört („Saint“). Man sollte es sich mit dieser Frau, so fremd und absonderlich sie uns auch manchmal scheinen mag, nicht gar zu einfach machen, seit Jahren arbeitet sie an einem Gesamtwerk von beispielloser Inspiration und Komplexität. Sie hat sich unsere Mühe wahrlich verdient. Der Lohn dafür ist kein geringer. https://bjork.com/

Sonntag, 10. Dezember 2017

Monumental Men: Gestaltenwandler

Elektronische Klänge, die einen sofort in ihren Bann ziehen - dafür sind die Schweizer Monumental Men wahre Spezialisten. Das Produzentenduo um BIRU und Melvyn Buss, hier ergänzt um die Stimme von Roman Bühlmann, hat gerade mit "Enemy" wieder eines dieser bezaubernden Kurzwerke vorgelegt, das umgehend das Kopfkino ans laufen bringt - ähnliches ist ihnen schon mit älteren Stücken wie "Navigate", "Pressure" und "The Heights Of Greatness" gelungen, allesamt technoide Gestaltenwandler mit Suchtpotential. Im Frühjahr 2018 soll die nächste EP der beiden folgen, man darf gespannt sein.

Freitag, 8. Dezember 2017

Haiyti: Woman mit Wumme [Update]

Okay, über das Video und speziell über die Synchro müssen wir noch mal reden, der Song aber ist ziemlich geil: Ronja Zschoche aka. Hayiti aus Hamburch wird am 12. Januar mit "Montenegro Zero" das Nachfolgealbum zum Debüt "Havarie" herausbringen, dafür gibt es via Youtube die erste Single "Mafioso" mit Video von Henning Brix und eine Tourankündigung für das Frühjahr 2018. Noch Fragen?

23.02.  Frankfurt, Zoom
24.02.  Münster, Skaters Palace
25.02.  Hannover, Faust
02.03.  Köln, CBE
03.03.  Zürich, Exil
04.03.  Stuttgart, Im Wizemann
09.03.  München, Hansa
10.03.  Wien, Grelle Forelle
11.03.   Leipzig, Täubchenthal
16.03.  Berlin, So36
18.03.  Hamburg, Mojo

Update: Und hier auch schon der nächste Track vom neuen Album - "Gold" mit einem Clip von Ben Paetzold.



Robotikus: Disco in der U-Bahn

Bitte vervollständige diese Gleichung: Australien + München = ... ? Gut, das ist jetzt ziemlich platt, aber da muss dann eigentlich das Wort "Oktoberfest" stehen. Ist natürlich ein Quatsch, weil über's restliche Jahr wahrscheinlich weitaus mehr Besucher aus Down Under aus völlig anderen Gründen in die Stadt kommen als zur Wiesn, aber was wären wir ohne die gängigen  Klischees?! Warum wir darauf gerade zu herumreiten? Nun, weil im Moment eine australische Band namens Robotikus ihre neue Single "Continental Lovers", ein ziemlich entspannter Discoheuler, veröffentlicht hat und zwar mit einem Covermotiv, bei dem der Münchner ob des Wiedererkennungseffektes begeistert jauchzen darf. U-Bahntunnel in Knallorange, Marienplatz, also Linien 3 und 6 (die fahren zur Arena des beliebten FC Bayern und eben auch, sorry, zur ebenso beliebten Theresienwiese). Und wer jetzt noch seine Sozialisation im Osten Deutschlands erfahren hat, dem fällt dazu gleich noch der (zugegeben ziemlich gruselige) Hit der Band Rockhaus ein - "Disco in der U-Bahn". Fertig.

Moderate Rebels: The Human League

Moderate Rebels
„Sound Of Security“

(Everyday Life Recordings)

So, noch einmal volle Konzentration, denn leider geht die gegen Jahresende immer etwas flöten, was so wunderbaren Alben wie diesem nicht gerade in die Karten spielt. Der Londoner Formation Moderate Rebels scheint es allerdings gar nicht so unrecht zu sein, wenn sie weiter im Ungefähren, wenig Konkreten arbeiten kann. Die vier Bandmitglieder, nach Selbstauskunft quasi der harte Kern eines ansonsten ziemlichen offenen Systems, zelebrieren die Unpersönlichkeit nicht aus fehlendem Anstand, sondern weil sie genau diese Kunstform zum Manifest erhoben haben: “The point was to remove ourselves, our beliefs and our intentions as much as possible; to just let it happen. It’s never been about us, we want to make music that aims at being more important than that.” Keine Klarnamen, keine Vorlieben, Hobbys, Referenzen, nichts was ablenken könnte von der Musik selbst, denn genau die steht im Mittelpunkt, sie soll sich, so die etwas eigenartig anmutende Vorstellung der Band, im Idealfall sogar selbst schreiben: “We tried to create conditions where the songs could write themselves with minimum resistance; an automatic writing situation … using as few words and chords as possible.”

Was sich schon in der Erklärung spannend bis abenteuerlich ausnimmt, klingt auch auf ihrem Debüt “Sound Of Security” mehr als nur interessant. Der Sound oszilliert zwischen dem Psychrock von Velvet Underground und den endlos geloopten Krautrock-Orgien ihrer Stadtnachbarn von Stereolab. Kühler, gedoppelter Gesang, machmal ins Chorale schwappend, die Gitarren zuweilen harsch aufgedreht, der Beat mal vorsichtig, mal fordernd. Oft reicht ihnen eine einzige Textzeile, um einen Song zu füllen, “We've come to wreck your house and ruin your life, God sent us” heißt sie beispielsweise zu Beginn des Albums, untermalt von schlingernden, monotonen Akkorden – das Assoziationstheater hat geöffnet und der Eintritt ist frei. Konsequenterweise sind viele der dreizehn Stücke instrumental angelegt, was sich dazwischen an klassischen Songs findet, ist vom allerfeinsten.

So auch die Vorabsingle “When The Cost Has No Value”, ein Stück, das für ihre Verhältnisse sogar eine ziemlich klare, politische Botschaft trägt, dafür aber mit zur Schau getragener Teilnahmslosigkeit ziemlich lässig daherschlendert, die Irritation gelingt perfekt. An anderer Stelle schwingt sich die Musik hinter dem bewußtseinserweiternden Mantra vom Sehen, Fühlen und Glauben in ungewohnt melodische Höhen (“I’m Feeling The Deep State”), diese Art von Lebenshilfe setzt sich dann später im ebenso gelungenen “Waiting For The Water To Clear” auf fast meditative Weise fort. Man hat bei den vier Rebellen trotzdem nicht das Gefühl, daß sie solche kreativen Richtungswechsel mit konsequenter Verweigerung kombinieren, nur um sich interessant zu machen – schließlich tragen sie keine Pandamasken oder spielen ihre Konzerte hinter beleuchteten Bettlaken. Gerade die Verletzlichkeit des Menschen steht ja, unabhängig von der Person selbst, bei ihnen im Zentrum: “Our music seems to be all about turning weaknesses into strengths. We decided to not try to gloss over our musical limitations and imperfections, and just embrace them.” Wir hören gern weiter dabei zu.

Rhye: Sammlung

Jetzt also doch: Nachdem es in den letzten Wochen vom Electro-Duo Rhye ja eine ganze Palette sogenannter Standalone-Singles gegeben hatte, werden diese nun endlich für ein komplettes Album gesammelt. Am 2. Februar soll "Blood" via Loma Vista erscheinen und neben den bislang bekannten Stücken geben die beiden Herren auch gleich noch ein weiteres in die Runde - hier kommt "Count To Five".

Manic Street Preachers: Widerstand zwecklos [Update]

Gerade haben wir - siehe unten - gelernt, daß politischer Pop nicht zwingend guter Pop ist. Nun gut, man sollte sich davon nicht entmutigen lassen, gebraucht wird er in Zeiten wie diesen natürlich trotzdem und um so mehr. Von den Manic Street Preachers darf man ihn erwarten, sie haben mit ihrer Meinung selten hinterm Berg gehalten, auch wenn es manches Mal vielleicht etwas arg klassenkämpferisch daherkam. Nun kündigen die Waliser jedenfalls für den 6. April 2018 ihr neues, dreizehntes Album an und weil das "Resistance Is Futile" (Widerstand ist zwecklos) heißt, darf man schon mal kräftig in die eine oder andere Richtung deuten. Optisch ist es schon mal ein Hingucker und wenn sich die Ankündigung, das neue Werk würde sich stilistisch zwischen "Everything Must Go" und "Generation Terrorists" bewegen, nur zur Hälfte bewahrheiten, wäre alles in bester Ordnung - die letzten Veröffentlichungen waren ja nicht so das Gelbe.

Update: Die erste Single "International Blue" soll laut NME und Nicky Wire das neue "Motorcycle Emptiness" sein - bei solchen Meldungen gehen immer gleich die inneren Warnlämpchen an ...



Donnerstag, 7. Dezember 2017

Nachthexen: Zerstörerisch

Jetzt wollen wir mal das Gscheithaferl (bayerisch für: Klugscheißer) raushängen lassen: Wer bei Nachthexen an Brocken, Nasenfurunkel, Katzenbuckel und Knochenfinger denkt, der ist komplett schief gewickelt. Denn eigentlich handelt es sich hier um den Namen einer russischen Bomberstaffel, die ausschließlich aus Frauen bestand und, wie man liest, im zweiten Weltkrieg mit dem Abwurf von insgesamt 3.000 Bomben eine erstaunliche Anzahl von Brücken, Zügen, Munitions- und Treibstoffdepots dem Erdboden gleichgemacht haben. Ihre Nachfahrinnen (sagt man so?) Emma, Donna, Fiona und Olga wiederum stammen aus dem englischen Sheffield, sind nicht ganz so zerstörerisch veranlagt, können mit ihren Songs aber durchaus den einen oder anderen Club zerlegen. An ihrem Label Harbinger Sound kann man schon einen ersten Hinweis erkennen, denn dort starteten auch die wunderbaren Sleaford Mods ihre Karriere, die sie später zu Rough Trade führte. Und genau bei den beiden charmanten Grantlern haben die Nachthexen gerade den Support gegeben - mit dabei ihre aktuelle EP "Disco Creep": Vier stampfende Post-Punk-Killer, die ordentlich Richtung Magengrube treten.

Oberpollinger 2017: Die Short Cuts

Das sind, das waren sie also, die Songs des Jahres - zumindest hier auf MPMBL. Wir hatten die Rubrik eigentlich in den vergangenen Jahren schon beerdigt, weil aber nicht jedes tolle Album auch gleich einen Hit dabei hat, von denen aber dennoch so viele dabei waren, gibt's hier zur Abwechslung wieder mal die Single Charts 2017 - passenderweise natürlich mit 17 Teilnehmern.

Faber  "In Paris brennen Autos"



2  Methyl Ethel  "Ubu"



3  Sleaford Mods  "BHS"



4  Bonobo feat. Nick Murphy  "No Reason"



5  Idles  "Mother"



6  Casper feat. Drangsal  "Keine Angst"



7  Fazerdaze  "Little Uneasy"



8  Portugal. The Man  "Feel It Still"



9  Bilderbuch  "Bungalow"



10  Giant Rooks  "New Estate"



11  Kraftklub  "Fenster"



12  A Tribe Called Quest  "We The People"



13  Hater  "Coming Down"



14  Arcade Fire  "Everything Now"



15  Slowdive  "Star Rowing"



16  Agent Blå "Strand"



17  Summer Moon  "With You Tonight"

N.E.R.D.: Next Formation

Nächste Woche soll es erscheinen, das neue Album "No_One Ever Really Dies" von Pharrell Williams und N.E.R.D. - wer seine Zweifel daran hatte, ob sich der Mann mit dem "Midas Touch" wohl auch politisch äußern würde, der dürfte nun, da das Video zum Song "1000" erschienen ist, einigermaßen beruhigt sein. Todd Tourso und Scott Cudmore (Metz, Spoon, Holy Fuck, Alt-J) haben zusammen mit der großartigen Tänzerin Mette Towley so etwas wie "Formation 2.0" gedreht und das Ganze mit Bildern der Rassenunruhen der letzten Wochen und Monate gemischt. Das Video zur ersten Single "Lemon" kann man sich übrigens noch im aktuellen Familienalbum anschauen.

IDER: Zum Einstand [Update]

Immer wieder schön zu hören, wenn Pop in Großbuchstaben geschrieben wird. Wie zum Beispiel beim Londoner Duo IDER. Megan Marwick und Lily Somerville haben ja vor nicht allzu langer Zeit mit ihrer EP "Gut Me Like An Animal" bei den einschlägigen Musikportalen schon für Aufsehen sorgen können, nun stand ein Labelwechsel zu Glassnote Records ins Haus und was macht man, wenn man neu ankommt? Richtig, man bringt ein Einstandsgeschenk mit. Dieses hier nennt sich "Learn To Let Go" und kommt in sommerlichem Gelb daher. Gut so, von dem und der Musik kann man nämlich nie genug bekommen. Und wer die beiden Damen live sehen will, hat im September sogar noch die Gelegenheit.

21.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
29.09.  Dortmund, Way Back When Festival
02.12.  Köln, CBE (mit Ibeyi)
03.12.  Berlin, Lido (mit Ibeyi)
04.12.  Hamburg, Knust (mit Ibeyi)

Update: Und natürlich gibt es auch ein Video von den beiden zu sehen ... und mit "Body Love" einen weiteren Track, jetzt auch mit Video.



Granular: Gern mal größer

Granular
„XI“

(Little Jig Records)

Ein wenig mehr Mut, ein bisschen größer gedacht – manchmal würde man sich das schon wünschen. Pop ist nun mal auch die Kunst der Übertreibung, der Vielfarbigkeit, der Opulenz, wer hier dick aufträgt, muß nicht immer gleich ein Angeber sein, der nur auf dicke Hose macht, aber bei genauem Hinsehen (bzw. –hören) eher einem Heißluftballon gleicht. Substanz ist das Stichwort, Ideen, Originalität, solche Dinge. Hätten Bands wie Coldplay oder The Boxer Rebellion über die Jahre nicht den Großteil davon über Bord geschmissen, sie müßten sich heute nicht so viel Spott gefallen lassen. Vielleicht sind das Gedanken, die sich auch Sebastian Meyer, Christian Cotting, Matthias Cotting und Leroy Biscette aus Luzern gemacht haben, als sie ihre Band Granular ins Leben riefen (nachdem sie sich vom letzten Projekt Augustine’s Suspenders verabschiedet hatten) und auch später, als es die Songs für die erste Platte auszuwählen galt. Diese müssen sich, gerade weil es quasi wieder ein Debüt ist, keineswegs verstecken. Granular versuchen sich am großen Entwurf und er gelingt ihnen mehr als ordentlich: Zehn Stücke, meistenteils als Zusammenspiel raumgreifender Synthesizer mit eingängigen Gitarrenhooks angelegt, dazu Meyers sanfte, klare Stimme – das wippt schon alles sehr fein. Alle Vergleiche, die einem zum Sound der Schweizer einfallen, können als Kompliment verstanden wissen, The Whitest Boy Alive, Sizarr, The Notwist hierzulande, die französischen Her, Tender aus London und – schon wieder größer gedacht – durchaus auch die britischen Neofolkies Alt-J. Der Track mit dem hartnäckigsten Widerhaken ist vielleicht „Something In Between“, perlende Akkorde, verträumte Melancholie, sehr viel perfekter kann man’s nicht machen. „Seven Weeks“ und „Youth“ dagegen wippen entspannt und luftig durchs Programm, der ganze Gegensatz zu den meterhoch geschichteten, dronigen Arrangements der restlichen Songs. Zum Ausklang „All Again“ darf man sich noch eine dezente Prise Soul auf dem Zettel notieren, danach kommt das Album in die ohnehin schon prall gefüllte Schublade mit den angenehmen Überraschungen des ausklingenden Jahres.

Anmerkung: Das Brutalismus-Cover passt im Übrigen gut zum Familienalbum von Soft Error - einfach mal reinschauen...

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Jinka: Auskennerin

Weiter geht's am Pop-Mittwoch mit einer sehr jungen Dame, die sich mit klug verbasteltem LoFi-Pop ziemlich gut auszukennen scheint. Jinka, so ihr Name, stammt ursprünglich aus Rumänien, ist aber seit längerer Zeit in Berlin zu Hause und dort schon mehr als ein Geheimtipp. Gerade erst ist sie im Auster Club beim Indie Feminity Mini-Festival aufgetreten, ihre aktuelle Single "Shock Mounted" ebenfalls im Gepäck - das Video zum Song hat im Übrigen der Schwede Ossian Melin gedreht, der auch schon mit Little Dragon und Yung Lean gearbeitet hat. Zwei ältere Stücke gibt's zusätzlich obendrauf, "Flesh To White To Black To Flesh" und "Trash From The Past".



FeelsClub: Daheim im Club

Nach all den Ausflügen in Sachen Post-Punk und Rock ist der Pop hier in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen, also werden wir den Rest des Tages kurzerhand zum Pop-Mittwoch umwidmen und legen gleich mal munter los: Empfehlung Nummer eins kommt aus Australien, genauer aus Brisbane und nennt sich FeelsClub. Die fünfköpfige Band fühlt sich augenscheinlich unter der Discokugel am besten aufgehoben, nach einer Reihe von feinen Singles (Beispiele "Come On" und "1x1") kommt nun mit "Deadlights" das neueste Exemplar in Umlauf.

Wargirl: Keine Verwechslungsgefahr

Ziemlich geschickt, wenn man sich die Eingangssequenz der neuen Single gleich mal von einer der mutmaßlich größten Rockbands des Universums borgt: Marika Dahlin, Tamara Raye und Enya Preston stammen aus dem sonnigen Kalifornien und haben sich neben drei Drummern (!!!) für ihre Band den hübschen Namen Wargirl zugelegt - gerade ist das Video zu besagtem Stück "Arbolita" erschienen, gleichzeitig der Titeltrack ihrer aktuellen EP, die sie in den nächsten Tagen auch auf zwei Terminen in Deutschland vorstellen wollen. Von der Namensverwandtschaft zu den ebenfalls aus der Gegend stammenden Warpaint sollte man sich übrigens nicht irritieren lassen, das hier geht dann eher in Richtung Afrobeat meets Jazz plus Rock.

09.12.  Hamburg, Cloud Hill Studios
12.12.  Berlin, Bassy Club