Dienstag, 19. Februar 2019

Melby: Der Sonne entgegen [Update]

Ein musikalisches Leichtgewicht kündigt sich heute aus Stockholm an, allerdings betrifft das ausschließlich den Sound des Quartetts: Melby kommen aus Stockholm und haben dort im Mai 2017 ihre selbstbetitelte Debüt-EP veröffentlicht. Der ziemlich entspannt dahinfließende Psychpop mit der wundervollen Stimme von Matilda Wiezell konnte schon damals gefallen, nun gibt es ein neues Stück zu hören. Dem vor einigen Monaten veröffentlichten "Reject" folgt (witzigerweise fast in deckungsgleichem Rhythmus) das Stück "Overthinking". Beide gehören zur angekündigten Debüt-LP, die laut Label Rama Lama Records in Arbeit ist und sicher spätestens 2019 erscheinen wird.

Update: Und da sind auch schon Ross und Reiter - sozusagen. Denn Melby haben soeben ihr Debütalbum "None Of This Makes Me Worry" für den 12. April via Rama Lama angekündigt und auch gleich noch mit "VCR" einen weiteren Song davon geteilt.

02.04.  Hamburg, Turmzimmer
03.04.  Berlin, Privatclub
04.04.  München, Zehner

Montag, 18. Februar 2019

Piroshka: Hoffentlich ein gutes Ende

Piroshka
„Brickbat“
(Bella Union)

Das Rotkäppchen also. Was wissenschaftlich unter dem staubtrockenen und etwas fragwürdigen Kennzeichen ATU 333 katalogisiert ist, könnte aus gesellschaftspolitischer Sicht kaum mehr Sprengstoff enthalten. Wir vergegenwärtigen uns kurz: Da wird ein kleines Mädchen dereinst allein (!) von seiner Mutter in den Wald (!!) zur kranken Großmutter geschickt, um ihr um der Genesung willen einen Korb mit Kuchen und Wein (!!!) zu überbringen. Leider kommt der rotmützige Teenager vom Weg ab und begegnet einem furchterregenden Wolf (spätestens hier: Aufschrei!), der sie dann natürlich postwendend und mittels arglistiger Täuschung verschlingt und nur der Umsicht des treusorgenden Jägersmannes ist es zu verdanken, dass Mädchen und Großmutter überleben und das böse Tier zur Strecke gebracht werden kann. Soweit, so gruselig. Klar, dass auch Miki Berenyi (Lush), KJ McKillop (Moose), Mick Conroy (Modern English) und Justin Welsh (Elastica) dem schaurigen Reiz des Grimmschen Märchens erlegen sind, warum sie allerdings die ungarische Titelversion für ihre Band gewählt haben, ist nicht so ganz klar (hierzulande tauchen ja bei Erwähnung sofort Bilder der blondbezopften Greta aka. Lilo Pulver auf und geben der Sache eine leicht spießige Nachkriegs-Patina, aber das ist wieder eine andere Geschichte).



Der neu gegründeten Formation geht es natürlich weniger um Artenschutz, Pflegenotstand oder den sachgerechten Umgang Heranwachsender mit Alkoholika. Für Piroshka steht der Wolf eher für das heraufdämmernde Ungemach aus Nationalismus, Abbau des Sozialstaates und Entfremdung der Menschen von ihrem natürlichen Habitat. Und die Songs des Albums geben ihnen die Möglichkeit, Unmut, Zorn und Enttäuschung in Worte und Noten zu fassen, eine Standpauke allerersten Ranges also für die Gesellschaft. So faßt „What’s Next“ gleich mehrere Themen wie die Geschichte des aktiven Widerstandes, Feminismus, Fakenews, Hatespeech und mediale Überforderung in knapp vier Minuten zusammen, „Village Of The Damned“, das wohl gelungenste Stück auf der Platte, handelt von Amokläufen an Schulen und der Ohnmacht, die solch ein Ereignis in jedem einzelnen auslöst. Natürlich kommt der drohende Brexit zur Sprache („This Must Be Bedlam“), die Verrohung der Sprache („Hated By The Powers That Be“) und die Maßlosigkeit unserer Gesellschaft, von der sich keiner freisprechen kann.



Der Sound ist ein Clash mehrerer Stile – hier der Shoegazing-Pop der langjährigen Weggefährten Lush und Moose, unterstrichen durch den noch immer betörenden Gesang Berenyis (die ja ihre Hoffung auf eine dauerhafte Lush-Reunion nach der feinen EP „Blind Spot“ wieder drangeben mußte), dort der harsche Alternativ-Rock von Elastica, der das Programm immer wieder recht ungestüm aufmischt. Mit „Blameless“ haben die vier sogar eine waschechte Ballade dabei, in ihren besten Momenten allerdings klingen Piroshka nach straightem Northern Soul, dann werden Erinnerungen an Belle And Sebastian wach. Über die komplette Spieldauer läßt sich die Spannung dann aber doch nicht halten, es gibt durchaus mittelmäßige Momente auf dem Album, in denen das gesammelte Know-How der Mitglieder nicht auszureichen scheint und Rotkäppchen sich eine kurze Kreativpause gönnt. Ein gutes Ende nimmt das Märchen trotzdem, hoffen wir, dass dies auch für die Anliegen der Briten gilt – es wäre ganz und gar in unserem Sinne.

27.04.  Berlin, Privatklub

Sonntag, 17. Februar 2019

Automelodi: Wunderwerk

Eine tolle Nachricht ist dieser Woche noch bei Brooklyn Vegan aufgetaucht, die wir heute noch einmal aufgreifen wollen: Das überaus gut informierte Musikportal vermeldete nämlich die Rückkehr der kanadischen Synthpop-Band Automelodi. Die Formation aus Montreal hatte 2010 ihr erstes Album veröffentlicht, 2013 folgte "Surlendemains Acides", nun soll am 3. Mai mit "Mirages Au Futur Verre-Brisé" die dritte Platte erscheinen. Der erste Vorabtrack "La Poussière" kommt hier mitsamt zwei Tourterminen.

10.05.  Berlin, Urban Spree Festival
07.06.  Leipzig, Wave Gothic Treffen



Versing: Zwangsläufig

Wenn Krach nicht aus Seattle kommt, dann wissen wir auch nicht. Diese vier Herren hier haben mit/in ihrer Heimatstadt jedenfalls nichts falsch gemacht: Das Quartett Versing, bestehend aus Daniel Salas (Gesang/Gitarre), Graham Baker (Gitarre), Max Keyes (Drums) und Bassist Kriby Lochner wird am 3. Mai bei Hardy Art sein Debüt "10000" veröffentlichen, die erste Single "Tethered", die hier mit Video kommt, thematisiert unseren Umgang miteinander, unsere sozialen Beziehungen oder eben auch die Vernachlässigung derselben.

Fiasco: Irrtümlich unterschlagen

Auch Fiasco aus Paris waren hier schon zu Gast, ihre Stücke "Dancing Days" und "B(l)ack" konnten im vergangenen Jahr für angenehme Entspannung sorgen. Heute nun kommt mit "Hold On (They Say)" ein weiterer Track aus Frankreich hinzu, etwas dunkler gehalten, immer noch schön. Fälschlicherweise hatten wir in einem früheren Post von vier jungen Herren geschrieben - und den wunderbaren Gesang der Dame unterschlagen, hier kommt die Abbitte dafür.



W.H.Lung: Unvermeidlich

Zeit für ein paar alte (naja, eigentlich doch noch recht junge) Bekannte: W. H. Lung aus Manchester tauchten hier mit ersten Songs im Frühjahr 2017 auf, nun kündigt das Trio sein Debütalbum "Incidental Music" für den 5. April an. Ursprünglich hatte keiner der drei vor, Musik vor einem größeren Publikum aufzuführen, sie wollten eigentlich nur im Studio experimentieren. Wenn es weiter so gut läuft, werden sich öffentliche Auftritte allerdings nicht vermeiden lassen. Überhaupt sind W.H.Lung eine Band mit Widersprüchen - ihr Sound soll sich an melodischen Synthpop und den Groove aus dem Berlin der 70er anlehnen, zu ihren Vorbildern zählen sie dann aber Kanye West, Thelenious Monk, Viet Cong, Julia Holter und Prince. Große Spannbreite das. Die erste neue Single ist gleich mal ein Mammutwerk von über zehn Minuten, hier also kommt "Simpatico People".

Freitag, 15. Februar 2019

More Pain: Kurzes Vergnügen

Gut möglich, dass das die erste EP mit einer Spieldauer unter einer Minute wird: Nick Zinner, vielbeschäftigtes Mitglied der Yeah Yeah Yeahs hat gerade zusammen mit Justin Pearson (The Locust, Retox, Dead Cross) unter dem Namen More Pain via Brooklyn Vegan die Veröffentlichung einer 12" angekündigt, die drei Stücke enthalten wird. Da es sich dabei um waschechten Hardcore handelt, ist zumindest eines davon - "Hammering Tenderness" - gerade mal 27 Sekunden kurz. Am 19. April wissen wir dann, wieviel Zeit wir für den Rest veranschlagen müssen, dann erscheint das Ganze bei Pearsons Label Three One G.

Bilderbuch: Überraschung gelungen

Noch eine Woche hin bis zum nächsten Album von Bilderbuch - am kommenden Freitag erscheint "Vernissage My Heart". Vielleicht haben die Jungs ja etwas zu oft gehört, ihnen gelängen keine wirklichen Überraschungen mehr, hier zumindest kommt mal eine: Ganze neun Minuten vierzig misst "Europa 22", ein Song zum eintauchen, treiben lassen - fort, nur fort ...

Sleaford Mods: Unverhandelbar

Eigentlich hatte die Woche ja nicht so gut begonnen: Fans können, da wird einem jeder Musiker und jede Musikerin zustimmen, sehr eigenartige Persönlichkeiten sein. Sie haben Erwartungen, die manchmal ziemlich anmaßend oder zumindest schwer verständlich sind. Zum Beispiel die der Sleaford Mods. Die mußten in diesen Tagen erfahren, dass deren Sänger Jason Williamson ein ziemlich ernsthafter Mann mit gewissen Grundsätzen und eben auch einer bestimmten Erwartungshaltung ist. Irgendwie hatte man angenommen, er würde Joe Talbot und die Idles genauso mögen wie man selbst, doch das ist nicht der Fall und gegenüber dem Guardian hat er die Gründe dafür recht deutlich benannt - es geht grob gesagt um das, was man zu sein vorgibt und das, was man letztendlich ist. Für ihn offenbar unverhandelbar. Zur Sprache kam das Ganze in einer Art Fragestunde, bei der sich eben jene Fans bei Mr. Williamson melden konnten, man erfährt nebenher noch eine ganze Menge interessanter Dinge. Im Übrigen haben die Mods heute einen neuen Song aus ihrem Album geteilt, "O.B.C.T." ist erneut ein ziemlich danceorientierter Track und macht die Vorfreude auf den kommenden Freitag, an dem "Eton Alive" erscheinen wird, noch größer.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Raketkanon: Bandgewordener Albtraum

Die letzten Wochen waren ja nun weiß Gott nicht arm an durchgeknallten Gestalten, sich mit ihren abgefahrenen Neuvorstellungen zu überbieten schienen - 404, Nord Nord Muzikk, Fat White Family, THE DSM IV, alle auf ihre Art am Rande des Nervenzusammenbruchs oder schon längst drübber. Heute lernen wir den bandgewordenen Albtraum von Anthony Kiedis, dem etwas in die Jahre gekommenen Frontmann der Red Hot Chili Peppers, kennen: Raketkanon kommen aus dem belgischen Gent und sehen ein wenig so aus, als wären sie schon viel zu lange in Anstalten mit geschlossenen Räumlichkeiten untergebracht und durften dort nur Videos von DIE ANTWOORD oder "Einer flog übers Kuckucksnest" im Directors Cut sehen. In Wahrheit haben sie gerade einen Deal bei Earache Records unterschrieben - warum die neue Single "Ricky" allerdings ausgerechnet zum Valentinstag kommt, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Jessie Ware: Fabelhafte Vorboten

Noch immer läßt sie uns im Unklaren, wie und womit genau es weitergeht: Heute hat Jessie Ware einen weiteren neuen Song geteilt - "Adore You" ist ein fabelhafter, deeper Dancetrack, der die Hoffnungen auf das, was vielleicht kommen wird, noch ein Stückchen weiter in die Höhe schraubt. Produziert haben Metronomy's Joe Mount und James Ford von Simian Mobile Disco, ähnlich wie auch schon den gleichermaßen pulsierenden, eine Spur funkigeren Track "Overtime", der vor ein paar Wochen in die Runde ging.



Jenny Lewis: Starschnitt [Update]

Okay, ein wenig irritiert ist man schon. Als Mann. Wegen des Bildes. Jenny Lewis würde wahrscheinlich fragen: Wieso das? Schließlich hat sie das Motiv eigens ausgewählt. Und außerdem zeigt es nur einen Ausschnitt aus dem Starschnitt und ist somit nur Teil zwei von vier. Der komplette Shot ziert nämlich das Gatefold-Cover ihres neuen Albums "On The Line", das am 22. März erscheinen soll. Die Platte folgt dem fabelhaften "The Voyager" aus dem Jahr 2014, dem Vernehmen nach sollen Beck, Ringo Starr und Ryan Adams mit von der Partie gewesen sein und die erste Single "Red Bull And Hennessy" gibt es gleich hier.

Update: Was hier so schön klingt und glitzert, das ist der zweite Vorabsong "Heads Gonna Roll" vom neuen Album.



Great White Shark: Angebissen

Okay, der erste Eindruck sagt: Poser. Aber der Song hat einen dann doch am Haken - fetter Bass, die Drums nicht minder, David Naville weiß also, wie man's macht. Der Mann stammt ursprünglich aus der Schweiz, lebt jetzt in Berlin und hat dort seit 2018 gemeinsam mit Matthieu Brismontier und Robin Villeval die Formation Great White Shark am Laufen. "Doberman", die erste Single der drei, hat Julien Magnan in Szene gesetzt, was danach kommt, werden wir wohl recht bald wissen.

Spielbergs: Mehr Anfang als Ende

Spielbergs
„This Is Not The End“
(By The Time It Gets Dark)

Das ist ein Satz, den man von einer Punkband wohl eher selten zu hören bekommt: “We’d been touring and sleeping on floors all over Europe and we were just sick of it. We wanted to get a decent job and family, so we did.” Gesagt hat ihn Mads Baklien, der Frontmann der norwegischen Band Spielbergs, in einem Interview mit dem NME. Die Gründe, warum er für diese Bemerkung nicht umgehend gekreuzigt wurde, sind zweierlei: Zum einen hat er ziemlich schnell als Ergänzung hinterher geschoben: „But then we weren’t happy with that either“ – passt wieder alles. Zum anderen haben die Spielbergs gerade ein sehr feines Debütalbum abgeliefert, das auf bemerkenswerte Weise altmodisch und frisch zugleich klingt. Baklien weiß, dass er zusammen mit seinen Kollegen Stian Brennskag und Christian Løvhaug einen Musikstil pflegt, der zwar dem knarzigen Garage-Punk und Grunge-Rock der 90er salutiert, aber dennoch wegen seiner Schärfe, seiner Energie von heute ist und ordentlich kickt.



Die Jungs haben sich sehr früh in der überschaubaren Indieszene Oslos kennengelernt, viel ausprobiert und hernach beschlossen, diesen Werdegang auf das Debüt zu pressen. Und so finden sich auf diesem nicht nur aktuelle Stücke, sondern auch Songs der ersten EP „Distant Star“. Wir hören also knirschende Gitarren, gern auch mal fuzzy, psychedelisch oder als verhaltener Folk-Rock („Sleeper“). Thematisch findet man jede Konfektionsgröße, der Brecher „We Are All Going To Die“ nimmt auf, was Plattentitel und Labelname quasi schon an universeller Befindlichkeit vorwegnehmen, die Liebe, sei sie unerfüllt oder zu spät erkannt („Distant Star“/“Forevermore“) kommt natürlich auch zur Sprache und beim gut siebenminütigen „McDonalds“ dreht sich eigentlich der ganze Frust nur um eine missratene Episode in der Frittenbude. So ist es, das Leben, manchmal gibt es Platz für die weiten Gedanken und die großen Gefühle, und manchmal pisst es einen unvermittelt an. Zuende ist es deswegen trotzdem nicht, die Spielbergs wissen Bescheid.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Danny Boyle: Hey, Dude!

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Da erfährt die gesamte Welt einen kapitalen Stromausfall und unser Protagonist, ein zwar begabter, aber notorisch erfolgloser Songwriter, baut zeitgleich einen Radunfall. Wacht auf und merkt, dass die komplette Menschheit die Erinnerung an die Beatles und jeden ihrer Songs einfach verloren hatte. Was folgt, ist eine aberwitzige Wiederholung der bekannten Karriere inklusive Hysterie mit anderen Mittel und Personen. Danny Boyle (Slumdog Millionaire/Trainspotting) hat "Yesterday" zusammen mit Himesh Patel als Jack Malik gedreht und ein ganz großer Spaß ist dabei herausgekommen.

Joseph Boys: Keine Wahl

Über Punk aus Düsseldorf muss man sicher nicht viel philosophieren, der war da irgendwie schon immer zu Hause und wird es wohl ewig und drei Tage bleiben. Das gilt natürlich bei dieser Stadt für alle Arten der Musik, die einst als Schnöselhochburg verschriene Metropole am Rhein braucht da mit Berühmtheiten nicht geizen. Trotzdem gut, wenn ab und an was Frisches nachkommt und deshalb freut man sich im Hause Flight13 Records natürlich um so mehr über das gerade angekündigte Debütalbum der Joseph Boys aus Düsseldorf Garath. Nach zwei EP ("Fett" 2015 und "Edition "S____E" 2017) geht nun also am 26. April "Rochus" an den Start. Über die Begleitumstände zur aktuellen Vorabsingle "Freizeitstätte Garath" könnten wir dann aber tatsächlich nicht besser schreiben als die Band selbst:

„Wenn man mit seinen 13 Geschwistern in einem Stadtteil wie Düsseldorf Garath aufwächst, wird es nie langweilig. Unser Onkel war Taubenzüchter. Beste Voraussetzung, sein Können mit dem Luftgewehr zu verbessern. Wird man dabei erwischt, muss man zum Psychologen. Danach dann erstmal die Zigarettenschachtel aus dem T-Shirtärmel gekrempelt und unter dem "Sonnenrad" ne Zigi geraucht. Wer keine Tauben züchtet, der funkt. 55 bedeutet in Funkerkreisen "Viel Erfolg". Auf der Kirmes dann Raupe fahren und ne Plastik-Rose schießen. Immer was los in Garath. Das muss man doch in einem Text verarbeiten. Du hast keine Wahl.“

27.04.  Düsseldorf, AK47
18.05.  Karlsruhe, Alte Hackerei
08.06.  Berlin, Schokoladen

Dienstag, 12. Februar 2019

Be Forest: Schaudern und Schimmern

Be Forest
„Knocturne“
(We Were Never Being Boring)

Naheliegender wären natürlich The Cure gewesen, aber den Wink mit dem Zaunspfahl haben sie sich erspart: In einem ihrer raren Interviews, gefunden in einer isländischen (!) Regionalzeitung, gaben Nicola Lampredi, Erica Terenzi und Costanza Delle Rose von der italienischen Shoegazing-Band Be Forest vor einiger Zeit Auskunft über ihre Vorbilder – Slowdive waren selbsterklärend, aber Syd Barrett und Nick Cave hätte man jetzt eher nicht vermutet. Zumindest nicht, wenn man sich das neue, dritte Album des Trios aus dem sonnenverwöhnten Urlaubsörtchen Pesaro anhört, das von dunklen, aber doch kunstvoll verschlungenen Gitarrenmelodien nur so wimmelt und mit Psychrock oder gar knochenklapperndem Voodoo-Blues nicht allzu viel gemein hat. Daran ist nun nichts Schlimmes, schließlich sind Be Forest mit diesem verwunschenen Sound bekanntgeworden.



Zwei Alben hatten sie seit 2011 veröffentlicht, zunächst das Debüt „Cold“ und drei Jahre darauf dann „Earthbeat“. In diese Zeit fällt auch der einzige „Ausrutscher“, der sich für die Formation allerdings als Karrierekick erweisen sollte, denn mit ihrer lustvoll dahingeschredderten Coverversion von „I Quit Girls“ wussten sie nicht nur ihr Publikum, sondern auch die Urheber des Songs, das kanadische Garage-Rock-Duo Japandroids, zu begeistern und so durften sie später mit diesen als Support die Bühne teilen. „Knocturne“ ist nun mit seinen zwölf neuen Stücken wieder etwas ruhiger geraten, die Stimme von Bassistin Delle Rose irrlichtert wieder zart im Hintergrund und drittelt sich die Aufmerksamkeit mit verdichteten Gitarrenspuren und dumpf pochenden Drums. Und weil das, Puzzleteilen gleich, so gut ineinanderpasst, schwingen sich Tracks wie „Bengala“, „K.“ oder „Gemini“ in hymnische Höhen und entfachen dort ein wohliges Schaudern und Schimmern. https://www.wwnbb.net/2019/02/be-forest-knocturne/

Swimming Tapes: Mal was Großes, Ganzes

Irgendwann hat den Swimming Tapes wohl mal jemand gesagt, dass Kurzformate schön und gut sind (und ihre sind es besonders), es aber nun langsam Zeit für ein anständiges Album wäre. Was die fünf Jungs aus London dann auch beherzigt haben. Über die letzten zwei Jahre durften wir hier ja schon diverse EP vorstellen, für den 24. Mai ist jetzt "Morningside" via Hand In Hive Records angekündigt, elf neue Songs sind darauf enthalten und dieser hier - "Pyrenees" - ist einer davon.

THE DSM IV: Brightons Freakiest 2.0

Ziemlich krass und ziemlich abgefahren, das waren The Eighties Matchbox B-Line Disaster aus Brighton. Drei Platten mit Psychobilly und Garage-Punk, ein paar Singles, 2013 war dann endgültig Schluß. Aber nicht für Frontmann Guy McKnight. Denn der hatte noch lange nicht genug und so dürfen wir jetzt auf seine neue Kapelle namens THE DSM IV hoffen, benannt nach einem etwas veralteten "diagnostischen Klassifikationssystem in der Psychatrie" (Wikipedia) - haha, immer noch krass. Ende letzten Jahres gab's mit "Racist Man" im wahrsten Sinne einen KickOff, nun kommt Single Nummer zwei "Funland" hinterher. Und was soll man sagen - es läßt sich gut an...





Montag, 11. Februar 2019

Levin Goes Lightly: Keine Angst

Veränderung tut gut - ein Satz, den viele Menschen gerade hierzulande nur schwerlich verinnerlichen können. Was wiederum ziemlich menschlich ist. Einer, der trotzdem etwas wagt, ist Levin Stadler. Zusammen mit seiner Band Levin Goes Lightly hat er für seine drei bislang erschienenen Alben als androgynes Wesen eine Gratwanderung zwischen David Bowie und Fad Gadget vollführt, alles in englischer Sprache. Optisch soll sich im Vergleich zum Vorgänger "GAPS" nichts ändern, wohl aber textlich, denn Stadler singt für seine neue Platte "Nackt", die für den 26. April bei Tapete Records terminiert ist, ab sofort deutsch. Was ungewohnt, aber doch recht reizvoll klingt. Wenn er für die kürzlich veröffentlichte Vorabsingle "Nichts ändern" ganz Zarah-Leander-mäßig das "R" rollt, hat das schon eine ganz spezielle Note - wir fügen dem dazugehörigen Video noch drei Schnipsel der Stücke "Nackt", "Rote Lippen" und "Ganz Nah" bei. Und warten gespannt.