Sonntag, 21. Juli 2019

Working Men's Club: Hoffnungsvoller Deal

Nicht ganz so überraschend startet unser wöchentlicher Sonntagsausflug auf der britischen Insel, und zwar bei einem noch sehr jungen Post-Punk-Quartett namens Working Men's Club. Dazu gehören Sänger und Gitarrist Sydney Minsky-Sargeant, Giulia Bonometti, Jake Bogacki und Liam Ogburn, allesamt aus dem nordenglischen West Yorkshire. Die Liste der Bands, für die der WMC in den letzten Monaten eröffnet hat, ist lang - The Brian Joneston Massacre finden sich dort ebenso wie die Fat White Famliy und bald steht die nächste Tour mit Bodega auf dem Programm. Vor der Veröffentlichung ihrer neuen Single "Teeth" haben sie einen Deal mit Heavenly Recordings unterschrieben und sind nun guter Dinge, dass ihre trockenen Beats bald das verdientermaßen größere Publikum finden. Ganz eurer Meinung!

Balagan: Verrückt in Berlin

Jetzt mal ein Abstecher nach Berlin: Auch wenn die Mitglieder von Balagan aus allen Teilen der Welt stammen, liegt ihre Wahlheimat dennoch an der Spree. Das Trio spielt eine sehr lautstarke und elektrisierende Mischung aus Psychedelic und Fuzzrock und liebt dazu die Irritation. Ihre letzte Single, die Anfang Mai erschienen ist, nannte sich "I Live With A Man", im Video stolpern reichlich abgedrehte Personen durch Tag und Nacht und haben dabei offenkundig mächtig viel Spaß. Jetzt kommt der zweite Streich hinterher und auch "Tree" wird von einem Kurzfilm begleitet, diesmal als leuchtend buntes Farbenspiel angelegt. Ihre EP "A Mess #2" ist Ende Juni bei Duchess Box Records erschienen.



King Princess: Gelebter Widerspruch

Bei der nächsten Künstlerin steckt der spannende Widerspruch schon im Namen selbst: King Princess kommt aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn und landete im vergangenen Jahr mit der Single "1950" und der EP "Make My Bed" ihren großen Durchbruch. Queer-Pop war schon in diesen Tagen das große Thema und auch heute entstehen dort die mit Abstand reizvollsten Geschichten. Und so ist es kaum verwunderlich, dass die Aufmerksamkeit und Erwartung mit dem Titelsong "Cheap Queen" ihres für den Herbst bei Zelig angekündigten Debütalbums nicht eben kleiner geworden sind, gleiches gilt auch für die neue Auskopplung "Prophet", ein Stück voller Soul und eben ganz viel Popappeal.



Gauche: Aus der Tiefe des Raumes

Aus New York nach Washington. Dort waren vor einiger Zeit auch Bikini Kill, der Inbegriff des Riot-Grrrl-Punk, auf ihrer Reunion-Tour zu Gast, und von dort brachten sie auch einen ihrer Supports mit, die fünfköpfige Formation Gauche, die laut Selbstauskunft auf eine erstaunliche Vita zurückblicken können: "Gauche was forged in the fires of the mighty Pompeii millions of years ago, then fossilized until a northern wind carried Her to the sea where She was discovered by a young Boi in a small unnamed fishing village on the Mediterranean coast. Boi was killed instantaneously upon contact with Gauche and upon death became an animated vessel for the transfer of the Gauche seed. Undead Boi became Undead Womyn and gave birth to the six Soldiers that comprise the bands current lineup." Daniele, Mary, Laurie, Adrienne, Jason und Perry haben dann viel Musik aufgenommen, so auch ihr Album "A People's History Of Gauche". Von diesem stammt auch die Single "Dirty Jacket", zu der es jetzt ein hübsches Video gibt



Easy Life: Gar nicht so einfach

Zum Abschluss wieder zurück in England: Murray Matravers und seine Band Easy Life teilen eine Eigenschaft mit einer anderen Band, die hier schon im Rahmen der Sunday Spotlights zu hören war. Denn genau wie Squid haben sie einen Song namens "Houseplants" veröffentlicht. Doch während die einen aus London kommen, stammen Easy Life aus dem Fussballwunderort Leicester. Und sind eher dem Hip-Hop als dem Post-Punk verpflichtet. Ihre neue Single "Earth" hat noch dazu einen ziemlich aktuellen Hintergrund, denn die Jungs wissen, dass life zuweilen gar nicht so easy ist, vor allem, wenn man als Küsten- und/oder Meeresbewohner mit dem Plastikmüll unserer Zivilisation konfrontiert ist. Deshalb haben sie gemeinsam mit Regisseurin Sophie Muller (Coldplay, Beyoncé, London Grammar) in Marokko ein Video zum Thema gedreht.



Freitag, 19. Juli 2019

Brittany Howard: Die beste aller Antworten

Dieser Tage geht die Suche nach dem Sommerhit des Jahres in die nächste, vielleicht entscheidende Runde und wer Bestseller nicht verachtet und trotzdem Geschmack hat, für den ist an "Old Town Road" von Lil Nas X und Billy Ray Cyrus kaum ein Vorbeikommen. Einen Alternativvorschlag, gerade eingetroffen, haben wir dann aber doch noch: Denn so viel positive Vibes wie Brittany Howards "Stay High" hat ein Song dieser Tage noch selten gehabt (ihre nächste Single nach "History Repeats" aus dem künftigen Album "Jaime"). Alles swingt hier, alles federt im Takt und wer eine kluge und starke Antwort auf die Tiraden des wildgewordenen Rassisten sucht, der seit ein paar Jahren das höchste Amt im Staate USA nachdrücklich zugrunde richtet, der nehme am besten diesen Song. Die Hauptperson im Video von Kim Gehrig spielt übrigens via lip sync Schauspieler und Football-Star Terry Crews - zur best summer tune auch noch eine Bestbesetzung.

Slaves: Doppelbegabung

Die beiden Jungs bleiben zunächst beim vollen Körpereinsatz: Die Slaves hatten im vergangenen Jahr mit "Acts Of Fear And Love" ein wirklich wunderbares, lautes Album am Start, die Singles waren allesamt Killer und auch live wußten Isaac Holman und Laurie Vincent mehr als zu überzeugen. Lockerlassen ist trotzdem nicht angesagt. Denn heute haben sie ihre neue 4-Track-EP "The Velvet Ditch" veröffentlicht und wer sich die Single "One More Day Won't Hurt" anhört, denkt eher an Metal als Punk. Den gibt's dann in ansprechender Geschwindigkeit bei "It Makes Me Sick", bevor die Systeme auf Abkühlung gefahren werden und zwei erstaunlich ruhige Songs folgen. Die Überraschung jedenfalls ist ihnen mit der 12" gelungen.

Charli XCX feat. CHRIS: Der Pop von heute

Gibt ja durchaus Menschen, die bei zu viel Pop lieber abwinken - alles gut und schön, nun reiche es dann aber auch. Klingt irgendwie nach vorgestern. Denn mit der Zeit haben sich mit den Ansprüchen auch die Inhalte verschoben, nicht überall da, wo gut gestylte Tanzmucke draufsteht, haben die Macher/innen auch zwangsweise das Hirn ausgeschaltet. Gerade in Sachen Queer und Gender ist so einiges in den Charts zu finden, was weder mittelmäßig noch beliebig und schon gar nicht meinungsfrei ist, hier sind im Gegenteil viel Qualität und Ambition unterwegs. Zum Beispiel Charli XCX. Die Britin treibt gerade die Promo für ihr drittes Album "Charli" voran, bislang erschienen feine Kollaborationen mit Troye Sivan ("1999") und Lizzo ("Blame It On Your Love"), nun kommt zu unser aller Freude die bislang nur live aufgeführte Single "Gone" zusammen mit Héloïse Adelaide Letissier aka. CHRIS von Christine And The Queens in Umlauf. Und zwar mit hübschem Bondage-Video (naja, so etwas Ähnliches jedenfalls), kann ruhig so weitergehen - die ganze Platte kommt am 13. September.





Sleater-Kinney: Kleiner Trost

Die Nachricht vom Ausstieg der Janet Weiss hat ja in den letzten Wochen für einigen Verdruß gesorgt. Gerade waren Sleater-Kinney mit der Meldung einer neuen Platte vorstellig geworden, die ersten Töne draußen, gemeinsame Auftritte in den Tonightshows der üblichen Verdächtigen und dann so etwas. Was auch immer die genauen Beweggründe für den Abschied waren, er hinterlässt eine schmerzhafte Lücke und trotz aller Mühe werden Sleater-Kinney (ähnlich wie die Pixies nach dem Abgang von Kim Deal) nicht mehr die selben sein (können). Tröstlich vielleicht, dass von der künftigen Platte "The Center Won't Hold" nun der Titelsong geteilt wurde.

Iggy Pop: Einer wie keiner

Wer sich in den letzten Tagen (man kam ja kaum daran vorbei) vermehrt mit dem eigenen Alterungsprozess, also genauer mit der FaceApp, beschäftigt hat, der wird, zumindest wenn er männlichen Geschlechts ist, festgestellt haben, dass diese Applikation durchaus auch Looking Like Iggy heißen könnte. Das soll jetzt gar nicht despektierlich sein, aber die Zeit und der Lebenswandel haben dem Urahn des Punk bekanntlich so viele markante Linien ins Gesicht geschrieben, dass dieses fast schon als Blaupause für alle gealterten Rockstars gelten darf. Dennoch muss man hier mit einiger Hochachtung bemerken, dass wohl kaum ein anderer seines Alters, mal abgesehen vom noch etwas reiferen Mick Jagger, eine derart bewundernswerte Konstitution und Energie vorweisen kann. Was die Nachricht von der neuerlichen Veröffentlichung eines Albums nur unterstreicht. Seine letzte Soloarbeit "Pop Post Depression" datiert ja auf das Jahr 2016, damals hatte er zusammen mit Josh Homme und den Herren Fertita und Helders mächtig Krawall gemacht - das angekündigte "Free" (VÖ 6. September) soll nun etwas anders werden. Er selbst sagt, es sprächen auf dieser Platte andere Künstler, er habe nur seine Stimme beigesteuert - hört man sich den kurzen Titeltrack an, dann stehen uns wohl einige Überraschungen bevor. Wohl dem, der das in solchem Alter noch von vorweisen kann.

Miya Folick: Schwierige Suche [Update]

Noch mal ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr, geprägt wie keines davor von herausragenden Platten vornehmlich weiblicher Künstlerinnen. Eine davon: Miya Folick. Ihr Album "Premonitions" lieferte beides - kraftvollen Dancepop und nachdenkliche Songs, im besten Falle gleich beides in einem. Heute nun teilt die Amerikanerin mit russisch/japanischen Wurzeln einen neuen, nicht auf dem Debüt befindlichen Song namens "Malibu Barbie". Der Song, so sagt sie ihrem Label, handelt von ihrer Suche nach der eigenen Weiblichkeit, nach dem Sinn von körperlicher Perfektion und der Erkenntnis, dass diese das innere Selbst nicht ändert. Die Suche nach Erfüllung
geht für sie weiter - und: "Who I am is not a place at which I can arrive."

Update: Und hier das Video zur Single - gedreht von Ariel Fisher.



Adam Green: Altmeister [Update]

Ups, ist da wer? Na den kennten wir doch, irgendwie, irgendwoher. Tatsache, der olle Adam Green! Hatte man aus dem Blick verloren, irgendwann. Es gab noch ein paar Alben nach denen, die in der WG hoch- und runtergelaufen sind vor zehn Jahren, aber so richtig interessiert hat's keinen mehr. Nichtsdestotrotz (Lieblingswort) hat der ehemals junge, jetzt etwas ältere Mann eine neue Platte aufgenommen, "Engine Of Paradise" heißt sie und soll sich stimmungsmäßig an seine Anti-Folk-Zeiten der beginnenden Zweitausender anlehnen. Florence Welch (ohne ihre Machine), James Richardson (MGMT) und Jonathan Rado (Foxygen) haben wohl mitgeholfen, die erste Single "Freeze My Love" klingt denn auch mal nicht so übel. Am 6. September, dem Tag der VÖ, soll im Übrigen auch noch ein Buch des Vorzeigeslackers erscheinen, eine Graphic Novel namens "War And Paradise". Werden wir weiter beobachten, vielleicht geht ja noch was.

28.10.  Hamburg, Stage Club
29.10.  Berlin, Bi Nuu

Update: Das komplette Gegenteil zum quietschbunten Video der ersten Single heute mit den Aufnahmen zu "Cheating On A Stranger" - mittelalterliche Kulisse, grobkörniges Schwarz/Weiß, alles sehr ernsthaft hier.





Ceremony: Anhaltend konsequent [Update]

Wenn man weiß, woher sie kamen, dann ist ihre Entwicklung noch immer erstaunlich: Gleich in der Kopfzeile des Eintrags der kalifornischen Formation Ceremony steht noch "punk band" vermerkt, diese Klassifizierung werden sie wohl mit ihrem neuen Album endgültig kündigen müssen. Schon für den Vorgänger "The L-Shaped Man" aus dem Jahr 2015 hätte ein Post- davor gemusst, waren plötzlich Wire, New Order und Gang Of Four die Soundpaten, wo früher infernalischer Krach den Ton bestimmte. Nun soll also am 23. August "In The Spirit World Now" erscheinen und der erste Ausblick "Turn Away The Bad Thing" darf schon mal als Warnung gelten.

Update: Die Irritationen halten an - auch mit dem Titelsong (und dazugehörigen Video von Muted Widows) bleiben Ceremony unkalkulierbar.





Dienstag, 16. Juli 2019

Automatic: Beste Voraussetzungen

Und noch eine Neuheitenmeldung für den heutigen Tag: Die drei Damen von Automatic hatten wir hier mit ihrem ziemlich skurrilen Werksvideo zur Single "Calling It" bereits vorgestellt, daß die Musik von Izzy Glaudini (Synths, Vocals), Lola Dompé (Drums, Vocals) und Halle Saxon (Bass, Vocals) kühl und reizvoll ist, wußten wir also schon. Nun dürfen wir für den 27. September via Stones Throw das Erscheinen ihres Debüts "Signal" verkünden, was die Band wiederum mit dem neuen Song "Too Much Money" feiert. Und ein Paar Konzerttermine gibt es heute auch noch. Zwei kleine Geschichten noch am Rande, die in der Vita des Trios zu finden waren - der Bandname geht auf einen Song der kalifornischen Go-Go's zurück (Belinda Carlisle, you know?), der einzigen All-Girl-Formation ever, die ein komplettes Album geschrieben und auf Platz 1 der amerikanischen Charts platziert hat. Und nicht nur dass Lola Dompé's Großmutter die Eigentümerin einer alten Alu-Bude (siehe oben) ist, ihr Vater Kevin Haskins war lange Zeit Schlagzeuger bei Bauhaus. Na, wenn das mal keine Vorschusslorbeeren sind.

27.10.  Hamburg, Goldener Salon
28.10.  Berlin, Urban Spree

Squid: Nachgelegt

Kürzlich hatten wir die britische Post-Punk-Band Squid noch mit dem österreichischen Kabarettisten Josef Hader in Verbindung gebracht, etwas abwegig, das geben wir gern zu, aber ihre Topfpflanzenhommage lud einfach dazu ein. Heute kündigen die fünf Herren aus London eine neue EP mit dem Titel "Town Centre" an, darauf werden sich neben der aktuellen Single "The Cleaner" (Spiellänge schlappe siebeneinhalb Minuten!) noch drei weitere Songs befinden, erscheinen soll sie am 6. September bei Speedy Wunderground.

Wilco: Nicht zu toppen

Die letzten Nachrichten? Waren nicht wenige: Jeff Tweedy mit einem Soloalbum, dazu ganz aktuell ein Tribute-Sampler zum All-Time-Liebling "Yankee Hotel Foxtrot", dessen Erlöse zugunsten der Aids Foundation Chicago gehen und worauf sich Bands wie Meat Wave, Adult Mom und Slow Mass finden. Nicht zu vergleichen allerdings mit der Ankündigung einer neuen Platte. Und die kommt nun also hier: Wilco werden am 4. Oktober als Nachfolger von "Schmilco" ihr nächstes Werk "Ode To Joy" veröffentlichen, begleitet von einer anständigen Tournee (mit drei Deutschlandterminen) und einer ersten Single namens "Love Is Everywhere (Beware)". Noch Fragen?

12.09.  Berlin, Tempodrom
13.09.  Köln, Carlswerk Victoria
14.09.  Hamburg, Elbphilharmonie
18.09.  Zürich, Volkshaus

LIFE: Heilige Dinge [Update]

Wer sein erstes Album "Popular Music" nennt, der hat schon mal eines: Humor. Und den nötigen Abstand zum eigenen Werk. LIFE aus dem englischen Hull jedenfalls würden wohl beides unterschreiben, 2017 ist ihr Debüt erschienen und über Nachfrage können sich die vier seitdem wohl kaum beklagen. Vor einigen Wochen hatten wir hier ihre neue Single "Moral Fibre" vorgestellt, dieser gesellt sich nun eine weitere hinzu plus Ankündigung für ein weiteres Album. Am 20. September wird "A Picture Of Good Health" (Coverart unten) bei Afghan Moon (PIAS) erscheinen und "Hollow Thing" nennt sich die besagte Auskopplung. [Update: Video plus Tourdaten]

29.09.  Köln, MTC
30.09.  Hamburg, Molotow
05.10.  Berlin, Musik und Frieden
08.10.  München, Kranhalle
10.10.  Zürich, Dynamo Werk



Frankie Cosmos: Treuepunkte [Update]

Das wird die vielen freuen, die sich mit dem entspannten Gitarrenpop der Band über die Jahre vertraut gemacht haben und Gefallen daran fanden, mit welcher Leichtigkeit Greta Simone Kline solch feine Songs aus dem Ärmel zu schütteln scheint: Frankie Cosmos, von denen wir hier reden, haben sich nicht erst im vergangenen Jahr mit ihrem Album "Vessel" eine treue Anhängerschaft aufgebaut, es ist davon auszugehen, dass diese mit dem gerade angekündigten "Close It Quietly" nicht von der Fahne gehen wird. Am 6. September soll also ihre vierte Studioplatte bei Sub Pop Records erscheinen, begleitet wird sie von auserlesenen Liveterminen und der ersten Single "Windows" samt Videoclip.

08.10.  München, Heppel und Ettlich
09.10.  Wien, Chelsea
11.10.  Köln, MTC

Update: Und hier kommt dann mit "Rings (On A Tree)" eine zweite Single vom Album.





Montag, 15. Juli 2019

Trettmann: Schon gehört?

Am Wochenende wussten es diejenigen, die auf dem Splash! in Gräfenhainichen vor der Bühne tanzten, mittlerweile ist die Sache auf allen Kanälen rum: Am 13. September wird bei KitschKrieg das neue Album von Trettmann erscheinen, dem Mann also, der mit seiner letzten Platte "#DIY" eine ganze Generation verblüfft und angeschoben hat - und, was Wunder, aus Chemnitz kommt. Man bräuchte das eigentlich nicht extra betonen, aber in Zeiten, in denen viele (von den Guten und den Bösen) den deutschen Osten schon für eine komplett national befreite Zone halten, sind Standort- und Standpunktfragen und die Antworten darauf wichtiger denn je. Es gab ja in den letzten Monaten immer wieder feinen Klangstoff vom Trendlabel, wurde der "Standard" gesetzt, machten "5 Minuten" den Unterschied" und der Gringo war ohnehin sauer. Jetzt jedenfalls steht dieser eine Termin und wer sich den Stream vom Festival via Arte anschaut, der wird dort schon neues Material finden.

Idles: Einstecken und Austeilen

Das ist jetzt eine willkommene Gelegenheit, nochmals auf die unglaublichen Live-Quailitäten der Punktruppe Idles aus Bristol hinzuweisen, auch wenn vorerst keine deutschen Termine mehr ins Land stehen. Vor einigen Tagen ging ja das legendäre Glastonbury Festival von Bauer Michael Eavis über die Bühnen und natürlich gab es auch in diesem Jahr wieder einige atemberaubende Auftritte, die sogar einen sonst seelenlosen Videostream lohnen. Da wäre zum einen der Gig von Grime-Rapper Stormzy und eben vor allem das unglaublich intensive Konzert von Joe Talbot und Kollegen. Viel besser kann man einen Termin bei Tageslicht nicht hinbekommen, in Sachen Emotionalität läßt er sich ohnehin (wie gesagt, reinschauen!) kaum toppen. Und die Gelegenheit - btw. - die Idles haben heute ein Video zu ihrer Single "Never Fight A Man With A Perm" veröffentlicht, der Illustrator Russell Taysom hat den herrlichen Splatter-Fight Talbot vs. Barry Fiffa und Timmy Thyroid gemalt, der dann doch recht überraschend endet.

PS: Im Netz gibt es übrigens eine eigene Petition, um Michael Eavis zum Ritter schlagen zu lassen - aus Gründen.