Montag, 26. Juni 2017

Men I Trust: Kunststück [Update]

Kanada geizt ja momentan nicht mit guten Nachrichten - Kunststück, haben die Nordlichter doch schließlich in Justin Trudeau einen Präsidenten, dessen man sich nicht täglich zu schämen braucht. Ob da jetzt allerdings ein direkter Zusammenhang zur wunderbar leichtfüßigen Popmusik des Trios Men I Trust besteht, müßte an anderer Stelle herausgefunden werden, jedenfalls haben die drei gerade einen neuen Song "You Deserve This" in die Runde geschickt, der den Schluß zumindest nahelegt. Das Cover der Single ist im Übrigen an die kürzlich erschienene LP der Band angelegt, welche als limitierte Version unbemalt mit einer Packung Bundstiften ausgeliefert wurde - eine Art Illustrationsvorschlag also.

Update: Durch's Bluemfeld in die Weiten des weltweiten Netzes - auch das Video zum Song wirkt ähnlich versonnen und verträumt wie die Musik selbst.



Samstag, 24. Juni 2017

Familienalbum # 25: Goose

Wieder ein kleine Fleißarbeit, aber aus gegebenem Anlaß: Gerade hat die belgische Synthpop-Formation Goose eine Neubearbeitung ihres Songs "Trip" vom Album "What You Need" online gestellt und ein Blick auf's Cover verrät, daß auch hier die Bezüge bis in die Achtziger hineinreichen. Da nämlich veröffentlichten Depeche Mode ihrerseits mit "A Question Of Lust" die zweite Auskopplung ihrer Platte "Black Celebration" und die Verpackung dazu darf heute als ikonografisch gelten. Entgegen allen Gerüchten war dort aber nicht das damalige vierte Mitglied der Band, Alan Wilder, zu sehen, sondern nur ein junger Unbekannter, der ihm sehr ähnlich sah. Ob sich Goose nun dieses Bild zur Vorlage für ihr aktuelles Stück genommen haben, müßte im Nachhinein noch erfragt werden. Der Kuß jedenfalls, und da wollten wir nicht bis zu seinem alljährlichen Welttag am 6. Juli warten, hat auch bei der Gestaltung von Plattencovern eine große Tradition, da gibt es alles von romantisch über abartig, eklig, ästhetisch bis provokant und leidenschaftlich sowieso. Hier also in gewohnter Weise alle Cover von oben nach unten und links nach rechts.

Goose "Trip", Depeche Mode "A Question Of Lust", Lemonheads "Lick", Bobby Birdman "Heart Caves", Type O Negative "Bloody Kisses", Fairground Attraction "The First Of A Million Kisses", Black Lips "Disconnection", Kate Bush "The Dreaming", The Script "No Sound Without Silence", John Lennon And Yoko Ono "Double Fantasy", Operation Makeout "First Base",  Soft Metals "Soft Metals", Suede "Suede", Suede "Singles", Bass Sultan Hengst "Musik Wegen Weibaz", Scorpions "Love At First Sting", Ariel Pink's Haunted Graffiti "Round And Round", Machineheart "Speak In Tongues", The Jezebels "The Brink", My Bloody Valentine "Glider", Stereophonics "Performance And Cocktails"

Freitag, 23. Juni 2017

FEWS: Alte Helden

Noch schöner als das Bandfoto ist eigentlich die Tafel darunter: Die FEWS stammen ursprünglich aus dem schwedischen Malmö, haben mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt aber nach London verlegt. Und zwar ausdrücklich nicht, weil das auch die Geburtsstadt von Gary Numan ist. Dennoch ist die Synthpop-Legende der 80er einer von vielen Fixpunkten, auf die sich die vier mit ihrem Sound berufen, ein Sound, den sie mit POP, also Post Office Punk umschreiben. Ob das jetzt eher ein Fan-Gag ist oder doch ein Körnchen Wahrheit beinhaltet, sei jetzt mal dahingestellt, jedenfalls hat die Band im vergangenen Jahr ihr Debütalbum "MEANS" veröffentlicht und gerade jetzt eine neue Single, die eine alte covert - nämlich "Metal" von ebenjenem Gary Numan. Im Sommer spielen die FEWS dann noch ein paar Shows als Support der Pixies, noch so eine Bezugsgröße, was danach kommt, wird sich zeigen.



Chest Pains: Durchaus schmerzhaft [Update]

Ein kurze Nachricht von einer ziemlich lauten Truppe aus Leeds: Chest Pains, also vier junge Herren namens Callum, Cal, Sammy und Sam, haben sich ganz offenkundig der DIY-Philosophie verschrieben und entsprechend wild und ungelenk klingt ihr Garagen-Punk. "Petrified", ihre erste Single, ist seit zwei Tagen im Netz zu haben und wir wollen mal hoffen, daß da bald etwas nachkommt.

Update: Kommt schon und deshalb schnell weitergereicht - "Shame" als zweiten Song.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Depeche Mode: Rundumversorgung

Da hat es noch an einer bestimmten Zutat gefehlt und die ist jetzt eingetroffen: Depeche Mode haben gerade wie erwartet eine Reihe von Anschlußterminen für den Herbst bekanntgegeben, denn wie üblich folgt dem Stadion die Halle. Und obendrauf gibt es auch gleich noch das neue 360-Grad-Video zur aktuellen Single "Going Backwards". Das Stück, das die letzten Konzerte eröffnet hatte, wurde von Timothy Saccenti bebildert und stammt natürlich vom Album "Spirit".

24.11.  Frankfurt, Festhalle
28.11.  Stuttgart, Schleyerhalle
30.11.  Mannheim, SAP Arena
11.01.  Hamburg, Barclaycard Arena
15.01.  Köln, Lanxess Arena
17.01.  Berlin, Mercedes-Benz Arena
19.01.  Berlin, Mercedes-Benz Arena
21.01.  Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
04.02.  Wien, Stadthalle

HAIM: Come as you are

Hat Donald Trump sein Land etwa schon leerregiert? Keine Menschenseele unterwegs um Viertel vor acht auf Amerikas Straßen? Nun, wenn dem nicht so sein sollte, dann waren die Kosten für die Straßensperre inklusive Publikumsverbringung wohl das teuerste am neuen Video der Geschwister HAIM. Denn der Rest ist denkbar einfach gehalten, dreieinhalb Tanzschritte, halbherziges Playback, Styling Fehlanzeige (Kommt einfach mit dem, was ihr sonst so durch die Gegend tragt) - die drei Mädels wirken nicht gerade so, als wollten sie den Adressaten ihres neuen Liedchens "Want You Back" mit maximal leidenschaftlichem Gesang zur Rückkehr überreden. Am Ende wäre man über eine Kendall Jenner und jeden kleinen Aufreger froh ... Ach ja, einen neuen Song vom zukünftigen Album "Something To Tell You" (VÖ: 7. Juli) gibt es mit "Little Of Your Love" auch noch zu hören.



Queens Of The Stone Age: Schurkenstück [Update]

Sie zieren sich ja noch etwas, die Herren: Mit Informationen zum neuen Album haben die Queens Of The Stone Age bislang ja ziemlich gut hinterm Berg gehalten und auch im nachfolgenden Teaser geben sie sich alle Mühe, nicht zu viel zu verraten. Was wir dennoch wissen: "Villains" soll der Nachfolger von "Like Clockwork" heißen, produziert hat der umtriebige Mark Ronson und ein erster Song wird den Titel "Feet Don't Fail Me" tragen - ein paar Takte haben Josh Homme und seinen Männer doch noch rausgelassen. Und wie gewohnt werden wir hier natürlich nach und nach auffüllen, erfahrungsgemäß kann es nicht mehr allzu lang damit dauern.

Update: Neue Single "The Way You Used To Do", Albumcover und VÖ-Date 25. August - isso.

05.11.  Wien, Stadthalle
06.11.  Zürich, Samsung Hall
09.11.  Oberhausen, König-Pilsener-Arena
10.11.  München, Zenith
11.11.  Berlin, Velodrom
15.11.  Hamburg, Sporthalle



Hercules And Love Affair: Erwartungsvoll

Nachdem das letzte Opus "The Feast Of The Broken Heart" nicht nur mit ziemlich albernem Cover daherkam, sondern auch sonst den gewohnten Esprit vermissen ließ, ist eine Albumankündigung von Hercules And Love Affair nicht mehr automatisch eine Sache für ausgelassene Luftsprünge. Am 1. September soll nun also bei Big Beat Records die neue Platte "Omnion" erscheinen und natürlich ist wieder reichlich prominentes Gastpersonal dabei - Sharon Van Etten, gerade erst für eine Benefizsingle mit der Band aktiv, stellt mit dem Titeltrack die zweite offizielle Single, desweiteren im Studio vorbeigeschaut haben Faris Badwan von The Horrors (u.a. "Controller"), Gustaph, Rouge Mary, Mashrou’ Leila's Hamed Sinno und Sísý Ey von Iceland. Wir dürfen und wollen also gespannt sein, was uns da erwartet.



Circus HalliGalli: Am Arsch, Alter!

Also man kann ja von der Show und ihren Protagonisten halten was man will (und erfahrungsgemäß korreliert die Akzeptanz der beiden Herren Winterscheidt und Heufer-Umlauf direkt mit dem Alter ihrer Zuschauer) - aber der Abschied von Circus HalliGalli ist dann doch eher eine traurige Sache. Auch wegen der Gastauftritte, auch wegen der beiden Ganzkörperkasper, auch weil nun der Böhmermann ganz alleine weiterwerkeln muß. Der Grund, weshalb diese halbgare Mitleidsnote hier geschrieben wurde, ist aber eigentlich ein ganz anderer, wir wollten halt den phänomenalen Disstrack aus der letzten Show mit den Beginnern, Sido, Marteria, Cro und vor allem Fahri Yardım, der unbedingt zeigenswert ist, nicht ganz ohne Worte stehen lassen. Klappe, aus.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Colour Of Spring: From Leeds with Love [Update]

Und wo wir gerade bei Leeds sind, möchten wir gern noch diese fünf jungen Herren hier nachreichen: Colour Of Spring haben seit 2015 eine ganze Reihe feiner Singles veröffentlicht und auch die letzten drei sind erstklassiger Shoegazing-Pop mit teils angenehm schweren Gitarren und natürlich wunderbaren Melodien. "Frail" und "Echoes" haben schon ein paar Tage mehr auf der Uhr, ganz aktuell ist jetzt "Love" dazugekommen. Die Liste der Vorbilder, die die fünf zum besseren Verständnis ins Feld führen, ist dann auch so überraschend nicht, Namen wie Slowdive, Wild Nothing, Dinosaur jr. und Pavement hätte man vielleicht mit ein paar Minuten Bedenkzeit selbst aufgeschrieben, ob sie's auch mit ähnlicher Ausdauer angehen, werden wir weiter beobachten.

Update: Heute können wir etwas verdichten, denn hier ist die offizielle "E.P." mit drei Titeln, von denen wir nur "Sun" noch nicht auf dem Schirm hatten.



St. Vincent: Zukunftsangst on Tour

Das eine ist ohne das andere selten zu bekommen. Wenn also Annie Clark aka. St. Vincent eine große Tour unter dem Titel "Fear The Future" ankündigt, dann wird auch das dazu passende Album nicht weit sein - so hoffen wir jedenfalls. Zwar bekommt im deutschsprachigen Raum einzig das Berliner Huxleys den Zuschlag, aber wenn den eine Platte nachkommt, kann man die sicher auch im Rest der Republik kaufen.

26.10.  Berlin, Huxleys

Agent Blå: Jede Menge Zeit

Agent Blå
"Agent Blå"
(Kanine Records)

Seit langem bekannt: Die gefährlichsten Dinge haben die wohlklingendsten Namen. Beispiele gefällig? Bitteschön: Angel Dust, Enola Gay, Oleander, Ciguatera, Helene Fischer. Nicht anders sieht es bei der bunten Familie der Herbizide aus, bei deren Aufzählung hat man das Gefühl, in ein Sequel von Tarantinos "Reservoir Dogs" geraten zu sein. Denn der giftige Regenbogen kennt Bezeichnungen wie Agent Orange, Agent White, Agent Green, Pink und Purple. Und eben auch Agent Blue. Nun ist der Bezug zwar bewusst gewählt, ganz so furchterregend, wie der Name vermuten läßt, ist die Musik der Göteborger Post-Punk-Kapelle Agent Blå dann aber doch nicht. Sie berufen sich zwar stilistisch auf das Genre Death-Pop, richtig bedrohlich oder böse wollen die feinen Gitarren-Hooks und federnden Drumsets allerdings nicht klingen.

Die Entstehungsgeschichte vom Jugendzentrum und den leidenschaftlichen Joy-Division-Battles, aus denen hernach die endgültige Besetzung entstanden ist, hat man schnell intus, auch der Sängerin Emelie Alantalos grimmiges Statement, ihre Songs würden sich vor allem mit schlechten Parties und dem Warten auf das Ende selbiger beschäftigen, liest man gerade sehr häufig. Angefangen hat eigentlich alles mit dem ganz vorzüglichen Song "Strand", der im Dezember 2015 an den Start ging und gemeinsam mit der nicht weniger gelungenen Flipside "Frustrerad" für ein erstes Achtungszeichen sorgte. Hernach hielt "(Don't) Talk To Strangers" die Neugierde hoch, bevor das Album stand und mit dessen Ankündigung die erste reguläre Single "Rote Learning" an den Start ging. Und mit ihr die vielfach zitierten Textzeilen: "Tell me, what the fuck are we doing!?" Ja, wenn sie das nicht wissen, können wir gerne weiterhelfen - schön zu hörenden, energischen Waverock mit leicht verwaschenem Gesang und viel Potential. Sind ja gerade mal um die zwanzig und schlechte Parties gibt es bekanntlich zu allen Zeiten. https://agentbla.bandcamp.com/

Casper: Die Sache mit dem Anfang und dem Ende

Das ist schon verflixt: Da hatte man sich schon auf die übliche Taktung eingestellt, welche da heißt Single/Album/Tour, doch leider war nach der ersten Hörprobe schon wieder Pause. Casper konnte ja mit dem Titelsong seiner neuen Platte "Lang lebe der Tod" und den dazugehörigen WarmUp-Gigs erwartungsgemäß mächtig punkten, das Erscheinen des Komplettwerks allerdings verzögerte sich leider bislang ins Ungewisse. Schluss damit, seit gestern gibt es einen überarbeiteten VÖ-Tag, nämlich den 1. September, und dank des Abschieds der Herren Heufer-Umlauf und Winterscheidt den passenden Rahmen für die Single "Sirenen", welche während der Abschiedssendung des Circus HalliGalli zur Aufführung kam. Denn wie lautet der hübsche Kalenderspruch: In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.

31.10.  Münster, Halle Münsterland
02.11.  Luxemburg, Rockhal
03.11.  Zürich, Samsung Hall
04.11.  Stuttgart, Schleyerhalle
08.11.  Hamburg, Sporthalle
10.11.  Dortmund, Westfalenhalle 1
14.11.  Wien, Stadthalle
17.11.  München, Zenith
18.11.  Frankfurt am Main, Festhalle
21.11.  Leipzig, Arena
22.11.  Bremen, ÖVB Arena
24.11.  Berlin, Max-Schmeling-Halle
25.11.  Hannover, Swiss Life Hall
09.03.  Würzburg, S. Oliver Arena
10.03.  Erfurt, Messehalle

Dienstag, 20. Juni 2017

Fleet Foxes: Raum und Zeit

Fleet Foxes
„Crack-Up“

(Nonesuch Records)

Gerade noch mal gespickt – den Vorgänger „Helplessness Blues“, vor sechs Jahren erschienen, hatten wir doch tatsächlich dem Erbe von Crosby Stills Nash And Young und Simon And Garfunkel zugeschlagen, was damals sicher kein allzu verwegenes Urteil war. Flauschige und verwunschene Songs fanden sich auf dem zweiten Album der Fleet Foxes, ganz dem Folk-Klischee entsprechend gab es Fidel-Melodien, zarte Chöre und allerhand mehr solcher herzerwärmenden Zutaten – und man war’s zufrieden. Klar stand dann in der Folge irgendwann die Frage im Raum, ob Robin Pecknold die Mumfordisierung seiner Band vorantreiben sollte oder im übertragenen Sinne die Alt-J-Taste drückt. Nun, er hat sich für letzteres entschieden und zwar mit einer Konsequenz, die einen staunen läßt. Denn von Beschaulichkeit, einschmeichelnder Süße oder gar zunehmender Simplifizierung ist auf der neuer Platte kaum noch etwas zu hören, statt dessen erwartet uns ein Werk, das zumindest in diesem Genre in Sachen Komplexität und Vielschichtigkeit seinesgleichen sucht.

Das ist nicht immer ganz einfach, man sollte sich für „Crack-Up“ schon ein paar Minuten mehr nehmen. Denn schon allein die Fülle der instrumentalen Arrangements ist so atemberaubend wie herausfordernd – neben den gewohnten Arbeitsmitteln einer handelsüblichen Rockband finden sich hier noch Celli und Cembalo,  Posaunen und Trompeten, japanische Lauten und Zittern, Marimba, Kastagnetten sowie ein ganzes Arsenal verschiedenster Keyboards und elektronischer Klangwandler in den Liner-Notes. Und so vielfältig die Auswahl der Werkzeuge, so weit geschnitten auch die der textlichen Bezüge. Man muss schon ein ausgewieseser Fachmann in Sachen Historie und Sagen sein, um hier den Anschluß zu behalten, den Bezug zum römischen Verschwörer Cassius ("Cassius,-"), zur griechischen Mythologie ("-Naiads, Cassadies") und zum mittelalterlichen Heldenepos Beowulf ("Mearcstapa") sollte man ebenso rekapitulieren können wie Grundkenntnis fernöstlicher Geografie und des malerischen Werkes Francisco de Goyas ("Third Of May").

Allen, die es jetzt mit der Angst zu tun bekommen sei gesagt, daß „Crack-Up“ auch ganz gut ohne Unistudium und Leihbücherei zu bewältigen ist – Zeit und auch Raum braucht es allerdings dennoch. Denn die kunstvoll verschachtelten Melodien, die vertrackten Strukturen und Stilmixturen, welche die Fleet Foxes zuweilen so klingen lassen wie Arcade Fire in ihren seligen Gründertagen, müssen sich entfalten, ausbreiten können. Es läßt sich natürlich ausgiebig darüber diskutieren, ob das, was Pecknold und seine Mitstreiter da anbieten, noch unter der Überschrift „Folk“ firmieren kann. Letztlich ist das aber zweitrangig, denn wie bei gutem oder weniger gutem Wein ist wichtig, ob es schmeckt oder eben gefällt, ob man sich darauf einlassen will und Gefallen an dieser Art des Musizierens findet. Zum Trost bleiben einem dann immer noch die Momente, in denen Pecknolds Stimme, ob solistisch oder gedoppelt, zart oder gewaltig, über all den komplizierten Dingen schwebt. Und die bleiben, so oder so, unverändert schön. http://fleetfoxes.co/crack-up

12.11.  Hamburg, Docks
13.11.  Berlin, Columbiahalle
01.12.  Köln, Live Music Hall

Esther Joy: Regelgerecht

Das ist ja meistens die erste Regel, die angehende Jungstars beherzigen müssen: Ein markantes Äußeres ist wichtig. Da jedenfalls hat Ester Joy Lane, kurz Esther Joy, alles richtig gemacht, denn mit dem kahlrasierten Schädel ist das Mädchen schon mal so gut wie unverwechselbar. Geboren in Leeds, kam sie über Lodon nach Oxford und im Laufe dieser Reise wurden nicht nur die Haare kürzer, sondern postete sie auch eine Reihe elektronischer Tracks über Soundcloud, über die dann immer mehr Leute gestolpert sind. Aktuell macht "Samgel" die Runde, vollgepackt mit dunkelsten Dronebeats - stammen soll das Stück von der EP "Psychic Tears", die am 11. August erscheint.

Montag, 19. Juni 2017

The Howl And The Hum: Magisch

Eine Ausnahmestellung in der britischen Musiklandschaft darf man derzeit wohl dem Quartett The Howl And The The Hum zuschreiben. Mit ihrem Song "Godmanchester Chinese Bridge" haben Sam Griffiths, Conor Hirons, Bradley Blackwell und Jack Williams vor ein paar Wochen die Herzen nicht weniger Hörer erobert, nun legen die Jungs aus York mit "Manea" nach - ähnlich trippy, crispy, noisy. Der Band wird ja nachgesagt, daß sie den Soundtrack zu Twin Peaks bespielen könnten, gäbe es diesen nicht schon, wie man hört veranstalten sie auch gern Live-Shows, bei denen sie selbst und das Publikum in kompletter Dunkelheit agieren. Kann man sich gut vorstellen - das hier jedenfalls haut um, garantiert.



Lorde: Einen Schritt weiter

Lorde
„Melodrama“

(Universal)

Das ist ja das Schöne an dieser Platte: Mit gerade mal Anfang zwanzig bestimmt die Neuseeländerin das Melodrama zum sinnstiftenden Thema ihres zweiten Albums und besingt dort auch fast ausschließlich das, was Menschen ihres Alters als dramatisch gilt: Beziehungschaos, Liebeswirren, persönliche Enttäuschungen, Sinnsuche. Und ohne jetzt Adele zu nahe treten zu wollen – bei ihr hätte das dann auch nach reichlich Melodrama geklungen. Lorde hingegen bastelt daraus mit Jack Antonoff aka. Bleachers, ihrem Produzenten und Kollaborateur, eine der vermutlich besten Popplatten dieses Sommers. Keine wohlgemerkt, die vor lauter Glückseligkeit durch Blumenwiesen hüpft, dafür sind die verhandelten Gefühlswelten dann doch zu ernst geraten. Dicke, schwerfällige Bassbeats gehören hier eher zur Grundausstattung, Lorde mischt, mal mit Flume, später Jean Benoit Dunckel, den gefälligen, schönen Melodien allerlei Versatzstücke des Trip-Hop bei und selbst ihr Gesang nimmt sich mit vorsichtig angedeuteten Rapversuchen so seine Freiheiten.

Überhaupt: ihre Stimme. Wo Adele oder gerade eben auch Hannah Reid von London Grammar diese zum einzig bestimmenden Stilmittel ihrer Songs machen und sie so ein Stück weit ihrer Wandelbarkeit und möglicher Überraschungen berauben, geht Lorde etwas andere Wege. Obschon sie sich, was Klangfarbe und Volumen angeht, hinter den beiden genannten Damen keineswegs verstecken muß, ist sie klug genug, den Tracks genügend instrumentales Eigenleben zu verpassen. Das Piano als Taktgeber für den flotten Dancepop von „Greenlight“, wenig später ‘stripped down‘ bei ihrer Balladenpremiere „Liability“, hier die kurze Gitarreneinlage für den hübschen Abba-Moment im Schlußteil von „The Louvre“, dort dissonante, düstere Industrial-Loops, die eine zerbrochene Beziehung genauso schmerzhaft klingen lassen, wie sie sich auch anfühlt („Hard Feelings“/“Loveless“).

Es ist trotz der vielen Spielereien ähnlich dem Vorgänger "Pure Heroine" wieder ein sehr ernstes Album geworden, das den Namen des wohl schönsten Stückes „Sober“ als Klammer über die gesamte Länge trägt. Texte, geschrieben an der Wegscheide zwischen unbeschwerter Jugend und unvermeidlichem Übertritt ins selbstbestimmte, spannende, aber eben bisweilen auch ziemlich glanzlose, mühevolle Leben einer Erwachsenen. Daß sie dabei am Ende fast klingt wie ihre eigene Mutter, läßt sich wohl nicht vermeiden: „All of the things we're taking 'cause we are young and we're ashamed, send us to perfect places. All of our heroes fading, now I can't stand to be alone – let's go to perfect places…“, die Erfahrung muß wohl jede/r machen und das fühlt sich nicht gut an, sondern immer auch ein bisschen wie der Verrat an der eigenen Vergangenheit. Auf dem Weg zu einer wirklich ernstzunehmenden Künstlerin, das kann man hier schon hören, ist sie damit aber schon einen großen Schritt vorangekommen. https://lorde.co.nz/

11.10.  München, Zenith
14.10.  Köln, Palladium
15.10.  Berlin, Tempodrom

LCD Soundsystem: Traumtänzer

Fast so sehnlich erwartet wie die Nachricht von der Abwahl des Toupeträgers aus dem Weißen Haus: LCD Soundsystem haben mit ihrem Rücktritt vom Rücktritt ja vor Monaten erst für Verwirrung und später für Jubelstürme gesorgt, nun hat James Murphy endlich den Titel seines neuen Albums bekanntgegeben. "American Dream" wird am 1. September bei DFA Records erscheinen und zehn neue Tracks enthalten - zwei davon, nämlich "Call The Police" und den Titelsong hatten wir ja hier schon vorgestellt, hier die komplette Liste:

Tracklist:
oh baby
other voices
i used to
change yr mind
how do you sleep?
tonite
call the police
american dream
emotional haircut
black screen




Samstag, 17. Juni 2017

Mise En Scene: Zeitvertreib

So, jetzt ist wieder Schluß mit lustig. Denn wir wenden uns nun kurz nach Winnipeg, Manitoba. Aus der Gegend nämlich kommt das Trio Mise En Scene und das spielt grundanständigen Grunge. Mit "Desires Despair" steht von ihnen bislang eine LP zu Buche, am 30. Juni soll nun hierzulande endlich eine weitere folgen - von "Still Life On Fire", so der Titel, haben wir hier gleich mal eine Handvoll Hörproben parat, unter anderem auch den aktuellsten Track "Waster". Und das ist nun wirklich eine sehr angenehme Variante, Zeit nicht zu verschwenden, sondern zu vertreiben.

Freitag, 16. Juni 2017

Sälen: Kann losgehen

Ohne Dancetrack in ein mutmaßlich sonniges Wochenende? Geht schon mal gar nicht. Deshalb reichen wir hier mal das neueste Stück des Londoner Trios Sälen weiter, das nun wirklich alle Voraussetzungen erfüllt, die Clubnacht ordnungsgemäß anzuteasern - "So Rude" nimmt den aktuellsten Platz in einer ganzen Reihe vorzüglicher Songs der Band ein, hier noch hinzugefügt "Pretty Fake" und "Heartbreak Diet".