Dienstag, 13. November 2018

The Twilight Sad: Nicht mehr dieselben [Update]

So erfreulich der Anlass ist, die Nebengeräusche dazu sind nicht zur Erheiterung gedacht: Das Thema Mental Health hat in den letzten Jahren auch im Musikbusiness zunehmend an Bedeutung gewonnen, zu traurig waren die Nachrichten über die Todesfälle von Chester Bennington, Chris Cornell, Tim Berkling aka. Avicii und Scott Hutchinson. Letzterer war mit seiner Band Frightened Rabbit ein enger Freund und Kollege von James Graham und Andy MacFarlane, deren Band The Twilight Sad ebenfalls aus dem schottischen Glasgow stammt. Dem NME hat Graham gerade von dieser jahrelangen Freundschaft und dem schmerzlichen Verlust erzählt und dabei erwähnt, dass das Duo die Veröffentlichung eines weiteren Albums plant. Wie genau es heißen wird und wann es kommt, ist dabei noch nicht herausgekommen, einzig die neue Single "I/m not here [missing face]" und erste Livetermine wurden bekannt - und das ist doch schon mal nicht wenig.

11.11.  Wiesbaden, Schlachthof
12.11.  München, Ampere
13.11.  Wien, Chelsea
15.11.  Berlin, Musik und Frieden
16.11.  Hamburg, Molotow

Update: Mittlerweile haben wir auch einen Termin und einen Titel, denn am 18. Januar soll nun mit "It Won't Be Like This All The Time" bei Rock Action Records das neue Album der Band erscheinen. Und nach "Videograms" gibt es heute auch noch die aktuelle Single "VTr" davon zu hören.





Montag, 12. November 2018

Fontaines D.C.: Viel unterwegs

Auch schon kein Geheimtipp mehr: Die Fontaines D.C. hatten wir hier schon im Frühjahr auf dem Schirm, damals mit einer Reihe wunderbar griffiger Garagen-Songs. Von der Qualität der Herren aus Dublin waren auch andere schnell zu überzeugen, die fünf touren derzeit mit Shame und den Idles durch die Clubs der Welt und auch ihre aktuelle Single "Too Real" sollte dann zu hören sein. Im Januar kommen sie im Übrigen noch einmal allein zu uns.

19.01.  Dresden, Ostpol
24.01.  Berlin, Schokoladen
25.01.  Köln, Privat
26.01.  Hamburg, Molotow

Dido: Keineswegs vergessen

Wo wir gerade bei gut gemachten Pop sind, springen wir mal schnell noch ein kleines Stückchen weiter über unseren Schatten und teilen mit, dass auch Dido bald wieder mit einer neuen Platte am Start ist. Und auch wenn der Großteil ihres Soloprogrammes in der Vergangenheit recht soft und brav daherkam, sie hat immerhin mit Faithless, Rufus Wainwright, Eminem, Annie Lennox und Brian Eno kollaboriert - alles Namen von großem Klang und so ist auch ihr gehöriger Respekt sicher. Fünf Jahre nach "Girl You Got Away" kommt also nun ihr nächstes Album "Still On My Mind" ins Regal, die erste Single "Hurricanes" überzeugt als perfekte, trippige Popnummer, deren Reiz man sich kaum entziehen kann. Mal schauen, wie das mit dem Rest aussieht, am 8. März wissen wir mehr.

07.05.  Zürich, Volkshaus
10.05.  München, Zirkus Crone
11.05.  Wien, Stadthalle
13.05.  Frankfurt am Main, Alte Oper
15.05.  Berlin, Tempodrom
16.05.  Hamburg, Laieszhalle
19.05.  Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall

The Japanese House: Reality bites [Update]

Dass Menschen, die einander lieben, sich irgendwann wieder trennen, ist nicht eben neu, schmerzhaft ist es dagegen immer. Dass die beiden aber, wie in diesem Fall, noch einmal zusammenfinden, um ein gemeinsames Video über die Zeit vor und nach dieser Trennung zu drehen, ist dann doch eher selten: Amber Bain, besser bekannt unter ihrem Moniker The Japanese House, war einige Zeit mit Musikerin Marika Hackman liiert und bat diese, einige Zeit nach dem Ende der Beziehung, im Clip zu ihrer aktuellen Single "Lilo" mitzuspielen und aus der fiktiven Geschichte somit eine durchaus reale zu machen. Hackman sagte zu und so ist das ohnehin schon anrührende Stück um eine Note reicher und wird zum traurig schönen Rückblick für beide.

Update: Da schicken wir gern eine eine Aktualisierung hinterher - am 1. März wird nun also das Debütalbum von Bain erscheinen, "Good At Falling" soll es heißen und bei Dirty Hit verlegt werden. Wieder mit dabei George Daniel (1975) und es gibt auch gleich eine neue Single zu hören, hier kommt "Follow My Girl". Ach ja, Termine hat's auch noch...

30.01.  Köln, Artheater
01.02.  Hamburg, Nochtspeicher
02.02.  Berlin, Kantine Berghain
04.02.  Wien, Fluc
07.02.  Zürich, Papiersaal



Sonntag, 11. November 2018

Sade: Der Star im Hintergrund

Schon ihr letzter Song war eine Arbeit für's Kino, für den Film: Sade veröffentlichte im Frühjahr für Disney's "A Wrinkle In Time" das Stück "Flower Of The Universe", nun steht "The Big Unknown" für Steve McQueens "Widows" im Tracklisting für den Soundtrack. In dem Film, der am 16. November in die deutschen Kinos kommt, übernehmen die Witwen gescheiterter Gangster den Job ihrer Männer, Viola Davis, Michelle Rodriguez, Liam Neeson, Colin Farrell und Robert Duvall gehören zum Staraufgebot des Thrillers. Der größte Name allerdings, das wird beim Hören schnell klar, stand wohl hinterm Studiomikrophon.

The Desert: Zwangsläufig [Update]

So manchem Straftäter (Achtung - verwirrende Herleitung) rechnet man ja bei der Verurteilung an, dass das Milieu, die Umgebung, wo er sozialisiert wurde, zwangsläufig zum Fehlverhalten führen musste. Und nun fragen wir uns: Gilt das auch für die Musik? Werden also junge Menschen, die in der englischen Stadt Bristol aufwachsen, grundsätzlich Trip-Hopper? Eben weil dort Massive Attack und Portishead ihre Wiege stehen hatten? Okay, bei den Idles hat das wohl nicht hingehauen, die haben so gar nichts mit der melancholischen Verschmelzung von Hip Hop und Dub am Hut, bei Gina Leonard und Tom Fryer, dem Kernteam von The Desert, sieht die Sache etwas anders aus, da hat der Bristol Sound voll durchgeschlagen., gerade so, als hätte es gar keine andere Möglichkeit gegeben. Vor einem Jahr ist ihre erste EP "Playing Dead" erschienen, nun folgt via Funnel Music die nächste, eine erste neue Single namens "Gone" ist jetzt schon zu haben.

Update: Einen weiteren Track von der neuen EP gibt es heute mit "Distract Me".

Samstag, 10. November 2018

Miya Folick: Bloß nicht aufhalten

Miya Folick
„Premonitions“
(Terrible Records PS)

Es ist erstaunlich und ebenso erfreulich, mit welcher Selbstverständlichkeit sich junge Künstlerinnen im Musikbusiness mittlerweile zu bewegen wissen, ohne es an Glamour und inhaltlicher Relevanz fehlen zu lassen, zwei Dingen, die sich vor Jahren noch kategorisch ausgeschlossen haben. Generierten sich zu früheren Zeiten weibliche Popstars eher als hübsch dekorierte Blaupausen, handwerklich solide talentiert, sonst aber eher harmlos bis nichtssagend, bringt die Emanzipation und die (leider schmerzliche, aber dringend notwendige) #metoo-Debatte eine neue, starke Generation des female rock und pop in die Studios, auf die Bühnen und generell in die öffentliche Wahrnehmung. Musikerinnen, die auf  tradierte Erwartungen und Rollenbilder ebenso wenig geben wie auf gewohnte und nicht selten überholte Genregrenzen. Das mag für die angstgetriebene Unterhaltungsbranche schwerer kalkulierbar sein, für uns Zuhörer bringt es, ein Mindestmaß an Toleranz vorausgesetzt, einen erfreulichen Zugewinn. Neuestes Beispiel also Miya Folick, in Kalifornien aufgewachsene Songwriterin mit japanischen und russischen Wurzeln (ihre Eltern finden sich übrigens in Teilen auf dem Covershot). Zwei EP hat Folick seit 2015 aufgenommen und damit für Achtungserfolge gesorgt, in diesem Jahr hat sich die Entwicklung mit jeder weiteren Veröffentlichung noch einmal beschleunigt.



Für das nun erschienene Debütalbum nämlich drehte die Frau mit dem markanten Kurzhaarschnitt und dem grimmigen Blick nämlich nochmals an der Soundschraube. Auch wenn ihr Wiki-Profil noch Indiefolk/-rock vermerkt – in diesen Kategorien denkt Folick schon länger nicht mehr. Der Stilmix der Platte ist bemerkenswert vielfältig, Powerballaden wie „Stock Image“ wechseln mit poppigen Tanznummern („Stop Talking“), der Kontrast zwischen dem zarten Einstieg „Thingamajic“ und der überdrehten Nummer „Freak Out“ könnte größer kaum sein. Die beiden stärksten Stücke gibt’s im letzten Drittel: Auch wenn man mit solchen Vergleichen generell und in diesem Falle besonders vorsichtig sein sollte, so erinnert Folick in „Deadbody“ zumindest stimmlich an die frühe Sinead O’Connor. Thematisch ist der Song zwar schnell als „ihr Beitrag zu“ eingeordnet, selten klang das allerdings in letzter Zeit so aufwühlend und zornig wie hier. Und auch das darauffolgende „Baby Girl“ hat eine handliche Botschaft, wie Folick gerade der Seite The 405 sagte: „Ich denke, gerade wenn wir Leid und Schmerz erfahren haben, ist es um so wichtiger, auch wieder Spaß zu haben, unser eigenes Leben weiterleben zu können. Wir dürfen es von niemandem ruinieren lassen, nur weil er selbst Probleme hat. Es ist wichtig, sich den Menschen zuzuwenden, die wir lieben, und zu sagen: ‚OK, lasst uns jetzt etwas anderes machen, etwas Positives.‘“ Keine Frage, wenn das in der Geschwindigkeit so weitergeht, sind alle Warnungen berechtigt – Grund, sie aufzuhalten, gibt es dagegen keinen. https://miyafolick.com/

05.12.  Berlin, Musik und Frieden
06.12.  Hamburg, Häkken
09.12.  Haldern, Haldern Pop Bar
10.12.  Köln, Blue Shell

Methyl Ethel: Großer Spaß in Fortsetzung

Die Surrealisten des Pop sind also wieder unterwegs. Was? Wie bitte? Na ja, wir sollten das jetzt nicht zu hochen hängen, aber Methyl Ethel aus dem australischen Perth waren im vergangenen Jahr so etwas wie die Überraschung der Saison - ihr Album "Everything Is Forgotten" kam mit exaltierten Diskonummern, Artrock-Chick und ziemlich abgefahrenen Videos daher, das war alles sehr unterhaltsam. Und, denken wir an das wundervolle "Ubu", auch überaus tanzbar dazu. Für den 15. Februar ist nun ihre dritte Platte mit dem passenden Titel "Triage" via 4AD angekündigt und auch der Clip zum ersten Vorabsong "Real Tight" kann mühelos an die vorangegangenen Filme anknüpfen. Großer Spaß, Take eins sozusagen.

Freitag, 9. November 2018

HEALTH vs. Youth Code: Gimme some noise

Es ist die dritte Kollaboration und mithin die härteste. Und es läßt sich sagen: Der Schritt von Soccer Mommy bis zu Youth Code nicht gerade ein kleiner. Mit beiden haben die Industriemetaller von HEALTH aus L.A. gemeinsame Sache gemacht, zwischendrin stand noch ein Studiotermin mit dem französischen Musiker Perturbator auf dem Programm. Doch "Innocence", der Track mit Sara Taylor und Ryan George (ebenfalls aus der kalifornischen Metropole), die hinter Youth Code stecken, kommt mit reichlich Krach und Dezibel daher und vervollständigt das Bild um eine weitere, wenn auch ziemlich derbe Klangfarbe.

27.02.  Frankfurt, Nachtleben
28.02.  München, Feierwerk
01.03.  Leipzig, Täubchenthal
02.03.  Berlin, SO36

J Mascis: Kopfkino

J Mascis
„Elastic Days“
(Sub Pop)

Ob man das so sagen darf, ohne sich am künstlerischen Ethos fremdzuvergehen? Sicher wird es aber vielen Anhängers des früh ergrauten Gitarrengottes J Mascis ähnlich gehen: Entscheidend ist tatsächlich, dass wir in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mit seinen Solowerken, gern natürlich auch mit denen seiner Band Dinosaur jr. versorgt werden, großartige Abhandlungen und inhaltliche Bewertungen sind dagegen kaum notwendig. Weil man sich darauf verlassen kann, dass darauf mindestens drei, vier seiner stilbildenden Riffs zu hören sein werden – auf „Elastic Days“ vergeht keine Minute bis zum Einsetzen desselben. Das erste seiner Art erklang vor mehr als dreißig Jahren und seither versetzt einen dieses kratzige Geschwurbel, das in Ausnahmefällen (denken wir nur an die herrliche Live-Version von „Thumb“ auf  der 12“ von „Whatever’s Cool With Me“) auch mal mehrere Minuten dauern kann, in eine Art kontemplative Extase.



Und erzeugt auch heute noch Bilder längst vergangener Tage. Schön zu hören, dass es ihm auch nicht anders geht, beschreibt er dieses Gefühl doch selbst in den Eingangszeilen: „See you at the movies, movies in my head“. Das Album ist einmal mehr eine melancholische, manchmal gar sentimentale Rückschau geworden und ähnelt somit nicht nur musikalisch auf angenehme Art den Vorgängern. Mascis sinniert, philosophiert, träumt, hadert. Das gipfelt in so schönen Erkenntnissen wie: „Finding you was easy, finding me is hard“, von Fehlern und Reue ist oft die Rede, von Vergänglichkeit, Sehnsucht, Mittfünfzigerthemen halt. Dennoch gelingt Mascis die recht intime Selbstbespiegelung auf angenehm unprätensiöse Art, er singt halt von seinen Sorgen und Nöten und hofft einfach, jemand (sie) werde ihm zuhören. Unsereins jedenfalls könnte das ewig so weitertun, im Vergleich zu manch anderen (und weitaus nutzloseren) Dingen ist hier ein Sättigungsgrad nicht erreichbar. http://www.jmascis.com/

Donnerstag, 8. November 2018

These New Puritans: Der Weg ins Feuer

Jack und George Barnett waren schon immer irgendwie besonders. Nicht so richt willens, sich an die Erwartungen verschiedener Genres, geschweige denn des Mainstreams anzupassen. Die Platten, die sie unter dem Namen These New Puritans aufgenommen haben, waren Grenzgänge zwischen Art, Pomp, Pop und Post-Punk, experimentelle Ereignisse. Drei davon haben sie bislang abgeliefert, nun steht ein weiteres in Aussicht - gerade haben die beiden Briten mit "Into The Fire" einen neuen Song geteilt, ihr Sound sei jetzt direkter, kraftvoller, ja primitiver geworden, so die Band in der Labelinfo, als Gast soll David Tibet von Current 93 mit an Bord sein.

Einhorn: Jagdsaison [Update]

Über neues Material posten, obwohl das neue Material noch nicht teilbar ist, das machen wir normalerweise höchst ungern, weil unfair. Aber weil in den letzten Wochen im Zusammenhang mit dem überraschenden Ableben der SPEX ja so viel von der Gatekeeper-Funktion geschwafelt worden ist, machen wir halt auch mal einen auf Gscheithaferl und verkünden, dass die wunderbare Wiener Band Einhorn eine neue Single namens "The Chase" am Start hat und diese am 2. November veröffentlichen wird. Der Waschzettel erzählt von Parallelen zwischen dem Song und der gleichnamigen Film mit (dem damals vielleicht noch nicht ganz so durchgeknallten) Charlie Sheen - und berichtet von einem Klangwandel der Formation. Und in der Tat klingt das Stück nicht ganz so quietschvergnügt wie das letzte Album "Galactica", grob unterschätzt und ungerechtfertigt immer im Schatten von Bilderbuch und Wanda. Dessen bester Titel war übrigens das dunkel schimmernde "Tuxedo Mask" und da haben alt und neu dann doch etwas gemeinsam. Wer ganz zufällig am 8. November in Vienna ist, der sollte das für einen Besuch in der Grellen Forelle nutzen, dort spielen Kakkmaddafakka und - eben: Einhorn. Nächste Woche garantiert mehr - dranbleiben...

Update: Neu folgt alt, hier kommt endlich das Video zur ersten Single "The Chase", Regie Michael Rofon.



Mittwoch, 7. November 2018

Peter Bjorn And John: Different Shades of grey

Peter Bjorn And John
„Darker Days“
(Ingrid)

Wo bitteschön soll denn das enden, wenn schon die sonst so Gutgelaunten dem Trübsinn verfallen? Erst haben MGMT, einst bekannt geworden durch ihren quietschvergnügten Hit „Kids“, das dunkle Zeitalter ausgerufen, nun ziehen auch die Herren Morén, Yttling und Eriksson nach und besingen die düsteren Tage!? Gut, auch wenn „Gimme Some“, die letzte Platte von Peter Bjorn And John so klang, als sei sie direkt im Bällebad aufgenommen worden – es war schon immer ein gehöriges Augenzwinkern dabei, sie beherrschten die Kunst, Nachdenkliches in lustig hüpfende Rhythmen zu packen, wie nur wenige. Dennoch stellt „Darker Days“ eine Zäsur da, denn dass sich die drei so ausführlich und ungewohnt deutlich dem deprimierenden Weltgeschehen widmen, ist neu. Korrupte Politiker, schmelzende Polkappen, Krieger, Populisten, Nationalisten, wohin man schaut und die Aussichten werden nicht besser.

Da fällt es schwer, die Haltung oder in diesem Falle die gute Stimmung zu bewahren und weil auch sie nicht so recht weiterwissen, verbleiben sie im Titelsong mit dem simplen Ratschlag: „I can’t heal it, I can’t rip it up and just start over again, lend a friend a hand.“ Und später dann bei „Sick And Tired“ fast schon als Widerruf (auch an die eigene Adresse): „I'm sick and tired of the comical, it won't be funny for a long time. I'm sick and tired of the cynical, because I'm always on the wrong side.“ Entsprechend büßt auch der stets so locker dahinwippende Sound der Band etwas an Dominanz ein, macht Platz für schattigere Momente, für die andere Seite der Farbpalette. „Every Other Night“ kommt dann wie eine Mischung aus Vampire Weekend und The Drums daher, „Velvet Sky“ als trauriges Trennungsstück gar wie die Electrofolk-Version von Simon And Garfunkel. Und ganz so verkehrt ist das nicht. Denn wenn man ehrlich ist – die ostentative Glückseligkeit der letzten Kompositionen konnte in der Masse schon auch gehörig nerven, da setzt das erweiterte Klangspektrum, das Verhaltene, Melancholische schon einen neuen Reiz.



Das geht dann bis zur achtminütigen Psychrockballade „Heaven And Hell“, bei der zum Schluß die Orgel wie schon eingangs herrlich deep purpelt. Den besten Beweis, dass ihnen ihr feiner Humor noch nicht ganz abhanden gekommen ist, liefern die Herren aus Stockholm dann aber mit dem „Silicon Valley Blues“ ab, einem herrlich schrägen Big-Data-Schieber. Hier bricht sich der Sarkasmus noch einmal Bahn, denn selbst wenn du glaubst allein zu sein, dann gibt es immer noch jemanden, der dich ganz genau kennt und wenn schon nicht auf dich, so doch wenigstens auf deine Daten aufpasst. Sie können übrigens ziemlich gut über sich selbst lachen. In einem Interview mit BlackBook charakterisieren sie ihre Platte selbst wie folgt: „Swedish winter darkness, American political darkness and private mid-life darkness“ und weiter: „Swedish melancholy, Stockholm break-up mysteries and some Ingmar Bergman indie rock“. Die Quintessenz heißt also: Es mag dunkler werden da draußen, aber es bleibt ganz sicher unterhaltsam. Auch ein Trost. https://www.peterbjornandjohn.com/

IDER: Ausblick [Update]

Eine kleine Weile hat es gedauert, nun aber ist das Jahr 2018 auch eines des wunderbaren Londoner Popduos IDER. Wir erinnern uns gern, dass Megan Marwick und Lily Somerville uns schon 2017 mit ihren Singles "Body Love" und "Learn To Let Go" verzaubern konnten, ganz so, wie es zuvor beispielsweise Muna gelungen war. Und auch wenn von einem Debütalbum noch nicht die Rede ist, freuen wir uns über den Song "You've Got Your Whole Life Ahead Of You Baby" - eine Feststellung, die uneingeschränkt gilt, obwohl die Zeitspannen dann doch recht unterschiedlich sein können. Egal, trotzdem sehr schön.

30.08.  Köln, Pop Festival
05.03.  Berlin, Kantine Berghain

Update: Und noch nicht Schluß damit, hier kommt die neue Single "Mirror". Mittlerweile wird ein Debütalbum in Betracht gezogen, terminiert ist es aber erst für 2019. Wir warten.



Dienstag, 6. November 2018

Sorry: Heiße Ware

Als einer der interessantesten Neuvorstellungen werden derzeit die Londoner Sorry gehandelt. Das Quartett, bestehend aus Asha Lorenz, Louis O'Bryen, Lincoln Barrett und Campbell Baum, musiziert mit wachsender Besetzung und Begeisterung seit 2015, hat eine Reihe Demos und Mixtapes aufgenommen, so richtig Fahrt aufgenommen hat ihre Tour durch die üblichen Blogs und Portale aber gerade mit ihrer aktuellen Single "Starstruck" (via Domino Records) und dem dazugehörigen, augenzwinkernd verpixelten Video. Grunge, Pop und Post-Punk gemischt und zwar auf eine ziemlich clevere Art, da ist wohl noch so einiges zu erwarten. Für die bessere Werkskunde gibt es hier jedenfalls auch noch die etwas älteren Stücke "Showgirl", "Twinkle" und "Lies". Und wer Lust hat, kann die vier auch auf Tour mit Shame erleben, die im Dezember hierzulande die Runde machen.







My Brightest Diamond: Selbstverschuldet

Wenn das mal keine dicke Hypothek ist - hat sie sich allerdings selbst eingebrockt: Vor vier Jahren ist das letzte Album "This Is My Hand" von Shara Nova alias My Brightest Diamond erschienen und die Behauptung, es habe sich hierbei um ein wirkliches Meisterwerk gehandelt, braucht nicht sonderlich viel Mut. An dieser Platte muß sich nun aber "A Million And One" messen lassen, das am 23. November bei Rhyme And Reason/Membran veröffentlicht wird. Eine erste Single haben wir von diesem auch schon im Angebot, "It's Me On the Dancefloor" pumpt schon mal recht lässig und läßt erahnen. wohin diesmal die Reise gehen könnte. Genaueres dann sicher auch auf den drei Konzertterminen in den nächsten Tagen.

16.11.  Hamburg, Kampnagel
17.11.  Berlin, Frannz Club
18.11.  Köln, Artheater

Vagina Lips: Strange, good life

"Jimmy Polioudis is a strange adult boy who lives in Thessaloniki and writes music...", mit diesem Satz beginnt die Nachricht und für die erste Feststellung hätte es wohl keine nähere Erläuterung gebraucht. Auf die Auswahl des Bandnamens verwenden Jungs noch vor erfolgter Gründung derselben mindestens die Hälfte der Zeit (die andere geht für Styling, Auswahl des Equipments, Verteilung der Rollen und, naja, auch ein bisschen üben drauf) - wer für sein Projekt den Namen Vagina Lips wählt, der muß schon besonders und auch besonders selbstbewusst sein. Eigentlich hieß das Soloprojekt des jungen Griechen mal Zimmy Lips, das musizierte noch Kostantinos Iosifidis mit, aber dann war Jimmy allein und Kosta fungierte lieber als Produzent. Nach einer Reihe von Veröffentlichungen als digitale Alben, Tapes und EP kommt nun via Inner Ear Records "Generation Y", die neue Platte, ins Regal und Polioudis präsentiert sich hier einmal mehr unter dem Einfluss seiner Idole Sonic Youth, Stereolab und Car Seat Headrest. Zwei Stücke gibt es bereits daraus zu hören, dem früher veröffentlichten "This Is A Good Life" folgt nun "Boy June" - dunkel, intensiv, geheimnisvoll. Ganz so, wie es bei der Geschichte zu erwarten war.



Montag, 5. November 2018

Idles: Bereitwillige Unterwerfung

Am Freitag dieser Woche ist es endlich soweit, dann startet die derzeit mutmaßlich beste Liveband der Welt (nein, diesmal ist mal nicht von Rammstein die Rede) auch hierzulande einen weiteren Eroberungsfeldzug. Denn wo auch immer die Idles aus Bristol bislang gewesen sind, sie hinterlassen grenzenlose Begeisterung und Unterwerfungsgesten, die man sonst nur von zwielichtigen Sekten kannte. Weil aber leider schon fast alle Spielorte ausverkauft sind, legen die fünf Briten nach und geben für das kommende Frühjahr noch ein paar Termine bekannt. Und wer an der aktuellen Tour zum fabelhaften Album "Joy As An Act Of Resistance" Gefallen finden sollte (woran nun wirklich kaum Zweifel besteht), darf für das nächste Jahr eine kleine Städtereise planen.

13.04.  Schorndorf, Manufaktur
15.04.  Köln, Gloria Theater
16.04.  Bielefeld, Forum Bielefeld
17.04.  Erlangen, E-Werk

The Good, The Bad And The Queen: Goldjunge [Update]

Wenn Damon Albarn etwas anpackt, dann wird das irgendwie immer auch gut. Der Mann mit dem Midas Touch hat Blur zum Comeback geführt, solistisch überzeugen können und auch die Gorillaz mehr als nur am Leben gehalten. Fast vergessen hatte man, daß es da ja auch noch die formidable Super Group namens The Good, The Bad And The Queen gab, ja sogar gibt, gemeinsam mit Musiker von The Clash, The Verve und Tony Allen. Deren selbstbetiteltes Debütalbum ist vor ganzen elf Jahren erschienen, nun kündigen Albern und Kollegen für den 16. November einen Nachfolger mit dem Titel "Merrie Land" an. Zehn neue Songs soll der enthalten, produziert hat diesmal nicht Danger Mouse, sondern Tony Visconti und das Titelstück gibt es samt Albumcover gleich mal für lau vor Ort.

Update: Da ist sie wieder, unsere Puppe - diesmal mit dem feinen Song "Gun To The Head".



Samstag, 3. November 2018

LCD Soundsystem: Zur rechten Zeit

Ein Track, wie gemacht für diese Band. Und leider auch wie gemacht für diese Zeit - immer noch. LCD Soundsystem haben eine Live-Studio-Album unter dem Titel "Electric Lady Sessions" via DFA angekündigt und ein Track der Platte, die später in diesem Jahr erscheinen soll, ist das Cover von Heaven 17 "(We Don't Need That) Fascist Groove Thang". Der Titel kommt natürlich nicht ohne Grund mit hinein in die Halbzeitwahlen in den USA - was James Murphy vom jämmerlichen Zustand seines Heimatlandes inklusive seiner derzeitigen Regierung hält, hat er ausführlich auf seinem letzten Werk "American Dream" verarbeitet, wahrlich keiner freudesprühender, gleichwohl aber großer Wurf.