Dienstag, 20. Februar 2018

Rich Girls: Aus der schwarzen Stadt

Auch wenn hier der erste Eindruck vielleicht täuscht, die Rich Girls aus New York City zählen ebenfalls nicht gerade zu den leistesten ihrer Zunft. Das Trio, bestehend aus Leadsängerin Luisa Black, Gitarrist August Churchill und Gavin Haag am Schlagzeug, hat für den 6. April mit "Black City" via Tricycle Records den Nachfolger für seine EP "Love Is The Dealer" aus dem Jahr 2016 angekündigt - diesmal allerdings im Langformat. Die erste Vorauskopplung "Hit" klingt zwar noch etwas zurückhaltend, der Rest aber, soviel dürfen wir versprechen, wird dann garantiert energischer.

Baby In Vain: Laut genug?

Immer wenn die drei Damen von Baby In Vain aus Kopenhagen hier aufgetaucht sind, ist es mächtig laut geworden. Erst mit der EP "For The Kids" aus dem Jahr 2016, im vergangenen Sommer dann das Debütalbum "More Nothing". Im März kommen Benedicte, Lola und Andrea zusammen mit den nicht minder kracherten Hockey Dad für drei Termine nach Deutschland - für diese Auftritte haben sie gerade noch eine feine Coverversion ins Netz gestellt und zwar "For Whom The Bell Tolls" von Metallica. Na dann kann's ja jetzt losgehen.

09.05.  Hamburg, Hafenklang
10.05.  Berlin, Musik und Frieden
11.05.  Köln, Artheater

The Kids vs. Rockstars feat. Liam Gallagher, Idles and Cat Power

Kinder und Rockstars - uhhhh, schwierig! Entweder wahnsinnig kitschig oder wahnsinnig peinlich oder am besten gleich alles zusammmen. Ausnahmen? Eher selten. Hier haben wir gleich drei davon - eine ältere (Cat Power für Funny Or Die im Jahr 2012), deutlich aktueller, aber und nicht weniger amüsant: Liam Gallagher wird für die Onliner von Noisey von einer Gruppe ziemlich gut informierter Schreihälse zu seinem Bruder, seinen Lieblingsfilmen und lauten Pupsen befragt, auf der anderen Seite der kleine Isaac, der als Dreikäsehoch schon über einen eigenen Youtube-Kanal verfügt und sich für ein Interview an die sympathische Krawalltruppe Idles gewagt hat.





The Wombats: Nichts für Kopfzerbrecher

The Wombats
"Beautiful People Will Ruin Your Life"

(Kobalt Music Recordings)

Ignoranz muß ja nicht immer das Schlechteste sein, manchmal tut sie sogar mal ganz gut. Die britische Indiepopband The Wombats wurde ja mit der zweiten oder dritten Welle sogenannter "The"-Bands und dem tatsächlich fabelhaft kurzweiligen Debütalbum "A Guide To Love, Loss And Desperation" vor mehr als zehn Jahren in die Erfolgsspur gehoben. Blöd nur, daß die Welle ihr Tal recht schnell wieder erreichte und die Jungs mit dem Faible für knuffige australische Beuteltiere die Höhe mit den beiden Folgeplatten leider auch nicht wirklich halten konnten. Zweieinhalb Hits also, das war's dann schon wieder? Matthew Murphy hätte sich nun den Kopf zerbrechen können, woran genau das mit dem ausbleibenden Erfolg wohl liegen könnte, er hätte seine Bandkollegen zum Komplettschwenk überreden können - vielleicht sollte man ja mal härter, politischer, ernsthafter?



Das schien ihm wohl zuviel Konjunktiv gewesen zu sein. Statt dessen besann sich das Trio aus Liverpool auf seine Kernkompetenz und spielte für das vierte Album einfach genau die Musik ein, mit der es 2007 groß rausgekommen war, ganz so, als wäre in der Zeit nicht nur für die Band, sondern auch für die Hörer stehengeblieben. Und was soll man sagen - es funktioniert. Zumindest über weite Strecken. Der Titel gehört schon mal zu den charmatesten und wahrhaftigsten der laufenden Saison und gleich die ersten drei Tracks "Cheetah Tongue", "Lemon To A Knife Fight" und "Turn" entwickeln den Drive der Anfangstage - schöne Ohrwurm-Hooks, wippende Beats, elektronisch behutsam verfeinert. Und auch danach hübsch arrangierter Singalong, textlich nicht allzu anspruchsvoll, manchmal etwas arg selbstreflexiv mit zu viel "Uhh!" und "Ohh!", aber für eine entspannte Zeitreise, gern auch mit 100 Sachen über die sonnige Landstraße, genau das Richtige. Zum Gedankenmachen bleibt auch später noch genügend Zeit...

06.04.  Münster, Jovel
07.04.  Köln, E-Werk
11.04.  Zürich, Plaza Club
12.04.  Wien, Arena
10.04.  München, Theaterfabrik
15.04.  Berlin, Astra
16.04.  Hamburg, Docks
08.04.  Kaltenberg, Puls-Open Air

Montag, 19. Februar 2018

Plattenbau: Horrorbeton

Affenfelsen, Arbeiterschließfächer, es gibt ja so einige Kosenamen für die Plattenbauten osteuropäischer, speziell ostdeutscher Prägung, wer einmal in solch anonymen, zugigen und häßlichen Ungetümen wohnen musste, für den halten sich Faszination und Zuneigung in sehr engen Grenzen. Entstanden als Staatsratsvorsitzenden Idee von der klassenlosen Gesellschaft, waren sie zu DDR-Zeiten schon als gesichtslose, billige Wohnsilos verschrien und mutierten nach der Wende zu heruntergekommenen Ghettobunkern und No-Go-Areas sozialer Randgruppen. Dennoch werden sie als Kulisse immer wieder gern hergenommen, wenn es mal wieder um die graue Tristesse des (post-)sozialistischen Alltags geht, Drehorte gibt es ja noch genug in Dunkeldeutschland, Fritz Heckert, Lichtenhagen, Marzahn, Grünau, Gorbitz sei Dank. Gerade vermeldet der Fernsehsender SKY beispielsweise den Dreh eines selbstproduzierten Horrormehrteilers mit Namen "Hausen" nach einem Drehbuch von Till Kleinert - 2019 soll mit der Arbeit begonnen werden, gruseln tut es einen schon jetzt. Passend dazu verkündet das Berliner Projekt Plattenbau, bestehend aus Lewis Lloyd, Brandon Welsh und Justin Hunter, die Veröffentlichung seiner neuen Single "Sleep/Paralysis" via Duchess Box, dieser Tage sind die Herren auf Kurztour durch die Lande.

19.02.  Jena, Cafe Wagner.
20.02.  Hannover, Kulturpalast Linden
26.02.  Zürich, Bosch Bar.
28.02.  München, Cord Club.
02.03.  Stettin, Klub Storrady
16.03.  Berlin, Bassy Club



Und weil ja auch Testo und Grim104 aka. Zugezogen Maskulin noch unterwegs sind, geben wir hier in alter Verbundenheit noch einmal ihren Uralthit "Plattenbau OST" für all jene hinzu, die von der Platte im wahrsten Sinne nicht genug bekommen können.

Sonntag, 18. Februar 2018

Rosborough: Junge mit Gitarre

Der letzte, der sich unter dem Label "Junge mit Gitarre" hier angemeldet hatte, war Kane Strang aus dem neuseeländischen Dunedin und der hatte mit "Two Hearts And No Brain" tatsächlich ein sehr gelungenes Album dabei. Vom Nordiren Glenn Rosborough wissen wir so viel noch nicht, seine erste Single "Burn Blue" hatte bei den regionalen Radiostationen für einiges Aufsehen gesorgt und der Daily Mirror aus Ulster nannte sie "jawdropping" - sinngemäß bedeutet das ungefähr soviel wie "da fällt der Kiefer tiefer", naja jedenfalls ungefähr. Mit "Another Lesson" gibt es nun einen zweiten Track vom schmalen Schlacks aus Derry, wieder sehr soulful, wir bleiben gespannt.



Willie Nelson: Der letzte seiner Art

Der letzte macht das Licht aus - was witzig gemeint ist, kommt nicht bei jedem gleich gut an. Willie Nelson zum Beispiel wird im April fünfundachtzig und hat schon viele seiner Freunde, wie er singt, auschecken sehen - Merle Haggard, Waylon Jennings, Johnny Cash, all gone, er möchte nicht unbedingt der letzte seiner Art sein. Gleichwohl ist er neben Kris Kristofferson eine der letzten noch lebenden Country-Legenden und am 27. April wird er seinem Werk ein weiteres Album hinzufügen. Dann erscheint, in Zusammenarbeit mit seinem Kompagnon Buddy Cannon, seine neue Platte "Last Man Standing" und im Titelsong heißt es: "If you don't mind I'll start a new line and decide after thinking it through, go on in front if you're in such a hurry, like hell, it ain't waiting for you. I don't wanna be the last man standing, on second thought maybe I do", und später weiter: "Maybe we'll all meet again on the other side, we'll pick and sing, load up the buses and ride." Wollen wir hoffen, daß sich auch noch einige Busladungen zum "Problemkind Gottes", wie er sich selbst genannt hat, aufmachen können, er ist ja die nächste Zeit wieder unterwegs, im Juni angeblich auch für drei Termine in Deutschland.

Samstag, 17. Februar 2018

Belle And Sebastian: Gutmenschenmusik

Belle And Sebastian
Support: Jane Weaver
Muffathalle, München, 16. Februar 2018

Es gibt ihn ja nicht so oft hier, diesen (nennen wir ihn mal generös) „Berlin-Moment“. Den Punkt am Abend also, an dem man sich entscheiden muss, was genau man nun sehen will und was man dafür zu verpassen bereit ist. Die Wahl steht zwischen den ziemlich angesagten Punkrockern von Feine Sahne Fischfilet dort und eben Belle And Sebastian hier. Die Wahl fällt also zwischen dem zwar sympathischen, aber doch auch sehr groben Klotz und der Einladung zur Tour durch die eigenen Jugenderinnerungen, ist demnach auch eine zwischen jung und jung geblieben. Die einen treten der landläufigen (und zumeist westlichen) Meinung entgegen, nach der sich in den endlosen Weiten Mecklenburg Vorpommerns nur rolatorbewährte Wellnessgreise und braungefärbte Dummbeutel herumtreiben, die anderen wiederum gelten als Paradebeispiel dafür, dass auch die Kargheit einer schottischen Arbeiterstadt etwas Wunderbares, Zartes, ja Träumerisches hervorzubringen im Stande ist. Rostock, Glasgow, you’ll never walk alone…

Und auch wenn man die Sache für sich schon ziemlich früh abmachen musste – beide Shows waren natürlich ausverkauft – so hatten die Belles in Stuart Murdoch doch ein Pfund, mit dem sie wuchern konnten. Schließlich ist der Mann das, was man einen „born entertainer“ nennt, und zwar einer der charmantesten Sorte. Seine beiläufigen und gut gelaunten Einlassungen zwischen den Songs sind fast so unterhaltsam wie die Musik selbst: Da werden fotografische Eindrücke vom Spaziergang durch München kommentiert („Slide!“), die Fahne der Stadt ausgiebig gewürdigt („Bold!“), es gibt entspannte Plaudereien mit dem Publikum (wenn man es in Teilen nicht gleich selbst zum Tanzen auf die Bühne holt), Geschichten, Erinnerungen, dafür ist man gekommen. Und wird nicht enttäuscht.

Auch und gerade nicht von der Setlist der neunköpfigen Kapelle. Selten mischt sich Aktuelles und Vergangenes so vielfältig und ausgewogen wie hier. Was auch daran liegen kann, daß die Band momentan keinen kompletten Longplayer, wohl aber eine feine EP-Sammlung mit dem schönen Titel „How To Solve Our Human Problems“ bewirbt. Wenn man es richtig überblickte, ist fast von jeder Platte, jeder Epoche ihres gut zwanzigjährigen Schaffens etwas dabei, von Frühwerken „The Boy With The Arab Strap“, „Tigermilk“ und „If You’re Feeling Sinister“ bis hin zum letzten Studioalbum „Girls In Peacetime Want To Dance“ – der hier eingespielte Clip zu „Perfect Couples“ zählt nach wie vor zu den raffiniertesten Kurzfilmen des Genres. Dazu noch ikonografisches Bild- und Videomaterial, das man mit der Band seit Jahren schon so fest verbindet wie sonst nur mit (dem leider etwas in Ungnade gefallenen) Steven Patrick Morrissey. Die richtige Wahl, der perfekte Abend also. Und, scheiß auf das Missverständnis: Immer noch Gutmenschenmusik. Heute spielen die Belles übrigens in Berlin. Und da treten zur gleich Zeit … ach, die sind schon selber groß genug dort.

Freitag, 16. Februar 2018

Dream Wife: Die Mischung macht den Hit

Dream Wife
„Dream Wife“

(Lucky Number)

Okay, das ist jetzt vielleicht nicht gerade die Weltformel, aber eine mögliche Antwort auf die Frage, warum All-Girl-Bands trotz ihrer großen Zahl so erfolgreich sind, könnte lauten: Sie können recht angstfrei das Weiche und das Harte miteinander verbinden, ohne daß es peinlich oder allzu bemüht klänge. Musikalische Männerbünde lieben ja bekanntlich das Eindeutige, strikt Getrennte, hier findet man deshalb oft, von einer deutlich erkennbaren Demarkationslinie getrennt, auf der einen Seite die knüppelharten Typen, die keine Miene verziehen und aus lauter Angst, sich vor ihresgleichen unmöglich zu machen, jegliches Anzeichen von Verletzlichkeit, Lust oder Spaß leugnen. Auf der anderen Seite dann die smarten Allesversteher, Nerds und Superhipster, die bei jedem Riff oder übersteuertem Beat gleich genervt aufstöhnen, weil das Grobe und Unbehauene doch so gar nicht ins hochkomplexe, liebevoll zusammengefrickelte Weltbild passen wollen.



Frauen, hier: Traumfrauen, gehen da weitaus entspannter zur Sache. Pop und Rock, soft und schroff, zart und hart, das geht hier durchaus zusammen. Gerade Dream Wife aus Brighton gelingt es auf bemerkenswerte Weise, die komplette Palette auf ihrem Debüt abzubilden. Wo „Love Without Reason“ und „Taste“ beispielsweise locker und durchaus melodisch swingen, geht es bei „Let’s Make Out“, „Fire“ und vor allem „F.U.U.“ buchstäblich der Punk ab. Ganz ähnlich haben das schon die weiblich teilbesetzten Wolf Alice hinbekommen, nichts mit reiner Lehre, die Mischung macht den Hit und die darf auch mal wild sein. Daß sich eingängiger Sound durchaus auch mit textlichem Anspruch mischen läßt, beweisen die drei obendrein – „Somebody“ ist ihr Beitrag zur anhaltenden #metoo-Debatte, auch „F.U.U.“ läßt in Sachen Rollenverständnis und Frauenbild an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, der Rest ist Koketterie, Provokation und zeugt weniger von politischer Korrektheit. Gut so.

09.03.  Berlin, Badehaus
14.03.  Hamburg, Molotow
15.03.  Köln, Blue Shell



HAIM: Go Haim or go home!

Zugegeben, mit dem letzten Album "Something To Tell You" der Geschwister HAIM sind wir hier nicht gerade gnädig umgegangen. Aber zum einen sind auch wir nicht nachtragend und ständig guter Hoffnung auf Besserung, zum anderen werden Danielle, Alana und Este ja sicher auch ältere (ergo bessere) Stücke im Repertoire haben, wenn sie für die nun angekündigten Termine auf "Sister Sister Sister"-Tour in Deutschland und der Schweiz Halt machen.

04.06.  Zürich, X-Tra
05.06.  Köln, E-Werk
08.06.  Berlin, Columbiahalle



La Luz: Feiern in kleinen Dosen

An diesem Tag gibt es ja nun einiges zu feiern, auch wenn der Karneval schon längstens vorbei ist. Eine Piccolo-Sektflasche darf man auch auf die Rückkehr La Luz, Surfrockband aus Los Angeles, köpfen. Zwei Alben haben Shana Cleveland, Marian Li Pino, Alice Sandahl und Lena Simon bereits veröffentlicht, für den 11. Mai ist jetzt via Hardly Art das nächste mit dem Namen "Floating Features" angekündigt und wenn man sich das Video zur ersten Single "Cicada" von Ryan Daniel Browne anschaut, möchte man möglichst schnell auch den Rest dazu haben. Aber Geduld, schließlich will auch Freude wohldosiert sein.

Die Nerven: Zur Zeit [Update]

Haha, Fake News, schon klar: Sie haben also nicht lange gewartet. Nachdem die Königsdisziplin Livealbum im Sommer letzten Jahres mehr als erfolgreich bestanden wurde, gibt es nun von Die Nerven endlich wieder Studiomucke. Für den 20. April haben die Stuttgarter via Glitterhouse Records ihr viertes Album angekündigt. "Fake" wird es heißen und man braucht gewiß keine Glaskugel zur Hand, um zu ahnen, daß die Verbindung von Titel und Außenwelt ziemlich aktuell ist. Eine erste Single ist ab sofort auch am Start, "Frei" kommt erfreulicherweise gleich mit ein paar Liveterminen im Gepäck.

19.04.  Wiesbaden, Schlachthof
20.04.  Leipzig, Conne Island
21.04.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
22.04.  Hamburg, Hafenklang
23.04.  Köln, Gebäude 9
27.04.  Schorndorf, Manufaktur
28.04.  München, Strom
29.04.  Wien, Fluc

Update: Mit "Niemals" gibt es jetzt einen weiteren Titel zum Album.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Me Not You: Erster [Update]

Es war nur eine Frage der Zeit, wann und von wem denn erste wirklich richtige Ohrwurm des neuen Jahres kommen würde, nun, das Warten hat ein Ende, denn wir präsentieren - tadaah! - Me Not You, ein Duo aus New York City, und ihre neue Single "Everafter". Und wem die nicht in die Ohren kriecht und sich dort für die nächsten Tage festkrallt, der hat wahrscheinlich auch sonst nicht viel Spaß am Leben. Am 23. Februar wird im Übrigen die EP "Reckoning 2" von Nikki Taylor und Eric Zeiler erscheinen, wenn die restlichen Stücke ähnlich geschmeidig klingen, ist ein Erfolg nahezu unvermeidlich.

Update: Gleich zwei neue Stücke an einem Tag - "Eventually" und "Surfers" machen das Bild etwas runder.

Isolation Berlin: Im Frauenzimmer

Noch mal kurz zurück zu Isolation Berlin: Wer die Jungs schon längere Zeit nicht nur hört, sondern auch schaut, der weiß, daß Freund und Mitbewohner Yannick Riemer im Leben der Band eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Coverkunst, Videoclips, der junge Mann aus Holzminden, jetzt Berlin (oder wie er sich bei Facebook nennt "Der Typ mit der Zwille") hat gut zu tun - nebenbei stellt er übrigens in der Galerie Gerken in der Berliner Linienstraße aus. Den Clip zur aktuellen Single von Tobias Bamborschke und Band hat er natürlich auch gedreht, "Marie" reiht sich, weiß der Auskenner, nahtlos in die Riege anbetungswürdiger Frauenzimmer (darf man das heute so noch sagen?) Annabell, Lisa und Swantje ein und entsprechend fährt die Kamera hier auch durch ein spärlich ausgeleuchtetes Fotozimmer.

Blumfeld: Unverhofft

Foto: Sven Sindt
Na was ist denn heute los?! Erst croont uns der Ocean Frank eine herzzerreißende Version vom "Moon River" über den Schreibtisch, daß es einem jedes verdammte Nackenhaar aufstellt, und dann schicken die Bubacks eine Verlautbarung in die Runde, nach der Blumfeld, von denen man dachte, die wären 2007 gen Himmel gefahren (auch wenn sie vereinzelt noch auf Konzerten gesehen worden sind), wieder neue Lieder und sogar Auftritte planen. Herrgottsakra! Zu dritt mit dem Diestelmeyer wollen sie also wieder touren und laut Label die "Songs ihres 20jährigen Schaffens" (hä!?) feiern. Na egal, das wird sich schon alles richten, irgendwann werden wir durchsehn. Hier jedenfalls erst mal die Termine für die Republik. Und zu sagen, wir würden uns nicht freuen, wäre glatt gelogen.

23.05. München, Ampere
24.05. Erlangen, E-Werk
25.05. Schorndorf, Manufaktur
26.05. Köln, Gebäude 9
27.05. Bielefeld, Forum
29.05. Marburg, KFZ
30.05. Hannover, Musikzentrum
31.05. Bremen, Tower
01.06. Leipzig, Connes Island
02.06. Frankfurt, Zoom

Courtney Barnett: Wütend genug

Dass das Cover bei weitem nicht der wichtigste Teil eines Albums ist, das wollen wir gerne zugeben - und vor allem Courtney Barnett gern zugestehen. Die hat ja letzte Woche schon ein wenig herumgeteasert und ist dann heute endlich mit Fakten um die Ecke gekommen: "Tell Me How Do You Really Feel" wird die Platte heißen und wenn man in der Songlist stöbert, kann man relativ schnell erahnen, daß hier kein Kindergeburtstag besungen werden soll - "I'm Not Your Mother, I'm Not Your Bitch" heißt ein Stück, "Hopefulessness" ein anderes und auch in den Lyrics zur ersten Single "Nameless, Faceless" geht es recht deutlich zur Sache: "Don't you have anything better to do,
I wish that someone could hug you, must be lonely, being angry, feeling over-looked. You sit alone at home in the darkness with all the pent-up rage that you harness, I'm real sorry bout whatever happened to you." Klingt gerade so, als dürften wir uns wieder auf eine wütende junge Frau mit einer Menge guter Songs freuen. Ach so - wer Lust hat, der Künstlerin ein paar Zeilen zu seinen eigenen Gefühlen zu schicken, vielleicht auch zur Frage, mit welchem Song er/sie diese verbindet, kann das gern auf ihrer Website tun: https://courtneybarnett.com.au/

11.06.  Berlin, Astra Kulturhaus
13.06.  Köln, Live Misic Hall 



Frank Ocean: Ausnahmeerscheinung

Mit dem Valentinstag ist es eigentlich wie mit dem Weihnachtsfest - man möchte sich in Anbetracht des ganzen musikalischen Kitsches, der da rausgehauen wird, verkriechen vor lauter Fremdscham. Und überhört dann mitunter doch ein paar Perlen der Popkultur. Tja. Diese hier aber haben wir mal noch rechtzeitig retten können, denn zum einen bürgt der Name Frank Ocean ohnehin schon für Qualität, zum anderen handelt es sich bei dem Cover von "Moon River", das der gute Mann da eingespielt hat, um eine tatsächlich ziemlich wunderbare Nummer, u.a. gesungen von Holly Golightly aka. Audrey Hepburn in "Frühstück bei Tiffany". Nix gegen zu sagen also.

Swutscher: Eine Stunde früher

Gut möglich, daß dieser Post jetzt all jene überfordert, die sich noch immer nicht dazu entschlossen haben, die Berliner Band Isolation Berlin gut zu finden. Aber sorry, Kinder, mehr als schwärmen, lobhudeln, kritiklos nach oben loben können wir hier, ohne in den Ruch der Liebedienerei (zu deutsch: Käuflichkeit aka. Advertorial) zu kommen, auch nicht machen, das müßt ihr dann schon mal allein hinkriegen. Wir nämlich kümmern uns jetzt mal um eine Ansammlung junger Männer, die sich Swutscher nennen, aus Hamburg kommen und einen großen Teil der Tour von (klar) Isolation Berlin supporten. Und die haben mit "Wilde Deutsche Prärie" ein neues Album dabei (VÖ: 25. Mai via Staatsakt), daß realpolitisch kein dünnes Brett bohrt, sondern eher an die erinnert, die selbiges tagein, tagaus vor dem Kopf tragen. "Im Westen" heißt ihre aktuelle Single, wem die gefällt, der geht halt bitteschön einfach eine Stunde früher auf's Konzert - Termine hier.

Monumental Men: Gestaltenwandler [Update]

Elektronische Klänge, die einen sofort in ihren Bann ziehen - dafür sind die Schweizer Monumental Men wahre Spezialisten. Das Produzentenduo um BIRU und Melvyn Buss, hier ergänzt um die Stimme von Roman Bühlmann, hat gerade mit "Enemy" wieder eines dieser bezaubernden Kurzwerke vorgelegt, das umgehend das Kopfkino ans laufen bringt - ähnliches ist ihnen schon mit älteren Stücken wie "Pressure" und "The Heights Of Greatness" gelungen, allesamt technoide Gestaltenwandler mit Suchtpotential. Im Frühjahr 2018 soll die nächste EP der beiden folgen, man darf gespannt sein.

Update: Jetzt komplett online - der Track "FAR" vervollständigt die bemerkenswerte neue EP der beiden Schweizer, hier auch noch um zwei Videos ergänzt.

09.03.  Bern, Dachstock Reitschule
28.03.  Berlin, Kantine Berghain





Beach House: Mehrwertmusik

Das darf man ruhig mal einfach so behaupten: Ein neues Album von Beach House, dem Dreampop-Duo aus Baltimore, ist in jedem Falle ein Gewinn für die Menschheit, mehr noch - für die Zwischenmenschlichkeit. Denn die Songs von Victoria Legrand und Alex Scally erreichen in den besten Momenten (und das sind die meisten) eine Art Schwebezustand, der einen das Schlechte und Nutzlose dieser Welt vergessen lassen kann, wenn auch nur für dreieinhalb Minuten. Zuletzt durften wir zu den Werken "Depression Cherry" und "Thank You Luky Stars" schwelgen, nun ist weiteres im Anzug. Gerade nämlich hat die Band den Song "Lemon Glow" geteilt und zwar mit den Worten "Wishing everyone out there love tonight" - nicht nur in der Nacht, garantiert.