Donnerstag, 13. August 2020

Glass Animals: Kluger Pop für zarte Nerven

Glass Animals
„Dreamland“
(Polydor)

Natürlich lässt man eine solche Geschichte, wie sie gerade in vielen Zeitungen (so unter anderem im britischen Independent) zu lesen ist, nicht einfach liegen. Zumal Sänger Dave Baley von den Glass Animals ohnehin so dreinblickt, dass man ihm jede Story abkauft. Vor zwei Jahren jedenfalls ist Banddrummer und Sandkastenbuddy Joe Seaward in Dublin mit seinem Fahrrad ziemlich böse unter die Räder gekommen, langwierige Untersuchungen, zähe Klinikaufenthalte folgten und während der eine Freund beim anderen am Krankenbett saß und versuchte, halbwegs zuversichtlich nach vorn zu schauen (Baley studierte zu dieser Zeit passenderweise Neurowissenschaften), wuchsen auch nach und nach die Ideen zum vorliegenden Album. Und die waren nicht immer so locker entspannt wie mancher Track auf „Dreamland“ klingt und der Titel suggerieren mag.



Im Vergleich zu den beiden ebenfalls hochgelobten Vorgängern „ZABA“ (2014) und „How To Be A Human Being“ (2016) ist die aktuelle Platte deutlich autobiographischer gefärbt, Kindheits- und Jugenderinnerungen des mittlerweile Dreißigjährigen, zuweilen getaucht ins milde Licht der Melancholie, bilden größtenteils die Textur für die sechszehn Stücke und nicht wenige künden von Unsicherheit, Schmerz und Zurückweisung. „You don’t realise until later how dark it all is“, gestand er in besagtem Artikel – Genderprobleme und die Schwierigkeit, männlichen Idealen resp. Klischees zu entsprechen, all das kommt in den Songs zur Sprache, findet dort seine lyrische Entsprechung. Und weil Baley schon damals die Musik, vorerst nur als staunender Zuhörer, noch nicht als Künstler selbst, als Zuflucht entdeckte, sind wohl auch seine Kompositionen so erstaunlich wandelbar geraten.



Von Beginn an waren die Glass Animals eine Band, die konsequent so viel wie möglich ausprobieren wollte. Und die das jetzt, auf dem dritten Album, nahezu zur Perfektion gebracht hat. Denn „Dreamland“ ist ein wunderbares, schimmerndes und vibrierendes Stück Pop geworden, auf dem alles Platz hat: Fette Beats aus der Timbaland-/Timberlake-Ära, schmeichelnde Softness, fanfarenartige Bläsersätze, Trip-Hop, Electrofolk, Bossa-Nova-Rhythmen und sogar die Grime-Raps von Gaststar Denzel Curry („Tokyo Drifting“) stehen hier nebeneinander und nichts davon wirkt zu viel oder überambitioniert. Und so – Hitfutter en masse: „Space Ghost Coast To Coast“, „Waterfalls Coming Out Of Your Mouth“, die feine Single „Heatwave“ und nicht zu vergessen das im Wortsinn herzzerreißende „It’s All So Incredibly Loud“. So wie Baley hier dem Unabänderlichen nachspürt, das unbedachte Wort anzurichten vermögen, hat das lange keiner mehr gemacht. Kluge Musik für zarte Nerven.

06.05.  Berlin, Columbiahalle
07.05.  Köln, Live Music Hall

Mittwoch, 12. August 2020

Future Islands: Zurück auf Start [Update]

Vor fünf Jahren ungefähr wäre die Freude noch eine uneingeschränkte gewesen - die Future Islands hatten damals ihre Platte "Singles" schon längere Zeit draußen und man erwartete von der Band um Samuel T. Herring nicht weniger als das nächste kleine Wunder. Nun, das kam dann in Form des Nachfolgers "The Far Field" 2017 leider nicht, die Platte geriet etwas zu harmlos und war somit eher eine Enttäuschung. Jetzt also, weitere drei Jahre später, geht es zurück auf Anfang und zwar mit dem dem neuen Song "For Sure". Der steht (trotz des Videos) und des Features von Jenn Wasner (Wye Oak) vorerst nur für sich selbst, von einem ganzen Album kann also noch keine Rede sein - wir werden das also weiter beobachten.

Update: Jetzt also doch - "As Long As You Are" heißt der neueste Wurf, am 9. Oktober soll das Album bei 4AD erscheinen. Und eine weitere Single ist auch schon im Umlauf, "Thrill" präsentiert ausnahmsweise nicht die Band, sondern Herring als Solisten.





Dienstag, 11. August 2020

Idles: Spießeridylle

Ein Video von Michel Gondry macht sich im Portfolio einer jeden Band gut - der Mann hat schließlich für Björk, Massive Attack, die White Stripes, Beck und Radiohead gedreht. Wenn also jetzt auch die Idles aus Bristol für ihren neuen Song "Model Village" eine Arbeit des französischen Regisseurs präsentieren (für die Animationen im Clip zeichnet übrigens Bruder Olivier Gondry verantwortlich), dann zeigt das auch, wie weit die Band aus Bristol mittlerweile gekommen ist. Thematisch ist das Stück übrigens eine bitterböse Abrechnung für die Engstirnigkeit der Kleinstadtidylle, wo jeder jeden kennt und doch auch geflissentlich über den Horror hinwegsieht, wenn er zu nahe kommt: "I beg your pardon, I don't care about your rose garden, I've listened to the things you said, you just sound like your scared to death", heißt es dort beim netten Stelldichein der Brexiteers, Schwulenhasser und Rassisten. Mehr davon natürlich am 25. September auf "Ultra Mono" bei Partisan Records.

Girls In Synthesis: Durchhalten [Update]

Den letzten Vermerk zur fabelhaften Londoner Band Girls In Synthesis gab es hier im März dieses Jahres mit dem Hinweis auf die Single "Pressure", viel Zeit ist seit dem vergangen und ebenso viel hat sich verändert. Eben diese Veränderungen zwangen das Trio dann auch, die Veröffentlichung ihres Albums "Now Here's An Echo From Your Future" zu verschieben, nun soll es hoffentlich am 28. August bei Harbinger Sound erscheinen. Bis dahin gibt es wenigstens das neue Stück "The Images Agree" mitsamt Video, eine Tour, so liest man, sei dann für Oktober in Planung.

Update: Der Release-Date ist fix, das ist doch schon mal was in diesen unsicheren Zeiten - bis dahin noch das aktuelle Video der drei "They're Not Listening" mit ordentlich Krach in der Kiste.



King Krule: Kein Grund zur Sorge [Update]

Schon klar - die Bilder waren unscharf, verwackelt, handwerklich also etwas fragwürdig. Aber deshalb gleich auf den Scheiterhaufen? Archy Marshall aka. King Krule hat ja im November letzten Jahres einen fünfzehnminütigen Kurzfilm mit dem Titel "Hey World!" veröffentlicht, vier neue Songs enthielt der und die Gemeinde nahm ihn als lang erwartetes Lebenszeichen des genialen Rotschopfes aus dem Londoner Stadtteil Southwark. Nach seinen bislang zwei erschienenen Alben "6 Feet Beneath The Moon" (2013) und "The Ooz" (2017) wurde der Streifen natürlich als willkommener Fingerzeig auf eine weitere Platte in diesem Jahr genommen - nicht zu Unrecht, wie wir jetzt wissen. Denn für den 21. Februar hat Marshall nun "Man Alive!" angekündigt, vierzehn Stücke soll das Werk enthalten und neben den besagten vier Neuligen ist auch "(Don't Let The Dragon) Draag You" als offizielle Vorabsingle mit von der Partie. Dass er dennoch für das Video zum Song auf offenem Feuer gemeuchelt wurde, ist so unpässlich wie unwahrscheinlich, schließlich hat er mit seiner markanten Stimme und den jazzigen, nicht selten widerborstigen Arrangements schon für viele Überraschungen und jede Menge feine Songs gesorgt. Wie zu lesen ist, hat sich Marshall die Idee zum Clip bei Carl Theodor Dreyers Stummfilm "The Passion of Joan of Arc" aus dem Jahr 1928 geholt - man muß sich also keine Sorgen um ihn machen.

08.03.  Berlin, Columbiahalle

Update: Neulich nachts im Stadtpark auf 'ner Bank aufgewacht, Filmriß offenbar, Schädel brummt. Keine Erfahrung, die Marshall exklusiv hat, aber ein so spooky Video dazu dreht halt auch nicht jeder. Hier also der aktuelle Clip zur Single "Comet Face"







Montag, 10. August 2020

Billy Nomates: Der bessere Weg [Update]

Billy Nomates
„Billy Nomates“

(Invada Records)

Bald geht es nun also wieder los, hierzulande, irgendwo, überall. Nächste Staffel (sorry: season) nächste Casting-Show. Hoffnungsvolle, ambitionierte Talente mit Superstimmen treffen Superstars zum Anfassen auf dem Weg zu endlosen Superfame, so die Gaukelei. Wahrheitsgemäß ist das dann nicht ganz so super, müßte man bekennen, dass nicht eine/r der angetretenen Kandidaten*innen jemals eine Chance im gierigen Bizz bekommt, dass die Show nur deshalb läuft, damit sich alternde Ex-Sternchen in ihrem Esprit und/oder ihrer Schlagfertigkeit vor einem Millionenpublikum sonnen dürfen und so vielleicht den einen oder anderen Tonträger mehr unters Volk bringen. Im schlimmeren Fall dienen die weniger begabten Kandidaten als Witzfiguren – gedemütigt, verlacht, Folgeschäden nicht ausgeschlossen, aber egal.



Kann man so machen, regelt der Markt, der Nachgeschmack bleibt bitter. Warum der Text? Nun, weil es Beispiele wie eben jene Billy Nomates gibt: Ehrgeizige, mutige Frau, knapp 30, die bereitwillig zugibt, von Musikinstrumenten keine und von Computertechnologie und -sampling ziemlich wenig Ahnung zu haben. Die aber unbedingt wissen wollte, wie sich der Versuch anfühlt und das Ergebnis klingt, wenn man es trotzdem macht, so ganz ohne Budget und die üblichen Steigbügel.

Die Alternative, weiter zu studieren, mit schlechter Laune von einem crap job zum nächsten zu ziehen, war offenbar keine, Versuche, in einer Band unterzukommen, scheiterten ebenfalls (zu viele Leute wollten zu viel mitreden, solche Sachen). Also schnappte sie sich ein billiges Interface, ein tragbares Mini-Keyboard und einen gebrauchten Mac und spielte die Songs ihres Debüts im eigenen Schlafzimmer, in der Küche ihrer Schwester, in einem leerstehenden Büro ein. Unterstützung überschaubar, der Bruder, selbst Musiker, bastelte ein paar Live-Drums dazu und half bei der Produktion, vier der Tracks erhielten zusätzliche Bass-Spuren, das war’s.



Und das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen: LoFi-Sound, Electroblues, DIY-Punk, trockene Beats, Gitarren auch, alles elektrisch, reduziert, noisy. Der Gesang rau und zornig, voller Trotz, nur kein Selbstmitleid, aber Wut en masse. Nomates hadert mit den Umständen, aber sie beklagt sich nicht bei anderen, sie schimpft über eine Gesellschaft, die Menschen an den Rand drängt, in die mies bezahlten Jobs, die einen krank machen und abstumpfen lassen. Sie sieht die „hippy elite“ mit alle den hübschen, nachhaltigen (und oft unnützen) Dingen, die für ein gutes Gewissen sorgen, solange man sie sich leisten kann. Alle anderen sind auf ihr eigenes, graues Selbst zurückgeworfen, wohl denen, die sich und den Humor nicht verlieren – „happy misery“.

Das klingt schroff, hat nichts Einschmeichelndes, Elegantes. Wie sollte es auch, working class poetry, mate! Manchmal wird die Stimme dann doch mal weich und rund, bei „modern hart“ beispielsweise oder später in „supermarket sweep“: „Maybe the monotony is here, to stay he thought, in every dead end job, in every dead end town…”, dann bricht die Traurigkeit die Härte für ein paar Takte auf, wird’s richtiggehend gefühlig. Ein schöne Platte ist es geworden, jeden Retweet wert. Weil hier – nenn es Nostalgie, nenn es Naivität – ein Weg aufgezeigt wird („Don’t take the easy way out“, Ilgen-Nur), der sich wohltuend abhebt von der blankgewienerten, oberflächlichen Schnelldreher-Mentalität, die sich unablässig nur ums sich selbst dreht und keine Fehler kennt. „It's not a perfect thing, but I'm glad”, so Nomates, “It shouldn't be. It’s my zero budget flag and it’s just the start.”

Update: Im September 2019 erschien das Album bei Bandcamp noch als Selfmade-Projekt, nun, mit ihren Freunden von Invada Records und der Familie Williamson im Rücken, gibt es die komplette Platte, angereichert um drei, vier neue Songs noch einmal und jetzt auch physisch und hoffentlich für längere Zeit. Mit dabei u.a. der schöne Track "Supermarket Sweep" mit einem Gastfeature von Jason Williamson (Sleaford Mods), passenderweise wird Billy Nomates Mitte September auch für die Mods in London eröffnen und zwar bei einem speziellen Streaming Gig aus dem 100 Club.

12.09.  London, 100 Club (with Sleaford Mods)

Sonntag, 9. August 2020

Gewalt: Am Ende wie immer

Neulich beim Jazz in Moers - Gewalt! Klingt wie ein B-Movie, war aber eine sehr feine Sache. Denn natürlich ist die Kapelle gleichen Namens aus Berlin gemeint, die auf dem außerordentlichen Streaming-Festival einen Querschnitt durch's Bandprogramm anbot und dabei auch zwei neue Songs namens "Snooze" und "Puppe" zur Aufführung brachte. Diese beiden kommen in Form einer Single in der kommenden Woche zum digitalen und Anfang September zum physischen Verkauf - und zwar via Bandcamp. Und, weitaus wichtiger: Gewalt gehen im neuen Lineup (am Bass Jasmin Rilke) auch wieder auf Tour, vorerst für drei Termine, weitere sollen folgen. Der Sound schwenkt übrigens wieder einmal in eine neue Richtung, doch wie in den Linernotes treffend vermerkt: "Am Ende ist es irgendwie immer Gewalt."

17.12.  Karlsruhe, KOHI
18.12.  Baden, Royal
19.12.  St. Gallen, Palace

Freitag, 7. August 2020

The Screenshots: StartUp again

Die frohe Kunde geisterte ja schon ein paar Tage durch die Netzwerke der Republik, nun gibt es Gewißheit und auch Greif-, also Hörbares: The Screenshots, das überaus charmante Krefelder Punkrocktrio, holen zu einem weiteren Schlag gegen das Establishment aus und planen nicht nur für den Januar ihre "Glaub an deine Träume"-Tour, sondern auch die Veröffentlichung ihres zweiten offiziellen Albums. Für dieses haben sich Dax Werner, Susi Bumms und Kurt Prödel mit "Zwei Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee" auch einen unvergesslich schönen Titel einfallen lassen, am 16. Oktober rollt der Verkauf an. Und weil "Übergriff", "Ein starkes Team" und "Europa" mittlerweile schon bedenklich abgeschliffene Rillen auf dem Plattenteller haben, gibt es mit dem Song "Snacks" wenigstens schon mal einen Vorboten zu hören (zusätzlich garniert mit dem Video zur letzten Single "Die Welt geht noch nicht unter").

22.01.  Münster, Gleis 22
23.01.  Köln, Gebäude 9
18.02.  Berlin, SO36
19.02.  Leipzig, Naumanns
26.02.  Nürnberg, Club Stereo
27.02.  Augsburg, Soho Stage
01.03.  Wien, B72
02.03.  Salzburg, Rockhouse
06.03.  Bochum, Die Trompete
15.04.  Osnabrück, Popsalon Festival
19.08.  Dornstadt, Oberwiesenfestivalgelände





Donnerstag, 6. August 2020

Zugezogen Maskulin: Schaum vor dem Mund

Zugezogen Maskulin
„10 Jahre Abfuck“

(Four Music)

Die Frustrationstoleranz, ja also. Der kann man im Laufe der letzten Jahre beim Abnehmen zusehen, in potenzierter Geschwindigkeit. Und zwar auf allen Seiten. Keiner kann mit keinem mehr, jeder fühlt sich angepisst, verraten, verkauft, verarscht. Klare Feindbilder machen die Sache zwar übersichtlicher, aber nicht eben einfacher – so zu sehen bei Moritz Wilken und Hendrik Bolz. Knappe zehn Jahre seit dem Debüt „Kauft nicht bei Zugezogen“ arbeiten sich die beiden mit ZM an ihren Antikörpern ab, reiben sich auf im Reimkampf gegen die Verblödung der Massen, schreien an gegen Dumpfbrauntum, Ausgrenzung, Vorverurteilung und auch Sexismus (naja). Sie tun das mit Worten, die mehrheitlich heftig sind und zunächst einmal Haltung zeigen, an geeigneter Stelle aber auch zu Irritationen, Missverständnissen und Provokation führen. Und selbst wenn es so aussieht, dass ZM gut mit beidem leben könnten, es macht doch auch müde, das immerwährende Anrennen, er stumpft ab, der Zorn. Wenn einer also nach diesen zehn Jahren, weil er Merkel halbwegs okay findet, in diesem Land schon als radikal und subversiv gilt, dann ist’s vorbei mit der Zuversicht, dann gehen Laune, guter Glaube und Antrieb schnell ins Bodenlose.

„Heute sitzen Fackeln und Mistgabeln schön locker und Juden wieder auf gepackten Koffern. Jetzt sind es schon zehn Jahre, die ich in den Abgrund starre, aber wird es wirklich schlimmer oder wird mein Blick nur klarer, wird es wirklich dümmer oder werd' ich immer schlauer - frag mich in zehn Jahren nochmal, dann wissen wir’s genauer.“ So getextet im Titeltrack des aktuellen Albums, da klingt dann doch auch viel Ernüchterung und Müdigkeit durch. Dennoch: Auch „10 Jahre Abfuck“ ist nach „Alles brennt“ und „Alle gegen alle“ wieder eine Platte mit ordentlich Schaum vor dem Mund geworden, hier wird trotzdem anständig ausgeteilt. Die Nazischläger, Testosteronmachos, Hohlhirne, Rapversteher, Instaprinzen, sie kriegen alle eine mit – die Synthies spotzen, der Techno wummert (so dass man manchmal glaubt, aus dem Nebenstudio hätten Deichkind ihre Amps dazugestöpselt) und wenn Wilken nicht langsam etwas pfleglicher mit seinen Stimmbändern umgeht, kann auch der alte Mann da oben nicht mehr viel helfen.



Extrakrass und durchaus diskutabel wird es, wie erwähnt, also noch immer. Bei „Echte Männer Freestyle“ fantasieren und politisieren sich Wilken und Bolz ein paar heiße Partyszenen im Freundeskreis zusammen („ich bin was ich bin, ich hab das nicht geplant, von Linken verstoßen, von Rechten umgarnt“), müssen aber letztendlich zugeben, dass es zum „Geschlechtsverräter“ für Saubermänner nicht reicht. Und auch die Abspritztour durch’s nächtliche Berlin („Jeder Schritt“) ist ganz herbe Kost und extreme Gratwanderung, von der man hofft, dass nicht die falschen Leute mitbrüllen. Am Schluss schimmert sie dann wieder durch, die Lust an der Flucht: „Das Feuer gebändigt und den Hund gezähmt, jetzt können wir untergehen, wir haben genug gesehen“, heißt es höhnisch in „Es war nicht alles schlecht“ (war es eben doch) - bevor sich die beiden zum Spießerglück hinreißen lassen, nehmen sie doch lieber den Ausgang („Exit“). So recht vorstellen kann man sich das nicht, ZM in der Hängematte, wie sie der Welt beim Untergang zusehen, besser also, sie hängen noch ein paar Jährchen Abfuck dran.

07.08.  Berlin, Kino International
08.08.  Leipzig, Moritzbastei
11.08.  Köln, Zum Schrotty
07.08.  München, Olympiastadion
04.02.  Kiel, Die Pumpe
05.02.  Hamburg, Große Freiheit 36
07.02.  Berlin, Huxleys Neue Welt
12.02.  Rostock, Peter Weiss Haus
14.02.  Düsseldorf, zakk Halle
17.02.  Frankfurt, Batschkapp
19.02.  Jena, Kassablanca
20.02.  Dresden, Scheune
21.02.  Hannover, Musikzentrum
22.04.  Braunschweig, Westand
23.04.  Bremen, Schlachthof
24.04.  Erlangen, E-Werk
25.04.  Wiesbaden, Schlachthof
27.04.  München, Muffathalle
01.05.  Kaiserslautern, Kammgarn
06.05.  Köln, Gloria Theater
08.05.  Dortmund, Junkyard
09.05.  Bielefeld, Movie
13.05.  Freiburg, Jazzhaus
14.05.  Leipzig, Werk2

Mittwoch, 5. August 2020

Kelly Lee Owens: Beste zweite Chance [Update]

Das ist mal ein Satz, wie man ihn selbst auf Wikipedia nicht alle Tage zu lesen bekommt: "Sie gab ihre Arbeit als Krankenschwester auf einer Krebsstation in Manchester auf, um sich der Musik zu widmen." Die Rede ist hier von Kelly Lee Owens, mittlerweile eine der wenigen etablierten Produzentinnen resp. Künstlerinnen in der doch sehr männlich dominierten Londoner Techno/DJ-Szene. Die Waliserin kam 2007 nach England, sammelte erste musikalische Erfahrungen bei Nebenjobs auf lokalen Indie-Festivals, letztlich wurde sie aber von ihren Patient*innen dazu gedrängt, es doch ernsthafter an den Turntables und im Tonstudio zu probieren. Und das sicher nicht, weil ihr für die Medizin die nötige Leidenschaft fehlte. Die Entscheidung war bestimmt nicht die falsche, Owens arbeitete mit Kollegen wie Daniel Avery, James Greenwood und Erol Alkan, ihrer ersten EP "Oleic" folgte 2017 das Debüt-Album "Kelly Lee Owens" und einer Kollaboration mit Jenny Hval, später folgten weitere mit Björk und St. Vincent. Für den 1. Mai nun hat sie ihre zweite Platte "Inner Song" via Smalltown Supersound angekündigt, vorab konnten wir davon zunächst den Track "Melt!" hören, nun schickt sie den erstaunlich eingängigen Song "Night" und das zarte "On" hinterher. Gespannt dürfen wir zudem auch auf ein weiteres Joint Venture sein, mit "Corner Of My Sky" findet sich auf dem Album auch ein Feature von John Cale.

Update: Und nun, da das Album mittlerweile auf den 28. August geschoben worden ist, haben wir auch die Collabo mit John Cale vorliegen - voilá, "Corner Of My Sky feat. John Cale".










Dienstag, 4. August 2020

Odd Morris: Die Straßen deiner Stadt

Immer dann, wenn man ihn schon abgeschenkt hat, kommt doch noch ein Song um die Ecke, der einen am endgültigen Tod des Indierocks zweifeln läßt. Es geht ihm nicht so gut, schon klar, aber die irische Band Odd Morris hat offenbar etwas dagegen, dass das Genre vollkommen vom Radar verschwindet. Und so haben sie gerade ihre neue Single "Your Four Walls", eine kleine Hommage an die Straßen und Häuser Dublins und die dazugehörigen Geschichten, geteilt. Vor einem Jahr traten Daragh Griffin (Gesang, Gitarre), Kris Hassett (Gitarre), Ciarán McCarthy (Bass) und Sam Martin (Drums) mit ihrer Debütsingle "What Might Be" erstmals in Erscheinung, es folgten die Stücke "Lilac Leaves" und "Cold Water", Konzerte im Vorprogramm von Ezra Furman und der Fat White Family - und wenn nicht alles noch schlimmer kommt mit der Pandemie, dann steht ihrer Karriere zumindest 2021 nichts mehr im Weg.








Big Joanie: Berechtigte Frage

Dass solche Momente in unregelmäßigen Abständen kommen, ist ganz normal und gesund. Man kann schließlich nicht überall sein. Dennoch die Frage: Wo um alles in der Welt waren wir, als diese Band erstmals auftauchte (also 2013)? Und wo bitteschön haben wir uns dann im September 2018 herumgetrieben, als Big Joanie ihre fabelhafte Single "Fall Asleep" veröffentlichten? Diese stammt vom rundherum tollen Debüt "Sistahs", das die All-Girl-Formation aus London im November desselben Jahres nachreichte. Wie gesagt, das kann passieren. Aber wie oft wohl entert eine schwarze, feministische Punkband die Schlagzeilen, die ihre Bezugsquellen zwischen Sonic Youth, den Pixies und The Breeders auf der einen und klassischem Soul bzw. R'n'B verortet? Dass Stephanie Phillips, Chardine Taylor-Stone und Estella Adeyeri oft in einem Atemzug mit der New Yorker Kapelle The Ronettes genannt werden, überrascht deshalb nicht. Nachträgliches Stöbern lohnt sich im Übrigen bei den dreien, findet man dabei doch Coverversionen von "Wave Of Mutilation" (Pixies), "Doe" (The Breeders) und "No Scrubs" (TLC), bevor man sich dann der aktuellen Neubearbeitung zuwenden kann - für Jack Whites Label Third Man Records nämlich haben sie gerade "Cranes In The Sky" von Solange Knowles eingespielt, auf der Flipside findet sich die Nummer "It's You" vom ersten Longplayer.





Montag, 3. August 2020

Ela Minus: Der Sound zur Zeit

Dass die Bewohner*innen Kolumbiens, wenn sie nicht gerade ihren Unterhalt im Medellín-Kartell verdienen (und auch das ist kein Zuckerschlecken), keine einfachen Lebensbedingungen gewohnt sind und deshalb ungewöhnliche Lebensentwürfe eher kennen, sollte sich selbst bis ins diesbezüglich recht bequeme Westeuropa herumgesprochen haben. Diese junge Dame hier, mit Geburtsnamen Gabriela Himeno, hat beispielsweise schon mit zwölf in einer Hardcore-Kapelle die Drums verdroschen, bevor sie in den USA das Berklee-College enterte, um dort eine anständigen Abschluß zu machen. Himeno, die sich alsbald das Pseudonym Ela Minus zulegte, pflegt seit dieser Zeit eine sehr enge Beziehung zu analgogen Synthesizern, sie schätzt deren unverfälschten, warmen Sound, den man wiederum ihren Tracks anhören kann. Wohnhaft in Brooklyn, ist sie dort tief in der DIY- und Clubszene verwurzelt, im April schickte sie mit "they told us it was hard, but it was wrong" einen ersten neuen Track in die Runde, dem nun das feine Stück "megapunk" folgt. Zeitgemäßer kann Dance nun wirklich kaum klingen.




Sonntag, 2. August 2020

The Notwist: Schiffsmeldung

Lazy Sunday Afternoon - die Spotlights heute wegen Hochsommer als kräftesparende Rundreise, also mal ausschließlich aus Deutschland. Kommt ja selten vor, dass wir ausreichend Neuigkeiten in ansprechender Qualität aus der Heimat vorliegen haben. Doch gleich, wenn der erste Name fällt, gehen auch international die Lichter an: The Notwist nämlich, die Weilheimer Frickelbude, planen via Morr Music am 21. August die Veröffentlichung einer neuen EP mit dem Titel "Ship" und der Titelsong (feat. Saya/Tenniscoats) läßt, zumindest für diese 12", auf eine Kurskorrektur in Sachen Sound schließen. Mit "Loose Ends" und "Avalanche" werden sich zwei weitere Stücke auf dem Tonträger befinden - wer am kommenden Samstag noch nichts vor hat, kann ja auch mal am Kölner Tanzbrunnen vorbeischauen, dort nämlich wird das Kunstkollektiv vorspielen.

08.08.  Köln, Tanzbrunnen
04./05.06. 2021  Hamburg, Elbjazz Festival

Provinz: Anderer Blickwinkel

Ob die oberschwäbische Kleinstadt Ravensburg tatsächlich schon als Provinznest gilt, kommt wohl auf den Standpunkt an - junge Menschen jedenfalls, die in dem 50-Tausend-Seelen-Örtchen großgeworden sind, werden nicht selten das Gefühlt gehabt haben, dort von allem Wichtigen dieser Welt abgeschnitten zu sein und also schnell den Ausbruch wagen. Dass es diese vier jungen Herren mit eben dem Namen Provinz zumindest musikalisch gar nicht nötig haben, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen, pfeifen schon seit langem nicht nur Spatzen von den Dächern. Seit ihrer Debüt-EP "Reicht dir das" sind sie gern gesehene Gäste auf hochkarätigen Festivals und ihre Songs laufen bei den einschlägigen Radiosendern in Dauerschleife. Grund genug, sie auch hier mal vorzustellen, zumal ja gerade ihr Album "Wir bauten uns Amerika" erschienen ist. Und weil wir etwas später dran sind, bleibt uns nur das vollumfängliche, sehr ausgiebige Video-Roundup mit sieben Stücken der Platte - dass sie richtig gut sind, weiß mittlerweile ohnehin schon jede/r.













Aime Simone: Schönheit und Vergänglichkeit

So, jetzt müssen wir etwas schummeln, denn dieser junge Mann hier ist zwar in Deutschland, genauer in Berlin, zu Hause, wurde aber in Paris geboren. Aime Simone macht allerdings so schöne Musik, dass man ihn sofort einbürgen wollte. Dunkel zwar, aber anmutig und mit ausreichend Herzenswärme. Von einer begonnenen Modelkarriere ist zu lesen, von einer Freundschaft mit Enfant Terrible Pete Doherty und natürlich seinem gerade veröffentlichten Albumdebüt "Say Yes, Say No". Von diesem wollen wir hier die Singles "In This Dark Time", "Strange Inside" und "Everything's Changing" präsentieren. Wer wissen möchte, woher Aimes Vorliebe für Themen wie Tod, Vergänglichkeit, Verlust und Einsamkeit kommt, findet die Antwort vielleicht in einer Dokumentation (siehe unten), die gerade beim Far Out Magazine über ihn erschienen ist.







Schatzi: Style und Kalkül

Schatzi also. Wir geben zu - mit dem Namen haben wir so unsere Probleme. Da aber werden wir nicht die einzigen sein, deshalb darf man davon ausgehen, dass die Brüder Jeremias und Yannic Koch plus Sänger Julian Schatz damit sehr wohl kalkuliert haben. Denn das gibt natürlich Zusatzpunkte auf der Irritations- und also Aufmerksamkeitsskala. Auf der sind die drei seit 2018 mit ihren Songs "Coke Light", "7 Minuten", "Lindsay" und "Kamera" schon gelandet, nun kommt mit "Glock" ein neuer dazu und obendrauf die Ankündigung für eine neue EP namens "Animalia Parc" (VÖ: 23. Oktober, Downbeat). Was wir hören: sanfte Trapklänge, dunkel schimmernden Popsound. Was wir sehen: Style, Lässigkeit, Attitüde, geballte Arroganz - passt also. Und bleibt spannend, so scheint es.



Freitag, 31. Juli 2020

Fontaines D.C.: Mit besten Absichten

Fontaines D.C.
„A Hero’s Death“

(Partisan Records)

Woher all der Argwohn kommt? Nun, manchmal ist das Alter eben nicht von Vorteil, sorgt die damit angeblich einhergehende Weisheit, von der ständig die Rede ist, dafür, dass man das hektische und beneidenswert vorbehaltlose Schaffen der Jugend mit misstrauischen Blicken und Zweifeln begleitet. Dabei ist doch eigentlich gar nichts Verwerfliches daran, wenn eine so junge und talentierte Band wie die Fontaines D.C. aus Dublin gerade mal ein Jahr nach Veröffentlichung ihres fabelhaften Debüts „Dogrel“ gleich die nächste, allzeit beunkte zweite Platte angeht. Lassen wir also alle Bedenken und schlechten Beispiele (The Killers, Kings Of Leon, Coldplay, you name it) mal beiseite. Und freuen uns an der Schlagzeile der Irish Times, die gerade treffend titelte: „Same band, different songs, same brilliance“.

Genaugenommen war das ja genau die Schlagzeile, die man insgeheim erhofft hatte. Und selbst die Band scheint hin- und hergerissen zwischen eigenem Anspruch und der Erwartungshaltung ihres nunmehr doch recht großen Publikums. Auf der einen Seite, so sagte Sänger Grian Chatten dem Guardian, habe er gar keine Lust, sich zu rechtfertigen, ob denn die neue Platte mit der alten vergleichbar sei, ob ein „weiter so“ vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: “This is us as people. If people can’t accept it or don’t like it, then their band is gone.” BAM! Andererseits unterstrich Chatten im gleichen Gespräch, dass es nichts Verlogeneres gäbe als einen Rockstar, der sich angeblich um nichts und niemanden bei seiner Arbeit Gedanken mache – der Mittelweg, ein schmaler Grat, ist es wohl, was den Reizpunkt setzt.



Dass die Fontaines D.C. mit ihrem neuen Status nicht rundherum glücklich sind, beweisen die mehr oder weniger deutlichen Textbezüge in den Songs von „A Hero’s Death“ – Stücke wie „Televised Mind“, „Lucid Dreams“ und „I Don’t Belong“ wählen hier eine ungewohnt ehrliche Sprache. Mit Überzeugung so zu sein, wie man ist – Chattens großes Anliegen auf diesem Album. Dann nämlich landet man schnell auf der übergeordneten Ebene mental health, die ja in den letzten Monaten und Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit und Brisanz erfahren hat. Vor diesem Hintergrund erlangen wiederum Songs wie „A Hero’s Death“, „I Was Not Born“ und an abschließende „No“ eine um so dringlichere Bedeutung. Und bilden den Kontrast zu nostalgischer Rückschau, Liebeslied und Alltagsflucht, die auch ihren Platz bekommen.

Auffällig in musikalischer Hinsicht – das neue Werk ist, mehr als das Debüt, welches noch von Ungestüm geprägt war, ein Songwriting-Album geworden, die fünf legen weitaus größeren Wert auf Wandelbarkeit, stilistische Nuancen, genre-crossing also. Wo „Dorgel“ noch ein lupenreines Post-Punk-Gewächs war, werden hier ganz andere Fachgebiete touchiert, kommen Streicher, Akustik- und Westerngitarren zum Einsatz, sogar balladeske Züge versagen sie sich nicht („Oh Such A Spring“) und bei „Sunny“ erwartet man fast, dass nunmehr gleich ein Sinatra-Hologram um die Ecke tänzelt und Ol Blue Eyes dem Sänger mit generösem Blick den Arm um die Schulter legt. „That is us“ - wie gesagt, sie wollten es wissen und haben es durchgezogen.



Es gibt, das darf man feststellen, keinen einzigen schlechten und keinen langweiligen Song auf dieser Platte - und beileibe nicht alle brechen mit den Erwartungen (soll heißen: Post-Punk still exits, mate). Dass die Jungs ihren Anhänger*innen etwas zumuten mußten, wollten sie vor sich selbst das Gesicht nicht verlieren, ist schlüssig und bestens geglückt. Ohnehin gibt es, und zwar besonders in der Rückschau mit einiger Zeit Abstand, kaum etwas Öderes als die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Schon klar, sie sind nicht die ersten mit dieser Erkenntnis, aber einen ganz wichtigen Punkt haben sie, glaubt man dem Gitarristen Carlos O’Connell, schon mal kapiert: “It’s not up to us to become the biggest band in the world, it just isn’t. It’s up to how the music resonates.”

15.03.  Zürch, Dynamo
16.03.  München, Backstage
19.03.  Berlin, Astra Kulturhaus
20.03.  Hamburg, Gruenspan
26.03.  Wiesbaden, Schlachthof
27.03.  Köln, Live Music Hall

Kitschkrieg: ... geht weiter [Update]

Das Post-it hatte tatsächlich schon etwas an Farbe und Klebkraft verloren, wie es über die Monate so an der Pinnwand verkümmerte. Zu lesen war darauf nur ein einziges Wort: Kitschkrieg, ergänzt um ein dickes Fragezeichen. Seit über zwei Jahren hing das Blättchen dort rum, sehnsüchtig angestarrt, immer wenn ein neuer Song aus dem Hause des Berliner Labels erschien. "Standard", "5 Minuten", "Aua, Oh Oh..." und stets die Frage, wann denn das längst versprochenene Album endlich erscheinen würde. Okay, das blöde Virus tat sicher ein Übriges zur Verzögerung dazu, doch nun ist der Zettel im Schredder, denn ein VÖ-Termin ist benannt: Am 7. August wird die Platte als Doppelvinyl mitsamt edlem Coffee-Table-Book zur Entstehungsgeschichte erscheinen, der Einfachheit halber schreiben wir einfach mal die Tracklist vom Waschzettel ab.

1. "Standard" feat. Gringo, Ufo361, Trettmann + Gzuz
2. "Unterwegs" feat. Jamule
3. "5 Minuten" feat. Cro, AnnenMayKantereit + Trettmann
4. "Titanik" feat. Ms. Platnum + Marteria
5. "Sonora" feat. Max Herre + Skinnyblackboy
6. "International Criminal" feat. Bonez Mc + Vybz Kartel
7. "Lambo Lambo" feat. Peter Fox + Trettmann
8. "17.30 Uhr" feat. Jan Delay
9. "Nein du liebst mich nicht" feat. Modelselektor + Crack Ignaz
10. "Keine Angst" feat. Alli Neumann + Trettmann
11. "Oh Junge" feat. Rin + Kool Savas
12. "Irgendwo" feat. Nena + Trettmann

Zu bestellen natürlich nur über die Labelsite direkt - her damit!

Update: Wenn der Janni schon um "17:30 Uhr" flüssige und andere Substanzen zu sich nimmt, dann ist es nicht gut um die Welt bestellt. Da hilft oft nur - Kitschkrieg hören.









Billie Eilish: Eine gute Wahl

Nicht eben eine furchtbar neue Erkenntnis, aber unsere Teenager hätten es sicher schlechter erwischen können. Wer in den 80ern oder 90ern großgeworden ist, weiß noch, wie die Tapeten in den sog. Jugendzimmern ausgesehen haben - das plakatierte Grauen aus Milli Vanilli, Take That, Tic Tac Toe oder Bon Jovi war nicht eben für das Wohlbefinden der Erziehungsberechtigten gemacht, aber eben nachgerade harmlos, bieder und brav. Politische Meinungsbildung, aktive gesellschaftliche Teilhabe Fehlanzeige, spielte keine Rolle, gab's kaum. Heute dagegen: Billie Eilish, ausreichend emanzipiert, höchst sympathisch und aus (räusper, räusper) pädagogischer Sicht ein veritabler Glücksfall. Gegen Bodyshaming, gegen Rassismus und Ausgrenzung, für Diversität, Feminismus und ökologische Nachhaltigkeit. So what? Musik auch, mit eben diesen Nebengeräuschen. Und da ist es vollkommen okay, wenn sich manche/r den Wecker stellt, weil nach Mitternacht ein Song online geht, der so ziemlich okay ist. "My Future" - Mischung aus zart gehauchter Ballade und schönem, jazzigen Swing. Wie immer textlich was zum Nachdenken und Sinnieren (wie ja die eigenwillige Künstlerin selbst uns Alten auch immer ein paar Knobelaufgaben mit auf den Weg gibt). Alles wie immer also, alles gut.