Dienstag, 28. Februar 2017

Damaged Bug: Angemessen abgefahren [Update]

Von John Dwyer gibt es zwei Arten von Fotos. Solche, auf denen er ziemlich entrückt mit seinem Instrument zu sehen ist und somit seinem Hauptberuf, also Musiker, nachgeht. Und solche, auf denen er ziemlich viel Unsinn treibt - siehe oben. Da er sowohl mit seiner Band Thee Oh Sees als auch solo unter dem Moniker Damaged Bug unterwegs ist, überwiegen die Gitarrenbilder. Gerade hat er sein nächstes Album im Alleingang angekündigt, nach "Hubba Bubba" und "Cold Hot Plumbs" kommt nun also "Bunker Funk" via Castle Face Records zum Verkauf und Single Nummer eins "Bog Dash" klingt schon wieder angemessen abgefahren.

Update: Zwei neue Songs gilt es vom kommenden Damaged-Bug-Album zu vermelden, hier kommen "Slay The Priest" und "Unmanned Scanner".

Montag, 27. Februar 2017

Artwhy: Neuorientierung

Zur Abwechslung heute mal wieder Berlin: Die Hauptstadtkapelle Artwhy, bestehend aus Pablo Schomburg (Bass/Keyboards), Leonard Wagenbreth (Gesang/Gitarre) und Nils Noack (Drums), haben sich gerade für ihre EP "Robotic Audience" so ein wenig neu erfunden. Seit 2010 zusammen auf der Bühne, hat das Trio zwei Alben ("Wall Paint", "Stripes") mit eher rockigen Songs aufgenommen, das soll sich nun ändern. Für das Kurzformat wurden zusätzlich einige elektrische Geräte ins Studio geschafft und die Band fand offenkundig viel Gefallen an den zusätzlichen Möglichkeiten. Das Ergebnis klingt jetzt eher nach den Klaxons, Maccabees oder gar den späten Foals - nicht die schlechtesten Referenzen also. Wer mag, darf das gleich anhand der ersten Auskopplung "Madness" überprüfen, bei Gefallen im Übrigen auch als Download für lau. Die komplette 12" dann am 31. März.

31.03.  Lübeck, Blauer Engel
01.04.  Hamburg, Astrastube
03.04.  Hannover, Kulturpalast Linden
04.04.  Bremen, Papp
05.04.  Hildesheim , Club VEB
06.04.  Lüneburg, AstA Wohnzimmer
08.04.  Kiel, Prinz Willy
09.04.  Bonn, Cafe La Victoria
10.04.  Wiesbaden, Der Weinländer
11.04.  Stuttgart, Cafe Weiß
13.04.  Passau, Cocktailbar Roots
14.04.  Wien, Das Bach
15.04.  Traunstein, Tropical
16.04.  Bamberg, Live-Club
20.04.  Berlin, Rock At Sage
29.04.  Altötting, Plattenzimmer
30.04.  Bad Kötzting, Bahnhof Kötzting
05.05.  Cuxhaven, Open
06.05.  Hamburg, Freundlich Und Kompetent
02.06.  München, Munich Sessions
03.06.  Wien, Cafe Carina

Sleaford Mods: Anspruch trifft Wirklichkeit

Sleaford Mods
„English Tapas“

(Rough Trade)

So ist es mit den Lieblingsdingen – hat man sie einmal gefunden und ins Herz geschlossen, wächst sofort die Angst, auf Dauer würde die Zuneigung den eigenen Erwartungen oder den äußeren Umständen nicht standhalten können. Daß das bei den Sleaford Mods aus Nottingham etwas anders aussieht, könnte daran liegen, daß hier Anspruch und Wirklichkeit, selten genug, Hand in Hand gehen und alles bestens bleibt, weil nichts wirklich besser wird. Ein Deutungsversuch: In gleichem Maße, wie ein diffuses Unwohlsein angesichts der sich zuspitzenden gesellschaftlichen Schieflage hier und überall in Europa nach Kanalisierung, nach Klärung und Ansprache ruft, gelingt es Jason Williamson und Andrew Fearn einmal mehr, mithilfe ihrer bissigen Punk-Rap-Tiraden dem Unmut eine vernünftige, reflektierte Stimme zu geben. Wobei angemessen nicht zurückhaltend meint und Klugheit weder an Sarkasmus noch Deutlichkeit spart – die Mods scheren sich dankenswerterweise wenig um Etikette und Eitelkeiten und benennen Misstände mit der nötigen Schärfe.

Und auch hier kein Grund zur Beunruhigung (wenn man das so sagen darf), denn im politischen System krachts an allen Ecken und Enden und die Liste derer, die Williamsons schneidendes Stakkato um die Ohren gehauen bekommen, wird nicht gerade kürzer: David Cameron, Boris Johnson (der in Sachen Intellekt und Frisur, liebevoll „Moptop“, mit Trump und Wilders gleichauf liegt), Nigel Farage, Duncan Smith, ganz neu dabei Therese May und der gierige Philip Green. Dessen zum Himmel schreiende Absahne auf dem Rücken geprellter Kunden und Angestellter beim ruinösen Umgang mit der Kaufhauskette British Home Stores gibt ein Thema vor („B.H.S.“), weiter folgen krude Männlichkeitsrituale („Army Nights“), irre Vergnügungsparks („Drayton Manored“) und die ganze soziale Misere des einstmals so stolzen Königreichs, daß sich jetzt nach dem Brexit als tragikomisches Egoistenstadl erweist.

Zum Lachen ist das weiß Gott nicht und Williamson schimpft denn auch entsprechend böse in die Runde über die grassierende Gleichgültigkeit („Dull“), die abstumpft und der Mutlosen Lebenszeit zäh und unausweichbar durch die Sanduhr rieseln läßt. Vielleicht klingen die Tracks auf „English Tapas“ etwas weniger rough und noch reduzierter als auf dem Vorgängeralbum „Key Markets“ aus dem Jahr 2015, die programmierten LoFi-Beats von Andrew Fearn kommen trotzdem auf den Punkt, der Bass ist knüppeldick, es spotzt und bleept recht funky und wie schon auf dem Kurzformat „TCR“ gibt es von den beiden Buddies sogar ansatzweise Liedhaftes zu hören. Altersmilde ist, Stand jetzt, von den Mods nicht zu haben und die Gefahr, daß sich die beiden vom Ersparten eine hübsche Motoryacht besorgen, um damit auf dem River Trent umherzuschippern oder im nahegelegenen Sherwood Forest ausgiebig der Naherholung fröhnen, ist eher gering. Und Besserung ist ohnehin nicht in Sicht. http://sleaford-mods.myshopify.com/

08.05.  Wien, Flex
10.05.  München, Freiheiz
11.05.  Winterthur, Salzhaus
12.05.  Schorndorf, Manufaktur
14.05.  Wiesbaden, Schlachthof
15.05.  Köln, Essigfabrik
26.05.  Luzern, Südpol


Freitag, 24. Februar 2017

Pissed Jeans: Selber fragen

Pissed Jeans
„Why Love Now“

(Sub Pop)

Es sind ja immer die Brüche, die eine Sache spannend machen und nicht so sehr das Erwartbare, Stereotype. Metalheads, die zum Fürchten aussehen und zu gruseligen Texten verfilzte Mähnen schütteln – naja. Weinerliche Rundstrickfolkies, deren Lieder zwar Steine erweichen können, aber sonst nur als Schlafmittel taugen – zum Wegrennen. Steroidgestopfte Bankdrücker, die vom krassen Leben in der Hood reimen, aber für den Schritt nach draußen nicht den Arsch in der Hose haben – traurige Sache. So gesehen kann einem gar nichts Besseres passieren als eine Hardcore-Kapelle wie Pissed Jeans, die sich selbst nicht so wahnsinnig ernst nehmen, obgleich sie wissen, daß die Welt da draußen im Moment alles andere als lustig ist. Rosafarbene Plattenhülle, erwachsene Männer, die auf buntem Tüll herumkauen und auch in der Muckibude nur Nonsens im Kopf haben (siehe „The Bar Is Low“), alles ein Riesenklamauk? Mitnichten, natürlich steckt hinter dem ganzen Spaß eine ordentlich bissige Message: Tradiertes Männerbild, Genderdiskussion, Karrierekasper, Sexchats und sonstige Netzverirrungen – von all dem gibt es bei Pissed Jeans viel zuhören. Die Riffs sind dazu mächtig und der Sound mehr als hart, der Nachfolger von „Honey“ aus dem Jahr 2013 beginnt mit einer großen Portion Selbstekel („Waiting For My Horrible Warning“), kruder Männlichkeit und liebloser Liebe, bevor dann Lindsay Hunter, Sängerin der Band Ugly Girls zum gradiosen Monolog eines einzigartigen Kotzbrockens ansetzt („I’m A Man“). Obwohl, ganz so einzigartig wird die widerliche Tirade nicht sein, nennen wir es also lieber Büroalltag. Von solchen giftige Wortmeldungen kann man sich hier, während einem die Gitarren um die Ohren gehauen werden, einige abholen – „Have You Ever Been Furniture“ zum Beispiel oder das alberne Gegockel des „Worldwide Marine Asset Financial Analyst“. An den Pegeln stand im Übrigen keine Geringere als Lydia Lunch, was insofern interessant ist, als daß sie zwar reichlich Erfahrung als Musikerin, aber kaum als Produzentin vorweisen kann. Den vieren war’s egal, sie vertrauten ihrer Aura und Energie und das Ergebnis gibt am Ende beiden Recht. Eine hilfreiche Anregung für die Anhängerschaft hat Sänger Matt Korvette dann schließlich auch noch, die man wegen ihrer Allgemeingültigkeit jederzeit verbreiten darf: „A crucial thing , I think, for beeing a PJ-Fan is just stemming from what I would take away from punk, which is ‘Question things and think about things‘. Don’t just go to the office and get the same coffee. Don’t just wear a leather jacket and get a 40 oz. Just question yourself a little bit if you can.“ Das jedenfalls kann mal sicher nicht schaden …

Idles: Zertrümmern

Auch wenn vorschnelles Loben vielleicht ein Fehler ist, aber diese Band muss man einfach mögen: Vor ein paar Wochen durfte Adam Devonshire, der Bassist der Idles aus Bristol, zum Liedchen "Stendhal Syndrome" mit wunderbar freakigen Tänzen die Tate Britain rocken, nun bekommt Sänger Joe Talbot die großartige Gelegenheit, für das Video zur neuen Single "Mother" einen ganzen Tisch voller Porzellan-Nippes zu zertrümmern - hach, was muß das für ein Spaß sein, für die Jungs zu arbeiten! Das Album "Brutalism" ist weiterhin für den 10. März angekündigt und schon jetzt mehr als überfällig - viel schlimmer: Noch immer keine Livetermine außerhalb der Insel in Sicht. Come on, boys!

She Drew The Gun: Zukunft mit Fortsetzung

Ein unverhofft schnelles Wiederhören gibt es gerade mit Louisa Roach und ihrer Band She Drew The Gun. Im Mai des letzten Jahres haben die Liverpudlians mit "Memories Of The Future" ein durchaus beachtliches Album abgeliefert - Bristol-Sound, Gitarrenkrach, sehr schöne Nummer. Nun schicken sich die vier an, am 17. März via Skeleton Key Records mit "Memories Of Another Future" (so heißt das Ding tatsächlich) eine weitere Platte zu veröffentlichen und mit "No Hole In My Head" lassen sie uns auch schon mal vorhören - der Song ist eine Coverversion des gleichnamigen Titels von Malvina Reynolds.

Donnerstag, 23. Februar 2017

King No-One: Wer sonst?!

Klar ist es das Vor-, wenn nicht sogar Grundrecht der Jugend, in weißem Pelz oder Leopardenjacke und Glitter im Gesicht beschwingte Popmelodien zu trällern, die schweren Dinge leicht zu nehmen, den Moment zu feiern. Wie sollten sie denn sonst zurecht kommen?! Besonders der englische Nachwuchs hat ja gerade schwer an den Folgen zu tragen, die ihm der verbohrte Seniorenklügel im Parlament und in den Wahllokalen eingebrockt hat, da ist es nur recht und billig, wenn die Party etwas größer ausfällt. King No-One machen das diesbezüglich ganz prima, schon die beiden ersten Single "Halo" und "Alcatraz" waren Lehrbeispiele schillernden Britpops und auch der aktuelle Song "Antichrist" ist ein wahrer Ohrenschmeichler. Den zu erwähnen, ohne daß einem Morrissey in den Sinn kommt, ist schlichtweg unmöglich - Pathos, Stil, das große Rad. Herrlich!





Annabel Allum: Weiterknirschen

Hier noch eine gute Nachricht für den morgigen Tag - dann nämlich ist der offizielle Release der neuen Single von Annabel Alum. Die junge Dame aus London war hier im letzten Sommer mit ihrem Song "Tricks" vertreten und hat auch zuvor schon hoffnungsvolles Material präsentiert - nun also "Rich Backgrounds" samt Böllerdrums und Knirschgitarre, produziert hat Adrian Hall (Goldfrapp, Du Blonde, Anna Calvi).

Ride: Charmeoffensive [Update]

Wer heute Shoegazing sagt, muß auch von früher reden - und das meint im besonderen das geniale Pärchen Mark Gardener und Andy Bell von Ride, deren Werke "Going Blank Again" und "Nowhere" den Kanon relevanter Werke dieses Genres entscheidend mitbestimmen. Live waren die Herren ja schon geraume Zeit wieder unterwegs, Gerüchte um eine vollständige Wiederaufnahme der Geschäfte machten denn auch schon seit längerem die Runde. Nun folgt endlich der Ankündigung eines neuen Albums, produziert von Alan Moulder und Erol Alkan, nach zwanzig Jahren ein erster Song mit dem Titel "Charm Assault" - die neue Platte soll im Sommer bei Wichita Recordings erscheinen.

Update: Und gleich hinterher, weils so schön war, der zweite Song "Home Is A Feeling".

Manuela: Geburtsanzeige

Erfreuliche Neuigkeiten von der Familienkiste - als solche könnte man ja das Projekt von Nick McCarthy und Manuela Gernedel etwas flapsig bezeichnen. Daß die beiden seit einiger Zeit auch musikalisch gemeinsame Sache machen, dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben, im Sommer vergangenen Jahres gab es ja mit "Cracks In The Concrete" eine erste Single zu hören. Nun haben Manuela mit dem heutigen Tag eine weitere draußen - "Supermarket" nennt sich das gute Stück und selbstverständlich präsentieren wir das neue Familienglück umgehend vor Ort. Das Album "Manuela" wird im Übrigen am 31. März bei Lost Map/Schamoni Musik erscheinen, Tourtermine sollen auch bald folgen.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Summer Moon: Momentaufnahme

Summer Moon
„With You Tonight“

(Membran)

Wer die New Yorker Indietruppe The Strokes vom Start weg eher als bessere Begleitband des talentierten Mr. Casablancas wahrgenommen hatte, der durfte sich in den letzte Jahren schon einige Male verwundert Augen und Ohren reiben. Nach und nach starteten nämlich nicht nur der Bandleader himself, sondern auch fast das ganze Begleitpersonal erstaunlich erfolgreiche Zweitkarrieren – Nick Valensi, Albert Hammond jr. und Fabrizio Moretti erwiesen sich als ebenso begnadete Musiker wie der Schlacks am Mikro und nun, da Nikolai Fraiture mit Summer Moon den Reigen komplett macht, muß man anerkennen: Die als wahllos zusammengewürfelter Haufen verzogenen Berufssöhne verschriene Kapelle erweist sich einmal mehr als musikalischer Think Tank und weil auch bei Summer Moon der Begriff fallen wird, stellen wir ein für allemal fest, daß die wahre Supergroup The Strokes selbst sind. Natürlich hat auch Fraiture die Arbeit nicht ganz allein vollbracht, man liest von Stephen Perkins (Jane‘s Addiction), Camila Grey (Uh Huh Her) und Noah Harmon (The Airborne Toxic Event), dennoch stammt das bewundernswerte Grundgerüst der Platte aus dem  heimischen Notebook des Bassisten. Und dieses folgt der so simplen wie erfolgreichen Regel: Ich probiere, was mir Spaß macht und dann schauen wir mal, wie es denen da draußen so gefällt.

Hört man sich an, was der Mann so an Stilen auf dem Debüt zusammenwürfelt, dann muß er sich in seinem Hauptberuf doch schon ziemlich gelangweilt haben. Denn „With You Tonight“ erweist sich als randvoll gefüllte Wundertüte: Schnodrigger Post-Punk hier, für den mal eben schnell ein paar Drum-Parts bei Joy Division und die Gitarren bei New Order gemopst werden („Happenin‘“), entspannt wippender Dancepop mit extrafeinem und –fettem Synthloop („With You Tonight“), die 60’s gewippt, die 90’s gerockt und dann, in der Mitte, mit „Chemical Solution“ ein wirklich unglaublicher, verschwurbelter Überohrwurm, so großartig, daß der Rest fast schon egal ist. Schlechter wird es aber nicht, Fraiture hält die Linie. Und auch wenn die Texte nicht die tiefgängigsten sind, schillern selbst die „Girls On Bikes“ verführerisch in der tiefstehenden Abendsonne. Der Coolness-Faktor der Platte ist nicht nur aufgrund der Personalien im oberen Drittel angesiedelt, Summer Moon schaffen es tatsächlich, die knapp fünfunddreißig Minuten zum äußerst lässigen Ereignis zu machen. Für die Ewigkeit ist das nicht unbedingt gemacht, doch wer braucht die schon, wenn sich der Moment so gut anfühlt? http://www.summermoonband.com/

Methyl Ethel: Auf ein Tänzchen mit den Hipstern [Update]

Mit Superlativen sollte man zwar haushalten, diese Band hier hat aber definitiv ein paar davon verdient: Methyl Ethel aus Perth sehen zwar ziemlich verhipstert aus, machen aber definitiv verteufelt gute Tanzmusik. Am 3. März soll bei 4AD ihr zweites Album "Everything Is Forgotten" erscheinen und dem Debüt "Oh Inhuman Spectacle" folgen, nach der ersten Vorabsingle "No.28" kommt nun "Ubu" hinterher - wer dabei sitzen bleibt, sollte sich schnellstmöglich ernsthaft untersuchen lassen.

13.03.  Hamburg, Molotow
14.03.  Berlin, Kantine Berghain

Update: Und noch so ein wunderlicher Song, der einen sofort hat und auf Großes hoffen läßt - hier kommt "L'Heure des Socières".





Bryde: Unverändert

Zweimal haben wir Sarah Howells aka. Bryde hier schon begrüßen dürfen: Zunächst tauchte die ehemalige Sängerin der Paper Aeroplanes vor knapp einem Jahr mit den Stücken "Help Yourself" und "Wait" auf, im Herbst des gleichen Jahren waren es dann "Honey" und "Wouldn't That Make Your Feel Good" von ihrer aktuellen EP, mit denen sie für Aufsehen sorgte. Heute nun also der erste neue Song im laufenden Jahr, auch "Less" rockt anständig und zeigt ihre anhaltende Vorliebe für aufgerauhte Gitarrensongs Marke PJ Harvey, gepaart mit dem Feingefühl einer Angel Olsen.

At The Drive-In: Tatsache

Die Hoffnung war also doch nicht umsonst: Als Anfang Dezember des vergangenen Jahres At The Drive-In mit dem bislang unbekannten Song "Governed By Contagions" kamen, traute man sich kaum, auf mehr zu hoffen, nun wird es, soviel ist sicher, sogar ein ganzes Album geben. "in.ter a.li.a", so der Titel, wird ab dem 5. Mai beim Händler stehen und "Incurably Innocent" ist die nächste Single davon - einer von elf brandneuen Tracks wohlbemerkt.

British Sea Power: Nächster Versuch

Neues Material gibt es von British Sea Power aus Brighton, der Stadt an den Ufern des Ärmelkanals. Auf den 31. März ist ja bekanntlich das neue Album "Let The Dancers Inherit The Party" terminiert und von selbigem gab es auch schon die erste Single "Bad Bohemian" zu hören - nun folgt "Keep On Trying (Sechs Freunde)" - der nächste Versuch also. Und wer das alles ganz bezaubernd findet, hat im Mai endlich wieder Gelegenheit auf einen Konzertbesuch.

18.05.  Hamburg, Molotow
19.05.  Berlin, Privatclub
23.05.  Zürich, Dynamo
24.05.  München, Strom
25.05.  Köln, Gebäude 9

Diet Cig: Keine Magenschmerzen [Update]

Und wieder ein Debüt, auf das man sich schon längere Zeit freut und das nun endlich in die Puschen kommt: Diet Cig, das New Yorker Duo aus Alex Luciano und Noah Bowman, hat nach einigen Vorabsongs und EP nun endlich seinen Erstling "Swear I'm Good At This" angekündigt - die Platte soll am 7. April via Frenchkiss Records erscheinen und mit "Tummy Ache" ist auch tatsächlich gleich ein brandneuer Song davon verfügbar. Und nein, Magenschmerzen muß man dabei weiß Gott nicht bekommen.

Update: Hier nun auch das Video zum Song - Regie von Robert Kolodny.



Dienstag, 21. Februar 2017

Dude York: Ungeschminkt

Dude York
„Sincerly“

(Hardly Art)

 „Something In The Way“ von einer Band aus Seattle – war da nicht was? Klingt gut, ist aber zu kurz gedacht. Denn besagter Song von Nirvana ist ein schlappes Vierteljahrhundert alt, Kurt Cobain hätte – wenn nicht ein Gewehrlauf dazwischengekommen wäre – gerade seinen Fünfzigsten gefeiert und Peter Richards, Claire England und Andrew Hall könnten rein rechnerisch als seine Kinder durchgehen. Wird also nichts aus der Pointe. Auch wenn Dude York durchaus das eine oder andere Grunge-Riff im Programm haben (hierfür bitte den Opener “Black Jack” schön laut aufdrehen), sind sie von den einstigen Helden doch ein ganzes Stück entfernt. “Sincerely” ist das dritte Album des Trios und auch auf diesem geht es ordentlich zur Sache. Die Gitarren scheppern mächtig, wie es sich für zünftigen Garagenpunk gehört und es ist sicher nicht von Nachteil gewesen, daß die drei ihr Baby dem Meistermacher John Goodmanson zur Nachbearbeitung in die Hände gegeben haben, schließlich hat der schon Sleater-Kinney, Bikini Kill, Ceremony oder dem Wu-Tang Clan in die Spur geholfen.

“If you fear, or feel afraid, if you find satisfaction from getting paid, throw both of your hands up, you’ve just been made, you were born different and meant to be that way”, heißt es ganz zu Beginn und genau darum dreht es sich in vielen Stücken des Albums: Selbstfindung, Selbstverständnis, Selbstbehauptung. Und das ist, wie man sich denken kann, in dem Alter nicht immer einfach. In „Live Worth Living Pt. 2“ singt Richards davon, wie schwer es ist, den Glauben an den Sinn des Lebens zu bewahren, wenn um dich herum alles am Zweifeln ist, die Neinsager in der Mehrheit sind, „The Way I Feel“ wiederum erzählt von physischen Problemen und den Versuchen, damit klarzukommen. Nichts ist einfach hier. Auch die beiden Titel, die Claire England beisteuert – sie singt erstmals selbst – sind nicht ohne Bitternis: „Tonight“, ein klassischer Break-Up-Song mit wunderbar harschen Schlußakkorden, „Love Is“ wenig später als vergiftetes Liebesbekenntnis, „from the screaming to the silence, yeah it’s toxic but I’ll dive in, I can’t help it, if I like him and that’s all that love is.“ Vielleicht keine unglaubliche, aber eine unglaublich ehrliche Platte. Und deshalb irgendwie besonders. https://dudeyork.bandcamp.com/

Spoon: Nachsitzen

Das passt ja bestens zusammen: Gerade kommt ein neuer Clip von Spoon um die Ecke und passenderweise wird er von drei Liveterminen der Band im Sommer flankiert. Den Titelsong des Albums "Hot Thoughts" hatten wir ja schon und auch "Can I Sit Next To You" ist mit dem typisch trockenen Swing der Jungs ausgestattet - so kann's weiter gehen.

17.06.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
18.06.  Mannheim, Maifeld Derby
19.06.  München, Technikum
20.06.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
03.07.  Köln, Gloria Theater

Montag, 20. Februar 2017

Clap Your Hands Say Yeah: Im Cockpit

Clap Your Hands Say Yeah
„The Tourist“

(Cyhsy)

Man wollte es ja nicht glauben, aber Alec Ounsworth hat das Songwriting nicht verlernt und versammelt auf seinem aktuellen, mittlerweile fünften Album tatsächlich eine Reihe wirklich feiner, eingängiger Popsongs, die man am besten – im Deutschen fehlt es da leider an der passenden Vokabel – mit dem englischen Begriff “catchy” umschreibt. Clap Your Hands Say Yeah sind im Jahr 2005 noch als Fünfmann-Kollektiv in der Tradition eher anspruchsvoller, amerikanischer Indierockbands wie Death Cab For Cutie und The Shins gestartet, nach dem fulminanten, selbstbetitelten Debüt ging Ounsworth allerdings nach und nach das komplette Personal von der Fahne. Dem Vernehmen nach nahm der mutmaßlich recht schwierige Musiker aus Philadelphia das letzte Werk “Only Run” mehr oder weniger allein auf – einziger treuer Begleiter war sein Produzent Dave Fridmann. Dieser stand ihm auch jetzt für “The Tourist” zur Seite, ebenso am Bass Matt Wong und gemeinsam haben sie eine überraschend stimmige Platte zustande gebracht. Die manchmal etwas quengelige Stimme von Ounsworth gehört ja mittlerweile zum festen Inventar, dazu gibt es schön verschlungene Melodien und ein paar bezaubernde Gitarrenakkorde. Stücke wie der Opener “The Pilot”, wo einen eine warme Bassline sanft an der Hand nimmt und durch den Song begleitet, aber auch “Down (Is Where I WanT To Be)” und “Better Off” haben das Zeug zur Hitsingle. Manchmal ruckelt es etwas, bei “The Vanity of Trying” gehen ihm mal kurz die Art-Rock-Pferde durch, aber alles in allem ist es doch ein erfreulich eigenständiges Werk. “I am a relatively solitary person and seem to work best alone,” bekennt Ounsworth freimütig, “I do count on others to help the project as the process of making and releasing an album moves forward, but if it doesn’t match what I have in mind, it’s hard for me to really be there for it.“ Mit anderen Worten und den Faden des Einstiegs aufnehmend – man muß sich entscheiden, ob man der Tourist oder der Pilot sein will im Leben. Der Mann hat seinen Platz gewählt und bestimmt selbst, wo’s lang geht. http://cyhsy.com/

25.09.  Berlin, Berghain Kantine
27.09.  Salzburg, Rockhouse
28.09.  Wien, Waves Festival
29.09.  Zürich, Bogen F
30.09.  Fribourg, FRI-Son

Sonntag, 19. Februar 2017

Chick Quest: Von wegen Wellenreiter

Eine Band aus dem Nachbarland, noch dazu aus Wien, die mal nicht mit morbidem Charme, Schmäh und Exaltiertheit hausieren geht - man hat ganz vergessen, daß es neben Bilderbuch, Wanda, Granada und Voodoo Jürgens noch Musiker gibt, die nicht auf Mundart machen und dennoch erfolgreich sein können. Chick Quest haben im vergangenen Jahr ihr Debüt "Vs. Galore" veröffentlicht und dafür in den einschlägigen Magazinen und Portalen viel Befall bekommen. Nun steht für kommende Woche der Nachfolger "Model View Controller" ins Haus - Ryan White (Gesang/Gitarre), Iris Rauh (Drums), Marcus Racz (Trompete, Keyboards) und Magdalena Kraev (Bass) sind dabei ihrem eigenwilligen Stil, einer Mischung aus Spaghetti-Western, Post-Punk und Art-Rock, treu geblieben, zu den beiden bislang bekannten Vorabsongs "Savant Garde" und "Down In A Crypt", hier als Video, ist gerade das dritte Stück "Exit Strategy" erschienen, am Freitag dann der komplette Rest.