Donnerstag, 19. Oktober 2017

The Soft Moon: Kriminelle Energie

Hatten wir schon erwähnt, daß Luis Vasquez aka. The Soft Moon ein neues Album angekündigt hat? Wenn nicht, dann nur, um den Spätsommer da draußen nicht unnötig zu irritieren, denn wenn der von den Plänen des Kaliforniers erfährt, ist schnell Schluß mit warm und sonnig. Einst bei Captured Tracks unter Vertrag, hat Vasquez kürzlich bei Sacred Bones unterschrieben und dort plant er seinen Einstand mit "Criminal", so der Name der Platte, für Februar 2018. Am tiefschwarzen Stil des Mannes hat sich ansonsten nicht viel geändert, überzeugen kann man sich davon auch anhand des ersten neuen Songs "Burn" mit Videoclip von Kelsey Henderson. Ein Statement oder besser ein Eingeständnis zum Werk selbst gibt es vom Künstler auch, er meint: "The concept of Criminal is a desperate attempt to find relief by both confessing to my wrongdoings and by blaming others for their wrongdoings that have affected me."

FEHM: Unverändert [Update]

Der Satz, nachdem guter Post-Punk immer und überall geht, gilt weiterhin (auch und vor allem nach dem vergangenen schwarzen Sonntag). Demzufolge freuen wir uns ausgiebig über einen neuen Song der Kapelle FEHM aus Leeds, die ja schon im Winter 2016 via Art Is Hard geglänzt hat. Damals ging es um die EP "Circadian Life", nun also eine Doppel-A mit den Stücken "Last Breath/Human Age", ein Debütalbum ist für 2018 angedacht.

Update: Hier kommt dann nicht nur der Vollständigkeit halber die andere Seite - nein, auch weil sie wieder toll klingt.


Mittwoch, 18. Oktober 2017

IDER: Zum Einstand [Update]

Immer wieder schön zu hören, wenn Pop in Großbuchstaben geschrieben wird. Wie zum Beispiel beim Londoner Duo IDER. Megan Marwick und Lily Somerville haben ja vor nicht allzu langer Zeit mit ihrer EP "Gut Me Like An Animal" bei den einschlägigen Musikportalen schon für Aufsehen sorgen können, nun stand ein Labelwechsel zu Glassnote Records ins Haus und was macht man, wenn man neu ankommt? Richtig, man bringt ein Einstandsgeschenk mit. Dieses hier nennt sich "Learn To Let Go" und kommt in sommerlichem Gelb daher. Gut so, von dem und der Musik kann man nämlich nie genug bekommen. Und wer die beiden Damen live sehen will, hat im September sogar noch die Gelegenheit.

21.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
29.09.  Dortmund, Way Back When Festival
02.12.  Köln, CBE (mit Ibeyi)
03.12.  Berlin, Lido (mit Ibeyi)
04.12.  Hamburg, Knust (mit Ibeyi)

Update: Und natürlich gibt es auch ein Video von den beiden zu sehen...

MGMT: Ganz trendy

Gothy ist das neue - ja, was eigentlich? Jedenfalls kommt der Stil der 80er jetzt ziemlich trendy daher, vor längerer Zeit gab es mit The Hidden Cameras und ihrer Platte "Age" eine Art Queer Goth, vor einigen Wochen das grandiose Album "Goths" von The Mountain Goats und nun melden sich MGMT aus New York wieder und kündigen ihr fünftes Album mit dem vielversprechenden Titel "Little Dark Age" samt passender Typo und - viel wichtiger - hübsch kostümiertem Videoclip des Titelsongs an.

Dienstag, 17. Oktober 2017

The Desert: Letzte Chance

Das ist schon kurios: Da steht der Song "Playing Dead" von Gina Leonard and Tom Frye aka. The Desert aus dem britischen Bristol samt Video schon über einen Monat bei Youtube in der Auslage und schaffte gerade mal knapp 1.900 Abrufe, nicht viel besser ging es dem etwas eher gestarteten "Just Get High" - ebenso wunderbar zart und kunstvoll verspielt. Man will ja jetzt nicht die ganz große Kritikerkeule schwingen, aber jedes kreuzdumme Katzenvideo, jedes noch so nutzlose Dachgepäckträgertutorial hat mehr Klicks als diese traumhaft schöne Musik. Geht einem nicht in den Kopf. Aber niemand soll ohne eine letzte Chance bleiben, deshalb gibt es an dieser Stelle die komplette "Soulmates"-EP inklusive des Titelsongs, nun bitte Mühe geben - und weitersagen ...





Morrissey: Ärger mit Ansage [Update]

Also doch: Nachdem sich der alte Mozzer gerade (wieder mal) einen Twitter-Account zugelegt hat, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann sich die Gerüchte zur offiziellen Verlautbarung wandeln würden. Jetzt ist es dann soweit - am 17. November wird, erstmals via BMG, Morrisseys neues Album "Low In High School", der Nachfolger zu "World Peace Is None Of Your Business", erscheinen. Das Cover, seit ein paar Tagen schon im Umlauf, gilt nun als sicher (s.u.) und wenn man dem Portal Pitchfork glauben darf, sind wieder reichlich kontroverse Stücke zu erwarten, liest man dort doch von Titeln wie "The Girl from Tel-Aviv Who Wouldn’t Kneel", "Israel" und "Who Will Protect Us From the Police?". Die erste Auskopplung jedenfalls nennt sich "Spent The Day In Bed" - Tourtermine werden sehnlichst erwartet.

Update: Nur der Meister selbst weiß, wie sehr wir uns Sorgen um ihn machen müssen. Hier jedenfalls kommt er nicht auf die Beine und läßt sich im Rollstuhl durch die Gegend fahren/schubsen - das Video zu "Spent The Day In Bed".

Screaming Females: Doch noch mehr

Nun kommt also doch noch mehr: Als wir vor einiger Zeit mit "Black Moon" einen neuen Song von Marissa Paternoster und den Screaming Females gepostet haben, war von einem weiteren Album noch nicht die Rede - nun soll am 23. Februar via Don Giovanni Records doch eines kommen. "All At Once" ist sein Name, die erste hochoffizielle Single nennt sich "Glass House" und kommt hier mit einem Clip von Kate Sweeney. Und an der Gitarre gastiert laut Stereogum der frühere Fugazi-Mann Brendan Canty. Ist doch mal was.

Fever Ray: Aufgetaucht

Gefühlt hat es eine halb Ewigkeit gedauert, genaugenommen waren es acht Jahre: So lange nämlich liegt das letzte und bislang einzige Soloalbum von Karin Dreijer Andersson unter dem Namen Fever Ray zurück - und es war ein großartiges. Nun hat die schwedische Künstlerin, die ja bekanntermaßen auch eine Hälfte des experimentellen Popduos The Knife ist, mit einem neuen Videoteaser endlich die Hoffnung auf einen Nachfolger genährt - unter dem Titel "Switch Seeks Same" ("A New Friend" ff.) steht der seit kurzer Zeit im Netz, Näheres folgt hoffentlich bald.



Donnerstag, 12. Oktober 2017

Ho99o9: Eine Frage der Wahrnehmung

Wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind, durfte man in Sachen Musik vor nicht allzu langer Zeit in München erleben: Da nämlich spielte das in den Staaten megamäßig gehypte Hardcore-Trio Show Me The Body, sonst eher die große Festivals und Clubs gewohnt, in einem engen, dunklen Keller und hatte noch immer ausreichend Beinfreiheit - es war ein bisschen traurig. Wollen wir hoffen, daß Gleiches nicht auch dem nicht minder angepriesenen und ebenso krassen Rap-Duo Ho99o9 passiert, es wäre sehr schade, denn die Livequalitäten der beiden Jungs aus New Jersey lassen sich (anhand zahlreicher Aufnahmen) nicht hoch genug schätzen. Jedenfalls ist die Band im Dezember in Deutschland und der Schweiz auf Kurztournee unterwegs. Wir werden sehen.

02.12.  Bern, ISC
04.12.  München, Strom
05.12.  Hamburg, Hafenklang

New Candys: Stimmige Mathematik

New Candys
„Bleeding Magenta“

(Fuzz Club)

Die Formel für den perfekten Popsong ist ja bekanntermaßen mindestens genauso begehrt wie der Heilige Gral, das Bernsteinzimmer oder das Hirn von Donald Trump. Nun, die letzteren drei Dinge existieren nach wissenschaftlicher Meinung  und menschlichem Ermessen überhaupt nicht – bleibt die Musik. Und zumindest für eine spezielle Spielart hat die italienische Band New Candys auf der eigenen Website folgende Rechnung aufgemacht: 33,3 % Rock, 33,3 % Roll, 33,4 % Psychedelia. Eine Rechnung, die bis auf die Nachkommastelle genau beziffert und die, zumindest in diesem Fall, durchaus aufgeht. Das hat vielleicht auch ein Stück weit damit zu tun, daß die Heimatstadt von Stefano Bidoggia, Dario Lucchesi, Diego Menegaldo und Fernando Nuti Venedig ist, hier steht zum einen eines der bekanntesten Museen zu Ehren Leonardo da Vincis, anerkanntermaßen ein Künstler, dessen Werk wie kein zweites mit der Mathematik verbunden ist. Zudem ist Venedig eine Stadt, die durchaus auch trübe Gedanken kennt – die Einwohner werden der Unmasse an Touristen nicht mehr Herr, Geld ist keines vorhanden und die Stadt, so hört man immer öfter, ist so auf absehbare Zeit dem Verfall anheimgegeben.

Viele Gründe also, warum gerade die New Candys ihre düstere Mischung aus Fuzz-Rock, Post-Punk und Psychedelia so perfekt zu spielen vermögen. Ihr drittes Album seit dem Debüt aus dem Jahr 2008 verbeugt sich denn auch auffällig oft vor den dunklen Größen des vergangenen Jahrtausends, Jesus And Mary Chain fallen einem da an erster Stelle ein, dazu auch die Stone Roses, Primal Scream oder die gothy Lords Of The New Church. Die Gitarren schneiden jedes der Stücke auf dem Album gnadenlos entzwei, dazu die dumpfen Drums und Nutis ordnungsgemäß verwaschen hallende Stimme. Alles präzise am richtigen Platz, so halten die vier selbst bei ausufernden Dreiteilern wie „The Outrageous Wedding I-III“ den Spannungsbogen über die komplette Länge. Und wenn mal eine neue Zutat von Nöten ist, wird die problemlos in die Rechnung eingebaut – auf auffälligsten bei dem Song „Sermon“, für welchen nicht nur eine Sitar gelistet ist, sondern auch die österreichische Musikerin Julia Hummer am Mikrofon, die ja als Juleah seit einiger Zeit mit ähnlichem Sound selbst unterwegs ist. Das Gesamtergebnis jedenfalls bekommt die Bestnote, eine Versetzung zum nächsten Album wird ausdrücklich empfohlen. http://newcandys.com/

30.11.  Berlin, Schokoladen
03.12.  Hamburg, Hafenklang
04.12.  Dortmund, Labsal
12.12.  Erfurt, Frau Korte
21.12.  Nürnberg, Z-Bau
22.12.  Linz, Kapu
23.12.  Wien, Das Bach

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Wild Ones: Eine Liebeserklärung

Wild Ones
„Mirror Touch“
(Topshelf records)

Unerwiderte Liebeserklärungen sind in der Regel sehr schmerzhaft – jeder, der nicht gleich mit fünfzig auf die Welt gekommen ist, weiß das aus eigener, leidvoller Erfahrung. Bei Bands funktioniert das ein wenig anders, denn hier sind Erwiderungen ein Ding der Unmöglichkeit, woher sollen die Künstler auch wissen, wer sie aus welchen Gründen verehrt und wie ernst er oder sie es meint. Weniger aufrichtig geht es deshalb nicht zu – auch wenn mit einer Antwort auf den leidenschaftlichen Treueschwur nicht zu rechnen ist, verfaßt werden muß er trotzdem. So auch dieser hier: Seit die wunderbare (wir geizen also nicht mit Komplimenten) Danielle Sullivan und ihre Kollegen unter dem Namen Wild Ones mit zarter Stimme und luftig wippenden Popmelodien im Jahr 2013 ihr Debüt „Keep It Safe“ einspielten, haben sie nicht wenige Menschen (einschließlich des Rezensenten) in ihren Bann geschlagen. Die Veröffentlichung der EP „Heatwave“ zwei Jahre später hat diesen Zustand eher noch befördert und es steht zu befürchten, daß mit dem aktuellen Album „Mirror Touch“ die Gemeinde der hoffnungslos Verfallenen erneut anwachsen wird.



Was einerseits verständlich ist, andererseits aber auch etwas verwunderlich, trällert Sullivan schließlich nicht irgendwelche belanglosen Worthülsen, sondern spiegelt – obschon auf sehr behutsame Art und Weise – sehr intime Momente aus Furcht, Enttäuschung und Selbstzweifeln in ihren Liedern. Und das beginnt schon beim Titel der Platte, dem nämlich, so liest man, liegt das sensorisches Phänomen der sog. Mirror-Touch-Synthesia zugrunde, nach welchem manche Menschen Berührungen beobachteter Personen am eigenen Körper spüren können. Was ziemlich wirr klingt, gibt offenbar ein gutes Sinnbild für Sullivans alltägliche Empfindungen ab, denn daraus lassen sich ja durchaus auch Begriffe wie Empathie, Mitleid und selbst Fremdscham ableiten. Ähnlich nähert man sich auch „Paresthesia“, dem ersten der zehn Songs, hier schildert die Sängerin mittlerweile überwundene Angstzustände ihrer Jugend und wie diese das Leben bestimmen und verändern können.

Im Grunde ist es höchst erstaunlich, mit welcher unglaublichen Leichtigkeit die Wild Ones diese doch sehr tiefgründigen und nicht selten traurigen Texte illustrieren. Dem Vernehmen nach gehören neben den Cocteau Twins und En Vogue auch Daft Punk zu den musikalischen Referenzen, was natürlich eine treffliche Erklärung für die mal mächtig pumpenden, mal sanft klackernden Programmloops („Invite Me In“, „Love And Loathing“) abgibt. Ein findiger Kritiker hat für das (natürlich wieder wunderbare) „Standing In The Back Of Your Show“ sogar eine Verwandtschaft mit „Last Christmas“ vom Wham! ausmachen können und liegt damit gar nicht so falsch. Persönlich sollte es sein, nie privat, hat mal ein kluger Mensch gesagt, das hat Sullivan einmal mehr beherzigt, dazu gibt es noch eine gute Portion schrägen Humor („I Wanna Be Your Man“) und natürlich ganz viel Melancholie: „No more Rock and Roll, boys left to charm me, no more Rock and Roll, boys to disarm me. When you're playing on the stereo and your name's on the marquee, I'm forgetting Rock and Roll.“ Das darf sie ruhig sagen – wir jedenfalls werden sie so schnell nicht vergessen …

First Aid Kit: Neue Töne? [Update]

Da steht wohl bald eine neue Platte ins Haus: Zumindest lassen das die Nachrichten ahnen, denn die Geschwister Söderberg, besser bekannt unter dem Namen First Aid Kit, haben einen neuen Song namens "It's A Shame" veröffentlicht und zusätzlich erste Konzertdaten für ausgewählte Städte in den USA bekanntgegeben. Wann genau der Nachfolger des letzten Albums "Stay Gold" kommt, steht noch in den Sternen, nach der letzten Wortmeldung mit klarer politischer Message darf man aber über die Ausrichtung desselben gespannt sein.

Update: Im dazugehörigen Video von Mats Udd zeigen die Schwestern, daß das Leben leider nicht für alle die gleichen Chancen bereithält.

Belle And Sebastian: Die Frage zur Antwort

Jetzt also kein Album, sondern - ganz dem Trend folgend - eine Single-Series-Edition: Die schottische Band Belle And Sebastian hat ja für Anfang des kommenden Jahres eine Hallen-Tour in Aussicht gestellt und kürzlich auch einen ersten neuen Song ("We Were Beautiful") samt Video veröffentlicht, nun gibt es die kompletten Daten zum anstehenden Zyklus als Update. Es wird also eine dreiteilige EP-Staffel erscheinen, eine jede Platte mit fünf neuen Songs und das alles unter dem Namen "How To Solve Our Human Problems". Wem jetzt dazu die Entgegnung von Morrissey "World Peace Is None Of Our Business" einfällt, der ist schon in der richtigen Spur, dann ganz ohne hintersinnigen Humor wird es auch bei Stuart Murdoch nicht abgehen. Am 8. Dezember jedenfalls startet der Verkauf mit dem ersten Teil, weitere folgen am 19. Januar und 16. Februar. Das genaue Tracklisting kann man sich beim Rolling Stone anschauen, den nächsten Song gibt es auch hier schon zu hören - voilá, "I'll Be Your Pilot" von der zweiten 12".

Dienstag, 10. Oktober 2017

Fufanu: Cool ohne Huh!

Für eine isländische Band wie Fufanu, die für ihr aktuelles Album "Sports" schon ein so wunderbares Cover-Artwork ausgewählt hat und noch dazu einen solch coolen Post-Punk spielt, ist ein Video wie das vorliegende wohl nur eine folgerichtige Fingerübung. "White Pebbles", gedreht von Snorri Bros, kommt so unglaublich lässig und abgedreht daher, daß man vor dem Inselvölkchen einmal mehr einen Heidenrespekt hat. Und das ganz ohne "Huh!" PS: Für alle, die das immer noch nicht glauben wollen, gibt's obendrauf noch mal das Video zum Killersong des Albums "Liability".



Django Django: Keine Langeweile

Daß der Name hierzulande leider komplett von Erinnerungen der ganz miesen Art überlagert wird, das konnten die Jungs ja nicht ahnen: Django Django haben die erste Single ihres neuen Albums "Marble Skies", das am 26. Januar erscheinen wird, veröffentlicht und wer bei "Tic Tac Toe" an eines der unterhaltsamsten und einfachsten Mittel gegen Langeweile denkt und nicht gleich zwanghaft "Ich find' dich scheiße" summt, der ist tatsächlich zu beneiden. Diese dunkle Stunde der deutschen Pophistorie samt der Nervgören auszublenden wird allerdings nicht schwer fallen, denn der Song der Briten geht direkt aus dem Ohr ins Blut und dann schnurstracks in die Beine - das lustige Zeitraffer-Video tut ein Übriges. Und wenn der Nachfolger des formidablen "Born Under Saturn" das Versprechen halten kann, ist ihnen ohnehin alles verziehen.

Montag, 9. Oktober 2017

U.S.Girls: Das Lachen im Halse

Das konnte nur einer wie ihr einfallen: Meg Remy, besser bekannt unter ihrem Moniker U.S. Girls, hatte schon vor zwei Jahre mit dem Album "Half Free" alle Lacher, die anschließend im Halse stecken blieben, auf ihrer Seite - radikaler Sarkasmus, der bestens unterhält, was wollte man mehr. Nun ist sie mit einem richtungsweisenden Song zurück, der eingängiger nicht klingen könnte. "Mad As Hell" kommt als lupenreiner Motownsound im neuzeitlichen Gewand daher, gerade so, als hätten Hercules And Love Affair The Supremes mal kräftig aufgepimpt, der Inhalt allerdings ist weniger spaßig und läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Hater: Unverändert

Gar nicht so lange her, da haben wir die schwedischen Hater für ihr feines Album "You Tried" gelobt, daß sie beim Label PNKSLM veröffentlicht hatten. Offenbar stand der Band um die bezaubernde Caroline Landahl der Sinn nach Veränderung, denn gerade haben die vier eine neue EP mit Namen "Red Blinders", diese soll am 1. Dezember mit vier neuen Stücken bei Fire Records erscheinen. Und um zu beweisen, daß sie an Qualität nichts verloren haben, schicken sie mit "Blushing" die erste Kostprobe davon in die Runde.

The Lumes: Not anywhere

The Lumes
„Envy“

(Crazyinsane Records)

Kaum zu glauben, daß man der renommierten Kulturstadt Rotterdam noch etwas über weiße Flecken erzählen muß. Klassik? Weltorchester, Topdirigent. Jazz? Traditionsfestival, honorigste Gästeliste. Rock/Pop? Nun ja. Da sieht es mit dem Bekanntheitsgrad ein wenig dünne aus. Gerade mußte der Auftritt einer Band (aus leider ebenfalls sehr bekannten Gründen) abgesagt werden, die es deshalb noch nicht einmal bis in die City geschafft hatte. Und ob sich die niederländische Metropole über die Würdigung der britischen Popkapelle The Beautiful South vor gut zwanzig Jahren wirklich gefreut hat, darf man zumindest anzweifeln, hieß es doch in dem Song „Rotterdam (Or Anywhere)“ recht spöttisch: „This could be Rotterdam or anywhere, Liverpool or Rome, 'cause Rotterdam is anywhere, anywhere alone…“ Man könnte also einen gewissen Handlungsbedarf konstruieren oder, noch verwegener, dem Rotterdamer Trio The Lumes eine Art Pioniertat in den Rucksack packen, für ihre Heimatstadt endlich eine Lücke, eine Leerstelle zu schließen.



Das ist natürlich zu viel verlangt, Maxine Prins, Lennard van der Voort und Mitchell Quitz werden an Dinge keinen Gedanken verschwendet haben, seit sie 2014 gemeinsam in klassischer Kombi Gesang/Gitarre/Bass/Schlagzeug anständigen Lärm zusammenmischen. Schon die erste EP mit dem Titel „Lust“ konnte als kraftvolles Amalgam aus Indierock, Noise und Post-Punk überzeugen, die vorliegende „Envy“ steht ihr in nichts nach. Auch hier treibende Drums und scheppernde, zeternde Akkorde (nicht selten zu meterhohen Wänden hochgezogen), die Stimme leidenschaftlich bis wütend, manchmal bewußt verfremdet – die sechs neuen Stücke, allen voran die Auskopplungen „Compulsion“ und „Slow“, machen eindeutig Lust auf mehr. Das abschließende „Who Makes Me Try“ setzt dabei zweifellos den Höhepunkt, nach bedächtigem Beginn zu geloopten Geräuschfetzen steigert sich der Song zu einem tosenden, schwer durchdringlichen und sehr düsteren Monster. Eine Seite, die sich marketingtechnisch vielleicht etwas schwierig bewerben läßt, der Stadt Rotterdam andererseits aber ganz gut zu Gesicht steht. http://crazysanerecords.com/

Freitag, 6. Oktober 2017

Wanda: Vom Können und Wollen

Wanda
„Niente“

(Vertigo Berlin)

Das kannste ja gern mal versuchen. Einem Wiener zu sagen, daß du nicht ganz so zufrieden bist, etwas mehr erwartet hat und das nun alles eine kleine Enttäuschung ist. Für einen Piefke. Ist vielleicht keine so gute Idee, denn wenn er einigermaßen drauf ist, wird dir der sagen, daß ihm das eigentlich wuascht ist, er die ganzen Kritiken ohnehin ziemlich fad findet und du ihn mal kurz dort lecken kannst, wo die Sonne so so selten hinkommt. Nützt trotzdem nix, wir müssen drüber reden. Könnte nämlich sein, daß sich Wanda wegen dieser, ihrer dritten Platte, einige böse Worte mehr werden anhören müssen. Denn ein richtiger Knaller (und die Herren wissen, wie das geht, sie haben ja schließlich mit „Amore“ einen unvergleichlichen rausgehauen) – ein richtiger Knaller also ist das hier nicht geworden. Von „Niente“, um im Bild zu bleiben, kann man weiß Gott nicht sprechen, aber anders als beim Debüt und in großen Teilen auch beim Nachfolger sucht man auf dem aktuellen Album über weite Strecken die ausschweifende Wehleidigkeit, das Kaputte, anrempelnd Rotzige vergeblich. Wanda sind, so bitter das klingt, etwas zu brav geworden.

Nur um keine Irritationen aufkommen zu lassen, von einer Schlagerhaftigkeit sind die fünf Lichtjahre entfernt, aber so ganz ohne Muttermord, Totalabsturz und hämmerndem Suffschädel ist diese sonst so heißgeliebte Mucke einfach nur noch die Hälfte wert. Klar ist der „Columbo“ ein netter Einfall, das sehnsüchtige „Schottenring“ hat einen ordentlichen Schmäh und die Gitarren im „Cafe Kreisky“ zwirbeln ganz ordentlich. Aber das Irre, Wilde, das unstete Flackern ist ihnen irgendwo abhanden gekommen und so klingen die meisten der zwölf Neuen eben okay. Aber leider nicht mehr. Dummerweise treffen sich also allzu oft mittelmäßige Texte mit mittelmäßiger Musik und wenn Wanda dann noch ihren Wiederholungs-Tick auspacken und ganze Textzeilen deckungsgleich von Song zu Song reichen, dann macht es das halt auch nicht unbedingt besser.



Alles schlecht also? Iwo. Es hat schon noch Momente. „0043“ (also das richtige, nicht das was sich „Wenn du schläfst“ nennt) ist herrlich verträumt, fast weggetreten und hakt sich als Ohrwurm sofort in der Hirnrinde fest. Ganz groß: „Ein letztes Wienerlied“ – das torkelt, taumelt, plärrt und  jault, das tut weh und hat plötzlich die vorher so schmerzlich vermißte Fallhöhe. Und sofort haben sie einen am Sack! Ähnlich gelungen dann der Kehraus, nennen wir’s mal eine Art von landestypischer beschwingter Morbidität, fünf Minuten Todeskampf mit brennendem Herzen und (ungewohnt) elektrischen Loops zum Fadeout. Woran’s nun gelegen hat – man weiß es nicht. Dass sie’s können, hören wir, vielleicht haben sie nicht wollen oder gemeint, es würde ausreichen. Nun, die verbeulte Lederjacke wird im Frühjahr trotzdem aus dem Schrank geholt und die Leute, soviel ist sicher, werden sie immer noch lieben. Vielleicht weil ein ehrliches Lied, mag es auch nicht ganz so gelungen sein, eben immer noch ehrlich ist. Klingt simpel, macht aber Sinn. http://niente.wandamusik.com/

12.03.  Würzburg, Posthalle
13.03.  Wiesbaden, Schlachthof
15.03.  Hannover, Capitol
16.03.  Köln, Palladium
17.03.  Berlin, Max-Schmeling-Halle
20.03.  München, Zenith
21.03.  Dortmund, Phoenixhalle
23.03.  Lingen, Emsland Arena
24.03.  Hamburg, Sporthalle
01.04.  Zürich, Halle 622
03.04.  Fürth, Stadthalle
04.04.  Stuttgart, Beethoven Saal
07.04.  Wien, Stadthalle
11.04.  Ravensburg, Oberschwabenklub
13.04.  Leipzig, Haus Auensee
14.04.  Innsbruck, Dogana
18.05.  Graz, Kasematten
19.05.  Graz, Kasematten

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Boys: Sweet Sixties

Wo wir gerade bei den Schweden sind: Wen ab und zu die Lust auf ein sehr spezielles, sehr entspanntes 60er-Jahre-Gefühl überkommt, dem können wir hier ein feines Angebot machen. Denn Nora Karlsson aus Umeå, besser bekannt unter dem Moniker Boys, hat nach längerer Schaffenspause (die beiden bisherigen EP "Kind Of Hurt" und "Love On Tour" stammen aus den Jahren 2015/2016), wieder neue Musik aufgenommen und das Label PNKSLM wird deshalb am 20. Oktober eine Split 7" gemeinsam mit Magic Potion veröffentlichen, auf der sich das hier vorgestellte "Rabbits" befindet. Und - klar, das Cover hat selbst uns ein leises "süüüßßß..." entlocken können.