Sonntag, 22. Juli 2018

We Were Promised Jetpacks: Erster Schritt

Bei der nächsten Neuankündigung geht es etwas gemäßigter zu: Die schottische Indierock-Band We Were Promised Jetpacks um Sänger Adam Thompson hat durchaus auch schon härtere Stücke abgeliefert, das letzte Album "Unravelling" stammt aus dem Jahr 2014. Nun also soll bald das vierte erscheinen, "The More I Sleep, The Less I Dream" wird es heißen und die erste Vorauskopplung "Hanging In" ist so mehr ein slow burner. Heißt aber nix, es kann ja noch was nachkommen - im November jedenfalls gibt das Quartett aus Edinburgh ein paar Konzerte vor Ort.

23.11.  Hamburg, Molotow
24.11.  Berlin, Lido
26.11.  Wien, Chelsea
27.11.  Graz, Orpheum
28.11.  München, Ampere
29.11.  Heidelberg, Karlstorbahnhof
30.11.  Köln, Luxor

The Prodigy: Freigedreht

Hui, das sind dann so die Momente, wo man in de Mitte treten und ausrufen will: Hey, Jungs, jetzt kommt mal wieder runter! Nicht? Nee, ist vielleicht besser so. The Prodigy haben gerade  für den 2. November ihr neues Album "No Tourists" angekündigt, es ist das siebte nach "The Day Is My Enemy", bei dem ja unter anderem auch die Sleaford Mods zu Gast waren. Die erste Single zur Platte "Need Some1" haben sie gemeinsam mit Regisseur Paco Raterta in Manila aufgenommen, wo die Dichte an durchgeknallten Typen überdurchschnittlich groß ist, das also mithin genau der richtige Ort ist für Liam Howlett und Kollegen.

11.08.  Hildesheim, Mera Luna Festival

Halcyon Drive: Dabeigeblieben [Update]

Von der australischen Band Halcyon Drive war neben der zweifellos vorhandenen musikalischen Begabung auch bekannt, daß sie eine Vorliebe für ansprechend gestaltete Coverkunst haben - ihre letzte EP "Untethered" aus dem Jahr 2016 kam mit hübsch verschlungenen Motiven in den Handel. Sie haben sich beides, also Musikverstand und Grafik-Lust, offensichtlich bewahrt, denn auch die beiden aktuellen Singles "The Birds" und "Silver Ray" können mit ansprechenden Sounds und Collagen aufwarten, zu letzterem gibt es nun auch ein unterhaltsames Stop-and-Go-Video.

Update: Das Album kommt Ende des Jahres und wenn man die neue Single "Agnosia" hört, freut man sich gleich noch mehr darauf.





Freitag, 20. Juli 2018

Margot: Mitgehört

Wir haben ihre beiden ersten Singles gefeiert, warum sollten wir es mit der dritten nicht tun? Margot aus London sind uns, das geben wir gern zu, mit ihren Songs "Desensitised" und "Twenty Six", vielleicht weil sie die Sehnsucht nach einer Band wie The Smiths stillen, die es so leider heute nicht mehr gibt. Vielleicht aber auch nur, weil sie eine Unbekümmertheit an den Tag legen, die einfach sympathisch ist. Und das gilt natürlich auch für das neue Stück "Tired", zu dessen Entstehung Sänger Alex Hannaway folgendes sagt: "Tired came from a late-night journey on the tube. I was being nosy, prying on a conversation between two men. One was expressing how difficult it was becoming with his teenage daughter, how hard it was to get any kind of conversation, how they used to be so close. He was struggling to come to terms with change." Würden wir's nicht lesen - wir hätten genau das vermutet...

Negative Scanner: Die Poesie der Straßenkinder

Negative Scanner
„Nose Picker“

(Trouble In Mind Records)

Den „Post“ kann man bei dem Quartett aus Chicago problemlos streichen, denn was, wenn nicht Punk, sollte das sein, was Negative Scanner da in einem Dutzend Songs herunterbrettern? Nick Beaudoin, Tom Cassling, Matthew Revers und allen voran Rebecca Valeriano-Flores, die sich auf dem selbstentworfenen Cover auch so wunderbar in der Nase bohrt, halten sich nicht mit Auschmückungen oder Einleitungen auf – kurz zu Beginn die Rückversicherung der ungeteilten Aufmerksamheit („Seid ihr alle da?“), dann legen sie los: Grobkörnige Gitarren, Schlagzeuggeböller, Valeriano-Flores‘ Gesang mal betont tief angelegt, im nächsten Moment überschlägt er sich zu wildem Schreien – allein das ist schon ein Erlebnis. Ganz ähnlich gehen Bands wie Ganser (gleiche Stadt um die Ecke), Perfect Pussy, die Screaming Females oder Downtown Boys zu Werke, einfache Strukturen, klare Ansagen, schnell zum Punkt. Die Texte, so hat man den Eindruck, sammeln Negative Scanner im Rinnstein vor der eigenen Haustür, Ausgrenzung wegen Andersartigkeit, Leben als Kampf, selten was zu lachen und Hoffnung als Mangelware.

Die Welt kann keine gute sein, wenn „10 Million Kids“ in Krieg, Zerstörung und Zukunftslosigkeit leben. Viele Worte brauchen sie nicht, wenn die wenigen so treffsicher sich wie hier: „Waiting. Wanting. I’ll be there with tea cups clinking. Paper notes and turtle shells. Is there anything? No, there’s nothing. Across an ocean wide, the black lake I’ll swim reflects the clouds and sky. Swim across. Across. A cross. A cross“, heißt es in „A Cross“ und es braucht nicht viel Fantasie, um den Hilferuf, den Zynismus herauszuhören, den Valeriano-Flores ins Mikrophon spuckt. Nicht anders, nur noch direkter bei „Health Insurance“: „I’m sick! I’m sick and I eat shit. My guts! My guts. Gag ‘til I spit. My throat! My throat. Pus filled sores. Broken teeth. Blood in mouth tastes so sour. I don’t wanna be sick. I itch. Hives they stick. Shit and blood. Blood and shit. I don’t wanna be sick. Am I my sick? I don’t wanna be sick.“ Das schmerzt beim lesen und das ist der Deal. Negative Scanner sind Straßenkinder, deren Musik so drecking klingt wie die Gegend, aus der sie stammen, die für modische Attitüde und falsches Mitgefühl nur Verachtung übrig haben: „You deserve the contempt that wolves have for dogs.“ Ganz zum Schluß die Toilettenspülung, alles ist gesagt. Und wer’s bis hierher nicht kapiert hat, dem ist nicht mehr zu helfen.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Leyya: Mit Sicherheit

Obschon sie noch gar nicht so lange im Geschäft sind, dürften Leyya inzwischen vielen ein Begriff sein: Spätestens seit ihrem Album "Sauna", mit dem sie Anfang des Jahres dem Feinkostpop aus Österreich wieder einen neuen (weiteren) Namen verschafften, war klar, dass mit Sophie Lindinger und Marco Kleebauer keine Eintagsfliegen im Geschäft gelandet sind. So locker und leicht wie ihre Songs klingt es heutzutage selten, dazu haben die beiden auch visuell jede Menge wundervoller Ideen parat. Und daran hat sich offenbar auch ein halbes Jahr später überhaupt nichts geändert, denn gerade kommt mit "Wannabe" ein neuer Track daher, der sich nicht auf dem Album findet, sich aber bestens in die Gesamtkonzeption des Duos einfügt - lässig arrangierte Tanzmusik, unterhaltsamer Clip (von Rupert Höller), augenzwinkernde (sorry!) Lyrics. Sie können wohl derzeit einfach nichts falsch machen.

03.10.  Rockhouse, Salzburg
04.10.  Cinema Paradiso, St. Pölten
18.10.  Kleine Freiheit, Osnabrück
19.10.  Artheater, Köln
25.10.  Glocksee, Hannover
26.10.  Engelsburg, Erfurt
24.11.  OKH, Vöcklabruck
27.11.  Konzerthaus, Wien

Tanukichan: Everyday is like Sunday

Tanukichan
„Sundays“

(Company Records)

Da gilt es jetzt mal zwei Themen zueinander zu bringen, die auf den ersten (und wohl auch jeden weiteren) Blick nicht ganz so viele Berührungspunkte haben: Hannah van Loon, das junge Mädchen aus San Francisco, von dem wir hier reden, hat u.a. zwei Faibles. Eines für waschbärenähnliche Wesen, die meistenteils in Sibirien, China und Japan hausen und auf den hübschen Namen Tanuki hören. Zum anderen liebt sie – da ist sie nicht ganz allein – Sonntage oder besser das Gefühl, an einem Sonntag mit leerem/schwerem Kopf zu erwachen und ganz langsam und behutsam wieder alle Gedanken in die richtige Ordnung zu bringen. Hier also der nachtaktive, scheue Marderhund, da der matte Schädel, um Klarheit bemüht. Ein schwieriges Unterfangen. Da macht es einem der Sound des vorliegenden Debüts schon deutlich einfacher.



Auch wenn van Loon ursprünglich vom Jazz und vom Bluegrass kommt, geht ihr gegenwärtiger Stil eher in Richtung Dreampop und Shoegazing, der Beat ist träge, die Gitarren knirschen und dröhnen und man kann sich schon vorstellen, dass Tanukichan dem Morrissey’schen Motto „Every Day Is Like Sunday“ nicht abgeneigt ist. Gemeinsam mit Chaz Bear von Toro Y Moi hat die junge Dame ein sehr eingängiges, durchaus entspanntes Werk komponiert, ihre zarte Stimme schwirrt über den Stücken, die nur selten (wie bei „Hunned Bandz“ oder „Like The Sun“) etwas harscher geraten – hier geht es mehr um die erfüllende Erfahrung des Augenblicks, den genussvollen Moment, Sonnenaufgänge, Roadtrips, Natürlichkeit. Eine der älteren Singles, „Bitter Medicine“, klingt ein wenig nach The Cure, der Schlußakkord „This Time“ hat dann tatsächlich etwas Bluegrass im Programm. Schöne Sache, das – Fenster runter, Kopf nach hinten, Augen zu, muß halt mal wer anderes fahren ...

Moop Mama: Vertauschte Rollen

Komplettschwenk: München. Hier ist's ja in den letzten Wochen wieder etwas unterhaltsamer geworden, gerade zur Vorwiesnzeit wird über Kreuze im Amt, Horst ohne Heimat und Hetze ohne Grund gestritten. Die Wohnungen so teuer, dass man besser unter die Brücke zieht, Theatermacher, denen man ihren Beruf erklären oder besser gleich diktieren will - genug Stoff also für eine Band wie Moop Mama, die Brasskolchose aus den Isarauen. Die nennen ihr neues Album allerdings "ICH" und bringen so eine/n jede/n von uns selbst ins Spiel, die erste Single "Molotow" kommt mit einem Video von Kid The Color, gewitztem Splitscreen und reichlich irritierender Verkleidung.



Bleeth: Schwerstarbeit

Ein paar härtere Töne, um dem Tag etwas Schwung zu verschaffen: Wir reden von Bleeth, einer dreiköpfigen Drone/Sludge-Band aus Miami. Vor drei Jahren erschien deren erste EP "Re-Animator", nun werden Juan Londono (Drums), Ryan Rivas (Bass/Gesang) und Lauren Palma (Gitarre/Gesang) bei Anti-Language Records ihr Debütalbum "Geomancer" veröffentlichen. Im Juni erschien die erste Vorauskopplung "Divulging Souls", nun schieben die drei "Blood Moon" hinterher. Ein ordentlicher Hammer, von dem Rivas sagt: "Jedes Mal, wenn das Abschluss-Riff der Crowd noch mal auf die Schädel haut, muss ich unweigerlich grinsen." Auch wenn es nicht so aussieht - sie haben also jede Menge Spaß an der Schwerstarbeit.



Mittwoch, 18. Juli 2018

Neonschwarz: Besser zu ertragen

Daß Audiolith aus Hamburg eines unserer All-Time-Lieblingslabels ist, wollen wir gern zugeben, trotzdem haben wir sie in letzter Zeit sträflich vernachlässigt. Mit dieser frischen Meldung hier ist das weiter nicht mehr möglich - denn Neonschwarz sind wieder am Start. Ganze zwei Jahre ist deren letztes Album "Metropolis" mittlerweile schon wieder alt und dennoch - den Versuch könnt ihr gern mal machen - klingt es jetzt genauso Klasse wie 2016. Viel passiert mittlerweile, nix Gutes leider in der Großpackung, aber wenn Marie Curry, Johnny Mauser, Captain Gips und Spion Y mit dabei sind, ist auch der größte Scheiß leichter zu ertragen. "Clash" heißt übrigens die neue Platte der vier, mit der sie, wie sie reimen, alles wieder auf's richtige Gleis bringen wollen, am 12. Oktober ist es soweit und bis dahin gibt es erst mal lecker Vorabtracks zum Warmhören - hier gleich mal "Gleis 13". Und ab geht es!

09.11.  Lüneburg, Anna & Arthur
10.11.  Husum, Speicher
23.11.  Münster, Gleis 22
24.11.  Heidelberg, halle02
07.12.  Dresden, Tante Ju
08.12.  Wien, Flex
24.01.  Zürich, Dynamo
25.01.  Bern, Dachstock
08.02.  Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden
09.02.  Düsseldorf, zakk
22.02.  Stuttgart, Im Wizemann
23.02.  München, Feierwerk
22.03.  Nürnberg, Z-Bau
23.03.  Hannover, Faust
05.04.  Dortmund, FZW
06.04.  Bremen, Schlachthof Bremen
13.04.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
27.04.  Hamburg, Große Freiheit 36

Cat Power: Zurück zu den Wurzeln

Wer Attila heißt, gebürtiger Portugiese und von Beruf Lehrer ist, der hat den 5. Oktober ohnehin dick im Kalender angestrichen, doch nun dürfen sich auch alle anderen (und das sollte allem Ermessen nach die große Mehrheit sein) diesen Tag vormerken. Dann nämlich erscheint via Domino Records das neue Album von Cat Power - wahrlich ein wunderbare Nachricht. Die Haare sind wieder lang, das Gesicht ist schmaler geworden als noch zu Zeiten des Vorgängers "Sun" von 2012. "Wanderer" heißt das neue Werk, elf neue Stücke wird es enthalten (eines davon ein Duett mit Lana Del Rey) und ein erster Teaser zeigt die Künstlerin in karger Landschaft, laut Auskunft von Chan Marshall werden wir viel Folk und Blues zu hören bekommen.

28.10.  Berlin, Astra Kulturhaus

Esya: Trip ins Ungewisse

Esya
„Absurdity Of Being“

(via Bandcamp)

Es gibt da dieses wunderbare Bild von Harry Rawlings, das Ayse Hassan bei einer Performance in einer Art Werkhalle zeigt – vertieft in ihr Keyboard, steht sie vor einer Wand, an der mehr als zwei Dutzend Gitarren hängen, am Boden mindestens die gleich Anzahl dazugehöriger Verstärker, desweiteren ein Hochregal für Schlagzeuge. Ein Verkaufsraum also. Und ein Foto mit Symbolcharakter. Denn Hassan ist wohl von allen Mitgliedern der Londoner Post-Punk-Kapelle Savages die umtriebigste. Gemeinsam mit Kendra Frost hat die Bassistin vor einiger Zeit das Duo Kite Base gegründet, nun veröffentlicht sie unter neuem Pseudonym also die erste Soloplatte. Die Vielzahl der sie umgebenden Gerätschaften könnte also fast wie eine Drohung verstanden werden, nicht eher innezuhlaten, bis nicht auch das letzte Instrument gespielt, der letzte Regler gedreht worden ist. Eine Drohung, die durchaus ihren Reiz hat, denn wie schon bei Kite Base, so ist auch der solistische Output der oft kühl und zurückhaltend dreinblickenden Dame äußerst hörenswert.



Vier Stücke zählt die vorliegende EP, keines klingt wie das andere. Los geht’s mit „Lost“, einem düsteren, synthetischen Drone-Trip, der mit schneidender, verfremdeter Stimme, mit Streichern und vielen schiefen Tönen daherkommt. Hassan beschwört ihren unbändigen Willen, übers Wasser zu gehen, Berge zu versetzen, um etwas zu finden, das sie und uns aus Chaos und Wahnsinn retten könnte. „Obsolete“ ist dagegen von eher leichterem Charakter, Wavepop im Stile der 80er, flächig, melodisch, fast verträumt, aber sehr klar. Ihre Stimme trifft zwar nicht jeden Ton, aber das stört keinesfalls die kleine Ansprache: „I close the door on the recent news, I knew it all, I took the fall, I loved it all.“ Alles ist gesagt, alles ist getan, was oder wer wichtig ist, schließt sie ins Herz, der Rest kann gehen.

Der dritte Song „It’s Me“ wiederum pluckert hektisch und nervös, die Beats kommen jazzig und kommen schnell, Selbsterfahrung, Tag- oder Albtraum, ängstlich, zweifelnd, ein unentschiedenes Gefühl, das hier transportiert wird. Und wieder der Gegensatz im Anschluß – der warme, weiche Sound von „Sense Of Reality“ mit chorähnlichem Gesang, trägem Bass und schleppenden Drums, das alles umhüllt den Hörer mit sanftem Grollen, läßt ihn dahingleiten ins Ungewisse, Schemenhafte. Ganz nebenbei ist diese EP auch ein geeignetes Lehrmaterial: Hat man vier solch starke Stücke wie hier, dann darf man es für’s erste gern dabei belassen (auch wenn mehr von gleicher Güte sicher sicher schön gewesen wäre) – der Gefahr, übermäßig zu strecken oder mit weniger stimmigem Material auf Albumlänge aufzufüllen ist Hassan zum Glück entgangen. Ihren künstlerischen Anspruch und ihre Unternehmungslust sollte das aber nicht mindern.



Drenge: Bang your head! [Update]

Diesen Track dürfen wir in dieser Woche ebenfalls nicht verpassen, denn in der Endabrechnung des Sommers wird er - zumindest bei den Bangern - auf den ersten Plätzen zu finden sein: Die kalifornische Kapelle Drenge um Sänger und Gitarrist Gavin Hayes hat bekanntlich seit 2011 und "Chuckles And Mr. Squeezy" kein Studioalbum mehr aufgenommen, was sehr bedauerlich ist, weil die vier Herren tatsächlich ziemlich gnadenlos rocken. Nun haben sie also wieder zusammen mit Ross Orton (The Fall, M.I.A.) eine erste neue Single aufgenommen. "This Dance" ist in erster Linie ein mächtiger Brüller (wer dazu tanzen kann, sollte das aber unbedingt tun), die Inspiration zum Song hat sich Hayes nach eigener Auskunft bei Carpenters "The Thing" mit Kurt Russell geholt. Hallelujah!

Update: So, ein paar Informationen haben wir nun dank In The Line Of Best Fit - der Track stammt von der EP "Autonomy", die mit insgesamt vier neuen Stücken am 5. Oktober erscheinen soll. Und zu "This Dance", von dem es mittlerweile auch ein Video gibt, gesellt ist gerade noch die Auskopplung "Before The War Begins".



Dienstag, 17. Juli 2018

Soccer Mommy: Ausstrahlung

Starke Musik war das schon immer, was uns Sophie Allison aka. Soccer Mommy da präsentierte, Anfang des Jahres erschien ihr wunderschönes Album "Clean". Nun kommen auch noch ein paar ebenso starke Bilder hinterher, denn Jonny Look (Cloud Nothings, Ought, Grizzly Bear) hat das Video zum Song "Scorpio Rising" gedreht und mit eindrucksvollen Momenten nicht gegeizt. Und ob nun Halo oder Spot, die Frau hat wirklich eine unglaubliche Ausstrahlung. Mitte September kann man sich davon übrigens auch noch mal in Hamburg überzeugen.

19.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival

Dude York: Vorwarnung

Könnte es sein, dass sie etwas abgespeckt haben? Also rein klangtechnisch, versteht sich. Dude York aus Seattle klangen auf ihrem letzten Album "Sincerly?", erschienen im Frühjahr 2017, noch nach dem krachigen Grungepop der Altvorderen. Auch die erste neue Single "Moon" hatte noch ähnliche Power, aber jetzt kommt ein Song namens "What Would You Do If You Had Some Money Now?" daher und der klingt eigentümlich gebremst und überraschend konventionell. Egal, vielleicht will uns das Trio ja nur in Sicherheit wiegen, um dann urplötzlich und gnadenlos zuzuschlagen. Wir sind jedenfalls gewarnt - wenn demnächst ein weiteres, viertes Album via Hardly Art angekündigt wird, wissen wir schon mal Bescheid.



Bodega: Moderne Fünferkette

Bodega
„Endless Scroll“

(What’s Your Rupture?)

Wie nach jedem großen Fußballturnier (hatten wir ja gerade erst) die neuesten Trends im Ballsport zusammengetragen werden, läßt sich auch ein Musikjahr bewerten, lassen sich Entwicklungen erkennen und benennen. Und selbst der leidenschaftliche Laie (in der Rollen sehen wir uns jetzt mal) darf nach einer Halbsaison eine erste Bilanz ziehen: 1. Auch dieses Jahr wird weiblich 2. Der Hip Hop tritt auf der Stelle (auch weil er sich von seinem frauenverachtenden Image, siehe 1, nicht zu lösen vermag) 3. Der Jazz ist endgültig zurück 4. Der Post-Punk erlebt eine weitere Blüte. Natürlich folgt noch eine Reihe weiterer wichtiger Punkte, wir bleiben aber mal bei 4 stehen und behaupten, daß diese These mit dem Hinweis auf die Formation Bodega aus Brooklyn bestens untermauert werden kann. Ben Hozie, Nikki Belfiglio, Montana Simone, Heather Elle und Madison Velding-VanDam – fünf junge Leute aus New York, die ohne Berührungsängste die Grenzen eines Genres austesten, das ohnehin von der Vielfalt verschiedenster Stile lebt. Und zwar humorvoll, politisch, selbstironisch und – nicht ganz so selbstverständlich – auch selbstkritisch.



"Das Mantra von Bodega lautet: Die beste Kritik ist Selbstkritik!“, so Hozie in einem Interview mit dem Netzportal DIY, „Wenn ich also das Internet kritisiere, geht es nicht so sehr um dieses große, abstrakte, böse Ding, es geht vor allem darum, wie wir persönlich damit umgehen. Was machen wir falsch?“ Fragen, die sich keiner so gern stellt, weil dann der Zeigefinger schnell wieder wieder eingepackt werden, man sich selbst hinterfragen muß. Stücke wie „How Did This Happen“ oder „Name Escape“ setzen hier an und versuchen, den Blickwinkel des Zuhörers zu verändern, wachzurütteln aus der eigenen Selbstzufriedenheit. Der Sound dazu ist knackig, schnoddrige Stimme meets dicken Bass meets schroffe Gitarren, Songs, die kaum die Dreineinhalb-Minuten-Marke reißen und anständig frisch klingen. Da gibt es Hörenswertes über pseudointellektuelle Überspanntheit („I’m Not Cinephile“), die Freude am Spiel mit sich selbst („Gyrate“), das hektische Leben in der Trendblase („Can’t Knock The Hustle“) und die wunderbar bissige Liebeserklärung an (Männer wie) „Jack In Titanic“. Alles sehr liebevoll, authentisch und mit viel Spielwitz. Quasi eine moderne Fünferkette.



Metric: Begleiterscheinung

Wer sie sehen und hören will, muß derzeit etwas mehr Geld hinlegen: Metric, kanadische Indierockband um die charismatische Sängerin Emily Haines, touren gerade mit den wiedervereinten Smashing Pumpkins durch Nordamerika, nach dem letzten Album "Pagans In Vegas" und Haines Solonummern mit Soft Skeleton gibt es nun auch für den Support ein paar neue Songs. Neben dem kürzlich aufgetauchten "Come On Angel" ist jetzt "Dark Saturday" erschienen, von einer dazugehörigen Studioplatte ist derweil noch nicht die Rede.

Update: Das Video zur neuen Single "Dark Saturday" wurde von Justin Broadbent komplett mit dem Smartphone gefilmt - man wäre nicht drauf gekommen...

30.10.  Hamburg, Knust
31.10.  Berlin, Kesselhaus
05.11.  München, Technikum
14.11.  Frankfurt, Gibson



Alt-J: Relax hooray!

Das ist ja jetzt keine Unsitte, sondern für Künstler, die ihre Arbeit ohnehin stark elektrifiziert haben, noch einmal eine sehr lohnende Übung: Auch Alt-J haben, ähnlich wie kürzlich erst Goldfrapp, ihr Erfolgsalbum "Relaxer" in Gänze einem Rework unterzogen - oder besser die zahlreichen, existierenden Remixe ausgemistet und die besten, vorzugsweise aus der Gattung Hip Hop, auf der Platte "Reduxer" versammelt. Mit dabei so bekannte Namen wie Twin Shadow, Alchemist, Terrace Martin, Lomepal und Kontra K. Als Termin für die Veröffentlichung ist bei Amazon der 28. September verzeichnet, hier schon mal zwei vorab bekannte Beispiele.



Montag, 16. Juli 2018

Bully: Im Schneckentempo

"Kleine Schnecke, großer Traum" - so hieß mal der Untertitel für den Dreamworks-Animationsfilm über eine Turboschnecke. War nicht ganz so der Brüller, die Kleinen fanden's trotzdem fein. Nicht anzunehmen, daß die Grungekombo Bully aus Nashville vor fünf Jahren deshalb ins Kino gerannt ist, auch Puppenkünstlerin Aleia Murawski wurde dort wahrscheinlich nicht gesehen. Dennoch haben sie zusammen für den Song "Guess There" ein sehr schönes Video als eine Art Traumsequenz gedreht, in dem Schnecken die Hauptrolle spielen, also Zähne putzen, Müsli essen, Körbe werfen. Was man halt so macht den lieben langen Tag. Das Stück stammt im Übrigen vom Album "Losing" aus dem vergangenen Jahr, es wurde also (sorry: Wortwitz) im Schneckentempo nachgereicht und gefällt uns trotzdem ausnehmend gut.

Samstag, 14. Juli 2018

Familienalbum # 29: The Callas With Lee Ranaldo

Weil wir es hier gerade von Sonic Youth hatten: Lee Ranaldo war ja im wechselnd besetzten Ensemble dieser Band immer die sympathischste Figur, weil er zum einen von Anfang an dabei war und sich trotzdem nicht in den Vordergrund spielte, eine Art Schattenmann also. Dabei gibt es für falsche Bescheidenheit eigentlich gar keinen Grund, er kann mittlerweile auf ein ziemlich umfangreiches Solowerk verweisen, sein letztes Album "Electric Trim" erschien im vorigen Jahr bei Mute Records. Und Ranaldo ist nicht nur ein Ausnahmegitarrist mit beeindruckender Vita, sondern gilt als vielseitig interessiert - so verwundert es nicht, daß er sich für eine Zusammenarbeit mit der griechischen Künstlergruppe The Callas bereit fand. Nachdem deren letzte Platte "Half Kiss, Half Pain" Jim Sclavunos von den Bad Seeds verantwortete, produzieren sie gerade einen Film namens "The Great Eastern", für den Soundtrack mit dabei eben Lee Ranaldo. Ebenso in Arbeit ist ein gemeinsames Studioalbum unter dem Titel "Trouble And Desire", das am 26. Oktober bei Dirty Water Records erscheinen wird, von diesem wiederum stammt die Single "Acid Books".

Und da das Cover dieser Platte mit einer nicht eben appetitlichen Pasta verziert ist, gibt's als zweiten Gang noch ein paar Nudelgerichte gratis dazu, wie üblich gelistet von links nach rechts und oben nach unten.

The Callas with Lee Ranaldo "Trouble And Desire", Guns'n Roses "The Spaghetti Incident", Midnight Noodles "Humans Don't Be Angry", The Jesus And Mary Chain "Damage And Joy", Pat Cooper "Spaghetti Sauce And Other Delights", Parquet Courts "American Specialties", Young Dro "Drocabulary Mixtape"

07.12.  Hamburg, Mehr! Theater