Montag, 18. März 2019

Sleaford Mods: Wut im Wohnzimmer

Sleaford Mods
Support: John Paul, LIINES
Manchester Academy, Manchester, 15. März 2019

Natürlich darf gefragt werden, was einen wohl an einem Wochenende aus dem frühlingshaft warmen München ausgerechnet ins kalte, verregnete Manchester* treibt. Um eine Band zu sehen, deren Frontmann sich pausenlos in wütenden Tiraden über Land und Leute ergeht – Gift und Galle für das britische Establishment und die unfähige Politikerkaste, nichts also für ruhesuchende oder selbstzufriedene Feierabendgemüter. Nun, grundsätzlich sind die oft ungleich mühseligeren Unternehmungen leidenschaflicher Fans (das gilt im Übrigen auch für den Ballsport) mit rationalen Mitteln nicht zu erklären, spielen Dinge wie Entfernungen, Witterungsbedingungen und Kosten in den Erwägungen der Anhänger eher eine untergeordnete, ja vernachlässigbare Rolle. Desweiteren gelten die Sleaford Mods nicht nur im geschundenen Königreich noch immer als die Band der Stunde, eben weil sie sich so unnachgiebig und stur an den Missverhältnissen im eigenen Land abarbeiten und mit bewundernswerter Ausdauer der sozial benachteiligten Unterschicht eine laute, eine zornige Stimme geben. Man will sie nicht missen, muss sie vielmehr hören, um sich die Gründe ihres Unmuts selbst zu vergegenwärtigen, um wachsam und aufgeschlossen zu bleiben.

Und auch wenn sie hierzulande schon oft zu Besuch waren, ist der Reiz, sie quasi in ihrem natürlichen Habitat zu erleben, sehr verlockend, auch wenn es nicht der kleine Club im heimatlichen Nottingham, sondern eine angerostete Industriehalle im Studentenviertel von Manchester ist. Denn das wollte man schon gern sehen und hören: Ist etwas anders an Band und Publikum, wenn sie nicht das Gäste-, sondern das Wohnzimmer bespielen? Die Frage ist mit einem einfachen „nein“ zu beantworten. Okay, es wird, so ist es Brauch, auf britischem Boden deutlich mehr getrunken und auch gesungen, aber im Grunde sind die Unterschiede marginal: Hier die „grau gewordenen Posterboys der Generation X“ (Süddeutsche Zeitung), dort „Männer Ende 40, Bier in der Hand, länger nicht rasiert, ehemalige Ein-bisschen-Punks, vom Leben ermattet, genervt von Politik und Alltag“ (ebenda). Was zunächst befremdlich klingt, entpuppt sich wie überall als sympathisches Gemenge – wiewohl hier ordentlich geschrien und geflucht wird, erweisen sich Andrew Fearn an den Tasten und Jason Williamson (Tanz und Text) zusammen mit ihrem Publikum als bestens eingespielte Gemeinschaft.



Der Laune sehr zuträglich sind aber beileibe nicht nur die alten Stücke, denn das aktuelle Album „Eton Alive“ ist überraschenderweise ein sehr beatlastiges geworden. Neue Tracks wie „Flipside“, „Subtraction“, „Kebab Spider“ oder „O.B.C.T.“ fallen zu den Dauerbrennern wie „Jolly Fucker“ oder „Jobseeker“ in keinster Weise ab. Und auch Williamson läßt nicht das kleinste Zeichen von Routine oder Ermüdung erkennen, still in rage stolziert er über die Bühne, bellt, spuckt, schleudert er seine Verse in die Menge, mal begleitet von bissigem, teuflischem Grinsen, mal von irrem Gebrüll. Es ist das, was einem den meisten Respekt abnötigt: Dass der Mann diese Energie, diesen Furor jeden verdammten Abend in der gleichen Intensität zur Aufführung bringen kann. Und dabei glaubhaft bleibt. Die Zeiten, da sich Leute wie Iggy Pop oder Fad Gadget um der Aufmerksamkeit willen auf der Bühne selbst zerstören mußten, sind gottlob vorbei, Williamson malträtiert einzig seine Stimmbänder und erntet dafür und für seine Beharrlichkeit und Authentizität den verdienten Beifall. Egal, ob in Helsinki, München oder Manchester.

* Manchester ist im Übrigen sehr wohl eine Reise wert, neben dem beeindruckenden Imperial War Museum, Fußballkultur satt und einem sehr lebendigen Nachtleben (Northern Quarter) hat die Stadt natürlich auch selbst gute Musik zu bieten, so zum Beispiel die Post-Punk-Kapelle LIINES, deren tolles Album "Stop-Start" im vergangenen Jahr erschienen ist. Und in Sachen Wetter tröstet vielleicht der running gag eingefleischter Mancunians: "In Manchester it only rains twice a week, from Monday to Friday and from Saturday to Sunday" - na denn, good watch!

Deichkind: Speziellstens

Richtig gute Nachrichten von einer ziemlich einzigartigen Band: Deichkind sind wieder zurück und zwar mit einer Tour (dauert noch was, kann man aber schon mal dick anstreichen) und mit einer ersten Single. "Richtig gutes Zeug" heißt das Ding und weil die Jungs speziell sind, gibt es auch das entsprechende Video dazu - mit von der Partie Lars Eidinger. Und das Album?! Keine Ahnung, kommt sicher auch bald um die Ecke...

11.02.  Kiel, Sparkassen Arena
12.02.  Rostock, Stadthalle
13.02.  Erfurt, Messe
14.02.  Braunschweig, Volkswagen Halle
15.02.  Frankfurt a. M., Festhalle
18.02.  Augsburg, Schwabenhalle
19.02.  Freiburg, SICK-Arena
20.02.  München, Zenith
21.02.  Wien, Stadthalle
22.02.  Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung
25.02.  Münster, Halle Münsterland
26.02.  Trier, Arena
27.02.  Zürich, Samsung Hall
28.02.  Stuttgart, Schleyer-Halle
29.02.  Köln, Lanxess Arena
03.03.  Bremen, ÖVB-Arena
04.03.  Dortmund, Westfalenhalle
05.03.  Leipzig, Arena
06.03.  Berlin, Max-Schmeling-Halle
07.03.  Hamburg, Barclaycard-Arena

Donnerstag, 14. März 2019

Rozi Plain: Beschwingt melancholisch

Ein paar leichte, beschwingte Töne jetzt. Aber da wir von Rozi Plain reden, sind diese ohne eine Portion Melancholie nicht zu haben - gut so. Die Musikerin aus dem britischen Winchester, jetzt wohnhaft in London, hat schon auf den vorangegangenen drei Alben ähnliche Feinkost abgeliefert, nun schickt sie sich an, am 5. April Platte Nummer vier "What A Boost" bei Memphis Industries zu platzieren. Nach der ersten Vorabsingle "Symmetrical" kommt heute "Conditions" an die Reihe, das Video dazu eine Art Ausdruckstanz inmitten der Einöde.



Mittwoch, 13. März 2019

Drahla: Voller Bezüge

Dieser Band aus Leeds eine große Zukunft vorauszusagen barg schon im vergangenen Jahr keine größeren Risiken, tricky Sound, herausfordernde Attitüde, die drei hatten schon mit ihrer EP "Third Article" vieles richtig gemacht. Noch besser - nun bringt das Trio Drahla endlich sein Debütalbum an den Start, "Useless Coordinates" erscheint am 3. Mai bei Captured Tracks. Der erste Song "Stimulus For Living" enthält samt Video jede Menge Bezüge, vom Experimantalfilm bis zu japanischer Synthmusik. Zu den zehn neuen Stücken zählt im Übrigen auch schon das früher vorgestellte "Twelve Divisions Of The Day".



W.H.Lung: Unvermeidlich [Update]

Zeit für ein paar alte (naja, eigentlich doch noch recht junge) Bekannte: W. H. Lung aus Manchester tauchten hier mit ersten Songs im Frühjahr 2017 auf, nun kündigt das Trio sein Debütalbum "Incidental Music" für den 5. April an. Ursprünglich hatte keiner der drei vor, Musik vor einem größeren Publikum aufzuführen, sie wollten eigentlich nur im Studio experimentieren. Wenn es weiter so gut läuft, werden sich öffentliche Auftritte allerdings nicht vermeiden lassen. Überhaupt sind W.H.Lung eine Band mit Widersprüchen - ihr Sound soll sich an melodischen Synthpop und den Groove aus dem Berlin der 70er anlehnen, zu ihren Vorbildern zählen sie dann aber Kanye West, Thelenious Monk, Viet Cong, Julia Holter und Prince. Große Spannbreite das. Die erste neue Single ist gleich mal ein Mammutwerk von über zehn Minuten, hier also kommt "Simpatico People".

Update: Mit "Second Death Of My Face" kommt heute der zweite Song vom neuen Album, eingespielt mit Keyboards der Central Library in Manchester - wieder sehr groovy.



Dienstag, 12. März 2019

Sigrid: Nichts dagegen

Sigrid
„Sucker Punch“
(Universal)

Selten wohl trifft man ein Album, von dem man sich so bereitwillig entwaffnen lässt wie von diesem hier. Jeden noch so kleine Aussetzer, jeden winzigkleinen Kritikpunkt nimmt einem die zweiundzwanzigjährige Norwegerin Sigrid fürsorglich aus der Hand, sogleich darf man sich nach versuchtem Einspruch wieder hinsetzen und weiterhören. Obwohl das mit dem Sitzen ohnehin nicht klappen würde, da ja hier fast alles nach Bewegung, nach Ausgelassenheit ruft. Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, da Sigrid Solbakk Raabe, so der vollständige Name, mit ihrer Single „Don’t Kill My Vibe“ für mächtig Eindruck sorgte und heute, da der trotzige Song nochmals mit dem Debütalbum nachgereicht wird, erkennt man auch, worauf das Selbstvertrauen der zierlichen, angenehm unprätentiösen Sängerin fußte: Denn die vorliegende Platte zeugt von bestechend treffsicherem Gespür für das, was man Superpop nennt. Zwölf Stücke, bei denen jeder Ton sitzt und nicht nur die Leadsingle „Sucker Punch“ einen Wirkungstreffer erzielt. Musikalisches Talent im Übermaß also, gepaart mit einer gut geschulten Stimme und dem Glück, sich zur richtigen Zeit die richtigen Leute für Songwriting und Produktion an die Seite zu holen – viel besser kann man es eigentlich nicht machen.



Und auch die Themenwahl kann einem wachen und neugierigen Charakter wie dem ihren nicht schwergefallen sein, es gibt viel zu erzählen über die Liebe und auch den Frust, wenn es mit dieser nicht so klappen will, über das irritierend oberflächliche Bild eines Popstars in der medialen Öffentlichkeit und die Sehnsüchte dahinter, über das Glück des Augenblicks und die Flüchtigkeit desselben. Hit auf Hit vom Start weg, klug abgemischte Dreiminüter, die auf direktem Weg ins Ohr gehen und auch, wenn sie nahezu alle nach dem gleichen Prinzip funktionieren, nicht langweilig werden. Da werden geschickt Streicher, Piano, Akustikgitarren eingebaut, gibt es Smartphone-Jingles, Rapeinlagen und selbst ein kleiner Ausflug in Sachen Dancehall geht erstaunlich standsicher über die bunt beleuchtete Bühne. Bezeichnend fast, dass „Level Up“, der geheime Favorit des Albums, auch der kürzeste Song geworden ist, sie hat einfach so viele davon im Programm.



Ihr, wie zu Beginn der Karriere und mit Veröffentlichung besagter Single, Arroganz zu unterstellen, ist schlichtweg lächerlich, kaum jemand wirkt angesichts solcher Perfektion und des zwangsläufigen, verdienten Erfolgs gelöster und sympathischer als das Mädchen aus Ålesund. Man darf vielmehr hoffen, dass sich diese Unbekümmertheit, mit der sie ihren Mitmenschen die Love- und Breakup-Songs entgegenschmettert, noch lange bewahren lässt, zu viele ihres Alters und Könnens wurden und werden schnell zu braven Prinzessinnen geformt, der Charakter geht oft genug in gleichem Maße flöten, wie die Austauschbarkeit zunimmt. Vielleicht ist es naiv zu glauben, an dieser Unschuld festhalten zu können. Aber beim letzten Song „Dynamite“ hat man eben auch die Szene vor Augen, als sich Julia Roberts als Anna Scott in „Notting Hill“ unter Tränen dem charmanten, aber zuweilen tölpelhaften Buchhändler (Hugh Grant) mit den Wort offenbart, sie sei doch auch nur ein Mädchen, das geliebt werden will. In diesem Sinne – bitte weitermachen. Und: Aufpassen. https://www.thisissigrid.com/

03.06.  Köln, Lanxess Arena
07.09.  Berlin, Lollapalooza



Charlie Cunningham: Immer beide Seiten

Dieser Herr aus dem britischen Bedfordshire hat die bewundernswerte Begabung, mit leisen Tönen zugleich Wohlgefühl, Euphorie und auch Argwohn zu erzeugen. So einschmeichelnd der Gesang, so weich die Akkorde seiner Gitarre, klingt in den Songs von Charlie Cunningham immer auch eine Bedrohung, eine Düsternis an, die schlecht auszublenden ist. Wahrscheinlich soll das so sein, es sind die Gegensätze, von denen ein Künstler lebt und Cunningham tut dies schon seit einigen Jahren mit großem Erfolg. Kürzlich hat er mit "Permanent Way" einen ersten neuen Song vorgestellt, nun folgt mit "Sink In" der nächste - entstanden sind sie übrigens gemeinsam mit Musikern der Band The Maccabees. Wann das Album dazu folgt, ist noch unausgesprochen, die Tourdaten für den Herbst jedoch dürfen schon mal notiert werden.

08.08.  Darmstadt, Centralstation
09.08.  Rees-Haldern, Haldern Pop
15.10.  Köln, Gloria
16.10.  Dresden, Kulturpalast
18.10.  München, Muffathalle
20.10.  Berlin, Heimthafen
21.10.  Hamburg, Kampnagel



Robert Forster: Keine Panik

Robert Forster
„Inferno“
(Tapete Records)

Das liest man ja oft dieser Tage, dass Robert Forster gerade sein Album über das Älterwerden gemacht habe. Kramt man jedoch die frühen Bilder heraus, die Forster mit seiner Band The Go-Betweens zeigen, führt man sich Erinnerungen an das eine oder andere Konzert vor Augen, da sie alle noch gemeinsam auf der Bühne standen, dann muss die Frage erlaubt sein: War der schlaksige, hochaufgeschossene Mann mit dem schmalen Gesicht (mithin der ganze Gegensatz zu seinem früh verstorbenen Freund und Kollegen Grant McLennan), den klugen Augen und dem feinsinnigen, hintergründigen Lächeln nicht immer schon so alt wie er heute ist? Was andere wie eine Beleidigung ankäme, hier ist es eher Kompliment, denn Alter meint bei Forster eben nicht ergrautes Spießertum, sondern Reife, Stil, Eleganz und eine ganz spezielle Art von Humor, die nur wenige überhaupt und wenn, dann deutlich später erreichen. Forster erschien oft als McLennans zwar gutmütiger, aber sarkastischer, ernsthafter Geistesbruder, der in der gleißenden australischen Sommerhitze auch gern mal das Dunkle, Bedrohliche markierte.

Und natürlich singt er auf diesem, seinem mittlerweile siebten Soloalbum von Grundsätzlichem, alle Männer über sechzig tun das in seinem Job. Aber so beiläufig, so charmant und sogar versöhnlich ist es in letzter Zeit nur wenigen gelungen. Dass es mit der Liebe eine verflixte Sache ist, davon erzählt Forster gleich zu Beginn, dass sie keineswegs vollkommen, sondern auch launisch und unzufrieden sein kann. „Take the sour if you take me“, warnt er in „Crazy Jane On The Day Of Judgement“ und weiter: „I can scoff and lour and scold for an hour“ – soll keine behaupten, er hätte sie nicht gewarnt. Gleich darauf der Ruhm. Der also, den er nicht braucht, der ihm so flüchtig und nutzlos erscheint, gemessen an den Erinnerungen seiner Jugend, die so herrlich lakonisch herüberwehen: „My mother hangs the washing and my father has jobs to ignore, the weekend that has come is the same as the weekend before…“ Und so geht es weiter, neun Stücke sind es geworden, die vom „Inferno“ künden.

Ein großes, ein düsteres Wort für ein Album, das so ausbalanciert, fast schon gediegen daherkommt wie dieses. Und so angenehm unspektakulär klingt. Es geht, hat Forster gerade der taz erklärt, im wörtlichen Sinne um nichts Weltbewegendes. Es gibt in jedem Alter Dinge, die getan werden müssen, das tägliche, unscheinbare Mühen. Und vielleicht ist das eine Möglichkeit, den titelgebenden Song „Inferno (Brisbane In Summer)“ zu lesen: Dass wir die Aufgeregtheiten unserer Zeit wie auch die nächtlichen Träume gern überzeichnen, überhöhen, uns umzingelt und bedroht fühlen von allem und jedem. Das Geschrei um uns herum, die Ruhelosigkeit sind ansteckend und schwer ist es, auszubrechen. Ein Stück dieser beneidenswerten Gelassenheit scheint Forster jedoch gefunden zu haben, denn am Schluß bei „One Bird In The Sky“ winkt die Erkenntnis: „Time to walk around, time to hit the ground, time to do my thing. Eat only what I eat, breathe only what I breathe - well that's me.“ Man ahnt, daß Nick Cave mit seinem Urteil, dieser Mann sei wohl der „wahrhaftigste und eigenwilligste Poet unserer Generation“, nicht ganz so falsch liegen dürfte. http://www.robertforster.net/

30.04.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
01.05.  Hamburg, Knust
03.05.  Münster, Gleis 22
04.05.  Bielefeld, Forum
05.05.  Bonn, Harmonie
07.05.  Frankfurt, Zoom
08.05.  Schorndorf, Manufaktur
09.05.  München, Feierwerk
10.05.  Wien, Theater Akzent
11.05.  Linz, Posthof

Immer noch schön anzuschauen - das Familienalbum zum Cover der Platte: Hier.

Montag, 11. März 2019

The Faint: Elektrische Helden

Jetzt also doch noch ein wenig Retrospaß: Eine sehr beliebte Quizfrage war und ist immer noch, bei welcher bekannten Band Conor Oberst vor Beginn seiner Karriere mit den Bright Eyes denn wohl Dienst tat - und man kann die entgeisterten Gesichter gar nicht oft genug anschauen, die bei Nennung von The Faint erscheinen. Okay, bei Hits wie "Agenda Suicide" war er schon lange nicht mehr an Bord, da waren die Amerikaner schon komplett elektrifiziert und hatten mit dem späteren Gitarrenfolky wirklich nicht mehr viel gemeinsam. Jetzt jedenfalls gibt es von dem Quintett aus Omaha wieder ein Lebenszeichen, vor einigen Wochen erschienen die ersten Combacksingles "Alien Angel" und "Chameleon Nights", nun mit "Quench The Flame" eine weitere, nicht minder gelungene. Das Album "Egowork" ist für Ende dieser Woche bei Saddle Creek vermerkt.





Yes We Mystic: Dem Namen die Ehre

Was da wohl passiert ist? Vor drei Jahren haben wir die kanadischen Yes We Mystic noch als die legitimen Nachfolger von Coldplay angepriesen, die ihre mutmaßlichen Vorbilder im Handstreich übertreffen - damals war gerade ihr Album "Forgiver" erschienen und darauf schwelgte und croonte es in höchsten und weichsten Tönen. Und nun? Hat Sänger Adam Fuhr selbst die Produktion übernommen und stellt mit "Please Bring Me To Satisfy" und ganz aktuell "Young Evil" zwei wirklich sehr interessante Stücke des kommenden Werkes "Ten Seated Figures" vor - dichter, vertrackter Artpoprock. Und, ja: Jetzt machen sie ihrem Namen endlich alle Ehre. Am 19. April kommt die Platte bei DevilDuck Records und eine Tour gibt's auch dazu.

23.05.  Köln, Die Kantine
24.05.  Hamburg, Molotow
25.05.  Magdeburg, Moritzhof
26.05.  Langenberg, KGB
28.05.  Hamburg, Midnight Mango Hamburg
29.05.  Chemnitz, Aaltra
30.05.  Bremen, Pusdorf Studios
03.06.  Berlin, Privatclub

Dave: Schwarzer Stolz [Update]

Einen ziemlich großen Schatten wirft dieses Album voraus: David Orobosa Omorgie, besser bekannt unter seinem Moniker Santan Dave oder einfach nur Dave, hat nach seinen letzten EP "Game Over" und "Six Paths" bzw. den wirklich ganz vorzüglichen Singles "Funky Friday" und "Hangman" für den 8. März endlich sein Debütalbum "Psychodrama" angekündigt. Flankiert wird dieses von der ersten Vorauskopplung "Black", hier mit dem Video von Nathan James Tettey und Edem Wornoo - der Inhalt ist selbsterklärend.

Update: Und hier kommt ein weiterer, brillanter Track des 20-jährigen, ein Stück über seine Heimat, den Londoner Stadtteil Streatham.







Sonntag, 10. März 2019

Stuart A. Staples: Bis zur Unendlichkeit

Schwarzes Loch, gelbes Licht und ein Mädchen namens Willow. Schon einige Zeit bekannt, wollen wir heute einen Post nachholen, der um den neuen Film von Regisseurin Claire Denis kreist. Kreisen ist in diesem Falle sogar wörtlich und hier kosmisch zu verstehen, denn der Film nennt sich "High Life" und spielt außerhalb unseres Sonnensystems - dort schweben auf gefährlicher Mission Monte, Boyse, Elektra und eben Willow, ausgesandt, um die Möglichkeit der Energiegewinnung eines sogenannten Schwarzen Lochs für die Menschheit zu untersuchen. Robert Pattinson als Schwerverbrecher, Juliette Binoche in der Rolle einer zwielichtigen Ärztin und Lars Eidinger als Kapitän eines Raumschiffs - das SciFi-Drama kann mit prominenter Besetzung und vielen Überraschungen aufwarten. Und auch beim Soundtrack wurde nicht gespart, denn Stuart A. Staples, Sänger der Tindersticks, zeichnet hierfür verantwortlich. Ein erster Song daraus ist seit kurzem erhältlich, "Willow" kommt mit einem fast meditativen Videoclip daher, der wiederum in Zusammenarbeit mit dem dänischen Künstler Ólafur Elíasson entstanden ist, der auch am Filmset kräftig mitgeholfen hat. Der komplette Soundtrack soll am 5. April erscheinen, der Film selbst kommt am 30. Mai in die deutschen Kinos.



SOAK: Wirre Träume

Nicht ganz so jenseitig, aber dennoch sehr reizvoll präsentiert sich seit einigen Wochen Bridier-Monds Watson alias SOAK für ihr angekündigtes Album "Grim Town", das am 26. April bei Rough Trade erscheinen wird. Dabei ist der Sound der jungen Irin Mal um Mal tanzbarer, eingängiger geworden, was man auch an der neuen Single "Déjà Vu" hören kann, die hier mit einem Video von Brother Willis und Wethepeople kommt. Ziel sei es gewesen, so der Regisseur, die Künstlerin in einem wilden, wirren Traum in beiden Rollen, der Performerin und der Beobachterin also, zu zeigen, ganz so, als habe David Lynch seine Finger mit im Spiel gehabt. Zwei weitere Stücke haben wir hier übrigens schon vorgestellt, die Spannung bleibt also groß.

ALASKALASKA: Mitdenken erlaubt

Das allerdings ist dann schon eher eine sehr eigenwillige Mischung aus Pop und Performance: Das Kollektiv dahinter nennt sich ALASKALASKA und kommt aus London. 2016 hat Lucinda Duarte-Holman, die Sängerin und Songschreiberin der Band, ihre Kollegen kennengelernt, seither sind eine EP und diverse Singles erschienen. Die flirrende Mischung aus Post-Punk, Pop und Jazz findet sich nun endlich auch auf einem kompletten Albumdebüt wieder, das unter dem Namen "The Dots" am 3. Mai bei Marathon Artists erscheinen soll. Auf der ersten Single "Moon" und dem dazugehörigen Video nimmt sich Duarte-Holman auf bildhafte Weise das Auf und Ab des weiblichen Körpergefühls während des Menstruationszyklus' zum Thema, gedreht haben Cora Rodriguez und Elliott Arndt - es darf also gern mal etwas mitgedacht und -empfunden werden.

Art Brut vs. Sofia Portanet: Modern Art meets Wanderratte

Und noch einmal zwei gute Nachrichten in einer: Für den April stehen endlich die längst fälligen Konzerttermine von Eddie Argos und Art Brut an - deren gelungenes Album "Wham! Bang! Pow! Let's Rock Out!" wäre eine ziemlich unvollständige Sache geblieben, würde es nicht ausgiebig gefeiert werden. Und im Vorprogramm der meisten Auftritte wird, damit zum nächsten Glücksfall, die Berlinerin Sofia Portanet zu sehen und zu hören sein, im vergangenen Jahr mit den Singles "Freier Geist" und "Wanderratte" schwer auf Rotation. Die gebürtige Kielerin, die über Paris in die Hauptstadt gelangt ist, hat ein Faible für Krautrock und den Sound der Neuen Deutschen Welle, unverkennbar stecken also Bezüge zu DAF, Ideal und NEU! in ihren Stücken. Den Track "Wanderratte", dem ein Gedicht von Heinrich Heine zugrunde liegt, gibt es jetzt übrigens auch in einer englischsprachigen Version called "Wandering Rat". Und wer weiß, vielleicht geben Argos und Portanet ja auf der Bühne als Wahlberliner ein gemeinsames Duett?

13.04.  Berlin, Urban Spree
14.04.  Köln, Artheater
15.04.  München, Hansa 39*
16.04.  Wien, Arena*
17.04.  Dornbirn, Spielboden*
20.04.  Laufen, Biomill*
21.04.  Wil, Gare de Lion*
(* Termine mit Sofia Portanet)



Samstag, 9. März 2019

Ricky Dietz vs. Steiner und Madlaina: Hüftschwung²

Zweimal Tanzen zum Wochenende - und zwar komplett Grundverschiedenes: Da hätten wir zum einen Ricky Dietz. Kann sich jetzt keiner was drunter vorstellen - schon eher wenn wir Pierre Baigorry alias Peter Fox (Seeed) und den Kanadier Sway Clarke erwähnen, die sich hinter dem Zweimannprojekt verbergen. Das Video zum Tune "Lemonade Drip" kommt als unterhaltsamer Plattenbau-Schwof zu federndem Zweieinhalbminüter, der einfach maximal entspannten Spaß bringt. Ebenso spaßig, allerdings andere Schiene, ist der Clip zur aktuellen Single von Steiner und Madlaina, die sich ihren schwyzerdütschen Song "Herz vorus id Wand" vom Album "Cheers" haben von Freunden nachtanzen lassen - auch eine Möglichkeit. Na dann, laßt mal schön die Hüften schwingen...



Ice Baths: Weiterfrieren

Vor ungefähr einem Jahr sind die Londoner Ice Baths hier schon sehr positiv aufgefallen, da erschien ihr gleichnamiges Debüt und die Frostigkeit, die darauf anklang, ließ einen nicht nur wohlig schaudern, sondern auch in Erinnerungen an Joy Division und - in der Kausalkette weiter hinten angeordnet - an Interpol denken. Nun planen die vier Herren die Veröffentlichung einer neuen EP namens "Decadent Sprinter", wieder auf dem Label Blank Editions. Eines der darauf enthaltenen Stücke ist "Simulation", hier im Stream.

The Black Keys: Erneute Kehrtwende

Fünf Jahre sind eine lange Zeit in der Branche, da kann man schon mal in Vergessenheit geraten. Damit das nicht passiert, haben Dan Auerbach und Patrick Carney gerade einen neuen Song veröffentlicht. Wessen Erinnerung nicht mehr ganz so frisch ist - die beiden haben als The Black Keys seit der Jahrtausendwende einige herrliche und sehr elektrische Bluesalben aufgenommen, zuletzt allerdings gab es mit "Turn Blue" gemeinsam mit Danger Mouse eine kleine Abkehr vom Diktat - man machte jetzt vorsichtig in Tanzmucke. Davon ist bei "Lo/Hi", ihrem neuen Track, nicht so viel zu hören, der knirscht wie in besten Gründungstagen, was darauf sonst noch so folgt, wird man wohl in den nächsten Tagen erfahren.

Freitag, 8. März 2019

Von Wegen Lisbeth: Endlich wieder neue Lieder

Irgendwie scheint Matthias Rohde ein ununterdrückbares Faible für deutsche Supermärkte zu haben. Denn nachdem Von Wegen Lisbeth aus Berlin auf ihrem Debütalbum "Grande" noch dem Pennymarkt ein kleines Denkmal setzten, ist nun Kaiser's Tengelmann dran. Egal, wichtig ist einzig die Nachricht, daß die Band endlich ihr neues Album angekündigt hat. Man hatte ja schon gedacht, die fünf würden auf ewig mit ihren (gleichwohl großartigen) Dauerbrennern vom Erstling touren müssen, nun: Aufatmen. Und auf "sweetlilly93@hotmail.com" wäre man auch so schnell nicht gekommen, denn genau das ist der Titel der Platte, die für den 3. Mai terminiert wurde. Und, klar, Tour (Britz California!) gibt's natürlich auch - ranhalten heißt es hier allerdings, denn die Meute giert nach neuen Liedern! Das erste gleich hier vor Ort, der "Lieferandomann".



17.05.  Berlin, Columbiahalle
18.05.  Berlin, Columbiahalle
26.09.  Magdeburg, Factory
27.09.  Rostock, Moya
28.09.  Hamburg, Große Freiheit 36
29.09.  Hamburg, Große Freiheit 36
30.09.  Hamburg, Große Freiheit 36
02.10.  Osnabrück, Hyde Park
04.10.  Dresden, Alter Schlachthof
05.10.  Erlangen, Heinrich-Lades-Halle
10.10.  Wien, Arena
11.10.  Linz, Posthof
12.10.  Graz, Orpheum
14.10.  Zürich, Dynamo
15.10.  Bern, Dachstock
18.10.  Stuttgart, Wagenhallen
19.10.  Wiesbaden, Schlachthof
21.10.  Saarbrücken, Garage
25.10.  Köln, Palladium
26.10.  Bremen, Pier 2
27.10.  Leipzig, Haus Auensee
29.10.  München, Tonhalle
01.11.  Dortmund, Warsteiner Music Hall
02.11.  Hannover, Swiss Life Hall
09.11.  Berlin, Columbiahalle

Black Mountain: Wieder daheim

Einhundertachtzig Grad gedreht und dann mit dem Katapult zurück, floating in space, back to the Seventies: Da waren Black Mountain, das kanadische Rockungetüm um Sänger Stephen McBean, eigentlich schon immer beheimatet, da fühlten und fühlen sie sich am wohlsten. Das hört man dann auch ihrer neuen Single "Future Shade" an, die so herrlich oldschoolmäßig zwischen Psych- und Hardrock dahinbrettert. Am 24. Mai kommt dann ihr nächstes Album "Destroyer" bei Jagjaguwar mit sieben weiteren Songs heraus, es folgt dem im Jahr 2016 erschienenen "IV". Und wir gönnen uns noch mal fünf Minuten Zeitschleife ...