Zarter wird's heute wohl nicht: Michael Milosh und Robin Hannibal, bekannter unter ihrem Bandnamen Rhye, haben gerade eine neue Single veröffentlicht, "Please" heißt sie und läßt, sofern den zerbrechlichen Soul der beiden mag, keine Wünsche offen. Erst kürzlich waren Rhye ja als Sparringspartner von Bonobo im ebenso vorzüglichen Song "Break Apart" zu hören, ob mit der neuen Single, für die es hier auch ein Video gibt, der Nachfolger des Debütalbums "Woman" eingesungen wird, wissen wir allerdings noch nicht.
Freitag, 7. Juli 2017
Faber: Den Finger in die Wunde
Faber
„Sei ein Faber im Wind“
(Universal)
Manchmal, wenn der Bildungsbürger in uns seinen Auslauf braucht, kann man schon mal großzügig Leine geben, er meint es ja nicht so. Hier jedenfalls, bei Julian Pollina, schleppt er gleich zwei Kunstfiguren an, die den Vergleich antreten wollen, beide allerdings müssen wir nach kurzer Besichtigung wieder nach Hause schicken. Der eine, vom fabelhaften Klaus Wennemann verkörpert, ein deutscher Fernsehkommissar aus den 80ern, wie auch Pollina eine wahre Dreckschnauze, aber eben deutlich älter und aus komplett anderem Milieu. Der andere wenigstens aus der Feder des Paradeschweizers Max Frisch, aber durch und durch verkopft und verklemmt und am Ende seiner Karriere mit einem Berg von Problemen, die dem jungen Liedermacher gänzlich fremd sein sollten. Kein Vergleich also zur Hand.
Tatsächlich fallen einem nicht viele Menschen ein, mit denen Pollina, noch keine fünfundzwanzig, sich messen ließe. Die Sache mit dem Alter und der Stimme ist ja nun schon ausreichend gewürdigt worden, die Menge an Alkohol und Nikotin, mit der man einen solche Gerbung, einen solchen Klang erzeugen könnte, möchte man ihm nun wahrlich nicht wünschen. Trotzdem gelangt der Vortrag auf dem vorliegenden Debüt so herrlich versoffen und abgelebt, daß man fast geneigt ist, von einem Naturtalent zu schwärmen. Wäre all das, wovon er singt, nicht so tragisch und bitter. Denn viel zu lachen hat der Faber nicht, seine Zeilen stecken voller Zynismus, Weltenekel und großer Traurigkeit und die Antwort auf die Frage, was einen jungen Menschen so böse klingen läßt, wird nicht jeder hören wollen.
Zur Musik, die klingt, als wäre sie einem Emir-Kusturica-Streifen entsprungen, die selber torkelt, schimpft und um sich schlägt, teilt er mächtig in alle Richtungen aus und schont dabei sich selbst nicht und keinen anderen. „Ein Leben mit mir ist ein Leben allein“, so früh schon ein so trostloses Geständnis, und trotzdem rührt’s einen, wie er sich zum Bruder der Unverstandenen, Einsamen, der Gebrochenen und Wehrlosen macht. Und keilt gegen die Selbstgerechtigkeit der Spießer, Meinungspfleger und Rechthaber. Mit Worten, die in ihrere Direktheit manchmal schwer zu ertragen sind und mit political correctness nur entfernt etwas zu tun haben.
Doch: Wer auf Sympathien aus ist, der singt nicht vom Straßenstrich, von der Verwahrlosung, von angezündeten Heimen und kenternden Flüchtlingsbooten, der benennt nicht derart schonungslos die eigene Verzweiflung und Überforderung. Pollina aka. Faber will anecken, provozieren, wachrütteln und dazu ist ihm sprachlich jedes Mittel recht. Vielleicht klingt das anmaßend und neunmalklug, sicher ist auch Arroganz im Spiel. Aber wem es nicht die Kehle zuschnürt, wenn er Anklage, Bitternis und Liebesschwüre in ein einziges Lied („In Paris brennen Autos“) packt, der hat verdammt mal kein Herz, ja noch nicht mal eins verdient. Wer Schmerzen spürt, so sagt man oft, ist wenigstens noch am Leben – das Album ist der Finger in der Wunde, die sich Gesellschaft nennt. http://www.fabersingt.com/
„Sei ein Faber im Wind“
(Universal)
Manchmal, wenn der Bildungsbürger in uns seinen Auslauf braucht, kann man schon mal großzügig Leine geben, er meint es ja nicht so. Hier jedenfalls, bei Julian Pollina, schleppt er gleich zwei Kunstfiguren an, die den Vergleich antreten wollen, beide allerdings müssen wir nach kurzer Besichtigung wieder nach Hause schicken. Der eine, vom fabelhaften Klaus Wennemann verkörpert, ein deutscher Fernsehkommissar aus den 80ern, wie auch Pollina eine wahre Dreckschnauze, aber eben deutlich älter und aus komplett anderem Milieu. Der andere wenigstens aus der Feder des Paradeschweizers Max Frisch, aber durch und durch verkopft und verklemmt und am Ende seiner Karriere mit einem Berg von Problemen, die dem jungen Liedermacher gänzlich fremd sein sollten. Kein Vergleich also zur Hand.
Tatsächlich fallen einem nicht viele Menschen ein, mit denen Pollina, noch keine fünfundzwanzig, sich messen ließe. Die Sache mit dem Alter und der Stimme ist ja nun schon ausreichend gewürdigt worden, die Menge an Alkohol und Nikotin, mit der man einen solche Gerbung, einen solchen Klang erzeugen könnte, möchte man ihm nun wahrlich nicht wünschen. Trotzdem gelangt der Vortrag auf dem vorliegenden Debüt so herrlich versoffen und abgelebt, daß man fast geneigt ist, von einem Naturtalent zu schwärmen. Wäre all das, wovon er singt, nicht so tragisch und bitter. Denn viel zu lachen hat der Faber nicht, seine Zeilen stecken voller Zynismus, Weltenekel und großer Traurigkeit und die Antwort auf die Frage, was einen jungen Menschen so böse klingen läßt, wird nicht jeder hören wollen.
Zur Musik, die klingt, als wäre sie einem Emir-Kusturica-Streifen entsprungen, die selber torkelt, schimpft und um sich schlägt, teilt er mächtig in alle Richtungen aus und schont dabei sich selbst nicht und keinen anderen. „Ein Leben mit mir ist ein Leben allein“, so früh schon ein so trostloses Geständnis, und trotzdem rührt’s einen, wie er sich zum Bruder der Unverstandenen, Einsamen, der Gebrochenen und Wehrlosen macht. Und keilt gegen die Selbstgerechtigkeit der Spießer, Meinungspfleger und Rechthaber. Mit Worten, die in ihrere Direktheit manchmal schwer zu ertragen sind und mit political correctness nur entfernt etwas zu tun haben.
Doch: Wer auf Sympathien aus ist, der singt nicht vom Straßenstrich, von der Verwahrlosung, von angezündeten Heimen und kenternden Flüchtlingsbooten, der benennt nicht derart schonungslos die eigene Verzweiflung und Überforderung. Pollina aka. Faber will anecken, provozieren, wachrütteln und dazu ist ihm sprachlich jedes Mittel recht. Vielleicht klingt das anmaßend und neunmalklug, sicher ist auch Arroganz im Spiel. Aber wem es nicht die Kehle zuschnürt, wenn er Anklage, Bitternis und Liebesschwüre in ein einziges Lied („In Paris brennen Autos“) packt, der hat verdammt mal kein Herz, ja noch nicht mal eins verdient. Wer Schmerzen spürt, so sagt man oft, ist wenigstens noch am Leben – das Album ist der Finger in der Wunde, die sich Gesellschaft nennt. http://www.fabersingt.com/
Donnerstag, 6. Juli 2017
Kane Strang: Doppelherz vs. Doppelhirn
Kane Strang
„Two Hearts And No Brain“
(Dead Oceans)
Eigentlich sollte man meinen, ein Junge in dem Alter hätte genügend Freunde. Solche, die einem sagen, daß man diese Pullover, diese Brillen nicht trägt. Über die Frisur wollen wir jetzt mal gar nicht reden. Andererseits macht gerade das den jungen Neuseeländer Kane Strang auch wieder grundsympathisch, denn warum sollte er, wenn er auf die unbestrittene Qualität seine Musik vertraut, Ratschläge über derlei Äußerlichkeiten beherzigen? Offenbar scheinen ihm diese nicht allzu wichtig zu sein. Wie herrlich unbeteiligt sich der Kerl aus Dunedin geben kann, darf man übrigens auch an seinem lakonisch lustlosen Blick im Video zu „My Smile Is Extinct“ ablesen, einem Song, der wie der Rest der Platte auch mit großen Melodien die kleinen Gemeinheiten des Alltags bespielt. Er hätte ja, so hört man da, einigen Grund, richtig sauer zu sein, und doch überlässt er den Krach seiner Gitarre und gönnt uns allen nur einen leeren Blick.
Eigenwillig ist Strang allemal. Sein Debütalbum „A Pebble And A Paper Crane“, so hört man, nahm er 2013 in Teilen während einer Urlaubsreise durch die Niederlande auf und zwar in einem Weltkriegsbunker. Im letzten Jahr dann mit „Blue Cheese“ das etwas bekanntere Folgewerk und nun also Nummer drei mit diesem wirklich sehr hübschen Titel. Offiziell sollen dafür ja die Beach Boys und Pavement Pate gestanden haben, für das schwermütige Geschmirgel an den Saiten könnten aber auch die Pixies, Interpol im Speziellen und der Grunge im Allgemeinen als Vergleich herhalten. Alles angenehm träge und LoFi, nichts überstürzt und mit jeder Menge eingängiger Melodien versehen. Neben dem anfangs erwähnten Stück ist hier auch die zweite Single „Oh So You’re Off I See“ zu nennen – auch bei dieser zieht der Junge übrigens ein Gesicht, als hätte ihn sein Management genötigt, ein fremdes, ungeliebtes Liedchen zum Karaokevortrag zu bringen. Jugendliche Verwirrungen allerorten, Doppelherz gegen Doppelhirn, selten wird es mal, wie bei „Summertime In Your Lounge“ etwas entspannter und selbst zum leidigen Thema Donald Trump hat Strang sich im Rahmen der Edition „Our First 100 Days“ mit „Hypochondria“ so seine Gedanken gemacht. Ein begabter Grübler, der ernst genommen werden will. Bleibt er so gut, sollte das nicht weiter schwerfallen.
„Two Hearts And No Brain“
(Dead Oceans)
Eigentlich sollte man meinen, ein Junge in dem Alter hätte genügend Freunde. Solche, die einem sagen, daß man diese Pullover, diese Brillen nicht trägt. Über die Frisur wollen wir jetzt mal gar nicht reden. Andererseits macht gerade das den jungen Neuseeländer Kane Strang auch wieder grundsympathisch, denn warum sollte er, wenn er auf die unbestrittene Qualität seine Musik vertraut, Ratschläge über derlei Äußerlichkeiten beherzigen? Offenbar scheinen ihm diese nicht allzu wichtig zu sein. Wie herrlich unbeteiligt sich der Kerl aus Dunedin geben kann, darf man übrigens auch an seinem lakonisch lustlosen Blick im Video zu „My Smile Is Extinct“ ablesen, einem Song, der wie der Rest der Platte auch mit großen Melodien die kleinen Gemeinheiten des Alltags bespielt. Er hätte ja, so hört man da, einigen Grund, richtig sauer zu sein, und doch überlässt er den Krach seiner Gitarre und gönnt uns allen nur einen leeren Blick.
Eigenwillig ist Strang allemal. Sein Debütalbum „A Pebble And A Paper Crane“, so hört man, nahm er 2013 in Teilen während einer Urlaubsreise durch die Niederlande auf und zwar in einem Weltkriegsbunker. Im letzten Jahr dann mit „Blue Cheese“ das etwas bekanntere Folgewerk und nun also Nummer drei mit diesem wirklich sehr hübschen Titel. Offiziell sollen dafür ja die Beach Boys und Pavement Pate gestanden haben, für das schwermütige Geschmirgel an den Saiten könnten aber auch die Pixies, Interpol im Speziellen und der Grunge im Allgemeinen als Vergleich herhalten. Alles angenehm träge und LoFi, nichts überstürzt und mit jeder Menge eingängiger Melodien versehen. Neben dem anfangs erwähnten Stück ist hier auch die zweite Single „Oh So You’re Off I See“ zu nennen – auch bei dieser zieht der Junge übrigens ein Gesicht, als hätte ihn sein Management genötigt, ein fremdes, ungeliebtes Liedchen zum Karaokevortrag zu bringen. Jugendliche Verwirrungen allerorten, Doppelherz gegen Doppelhirn, selten wird es mal, wie bei „Summertime In Your Lounge“ etwas entspannter und selbst zum leidigen Thema Donald Trump hat Strang sich im Rahmen der Edition „Our First 100 Days“ mit „Hypochondria“ so seine Gedanken gemacht. Ein begabter Grübler, der ernst genommen werden will. Bleibt er so gut, sollte das nicht weiter schwerfallen.
Mittwoch, 5. Juli 2017
Kele: Ungewöhnlich [Update]
17.05. Berlin, Badehaus Szimpla
Update: Es hatte sich angedeutet, nun ist es amtlich - das neue Album wird definitiv anders klingen als die bisherigen Solowerke. "Fatherland" erscheint am 6. Oktober bei BMG und "Streets Been Talkin'" ist die nächste Auskopplung.
Dienstag, 4. Juli 2017
The Breeders: Back for very good
Hallo Hauptstadt, Lust auf einen Jubelschrei? Na dann man los: Am 24. Oktober werden Kim und Kelley Deal zusammen mit ihrer Schrammeltruppe The Breeders im Rahmen ihrer gerade verkündeten Europatournee in Berlin Halt machen und wer ein Quäntchen Musikverstand in der Hirnrinde hat, sichert sich dafür mal schnellstens ein Ticket. Die Band postet ja schon geraume Zeit kräftig aus dem Studio und so hofft man, daß im Rahmen der Shows endlich neue Songs zu hören sein werden. Und die vorzüglichen alten sowieso...
24.10. Berlin, Heimathafen
24.10. Berlin, Heimathafen
Montag, 3. Juli 2017
Fassine: Schmerz lass nach
Der Schmerz wirkt offenbar noch nach: Vor anderthalb Jahren ist mit David Bowie einer der größten Musiker unserer Zeit auf, das läßt sich in Kenntnis seiner letzten Werke nicht anders sagen, ziemlich spektakuläre Weise aus der Welt gegangen und es war absehbar, daß diese Lücke kaum zu schließen sein wird. Auch Sarah Palmer, Laurie Langan und James Hayward hatten und haben an dem Verlust hart zu tragen ("'Ursa Minor' is our ode to Bowie's passing. He is one of our great obsessions and we wait for the ache to pass"). Unter dem Namen Fassine macht das Londoner Trio seit längerer Zeit ohnehin ziemlich düstere Musik, ihr Erinnerungsstück (benannt nach dem Sternbild Kleiner Bär) an das große Vorbild macht da keine Ausnahme. Gemeinsam mit den zuvor erschienenen Stücken "That Wave" und "Father Jesus" geht der Sound der drei deutlich in Richtung Unkle und Nine Inch Nails, das Album "Gourami", das am 28. Juli veröffentlicht wird, sollte noch mehr Schwergewichtiges bereithalten.
Sonntag, 2. Juli 2017
Sissip: Wahlverwandtschaften
Das ging ja dann doch schneller als erwartet: Franziska Plueckhan aka. Sissip hatte gerade erst ihre EP "Do It Again" veröffentlicht und damit eigentlich schon ausreichend Mut und Tatendrang bewiesen. Doch wie das halt so ist mit dem kreativen Output, der läßt sich, einmal angestachelt, wohl nicht so einfach stoppen und so kommt hier gleich die zweite 12" hinterher. "Dance With Me" beinhaltet drei neue Stücke und ohne uns ausreichend rückzuversichern, wagen wir jetzt mal die kühne Annahme, zwischen der Berlinerin und Martin Gore, dem Songschreiber und Mastermind von Depeche Mode, müsste sich eine gewisse Verwandtschaft im Geiste ausmachen lassen. Denn schon der Titeltrack der EP ist mit angenehm warmen, synthetischen Analogklängen unterfüttert, wie man es aus besten Zeiten der britischen Synthpopper kennt. Track zwei "Fall" wiederum spotzt recht dronig und erinnert eher an die Endneunziger und die widerspenstige Phase von "Ultra". Komplettiert wird das Kurzformat vom entspannt pluckernden "Doing Fine" - alles in allem eine mehr als gelungene Arbeit. Und sollten wir so sehr daneben liegen mit unserer Vermutung, wird diese auch garantiert in aller Öffentlichkeit sofort widerrufen - versprochen.
Crooked Colours: Eigentlich schon weiter
Über den Status eines Geheimtipps sollten die australischen Crooked Colours eigentlich schon hinaus sein, ihre Songs haben auch hier schon für reichlich Verzücken gesorgt. Nun ist das Debütalbum der dreiköpfigen Band aus Perth mit Namen und Datum versehen, "Vera" wird am 1. September mit zehn Stücken in physischer Form erscheinen - neben den bekannten "I Hope You Get It" und "Flow" ist mit "Plymouth" auch der neueste Song dabei, wer mag, darf hier schon mal in Gänze vorhören.
LOYAL: Vorhersage
Es ist wie so oft und hat auch tatsächlich etwas für sich: In Zeiten viraler Vermarktung kommen, gerade bei jungen Musikern, oft die Stücke erheblich schneller zu den Hörern als die dazugehörigen Details über die Macher derselben. So auch bei LOYAL, einem noch recht jungen Klangkollektiv aus dem britischen Brighton. Ganze fünf wundervolle Stücke sind von ihnen mittlerweile im Umlauf und das letzte "Reset In Colour" hat es, noch immer einer der zuverlässigsten Türöffner auf der Insel, in die Sendung und auf die Playlist von BBC-1-Moderatorin Annie Mac geschafft - Angaben zu den Mitgliedern kaum bis keine. Der warme, soulig pumpende Housepop ist aber wirklich zu geschmeidig, um ihn einfach ignorieren zu können. Vermutung: Wird das nächste große Ding, for sure.
Samstag, 1. Juli 2017
Fehlfarben: Herzschlagmusik heute
Fehlfarben
Support: Candelilla
Münchner Kammerspiele, 30. Juni 2017
„Und wir tanzten bis zum Ende
zum Herzschlag der besten Musik,
jeden Abend, jeden Tag -
wir dachten schon, das ist der Sieg.
Das war vor Jahren…“
Echt jetzt, München? Nicht ausverkauft!? Da trifft an einem Abend Candelilla, die wohl beste Indieband der Stadt, quasi zum clash of generations, auf die einstigen Taktgeber und Mitbegründer der deutschen Post-Punk-Tradition, die Düsseldorfer Kapelle Fehlfarben, und es gibt noch freie Plätze im Saal? Nun, vielleicht überwogen bei manchem am Ende doch die Vorbehalte, was Ort und Inhalt anging. Denn wie sollte man sich das vorstellen – Punkrock im Sitzparkett? Und dann, dem Trend knapp hinterher, auch noch die Aufführung einer Platte wie „Monarchie und Alltag“, eines wahren Heiligtums, in kompletter Spiellänge? Gut vorstellbar, dass deshalb manche/r den Biergartenbesuch einer möglichen Enttäuschung seinen einstigen Idolen vorgezogen hatte. Allein, die Sorgen waren – und das ist die schlechte Nachricht für die übervorsichtigen Erinnerungsbewahrer – unbegründet. Man darf einem Peter Hein schon unterstellen, dass er die Gefahren solcher Veranstaltungen angemessen reflektiert (vielleicht sind sie ihm aber auch völlig wurscht), jedenfalls besaß er genügend Humor, um über diese Art von nostalgischer Inszenierung (siehe Bilderrahmendeko) zu lachen. Und ausreichend neues Material, das er und seine Band dem alten folgen ließ. Und das ihn noch immer als einen Vordenker mit Haltung ausweist. Ausverkauf? Gar Leichenfledderei? Fehlanzeige.
„Monarchie und Alltag“ und „Camping“, das aktuelle Album von Candelilla, trennen ganze 37 Jahre und es war zu erwarten, dass die vier Frauen mit der schroffen Härte und Distanziertheit ihres Sounds die undankbare Barriere zwischen Bühne und Publikum nicht würden ohne weiteres überwinden können. Dennoch, die Körperlichkeit und Dringlichkeit ihres Spiels sind immer wieder beeindruckend, gerade Bassistin Mira Mann, die auch den Großteil des Gesangs übernimmt, treibt das Quartett zusammen mit der fabelhaften Drummerin Sandra Hilpold auf beeindruckende Weise von Stück zu Stück und wenn ihr nicht ab und an mal ein kurzes Lächeln entwischen würde, man müsste fast glauben, die Sache wäre viel zu ernst, um auch Spaß zu machen. Anders die Fehlfarben: Die frühen wie die aktuellen Lieder sind nicht so komplex und verschachtelt, sondern funktionieren in ihrer Unmittelbarkeit als direkte Ansprache an Herz und Beine.
Platten wie ihr Debüt sind in dieser Güte und Durchgängigkeit heute nur noch schwer zu finden, auch und gerade hier gilt leider der abgewandelte Lehrsatz von David Byrne („How Music Works“), nach welchem Form und Funktion dem veränderten Hörverhalten folgen (in dieser Hinsicht sind übrigens Candelilla auf ihre Art ein Ausnahmefall und auch deshalb für den Abend genau richtig besetzt). „Monarchie und Alltag“ ist ein Hitalbum, voller Zitate, die sich heute überall finden lassen – bitterböse, auf einfache Art analytisch, sehr poetisch, traurig, schonungslos, weitsichtig, kraftvoll, alles zusammen. Und wenn ein solches Werk von einer Band dieser Qualität gespielt wird, dann ist das ein Vergnügen. Und Stuhlreihen kein Hindernis – schon beim dritten Stück hielt es die ersten nicht mehr auf ihren Sitzen und spätestens mit „Militürk“ war aus dem Theater- im Handumdrehen ein richtiges Konzertpublikum geworden.
Die sagenhaften Gitarren von Thomas Schwebel und Neuzugang Thomas Schneider, Michael Kemners markanter Wave-Bass, Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher an Tasten resp. Tastatur und mit Saskia von Klitzing eine Drummerin im Rücken, die der Setlist die nötige Wucht und Präzision verlieh, viel mehr kann man eigentlich kaum erwarten. Zudem erwies sich Hein als kauziger Entertainer, der sich auch gern mal über die aus seiner Sicht spießige Fußball-Leidenschaft der Gefährten mokierte und ansonsten mit zufriedenem Grinsen und scharfer Zunge über die Bühne stolperte. Zum Schluss gab’s dann noch einmal beste Altware, auf das „Industriemädchen“ von Syph folgte „Die Wilde Dreizehn“ aus den Anfangstagen der Fehlfarben und so kam es, dass hernach aus vielen Gesichtern vor allem Erstaunen und Erleichterung sprachen, wie gut doch dieser Abend funktioniert hatte. Dass zur gleichen Zeit in einer anderen Welt elf junge Männer einen Pokal in die Abendluft recken durften, war zwar ähnlich überraschend, aber irgendwie nicht mehr ganz so wichtig.
Support: Candelilla
Münchner Kammerspiele, 30. Juni 2017
„Und wir tanzten bis zum Ende
zum Herzschlag der besten Musik,
jeden Abend, jeden Tag -
wir dachten schon, das ist der Sieg.
Das war vor Jahren…“
Echt jetzt, München? Nicht ausverkauft!? Da trifft an einem Abend Candelilla, die wohl beste Indieband der Stadt, quasi zum clash of generations, auf die einstigen Taktgeber und Mitbegründer der deutschen Post-Punk-Tradition, die Düsseldorfer Kapelle Fehlfarben, und es gibt noch freie Plätze im Saal? Nun, vielleicht überwogen bei manchem am Ende doch die Vorbehalte, was Ort und Inhalt anging. Denn wie sollte man sich das vorstellen – Punkrock im Sitzparkett? Und dann, dem Trend knapp hinterher, auch noch die Aufführung einer Platte wie „Monarchie und Alltag“, eines wahren Heiligtums, in kompletter Spiellänge? Gut vorstellbar, dass deshalb manche/r den Biergartenbesuch einer möglichen Enttäuschung seinen einstigen Idolen vorgezogen hatte. Allein, die Sorgen waren – und das ist die schlechte Nachricht für die übervorsichtigen Erinnerungsbewahrer – unbegründet. Man darf einem Peter Hein schon unterstellen, dass er die Gefahren solcher Veranstaltungen angemessen reflektiert (vielleicht sind sie ihm aber auch völlig wurscht), jedenfalls besaß er genügend Humor, um über diese Art von nostalgischer Inszenierung (siehe Bilderrahmendeko) zu lachen. Und ausreichend neues Material, das er und seine Band dem alten folgen ließ. Und das ihn noch immer als einen Vordenker mit Haltung ausweist. Ausverkauf? Gar Leichenfledderei? Fehlanzeige.
„Monarchie und Alltag“ und „Camping“, das aktuelle Album von Candelilla, trennen ganze 37 Jahre und es war zu erwarten, dass die vier Frauen mit der schroffen Härte und Distanziertheit ihres Sounds die undankbare Barriere zwischen Bühne und Publikum nicht würden ohne weiteres überwinden können. Dennoch, die Körperlichkeit und Dringlichkeit ihres Spiels sind immer wieder beeindruckend, gerade Bassistin Mira Mann, die auch den Großteil des Gesangs übernimmt, treibt das Quartett zusammen mit der fabelhaften Drummerin Sandra Hilpold auf beeindruckende Weise von Stück zu Stück und wenn ihr nicht ab und an mal ein kurzes Lächeln entwischen würde, man müsste fast glauben, die Sache wäre viel zu ernst, um auch Spaß zu machen. Anders die Fehlfarben: Die frühen wie die aktuellen Lieder sind nicht so komplex und verschachtelt, sondern funktionieren in ihrer Unmittelbarkeit als direkte Ansprache an Herz und Beine.
Platten wie ihr Debüt sind in dieser Güte und Durchgängigkeit heute nur noch schwer zu finden, auch und gerade hier gilt leider der abgewandelte Lehrsatz von David Byrne („How Music Works“), nach welchem Form und Funktion dem veränderten Hörverhalten folgen (in dieser Hinsicht sind übrigens Candelilla auf ihre Art ein Ausnahmefall und auch deshalb für den Abend genau richtig besetzt). „Monarchie und Alltag“ ist ein Hitalbum, voller Zitate, die sich heute überall finden lassen – bitterböse, auf einfache Art analytisch, sehr poetisch, traurig, schonungslos, weitsichtig, kraftvoll, alles zusammen. Und wenn ein solches Werk von einer Band dieser Qualität gespielt wird, dann ist das ein Vergnügen. Und Stuhlreihen kein Hindernis – schon beim dritten Stück hielt es die ersten nicht mehr auf ihren Sitzen und spätestens mit „Militürk“ war aus dem Theater- im Handumdrehen ein richtiges Konzertpublikum geworden.
Die sagenhaften Gitarren von Thomas Schwebel und Neuzugang Thomas Schneider, Michael Kemners markanter Wave-Bass, Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher an Tasten resp. Tastatur und mit Saskia von Klitzing eine Drummerin im Rücken, die der Setlist die nötige Wucht und Präzision verlieh, viel mehr kann man eigentlich kaum erwarten. Zudem erwies sich Hein als kauziger Entertainer, der sich auch gern mal über die aus seiner Sicht spießige Fußball-Leidenschaft der Gefährten mokierte und ansonsten mit zufriedenem Grinsen und scharfer Zunge über die Bühne stolperte. Zum Schluss gab’s dann noch einmal beste Altware, auf das „Industriemädchen“ von Syph folgte „Die Wilde Dreizehn“ aus den Anfangstagen der Fehlfarben und so kam es, dass hernach aus vielen Gesichtern vor allem Erstaunen und Erleichterung sprachen, wie gut doch dieser Abend funktioniert hatte. Dass zur gleichen Zeit in einer anderen Welt elf junge Männer einen Pokal in die Abendluft recken durften, war zwar ähnlich überraschend, aber irgendwie nicht mehr ganz so wichtig.
Annabel Allum: Weiterknirschen [Update]
Hier noch eine gute Nachricht für den morgigen Tag - dann nämlich ist der offizielle Release der neuen Single von Annabel Alum. Die junge Dame aus London war hier im letzten Sommer mit ihrem Song "Tricks" vertreten und hat auch zuvor schon hoffnungsvolles Material präsentiert - nun also "Rich Backgrounds" samt Böllerdrums und Knirschgitarre, produziert hat Adrian Hall (Goldfrapp, Du Blonde, Anna Calvi).
Update: Sie wird tatsächlich Song um Song interessanter - gerade ist "Eat Greens" erschienen und zu diesem gibt es gleich noch ein paar Gedanken mit auf den Weg: “’Eat Greens’ is a song about the conflict of doing what you feel is right and what you think is wrong. Doing what you want as opposed to doing what you need. Finding balance, searching for balance, what is balance? Self destruction and self love. Vegetables.” Jetzt auch mit dem passenden Video.
Update: Sie wird tatsächlich Song um Song interessanter - gerade ist "Eat Greens" erschienen und zu diesem gibt es gleich noch ein paar Gedanken mit auf den Weg: “’Eat Greens’ is a song about the conflict of doing what you feel is right and what you think is wrong. Doing what you want as opposed to doing what you need. Finding balance, searching for balance, what is balance? Self destruction and self love. Vegetables.” Jetzt auch mit dem passenden Video.
Freitag, 30. Juni 2017
St. Vincent: Zukunftsangst on Tour [Update]
Das eine ist ohne das andere selten zu bekommen. Wenn also Annie Clark aka. St. Vincent eine große Tour unter dem Titel "Fear The Future" ankündigt, dann wird auch das dazu passende Album nicht weit sein - so hoffen wir jedenfalls. Zwar bekommt im deutschsprachigen Raum einzig das Berliner Huxleys den Zuschlag, aber wenn den eine Platte nachkommt, kann man die sicher auch im Rest der Republik kaufen.
26.10. Berlin, Huxleys
Update: Von einem Album ist noch nicht die Rede, dafür gibt es ein schöne Liebeserklärung. An wen genau diese geht, ist nicht so ganz klar, heißt "New York" und klingt fein.
"New York isn't New York
Without you, love...
I have lost a hero
I have lost a friend
But for you, darling
I'd do it all again."
26.10. Berlin, Huxleys
Update: Von einem Album ist noch nicht die Rede, dafür gibt es ein schöne Liebeserklärung. An wen genau diese geht, ist nicht so ganz klar, heißt "New York" und klingt fein.
"New York isn't New York
Without you, love...
I have lost a hero
I have lost a friend
But for you, darling
I'd do it all again."
Donnerstag, 29. Juni 2017
The Duke Spirit: Die Hoffnung früher Tage
Noch eine neue Platte, auf die sich nicht wenige Hoffnungen richten: The Duke Spirit, die Kapelle um die ziemlich wunderbare Liela Moss, schicken sich an, am 18. August mit "Sky Is Mine" ihr nächstes Album zu veröffentlichen - böse Zungen behaupten, viel schlechter als der Vorgänger "KIN" (2016) könne es kaum werden. Wieviel Potential die Londoner Band hat, weiß, wer sie zu Zeiten ihres Debüts "Cuts Across The Land" live gesehen hat. In der Hoffnung, daß jetzt wieder mehr Schmackes drin ist, gibt es hier schon mal vorab die erste Single "Magenta"
Liars: Weinende Brunnen
Solche Ankündigungen sind ja immer die liebsten: Die Liars, von denen mittlerweile nur noch Angus Andrew als tüllgeschmückte Braut übriggeblieben ist, geisterten ja schon mit diversen Teasern durch die einschlägigen Portale, nun gibt es ein paar griffige Fakten mehr. Das neue Album, denn um ein solches geht es, wird "TFCF" heißen (was soviel wie Theme For Crying Fountain bedeuten soll) und am 25. August bei Mute Records erscheinen. Und weil es ohne erste Hörprobe nicht halb so schön ist, kommt hier mit "Cred Woes" die amtliche Vorabsingle vorbeigeböllert.
24.08. Berlin, Pop Kultur Festival
24.08. Berlin, Pop Kultur Festival
The National: Dunkelstens [Update]
Erst geteasert, jetzt amtlich: Am 8. September werden The National ihr neues Album "Sleep Well Beast", die Platte folgt auf die letzte reguläre LP "Trouble Will Find Me" aus dem Jahr 2013. Nicht nur das Cover spricht für ziemlich dunkle Töne, auch Sänger Matt Berninger, nebenbei ja noch für EL VY in Aktion, sagte dem NME, daß mancher Fan wohl überrascht sein würde vom kommenden Werk: "I’m going very dark with the new National
record, which is a place I love to go. People have always
described our music as dark and say it goes very melancholy, somber
places. They haven’t heard anything yet! This next thing is crazy.” Überprüfen können wir das auch gleich, denn mit "The System Only Dreams In Total Darkness" liegt schon die erste Single vor.
21.10. Hamburg, Elbphilharmonie
23.10. Berlin, Tempodrom
24.10. Berlin, Tempodrom
Update: Ein zweiter Song, ein zweites Video - diesmal vom Konzeptkünstler Casey Reas zu "Guilty Party".
21.10. Hamburg, Elbphilharmonie
23.10. Berlin, Tempodrom
24.10. Berlin, Tempodrom
Update: Ein zweiter Song, ein zweites Video - diesmal vom Konzeptkünstler Casey Reas zu "Guilty Party".
Mittwoch, 28. Juni 2017
Dim Sum: Nicht die Regel
Das darf man schon mal anmerken: Was der Strom aus täglich neuen Musikstücken, die in Wohnzimmern von durchaus ambitionierten Musikheimwerkern verbastelt werden, durch das Netz und seine Musikplattformen spült, ist nicht immer von allerhöchster Güte, gerade bei Dancepop und aufgehübschtem R'n'B gibt es mittlerweile deutlich mehr Masse als Klasse. Da freut es einen, wenn man, wie gerade beim französischen Elektronik-Projekt Dim Sum, auf Anspruch und Qualität trifft. Die Musiker haben schon für Christine And The Queens, Ra Ra Riot, Foster The People und Odesza gemixt und eine Reihe eigener Tracks aufgenommen, nun ist für den Herbst eine neue EP angekündigt - von dieser stammt der hier vorgestellte Song "Right Track (feat. Nina Lili J)". Und der ist, um bei der eigentlichen Bedeutung des Bandnamens zu bleiben, etwas für Herz und Beine gleichermaßen.
Lød: Sonderweg
Lød
„Folder“
(Part Time Records)
Daß die Indiemucke der Achtziger noch nicht an Strahlkraft verloren hat, erkennt man wohl an den unzähligen Nachahmern und Post-Punk-Lookalikes, die sich in den letzten Jahren die Klinken der Clubs in die Hand gedrückt haben – man kann das spitze finden wie die Wombats („Let’s Dance To Joy Division“) und The Divine Comedy („At The Indie Disco“) oder nervig wie Kraftklub („Scheissindiedisko“), aber vorbei kommt daran keiner. Gerade versucht ein neuer Sampler mit dem Titel „The Early Days“ dem Rechnung zu tragen, böse Zungen behaupten allerdings, hier würde mit aller Macht und besonders großer Klammer (diese reicht dann von Tuxedomoon über Ideal bis hin zu den Editors) versucht, auch der letzte Cent aus einem gerade recht profitablen Genre zu pressen. Nun, wer’s kauft, wird sicher selig.
Dem dänischen Quintett Lød kann man solche Vorwürfe sicher nicht machen, schließlich sind sie einerseits noch nicht so lang auf der Bühne, zudem ignorieren sie frech die wichtigste Marketingregel, nach welcher man sich für den internationalen Erfolg unbedingt der englischen Sprache bedienen sollte und singen drei ihrer Debütsongs in ihrer Landessprache ein – der vierte bleibt gleich ganz ohne Text. Wer jetzt meint, die 12“ wäre nur ein kurzes Vergnügen, hat sich dankenswerterweise getäuscht, denn sowohl der Eröffnungstrack „Så Blå“ als auch das Schlußstück „Folder“ gehen über die Distanz von zehn Minuten.
Und sie tun das nicht ohne Grund, denn zu den Grundprinzipien der Mischung aus Post-Punk und Krautrock gehört die ausdauernde Repetition, die Aneinanderreihung düsterer Taktformationen also, wie man sie auch von Acts wie LCD Soundsystem oder Hot Chip kennt. Den klarsten Bezug zu Joy Division wiederum lassen das besagte „Folder“ und „Fælled“ erkennen, hier scheppern die verzerrten Gitarren zu dumpfen Drums, wieder und wieder kreist das Soundmantra um Søren Gade Holmgårds angemessen verwaschenen Gesang. Ein großes Vergnügen also diese EP – im Dänischen bedeutet der Bandname im Übrigen soviel wie Sound oder Klang und an dem gibt es, Trend hin oder her, nichts auszusetzen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie lange die fünf Herren diesen Sonderweg wohl durchhalten werden. https://lod-folder.bandcamp.com/
„Folder“
(Part Time Records)
Daß die Indiemucke der Achtziger noch nicht an Strahlkraft verloren hat, erkennt man wohl an den unzähligen Nachahmern und Post-Punk-Lookalikes, die sich in den letzten Jahren die Klinken der Clubs in die Hand gedrückt haben – man kann das spitze finden wie die Wombats („Let’s Dance To Joy Division“) und The Divine Comedy („At The Indie Disco“) oder nervig wie Kraftklub („Scheissindiedisko“), aber vorbei kommt daran keiner. Gerade versucht ein neuer Sampler mit dem Titel „The Early Days“ dem Rechnung zu tragen, böse Zungen behaupten allerdings, hier würde mit aller Macht und besonders großer Klammer (diese reicht dann von Tuxedomoon über Ideal bis hin zu den Editors) versucht, auch der letzte Cent aus einem gerade recht profitablen Genre zu pressen. Nun, wer’s kauft, wird sicher selig.
Dem dänischen Quintett Lød kann man solche Vorwürfe sicher nicht machen, schließlich sind sie einerseits noch nicht so lang auf der Bühne, zudem ignorieren sie frech die wichtigste Marketingregel, nach welcher man sich für den internationalen Erfolg unbedingt der englischen Sprache bedienen sollte und singen drei ihrer Debütsongs in ihrer Landessprache ein – der vierte bleibt gleich ganz ohne Text. Wer jetzt meint, die 12“ wäre nur ein kurzes Vergnügen, hat sich dankenswerterweise getäuscht, denn sowohl der Eröffnungstrack „Så Blå“ als auch das Schlußstück „Folder“ gehen über die Distanz von zehn Minuten.
Und sie tun das nicht ohne Grund, denn zu den Grundprinzipien der Mischung aus Post-Punk und Krautrock gehört die ausdauernde Repetition, die Aneinanderreihung düsterer Taktformationen also, wie man sie auch von Acts wie LCD Soundsystem oder Hot Chip kennt. Den klarsten Bezug zu Joy Division wiederum lassen das besagte „Folder“ und „Fælled“ erkennen, hier scheppern die verzerrten Gitarren zu dumpfen Drums, wieder und wieder kreist das Soundmantra um Søren Gade Holmgårds angemessen verwaschenen Gesang. Ein großes Vergnügen also diese EP – im Dänischen bedeutet der Bandname im Übrigen soviel wie Sound oder Klang und an dem gibt es, Trend hin oder her, nichts auszusetzen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie lange die fünf Herren diesen Sonderweg wohl durchhalten werden. https://lod-folder.bandcamp.com/
Dienstag, 27. Juni 2017
Kendrick Lamar: Bilder des Kampfes
Widowspeak: Nur das Beste
Die Leisetreter aus Brooklyn sind zurück: Widowspeak sind bekannt für einfühlsame Töne und butterweiche Klänge - sie selbst nennen es "Cowboy Grunge". Vom letzten Album "All Yours" sind aber nicht nur diese in Erinnerung, sondern auch das hübsche Covermotiv, das hier vor Ort zu einer betriebsamen Suchaktion führte. Ähnliches wird es beim neuen Entwurf wohl nicht geben, denn die Abbildung auf der neuen Platte "Expect The Best", die für den 25. August bei Captured Tracks erscheinen soll, sieht nicht ganz so spektakulär aus. Dafür ist der Sound vorzüglich, mit "Dog" gibt es die erste Single samt Video zur Einstimmung.
Montag, 26. Juni 2017
Men I Trust: Kunststück [Update]
Kanada geizt ja momentan nicht mit guten Nachrichten - Kunststück, haben die Nordlichter doch schließlich in Justin Trudeau einen Präsidenten, dessen man sich nicht täglich zu schämen braucht. Ob da jetzt allerdings ein direkter Zusammenhang zur wunderbar leichtfüßigen Popmusik des Trios Men I Trust besteht, müßte an anderer Stelle herausgefunden werden, jedenfalls haben die drei gerade einen neuen Song "You Deserve This" in die Runde geschickt, der den Schluß zumindest nahelegt. Das Cover der Single ist im Übrigen an die kürzlich erschienene LP der Band angelegt, welche als limitierte Version unbemalt mit einer Packung Bundstiften ausgeliefert wurde - eine Art Illustrationsvorschlag also.
Update: Durch's Bluemfeld in die Weiten des weltweiten Netzes - auch das Video zum Song wirkt ähnlich versonnen und verträumt wie die Musik selbst.
Update: Durch's Bluemfeld in die Weiten des weltweiten Netzes - auch das Video zum Song wirkt ähnlich versonnen und verträumt wie die Musik selbst.
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