Freitag, 10. August 2018

Tomberlin: Simple Things

Tomberlin
„At Weddings“
(Saddle Creek)

Es ist gar nicht so einfach, mit der Ernsthaftigkeit dieses Mädchens klarzukommen. Weil darin so viel Traurigkeit, Schmerz und Enttäuschung mitschwingen, dass es wirklich schwer auszuhalten ist. Sarah Beth Tomberlin ist gerade mal 23, sie ist in der Provinz von Kentucky als Tochter eines Baptistenpfarrers und mithin sehr christlichen Eltern aufgewachsen und man kann nicht behaupten, daß sie damit sonderlich glücklich war. Von einer fürsorglichen Cousine hat sie, die sonst nur religiöse Lieder zu hören bekam, die ersten Einblicke in Sachen Indiepop erhalten, Arcade Fire, Bright Eyes, Dashboard Confessional – es war eine Befreiung. Und ein Ansporn, selbst dergleichen zu schreiben und diesen Weg auch gegen den Argwohn und die Skepsis ihrer Eltern weiter zu gehen. Dass ihr Lebenslauf eine Musik hervorgebracht hat, der eine entwaffnende Klarheit innewohnt, hat wohl auch Owen Pallett schnell begriffen und ihr Debütalbum produziert, nicht zu ihrem Schaden. Denn der anrührende Folkpop von Tomberlin ist von einer beeindruckenden Zartheit, wie man sie von einem Nick Drake kennt und der Sound ähnlich stripped to the bones, so als würde alles Überflüssige die nachdrücklichen Wirkung dieser zehn Songs unweigerlich zerstören.



Und doch – diese Zeilen: “And there is a war in my mind, because I wanted to be near you. But I love you, yes I love you or I’m trying to”, singt sie in “Untiteled 1”, einem von mehreren Liebesliedern, die zugleich leidenschaftlich und zerrissen klingen. Später dann in “You Are Here” fährt sie fort mit ihren unbedingten, rückhaltlos ehrlichen Bekenntnissen, wenn sie Zuneigung und Zweifel zugleich gesteht, weil es sie zum Geständnis drängt und sie doch keine falschen Hoffnungen wecken will. So einfach die Stücke mit Gitarre, Piano und ein paar Streichern geraten sind, so nahe gehen sie einem. Wie sie in “A Video Game” Schutz und Stärke bieten möchte, wenn der Freund oder die Freundin in einer Zweitwelt verloren zu gehen drohen. Wie sie mit ihrer christlichen Erziehung, dem Frauenbild, der ihr zugewiesenen Rolle hadert – nicht wütend, sondern bemerkenswert deutlich und überlegt: “And to be a woman is to be in pain and my body reminds me almost every day, that I was made for another, but I don’t want to know that, cause it happened once and I always look back.”



Wie Tomberlin die Liebe als zwiespältiges Erlebnis besingt, das zeugt von erstaunlicher Reife, die man in diesem Alter wohl eher selten zu hören bekommt Sie reflektiert wohl schon sehr lange die elterliche, konfessionelle Erziehung und themaitisiert sie in ihren Liedern behutsam, aber doch ungeschönt. Besonders eindrücklich wohl in “Self-Help” gegen Ende: Auch hier keine Drums, aber doch merklich rauere Noisegitarren und Sirenenklänge, dazu verstörende Suizidfantasien (“The heart is a heavy coffin, where I lay down everyone I love …”), es gibt wohl trotz aller Aufgeräumtheit auch bei ihr noch Phasen, in denen sie schwer an ihren Gedanken trägt und sich selbst nicht mag (“The cat doesn't even like me these days and I can't blame her she is right in her ways”). Was Wunder. Wichtig sei ihr, sagte sie dem Fader, dass Menschen, die ähnliche Probleme wie sie haben, ihr zuhören. Und akzeptieren lernen, dass man nicht alles klären kann im Leben, zumindest nicht immer sofort. Dass miteinander reden hilft, oder – so platt es in “February” am Ende klingen mag – einfach nur mal des anderen Hand zu halten. Simple things eben. Große Platte. http://www.tomberlinmusic.com/

Italia 90: Giftige Töne

Als wir im Mai 17 das erste mal von der Londoner Kapelle Italia 90 berichteten, haben wir uns noch ziemlich lange mit dem Namen des Quartetts aufgehalten, einfach weil das witzig war und viel hergab. Der Hinweis auf ihre Debüt-EP fiel damals etwas knapp aus, wir werden das jetzt nachholen. Und wollen doch eher auf Zukünftiges verweisen, denn heute abend ist Realeaseparty. Leider nicht in Deutschland, sondern im Londoner Klub Windmill Brixton - gefeiert wird die Veröffentlichung der neuen Single "Tourist Estate", ein krachendes Noisemonster voller giftiger Töne und Worte. Die Band hat ja kürzlich in Berlin ihren Einstand gegeben, es bleibt zu wünschen, daß sie recht bald den Rest des Landes nachholen. Wir werden dabei sein, garantiert.



She Drew The Gun: Keine hohlen Phrasen

Widerstand regt sich an allen Ecken und Enden, so auch in Liverpool. Von dort stammt bekanntermaßen Louisa Roach, dort hat sie ihre Band She Drew The Gun gegründet. Vor zwei Jahren gab es von der Formation das mehr als respektable Debütalbum "Memories Of The Future" zu hören, danach eine ganze Reihe von neuen Songs und Remixen. Am 5. Oktober nun soll bei Skeleton Key Records die Folgeplatte erscheinen, "Revolution Of Mind" wurde von James Kelly (The Coral) produziert, die erste Single nennt sich "Resister" und lenkt den Blick unweigerlich auf die politischen Inhalte in Roach's Arbeit. Nicht schwer für eine/n Briten/in in diesen Zeiten möchte man meine, der studierten Psychologin Roach geht es dabei um die Gender-Debatte, das Hinterfragen gesellschaftlicher Regeln, um die "Bewaffnung mit Wissen", kurz um "die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft, mögliche Welten, Solidarität, Liebe, die friedliche, kunstvolle Revolution". Sieht man ihren entschlossenen Blick, dann weiß man, daß das alles bei ihr keine hohlen Phrasen sind, sie meint es ernst.

Marteria vs. Casper: Ultimate Tischtennis

Gut, das ist dann wieder so ein Heiteres-Promiraten-Ding, das spielt der Song "Supernova" erst mal nicht so ganz die wichtigste Rolle: Marteria und Casper (gern auch #Casperia) haben den zweiten Song ihres Albums "1982" mit einem hübschen Filmchen verlinkt, bei dem sich die Stars und Sternchen die Klinke (oder besser den Tischtennisschläger) in die Hand geben. Denn was wie Ultimate Fighting aussieht, ist eigentlich nur ein harmloses Match mit zwei Kellen und einem Plastikbällchen. Eigentlich, denn enden tut es doch mit Blut, Tränen und ein paar herausgeschlagenen Zähnen. Nette Idee, das. Ach ja, wer außer Ansgar Brinkmann, K.I.Z., Dendemann, Thorsten Legat, Lena Meyer-Landrut und Felix Brummer noch andere Nebendarsteller zählt, bekommt von den beiden Herren sicher ein Like extra.

Donnerstag, 9. August 2018

Element Of Crime: Fabelhaft

Fast übersehen, unverzeihlich: Element Of Crime werden am 5. Oktober ein neues Album veröffentlichen, "Schafe, Monster und Mäuse" wird es heißen und es ist anzunehmen, dass es sich eher nicht um einen vergnügten Gang durch die Geschichte der Zoologie handelt, sondern eher um fabelhafte Tierwesen, die wir selber jeden Tag im übertragenen Sinne mit uns herumtragen. Den inneren Schweinehund beispielsweise, Albtraum-Monster, lammfromme Wölfe in Schafspelzen, solche Sachen. Nachdem Sven Regener ja mittlerweile mit Vorliebe zweigleisig arbeitet - hier einen Song, dort ein Buch - freut man sich wirklich mal wieder auf eine komplette Liedsammlung, mit "Lieblingstiere und Lieblingsfarben" liegt das letzte Album ja auch schon wieder knapp vier Jahre zurück. Eine erste Single ist mit "Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang" auch schon seit letzter Woche käuflich zu erwerben, obendrauf gibt es in diesem Jahr auch noch ein paar Livetermine.

30.08.  Dresden, Junge Garde
31.08.  Halle, Preisnitzinsel
01.09.  Osterholz/Scharmbeck, Freigelände an der Stadthalle
02.09.  Braunschweig, Kultur im Zelt
07.09.  Rostock, IGA-Park
08.09.  Magdeburg, Festung Mark

Mittwoch, 8. August 2018

Love A: Tour vor Einschluss

Unserentwegen auch gern in dieser Reihenfolge: Die Post-Punk-Kapelle Love A aus Trier (und Köln und Hamburg) wird sich in den Monaten November und Dezember dieses Jahres noch einmal auf Reisen begeben, bevor ein längerer Studioaufenthalt für die Aufnahmen zum neuen Album geplant ist. Ihr letztes, "Nichts ist neu", ist im Mai 2017 erschienen, von diesem stammt auch der beigefügte Song "Die Anderen". Neues Material dann hoffentlich bald nach dem Einschluss.

03.11.  Mannheim, Forum ('Wir sind die Toten' Fest)
23.11.  Oberhausen, Pressure Air Festival
24.11.  Dresden, Groove Station
06.12.  München, Feierwerk
07.12.  Zürich, Dynamo
08.12.  Stuttgart, JuhaWest
21.12.  Trier, Ex-Haus
22.12.  Trier, Ex-Haus



Matthew Dear: Plüschgewitter

Manches potentielle Lieblingsalbum erkennt man schon von weitem. Soll heißen - nach den ersten Tönen. Davon gibt es hier genügend, es fehlte eben nur noch die Klammer drum. Mit der heutigen Meldung ist diese nun auch da: Matthew Dear, einer der smartesten und bestaussehendsten Musiker dieses Planeten, hat nach langer Pause wieder eine neue Platte am Start - "Bunny" heißt das pinke Ding (VÖ 12. Oktober via Ghostly International) und wenn wie gesagt nicht alles täuscht, wird es ein sehr schönes. Schon die erste Auskopplung "Bad Ones", ein Duett mit Tegan And Sara, war ein ganz feiner Pop-Track, das anschließende "Modafinil Blues" dann dunkler, abgründiger und nun kommen als Doppelschlag noch die Stücke "Echo" und "Bunny's Dream" hinzu. Und wer sich fragt, warum der Nachfolger von "Beams" aus dem Jahr 2012 diesen eigenartigen Titel trägt, bekommt hier gleich noch die Antwort des Künstlers selbst serviert: "Warum Bunny? Grundsätzlich mag ich einfach wie das Wort aussieht und klingt. Ich mag, wie es sich im Kopf anhört und wenn man es ausspricht. Und lustig ist es auch. Bunnies sind süß, sie sind schräg, sanft, sexy, glücklich. Sie pflanzen sich ziemlich wild fort. Sie sind gewiefte Jäger, werden aber auch ausgetrickst. Sie schmücken Kinderbetten, heute wie früher. Sie sind bei uns von der Geburt an und bestimmt auch bis zum Ende." Gut, wäre das auch geklärt.





The Breeders: Puppentheater

So kennen wir sie, die beiden Deal-Schwestern, immer für einen Gag zu haben. Zumindest war das letztens auf der Bühne so und auch im Video zur aktuellen Single "Nervous Mary" lassen sich Kim und Kelley nicht zweimal bitten. The Breeders haben für den Kurzfilm mit der finnischen Künstlerin Milla Risku zusammengearbeitet, die nicht nur die Band, sondern vor allem Puppen mag. Und das geht ganz offensichtlich bestens zusammen.

10.11.  Weissenhäuser Strand, Rolling Stone Weekender
15.11.  Wien, Flex
17.11.  Europa Park Rust, Rolling Stone Park
19.11.  Zürich, Dynamo

Soap And Skin: Geburtsanzeige

Dass aus Österreich nicht nur schlechte Nachrichten kommen (und das meint jetzt natürlich vorderhand die politischen) ist gut, diese hier ist eine besonders gute: Anja Franziska Plaschg, besser bekannt unter ihrem Moniker Soap And Skin, hat nach einer Pause von sechs Jahren wieder ein Studioalbum angekündigt. Am 26. Oktober soll "From Gas To Solid/You Are My Friend" bei PIAS erscheinen, die erste Single nennt sich "Heal" und wurde gerade mit einem eindrucksvollen Videoclip, entstanden in Kooperation mit Ioan Gavriel, geteilt. Der Kommentar zum Covershot des Albums lautet: "This is the world I'm getting born into, this is the world I have born."

Dienstag, 7. August 2018

Moderate Rebels: Besserwissen

Eine Liedzeile macht also noch keinen Albumtitel, das wissen wir jetzt auch. Kürzlich galt es ja, einen von der Londoner Band Moderate Rebels via Twitter geteilten Schüttelreim zu lösen, die Vermutung, dass es sich bei der richtigen Reihenfolge der Worte auch gleich um den Namen der zweiten Platte handelte, stellten sich allerdings als etwas voreilig heraus. Dann lieber schnell mal bei Louder Than War vorbeigeschaut, um dort folgendes zu erfahren: Das Album wird "Shared Values" heißen und am 30. November via Everyday Life Recordings erscheinen. Und nach der ersten Vorabsingle "Beyond Hidden Words" gab es dort auch gleich noch eine zweite - hier kommt "I Love Today". Wie wahr.

Human People: Zum Sterben schön

Sie sind viel herumgekommen in der Welt, geht es nach den lustigen Spaßbildchen ihrer Facebook-Seite. Andererseits ist Kalifornien, nimmt man sich ihre neue Single "California", genau der Ort, an welchen sie wollen: "I'm gonna go to Cali-fuckin'-fornia, it's where I will die!" Nun gut, was man halt so sagt, wenn man jung ist, in einer Punkband spielt und alles um einen herum nervtötend ist. Hayley Livingston (Gitarre/Gesang), Marisa Gershenhorn (Gitarre/Gesang), Victoria Guillem (Drums) und Abigail Austin (Bass) haben sich vor drei Jahren unter dem hübschen Namen Human People in New York zusammengefunden und seitdem ein paar Songs bzw. EP veröffentlicht, nun steht für den 21. September mit "Butterflies Drink Turtle Tears" (!) das Debütalbum bei Exploding In Sound an und nach dem Einstand "Radiator Water" kommt gerade die nächste Single hinterher - eben "Cali-fuckin'-fornia".



Montag, 6. August 2018

Free Cake For Every Creature: Humor und Sinnlichkeit

Free Cake For Every Creature
„The Bluest Star“
(Double Double Whammy)

Humor hat sie schon mal, das ist ein gutes Zeichen. Es gibt nämlich tatsächlich nichts traurigeres als junge Menschen, denen der Humor abhanden gekommen ist. Bei denen man den Eindruck hat, die Unnachgiebigkeit ihres Daseins habe ihnen schon früh die Lust am Leben genommen. Kein Vorwurf, nirgends, man kann das irgendwie verstehen. Dennoch weiß man, dass es bestimmt nicht einfacher wird, mit dem tagtäglichen Lauf der Dinge klarzukommen, wenn einem das eigene Naturell, das eigene Gemüt schon zu der Zeit im Weg stehen, die doch eigentlich noch für Abenteuer und Unternehmungslust vorgesehen sind. Nun, Katie Bennett jedenfalls scheint damit weniger Probleme zu haben. Davon zeugen zumindest die Titel ihrer Platten, die sie allein oder mit Freunden seit 2013 veröffentlicht hat: „Shitty Beginnings“ heißt die erste, „Young Professional“ eine weitere und später dann noch „Pretty Good“. Some sense of humor, möchte man vermuten. Weil Bennett am liebsten Songs schreibt, die wie in Tagebuchform das Große im Kleinen des Lebens eines Twentysomethings beschreiben, ist das auch dringend nötig. Denn natürlich kann das in der Provinz oder wie hier in einer Stadt wie Philiadephia manchmal auch ziemlich nervtötend, ungerecht oder schmerzhaft sein.

Der Sound der vierzehn Stücke, die „The Bluest Star“ für uns bereithält, läßt solche schweren Momente allerdings nur erahnen, so entspannt und eingängig ist er geraten. Sparsam instrumentierte Folksongs, die den Augenblick umarmen, sich wohlig anschmiegen an Bennetts weichen, hellen Gesang – wem aktuell schon Formationen wie Tanukichan, Fazerdaze oder Dentist zusagen, der wird auch hier nicht lange fremdeln. Meistens hat der zur Band angewachsene Freundeskreis die Stücke akustisch und ohne allzuviel Brimborium eingespielt, hier und da runden ein Banjo oder ein paar Pedal-Steel-Akkorde das Bild auf angenehme Weise ab. Wirklich nur ganz selten taucht mal ein Drumcomputer auf und selbst dieser fügt sich wie beim wundervollen „Shake It Out“ ins zarte Klangbild ein. Bennett singt davon, den Widrigkeiten zu trotzen und selten klang die Anleitung dazu in letzter Zeit so sinnlich und berührend: „We can try to shake this out of us, ‘till we’re soaked new and shining, every night and morning, double-dip in love deserving. It takes mercy and a hard seat, but together I hope we can shake it out, shake it out.” Unspektakulär muß also nicht langweilig sein, dieses Album ist dafür der beste Beweis. http://www.freecakeforeverycreature.com/



Sonntag, 5. August 2018

Cypress Hill: Psychedelic Dope Shit

Diese Herren hier sind schon etwas länger im Geschäft, genauer gesagt seit 1988: DJ Muggs, B-Real, Sen Dog und Eric Bobo haben sich nicht nur um den Hip Hop, sondern auch um die Legalisierung langblättriger Stimulanzien sehr verdient gemacht, Cypress Hill waren ohne Qualm und Kraut nie zu bekommen und kultivieren diese Attitüde bis heute. Ihr letztes Studioalbum "Rise Up" ist vor acht Jahren erschienen, Zeit also, sich mal wieder zurückzumelden. Sie tun dies mit ihrer neuen Single "Band Of Gypsies", die gemeinsam mit zwanzig anderen Tracks auf der Platte "Elephants On Acid" am 28. September bei BMG erscheinen wird. Was wir hier hören und sehen, sind fetteste, psychedelische Beats, abgemischt zusammen mit ägyptischen Gastrappern Sadat und Alaa Fifty Cent und dem landestypischen Mahragan-Sound. Das Video hat DJ Muggs in Ägypten selbst gedreht, für Teile der Platte stand auch Produzent Gonjasufi an den Reglern. Es dürfte also ein ordentliches Brett werden.

08.12.  Stuttgart, Porsche Arena
10.12.  München, Zenith
11.12.  Leipzig, Arena
12.12.  Köln, Palladium
14.12.  Dortmund, Warsteiner Halle
15.12.  Berlin, Verti Music Hall
16.12.  Hamburg, Sporthalle
18.12.  Berlin, Planet TT Bank Austria Gasometer

Freitag, 3. August 2018

Familienalbum # 30: The Rad Trads

Okay das ist jetzt nicht ganz fair, diese Bilder bei diesen Temperaturen - und wochenlang kein Tropfen Regen. Aber wir haben schließlich nicht damit angefangen. Das nämlich war die New Yorker Band The Rad Trads, die gerade ihr neues Album "On Tap" angekündigt hat. Und zwar mit einer ersten Vorabsingle namens "Good Luck Unto Ya", ziemlich deeper Soulrock, nebenbei bemerkt. Und wenn man da einen Blick auf's Cover tut, dann fallen einem auf Anhieb jede Menge schöner, lustiger, lässiger und abgefahrener Poolaufnahmen ein. Auf die Schnelle kann es hier natürlich nicht um Vollständigkeit gehen, die Auflistung wie gewohnt von links nach rechts und oben nach unten. Cool down!

The Rad Trads "On Tap", Red Hot Chili Peppers "Californication", Jakob Ogawa "All Your Love", Peter Hammill "In A Foreign Town", The Fin. "Heat", Nina Nesbit "The Best You Had", Sparks "Hippopotamus", The National "The National", Oasis "Be Here Now", Shopping "Official Body", Hoodie Allen "Leap Year", Geowulf "Great Big Blue", Mystery Jets "Twenty One", Nirvana "Nevermind", Black Box Recorder "Passionoia", DJ Khaled "Grateful", Monkeys "Pool it!", Private Island "Drugs", OK Kid "Wut lass nach", Granada "Granada", Rolling Blackouts C.F. "Hope Down"

Donnerstag, 2. August 2018

Amen Dunes: Mann mit Geschichten

Amen Dunes
„Freedom“

(Sacred Bones)

Gerade im urlaubsfaulen Sommer treffen häufig zwei Weisheiten aufeinander: “Besser spät als nie” und “Gut Ding will Weile haben”. Denn wann sonst kommt man mal dazu, ein paar schon länger zurückgelegte Sachen durchzustöbern, um ihnen endlich den Platz einzuräumen, den sie verdient haben. Sachen, die im markschreierischen Neuheitengetöse regelmäßig untergehen – unverdientermaßen. Damon McMahon alias Amen Dunes ist einer davon. Das tatsächlich ziemlich wunderbare Album “Freedom” ist ja sein mittlerweile fünftes und, das läßt sich schnell heraushören, sein mit Abstand eingängigstes. Und vielleicht, fügen wir vorsichtig hinzu, deshalb auch sein bestes. Erschienen ist es schon Ende März, seitdem hat sich der Junge recht hartnäckig mit einer Reihe anhaltend feiner Singleauskopplungen immer wieder in Erinnerung gebracht und es wäre grob fahrlässig, diese Platte nicht in den Kanon der herausragendsten Veröffentlichungen des laufenden Jahres aufzunehmen. Gerade weil wir an gleicher Stelle ja auch immer den weiblichen Output gelobt und die männlichen Kollegen ob ihrer fehlenden Kreativität gescholten haben.



McMahon hat ja seit Beginn seiner Karriere als Songwriter immer wieder neue Stilmittel in seine Arbeiten einfließen lassen. Konnte man auf dem Debüt “Murder Dull Mind” (2010) neben zarten Gespinsten noch verschrobene Noiseattacken hören, wurde es in Folge dunkler und psychedelischer, später mischte sich zunehmend Elektronik ins Programm. Beim letzten Werk “Love” zeichnete sich schon das ab, was aktuell unter der treffenden, leicht morbiden Bezeichnung damaged drug pop firmiert. Und wofür man natürlich jemanden wie Jeff Buckley problemlos als Paten einspannen kann. Weil aber neben dem Folkrock noch weitere Genres zur Auswahl stehen, fallen einem gleich noch ein, zwei mehr Bezugsgrößen ein. Für die bezaubernden, trippigen Popmelodien gerade eingangs der Platte (“Blue Rose”, “Time”, “Skipping School”) etwa könnten auch Everything But The Girl angeführt werden, auch sie besaßen eine erstaunliche Begabung, den Zuhörer mit sanfter Melancholie zu betören.



Oder The War On Drugs. Niemand schafft es wohl derzeit eindrucksvoller als Adam Granduciel, den Geist von Tom Petty und des frühen Bruce Springsteen in die Gegenwart zu übersetzen – Amen Dunes scheint in einigen Momenten sein Bruder im Geiste zu sein. Die leicht brüchige Stimme, die golden schimmernden Akkorde, die gerade im zweiten Teil der Platte viel Auslauf bekommen, all das also, was in Zusammenarbeit mit Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs), Parker Kindred (Antony And The Johnsons), Delicate Steve und Produzent Chris Coady entstanden ist, nötigt einem höchsten Respekt ab und sorgt für reichlich Glücksgefühle. Es finden sich noch viele spannende Geschichten zu diesem Album – McMahons Verehrung für die kanadische Künstlerin Agnes Martin (die er im Intro zitiert), seiner Reflektionen zur Kindheit, dem schwierigen Verhältnis zum Vater und die Angst um die kranke Mutter. Am nächsten kommt man ihm wohl, wenn man “Freedom” ein paar Durchläufe extra gönnt, der junge Mann hätte es wirklich verdient. Mindblowing, for sure! https://www.amendunes.com/



Deafheaven: Unausweichlich, unbeugsam [Update]

Deafheaven
„Ordinary Corrupt Human Love“

(ANTI-)

Das ist ja gerade das Schöne an dieser Band. Auch wenn die neue, vierte Platte von Deafheaven vielleicht nicht ganz so fulminant, so wuchtig daherkommt wie der Vorgänger „New Bermuda“ aus dem Jahr 2015 – es finden sich immer noch jede Menge interessante Verweise und ungewöhnliche Momente, die Band in ihrer Einzigartigkeit zu bestätigen. Angefangen beim Titel des Albums, der dem Roman „Das Ende einer Affäre“ von Graham Greene entlehnt ist und auch als ungekürzter Tagebucheintrag der Protagonistin nichts an Schönheit verliert: „I’m not at peace any more. I just want him like I used to in the old days… I’m tired and I don’t want any more pain… I want ordinary corrupt human love. Dear God, you know, I want to want Your pain, but I don’t want it now.“ Viel menschlicher und viel trauriger kann man die Sehnsucht nach Liebe wohl kaum in Worte fassen. Einfachheit ist ein großes Thema bei Deafheaven, auch das Coverfoto von Nick Steinhardt, das eine unbekannte alte Dame in einer Straßenschlucht von Los Angeles zeigt, transportiert ein Stück weit das Unabänderliche, Unausweichliche unsrer Existenz und den Willen, damit klarzukommen.



Sicher war es keinesfalls, daß die Freunde George Clarke und Kerry McKoy gemeinsam mit ihren Kollegen dieses neue Werk würden stemmen können – wie man liest, waren sie wohl nach der Veröffentlichung des Vorgängers und ausgiebigen Konzertreisen derart ausgebrannt und am Ende, daß auch eine Auflösung der Band drohte, Drogen taten ein Übriges. Dennoch haben sie den Weg zum Dauerproduzenten Jack Shirley gefunden, haben sie sich zusammengerauft und sieben neue Stücke aufgenommen, die konsequenter die Linie des Black-Gaze-Quintetts nicht hätten fortführen können. „Ordinary Corrupt Human Love“ ist so etwas wie eine weitere Eskalation ihres bisherigen Schaffens geworden, die Gegensätze zwischen geradezu lieblichen Dreampop-Melodien und martialischem Metal-Krach treten hier so deutlich wie selten zutage, zwischen Clarke’s erbarmungswürdigem Geschrei und bretthartem Noiselärm finden sich Jazzanleihen, träumerische Pianopassagen und bei „Night People“ sogar der vergleichsweise konventionelle Gesang einer Chelsea Wolfe.



Derlei Einschübe kommen mit zunehmender Häufigkeit, beim zwölfminütigen Monument „Canary Yellow“ ist es ein Männerchor im Hintergrund, „Near“ kommt gleich ganz ohne den fiesen Krach aus und über die komplette Spiellänge drängen sich permanent (und nicht zu jedermanns Freude) handelsübliche Hardrockriffs ins Bild. Ein weiteres „New Bermuda“ mit all der Düsternis und Zerstörungswut sei, so die Band, nicht noch einmal zu machen gewesen, in Anbetracht der geschilderten Begleiterscheinungen ist das nur allzu verständlich. Und mit Überlängen wie „Honeycomb“, dem besagten Kanarienvogel, „Glint“ und „Worthless Animal“ ist auch genügend ohrenbetäubender Lärm geboten. Ohnehin liebt man Deafheaven als die Summe der einzelnen Teile, also sowohl für das Harte wie auch das betont Weiche, für ihr unbarmherziges Getöse ebenso wie für ihr Gespür, mitten in den wildesten Orkan eine zarte Melodie zu setzen, die den Schrecken nehmen oder als Kontrast gleich darauf wieder verstärken kann. Deafheaven bleiben deshalb, was sie immer waren: einzigartig. https://deafheaven.com/

15.09.  Dresden, Beatpol
26.09.  Köln, Essigfabrik
27.09.  Berlin, Bi Nuu
28.09.  Karlsruhe, Jubez
09.10.  München, Hansa 39
10.10.  Winterthur, Salzhaus
14.10.  Wien, Arena

Update: Zugegeben, mit dem Track "Night People" werden wir nicht so recht warm, vielleicht fehlen einfach ein paar Riffs mit Schmackes - dennoch, tolle Gästin, tolles Album.

Death Cab For Cutie: Getreu dem Motto [Update]

Immer weiter, schon klar. Es gibt wohl kaum eine größere Entfernung als die zwischen dem einst so verbissenen Torwart Oliver Kahn und den leichtfüßigen Indierockern Death Cab For Cutie. Aber das Motto des gebürtigen Badeners ist einfach omnipräsent, er scheint im Alter zudem etwas milder geworden zu sein und dann das: Es war schon fast ein kleines Wunder, dass die Band vor vier Jahren den Weggang von Chris Walla derart unaufgeregt und ohne hörbare Qualitätseinbußen weggesteckt hat, sie haben einfach weitergemacht und mit "Kintsugi" ein zweifellos hervorragendes Album ohne ihren genialen Gitarristen veröffentlicht. Wäre ja auch zu schade gewesen. Jetzt kündigen die nunmehr drei verbliebenen Amerikaner (ergänzt um die beiden Tourmitglieder Dave Depper und Zac Rae) mit "Thank You For Today" eine weitere Platte an und "Gold Rush", die erste Vorauskopplung, schafft es dann vielleicht auch mal auf die Playlist des ehemaligen Ballfängers.

Update: Mit "I Dreamt We Spoke Again" gibt es heute einen weiteren Song vom neuen Album, das im Übrigen für den 17. August terminiert ist ... und hier noch aktuell "Autumn Love" mit Lyric Video hinterher.






Mittwoch, 1. August 2018

Neneh Cherry: Entgegengesetzt

Die Regel ist eigentlich, dass es anders herum geht. Am Anfang stehen meistens Ambitionen, Vorhaben, Träume, am Ende nicht selten Kompromisse und schleichende Harmlosigkeit. Vom Weltverbesserer mit Anspruch zum Weltstar mit gehobenen Ansprüchen, viele sind diesen Weg schon gegangen und auch wenn er selten so gerade verläuft, ist er doch oft ein trauriger. Neneh Cherry ist in der Gegenrichtung unterwegs - ihr Erstling "Raw Like Sushi" war noch knackiges (und gleichwohl ziemlich gutes) Hitfutter, ihre letzten Arbeiten "The Blank Project" und "The Cherry Thing" waren da von deutlich schwererem Kaliber, nichts für's Formatradio, keine leichte Kost für zwischendurch. Und das ändert sich auch mit der gerade erschienenen neuen Single "Kong" nicht. Der Track wurde gemeinsam mit 3D von Massive Attack und Four Tet produziert, die Stimme ist angenehm rough und der Text voller Anspielungen zu den verrückten Zeiten, die es einem in den USA und anderswo momentan so schwer machen, einigermaßen optimistisch zu bleiben. Auch der Clip zum Song kann sich im wahrsten Sinne sehen lassen, gedreht hat Jenn Nkiru, zur Zeit im Gespräch wegen ihrer Zusammenarbeit mit Jay-Z und Beyoncé beim Clip zu "Apeshit".

Dentist: Der besondere Klang

Dentist
"Night Swimming"

(Cleopatra Records)

Wenn man den Joke mit dem Zahnarzt schon gemacht hat, bleibt einem nicht viel mehr als die Musik. Denn Informationen zur Band selbst sind bei Dentist nur schwer zu bekommen. Man weiß von der Vorliebe zu eigentümlichen Bandnamen - Justin und Emily Bornemann haben mal gemeinsam bei der Formation No Wine For Kittens gespielt - später kam dann noch Matt Hockenjos dazu und blieb. Das aktuelle Album ist das dritte seit der Gründung im Jahr 2013 und wenn wir uns in Folge auf die Musik beschränken, dann ist das beileibe kein Nachteil. Denn mit dem mal angepunkten, mal ziemlich powerpoppigen Surfsound der Platte wird man ziemlich schnell warm. Dabei spielt die klare und helle Stimme der Sängerin eine entscheidende Rolle, sie gibt den locker dahinwippenden Dreiminütern eine angenehme Grundierung. Und auch das Gitarrenspiel, das in den dunkleren Momenten gern auf einem Interpol-Album Platz gefunden hätte, changiert schön zwischen knorriger Roughness ("Figure-Four"/"Tight Spot") und der fast verträumten Entspanntheit von "All Is Well (In Hell)". Gern wird in diesem Zusammenhang auf Referenzen wie The Primitives, The Cars oder, wenn neueren Datums, Japanese Breakfast und Fazerdaze verwiesen - die Musik aus New Jersey hat, das weiß nicht nur Bruce Springsteen, eben einen ganz besonderen Klang. "Dieses Album war ein Versuch, all die verschiedenen Aspekte von uns selbst einzufangen und etwas zu schaffen, das wir alle hören wollten", so Justin Bornemann, und Emily ergänzt: "Musikalisch sind wir von Rohheit und Einfachheit angezogen, aber melodisch neigen wir eher zu einer gewissen Pop-Ästhetik. Die Texte konzentrieren sich meist auf soziale Ängste, Liebeskummer und Verlust, zeigen aber manchmal Liebe und Optimismus." Alles drin also, was gute Musik ausmacht, recht viel mehr muss man von einer gelungenen Platte nicht erwarten.



Paul Weller: Tagesgeschäft [Update]

Ganze sechs Jahre hat er noch, bevor nach der altbekannten Regel des Mannes mit dem weißen Bademantel das Leben erst richtig anfängt: Paul Weller ist im Mai sechzig geworden, keinesfalls zu alt, um nicht in gewohntem Turnus neue Platten zu veröffentlichen. Seine nächste wird also "True Meanings" heißen und am 14. September in Umlauf gehen, ganze vierzehn Stücke sollen sich darauf versammeln, eingespielt zusammen mit Rod Argent von den Zombies, Martin Carthy, Danny Thompson, Connor O’Brien von den Villagers ist ebenso dabei wie Erland Cooper von Erland And The Carnival. Die erste Single "Aspects" darf hier schon mal vorgehört werden.

Update: Heute kommt eine recht getragene Nummer mit Namen "Movin' On" nach, auch das kann er also - und zwar frei von Peinlichkeiten.