Mittwoch, 18. April 2018

Slow Mass: Keinen Abbruch

Naja, der schöne Wortwitz ist jetzt perdu: Als wir Slow Mass, Hardcore-Kapelle aus Chicago vor zwei Jahren mit ihrer Debüt-EP "Treasure Pains" hier vorstellten, spielten da noch Josh Parks und Josh Sparks zusammen.. Letzterer hat die Band laut Stereogum in Richtung Minus The Bear verlassen, als Ersatz konnte Dave Maruzzella für die Drums gefunden werden. Der Motivation hat das keinen hörbaren Abbruch getan, für den 11. Mai ist nun das erste Album "On Watch" via Landland geplant und mit "Schemes", "Blocks" und dem aktuellen "Oldest Youngest" gibt es gleich zwei Vorboten davon auf die Ohren. Und an Spaß und Bissigkeit haben sie, wie man bei Cover und Bandfoto erkennen kann, auch nichts verloren.

Iceage: Dringliche Zusammenfassung [Update]

Zu den dänischen Iceage gab es in den letzten Tagen eine Reihe von Updates, die dringend in einem neuen Beitrag zusammengefasst gehören: Schließlich reden wir jetzt von einem neuen Album namens "Beyondless", zum dem mittlerweile auch ein VÖ-Termin (4. Mai via Matador Records) und die schön gestaltete Verpackung (s.o.) vorliegen, dazu nach der Vorabsingle "Catch It" auch die beiden Folgestücke "Pain Killer", eingesungen mit Popsternchen Sky Ferreira und (ganz aktuell) "Take It All" - dazu noch ein paar zusätzliche Livedaten zu dem bislang für Mai gemeldeten Berlin-Gig. Schöne, runde Sache, das.

04.05.  Berlin, Privatclub
31.08.  Hamburg, Off Radar Festival
12.09.  Köln, Blue Shell
13.09.  Heidelberg, Karlstorbahnhof
15.09.  Berlin, Bi Nuu
03.11.  Zürich, Rote Fabrik

Update: Die dritte Vorabsingle aus dem neuen Album ist da, und feiert "The Day The Music Dies".





Let's Eat Grandma: Ganz Ohr [Update]

Auf den Moment haben wir ehrlich gesagt schon länger gewartet: Eine Band mit diesem Namen, die noch dazu lupenreinen, gut durchdachten Pop spielt, hat man schließlich nicht alle Tage. Let's Eat Grandma aus dem britischen Norwich überraschten mit ihrem Debüt "I, Gemini" im Sommer 2016 nicht eben wenige Leute, noch mehr hoffen nun, daß auch der Nachfolger von ähnlicher Qualität ist. Geht es nach den beiden bislang bekannten Vorabsingles, dann sollte daran kein Zweifel bestehen. Rosa Walton und Jenny Hollingworth werden also am 29. Juni "I'm All Ears" bei Transgressive Records veröffentlichen, nach "Hot Pink" kam gerade die neue Nummer "Falling Into Me" um die Ecke. Live werden die beiden ebenfalls bald zu hören sein - und wir? Sind ganz Ohr.

Update: Und hier nun noch die dritte Single "It's Not Just Me" - im schicken Facettenstyle!

20.04.  Köln, Schauspiel
21.04.  Berlin, Urban Spree
22.04.  Hamburg, Uebel und Gefährlich





The Brian Jonestown Massacre: Later this year

Aber das war noch lange nicht alles. Denn auch The Brian Jonestown Massacre werden bald wieder mit neuem Material auf Tour gehen. Für den 1. Juni haben Cargo- und a Records eine Platte namens "Something Else" angekündigt, von dieser wiederum wird am 18. Mai die Single "Hold That Thought" (mit der B-Seite "Drained") ausgekoppelt. Aufgenommen in Berlin, wird es auf dem Album ganze neun neue Songs geben, Ende April startet die Reise durch Nordamerika, Anfang April ist dann Australien an der Reihe. Und Europa - "later this year". Und noch schöner - es ist von zwei neuen Werken in diesem Jahr die Rede. Gab schon schlechtere Nachrichten...

Dienstag, 17. April 2018

The Sea Atlas: Einsames Ringen

Klar, das mit den Hebriden, den Nordzipfel Schottlands und dem kleinen Örtchen Uig kann man sich natürlich nicht entgehen lassen - 400 Einwohner und einer davon ist jener Calum Buchanan, der Mann also, der sich hinter dem Projekt The Sea Atlas verbirgt. Seine Agentur schreibt dann vollmundig Sachen wie "... skippers boats up and down the West coast of Scotland, works the land on his croft, and during the storms on the island [Buchanan] writes his music on the cabin on the shores of the sea loch." Das klingt nun wirklich nach der perfekten Nordmann-Story, nach rauher See, kargem Land, großer Einsamkeit und endlosem Ringen mit Dämonen und Musen. Würden dabei aber keine guten Songs entstehen, wir könnten uns die ganze Einleitung sparen - so aber kündigt der Mann gerade eine neue EP an und zwar zum einen mit dem schon ziemlich beeindruckenden Grungefolk "Ripped Jeans" und einem Bee-Gees-Cover (!) von "Staying Alive". Auf solche Ideen kommt man wohl nur, wenn man sehr lange keine oder keine anderen Menschen trifft - dennoch, er macht seine Sache gar nicht so übel.



Jonathan Bree: Anhaltender Zauber

Wer sich diesem Song und Video schon im vergangenen Jahr nicht entziehen konnte, wird sich über folgende Nachricht freuen: Am 8. Juni wird Jonathan Bree sein drittes Album "Sleepwalking" bei Lil' Chief Records veröffentlichen, darauf zu finden eben auch sein - nun ja: Hit "You're So Cool". Und mit "Say You Love Me Too" (zusammen mit Clara Vinals) und "Valentine" die beiden weiteren bislang bekannten Titel des neuseeländischen Multiinstrumentalisten. Eine Tour ist, soviel sei verraten, für die Monate und September in Aussicht gestellt.



Bryde: Der richtige Weg

Bryde
„Like An Island“

(Seahorse Music)

Eine überstrapazierte Binse lautet, daß jeder und jede seine Bestimmung im Leben findet, nur die Wege dahin können manchmal ziemlich verworren und schwer nachvollziehbar sein. Selbiges gilt wohl auch für die Waliserin Sarah Howells. Gut möglich, daß sich jetzt nicht wenige an diesen Namen erinnern, ebenso gut möglich, daß die Hinweise aus völlig verschiedenen Lagern kommen. Denn Howells kann auf eine ziemlich bunte Künstervita verweisen: Einerseits hat sie zusammen mit Richard Llewellyn bei den Paper Aeroplanes einige hübsche Folkpop-Alben eingespielt, desweiteren hat sie mit ihrer Stimme mehrere Trance-Techno-Stücke gefeatured. Soweit dazu. Nun will man ihrem früheren Werk nicht zu nahe treten, aber man würde sich und natürlich auch ihr doch sehr wünschen, daß sie mit dem neuerlichen Kurswechsel unter dem Pseudonym Bryde ihre Bestimmung gefunden hat. Nicht deshalb, weil man des Folgens müde wäre, sondern weil die Musik, die Howells jetzt macht, die bislang reifste, spannendste und anspruchsvollste ihrer Karriere ist.



Die vorliegende Platte, man darf sie wohl als Solodebüt bezeichnen, gibt sich deutlich härter und leidenschaftlicher als die gemeinschaftlichen Vorwerke, und was sich in diversen EP und Singleveröffentlichungen der letzten Monate andeutete, findet auf „Like An Island“ sein gutes Ende. Grunge-Gitarre rules, ab und an fallen Namen wie Patti Smith, Feist oder Cat Power – ob diese Vergleiche nun überzogen oder berechtigt sind, steht auf einem anderen Blatt, Sound und Wandlungsfähigkeit jedenfalls überzeugen schon mal. Auch wenn Bryde mit „Euphoria“ noch etwas behutsam startet, die folgenden Stücke „Less“, „Flesh, Blood And Love“ und „Peace“ zählen zweifellos zu den Höhepunkten von Howells‘ Songwriting, ebenso wie die Balladen „To Be Brave“ und „Transparent“. Für den neuen Klang der Songs nicht ganz unerheblich war sicher die Zusammenarbeit mit Catherine Marks und Mandy Parnell, die auch schon für Wolf Alice, PJ Harvey, Brian Eno und Björk gemischt und produziert haben.

Eine Pointe hat uns Howells dann aber doch noch genommen. Denn es gibt tatsächlich eine ziemlich winzige Insel namens Bryde, gelegen im Gletschergebiet des antarktischen Grahamlandes. Doch auch wenn das zum Titel und zu den Lyrics ihrer Lieder ganz gut passen würde, so bezieht sich das Pseudonym, wie man liest, wohl doch auf die dänische Bedeutung dieses Wortes und die meint damit schlicht Unterbrechung oder Pause. Neben der Arbeit am eigenen Projekt unterstützt Sarah Howells im Übrigen auch andere Frauen mit ihrem selbstgegründeten Label: “Initially I wanted to elevate the profiles of the musicians around me. There are a lot of women rising to the top, but there’s still a lack of opportunities for them to work in the music industry. I thought a way to tackle that would be to start a label; to become someone in the music industry to create that change, rather than expecting other people to do it for me”, sagte sie kürzlich dem Online-Portal NARC. Wenn wir also schon bei Binsen sind – „Selbst ist die Frau“ paßt selten so gut wie hier – sie scheint ihre Pause höchst schöpferisch genutzt zu haben.

08.05.  Hamburg, Astra Stube
09.05.  Berlin, Kantine Berghain
10.05.  Köln, Yuca Club
12.05.  Zürich, EXIL
13.05.  Wien, B72

Montag, 16. April 2018

Lazy Legs: Mischungsverhältnis

Lazy Legs
"Tremor EP"
(Wild Patterns)

Dem Shoegazing wird gern mal eine gewisse Monotonie nachgesagt, Menschen, die es noch weniger gut meinen, sprechen dann von Langeweile. Jeder, der das Genre mag, weiß, daß dies ein großer Quatsch ist, einerseits. Denn die Monotonie gehört zur Kunstform dazu, das Aufschichten von dröhnenden Gitarrenakkorden in Endlosschleife zu dem, was der Liebhaber die wall of sound nennt, ist ohne Wiederholungen gar nicht denkbar und kann erst so seine hypnotische, überwältigende Wirkung entfachen. Und wer genau hinhört, entdeckt sehr wohl Unterschiede, Feinheiten, verschiedene Stilrichtungen. So auch beim Duo Lazy Legs aus Portland. Laura Wagner und Michael Tenzer vermengen seit 2016 mit Vorliebe Noise, Grunge und Dreampop auf  ihre ganz speziellen Art, die sechs Stücke der aktuellen EP „Tremor“ sind je nach Mischungsverhältnis mal melodischer, mal ungestümer geraten und haben alle ihren Reiz. Nachdem das Intro „Ruby“ noch komplett instrumental einzählt und bewusst schief daherkommt, spielen sich bei den folgenden vier Stücken die Gitarren mal mehr, mal weniger in den Vordergrund – das wunderbare „High Wire“ beleiht so auffällig wie gekonnt die No-Wave-Ikonen Sonic Youth, der Gesang, den beide beisteuern, ist wie so häufig bei Shoegazing-Formationen, nicht mehr als eine flüchtige Textur und kein bestimmendes Element. Live, so hört man, nehmen sich die beiden gern auch noch einen richtigen Drummer mit auf Tour, hoffentlich darf man das auch mal hierzulande erleben – die Platte jedenfalls würde es auf jeden Fall hergeben.

Sonntag, 15. April 2018

Heavy Lungs: Unter freundlicher Mithilfe

Schön, wenn man sich kennt und schätzt, da ist für Überschneidungen der folgenden Art genügend Platz: Die Punk-Kapelle Heavy Lungs aus Bristol hat in ihrer Heimatstadt offenbar einen Buddy, der auch uns hier recht vertraut ist. Denn wer kennt nicht den glatzköpfigen und rauschebärtigen Adam Devonshire, Bassist der hoch verehrten Idles. In seinem Nebenjob ist dieser offenbar unter dem klangvollen Künstlernamen Devotron 3005 ein leidenschaftlicher DJ und wurde deshalb bei einem seiner Sets für das aktuelle Video der Heavy Lungs ausgewählt. Das recht knackige "Descend" stammt im Übrigen von der letzten EP der Band, "Abstract Thoughts" ist im Februar dieses Jahres erschienen.



Freitag, 13. April 2018

Tocotronic: Gemeinsame Sache

Tocotronic
Support: Ilgen-Nur
Tonhalle, München, 12. April 2018

Je länger man einer Band in unbedingter Hingabe folgt, desto mehr nimmt man deren Konzerte in einer zusätzlichen Dimension wahr. Es sind also nicht nur Sound, Licht, Körper, die Aufmerksamkeit beanspruchen, es läuft zu jedem der Songs vor dem inneren Auge auch ein ganz persönlicher Film ab. Zu welcher Zeit, an welchem Ort, unter welchen Umständen und mit wem hat man dieses Stück gehört, wo ist es in der Zeit verankert, mit welcher Bedeutung aufgeladen, was verbindet man damit? Nennen wir es nicht Content, sagen wir Erinnerung dazu. Tocotronic sind so eine Band, sie haben in den fünfundzwanzig Jahren ihres Bestehens eine so große Anzahl dieser erinnerungswürdigen Songs verfasst, daß die Auswahl der Setlist für einen Abend wie diesen nur unvollständig bleiben kann. Und so bleibt auch in der ausverkauften Halle des ehemaligen Partyghettos Kunstpark, das jetzt den etwas verträglicheren Namen Werksviertel trägt, so manche Seite des imaginären Fotoalbums geschlossen und eine andere wiederum öffnet sich überraschenden Einsichten.

Zu den Liedern des aktuellen Albums "Die Unendlichkeit" wird es, zumindest bei den Thirtysomethings im Publikum, noch nicht so viele Sehnsuchtsmomente und Vergangenheitsbezüge geben, dennoch sind sie natürlich auf dieser Tour in der Mehrheit und fügen sich, da sie ja selbst als Tagebuch der Band und vor allem des Sängers Dirk von Lowtzow konzipiert sind, bestens in das Restprogramm ein. Mit der Ouvertüre "Tanz der Ritter" aus Prokofjews Ballett "Romeo und Julia" untermauern die Herren aus Hamburg einmal mehr ihren Ruf als eigenwillige Meister des Diskurspop, danach wird es schnell, hart und laut und die Bildershow kommt ans Laufen - "Let There Be Rock", "Drüben auf dem Hügel", "Kapitulation". Die Menge gibt sich trotz Platzmangels und stickiger Luft angenehm entspannt, von Lowtzows gewohnt exaltierte Gutmütigkeiten werden ebenso begeistert begrüßt wie jedes einzelne der Stücke.

"Es gab noch keine Handys, es war alles Gegenwart", so heißt es im Titelsong der neuen Platte. Und tatsächlich - keine Wand aus hochgereckten Smartphones, auf die man vor der Bühne starren muß, statt dessen Halbgreise (so werden wir wohl andernorts despektierlich genannt), die unter ihresgleichen Spaß am Crowdsurfing finden, ausgelassener Jubel, ja: echte Dankbarkeit, auf beiden Seiten. Selbst die Parolen kommen von Herzen, man ist unter sich und weiß sich vereint in der seltsamen Haßliebe zum Heimatland: "Aber hier leben, nein danke!" Auf den Punkt deshalb von Lowtzows Liebeserklärung, Tocotronic wären nicht denkbar ohne ihre Anhänger, und jeder da unten weiß für sich, daß dieser Satz in der Umkehrung genauso gilt. Schnell noch eine WhatsApp an die Daheimgebliebenen, irgendwas mit "Sehnsucht" und "better than ever" (sorry, über die Schulter gespickt), dann besselten Blickes zurück in's Getümmel, noch mal ein Kübel Spott für "Freiburg" - aus. Sie haben, es war deutlich zu hören, "bis zum nächsten Mal" gerufen am Schluss. An uns soll's nicht liegen. Wir werden da sein.

Mit Verwunderung nehmen wir zur Kenntnis ... [6/18]

... dass sich auch in der Sparte Bandfotografie nicht wirklich Bahnbrechendes getan hat. Es ist ja nun mal so, daß Promotionbilder seit Anbeginn der Welt - oder besser: seit Anbeginn der Rock- und Popkultur, zur lästigen Pflichtübung gehören. Keine und keiner weiß so recht, wohin mit sich, aber es muß halt gemacht werden um der lästigen Fans und Verkäufe wegen und so sind über die Jahrzehnte Unmengen von Einzel- und Gruppenportraits entstanden und nur ein Bruchteil davon ist halbwegs originell oder unterhaltsam. Der Rest gliedert sich in die folgenden Kategorien (kein Anspruch auf Vollständigkeit): Gelangweilte Herumsteher bzw. -sitzer, knüppelharte Faustrecker und Zähnefletscher, gutgelaunte Spaßvögel, bierernste Nihilisten, düster verhangene Grabpfleger und sexuell maximal aufgeladene Testosteron-MonsterInnen.



Ja, und die Jumper. Dieses Phänomen hat eine gewisse Tradition in der Press-Pic-Historie, wird heutzutage allerdings hauptsächlich von männlichen Vertretern höherer Semester wahrgenommen, die ihre damit eigentlich auf ihren Elan, eher aber doch auf die Fähigkeit zu jugendlichen Spontanbewegung (Stichwort: Arthrose) hinweisen wollen. Bezeichnenderweise sah das zu Zeiten, da Stones, Beach Boys, Beatles oder auch Pink Floyd (letzte beide siehe oben) in der Gegend herumhüpften, noch recht komisch aus, heute aber, da es wie gerade seltsam deckungsgleich von Franz Ferdinand und Ash praktiziert, wirkt es immer ein wenig peinlich resp. albern. Darauf eine Runde House of Pain.



Donnerstag, 12. April 2018

La Luz: Feiern in kleinen Dosen [Update]

An diesem Tag gibt es ja nun einiges zu feiern, auch wenn der Karneval schon längstens vorbei ist. Eine Piccolo-Sektflasche darf man auch auf die Rückkehr La Luz, Surfrockband aus Los Angeles, köpfen. Zwei Alben haben Shana Cleveland, Marian Li Pino, Alice Sandahl und Lena Simon bereits veröffentlicht, für den 11. Mai ist jetzt via Hardly Art das nächste mit dem Namen "Floating Features" angekündigt und wenn man sich das Video zur ersten Single "Cicada" von Ryan Daniel Browne anschaut, möchte man möglichst schnell auch den Rest dazu haben. Aber Geduld, schließlich will auch Freude wohldosiert sein.

Update: Und hier noch ein kleiner, gruseliger Nachtrag zum Thema Kettenbrief - sollten Sie einen solchen in Ihrem Briefkasten (resp. Mailpostfach) vorfinden, denkne Sie immer an das Video zur aktuellen Single "The Creature". Huahhh!

10.09.  Karlsruhe, Kohi
01.10.  Köln, Bumann und Sohn
02.10.  Berlin, Musik und Frieden
03.10.  Dresden, Beatpol
04.10.  Hamburg, Hafenklang



Ice Baths: Klirrend kalt [Update]

Na das scheppert ja wohl gewaltig - und erinnert einen mit der geballten Frostigkeit irgendwie an die ersten Töne, die von den New Yorker Darkwavern Interpol um die Jahrtausendwende über den großen Teich nach Europa schwappten. Naja, ein wenig jedenfalls. Die Ice Baths stammen allerdings aus London, benennen ihre Vorbilder mit den Swell Maps, Television Personalities, Devo, US Maple und werden am 11. Mai via Blank Editions ihr selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlichen - die erste Single davon also "New Strapping Pt. I", da heißt es dranbleiben.

Update: Drangeblieben - und so die zweite Single "Relic" entdeckt. Bittesehr.

Mittwoch, 11. April 2018

Diamond Thug: Astropop

Diamond Thug
„Apastron“

(Kudukudu)

[uh-pas-truh n, -tron]
noun, plural apastra [uh-pas-truh]. Astronomy.
The point in the path of a celestial object orbiting a star at which
it is farthest from the star.

So, jetzt mal Hand auf’s Herz: Was fällt uns denn zu folgenden Stichworten ein: Heliozentrisches System, Gravitationskraft, numerische Exzentrizität, Drehimpulserhaltung? Na, klingelt’s? Genau: Popmusik. Äh, bitteschön, was?! Okay, also genaugenommen reden wir hier erstmal vom deutschen Wissenschaftler Johannes Kepler, der ein maximal gescheiter Mann war und Anfang des 17. Jahrhunderts eine Reihe wegweisender Gesetze austüftelte, mit denen man nicht nur Planetenbahnen herleiten konnte, sondern die neben der Astronomie gleich die komplette neuzeitliche Wissenschaft revolutionierten. Wem diese recht stümperhafte Zusammenfassung zu sehr nach öder LK-Streberei klingt, der darf sich jetzt gern mal ein paar Jugendliche dazu vorstellen, die so viel Spaß an des klugen Mannes „Spinnereien“ hatten, daß sie diese ihrem Hobby zugrunde legten. Und schon sind wir bei der südafrikanischen Band Diamond Thug, also Chantel Van T, Ted Buxton, Danilo Queiros und Adrian Culhane aus Kapstadt.



Die vier haben nämlich gerade ihr Debütalbum mit einem Begriff aus der Keplerschen Himmelsmechanik, dem Apastron, benannt (was den fernsten Punkt auf der Umlaufbahn eines Sterns kennzeichnet) und das nicht nur, weil es mega klingt und mal eben hipp ist. Aus der Handreichung zur Platte (siehe auch nachfolgende Bilder von Hannah Shone) kann man nämlich entnehmen, daß sie den Sound ihrer Songs in enger Beziehung sowohl zu den Unbegreiflichkeiten als auch den Gesetzen des Weltalls sehen, den Forscher sogar namentlich mehrfach erwähnen und auch sonst alles ziemlich abgespaced klingen lassen. Astropop, you know? Wir hören Van T’s wandelbare, volumenreiche Stimme, wunderbar dahinfließende Lavelampen-Synthetik, schillernde Gitarrenakkorde und jede Menge kluge Effektspielereien, Flöten, Madolinen, solche Sachen.

Man ist geneigt, sich das Album bei angemessener Lautstärke unter der gewölbten Kuppel eines Planetariums vorzustellen und plötzlich kommt einem das Ganze überhaupt nicht mehr trocken und theoretisch vor, sondern offenbart einen fast schon liebevollen Bezug zu den unfassbaren Weiten des Universums: Das leicht psychedelische „Choo Choo“, der Neofolk von „Sapphire“, die kunstvoll verschlaufte Melodik bei „Quietly Become“ und die satten, perkussiven Passagen gleich darauf in „The Descent“ – alles sehr dicht, auf den Punkt strukturiert, ausgewogen. Fast so wie der Kosmos selbst eben. Folgerichtig nehmen sie in „The Pale Blue“ auch Bezug auf die berühmte Rede des (eher neuzeitlichen) Genies Carl Sagan zu einer Erdaufnahme der Raumsonde Voyager, es wird lang, es wird episch und auch mal laut und bleibt wie das ganze Album in der Wirkung fast hypnotisch. Seit drei Jahren haben Diamond Thug ihr Talent Stück für Stück immer wieder aufblitzen lassen – mit diesem Album dürften sie sich in Lichtgeschwindigkeit auf die Erfolgsbahn katapultieren. http://www.diamondthug.com/


The Ninth Wave: Drama, Baby!

Zunächst reden wir hier mal über ein Gemälde des armenischen Künstlers Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski, genannt "Die neunte Woge" - beeindruckende Dramatik, Schiffbrüchige in tosender See vor Sonnenuntergang, gemalt 1850, hängt in St. Petersburg. Aber eigentlich geht es uns mehr um eine junge schottische Band gleichen Namens, The Ninth Wave aus Glasgow. Auch dramatisch, aber eher im musikalischen Sinne - Wavepop, Gothrock, irgendwo dazwischen. Am 20. April wird bei Distiller Records ihre EP "Never Crave Attention" erscheinen und hört man sich die beiden Vorabtracks "New Kind Of Ego" und das aktuelle "Swallow Me" an, fühlt man sich auf angenehme Weise flugs ein paar Jahrzehnte zurückversetzt - wenn auch nicht gleich bis ins neunzehnte Jahrhundert.

20.04.  Berlin, Badehaus
21.04.  Hamburg, Molotow

Dienstag, 10. April 2018

Janelle Monáe vs. Grimes: Pretty in PYNK

Schon früher hatten sich die beiden zusammengetan, nun gibt es erneut eine Kollaboration: In zwei Wochen soll "Dirty Computer", die dritte Platte von Janelle Monáe erscheinen und die beiden Vorabsingles, die wir mit "Django Jane" und "Make Me Feel" bislang kennen, lassen nur das Beste ahnen. Und auch beim dritten Track "PYNK" gibt es Sound und Bild satt, ersteres gemeinsam mit Claire Boucher aka. Grimes (die sich damit also für Monáes Auftritt im Song "Venus Fly" ihres Albums "Art Angels" revanchiert), letzteres mit einer quietschbunten und wilden Party voller politischer Anspielungen und Zitate, choreografiert von Regisseurin Emma Westenberg.

Hinds: Nur nichts übereilen

Hinds
„I Don’t Run“

(Lucky Number)

Starker Satz, soweit: „On this album, the struggles are clear. We want to be brave“, das jedenfalls sagten die Hinds, genauer Sängerin Ana Perrote, dem Onlineportal CoS zur neuen, zweiten Platte. Bei solch einer Ankündigung erwartet man dann natürlich nicht weniger als den Weltumsturz, die 180-Grad-Wende, die endgültige Abrechnung. Geworden ist es dann aber – und das ist jetzt beileibe keine Enttäuschung – die Fortsetzung mit ähnlichen Mitteln. Vielleicht sind die elf neuen Songs der madrilenischen All-Girl-Formation etwas griffiger, schneller auf den Punkt, möglicherweise sind auch die Texte eine Spur näher am Leben der vier Damen. Klingen tun sie immer noch ziemlich hingerotzt (und das soll eher als Lob verstanden werden), sehr LoFi, sehr Proberaum.



Arrangiert hat diesen ungeglätteten Sound der Dauerproduzent der Strokes Gordon Raphael, von dem man ehrlicherweise sagen muß, daß nach den Strokes auch kein ganz so großer Wurf mehr auf der Sedcard hinzugekommen ist. Sei’s drum – für die Hinds war’s ein Glücksfall, die rocken ihre mehrstimmigen Dreiminüter ganz lässig über die Bühne, etwas schräg, mäßig wütend. Meistenteils hören wir ansteckendes und sehr unterhaltsames Surfgitarren-Gedengel oder knackigen Garagenpunk, es geht um Trennungsschmerz, Liebesentzug, Coming of Age – und auch der Pop bekommt seine Momente. Besonders schön, wenn sie für „Tester“ scheinbar zwei Geschosse tiefer, also scheinbar im Kohlenkeller, mit den Aufnahmen beginnen, ganz am Schluß ziehen sie das für „Ma Nuit“ mit dreisprachigem Textwirrwarr über die komplette Spiellänge durch. Manchmal, wie zum Beispiel bei „Rookie“, stellt man sich zur Abwechslung mal ein paar Trompetentöne vor und wünscht sich, sie hätten’s vorher auch getan. Aber die Hinds sind schließlich noch jung und können sich ihren Mut für die nächsten Alben ja noch aufsparen. Wir bleiben gerne dran. http://www.hindsband.com/

26.04.  Hamburg, Molotow
27.04.  Berlin, Bi Nuu
29.04.  Zürich, Mascotte



A Place To Bury Strangers: Comebacker [Update]

Fast alles neu in New York City: Die Noise-Kombo A Place To Bury Strangers, mit ihrem letzten Studioalbum "Transfixiation" 2015 im Ring, vermeldet gerade die Fertigstellung der fünften Platte "Pinned", Veröffentlichung ist für den 13. April bei Dead Oceans geplant. Ebenfalls gilt es bekanntzugeben, daß mit Lia Simone Braswell eine neue Drummerin mit von der Partie ist, die sich auch stimmlich einzubringen weiß. Überzeugen dürfen wir uns davon schon bei der ersten Single "Never Coming Back", die gerade mit einem Video von Oliver Ackermann und Ebru Yildiz erschienen ist.

Update: Wir haben von der neuen Drummerin gesprochen - bei "There'S Only One Of Us" nun sehen wir sie in Action. Darüberhinaus gibt es mit "Frustrated Operator" Vorabtrack Nummer drei zu hören/sehen.

18.04.  Wiesbaden, Schlachthof
28.04.  Dortmund, FZW
07.05.  Berlin, BiNuu
08.05.  Hamburg, Logo





Montag, 9. April 2018

Le Butcherettes: Auf Kriegspfad

Allzu viel sollte man vielleicht noch nicht hineininterpretieren. Aber es könnte schon sein, daß gerade aus dieser Ecke in nächster Zeit mit mehr Getöse zu rechnen ist: Die mexikanische Garage-Punk-Band Le Butcherettes hat ja vor drei Jahren auf ihrem Album "A Raw Youth" ziemlich laut ihrem Unmut zum Weltenlauf Ausdruck gegeben - wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, da noch kein durchgeknallter US-Präsident ein ganzes Volk mit Mauerplänen und sonstigen Schmähungen als Verbrecher und Faulpelze diffamierte. Es könnte also Gründe haben, daß sich Sängerin Teri Gender Bender jetzt für das Video zum ersten neuen Song "spider/WAVES" die Kriegskluft des Volksstammes der Chichimeka angelegt hat - Stereogum hat herausgefunden, daß dies aus Verehrung für ihre Großmutter passierte, vielleicht ist es aber auch ein Vorgriff zur eventuell bevorstehenden Veröffentlichung einer weiteren Platte.

Sonntag, 8. April 2018

Mit Verwunderung nehmen wir zur Kenntnis ... [5/18]

... dass die Sache mit dem 80er-Revival keineswegs ausgestanden ist. Dabei wollen wir nicht falsch verstanden werden - altersbedingt und aus Gründen der musikalischen Sozialisation findet selbige Bewegung in diesem Blog unbedingten Zuspruch. Unbedingt heißt allerdings nicht uneingeschränkt, denn was sich in den letzten Wochen abzeichnet, ist die furchtbare Rache der blonden Superweiber an ihrer einst so einfach gestrickten Anhängerschar. Angefangen bei Kylie Minogue, die mit einem derart lauwarmen Countrypop-Aufguß ungestraft im angeblichen Berliner Trendtempel Berghain gastieren darf, daß man sich schon fragen muß, wo die Bude wohl ihren legendären Ruf herhat. Die zweite im Bunde, Kim Wilde - mehrfach ausgezeichnet mit dem goldenen BRAVO-Otto, dem Bambi und sogar mit dem POP/ROCKY-Hammerschlumpf - hupftdolt nun zusammen mit einer ziemlich albernen Sonnenbrillenposertruppe durch unterdurchschnittliche Radio-Meterware. Und tut einem fast leid dabei. Am konsequentesten benimmt sich allerdings das singende PinUp Samantha Fox, die einfach so tut, als wäre die Zeit seit '86 und "Touch Me" stehengeblieben und die Single "Hot Boy" veröffentlicht, und zwar mit einem Video, das selbst Beate Uhse nicht mehr vor der drohenden Insolvenz bewahren könnte und über das man so viele böse Dinge schreiben könnte, wäre man nicht so gut erzogen worden. Sagen wir es also mal so: Hier stellt die Emanzipation sowohl Männer als auch Frauen auf eine sehr harte Probe - mal schauen, wer denn am Ende gewinnt.