Mittwoch, 9. Dezember 2015

Azealia Banks: Gute Masche

Das Rezept bleibt einfach, musikalisch und auch visuell: Von Azealia Banks war außer ein paar Konzertabsagen lange nichts mehr zu hören, nun hat die streitbare Lady einen Clip zu "Count Contessa" veröffentlicht - nackte Haut, satte, straffe Beats, der Track stammt von "Fantasea II", der Fortsetzung ihres Mixtapes "Fantasea" aus dem Jahr 2012 und wurde von Rony Alwin bebildert.

Jennylee: Unverzichtbar

Jennylee
„Right On!“

(Rough Trade)

Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass Jenny Lee Lindberg als einzige der vier Damen der Indierock-Kapelle Warpaint noch nicht mit dem Leadgesang betraut wurde (und das liegt, anders als man vielleicht vermuten möchte, keinesfalls an ihrer Stimme). Es ist wohl eher so, dass der Sound des Quartetts aus L.A. mehr als der manch anderer Band besonders von der Wirkmächtigkeit ihres Bassgitarrenspiels abhängt, hier wird das Gerüst gebaut, die Richtung vorgegeben und der Groove der Stücke geboren, hier entscheidet sich, ob ein Song einfach nur so dahinplätschert oder ob er in Form bleiben und Fahrt aufnehmen kann. Hört man sich unter diesem Aspekt die beiden großartigen Alben von Warpaint an, wird man keinen Track finden, der nicht maßgeblich von der Kunstfertigkeit der Bassistin profitiert. Wenn sie also in ihrer Band aus nachvollziehbaren Gründen zu voller Konzentration angehalten wird – was liegt dann näher, etwaige weitere Begabungen in einem Soloprojekt auszutesten. Wie Jenny Lee Lindberg der Internetplattform DIY kürzlich verriet, beschäftigt sie sich schon seit mehreren Jahren mit eigenen Kompositionen, was sie bislang vor einer Veröffentlichung abhielt war die Angst, ihr Gesang könnte dem eigenen Anspruch und dem der Arrangements nicht genügen. Nun, diese Sorge scheint nach den ersten Durchgängen der Debütplatte unbegründet – Lindberg ist ja nach eigener Aussage eine Freundin des ersten Takes, mag also nicht allzu lang an einmal aufgenommenem Material herumdoktern, diesem bewusst unbehauenen, manchmal fast skizzenhaften Charakter der Stücke kommt ihr dunkles, etwas ruppig-brüchiges Timbre gut zupasse. Dass der Bass, ob nun in der düsteren und wavigen Spielart („Never“, „Offerings“) oder eher funky („Boom Boom“) den Hauptpart übernimmt, ist keine allzugroße Überraschung. Angenehm, dass Lindberg darüberhinaus auch die anderen Instrumente nicht einem Computerprogramm überlässt, sondern analog und durchaus prominent besetzt: So wurde das Schlagzeug größtenteils von Bandkollegin Stella Mozgawa eingespielt, ebenfalls an Bord war mit Dan Elkan der Live-Gitarrist der Broken Bells. Ein interessantes, inspiriertes Album, auf dem sich Zartes (“Long Lonely Winter”) neben Schroffem (“Riot”) findet. Und auch wenn für das kommende Jahr Warpaint Nummer drei angekündigt ist: Diese Platte ist weit mehr als ein Pausenfüller. http://www.jennyleelindberg.com/

Florian Schneider: Nachhaltig engagiert

Nicht nur Thom Yorke, Massive Attack und die Young Fathers machen sich also anlässlich des Klimagipfels in Paris für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz stark, auch Kraftwerk-Mitbegründer Florian Schneider sorgt sich offenbar um unseren Planeten und veröffentlichte aus diesem Grund im Zuge der Kampagne Parley For The Oceans den neuen Titel "Stop Plastic Pollution".



An dieser Stelle auch noch einmal der Kurzfilm "La Fête (Est Finie)" von Regisseur Mark Donne zusammen mit den Schauspielern Fiona O’Shaughnessy und Natasha O’Keefee, dessen Soundtrack sowohl von Massive Attack und den Young Fathers als auch von Forest Swords entstanden ist.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Protomartyr: Nachhilfe

So langsam füllt er sich also, der Kalender für das kommende Jahr: Savages, Massive Attack, gerade noch Animal Collective, wer mag auch noch The Cure, Adele und Coldplay - viel zu tun. Und damit's in Sachen Post-Punk nicht langweilig wird, reichen Protomartyr ein paar Termine für den April nach, das Album "The Agent Intellect" ist ja auch hier so hinlänglich gut besprochen worden, dass für Ausreden kaum Platz bleiben dürfte.

11.04.  Düsseldorf, ZAKK
12.04.  Stuttgart, Schocken
13.04.  München, Orangehouse
14.04.  St. Gallen, Palace
20.04.  Wien, Chelsea

Montag, 7. Dezember 2015

Primal Scream: Kopfsache

Naja, die Mütze kennt der fernsehgewandte Ossi noch von Trapper Daniel Boone - war der Hit neben "Das Mädchen Maika" und "Zur See" mit Horst Drinda. Hier wird das Pelzungetüm allerdings von Bobby Gillespie getragen, seines Zeichens Indie-Urgestein und Gründer der Ravepioniere Primal Scream. Die hatten vor zweieinhalb Jahren mit "More Light" ihr letztes Album am Start, jetzt soll ein neues kommen. Für den 16. März ist also via First International "Chaosmosis" (Tatsache!?) angekündigt, Hörproben bislang Fehlanzeige, deshalb hier noch mal ein Video ("River Of Pain") vom Vorgänger.

Stereo Total: Frühlings Erwachen

Auch wenn's keiner glauben mag: Das ist jetzt noch nicht der Frühling da draußen! Der kommt erst Ende Februar mit Schneeglöckchen, Alpenföhn und den passenden Gefühlen, also der ganzen Hormonkacke und so. Und wer könnte darüber besser nachsinnieren und selbiges vertonen als Stereo Total, dieses zeitlose und multilinguale Pärchenwunder aus Brezel Göring und Francoise Cactus?! "Les Hormones" heißt ihr neues Album, am 26. Februar wird es via Staatsakt erscheinen und mit "Je M'en Fous" gibt es schon mal einen Vorausblick samt Cover und Tourterminen.

30.03.  Dresden, Scheune
31.03.  Leipzig, Nato
01.04.  Nürnberg, K4
02.04.  Innsbruck, P.M.K.
04.04.  Wien, Fluc
05.04.  Linz, Stadtwerkstatt
06.04.  München, Strom
07.04.  Zürich, Exil
08.04.  Bern, ISC
09.04.  Basel, Kaserne Rossstall
10.04.  Freiburg, Jazzhaus
12.04.  Stuttgart, Schocken
16.04.  Köln, Gebäude 9
17.04.  Frankfurt, Mousonturm
19.04.  Hamburg, Uebel & Gefährlich
20.04.  Berlin, Lido

Samstag, 5. Dezember 2015

MPMBL Oberpollinger 2015

Das Jahr rennt wieder einmal dem Ende entgegen und wie immer gerät zum Schluß meist in Vergessenheit, was schon am Anfang spannend war - nicht so bei MPMBL. Dass die Berliner von Zugezogen Maskulin auch in der Jahresabrechnung ganz oben stehen würden, war fast schon bei Erscheinen von "Alles brennt" klar. Auch die beiden Folgeplatzierungen für Nottingham standen schon früh fest. Danach ist das Bild ein buntes: Exaltiertes, Wütendes, Kunstfertiges und Künstliches, ein Hoch auf die Veränderung und genauso auf die Beharrlichkeit - gut ist nicht nur, was gefällt, sondern auch was weh tut.

1  Zugezogen Maskulin "Alles brennt" (Buback Tonträger)



2  Sleaford Mods "Key Markets" (Harbinger Sound)



Kagoule "Urth" (Earache Records)



4  Young Fathers "White Men Are Black Men Too" (Big Dada)



5  Bilderbuch "Schick Schock" (Maschin Records)



6  Kendrick Lamar "To Pimp A Butterfly" (Top Dawg/Interscope)



7  Sleater Kinney "No Cities To Love" (Sub Pop)



8  Alabama Shakes "Sound And Color" (Beggars Group)



9  Ryan Adams "1989" (Pax Am)



10  Tocotronic "Das rote Album" (Vertigo)



11  Ceremony "The L-Shaped Man" (Matador)



12  Pelzig "Medium Cool World" (Cargo Records)



13  Grimes "Art Angels" (4AD)



14  Dr. Dre "Compton" (Interscope)



15  Le Butcherettes "A Raw Youth" (Ipecac Recordings)

Björk: Inside out

Billige Pointe, schon klar. Aber vielleicht sollte man doch besser schon gefrühstückt haben, bevor man sich das neue Video von Björk zu "Mouth Mantra" anschaut, der Clip von Jesse Kanda (auch Arca und FKA twigs) führt uns nämlich ins Innere der isländischen Künstlerin - näher wird man ihr kaum mehr kommen. Der Song stammt natürlich aus dem diesjährigen Album "Vulnicura".


Freitag, 4. Dezember 2015

Coldplay: Schön und bunt

Coldplay
„A Head Full Of Dreams“

(Parlophone)

Die Frage wird kommen und sie wird vielstimmig sein: Warum um alles in der Welt müsst ihr Nörgler eigentlich an allem herumkritteln und die Haare in der Suppe mit einer Akribie suchen, die man fast schon als böswilligen Vorsatz deuten könnte? Haben sich Coldplay nicht wieder mal mächtig ins Zeug gelegt und ihr Bestes gegeben? Antwort: Nein, das haben sie leider nicht. Wer alt genug ist, der weiß, wie ihr Bestes klingt. Früher nämlich war es richtig schwer, Coldplay nicht zu mögen – man konnte sich mit Vorbehalten wappnen so gut es eben ging, sie bekamen einen doch immer wieder an den Haken mit all dem verträumten Gitarrengeglitzer, den hübsch verschlungenen Melodien und der schmachtenden Stimme. Je mehr sich die vier Briten allerdings für den amerikanischen Markt herausputzten, desto geringer schien das Bemühen, dem hymnischen Bombast auch ein paar zwingende, gern auch einfache Ideen mitzugeben. “Mylo Xyloto” stand und steht als trauriger Beweis dafür, um wievieles wichtiger prominente Features, die Zahl der Buddies und die Stadiongröße gehandelt wurden und wie routiniert sich Chris Martin und Kollegen nun auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten zu bewegen wussten – nur noch eine Frage der Zeit, so meinte man, bis auch Mark Zuckerberg mal eine Zeile mitträllern durfte.

Nun, ganz so verunglückt ist die aktuelle, siebte Platte bei weitem nicht, sie hat sogar, schraubt man die Ansprüche etwas herunter, einige richtig gute Popmomente zu bieten. Dazu zählen neben dem Titelsong mit Sicherheit die Stücke “Birds” und “Adventure Of A Lifetime”, selbst wenn das Strickmuster hier sattsam bekannt und die Wolle etwas dünn ist. Wenn man unterstellt, dass Zeit und Erfolg auch im Charismatiker Chris Martin einen kleinen Egomanen haben reifen lassen, dann scheint Beyoncé die einzige zu sein, die sich auf der Platte neben ihm behaupten will und kann – “Hymn For The Weekend” aus der Feder von Produzentendarling Avicii darf als soulig-kraftvolle Tanznummer durchaus überzeugen. Bei Tove Lo und Ex-Gattin Gwyneth Paltrow dagegen muss man schon sehr genau hinhören, um sie hinter dem recht dominanten Leadgesang auszumachen, eine Mühe, die kaum lohnt, da die Songs ohnehin nicht lange haften bleiben. Was Martin dazu bewogen hat, auch noch Barack Obama in die Gästeliste hineinzusampeln, bleibt so rätselhaft wie fragwürdig, einen großen Gefallen wird er sich damit auf längere Sicht nicht getan haben.

Viel wichtiger allerdings, dass „A Head Full Of Dreams“ ab und an sogar auf hohem Niveau überzeugen kann: Wenn sich Martin beispielsweise als Einmann-Armee mit seinem Herzen bewaffnet (“Army Of One”), dann hat das tatsächlich etwas Rührendes und klingt zudem so herzzerreißend wie zu Gründerzeiten. Den musikalisch spannendsten Track haben Coldplay gut versteckt – “X Marks The Spot” schließt mit seinen sanften Beats und der brüchigen, ungewohnt dunklen Stimme an den verheißungsvollen, minimaleren Sound des Vorgängers “Ghost Stories” an. Und dass zu guter Letzt gerade der Krawallbruder und frühere Erzfeind Noel Gallagher dem allzu sehr vernachlässigten Indierock bei “Up And Up” mit ein paar Riffs auf die Sprünge helfen darf, hat sogar noch eine gewisse Komik. Ein Kaleidoskop, um die Einladung des Covers aufzunehmen, kombiniert das zu betrachtende Bild zu neuen Farben und Mustern, am Gehalt des Objektes ändert es allerdings nichts. Coldplay haben ein Album abgeliefert, das schön und bunt ist – sie müssen nur aufpassen, dass es irgendwann nicht nur mehr schön bunt ist. http://coldplay.com/

11.06.  Zürich, Stadion Letzigrund
29.06.  Berlin, Olympiastadion
01.07.  Hamburg, Volksparkstadion

Donnerstag, 3. Dezember 2015

The Velvet Underground vs. Kim Gordon/Kurt Vile: Right time, right place

Covern ist immer eine Frage von Dürfen und Können. Also: Dürfen die denn das? Und: Können sie's dann auch? Aus Anlaß des Jubiläums einer Booking-Agentur trafen sich gestern in der Webster Hall von NYC einige doch recht bekannte Künstler und gaben sich auf mehreren Bühnen die Instrumente in die Hand - mit dabei u.a. Kim Gordon (Body/Heat), Kurt Vile, Steve Gunn (The Violators) und Jarvis Taveniere (Woods), die gemeinsam mit dem Velvet-Underground-Klassiker "Sister Ray" auftraten. Fazit: Sie dürfen und sie können das - fraglos.

Clemens Meyer vs. MCE: Böse, große Stadt

Nachtrag zum Klappentext unten rechts: Wer Leipzig spüren will, liest dringend Clemens Meyer, wer die Stadt hören will, versucht's vielleicht mal mit MCE und seiner noch immer aktuellen EP "Southside Flavour" - von dieser stammt auch der Track "Schattengestalten". Die komplette 12" steht bei Bandcamp zum Anhören bereit, weitere Infos hier.

Savages: Zweite Runde

Gleich zwei erfreuliche Meldungen in einem Post: Die Savages haben sich die Aufforderung der Eagles Of Death Metal, deren Song "I Love You All The Time" im Gedenken an die Anschläge von Paris doch bitte ausgiebig zu covern, zu Herzen genommen und ihre Version vorgestern Abend beim Auftritt im Pariser Club La Maroquinierie vorgestellt. Noch wichtiger: Die Band hat ihre Livetermine für das kommende Jahr um ein paar Besuche in Deutschland aufgestockt - hier die entsprechenden Stationen:

03.03.  Köln, Luxor
09.03.  Hamburg, Knust
10.03.  Berlin, Berghain
11.03.  München, Strom

Pop.1280: Weltende continues

Angekündigt war sie schon seit längerem, nun hat die neue Platte auch ein Datum bekommen: Die Noiserocker von Pop.1280 haben ihr drittes Album "Paradise" via Sacred Bones für den 22. Januar 2016 angekündigt, genug Zeit also, sich für den abgrundtief schwarzen Sound des Quartetts aus New York zu wappnen - zur Einstimmung hier schon mal die erste Single "Pyramids On Mars".

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Nada Surf: Unablässig

Sie können es einfach nicht lassen: Nada Surf werden also ein weiteres Mal ihre wohlig wärmenden Seelenstreichler an die Bedürftigen dieser Welt bringen, im März nächsten Jahres soll mit "You Know Who You Are" ein neues Album der Amerikaner erscheinen, das siebte nach "The Stars Are Different To Astronomy" von 2012. Die erste Single "Believe You're Mine" gibt schon mal den erwarteten Vorgeschmack eine Tour folgt im Frühling - wie passend.

03.04.  Hamburg, Mojo
04.04.  Köln, Live Music Hall
05.04.  Dortmund, FZW
17.04.  Stuttgart, LKA
18.04.  Berlin, Huxley's Neue Welt
19.04.  Nürnberg, Hirsch
20.04.  Wien, WUK
21.04.  München, Muffathalle

Glassjaw: Leider geiler

Und bei euch so? Glasperlenspiel? Geiles Leben? Na wow und gute Nacht! Hier: Glassjaw. Post-Hardcore made in NYC, letztes Album "Worship And Tribute" vor dreizehn Jahren - jetzt die Rückmeldung mit dem neuen Track "New White Extremity", Punkrock pur, leider geiler.

The Missendens: Frisch nach vorn

Australien ist, so scheint's, rocktechnisch gerade besonders umtriebig, Woche für Woche machen neue Namen die Runde und richtige Fehlgriffe sind kaum dabei. Definitiv eher Killer als Filler sind die Herren von The Missendens aus Sidney - Craig Hansen, Adam Griffiths, Gerry Ford, Keigo Endo und Alex Alvarez spielen, zumindest auf dieser ihrer neuen, zweiten Single "Rolling Start", einen frischen, energetischen Gitarrenrock, das dazugehörige Debütalbum ist für März 2016 angekündigt.

Bloc Party: Analog geht auch

Sind das echte Gitarren? Tatsächlich. Bloc Party haben der analogen Welt also doch noch nicht komplett den Rücken gekehrt, auch wenn von der alten Band nur noch Kele Okereke und Russell Lissack übrig sind und die letzten Stücke nicht wirklich nach Proberaum und Rockerattitüde klangen. "The Good News" aber, der aktuelle Cut vom demnächst erscheinenden Album "Hymns" kommt zwar etwas unspektakulär, dafür aber mit etwas mehr Handarbeit daher - naja, zumindest zum Teil...

Dienstag, 1. Dezember 2015

ANOHNI: Mit Wucht

Ein wahre Freude - endlich die ersten Töne von der lange angekündigten Platte "Hopelessness" zu hören, die Antony Hegarty zusammen mit Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never unter dem Moniker ANOHNI aufgenommen hat. "4 Degrees" ist ein wuchtiges, perkussives Stück geworden, bläserschwer, überhaupt nicht unterkühlt, sondern mit viel Herzblut gesungen. Endlich wieder alles beim Alten also.



Passend dazu im Übrigen eine aktuelle Arbeit von Hudson Mohawke von dessen fabelhaftem Album "Lantern", zusammen mit Antony hatte er ja dort den Song "Indian Steps" eingespielt, für den es nun ein berührendes Video von Daniel Sannwald gibt. Dieser stellt für den Clip in durchaus gewagter Ästhetik Rodins Skulptur "Der Kuss" mit einem nackten, greisen Liebespaar nach.

A.S. Fanning: Irischer Tiefstapler

Ein Ire, der in Berlin wohnt und leidenschaftlicher Musiker ist - aha. Soweit, so unspannend, zumindest auf den ersten Blick. Einen Iren, der keine Musik macht und mag, den gibt es quasi schon mal überhaupt gar nicht, denn dieses erstaunliche und wunderbare Inselvolk hat ja die Noten mit der Muttermilch aufgesogen (und die bestand wiederum zu einem großen Prozentsatz aus malzigem Dunkelbier, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Dass es A.S. Fanning, von dem wir hier reden, aus der irischen in die deutsche Hauptstadt verschlagen hat, ist auch nicht so verwunderlich, kleiner will man es ja nicht haben und Landsleute gibt es auch an der Spree sicher genug. Seine Songs, mit sinistrer, brüchiger Stimme vorgetragen, klingen jedenfalls so, als ober der Mann schon Jahrzehnte am Tresen sitzt und mitleidlos das Leben betrachtet, erstaunlicherweise aber ist "Carmelita" als Singledebüt geführt. Und auch wenn seine für diese Woche geplante Deutschlandreise leider kurzfristig abgesagt werden musste - das Stück sollte Trost genug sein, ein Album wird dem Vernehmen nach bald folgen.

The Litsos: Erbgut

Ganz ehrlich, das sind so die Dinge, die man lesen will an einem tristen und grauen Nachmittag wie heute: "It's the soundtrack for a coming apocalyptic nuclear disaster." So beschreibt der Waschzettel der Promoagentur den Stil der schwedischen Post-Punk-Kapelle The Litsos, die gerade mit "Vultures" eine neue Single online gestellt haben. Das Quartett, bestehend aus Sängerin Tove Sandström, Fredrik Jansson am Bass, Gitarrist Tomas Victorsson und Elektriker Sebastian Olsson wohnt seit 2012 in Göteburg, war bisher nur auf einer mageren Kompilation zu hören - der dunkle, kraftvolle Retro-Sound würde sich aber zweifellos auf einer eigenen LP gut ausnehmen. Nur zu also!