Wieder einmal der Record Store Day: Auch The Notwist, gerade mit ihrem Album "Close To The Glass" im Gespräch und morgen Abend im Münchner Circus Krone zu Gast, werden ein Stück extravagantes Vinyl an besagtem Tag für den Sammler bereithalten. Es handelt sich hierbei um eine Remix-12" - darauf enthalten neben dem bisher unbekannten Stück "Magnificent Fall" unter anderem der hier vorgestellte Ada-Remix von "Run Run Run".
Samstag, 12. April 2014
Freitag, 11. April 2014
Eels: Bild und Ton
Nur noch wenige Tage, dann kommt das neue Album "The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett" von Eels ins Regal, vorfristig gibt es nun noch einen neuen Song daraus zu hören ("Where I'm From", hier bei Youtube) und obendrauf noch einen Videoclip zum kürzlich schon vorgestellten "Mistakes Of My Youth". Die Konzerttermine des Herrn Everett für den Sommer stehen nun auch schon fest:
21.06. Linz, Posthof
22.06. Wien, Konzerthaus
24.06. Berlin, Tempodrom
22.07. Hamburg, Laeiszhalle
21.06. Linz, Posthof
22.06. Wien, Konzerthaus
24.06. Berlin, Tempodrom
22.07. Hamburg, Laeiszhalle
Johnossi vs. Anna Ternheim: Geht auch leise
Leise Töne ist man vom schwedischen Duo Johnossi ja eher selten bis gar nicht gewöhnt. Nun haben sie sich aber für ein Video, einen Song mit Anna Ternheim zusammengetan und das klingt dann alles andere als laut. "Seventeen" stammt im Übrigen vom Album "Transitions", das im März bei Universal erschienen ist.
Ed Schrader's Music Beat: Aus kurzer Distanz
Das ist fein beobachtet: Die Musik von Ed Schrader und Devlin Rice, zusammen Ed Schrader's Music Beat, wirkt, so die Freunde von Stereogum, als würde einem permanent jemand ins Gesicht schreien. Wir ergänzen: Und zwar aus der Entfernung von ca. einem Meter. Bewaffnet mit nichts mehr als einer Gitarre und einer kleinen Trommel, machen die beiden eine ordentlichen Rabbatz, wer sich das mal genauer anschauen möchte, sollte sich auf der Tour der Future Islands blicken lassen, dort geben Schrader und Rice den Support. Auch zu hören dann wahrscheinlich der neue Titel "Televan", Ende April dann das Album "Party Jail".
Donnerstag, 10. April 2014
Jan Delay: An Rande der Egalität
„Hammer und Michel“
(Universal)
Was denn, was denn? Nicht so weit her mit dem hiesigen Humorverständnis? Jan Delay, eigentlich als Rap-Pionier, B-Boy und Soulman eingeplant, hat plötzlich erklärt, all das „flasht nicht mehr“, er wolle zukünftig in Rock machen und zwar so richtig. Lederjacke auf’s Cover, alberner Titel dazu, kurz mal reingezappt – das Urteil des königlich feuilletonistischen Plattengerichts ließ nicht lange auf sich warten: Er kann es nicht! Dabei scheint irgendwie verloren gegangen, dass der letzte, der die Proklamationen des Herrn Eisfeldt ernst nimmt der Herr Eisfeldt selber ist. Im rosafarbenen Anzug für’s Promofoto nach Wacken – der Herr winkt nicht mit dem Zaunspfahl, sondern mit der Pommesgabel und platziert den Mittelfinger schon mal vorausschauend auf dem eigenen Album – „Nehm ‘nen großen Schluck Volvic und geb‘ Euch ‘nen kompletten Vollfick!“.
Man muss sich nicht mal anstrengen um zu merken, dass der Versuch in Sachen Rock spaßbedingt nur einer von vielen ist, denn natürlich hat er den Soul und den Funk behalten, natürlich verschwindet das nicht, nur weil die Disko No. 1 um einen Tourmucker von Opa Udo aufgestockt wurde. Er kann ja gar nicht anders, muss irgendwo hin mit seiner „Liebe“ für alles, da kriegt selbst Uli Hoeneß ein Stück von ab, Hippiescheiße, Stromgitarre, Backround mit Schmackes, funktioniert prächtig. Böser Witz klappt auch noch, zum flotten Beat der „Dicken Kinder“ („Gurke auf dem Burger reicht nicht aus für ‘nen wohlgeformten Körper“) ebenso wie zum schnalzenden Orgelsound von „Sie kann nicht tanzen“. Delay läßt sich halt noch ein paar fette Riffs dazupacken, schmeckt einfach besser.
Er war ja schon immer ein großer und begnadeter Vereinfacher im Dienste des Pop, ohne dabei Stil und Haltung aus dem Blick zu verlieren, wer ihn jetzt trotzdem einen Konsensheini schimpft, der vergisst schnell, dass es zu einem guten Song mit Botschaft auch ein paar Leute braucht, die ihn hören wollen. Und wenn er‘s dann auf seine Weise rüberbringt – was sollte daran falsch sein? Gut, über die Sinnsuche im Schweinerockfetzen der „Scorpions-Ballade“ darf man sicher diskutieren und – klar – gab’s auch schon mal originellere Stücke als „Nicht eingeladen“ oder „Action“.
Aber es bleiben eben auch die hübschen Zeilen vom „Nieselregen-Innenleben“ („Hertz 4“) hängen, wo der einsame Schmetterling im Bauch an Depression zugrunde geht. Oder die ungewohnt grüblerischen Momente im Abspann – „Ein Königreich für Effenbergs Gehirn … Ich brenn das Kino bis auf die Mauern runter und schick die Gedanken raus zum spielen“ („Kopfkino“), die Nähe zu Schnodderschnauze Lindenberg ist hier fast mit den Händen zu greifen. Auf dem Weg zu dessen legendärer, egaler Wurstigkeit ist Delay mit knapp vierzig jedenfalls schon eine große Strecke vorangekommen, ob’s am Ende zu einem eigenen Musical reicht, wird man sehen. Beste Unterhaltung hat aber auch schon diese Platte zu bieten. http://www.jan-delay.de/
Zach Braff: Ein paar Jahre später...
Auf dem Weg zum meistgebrauchten Zitat auf diesem Blog wird es das folgende sicher bis ganz nach vorn schaffen: "Dieser Song wird Dein Leben verändern!" Gesagt hat ihn Natalie Portman in Zach Braff's Regiedebüt "Garden State", gemeint war "New Slang" von den Shins. Gut möglich, dass bald noch ein paar gute Sprüche dazukommen, denn Ende Juli läuft in den USA der Nachfolger "Wish I Was Here" mit Kate Hudson und natürlich auch Zach Braff an (finanziert mittels eines Crowdfundig-Projektes) und ein Blick auf den nachfolgenden Trailer beweist, dass in Sachen Drama und Komik einiges zu erwarten ist. Auf dem dazugehörigen Soundtrack werden neben Bon Iver auch noch, klar, die Shins zu hören sein, ebenso auf der Liste steht die angekündigte Kollaboration zwischen Chris Martin und Cat Power.
Mittwoch, 9. April 2014
Antemasque: Super-Super-Top-Top
Besser hätte es der liebe Gott da oben wohl nicht auswürfeln können: Das Bild hat man zumindest im Kopf, wenn man die Nachricht zu hören bekommt, Flea, Cedric Bixler-Zavala und Omar Rodríguez-López hätten sich für eine neue Band namens Antemasque zusammengetan, ersterer braucht sicher keine gesonderte Vorstellung, auch für die beiden anderen reichen Nennungen wie At The Drive-In und The Mars Volta. Nach den Maßstäben von Bayern-Guru Pep Guardiola ist das nicht nur eine Super-Super-Group, sondern zählt ohne Zweifel schon in die Kategorie Top-Top, selbiges darf man auch von der ersten Single "4AM" behaupten, die schon bei iTunes zum Kauf bereitsteht. Wer mehr braucht, darf sich hier noch einen kleinen Teaser gönnen.
The Afghan Whigs: Das Biest in uns allen
The Afghan Whigs
„Do To The Beast“
(Sub Pop)
Natürlich sind sechszehn Jahre eine lange Zeit. Viele haben da schon mit einer Sache, gern auch einer Band, endgültig abgeschlossen, zu den Akten, ins Archiv, Verklärung inklusive. Es ist also auch für ein so leidenschaftliches Arbeitstier, wie Greg Dulli eines ist, nicht ganz so leicht einzuschätzen, wie sich nach so langer Pause eine Platte der Afghan Whigs in freier Wildbahn macht. Das letzte, was man von der Band aus Cincinatti hörte, war das Album „1965“, ein eigenwilliger Soulrock-Zwitter, die letzten, die man mochte, hießen „Black Love“ und „Congregation“ und wurzelten eher im alternativen Humus des Grunge der frühen Jahre. Man tut „Do To The Beast“ sicher nicht unrecht, wenn man es als eine (recht gelungene) Mischung aus beidem bezeichnet, wobei Soul hier eher mit Leidenschaft und Herzblut denn mit beschwingtem Geschmetter übersetzt werden kann. Es ist Dulli’s Fegefeuerplatte, es lodert und knistert und kracht gewaltig, die Gitarren (es sollen bei den Aufnahmen stets mehr als drei gleichzeitig gewesen sein) jaulen standesgemäß und Dulli treibt seine Stimme dazu in bislang ungewohnte Höhen.
Handwerklich sind Stücke wie „Parked Outside“, „The Lottery“ oder „Royal Cream“ deshalb mehr als okay, wenn auch nicht gerade innovativ, auffällig wird es immer dann, wenn die Band das gewohnte Schema verlässt. So geschehen bei „Matamoros“, hier gesellen sich zu den funky Hooks ein paar windschiefe Streicher, „Algiers“ darf später den Spaghetti-Western zitieren und die einsame Fahrt ins Vergessen („Ain’t nothing but the stripes“, Can Rova) gerät regelrecht anrührend. Naturgemäß geht es für einen Mann von knapp 50 wie Dulli, der nun auch schon einiges erlebt hat, um die Wirren zwischenmenschlicher Beziehungen, um Verletzungen („It kills to watch you love another“, It Kills) oder simple Altersweisheiten („It’s oh so simple when you know, you’ll know this when it’s time to go…“, Algiers), wenngleich er einem Musikmagazin (s)eine etwas krudere Sicht der Dinge mit Blick auf den Albumtitel eröffnete: „Wir sind alle Tiere. Und wir essen und wir trinken und wir schlafen und wir ficken und wir sterben. … Wir sind alle das Biest.“ Man muss es ja nicht ständig rauslassen. http://theafghanwhigs.com/
02.07. Berlin, C-Club
12.07. Rüsselsheim, Phono Pop Festival
Den Komplettstream des Albums gibt es zur Zeit bei NPR.
WinWin: Wer sich bis hierhin durchgekämpft hat und schnell genug ist, kann mit einer kurzen Mail an info@mapambulo.de mit Betreff, Name und Adresse die CD für lau bekommen - first in, first out!
„Do To The Beast“
(Sub Pop)
Natürlich sind sechszehn Jahre eine lange Zeit. Viele haben da schon mit einer Sache, gern auch einer Band, endgültig abgeschlossen, zu den Akten, ins Archiv, Verklärung inklusive. Es ist also auch für ein so leidenschaftliches Arbeitstier, wie Greg Dulli eines ist, nicht ganz so leicht einzuschätzen, wie sich nach so langer Pause eine Platte der Afghan Whigs in freier Wildbahn macht. Das letzte, was man von der Band aus Cincinatti hörte, war das Album „1965“, ein eigenwilliger Soulrock-Zwitter, die letzten, die man mochte, hießen „Black Love“ und „Congregation“ und wurzelten eher im alternativen Humus des Grunge der frühen Jahre. Man tut „Do To The Beast“ sicher nicht unrecht, wenn man es als eine (recht gelungene) Mischung aus beidem bezeichnet, wobei Soul hier eher mit Leidenschaft und Herzblut denn mit beschwingtem Geschmetter übersetzt werden kann. Es ist Dulli’s Fegefeuerplatte, es lodert und knistert und kracht gewaltig, die Gitarren (es sollen bei den Aufnahmen stets mehr als drei gleichzeitig gewesen sein) jaulen standesgemäß und Dulli treibt seine Stimme dazu in bislang ungewohnte Höhen.
Handwerklich sind Stücke wie „Parked Outside“, „The Lottery“ oder „Royal Cream“ deshalb mehr als okay, wenn auch nicht gerade innovativ, auffällig wird es immer dann, wenn die Band das gewohnte Schema verlässt. So geschehen bei „Matamoros“, hier gesellen sich zu den funky Hooks ein paar windschiefe Streicher, „Algiers“ darf später den Spaghetti-Western zitieren und die einsame Fahrt ins Vergessen („Ain’t nothing but the stripes“, Can Rova) gerät regelrecht anrührend. Naturgemäß geht es für einen Mann von knapp 50 wie Dulli, der nun auch schon einiges erlebt hat, um die Wirren zwischenmenschlicher Beziehungen, um Verletzungen („It kills to watch you love another“, It Kills) oder simple Altersweisheiten („It’s oh so simple when you know, you’ll know this when it’s time to go…“, Algiers), wenngleich er einem Musikmagazin (s)eine etwas krudere Sicht der Dinge mit Blick auf den Albumtitel eröffnete: „Wir sind alle Tiere. Und wir essen und wir trinken und wir schlafen und wir ficken und wir sterben. … Wir sind alle das Biest.“ Man muss es ja nicht ständig rauslassen. http://theafghanwhigs.com/
02.07. Berlin, C-Club
12.07. Rüsselsheim, Phono Pop Festival
Den Komplettstream des Albums gibt es zur Zeit bei NPR.
WinWin: Wer sich bis hierhin durchgekämpft hat und schnell genug ist, kann mit einer kurzen Mail an info@mapambulo.de mit Betreff, Name und Adresse die CD für lau bekommen - first in, first out!
Kim Deal: Besser zusammen
Diese Meldung kann man Dank CoS und Stereogum fast im Originalwortlaut übernehmen: Kim Deal, einstmals als Bassistin bei den Pixies tonangebend und später wegen Egoecken des Bandchefs mit wechselnden Durchlaufposten ersetzt, möchte sich offenbar wieder mehr auf ihre Band The Breeders fokussieren. In einem Interview jedenfalls gab sie bekannt, dass ein neues Album der Band in Reichweite ist - das letzte stammt bekanntlich aus dem Jahr 2008 und trägt den Titel "Mountain Battles", ein Jahr später erschien die EP "Fate To Fatal". Die wichtigste Passage:
"Today we’re working on Josephine’s song and it’s sounding really good. I’ve got a good melody line for it and got some lyrics. So that’s what we’re going to be recording today, one of her songs. Then I’ve got two that have lyrics and a melody line but I don’t like the drum part on one of them. The other one sounds pretty cool. We’ll probably get those three going. And I have other songs. There’s one song that I really like but I don’t think Josephine likes so much, but I really like it."
Für die Wartezeit darf dann gern "The Root", die letzte von zahlreichen Solopressungen, herhalten.
"Today we’re working on Josephine’s song and it’s sounding really good. I’ve got a good melody line for it and got some lyrics. So that’s what we’re going to be recording today, one of her songs. Then I’ve got two that have lyrics and a melody line but I don’t like the drum part on one of them. The other one sounds pretty cool. We’ll probably get those three going. And I have other songs. There’s one song that I really like but I don’t think Josephine likes so much, but I really like it."
Für die Wartezeit darf dann gern "The Root", die letzte von zahlreichen Solopressungen, herhalten.
King Krule: King of Cool
King Krule
Atomic Café, München, 8. April 2014
Support: Thidius
Gastspielwoche bei Mapambulo, zweiter Teil. Und wieder dreht sich’s hauptsächlich um die Stimme. Archy Samuel Marshall, genannt King Krule, darf man gewiss als eine Art Antithese zur handelsüblichen Rampensau (vgl. hierzu Teil 1: Jan Delay) betrachten – zwanzig Jahre, blasser Teint, schmale Schultern, scheuer Blick, der Typ also, der auf dem Schulhof immer im Spinnergrüppchen stehen muss, an dem die Hoppla-hier-komm-ich-Welt komplett vorbeiläuft und der von Coolness ungefähr soweit entfernt ist wie Putin von ... – na, lassen wir das. Marshall hat allerdings zwei nicht ganz unbedeutende Fähigkeiten, die seine Person wieder in ein neues Licht rücken – er ist ein erstaunlich begabter Songschreiber und nennt eine Stimme sein eigen, die so ganz und gar nicht zu seinem Erscheinungsbild passen will, rau, tief, voluminös. Und weil er beides auf seinem Debütalbum „6 Foot Beneath The Moon“ zu einer faszinierenden Einheit zu verschmelzen wusste, sind Hörern und Zuschauern plötzlich Äußerlichkeiten piepegal, ist die Platte ein Geheimtipp und der Club an diesem Abend proppevoll.
Und – Überraschung – der schüchterne Junge ist auf der Bühne gar nicht so ein unscheinbares Pflänzchen, er kann laut, er kann krachert und er traut sich sogar für einen Song mit seinem Mikro zu seinen Fans auf die Tanzfläche. Es ist ja sowieso erstaunlich, dass Marshalls jazzig-trippige Mischung aus Clash-Punk, Dubstep und Elektrobeats so weite Kreise gezogen hat, dass er ein Publikum wirklich begeistern kann mit diesem doch eher introvertierten Sound. Vielleicht liegt es aber an der Präsenz, der Unerschrockenheit, mit welcher der fahle Bursche zu Werke geht, seine Mitmusiker antreibt und gekonnt mit den verschiedenen Klang- und Stimmungsbildern seiner Platte jongliert – ungezügelt und wild hier („A Lizard State“, „Easy Easy“), smooth dort („Baby Blue“) und mit lässiger Verspieltheit an wieder anderer Stelle („The Noose Of Jah City“). Man nimmt ihm die Zartheit und den Furor gleichermaßen ab – schlechter scheint er nebenbei auch nicht zu werden, wie der famose Neuling „La Lune“ erkennen läßt. Und das zusammengenommen ist, Kommando zurück, dann doch wieder ziemlich cool.
Atomic Café, München, 8. April 2014
Support: Thidius
Gastspielwoche bei Mapambulo, zweiter Teil. Und wieder dreht sich’s hauptsächlich um die Stimme. Archy Samuel Marshall, genannt King Krule, darf man gewiss als eine Art Antithese zur handelsüblichen Rampensau (vgl. hierzu Teil 1: Jan Delay) betrachten – zwanzig Jahre, blasser Teint, schmale Schultern, scheuer Blick, der Typ also, der auf dem Schulhof immer im Spinnergrüppchen stehen muss, an dem die Hoppla-hier-komm-ich-Welt komplett vorbeiläuft und der von Coolness ungefähr soweit entfernt ist wie Putin von ... – na, lassen wir das. Marshall hat allerdings zwei nicht ganz unbedeutende Fähigkeiten, die seine Person wieder in ein neues Licht rücken – er ist ein erstaunlich begabter Songschreiber und nennt eine Stimme sein eigen, die so ganz und gar nicht zu seinem Erscheinungsbild passen will, rau, tief, voluminös. Und weil er beides auf seinem Debütalbum „6 Foot Beneath The Moon“ zu einer faszinierenden Einheit zu verschmelzen wusste, sind Hörern und Zuschauern plötzlich Äußerlichkeiten piepegal, ist die Platte ein Geheimtipp und der Club an diesem Abend proppevoll.
Und – Überraschung – der schüchterne Junge ist auf der Bühne gar nicht so ein unscheinbares Pflänzchen, er kann laut, er kann krachert und er traut sich sogar für einen Song mit seinem Mikro zu seinen Fans auf die Tanzfläche. Es ist ja sowieso erstaunlich, dass Marshalls jazzig-trippige Mischung aus Clash-Punk, Dubstep und Elektrobeats so weite Kreise gezogen hat, dass er ein Publikum wirklich begeistern kann mit diesem doch eher introvertierten Sound. Vielleicht liegt es aber an der Präsenz, der Unerschrockenheit, mit welcher der fahle Bursche zu Werke geht, seine Mitmusiker antreibt und gekonnt mit den verschiedenen Klang- und Stimmungsbildern seiner Platte jongliert – ungezügelt und wild hier („A Lizard State“, „Easy Easy“), smooth dort („Baby Blue“) und mit lässiger Verspieltheit an wieder anderer Stelle („The Noose Of Jah City“). Man nimmt ihm die Zartheit und den Furor gleichermaßen ab – schlechter scheint er nebenbei auch nicht zu werden, wie der famose Neuling „La Lune“ erkennen läßt. Und das zusammengenommen ist, Kommando zurück, dann doch wieder ziemlich cool.
Little Dragon: Fröhlich sein und singen
Namen, Cover, hier stimmt einen alles irgendwie fröhlich: Die Synthpopper Little Dragon aus Schweden werden ja im Mai bekanntlich ihr Album "Nabuma Rubberband" unter die Leute bringen und die erste Single "Klapp, Klapp" war ja schon ein Hinhörer. Nun ist mit "Paris" auch der zweite im Netz gelandet, Cover - ach, was sag ich, anschauen, anhören,...
Dienstag, 8. April 2014
Klaxons: Kleinteilig
Mmmhh, sehr schlicht. Die Klaxons haben den Entwurf für das Cover ihrer neuen Platte "Love Frequency" vorgestellt, das Anfang Juni erscheinen soll. Von der Platte, an der neben Tom Rowlands von den Chemical Brothers und Erol Alkan auch olle James Murphy mitgewirkte, haben ja schon zwei Songs ans Tageslicht gefunden, nun kommt mit "Atom To Atom" der dritte hinzu. Und, was soll man sagen - bester Boygrouppsychpop!
Wild Beasts: Nochmalige Empfehlung
Auch morgen sind die Jungs, die hier unten in eigenwilligen Outdoorklamotten durch die Gegend hüpfen, noch auf den Bühnen Europas unterwegs, deshalb sei für alle Unentschlossenen noch einmal in Erinnerung gerufen, wie fabelhaft das Album von den Wild Beasts "Present Tense" wirklich ist.
Zum Song "A Simple Beautiful Truth" gibt es also Anschauungsmaterial, die Termine im Anschluss.
09.04. München, Strom
12.04. Zürich, Plaza Club
17.08. Hamburg, Dockville
Zum Song "A Simple Beautiful Truth" gibt es also Anschauungsmaterial, die Termine im Anschluss.
09.04. München, Strom
12.04. Zürich, Plaza Club
17.08. Hamburg, Dockville
The Roots: Die Elf kommt
Die Ankündigung war ja schon länger draußen, es hat wohl nur noch etwas gedauert, bis sich ?uestlove von seinem Late-Night-Job ein paar Tage freischaufeln konnte: The Roots werden jedenfalls Mitte Mai ihr nächstes Album "...And Then You Shoot Your Cousin" bei Def Jam veröffentlichen. Nach "undun" ist dies die Nummer 11 auf dem offiziellen Zähler, die erste Auskopplung "When The People Cheer" kommt gerade via Soundcloud um die Ecke.
Montag, 7. April 2014
Warpaint: Pure and simple
Robyn vs. Röyksopp: Bald vereint [Update]
Zugegeben - das Bild zum Tweet zum Post ist nicht so ganz taufrisch, die Nachricht aber schon: Die schwedische Musikerin Robyn hat vermeldet, dass sie in diesem Jahr wieder gemeinsame Sache mit dem norwegischen Elektronikduo Röyksopp machen wird. Der Wunsch war ja schon im vergangenen Jahr beiderseits geäußert worden, nun aber gibt es für Amerika und Europa die erste Tourdaten und es sollen angeblich für hiesige Festivals weitere folgen. Heißt soviel wie: Ein Stück wie das unten gelistete "The Girl And The Robot" von der Röyksopp-Platte "Junior" (2009) könnte alsbald durch aktuelles Material ergänzt werden. Da heißt es dranbleiben...
Update: Ende April darf man nach aktuellen Meldungen die ersten Früchte der Zusammenarbeit der drei bewundern, dann nämlich erscheint die EP "Do It Again", den ersten Track "Monument" gibt's weiter unten als Soundschnipsel.
Update: Ende April darf man nach aktuellen Meldungen die ersten Früchte der Zusammenarbeit der drei bewundern, dann nämlich erscheint die EP "Do It Again", den ersten Track "Monument" gibt's weiter unten als Soundschnipsel.
Trouble Orchestra: Grau wird bunt
Nicht ganz so überraschend - die neue Platte des Trouble Orchestra aus Hamburg (VÖ 16. Mai Audiolith) ist eher fertig geworden als die Elbphilharmonie steht (und war mutmaßlich auch eine ganze Ecke preiswerter). Sie werden mit ihrem ersten Auftritt dort also noch etwas warten müssen - die Promo für "Heiter" wird aber ohne Probleme andere Orte finden, denn der Sound ist frischer, als man nach den ersten Tönen der Single "Graupausen" denkt. Und wem das alles gar wunderbar gefällt, der kann sich im Wonnemonat zu einer Reihe von Konzerten der sechs aufmachen.
16.05. Berlin, Badehaus
16.05. Berlin, Badehaus
17.05. Hamburg, Knust
24.05. Lüneburg, Sonar Festival
31.05. Nürnberg, Fight Back Festival
20.06. Weimar, Gerber3
21.06. Merkers, Rock am Berg Festival
Jan Delay: Macht was gegen hässlich
Jan Delay und Disko No. 1
Strom, München, 6. April 2014
Gastspielwoche auf Mapambulo: Den Anfang macht der Herr mit der markanten Knödelstimme aus Hamburg-Eppendorf – Clubgigs mit Jan Delay, Scheiße Alter, sowas gibt’s noch?! Selten genug, und deshalb war auch klar, wie der Abend läuft. In ist, wer drin ist, diejenigen also, die es in die Erlebnissauna samt Augustiner-Aufguss namens Strom geschafft hatten, machten von Beginn an deutlich, daß das Gebot der folgenden zwei Stunden Party heißen musste. Und der freundliche Herr im modischen Karo auf der Bühne ließ ebensowenig Zweifel aufkommen, dass er diesem Gebot bedingungslos zu folgen bereit war. Kleinere Bedenken galt es noch zu zerstreuen, tourt Herr Eißfeldt doch momentan eigentlich für die Promo seiner neuen Leidenschaft called Rockmucke nebst dazugehörigem Album “Hammer und Michel”, doch auch wenn er eingangs meinte, er wolle sich nicht nochmal nach Funkytown aufmachen – seine eigentliche Heimat konnte er weiß Gott nicht verleugnen.
Wer also befürchtet hatte, der Bursche würde von grobschlächtigen Brüllmetallern in speckigen Lederjacken begleitet werden, durfte sich schnell wieder entspannen – die zehnköpfige Band samt schmissigem Backroundchor hatte keinerlei Schwierigkeiten, alle Ängste zu rockistischen Auswüchsen zu zerstreuen. Zwar steuerte die neue Platte mit “Fick”, “Dicke Kinder”, “Liebe”, “Nicht eingeladen” und “Hertz 4” knapp die Hälfte zur Setlist bei, aber selbst der Opener “Wacken” und das als zu “bräsig” (SZ) gescholtene “St. Pauli” hatten live genügend Funk und Soul, um kräftig zu beißen. Die restliche Nummernrevue funktionierte ohnehin als gewohnt clevere Mischung aus Studiedisko und Alterswerk. Man kann das verwerflich finden, wie sich Jan Delay um des Erfolges Willen durch die Musikgeschichte klaut, schamlos, aber punktgenau die leckersten Riffs von Blur, Lenny Kravitz, Guns’n Roses, den Red Hot Chili Peppers und den Beastie Boys für seine eigene Suppe verkocht – dem ausgelassenen Mob jedenfalls hat’s bestens geschmeckt.
Wobei “ausgelassen” den Gemütszustand im Saal eher vorsichtig umschreibt. Es dürfte von diesem Abend eher wenige der üblichen mobilen Foto- und Filmhäppchen geben, wer es dennoch versuchte, lief schnell Gefahr, dass sein Smartphone der Flugbahn eines Bierbechers folgte. Von Anfang bis Ende kein Halten, die Meute hüpfte, schrie und tanzte ganz so, wie es der Taktgeber mit Bigband auf der Bühne vorgab: “Der ganze Scheißclub!” hieß die Anweisung und die wurde strikt befolgt. Ob das dann Hardrock, Dub oder Disko hieß, ob neu oder “Türlich, Türlich”, “O Jonny”, “Klar” – alles war egal, solange es wild war. Am Ende stand man durchnässt und mit schwammigem Schädel vor dem Plakat einer Baumarktkette an der Bushaltestelle, las “Mach was gegen hässlich!” und dachte bei sich, dass der Macker da drinnen genau das seit Jahren tut. Und die Welt kostet es tatsächlich nicht.
Strom, München, 6. April 2014
Gastspielwoche auf Mapambulo: Den Anfang macht der Herr mit der markanten Knödelstimme aus Hamburg-Eppendorf – Clubgigs mit Jan Delay, Scheiße Alter, sowas gibt’s noch?! Selten genug, und deshalb war auch klar, wie der Abend läuft. In ist, wer drin ist, diejenigen also, die es in die Erlebnissauna samt Augustiner-Aufguss namens Strom geschafft hatten, machten von Beginn an deutlich, daß das Gebot der folgenden zwei Stunden Party heißen musste. Und der freundliche Herr im modischen Karo auf der Bühne ließ ebensowenig Zweifel aufkommen, dass er diesem Gebot bedingungslos zu folgen bereit war. Kleinere Bedenken galt es noch zu zerstreuen, tourt Herr Eißfeldt doch momentan eigentlich für die Promo seiner neuen Leidenschaft called Rockmucke nebst dazugehörigem Album “Hammer und Michel”, doch auch wenn er eingangs meinte, er wolle sich nicht nochmal nach Funkytown aufmachen – seine eigentliche Heimat konnte er weiß Gott nicht verleugnen.
Wer also befürchtet hatte, der Bursche würde von grobschlächtigen Brüllmetallern in speckigen Lederjacken begleitet werden, durfte sich schnell wieder entspannen – die zehnköpfige Band samt schmissigem Backroundchor hatte keinerlei Schwierigkeiten, alle Ängste zu rockistischen Auswüchsen zu zerstreuen. Zwar steuerte die neue Platte mit “Fick”, “Dicke Kinder”, “Liebe”, “Nicht eingeladen” und “Hertz 4” knapp die Hälfte zur Setlist bei, aber selbst der Opener “Wacken” und das als zu “bräsig” (SZ) gescholtene “St. Pauli” hatten live genügend Funk und Soul, um kräftig zu beißen. Die restliche Nummernrevue funktionierte ohnehin als gewohnt clevere Mischung aus Studiedisko und Alterswerk. Man kann das verwerflich finden, wie sich Jan Delay um des Erfolges Willen durch die Musikgeschichte klaut, schamlos, aber punktgenau die leckersten Riffs von Blur, Lenny Kravitz, Guns’n Roses, den Red Hot Chili Peppers und den Beastie Boys für seine eigene Suppe verkocht – dem ausgelassenen Mob jedenfalls hat’s bestens geschmeckt.
Wobei “ausgelassen” den Gemütszustand im Saal eher vorsichtig umschreibt. Es dürfte von diesem Abend eher wenige der üblichen mobilen Foto- und Filmhäppchen geben, wer es dennoch versuchte, lief schnell Gefahr, dass sein Smartphone der Flugbahn eines Bierbechers folgte. Von Anfang bis Ende kein Halten, die Meute hüpfte, schrie und tanzte ganz so, wie es der Taktgeber mit Bigband auf der Bühne vorgab: “Der ganze Scheißclub!” hieß die Anweisung und die wurde strikt befolgt. Ob das dann Hardrock, Dub oder Disko hieß, ob neu oder “Türlich, Türlich”, “O Jonny”, “Klar” – alles war egal, solange es wild war. Am Ende stand man durchnässt und mit schwammigem Schädel vor dem Plakat einer Baumarktkette an der Bushaltestelle, las “Mach was gegen hässlich!” und dachte bei sich, dass der Macker da drinnen genau das seit Jahren tut. Und die Welt kostet es tatsächlich nicht.
Samstag, 5. April 2014
Kill J: Danish Feinkost
Okay, man muss schon eine Weile suchen, bis man zu den Klarnamen kommt, aber wenn man etwas nachholen will, dann sollte man's eben auch gründlich machen: Das Electro-Duo Kill J aus dem dänischen Kopenhagen sorgte im vergangenen Jahr mit seiner Single "Phoenix" für einiges Aufsehen und auch in diesem Jahr dürfte die Aufmerksamkeit nicht geringer werden.
Vor ein paar Tagen haben Lennart Rasmussen (Kill) und Julie Aargaard (J) das Video zum Song "Bullet" veröffentlicht - das Stück darf man wohl nicht nur in musikalischer, sondern auch in ästhetischer Hinsicht als Feinkost bezeichnen. Aasgaards kühles und fast kindliches Vibrato kontrastiert perfekt zu den synthetischen Beats und Loops. Schön deshalb, dass sich bei YoursTruly nun auch noch der Mitschnitt einer sehr intimen Session der zwei zu dem Titel "You Have Another Lover" findet - faszinierende Klänge, von denen man bald mehr haben möchte.
Vor ein paar Tagen haben Lennart Rasmussen (Kill) und Julie Aargaard (J) das Video zum Song "Bullet" veröffentlicht - das Stück darf man wohl nicht nur in musikalischer, sondern auch in ästhetischer Hinsicht als Feinkost bezeichnen. Aasgaards kühles und fast kindliches Vibrato kontrastiert perfekt zu den synthetischen Beats und Loops. Schön deshalb, dass sich bei YoursTruly nun auch noch der Mitschnitt einer sehr intimen Session der zwei zu dem Titel "You Have Another Lover" findet - faszinierende Klänge, von denen man bald mehr haben möchte.
Peter Murphy: Nichts für zarte Gemüter
Da ist sie also, die erste Single - ein harter Brocken, fürwahr: Kürzlich haben wir das neue Album "Lion" von Ex-Bauhaus-Boss Peter Murphy angekündigt, damals gab es dazu eine Art Videoübersicht mit ein paar Stichproben, hier und jetzt kommt "Hang Up" in voller Länge. Das Stück wurde vom Killing-Joke-Bassisten Youth produziert und genau das hört man auch.
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