Da möchte man jetzt um Himmels Willen nichts hineininterpretieren, aber wenn aus einem Quartett ein Trio wird und das jetzt nur noch aus Frauen besteht, dann lassen sich vielleicht auch Songs wie der vorliegende noch glaubwürderiger rüberbringen. Obwohl anzunehmen ist, dass auch Ex-Drummer Antonio Postius die Wut von Jazz Rodríguez Bueno, Carla Pérez Vas und und Leia Rodríguez, allesamt aus Barcelona, teilen dürfte. Die nämlich singen in "Men" über die alltäglichen Erfahrungen von Frauen, auf der Straße, im Büro oder sonstwo mit männlichen Blicken, mit abschätziger Attitüde und herabwürdigenden Bemerkungen konfrontiert zu werden. Mourn, so heißt ihre Band, haben diesen Song als dritte Single aus dem für den 30. Oktober bei Captured Tracks angekündigten Album "Self Worth" veröffentlicht, zuvor waren schon "This Feeling Is Disgusting" und "Call You Back" erschienen. Zuletzt gab es von Mourn die Platten "Ha, Ha, He." (2016) und "Sopresa Familia" (2018) zu hören.
Donnerstag, 17. September 2020
Mourn: Wütend zu dritt
Mittwoch, 16. September 2020
Doves: Selbstbestätigung
„The Universal Want“
(Heavenly Recordings)
Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass der alternative Gitarrenrock mit seinen großen Gefühlen und Melodien etwas ins Hintertreffen geraten ist. Sei es aus Angst vor dem Coldplay-Effekt, mit dessen Hilfe man bekanntlich ganz schnell ins Hintertreffen und also in den Schmalztopf geraten kann und nurmehr als rührige Untermalung für tränenreiches Serienmaterial aus den Notaufnahmen dieser Welt gebucht wird. Kann aber auch sein, dass es nur die falschen versucht haben. Denn dass es einigermaßen unpeinlich funktionieren kann, beweisen ja seit Jahren die Mannen um Guy Garvey von der britischen Band Elbow. Die kommen aus Manchester und dort gibt es – Achtung: Kreis geschlossen – durchaus eine beachtliche Tradition in dieser Hinsicht. Vor ziemlich genau elf Jahren nämlich lieferten Jez Williams, Jimi Goodwin und Andy Williams als Doves mit „Kingdom Of Rust“ ihr letztes Meisterwerk ab, danach war, wenn schon nicht Schluß, so doch leider Sendepause. Und die Hoffnung auf eine Wiederkehr des Trios sank mit jedem weiteren Jahr.
Bis – ja bis im Frühjahr die EP „Remnants I/II“ auftauchten und sofort die Gerüchte ins Kraut schossen. Heute wissen wir, dass die Doves sehr wohl vorhatten, neues Material aufzunehmen, sich nur eben entsprechend Zeit lassen wollten. Und weil halbgare Informationen zwar modern, aber nicht ihre Sache sind, haben sie wohl lieber mit der frohen Botschaft gewartet, bis diese belastbar war. Gelohnt hat sich das Warten in jedem Fall, denn „The Universal Want“ ist genau das geworden, was man erwarten durfte: Vollgepackt mit schmeichlerischen Melodien und dem (nein, man kommt nicht drum herum) hymnischen Gesang. Schon der schwelgerische Opener „Carousels“ packt sofort zu und hebt einen gleichsam in luftige Höhen. Von hier aus betrachtet man hernach mit den dreien aus ganzheitlicher Vogelperspektive die Welt, und zwar sowohl die vergangene mit ihren schönen Erinnerungen, aber auch die neue, oftmals so befremdliche mit all den Ängsten und Nöten. Und wir Menschen mitten drin – unvollkommen, mal beschränkt, mal bemüht, oft hilflos.
Aber auch nicht ohne Hoffnung. In Stücken wie „For Tomorrow“ oder „Prisoners“ folgen sie zwar düsternen Gedanken, Selbstzweifeln und der Furcht vor der Zukunft, lenken den Blick aber auch mit Zuversicht auf Kommendes, vertrauen der schöpferischen Kraft eines jeden einzelnen. Mental health ist das Stichwort, Jimi Goodwin hat dem NME kürzlich gesagt, dass viele Texte bei den Doves wie Selbstgespräche klingen, darauf angelegt, mit sich ins Reine zu kommen, sich anzunehmen und das Leben so leichter und erträglicher zu machen. Ihnen jedenfalls scheint das gut gelungen, die Songs klingen frisch und kraftvoll, wunderbare, manchmal fast psychedelische Gitarrenklänge schweben über pluckernden Beats und wenn man diese Dreiviertelstunde mit Hingebung erlebt hat, dann wird auch die Landung eine sanfte werden. Gut, dass man sich solch eine Platte immer wieder hervorholen kann, gut, dass die Doves wieder zurück im Spiel sind.
Pan Amsterdam: Gelöstes Rätsel
Jettes: Im gleichen Takt [Update]
Für die nächsten beiden vielversprechenden Acts geht es - selten genug kommt es leider vor - zur Abwechslung mal nach Deutschland. Den Anfang macht dieses Duo und wer in der School of Rock gut aufgepaßt hat, dem wird der Name der einen Hälfte Laura Lee ganz gewiss etwas sagen. Denn die spielt normalerweise bei der Kapelle Gurr. Melody Connor wiederum stammt ursprünglich aus Kalifornien und ist eigentlich langjähriger Freund von Labelkollegin Laura Carbone, welche die beiden einander vorstellte. Mittlerweile lebt auch Connor in Berlin und teilt mit Lee nicht nur den annähernd gleichen Musikgeschmack, sondern auch die neue Band Jettes. Im November letzten Jahres erschien die erste gemeinsame EP mit dem Titel "Hockey Smile", im Mai diesen Jahres folgte (coronabedingt) eine sehr feine Akustik-Version des The-Breeders-Hits "Divine Hammer" und nun also die bei Duchess Box Records verlegte Single "Team" - so gut wie sie klingen, darf das gern in diesem Takt weitergehen.
Update: Weil heute Abend der erste Slot von zweien auf dem Hamburger Reeperbahn Festival stattfindet, gibt es von den Jettes gleich noch eine weitere neue Single zu hören - "Justine" läutet auch, so ist zu lesen, eine Schaffenspause für Lee's Band Gurr ein.
16.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
18.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
05.10. Bonn, Harmonie
Dienstag, 15. September 2020
Lambchop: Unerklärlich
Fontaines D.C.: Mit besten Absichten [Update]
Fontaines D.C.
„A Hero’s Death“
(Partisan Records)
Woher all der Argwohn kommt? Nun, manchmal ist das Alter eben nicht von Vorteil, sorgt die damit angeblich einhergehende Weisheit, von der ständig die Rede ist, dafür, dass man das hektische und beneidenswert vorbehaltlose Schaffen der Jugend mit misstrauischen Blicken und Zweifeln begleitet. Dabei ist doch eigentlich gar nichts Verwerfliches daran, wenn eine so junge und talentierte Band wie die Fontaines D.C. aus Dublin gerade mal ein Jahr nach Veröffentlichung ihres fabelhaften Debüts „Dogrel“ gleich die nächste, allzeit beunkte zweite Platte angeht. Lassen wir also alle Bedenken und schlechten Beispiele (The Killers, Kings Of Leon, Coldplay, you name it) mal beiseite. Und freuen uns an der Schlagzeile der Irish Times, die gerade treffend titelte: „Same band, different songs, same brilliance“.
Genaugenommen war das ja genau die Schlagzeile, die man insgeheim erhofft hatte. Und selbst die Band scheint hin- und hergerissen zwischen eigenem Anspruch und der Erwartungshaltung ihres nunmehr doch recht großen Publikums. Auf der einen Seite, so sagte Sänger Grian Chatten dem Guardian, habe er gar keine Lust, sich zu rechtfertigen, ob denn die neue Platte mit der alten vergleichbar sei, ob ein „weiter so“ vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: “This is us as people. If people can’t accept it or don’t like it, then their band is gone.” BAM! Andererseits unterstrich Chatten im gleichen Gespräch, dass es nichts Verlogeneres gäbe als einen Rockstar, der sich angeblich um nichts und niemanden bei seiner Arbeit Gedanken mache – der Mittelweg, ein schmaler Grat, ist es wohl, was den Reizpunkt setzt.
Dass die Fontaines D.C. mit ihrem neuen Status nicht rundherum glücklich sind, beweisen die mehr oder weniger deutlichen Textbezüge in den Songs von „A Hero’s Death“ – Stücke wie „Televised Mind“, „A Lucid Dream“ (Update: Video) und „I Don’t Belong“ wählen hier eine ungewohnt ehrliche Sprache. Mit Überzeugung so zu sein, wie man ist – Chattens großes Anliegen auf diesem Album. Dann nämlich landet man schnell auf der übergeordneten Ebene mental health, die ja in den letzten Monaten und Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit und Brisanz erfahren hat. Vor diesem Hintergrund erlangen wiederum Songs wie „A Hero’s Death“, „I Was Not Born“ und an abschließende „No“ eine um so dringlichere Bedeutung. Und bilden den Kontrast zu nostalgischer Rückschau, Liebeslied und Alltagsflucht, die auch ihren Platz bekommen.
Auffällig in musikalischer Hinsicht – das neue Werk ist, mehr als das Debüt, welches noch von Ungestüm geprägt war, ein Songwriting-Album geworden, die fünf legen weitaus größeren Wert auf Wandelbarkeit, stilistische Nuancen, genre-crossing also. Wo „Dorgel“ noch ein lupenreines Post-Punk-Gewächs war, werden hier ganz andere Fachgebiete touchiert, kommen Streicher, Akustik- und Westerngitarren zum Einsatz, sogar balladeske Züge versagen sie sich nicht („Oh Such A Spring“) und bei „Sunny“ erwartet man fast, dass nunmehr gleich ein Sinatra-Hologram um die Ecke tänzelt und Ol Blue Eyes dem Sänger mit generösem Blick den Arm um die Schulter legt. „That is us“ - wie gesagt, sie wollten es wissen und haben es durchgezogen.
Es gibt, das darf man feststellen, keinen einzigen schlechten und keinen langweiligen Song auf dieser Platte - und beileibe nicht alle brechen mit den Erwartungen (soll heißen: Post-Punk still exits, mate). Dass die Jungs ihren Anhänger*innen etwas zumuten mußten, wollten sie vor sich selbst das Gesicht nicht verlieren, ist schlüssig und bestens geglückt. Ohnehin gibt es, und zwar besonders in der Rückschau mit einiger Zeit Abstand, kaum etwas Öderes als die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Schon klar, sie sind nicht die ersten mit dieser Erkenntnis, aber einen ganz wichtigen Punkt haben sie, glaubt man dem Gitarristen Carlos O’Connell, schon mal kapiert: “It’s not up to us to become the biggest band in the world, it just isn’t. It’s up to how the music resonates.”
15.03. Zürch, Dynamo
16.03. München, Backstage
19.03. Berlin, Astra Kulturhaus
20.03. Hamburg, Gruenspan
26.03. Wiesbaden, Schlachthof
27.03. Köln, Live Music Hall
Billy Nomates: Ein erster Anfang
16.02. Berlin, Urban Spree
Montag, 14. September 2020
Alex The Astronaut: Erstaunlich geerdet
„The Theory Of Absolutely Nothing“
(Minkowski Records)
Soll keine/r behaupten, er oder sie wisse mit solcher Musik nichts anzufangen – zu gefühlig, zu schwärmerisch, zu verträumt? Pah, da kann man in den Playlisten der härtesten Knochen stöbern, irgendwo entdeckt man immer einen Song von Joni Mitchell, Suzanne Vega, First Aid Kit oder Amy MacDonald. Gerade die drei Letztgenannten sind nicht ganz zufällig gewählt, denn Alexandra Lynn, Twen aus Sydney, spielt mit ihrem gitarrenorientierten Folkrock in eben jener Liga. Und das bedeutet eben auch, dass die Stücke auf dem Debütalbum zwar verdammt locker klingen, aber deshalb keineswegs banal oder seicht sind. Denn auch wenn die zahlreichen Bezüge der studierten Mathematikerin (!) und Physikerin (!!) wie Labelname, Albumtitel und Pseudonym vermuten lassen, dass Lynn den Kontakt zum realen Leben etwas verloren zu haben scheint, so schöpft sie für die Texte ihrer Platte doch aus einer Alltäglichkeit, die vielen Mädchen und Frauen in diesem Alter bekannt sein müsste. Die melancholische Rückschau auf unbeschwerte Tage ist da ebenso dabei wie die große Liebe und der Trennungsschmerz. Oder eben auch sehr ernsthafte Gedanken zu Abtreibung („Lost“) und häuslicher Gewalt („I Like To Dance“) – man kann ihr wahrlich nicht vorwerfen, den Problemen ihrer Generation oder ihrer Altersgenossinnen aus dem Weg zu gehen. Sie packt sie auf ihre Weise an. Dass die Stücke zudem sehr eingängig und melodieverliebt klingen, will man ihr nicht wirklich zum Vorwurf machen. Auch wenn sie in Zukunft gern mal etwas beherzter in die Saiten ihrer Gitarre etwas härter anfassen darf, läßt man sich von den Songs des Albums dich nur zu gern mitnehmen.
Sonntag, 13. September 2020
Brausepöter x Bluthund: Angetreten!
Die einen ganz neu, die anderen altbekannt. Die einen aus Berlin, die anderen aus NRW. Was sie eint: Ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Militaria im Allgemeinen und der Bundeswehr im Speziellen. Denn einer der bekanntesten Songs von Brausepöter (das sind die Altbekannten) ist ein Song besagten Namens, Bluthund (die Newbies sozusagen) sind gerade dabei, ihre aktuell dritte Single zu promoten die da heißt "Soldatinnen und Soldaten" im Flintenuschi-Edit. Es gibt also, auch wenn man soundmäßig doch etwas auseinanderliegt, durchaus inhaltliche Parallelen und auch die gute alte Sturmhaube kommt bei beiden Truppen, äh - Bands wieder zu neuen Ehren. "FREMDER", so der Titel von Brausepöter, stammt im Übrigen aus dem Film "Das Theater träumt" von Christian Schäfer (mit Texten u.a. von Nora Gomringer, Theresia Walser, Tilman Rammstedt und Moritz Rinke) und soll die Zeit bis zum nächsten Album Anfang 2021 überbrücken. Bluthund wiederum hatten bislang die Tracks "BYE BYE IROKESENGANG" und "VIBEKILLAH" in Umlauf, mit ihrem "StromGitarrenWutRap" (Selbstbezichtigung) werden auch sie wohl bald in großem Stil auf LP debütieren. Vorerst das Ganze hier als gemeinsame Präsentation.
Samstag, 12. September 2020
Tropical Fuck Storm: Naturereignis [Update]
Freitag, 11. September 2020
The Screenshots: StartUp again [Update]
Update: An den Kennziffern (haha) hat sich nichts geändert, wir ergänzen nur eine weitere Single. Der neue Song "Träume feat. LGoony" kann mit viel brauchbarem Equipment aufwarten und vor allem mit dem sagenhaften "Christian-Lindner- Swag". Wer kann das schon toppen?
22.01. Münster, Gleis 22
23.01. Köln, Gebäude 9
16.02. Bremen, Lagerhaus
17.02. Hamburg, Molotow
18.02. Berlin, SO36
19.02. Leipzig, Naumanns
24.02. Wiesbaden, Schlachthof
25.02. Karlsruhe, Kohi
26.02. Nürnberg, Club Stereo
27.02. Augsburg, Soho Stage
01.03. Wien, B72
02.03. Salzburg, Rockhouse
03.03. München, Kranhalle
05.03. Dresden, Scheune
06.03. Bochum, Die Trompete
15.04. Osnabrück, Popsalon Festival
19.08. Dornstadt, Oberwiesenfestivalgelände
Donnerstag, 10. September 2020
Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs: Hingehört
Shame: Mit einiger Verspätung
Mittwoch, 9. September 2020
Kala Brisella: Arbeiterklasse
Deadletter: Oder einfach tanzen
Montag, 7. September 2020
Viagra Boys: Neue Tour steht
19.05. Leipzig, Conne Island
21.05. Wien, Flex
23.05. München, Technikum
24.05. Berlin, Festsaal Kreuzberg
25.05. Hamburg, Uebel und Gefährlich
30.05. Köln, Kantine
Idles: Über den Kanal
31.05. Hamburg, Docks
01.06. München, Muffathalle
04.07. Berlin, Columbiahalle
05.07. Köln, E-Werk
Sonntag, 6. September 2020
Urlaub in Polen: Ungekannte Untiefen
25.11. Köln, Bumann und Sohn
02.12. Dresden, Groove Station
03.12. Leipzig, Ilses Erika
04.12. Chemnitz, Atomino
05.12. München, Heppel und Ettlich
06.12. Nürnberg, Z-Bau
07.12. Freiburg, Café Atlantik
08.12. Frankfurt am Main, The Cave
09.12. Osnabrück, Bastard Club
10.12. Hamburg, Hafenklang
11.12. Hannover, Bei Chéz Heinz
12.12. Mühlheim, Makroscope
All diese Gewalt: Nicht im Reinen
Plants And Animals: Gern mal verrückt [Update]
Update: Und es geht so gut weiter wie begonnen - hier kommt mit "House On Fire" eine zweite Single und die Ankündigung, dass sich diese und der Vorgänger auf einem Album namens "The Jungle" wiederfinden, das am 23. Oktober bei Secret City Records erscheinen wird ... GErn ergänzen wir hier noch das Video zum neuen Song "Le Queens", gesungen auf französisch und inspiriert vom New Yorker Stadtteil Queens ... gefolgt von Auskopplung Nummer drei "Love That Boy".