Donnerstag, 17. September 2020

Mourn: Wütend zu dritt

Da möchte man jetzt um Himmels Willen nichts hineininterpretieren, aber wenn aus einem Quartett ein Trio wird und das jetzt nur noch aus Frauen besteht, dann lassen sich vielleicht auch Songs wie der vorliegende noch glaubwürderiger rüberbringen. Obwohl anzunehmen ist, dass auch Ex-Drummer Antonio Postius die Wut von Jazz Rodríguez Bueno, Carla Pérez Vas und und Leia Rodríguez, allesamt aus Barcelona, teilen dürfte. Die nämlich singen in "Men" über die alltäglichen Erfahrungen von Frauen, auf der Straße, im Büro oder sonstwo mit männlichen Blicken, mit abschätziger Attitüde und herabwürdigenden Bemerkungen konfrontiert zu werden. Mourn, so heißt ihre Band, haben diesen Song als dritte Single aus dem für den 30. Oktober bei Captured Tracks angekündigten Album "Self Worth" veröffentlicht, zuvor waren schon "This Feeling Is Disgusting" und "Call You Back" erschienen. Zuletzt gab es von Mourn die Platten "Ha, Ha, He." (2016) und "Sopresa Familia" (2018) zu hören.









Mittwoch, 16. September 2020

Doves: Selbstbestätigung

Doves
„The Universal Want“

(Heavenly Recordings)

Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass der alternative Gitarrenrock mit seinen großen Gefühlen und Melodien etwas ins Hintertreffen geraten ist. Sei es aus Angst vor dem Coldplay-Effekt, mit dessen Hilfe man bekanntlich ganz schnell ins Hintertreffen und also in den Schmalztopf geraten kann und nurmehr als rührige Untermalung für tränenreiches Serienmaterial aus den Notaufnahmen dieser Welt gebucht wird. Kann aber auch sein, dass es nur die falschen versucht haben. Denn dass es einigermaßen unpeinlich funktionieren kann, beweisen ja seit Jahren die Mannen um Guy Garvey von der britischen Band Elbow. Die kommen aus Manchester und dort gibt es – Achtung: Kreis geschlossen – durchaus eine beachtliche Tradition in dieser Hinsicht. Vor ziemlich genau elf Jahren nämlich lieferten Jez Williams, Jimi Goodwin und Andy Williams als Doves mit „Kingdom Of Rust“ ihr letztes Meisterwerk ab, danach war, wenn schon nicht Schluß, so doch leider Sendepause. Und die Hoffnung auf eine Wiederkehr des Trios sank mit jedem weiteren Jahr.



Bis – ja bis im Frühjahr die EP „Remnants I/II“ auftauchten und sofort die Gerüchte ins Kraut schossen. Heute wissen wir, dass die Doves sehr wohl vorhatten, neues Material aufzunehmen, sich nur eben entsprechend Zeit lassen wollten. Und weil halbgare Informationen zwar modern, aber nicht ihre Sache sind, haben sie wohl lieber mit der frohen Botschaft gewartet, bis diese belastbar war. Gelohnt hat sich das Warten in jedem Fall, denn „The Universal Want“ ist genau das geworden, was man erwarten durfte: Vollgepackt mit schmeichlerischen Melodien und dem (nein, man kommt nicht drum herum) hymnischen Gesang. Schon der schwelgerische Opener „Carousels“ packt sofort zu und hebt einen gleichsam in luftige Höhen. Von hier aus betrachtet man hernach mit den dreien aus ganzheitlicher Vogelperspektive die Welt, und zwar sowohl die vergangene mit ihren schönen Erinnerungen, aber auch die neue, oftmals so befremdliche mit all den Ängsten und Nöten. Und wir Menschen mitten drin – unvollkommen, mal beschränkt, mal bemüht, oft hilflos.



Aber auch nicht ohne Hoffnung. In Stücken wie „For Tomorrow“ oder „Prisoners“ folgen sie zwar düsternen Gedanken, Selbstzweifeln und der Furcht vor der Zukunft, lenken den Blick aber auch mit Zuversicht auf Kommendes, vertrauen der schöpferischen Kraft eines jeden einzelnen. Mental health ist das Stichwort, Jimi Goodwin hat dem NME kürzlich gesagt, dass viele Texte bei den Doves wie Selbstgespräche klingen, darauf angelegt, mit sich ins Reine zu kommen, sich anzunehmen und das Leben so leichter und erträglicher zu machen. Ihnen jedenfalls scheint das gut gelungen, die Songs klingen frisch und kraftvoll, wunderbare, manchmal fast psychedelische Gitarrenklänge schweben über pluckernden Beats und wenn man diese Dreiviertelstunde mit Hingebung erlebt hat, dann wird auch die Landung eine sanfte werden. Gut, dass man sich solch eine Platte immer wieder hervorholen kann, gut, dass die Doves wieder zurück im Spiel sind.



Pan Amsterdam: Gelöstes Rätsel

Gern könnten wir jetzt das altbekannte Loblied auf die letzten Mysterien des Internets anstimmen - allein, wir haben es schon oft gesungen und ganz so geheim ist die Sache, um die es hier geht, nun auch nicht mehr. Spannend dafür um so mehr: Denn das New Yorker Musikprojekt Pan Amsterdam, hinter dem sich Trompeter und Produzent Leron Thomas verbirgt, macht in unregelmäßigen Abständen von sich reden. Richtig los ging's eigentlich mit dem Debütalbum "The Pocket Watch", das 2018 erschien und traditionellen Jazz mit zeitgemäßen Beats und Rhymes verknüpfte. Irgendwie ist Thomas auch auf den Radar von Punkikone Iggy Pop geraten, hat mit diesem 2019 zunächst die Single "Mobile" aufgenommen und ein paar Monate später auch gleich noch dessen Album "Free" als Trompeter begleitet und produziert. Damit hatte sich das Rätselraten um die Person hinter all den vorzüglichen Klängen natürlich so ziemlich erledigt, nicht aber Thomas' Lust an fruchtbaren Kollaborationen. Diese nämlich sind ein Hauptmerkmal seines neuen, zweiten Albums "HA Chu", das für den 2. Oktober bei Def Pressé terminiert ist. Darauf werden sich neben Stammgast Iggy Pop auch noch Persönlichkeiten wie Malik Ameer, Mr. Shn, GUTS und Coup Diablo finden, hinter letzterem verbirgt sich im Übrigen niemand anderes als Jimi Goodwin von der britischen Band Doves. Zwei Tracks hat man schon probehören dürfen, vor einigen Wochen erschienen "Carrot Cake" und "Debtors Skyline", heute nun kam ein dritter dazu und mit ihm eine weitere, erstaunliche Zusammenarbeit. Für "Hannibal Lecture" nämlich übernahm Jason Williamson von den Sleaford Mods den Vocalpart, was, wie man weiß, in der Regel ziemlich rüde ausgeht. Erfreulicherweise findet sich auf der Platte auch noch ein zweites "Duett", spätestens Anfang Oktober wissen wir, ob auch "Into Old Punks" der erwartete Knaller geworden ist.





Jettes: Im gleichen Takt [Update]

Für die nächsten beiden vielversprechenden Acts geht es - selten genug kommt es leider vor - zur Abwechslung mal nach Deutschland. Den Anfang macht dieses Duo und wer in der School of Rock gut aufgepaßt hat, dem wird der Name der einen Hälfte Laura Lee ganz gewiss etwas sagen. Denn die spielt normalerweise bei der Kapelle Gurr. Melody Connor wiederum stammt ursprünglich aus Kalifornien und ist eigentlich langjähriger Freund von Labelkollegin Laura Carbone, welche die beiden einander vorstellte. Mittlerweile lebt auch Connor in Berlin und teilt mit Lee nicht nur den annähernd gleichen Musikgeschmack, sondern auch die neue Band Jettes. Im November letzten Jahres erschien die erste gemeinsame EP mit dem Titel "Hockey Smile", im Mai diesen Jahres folgte (coronabedingt) eine sehr feine Akustik-Version des The-Breeders-Hits "Divine Hammer" und nun also die bei Duchess Box Records verlegte Single "Team" - so gut wie sie klingen, darf das gern in diesem Takt weitergehen.

Update: Weil heute Abend der erste Slot von zweien auf dem Hamburger Reeperbahn Festival stattfindet, gibt es von den Jettes gleich noch eine weitere neue Single zu hören - "Justine" läutet auch, so ist zu lesen, eine Schaffenspause für Lee's Band Gurr ein.

16.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
18.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
05.10.  Bonn, Harmonie







Dienstag, 15. September 2020

Lambchop: Unerklärlich

Der Erfolg des Vorstandsvorsitzenden aller Murmler und Rauner, Kurt Wagner also, ist als Phänomen hinzunehmen und kaum erklärlich, weil Kunst eben keine Erklärungen braucht, sondern einfach wirkt. Was hier wortwörtlich herbeistelzt, ist die Einleitung zur frohen Nachricht, dass nämlicher Wagner mit seiner Band Lambchop die Veröffentlichung eines Coveralbums mit dem Titel "TRIP" bekanntgegeben hat und zwar für den 13. November via City Slang Records. Die mit zittrigen Fingern (weil Vorfreude) ausgeführte Recherche bringt dann mit "Reservations" nicht nur die erste Hörprobe zum Vorschein - ganze dreizehn Minuten einer Neubearbeitung des Wilco-Songs vom unvergleichlichen Album "Yankee Hotel Foxtrot" (2002). Sondern auch die Tracklist mit weiteren fünf Stücken, u.a. mit "Where Grass Won't Grow" von George Jones, "Love Is Here And Now You're Gone" von den Supremes und Stevie Wonders "Golden Lady". Zur aktuellen Vorauskopplung merkte Wagner übrigens an: "As with all the covers on 'TRIP' it was chosen not so much for it's content or as a tribute to the original but for what our group could bring out in the recording of it. In this case I think it best demonstrates who we are as a group and what we are currently capable of expressing."



Fontaines D.C.: Mit besten Absichten [Update]

Fontaines D.C.
„A Hero’s Death“

(Partisan Records)

Woher all der Argwohn kommt? Nun, manchmal ist das Alter eben nicht von Vorteil, sorgt die damit angeblich einhergehende Weisheit, von der ständig die Rede ist, dafür, dass man das hektische und beneidenswert vorbehaltlose Schaffen der Jugend mit misstrauischen Blicken und Zweifeln begleitet. Dabei ist doch eigentlich gar nichts Verwerfliches daran, wenn eine so junge und talentierte Band wie die Fontaines D.C. aus Dublin gerade mal ein Jahr nach Veröffentlichung ihres fabelhaften Debüts „Dogrel“ gleich die nächste, allzeit beunkte zweite Platte angeht. Lassen wir also alle Bedenken und schlechten Beispiele (The Killers, Kings Of Leon, Coldplay, you name it) mal beiseite. Und freuen uns an der Schlagzeile der Irish Times, die gerade treffend titelte: „Same band, different songs, same brilliance“.



Genaugenommen war das ja genau die Schlagzeile, die man insgeheim erhofft hatte. Und selbst die Band scheint hin- und hergerissen zwischen eigenem Anspruch und der Erwartungshaltung ihres nunmehr doch recht großen Publikums. Auf der einen Seite, so sagte Sänger Grian Chatten dem Guardian, habe er gar keine Lust, sich zu rechtfertigen, ob denn die neue Platte mit der alten vergleichbar sei, ob ein „weiter so“ vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: “This is us as people. If people can’t accept it or don’t like it, then their band is gone.” BAM! Andererseits unterstrich Chatten im gleichen Gespräch, dass es nichts Verlogeneres gäbe als einen Rockstar, der sich angeblich um nichts und niemanden bei seiner Arbeit Gedanken mache – der Mittelweg, ein schmaler Grat, ist es wohl, was den Reizpunkt setzt.



Dass die Fontaines D.C. mit ihrem neuen Status nicht rundherum glücklich sind, beweisen die mehr oder weniger deutlichen Textbezüge in den Songs von „A Hero’s Death“ – Stücke wie „Televised Mind“, „A Lucid Dream“ (Update: Video) und „I Don’t Belong“ wählen hier eine ungewohnt ehrliche Sprache. Mit Überzeugung so zu sein, wie man ist – Chattens großes Anliegen auf diesem Album. Dann nämlich landet man schnell auf der übergeordneten Ebene mental health, die ja in den letzten Monaten und Jahren eine immer größere Aufmerksamkeit und Brisanz erfahren hat. Vor diesem Hintergrund erlangen wiederum Songs wie „A Hero’s Death“, „I Was Not Born“ und an abschließende „No“ eine um so dringlichere Bedeutung. Und bilden den Kontrast zu nostalgischer Rückschau, Liebeslied und Alltagsflucht, die auch ihren Platz bekommen.

Auffällig in musikalischer Hinsicht – das neue Werk ist, mehr als das Debüt, welches noch von Ungestüm geprägt war, ein Songwriting-Album geworden, die fünf legen weitaus größeren Wert auf Wandelbarkeit, stilistische Nuancen, genre-crossing also. Wo „Dorgel“ noch ein lupenreines Post-Punk-Gewächs war, werden hier ganz andere Fachgebiete touchiert, kommen Streicher, Akustik- und Westerngitarren zum Einsatz, sogar balladeske Züge versagen sie sich nicht („Oh Such A Spring“) und bei „Sunny“ erwartet man fast, dass nunmehr gleich ein Sinatra-Hologram um die Ecke tänzelt und Ol Blue Eyes dem Sänger mit generösem Blick den Arm um die Schulter legt. „That is us“ - wie gesagt, sie wollten es wissen und haben es durchgezogen.



Es gibt, das darf man feststellen, keinen einzigen schlechten und keinen langweiligen Song auf dieser Platte - und beileibe nicht alle brechen mit den Erwartungen (soll heißen: Post-Punk still exits, mate). Dass die Jungs ihren Anhänger*innen etwas zumuten mußten, wollten sie vor sich selbst das Gesicht nicht verlieren, ist schlüssig und bestens geglückt. Ohnehin gibt es, und zwar besonders in der Rückschau mit einiger Zeit Abstand, kaum etwas Öderes als die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung. Schon klar, sie sind nicht die ersten mit dieser Erkenntnis, aber einen ganz wichtigen Punkt haben sie, glaubt man dem Gitarristen Carlos O’Connell, schon mal kapiert: “It’s not up to us to become the biggest band in the world, it just isn’t. It’s up to how the music resonates.”

15.03.  Zürch, Dynamo
16.03.  München, Backstage
19.03.  Berlin, Astra Kulturhaus
20.03.  Hamburg, Gruenspan
26.03.  Wiesbaden, Schlachthof
27.03.  Köln, Live Music Hall

Billy Nomates: Ein erster Anfang

Natürlich kann das nur ein Anfang sein. Denn der Wunsch nach mehr, den Billy Nomates mit ihrem fabelhaften Debütalbum geweckt hat, dürfte mit dem einen Termin sicher nicht gestillt werden. Und doch: Es geht los. Erst vor wenigen Tagen trat die Selfmade-Künstlerin im Vorprogramm der Sleaford Mods bei einem Streaming-Event im Londoner 100Club auf und man geht sicher nicht zu weit, wenn man behauptet, sie habe den beiden Kerlen aus Notthingham ein wenig die Show gestohlen. Nun, sie werden das sicher verschmerzen, kümmern sich die Mods und ihr Management doch ohnehin rührend um ihre Karriere - jetzt also eine erste kleinere Europatour. Und die Hoffnung, dass wir die quirlige Künstlerin bald für ein paar Tage mehr hier in Deutschland begrüßen dürfen.

16.02.  Berlin, Urban Spree



Montag, 14. September 2020

Alex The Astronaut: Erstaunlich geerdet

Alex The Astronaut
„The Theory Of Absolutely Nothing“
(Minkowski Records)

Soll keine/r behaupten, er oder sie wisse mit solcher Musik nichts anzufangen – zu gefühlig, zu schwärmerisch, zu verträumt? Pah, da kann man in den Playlisten der härtesten Knochen stöbern, irgendwo entdeckt man immer einen Song von Joni Mitchell, Suzanne Vega, First Aid Kit oder Amy MacDonald. Gerade die drei Letztgenannten sind nicht ganz zufällig gewählt, denn Alexandra Lynn, Twen aus Sydney, spielt mit ihrem gitarrenorientierten Folkrock in eben jener Liga. Und das bedeutet eben auch, dass die Stücke auf dem Debütalbum zwar verdammt locker klingen, aber deshalb keineswegs banal oder seicht sind. Denn auch wenn die zahlreichen Bezüge der studierten Mathematikerin (!) und Physikerin (!!) wie Labelname, Albumtitel und Pseudonym vermuten lassen, dass Lynn den Kontakt zum realen Leben etwas verloren zu haben scheint, so schöpft sie für die Texte ihrer Platte doch aus einer Alltäglichkeit, die vielen Mädchen und Frauen in diesem Alter bekannt sein müsste. Die melancholische Rückschau auf unbeschwerte Tage ist da ebenso dabei wie die große Liebe und der Trennungsschmerz. Oder eben auch sehr ernsthafte Gedanken zu Abtreibung („Lost“) und häuslicher Gewalt („I Like To Dance“) – man kann ihr wahrlich nicht vorwerfen, den Problemen ihrer Generation oder ihrer Altersgenossinnen aus dem Weg zu gehen. Sie packt sie auf ihre Weise an. Dass die Stücke zudem sehr eingängig und melodieverliebt klingen, will man ihr nicht wirklich zum Vorwurf machen. Auch wenn sie in Zukunft gern mal etwas beherzter in die Saiten ihrer Gitarre etwas härter anfassen darf, läßt man sich von den Songs des Albums dich nur zu gern mitnehmen.



Sonntag, 13. September 2020

Brausepöter x Bluthund: Angetreten!


Die einen ganz neu, die anderen altbekannt. Die einen aus Berlin, die anderen aus NRW. Was sie eint: Ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu Militaria im Allgemeinen und der Bundeswehr im Speziellen. Denn einer der bekanntesten Songs von Brausepöter (das sind die Altbekannten) ist ein Song besagten Namens, Bluthund (die Newbies sozusagen) sind gerade dabei, ihre aktuell dritte Single zu promoten die da heißt "Soldatinnen und Soldaten" im Flintenuschi-Edit. Es gibt also, auch wenn man soundmäßig doch etwas auseinanderliegt, durchaus inhaltliche Parallelen und auch die gute alte Sturmhaube kommt bei beiden Truppen, äh - Bands wieder zu neuen Ehren. "FREMDER", so der Titel von Brausepöter, stammt im Übrigen aus dem Film "Das Theater träumt" von Christian Schäfer (mit Texten u.a. von Nora Gomringer, Theresia Walser, Tilman Rammstedt und Moritz Rinke) und soll die Zeit bis zum nächsten Album Anfang 2021 überbrücken. Bluthund wiederum hatten bislang die Tracks "BYE BYE IROKESENGANG" und "VIBEKILLAH" in Umlauf, mit ihrem "StromGitarrenWutRap" (Selbstbezichtigung) werden auch sie wohl bald in großem Stil auf LP debütieren. Vorerst das Ganze hier als gemeinsame Präsentation.









Samstag, 12. September 2020

Tropical Fuck Storm: Naturereignis [Update]

Gerade erst war zu lesen, worauf man mit ein wenig Allgemeinbildung auch schnell allein kommt: Wenn es ein Land, einen Kontinent gibt, dem es im Jahr 2020 besonders nass reingeht, dann ist das Australien. Gerade erst die schlimmsten Wald- und Buschbrände seit Urzeiten überstanden, kommt nun mit Verspätung das grauslige Virus um die Ecke und sorgt für Katastrophenstimmung in Wiedervorlage. Ein Trost deshalb, dass nicht bei jedem Sturm der Notstand ausgerufen werden muss - der folgende nämlich ist zunächst einmal rein künstlerischer Natur: Tropical Fuck Storm könnte man zwar im übertragenen Sinne durchaus als Naturereignis bezeichnen, dennoch zählt die Band aus Melbourne zur Gattung der musizierenden Kleinstkollektive. Gareth Liddiard, Fiona Kitschin, Lauren Hammel und Erica Dunn machen seit 2018, dem Erscheinungsjahr ihres Debüts "A Laughing Death in Meatspace", gemeinsame Sache, ein Jahr später schon kam Album Nummer zwei "Braindrops" in den Handel und nun im April eine 7" mit dem Namen "Suburbiopia/This Perfect Day", wobei letzteres die Coverversion eines alten Songs von The Saints ist. Wem beim Anhören des neuen Stückes eine der Stimmen bekannt vorkommt, die/der hat ein gutes Gehör, denn hier haben sich TFS Unterstützung bei Amy Taylor, Frontfrau von Amyl And The Sniffers, geholt. Der Stil des Quartetts läßt sich im Übrigen ziemlich schlecht umschreiben, vielleicht trifft es Art Punk noch am ehesten.

Update: Ein außerordentlich schöner Song, eine außerordentlich gelungene Coverversion - "Heaven" von den Talking Heads klingt bei Tropical Fuck Storm eine ganz Spur schiefer, kaputter. Der Song ist die Flipside der kürzlich veröffentlichten Single "Legal Ghost".





Freitag, 11. September 2020

The Screenshots: StartUp again [Update]

Die frohe Kunde geisterte ja schon ein paar Tage durch die Netzwerke der Republik, nun gibt es Gewißheit und auch Greif-, also Hörbares: The Screenshots, das überaus charmante Krefelder Punkrocktrio, holen zu einem weiteren Schlag gegen das Establishment aus und planen nicht nur für den Januar ihre "Glaub an deine Träume"-Tour, sondern auch die Veröffentlichung ihres zweiten offiziellen Albums. Für dieses haben sich Dax Werner, Susi Bumms und Kurt Prödel mit "Zwei Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee" auch einen unvergesslich schönen Titel einfallen lassen, am 16. Oktober rollt der Verkauf an. Und weil "Übergriff", "Ein starkes Team" und "Europa" mittlerweile schon bedenklich abgeschliffene Rillen auf dem Plattenteller haben, gibt es mit dem Song "Snacks" wenigstens schon mal einen Vorboten zu hören (zusätzlich garniert mit dem Video zur letzten Single "Die Welt geht noch nicht unter").

Update: An den Kennziffern (haha) hat sich nichts geändert, wir ergänzen nur eine weitere Single. Der neue Song "Träume feat. LGoony" kann mit viel brauchbarem Equipment aufwarten und vor allem mit dem sagenhaften "Christian-Lindner- Swag". Wer kann das schon toppen?

22.01.  Münster, Gleis 22
23.01.  Köln, Gebäude 9
16.02.  Bremen, Lagerhaus
17.02.  Hamburg, Molotow
18.02.  Berlin, SO36
19.02.  Leipzig, Naumanns
24.02.  Wiesbaden, Schlachthof
25.02.  Karlsruhe, Kohi
26.02.  Nürnberg, Club Stereo
27.02.  Augsburg, Soho Stage
01.03.  Wien, B72
02.03.  Salzburg, Rockhouse
03.03.  München, Kranhalle
05.03.  Dresden, Scheune
06.03.  Bochum, Die Trompete
15.04.  Osnabrück, Popsalon Festival
19.08.  Dornstadt, Oberwiesenfestivalgelände







Donnerstag, 10. September 2020

Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs: Hingehört

Das nennt man Faust auf's Auge: Gerade heute einen sehr unterhaltsamen Artikel über den ledrigen Altherrenrock von Deep Purple in der Süddeutschen Zeitung gelesen und dann kommt kurz darauf eine neue Single der britischen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs um die Ecke und beweist eben, dass zumindest diese Jungs ziemlich gut hingehört haben müssen, als es um die maßgeblichen Dinge der Musik ging. "Hell's Teeth" jedenfalls scheppert ordentlich und stammt natürlich von der ebenso furiosen Platte "Viscerals", die erst im April dieses Jahres erschienen ist. Zu dem Song gibt es im Übrigen auch noch einen hübschen Animationsclip von Lucy Dyson und einen abgefahrenen Remix der mexikanischen Lorena Quintanilla, die hier unter dem Pseudonym J.Zunz firmiert.



Shame: Mit einiger Verspätung

Die Nachricht von einem neuen Album der Londoner Krachkapelle Shame stammt noch aus dem Januar, bekanntlich kam dann alles anders und schlimmer als gedacht und an business as usual war lange Zeit nicht zu denken. Langsam jedoch läuft die Maschine wieder an und so können Charlie Steen und Kollegen heute ihre aktuelle Single "Alphabet" präsentieren. Laut sind sie noch immer, waren sie schon auf ihrem phänomenalen Debüt "Songs Of Praise" und auch auf der Bühne ließen sich die fünf Herren nicht lumpen und gaben ordentlich Gas. Wie, wann und mit welchem Titel das zweite Komplettwerk erscheinen wird, geht sicher bald über den Ticker.



Mittwoch, 9. September 2020

Kala Brisella: Arbeiterklasse

Auch das hier zählt im weitesten Sinne noch zum Post-Punk, auch wenn es die Berliner Band Kala Brisella, so liest man gerade, mehr und mehr darauf anlegt, nicht mehr ganz so einfach in die jeweilige Schublade zu passen. Waren ihr Debütalbum "Endlich krank" noch ein veritabler Schrammelfetzen, so gab es auf dem Nachfolger "GHOST" schon differenziertere Töne zu hören. Auf "Lost In Labour" nun, der dritten Platte des Trios, sollen jetzt neben Krautrock-Reminiszenzen auch Disko und Rap zu hören sein. Dass Produzent Olaf O.P.A.L. auch hier seine Finger im Spiel hatte, verwundert da kaum, der Mann gilt schließlich als Klangveredler, verantwortlich für den letzten, den feinen Schliff. Für die erste Single "Working Star" greifen Anja Müller, Dennis Deter und Jochen Haker zum doppelten Boden und bringen mit Slogans wie "Deine Arbeit bist nicht du. Du bist nichts ohne sie" ihre Art von Systemkritik unters Tanzvolk. Der Rest wird dann am 13. November bei Tapete Records erscheinen.



Deadletter: Oder einfach tanzen

Auch nach der Sommerpause wird mit Post-Punk nicht geknausert - den Anfang macht die Londoner Band Deadletter, eine vierköpfige Herrenkapelle, die im vergangenen Jahr mit ihrer Single "Good Old Days" auf BBC6 debütierte und schon für Acts wie die Viagra Boys oder Squid die Bühne bereitmachte. Nun kommen sie also mit ihrem neuen Song "Fit For Work" um die Ecke, ein schmissiger Kracher irgendwo zwischen Gang Of Four und The Fall. Sänger Zac Woolley hat zur Idee des Stückes folgendes zu erzählen: "'Fit For Work' was a concept a long time before it was a song. As a band, and as a writer, we [I] have always regarded the call and response strategy as biblical. The idea of having a conversation during the delivery of art leads to this absurd metaphysical tangent of acknowledging your art is art whilst performing it; similar to when artists use the line “I wrote this song for you because…” what they are doing, when you think about it, is taking away the idea that what they’re creating exists in itself, and is in fact an entity that exists in a wholly real world." Wem das jetzt zu hochtrabend klingt, der darf auch einfach nur die Anlage laut aufdrehen und ein bisschen tanzen, die Jungs haben sicher nichts dagegen.



Montag, 7. September 2020

Viagra Boys: Neue Tour steht

Und noch ein Grund für ein kräftiges "Hallelujah!" heute - gerade haben die Viagra Boys aus Schweden ihre Tourdaten für das kommende Jahr aktualisiert. Eigentlich war die Konzertreise aus Anlass der Veröffentlichung ihres zweifellos phänomenalen Albums "Street Worms", gefolgt von der gleichermaßen grandiosen EP "Common Sense", für das Frühjahr 2020 vorgesehen, doch weil das doofe Virus dazwischen kam, waren sie eine der ersten Kapellen, denen die Auftrittsmöglichkeiten gestrichen wurden. So what dürfen wir heute sagen, sie kommen ja wieder:

19.05.  Leipzig, Conne Island
21.05.  Wien, Flex
23.05.  München, Technikum
24.05.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
25.05.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
30.05.  Köln, Kantine





Idles: Über den Kanal

Was ein paar Termine so ausmachen können an einem trüben Tag wie diesem. Noch vor einer Woche haben die Idles, deren neues Album "Ultra Mono" für den 25. September sehnsüchtig erwartet wird, die Daten für ihre Englandtournee bekanntgegeben und wir hier auf dem Festland waren gehörig neidisch. Doch damit ist nun Schluss, denn heute wurde wie erhofft auch für das restliche Europa (Fick dich, Brexit!) ergänzt und auch wenn es noch sehr, sehr lang hin ist bis zur Landung vor Ort, so geht das Dauergrinsen der Vorfreude für die nächsten Stunden nicht mehr aus dem Gesicht. Verkaufsstart ist Freitag, 11. September ab 11:00 Uhr. Und falls noch irgendjemand einen Schubs in Sachen Kaufentscheidung braucht (sehr schwer vorstellbar), dann haben wir sicherheitshalber eine kleine Auswahl an Mitschnitten aus den Londoner Abbey-Road-Studios im Rahmen einer Lock-In-Session, eingespielt am 30. August dieses Jahres - namentlich die Cover "Helter Skelter" (The Beatles) und "I Wanna Be Sedated" (The Mahones) und natürlich "Mother" als all time classic.

31.05.  Hamburg, Docks
01.06.  München, Muffathalle
04.07.  Berlin, Columbiahalle
05.07.  Köln, E-Werk





Sonntag, 6. September 2020

Urlaub in Polen: Ungekannte Untiefen

Eigentlich sollte es diesen Post gar nicht geben, denn eigentlich war diese Band schon Geschichte. Eigentlich ist das aber auch egal, denn Urlaub in Polen haben gerade bei Tapete Records ihr sechstes Album "All" angekündigt und das ist nicht nur eigentlich, sondern wirklich eine gute Nachricht. Ganze neun Jahre nach "Boldstriker" haben sich Jan Philipp Janzen und Brenner also für eine weitere Platte zusammengetan (genaugenommen haben sie das schon vorher, denn solch ein Tonträger entsteht schließlich nicht über Nacht) - zehn neue Stücke werden sich darauf befinden und wie das Label mitteilte, messen diese die Untiefen zwischen Westküstenpop, rheinischem Techno und frühen Dire Straits aus. Was auch immer dabei rauskommen mag, es klingt verrückt genug, um es jetzt schon zu mögen. Die erste Single "Impulse Response" krautrockt jedenfalls schon mal kräftig und erinnert visuell dazu noch an die fabelhafte Luzie, den realsozialistischen Schrecken der Straße. Stammt aber tatsächlich aus noch früherer Zeit, genauer aus dem Jahr 1973 ("The Munchers: A Fable") und wurde von Christopher Marquez zusammengebaut. Apropos Straße - Livedates gibt es auch:

25.11.  Köln, Bumann und Sohn
02.12.  Dresden, Groove Station
03.12.  Leipzig, Ilses Erika
04.12.  Chemnitz, Atomino
05.12.  München, Heppel und Ettlich
06.12.  Nürnberg, Z-Bau
07.12.  Freiburg, Café Atlantik
08.12.  Frankfurt am Main, The Cave
09.12.  Osnabrück, Bastard Club
10.12.  Hamburg, Hafenklang
11.12.  Hannover, Bei Chéz Heinz
12.12.  Mühlheim, Makroscope



All diese Gewalt: Nicht im Reinen

Als Hörer empfindet man es ja stets als ungerecht und empörend, wenn die Schöpferinnen oder Schöpfer unserer Lieblingswerke Jahre später abfällig über diese reden, sie als unreif, verzichtbar oder misslungen bezeichnen, also das verunglimpfen, was uns Halt gegeben, durch schwere Zeiten gebracht und dem Leben einen Sinn gegeben hat. Und doch dürfen sie das, wollten wir es ihnen denn verbieten? Wie aber damit umgehen, wenn schon vor der Veröffentlichung zu lesen ist: "Ich finde das Album, so wie es jetzt geworden ist, furchtbar." Rumms. Wenn es nicht Max Rieger, Genius der Stuttgarter Punkband Die Nerven und hochgelobter Produzentenguru (Ilgen Nur, Drangsal, Jungstötter, Karies, Levin Goes Lightly) wäre, der da gesprochen hat, wir würden uns nicht weiter mit solch einem Satz beschäftigen. Doch Rieger nicht ernst zu nehmen, hieße seine bisherige zweifellos großartige Arbeit zu negieren, deshalb werden wir also das dritte Album, welcher er unter seinem Pseudonym all diese gewalt am 6. November bei Glitterhouse Records veröffentlicht, um so begieriger hören wollen, um herauszufinden, was ihn zu solchem Selbstzweifel trieb. Bei Rieger weiß man ja zum Glück nie so genau, was einen erwartet, auch die beiden vorangegangenen Alben "Kein Punkt wird mehr fixiert" (2014) und "Welt in Klammern" (2016) waren Wundertüten im besten Sinne. Der Titeltrack nun zu "ANDERE" kommt mit sphärischen, dramatischen Klängen, klaren und dennoch rätselhaften Worten und einem Video von Nicolas Ohnesorge und David Spaeth zusammen mit Schauspielerin Luzia Oppermann. Etwas hat Rieger im Übrigen noch ergänzt zu seinem obigen Statement: "Vielleicht finde ich es deshalb furchtbar, weil ich in diesem langen Entstehungsprozess nicht mit mir im Reinen war. Jetzt ist es schmerzlich, genau das zu hören." Macht die Sache nur noch spannender...



Plants And Animals: Gern mal verrückt [Update]

Einen ordentlichen Kracher wenigstens zum Wochenendbeginn haben wir noch - die australische Band Plants And Animals nämlich hat einen neuen Song namens "Sacrifice" fertig und auch wenn die drei Jungs aus Montreal ziemlich brav vom Pressefoto lächeln, das Stück hat es in sich. Nicolas Basque, Warren C. Spicer und Woody Matthew Woodley haben schon 2008 in der Szene ihrer Heimatstadt zusammengefunden, im gleichen Jahr erscheint auch ihr Debütalbum "Parc Avenue". Es folgten weitere Platten, zwischendrin gab es auch mal längere Auszeiten und nun soll noch in diesem Jahr ein neuer Longplayer ins Regal kommen. Über den aktuellen Song sagen sie folgendes: "Es ist ein Lied darüber, was Menschen für ein Gefühl der Akzeptanz und den schnellen Geschmack des Glücks zu tun bereit sind. Unser Ziel war es, zwei kontrastierende Abschnitte mit abrupten Übergängen gegenüberzusetzen. Da ist zunächst dieser rhythmische Part, hypnotisierend und intensiv und mit einer Gesangslinie, die verträumt und losgelöst durch ihn hindurch schwebt. Und dann, peng!, ziehen die Wolken auseinander, und es kommt ein Refrain, der überraschend leicht ist. Er symbolisiert die Klarheit der Rückschau ... Und gleich danach kippt das Ganze wieder zurück ins Verrückte."

Update: Und es geht so gut weiter wie begonnen - hier kommt mit "House On Fire" eine zweite Single und die Ankündigung, dass sich diese und der Vorgänger auf einem Album namens "The Jungle" wiederfinden, das am 23. Oktober bei Secret City Records erscheinen wird ... GErn ergänzen wir hier noch das Video zum neuen Song "Le Queens", gesungen auf französisch und inspiriert vom New Yorker Stadtteil Queens ... gefolgt von Auskopplung Nummer drei "Love That Boy".