Dienstag, 17. Juli 2018

Bodega: Moderne Fünferkette

Bodega
„Endless Scroll“

(What’s Your Rupture?)

Wie nach jedem großen Fußballturnier (hatten wir ja gerade erst) die neuesten Trends im Ballsport zusammengetragen werden, läßt sich auch ein Musikjahr bewerten, lassen sich Entwicklungen erkennen und benennen. Und selbst der leidenschaftliche Laie (in der Rollen sehen wir uns jetzt mal) darf nach einer Halbsaison eine erste Bilanz ziehen: 1. Auch dieses Jahr wird weiblich 2. Der Hip Hop tritt auf der Stelle (auch weil er sich von seinem frauenverachtenden Image, siehe 1, nicht zu lösen vermag) 3. Der Jazz ist endgültig zurück 4. Der Post-Punk erlebt eine weitere Blüte. Natürlich folgt noch eine Reihe weiterer wichtiger Punkte, wir bleiben aber mal bei 4 stehen und behaupten, daß diese These mit dem Hinweis auf die Formation Bodega aus Brooklyn bestens untermauert werden kann. Ben Hozie, Nikki Belfiglio, Montana Simone, Heather Elle und Madison Velding-VanDam – fünf junge Leute aus New York, die ohne Berührungsängste die Grenzen eines Genres austesten, das ohnehin von der Vielfalt verschiedenster Stile lebt. Und zwar humorvoll, politisch, selbstironisch und – nicht ganz so selbstverständlich – auch selbstkritisch.



"Das Mantra von Bodega lautet: Die beste Kritik ist Selbstkritik!“, so Hozie in einem Interview mit dem Netzportal DIY, „Wenn ich also das Internet kritisiere, geht es nicht so sehr um dieses große, abstrakte, böse Ding, es geht vor allem darum, wie wir persönlich damit umgehen. Was machen wir falsch?“ Fragen, die sich keiner so gern stellt, weil dann der Zeigefinger schnell wieder wieder eingepackt werden, man sich selbst hinterfragen muß. Stücke wie „How Did This Happen“ oder „Name Escape“ setzen hier an und versuchen, den Blickwinkel des Zuhörers zu verändern, wachzurütteln aus der eigenen Selbstzufriedenheit. Der Sound dazu ist knackig, schnoddrige Stimme meets dicken Bass meets schroffe Gitarren, Songs, die kaum die Dreineinhalb-Minuten-Marke reißen und anständig frisch klingen. Da gibt es Hörenswertes über pseudointellektuelle Überspanntheit („I’m Not Cinephile“), die Freude am Spiel mit sich selbst („Gyrate“), das hektische Leben in der Trendblase („Can’t Knock The Hustle“) und die wunderbar bissige Liebeserklärung an (Männer wie) „Jack In Titanic“. Alles sehr liebevoll, authentisch und mit viel Spielwitz. Quasi eine moderne Fünferkette.



Alt-J: Relax hooray!

Das ist ja jetzt keine Unsitte, sondern für Künstler, die ihre Arbeit ohnehin stark elektrifiziert haben, noch einmal eine sehr lohnende Übung: Auch Alt-J haben, ähnlich wie kürzlich erst Goldfrapp, ihr Erfolgsalbum "Relaxer" in Gänze einem Rework unterzogen - oder besser die zahlreichen, existierenden Remixe ausgemistet und die besten, vorzugsweise aus der Gattung Hip Hop, auf der Platte "Reduxer" versammelt. Mit dabei so bekannte Namen wie Twin Shadow, Alchemist, Terrace Martin, Lomepal und Kontra K. Als Termin für die Veröffentlichung ist bei Amazon der 28. September verzeichnet, hier schon mal zwei vorab bekannte Beispiele.



Montag, 16. Juli 2018

Bully: Im Schneckentempo

"Kleine Schnecke, großer Traum" - so hieß mal der Untertitel für den Dreamworks-Animationsfilm über eine Turboschnecke. War nicht ganz so der Brüller, die Kleinen fanden's trotzdem fein. Nicht anzunehmen, daß die Grungekombo Bully aus Nashville vor fünf Jahren deshalb ins Kino gerannt ist, auch Puppenkünstlerin Aleia Murawski wurde dort wahrscheinlich nicht gesehen. Dennoch haben sie zusammen für den Song "Guess There" ein sehr schönes Video als eine Art Traumsequenz gedreht, in dem Schnecken die Hauptrolle spielen, also Zähne putzen, Müsli essen, Körbe werfen. Was man halt so macht den lieben langen Tag. Das Stück stammt im Übrigen vom Album "Losing" aus dem vergangenen Jahr, es wurde also (sorry: Wortwitz) im Schneckentempo nachgereicht und gefällt uns trotzdem ausnehmend gut.

Samstag, 14. Juli 2018

Familienalbum # 29: The Callas With Lee Ranaldo

Weil wir es hier gerade von Sonic Youth hatten: Lee Ranaldo war ja im wechselnd besetzten Ensemble dieser Band immer die sympathischste Figur, weil er zum einen von Anfang an dabei war und sich trotzdem nicht in den Vordergrund spielte, eine Art Schattenmann also. Dabei gibt es für falsche Bescheidenheit eigentlich gar keinen Grund, er kann mittlerweile auf ein ziemlich umfangreiches Solowerk verweisen, sein letztes Album "Electric Trim" erschien im vorigen Jahr bei Mute Records. Und Ranaldo ist nicht nur ein Ausnahmegitarrist mit beeindruckender Vita, sondern gilt als vielseitig interessiert - so verwundert es nicht, daß er sich für eine Zusammenarbeit mit der griechischen Künstlergruppe The Callas bereit fand. Nachdem deren letzte Platte "Half Kiss, Half Pain" Jim Sclavunos von den Bad Seeds verantwortete, produzieren sie gerade einen Film namens "The Great Eastern", für den Soundtrack mit dabei eben Lee Ranaldo. Ebenso in Arbeit ist ein gemeinsames Studioalbum unter dem Titel "Trouble And Desire", das am 26. Oktober bei Dirty Water Records erscheinen wird, von diesem wiederum stammt die Single "Acid Books".

Und da das Cover dieser Platte mit einer nicht eben appetitlichen Pasta verziert ist, gibt's als zweiten Gang noch ein paar Nudelgerichte gratis dazu, wie üblich gelistet von links nach rechts und oben nach unten.

The Callas with Lee Ranaldo "Trouble And Desire", Guns'n Roses "The Spaghetti Incident", Midnight Noodles "Humans Don't Be Angry", The Jesus And Mary Chain "Damage And Joy", Pat Cooper "Spaghetti Sauce And Other Delights", Parquet Courts "American Specialties", Young Dro "Drocabulary Mixtape"

07.12.  Hamburg, Mehr! Theater

Freitag, 13. Juli 2018

Body/Head: Gedanken auf Freigang

Body/Head
„The Switch“

(Matador)

Man kann es Kim Gordon kaum übelnehmen, dass sie richtig viel Erhellendes zum neuen, zweiten Album von Body/Head nicht herauslassen will. Zum einen möchte Gordon schon längere Zeit nicht mehr nur als Musikern wahrgenommen werden – schließlich stellt sie seit Jahren in namhaften Gallerien ihre Bilder und Skulpturen aus und empfindet die recht einseitige Ausrichtung der Fragen wohl eher als unnötige Reduzierung. Als zeitgenössische Künstlerin weiß sie zudem, dass erklärte Kunstwerke – und dazu zählen auch solche aus Tönen – keine wirklich spannenden mehr sind. Zu guter letzt hat Gordon nicht eben selten die Erfahrung gemacht, daß sich alle Gespräche mit ihr über kurz oder lang um ihre Job als Bassistin und Sängerin bei Sonic Youth drehen, eine Zeit, die, liest man ihre Autobiografie, abgeschlossen hinter ihr liegt und die sie nur ungern wieder und wieder durchkauen möchte. Und deshalb können ihr weder Kyle Meredith (WFPK Independent Louisville) noch die Zeitschrift Elle mehr als ein paar sparsame Kommentare zu „The Switch“ entlocken – „quite heavy and different to the first one“ hört man beim Interview des einen, im Modeheftchen erfährt der Leser über die zwischenzeitliche Liveplatte „No Waves“: "My favorite thing is getting lost in the music. It can seem kind of almost meditative when things are optimal". Nun ja, da wäre man vielleicht auch selbst drauf gekommen.

Fakt ist, daß Gordon zusammen mit ihrem Bandpartner Bill Nace den Sound von Body/Head für die neue Platte nochmals überarbeitet hat. Waren beim Vorgänger „Coming Apart“ noch ansatzweise Songstrukturen zu erkennen, bewegen sich die beiden mittlerweile auf einer performativen Ebene, sind herkömmliche Muster bei den fünf Stücken nicht mehr herauszuhören. Was die Sache für den Zuhörer nicht eben einfacher, aber in gewisser Hinsicht auch deutlich spannender macht. Denn dieses Album funktioniert wie die meisten seiner Art (man denke zum Beispiel an die Mammutwerke von Michael Gira und seinen Swans) am besten im Live-Kontext, ohne die unmittelbare, körperliche Erfahrung der Noiseattacken vor eigenen Augen auf der Bühne ist der Zugang schwer zu bekommen, fehlt der Platte einfach eine sehr wichtige Dimension. Man kann das den beiden natürlich nicht zum Vorwurf machen, schließlich ist ein Tondokument wie dieses hier besser als keines, das Konzerterlebnis kann es dennoch nicht ersetzen. Erklärungen zu den Stücken sind, wie erwähnt, nicht nur schwer zu bekommen, sondern schlicht unnötig, alles auf „The Switch“ funktioniert über Assoziationen, ganz persönliche Bilderwelten, die sich bei entsprechender Bereitschaft unweigerlich auftun.

Da passt es ganz gut, dass Nace und Gordon noch spartanischer, noch krasser instrumentieren, dass Gordon ihre Stimme seltener und wenn, dann zusätzlich verfremdet einsetzt. Wie bei einer Hohepriesterin dröhnt ihr Gesang zu den knirschenden, verzerrten Klangkonstrukten. Ein Thema, eine Melodielinie gar lässt sich nur selten ausmachen, am ehesten findet man solches bei den beiden längsten Stücken „Change My Brain“ und „Reverse Hard“, wo repetitive Sequenzen eine fast schon meditative Stimmung erzeugen. Ansonsten irrlichtert bruchstückhafter Gesangs zwischen Feedbackfetzen und dronigem Lärm, alles mäandert, stolpert umher – kaum eine schlüssige Form, kein Halteseil, keine Orientierung, Freilauf der Gedanken. Mal hört es sich an, als habe jemand das Aufnahmemikrophon in ein Hornissennest geschoben und dieses zusätzlich in einen Sturm gehängt, dann wiederum meint man das Keuchen einer Beatmungsmaschine auszumachen. Am Ende jedenfalls bricht alles zusammen, unwiderruflich. Einen schönen, weil allgemeingültigen Satz haben wir dann doch noch gefunden, geäußert hat ihn Gordon kürzlich im Gespräch mit Davina Semo: „Ich denke, wo auch immer du die Kraft herbekommst – ob es das Hochgefühl ist, Musik zu spielen oder Kunst zu machen, wichtig ist allein das gute Gefühl zu deinem, in deinem Körper. Und der Schlüssel dazu ist nicht etwa Selbstbewußtsein – nein, du musst es wirklich besitzen.“ http://bodyheadmusic.com/

Mattiel: Mädchenträume

Ach, wenn es nur immer so einfach wäre: Als junges Mädchen auf einer kleinen Farm in Georgia aufgewachsen mit dem Wunsch, Rockstar zu werden, Songs der White Stripes nachgespielt und als mehr daraus wurde, haben es die richtigen Leute gehört. Soll heißen: Jack White. Und der fand, was Mattiel Brown mit sechs Saiten und ihren beiden Bandkollegen Randy Michael und Jonah Swilley so anstellt nicht nur richtig klasse, er lud sie ein, auf seiner aktuellen Tour zu spielen. Und so wird das Mädchen, das gern auf Pferden steht wie auf dem Cover ihres heute erschienenen Debütalbum, bald sehr viel mehr Menschen ein Begriff sein als noch vor einigen Monaten. Anbei eine kleine Materialsammlung mit den Stücken "Bye Bye", "Count Your Blessings" und "Whites Of Their Eyes" zum Vorschauen und das Album im Stream.







Mittwoch, 11. Juli 2018

Interpol: Perfekte Inszenierung

Okay, wie nennen wir das jetzt, ohne Genaueres zu wissen? Marketinggag? Performance? Wer sich den Film aus Mexiko City über die Bekanntmachung des neuen Albums "Marauder" von Interpol in Gänze angeschaut hat, dem wird auch ein kurzer, irritierender Moment aufgefallen sein, als ein Mann während der Veranstaltung aus dem Publikum vor den Tisch trat, an dem die Mitglieder der Band saßen, um die Fragen ihres Gegenüber zu beantworten. Er nahm den Kopf von Paul Banks in die Hände, führte ihn an seine Stirn und verharrte einen kurzen Moment in dieser seltsamen Pose, danach Abgang mit ein paar Straßenkids. Sah befremdlich aus, war aber offensichtlich Teil einer Inszenierung von Gerardo Naranjo für das Video zum Video der Single "The Rover". Denn all das und mehr sieht man nun, in anderem Kontext und neuem Blickwinkel, im aktuellen Clip. Und der Fremde ist Schauspieler Ebon Moss-Bachrach, Eingeweihten bekannt aus Filmen wie "Die Royal Tenenbaums", "Mona Lisas Lächeln" oder der Serie "Girls". Hätte man wissen müssen, ahnen können - aber auch so ist es ziemlich witzig.

Meg Myers: Hin- und Hergerissen

Den Satz hat doch sicher jede/r schon mal gehört: "Aber ich will doch nur das Beste für dich!" Nichts Unbekanntes also, von dem hier Meg Myers, junge Songwriterin aus Nashville, singt. Alles zerrt und zieht und schiebt und keiner meint es wirklich schlecht. Und doch ist der Druck so groß, dass sich nach und nach ein Gefühl der Taubheit, der Einsamkeit einstellt. Davon erzählt der Song "Numb", das zeigen die dazugehörigen Bilder in Clara Aranovichs Videoclip: "I hate the feeling like this, up on my shoulders, pushing the pressure down on me. You think you want the best for me, but nothing really matters if you force it, it won’t come. I guess I’m feeling numb." Diese neue Single rollt wie ein Pixies-Stück heran und unterscheidet sich in seiner Schroffheit deutlich von der eher balladesken Stimmung des Titelsongs ihres nächsten Albums "Take Me To The Disco" und "Jealous Sea", einer weiteren Vorauskopplung. Die Platte erscheint übrigens am 20. Juli bei 300 Entertainment.





Estrons: Brett aus Wales [Update]

Ja, und die mußten unbedingt auch noch mit auf das Tableau für's Wochenende: Die walisische Alternativrock-Kapelle Estrons (allen voran deren beeindruckende Frontfrau Tali Källström) hat zusammen mit Alex Newport (At The Drive-In, Death Cab For Cutie, Pissed Jeans) einen neuen Song namens "Lilac" aufgenommen, der sich irgendwo zwischen Wolf Alice und Rolo Tomassi einschwingt, also auch ziemlich derbe ist. Von dem Trio gibt es bislang eine überschaubare Anzahl an Singles und EP, das erste Lebenszeichen stammt aus dem Jahr 2011 mit der Single "C-C-Cariad!", das letzte kam im vergangenen Jahr unter dem Titel "Strobe Lights/Glasgow Kisses" ins Regal. Wann ein kompletter Longplayer zu erwarten ist, wird sich weisen, im September kommen sie erst mal für zwei Termine nach Deutschland.

22.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival
23.09.  Berlin, Maze

Update: Zur neuen Single gibt es nun auch ein Video - voilá.



Dienstag, 10. Juli 2018

PABST: Keine Kompromisse

PABST
„Chlorine“
(Crazysane Records)

Das hätte einem von vornherein klar sein müssen: Die Zeiten, da man mit solch einem Bandnamen Angst und Schrecken verbreiten konnte, sind längst vorbei. Nichts mehr mit Folterkammern, Kreuzzügen und Inquisition, keine Scheiterhaufen, vom Allmachtsanspruch nichts mehr zu hören. Ein Pabst gilt heute vielmehr als oberster Dienstleister, klerikaler Manager, liebevoller Mahner und Christenversteher. Damit ist kaum noch eine Drohkulisse aufbauen. Kein Wunder also, dass Erik Heise, Tore Knipping und Tilman Eggebrecht sich eher ein amerikanisches Bier gleichen Namens zur Sinnstiftung ausgesucht haben – schnell vom Kopf in den Bauch, Wirkung absehbar. Ganz genau so wie der Sound ihrer Band. Angefangen haben die Berliner Jungs mit einer Coverversion des amerikanischen Rappers Pras, allerdings mußte „Ghetto Superstar“ schon hier fast ohne Rhythm und Blues auskommen, dafür gab’s reichlich Gitarrenkrach und verdroschene Kuhfelle, PABST machten kurzen Prozeß. Nicht anders auf der EP „Skywalker“, die ein Jahr später folgte und dem aktuellen Albumdebüt. Kompromissloser Garagenrock mit Grunge- und Stonereinflüssen, es knirscht, sägt und hämmert in einem fort und wird doch nicht langweilig.

Wohl auch deshalb, weil die drei nicht einfach nur ideenlos alles durchknüppeln, sondern durchaus maßvoll variieren. Auf den elektrifizierten Einstieg „Vagabondage“ folgt mit „Shake The Disease“ ein Stück, das den Funpunk der 90er zu feiern scheint. Wo „Shits“ den Funk entdeckt, gibt „Perfume“ die kleine, aber knochentrockene Reminiszenz an den Süskind-Klassiker und seinen Helden Grenouille:“I wanna make a perfume out of you.“ Weiter mit Steel Guitar und etwas Reggae, Psychrockgewummer und beim feinen „Catching Feelings“ ein paar kreischende Riffs, die ein Jack White nicht besser hinbekommen hätte. Weil auch das Auge mithört, freut es den Betrachter, daß PABST sich gemeinsam mit dem Leipziger Graphiker Fabian Brenner um eine ansprechende Verpackung verdient gemacht haben. Von der eingangs erwähnten Biermarke muß man übrigens lesen, dass sich dahinter gar keine eigene Brauerei mehr verbirgt und sie fachamtlich als „virtuell“ gilt, weil nahezu die gesamte Belegschaft mangels Erfolg nach Hause geschickt worden ist. Man braut schon länger fremd. Unseren Musikern wird das wohl nicht passieren, sie haben offenkundig so viel Spaß am Spiel, so daß eher der Pabst konvertiert … – na, Schluß jetzt: Tolle Platte!

05.09.  Nürnberg, Club Stereo
06.09.  München, Sunny Red
07.09.  Mainz, Schon Schön
09.09.  Köln, Blue Shell
11.09.  Dresden, Ostpol
12.09.  Hannover, Lux
13.09.  Hamburg, Molotow Skybar
14.09.  Bremen, Lagerhaus
15.09.  Berlin, Badehaus



Lonely Parade: Gar nicht schön

Eine neue Platte winkt auch im kanadischen Québec: Von dort stammt das Indie-Trio Lonely Parade, in den vergangenen fünf Jahren haben  Sängerin Charlotte Dempsey und Kolleginnen zwei Alben ("Sheer Luxury" und "No Shade") und diverse EP und Split-Singles veröffentlicht, nun steht Studioplatte Nummer drei auf dem Zettel. "The Pits" wird sie heißen und am 14. September bei Buzz Records erscheinen. Gerade ist die neue Single "Not Nice" vernetzt worden, sie folgt den beiden bislang bekannten Songs "I'm So Tired" und "Night Cruise".





Sonntag, 8. Juli 2018

Dentist: Besuch der angenehmen Sorte

Okay, für die Anspielung können wir jetzt mal nichts, denn sie ist nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern wird von der Band selbst auf dem Silbertablett serviert. Und weil diese nicht erst seit heute im Geschäft ist, sondern schon seit 2014, kann man davon ausgehen, daß Emily und Justin Bornemann zusammen mit Drummer Mats Hockenjos den billigen Gag schon öfters gehört haben. Also: Hier ist also der erste Zahnarzt, zu dem mal gern geht. War's schon und hat doch gar nicht wehgetan. Das Trio aus New Jersey hat tatsächlich nichts mit nervtötenden Bohrgeräuschen oder knackendem Zangengerät am Hut, sondern klingt eher nach beschwingter Harmonie und träumerischer Verspieltheit. Gerade haben also Dentist die nächste Single vom dritten Album "Night Swimming" veröffentlicht, das am 20. Juli bei Cleopatra Records erscheinen soll. Zuvor waren mit "The Latter" und "Corked" schon zwei dieser kleinen, sanften Betäubungsmittelchen (sorry for that) erschienen, mit Wartezimmermuzak sollte man den Surfsound der drei dennoch nicht verwechseln.



Samstag, 7. Juli 2018

Sauropod: Jetztzeitig

Unverbrauchte Härte, manchmal kann man sie gut gebrauchen. Erst recht, wenn sie so gut klingt wie hier: Sauropod kommen nicht aus dem Obertrias, sondern aus Jetztzeit der norwegischen Hauptstadt und haben vor zwei Jahren ihr Debütalbum "Roaring At The Storm" veröffentlicht. Der kraftvolle Grungerock von Jonas Royeng, Kamilla Waal Larsen und Jorgen Natland Apeness findet sich auch auf der neuen, selbstbetitelten EP des Trios wieder, die am 24. August bei Propeller Recordings erscheinen wird - nach "I Know Where You've Been" und "Headed" haben die drei gerade mit "Ripping" die dritte Hörprobe davon geteilt. Der Song thematisiert mit klaren Worten die Gewalt gegen Frauen, an einer Zeile wie "Wish I could've found my lover's violators all at once, castrate them" ist nun auch wirklich nicht viel falsch zu verstehen.

Freitag, 6. Juli 2018

Let's Eat Grandma: Willkommene Verwirrung

Let’s Eat Grandma
„I’m All Ears“

(Transgressive Records)

Unangenehm klingt es nicht, eher ungewohnt: Hört man sich die ersten zwei Minunten des neuen Albums von Rosa Walton und Jenny Hollingworth an, dann meint man tatsächlich, Depeche Mode hätten sich mit den beiden Mädchen aus Norwich noch mal für eine finale Session getroffen – grandioses Wummern, synthetische Wucht, fabelhaft. Und keineswegs eine Sinnestäuschung, denn das Duo Let’s Eat Grandma hat seine zweite Platte nach dem Erfolgsdebüt „I, Gemini“ (2016) noch ein Stück mehr elektrifiziert. Am besten passt hier wohl der Begriff Dronepop, obwohl auch das kaum wiedergibt, was sie auf „I’m All Ears“ gepackt haben. Satt stampfende Beats, Maschinenmusik also, wie man sie schon bei der Singleauskopplung „Hot Pink“ hören durfte, kurz darauf softe Drumparts und funkelnde Gitarrenhooks im Stile der Klangzauberer The XX, sie zirpen, cronnen und rappen sogar recht veritabel zu den äußerst abwechslungsreichen Stücken.



Bezeichnend vielleicht, dass ein eher durchschnittlicher Song wie „I Will Be Waiting“, den man getrost auch den Chvrches hätte überlassen können, fast schon als Schwachstelle auf dem Album wahrgenommen wird, einfach deshalb, weil für den Rest die Messlatte weitaus höher gelegt wurde. Nimmt man beispielsweise das gut neunminütige „Cool And Collected“, dann zeigt sich, wie planvoll die zwei ihren Sound weiterentwickelt haben – Postrock darf man das nennen, wenn sich nach und nach die Soundflächen übereinanderschichten und aus dem zarten Gesang ein energischer wird. Ebenso fein und sogar noch eine Spur länger der Schlußakkord „Donnie Darko“, herrlich träger House mit hypnotisch pulsierenden Dancegrooves – das Handwerkszeug, mit dem hier gearbeitet wurde, nötigt einem schon gehörig Respekt ab. Dem Netzportal In The Line Of Best Fit gegenüber äußerte Hollingworth die Vermutung, daß jeder, der länger mit den beiden zu tun habe, ziemlich verwirrt sein müsse und sich wahrscheinlich ständig frage, wie um Himmels Willen sie auf diese ganzen Ideen kämen. Und daß sie das wohl verstehen würde. Wenn man ehrlich ist, gibt es aber doch nichts Besseres, als sich auf diese Art durcheinanderbringen zu lassen, es macht einfach einen Riesenspaß. http://letseatgrandma.co.uk/

06.11.  Köln, Live Music Hall (Support Chvrches)
07.11.  Berlin, Tempodrom (Support Chvrches)
09.11.  Hamburg, Docks (Support Chvrches)
11.11.  Stuttgart, LKA Longhorn (Support Chvrches)
12.11.  München, Muffathalle (Support Chvrches)

Waves Of Dread: Weiter ohne Gewähr [Update]

Wir sind zwar dem Geheimnis um das Projekt Waves Of Dread aus Newcastle noch keinen Schritt näher gekommen (okay, es scheint sich um fünf Personen zu handeln, wie man den Bildern im Instagram-Account entnehmen kann), dafür gibt's aber einen neuen Song aus dem Portfolio zu hören. Das etwas poppigere "Sun Shows" folgt den beiden Single "Flying" und "In Your Mind", statt groß über Ungeschriebenes zu grübeln, hören wir also mal besser zu.

Update: Mit "Over Now" gibt es heute einen weiteren Song der englischen Shoegaze/Noise-Pop Band zu hören.

Donnerstag, 5. Juli 2018

The Breeders: Eine gute Geschichte

The Breeders
Support: Pip Blom
Gloria Theater, Köln, 4. Juli 2018

Man wusste natürlich, dass sie es hin und wieder spielen, aber würden sie es auch an diesem Abend tun? "Gigantic" ist eines des an Glanzlichtern nicht eben armen Gesamtwerkes der amerikanischen Indie-Heroen Pixies, ein nicht minder gigantischer Song, an dem Kim Deal als Co-Autorin, ehemals als Bassistin bei der Truppe unter Vertrag, wenigsten fünfzig Prozent der Anteile hält. Und deshalb ein Stück, das sie, abgesehen vom Trennungsgerangel mit dem übermächtigen Egomanen Frank Black, auch formal rechtlich anstimmen darf. Die Geschichte des anhaltenden Zwists zwischen Black und Deal füllt ja allein schon Seiten, das letzte Kapitel wurde mit "All I Think About You Now" quasi als offener Brief auf dem letzten Pixies-Album "Head Carrier" vertont, klang rührend, versöhnlich zwar, doch textlich etwas unbeholfen und kam leider um Jahre zu spät.

Das Schöne: In dem Moment, als Kim Deal zusammen mit ihrer Schwester Kelley, Jospehine Wiggs und Drummer Jim MacPherson die Bühne des ausverkauften Kölner Gloria Theaters betritt, ist diese Geschichte einfach nur noch eine von vielen und nicht weiter von Bedeutung. Ja, doch, sie haben besagten Song gespielt, und er wurde euphorisch vom Publikum begrüßt. Aber genauso wie eben auch ein Dutzend anderer, nicht weniger erinnerungswürdiger und ganz neuer Hits, die The Breeders auf mittlerweile fünf Studioalben verteilt haben, von denen wirklich keines auch nur im Ansatz ideenlos oder langweilig geworden wäre (was sich im Übrigen von Blacks Soloausflügen nicht lückenlos behaupten ließe). Gerade das aktuelle "All Nerve" ist so spannungsreich, kraftvoll und spielfreudig geraten, dass man sich über die scheinbar unversiegbare Quelle der Inspiration nur wundern kann.



Kein Grund also, nur die Old Goods in die Jukebox zu werfen, dafür klingen "Wait In The Car", "Nervous Mary", "Spacewoman" und besonders das dunkel schillernde "MetaGoth" einfach viel zu gut und gegenwärtig. Der Bass von Wiggs kommt als sattes Brett, MacPherson gelingt ein mitreißender Beat und die Geschwister scherzen auf charmante Weise und lassen dabei im übertragenen wie auch im wortwörtlichen Sinne keinen Brüller aus. Natürlich dreht der stickig heiße Saal bei "Cannonball" frei, klar wird das wunderbare Beatles-Cover "Happiness Is A Warm Gun" fast schon als All-Time-Classic gefeiert. Genauso stark kann aber auch eine zarte LoFi-Surf-Ballade wie "Off You" bei der begeisterten Menge punkten, verdient sich das herrlich träge Encore "Do You Love Me Now?" von der Überplatte "Last Splash" seinen Jubel. Und mittendrin eine verschmitzt lächelnde Kim Deal, die schon viel erlebt, aber wohl kaum etwas zu bereuen hat. Und die an dieser, ihrer eigenen Geschichte noch immer gern weiterschreibt, Gott sei Dank.

Dienstag, 3. Juli 2018

Christine And The Queens: Hochoffiziell [Update]

Eine kurze Nachricht noch für die Vollständigkeit und natürlich auch für die Vorfreude: Christine And The Queens, also eigentlich Héloise Letissier mit Band, haben heute den Termin für die Veröffentlichung ihres heiß erwarteten Albums bekanntgegeben - "CHRIS" soll laut Künstlerin am 21. September erscheinen. Alles andere dazu, also die erste Single "Girlfriend/Damn, Dis-Moi", Tourtermine und Videoclips gab es hier schon vor Wochen - wir flankieren deshalb mit der Packung an Remixen und hoffen auf baldige Nachlieferung.

Update: Und da ist er schon, der zweite Song von besagter Platte - "Doesn't Matter" mit Video von Colin Solal Cardo.



Johnny Hostile: Schlaflos

Wenn schon nichts Neues von Jehn kommt, dann bringt wenigstens John etwas ins Rollen: Die Savages aus London haben in letzter Zeit ja eher mit Soloprojekten von sich hören lassen (Ayse Hassan kam mit Esya um die Ecke, auch Gemma Thompson war zwischenzeitlich aktiv) und Jehnny Beth fröhnt derweil ihrem Hobby als Radiomoderatorin (Radio Beats 1, Start Making Sense). Damit der Bezug nicht ganz aus dem Blick gerät, hat nun Johnny Hostile, der Produzent der Band, seine Soloplatte "(dys)function" für den 5. Oktober via Pop Noire angekündigt, zum Kennenlernen gibt es dank In The Line Of Best Fit jetzt die erste Single "Stay Awake", ein gut achtminütiges Ambientvergnügen.

Montag, 2. Juli 2018

Me Not You: Vorstellungskraft

Wir bleiben soft - und erstklassig: Zu Beginn des Jahres hatte das New Yorker Duo Me Not You schon einmal einen Ohrwurm gesetzt - die Single "Everafter" von ihrer "Reckoning EP" hatte einen sofort am Haken, auch die Songs, die hinterher kamen, waren nicht die schlechtesten. Und hier kommt nun "Imagine That" und die Geschichte dahinter ist keine ganz so lustige. Als nämlich Nikki Taylor und Eric Zeiler zur Aufnahme ihres Albums im Studio waren, kam es im texanischen Santa Fe zum tragischen Schulmassaker, das nicht nur wiederholt alle Waffengegner in den USA auf den Plan rief, sondern auch den berühmten March For Our Lives zur Folge hatte. Für dessen Anhänger und Organisatoren sind die Erlöse aus dem Verkauf des Stückes gedacht.

Sonntag, 1. Juli 2018

Blood Blush: Mögliche Alternative

Das ist jetzt ein bisschen böse. Aber die Erfahrung macht halt skeptisch. Wenn am 24. August die neue Platte von Interpol erscheint, könnte es ein paar lange Gesichter geben, schließlich ist schon "El Pintor" nicht mehr von der Qualität gewesen, die man aus den Anfangstagen der New Yorker gewohnt war. Frühzeitig nach Alternativen Ausschau halten, passenderweise gleich vor Ort, das könnte also durchaus eine Option sein. Blood Blush zum Beispiel wohnen quasi gleich um die Ecke und spielen einen sehr gepflegten Wave-Rock, wie man ihn vielleicht von "Antics", dem zweiten Album von Banks und (damals noch) Dengler noch kennt. "Demon Cloud" heißt die aktuelle Single, die auf die "Spice Static EP" von 2017 folgt, wir wollten's nur mal erwähnt haben...