Auch wenn das nur eine Randnotiz ist: Mit der Schwierigkeit, ein halbwegs ordentliches, also auch einigermaßen cooles Bandfoto abzuliefern, haben alles Newbies irgendwann mal zu kämpfen, den Fragen also: Welches Panorama, welche Klamotten, welche Aufstellung und so weiter. Auch Semaphore aus New York City haben augenscheinlich damit gerungen - wohin mit den schlacksigen Körpern, ernste und bedeutungsvolle oder doch besser locker belustigte Blicke - das kann einen schon beschäftigen. Auf ihrer Facebook-Seite findet sich eine Auswahl des Shootings und die Frage, welches Bild nun dem Sound der Formation am besten entspricht, möchte man nicht beantworten müssen. Gerade haben die vier jungen Herren ihr Debütalbum "All Too Robot" für den 1. September angekündigt und die beiden Vorabtracks "Destroying The Evidence" und "CNN" lassen darauf schließen, daß sie sich bei der Musik weitaus geschmackssicherer zu bewegen wissen als bei der Optik. Denn hier bestätigen Gründer und Sänger Siddhu Anandalingam, Bassist Chris Hunt, Drummer Emmett Ceglia und Jay Kohler an der Gitarre ein gutes Gespür für alternativen Gitarrenpop, wie man ihn auch aus den 90ern kannte. Und das ist es ja, was am Ende zählt.
Mittwoch, 9. August 2017
Daughter: Im Spielmodus
Natürlich ist die Freude groß: Wenn die Nachricht eintrifft, dass Elena Tonra und ihre Band Daughter neue Musik bereithalten, dann ist das erst mal schön. Am 1. September nämlich soll die Platte "Music From Before The Storm" von dem Londoner Trio erscheinen, der Nachfolger also für ihr letztes Album "Not To Disappear" aus dem Januar des vergangenen Jahres. 'So schnell?', wird sich manche/r jetzt fragen und damit kommen wir zu dem Punkt, der die Vorfreude vielleicht etwas schmälern könnte. Denn ein richtiges Album im herkömmlichen Sinne wird das nicht werden, vielmehr handelt es sich hierbei um den Soundtrack zu einem neuen Videospiel mit dem Titel "Life Is Strange: Before The Storm". Und auf diesem wird sich unter dreizehn Stücken nur ein einziges befinden, dem großartige Tonra ihre Stimme leiht. Was mehr als schade ist. Aber dieses eine - "Burn It Down" mit Namen - ist so wunderbar wie erhofft. Ein Trost also, immerhin.
The Horrors: Neuer Anlauf [Update²]
Update²: Nun ist die Katze aus dem Sack - das neue Album wird "V" heißen und am 22. September erscheinen (Cover s.u.) - und hier auch gleich noch das Video zur Single "Machine", gedreht von 3D-Künstler Jon Emmony. Und weil's gerade so gut läuft, kommt mit "Something To Remember Me By" ein weiterer Track hinterher.
Bunny: Beweismaterial
Binsenweisheit: Die sanften Töne sind nicht zwingend die weniger intensiven. Denn manchmal rücken sie einem in ihrer Unmittelbarkeit derart auf den Pelz, daß ein Entkommen kaum möglich ist. Neuestes Beispiel: Die Band Bunny aus Chicago. Dahinter verbirgt sich zu allererst Sängerin und Gitarristin Jessica Viscius, deren "Brainchild" das Projekt ist, hinzu kommen noch Shane Prewitt an den Drums, Tim Makowski ebenfalls mit Gitarre und Alexa Viscius am Bass. Gemeinsam haben die vier gerade ihre Debüt-EP "Sucker" eingespielt und die beiden ersten Songs davon "Not Even You" und "Let Me Be Your Dog" sind schon mal - siehe oben - erstklassiges Beweismaterial.
Dienstag, 8. August 2017
Destroyer: Wilde Sache
Die Erklärung dreht ein paar Runden, der Anlaß aber gibt es her: Destroyer, also der kanadische Musiker Dan Bejar, hat eine neue Platte angekündigt und die soll den Titel "ken" tragen. Benannt hat sie der Mann nach einer der seiner Meinung nach besten Balladen der letzten einhundert Jahre, dem Song "The Wild Ones" von Suede. Dieses Stück wiederum hieß in der Demofassung noch "Ken" - da schließt sich der Kreis. Wie sich der Song mit den Gedankengängen von Bejar verknüpfen läßt, weiß er laut Pitchfork offensichtlich selbst nicht so genau - der Nachfolger von "Poison Season" (2015) jedenfalls erscheint am 20. Oktober via Merge, produzierthat Josh Wells von Black Mountain und die erste Single "Sky's Grey" haben wir gleich hier vor Ort plus ein paar Konzerttermine.
12.11. Hamburg, Kampnagel
16.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg
19.11. Düsseldorf, New Fall Festival
21.11. Zürich, Rote Fabrik
12.11. Hamburg, Kampnagel
16.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg
19.11. Düsseldorf, New Fall Festival
21.11. Zürich, Rote Fabrik
Bloxx: Nix mit Brexit [Update]
Genau das will man doch eigentlich immer und verpasst es leider dann doch so oft. Heute nicht. Eine Band also möglichst früh zu entdecken und ihren Werdegang weiterzuverfolgen, wenn sie größer werden und, so hofft man wenigstens, gut bleiben. Gelegenheit jedenfalls bieten heute vier sehr jungen Menschen aus dem Londoner Stadtteil Uxbridge. Ophelia (Gesang), Taz (Gitarre), Paul (Bass) und Moz (Drums) mucken gemeinsam unter dem Namen Bloxx und haben es mit ihren Songs immerhin schon zum Support von InHeaven und Sundara Karma geschafft. Der aktuellen Single "Curtains" haben die vier ein Eröffnungsriff mit auf den Weg gegeben, das einen sofort am Haken hat, auch "You" und "Your Boyfriend" werden so schnell nicht mehr loslassen. Was nicht nur, aber wesentlich am Leadgesang und also der einzigen Dame im Quartett liegt. Im Herbst sind Bloxx auf der Insel unterwegs und wer weiß, vielleicht trauen sie sich ja danach auch den Sprung über den Kanal zu. Denn eins ist ja wohl klar: Trotz des schönen "X" - mit dem Brexit sollten Bloxx eigentlich nichts am Hut haben.
Update: Zum wundervollen "Curtains" gibt es jetzt auch ein Video - ganz der Saisonmode entsprechend mit Skate-Einlagen, quasi das Brett zum Brett.
Update: Zum wundervollen "Curtains" gibt es jetzt auch ein Video - ganz der Saisonmode entsprechend mit Skate-Einlagen, quasi das Brett zum Brett.
The Stevens: Ehrenrettung
The Stevens
„Good“
(Chapter Music)
Man sollte an dieser Stelle wirklich mal den ehrenvollen Versuch unternehmen, einem häufig fehlinterpretierten Begriff die nötige Ehre zu erweisen – dem Geschwurbel. Der allwissende Duden vermerkt ja dazu die Erläuterung „wortreiche, unverständliche und inhaltsarme Äußerung” und ergänzt noch “Geschwätz”. Was für den phonetischen Bereich zutreffen mag, geht im musikalischen grob daneben, denn eine derart abschätzige Beurteilung hat das Gitarrengeschwurbel, auf das wir hier hinauswollen, ganz sicher nicht verdient. Allein J Mascis, den gottgleichen Oberschwurbler und Gründer der schon zu Lebzeiten legendären Band Dinosaur jr., kann man für sein ausuferndes und knorriges Gitarrenspiel (nicht von ungefähr läßt der Mann gern ebenso wild verwachsene Pflanzen und Wesen auf die Cover seiner Platten malen) nicht oft genug loben. Wem es hierbei an Inhalten mangelt, der hat seine Fantasie schon dem bunten Bildersturm des Digitalzeitalters geopfert. Allen anderen, die noch über ein einigermaßen gut entwickeltes und selbstbestimmtes Geschmacksempfinden verfügen, sei die zweite Platte der australischen Band The Stevens dringend empfohlen. Denn wie schon bei ihrem Debüt "A History Of Hygiene" verstehen es Alex Macfarlane, Travis MacDonald, Gus Lord und Matt Harkin, Masse mit Klasse zu verbinden. Soll heißen: Eine große Menge überraschend kurzer Stücke entpuppt sich bei näherem Hinhören als sehr unterhaltsame Mischung aus höchst melodiösem Geschrammel (ebenfalls oft schlecht beleumundet), Surfsound und dem Rock der Siebziger, irgendwo zwischen den Go-Betweens, den Beach Boys, Velvet Underground und Pavement. Dabei ist Eingängigkeit kein Hinderungsgrund gewesen, um auf das Album zu gelangen – Stücke wie “Chancer” und “Cruiser” beispielsweise gehen gleichzeitig und sofort in Ohren und Beine und auch wenn der Rest der achtzehn (!) Stücke manchmal etwas länger braucht – die Schwurbler unter uns wird es garantiert entzücken.
„Good“
(Chapter Music)
Man sollte an dieser Stelle wirklich mal den ehrenvollen Versuch unternehmen, einem häufig fehlinterpretierten Begriff die nötige Ehre zu erweisen – dem Geschwurbel. Der allwissende Duden vermerkt ja dazu die Erläuterung „wortreiche, unverständliche und inhaltsarme Äußerung” und ergänzt noch “Geschwätz”. Was für den phonetischen Bereich zutreffen mag, geht im musikalischen grob daneben, denn eine derart abschätzige Beurteilung hat das Gitarrengeschwurbel, auf das wir hier hinauswollen, ganz sicher nicht verdient. Allein J Mascis, den gottgleichen Oberschwurbler und Gründer der schon zu Lebzeiten legendären Band Dinosaur jr., kann man für sein ausuferndes und knorriges Gitarrenspiel (nicht von ungefähr läßt der Mann gern ebenso wild verwachsene Pflanzen und Wesen auf die Cover seiner Platten malen) nicht oft genug loben. Wem es hierbei an Inhalten mangelt, der hat seine Fantasie schon dem bunten Bildersturm des Digitalzeitalters geopfert. Allen anderen, die noch über ein einigermaßen gut entwickeltes und selbstbestimmtes Geschmacksempfinden verfügen, sei die zweite Platte der australischen Band The Stevens dringend empfohlen. Denn wie schon bei ihrem Debüt "A History Of Hygiene" verstehen es Alex Macfarlane, Travis MacDonald, Gus Lord und Matt Harkin, Masse mit Klasse zu verbinden. Soll heißen: Eine große Menge überraschend kurzer Stücke entpuppt sich bei näherem Hinhören als sehr unterhaltsame Mischung aus höchst melodiösem Geschrammel (ebenfalls oft schlecht beleumundet), Surfsound und dem Rock der Siebziger, irgendwo zwischen den Go-Betweens, den Beach Boys, Velvet Underground und Pavement. Dabei ist Eingängigkeit kein Hinderungsgrund gewesen, um auf das Album zu gelangen – Stücke wie “Chancer” und “Cruiser” beispielsweise gehen gleichzeitig und sofort in Ohren und Beine und auch wenn der Rest der achtzehn (!) Stücke manchmal etwas länger braucht – die Schwurbler unter uns wird es garantiert entzücken.
Freitag, 4. August 2017
Diamond Thug: Zu den Sternen
Die südafrikanische Band Diamond Thug haben wir nicht erst seit gestern auf dem Schirm, schließlich meldeten sich die vier schon 2015 mit dem wundervollen "Long Way" spätestens ihr letzter Song "Eclipsed" ließ sie hier schon mal auf die Beobachtungsliste rutschen. Heute nun also das vergleichsweise epische "Cosmic Dreamer", immer noch blitzsauberer Pop, nur eben etwas gemächlicher, dafür mit deutlich mehr Drama. Gut so.
Hope: Grenzgang
Der Start erfolgte schon Jahre zuvor unter anderem Namen, doch wenn immer alles so glatt liefe, wären sie wohl nicht die Band, die sie sind und würden nicht die Musik machen, mit der sie sich am heutigen Tag zurückmelden. 2009 als Mamsell Zazou gegründet, benannte sich die Berliner Formation Hope vor drei Jahren um, damals erschien mit "Nude" eines ihrer bislang bekanntesten Stücke. Jetzt, da die aktuelle Single "Kingdom" das gleichnamige Albumdebüt für den 20. Oktober via Haldern Pop Recordings ankündigt, wird klar, daß mit den Zeiten auch ihr Sound dunkler und bedrohlicher geworden ist. Und nicht von ungefähr findet man in der Fotosammlung der vier auch Bilder von Marina Abramović, quasi die Hohepriesterin des Grenzgangs. Ähnlich angelegt dann auch das Video von Riccardo Bernardi, das Sängerin Christine Börsch-Supans Performance mit flackernden Licht und grobkörniger Optik begleitet. Alles ziemlich verstörend und scharfkantig, man darf auf das Album gespannt sein - wer Hope nicht im Vorprogramm von Algiers und Drangsal gesehen hat, für den gibt's noch drei Festivaltermine.
04.08. Skandalös Festival, Neukirchen
11.08. Fuchsbau Festival, Hannover
28.10. Kaltern Pop Festival
04.08. Skandalös Festival, Neukirchen
11.08. Fuchsbau Festival, Hannover
28.10. Kaltern Pop Festival
Folkvang: Ein Herz für den Osten
Donnerstag, 3. August 2017
Feist: Was sie will
Feist
Circus Krone, München, 2. August 2017
Manche Dinge erledigen sich ganz von selbst. Als der so allmächtige wie unheimliche Konzern Apple vor zehn Jahren seinen niegelnagelneuen iPod Nano in einem TV-Spot anpries, spendierte Leslie Feist dafür den Song „1 2 3 4“ – gerade war ihr bislang kommerziellstes Album „Reminder“ erschienen, auch sie wollte also etwas verkaufen. Was die Künstlerin etwas Angstschweiß und ein paar schlaflose Nächste kostete, fand nicht jeder ihrer Anhänger uneingeschränkt super. Gerade hat nun Apple nach nur einer Dekade die kleinen, bunten Dinger schon wieder vom Markt genommen, braucht offenbar in Zeiten, da mit einem Griff in die Datenwolke alles für alle verfügbar ist, kein Mensch mehr. Den Hörern gereicht es zum Trost: The Song remains the same. Gesungen hat sie das Stück ganz am Ende ihres fabelhaften Konzerts natürlich trotzdem, auch wenn es in der halbakustischen Fassung mit dem Original nur noch erstaunlich wenig zu tun hatte.
Die Hersteller blankpolierter Unterhaltungsgeräte täten sich heute weitaus schwerer, im Oevre der Künstlerin ein Stück zu finden, mit dem sich der Verkauf hübsch gestylter Produkte ankurbeln ließe. Was wiederum manchen Fan vorab zur bangen Frage brachte, welche Feist denn wohl im ausverkauften Zirkusrund zu hören sein würde. Eher die mit den düsteren Folksongs der frühen Tage, oder vielleicht doch mehrheitlich die poppigen Mitwipp-Nummern, über die nicht wenige erst den Zugang zur Musik der Kanadierin fanden? Oder würde sich der Vortrag vielmehr auf die beiden letzten Alben beschränken, die in ihrer Vielgestaltigkeit und Experimentierfreude eben auch manchmal etwas unzugänglicher, weil weniger glatt erschienen? Nun, Leslie Feist eilt in Sachen Liveauftritte ein erstklassiger Ruf voraus und weil die Künstlerin auch sonst keine Scheu hat, ihren Stiefel durchzuziehen (schließlich arbeitete sie schon mit so verschiedenen Acts wie Peaches, den Kings Of Convenience, Mastodon und natürlich Broken Social Scene), war auch an diesem Abend mit Eigenwilligem zu rechnen.
Und das bestand eben darin, vor den Best-Of-Part eine Komplettaufführung ihrer neuen Platte „Pleasure“ zu setzen. Gerade weil diese weit mehr Ecken und Kanten aufweist als besagtes „Reminder“ – von zart bis verzerrt, von Folk über Blues bis Rock ist so ziemlich alles dabei – bietet der Vortrag an solch einem Abend, wo man dem Werk ganz ohne Ablenkung „ausgeliefert“ ist, einen speziellen Reiz. Was auf der Platte manchmal noch etwas ungelenk oder gewöhnungsbedürftig daherkommt, macht bei dieser Performance Sinn, die Band läßt das Album, begleitet von einer sparsamen, aber sehr wirkungsvollen Lightshow, wortwörtlich in neuem Licht erscheinen. Der analoge, organische Sound versieht sowohl die leisen („Lost Dreams“, „Baby Be Simple“) wie auch die lauteren Arrangements („Pleasure“, „Century“) mit der nötigen Tiefe und Energie. Und Leslie Feist, die das sanfte Wispern ebenso beherrscht wie die stimmgewaltige Geste, ist spürbar bei der Sache.
Den größten Applaus erntet sie jedoch erwartungsgemäß im letzten Drittel, wenn der Wiedererkennungseffekt mit Hits wie „My Moon, My Man“, der wunderbaren Nina-Simone-Hommage „Sea Lion Woman“ oder „Mushaboom“ deutlich steigt. Das ist dann auch der Teil des Abends, der das begeisterte Publikum endlich von den Stühlen reißt, auf die es zuvor vom Veranstalter genötigt worden war. Eine Besonderheit, die auch Feist offenbar nicht so recht nachzuvollziehen vermochte – froh, nunmehr eine entspannt tanzende Kundschaft vor sich zu haben, dirigierte sie diese mit spontanen Textvariationen und launigen Ansagen durch den Rest des Programms. Und natürlich fiel einem, eingedenk des erwähnten Werbejingles, auch das Herzstück von „Pleasure“ wieder ein: „A Man Is Not A Song“. Denn bei aller Distanz, die Feist hier jedem Künstler und jeder Künstlerin, also auch sich selbst, zu seiner/ihrer Arbeit gern einräumen möchte – am Ende ist sie doch den meisten Menschen durch eben diese Stücke am nächsten. Schön, wenn es wie bei ihr so viele verschiedene sind.
Circus Krone, München, 2. August 2017
Manche Dinge erledigen sich ganz von selbst. Als der so allmächtige wie unheimliche Konzern Apple vor zehn Jahren seinen niegelnagelneuen iPod Nano in einem TV-Spot anpries, spendierte Leslie Feist dafür den Song „1 2 3 4“ – gerade war ihr bislang kommerziellstes Album „Reminder“ erschienen, auch sie wollte also etwas verkaufen. Was die Künstlerin etwas Angstschweiß und ein paar schlaflose Nächste kostete, fand nicht jeder ihrer Anhänger uneingeschränkt super. Gerade hat nun Apple nach nur einer Dekade die kleinen, bunten Dinger schon wieder vom Markt genommen, braucht offenbar in Zeiten, da mit einem Griff in die Datenwolke alles für alle verfügbar ist, kein Mensch mehr. Den Hörern gereicht es zum Trost: The Song remains the same. Gesungen hat sie das Stück ganz am Ende ihres fabelhaften Konzerts natürlich trotzdem, auch wenn es in der halbakustischen Fassung mit dem Original nur noch erstaunlich wenig zu tun hatte.
Die Hersteller blankpolierter Unterhaltungsgeräte täten sich heute weitaus schwerer, im Oevre der Künstlerin ein Stück zu finden, mit dem sich der Verkauf hübsch gestylter Produkte ankurbeln ließe. Was wiederum manchen Fan vorab zur bangen Frage brachte, welche Feist denn wohl im ausverkauften Zirkusrund zu hören sein würde. Eher die mit den düsteren Folksongs der frühen Tage, oder vielleicht doch mehrheitlich die poppigen Mitwipp-Nummern, über die nicht wenige erst den Zugang zur Musik der Kanadierin fanden? Oder würde sich der Vortrag vielmehr auf die beiden letzten Alben beschränken, die in ihrer Vielgestaltigkeit und Experimentierfreude eben auch manchmal etwas unzugänglicher, weil weniger glatt erschienen? Nun, Leslie Feist eilt in Sachen Liveauftritte ein erstklassiger Ruf voraus und weil die Künstlerin auch sonst keine Scheu hat, ihren Stiefel durchzuziehen (schließlich arbeitete sie schon mit so verschiedenen Acts wie Peaches, den Kings Of Convenience, Mastodon und natürlich Broken Social Scene), war auch an diesem Abend mit Eigenwilligem zu rechnen.
Und das bestand eben darin, vor den Best-Of-Part eine Komplettaufführung ihrer neuen Platte „Pleasure“ zu setzen. Gerade weil diese weit mehr Ecken und Kanten aufweist als besagtes „Reminder“ – von zart bis verzerrt, von Folk über Blues bis Rock ist so ziemlich alles dabei – bietet der Vortrag an solch einem Abend, wo man dem Werk ganz ohne Ablenkung „ausgeliefert“ ist, einen speziellen Reiz. Was auf der Platte manchmal noch etwas ungelenk oder gewöhnungsbedürftig daherkommt, macht bei dieser Performance Sinn, die Band läßt das Album, begleitet von einer sparsamen, aber sehr wirkungsvollen Lightshow, wortwörtlich in neuem Licht erscheinen. Der analoge, organische Sound versieht sowohl die leisen („Lost Dreams“, „Baby Be Simple“) wie auch die lauteren Arrangements („Pleasure“, „Century“) mit der nötigen Tiefe und Energie. Und Leslie Feist, die das sanfte Wispern ebenso beherrscht wie die stimmgewaltige Geste, ist spürbar bei der Sache.
Den größten Applaus erntet sie jedoch erwartungsgemäß im letzten Drittel, wenn der Wiedererkennungseffekt mit Hits wie „My Moon, My Man“, der wunderbaren Nina-Simone-Hommage „Sea Lion Woman“ oder „Mushaboom“ deutlich steigt. Das ist dann auch der Teil des Abends, der das begeisterte Publikum endlich von den Stühlen reißt, auf die es zuvor vom Veranstalter genötigt worden war. Eine Besonderheit, die auch Feist offenbar nicht so recht nachzuvollziehen vermochte – froh, nunmehr eine entspannt tanzende Kundschaft vor sich zu haben, dirigierte sie diese mit spontanen Textvariationen und launigen Ansagen durch den Rest des Programms. Und natürlich fiel einem, eingedenk des erwähnten Werbejingles, auch das Herzstück von „Pleasure“ wieder ein: „A Man Is Not A Song“. Denn bei aller Distanz, die Feist hier jedem Künstler und jeder Künstlerin, also auch sich selbst, zu seiner/ihrer Arbeit gern einräumen möchte – am Ende ist sie doch den meisten Menschen durch eben diese Stücke am nächsten. Schön, wenn es wie bei ihr so viele verschiedene sind.
METZ: Raus damit! [Update]
Haben wir's nicht gerade erst erwähnt!? Die Kunde, daß die kanadischen METZ mit Protomartyr auf Tour gehen, hat schon für mehr als verhaltenen Jubel gesorgt - jetzt darf man sich auch davon überzeugen, was denn dort so zu hören sein wird. Möglicherweise nämlich ihre neue Single "Cellophane", die vor wenigen Minuten ihre Geburtsstunde im Netz hatte und nun gleich mal kräftig reinhaut. Der Nachfolger für das letzte Album "II" (2015) ist im Übrigen auch schon terminiert, "Strange Peace" kommt mit elf neuen Songs via Sub Pop und zwar am 22. September.
Update: Eine weitere Single kommt heute in Umlauf - Metz schicken "Drained Lake" und ein zwei Livetermine raus.
06.11. Berlin, Bi Nuu
08.11. Hamburg, Knust
Update: Eine weitere Single kommt heute in Umlauf - Metz schicken "Drained Lake" und ein zwei Livetermine raus.
06.11. Berlin, Bi Nuu
08.11. Hamburg, Knust
Mittwoch, 2. August 2017
Everything Everything: Nur kein Geiz [Update]
England ist und bleibt das Land, in dem Style noch etwas zählt. Und das gilt nicht erst seit Bryan Ferry. Auch die Viermann-Kapelle Everything Everything aus Manchester ist für diese These das beste Aushängeschild, man sieht die Herren Jonathan Higgs, Jeremy Pritchard, Michael Spearman und Alex Robertshaw gern mal mit farbenfrohen Kombis in den Tönen rot/orange, schwarz/grau oder marineblauen Seidenblousons. Und was gut ist für's Auge, kommt auch beim Ohr entsprechend an - für den 18. August haben die vier bei RCA ihr nächstes Album in Auftrag gegeben und man müsste sich schon ganz schwer täuschen, sollte "A Fever Dream" nicht wieder pickepackevoll mit erstklassiger Tanzmusik sein. Die erste Single "Can't Do" jedenfalls geizt nicht mit eingängigen Beats und anschmiegsamen Tönen.
Update: Und heute kommt mit "Desire" der zweite Song gleich samt Video daher und da geht es nicht weniger zur Sache.
Update: Und heute kommt mit "Desire" der zweite Song gleich samt Video daher und da geht es nicht weniger zur Sache.
Weaves: Schlag auf Schlag
Noch was Neues: Die kanadischen Weaves haben heute ebenfalls ein neues Album angekündigt, "Wide Open" folgt auf das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahr 2016. Die Band um die so wunder- wie streitbare Sängerin Jasmyn Burke hat dazu passenderweise auch gleich noch ein paar Konzerttermine für den Herbst benannt - und, noch besser, die erste Vorauskopplung "#53" gestreamt. Und die ist gleich mal eine richtige feine Rocknummer geworden.
30.10. Düsseldorf, The Tube
31.10. Hamburg, Haekken
03.11. Berlin, Auster-Club
06.11. Wien, Chelsea
08.11. Basel, Kaserne
09.11. Genf, La Makhno
30.10. Düsseldorf, The Tube
31.10. Hamburg, Haekken
03.11. Berlin, Auster-Club
06.11. Wien, Chelsea
08.11. Basel, Kaserne
09.11. Genf, La Makhno
TWIABP: Angenehm unspektakulär
Auch das Musikbusiness kommt nicht ohne eine gewisse Gigantomanie aus. Wobei das alles nicht ganz so absurd ist wie die Überweisung von 222 Millionen Dollar für einen Fünfundzwanzigjährigen, der einen Kunststoffball plötzlich lieber für einen anderen Verein ins Netz bugsieren möchte. Also eigentlich will das ja eher sein geldgeiler Erziehungsberechtigter, aber das würde uns jetzt zu weit vom eigentlichen Thema wegführen. Musik also. Albumtitel von absonderlicher Länge sind zum Beispiel so ein Ding - Fiona Apple hatte 1999 mit ihrer Platte "When The Pawn..." und satten 83 Worten einen Langzeitspitzenreiter ins Rennen geschickt, der dann 2008 von Chumbawamba und ihrem Werk "The Boy Bands Have Won..." und sagenhaften 156 Begriffen locker getoppt wurde. Hören wollte die Scheibe deshalb trotzdem kaum jemand. Dagegen nimmt sich der Bandname, um den es hier geht, regelrecht harmlos aus, die Formation selbst ist es beileibe nicht: The Word Is A Beauttiful Place And I Am No Longer Afraid To Die sind eine achtköpfige Emo-Rock-Kapelle aus Connecticut und habengerade ihr drittes Album angekündigt - "Always Foreign" wird am 29. September bei Epitaph erscheinen und ganz und gar unspektakulär gibt es hier schon mal den ersten Song zum Vorhören - in aller Kürze also "Dillon And Her Son".
The Vryll Society: Vergleichsweise
Und gleich noch einmal: Auch für einen unsrer ersten Texte zur Vorstellung der Liverpooler Band The Vryll Society mußte der Ballsport herhalten, vor über einem Jahr war es damals natürlich Jürgen Klopp als sympathisch durchgeknallter Emotionsarbeiter, der den Bezug zur Stadt an der Mersey lange nach den Beatles aufzufrischen vermochte. Das kann der Mann auch heute noch, just am gestrigen Abend zeigte er den Münchnern zu ihrem Leidwesen wieder einmal, wie hoch manche Trauben auch für etablierte Vereine hängen können. Egal - The Vryll Society jedenfalls haben just am Tag danach einen neuen Song am Start, der mutmaßlich ihr kommendes Debütalbum ankündigen könnte - "Shadow Of A Wave" rockt schon mal genauso lässig wie die Jungs gestern gegen die Kugel getreten haben.
Baby In Vain: Das Wesentliche
Kurze Abschweifung gefällig? In der vergangenen Woche erlebten unsere Fußballfrauen ja schmerzlicherweise eine Art Gleichstellungs-Niederlage, bekanntermaßen kickten die dänischen Männer ihre deutschen Kollegen im Juni 1992 ziemlich unverfroren aus dem EM-Finale in Schweden, nun also zogen die Damen nach und ließen sich von ihren Kontrahentinnen um zwölf Uhr mittags den Schneid abkaufen - dumm gelaufen, blöde Emanzipation die. Der Zorn sollte allerdings bald verraucht sein, nun wünschen wir natürlich den Däninnen alles Gute gegen Österreich und konzentrieren uns wieder auf das Wesentliche, Musik zum Beispiel. Und da haben insbesondere drei Mädels aus Kopenhagen in den letzten zwei Jahren auf sich aufmerksam gemacht - Baby In Vain konnten mit ihrer EP "For The Kids" ganz ohne Ballsport punkten. Nun ist das Debütalbum "More Nothing" für den 25. August via PIAS angekündigt und wir können hier, begleitet von einer euphorischen Laóla-Welle, gleich drei Stücke davon präsentieren - die älteren Vorauskopplungen "To Heaven And Back" und "Transcendent" und ganz aktuell obendrauf "Low Live". Damit, so hofft man, sollte jetzt aller Groll vorbei sein.
Dienstag, 1. August 2017
Gotts Street Park: Ins Dämmerlicht [Update]
Update: Gesagt, getan - hier kommen mit "Sleep" und "Love In Bad Company" zwei neue Tracks von der nun auf den 16. Juni datierten EP "Volume One", letzteres jetzt sogar mit einem Clip.
Esther Joy: Regelgerecht [Update]
Das ist ja meistens die erste Regel, die angehende Jungstars beherzigen müssen: Ein markantes Äußeres ist wichtig. Da jedenfalls hat Ester Joy Lane, kurz Esther Joy, alles richtig gemacht, denn mit dem kahlrasierten Schädel ist das Mädchen schon mal so gut wie unverwechselbar. Geboren in Leeds, kam sie über London nach Oxford und im Laufe dieser Reise wurden nicht nur die Haare kürzer, sondern postete sie auch eine Reihe elektronischer Tracks über Soundcloud, über die dann immer mehr Leute gestolpert sind. Aktuell macht "Samgel" die Runde, vollgepackt mit dunkelsten Dronebeats - stammen soll das Stück von der EP "Psychic Tears", die am 11. August erscheint.
Update: Da aktualisiert man gern - gerade in freier Wildbahn aufgetaucht der nächste Song von Esther Joy "Friendless Necessity".
Update: Da aktualisiert man gern - gerade in freier Wildbahn aufgetaucht der nächste Song von Esther Joy "Friendless Necessity".
Tricky: Nicht unterzukriegen [Update]
Nach dem ersten Track hatte man noch gedacht, da kommt man dran vorbei. Denkste, geht nicht. Nicht an Tricky. Der Mann besitzt noch einen Ruf, eine Aura, auch wenn sein Erstling "Maxinquaye" schon Lichtjahre entfernt ist und man ihn danach immer ein Stück mehr aus dem Blick verloren hat. Jetzt jedenfalls hat der Urvater des Trip Hop ein neues Album angekündigt - sein dreizehntes (!) - "Ununiform" soll am 2. September via False Idols bei !K7 erscheinen, aufgenommen wurde es in Moskau, fertigestellt ins Trickys derzeitiger Heimat Berlin. Neben einer Reihe russischer Rap-Prominenz (!!) ist auch eine alte Bekannte mit an Bord, Martina Topley-Bird war 1995 beim Debüt dabei und aktuell für die Single "When We Die", dazu gibt es noch "The Only Way", schon ein paar Tage länger in Umlauf.
Update: Superslomo, Gesichter, Geschichten - das Video zu "When We Die" von Jenny Marie Baldoz beeindruckt mit Bedacht.
Update: Superslomo, Gesichter, Geschichten - das Video zu "When We Die" von Jenny Marie Baldoz beeindruckt mit Bedacht.
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