Einen dicken Pluspunkt bekommen Palace Winter, australisch-dänisches Indie-Duo, schon mal für ihre Coverentwürfe. Ältere Herren im natürlichen Lebensraum - Strand, Appartement, das hat schon einen gewissen Stil. Respekt verdient aber auch der Sound, der am ehesten vielleicht an Adam Granduciel und The War On Drugs erinnert, rauhe Stimme, lässige Gitarren, gar keine schlechte Sache. Hier zwei Songs zum Reinkommen - die etwas ältere Single ""Time Machine" und das wunderbare "Menton", gerade erst ins Netz gelangt. Am 2. Oktober werden Carl Coleman und Caspar Hesselager ihre neue EP "Medication" veröffentlichen - man darf gespannt sein.
Dienstag, 25. August 2015
Beach House: Unbeschreiblich
Beach House
„Depression Cherry“
(PIAS/Bella Union)
Dass Musik, die leicht und beschwingt daherkommt, auch mühsame Arbeit bedeuten kann, ist kein großes Geheimnis (#Binsenweisheit), auch Beach House aus Baltimore haben das feststellen müssen. Nach ihrem fabelhaften Album „Bloom“ war es auch für Victoria Legrand und Alex Scully Zeit für eine längere Arbeitspause – kein Lied wollte mehr entstehen, der Akku war leer. Dass dann wiederum ein Ort namens Bogalusa im amerikanischen Bundesstaat Louisiana die Inspiration und Arbeitsfreude zurückbrachte, birgt schon eine gewisse Komik und läßt selbst die beiden herzlich lachen (INTRO) – schließlich bedeutet der Ortsname im Indianischen soviel wie „Dunkle Wasser“ und ließe sich herrlich zu einer bedeutungsschweren Promostory verbauen. Doch aus Untiefen mussten Beach House den Stoff für ihre Songs noch nie heben, sie finden die Themen eher beiläufig und weniger spektakulär: "Love, pain, getting older, dealing with loss, letting go“ – so einfach kann das sein und das ist dann auch der Grund, weshalb das Duo weiterhin so wundervolle Musik zustande bringt. Sie sind wach und uneitel genug, das Naheliegende zu nehmen und besitzen ein seltenes Gespür für das spannende Miteinander von traumhafter Heiterkeit und schwerblütiger Melancholie.
Und so ist auch „Depression Cherry“ wieder eine großartige Platte geworden – auch hier finden sich bittersüßeste Melodien, verbaut in den Sound von Gitarrenwänden, die im milden Licht der Selbstvergessenheit funkeln. Viel hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert, es bleibt auch auf dem aktuellen Opus dicht und voll, sparsame Elektronik klackert zuweilen hinter angerauhten Hooklines, mehrstimmige Chöre geben dem Ganzen gern mal etwas Feierliches („Days Of Candy“), an anderer Stelle schwingt ein scheinbar endlose Klangschleife dem geliebten Fadeout entgegen („PPP“). Hypnotisch, verträumt, verführerisch – derartiges Vokabular ließe sich noch reichlich finden, man sollte auch nicht vergessen, den „Space Song“ und die Grandezza von „Bluebird“ zu erwähnen und müsste am Ende trotzdem die Waffen strecken. Die Größe eines solchen Werkes bemisst sich bei aller Wortdrechselei doch nur am Widerhall, den die Musik bei einem jeden Hörer selbst zu finden vermag, ob sie also etwas anstoßen, etwas zum klingen bringen kann. Das macht die Stücke von Beach House so besonders, macht sie im wahrsten Wortsinn einfach nur unbeschreiblich schön. http://www.beachhousebaltimore.com/
04.11. Köln, Gloria
14.11. Hamburg, Kampnagel
16.11. Berlin, Huxley's
17.11. München, Freiheiz
18.11. Lausanne, Les Docks
„Depression Cherry“
(PIAS/Bella Union)
Dass Musik, die leicht und beschwingt daherkommt, auch mühsame Arbeit bedeuten kann, ist kein großes Geheimnis (#Binsenweisheit), auch Beach House aus Baltimore haben das feststellen müssen. Nach ihrem fabelhaften Album „Bloom“ war es auch für Victoria Legrand und Alex Scully Zeit für eine längere Arbeitspause – kein Lied wollte mehr entstehen, der Akku war leer. Dass dann wiederum ein Ort namens Bogalusa im amerikanischen Bundesstaat Louisiana die Inspiration und Arbeitsfreude zurückbrachte, birgt schon eine gewisse Komik und läßt selbst die beiden herzlich lachen (INTRO) – schließlich bedeutet der Ortsname im Indianischen soviel wie „Dunkle Wasser“ und ließe sich herrlich zu einer bedeutungsschweren Promostory verbauen. Doch aus Untiefen mussten Beach House den Stoff für ihre Songs noch nie heben, sie finden die Themen eher beiläufig und weniger spektakulär: "Love, pain, getting older, dealing with loss, letting go“ – so einfach kann das sein und das ist dann auch der Grund, weshalb das Duo weiterhin so wundervolle Musik zustande bringt. Sie sind wach und uneitel genug, das Naheliegende zu nehmen und besitzen ein seltenes Gespür für das spannende Miteinander von traumhafter Heiterkeit und schwerblütiger Melancholie.
Und so ist auch „Depression Cherry“ wieder eine großartige Platte geworden – auch hier finden sich bittersüßeste Melodien, verbaut in den Sound von Gitarrenwänden, die im milden Licht der Selbstvergessenheit funkeln. Viel hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert, es bleibt auch auf dem aktuellen Opus dicht und voll, sparsame Elektronik klackert zuweilen hinter angerauhten Hooklines, mehrstimmige Chöre geben dem Ganzen gern mal etwas Feierliches („Days Of Candy“), an anderer Stelle schwingt ein scheinbar endlose Klangschleife dem geliebten Fadeout entgegen („PPP“). Hypnotisch, verträumt, verführerisch – derartiges Vokabular ließe sich noch reichlich finden, man sollte auch nicht vergessen, den „Space Song“ und die Grandezza von „Bluebird“ zu erwähnen und müsste am Ende trotzdem die Waffen strecken. Die Größe eines solchen Werkes bemisst sich bei aller Wortdrechselei doch nur am Widerhall, den die Musik bei einem jeden Hörer selbst zu finden vermag, ob sie also etwas anstoßen, etwas zum klingen bringen kann. Das macht die Stücke von Beach House so besonders, macht sie im wahrsten Wortsinn einfach nur unbeschreiblich schön. http://www.beachhousebaltimore.com/
04.11. Köln, Gloria
14.11. Hamburg, Kampnagel
16.11. Berlin, Huxley's
17.11. München, Freiheiz
18.11. Lausanne, Les Docks
Line And Circle: Mondän
R.E.M. tauchen gar nicht auf, wenn Line And Circle ihre Einflüsse benennen, sondern ein buntes Potpourri aus Grace Kelly, Erik Satie und Lord Byron. Dennoch können die fünf aus Los Angeles nicht verhehlen, dass Michael Stipe und seine Vorruhestandskollegen aus Athens zumindest zum engeren Kreis der Vorbilder zählen müssen, so luftig und charmant läßt sich das an. "Like A Statue", der Song, den Line And Circle gerade über Stereogum ins Rennen geschickt haben, stammt vom Album "Split Figure" und wird am 2. Oktober bei Grand Gallop erscheinen.
Montag, 24. August 2015
FANS: Dranbleiben
Gerade erst hatten wir die FANS aus Yorkshire für ihr unbekümmertes Herangehen gelobt und den Song "Born Into" bereitwillig gepostet, da schicken sie schon den nächsten ins Rennen wie um zu beweisen, dass mit ihnen auch weiterhin zu rechnen sein wird - stimmt, hört man! Im September dann die komplette EP...
Sexwitch: Hexenkult
Dr. Dre: The other side of the coin
Dr. Dre
„Compton“
(Interscope)
Wer den wiederaufflammenden Rassenunruhen in den USA überhaupt etwas Positives abgewinnen möchte (Vorsicht: Minenfeld!), der darf zumindest konstatieren, dass der einst darniederliegende, sich in ödem Bling-Bling-Machismo erschöpfende Hip Hop an diesen Konflikten Sinne und Konturen geschärft hat. Man spürt wieder so etwas wie Relevanz, Wachheit, auch Wut und Aggressivität natürlich – jeder, der geglaubt hatte, mit einem schwarzen Präsidenten würden sich solche üblen Dinge nicht mehr wiederholen, sondern irgendwann, ganz Besonnenheit, Ratio und Vernunft, von selbst verschwinden, sieht sich nun getäuscht. Und selbst leicht abgehalfterte Stars wie 50 Cent oder Xzibit, die sich vor Jahren noch als Tanzbären bereitwillig am Nasenring (also: Klischee) durch die mediale Arena ziehen ließen, merken plötzlich, dass sie vielleicht etwas zu bequem, etwas zu satt geworden sind und nun doch die Hand beißen müssen, die ihnen über lange Zeit ihren Luxus mitfinanziert hat. Nicht so schön, aber das war Aufklärung ja nie.
Und wer gedacht hat, nach Kendrick Lamar, A$AP Rocky, Drake, D’Angelo und Earl Sweatshirt hätte der Vorrat an Superlativen für dieses bewegte Jahr bereits aufgebraucht sein müssen, der sieht sich getäuscht und darf für Altmeister und Produzenten-Legende Dr. Dre noch einmal draufsatteln. Denn „Compton“, eigentlich als Soundtrack konzipiert, ist ein so schillerndes, vielschichtiges und natürlich auch bissiges Werk geworden, das den Vergleich mit ähnlich apokalyptischen Geniestreichen wie Kanye Wests „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ oder eben Lamar’s „To Pimp A Butterfly“ nicht scheuen muss. Man kommt nicht umhin, sich im Zuge der Veröffentlichung die alten Sachen von NWA oder Dre’s Solowerk „The Chronic“ anzuhören und muss anerkennen, dass bei allem Respekt vor den alten Sachen ein Quantensprung zur Neuzeit herauszuhören ist. Das betrifft natürlich nicht so sehr die drastische, kompromisslose Wortwahl und auch die nicht unbedingt die Düsternis, sondern die kunstvolle Vermengung verschiedenster Stile.
Davon gibt es auf „Compton“ eine Menge und Dre schafft es auf beeindruckende Weise, sie zu einem überaus lebendigen, regelrecht pulsierenden Ganzen zu formen, kantig, nervös, überdreht und voller Überraschungen. Wo auf ganz frühen Alben die dumpf pochende Straightness Attitüde und Klangbild bestimmte und furchteinflößendes Wummern Ehrensache war, überzeugt die heutige Rapgeneration mit einer inspirierten Mixtur aus Psychrock, Knochenblues, Dub, Metall-Riffs, werden sanfte Pianoklimpereien und opulente Chöre mit dronigen Synths gekreuzt. Hier steht deshalb fetter Soul („It’s All On Me“) neben trickreich geloopten Soundpatterns („Genocide“), trifft Doom („Deep Water“) auf die ganz breite Filmscore-Palette („One Shot One Kill“).
Überhaupt – die Gäste: Snoop Dog macht es nicht unter dem best track of all und selbst Dre-Zögling Eminem steht ihm mit seinen scharf geschliffenen Stakkato-Rhymes in nichts nach. Dazu noch Lamar selbst, Marsha Ambrosius, Anderson Paak, King Mez und viele mehr, Schüler, Wegbegleiter, Kollegen, Buddies, ein vielstimmiger Chor der Enttäuschung, der Anklage und des Zorns an und auf die Unbelehrbarkeit der Exekutive und Justiz. So wie die dazugehörige Doku „Straight Outta Compton“ gerade in den Kinos, so schließt auch dieses Album von Dr. Dre einen historischen Kreis, weckt Erinnerungen, zieht Schlüsse, schafft Bezüge und macht auch Mut für die, die ihn gerade ganz gut brauchen können. In der Überfülle, dem „Was geht!?“ im Subtext von „Compton“ schwingt also – wer will es ihm verdenken – auch eine kräftige Portion Stolz mit. https://www.drdre.com/
„Compton“
(Interscope)
Wer den wiederaufflammenden Rassenunruhen in den USA überhaupt etwas Positives abgewinnen möchte (Vorsicht: Minenfeld!), der darf zumindest konstatieren, dass der einst darniederliegende, sich in ödem Bling-Bling-Machismo erschöpfende Hip Hop an diesen Konflikten Sinne und Konturen geschärft hat. Man spürt wieder so etwas wie Relevanz, Wachheit, auch Wut und Aggressivität natürlich – jeder, der geglaubt hatte, mit einem schwarzen Präsidenten würden sich solche üblen Dinge nicht mehr wiederholen, sondern irgendwann, ganz Besonnenheit, Ratio und Vernunft, von selbst verschwinden, sieht sich nun getäuscht. Und selbst leicht abgehalfterte Stars wie 50 Cent oder Xzibit, die sich vor Jahren noch als Tanzbären bereitwillig am Nasenring (also: Klischee) durch die mediale Arena ziehen ließen, merken plötzlich, dass sie vielleicht etwas zu bequem, etwas zu satt geworden sind und nun doch die Hand beißen müssen, die ihnen über lange Zeit ihren Luxus mitfinanziert hat. Nicht so schön, aber das war Aufklärung ja nie.
Und wer gedacht hat, nach Kendrick Lamar, A$AP Rocky, Drake, D’Angelo und Earl Sweatshirt hätte der Vorrat an Superlativen für dieses bewegte Jahr bereits aufgebraucht sein müssen, der sieht sich getäuscht und darf für Altmeister und Produzenten-Legende Dr. Dre noch einmal draufsatteln. Denn „Compton“, eigentlich als Soundtrack konzipiert, ist ein so schillerndes, vielschichtiges und natürlich auch bissiges Werk geworden, das den Vergleich mit ähnlich apokalyptischen Geniestreichen wie Kanye Wests „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ oder eben Lamar’s „To Pimp A Butterfly“ nicht scheuen muss. Man kommt nicht umhin, sich im Zuge der Veröffentlichung die alten Sachen von NWA oder Dre’s Solowerk „The Chronic“ anzuhören und muss anerkennen, dass bei allem Respekt vor den alten Sachen ein Quantensprung zur Neuzeit herauszuhören ist. Das betrifft natürlich nicht so sehr die drastische, kompromisslose Wortwahl und auch die nicht unbedingt die Düsternis, sondern die kunstvolle Vermengung verschiedenster Stile.
Davon gibt es auf „Compton“ eine Menge und Dre schafft es auf beeindruckende Weise, sie zu einem überaus lebendigen, regelrecht pulsierenden Ganzen zu formen, kantig, nervös, überdreht und voller Überraschungen. Wo auf ganz frühen Alben die dumpf pochende Straightness Attitüde und Klangbild bestimmte und furchteinflößendes Wummern Ehrensache war, überzeugt die heutige Rapgeneration mit einer inspirierten Mixtur aus Psychrock, Knochenblues, Dub, Metall-Riffs, werden sanfte Pianoklimpereien und opulente Chöre mit dronigen Synths gekreuzt. Hier steht deshalb fetter Soul („It’s All On Me“) neben trickreich geloopten Soundpatterns („Genocide“), trifft Doom („Deep Water“) auf die ganz breite Filmscore-Palette („One Shot One Kill“).
Überhaupt – die Gäste: Snoop Dog macht es nicht unter dem best track of all und selbst Dre-Zögling Eminem steht ihm mit seinen scharf geschliffenen Stakkato-Rhymes in nichts nach. Dazu noch Lamar selbst, Marsha Ambrosius, Anderson Paak, King Mez und viele mehr, Schüler, Wegbegleiter, Kollegen, Buddies, ein vielstimmiger Chor der Enttäuschung, der Anklage und des Zorns an und auf die Unbelehrbarkeit der Exekutive und Justiz. So wie die dazugehörige Doku „Straight Outta Compton“ gerade in den Kinos, so schließt auch dieses Album von Dr. Dre einen historischen Kreis, weckt Erinnerungen, zieht Schlüsse, schafft Bezüge und macht auch Mut für die, die ihn gerade ganz gut brauchen können. In der Überfülle, dem „Was geht!?“ im Subtext von „Compton“ schwingt also – wer will es ihm verdenken – auch eine kräftige Portion Stolz mit. https://www.drdre.com/
Freitag, 21. August 2015
Chk Chk Chk: Fernabfrage
Die ersten Hörproben waren ja schon ein wirklicher Leckerbissen, nun schieben Chk Chk Chk für einen Teil davon ein Video hinterher: "Freedom '15" stammt vom sehnlichst erwarteten neuen Album "As If", das am 16. Oktober bei Warp Records erscheint, im Clip gesellen sich zum Sänger und Bandgründer Nic Offer noch die beiden reizenden Damen Yolanda Harris Dancy und Taletha Manor für einen Skype-Chat. Auf der Liste der Tourtermine, welche gerade bekannt gegeben wurden, fehlt Deutschland zwar, aber was nicht ist, kann oder muss schließlich noch werden.
Viola Beach: Stadt, Land, Fluß
Es macht immer wieder Spaß, sich im Zuge der Recherche einen Ort von der Landkarte zu picken und ein klein wenig nachzulesen, ob er denn eine Pointe hergeben könnte. Im Falle der Herkunft des britischen Indierock-Quartetts Viola Beach ist das tatsächlich der Fall - die Jungs nämlich kommen aus dem mittelgroßen Städtchen Warrington. Dort wurde nicht nur Ian Brown, legendärer Sänger der Stone Roses, geboren, sondern verübte die IRA ein Attentat, bei dem ein drei- und ein zwölfjähriger Junge ums Leben kamen. Darüber wiederum gibt es ein Lied mit dem Titel "Zombie" und das stammt von der Band The Cranberries - wer jetzt immer noch überlegen muss, dem ist wohl nicht zu helfen. Viola Beach jedenfalls hört man sehr genau an, woher sie kommen und das ist in diesem Falle ein klarer Standortvorteil - "Swings And Waterslides" ist ihre Debütsingle.
Wanda: Wiederholte Kontaktaufnahme
Was zum Liebhaben für's Wochenende - natürlich ein Video von Wanda: "Bussi" heißt das neue Album und "Bussi Baby" die erste Single, hier nun der dazugehörige Clip. Ansonsten: Leider warten bis Anfang Oktober...
Donnerstag, 20. August 2015
Frittenbude: In Tagen wie diesen
Frittenbude
„Küken des Orion“
(Audiolith)
Irgendwo war neulich ein recht kluger Artikel zu lesen, in dem der Menschheit, hier im speziellen der westeuropäischen, zum besseren Wohlbefinden dringend angeraten wurde, endlich den Schwierigkeitsgrad der gesellschaftlichen Gesamtgemengelage als dauerhaften Zustand zu akzeptieren und nicht ständig über Gewesenes zu lamentieren. Das bewahre einen, so der Autor, vor rosabebrillter Glorifizierung der Vergangenheit und mache die Menschen letztendlich freier und auch glücklicher. Allein – wie das anstellen? Auch Martin Steer, Johannes Rögner und Jakob Häglsperger mühen sich seit Jahren auf ihren Alben mit Erklärungen, Deutungen, Empfehlungen und dem Versuch, der allgemeinen Verunsicherung eine Orientierung oder doch wenigstens eine Heimat zu geben (und das Schöne daran wieder ist, dass diese man diese Heimat herrlich gut tanzen kann). Öffentlich um kein klares Statement, keine Ansage verlegen, tun sie sich in ihren Song mit all den Sinnbildern und Metaphern deutlich schwerer – der Leitfaden für die Unentschlossenen ist selbst ein unentschlossener.
Daran ändert sich auch auf dem vierten Album nicht viel. Zu bratzigen Synths und klopfenden Drums gibt’s zunächst einmal mehr die klassische Rave-Sause, es pumpt und böllert gerade im ersten Drittel ganz ordentlich, Rögners nicht eben sehr wandlungsfähige Stimme treibt die Stücke Takt um Takt, die Küken marschieren, die Helden zersplittern, alles ein Schlachtfeld, viel bleibt nicht übrig. Drumherum – Ratlosigkeit, vage Versuche, das Unfassbare in Worte zu zwingen, die Welt im Zerrspiegel, nichts wie es aussieht, das alltägliche mediale Bildergewitter übersetzt in sich überschlagende Satzfetzen und im Hintergrund raunt Dirk von Lowtzow seine Verse (was einem ganz gut zu Passe kommt, weil da endlich mal einer Luft holt und etwas Drehzahl rausnimmt). Zitate zuhauf, Sterne, Helden und Ärzte, wo sie selbst nicht weiterkommen.
Freilich auch Höhepunkte: Das Liebes- und Trostlied „Pádme“ ist ganz großes Gefühl, wo einem ganz schummerig wird, gerade weil selbst die einfachsten Weisheiten nicht immer trösten können und man plötzlich ganz blank dasteht: „Es ist einfach so und es ist wie es ist und wie es ist, ist es richtig.“ Und natürlich „Die Möglichkeit eines Lamas“ – Küchenbuddhismus vielleicht, aber schön gedacht und gesungen, das wippt und hüpft und muss gar nicht mehr. Und wenn einem „The Striz“ etwas zu simpel und unbeholfen, hölzern daherkommt, macht „Rave ist kein Hobby“ wieder eine gute Figur, da wird nicht groß geredet, da macht der Beat die Musik – auch wenn andere „Ferris“ haben, müssen sich die Fritten nicht verstecken. Wollte man ein Fazit ziehen, so ist das beileibe keine schlechte Platte, nach Nachtigall, Katze und Delphin bleibt das Küken aber tatsächlich eines und ein Stück weit hinter den Erwartungen zurück. Sie sollten es mal wieder mit größeren Tieren probieren … http://schandenschmuck.de/
„Küken des Orion“
(Audiolith)
Irgendwo war neulich ein recht kluger Artikel zu lesen, in dem der Menschheit, hier im speziellen der westeuropäischen, zum besseren Wohlbefinden dringend angeraten wurde, endlich den Schwierigkeitsgrad der gesellschaftlichen Gesamtgemengelage als dauerhaften Zustand zu akzeptieren und nicht ständig über Gewesenes zu lamentieren. Das bewahre einen, so der Autor, vor rosabebrillter Glorifizierung der Vergangenheit und mache die Menschen letztendlich freier und auch glücklicher. Allein – wie das anstellen? Auch Martin Steer, Johannes Rögner und Jakob Häglsperger mühen sich seit Jahren auf ihren Alben mit Erklärungen, Deutungen, Empfehlungen und dem Versuch, der allgemeinen Verunsicherung eine Orientierung oder doch wenigstens eine Heimat zu geben (und das Schöne daran wieder ist, dass diese man diese Heimat herrlich gut tanzen kann). Öffentlich um kein klares Statement, keine Ansage verlegen, tun sie sich in ihren Song mit all den Sinnbildern und Metaphern deutlich schwerer – der Leitfaden für die Unentschlossenen ist selbst ein unentschlossener.
Daran ändert sich auch auf dem vierten Album nicht viel. Zu bratzigen Synths und klopfenden Drums gibt’s zunächst einmal mehr die klassische Rave-Sause, es pumpt und böllert gerade im ersten Drittel ganz ordentlich, Rögners nicht eben sehr wandlungsfähige Stimme treibt die Stücke Takt um Takt, die Küken marschieren, die Helden zersplittern, alles ein Schlachtfeld, viel bleibt nicht übrig. Drumherum – Ratlosigkeit, vage Versuche, das Unfassbare in Worte zu zwingen, die Welt im Zerrspiegel, nichts wie es aussieht, das alltägliche mediale Bildergewitter übersetzt in sich überschlagende Satzfetzen und im Hintergrund raunt Dirk von Lowtzow seine Verse (was einem ganz gut zu Passe kommt, weil da endlich mal einer Luft holt und etwas Drehzahl rausnimmt). Zitate zuhauf, Sterne, Helden und Ärzte, wo sie selbst nicht weiterkommen.
Freilich auch Höhepunkte: Das Liebes- und Trostlied „Pádme“ ist ganz großes Gefühl, wo einem ganz schummerig wird, gerade weil selbst die einfachsten Weisheiten nicht immer trösten können und man plötzlich ganz blank dasteht: „Es ist einfach so und es ist wie es ist und wie es ist, ist es richtig.“ Und natürlich „Die Möglichkeit eines Lamas“ – Küchenbuddhismus vielleicht, aber schön gedacht und gesungen, das wippt und hüpft und muss gar nicht mehr. Und wenn einem „The Striz“ etwas zu simpel und unbeholfen, hölzern daherkommt, macht „Rave ist kein Hobby“ wieder eine gute Figur, da wird nicht groß geredet, da macht der Beat die Musik – auch wenn andere „Ferris“ haben, müssen sich die Fritten nicht verstecken. Wollte man ein Fazit ziehen, so ist das beileibe keine schlechte Platte, nach Nachtigall, Katze und Delphin bleibt das Küken aber tatsächlich eines und ein Stück weit hinter den Erwartungen zurück. Sie sollten es mal wieder mit größeren Tieren probieren … http://schandenschmuck.de/
Banoffee: Gehaltvoll
Zugegeben, es ist gar nicht so einfach, im täglichen Wust an Neuveröffentlichungen den Überblick zu behalten, aber wir wollen mal nicht klagen, schließlich ist ja genau das der Deal - Orientierung zu geben, wo's andere nicht schaffen. So darf man zum Beispiel Martha Brown alias Banoffee (Yep, wie Banoffee Pie ...) gern mal auf dem Radar behalten, denn ihre Musik klingt so entspannt und poppig wie geheimnisvoll und zart, eine nicht eben häufige Kombination. Hier schon mal der House-Trip "With Her", zur bald erscheinenden EP gehören im übrigen auch die älteren Stücke "Ninja" und "Reign Down".
Diet Cig: Bitte wenden!
Ordentliches Gerocke kommt heute mal aus New York und zwar vom Duo Diet Cig. Alex Luciano und Noah Bowman haben etwas früher im Jahr schon ihre Debüt-EP "Over Easy" abgeliefert und vor ein paar Wochen noch die ebenso hübsche Single "Sleep Talk" - am 18. September soll nun via Father/Daughter Records die komplette Double-A-7" erscheinen und dazu gehört nun mal auch die andere Seite "Dinner Date" - bittesehr.
Barotti vs. Gomma: Versprechen
Mittwoch, 19. August 2015
Expert Alternations: Kleinkunst
Ein schönes Stück gutgelaunter Schrammelkunst findet sich gerade bei Kanine Records: Dort nämlich werden die Expert Alternations, ein Indie-Trio aus Baltimore, am 30. Oktober ihr Debüt "You Can't Always Be Liked" (wie wahr) veröffentlichen - zwölf kleine, feine Gitarrensongs, gesungen mit einer Stimme, die immer einen Halbton daneben zu liegen scheint, einen ersten Vorgeschmack gibt hier schon mal die Single "The Past And You".
A Forest: Nachfolger
Mit Sicherheit eines der interessanteren Bandprojekte: A Forest, dreiköpfiges Kreativkollektiv aus Leipzig bzw. Berlin, bestehend aus Arpen, Fabian Schuetze und Friedemann Pruss, war im vergangenen Jahr mit dem Debüt "Grace" schon länger im Gespräch, nun legen sie mit der EP "5 Fruits/The Kings Speech" nach. Die 12" enthält neben den beiden genannten Songs noch zwei Remixe von Klinke auf Cinch und Tilmann Jarmer. Bestellen und anhören kann man sich das Ganze via Bandcamp oder auch live auf einer ausgedehnten Tour quer durch die Lande - hier gibt's noch dazu den Video zu "5 Fruits", gedreht von Tobias Schuetze.
02.10. Rostock, Peter Weiss Haus
07.10. Dresden, Scheune
09.10. Leipzig, Täubchenthal
10.10. Görlitz, Kühlhaus
15.10. Augsburg, Bedroomdisco
16.10. Chemnitz, Atomino
17.10. Hildesheim, Bischofsmühle
21.10. Dortmund, Sissikingkong
22.10. Göttingen, Nörgelbuff
23.10. Hamburg, Kleiner Donner
25.10. Berlin, Badehaus Szimpla
02.10. Rostock, Peter Weiss Haus
07.10. Dresden, Scheune
09.10. Leipzig, Täubchenthal
10.10. Görlitz, Kühlhaus
15.10. Augsburg, Bedroomdisco
16.10. Chemnitz, Atomino
17.10. Hildesheim, Bischofsmühle
21.10. Dortmund, Sissikingkong
22.10. Göttingen, Nörgelbuff
23.10. Hamburg, Kleiner Donner
25.10. Berlin, Badehaus Szimpla
RITUAL: Im Schwitzkasten
Royal Headache: Symbolismus vs. Rock'n Roll
Royal Headache
„High“
(What’s Your Rupture?)
Es war so schnell keine Auskunft darüber zu bekommen, ob Royal Headache ausgewiesene Fans von Bernd und Hilla Becher sind. Das deutsche Künstlerpaar hat sich über Jahrzehnte einen Namen gemacht, indem es alte Industrieanlagen, Tagebaue und vor allem unzählige Wassertürme in schlichtem Schwarz/Weiß fotografierte – die Parallele: Auch die beiden LP der Australier zieren solche beeindruckenden Ungetüme. Vielleicht sind aber die Bezüge nicht ganz so verschieden, denn diese Kolosse aus Stahl und Beton versinnbildlichen wie wenige andere Industriebauten eine Zeit, in der Produktion, Arbeit, Werkstatt noch mit den Händen zu greifen waren, während wir heute über Computerwolken, Datenportale und virtuelle Banken reden – die Probleme, die diese in der Gesellschaft hinterlassen, sind allerdings die selben wie vor den Zeiten des Umbruchs. “I’ve been in there and it’s really beautiful. It’s a weird tranquil glade around this ugly industrial structure. It seems to symbolise something about inner-west life“, so Sänger Shogun im Guardian über das Covermotiv, aus diesem Humus schöpft also auch die Band. Das Quartett spielt auf dem zweiten Album immer noch einen erfrischend unkomplizierten Garagesound zwischen dem Punk von The Clash, der Melodik der Kinks und dem Geschrammel der britischen Wedding Present, sie machen es sich nicht schwerer als nötig und legen dennoch jede Menge Herzblut in ihre Songs. Grob verschränkte Gitarrenbretter, selten hardrockig wie „Carolina“, eher alternativ und schnell, „Need You“ klingt wie die Beatles auf 45rpm und später gibt’s mit „Love Her If I Tried“ auch noch einen hübschen Textbezug zu den Monkeys und ihrem „Believer“. Alles zusammen eine sehr gelungene Platte – really rockin‘ stuff. http://royalheadache.com.au/
„High“
(What’s Your Rupture?)
Es war so schnell keine Auskunft darüber zu bekommen, ob Royal Headache ausgewiesene Fans von Bernd und Hilla Becher sind. Das deutsche Künstlerpaar hat sich über Jahrzehnte einen Namen gemacht, indem es alte Industrieanlagen, Tagebaue und vor allem unzählige Wassertürme in schlichtem Schwarz/Weiß fotografierte – die Parallele: Auch die beiden LP der Australier zieren solche beeindruckenden Ungetüme. Vielleicht sind aber die Bezüge nicht ganz so verschieden, denn diese Kolosse aus Stahl und Beton versinnbildlichen wie wenige andere Industriebauten eine Zeit, in der Produktion, Arbeit, Werkstatt noch mit den Händen zu greifen waren, während wir heute über Computerwolken, Datenportale und virtuelle Banken reden – die Probleme, die diese in der Gesellschaft hinterlassen, sind allerdings die selben wie vor den Zeiten des Umbruchs. “I’ve been in there and it’s really beautiful. It’s a weird tranquil glade around this ugly industrial structure. It seems to symbolise something about inner-west life“, so Sänger Shogun im Guardian über das Covermotiv, aus diesem Humus schöpft also auch die Band. Das Quartett spielt auf dem zweiten Album immer noch einen erfrischend unkomplizierten Garagesound zwischen dem Punk von The Clash, der Melodik der Kinks und dem Geschrammel der britischen Wedding Present, sie machen es sich nicht schwerer als nötig und legen dennoch jede Menge Herzblut in ihre Songs. Grob verschränkte Gitarrenbretter, selten hardrockig wie „Carolina“, eher alternativ und schnell, „Need You“ klingt wie die Beatles auf 45rpm und später gibt’s mit „Love Her If I Tried“ auch noch einen hübschen Textbezug zu den Monkeys und ihrem „Believer“. Alles zusammen eine sehr gelungene Platte – really rockin‘ stuff. http://royalheadache.com.au/
Figs Vision: Zeitschlaufen
Ein geradezu episches Werk hat das Artpop-Duo Figs Vision aus L.A. zu einem älteren Stück nachgelegt: Der Song "Little Man" stammt vom 2014 erschienenen Album "Mother", nun gibt es zu diesem auch ein Video, in dem sich die Zeit etwas verschlauft und man schon aufpassen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren. Gedreht hat das Team von UNA Project zusammen mit Jake Saner, wer das komplette Album hören will, kann das hier auch gleich noch nachholen.
BOY: Schönheit auf Repeat
Boy
„We Were Here“
(Groenland Records)
Dass wahre Schönheit tatsächlich nur im Auge des Betrachters resp. Ohr des Zuhörers liegen soll, das mag man angesichts des neuen Albums von BOY nicht recht glauben. Irgendwo muss sich doch eine universelle, objektive Komponente unterbringen lassen, die besagt, dass in Ausnahmefällen zum einen schon die Schöpfer auserlesener Momente spüren, was sie da im besten Sinne angerichtet haben und dass weiterhin in sehr seltenen Fällen nichts und niemand den Zauber jener Momente in Zweifel ziehen kann und darf. Valeska Steiner und Sonja Glass, das schweizerisch-hanseatische Joint-Venture, von dem hier die Rede ist, verfügen ja über eine gewisse Übung, was solche Prädikate angeht – schon vor vier Jahren war es kaum möglich, den zarten und geschmeidigen Tönen ihres Debüts „Mutual Friends“ zu entkommen, keine Kaffee-Lounge, keine Nachtbar, nicht mal ein Spa, niemand konnte und wollte ohne diese fabelhafte Platte auskommen. Dass das mit dem neuen, zweiten Album nicht viel anders sein wird, haben die beiden schon früh ahnen können – „schön“ sei die Zeit des Tourens, vor allem nach Amerika und Japan, gewesen, „schön“ auch der lange Aufenthalt im Studio, „schön“ sogar der Kontakt mit dem Labelboß Grönemeyer, der ihnen jeglichen Erfolgsdruck nehmen konnte.
Kein Wunder also, dass sich daraus wiederum nur „Schönes“ entwickeln konnte. Doch wer „schön“ mit „unverändert“ gleichsetzt, der fehlt, denn BOY haben sehr wohl einige Schrauben gedreht auf dem Weg zum stets so schwierigen Nachfolger. „We Were Here“ erscheint im Vergleich zu „Mutual Friends“ voller und vielschichtiger, anstelle der reduzierten, oft akustischen Klänge treten nun facettenreiche Synthesizer-Spuren, raumgreifende, schillernde Gitarren – ihre größten Pfunde wiederum, die ausgefeilten Melodien und Steiners sanfte Stimme, haben sie sich bewahrt. Nicht mehr als neun Titel sind es denn geworden, diese dafür aber allesamt von bestechender Qualität. Das Reisen nimmt naturgemäß im Leben einer Band großen Platz ein, warum das also nicht zum Hauptthema der Platte machen. Hotels, Mega-Cities, Schlaflosigkeit – „checking in and checking out, nothing to write home about“, die Licht- und die Schattenseiten des steilen Aufstiegs angerissen. Wenig Kontroverses, dafür viel Gefühl und sparsam dosierte Ironie, „I’ll cry rivers and oceans, before I’ll get over it“, man hört einen neuen, lakonischen Unterton und er gefällt. Ein schlechtes Gewissen muß man ob des Wohlgefühls jedenfalls nicht bekommen, nach einer guten halben Stunde ist es ohnehin schon wieder vorbei – ab dann hilft nur noch die „Repeat“-Taste. http://www.listentoboy.com/
„We Were Here“
(Groenland Records)
Dass wahre Schönheit tatsächlich nur im Auge des Betrachters resp. Ohr des Zuhörers liegen soll, das mag man angesichts des neuen Albums von BOY nicht recht glauben. Irgendwo muss sich doch eine universelle, objektive Komponente unterbringen lassen, die besagt, dass in Ausnahmefällen zum einen schon die Schöpfer auserlesener Momente spüren, was sie da im besten Sinne angerichtet haben und dass weiterhin in sehr seltenen Fällen nichts und niemand den Zauber jener Momente in Zweifel ziehen kann und darf. Valeska Steiner und Sonja Glass, das schweizerisch-hanseatische Joint-Venture, von dem hier die Rede ist, verfügen ja über eine gewisse Übung, was solche Prädikate angeht – schon vor vier Jahren war es kaum möglich, den zarten und geschmeidigen Tönen ihres Debüts „Mutual Friends“ zu entkommen, keine Kaffee-Lounge, keine Nachtbar, nicht mal ein Spa, niemand konnte und wollte ohne diese fabelhafte Platte auskommen. Dass das mit dem neuen, zweiten Album nicht viel anders sein wird, haben die beiden schon früh ahnen können – „schön“ sei die Zeit des Tourens, vor allem nach Amerika und Japan, gewesen, „schön“ auch der lange Aufenthalt im Studio, „schön“ sogar der Kontakt mit dem Labelboß Grönemeyer, der ihnen jeglichen Erfolgsdruck nehmen konnte.
Kein Wunder also, dass sich daraus wiederum nur „Schönes“ entwickeln konnte. Doch wer „schön“ mit „unverändert“ gleichsetzt, der fehlt, denn BOY haben sehr wohl einige Schrauben gedreht auf dem Weg zum stets so schwierigen Nachfolger. „We Were Here“ erscheint im Vergleich zu „Mutual Friends“ voller und vielschichtiger, anstelle der reduzierten, oft akustischen Klänge treten nun facettenreiche Synthesizer-Spuren, raumgreifende, schillernde Gitarren – ihre größten Pfunde wiederum, die ausgefeilten Melodien und Steiners sanfte Stimme, haben sie sich bewahrt. Nicht mehr als neun Titel sind es denn geworden, diese dafür aber allesamt von bestechender Qualität. Das Reisen nimmt naturgemäß im Leben einer Band großen Platz ein, warum das also nicht zum Hauptthema der Platte machen. Hotels, Mega-Cities, Schlaflosigkeit – „checking in and checking out, nothing to write home about“, die Licht- und die Schattenseiten des steilen Aufstiegs angerissen. Wenig Kontroverses, dafür viel Gefühl und sparsam dosierte Ironie, „I’ll cry rivers and oceans, before I’ll get over it“, man hört einen neuen, lakonischen Unterton und er gefällt. Ein schlechtes Gewissen muß man ob des Wohlgefühls jedenfalls nicht bekommen, nach einer guten halben Stunde ist es ohnehin schon wieder vorbei – ab dann hilft nur noch die „Repeat“-Taste. http://www.listentoboy.com/
Dienstag, 18. August 2015
Peaches feat. Kim Gordon: Knochenbrecher
Die Paarung hat jetzt nicht wirklich überrascht, gab es doch zwischen Peaches und Kim Gordon in der Vergangenheit schon reichlich Berührungspunkte - Gender, Role-Models, Riot Grrrls, New Feminism oder einfach nur die Vorliebe für Punk, Noise und den Clash of Styles. Nun also die Kollaboration für Peaches' neues Album "Rub", das am 25. September erscheinen wird - für "Close Up" schlüpft Gordon in die Rolle der gelangweilten Wrestling-Trainerin und Peaches mimt die reichlich unerfahrene Schülerin. Alles etwas hölzern und bemüht, dafür gibt es reichlich Körperflüssigkeiten und der Song pumpt ohnehin ganz ordentlich. Regie führte im Übrigen Vice Cooler, selbst Musiker und Performer, der schon für Deerhoof, Lee Ranaldo, Male Bonding und Mastodon hinter der Kamera stand - für Peaches hat er schon "Burst" verantwortet.
Abonnieren
Posts (Atom)



















