Montag, 19. August 2013
Lady Gaga vs. MGMT
Von der Güte der Musik hatten wir's ja hier schon, wenigstens das dazugehörige Video zu Lady Gagas "Applause" hält ein wenig Unterhaltung bereit. Ganz sicher ist jedoch, dass ihr MGMT mit "Your Life Is A Lie" auch in dieser Richtung deutlich den Rang ablaufen - beides bei Ampya.
No Age: Machen in Kunst
Da kommen dann doch die Kunststudenten wieder durch: No Age haben zu "An Impression", ihrer aktuellen Single aus dem Album "An Object" ein Video abgeliefert (via Sup Pop/Youtube), dass im Vergleich zu den üblichen Produktionen etwas aus dem Rahmen fällt - verwischte, monochrome und skizzenhafte Bilder werden übereinander gelegt, experimentell möchte man sagen, klänge es nicht schon so abgedroschen.
Interpol: Back to Work
Während die bandeigene Website noch mit Billigrabatten und geschmackssicheren Toilettenshirts hausieren geht, gibt es via Twitter schon deutlich interessantere Nachrichten: Interpol aus New York arbeiten demnach seit geraumer Zeit am fünften Album, dem Nachfolger zum selbstbetitelten Werk aus dem Jahr 2010. Auch wenn viel mehr noch nicht präsentiert werden kann, sind das schon gute Nachrichten, denn nach dem wiederholten Alleingang von Sänger Paul Banks waren die Gerüchte um eine Auflösung der Band nie so recht zur Ruhe gekommen.
The Dodos: Die Drei von der Rettungsstelle
The Dodos
„Carrier“
(Polyvinyl/Cargo)
So sicher wie der Sommerhit kommt in jedem Jahr eine Band um die Ecke, die den siechen Indierock immer wieder auf’s Neue vom Sterbebett holen kann. Größere Verdienste in dieser Hinsicht können die Dodos aus San Francisco aufweisen, fast im Zweijahresrhythmus veröffentlicht das Trio Platten, die dem gebeutelten Genre wieder etwas Selbstbewußtsein vermitteln können. Als da wären „Visiter“ 2008, „Time To Die“ 2011 und nun also das mittlerweile fünfte Album „Carrier“. Und auch das ist wieder ein sehr gelungenes geworden. Noch immer ihre Spezialität: unangestrengter Krach gemischt mit beeindruckender Leichtigkeit, sie lassen es meistenteils zunächst recht ruhig angehen, um dann nach und nach die Regler aufzudrehen und die Gitarren knattern zu lassen. Exemplarisch hierfür das Stück „Confidence“, das sich aus anfänglicher Beschaulichkeit zu einem Stück in bester Smashing-Pumpkins-Manier aufrappelt. Anderes wie „The Ocean“ findet den Mittelweg zwischen laut und leise, selten bleibt es so verhalten und verschwommen wie bei „Death“. Eine stattliche Anzahl überzeugender Songs, die ihnen viel Lob einbringen sollten – und mit etwas Glück stehen sie in zwei Jahren wieder bereit. http://www.dodosmusic.net/
16.11. Zürich, El Lokal
20.11. Wien, Arena
22.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg (mit den Crystal Stilts)
23.11. Rolling Stone Weekender, Weissenhäuser Strand
„Carrier“
(Polyvinyl/Cargo)
So sicher wie der Sommerhit kommt in jedem Jahr eine Band um die Ecke, die den siechen Indierock immer wieder auf’s Neue vom Sterbebett holen kann. Größere Verdienste in dieser Hinsicht können die Dodos aus San Francisco aufweisen, fast im Zweijahresrhythmus veröffentlicht das Trio Platten, die dem gebeutelten Genre wieder etwas Selbstbewußtsein vermitteln können. Als da wären „Visiter“ 2008, „Time To Die“ 2011 und nun also das mittlerweile fünfte Album „Carrier“. Und auch das ist wieder ein sehr gelungenes geworden. Noch immer ihre Spezialität: unangestrengter Krach gemischt mit beeindruckender Leichtigkeit, sie lassen es meistenteils zunächst recht ruhig angehen, um dann nach und nach die Regler aufzudrehen und die Gitarren knattern zu lassen. Exemplarisch hierfür das Stück „Confidence“, das sich aus anfänglicher Beschaulichkeit zu einem Stück in bester Smashing-Pumpkins-Manier aufrappelt. Anderes wie „The Ocean“ findet den Mittelweg zwischen laut und leise, selten bleibt es so verhalten und verschwommen wie bei „Death“. Eine stattliche Anzahl überzeugender Songs, die ihnen viel Lob einbringen sollten – und mit etwas Glück stehen sie in zwei Jahren wieder bereit. http://www.dodosmusic.net/
16.11. Zürich, El Lokal
20.11. Wien, Arena
22.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg (mit den Crystal Stilts)
23.11. Rolling Stone Weekender, Weissenhäuser Strand
Almut Klotz: Ohne die Lady
Wie das Label Staatsakt meldet, ist die Autorin und Sängerin Almut Klotz nach schwerer Krankheit in der Nacht vom 15. zum 16. August im Alter von 50 Jahren gestorben. Klotz war Mitbegründerin der Bands Lassie Singers und Parole Trixi, arbeitete mit Maximilian Hecker, Jim Avignon und ihrem Ehemann Christian Dabeler (Foto) zusammen und schrieb als freie Kolumnistion u.a. für die Berliner Zeitung. Die Veröffentlichung ihres letzten Albums "Lass die Lady rein" am 23. August, dass sie zusammen mit Christian Dabeler aufnahm, wird sie nun nicht mehr miterleben können.
Slut: "Wir sind keine Konsensband"
Am vergangenen Freitag ist „Alienation“, das siebte Album der Ingolstädter Indieband Slut erschienen, es kommt reduzierter, ruhiger und weniger konventionell daher als der Vorgänger und die Band wartet nun gespannt auf die ersten Reaktionen. Mapambulo sprach mit René Arbeithuber, dem Keyboarder des Quintetts, über Arbeitsansätze, die Möglichkeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen, deutsche Texte und die Maske von Sido.
Das neue Album klingt bei aller Leichtigkeit nach viel Arbeit und Mühe – wieviel Zeit habt Ihr tatsächlich da reingesteckt?
Die Vorgabe zur Platte war eigentlich, keine Vorgabe zu haben, wir haben uns die Zeit genommen, die es gebraucht hat – hätte es noch drei weitere Jahre gebraucht, dann wäre das auch okay gewesen. Der Vorteil daran ist, dass so von allen immer mehr Facetten hinzukommen.
Diese Einflüsse, die jeder mit einbringt – tickt ihr da alle ähnlich oder ist das sehr verschieden, was da zusammengetragen wird?
Das ist mittlerweile schon sehr unterschiedlich, was jeder einzelne von uns favorisiert und mitbringt, wir haben da keinen eigentlich gar keinen Grundkonsens, auf den wir uns alle einigen können. Aber das ist eben auch gut so, es kommen so Ansätze und Richtungen zum tragen, die man erst einmal bei uns gar nicht vermuten würde.
„Alienation“ wirkt im Vergleich zum Vorgänger deutlich reduzierter und weniger konventionell als zum Beispiel „StillNo1“, auch nachdenklicher – wie ordnet ihr die Platte ein, orientiert man sich überhaupt an den letzten Songs oder macht man einfach geradezu und schaut, wo die Sache hinläuft?
Wir versuchen generell, den Ansatz komplett anders zu wählen als beim jeweiligen Vorgängeralbum, einfach auch um in Bewegung zu bleiben. Diesmal war unser Ziel zu prüfen, ob ein Song schon mit Stimme und Schlagzeug funktioniert und dann zu schauen, ob’s danach überhaupt noch etwas braucht. Das war bei anderen Platten anders, aber diese sollte eben auch tanzbar werden, ob das gelungen ist, müssen dann die Hörer entscheiden.
Bei „Idiot Dancers“ spricht ja schon der Name dafür, aber besonders „Broke My Backbone“ erinnert sehr an den Electrosound von Thom Yorkes Atoms For Peace, nutzt sogar vereinzelte Drum&Bass-Elemente.
Gerade solche Sachen hätten wir eigentlich schon viel eher machen können, „Broke My Backbone“ zum Beispiel fußt auf einem Playback, das der Rainer [Schaller] schon länger auf seinem Laptop hatte, nur haben solche Sachen eben bisher nie den Weg bis in die Produktion gefunden und diesmal war es dann soweit, das auch mal zuzulassen. Für die Zukunft kann es schon sein, dass so etwas öfter passiert.
An der Fertigstellung des Albums waren eine Reihe Eurer früheren Produzenten beteiligt, in Hamburg, Berlin, München, Weilheim, Stuttgart, wie kann man sich die Arbeit mit so einer Vielzahl von Leuten und an verschiedenen Orten vorstellen?
Wir haben das Ganze zeitlich aufgeteilt, haben also nicht eine fünf-, sechswöchige Tour durch alle Städte unternommen, sondern verlängerte Wochenenden oder auch mal eine Woche da oder dort verbracht, das war dann schon ein kleinerer Logistik-Irrsinn.
Wird man denn mit knapp zwanzig Jahren Erfahrung im Geschäft sicherer und ruhiger oder bleibt der Druck unverändert, weil man auch nach so langer Zeit nicht enttäuschen möchte?
Ein bisschen ruhiger, das liegt in der Natur der Dinge, wird man natürlich schon, was sich auch musikalisch äußert. Wir werden oft gefragt, wann wir denn endlich wieder rocken, wann also das nächste „Easy To Love“ kommt, aber ob’s das je wieder geben wird, weiß ich nicht, wir versuchen da unsere Musik auch ein Stück weit erwachsener zu gestalten. Aber sonst ist es heute noch genauso aufregend wie bei der ersten Platte, beim ersten Song, den du im Radio hörst.
Für eine Neuinterpretation der Dreigroschenoper gab es 2006 eine Reihe deutschsprachiger Songs von Euch – wie waren Eure Erfahrungen damit, habt ihr Euch darin wiedergefunden – in der Theaterrolle, in der Sprache?
Für uns war ja von Anfang an deutscher Text nie ein Thema, aber bei diesen Stücken klingt es komischerweise trotzdem gut, vielleicht einfach deshalb, weil die Worte nicht von uns selbst stammen. Wir haben einfach versucht, diese Texte und diese Musik zur unseren zu machen und ich glaube, das ist uns auch ganz gut gelungen. Chris [Christian Neuburger] könnte ganz sicher auch sehr gute deutsche Texte schreiben, aber das sollte trotzdem eine Ausnahme bleiben.
Auch die Schallnovelle „Corpus Delicti“ von und nach Juli Zeh war ja Neuland, ganz offensichtlich habt ihr wenig Berührungsängste und viel Neugier, um solche Reizpunkte für Eure Arbeit zu setzen?
Wir haben gemerkt, dass das für unsere Arbeit extrem wichtig ist, sich da auszuprobieren, hätten wir den ganz normalen Platte-Tour-Platte-Tour-Turnus weitergemacht, wer weiß, vielleicht gäb’s uns heute schon gar nicht mehr. Wir suchen uns solche Dinge aber nicht gezielt selbst, das wird meistens an uns herangetragen – doch wenn so etwas kommt und wir finden es gut, dann lassen wir es auch zu.
Ihr habt auch schon öfter an Soundtracks mitgearbeitet, ist das noch eine weitere Option?
Wir haben ja bisher eher Songs für Soundtracks geschrieben [„Crazy“, „Katze im Sack“, „Die fetten Jahre sind vorbei“] – aber ein Filmscore, also wenn jemand mit so einer Sache um die Ecke käme, dann würden wir auf keinen Fall nein sagen.
Auch ein Auftritt beim ersten Bundesvision Song Contest steht ja, mit leidlicher Platzierung [2005, Platz 14] zu Buche, gerade wenn man jetzt LaBrassBanda beim Vorausscheid zum ESC sieht – was geht einem da durch den Kopf?
Wir haben selbst drei Monate diskutiert, ob wir’s machen sollen oder nicht, und selbst als wir dort in der Stefan-Raab-Maschine steckten, waren wir uns immer noch sehr unsicher. Heute würden wir es auch nicht noch einmal machen, weil dieser ganze Zirkus nicht ernsthaft genug, weil es mittlerweile zu durchschaubar geworden ist. Trotzdem war es eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten – auch die Aftershowparty war damals sehr lustig. Unser Schlagzeuger hatte damals die ganze Zeit einen Strohhut auf, irgendwann kam er dann mit der Maske von Sido im Gesicht zurück, die hatte er einfach eingetauscht, und Sido lief dann halt den Rest des Abends mit dem Strohhut rum…
Letzte Frage: Wann soll denn die Tour zur Platte kommen?
Gleich im Januar des kommenden Jahres, wir werden da weitermachen, wo wir aufgehört haben, also kleinere Hallen und Clubs, die Termine sind schon soweit gebucht.
Alienation, Slut (Cargo Records), 16.08.2013
Das neue Album klingt bei aller Leichtigkeit nach viel Arbeit und Mühe – wieviel Zeit habt Ihr tatsächlich da reingesteckt?
Die Vorgabe zur Platte war eigentlich, keine Vorgabe zu haben, wir haben uns die Zeit genommen, die es gebraucht hat – hätte es noch drei weitere Jahre gebraucht, dann wäre das auch okay gewesen. Der Vorteil daran ist, dass so von allen immer mehr Facetten hinzukommen.
Diese Einflüsse, die jeder mit einbringt – tickt ihr da alle ähnlich oder ist das sehr verschieden, was da zusammengetragen wird?
Das ist mittlerweile schon sehr unterschiedlich, was jeder einzelne von uns favorisiert und mitbringt, wir haben da keinen eigentlich gar keinen Grundkonsens, auf den wir uns alle einigen können. Aber das ist eben auch gut so, es kommen so Ansätze und Richtungen zum tragen, die man erst einmal bei uns gar nicht vermuten würde.
„Alienation“ wirkt im Vergleich zum Vorgänger deutlich reduzierter und weniger konventionell als zum Beispiel „StillNo1“, auch nachdenklicher – wie ordnet ihr die Platte ein, orientiert man sich überhaupt an den letzten Songs oder macht man einfach geradezu und schaut, wo die Sache hinläuft?
Wir versuchen generell, den Ansatz komplett anders zu wählen als beim jeweiligen Vorgängeralbum, einfach auch um in Bewegung zu bleiben. Diesmal war unser Ziel zu prüfen, ob ein Song schon mit Stimme und Schlagzeug funktioniert und dann zu schauen, ob’s danach überhaupt noch etwas braucht. Das war bei anderen Platten anders, aber diese sollte eben auch tanzbar werden, ob das gelungen ist, müssen dann die Hörer entscheiden.
Bei „Idiot Dancers“ spricht ja schon der Name dafür, aber besonders „Broke My Backbone“ erinnert sehr an den Electrosound von Thom Yorkes Atoms For Peace, nutzt sogar vereinzelte Drum&Bass-Elemente.
Gerade solche Sachen hätten wir eigentlich schon viel eher machen können, „Broke My Backbone“ zum Beispiel fußt auf einem Playback, das der Rainer [Schaller] schon länger auf seinem Laptop hatte, nur haben solche Sachen eben bisher nie den Weg bis in die Produktion gefunden und diesmal war es dann soweit, das auch mal zuzulassen. Für die Zukunft kann es schon sein, dass so etwas öfter passiert.
An der Fertigstellung des Albums waren eine Reihe Eurer früheren Produzenten beteiligt, in Hamburg, Berlin, München, Weilheim, Stuttgart, wie kann man sich die Arbeit mit so einer Vielzahl von Leuten und an verschiedenen Orten vorstellen?
Wir haben das Ganze zeitlich aufgeteilt, haben also nicht eine fünf-, sechswöchige Tour durch alle Städte unternommen, sondern verlängerte Wochenenden oder auch mal eine Woche da oder dort verbracht, das war dann schon ein kleinerer Logistik-Irrsinn.
| René Arbeithuber, Slut |
Ein bisschen ruhiger, das liegt in der Natur der Dinge, wird man natürlich schon, was sich auch musikalisch äußert. Wir werden oft gefragt, wann wir denn endlich wieder rocken, wann also das nächste „Easy To Love“ kommt, aber ob’s das je wieder geben wird, weiß ich nicht, wir versuchen da unsere Musik auch ein Stück weit erwachsener zu gestalten. Aber sonst ist es heute noch genauso aufregend wie bei der ersten Platte, beim ersten Song, den du im Radio hörst.
Für eine Neuinterpretation der Dreigroschenoper gab es 2006 eine Reihe deutschsprachiger Songs von Euch – wie waren Eure Erfahrungen damit, habt ihr Euch darin wiedergefunden – in der Theaterrolle, in der Sprache?
Für uns war ja von Anfang an deutscher Text nie ein Thema, aber bei diesen Stücken klingt es komischerweise trotzdem gut, vielleicht einfach deshalb, weil die Worte nicht von uns selbst stammen. Wir haben einfach versucht, diese Texte und diese Musik zur unseren zu machen und ich glaube, das ist uns auch ganz gut gelungen. Chris [Christian Neuburger] könnte ganz sicher auch sehr gute deutsche Texte schreiben, aber das sollte trotzdem eine Ausnahme bleiben.
Auch die Schallnovelle „Corpus Delicti“ von und nach Juli Zeh war ja Neuland, ganz offensichtlich habt ihr wenig Berührungsängste und viel Neugier, um solche Reizpunkte für Eure Arbeit zu setzen?
Wir haben gemerkt, dass das für unsere Arbeit extrem wichtig ist, sich da auszuprobieren, hätten wir den ganz normalen Platte-Tour-Platte-Tour-Turnus weitergemacht, wer weiß, vielleicht gäb’s uns heute schon gar nicht mehr. Wir suchen uns solche Dinge aber nicht gezielt selbst, das wird meistens an uns herangetragen – doch wenn so etwas kommt und wir finden es gut, dann lassen wir es auch zu.
Ihr habt auch schon öfter an Soundtracks mitgearbeitet, ist das noch eine weitere Option?
Wir haben ja bisher eher Songs für Soundtracks geschrieben [„Crazy“, „Katze im Sack“, „Die fetten Jahre sind vorbei“] – aber ein Filmscore, also wenn jemand mit so einer Sache um die Ecke käme, dann würden wir auf keinen Fall nein sagen.
Auch ein Auftritt beim ersten Bundesvision Song Contest steht ja, mit leidlicher Platzierung [2005, Platz 14] zu Buche, gerade wenn man jetzt LaBrassBanda beim Vorausscheid zum ESC sieht – was geht einem da durch den Kopf?
Wir haben selbst drei Monate diskutiert, ob wir’s machen sollen oder nicht, und selbst als wir dort in der Stefan-Raab-Maschine steckten, waren wir uns immer noch sehr unsicher. Heute würden wir es auch nicht noch einmal machen, weil dieser ganze Zirkus nicht ernsthaft genug, weil es mittlerweile zu durchschaubar geworden ist. Trotzdem war es eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten – auch die Aftershowparty war damals sehr lustig. Unser Schlagzeuger hatte damals die ganze Zeit einen Strohhut auf, irgendwann kam er dann mit der Maske von Sido im Gesicht zurück, die hatte er einfach eingetauscht, und Sido lief dann halt den Rest des Abends mit dem Strohhut rum…
Letzte Frage: Wann soll denn die Tour zur Platte kommen?
Gleich im Januar des kommenden Jahres, wir werden da weitermachen, wo wir aufgehört haben, also kleinere Hallen und Clubs, die Termine sind schon soweit gebucht.
Alienation, Slut (Cargo Records), 16.08.2013
Iceage: Rocken am Nachmittag
Ein kleiner Nachtrag noch zur Festivalsaison: Die dänischen Iceage gehörten ja in diesem Jahr u.a. zum Lineup von La Route Du Rock im französischen St. Malo. Arte hat nun das gut fünfundvierzigminütige Live-Set der Jungs aufgezeichnet und ins Netz gestellt, man kann sich beim Sender auch noch die Performances von Hot Chip, Junip, !!!, den Local Natives und Bass Drum Of Death anschauen - hier.
Sonntag, 18. August 2013
Crystal Stilts: Knochenklappern
Würde Nick Cave auf Rockabilly-Sound stehen, würde er sicher so klingen wie die Crystal Stilts. Was wie ein neunmalkluger Auskennersatz klingt, umreist dennoch recht gut das Spektrum, das die Band um Sänger Brad Hargett und Gitarrist JB Townsend abdeckt - Folk, Country, Psychedelic, Post-Punk, und und und... Am 20. September jedenfalls wird "Nature Noir", ihr drittes Album via Sacred Bones erscheinen und daraus gibt es bei Soundcloud jetzt schon mal "Future Folklore" zu hören - zum Knochenklappern. Live darf man die Crystal Stilts im Übrigen auf folgenden Terminen erleben:
19.11 Hamburg, Hafenklang
20.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.11. Köln, King Georg
19.11 Hamburg, Hafenklang
20.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.11. Köln, King Georg
Freitag, 16. August 2013
Babyshambles: Wahrscheinlich schon
Man kennt das ja bei den Babyshambles: Der Termin steht, aber wer nicht kommt, ist Pete Doherty. Diese Zeiten sollen dem Vernehmen nach aber vorbei sein, deshalb etwas Zeit für (verhaltene) Freude in drei deutschen Städten - denn Anfang 2014 kommen die Jungs mit ihrer neuen Platte "Sequel To Prequel" auf Tour.
27.01. Köln, Live Music Hall
28.01. Berlin, Huxleys Neue Welt
29.01. Hamburg, Docks
27.01. Köln, Live Music Hall
28.01. Berlin, Huxleys Neue Welt
29.01. Hamburg, Docks
Cold War Kids: Kleinformat
Im April gab es mit "Dear Miss Lonelyhearts" das letzte Album der Cold War Kids, nun schiebt die Band aus Kalifornien eine digitale EP mit dem Titel "Tuxedos" hinterher. Enthalten sind neben einer Neubearbeitung des Songs "Bottled Affection" Coverversionen von Antony And The Johnsons und The Band, dazu zwei neue Stücke - das komplette Tracklisting bei CoS, der Stream des Neulings "Pine St" bei Soundcloud. Für den Song "Water And Power" von der besagten letzten LP gibt es im Übrigen bei Pigeons And Planes auch noch eine Videopremiere zu bestaunen.
Yacht: Tanz die NSA!
Sollten die Piraten für den Herbst noch einen knuffigen Wahlsong suchen - hier wäre ein mehr oder weniger einstgemeinter Vorschlag: Die amerikanisch-kanadische Elektropopband Yacht hat zusammen mit dem Comedian Marc Maron ein Stück namens "Party At The NSA" aufgenommen. Frohgelaunte Böllerbeats, die sich bei der juvenilen Wechselwählerschaft sicher gut machen - hier bei Soundcloud. Kaufen kann man die Takte übrigens hier, das Geld geht auf das Konto der Non-Profit-Organisation Electronic Frontier Foundation, die sich gegen die übermäßige staatliche Überwachung wendet.
Travis: Raus aus dem Mittelmaß
Travis
“Where You Stand”
(Red Telephone Box)
Man hört sich diese Platte hat und fragt sich unweigerlich: Was genau ist eigentlich passiert in den letzten zwölf Jahren, mit einem selbst, mit der Welt da draußen? 2001 erschien “The Invisible Band”, das dritte Album der Band aus dem schottischen Glasgow, das exzellente “The Man Who” war da gerade mal zwei Jahre alt und trotzdem hatten die vier Charmebolzen mit “Sing”, “Side”, “Pipe Dreams” und “Last Train” schon wieder vier unverschämt eingängige und liebenswerte Hymnen dabei und auch der Rest war nicht zu verachten – Höchstnoten, Blindkauf. Doch irgendwie ließ sich die Spannung nicht halten, drei Alben und ein Soloversuch von Fran Healy später war die Luft raus und die Lust weg – trotzdem oder eben weil Travis partu nichts anderes machen wollten als unverschämt eingängige und liebenswerte Hymnen zu schreiben, die Ideen dazu aber nicht mehr so einfach zu bekommen waren. Nun also “Where You Stand”. Aufgenommen in den selben Studios, wo auch schon Glanzlichter wie “Why Does It Always Rain On Me” und “Driftwood” Geburtshilfe erhielten, dennoch: Auf den ersten Umlauf ein eher durchschnittliches Album, kaum Ausreißer nach oben oder unten, nichts was wehtut, aber auch kaum ein Stück dabei, das einen aus dem Sessel reißt oder – was man ja früher so mochte – beim Hören so richtig nahe kommt. Aber, Vorbehalte hin oder her, das Songwriting haben sie nicht verlernt und wie auch auf den letzten, meistenteils enttäuschenden Werken, verstecken sich auch hier ein paar feine Überraschungen. “Moving” zum Beispiel hat das Zeug zur Hitsingle, anders als der etwas maue Titelsong vernimmt man hier etwas von dem Zauber, mit dem sie zu Gründerzeiten ihre Anhängerschaft zu fesseln wußten. Wenn diese Chöre nicht wären, ginge auch “Warning Sign” makellos auf’s Konto, ganz und gar gelungen, weil ungewohnt und recht lässig dann das klackende “Another Guy” und der lakonische, etwas träge Blues von “New Shoes”, die haben sie richtig gut gemacht. Es hätte also weitaus schlimmer kommen können, als Standortbestimmung geht das Album in Ordnung, für die Spitze fehlen allerdings noch ein paar Meter. http://www.travisonline.com/
24. August Winterthur, Musikfestwochen
“Where You Stand”
(Red Telephone Box)
Man hört sich diese Platte hat und fragt sich unweigerlich: Was genau ist eigentlich passiert in den letzten zwölf Jahren, mit einem selbst, mit der Welt da draußen? 2001 erschien “The Invisible Band”, das dritte Album der Band aus dem schottischen Glasgow, das exzellente “The Man Who” war da gerade mal zwei Jahre alt und trotzdem hatten die vier Charmebolzen mit “Sing”, “Side”, “Pipe Dreams” und “Last Train” schon wieder vier unverschämt eingängige und liebenswerte Hymnen dabei und auch der Rest war nicht zu verachten – Höchstnoten, Blindkauf. Doch irgendwie ließ sich die Spannung nicht halten, drei Alben und ein Soloversuch von Fran Healy später war die Luft raus und die Lust weg – trotzdem oder eben weil Travis partu nichts anderes machen wollten als unverschämt eingängige und liebenswerte Hymnen zu schreiben, die Ideen dazu aber nicht mehr so einfach zu bekommen waren. Nun also “Where You Stand”. Aufgenommen in den selben Studios, wo auch schon Glanzlichter wie “Why Does It Always Rain On Me” und “Driftwood” Geburtshilfe erhielten, dennoch: Auf den ersten Umlauf ein eher durchschnittliches Album, kaum Ausreißer nach oben oder unten, nichts was wehtut, aber auch kaum ein Stück dabei, das einen aus dem Sessel reißt oder – was man ja früher so mochte – beim Hören so richtig nahe kommt. Aber, Vorbehalte hin oder her, das Songwriting haben sie nicht verlernt und wie auch auf den letzten, meistenteils enttäuschenden Werken, verstecken sich auch hier ein paar feine Überraschungen. “Moving” zum Beispiel hat das Zeug zur Hitsingle, anders als der etwas maue Titelsong vernimmt man hier etwas von dem Zauber, mit dem sie zu Gründerzeiten ihre Anhängerschaft zu fesseln wußten. Wenn diese Chöre nicht wären, ginge auch “Warning Sign” makellos auf’s Konto, ganz und gar gelungen, weil ungewohnt und recht lässig dann das klackende “Another Guy” und der lakonische, etwas träge Blues von “New Shoes”, die haben sie richtig gut gemacht. Es hätte also weitaus schlimmer kommen können, als Standortbestimmung geht das Album in Ordnung, für die Spitze fehlen allerdings noch ein paar Meter. http://www.travisonline.com/
24. August Winterthur, Musikfestwochen
Donnerstag, 15. August 2013
White Stripes: Tränen trocknen
Nicht wenige haben am Ende des diesjährigen Record-Store-Day ziemlich bedröpppelt aus der Wäsche geschaut, weil sie keines der raren Re-issue-Exemplare des White-Stripes-Solitärs "Elephant" abbekommen hatten (der Autor inklusive). Doch Hoffnung naht. Denn Jack White hat sich entschlossen, auf seinem Label Third Man Records eine abermalige Neupressung anzubieten, 2LP mit schwarzem 180g-Vinyl, ganz wie in alten Tagen. Da heißt es jetzt Tränen trocknen und zugreifen.
Kim Deal: Gewissensfrage
In solchen Momenten weiß man dann wieder, wie wichtig diese Frau für die Pixies war und was einem momentan an den Breeders fehlt: Kim Deal vervollständigt ihre Solo-Single-Sammlung mit dem traumhaften Titel "Are You Mine?" - samt Video zu sehen und zu bestellen auf ihrer eigenen Website.
Mittwoch, 14. August 2013
Earl Sweatshirt: Sonntagsstimmung
Schon jetzt einer der besten Tracks: Earl Sweatshirt holt sich für "Sunday" von seinem kommenden Alvum "Doris" den alten Kumpel und Kollegen Frank Ocean vor's Mic, das poltert gewaltig und ganz weit hinten kratzen auch ein paar Gitarrensaiten - zu hören bei GVSB.
Slut: Triumph der Stilisten
Slut
„Alienation“
(Cargo Records)
Damals, in den Wechseljahren zwischen altem und neuem Jahrtausend, war die Provinz das Maß der Dinge. Zumindest hier in Deutschland. The Notwist aus Weilheim, Sharon Stoned aus Detmold und eben Slut aus Ingolstadt erwiesen sich nicht nur als begabte Frickler, sondern zeigten, dass englischsprachige Musik hierzulande nach dem gängigen Ausschlussprinzip nicht entweder platt oder verkopft, sondern sehr wohl auch klug und lässig zugleich sein durfte – „Neon Golden“, „Sample And Hold“ und „Lookbook“ waren und sind Zeugnisse beachtlicher und originärer musikalischer Reife, deutsche Musik, die undeutscher nicht klingen konnte, fernab von Teutonenhabitus, Ballermann und vergeistigter Streberei. Damals war alles gut. Heute ist die Musik nicht unbedingt schlechter, allein die Ansprüche haben sich mit den Hörgewohnheiten gewandelt, Verfügbarkeit sticht Qualität, wer sich Zeit nehmen und Mühe geben will, gilt entweder als sonderbarer Zausel und/oder heißt Dirk von Lowtzow.
Slut haben sich, fünf Jahre nach ihrer letzten Platte „StillNo1“, für ein erweitertes Produzententeam entschieden, viele, die ihre bald zwanzigjährige Karriere begleiteten, sind wieder dabei und so ist „Alienation“ ein ebenso angenehm wiedererkennbares und dennoch sehr heutiges Album geworden, ohne gleich schrecklich zeitgemäß zu klingen. Geblieben sind die wehmütigen, auf Moll gestimmten Melodien, die leicht verzerrten Gitarren, die mit gebremstem Schaum den Hintergrund füllen – sie können immer noch sanft und brachial zugleich musizieren, sind Stilisten, wohl auch Perfektionisten geblieben. Beim Sound wurde deutlich zurückgeschnitten und ausgedünnt, all die Verzierungen und Schattierungen kommen so besser zum Tragen und machen Songs wie „Everyone Have A Roadmap“, „Next Big Thing“ oder „Deadlock“ zu Erinnerungsstücken.
Und natürlich kommt es einen immer wieder melancholisch an, wenn Christian Neuburgers trauriger Sehnsuchtsgesang mit dem hadert, was man ihm als Wirklichkeit vorsetzen will: „The young ones getting out of here, the rest stay were they are, and most of them turn petit bourgeois” (Alienation), an anderer Stelle “Became a limited thinker, a delicate social drinker, in an intimate mess, like a homeless linker … how could we ever feel, how could we ever love, how could we ever fight, how could we be alright, when we’re fucked up inside” (All Show). Das wirkt nie plump auf den Reim hin gezimmert, aus diesen Lyrics spricht die für Slut typische Sorgsamkeit, jeden Takt, jedes Lied zu etwas Ganzheitlichem, in sich Geschlossenen zu führen, auf “Alienation” gelingt ihnen das – hohe Kunst – über die komplette Spieldauer.
Selbst die ungewohnteren Töne sind mit Bedacht gewählt – bei “Broke My Backbone” raspelt der technoide Beat, das Stück irrlichtert und zuckt, wie man es aktuell von Thom Yorkes Atoms For Peace kennt (und das ist beileibe kein ehrenrühriger Vergleich). Ähnlich elektrisch, wenn auch nicht ganz so minimal, “Never Say Nothing” und “Nervous Kind”, bei “Remote Controlled” schwingt ein wenig Post-Punk mit und selbst die Sitar im psychedelisch ausgefransten “Silk Road Blues” geht mehr als in Ordnung. Man kann es am Ende des Tages mit Juli Zeh halten, die in ihrer Promo-Hommage meint, Slut haben Zeit ihres Bestehens noch kein einziges Mal “Mist produziert”. Das stimmt und ist dennoch – zumindest für dieses Album – grob untertrieben. “Alienation” ist das, was man einen großen Wurf nennt oder, um bei der ersten Single zu bleiben: The next big thing. http://www.slut-music.de/
„Alienation“
(Cargo Records)
Damals, in den Wechseljahren zwischen altem und neuem Jahrtausend, war die Provinz das Maß der Dinge. Zumindest hier in Deutschland. The Notwist aus Weilheim, Sharon Stoned aus Detmold und eben Slut aus Ingolstadt erwiesen sich nicht nur als begabte Frickler, sondern zeigten, dass englischsprachige Musik hierzulande nach dem gängigen Ausschlussprinzip nicht entweder platt oder verkopft, sondern sehr wohl auch klug und lässig zugleich sein durfte – „Neon Golden“, „Sample And Hold“ und „Lookbook“ waren und sind Zeugnisse beachtlicher und originärer musikalischer Reife, deutsche Musik, die undeutscher nicht klingen konnte, fernab von Teutonenhabitus, Ballermann und vergeistigter Streberei. Damals war alles gut. Heute ist die Musik nicht unbedingt schlechter, allein die Ansprüche haben sich mit den Hörgewohnheiten gewandelt, Verfügbarkeit sticht Qualität, wer sich Zeit nehmen und Mühe geben will, gilt entweder als sonderbarer Zausel und/oder heißt Dirk von Lowtzow.
Slut haben sich, fünf Jahre nach ihrer letzten Platte „StillNo1“, für ein erweitertes Produzententeam entschieden, viele, die ihre bald zwanzigjährige Karriere begleiteten, sind wieder dabei und so ist „Alienation“ ein ebenso angenehm wiedererkennbares und dennoch sehr heutiges Album geworden, ohne gleich schrecklich zeitgemäß zu klingen. Geblieben sind die wehmütigen, auf Moll gestimmten Melodien, die leicht verzerrten Gitarren, die mit gebremstem Schaum den Hintergrund füllen – sie können immer noch sanft und brachial zugleich musizieren, sind Stilisten, wohl auch Perfektionisten geblieben. Beim Sound wurde deutlich zurückgeschnitten und ausgedünnt, all die Verzierungen und Schattierungen kommen so besser zum Tragen und machen Songs wie „Everyone Have A Roadmap“, „Next Big Thing“ oder „Deadlock“ zu Erinnerungsstücken.
Und natürlich kommt es einen immer wieder melancholisch an, wenn Christian Neuburgers trauriger Sehnsuchtsgesang mit dem hadert, was man ihm als Wirklichkeit vorsetzen will: „The young ones getting out of here, the rest stay were they are, and most of them turn petit bourgeois” (Alienation), an anderer Stelle “Became a limited thinker, a delicate social drinker, in an intimate mess, like a homeless linker … how could we ever feel, how could we ever love, how could we ever fight, how could we be alright, when we’re fucked up inside” (All Show). Das wirkt nie plump auf den Reim hin gezimmert, aus diesen Lyrics spricht die für Slut typische Sorgsamkeit, jeden Takt, jedes Lied zu etwas Ganzheitlichem, in sich Geschlossenen zu führen, auf “Alienation” gelingt ihnen das – hohe Kunst – über die komplette Spieldauer.
Selbst die ungewohnteren Töne sind mit Bedacht gewählt – bei “Broke My Backbone” raspelt der technoide Beat, das Stück irrlichtert und zuckt, wie man es aktuell von Thom Yorkes Atoms For Peace kennt (und das ist beileibe kein ehrenrühriger Vergleich). Ähnlich elektrisch, wenn auch nicht ganz so minimal, “Never Say Nothing” und “Nervous Kind”, bei “Remote Controlled” schwingt ein wenig Post-Punk mit und selbst die Sitar im psychedelisch ausgefransten “Silk Road Blues” geht mehr als in Ordnung. Man kann es am Ende des Tages mit Juli Zeh halten, die in ihrer Promo-Hommage meint, Slut haben Zeit ihres Bestehens noch kein einziges Mal “Mist produziert”. Das stimmt und ist dennoch – zumindest für dieses Album – grob untertrieben. “Alienation” ist das, was man einen großen Wurf nennt oder, um bei der ersten Single zu bleiben: The next big thing. http://www.slut-music.de/
Michelle Obama: Veggie Luv
Irgendwie kann man sich das in Deutschland gar nicht vorstellen: Angela Merkel fungiert als Patin für eine CD, deren Songs Schülern eine ausgewogene, gesunde Ernährung näherbringen soll? Was soll da auch drauf? Rammstein "Weißes Fleisch"? Die Toten Hosen "Friss oder Stirb"? Oder doch lieber die Ärzte mit "Ich ess Blumen"? Doch was hierzulande komisch klingt, klappt in Amerika problemlos. Dort wird gerade zusammen mit Michelle Obama eine Compilation mit dem Namen "Songs For A Healthier America" kuratiert, mit dabei Matisyahu, DMC, Artie Green und E-Street-Gitarrist Nils Lofgren - die Stücke heißen eben "Veggie Luv", "Get Up, Sit Up" und "U R What You Eat". Leider nicht dabei - ein Rap von Michelle, die dazugehörigen Videobotschaften (siehe Link oben) soll sie aber dem Vernehmen nach mitgestalten.
Dienstag, 13. August 2013
Erlend Øye: Italienisch für Anfänger
So kann's gehen, wenn man sein Herz verliert: Erlend Øye ist ja eigentlich Norweger, doch seine Musik, sei es zusammen mit The Whitest Boy Alive oder den Kings Of Convenience mochte so gar nicht an frostige Fjorde und zugige Holzkaten erinnern, auch sein letztes Soloalbum "Unrest" (2003) war eher leicht und lässig als - na, eben nordisch herb. Vor einem Jahr ist der Junge dann konsequenterweise nach Sizilien umgezogen und hat die Land, Leute und Sprache nun offenbar so liebgewonnen, dass er sein nächstes Album "La Prima Estate" nennt und zumindest die gleichnamige Vorauskopplung (als eine Art getanztes Wörterbuch) komplett auf italienisch zum besten gibt. Magnifico!
Lee Ranaldo: Wiedergänger
White Lies: Abgesang
White Lies
"Big TV"
(Polydor)
So lang scheinen sie nicht her, die Zeiten, als man die White Lies noch freudig als die legitimen Nachfolger der zwischenzeitlich ermatteten Editors begrüßte – „To Lose My Life“, 2009, das ließ sich gut an. Doch nun: vorbei. Die vier Jahre fühlen sich mittlerweile an wie eine halbe Ewigkeit und man weiß jetzt, dass die Zeiteinheit, in welcher die Killers ihren Karren in den Graben gefahren haben, nicht mehr das Maß der Dinge ist – die White Lies haben das deutlich schneller geschafft. Denn was noch als hoffnungsvolle Mischung aus schattigem Elektrowave und Postpunkanleihen begann, endet spätestens mit dieser neuen, dritten Platte im seichten und uninspirierten 80er-Revival-Whatever-Stadionrocktümpel.
Dem Astronauten auf dem aktuellen Cover geht es offensichtlich nicht anders als dem Betrachter, der hier gleichzeitig auch Zuhörer ist – er schaut ein wenig verschreckt und ängstlich drein, so als wisse er auch nicht so genau, was das jetzt eigentlich solle. Denn wer glaubt, mit dem Eingangsstampfer und Titeltrack „Big TV“ sei das Schlimmste schon verdaut, der wird von den nachfolgenden Stücken eines Schlechteren belehrt: Platte, biedere Konsensbolzen, ähnlich wie bei Hurts wird hier gnaden- und einfallslos in die Breite gearbeitet, Schweinrockriffs rule, oberdrauf reichlich Zuckerguß zu Blaupausengeschwurbel Marke Alphaville und Real Life (und schon das waren nicht gerade die Aushängeschilder der beliehenen Epoche) – traurig.
Immer dann, wenn sich, wie bei „Getting Even“ oder „Be Your Man“, mal ein differenzierter Beat aus dem Einerlei hervorwagt, wird er kurz darauf umgehend verkleistert oder verliert sich in der Beliebigkeit – Spannungsbögen, Abwechslung, Geheimnisvolles womöglich, nichts davon ist auf diesem Album zu hören. Stattdessen die standesgemäße Powerballade für die neueste Feuerzeug-App, mehr ist nicht drin. Wenn Harry McVeigh, noch immer mit einer beeindruckenden Stimme gesegnet, und Kollegen nicht bald in Sachen Kreativität nachlegen, dann könnte dies schon der Abgesang gewesen sein. „I can forgive, we can forget“ heißt es in „Getting Even“, so ganz sicher ist man sich da nicht mehr... http://whitelies.com/
09.11. Köln, LMH
11.11. Frankfurt, Gibson
12.11. München, Theaterfabrik
13.11. Wien, Gasometer
14.11. Zürich, Komplex
"Big TV"
(Polydor)
So lang scheinen sie nicht her, die Zeiten, als man die White Lies noch freudig als die legitimen Nachfolger der zwischenzeitlich ermatteten Editors begrüßte – „To Lose My Life“, 2009, das ließ sich gut an. Doch nun: vorbei. Die vier Jahre fühlen sich mittlerweile an wie eine halbe Ewigkeit und man weiß jetzt, dass die Zeiteinheit, in welcher die Killers ihren Karren in den Graben gefahren haben, nicht mehr das Maß der Dinge ist – die White Lies haben das deutlich schneller geschafft. Denn was noch als hoffnungsvolle Mischung aus schattigem Elektrowave und Postpunkanleihen begann, endet spätestens mit dieser neuen, dritten Platte im seichten und uninspirierten 80er-Revival-Whatever-Stadionrocktümpel.
Dem Astronauten auf dem aktuellen Cover geht es offensichtlich nicht anders als dem Betrachter, der hier gleichzeitig auch Zuhörer ist – er schaut ein wenig verschreckt und ängstlich drein, so als wisse er auch nicht so genau, was das jetzt eigentlich solle. Denn wer glaubt, mit dem Eingangsstampfer und Titeltrack „Big TV“ sei das Schlimmste schon verdaut, der wird von den nachfolgenden Stücken eines Schlechteren belehrt: Platte, biedere Konsensbolzen, ähnlich wie bei Hurts wird hier gnaden- und einfallslos in die Breite gearbeitet, Schweinrockriffs rule, oberdrauf reichlich Zuckerguß zu Blaupausengeschwurbel Marke Alphaville und Real Life (und schon das waren nicht gerade die Aushängeschilder der beliehenen Epoche) – traurig.
Immer dann, wenn sich, wie bei „Getting Even“ oder „Be Your Man“, mal ein differenzierter Beat aus dem Einerlei hervorwagt, wird er kurz darauf umgehend verkleistert oder verliert sich in der Beliebigkeit – Spannungsbögen, Abwechslung, Geheimnisvolles womöglich, nichts davon ist auf diesem Album zu hören. Stattdessen die standesgemäße Powerballade für die neueste Feuerzeug-App, mehr ist nicht drin. Wenn Harry McVeigh, noch immer mit einer beeindruckenden Stimme gesegnet, und Kollegen nicht bald in Sachen Kreativität nachlegen, dann könnte dies schon der Abgesang gewesen sein. „I can forgive, we can forget“ heißt es in „Getting Even“, so ganz sicher ist man sich da nicht mehr... http://whitelies.com/
09.11. Köln, LMH
11.11. Frankfurt, Gibson
12.11. München, Theaterfabrik
13.11. Wien, Gasometer
14.11. Zürich, Komplex
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