Donnerstag, 26. April 2012

Meine Frau sagt ...


... dass das MashUp Adele vs. Daft Punk "Something About The Fire" im Carlos Serrano Mix ziemlich heißer Scheiß (sinngemäße Wiedergabe) ist - und was soll man sagen, wo sie Recht hat - hier. Als guter Ehemann setzt man natürlich gern noch einen drauf, soll heißen, Skrillex mit dem Mädchen ist auch nicht ohne - dann hier.

Ach nee! [Update]


Das zählt hoffentlich unter die Rubrik "Eine Amöbe zum Elefanten aufgeblasen": Die britische Website music-news.com vermeldet, dass The Smiths trotz aller hartnäckigen Dementis angeblich eine Reunion für diesen Herbst planen. Das wäre um so erstaunlicher, als dass Johnny Marr im März noch dem NME in die Tastatur diktierte: "We won't be reforming this week. Maybe if the government stepped down. If this government stepped down, I'll reform the band. How's that? That's a fair trade, isn't it? I think the country would be better off, don't you? I'll do it if the coalition steps down."

Update: Johnny Marr via Zuckerbook: "The rumour of the Smiths reunion is untrue. It's not happening." God save the queen!

Lost & found

Rufus Wainwright „Out Of The Game“
(Universal)

Wie er da so steht, gockelbunt zwischen Mustertapete und Brokatvorhang, mit Totenkopfknauf und Lilienbrosche, das Ergebnis der Maniküre begutachtend, gibt Rufus Wainwright auf dem Cover seines neuen Albums ein köstliches Bild ab. Für diese Extraportion Ironie gibt’s natürlich, ähnlich wie zuvor bei Jack White, schon mal einen Zuschlag in der B-Note. Humor steht ja nicht gerade an erster Stelle der Dinge, die man von einem Rufus-Wainwright-Album erwartet, manches seiner Werke erinnert schon eher an weihevolle, lithurgische Choräle, „Want One“ und „Want Two“ waren reicht damit bestückt und auch „All Days Are Nights“ machte seinem Namen alle Ehre.

Umso überraschender also die Meldung vor einigen Monaten, Wainwright habe sich mit dem Produzenten Mark Ronson zusammengetan, einem Mann also, der den Pop als Berufung versteht und der sich durch die Kollaborationen mit Amy Winehouse, Robbie Williams und Lily Allen schon zu frühen Lebzeiten ein Denkmal gesetzt hat. Schwermütiges ist mit ihm kaum denkbar, und so klingt auch „Out Of The Game“ trotz der manchmal recht bissigen Texte ungewöhnlich leicht, aufgehellt, ja an einigen Stellen fast schon fröhlich. Country, Soul, Rock’n’Roll – die Hardcorejünger mögen ihren Ohren nicht trauen – die Dab Kings als famose Begleitband tun ein Übriges zu dieser neuen, beschwingten Mischung.

Schon der Titelsong ist so ein Zwitter aus bösem Lamento und streichzartem Soul: „You're only a child, with the mind of a senile man, you're only a young thing,
'bout to sleep with a sea of men, ... look at you suckers“, auch das folgende „Jericho“ schimmert mit Chor und Bigband sonnig zwischen den Zeilen – man hört die Songs und meint sie schon ewig zu kennen. Kein geringzuschätzendes Verdienst von Ronson, dem sich Wainwright nach eigener Auskunft mehr als bereitwillig ausgeliefert hat – „He’s the full package, ... We both wanted something for each other, and I think we both got it“ (quietus). „Rashida“ wiederum erinnert mit seinem kräftigen, grellen Arrangement an frühere Queen-Sachen – hat eigentlich mal jemand an Rufus Wainwright gedacht als es galt, die Nachfolge von Freddy Mercury neu zu besetzen? Okay, vergessen wir.

Dass es am Ende doch wieder die Lieder mit dem schwermütigen Nachgeschmack sind, die in Erinnerung bleiben, ist seltsam, aber nicht weiter schlimm. Und irgendwie passt es auch zu einer Platte, die zwischen den Spannungspunkten Verlust und Gewinn entstanden ist – Wainwright selbst gibt ja bereitwillig Auskunft darüber, dass der Tod der Mutter Kate MacGarrigle vor gut zwei Jahren schwer zu schließende Wunden hinterlassen hat – gleichermaßen ermuntert ihn die Geburt seiner Tochter im Februar letzten Jahres. Das ihr gewidmete, behutsame „Montauk“ vereint Wehmut und Frohsinn auf unnachahmliche Weise: „One day you will come to Montauk, and you will see your dad wearing a kimono, and see your other dad pruning roses, hope you won’t turn around and go.“

Neben dem lässigen „Perfect Man“ mit einer Extraportion Popsahne obendrauf, neben dem ausgelassenen „Welcome To The Ball“ bleiben also vor allem der betörende Liebesschwur von „Respectable Dive“, das theatralisch, schmelzige „Song For You“ („So i’m gonna fly in the sky so high in the wind and i’m gonna try, really, really try so hard not to give in ...") und die Resignation und das überspannte Pathos von „Candles“ im Gedächtnis haften. Er möchte, so Wainwright selbst, seine Platten nicht mehr oder weniger wichten – das eine allerdings kann man ihm attestieren: Mit „Out Of The Game“ ist ihm sicher kein kleiner Wurf gelungen. http://www.rufuswainwright.com/

Mittwoch, 25. April 2012

Bunt tanzt gut


Auffällig geworden sind AU (sprich: Äih-Juh) aus Portland kürzlich nicht zuletzt als Support von James Stewarts Xiu Xiu - das fidele Duo frickelte dort live eine wunderbar kunterbunte Mischung tanzbarer Beats zusammen, die man auch auf ihrem letzten Album "Get Alive" bewundern kann. Das farbenfrohe Video zu ihrer letzten Single "OJ" gibt es nun hier.

Gute Besserung in Sicht


Nun, das letzte Album von Konstantin Gropper alias Get Well Soon war, um es wohlwollend zu formulieren, etwas gewöhnungsbedürftig (wer es nicht so gut meint, sagt: dünn und überproduziert) - egal, der Junge ist immer für eine positive Überraschung gut. Laut visions.de erscheint am 24. August nun sein drittes Werk mit dem Titel "The Scarlet Beast O'Seven Heads - La Bestia Scarlatta Con Sette Teste" - nicht minder lang auch der Titel des ersten Stückes, welches man als Kostprobe gereicht bekommt: "You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)" - na, hoffentlich verhaspelt sich da mal keiner: hier.

Tanz der alten Tanten


Man hatte ihn fast schon vergessen - im letzten Jahr waren The Rapture mit "How Deep Is Your Love?" beim Jahresranking der besten Tracks ganz vorn mit dabei. Nun gibt es für den nicht mehr ganz so neuen Song einen frischen Clip - Luke Jenner als Gulliver beim Tantentanz, große Klasse: hier.

Dienstag, 24. April 2012

Teufelstanz in der Spelunke

Jack White „Blunderbuss“
(XL Recordings)

Gut, für das Cover bekommt der umtriebige Kerl schon mal den ersten Fleißpunkt. Ansonsten gilt: Wer befürchtet hatte, Jack White werde auf seinem Solodebüt einen spannungsarmen Zweitaufguß der White Stripes abliefern, der wird mit "Blunderbuss" positiv enttäuscht. Eine Komplettverwandlung zum introvertierten Electrofreak war natürlich nicht zu erwarten - White wird immer der Typ mit den Roots-Schellacks bleiben, der auf rührende Weise dem analogen, dem ursprünglichen Sound huldigt und sich mit Herzblut in die alten Gassenhauer hineinwühlt.

Die ersten drei Songs auf "Blunderbuss" gehen noch klar in Richtung des rohen, unbehauenen Indieblues, es beginnt mit dem unaufdringlichen "Missing Pieces", "Sixteen Saltines" legt dann jede Zurückhaltung ab, hier jault und kracht es schon mächtig im Gebälk, bevor dann mit "Freedom At 21" ein wahrer Killertrack die Rücksichtslosigkeit des weiblichen Geschlechts beklagt - White rappt und rockt, dass es eine wahre Freude ist.

Danach der Break - die erste Single des Albums, "Love Interruption" mit Ruby Amanfu aus Nashville, hat schon einen behutsameren, gleichwohl noch immer anrührenden Soul: "Yeah I won't let love disrupt, corrupt, or interrupt me anymore", ach Junge ... Einige der folgenden Stücke würden gut für ein verrauchten Salloon, an ein klappriges, lautes Piano passen - der Stomp von "Hypocritical Kiss", auch die Progrockanleihen von "Weep Themselves To Sleep", die so kräftig scheppern und kreischen. Der fiebrige Teufelstanz von "I'm Shakin'" ist dort ebenso gut aufgehoben - hier scheint White die Essenz seines Schaffens in die Rillen gepreßt zu haben: "I feel like I've been run right through the mill, and I can't move around and I can't stand still, I'm Bo Biddley - oh, you got me shakin'", herrlich durchgeknallt.

Nach dem vertonten Kinderreim ("Two monkeys jumping on the bed ...") bei "Trash Tongue Talker" und dem entmutigten Wink mit der weißen Fahne ("I Guess I Should Go To Sleep") folgt mit "On And On And On" wohl so etwas wie ein Blick in die gepeinigte Seele des Mannes aus Detroit, der von seinen geliebten White Stripes lassen mußte und dem diese Entscheidung noch immer nachgetragen wird: "The people around me won't let me, become what I need to, they want me the same, I look at myself and I want to just cover my eyes and give myself a new name ... alone may I go, where God only knows just where I am going." Wie zur Versöhnung läßt er es am Ende ("Take Me With You When You Go") noch einmal richtig donnern - kein einfaches Album, sicher aber auch kein langweiliges, und mithin die Garantie, dass auch die drei Deutschlandtermine seiner diesjährigen Tour fest auf der mustlist bleiben. http://jackwhiteiii.com/

26.06. Berlin, Tempodrom
27.06. Köln, E-Werk
05.07. Hamburg, Docks

Montag, 23. April 2012

Nachtschatten

The Raveonettes
"Into The Night"

(Raveonettes)

Letztes Jahr erst die gar nicht mal so üble "Raven In The Grave" - jetzt schieben die Raveonettes eine durchaus gelungene EP nach. Vier Songs nur, aber alle von bestechender Qualität, wie man sie zuletzt vom makellosen "Lust Lust Lust" (2007) kannte. Schon der Titeltrack "Into The Night" ist watteweicher, verträumter Shoegazing-Zauber, "Night Comes Out" wirkt noch etwas nachgedunkelt und schwerer, wohingegen "Too Close To Heartbreak" beschleunigt und verzerrt daherkommt. Den Abschluß bildet der griffige Noise'n'Roll von "Bad Ghosts" - eine blitzsaubere Zwischenmeldung, komplette Schnipsel: hier.

Laid back


Zur Zeit dreht ja Norah Jones mit ihrer neuesten Scheibe "Little Broken Hearts", produziert von Danger Mouse, die ersten Runden - passend dazu hat das Herzchen zum Record Store Day eine schöne Doppelsingle mit TVOTR-Mastermind David Sitek unters Volk gebracht - "After The Fall" und "She's 22" sind darauf zu hören - ersteres auch hier.

Danach ist davor

Nun also auch er: Gerade erst den 65sten erfolgreich und vor allem: lebendig (!) hinter sich gebracht, plant Iggy Pop, der Mann mit der Plastikhose, für Anfang Mai sein höchst eigenes Cover-Album, Titel "Aprés". Sehr frenchy wird es werden, weil Herr Osterberg meint, die französische Hochkultur "has most stubbornly resisted the mortal attacks of the Anglo-American music machine." (NME) Ah - ja. Mit dabei neben Serge Gainsbourgs "La Javanaise" und Edith Piafs "La Vie En Rose" auch Songs von Frank Sinatra, den Beatles ("Michelle") und Yoko Ono. Man darf gespannt sein.

Relegation, Baby?


Prestigeduell mit 3:0 deutlich gewonnen, die Rückkehr von Doppelpack-Ebbers und nun steht St. Pauli nur noch einen Punkt hinter Düsseldorf - auch wenn keiner träumt, rückt die Relegation doch wieder ins Blickfeld. Jetzt also: Dranbleiben!

Sonntag, 22. April 2012

Ein Rätsel auf sechs Beinen


Die Ärzte „Auch“
(Hot Action Records)

Eigentlich muß man die Überschrift um mindestens einen Pferdefuß ergänzen, denn auch nach dreißig Jahren konnte dieser Band noch keiner das diabolische Grinsen aus dem Gesicht wischen – dreißig Jahre mit der immergleichen Mischung aus allerfeinstem, pubertärem Humor weit unterhalb der politisch korrekten Gürtellinie, mit „Hau drauf!“-Mucke und sauber gefeilter „Leck mich!“-Attitüde, die meisten machen noch immer mit und wenige wissen wieso. Die drei Berliner belassen es selbst bei eher spaßig-platten Deutungsversuchen („TCR“), warum auch etwas kompliziert erklären, wenn es doch so einfach funktioniert.

Wenn die Süddeutsche schreibt, man könne froh sein, dass sich die Band noch nicht auf‘s Altenteil zurückgezogen habe, so ist das natürlich nur die halbe Wahrheit, denn einige Songs auf „Auch“ klingen schon verdammt nach Zurücklehnen und „Wird-schon-irgendwie-klappen“ – einer erfolgsverwöhnten Fußballmannschaft würde man in so einem Falle wohl fehlenden Erfolgshunger attestieren. Ob „Bettmagnet“, „Sohn der Leere“, das alberne „Tamagochi“, „Angekumpelt“ oder „Die Hard“ – mittelmäßige Mitgrölnummern, aus einem lustigen Spruch versucht, einen kompletten Song zu zimmern, auch musikalisch eher dünn.

Aber Farin Urlaub, Rod González und Bela B. hätten nicht diesen Erfolg, wären nicht diese allerbeste Band, wenn sie zum Durchschnittlichen nicht immer ein paar einzigartige Juwelen stellen würden, Lieder also, die nur sie auf dieser Welt so hinbekommen, dass man fast in (naja, heiterer) Andacht erstarren möchte. Nur sie beginnen ihr zwölftes Album mit der ketzerischen Frage an ihre Anhängerschaft „Ist das noch Punkrock?“, wohl wissend, dass diese wie ihre Idole selbst mittlerweile im ehemals verteufelten Spießeridyll namens „Familie“ angekommen ist. Solange man sich nicht selbst belügt, darf und muss man also auch herzlich über sich selbst lachen können.

Als Update zur Peinlichkeit heterosexuellen Paarungsverhaltens ist „M&F“ ein wahres Schmuckstück, selten gelang ein simples „Ist doch egal“ treffender als hier: „Manche Männer lieben Männer, manche Fraun lieben Fraun, da gibt’s nichts zu bedauern und nichts zu staun, das ist genauso normal wie Kaugummikaun, doch die meisten werden sich das niemals traun“ – schönster 70er Diskoschwof drunter gemischt, fertig ist die Wunderkiste. Nicht weniger gut gelungen der Kastratentwang in „Waldspaziergang mit Folgen“, witziger kann eine Meditation über religiösen Kokolores kaum sein. Nahe dran und deshalb auf der Habenseite: „Freundschaft ist Kunst“ als amüsante Persiflage auf überkommenen Kulturlagerkoller und das breitbeinige, fast barocke Riffgegniedel des „Cpt. Metal“ als Brückenkopf gegen grassierende Formatradio-Diarrhö. „Fiasko“ resp. „Miststück“ beweisen: Die Ärzte schreiben mit knapp 50 noch immer die Tagebuchsprüche für adoleszente Rumdruckser oder mittelalte Beziehungsopfer und wirken dabei noch erstaunlich glaubhaft.

Sie wird also, meistenteils zu Recht, gefeiert werden, diese neue Platte, auch wenn es nicht ihre beste ist. Doch gilt der Beifall hier weniger der innovativen Überraschung als vielmehr dem demonstrativen Behauptungswillen, auch weiter drei große, sympathische Jungs mit viel Unsinn im Kopf und rechtschaffener Wut im Bauch bleiben zu wollen. Solange sie das schaffen, sind ihnen die Herzen ihrer Anhänger sicher, und solange darf das Rätsel ihres Erfolges weiterhin gern ein ungelöstes bleiben. www.bademeister.com

Mit Liebe gemacht


Spiritualized
„Sweet Heart Sweet Light“

(Domino Records)

Es bleibt eine schöne Randnotiz, dass der Bandgründer von Spiritualized (und gleichzeitig deren einzig dauerhaftes Mitglied) Jason Pierce Mitte der Sechziger im englischen Rugby geboren wurde – ein Leben, welches in einem Ort mit solchem Namen seinen Anfang nimmt, hat seine Überschrift schon gefunden: hart, roh, selten angenehm, doch nicht unterzukriegen. Ähnliches läßt sich auch von Pierce‘ Werdegang sagen, dem bei Wikipedia nicht ohne Grund eine Rubrik „Gesundheit“ beigegeben ist: Der Mann sollte wissen, wie man Nahtoderfahrung buchstabiert, so oft hat er, zwanghaft schon, die Nähe zu verschiedensten, bewußtseinserweiternden Substanzen gesucht und ebenso oft haben diese ihn an den Rand des körperlich Ruins gebracht. Nicht wenige seiner Werke und Stücke sind in dieser und durch diese Zeit gemacht und hätte er nicht gleichermaßen Glück, Genie und gehörige Nehmerqualitäten vorzuweisen gehabt – es hätte auch diese, seine siebte Platte nie gegeben.

Karl Bruckmaier, gern abgefragte Instanz musikalischen Sachverstands, adelte „Sweet Heart Sweet Light“ kürzlich mit blau hinterlegtem Kaufbefehl und den Worten: “atmet in jeder Sekunde die Liebe zur Musik“ – viel besser kann man uneingeschränktes Lob nicht auf den Punkt bringen. Pierce ist kein Mann, der sich mit Halbgarem und Beschaulichem um des Erfolges wegen zufrieden gibt, nicht dann, wenn er mit einem Song noch eine Runde extra drehen kann, wenn für die Gesamtwirkung noch eine Spur draufgesetzt werden muß. Das galt für seine Meisterwerke „Ladies And Gentlemen We Are Floating In Space“ und „Let It Come Down“ am nachdrücklichsten, das ist auch beim aktuellen Album nicht anders. Zwei satte Achtminüter hat er mit „Hey Jane“ und „Headin‘ For The Top Now“ auf „Huh?“ gepackt, beide allerschönster Psych-Rock, mal frühe Primal Scream, mal ehrwürdige Velvets, Gezeter, Gezerre, es schmirgelt, raspelt und nölt ganz wunderbar unter dem zwingenden Beat. Das kann er, das sind seine Standards, damit kriegt er einen immer – für „Get What You Deserve“ verzwirbelt er noch ein paar Streicherteppiche ins schräge Muster, „I Am What I Am“ glänzt mit souligen Backroundchören, alles mit Schmackes und, ja – „Liebe“ gemacht.

Um die geht’s auch in „Too Late“, einem anrührenden Schmachtfetzen über falsche Versprechungen, all die verdammten Gefühle und Hoffnungen, über alles, wovon man besser die Hände gelassen, wenn das Herz nicht anders entschieden hätte. Das gleiche Großkaliber auch der Bittgesang an „Mary“, angstfreier Soulrock, was muß, das muß. Bei „Freedom“ gibt Pierce den Dylan, pur, die Akustische und das Piano, mehr nicht, für „Life Is A Problem“ ist Johnny Cash zu früh gegangen, das Stück, welches etwas an den alten, gleichnamigen Bluegrassklassiker erinnert, wäre mit Sicherheit auf einer der folgenden Cover-Compilationen des Man In Black erschienen. „So Long You Pretty Thing“ darf der Mann sich dann gern für die große Oasis-Reunion aufheben – Banjo, Chöre, Bläser, alle, alles, Rock’n’Roll, herrje … schönes Ende für eine ganz dicke Nummer. www.spiritualized.com

Ehrensalut

Noch einmal Fremdstoffverwertung: Auch die Red Hot Chili Peppers werden bald eine EP mit nachbearbeiteten Titeln einiger ihrer Favoriten herausbringen. "We Salute You" soll das gute Stück heißen, folgende sechs Songs, bisher allenfalls auf Sonderpressungen enthalten, lauten gelistet:

1. “A Teenager in Love” (Dion and the Belmonts)
2. “Havana Affair” (Ramones)
3. “Search & Destroy” (Iggy and the Stooges)
4. “Everybody Knows This is Nowhere” (Neil Young) [live]
5. “I Get Around” (The Beach Boys) [live]
6. “Suffragette City” (David Bowie) [live]

Donnerstag, 19. April 2012

Lebenszeichen


Das Alter Ego von Paul Banks, Sänger der New Yorker Kapelle Interpol, Julian Plenti meldet sich dieser Tage zurück - sein Label Matador kündigte gerade neben der in Bälde geplanten zweiten Soloplatte eine EP, also kleine Zwischenmalzeit, mit dem unzweideutigen Titelhinweis "Julian Plenti Lives" an. Der Longplayer kommt nicht, bevor die Blätter fallen, die EP dafür schon am 12. Juni. Interessant dürfte der Inhalt werden, neben Covern von J Dilla sollen auch Stücke von Frank Sinatra und Harold Faltermeyer (ganz recht: tü tü tütütütütüt - Beverly Hills Cop!) enthalten sein - der Banks, der alte Schlingel ...

Mittwoch, 18. April 2012

Puppenspieler


Es ist vielleicht der einzige Titel des aktuellen Albums "Port Of Morrow", der den vorauseilenden Enthusiasmus wirklich verdient hat - The Shins haben nun für diese, ihre zweite Single "The Rifle's Spiral" ein Video präsentiert, eine amüsante Mischung aus "Momo" und "The Corpse Bride", verantwortet von Regisseur Jamie Caliri - hier.

Herr Hütter spricht



Und wenn er das als maßgebliches Mitglied von Kraftwerk tut, dann hat er natürlich auch etwas zu sagen. Der New York Times verriet er jetzt, dass nach den ausstellungsbegleitenden Konzerten in München und im New Yorker MoMA bald mit einem neuen Album der Düsseldorfer Kling-Klang-Pioniere zu rechnen sei - denn: "We didn't fall asleep." Kompletter Wortlaut - hier.

Samstag, 14. April 2012

Das Lied vom Tod



Die Ähnlichkeit mit Ennio Morricones Titelmelodie zum Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" sind kaum zu leugnen: New Order veröffentlichen knappe 32 Jahre nach dem tragischen Selbstmord von Joy Divisions Ian Curtis die ungekürzte Fassung ihres dem Frontmann gewidmeten Trauermarsches "Elegia", mit einer Gesamtspielzeit von siebzehneinhalb Minuten geht sie weit über das hinaus, was ursprünglich unter gleichem Namen auf dem Album "Low Life" aus dem Jahr 1985 zu hören war. Worte braucht es natürlich immer noch keine, sie wären auch denkbar unpassend gewesen, schließlich es galt ja den Verlust des Leadsängers zu beklagen - eine monumentale, düstere Fuge, kein Ton zuviel. Das Stück gibt es als EP zusammen mit einer Aufnahme von "5-8-6" aus den Peel Sessions und dem nicht minder beeindruckenden "The Him" vom Debüt "Movement" - eleganter leiden: hier.

Donnerstag, 12. April 2012

Letzte Chance [reloaded]



Na ja, nicht ganz - der gute Johnny Depp hat ja durch seine Zweitprofession Bandleader (The Kids, P) und Gastgitarrist (Oasis!) eine gewisse Grundbildung, was geschmackvollen Krach angeht, in punkto Coolness macht Don Juan, Bella Lugosi und Captain Jack Sparrow ohnehin kaum jemand etwas vor. Ob er mit seinem neuerlichen Ausflug ins Muckerbusiness an die Seite von Marilyn Manson nun allerdings etwas danebengegriffen hat, muss ein jeder selbst entscheiden. Bei den Revolver Golden Gods Awards (?) in Los Angeles stand er jedenfalls schon mal für zwei Songs ("Sweet Dreams", "The Beautiful People") mit auf der Bühne, an Mansons aktuellem Album "Born Villain" soll er ebenfalls mit herumgefrickelt haben. Kann man nur hoffen, dass da der Sound etwas besser ausfällt als bei diesem unterirdischen Konzertmitschnitt - hier.

Was bleibt

G.Rag Y Los Hermanos Patchekos
„München 7/3“

(Gutfeeling)

Man tut sich schwer damit, die Betrachtungen über die Filmmusik vom Schicksal der aktuellen, dritten Staffel von „München 7“ zu trennen, als solche bekommen diese unweigerlich eine gehörige Portion Wehmut mit auf den Weg. Xaver Bartl und Felix Kandler versuchen ja seit einigen Wochen leidlich, sich im aufgebrezelten Vorabendprogramm der ARD freizuschwimmen, während beim Haussender BR der Folkloremarathon „Dahoam is dahoam“ als inspirationsarme „Telenovela Bavarese“ sich selbst genügen darf.

Es sind andere Zeiten, welche die beiden Komissare rundum und über den Viktualienmarkt treiben – eine Einkehr in Fales „Trattoria 30%“ ist ihnen verwehrt, auch Eisi Gulp leistet keinen Beistand mehr, stattdessen müssen sie sich am Zickenzank Elfi vs. Moni abplagen – sie sind nicht zu beneiden. Selbst die grantelnde Gruberin vermag jedoch den Abgang früherer Sympathieträger nicht wettzumachen, auch die Geschichten kommen zuweilen seltsam hölzern und konstruiert daher, fast so, als hätte dem Bogner jemand gesagt, er solle doch dem weltstädtischen München bitteschön auch mal die dringenden Probleme gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder zeitgemäßer Flashmobs auf den Serienleib schneidern – allein, es passt nicht immer.

Und mittendrin die G.Rags, selbst schon ins Schaupielerensemble verpflichtet, und das leider in einer Folge („München Melodie“), die neben feiner Musik leider auch recht talentfreie Vorstellungen der Herren Hanitzsch und Schuhbeck zu bieten hatte. Eine Portion Mitleid also auch für die Band? Keineswegs. Denn was sie tun können, das tun sie mit Bravour, immer noch. Schließlich gelingt ihnen, die sie mit der Serie nicht groß, aber doch etwas größer geworden sind, mit ihren liebenswerten, skizzenhaften Miniaturen, was den Schauspielern bisweilen verwehrt bleibt – die zusätzliche, musikalische Dimension verleiht dem Darsteller und der Szenerie mittels Erkennungsmelodie einen Erinnerungswert. Der Sound also bleibt. Nicht alle Stücke des vorliegenden Scores sind für die Serie geschrieben, was aber nicht weiter stört, sind G.Rag Y Los Hermanos Patchekos doch so unverbrüchlich in München verwurzelt, dass fast jedes ihrer Lieder hierhin verortet oder im Zweifelsfall umgedeutet werden kann.

Noch dazu war die Einbettung verschiedener Musikstile und Klangfarben schon immer ihre offenkundige Berufung – vom bayerischen Humptata sind sie soweit entfernt wie Xaver Bartl vom Status des Vorzeigebeamten. Es gibt griechischen Blues (Rembetika Landwehrstraße/Schillerstraße), die erwartete, weil fast zwangsläufige osteuropäische Einfärbung, Swing (Swing Monaco), Jazz, Calypso (Jeux De Dames), Walzer, Stücke zum Sandeln (Sonne, Das Nichts) und einen wundervollen Zwiefachen zum Schluß. Ein wenig fehlen die eingestreuten Dialogsequenzen, ein paar von den weltumspannenden Gedanken der Herren Bartl, Kandler und Zagreb hätte man gern verewigt gehabt – sei’s drum, diese Musik fungiert hier also nicht nur als Ehrenrettung, sondern sorgt auch für das lässige, sonnenträge Wohlgefühl, wie nur München es kennt. http://www.gutfeeling.de/