Sonntag, 10. Januar 2016

Lemmy Kilmister: Cheers!

So viele Erinnerungen und Anekdoten, so viele weinende harte Kerle, so viel befreiendes Gelächter - die Beerdigungszeremonie von Lemmy Kilmister von gestern Nachmittag im Forest Lawn Park von Los Angeles war vieles auf einmal und lohnte die kürzere Nachruhe. Das Anrührendste, neben der Rede von Sohn Paul und der Kleenexbox am Pult, war tatsächlich der Abschlußtoast von Dave Grohl (stilecht im Plastikbecher) und der einsame Bass des Meisters vor rauschender Marshall-PA. Das hatte wahre Größe, ein letztes Mal. Für alle, denen die Augen zu zeitig zugefallen sind, hier noch einmal der komplette Stream.

Samstag, 9. Januar 2016

Kanye West: Heimsuchung terminiert

Irgendwo zwischen den üblichen Soundcloud-Shouts wie "Amazing!", "Dope!" und "Unbelievable!" zum neuesten Track von Kanye West stand vermerkt: "Kanye is Bach!" Was auf den ersten Blick ja eher ein Rückschritt ist, versteht sich der Mann doch als die schwarze Inkarnation des Jesus von Nazareth, wenn nicht sogar als dessen, naja - Erzeuger. Läßt man die Ketzereien mal kurz beiseite, ist "Real Friends" zusammen mit der Hörprobe zu "No More Parties In L.A." (feat. Kendrick Lamar) zwar nicht die hohe Kunst der Fuge, aber doch ein recht gelungenes Stück Hip Hop - ob es sich allerdings auf dem nun endlich für den 11. Februar terminierten Album "Swish" befinden wird oder nur eine neue Serie von Freitagsüberraschungen eröffnet, weiß wahrscheinlich wieder nur Ehefrau Kim Kardashian.

Fades: Bis zum Durchbruch

Eigentlich ist es doch ziemlich einfach: Man braucht einen griffigen Namen, jemanden, der einem dazu ein ansprechendes Logo bastelt, ein paar schwarze (natürlich!) Klamotten, genügend Mitstreiter, die das gleiche wollen und ausreichend soziale Kontakte, um das Ganze dann schnell in Umlauf zu bringen - fertig ist die Indiemucke. Was vergessen? Ach ja, die Songs. Sollte man auch dabeihaben, sollten nicht schlecht sein, besser noch richtig Schmackes haben, sonst wird's nix. Nun, die Fades haben all das brav beherzigt und werden deshalb am 11. März ihre erste, selbstbetitelte EP herausbringen. Sechs Stücke haben die Jungs aus London draufgepackt und jetzt mal ehrlich: Wenn sie nur halbwegs so gut sind wie die erste Single "Breaking Through The Walls", dann dürfte der - Achtung, billiges Wortspiel! - Durchbruch nicht lange auf sich warten lassen.

Freitag, 8. Januar 2016

Animal Collective: Reizvoll

Gestern Yeasayer, heute das Animal Collective: In Sachen Skurrilität lassen auch die New Yorker Kunst-Kolchose nichts anbrennen, für den 19. Februar haben die Herren ihr nächstes Album "Painting With" angekündigt und für das Video zur ersten Single "FloriDada"gibt's schon mal die erwartete Kostprobe in Sachen Reizüberflutung inkl. der handelsüblichen Warnung an Epileptiker, watch out.


Sofi Tukker: Inspiration für die Beine

Tanzmusik der Extraklasse kommt heute einmal mehr aus New York: Das Elektronik-Duo Sofi Tukker hat gerade seine zweite Single "Matadora" veröffentlicht, der Track folgt der Single "Drinkee", die Mitte des vergangenen Jahres das Licht der Welt erblickte und ist von dem brasilianischen Poeten Ricardo de Carvalho Duarte alias Chacal inspiriert - grundsätzlich ist es aber erst mal für die Beine.

Tindersticks vs. Mumford And Sons: Wettrennen

Für den Januar ist ja bekanntlich auch via City Slang die Veröffentlichung des neuen Albums "The Waiting Room" von den Tindersticks anberaumt, nach "Hey Lucinda" und "We Are Dreamers!" geht davon nun die dritte Vorauskopplung "Were We Once Lovers?" in die Runde. Das dazugehörige Video beschränkt sich auf eine mitgefilmte Autofahrt, einzig der Kontrast von Geschwindigkeit (bzw. Fast Play) und Musik (eher Slow Motion) kann hier entzücken - und erinnert dabei frappierend an einen Clip von Mumford And Sons ("Believe") aus dem vergangenen Jahr...



Donnerstag, 7. Januar 2016

Yeasayer: Puppenstube

Skurriles Cover, skurriles Video - das könnte wieder spannend werden: Yeasayer haben für ihr neues Album "Amen And Goodbye" Artwork und eine erste Auskopplung samt Clip springen lassen - "I Am Chemistry" ist einer von dreizehn Songs des mittlerweile vierten Longplayers der New Yorker Kapelle, am 1. April soll die Platte via Mute Records im Regal stehen.

David Bowie: Der gute Geist

David Bowie
„Blackstar“

(Smi Col/Sony)

Ein Künstler, also auch Musiker, hat ja im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder er macht, was er will oder das, was alle wollen. Im günstigsten Falle ist die Schnittmenge aus beidem so groß, dass er davon seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. David Bowie kann von sich, jetzt, da er gerade neunundsechzig Jahre alt geworden ist und ganze fünfundzwanzig Studioalben veröffenlicht hat, behaupten, dass ihm das Zeit seines Lebens bestens geglückt ist. Was sicher auch daran lag, dass der Mann immer einen Schritt schneller im Kopf war als sein Publikum, er also schon vorher ahnte, was auszuprobieren sich lohnte – in gleichem Maße hatte er Mut und Selbstverständnis genug, sich auch mal mächtig zu vergaloppieren, nur um hernach diese Rückschläge und Misserfolge einigermaßen locker wegzustecken. Dass ihn dieses feine Gespür gleich vom Start weg die fünfzig Jahre seiner Karriere begleitete, zeichnet wohl ein so seltenes Genie aus, dass man davon auch auf der aktuellen Platte „Blackstar“ noch so viel zu hören bekommt, ist schlichtweg verblüffend.

Erstaunlich ist, dass es Bowie wie selten zuvor gelingt, versponnene Avantgarde mühelos neben klassischen Spacerock zu platzieren, er die Bewahrer also genau so zufriedenzustellen vermag wie diejenigen, die von ihm stets eine neue Identität, ein neues Kostüm, eine irgendwie schrille Note erwarten. Und auch wenn Jazz das nächste große Ding ist – einen mystisch verbrämten Siebenminüter wie den Titelsong hätte man wohl jedem anderem sogleich um die Ohren gehauen, Bowie verpackt sein rätselhaftes Raunen gleich mal in zwei Teile (irrlichternde, dunkle Töne hier, zaghafte Drums und soulige Chöre dort) und hat gleich wieder alle auf seiner Seite. Auch das dem Dramatiker John Ford entlehnte „‘Tis A Pity She Was A Whore“ spart weder mit textlichen noch mit klanglichen Extravaganzen, „Sue (Or In A Season Of Crime)“ kann sogar mit ein paar fiebrigen Breakbeats aufwarten.

Dagegen bleibt „Lazarus“, eines der stärksten Stücke des Albums, eher von konventioneller, deshalb aber kaum weniger reizvoller Bauart, nicht das einzige Mal durchzieht ein Hauch von „Space Oddity“ die dazugehörigen Textzeilen: „Look up here, I'm in heaven, I've got scars that can't be seen, I've got drama, can't be stolen, everybody knows me now…” – eine Art von Selbstreferetialität, die ihm die Traditionalisten sicher hoch anrechnen werden. Wehmut wie diese begleitet die Platte über die komplette Spiellänge so verlässlich wie das wunderbare Saxophonspiel des Amerikaners Donny McCaslin, beides kulminiert in den Schlussakten des lakonischen “Dollar Days” (Solo) und den Worten von “I Can’t Give Everything Away”: “Seeing more and feeling less, saying no but meaning yes, this is all I ever meant, that's the message that I sent. I can't give everything away…”

Man muss nicht zwingend noch erwähnt haben, dass Tim Elmhirst und Tony Visconti die Produktion des Albums besorgt haben, auch James Murphy hat in diesen Tagen andere Schlagzeilen sicher als die über sein kurzes Gastspiel am Schlagzeug. Schöner dafür folgendes Zitat, kürzlich in einem Nachruf zu Lemmy Kilmister im Feuilleton gefunden: “Die Generation der Stunde null tritt an zu den womöglich stets letzten großen Konzertreisen: David Gilmour ist auf seiner Old-Mans-Tour. Bryan Ferry spielte neulich … auffallend oft sitzend (der Rücken). David Bowie ist nur noch als Geist da. Bob Dylan krächzt je nach Form auf dem letzten oder vorletzten Loch. Lou Reed tot. J.J. Cale tot. Helmut Schmidt tot. Joe Cocker tot. Lemmy Kilmister jetzt auch tot. Eines Tages werden wir allein sein mit frauenfeindlichen Rappern, die irre doof sind, keinen Spaß verstehen und mit schweren Goldketten die Gebisse ihrer Feinde einschlagen.“ Auch wenn das vielleicht etwas betulich klingen mag – von guten Geistern wie diesem möchte man möglichst nie verlassen werden. www.davidbowie.com

Bonnie 'Prine' Billy: Aufgeräumt

Der Mann nimmt sich natürlich zwischen Namen wie West und Bowie wie ein Fremdkörper aus und ist doch sehr willkommen: Bonnie 'Prince' Billy, der schon einen Vollbart spazieren trug, als alle Szene-Hipster dieser Welt noch eine Ente auf der Schürze hatten, hat sich offenbar über die Feiertage mal durch seine John-Peel-Aufnahmen gekramt, um kurzentschlossen am 22. Januar eine Art BestOf bei Domino Records herauszubringen. "Pond Scum" enthält Material aus den Jahren zwischen 1994 und 2002, darauf wird sich neben dem Prince-Cover "The Cross" auch ein bislang unveröffentlichter Song namens "Beezle" finden. Das Label spendiert aus diesem Anlaß den Download einer neuen Version von "Rich Wife Full Of Happiness", das zwar nicht zum Lieferumfang der Platte gehört, wohl aber hier auf einen Download wartet.

Sia vs. Kanye West: Selbstverständlich

Mit von der Partie, aber nicht zu hören: Anders als zunächst vermutet, rappt Kanye West auf dem neuen Song "Reaper" von Sia keine einzige Zeile, er wird dort lediglich Co-Produzent geführt. Dass der Song der streitbaren Australierin, der am 29. Januar zusammen mit dem Album "This Is Acting" erscheinen wird, dennoch kein schlechter ist, versteht sich irgendwie von selbst.

David Bowie: Gegenwärtig

Die drei heiligen Könige sind gerade gegangen, da kommt also Lazarus und singt uns sein Leid: Gerade hat David Bowie das Video zu seiner aktuellen Single veröffentlicht, die biblische Gestalt, der ja zeitgleich auch ein Musical in New York gewidmet ist, singt von seinem Leben auf Erden und wir wissen wieder, dass der Mann hinter der neuen Identität weder seine Kunstfertigkeit noch den Humor verloren hat - das Album "Blackstar" erscheint an diesem Freitag.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Savages: Keine Frage

Je mehr Songs man vom neuen, zweiten Album der Savages kennenlernt, um so weniger wahrscheinlich wird es, dass "Adore Life" noch grob danebengehen kann. Und nicht nur die Stücke selbst haben es in sich, auch die visuellen Umsetzungen sind bislang mehr als gelungen. Nach der fabelhaften Moshpit von "The Answer" kommt nun "Adore" sehr reduziert und deshalb um wirkungs- und eindrucksvoller daher, "Is it human to adore life?" ist das Mantra, dass Jehnny Beth mit flackernden Augen und mahlen Wangenknochen dem Betrachter entgegenschleudert - am 22. Januar wissen wir dann mehr.

Dienstag, 5. Januar 2016

LCD Soundsystem: A brief letter

James Murphy schreibt auf seiner Website über die geplante Reunion, die Festivalauftritte und eine neue Platte von LCD Soundsystem unter der Überschrift Let's just start this things finally with some clarity Folgendes:

"i write songs all the time. sometimes they’re just weird songs i sing while changing a baby, or songs about annoying things that i sing to myself, or to friends while sitting at a bar, or about christmas, or new york. sometimes these songs live in my head for years and have verses upon verses added to them, almost infinitely. sometimes they’re just ghosts of ideas, and sometimes they’re fully-formed things which float in front of me, seeming like they’d be easy to make flesh, only to fight furiously as soon as i try to pin them down in any way. some of them I make with friends in a room with instrument things. only a tiny fraction of these ever become Songs; get recorded, feel like something that should be shared. those ones, i write the title or some lyrics of down on a page in a little book i carry around. or i sing a bit of them into a tape recorder (or now a phone, I guess). i’ve been doing this since i was a kid.

early in 2015, i realized i had more of those than i’d ever had in my life. more of them than when i went in to make any LCD record, or when i recorded tapes upon tapes of terrible things in high school. just loads of them, and i found myself a little perplexed. if i record them, what do i do with them? maybe I shouldn’t record them at all? i considered that, which was in a way the easiest option, but it also seemed like a weird and arbitrary (and sort of cowardly) cop-out. but to record them—well then, suddenly i have, what—a record?

so i asked pat and nancy to come over to my apartment for coffee and told them: “i’m going to record some music. should i make up a band name, or make a “james murphy” record, or should it be LCD?” we all thought a good amount about it. we have had lives for the past 5 years, which has been nice, and those guys have made amazing music with Museum Of Love, the Juan MacLean, and all sorts of other things. i’d managed to do a bunch of fun, dumb stuff which mostly annoyed people who were into the band because, well, subway turnstiles and a coffee aren’t LCD, basically.

at any rate, they both said “let’s make an LCD record”. you see, if they didn’t want to, which i’d half assumed, then there’s no such thing as LCD. imagine this: me making a record, calling it LCD, and then you go to the show and there’s just some guy playing drums over there, or some other person playing keyboards. horrifying. then imagine this: i make a “james murphy” record, or, i don’t know, an “everteen” record, or whatever made-up name i come up with, and there’s pat playing drums, and nancy. maybe al isn’t too busy with hot chip so he comes to play. what the fuck is that? here were our choices: 1. make music with your friends and call it something else, which seems hilarious (everteen) or egomaniacal to the point of sociopathic (james murphy solo record). 2. make music, but WILLFULLY EXCLUDE your friends because of the horrors in option 1. 3. make an LCD record with your friends, who want to make said record, and deal with whatever fall-out together. 4. don’t make music, to avoid the horrors of all of the above. 5. make music and, like, hide it somewhere.

we decided, clearly, on option 3, and i was fully prepared for a certain amount of “oh fuck that guy” over-it stuff—in fact welcomed it. it’s strangely energizing to have people who don’t make music themselves take potshots at you from the internet. and there’s always been a current of O.F.T.G. with me (i’m saying me and not us because, let’s be honest… no one hates anyone else in LCD, partially because they’re unhateable, and also because they have the wisdom to not shoot their mouths off nearly as much), and that’s just fine. i’m pretty used to it, and find it relatively funny.

but in my naiveté i hadn’t seen one thing coming:
there are people who don’t hate us at all, in fact who feel very attached to the band, and have put a lot of themselves into their care of us, who feel betrayed by us coming back and playing. who had traveled for or tried to go to the MSG show, and who found it to be an important moment for them, which now to them feels cheapened. i just hadn’t considered that. i know—ridiculous on my part. i saw some comments online a few days ago from people who felt that way, and it blindsided me, and made me incredibly sad. i saw some other people replying with stuff like “if that’s what you cared about, and you don’t want them to play anymore, maybe you liked the band for pretty weird reasons”, and it made me think. the truth is, while i get what the replier is saying, i kind of side with the original complaint: if you cared a lot about our band, and you put a lot of yourself into that moment (or anything about us you chose), and you feel betrayed now, then i completely understand that. it’s your right to define what you love about a band, and it’s your right to decry their actions and words as you see fit, because it’s you, frankly, who have done much of the work to sustain that relationship, not the band. i was so clearly expecting the cynical cries of foul, that i hadn’t seen the heartfelt complaint coming. we’ve always talked about how we’d never betray anyone who cares about us, but here we are now. given the chance again to make new music with the people i care about, and who have given a big part of their lives to doing this weird thing together, and who wanted to do it again, i took it. and in doing so, i betrayed whoever feels betrayed by that action. i by no means think that everyone who liked our band feels bad right now. a lot of people who liked our band are very happy, and we’ve been pretty blown away by the almost overwhelmingly positive response. last night i sat with al and nancy in a weird italian bar and we talked about how fucking awesome it was that so many people were happy to have us back. but that doesn’t take away from those who feel hurt. to you i have to say: i’m seriously sorry. the only thing we can do now is get back into the studio and finish this record, and make it as fucking good as we can possibly make it. it needs to be better than anything we’ve done before, in my mind, because it won’t have the help of being the first time. and we have to play better than we’ve ever played, frankly. every show has to be better than the best show we’ve played before for anyone to even say “well, that was good. i mean, not as good as they used to be. but, you know. it was good.” we know all that. which is healthy for us, because it means we go back to war, like in the beginning. for us it was always war, but now it’s really with ourselves. maybe we have a chance to make it right.

in other, more pedantic news: we’re not just playing coachella. we’re playing all over. we’re not just having some reunion tour. we’re releasing a record (sometime this year—still working on it, actually), so this isn’t a victory lap or anything, which wouldn’t be of much interest to us. this is just the bus full of substitute teachers back from their coffee break with new music and the same weird gear—or as much of it as we still have (it’s very interesting to re-buy the same gear, and in some cases buy gear BACK from people you sold it to), and rambling around trying to be louder than everyone else. thank fuck we were never skinny and young. or at least i wasn’t. that always happens with bands… they aren’t fat when they come back, typically, just, i don’t know, thicker. i was lucky to start this band kind of fat and old, so there’s no, like “look how YOUNG they were!” shit to even find on the internet. i mean, we were younger and everything, but we weren’t young, if you know what i mean.

one last note: thank you to everyone who has been absurdly kind to us over the past 14 (!) years. if you have moved on and don’t like us anymore, that’s obviously ok, too. but please, if we ever gave you any joy, just find something new and good that blows you away, and post it on our facebook page or something with, like, “hey fuck you guys! this is the REAL shit!” so we can hear new good stuff. that would be the best for all of us."

Memoryhouse: Weiter träumen

Das letzte Album der kanadischen Traumpopper Memoryhouse liegt in der Tat schon eine Weile zurück, "The Slideshow Effect" ist als Debüt vor fast genau vier Jahren erschienen - nun soll laut Gorilla vs. Bear bald der neue Longplayer "Soft Hate" erscheinen. Mit der Musik von Evan Abeele und Denise Nouvion konnte man schon damals jeden Wellness-Gutschein aufwerten, daran hat sich, hört man sich die erste Single "Arizona" an, auch nichts geändert, auf der Website der Band kann man im Übrigen auch noch der B-Seite "Dream Shake" lauschen.

Spines: From Georgia with love

Weiter in der Reihe Rock für's neue Jahr - heute mit einer Band, die ihren letzten Song schon Ende der vergangenen Saison vernetzt hat: Die Spines sind eine Indie-/Noiserockformation aus dem nordamerikanischen Atlanta/Georgia - Morgan Mornet, Lee Kennedy, Ryan Eastwood und Caleb Probst haben mit "Hush" und "Clamor" bislang zwei EP (siehe Bandcamp) veröffentlicht, nun kommen mit "Hands High" und "Pentacostal Preacher Killer" also zwei neue Stücke hinzu.

Sonntag, 3. Januar 2016

Hinds: Laß krachen, Rehauge!

Hinds
„Leave Me Alone“

(Lucky Number)

Eine gute Gelegenheit, das neue Jahr mit einem Hoch auf jugendliche Unstetigkeit und Unentschlossenheit zu beginnen, bietet die neue Platte dieser spanischen All-Girl-Kapelle. Ursprünglich unter dem Namen Deers und als Duo gestartet, wurden daraus Mitte 2014 – gleiche Spezies, nun aber betont weiblicher – die Hinds. Carlotta Cosials, Ana Garcia Perrote, Ade Martin und Amber Grimbergen haben aber mit Rehaugen-Assoziationen absolut nichts am Hut (auch wenn sie auf dem Cover gern damit kokettieren), eher orientieren sie sich mit ihrer Mischung aus Surfsound, Girlpop und Vamprock an den späten Sechzigern. Debüt steht drauf, und doch sind einige Stücke wie die großartigen „Bamboo“ und „Castigadas en El Granero“ schon weit mehr als ein Jahr alt und schon auf diversen EP erschienen. Der Rest ist nach und nach dazugekommen und so ist „Leave Me Alone“ ein hübsches Sammelsurium aus blechklirrendem Geschrammel und eingängig verträumten Melodien geworden, treffen nölig bissige und leicht verfremdete Stimmen auf perlende Akustikgitarren. Die Damen aus Madrid wollen sich nicht entscheiden und müssen es auch nicht, schließlich bietet das Leben in diesem Alter einfach zu viele Möglichkeiten, als dass man sich jetzt schon stilistisch festlegen sollte. Die Liste der Einflussfaktoren reicht denn auch, wie zu lesen ist, von den Black Lips, Ty Segall und Mac DeMarco über die eigenen Mütter bis hin zum Vorzeige-Nerd Harry Potter, dass sie es mit dieser angenehm unbekümmerten Drauflos-Mixtur schon zum Support der einigermaßen legendären Libertines geschafft haben, entlockt den Vieren dabei noch immer eine sympathisch aufgeregte Ungläubigkeit. Soviel ist sicher: Die wird man sich merken müssen.

15.01.  Berlin, Lido
16.01.  Hamburg, Molotow
17.01.  Frankfurt, Zoom
19.01.  Zürich, Bogen F
25.01.  Wien, B72
26.01.  München, Milla
27.01.  Lausanne, Le Romandie

Samstag, 2. Januar 2016

Bad Wave: Von wegen schlechtes Karma

Dass 2016 auch das Zeug zum Popjahr haben dürfte, beweisen gleich zu Beginn zwei Milchgesichter aus Los Angeles: Tucker Tots und Patrick Hart, zusammen als Bad Wave unterwegs, hatten 2015 schon den Track "Look Out" im Programm, nun kommt Single Nummer zwei "Runaway" samt Video via 10K Islands hinterher. Der Name der Band stammt laut Hart von der spanischen Redewendung 'mala onda', übersetzt in etwa mit 'schlechtem Karma' - wir finden, da haben die beiden etwas übertrieben, so schlecht klingt das nämlich gar nicht. Nur beim Coverentwurf wäre Bad Taste kein schlechter Fingerzeig gewesen...

Kanye West: Yeezy or not?

Um eine clevere Idee ist der Mann, der gern Gott wäre, bis dahin aber wohl erst mal den Umweg über die Präsidentschaftskandidatur nimmt, ja nie verlegen: Wie auch zu Beginn des letzten Jahres schickt Kanye West zum Start 2016 mit "Facts" einen neuen Song in die Runde - wie yeezy die begonnene Legislaturperiode wird, hängt aber entscheidend davon ab, ob und wann das dazugehörige Album "Swish" den bislang geleakten Stücken folgt.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Angela Burns: Beachtlich

Was auch immer einem dazu einfällt, hängt natürlich in erster Linie vom Alter der Hörerin/des Hörers ab. Wo für die einen Amanda Palmer und Juliette Lewis auf der Tafel erscheinen, erinnern sich andere (noch etwas weiter zurück) an Deborah Anne Dyer aka. Skin oder Sinead O'Connor: Angela Burns, 21, jetzt in Los Angeles, geboren in Austin/Texas, sollte jedenfalls keine Schwierigkeiten haben, mit ihrer Art von dunklem, souligen Alternativ-Rock in kurzer Zeit für Furore zu sorgen. Ihr Mixtape "So That You Can Feel Better" ist gerade via Soundcloud im Netz aufgetaucht und die acht Stücke können sich durchaus hören lassen.

Dienstag, 29. Dezember 2015

The Pains Of Being Pure At Heart: Vorliebe [Update]

Ob The Pains Of Being Pure At Heart gern Bananen essen, ist noch nicht abschließend geklärt, sicher dagegen ist ihre Verehrung für den hymnischen Popsound der 90er, hier im Besonderen den der Kapelle James aus Manchester. Die Jungs um Sänger Tim Booth haben 1993 ihr Album "Laid" veröffentlicht und auf dessen Cover genußvoll gelbes, gebogenes Baumobst verspeist - den Titelsong nun haben TPOBPAH zusammen mit Jen Goma (A Sunny Day In Glasgow) für ihre 3-Track-EP "Hell" gecovert - neben "The Ballad Of The Band" von Felt und einem weiteren, eigenen Stück, Releasedate ist der 13. November.

Update: Und heute ergänzen wir an dieser Stelle noch den Titelsong "Hell".