Dienstag, 9. April 2013

Blick zurück nach vorn im Zorn

Love A
„Irgendwie“

(Rookie/Cargo Records)

Seien wir ehrlich: Nicht die Blockbuster sind es, die uns zu überraschen vermögen – nur zu oft werden die Alben der Schwergewichte nach Erwartungsvorgaben und Pflichtenheften abgearbeitet, durchgewinkt, wegsortiert. Gutes Album – brav gemacht, schlechtes Album – ab dafür, der nächste bitte! Wer will schon den alljährlichen Aufguss des Abgesangs auf all jene hören, die, verheißungsvoll gestartet, nunmehr im Mainstream dahindümpeln auf nimmer Wiederhören? Es sind die, mit Verlaub, kleinen Bands mit den kleinen Platten, die aufhorchen lassen, die man eben nicht auf dem Schirm hatte, für die man sich auf die Schnelle keine Meinung schablonieren konnte und die nun, da sie sich die nötige Aufmerksamkeit krallen, als zartes Pflänzchen für das Gute, das Unverbrauchte gelten dürfen resp. herhalten müssen.

Love A aus Trier also stehen, selbst gemessen am überschaubaren Erfolg ihrer früheren Labelmates Turbostaat, noch immer am Beginn ihrer Karriere. 2010 gegründet, dem deutschen (Post-)Punk verpflichtet und doch schon, wie bei Bandcamp vermerkt, längst ein Stück weiter. Vor zwei Jahren mit dem Debüt „Eigentlich“ überrascht, nun mit „Irgendwie“ der Zögerlichkeit einen neuen, weiteren Namen hinzugefügt. Und das ist es, was sich wie ein roter Faden, der vom Cover dröselt, durch das Werk der Jungs um Sänger Jörkk Mechenbier zieht: das Unentschieden, der Zweifel, ein Hin- und Hergerissensein zwischen dem, was früher heilige Pflicht war und heute wenigstens reflektiert gehört. Fast jeder der neuen Songs trauert ein Stück weit der Sorglosigkeit, dem Leichtsinn früherer Tage hinterher (dem „Mut sich nicht zu fragen, was das bringt“), mal ist es Sehnsucht, mal trotziger Vorwurf.

Sie können und sie wollen nicht wie früher, nicht bei „Valentinstag“ („Du bist Kirmes, du bist Möbelhaus, und ich, ich bin genervt“), nicht bei „Nutzlos glücklich“ („Bleiben wir einfach weiter nutzlos, weil das ja so schön einfach ist, vielzuviel Blabla von den Helden ohne Charisma“) und, jetzt ganz plakativ, erst recht nicht in „Heul doch, Punk!“ („Sieh doch zu, dass du dir selber glaubst“). Natürlich ist das hier und jetzt auch keinen Deut besser, umgeben von „makellosen Menschen“, denen ein „bisschen Glitzern, n’bisschen wie Italien“ („Juri“) schon für’s magere Ego reicht, von umweltbewegten Einfaltspinseln („Der tausendste Affe“) und von bekehrten Wohlstandsgläubigen, die heute dem „Schwachsinn 2.0“ huldigen und früher mal die besten Freunde waren („Windmühlen“).

Die Wut, man kann sie hören, wenn Mechenbier seine Verse schreit: „So findet jeder Horst am Ende seine Tanja, so findet jede Niete am Ende aus dem Lostopf raus…“  – sie haben ganz gewiß keine Lust, als Spießer zu enden, vorgezeichnete Wege sind ihnen höchst suspekt. Anlaß zur Sorge besteht allerdings kaum, denn so wie sie textlich den Schritt nach vorn, auch ins Ungewisse wagen, so ist der Sound auf dem Album wieder ein Stück kompakter und facettenreicher geworden, was auch daran liegen kann, dass Robert Whiteley den finalen Cut besorgt hat, der auch schon den Wobats ihr „This Modern Glitch“ zimmerte. Vielleicht geht der Platte etwas die Unbeschwertheit der ersten Tage ab, kein „Freibad“ dabei, keine Zeilen also wie „Fahrradschloss aufgesperrt, Susi Neumann abgecheckt, Bademeister – Mittelfinger, Hose runter Freibad.“ Geschenkt, das hier bleibt eine gelungene Überraschung. In diesem Sinne (s.o.): Klein bleiben, bitte!

12.04.  Landau, Fatal
13.04.  Oberhausen, Druckluft
19.04.  Trier, Exhaus (Release-Party)
24.04.  Gießen, MUK
01.05.  Freiburg, Slowclub
02.05.  Frankfurt, Nachtleben
07.05.  Köln, Sonic Ballroom
... mehr unter http://love-a.de/

Montag, 8. April 2013

Neuer Anlauf

Zugegeben, mit den Platten der Londoner Indierocker The Boxer Rebellion wurde an gleicher Stelle nicht gerade sanft umgegangen, weder "Union" noch "Cold Still" fanden hier große Gnade. Und auch wenn der Titel des neuen Albums - "Promises", in echt! - nichts Gutes ahnen lässt, dem Sog der ersten Single "Diamonds" (und dem amüsanten Umfaller-Video) kann man sich kaum entziehen, Zuckerpop mit Schmackes. Mitte Mai ist die Zeit reif für einen neuen, (fast) unvoreingenommenen Anlauf, versprochen.

Good News From Brighton

Musizierende Schwestern haben wir jetzt zur Genüge gehabt - nun sind mal wieder die Brüder an der Reihe: Ganze sechs Jahre ist das letzte Album von The Electric Soft Parade "No Need To Be Downhearted" alt, Zeit, dass Alex und Thomas White mal wieder von sich hören lassen. Mitte Juni soll ihr neues Album "Idiots" erscheinen, daraus gibt es nun - hahaha! - die hoffentlich nicht allzu wörtlich gemeinte Single "Brother, You Must Walk Your Path Alone".

Sonnenanbeter

Jetzt hat sich's mit der Geheimniskrämerei: Die Queens Of The Stone Age haben einen ersten Song vom neuen Album "...Like Clockwork" ins Netz gestellt - "My God Is The Sun". Wurde ja auch Zeit - hier bei Laut.de.

Und sonst:
22.06.  Berlin, Zitadelle Spandau
02.07.  Wien, Stadthalle

Gimme that beat!

Sie kommt ja nun bald auch nach Deutschland, als Appetizer hier noch mal der gelungene Auftritt bei "Late Night With Jimmy Fallon" - Cat Power mit "Manhattan", am Schlagwerk der unvergleichliche Questlove.

Draußen, drinnen

Die zweite Runde: Depeche Mode haben die Termine für ihre fast schon traditionelle Hallentour im Anschluss an die Stadionrundreise bekanntbegeben, das Ganze sieht wie folgt aus:

23.11.2013  Hannover, TUI-Arena
25.11.2013  Berlin, O2 World
27.11.2013  Berlin, O2 World
01.12.2013  Erfurt, Messehalle
03.12.2013  Bremen, ÖVB-Arena (Stadthalle)
05.12.2013  Oberhausen, König-Pilsener-Arena
04.02.2014  Mannheim, SAP Arena
08.02.2014  Wien, Stadthalle
12.02.2014  Dresden, Messehalle

Dämonen

Die Meldung für das Album ist raus, die spärlichen Livetermine auch, dann wird es Zeit für die erste ordentliche Single des neuen Albums "Trouble Will Find Me" von The National. Die wird aller Voraussicht nach "Demons" heißen und klingt, nun, wie die Amerikaner eben so klingen.

Samstag, 6. April 2013

Zur richtigen Zeit

Bleached
„Ride Your Heart“

(Dead Oceans)

Sieht ganz so aus, als könnten Bleached hierzulande etwas Anschubpromotion gebrauchen, bei Konzerten machten sie bisher einen großen Bogen um Deutschland, nullkommanull iLikes bei Amazon, das kann nur besser werden. Dabei sind die Schwestern Jennifer und Jessie Clavin in ihrer Heimatstadt Los Angeles keine ganz so unbeschriebenen Blätter mehr – seit 2003 spielten sie gemeinsam bei der Garagerock-Band Mika Miko, die sich 2009 auflöste, auch in der neuen Geschwisterpaarung waren sie schon im Vorprogramm von The Gossip, No Age, Ty Segall und den Black Lips zu sehen. Nun, da sie mit „Ride Your Heart“ ihr erstes Album veröffentlicht haben, sollte sich auch hier einiges zum besseren wenden, ihre Musik hätte es wahrlich verdient.

Bleached spielen taufrischen Surfpunk, ein bisschen Ramones, ein wenig Blondie, shoegazing natürlich auch – genau das Richtige für Feierabendenthusiasten und Festivalbesucher. Die Stücke heißen „Looking For A Fight“, „Dreaming Without You”, “Waiting By The Telephone” und “When I Was Yours” – es geht, genau, um das alltägliche Kleinklein der großen Gefühle. Und es bleibt durchaus auch manches hängen – die wunderbar wippenden Drums am Ende von „Guy Like You“, die schillernden Hooks des Titelsongs und der satte Basslauf von „Dead In Youe Head“. Wäre doch gelacht, wenn sich da nicht ein passendes Publikum für fände. http://hellobleached.tumblr.com/

Nun also doch in good old Germany:
26.05.  Hamburg, Molotow
02.06.  Berlin, Festsaal Kreuzberg

Komplettstream des Albums bei The Fader.

Berlin? Morgen!

Ist sie das, die neue Hymne für die hippe Stadt (wie die Süddeutsche schreibt)? Berlin 3.0? Bonaparte sind Berlin, soweit ist das klar und nun haben sie für ihr wirklich hübsches Liedchen "Mañana Forever" ein einigermaßen skurriles Puppenspiel inszeniert.

15.04.  Münster, Scaters Palace
16.04.  Reutlingen, Franz K
17.04.  Innsbruck, Treibhaus

Freitag, 5. April 2013

Loslassen

The Knife
„Shaking The Habitual“

(Universal)

The Knife hatten sich einiges vorgenommen: Ganze sieben Jahre haben sich Karin Dreijer Andersson und Olof Dreijer mit dem Nachfolger für das letzte Album “Silent Shout” Zeit gelassen, es wurden Unmengen von Büchern gelesen, Ansichten geschärft und Standpunkte ausgetauscht, nebenbei gab’s noch ein paar Nebengeräusche – lohnenswerte von Fever Ray und spleenige mit der Darwinschen Evolutionsvertonung (“Tomorrow, In A Year”). Nun also der langerwartete große Wurf – mit knapp einhundert Minuten ein wahres Mammutwerk, vergleichbar vielleicht nur mit dem ähnlich kolossalen “The Seer” der Swans aus dem letzten Jahr. Und weil The Knife seit jeher eine Band sind, die neben dem Bauch auch das Hirn beschäftigen will, ist das aktuelle Album eine programmatische, höchst politische Platte geworden – das ‘Abschütteln von Gewohnheiten’ ist hier wörtlich zu nehmen: Gender, gesellschaftliches Rollenverständnis, Rassismus, Sexualität, Feminismus vs. Patriarchat – all das und mehr soll aufgebrochen, angerissen, infrage gestellt werden. The Knife wollen irritieren, fordern heraus, deshalb ist “Shaking The Habitual” ganz sicher kein Album geworden, das sich einfach mal so nebenbei weghören lässt.

Weil es so unüberhörbar anders geworden ist als seine Vorgänger, hatte das schwedische Geschwisterpaar sogar kurzzeitig darüber nachgedacht, den Namen des Projektes zu ändern, am Ende wurde diese Idee wieder verworfen. Das Doppelalbum hat dann tatsächlich mit früheren, eher danceorientierten Werken, wenig gemein, eine Vielzahl der Stücke wurden auf sieben und mehr, das Ambient-Instrumental “Old Dreams Waiting To Be Realized” gar auf knappe zwanzig Minuten gestreckt. Nicht jedermanns Sache, schon klar, auch Stücke wie das knarzend bizarre “A Cherry On The Top” und das mit Stimmsequenzen geloopte “Fracking Fluid Injection“ zerren an den Nerven und gehen an die Grenze dessen, was man als formatierter Alltagskonsument auszuhalten bereit ist.

Dennoch ist es keine reine Experimentalplatte geworden – The Knife können Avantgarde ebenso buchstabieren wie Techno und Tanz, schon die beiden ersten Tracks “A Tooth For An Eye” und “Full Of Fire” pumpen satten Beat durch die Membranen, so verklausuliert die Texte, so verstörend die Bilder dazu. Hier die amüsante Männertanzgruppe, dort die Pornoästhetik: “Of all the guys and the signori, who will write my story, get the picture, they get glory, who looks after my story? … Liberals giving me a nerve pinch … let’s talk about gender, baby, let’s talk about you and me” – Ballonseide, Bondage, Vogelköpfe, Provokation rules, Baby! Wer wie The Knife seine Profession als Privileg betrachtet, das es zu nutzen gilt, für den ist Verunsicherung dieser Art Programm: “When we see people listen to what we have to say, it makes us think about how we can use this attention in the best political way and how we can change our own working process by thinking norm-critically when making choices about who we employ, how we work, what salaries we pay”, so Karin Dreijer Andersson zu pitchfork.

Es ist ein vielschichtiges Gespinst, dieses Album – “Wrap Your Arms Around Me” kommt schwer beladen, fast majästetisch daher, “Networking” vibriert zu schnellen Drums und “Without You My Life Would Be Boring” kombiniert flirrende Beats zu taumelnden Flötentönen – “Shaking the habitual, it really tooks time”, wie wahr. Die Strukturen, Texturen, Klanggebilde lassen sich nicht im Handumdrehen erfassen, das kostet Zeit und Mühe. “Raging Lung” mit seinem soften Wummern, seiner Zweideutigkeit (Indifference/Difference), “Stay Out Here” kommt in Wellen, pulsiert ganz wunderbar und versöhnt nebenbei mit dem Verlust (“Lose your way, your way, put one foot in front of the other, most things we love are open in this, they are here, we’re more friendly…”) – es gibt vieles, was anstrengt, aber eben auch ebenso viel, was man sich behutsam aneignen kann. Wer das mitzugehen bereit ist, versteht auch das Anliegen der beiden: “It's good to ask questions instead of serving answers.“ Das ist gelungen, der Rest liegt bei uns. http://theknife.net/

Die Tour, obwohl größtenteils schon ausverkauft:
26.04.  Bremen, Pier 2
27.04.  Hamburg, Docks
30.04.  Zürich, Komplex 457
01.05.  München, Muffathalle
02.05.  Köln, E-Werk
11.05.  Berlin, Columbiahalle

Donnerstag, 4. April 2013

Kein Fussbreit

Das kann er wie kein zweiter - offenbar macht es aber auch kein anderer: Billy Bragg hat ein Cover des Songs "All You Fascists" von Woody Guthrie aufgenommen und mit einer unmißverständlichen Adresse an Paolo Di Canio, seit kurzem Trainer des englischen Fußballklubs FC Sunderland, versehen:

"Paolo Di Canio says he's not a racist, he's a fascist as if that somehow makes it respectable. Well I've got a message for you, Mr Di Canio, all you fascists are bound to lose."

Stadtansichten [Update]

Da ist wohl jemand schwer verliebt: Cat Power meldet sich mit einem Video zur Single "Manhattan" zurück und es lässt sich unschwer erkennen, dass Chan Marshall sich eben dort sehr wohl fühlt. Darf natürlich auch der Hinweis auf den Remix des Songs von Ryan Hemsworth (feat. Angel Haze), obgleich schon etwas älter, nicht fehlen. Und der Vermerk, dass sich die Website von Cat Power in den letzten Tagen in punkto Konzertterminen wieder etwas lebendiger zeigt - Stichwort: Nachholtermine für Europa. Still waiting...

Update: Das Warten hat ein Ende - da sind sie, die Termine:
22.06.  Duisburg, Traumzeit Festival
23.06.  Berlin, Tempodrom
27.06.  Zürich, Volkshaus
28.06.  München, Theaterfabrik
03.07.  Hamburg, Große Freiheit

Mittwoch, 3. April 2013

Linientreu

Wieder einmal eine Platte, die auf keinen Fall so schnell in Vergessenheit geraten sollte: Im vergangenen Jahr haben die Liars mit "WIXIW" eines der besten Alben 2012 abgeliefert, jetzt schieben sie für den Song "The Exact Color Of Doubt" ein hübsches Video nach. Der Clip stammt von Markus Wambsganss, der neben dem New Yorker Trio auch schon The Notwist betreute.

Dienstag, 2. April 2013

Alte Stärke

British Sea Power
„Machineries Of Joy“

(Rough Trade)

Das sind sie dann also, die seltenen, lichten Momente, in denen wir “Gelegenheitsindierocktrottel” (Jens-Christian Rabe in der heutigen SZ) unsere “Spießer-Däumchen” (ebenda) heben dürfen. Wer hatte denn daran geglaubt, dass British Sea Power nach dem eher mittelmäßigen “Valhalla Dancehall” noch an die Speerspitze des ohnehin längst totgesagten Genres würden zurückkehren können? Die, welche sich jetzt melden, sind entweder unverbesserliche Optimisten oder gehören zum harten Kern der Anhängerschaft der Briten. Die Stücke des vorliegenden Albums sind jenen nämlich nicht fremd, schließlich waren sie auf der EP-Serie “BSP 1-6” schon im vergangenen Jahr käuflich on tour zu erwerben, man wusste also, was an Qualität in ihnen steckte. Eingedampft auf eine überschaubare Anzahl von zehn Tracks darf sich nun auch der Uneingeweihte davon überzeugen. Und tatsächlich finden die Brüder Wilkinson auf “Machineries Of Joy” wieder zu alter Balance und Stärke zurück.

Öfter als zuvor tauschen sie den Gesangspart untereinander, die Songs wechseln zwischen kräftigem Rock, dunklem Wave und zarten, zurückgenommenen Klängen. Hier das soft melancholische “Hail Holy Queen”, mit ein paar Streichern verfeinert, dagegen springt einen “K Hole” unvermittelt an und übertreibt es fast ein wenig mit dem Geschrei und Gekreisch. Das Titelstück selbst mit seinen sechs Minuten darf sich schon mal ‚Höhepunkt‘ nennen, über verspieltem Elektrobeat tummeln sich traumhafte Melodien zu leidenschaftlicher Stimme. Von solchen geschmeidigen Hymnen hat „Machineries Of Joy“ einige zu bieten, auch „Loving Animals“ mit seiner Zweiteilung in knackigen Gitarrensound und entrückten, leicht chaotischen Anhang und das besinnliche Dreigespann aus „Radio Goddard“, „Spring Has Sprung“ und „What You Need The Most“  hat einen schnell auf seiner Seite. Was auf den Vorgängern, besagtem „Valhalla“ also und auch „Do You Like Rock Music?“ manchmal etwas bemüht wirkte, hier gelingt es ihnen mit scheinbar müheloser Leichtigkeit: große Gesten und zauberhafte Harmonien, die eine oder andere Irritation eingestreut – das Album hat von allem die richtige Dosis. Hat hier jemand „Großes Kino“ gesagt? Na na na … http://www.britishseapower.co.uk/

19.06.  Zürich, Komplex Klub
20.06.  Wien, Full Hit Of Summer Festival
22.06.  Hurricane Festival
23.06.  Southside Festival
24.06.  Köln, Luxor
26.06.  Wiesbaden, Schlachthof
27.07.  Berlin, Kleiner Postbahnhof

Stecker rein!

Aus der angeblichen Reunion unserer Post-Hardcore-Helden At The Drive-In ist ja nun so viel Erbauliches nicht herausgekommen, keine Konzerttour, keine neue Platte, pah! Wenigstens ihre alten und noch immer grandiosen Alben "Acrobatic Tenement" und "Relationship Of Command" erfahren eine Wiederveröffentlichung - für letztere haben die Jungs einen Remix des Songs "One Armed Scissor" aus dem Labor des schwedischen Klangtüftlers Axel Willner aka. The Field online gestellt, satte neun Minuten Boomboomtschak, bitteschön - für Neugierige hier auch das Original.

Sonntag, 31. März 2013

Keiner wie alle

Edwyn Collins
“Understated”

(AED/Rough Trade)

Die Versuchung ist groß, eine neue Platte von Edwyn Collins derart mit sentimentalen Attributen zuzukleistern, dass es ganz schnell ganz peinlich werden kann – wir müssten von Demut reden, vom Innehalten, Verweilen, von Achtsamkeit, ja eigentlich von nichts weniger als dem Sinn des Lebens. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass dieses Leben dem ehemaligen Orange-Juice-Frontmann im Jahr 2005 mit zwei Schlaganfällen eine einschneidende Zäsur beschert hat, und dass sich Edwyn Collins danach entschlossen hat, auf alle noch so gutgemeinten Warnungen zu pfeifen und weiterhin das macht, was er wie kaum ein anderer kann: Songs schreiben. „Understated“ ist das dritte Album, welches der Schotte trotz seiner Handicaps verfertigt hat und es ist, ähnlich wie die Vorgänger „Home Again“ und „Loosing Sleep“, ein ganz und gar großartiges und erstaunlich kraftvolles geworden.

Diesmal ohne die pralle Gästeliste der letzten Platte, beeindruckt an „Understated“ einmal mehr die Vielfalt der Stile, die Collins in seinen Songs beackert und die Perfektion, mit der er jedes Stück auf seine Art zu einem runden Abschluss bringt. Schon bei „Dilemma“, dem ganz persönlichen Erweckungslied („Dilemma, that’s me, all over … hopelessly lost, I’m on the main road“), harmonieren Gitarren und swingende Bläser vorzüglich miteinander, „Baby Jean“ wiederum überzeugt mit sattem, erdigem Blues und für „Carry On, Carry On“ gibt’s allerfeinsten Northern Soul aus den 60’s. Country, Folk, gepflegte Streicher oder kratzige E-Gitarre - solche gefühligen Lebensbetrachtungen, wie sie Collins hier präsentiert, mögen bei anderen hölzern oder abgeschmackt erscheinen, ihm dagegen nimmt man sie ohne weiteres ab: Den vertonten Mittelfinger in „31 Years“ („What the heck, I’m living now!“) genauso wie das aufwühlende, wunderbare „Forsooth“ („… I‘m so lucky to be alive, that’s why I‘m living my own truth, and I feel alive, and I feel reborn“) mitsamt Gospelchor – was dem einen zum Kitsch wird, ist für ihn unverstellte Wahrheit.

Wer Edwyn Collins in einer der zahlreichen Radioshows hört, die er für die Promotion seines aktuellen Albums besucht hat, wer also mitbekommt, wie schwer ihm der lockere Smalltalk fällt, wie er nach Worten suchen, wie er deren Intonation dann erzwingen muss, der kann ermessen, wieviel Disziplin und Mühe in einem Album wie diesem steckt. „Love’s Been Good To Me“ singt er zum Schluß und er klingt hier unfreiwillig wie der alte Johnny Cash, der am Ende schon durch Krankheit und körperlichen Verfall gezeichnet war. Es sind große Momente, die Collins dem Hörer schenkt und vielleicht ist es ja wirklich so, dass ihm die Musik nicht nur Anstrengung bereitet, sondern dass sie ihm dringendes Bedürfnis ist, dass er also eine tiefe Befriedigung, seinen Lebenssinn in diesen Liedern finden kann. Und wem das allzusehr nach kritikloser Lobhudelei klingt - nicht weiter schlimm. Dem Mann? Immer! Punkt. http://www.edwyncollins.com/

Samstag, 30. März 2013

Hautsache

Nach "Heaven" also nun "Soothe My Soul": Depeche Mode haben ihre zweite Single draußen und ein passendes Video gibt es auch schon dazu. Warren Fu, der auch schon für Daft Punk und die Killers drehte, hat den Stomper in klassische Schwarz/Weiß-Ästhetik übersetzt, zu sehen gibt's den Clip bei Tape.TV.

Donnerstag, 28. März 2013

Ganz die alte Schule

Ohhh, hat da draußen noch jemand den fabelhaften Swing von "Bon Voyage" im Hirn? Jaja, schon recht, das waren mal Deichkind, so klangen die mal. Oldschool, Alter. So (oder besser) nun also die neue Single von Neonschwarz aus dem Hause Audiolith, filed under Zeckenrap - "In Deiner Stadt" b/w "Gestern von Morgen", Ende der Woche ganz legal zu erwerben, auf dem Labelkanal bei Youtube heute schon zum Mitwippen - hier.

Rückbesinnung

Kein Film, mit dem man jemanden in's beschwingte Osterwochenende entlassen sollte, trotzdem sehenswert: Die Yeah Yeah Yeahs haben zu ihrer ersten Single "Sacrilege" aus dem "Mosquito"-Album eine bedrückende Kurzgeschichte verfaßt und von Megaforce bebildern lassen - in der Hauptrolle das britische Model Lily Cole, die auch schon für "Das Kabinett des Dr. Parnassus" und "Snow White And The Huntsman" vor der Kamera stand. Aber schön aufpassen - ganz im Stile von Christopher Nolans "Memento" geht's hier immer rückwärts: Tape.TV.

Rückbildungsmusik

Es ist leiser um sie geworden, seit der Zwerg in ihrer Seite nicht mehr auf Thron im Èlysée sitzt: CBS, also Carla Bruni Sarkozy, findet so langsam wieder zu ihren Wurzeln zurück (die ja, denkt man an "Quelqu’un m’a dit", nun wirklich keine schlechten waren), sie singt also wieder und Mitte April soll dann ihre vierte Platte "Little French Songs" bei Verve erscheinen. Daraus hat SPIN mit "J'arrive á toi" eine erste Kostprobe zu bieten - hier.