Donnerstag, 8. März 2012

Schwindelerregend



Spoek Mathambo „Father Creeper“
(Sup Pop)
Mit Sicherheit wäre Spoek Mathambo an dieser Stelle nicht aufgetaucht, hätte er 2010 auf seinem Album “Mshini Wam” (dt. Maschinengewehr) nicht eine herrlich abgedrehte Voodoo-Version von Joy Divisions Klassiker “She’s Lost Control” (hier schlicht “Control”) platziert. Seither abgelegt im Randbereich des persönlichen Radars, wird er einem nun durch sein neues Album wieder präsenter. Nicht dass es keine Experten für diese wilde Mischung aus Soul, Funk, Afrobeat und klassischem Rock gäbe, die erschöpfender Auskunft geben könnten über die komplette Palette musikhistorischer Zusammenhänge und politischer Einflüsse, mit welchen sich der Mann aus Soweto, Johannesburg, wohnhaft in Malmö, in die Clubs dieser Welt experimentiert hat. Hier macht Recherche jedoch noch Sinn und Spaß, man erfährt etwas über Kwaito, eine südafrikanische Spielart des House, gelangt an Tips und Empfehlungen, die so gänzlich andere Klangwelten ausleuchten als die gewohnten.

Schwer zu beschreiben, was die Musik von Spoek Mathambo so faszinierend macht, vielleicht sind es die Unerschrockenheit und Freude, mit denen er für die Stücke seines Albums scheinbar Gegensätzliches kombiniert, mehr als das, in einen schwindelerregenden “flow” bringt. Natürlich wurzelt die Überraschung nur in der eigenen, formatierten und zuweilen recht beschränkten Vorstellungswelt, die ja, auch das dämmert einem wieder, schon früher von Leuten wie Hendrix, George Clinton oder Vernon Reid in gesunde Unordnung gebracht worden ist.

Einzige Gemeinsamkeit aller zehn Stücke bleibt die Unstetigkeit, die fast gehetzt wirkende Vielfalt, die Mathambo bei „Father Creeper“ zum Manifest erhebt. Mal sind es luftige Gitarren, fette Synthies und Stakkatoraps (“Kites”), dann lehrt einen ein verteufelt schneller Beat das Hören (“Vension Fingers”), für “Put Some Red On It” schnappt er sich einen alten Song seiner Frau, der schwedischen Rapperin Ana Rab, und bastelt flugs noch ein ordinäres Drumsolo hinein. Es gibt flirrenden Spacerock (“Let Them Talk”), den die Red Hot Chili Peppers in ihren Anfangstagen auch noch hätten spielen können, und natürlich gehört zum Stil- auch der Sprachmix, exemplarisch vorgeführt bei “Skorokoro”, wo Englisch und Zulu aufeinandertreffen. Mathambo arbeitet so selbstverständlich spielerisch mit dem Kinderchor einer Blindenschule (“We Can Work”), wie er ganz am Schluß ein plattes Grunge-Riff gewinnbringend einzubauen versteht – der Mann kennt einfach keine Berührungsängste. Atemlos läßt er einen zurück – um eine Erfahrung reicher: Musik als inspirierendes, belebendes Element. www.spoekmathambo.com/

Mittwoch, 7. März 2012

Four to the floor - aber langsam



In einem Interview mit thequietus lies sich Geoff Barrow, Chefstratege von Portishead, kürzlich entlocken, die Band plane in naher Zukunft den Arbeitsbeginn am neuen, vierten Album. Nachdem die Pause zwischen denl etzten beiden Platten gute zehn Jahre betragen hat, kann man davon ausgehen, dass das Kollektiv aus Bristol nichts überstürzen wird. Von unnötiger Eile hält der Mann, der nebenbei noch für diverse Projekte wie die Quakers, Drokk und Beak> im Ring steht, ohnehin nichts: "I think if we were around every six months, people would go 'Huh, bloody Portishead again'!" Genau so.

Auch dabei



Zum diesjährigen Record Store Day (RSD) gibt es unter anderem eine Remix-Pressung von Arcade Fire mit zwei überarbeiteten Versionen - "Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)" und "Ready To Start", alles natürlich in feinstem Vinyl. Die Liste der teilnehmenden Dealer gibt es hier - für München steht neben Little Teddy Records und dem Optimal im Übrigen auch noch das Resonanz auf der Rolle, ein Laden, der leider seine Pforten schon im letzten Jahr schliessen musste.

You've got mail



VCMG „Ssss“ (Mute Records)
Fast noch interessanter als die Platte selbst sind hier eher die Nebengeräusche. Da veröffentlichen zwei der bekanntesten Köpfe des Synthiepops der 80er Jahre, Vince Clarke und Martin Gore, unter dem schlichten Kürzel VCMG ein Technoalbum, das, will man den beiden glauben, ausschließlich unter Zuhilfenahme neuzeitlicher Kommunikationsmittel, also Mailverkehr und Filesharing, geboren, konzipiert und entwickelt worden ist – kein Proberaum, kein nächtelanges Abhängen und Jammen. Clarke, Gründungsmitglied von Depeche Mode und schon nach einem Jahr und einem Album wieder verabschiedet, in der Folge tätig bei Yazoo, The Assembly und seit einiger Zeit maßgeblicher Schöpfer der plüschigen Klänge von Erasure – nach eigener Auskunft in Sachen Techno ein blutiger Anfänger, schickt also seine ersten Ideen an Gore. Anderthalb Wochen später dessen Zusage, an dem Projekt mitzuarbeiten. Gore, seit dem Abgang von Clarke der kreative Genius bei Depeche Mode und wohl auch deren Lebensversicherung, wiederum seit Jahren vertraut mit Techno und all seinen Spielarten („has been in my blood for ages“), gibt dem Ganzen in kürzester Zeit die nötigen Impulse, Entwürfe wandern hin und her, Feinschliff, Labelsegen, ein komplettes Album ohne Sichtkontakt – reife Leistung.

Genaugenommen haben die beiden Herren bis zu ihrer neuerlichen Zusammenarbeit nicht viel mehr als die zehn Stücke des Debütalbums „Speak & Spell“ gemeinsam zu verantworten, ein einziger Instrumentaltitel ist mit „Any Second Now“, der B-Seite zum Dauerbrenner „Just Can’t Get Enough“, aus dieser Zeit überliefert. Danach: Funkstille, man ging getrennte Wege, dauerhafte Jugendfreundschaft Fehlanzeige. Dass dieses Album hier nun trotzdem so klingt, als hätten sich Clarke und Gore über Jahre nicht aus den Augen verloren, spricht zum einen für die unleugbaren Wurzeln und Gemeinsamkeiten der beiden, nicht weniger aber für Professionalität und unprätentiösen Umgangsstil – es passte offenbar, auch nach drei Jahrzehnten, der Topf noch zum Deckel.

Natürlich bleibt „Ssss“ trotzdem ein Nischenprodukt, ein Technoalbum mit knapp sechzig Minuten Laufzeit am Stück zu hören, wird jedermanns Sache nicht werden. Was man bekommt: durchgängig temporeichen Beat ohne Trancegeschwurbel, punktierte Drumsets, synthetische Melodien, die von Meistern ihres Fachs komponiert wurden, vertraut und doch weit entfernt von den jeweiligen Betätigungsfeldern der beiden. Der Verzicht auf jeglichen Gesang, in dieser Sparte durchaus üblich und abgesehen von der winzigen Andeutung verfremdeter Stimmen bei „Skip This Track“ konsequent, wirkt keinesfalls störend und hat auch bei Clarke zu neuer Erkenntnis geführt: „I realised that the way you make the music emotional is not by having a torrid lyric or anything like that, the way you get emotion is by pure sound…“ Streitbar, keine Frage, auf den Sound dieses Albums aber trifft der Satz zweifellos zu.

Hier wirkt alles wie aus einem Guß, die bekannteren Stücke „Spock“, „Single Blip“ und „Bendy Bass“ sind perfekt austarierte Dancetracks, der Einstieg mit „Lowly“ könnte nicht besser gelingen und selbst das faserige „Aftermath“ fügt sich stimmig ins Konzept. Und wenn jemand aus dem einen oder anderen Song Bezüge zu den Frühwerken des Synthiepops erkennen will, so sei ihm dies unbenommen, für das Verständnis des Ganzen ist es unerheblich. Viele Worte also um eine Platte ohne Worte – es geht auch kürzer: Feinkost. http://mute.com/artists/vcmg

Dienstag, 6. März 2012

The Return Of Körpermusik



Aus Anlass der Veröffentlichung der neuen BestOf von D.A.F. "Das Beste von DAF - 20 Lieder der Deutsch Amerikanische Freundschaft" wird es unter dem Motto "Verschwende Deine Jugend" eine Reihe von Live-Konzerten geben, also Blut, Schweiß und ein paar Tränen auf folgenden Bühnen:

09.03. Frankfurt, Batschkapp
10.03. Augsburg, Kantine
24.03. Dessau, Beatclub
21.07. Köln, Staatenhaus
30.11. Düsseldorf, Zakk

Jetzt aber



Lange angekündigt, nun endlich online: Pünktlich zur Veröffentlichung ihres lang erwarteten Albums "Ssss" an diesem Freitag geben Vince Clarke und Martin Gore als VCMG den Machern von thequietus Auskunft über ihre Zusammenarbeit, Ambitionen und Pläne - hier.

Doch nicht



Klar, 1:1, am Ende war's gerecht - die Sechzger hatten ihre Halbzeit und St. Pauli die seine. Der TSV wurde ja von der heimischen Presse schon überschwänglich der Gruppe von Aufstiegsaspiranten zugerechnet, die mit der nötigen Frische und Ausdauer die Karten an der Spitze der zweiten Liga neu mischen - Fürth, Paderborn, und eben neu dabei: die Maurertruppe. Die Mannschaften der Hinrunde, Frankfurt, Düsseldorf und St. Pauli, schwächeln oder brechen ganz ein - klare Sache also. Nun, die Blauen waren dann doch nicht so tonangebend wie herbeigeschrieben und der Herzensklub lange nicht so schwach wie befürchtet - die zweiten 45 Minuten haben sie sogar klar dominiert, um so mehr schmerzt der Aussetzer von Funk kurz vor Schluß. Man mag sich damit trösten, dass ein Punkt in München gefühlte Ur- bzw. Unzeiten lang nicht zu holen war, aber drei wären halt um einiges geiler gewesen. Na, was soll's - hat trotzdem Spaß gemacht. Und "Hallo, MVV!", der Zwanzigminutentakt für die U6 ist vielleicht für ein Fussballspiel, auch wenn's die zweite Liga ist, nicht ganz so passend ...

Montag, 5. März 2012

Schlechte Zeiten



Auch für weltweit anerkannte Künstler wie Christo schlägt die müde Konjunktur offenbar auf die Auftragslage durch - die Werke werden kleiner, bescheidener, aber deshalb nicht weniger reizvoll. Näheres sicher bald in der Apothekenrundschau.

Außen rum



Zugegeben, es war nicht der Inhalt, sondern die Verpackung - das Cover zur aktuellen Single von Sinkane ("Runnin") ist ein witziger Hingucker. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich natürlich auch ein ernstzunehmender Musiker, Ahmed Gallab ist ein begnadeter und begehrter Drummer, Bands wie of Montreal, Caribou und Yeasayer gehören zu seinen Arbeitgebern. Dass er auch allein genügend Klasse hat, bewies er nicht zuletzt mit dem souligen "Jeeper Creeper" - das neue Stück nun also: hier.

Samstag, 3. März 2012

Sein vor Schein


Balloon Pilot „Balloon Pilot“ (Millaphon)
Mit Genugtuung, ja unverhohlener Freude nimmt man als Freund handwerklich soliden Muckertums zur Kenntnis, dass der jahrelang grassierende Castingirrsinn offenbar angezählt scheint, die Quoten sinken quer über alle Formate und Bohlen, der Teufel in Menschengestalt, macht ein langes Gesicht. Die Hoffnung jedoch, dass nun all die vormals verirrten Seelen Erleuchtung erfahren und in naher Zukunft zu Anhängern feingliedrigen Indierocks bekehrt werden könnten, ist allerdings so trügerisch wie der Wunsch unsinnig.

Hat man vor diesem Hintergrund das Debüt der Band Balloon Pilot angehört, weiß man mit Sicherheit, dass die Macher des kleinen Münchner Labels Millaphon nicht schnödes Kalkül, sondern guter Geschmack zur Vertragsunterschrift bewogen haben muss. Was die fünf jungen Männer, allen voran Sänger und Kreativkopf Matze Brustmann, an Songs auf ihrem Album versammelt haben, ist zwar nicht eben neu – Bands wie Slut oder Notwist haben in früheren Tagen ähnlich musiziert – aber von allererster Güte. Die Qualität der vornehmlich im Downtempo gehaltenen, klassisch und zurückhaltend instrumentierten Stücke beweist sich in der Klarheit und Ruhe, die ihnen zugrunde liegt – keine Aufgeregtheiten, nichts Grelles haftet ihnen an und selbst wenn mal gerockt wird wie beim Eröffnungsstück „Insecure“ oder den späteren „Don’t Call“ und „Prudence“, geschieht das ohne jede aufgesetzte Kraftmeierei. Diese scheinbare Beschränkung, diese Sanftheit und Vorsicht geben den Stücken ihre Glaubwürdigkeit, wie es auch Brustmanns leise Texte tun. Unspektakuläre, versonnene Alltagsdialektik, in fantasievolle Sprache gegossen – nichts will hier mehr scheinen als sein.

Hervorzuheben vielleicht das behutsam angeschlagene „Chasing Games“ – genau hier wird deutlich, dass Balloon Pilot um die Mittel wissen, wie man aus einem durchschnittlichen ein perfekten Song zaubert: leicht variierendes Drumset, sparsame elektronische Einschübe, ein Cello am Schluß – mehr braucht es nicht. Dass Schlagmann Andreas Haberl auch bei besagten Notwist trommelt, glaubt selbst der Laie zu hören – leider, das als winzige Kritik, bleibt er bei gut der Hälfte der Songs zu gut im Hintergrund versteckt. Weiteres Lob an Radi Radojewskis Akkordarbeit, „Bargain Street“ veredelt der Gitarrist ebenso grandios wie das fast schon krawallige „50 Cent“. Wenn Brustmann am Ende davon singt, dass er wie ein angepiekster Ballon durch die Luft taumelt, so ist darin auch eine kleine Portion Understatement verpackt – man hat nicht den Eindruck, dass Balloon Pilot so schnell die Luft für weitere Großtaten auszugehen droht. Gut so. www.balloon-pilot.de

Restprogramm
4. März: Berlin/Monarch
9. März: Gelting/Hinterhalt
10. März: Pfarrkirchen/Bogaloo
11. März: Würzburg/Café Wunschlos Glücklich

Freitag, 2. März 2012

Spielerei



Wenn's die eigene Tochter wäre - Ha!, da wären ein paar Wochen Hausarrest noch die mildeste Restriktion gewesen. 24 ist das Mädel? Okay, dann muß Claire Boucher wohl wissen, was sie da tut - im einfachsten Falle dreht sie unter ihrem Alias Grimes das Video zur aktuellen Single "Oblivion" - hier.

In die Arena



Zur Verfilmung der Fantasie-Triologie "The Hunger Games" (dt. Die Tribute von Panem, Suzanne Collins) steuerten neben den Decemberists und Kid Cudi erfreulicherweise auch Arcade Fire einen Song namens "Abraham's Daughter" bei - das Gehämmer des guten Stücks kann man sich bei Entertainment Weekly anhören.

Tiefenentspannt



Memoryhouse „The Slideshow Effect“ (Sub Pop)
Wie jeder weiß, ist Entspannung in Zeiten wie diesen ein hehres Gut – Memoryhouse aus Toronto machen sich verdient darum, dafür gebührt ihnen Respekt. Was Evan Abeele, der Komponist, und Denise Nouvion, die Fotografin, da für ihr Debüt „The Slideshow Effect“ an watteweichen Arrangements ersonnen haben, läßt sich mit Dreamcore wohl am besten umschreiben, so konsequent setzen sie auf träumerische Melodien, illustriert mit zaghaft hingetupften Gedankenbildern. Die anderthalb Minuten des Albumteasers reichen eigentlich aus, um den Kosmos der beiden zu erfassen: endlose Schienenstränge, fein gekräuseltes Gewässers, sonnendurchschienene Leinentücher, bewußte Unschärfe – hier sagt jeder Ton „Laß los!“ und „Mach langsam!“ Das alles gibt’s natürlich nicht ohne eine gewisse Ernsthaftigkeit, den Bandnamen zum Beispiel haben die beiden der ersten Platte des deutsch-englischen Musikers Max Richter entliehen, der sich mit seinen skizzenhaft angelegten Kompositionen, oftmals zeitgemäß gesampelt, in der Filmbranche schon viel Anerkennung erarbeitet hat. Der Großteil der zehn Songs des Albums passiert also das Ohr des Zuhörers in brutalstmöglicher Ruhe und Gelassenheit, mit Texten, die, wie der folgende, als Stimmungsverstärker fungieren: „We can just lie still, waiting for the date to spend, and watch the light slowly arrive, passed against my eyes, crossing through your arms …” (Heirloom – seufz). Einzige Ausnahmen sind die vergleichsweise flotten “The Kids Were Wrong” und “Walk With Me”, bei “Old Haunts” hat sich gegen Ende sogar etwas Gitarrenlärm eingeschlichen, nicht viel, aber genügend, um aufzufallen. Viel mehr muss man eigentlich nicht wissen, wie diese Platte live funktioniert, also Stehplatz oder doch besser bestuhlt, werden die beiden Ende März bei drei Terminen in Deutschland vorführen. http://www.memoryhou.se/

31. März Köln/Luxor
1. April Berlin/Magnet Club
2. April München/59:1

Für alle



Hochkultur galore! - der wahre Fan hat natürlich den gestrigen Abend auf Knien vor der Glotze verbracht, um ja nicht die Videopremiere des neuen Songs der Ärzte "ZeiDverschwÄndung" auf dem Spartensender 3Sat zu verpassen. Kulturzeit, aber hallo! Spätestens jetzt wissen wir natürlich, wohin die Reise geht - geradewegs ins Feuilleton. Glücklicherweise haben die Jungs ein Herz und stellen den Clip auch auf ihre Website. Man sollte sich allerdings beeilen, denn Atempausen werden nicht geduldet: Die gleichnamige EP ist schon im Handel, am 21. März sind Die Ärzte bei Harald Schmidt und am 16. Mai geht sie auch schon los - die natürlich beste Tour der Welt.

Donnerstag, 1. März 2012

Max Schautzer Reinvented



Zu Deichkind und ihrer aktuellen Platte "Befehl von ganz unten" muss man nicht viel (mehr) sagen, nun ist das dritte Video im Kasten und somit im Netz - klar: brrrrr, aber eben auch: Leider g..., eben. Hier.

Lang hin



Und trotzdem die Vorabinfo wert: Die neue Platte von Hot Chip wird "In Our Head" heißen und bei Domino Records erscheinen - um den 12. Juni herum soll das Ding im Regal stehen. fest steht auch, dass die Jungs im Sommer mindestens für zwei Festival-Termine in Deutschland Halt machen:

10.08. Hamburg/Dockville
11.08. Saalburg/SonneMondSterne

Dienstag, 28. Februar 2012

Frohsinn Fuck Off [always]


Xiu Xiu „Always“ (Bella Union)
Man kann einem Außenstehenden, wenn er nicht gerade als Exorzist oder Psychoanalytiker unterwegs ist, schwer vermitteln, warum gerade die Wiederkehr von Jamie Stewarts weinerlichem Gewimmer verschämte Glücksgefühle auszulösen vermag, warum einen gerade dieser synthetisch generierte, also vollkommen künstliche Sound innerlich erwärmt. Und höchstwahrscheinlich haben all jene, welche einem dringend zum Einchecken in einer vermauerten, stacheldrahtumzäunten Heilanstalt raten, so unrecht nicht – das Faszinosum Xiu Xiu läßt sich schwer in Worte fassen, erklären noch viel weniger.

Seit nunmehr knapp zehn Jahren widmet sich besagter Jamie Stewart in wechselnder Begleitung Platte um Platte – acht sind es mittlerweile – der Tortur, dem Selbsthass, der Perversion, aber auch der verzehrenden Liebe und der totalen Vereinsamung, kurz: Kein menschlicher Abgrund, der ihm zu fremd ist, um ihn nicht in Musik und Worte fassen zu können. Songs wie „Dear God, I Hate Myself“, „You Are Pregnant, You Are Dead“ oder „Ian Curtis Wishlist“ sind vielleicht nicht die bekanntesten, wohl aber deutlichsten aus dem Kanon des Schreckens – keine Überraschung also, dass auch auf dem neuen Album mit „I Luv Abortion“ oder „Born To Suffer“ markig getitelt wird. Woher also diese Anziehungskraft?

Vielleicht liegt es am Kontrast zwischen den messerscharf geschliffenen Technobeats, dem bohrenden, nervenzerrenden Sound und der klagenden, hilflosen Verletzlichkeit von Stewarts Stimme, vielleicht am Nebeneinander von schroffem Gewummer und zarten Tönen, vielleicht daran, dass dieser Mann expressiv sein Leiden ausstellt und den Hörer an jedem noch so fremdartigen Gedanken teilhaben lässt, Jahrmarktspektakel, Horrorshow, whatever. Die Single „Hi“ zu Beginn kommt, wie auch später “Honey Suckle”, recht harmlos, fast konventionell daher („If there’s a hole in your head, say ‚Hi‘, if you don’t know what to say, say ‚Hi‘, if your bed is a living hell, say ‚Hi‘“) – Synthiepop. “Joey’s Song”, bleischwerer Klagegesang, läßt einen an Nick Cave denken und „Beauty Towne“ pumpt gewaltig aus der Schwärze. Dann schon besagtes „I Luv Abortion“ („I luv abortion, you too good for this world, let all you have lived be as if a dream!”), klirrendes, zerhacktes Getöse, „The Oldness“ als trügerische Pianoballade, bevor erneutes Gemetzel ("Gul Mudin") anhebt – diesmal als Kriegsparabel aus Afghanistan – schön ist das nicht, krank aber eher das Erzählte als der Erzähler selbst.

Stewart fühlt sich offenbar berufen, von Dingen zu singen, die nur wenige hören wollen und die er selbst kaum erträgt („born to suffer“), auch das grauenerregende Schlußstück „Black Drum Machine“ macht mit seinen Vergewaltigungsfantasien keine Ausnahme. Und hätte er sich nicht den Sinn für die schönen Melodien bewahrt – wahrscheinlich wäre Stuart schon vor die Hunde gegangen.
So bleibt wieder eine Platte, die gegensätzlicher nicht sein könnte und ein Mann, der den leichten, den gefälligen Weg nach wie vor tief verabscheut. Nur wenige tun das mit dieser Konsequenz. http://xiuxiu.org/

Mit der Heidi in die Hölle



Django 3000 “Django 3000” (7daysmusic)
Jedem halbwegs gebildeten Muttersprachler werden ein paar Zeilen aus dem Volkslied „Lustig ist das Zigeunerleben“ geläufig sein – die Sache also mit des Kaisers Zins und dem grünen Wald, dem Hunger und dem Hirschlein – Zeilen, mit denen man heute keinen Menschen mehr hinterm Ofen oder Schreibtisch hervorzuholen vermag. Ob das an der verlogen spießigen Sozialromantik liegt oder an den allzu trägen Schunkelrhythmen – Fakt ist, dass mit „Faria-Faria-Ho“ heute kein Staat mehr zu machen ist, da muss man sich schon etwas cleverer anstellen. Und weil Django 3000 als oberbayerische Zigeunerburschen, bekennende Strizzis und Möchtegernstenze, genau dies machen, ist die Verweildauer bei Liedern wie dem genannten minimal. Ebenso unbegründet die anfängliche Angst, hier reite jemand die Mundartwelle geradewegs in die Studios der Formatsender und ergo ins Grab – sicher ist nach allem Hype etwas mehr Vorsicht angebracht, wenn nun nicht mehr die örtlichen Gäubodenfeste, sondern ganze Almen oder Mehrzweckhallen für die Anhängerschar verbucht werden.

Trotzdem ist, was die vier Jungs da veranstalten, mehrheitlich originell und in höchstem Maße elektrisierend. Die Richtung stecken sie selbst ab – Vogelwildes, Unbehauenes, Heimatverliebtes und allzeit extragroßes Gefühl zwischen Django Reinhardt und Tierpark-Toni. Klischee als jugendliches Vorrecht, das gelebt werden will – na klar: „I bleib mei Lem lang frei, i hob mei Lem lang Zeit fia ois, werds bugglad aufm Weg, muast mittn durche geh. Wer woast wost ois vasammst, wennst steh bleibst und grod drammst“ (Zeit fia ois). Wenn der Kreisel sich dreht, wird mancher Vorbehalt über Bord geworfen und die gefurchte Denkerstirn weicht einem breiten Grinsen – wer möchte nicht lieber mit „Heidi“ eine Runde drehen („Leg Osch danzd de, Harrschaftszeidn!“) oder Tscharlie-gleich in die Kitschsonne reiten („Und koana wird woana um di, doch aufhoidn lasst du di nia“, Django Django). Langes Philosophieren ist ihre Sache nicht („Wo’s schee ist, da bin i“, Südwind) und wenn’s einmal zu Ende geht, dann bitt‘schön statt zum Portner gutgelaunt geradewegs in „d’Höll“ („Kimm no nei! Für di, für di is no a Grillrost frei!“, Da Wuide und da Deife). Die Fiedel weint, der Basskasten hüft und die Gitarren zwirbeln umeinander – schwer wird leicht und selbst aus dem ehemals spaßfreien Besatzerruf „Rucky Werch!“ (Hände hoch!) gelingt der bunt gemischten Truppe ein feines Stück Tanzmusik.

Wenn man von einem Debüt wie diesem behaupten kann, die Band habe eigentlich nichts falsch gemacht, dann ist das einerseits sicher ein willkommenes Kompliment. Andererseits hofft man natürlich auch, dass die vier ein ordentliches Maß der hier vertonten Weltsicht verinnerlicht haben, also Djangos genug sind, um sich die Lässigkeit und den Witz dieser Platte auch für kommende zu bewahren. www.django3000.de

Django 3000 unterwegs (ausgewählt):
13. März München/Ampere
14. März Regensburg/Gloria
17. März Passau/Zeughaus
24. März Augsburg/Kantine
28. März Stuttgart/Kellerklub
21. April Nürnberg/DESI

Montag, 27. Februar 2012

So oder ähnlich


Anläßlich der akutuellen Kurztour der Londoner Duke Spirit durch deutsche Landen (9. März Hamburg, 10. März Berlin, 12. März München) hat der deutsche Rolling Stone einen feinen Remix des Songs "Procession" von Gary Numan auf seine Seite gestellt. Wer etwas weiter vom Weg wildern will, kann sich auch gern mal das großartige Album der Heartless Bastards "Arrow" zu Gemüte führen, Liela Moss und Erika Wennerstrom offenbaren im Vergleich manch erstaunliche Gemeinsamkeit. Selber hören - hier.

Durch die Nacht mit ...



... den Arctic Monkeys und ihrem brandneuen Song (Hey, 'Non-Album-Track'!) "R U Mine?" - dazu ein Videoclip, alles: hier.