Mittwoch, 1. März 2017

The Drums: Unter Vorbehalt

Und das am Tag, mit dem die vierzigtägige Enthaltsamheit eingeläutet werden sollte: The Drums kündigen ungeachtet dessen mit "Abysmal Thoughts" ihr neues Album an - und zwar mit der gewohnt luftigen Vorabsingle "Blood Under My Belt". Der Nachfolger der letzten Platte "Encyclopedia", die hier ja keinen so überschwänglichen Lobgesang hervorrief, wird am 16. Juni bei ANTI- erscheinen und trotz gewöhnungsbedürftigem Artwork geloben wir eine möglichst unvoreingenommene Beurteilung - ganz so entsetzlich wird's schon nicht werden.

Candelilla: Bilder einer Ausstellung

Candelilla
„Camping“

(Trocadero)

Gerade die kleineren, ambitionierten Labels haben sich hierzulande zu Eigen gemacht, womit Galerien und Verlage schon länger erfolgreich umgehen: Was denen das Vorwort bekannter Kuratoren, Maler und Literaten für Kataloge und Bücher gilt, sind hier die Einlassungen befreundeter Musiker. Das hat unbestreitbare Vorteile. Zum einen ist der/die gewonnene Autor/in kaum der verkaufsfördernden Lobhudelei verdächtig, zudem liest ein solcher Text weitaus spannender als die ewiggleichen Promo-Hymnen, bei denen man nicht selten das Gefühl hat, sie würden von findigen Wortsuchprogrammen zusammengestöpselt, deren einzige Bestimmung es ist, möglichst viele Superlative aneinanderzureihen. Nicht zu unterschätzen ist die Erfahrung, die Künstler bei der Bewertung (wenn es denn eine sein soll) des Werkes einbringen, wissen diese doch um die Mühen der Prozesse, um die Kämpfe und hart errungenen Siege und natürlich auch um die (tunlichst verschwiegenen) Niederlagen. Was die Bilder einer Ausstellung im Idealfall also verständlicher macht, kann hier nicht falsch sein, schließlich stellen auch Musiker/innen mitsamt der Texte ihre Seelen ins Schaufenster und wir Rezipienten deuten fleißig und hoffen auf Zugang.

Dieser war für Candelilla aus München noch nie einfach zu haben, der Sound, die Worte stets angenehm störrisch, aus der Linie und möglichst gegen jede Erwartung, ein Song eine Zahl. Letzteres zumindest hat sich geändert, alles andere ist geblieben. Etwas Hilfe vielleicht von Andreas Spechtl, Sänger von Ja, Panik und auch solistisch unterwegs. Er klingt bei seinen Liner-Notes wie ein Fanboy aus Überzeugung, wenn er uns „Camping“ ein Stück näher bringt. Selbst auch einer, der weniger erklären möchte, der die Assoziation schätzt und die Auseinandersetzung fordert. Die Vorsicht, mit der Spechtl den Plattentitel „Camping“ zwischen Susan Sontag’s „notes on camp“ und der Deutschen liebster Urlaubsbeschäftigung, der Reise mit den eigenen vier Wänden, verortet, hat schon fast etwas Rührendes. Er weiß es nicht genau, traut sich nicht mehr als diese Vermutung und bietet dem Zuhörer somit diese Möglichkeit als eine von vielen. Und läßt sich sonst von der Bildsprache der Stücke, die bei Songs wie „Intimität“, „Atmen“ oder „Tier“ oft nur als dadaistischer Stichwortgeber daherkommt, gern zugleich verstören und faszinieren.

Auffällig, wie schon beim Vorgängeralbum „Heart Mutter“ (damals noch von Studiolegende Steve Albini produziert), sind die Härte und Schroffheit, die hier für einige der Songs auf die Spitze getrieben werden. Klirrende Synthetik gleich zu Beginn, später die wunderbar treibenden Akkorde von „Trocken und staubig“, bestimmt, geführt von Mira Manns wütendem Gesang, der wiederum von einer Intensität, die fast schon beklemmend ist. Spechtls Bewunderung angesichts der Unbedingtheit, mit der Mann selbst in den ruhigen Passagen die Songs an sich zieht, ist nachvollziehbar, nur einmal wechselt sie für „Pool“ die Perspektive und gibt die stille, distanzierte Beobachterin – der Rest ist wildes, leidenschaftliches „Ich“. Einen Song allerdings spart Spechtl bei seinem Rundgang aus, obwohl er sich in seiner Perfektion und seinem – ja, doch: Pop-Appeal so deutlich von den anderen unterscheidet: „Transformer“, gesungen von Lina Seybold, gibt sich erstaunlich zart, eingängig und harmonisch, Warpaint packen solche Dinge gern auf ihre Alben, hier irritiert er als Einzelgänger an zentraler Stelle – ist das Herz also doch ein weiches? Wohl eher nicht. Aber ein Bild mehr und wir stehen davor und staunen.

16.03.  Linz, STWST
17.03.  Wolfsberg, Container25
18.03.  Wien, Venster99
15.04.  München, Milla (Record Release)
19.04.  Dresden, Ostpol
20.04.  Leipzig, Spelunke
21.04.  Berlin, Berghain Kantine
22.04.  Hamburg, Golem
24.04.  Erfurt, Frau Korte
25.04.  Frankfurt, Klapperfeld Ex-Gefängnis
26.04.  Nürnberg, MUZ
27.04.  Karlsruhe, Kohi
28.04.  Saarbrücken, tba.
29.04.  Schorndorf, Manufaktur

Sylvan Esso: Auffrischung

Aus aktuellem Anlaß eine kleine Auffrischung: Sylvan Esso, amerikanisches Elektroduo, hatten ja vor Wochen mit "Radio" und "Kick Jump Twist" schon zwei neue Stücke im Umlauf gebracht, damals allerdings noch im quasi freien Feld. Das hat sich jetzt geändert. Für den 28. April ist via Loma Vista ein Album namens "What Now" angekündigt, das Cover (s.o.) ist auch schon fertig und zur Unterfütterung gibt es noch einen weiteren Track samt Video obendrauf - "Die Young", violá.

Dienstag, 28. Februar 2017

Grandaddy: Im Land der verlorenen Dinge

Grandaddy
„Last Place“

(Smi Col)

Man kann Jason Lytle nicht dankbar genug dafür sein, daß er seine Band Grandaddy vor mehr als zehn Jahren nicht einfach hat sterben lassen. Nicht, weil er es uns in irgendeiner Weise schuldig gewesen wäre oder seine Solowerke enttäuscht hätten. Nein, die Leerstelle war einfach zu groß. Man tut sich ja etwas schwer, den Sound des Quintetts aus Modesto, Kalifornien, seriös einzuordnen – heute würde man wohl den sperrigen Begriff Folktronic bemühen, gepaart mit crispy Gitarrenakkorden und Lytles wattierter Stimme. Gerecht wird man ihnen damit auch nur zum Teil. Vielleicht waren und sind die fünf Herren so eine Art männliche Entsprechung zum Debüt einer gewissen Alison Goldfrapp. Deren Erstling „Felt Mountain“ verkörperte zur Jahrtausendwende ähnlich wundersame Sehnsuchtsklänge, mystisch angehaucht, irgendwie verwunschen also, zutiefst melancholisch und aus einer längst vergangenen Zeit in die heutige gefallen. Für einen kurzen Moment war das ohne Vergleich, die Dame sattelte später allerdings auf stampfende Diskonummern um und den Zurückgebliebenen blieben, quasi als Methadon, nur Platten wie „Under The Western Freeway“ und „The Software Slump“ – von Grandaddy.



Aber was heißt hier: nur? Hört man sich das neue und nicht weniger wunderbare „Last Place“ an, dann wird einem bewusst, was gefehlt hat und wie schön es sich anfühlt, Melodien wie diese wieder an seiner Seite zu wissen. Der betörende Gesang, die fein verwobenen Harmonien (natürlich in Moll), Streicher und Piano, alles schmiegt sich wieder in den Gehörgang und erzeugt dort, selbst wenn es rockig wird, ein wohliges Schaudern. Der Kopf wiederum füllt sich mit so seltsamen wie liebenswerten Bildern aus dem Land der vergessenen Dinge, Schmalfilm-Patina, Spieldosenfantasien und chromglänzende Karossen: „Antique photos of celebrities, Samsung black-and-white fade-away qualities, every woman and child and man in the canyon land, in a trance and wandering about in the canyon land – everything about us is a lost machine, everything about we is a forgotten dream…“ Nicht immer folgen den Erinnerungen nur schöne Gedanken, Songs wie „Evermore“ oder „I Don’t Wanna Live Here Anymore“ dealen mit traurigen Bildern, die auch zu Lytles Fotoalbum gehören. Man blättert sie dennoch gern durch, weil die Musik der Band selbst die Wehmut erträglich macht. Wem, bitteschön, gelingt das sonst … ? http://www.grandaddymusic.com/

Damaged Bug: Angemessen abgefahren [Update]

Von John Dwyer gibt es zwei Arten von Fotos. Solche, auf denen er ziemlich entrückt mit seinem Instrument zu sehen ist und somit seinem Hauptberuf, also Musiker, nachgeht. Und solche, auf denen er ziemlich viel Unsinn treibt - siehe oben. Da er sowohl mit seiner Band Thee Oh Sees als auch solo unter dem Moniker Damaged Bug unterwegs ist, überwiegen die Gitarrenbilder. Gerade hat er sein nächstes Album im Alleingang angekündigt, nach "Hubba Bubba" und "Cold Hot Plumbs" kommt nun also "Bunker Funk" via Castle Face Records zum Verkauf und Single Nummer eins "Bog Dash" klingt schon wieder angemessen abgefahren.

Update: Zwei neue Songs gilt es vom kommenden Damaged-Bug-Album zu vermelden, hier kommen "Slay The Priest" und "Unmanned Scanner".

Montag, 27. Februar 2017

Sleaford Mods: Anspruch trifft Wirklichkeit

Sleaford Mods
„English Tapas“

(Rough Trade)

So ist es mit den Lieblingsdingen – hat man sie einmal gefunden und ins Herz geschlossen, wächst sofort die Angst, auf Dauer würde die Zuneigung den eigenen Erwartungen oder den äußeren Umständen nicht standhalten können. Daß das bei den Sleaford Mods aus Nottingham etwas anders aussieht, könnte daran liegen, daß hier Anspruch und Wirklichkeit, selten genug, Hand in Hand gehen und alles bestens bleibt, weil nichts wirklich besser wird. Ein Deutungsversuch: In gleichem Maße, wie ein diffuses Unwohlsein angesichts der sich zuspitzenden gesellschaftlichen Schieflage hier und überall in Europa nach Kanalisierung, nach Klärung und Ansprache ruft, gelingt es Jason Williamson und Andrew Fearn einmal mehr, mithilfe ihrer bissigen Punk-Rap-Tiraden dem Unmut eine vernünftige, reflektierte Stimme zu geben. Wobei angemessen nicht zurückhaltend meint und Klugheit weder an Sarkasmus noch Deutlichkeit spart – die Mods scheren sich dankenswerterweise wenig um Etikette und Eitelkeiten und benennen Misstände mit der nötigen Schärfe.

Und auch hier kein Grund zur Beunruhigung (wenn man das so sagen darf), denn im politischen System krachts an allen Ecken und Enden und die Liste derer, die Williamsons schneidendes Stakkato um die Ohren gehauen bekommen, wird nicht gerade kürzer: David Cameron, Boris Johnson (der in Sachen Intellekt und Frisur, liebevoll „Moptop“, mit Trump und Wilders gleichauf liegt), Nigel Farage, Duncan Smith, ganz neu dabei Therese May und der gierige Philip Green. Dessen zum Himmel schreiende Absahne auf dem Rücken geprellter Kunden und Angestellter beim ruinösen Umgang mit der Kaufhauskette British Home Stores gibt ein Thema vor („B.H.S.“), weiter folgen krude Männlichkeitsrituale („Army Nights“), irre Vergnügungsparks („Drayton Manored“) und die ganze soziale Misere des einstmals so stolzen Königreichs, daß sich jetzt nach dem Brexit als tragikomisches Egoistenstadl erweist.

Zum Lachen ist das weiß Gott nicht und Williamson schimpft denn auch entsprechend böse in die Runde über die grassierende Gleichgültigkeit („Dull“), die abstumpft und der Mutlosen Lebenszeit zäh und unausweichbar durch die Sanduhr rieseln läßt. Vielleicht klingen die Tracks auf „English Tapas“ etwas weniger rough und noch reduzierter als auf dem Vorgängeralbum „Key Markets“ aus dem Jahr 2015, die programmierten LoFi-Beats von Andrew Fearn kommen trotzdem auf den Punkt, der Bass ist knüppeldick, es spotzt und bleept recht funky und wie schon auf dem Kurzformat „TCR“ gibt es von den beiden Buddies sogar ansatzweise Liedhaftes zu hören. Altersmilde ist, Stand jetzt, von den Mods nicht zu haben und die Gefahr, daß sich die beiden vom Ersparten eine hübsche Motoryacht besorgen, um damit auf dem River Trent umherzuschippern oder im nahegelegenen Sherwood Forest ausgiebig der Naherholung fröhnen, ist eher gering. Und Besserung ist ohnehin nicht in Sicht. http://sleaford-mods.myshopify.com/

08.05.  Wien, Flex
10.05.  München, Freiheiz
11.05.  Winterthur, Salzhaus
12.05.  Schorndorf, Manufaktur
14.05.  Wiesbaden, Schlachthof
15.05.  Köln, Essigfabrik
26.05.  Luzern, Südpol


Freitag, 24. Februar 2017

Pissed Jeans: Selber fragen

Pissed Jeans
„Why Love Now“

(Sub Pop)

Es sind ja immer die Brüche, die eine Sache spannend machen und nicht so sehr das Erwartbare, Stereotype. Metalheads, die zum Fürchten aussehen und zu gruseligen Texten verfilzte Mähnen schütteln – naja. Weinerliche Rundstrickfolkies, deren Lieder zwar Steine erweichen können, aber sonst nur als Schlafmittel taugen – zum Wegrennen. Steroidgestopfte Bankdrücker, die vom krassen Leben in der Hood reimen, aber für den Schritt nach draußen nicht den Arsch in der Hose haben – traurige Sache. So gesehen kann einem gar nichts Besseres passieren als eine Hardcore-Kapelle wie Pissed Jeans, die sich selbst nicht so wahnsinnig ernst nehmen, obgleich sie wissen, daß die Welt da draußen im Moment alles andere als lustig ist. Rosafarbene Plattenhülle, erwachsene Männer, die auf buntem Tüll herumkauen und auch in der Muckibude nur Nonsens im Kopf haben (siehe „The Bar Is Low“), alles ein Riesenklamauk? Mitnichten, natürlich steckt hinter dem ganzen Spaß eine ordentlich bissige Message: Tradiertes Männerbild, Genderdiskussion, Karrierekasper, Sexchats und sonstige Netzverirrungen – von all dem gibt es bei Pissed Jeans viel zuhören. Die Riffs sind dazu mächtig und der Sound mehr als hart, der Nachfolger von „Honey“ aus dem Jahr 2013 beginnt mit einer großen Portion Selbstekel („Waiting For My Horrible Warning“), kruder Männlichkeit und liebloser Liebe, bevor dann Lindsay Hunter, Sängerin der Band Ugly Girls zum gradiosen Monolog eines einzigartigen Kotzbrockens ansetzt („I’m A Man“). Obwohl, ganz so einzigartig wird die widerliche Tirade nicht sein, nennen wir es also lieber Büroalltag. Von solchen giftige Wortmeldungen kann man sich hier, während einem die Gitarren um die Ohren gehauen werden, einige abholen – „Have You Ever Been Furniture“ zum Beispiel oder das alberne Gegockel des „Worldwide Marine Asset Financial Analyst“. An den Pegeln stand im Übrigen keine Geringere als Lydia Lunch, was insofern interessant ist, als daß sie zwar reichlich Erfahrung als Musikerin, aber kaum als Produzentin vorweisen kann. Den vieren war’s egal, sie vertrauten ihrer Aura und Energie und das Ergebnis gibt am Ende beiden Recht. Eine hilfreiche Anregung für die Anhängerschaft hat Sänger Matt Korvette dann schließlich auch noch, die man wegen ihrer Allgemeingültigkeit jederzeit verbreiten darf: „A crucial thing , I think, for beeing a PJ-Fan is just stemming from what I would take away from punk, which is ‘Question things and think about things‘. Don’t just go to the office and get the same coffee. Don’t just wear a leather jacket and get a 40 oz. Just question yourself a little bit if you can.“ Das jedenfalls kann mal sicher nicht schaden …

Idles: Zertrümmern

Auch wenn vorschnelles Loben vielleicht ein Fehler ist, aber diese Band muss man einfach mögen: Vor ein paar Wochen durfte Adam Devonshire, der Bassist der Idles aus Bristol, zum Liedchen "Stendhal Syndrome" mit wunderbar freakigen Tänzen die Tate Britain rocken, nun bekommt Sänger Joe Talbot die großartige Gelegenheit, für das Video zur neuen Single "Mother" einen ganzen Tisch voller Porzellan-Nippes zu zertrümmern - hach, was muß das für ein Spaß sein, für die Jungs zu arbeiten! Das Album "Brutalism" ist weiterhin für den 10. März angekündigt und schon jetzt mehr als überfällig - viel schlimmer: Noch immer keine Livetermine außerhalb der Insel in Sicht. Come on, boys!

Donnerstag, 23. Februar 2017

Manuela: Geburtsanzeige

Erfreuliche Neuigkeiten von der Familienkiste - als solche könnte man ja das Projekt von Nick McCarthy und Manuela Gernedel etwas flapsig bezeichnen. Daß die beiden seit einiger Zeit auch musikalisch gemeinsame Sache machen, dürfte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben, im Sommer vergangenen Jahres gab es ja mit "Cracks In The Concrete" eine erste Single zu hören. Nun haben Manuela mit dem heutigen Tag eine weitere draußen - "Supermarket" nennt sich das gute Stück und selbstverständlich präsentieren wir das neue Familienglück umgehend vor Ort. Das Album "Manuela" wird im Übrigen am 31. März bei Lost Map/Schamoni Musik erscheinen, Tourtermine sollen auch bald folgen.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Summer Moon: Momentaufnahme

Summer Moon
„With You Tonight“

(Membran)

Wer die New Yorker Indietruppe The Strokes vom Start weg eher als bessere Begleitband des talentierten Mr. Casablancas wahrgenommen hatte, der durfte sich in den letzte Jahren schon einige Male verwundert Augen und Ohren reiben. Nach und nach starteten nämlich nicht nur der Bandleader himself, sondern auch fast das ganze Begleitpersonal erstaunlich erfolgreiche Zweitkarrieren – Nick Valensi, Albert Hammond jr. und Fabrizio Moretti erwiesen sich als ebenso begnadete Musiker wie der Schlacks am Mikro und nun, da Nikolai Fraiture mit Summer Moon den Reigen komplett macht, muß man anerkennen: Die als wahllos zusammengewürfelter Haufen verzogenen Berufssöhne verschriene Kapelle erweist sich einmal mehr als musikalischer Think Tank und weil auch bei Summer Moon der Begriff fallen wird, stellen wir ein für allemal fest, daß die wahre Supergroup The Strokes selbst sind. Natürlich hat auch Fraiture die Arbeit nicht ganz allein vollbracht, man liest von Stephen Perkins (Jane‘s Addiction), Camila Grey (Uh Huh Her) und Noah Harmon (The Airborne Toxic Event), dennoch stammt das bewundernswerte Grundgerüst der Platte aus dem  heimischen Notebook des Bassisten. Und dieses folgt der so simplen wie erfolgreichen Regel: Ich probiere, was mir Spaß macht und dann schauen wir mal, wie es denen da draußen so gefällt.

Hört man sich an, was der Mann so an Stilen auf dem Debüt zusammenwürfelt, dann muß er sich in seinem Hauptberuf doch schon ziemlich gelangweilt haben. Denn „With You Tonight“ erweist sich als randvoll gefüllte Wundertüte: Schnodrigger Post-Punk hier, für den mal eben schnell ein paar Drum-Parts bei Joy Division und die Gitarren bei New Order gemopst werden („Happenin‘“), entspannt wippender Dancepop mit extrafeinem und –fettem Synthloop („With You Tonight“), die 60’s gewippt, die 90’s gerockt und dann, in der Mitte, mit „Chemical Solution“ ein wirklich unglaublicher, verschwurbelter Überohrwurm, so großartig, daß der Rest fast schon egal ist. Schlechter wird es aber nicht, Fraiture hält die Linie. Und auch wenn die Texte nicht die tiefgängigsten sind, schillern selbst die „Girls On Bikes“ verführerisch in der tiefstehenden Abendsonne. Der Coolness-Faktor der Platte ist nicht nur aufgrund der Personalien im oberen Drittel angesiedelt, Summer Moon schaffen es tatsächlich, die knapp fünfunddreißig Minuten zum äußerst lässigen Ereignis zu machen. Für die Ewigkeit ist das nicht unbedingt gemacht, doch wer braucht die schon, wenn sich der Moment so gut anfühlt? http://www.summermoonband.com/

Methyl Ethel: Auf ein Tänzchen mit den Hipstern [Update]

Mit Superlativen sollte man zwar haushalten, diese Band hier hat aber definitiv ein paar davon verdient: Methyl Ethel aus Perth sehen zwar ziemlich verhipstert aus, machen aber definitiv verteufelt gute Tanzmusik. Am 3. März soll bei 4AD ihr zweites Album "Everything Is Forgotten" erscheinen und dem Debüt "Oh Inhuman Spectacle" folgen, nach der ersten Vorabsingle "No.28" kommt nun "Ubu" hinterher - wer dabei sitzen bleibt, sollte sich schnellstmöglich ernsthaft untersuchen lassen.

13.03.  Hamburg, Molotow
14.03.  Berlin, Kantine Berghain

Update: Und noch so ein wunderlicher Song, der einen sofort hat und auf Großes hoffen läßt - hier kommt "L'Heure des Socières".





Bryde: Unverändert

Zweimal haben wir Sarah Howells aka. Bryde hier schon begrüßen dürfen: Zunächst tauchte die ehemalige Sängerin der Paper Aeroplanes vor knapp einem Jahr mit den Stücken "Help Yourself" und "Wait" auf, im Herbst des gleichen Jahren waren es dann "Honey" und "Wouldn't That Make Your Feel Good" von ihrer aktuellen EP, mit denen sie für Aufsehen sorgte. Heute nun also der erste neue Song im laufenden Jahr, auch "Less" rockt anständig und zeigt ihre anhaltende Vorliebe für aufgerauhte Gitarrensongs Marke PJ Harvey, gepaart mit dem Feingefühl einer Angel Olsen.

British Sea Power: Nächster Versuch

Neues Material gibt es von British Sea Power aus Brighton, der Stadt an den Ufern des Ärmelkanals. Auf den 31. März ist ja bekanntlich das neue Album "Let The Dancers Inherit The Party" terminiert und von selbigem gab es auch schon die erste Single "Bad Bohemian" zu hören - nun folgt "Keep On Trying (Sechs Freunde)" - der nächste Versuch also. Und wer das alles ganz bezaubernd findet, hat im Mai endlich wieder Gelegenheit auf einen Konzertbesuch.

18.05.  Hamburg, Molotow
19.05.  Berlin, Privatclub
23.05.  Zürich, Dynamo
24.05.  München, Strom
25.05.  Köln, Gebäude 9

Dienstag, 21. Februar 2017

Dude York: Ungeschminkt

Dude York
„Sincerly“

(Hardly Art)

 „Something In The Way“ von einer Band aus Seattle – war da nicht was? Klingt gut, ist aber zu kurz gedacht. Denn besagter Song von Nirvana ist ein schlappes Vierteljahrhundert alt, Kurt Cobain hätte – wenn nicht ein Gewehrlauf dazwischengekommen wäre – gerade seinen Fünfzigsten gefeiert und Peter Richards, Claire England und Andrew Hall könnten rein rechnerisch als seine Kinder durchgehen. Wird also nichts aus der Pointe. Auch wenn Dude York durchaus das eine oder andere Grunge-Riff im Programm haben (hierfür bitte den Opener “Black Jack” schön laut aufdrehen), sind sie von den einstigen Helden doch ein ganzes Stück entfernt. “Sincerely” ist das dritte Album des Trios und auch auf diesem geht es ordentlich zur Sache. Die Gitarren scheppern mächtig, wie es sich für zünftigen Garagenpunk gehört und es ist sicher nicht von Nachteil gewesen, daß die drei ihr Baby dem Meistermacher John Goodmanson zur Nachbearbeitung in die Hände gegeben haben, schließlich hat der schon Sleater-Kinney, Bikini Kill, Ceremony oder dem Wu-Tang Clan in die Spur geholfen.

“If you fear, or feel afraid, if you find satisfaction from getting paid, throw both of your hands up, you’ve just been made, you were born different and meant to be that way”, heißt es ganz zu Beginn und genau darum dreht es sich in vielen Stücken des Albums: Selbstfindung, Selbstverständnis, Selbstbehauptung. Und das ist, wie man sich denken kann, in dem Alter nicht immer einfach. In „Live Worth Living Pt. 2“ singt Richards davon, wie schwer es ist, den Glauben an den Sinn des Lebens zu bewahren, wenn um dich herum alles am Zweifeln ist, die Neinsager in der Mehrheit sind, „The Way I Feel“ wiederum erzählt von physischen Problemen und den Versuchen, damit klarzukommen. Nichts ist einfach hier. Auch die beiden Titel, die Claire England beisteuert – sie singt erstmals selbst – sind nicht ohne Bitternis: „Tonight“, ein klassischer Break-Up-Song mit wunderbar harschen Schlußakkorden, „Love Is“ wenig später als vergiftetes Liebesbekenntnis, „from the screaming to the silence, yeah it’s toxic but I’ll dive in, I can’t help it, if I like him and that’s all that love is.“ Vielleicht keine unglaubliche, aber eine unglaublich ehrliche Platte. Und deshalb irgendwie besonders. https://dudeyork.bandcamp.com/

Spoon: Nachsitzen

Das passt ja bestens zusammen: Gerade kommt ein neuer Clip von Spoon um die Ecke und passenderweise wird er von drei Liveterminen der Band im Sommer flankiert. Den Titelsong des Albums "Hot Thoughts" hatten wir ja schon und auch "Can I Sit Next To You" ist mit dem typisch trockenen Swing der Jungs ausgestattet - so kann's weiter gehen.

17.06.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
18.06.  Mannheim, Maifeld Derby
19.06.  München, Technikum
20.06.  Hamburg, Uebel und Gefährlich
03.07.  Köln, Gloria Theater

Montag, 20. Februar 2017

Clap Your Hands Say Yeah: Im Cockpit

Clap Your Hands Say Yeah
„The Tourist“

(Cyhsy)

Man wollte es ja nicht glauben, aber Alec Ounsworth hat das Songwriting nicht verlernt und versammelt auf seinem aktuellen, mittlerweile fünften Album tatsächlich eine Reihe wirklich feiner, eingängiger Popsongs, die man am besten – im Deutschen fehlt es da leider an der passenden Vokabel – mit dem englischen Begriff “catchy” umschreibt. Clap Your Hands Say Yeah sind im Jahr 2005 noch als Fünfmann-Kollektiv in der Tradition eher anspruchsvoller, amerikanischer Indierockbands wie Death Cab For Cutie und The Shins gestartet, nach dem fulminanten, selbstbetitelten Debüt ging Ounsworth allerdings nach und nach das komplette Personal von der Fahne. Dem Vernehmen nach nahm der mutmaßlich recht schwierige Musiker aus Philadelphia das letzte Werk “Only Run” mehr oder weniger allein auf – einziger treuer Begleiter war sein Produzent Dave Fridmann. Dieser stand ihm auch jetzt für “The Tourist” zur Seite, ebenso am Bass Matt Wong und gemeinsam haben sie eine überraschend stimmige Platte zustande gebracht. Die manchmal etwas quengelige Stimme von Ounsworth gehört ja mittlerweile zum festen Inventar, dazu gibt es schön verschlungene Melodien und ein paar bezaubernde Gitarrenakkorde. Stücke wie der Opener “The Pilot”, wo einen eine warme Bassline sanft an der Hand nimmt und durch den Song begleitet, aber auch “Down (Is Where I WanT To Be)” und “Better Off” haben das Zeug zur Hitsingle. Manchmal ruckelt es etwas, bei “The Vanity of Trying” gehen ihm mal kurz die Art-Rock-Pferde durch, aber alles in allem ist es doch ein erfreulich eigenständiges Werk. “I am a relatively solitary person and seem to work best alone,” bekennt Ounsworth freimütig, “I do count on others to help the project as the process of making and releasing an album moves forward, but if it doesn’t match what I have in mind, it’s hard for me to really be there for it.“ Mit anderen Worten und den Faden des Einstiegs aufnehmend – man muß sich entscheiden, ob man der Tourist oder der Pilot sein will im Leben. Der Mann hat seinen Platz gewählt und bestimmt selbst, wo’s lang geht. http://cyhsy.com/

25.09.  Berlin, Berghain Kantine
27.09.  Salzburg, Rockhouse
28.09.  Wien, Waves Festival
29.09.  Zürich, Bogen F
30.09.  Fribourg, FRI-Son

Sonntag, 19. Februar 2017

Chick Quest: Von wegen Wellenreiter

Eine Band aus dem Nachbarland, noch dazu aus Wien, die mal nicht mit morbidem Charme, Schmäh und Exaltiertheit hausieren geht - man hat ganz vergessen, daß es neben Bilderbuch, Wanda, Granada und Voodoo Jürgens noch Musiker gibt, die nicht auf Mundart machen und dennoch erfolgreich sein können. Chick Quest haben im vergangenen Jahr ihr Debüt "Vs. Galore" veröffentlicht und dafür in den einschlägigen Magazinen und Portalen viel Befall bekommen. Nun steht für kommende Woche der Nachfolger "Model View Controller" ins Haus - Ryan White (Gesang/Gitarre), Iris Rauh (Drums), Marcus Racz (Trompete, Keyboards) und Magdalena Kraev (Bass) sind dabei ihrem eigenwilligen Stil, einer Mischung aus Spaghetti-Western, Post-Punk und Art-Rock, treu geblieben, zu den beiden bislang bekannten Vorabsongs "Savant Garde" und "Down In A Crypt", hier als Video, ist gerade das dritte Stück "Exit Strategy" erschienen, am Freitag dann der komplette Rest.





Der Ringer: Allein gelassen

Der Ringer
Support: Erregung öffentlicher Erregung
Orangehouse, München, 18. Februar 2017

Am späten Nachmittag twitterte die Münchner Polizei, gerade habe sie aus Anlass der Sicherheitskonferenz in der Fußgängerzone eine Menschenkette mit dreihundert Teilnehmern aufgelöst. Man weiß jetzt nicht so recht, wie ironisch der Tweet gemeint war, die Ordnungshüter haben ja in letzter Zeit beim lockeren Umgang mit sozialen Netzwerken einiges dazugelernt, außerdem kennt München tatsächlich aus der jüngeren Geschichte beeindruckendere Demonstrationszüge. Traurig ist es allemal. Traurig auch, daß die Hamburger Band Der Ringer ihr Konzert am gleichen Abend im Feierwerk nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen musste, obwohl von einem Sicherheitsrisiko nichts bekannt war und keine Ultragruppierung zuvor beleidigende Spruchbänder aufgehängt, geschweigedenn Eltern und Kindern körperliche Gewalt angedroht hatte, die eine großzügige Absperrung des Areals notwendig machten. Schade auch deshalb, weil das Debütalbum der fünf ein wirklich gutes ist.



"Soft Kill" vereinigt sphärische, elektronische Klänge des Spacepop und Post-Punk mit wütendem Gitarrenkrach, die Texte verhandeln die Existenzangst, Orientierungslosigkeit und das Gefühlschaos junger Menschen, die sich oft allein gelassen wähnen und hilflos agieren angesichts der scheinbaren Fülle von Möglichkeiten, die ihnen virtuelle Welten bieten. "Orbit", "Apparat", "Violence" und "Ohnmacht" - allesamt Teile des Soundtracks unerfüllter Hoffnungen, möglicher Lebensträume am Ende der Adoleszenz. Sänger Jannik Schneider unterstreicht die Unentschiedenheit und den Wankelmut seiner Generation durch seine ungelenke Gestik, verloren taumelt er im blaukühlen Scheinwerferlicht, schreit seinen Unmut heraus und fällt am Ende gar auf die Knie: "Ein Tunnelblick, Kontrollverlust, ich habe Angst, dessen bin ich mir bewusst. Was spricht dagegen, ohnmächtig zu sein, nichts zu spüren muss doch schön sein. Ohnmacht - du zwingst mich in die Knie, Ohnmacht - so mächtig warst du nie." Nicht ganz die Worte, um aufgeregte Gemüter zu beruhigen, ein paar Zuhörer mehr hätte man ihnen dennoch gern gewünscht.

Samstag, 18. Februar 2017

Lambchop: Zauberkasten [Update]

Lambchop
Kammerspiele, München, 15. Februar 2017

Der erste Dank geht an selbstverständlich an die Musiker, der zweite dann schon ans Haus. Man will ja einen solchen Abend nicht neben rempelnden Dauerquatschern mit Smartphone und Plastikbierbecher im Anschlag in einer dieser zugigen Mehrzweckhallen verbringen, deren einzige Bestimmung darin besteht, möglichst viele Menschen unter maximalem Lärmpegel zu versammeln. Tontechniker, die solche akustischen Höllenorte auszusteuern vermögen sind so selten wie Großhirn bei Breitbärten. Dennoch konnte man froh sein, daß die Münchner Kammerspiele nicht über bequemere Sitzmöbel verfügen, anderenfalls wäre man während des Konzertes am gestrigen Abend in allergrößter Zufriedenheit weggedämmert – tags drauf hätte der Boulevard dann auf Drogenhappening oder Massenhypnose tippen können. Nein, es waren nur Kurt Wagner und seine formidable Countrykombo Lambchop, die in intimer Theateratmosphäre auf Promotiontour vorbeigeschaut haben.

Der Sound der Formation aus Nashville ist ja wie gemacht für samtbezogenes Gestühl und Theaterbühne, vor Jahren gastierte die Band schon zu einem ebenfalls denkwürdigen Auftritt im Amerika-Haus, wen man heute davon erzählen hört, dem steht ein selten seliger Ausdruck ins Gesicht geschrieben. Der Unterschied: Die Gruppe ist ungefähr auf ein Drittel geschrumpft, Vorband wird keine gebraucht und – markanteste Änderung – Gemütsmensch Wagner setzt nun auf ein kleines Maschinchen, das er auf einem Klappstuhl vor sich platziert hat und das warme, tiefe Timbre seiner Stimme auf sehr zeitgemäße Art verfremdet, Hilfswort: Autotune. Frank Ocean macht das, Kendrick Lamar ebenfalls und Wagner hat auf dem neuen Album „FLOTUS“ ebenfalls sehr großen Gefallen daran gefunden. Natürlich ist das selbst für alternativen Country eine mehr als marginale Neuerung, hinzu kommen ja noch reichlich geloopte, elektronische Versatzstücke, die der Mann aus seinem Zauberkasten holt und so den Großteil der neuen Stücke präsentiert.

Gemeinsam mit Piano, Bass, behutsamem Schlagwerk und ab und an einer gezupften Gitarre wird daraus der gewohnt ausgeklügelte, raumgreifende Sound dieses bewunderswerten Klangkörpers. Fast das komplette aktuelle Album, jedes Stück gefühlte dreißig Minuten lang, wird aufgeführt, hinzu kommen einige ältere Stücke von nicht weniger gelungenen Vorgängern wie „Mr. M“ oder „Is A Woman“, alles in allem ein Hochgenuß, den man in dieser Vielschichtigkeit und Konzentration nur vom Jazz oder der klassischen Musik kennt. Oder eben von Lambchop. Daß der eher wortkarge Wagner den Part des Entertainers an seinen Pianisten delegiert, ist auch kein Schaden, so erfährt man (neben dem obligatorischen Trump-Witz) wenigstens, daß der auf den ganzen elektronischen Firlefanz eigentlich überhaupt keine Lust hat und die Frau am Merchandising-Stand einen nachträglichen Besuch wert ist. Gesagt, getan, er hatte Recht. Und selbst bei der ungewohnt lauen Winternacht, die einen vor der Tür erwartet, mag man nun nicht mehr an Zufall glauben...

Update: Gerade im Netz unterwegs ist Clip und Mitschnitt von einem exklusiven Lambchop-Auftritt aus dem vergangenen Jahr in Köln (Weekend-Festival), bei dem sich lokale Elektrokünstler wie Söhnlein Brilliant, Colorist und Retrogott zusammen mit Kurt Wagner an eine Reinterpretation von "FLOTUS" wagten - Dank an Stereogum für den Tip.



Tracklist:
Kurt Wagner – “Howe”
Gregor Schwellenbach – “JFK”
Gregor Schwellenbach – “Directions To The Can”
Söhnlein Brilliant – “Harbor Country”
Söhnlein Brilliant – “Writer”
Colorist – “Relatives #2″
Colorist – “NIV”
Retrogott – “In Care Of 8675309″
Twit One – “Flotus”
Philipp Janzen, Marvin Horsch und Gregor Schwellenbach – “Old Masters”
Philipp Janzen und Marvin Horsch – “The Hustle”

Middle Kids: Rasanter Aufstieg

Wieder mal was aus der Rubrik "Besser spät als nie": Bei der Recherche zum neuen, unbestreitbar großartigen Album "Prisoner" von Ryan Adams stößt man fast zwangsläufig auf das australische Trio Middle Kids. Denn auch Adams selbst sind die drei vor einiger Zeit äußerst positiv aufgefallen und so begleiten sie ihn bald auf einer Reihe seiner Auftritte. Gut, daß er sie jetzt gebucht hat, denn wenn die Band weiterhin so erstklassige Musik macht wie auf ihrer gerade erschienenen, selbstbetitelten EP, dann sollte es bald verdammt schwer werden, sie noch als Support zu verkaufen, es dürfte dann schon der Headliner sein. Alle sechs Stücke der 12" sind feinster Countryrock, Hannah Joy, Tim Fitz und Harry Day schaffen es, die Zuhörer mit Schmelz und Melancholie zu packen, süßlich wird es aber trotzdem nicht und auch die Gitarren knirschen recht anständig und deutlich oberhalb des 0815-Levels. An Erfahrung mangelt es den dreien nicht, Joy und Fitz haben sich zuvor solistisch ausprobiert und Day spielte bis vor kurzem bei der Formation Beaten Bodies. In der jetzigen Konstellation sollte jedoch, darf man vermuten, das größte Potential liegen, der Gastauftritt in der Late-Night bei Conan O'Brien, eine Grußadresse von Elton John, Dauerrotation im College-Radio - viel besser kann es momentan nicht laufen für die Mittelklassekinder. Anbei mit "Never Start", "Edge Of Town" und "Your Love" drei der Songs der besagten EP im Videoclip, den Rest kann man sich entweder bei Spotify oder Stereogum anhören.