Samstag, 18. Februar 2017

Gurr: Mit Ansage [Update]

Gurr
„In My Head“

(Duchess Box Records)

Sieht ganz so aus, als hätten es die beiden geschafft. Wenn man als deutscher Künstler noch vor der Veröffentlichung des Debüts zum Gesprächthema der englischen und amerikanischen Webportale wird, die nur den heißesten Scheiß in die Auslage stellen, wenn man eine Einladung zum legendären SXSW nach Texas bekommt und für die nächsten Monate schon fest für UK verbucht ist, dann kann an dem, wofür Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins als Garagenpop-Duo Gurr stehen, nicht so viel verkehrt sein. Musik machen die beiden Freundinnen ja schon seit mehr als vier Jahren, außerhalb ihrer Wahlheimatstadt Berlin sind sie gewissenhaften Perlentauchern spätestens seit der EP “Furry Dream” ein Begriff und auch wenn der von ihnen scherzhaft benannte “Gurrlcore” von Bands wie Bikini Kill oder Le Tigre (motor.de) schon noch ein paar Takte entfernt ist, hebt sich “In My Head” doch angenehm vom glattgebügelten Standardformat ab. Zu den beiden bislang bekannten Singles “Moby Dick” und “Walnut/Walnuss” gesellen sich hier neun weitere Stücke lässiger Indierockness – ansprechend bratzige Bluesgitarren, dem Surfsound der 60er auch nicht abgeneigt und mit Melodien verbastelt, die denen ihrer Idole Warpaint nicht unähnlich sind. Dass sich die beiden ihre Band mit einem Namen schmücken, obwohl wenigstens eine von ihnen eine (durchaus nachvollziehbare) Taubenphobie hat, entspringt wohl einem sehr speziellen Humor. Selbigen hört man im Übrigen auch schon bei den frühen Songs des Duos heraus, unvergessen hier die fabelhaft böse Textzeile “Joseph Gordon-Levitt, don't you worry you don't have cancer, Joseph Gordon-Levitt don't you worry it's just the make-up” über die aus ihrer Sicht mangelhafte Leistung des Schauspielers im Film “50/50”. Die Texte der aktuellen Stücke sind da etwas weniger bissig, hier geht es eher um so traurige Dinge wie den Verlust nahestehender Menschen (“Yosemite”), ein Leben ohne Halt (“#1985”) und die Liebe in den Zeiten der Parallelwelten von Tinder und Chatrooms ("Computer Love"). Trotzdem bleibt’s dabei: Es wäre wirklich mehr als verwunderlich, wenn das kein Senkrechtstart mit Ansage wird.

23.11.  Ludwigshafen, Kulturzentrum dasHaus
24.11.  Zürich, The Gonzo Club
28.11.  Berlin, Kantine am Berghain

Update: Nachzügler zur rechten Zeit - "#1985" jetzt mit Video und dem weltberühmten Instagram-Künstler @andifishfish.



Freitag, 17. Februar 2017

Dutch Uncles: Flummy mit Schluckauf

Dutch Uncles
„Big Balloon“

(Memphis Industries)

Geschwindigkeit scheint im Leben der Dutch Uncles eine wichtige Rolle zu spielen, nicht umsonst ließen sie sich im Video zum Titelsong ihrer aktuellen Platte beim Besuch eines Crashcar-Rennens ablichten. Fünf Alben in acht Jahren, die Jungs sind also auch bei der Arbeit so schnell wie sie auf “Big Balloon” klingen, Tanzmusik für Tempo-Maniacs, zehn aufgekratze, atemlose Songs als Stilmix aus Post-Punk, Indiepop und Funk. Sie haben ja 2008 deutlich dunkler begonnen, damals noch ausgewiesene Fans von Interpol und The Smiths, mittlerweile geht es weitaus lebendiger und verspielter zu. Duncan Wallis Stimme erinnert mit ihrer androgynen Färbung noch immer stark an Alexis Taylor und Hot Chip, die federnden, zackigen Gitarren wiederum an Franz Ferdinand. Glaubt man den vieren, dann wird dies das letzte Werk mit einem solchen Sound sein – der Nachfolger soll dann mit der bisherigen Linie brechen und etwas vollkommen Neues bringen. Bis es soweit ist, sollte man den so aufgeregten wie aufregenden Beat von Hitsingles wie “Baskin’”, “Streetlight” und “Oh Yeah” auf keinen Fall verpassen. Daß ein Song des Albums tatsächlich “Hiccup” heißt, trifft im Übrigen den Nagel auf den Kopf, eine weitere Pointe ist Duncan Wallis bei der Beantwortung der Frage gelungen, wie er denn einem gänzlich Unwissenden den Stil seiner Band erklären wollte: „I would simply say that after five albums we almost sound like our name suggests“ – viel mehr Weisheit läßt sich in einem Satz kaum unterbringen, Chapeau! http://dutchuncles.co.uk/

Rodes Rollins: Weit gereist [Update]

Und wo wir gerade bei der Abteilung "Popfeinkost" sind: Rodes Rollins stammt ursprünglich aus Colorado, verbrachte einige Zeit ihres noch jungen Lebens in Buenos Aires, Argentinien und lebt nun wahlweise in New York und Los Angeles. Von dort kennt sie sicher auch Stella Mozgawa, Drummerin der All-Girl-Kombo Warpaint, die ihr auf der bezaubernden neuen Single "Young And Thriving" an den Sticks zur Seite steht. Produziert wurde der Song von Alex Goose (Weezer), bald wird ihm die EP "Young Adult" folgen.

Update: Viel mehr als diese Aktualisierung haben wir leider noch nicht, aber wenigstens den neuen Song "Wes Come Back" - Ähnliches darf 2017 gern folgen. Und genau das tut es jetzt - hier ist die neue EP in voller Länge.

Hater: Schöne Versuche

Jetzt wird es dann doch mal Zeit, ein paar Worte zur schwedischen Band Hater zu verlieren: Auch wenn der Name des Quartetts aus Malmö weniger einladend klingt und eher auf grimmigen Punk oder Metal schließen läßt, Caroline Landahl, Måns Leonartsson, Adam Agace und Lukas Thomasson machen eigentlich wunderbar eingängigen Indiepop und nach der ersten EP "Radius" aus dem vergangenen Jahr ist für den 10. März endlich ihr Debütalbum "You Tried" via PNKSLM angekündigt. Davon waren bislang die Stücke "Mental Haven" und "Had It All" bekannt, nun kommt mit "Cry Later" Single Nummer drei daher, ebenso schön, ebenso vielversprechend.

The Shins: Herzlich [Update]

Wir waren, das muss man sagen, zum letzten Album der amerikanischen Indie-Band The Shins um Mastermind James Mercer wirklich nicht sehr gnädig - was Wunder, hatte man doch zum einen Natalie Portmans unsterblich zauberhaften Satz an Zach Braff aus dem Film "Garden State" zum Stück "New Slang" noch im Kopf ("Dieser Song wird dein Leben verändern"), andererseits enthielt besagtes "Port Of Morrow" mit gutem Willen anderhalb brauchbare Lieder. Kann sein, daß Besserung in Sicht ist, denn am 10. März soll nun endlich "Heartworms" bei Columbia erscheinen und die beiden ersten Hörproben "Dead Alive" und "Name For You" enttäuschen schon mal nicht. Immerhin.

Update: Aller guten Dinge... - hier der dritte Wurf mit der Single "Mildenhall".





Donnerstag, 16. Februar 2017

Summer Moon: Nur ausgeliehen [Update]

Normalerweise soll man ja, was man sich borgt, auch baldmöglichst zurückgeben. Summer Moon, Band von Strokes-Bassist Nicolai Fraiture, leihen sich mal eben den Drumpart von Joy Division's "Heart And Soul" aus und geben diesen quasi zusammen ihrer neuen Single "Happenin'" schnurstracks zurück an's Publikum. Clever. Und klingt noch dazu verdammt gut. Genauso wie wahrscheinlich das ganze Album "With You Tonight", das am 24. Februar erscheint.

Update: Jetzt auch mit Video und klar - der Song bleibt ein guter.



Mittwoch, 15. Februar 2017

Ryan Adams: Auf dem besten Weg

Ryan Adams
„Prisoner“

(Blue Note)

Was soll bei diesem Mann eigentlich schon schiefgehen? Ryan Adams hat eine große Zahl bemerkenswerter Platten, ob solo oder gemeinsam mit diversen Begleitbands, eingespielt, er hat sich nur wenige mittelmäßige geleistet und ist damit gescheitert. Am Metal verbrannte er sich die Finger, der Versuch aber, ein komplettes Album von Pop-Barbie Taylor Swift zu covern, ist ihm dagegen erstaunlich stimmig gelungen. Selbst der Zwist mit dem Namensvetter ist vom Tisch, mittlerweile können Bryan und Ryan wohl herzlich darüber lachen, das Artwork der letzten Studioarbeit (2014) spricht genauso dafür wie der Umstand, daß der „Summer Of ‘69“ auf Konzerten nicht mehr länger Grund für einen Rauswurf ist – der Song gehört mittlerweile zum Repertoire.

Aus dem einstigen enfant terrible scheint also ein umgänglicher, tiefgründiger Künstler geworden zu sein, dessen Gedanken, wen wunderts, mehr und mehr um die Grundsätzlichkeiten des Lebens kreisen. Bestes Beispiel sein aktuelles Werk, ausschließliches Thema hier: Die Liebe. Weil jedoch Umgänglichkeit nicht bedeutet, daß Adams zum blauäugigen Schwärmer mutiert ist, klingt seine Platte entsprechend traurig, singt er nicht von der glücklichen, sondern der zurückgewiesenen, enttäuschten, unerwiderten Liebe. Sie macht ihn zum Gefangenen, Getriebenen, zum Einsamen, zeigt ihn verletzlich, voller Leidenschaften und Sehnsüchte. Für Adams ist die Liebe, das hat er gerade einer Zeitung verraten, ein unangreifbares Weltengesetz, gegen das sich zur Wehr zu setzen nur auf einen Irrweg führen kann. Wer die Liebe nicht anerkennt, wählt den Hass, so simpel ist seine Rechnung. Ohne Schmerz allerdings ist sie nicht zu bekommen, nur diejenigen also, deren Herzen schon einmal gebrochen wurden, wissen, was sie vermissen, nur sie kennen das höchste Gut, nach dem es zu streben gilt. Und natürlich nimmt sich Adams, Bluesmusiker durch und durch, der dunklen Seite des Verlangens an, dafür hat er die Melodien, die Akkorde und nicht zuletzt seine kratzige, leicht vernuschelte Stimme: „As the fire burns around us in the dark, one part is the world and one's my heart („Doomsday“).

Schöne Lieder sind da zu hören, krachige wie der Einstieg „Do You Still Love Me?“, perlende Hooks wie beim Titelstück oder „Outbound Train“. Ein Name, auch das ist klar, darf hier natürlich nicht fehlen: Zusammen mit Adam Granduciel (The War On Drugs) arbeitet der sich der Mann aus Jacksonville ja hörbar an der legitimen Nachfolge von Bruce Springsteen ab. Auch wenn er das wahrscheinlich stolzeshalber nie zugeben würde, ein Song wie „Shiver And Shake“ ist so bossy wie kaum ein anderer von ihm – weil Springsteen selbst in den letzten Jahren nochmals an Kontur, an Schärfe gewonnen hat, ist das heute, anders als noch in vergangenen Dekaden, eher Ansporn als billiges Kompliment. Adams kann mittlerweile beides, den klassischen Rocksong, der nicht platt und todgeritten klingt, genauso wie die anrührenden Balladen. Und weil die wirklich Guten mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung in diesem Metier immer besser werden, muß einem um Ryan Adams nicht bange sein – er ist auf dem besten Weg. http://paxamrecords.com/

Dienstag, 14. Februar 2017

Cold Beat: Kalt erwischt

Auf keinen Fall vergessen wollen wir diese wundervolle Single: "62 Moons" stammt von Hannah Lew, die im Hauptjob Bassistin bei Grass Widow aus San Francisco und seit 2013 unter dem Moniker Cold Beat solistisch unterwegs ist. Zwei Alben hat sie in dieser Zeit vorgelegt, nun folgt am 7. April mit "Chaos By Invitation" auf dem eigenen Label Crime On The Moon die LP Nummer drei - hier also schon mal dreampoppin' Post-Punk.

Montag, 13. Februar 2017

Ghostly Kisses: Gefangen

Gute Nachrichten für alle, die dieser Song vor einigen Monaten schon gefangen genommen hat: "Empty Note" von Margaux Sauvé alias Ghostly Kisses hat nun endlich auch ein Video bekommen - die Bilder stammen von Matt Charland, das Stück von der EP "What You See", die am 24. März erscheinen wird.

Bilderbuch: Locker weiter

Bilderbuch
„Magic Life“

(Universal)

Das gleich vorweg, denn die Frage wird wieder kommen: Wieso gibt es das nicht bei uns, warum können wir das nicht? Wir Deutsche neigen ja, wenn andere etwas anders oder vielleicht sogar besser machen als wir selbst, seit jeher zu einer unangenehmen Mischung aus Neid, Missgunst und Selbstzweifel. Wenn also etwas schicker, smarter, lässiger oder im schlimmsten aller anzunehmenden Fälle gleich alles zusammen ist, dann wollen wir auch gleich so sein und piesacken uns selbst mit Vorwürfen, warum um alles in der Welt das denn nicht gelingt. Dabei ist es doch gar nicht so schlimm, nicht immer nur vorndran zu sein, mal andere machen und gelten zu lassen – Berlin ist eben nicht New York, Hamburg kein cool Britannia und München schon gar kein Wien. Paßt eh. Und: Nein, eine Band wie Bilderbuch gibt es hierzulande nicht.

Freuen wir uns deshalb, daß die Jungs auch mit ihrem neuerlichen vierten Album kaum an Reiz verloren haben. Gut, es braucht diesmal, anders als noch bei „Schick Schock“, ein paar Takte länger, bis man dem Flow der vier folgen kann – vielleicht liegt es an der Aufteilung der Stücke, vielleicht an den vielen Intros, Interludes und sonstigem Firlefanz, daß man nicht sofort bei der Sache ist. Der Einstieg jedenfalls superlasziv, sexy und sweet, spätestens im „Bungalow“ gibt man dann das gestresste Hirn bereitwillig an der Garderobe ab und genießt die wohl angenehmste Form der Realitätsflucht – Stangentanz mit Staubsauger, Lipgloss und Proseccoperlen, da wird selbst der Skoda zur Liebesschaukel und alles, alles ist candy. Die grellen Riffs dazu als signature moove, der fabelhafte Maurice Ernst gibt als glaubhafte Mischung aus Falco und Prince wieder den austrian gigolo und mischt uns später, wenn der Perlwein aus ist, einen „Sprit n’Soda“ auf’s Haus.



By the rivers of cashflow, was geht’s uns gut. Der Sprung von der tiefergelegten Ganzkörperbetäubung auf zur durchgedrehten „SUPERFUNKYPARTYTIME“ macht hier schon ein paar Höhenmeter aus, die Ausschläge sind krasser als auf dem Vorgänger - sag Baba zum Papa, loslassen muß man hier schon können, sonst wird’s nix mit dem Vergnügen. Wunderbar geschmeidiger Funk, der auch mal herrlich sinnentleert in der Gegend herumdengelt – Boomshakalaka, Baby. Daß anders als zuvor bloß zweieinhalb fesche Hitsingles dabei sind, kann man bedauern. Aber wie sagen die Mexikaner, wenn sie auf die geplante Grenzmauer von crazy Trump angesprochen werden? „Werden wir schon drüber wegkommen…“ Bilderbuch bleiben magic, weil sie sich nicht irritieren lassen. Weil sie weitermachen. Wo andere die Rechenmaschine anwerfen, zünden sie sich erst mal ‘nen Tschick an und geben sich betont locker: Frinks für alle!

17.02.  Berlin, Volksbühne
26.03.  Zürich, X-Tra
27.03.  Offenbach, Capitol
28.03.  Köln, Palladium
29.03.  Berlin, Columbiahalle
30.03.  München, Zenith
31.03.  Leipzig, Haus Auensee
02.04.  Stuttgart, Im Wizemann
03.04.  Hamburg, Docks
04.04.  Hamburg, Docks
05.05.  Graz, Kasematten
06.05.  Graz, Kasematten
17.05.  Wien, Arena Open Air
18.05.  Wien, Arena Open Air
26.08.  Linz, Tabakfabrik Open Air

Sonntag, 12. Februar 2017

The Staves: Gegenteil

Wer die Musik der Geschwister Staveley-Taylor, also Emily, Jessica und Camilla, besser bekannt als das Folk-Trio The Staves, bislang als allzu erbauliches, mehrstimmiges Gezupfe (wie auf dem letzten Album "If I Was") eher mit spitzen Finger angefaßt hat oder nur in selbige nahm, wenn das anstehende Date auf keinen Fall danebengehen durfte, der muß mit der aktuellen Single umdenken. Gerade haben die drei Schwestern eine Doppel-A unter dem Titel "Tired As Fuck/Train Tracks" veröffentlicht - Song eins mit rauher Bluesgitarre, düsterer Stimmung. Auch das Video kommt ganz ohne Haargeflatter im Sonnenlicht aus, dagegen monochrome Grobkörnigkeit, keine Schnitte, ernstes Gesicht - was gänzlich anderes also, sehr stark.

Samstag, 11. Februar 2017

St. Vincent: Vielbeschäftigt

Nicht, daß sie uns irgendwann mal aus den Latschen kippt: Annie Clark aka. St. Vincent hat gerade ziemlich viel zu tun. Vor einiger Zeit begann die Promo für den Horrorstreifen "XX", ein vierteiliger Gruselschocker, in welchem sie ein Viertel mit dem Titel "The Birthday Party" als Regisseurin verantwortet - gekillt wird, so kann man dem Trailer entnehmen, in jeder der Episoden recht ordentlich. Und jetzt ist sie auch noch zur Botschafterin von Recorstorda, einem russischen Schurkenstaat ernannt worden - äh, naja, nicht wirklich, eigentlich geht es um den nächsten Record Store Day, aber die Geschichte, die Funny Or Die daraus zimmern, ist wirklich ziemlich lustig. Nebenher war noch Zeit für einen Model-Job bei der Zeitschrift "Guitar World" - und ein neues Album soll in diesem Jahr auch noch herausspringen. Puh, wie gesagt, viel zu tun...



Freitag, 10. Februar 2017

No Joy: Mal was anderes

No Joy
„Creep“

(Grey Market)

Zäsuren im Leben werden ja gern von Äußerlichkeiten begleitet – neue Frisur die Dame, Schnauzer oder ab desselben der Herr, ganz wie es gefällt. Jasamine White-Gluz und Laura Lloyd, seit 2009 gemeinsam unter dem reichlich motivierenden Namen No Joy unterwegs, haben sich nach vielen Jahren bei Mexican Summer und Topshelf ein neues Label gesucht und veröffentlichen nun bei Grey Market – um das zu feiern, gibt es gleich eine neue EP. Und einen etwas anderen Sound: “Creep” enthält vier Stücke, die allerdings nur noch schwerlich unter dem Etikett Shoegazing zusammenzufassen sind. Nimmt man sich zum Beispiel “Tearing Apart The Dark”, dann darf man das auch ruhig mal Metal nennen, dann macht auch die giftgrüne Typo auf der Plattenhülle wieder Sinn. Natürlich haben sie noch etwas Dreampop im Programm, gerade die Single “Califone” gibt sich ja recht geschmeidig – nur sind diese Töne, zumindest auf der 12”, in der Minderheit, beim Rest geht es eher härter zur Sache. Beim Rausschmeißer “Fluorescent Dread” wird es dann ganz wild, auf Industrial-Klänge war man zugegebenermaßen nicht so recht vorbereitet. Wird spannend, wo die Reise in Zukunft hingeht, Langeweile ist jedenfalls kaum zu erwarten. https://nojoy.bandcamp.com/

The Jesus And Mary Chain: Buchstabensuppe [Update]

Man ist gut beraten, sich mit dem Jubel bei solchen Nachrichten erst mal etwas zurückzuhalten: The Jesus And Mary Chain haben, es hatte sich in den letzten Wochen schon angekündigt, nun engültig einen Termin für die Veröffentlichung ihres neuen Albums "Damage And Joy" benannt - am 24. März wird der Nachfolger von "Munki" (1998) in die Läden kommen und die erste Single "Amputation" im Laufe des heutigen Abends bei Steve Lamacq’s BBC 6 Music laufen - und hier ist er dann auch gleich vor Ort.

20.04.  Darmstadt, Centralstation
21.04.  Hamburg, Fabrik
24.04.  Berlin, Huxleys Neue Welt
25.04.  Köln, Live Music Hall



Grimes vs. Janelle Monae: Fight Club

Besser spät als nie: Claire Boucher alias Grimes hat sich für das Video zu "Venus Fly", einem Track ihres letzten Albums "Art Angels", ziemlich viel Zeit gelassen - liest man sich die ellenlange Liste aller Mitarbeiter durch, weiß man auch, warum. Allein für Kostüme und Effekte sollten hier Monate draufgegangen sein, von Make Up, Styling etc. mal ganz zu schweigen. Stargast im schön anzuschauenden Fight Club der Super-Prinzessinnen ist natürlich Janelle Monáe - beiden Damen zusammen geht man(n) mit Sicherheit ziemlich schnell in die Falle.

Second Still: Ganz schön kalt

Gegen eine gelegentliche Abkühlung ist ja nichts einzuwenden, diese hier läßt einen eher frösteln: Second Still stammen aus Los Angeles und zählen, da muß man nur wenige Takte lauschen, dem Genre Post-Punk und Coldwave zu. Eine EP mit dem Titel "Early Forms" aus dem vergangenen Jahr steht für das düstere Trio bislang zu Buche, nun soll am 4. April via Manic Depression Records (wo sonst) das Longplayer-Debüt folgen - die erste Auskopplung "Recover" hier als Stream.

Pale Honey: Beiderseits

Sie bleiben Meisterinnen des "sowohl als auch": Das schwedische Duo Pale Honey hat ja im Sommer 2015 mit seinem selbstbetitelten Debütalbum ein Lehrbeispiel dafür vorgelegt, wie wohlüberlegtes, akzentuiertes Songwriting funktionieren kann - laut, leise, viel, wenig, man muß nur wissen, was zu welcher Zeit. Grund zur Freude also, daß sich Tuva Lodmark und Nelly Daltrey offenbar entschlossen haben, den Nachfolger anzugehen. Vor ein paar Monaten gab es mit "Real Thing" die erste, etwas wildere Hörprobe, jetzt folgen mit "Why Do I Always Feel This Way" die gemäßigteren Töne. Wie das Komplettwerk ausfällt, werden wir dann im Laufe des Jahres erfahren.

Dutch Uncles: Erwartungsvoll

Noch eine Woche hin, dann erscheint mit "Big Balloon" der vermeintliche Indiepop-Höhepunkt des Jahres. Abwarten - aber nach den ersten beiden Vorauskopplungen der Dutch Uncles darf man zumindest vorfreudiger Erwartung verharren. Und um die Ambitionen zu unterstreichen, schicken die vier Herren gerade noch den Song "Streetlight" hinterher, und was soll man sagen, die Zweifel werden immer kleiner.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Love A: Herausragend

Es wird wohl dabei bleiben: Love A, Post-Punk-Quartett, zusammengewürfelt aus den Städten Trier, Wuppertal und Köln, behalten eine Ausnahmestellung in der hiesigen Musiklandschaft inne. Der treibende Noise im Zusammenspiel von Gitarre und Bass zwischen Stefan Weyer und Dominik Mercier, die dunkel polternden Drums von Karl Brausch, vor allem aber der aufgekratzte, immer leicht überkippende Gesang von Jörkk Mechenbier - all das hebt sie ab vom Üblichen. Drei Alben haben Love A bislang veröffentlicht, am 12. Mai soll mit "Nichts ist neu" das vierte via Rookie Records hinzukommen und wer sich den beeindruckenden Kurzfilm zur Vorabsingle "Nichts ist leicht" anschaut und vielleicht ein paar Minuten mehr investiert, um via Youtube den kleinen Text darunter zu lesen, der darf wohl sicher sein, daß sich die Band ihrer Linie treu bleiben wird.

11.05.  Münster, Gleis22
12.05.  Nürnberg, Desi
13.05.  Berlin, Festsaal Kreuzberg
24.05.  Hamburg, Molotow
25.05.  Düsseldorf, zakk
26.05.  Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden
27.05.  Leipzig, Conne Island

Depeche Mode: Vergriffen [Update]

Das Raunen wird lauter: Diesen Freitag soll es also soweit sein, die neue Single "Where's The Revolution" von Depeche Mode erscheint und eines ist schon mal klar - rein optisch ist das Ganze ein ziemlicher Fehlgriff. Warum die drei Herren, musikalisch noch immer vorbildhaft und selbst einigermaßen inspiriert, so unbeirrbar an einem Illustrator Anton Corbijn festhalten, wo dessen Stärken doch ausgewiesenermaßen im Foto- und Filmbereich beheimatet sind, wird ein Rätsel bleiben. Verwischte Typo, infantile Symbole, da ist die tote Ente von "Playing The Angel" und das Aschenbechermotiv bei "Sounds Of The Universe" fast schon gelungen. Sei's drum, entscheidend ist der Inhalt und da wird man Ende der Woche Genaues wissen. Das dazugehörige Album "Spirit" dann am 17. März.

Update: Da ist der erste Vorgeschmack im Audiostream - "Where's The Revolution". Kleiner Hinweis noch zum Tracklisting - zwölf Stücke werden auf dem neuen Album enthalten sein, für die Deluxe-Ausgabe stehen dann noch, wie folgt, fünf Remixe zu Buche.

Tracklist:
Going Backwards
Where's the Revolution
The Worst Crime
Scum
You Move
Cover Me
Eternal
Poison Heart
So Much Love
Poorman
No More (This is the Last Time)
Fail
Deluxe:
Cover Me (Alt Out)
Scum (Frenetic Mix)
Poison Heart (Tripped Mix)
Fail (Cinematic Cut)
So Much Love (Machine Mix)

Und auch das Video zur Vorabsingle ist da - gedreht natürlich von Anton Corbijn. Und - das kann er!