Donnerstag, 24. September 2015

Andreas Spechtl: Erinnerungshilfe

„Germans, they get dangerous after dark, so watch out in Dresden, München, Berlin, after dark“ - Worte, die an Bedeutung nichts verloren haben, vor allem nicht in den letzten Wochen. Der Schöpfer dieser Zeilen ist Andreas Spechtl, Sänger von Ja, Panik und in diesem Jahr mit seiner ersten Soloplatte "Sleep" unterwegs. Und weil der Song "After Dark" durch die politischen Geschehnisse hierzulande eben aufgeladen bleibt, widmen Spechtl und Filmemacher Manuel Gehrke den Videoclip aktuell dem Philosophen Walter Benjamin, der sich 1940 auf der Flucht vor den Nazis das Leben nahm.

Spirit Animal: Lockermachen

So, beginnen wir diesen Tag mal mit ein paar Lockerungsübungen: Spirit Animal kommen aus dem umtriebigen New York, genauer Brooklyn, und haben gerade ihre neue Single "Regular World" im Angebot - klassisch funkiger Crossover mit fettem Bass, Gitarrenkrach und ordentlich zackigen Lyrics - wir denken: So kann aus dem Tag was werden. Das Album "World War IV" kommt dann am 30. Oktober.

Mittwoch, 23. September 2015

New Order: Freischwimmer

New Order
„Music Complete“

(Mute Records)

Ganz ehrlich: Die Messer waren gewetzt, die Hinrichtung schon vorbereitet. Einstieg über das klassische Odd-Couple-Zerwürfnis (Waters/Gilmour, Collins/Gabriel, Townshend/Daltrey waren notiert), da hätten Hook und Sumner mit ihren kindischen Sandkastenstreitereien wunderbar hineingepaßt und nach der Veröffentlichung der ersten Single “Restless”, die nun wirklich eine ziemlich schwache Nummer abgab, war die Richtung klar und das Urteil gesprochen. Nun wird man von älteren Herren und Damen in dieser Branche, nimmt man Johnny Cash, Leonhard Cohen und Marianne Faithfull mal beiseite, nicht oft überrascht, in diesem speziellen Fall muss man allerdings unumwunden der Wortmeldung von Barry Walters aus dem amerikanischen Rolling Stone folgen, der da schrieb: "Just as [Ian] Curtis' suicide inspired his bandmates to reinvent themselves as New Order in 1980, Hook's departure frees them to create their most varied and substantial work in decades", Ansage – Punkt.

Und das ist nicht übertrieben: Man hat tatsächlich den Eindruck, Sumner und Kollegen hätten sich auf dem ersten Album der Post-Hook-Ära seit langem mal wieder richtig freischwimmen, austoben können, mit einem neuen Bassisten an Bord (Tom Chapman) und der Wiedergängerin Gillian Gilbert haben die fünf lustvoll gegen jede Erwartung gearbeitet und dabei ein Meisterstück abgeliefert. Was gibt es nicht alles zu hören: schiefen, schlierigen Synthrock (“Singularity”), ganze drei Stücke mit Elly Jackson aka. La Roux, von denen das pumpende “Plastic” das stringenteste und der Moroder-Glampop von “Tutti Frutti” das überraschendste ist. Gutgelaunten Diskofunk (der mit Hook so ganz sicher nicht funktioniert hätte), wilden Stilmix samt eigenwilliger Percussions und dem Gegrummel von Iggy Pop (“Stray Dog”), die Streicher werden, nicht gerade zimperlich, bis hin zu Rondo Veneziano verbaut und wenn dann ein paar Gitarren erklingen, dann schimmern und schillern diese Hooks (ist das so noch politisch korrekt?!) auf allerschönste Weise.

Natürlich gibt es auch Reminiszenzen und Grüße an die eigene Vergangenheit, als der Sound von New Order, das darf man ohne Wehmut sagen, noch ein unverwechselbarer, identitätsstiftender war. Gerade in “Academic” und “Nothing But A Fool” werden die Nostalgiker einiges wiedererkennen, was vieler Menschen Jugend als Soundtrack begleitet hat – ein paar melancholische Schleifen, angeschlagene Akkorde aus dem Retrobaukasten, sparsam eingesetzt und doch immer noch für die eine oder andere Erinnerung gut. Dass sie das Ganze kaum noch für sich allein stehen lassen, sondern mit Psychrock oder gar krassem Techno (“Unlearn This Hatred“) versetzen, spricht für Mut, Innovationsgeist und den unbedingten Willen, keinesfalls in allzu rückwärtsgewandte Verhaltensmuster zu fallen. Ob’s dafür noch den leicht süßlichen Kehraus mit Brendan Flowers und obendrauf ein Glockenspiel gebraucht hätte, nun gut – unterm Strich bleibt es trotzdem ein im besten Sinne verrücktes Album, zur Ruhe legen können sich gern die anderen. http://www.neworder.com/newordernow

11.11.  Berlin, Tempodrom

Und dennoch zwei aktuelle Mixe der ersten Single "Restless":

Love A: Schöne Bilder

Ein weiteres Video kommt von der Band Love A: Nach "Trümmer" und "100.000 Stühle leer" gibt es nun mit "Toter Winkel" den nächsten Emo-Happen vom Album "Jagd und Hund" - der Clip dazu ist eine Art liebenswertes Roadmovie aus der Provinz, wer möchte, kann sich die zauberhaften Töne dazu noch auf ein paar wenigen Terminen höchstselbst anhören.

24.09.  Oberhausen, Druckluft
25.09.  Flensburg, Volxbad
26.09.  Erfurt, Engelsburg
30.09.  Frankfurt, Elfer Music Club
01.10.  Nürnberg, Desi
02.10.  München, Feierwerk
03.10.  Würzburg, Cairo
04.10.  Karlsruhe, Jubez

Dienstag, 22. September 2015

Die Nerven: Ernst machen

Zugegeben: Sie haben uns lange warten lassen. Zunächst kam vor Monaten die Ankündigung, Die Nerven aus Stuttgart wären nun zum ehrenwerten Label Glitterhouse gewechselt und würden dort recht bald ihr neues Album "OUT" veröffentlichen - Punkt. Dann: Abtauchen, livemucken, sind dann mal weg. Zum Glück nimmt das Ganze nun wieder Fahrt auf, die erste Single "Barfuß durch die Scherben" steht am Start, schön zornig, zerschreddert wie eh und je, dazu das gewohnt simplifizierte Covermotiv - am 9. Oktober kommt der Rest und die Tour steht auch schon fest.

22.10.  Bonn, Harmonie
23.10.  Saarbrücken, Silo
17.11.  Wien, Fluc
18.11.  Dornbirn, Spielboden
19.11.  Graz, Postgarage
20.11.  Weels, Youki Filmfest
24.11.  Darmstadt, Oettinger Villa
25.11.  Zürich, Hafenkneipe
26.11.  Bern, Rössli
27.11.  Erlangen, PULS Festival
28.11.  München, PULS Festival
30.11.  Chemnitz, Atomino
01.12.  Leipzig, Conne Island
02.12.  Dresden, Groove
03.12.  Berlin, Lido
07.12.  Hamburg, Molotow
08.12.  Bremen, Lagerhaus
13.12.  Essen, Weststadthalle
14.12.  Köln, Gebäude 9
15.12.  Weinheim, Cafe Central
16.12.  Stuttgart, Universum

Editors feat. Rachel Goswell: Perfekte Ergänzung

Noch einmal ein paar neue Töne vor dem Release: Die Editors haben sich für ihren aktuellen Song "The Law" mit Rachel Goswell von Slowdive zusammengetan, herausgekommen ist ein erstaunlich stimmiges Downtempostück, das erst am Ende dicke draufpackt, zuvor aber angenehm entschlackt wirkt. Das Album "In Dream" erscheint am 2. Oktober.

Radio Dept. : Unentschlossen

Selbst das gemeinhin gut informierte Portal Pitchfork weiß nicht so recht: Das letzte Album der schwedischen Indiepop-Band Radio Dept. liegt mit "Clinging To A Scheme" schon knappe fünf Jahre zurück, ein neues soll in Arbeit sein, aber trotzdem bleibt es auch für den zweiten Song nach "Occupied", den gerade erschienenen Track "This Repeated Sodomy", bei der Bezeichnung "one-off-single". Das Stück geht natürlich trotzdem in Ordnung, der Rest wird sich finden.

Montag, 21. September 2015

Sleaford Mods: Stimme der Übersehenen

Einem Phänomen auf der Spur: Die Sleaford Mods sind - kaum jemand wird das ernsthaft bestreiten wollen - mehr Punk, mehr working class als alles, was da jetzt gerade auf der Retrowelle aus Great Britain herüberschwappt. Nur konsequent deshalb, dass die Filmemacher Nathan Hannawin und Paul Sng versuchen, Jason Williamson und Andrew Fearn auf die Spur zu kommen - Konzertausschnitte, politische Stimmungsbilder, Interviews mit Band, Kollegen, Journalisten und Fans. Im nächsten Monat startet die Dokumentation "Invisible Britain" in Kinos in Nottingham und London, hierzulande wird man wohl auf die DVD warten müssen. Oder ab nach Berlin, zum mutmaßlich letzten Gig des Jahres in Deutschland:

05.11.  Berlin, Astra Kulturhaus

Und übrigens immer noch top - das aktuelle Album "Key Markets".

BREVE: Feinstarbeiten

Erst ein paar trippige, leicht somnambule Synthetikloops, danach die knirschenden Gitarren - BREVE, ein australisches Trio selbstbewusster Schnurbartträger und Musiker, weiß offenbar, an welchen Knöpfen man drehen und welche Saiten wie klingen müssen, um einen in kürzester Zeit zu fesseln. Mit ihrer aktuellen Single "Movement" gelingt ihnen das vorzüglich, das dazugehörige Album, von dem man Genaueres noch nicht weiß, soll bald bei Psychic Ric Records erscheinen, bis dahin können Dougal Shaw (voc/synths), Toby Fitzgerald (bass) und Mathias Dowle (drums/synths) ja noch etwas feilen.

Saltwater Sun: Vergleichsweise egal

Waren die Engländer neidisch? Wollten sie auch mal was Ähnliches haben? Dass sich Saltwater Sun mit ihrem aktuellen Song "Making Eyes" also ein wenig wie die britische Version der schottischen Belle And Sebastian anhören, werden sie kaum abstreiten wollen (wer möchte, darf auch Camera Obscura dafür einsetzen - sind aber auch Schotten). Letztendlich ist das aber nicht wichtig, denn schließlich gilt das hauptsächlich für die neue, zweite Single, ihr Erstling "Habit On My Mind" kommt schon deutlich rockiger daher. Hörenswert sind beide in jedem Falle, die EP "Wild" folgt am 2. November".

Sonntag, 20. September 2015

Petite Noir: Zurück in die Zukunft

Petite Noir
„La Vie Est Belle/Life Is Beautiful“

(Domino Records)

Überraschungen sind, nicht erst seit die dazugehörigen Schokoeier fein säuberlich in blaue Jungs- und rote Mädchenware getrennt wurden, wirklich selten geworden. Yannick Ilunga, einer der derzeit schillerndsten Persönlichkeiten im Popgeschäft, ist mit seinem Debüt mal eine richtig gute gelungen. Der Junge bemüht ja in diesem Zusammenhang gern die von ihm selbst erdachte Wortschöpfung des ‚Noirwave‘ und wenn man seinen Lebenslauf liest und das vorliegende Album hört, weiß man, dass dies ein sehr dehnbarer Begriff sein muss. Geboren in Belgien, aufgewachsen im südafrikanischen Molloch Kapstadt, jetzt in London zu Hause, versuchte sich Ilunga zunächst in der Metalcore-Kombo Fallen Within und danach als Teil des Elektroduos Popskarr. Zumindest den Einflüssen der letzten Station kann man auf „La Vie Est Belle…“ noch nachspüren, ansonsten zeichnet sich der Erstling dadurch aus, dass er wie kaum eine andere Platte dieses Jahres konsequent sämtliche Strömungen der 80er und 90er bis zur Mitte der 2000er Jahre zu einem neuen, verheißungsvollen Sound formt – das ist Petite Noir, das ist Noirwave.

Es ist schon bemerkenswert, wie selbstverständlich und gekonnt Ilunga den europäischen Pop einer Zeit, die ja von vielen immer noch verschämt und eher als peinliche Entgleisung wahrgenommen wird, für seine Zwecke vereinnahmt – die Namen, die einem bei diesen Songs in den Sinn kommen, könnten denn auch unterschiedlicher nicht sein: David Byrne, Kele Okereke, Simon Le Bon, natürlich Roland Orzabal und seine Tears For Fears, er nähert sich der Musik dieser Vorbilder mit dem gesunden Selbstbewußtsein eines Devonté Hynes, der unter dem Pseudonym Lightspeed Champion (für das ähnlich betitelte „Live Is Sweet! Nice To Meet You“) schon ähnlich virtuos zu Werke ging. Und natürlich beläßt es Petit Noir nicht bei cleverer Retroaufkoche, sondern mischt dem Ganzen Funk, den Afrobeat eines Fela Kuti und Hip Hop bei (im Titelstück hat er sich dafür den kongolesischen Rapper Baloji an die Seite geholt) und wenn es dem Spaß dient, wird schnell auch mal Olivia Newton-John’s Grease-Hymne „You’re The One That I Want“ verbastelt („MDR“).

Das alles ergibt eine angenehm bunte und durchaus aufregende Mixtur, dicke Synthies, treibende Percussions, helle Bläsersätze, mal kommt Ilunga uns mit dunklem, vollem Timbre, dann wieder croont er mit einer Hingabe, als hätte er seine Lehrjahre unter der Ägide von Schmachtkönig George Michael verbracht. Manch einer, der sich dieser Tage an ungezwungenem und zeitgemäßem Pop mit Seele versucht, dürfte gehörig neidisch werden – von Langeweile ist auf diesem Album so gar nichts zu spüren, die Mehrdimensionalität macht es im Übrigen um einige Längen interessanter als die Werke von Kwabs, The Weeknd oder auch Okereke selbst. Zusammen mit der Coverart von Lina Victor und dem Video zu „Best“ von Travys Owen arbeitet Ilunga nicht zuletzt an einer neuen, gern auch provokativen afrikanischen Popästhetik, für Deutschland gibt es im Übrigen noch zwei Livetermine, die dringend zu empfehlen sind, wo man sich zumindest akustisch von den Qualitäten des jungen Mannes überzeugen lassen kann.

23.09.  Berlin, Badehaus Szimpla
25.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival

Samstag, 19. September 2015

Pumarosa: Tanz der Priesterin

Unbedingt hörenswert auch dieser Track: Pumarosa ist eine fünfköpfige Band aus London und ihr Stil oder vielmehr die Stimme von Sängerin Isabel Munoz-Newsome zum Sound der Debüt-Single "Priestess" erinnert etwas an Fever Ray oder The Knife - auffällig hier die strikte Tanzbarkeit und die wunderbaren Sax-Passagen. Wovon, was noch (außer zwei älteren Demos) - keine Ahnung. Aber: Kann und darf mehr kommen!

The Vryll Society: Vom großen Ganzen

Wie man luftigen Pop und Psychedelic verbindet, das weiß die Band The Vryll Society ganz gut. Gerade veröffentlichen die Liverpooler beim Label Deltasonic ihre Debüt-EP "Pangea", von dieser gibt es hier die Stücke "Deep Blue Skies", "Beautiful Faces" und - ganz neu - "Air" zu hören. Wen das Ganze ein wenig an die fabelhaften Songs der Stone Roses erinnert, der liegt sicher nicht ganz falsch.

Donnerstag, 17. September 2015

Le Butcherettes: Tollwut

Le Butcherettes
„A Raw Youth“
(Ipecac Recordings)

Hand auf’s Herz: Wann bekommt man denn heutzutage noch Wildheit und ungezügelten Überschwang geboten? Siehste – nicht so oft. Alles um einen herum ist auf Gleichklang, Nervenschonung, Quality Time und Work-Life-Balance ausgerichtet, über die berüchtigten Stränge schlägt schon lange keiner mehr. Die ungezügelten Genußtrinker verziehen sich aus Angst vor grassierendem Gesundheits- und Selbstoptimierungswahn besser in die hintersten Raucherecken und wer grob flucht, ist krank und hat Tourette. Einer Band wie den mexikanischen Le Butcherettes muss man deshalb unendlich dankbar dafür sein, dass sie sich um solche Konventionen einen feuchten Dreck kümmern und mit ihrem erfreulich analogen Garagen-Krach aus einer Zeit grüßen, für die weder in der Cloud noch irgendeiner Spotify-Playliste ein Platz vorgesehen ist.

Auch auf ihrem bislang dritten Album zerren, scheppern, schreien und fetzen Teri Gender Bender, Chris Common und Jamie Aaron Aux auf das Herrlichste – der angesprochene Zeitversatz verweist maximal auf die frühen Yeah Yeah Yeahs zu Zeiten von “Fever To Tell”. Ungehemmt schmirgeln und knirschen die Gitarren, ab und an werden mal ein paar spotzende Synthesizer-Akkorde ins brodelnde Gemisch geworfen, wenn das schief und ungeschönt rüberkommt, dann ist das – raten wir mal – genau so gewollt. Angenehm altmodische Typo, ebenso altmodischer Sound, Stücke wie “Reason To Die Young”, “Stab My Back” oder “They Fuck You Over” lassen den Puls des Nostalgikers deutlich höher schlagen und beim wunderbar verqueren Progpop von “Oil The Shoes…” gibt’s gleich gar kein Halten mehr.

Zwei Gäste haben sich die Schlachter eingeladen: Zunächst versucht sich der Alt- und Lehrmeister des heulenden Punkrocks, Iggy Pop, in „La Uva“ an spanischem Gesang – viel mehr als gutturales Gebrummel läßt sich allerdings kaum vernehmen und der Song fällt dann zum famosen Rest auch ein wenig ab. Viel besser macht es da Ex-Peppers-Gitarrist John Frusciante, der für „My Half“ sein Instrument auf die gewohnt virtuose Weise quält und sich bestens in die psychedelische Gesamtdröhnung des Albums einzupassen versteht. Retro möchte man das gar nicht nennen (obwohl man weiß, dass es das und nichts anderes ist), vielmehr bleiben der Wunsch und die Hoffnung, öfter auf derart ungestüme Weise wachgerüttelt zu werden – es muss ja nicht unbedingt blutig enden. http://lebutcherettes.net/

24.11.  Berlin, Berghain Kantine

Tamper: Achtbar neu

Einen lohnenswerten Nachschlag kann das Duo Tamper aus Brooklyn vermelden. In der Reihe ihrer Coverversionen folgt auf das hier schon erwähnte "Disparate Youth" von Santigold "Red Socks Pugie" von den Foals und - ganz frisch - "Wide Eyes" der Local Natives, alle so gut, dass sie vom Original nicht unbedingt abfallen.

A Love Like Pi: Illustration

Sehr dekorativ und zugleich künstlerisch anspruchsvoll kommt uns das New Yorker Synthrock-Trio A Love Like Pi: Zu ihrem aktuellen Song "Wide Awake" haben sie sich von der taiwanesischen Künstlerin MIN LIU einen sehr sehenswerten Clip illustrieren lassen, der bestens mit den wunderbar weichen Tönen harmoniert und auf spezielle Art auch ein wenig an die White Stripes und das grandiose "Seven Nation Army" erinnert. Das Album zum Song heißt im Übrigen "III" und wird am Freitag via RAR/Motor erscheinen.

Ryan Adams: Nineteen eighty nine [Update]

So, nun ist es also nicht ganz so spaßig geworden wie erhofft - egal: Ryan Adams hat gerade das Cover für sein Taylor-Swift-Tribute-Album "1989" in die Runde gezeigt und das sieht dann doch recht brav und gesetzt aus. Einen Erscheinungstermin gab es auch noch dazu, die digitale Version soll am 21. September, also schon in gut vier Tagen erscheinen. Für den laufenden Abend ist laut Pitchfork dann auch noch die Vernetzung der ersten Single "Bad Blood" via Zane Lowe's Beats 1 Show angekündigt, was soviel heißt wie: Stay tuned!

Update: Schon da!

AlunaGeorge vs. ZHU: Backtrack

Vor zwei Jahren vor Ort als 'Spitzplatzhalter' gefeiert, haben sich Aluna Francis und George Reid aka. AlunaGeorge nun endlich einmal wieder zu Wort gemeldet - wobei Wort bei ihnen natürlich und unmissverständlich auch gleich Tanz bedeutet. Der neue Track "Automatic" ist in Zusammenarbeit mit dem geheimnisvollen Produzenten und House-Musiker ZHU entstanden und folgt dem feinen Album "BodyMusic".

Mittwoch, 16. September 2015

New Order: Silver lining

Man sollte nicht vergessen, dass New Order schon einmal eine Wandlung hin zum tanzbaren Synthpop vollzogen hatten, bevor es dann doch wieder ein paar Gitarren mehr wurden. An diese Zeiten nun erinnert das neue Stück "Plastic" auf angenehme Weise - nach der eher mauen Single "Restless" ein Silberstreif am Horizont für die Veröffentlichung des neuen Albums "Music Complete" am 25. September.

G.Rag und Die Landlergschwister: Nur die Liebe zählt

G.Rag und Die Landlergschwister
„Schwung“

(Gutfeeling)

Nein, Mitleid wollen sie garantiert nicht dafür: Wenn auf der Website des Münchner Labels Gutfeeling Records vermerkt ist „Jetzt geht er los, der wahnsinnige Herbst“, dann ist das – für Ausständige, Unwissende und Nichtsahnende – keineswegs ein Hilfeschrei, sondern der sachliche Kommentar zu alljährlichen und immergleichen Umtriebigkeit, für die sich die Schutzbefohlenen der kleinen Plattenpresse zu wappnen haben. Denn dieser Wahnsinn, von dem hier die Rede ist, hat in München durchaus Methode, nennt sich Wiesn (althochdeutsch: Oktober-/sonstige: Bierfest) und hält für alle neben dem ausgiebigen Biergenuß auch reichlich Pflichttermine im Herzkasperlzelt und der Krinoline bereit. Wer die Herausforderung sucht, legt in diese Jahreszeit auch noch eine Plattentaufe – auch das bei G.Rag und Den Landlergschwistern durchaus nicht ungewöhnlich, haben sie doch den Release ihr letzten gemeinsamen Albums „Honky Tonkin“ auch schon vor zwei Jahren auf den Frühherbst terminiert.

Und wo wir gerade bei den Wiederholungstaten sind – ein jedes Mal erntet die sympathische Blechkommune haufenweise Lob für ihre mit Feinsinn und Spielwitz arrangierten Kleinkunstwerke und so ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass einem zum aktuellen „Schwung“ nicht viel mehr übrigbleibt als abermals respektvoll den Hut zu ziehen. Nicht nur, dass die Band das brauchtümliche Repertoire um einige gutgelaunte und schmissige Landler, Zwiefache und Polkas erweitert, Hochachtung verdient ebenfalls die Auswahl der obligatorischen Coverversionen, ganze drei Stück enthält die ‚Platte mit dem Prost‘. Von hinten nach vorn berichtet ist da zunächst eine fast zarte Interpretation der Hank-Williams-Nummer „Lost On The River“, der Schritt vom Country zum Brass ist ja genaugenommen gar nicht so groß und hier gelingt er vorzüglich.

Etwas gewöhnungsbedürftiger da schon die Neubearbeitung eines Hits der Wuppertaler Muskelkapelle DAF – bislang gab es „Der Räuber und der Prinz“ nur live zu hören, jetzt also endlich für die Konserve. Was im Original nach schwarzem Lack riecht und schweißtreibend pumpt, entwickelt hier mit der Bigband eine andere, weit weniger düstere Art von Drive. Abgerundet wird mit einer wirklich ausgesucht gelungenen Variation des Rocksteady-Klassikers „The Liquidator“. Ursprünglich Ende der Sechziger bei Trojan Records von den Harry J Allstars eingespielt, entwickelte sich der Song in den Achtzigern zum Skinhead-Anthem und fand hernach auch Verwendung für Choreografien des Fußballanhangs des FC Chelsea. Die G.Rag’s unterstreichen damit einmal mehr ihre Vorliebe für Punkrock und zeitlich Artverwandtes und beweisen erneut ein feines Gespür für weniger naheliegende Zwischentöne. All das aus reiner Liebe zur Musik – ein größeres Kompliment kann man ihnen eigentlich nicht machen.

Sämtliche Tour- resp. Wiesntermine auf www.gutfeeling.de.