Freitag, 10. April 2015

Automat: Analog [Update]

Von der Autobahn zum Automat ist es nur ein kleiner Schritt: Heute nämlich vermeldet das Berliner Elektronik-Trio für Ende Mai die Veröffentlichung eines nächsten Albums mit dem Titel "Plusminus". Georg Zeitblom, Jochen Arbeit und Achim Färber haben das Nachfolgewerk für ihr letztjähriges Debüt mit einer Vielzahl von analogen Instrumenten und Geräten in den Tempelhofer Candy Bomber Studios aufgenommen, einen ersten Eindruck vermitteln eine Anzahl von Snippets, die im Netz zu finden sind.

Update: Hier nachgeliefert ein bislang unveröffentlichter Song und Clip der Band, aufgenommen für das neue 12"-Label namens SELEKT - Automat und Max Lodenbauer "Verstärker".



18.06.  Berlin, Tausend Bar (Release Party)
16.07.  Berlin, SO36

AUTOBAHN: Neue Hoffnung

Die letzte Notiz über AUTOBAHN, die hoffnungsvolle Post-Punk-Band aus Leeds, datiert nun auch schon wieder auf den Oktober letzten Jahres. Ein Debütalbum war stets angedacht, bis jetzt hat's damit leider noch nicht geklappt. Neue Hoffung könnte die aktuelle Single "Beautiful Place To Die" geben, die gerade das Licht der Welt erblickte.

Young Fathers: Auf der Flucht

Keine Ahnung, welchen Dämonen der Junge da davonjagt, angenehm scheint es jedenfalls nicht zu sein: Im aktuellen Video der Young Fathers zum Song "Shame" begleiten wir einen ziemlich aufgedrehten, einigermaßen aggressiven Burschen zum irren Rundlauf auf der Flucht vor - ja, wovor eigentlich?

Donnerstag, 9. April 2015

Tyler, The Creator: Fast zwangsläufig

Irgendwie hatte man es ja geahnt, jetzt, da Earl Sweatshirt und Kendrick Lamar ihre neuen Alben draußen haben und auch Frank Ocean schon hat durchblicken lassen, dass er ebenfalls ein ganz fleißiger Junge ist: Tyler, The Creator möchte sich da nicht lumpen lassen und bringt just nächste Woche seine dritte Platte unter die Meute - "Cherry Bomb" ist der Nachfolger von "Wolf" (2013) und wird, das ist nun wirklich eine hübsche Nachricht, von einer Tour flankiert, die den Kalifornier auch nach Europa führt. Das nachfolgende "Fucking Young/Perfect" stammt wohl schon aus dem neuen Fundus...

19.05.  Hamburg, Mojo-Club
21.05.  Berlin, C-Club
23.05.  Zürich, Volkshaus
24.05.  München, Theaterfabrik
25.05.  Köln, Kantine



Mittwoch, 8. April 2015

Metz: Ausgespuckt

Damit es nicht allzu gemütlich wird: Ein paar neue Töne vom kanadischen Noisepunk-Trio Metz, die ja kürzlich ihr zweites Album "II" ankündigten. Nach der ersten Auskopplung "Acetate" gibt es jetzt "Spit You Out" - die ganze Platte dann am 8. Mai.

Dienstag, 7. April 2015

St. Vincent: Fast alles neu

Tatsächlich, in voller Länge war das bisher noch nicht zu haben: St. Vincent hat ihren Standalone-Track "Teenage Talk", der für die HBO-Serie "Girls" produziert wurde, jetzt endlich komplett in's Netz gestellt - bei Jimmy Fallon und seiner Tonight Show überraschte Annie Clark zudem mit neuem Outfit.

Montag, 6. April 2015

Young Fathers: Deadbeats aus der Rumpelkammer

Young Fathers
“White Men Are Black Men Too”
(Big Dada)

Natürlich geht es hier in erster Linie darum, das grandiose zweite Album der schottischen Crossover-Formation Young Fathers zu loben und zu preisen. Weil es fast noch besser geworden ist als ihr erstes. Und weil sie damit jedweden Zweifel aus der Welt geschafft haben, die Verleihung des Mercury-Prizes im vergangenen Jahr für ebenjenes Debüt könnte zu früh gekommen sein. Es geht hier aber auch um die notwendige Ehrenrettung für einen Begriff, der hierzulande über Jahrzehnte ein beschauliches und unbescholtenes Dasein führen durfte, bis ihn das (wenn auch nicht persönliche) Wirken eines gewissen Rudi V. in schändlichen Misskredit brachte: Das Rumpeln. Keine Ahnung, woher der schlechte Leumund kommt, schließlich gab es dafür in grauer Vorzeit sogar spezielle Kammern (Hashtag: Willi Schwabe), in denen nach Herzenslust dem ungeordneten Chaos fröhnen konnte, wer keine Lust auf Geradlinigkeit, Klarheit und Perfektion hatte. Und dabei Erstaunliches zu Tage fördern konnte.

Die Young Fathers haben es mit „White Men Are Black Men Too“ zur wahren Meisterschaft im Rumpeln gebracht, die zwölf Stücke sind so vielgestaltig, roh und ungestühm, wie es von einem Zweitling kaum zu erwarten war – eine Nummer Sicher jedenfalls klingt entschieden anders. Jeder der Songs ein tiefdunkles Wummern von ganz weit unten her, spannungsgeladene Deadbeats, mal als schiefes Electrospiritual („Feasting“), mal als fiebrig klackernder Sound mit halblaut genuschelten Lyrics („Rain Or Shine“)  – wild, archaisch, bedrohlich. Da, wo TV On The Radio die Rhythmuskomponente im Laufe der Zeit für den großen Pop etwas vernachlässigt haben, hauen die drei Kerle aus Edinburgh mächtig auf die Felle. Bei „Shame“ hämmern die Loops zu garstigen Gitarren, in „27“ hüpfen überdrehte Afrobeats in der Runde, als gäbe es keine Sperrstunde.

„Old Rock’n Roll“ kommt wie ein altes, knarzendes Dampfschiff daher, auf dem man sich zu einem beschwörenden Totentanz getroffen hat und an passenden Stimulanzien kein Mangel war. Was ja irgendwie auch hinhaut, denn hier wird er ja auch gerade beerdigt, der gute, der brave schwarze Mann: „I’m tired of playing the good black, I said I’m tired of playing the good black, I’m tired of having to hold back … Some white men are black men too, niggah to them, a gentleman to you.” Das ganze herrliche Geschrei, Georgel und Gezerre ist nicht weit weg von einem David Lynch und seinem albtraumhaften, surrealen Bilderkosmos, in welchem die abgedrehtesten Gestalten zugleich immer auch die faszinierendsten sind. Die Art und Weise, wie die Young Fathers Bezüge aus Soul, Big Beat, Traditional, Blues und HipHop miteinander vermengen, ist somit nicht weniger als ein hochenergetisches und unterhaltsames Lehrstück in Sachen Musikgeschichte. http://www.young-fathers.com/

Morrissey: Puppet on a string

Vor ein paar Tagen machten ja die offiziellen Tourdaten von Morrissey für die USA die Runde und, warum auch immer, irgendwie kamen alle auf die gleiche dumme Idee, die Ankündigungen mit einem traurigen Schwarzweißbild des Mozzers zu schmücken. Mit dem Erfolg, dass einem jedes Mal der Schreck in die Glieder fuhr, ob es nicht doch um eine weitaus betrüblichere Nachricht ginge als die besagte Konzertreise. Nun, glücklicherweise scheint sich Morrissey ja noch unter den Lebenden zu befinden, auch wenn das aktuelle Video zu "Kiss Me A Lot" leichte Zweifel zuläßt - selbst die Mitglieder der Augsburger Puppenkiste haben mehr Verve in den Bewegungen als der Meister bei seiner stocksteifen Bühnenpräse. Dagegen wirken ja die Grüße der beiden Herzchen am Anfang des Films regelrecht explosiv...

Sonntag, 5. April 2015

The Maccabees: Fast verpasst

Das ist doch tatsächlich irgendwie untergegangen - Fluch des 1. April, an dem die Nachricht ins Netz ging? Dabei war der erste neue Song von den Maccabees seit mehreren Jahren beileibe kein Scherz, ein schlechter schon gleich gar nicht. "Marks To Prove It" deutet eine kleine Abkehr vom Breitwandstil des letzten Albums "Given To The Wild" (2012) an und läßt mit ungehobelten Gitarrenklängen aufhorchen - voilá.

21.08.  Berlin, Heimathafen

Tame Impala: Frohe Botschaft

Was sich vor einiger Zeit schon so himmlisch ankündigte, konnte nur der Vorbote einer verheißungsvollen Botschaft sein: Nun, diese ist jetzt draußen und besagt, dass die australische Psychrockformation Tame Impala den Nachfolger für sein letztes Album "Lonerism" fertig hat und im Laufe des Jahres unter dem Titel "Currents" veröffentlichen wird. Hier noch einmal der wunderbare Vorbote "Let It Happen" in Überlänge und das neue Stück "'Cause I'm A Man".



Samstag, 4. April 2015

Deine Freunde: Auskenner der Herzen

Deine Freunde
„Live von der Reeperbahn“

(Universal/noch mal!)

Also gut, ein letztes Mal von ganz vorn – auch wenn man eigentlich annehmen dürfte, dass mittlerweile ein/e jede/r Bescheid weiß, wer Deine Freunde sind und was sie machen (und was – genauso wichtig – eben gerade nicht). Ein paar Sätze also für die Newbees unter den Eltern, die nicht vertraut sind mit Schlüsselworten wie „Mudder“, „Schokolade“, „Ferdinand“, „Rakede“ oder „Eierloch“ (denn alle anderen haben das Ding hier ohnehin schon ohne großes Überlegen im Warenkorb platziert). In aller Kürze: Lukas, Pauli und Flo kommen aus Hamburg und machen seit drei Jahren Rapmusik für Kinder und zwar – und das ist noch immer ihr unbedingtes Alleinstellungsmerkmal – von der ganz und gar unpeinlichen Sorte. Gerade weil sie ihr junges Publikum auf kindliche (und nicht kindische) Weise versuchen ernst zu nehmen, ist es auch so verdammt einfach für Erwachsene, mit ihnen klarzukommen.

Denn – hallo!? – wann kam es denn bis dahin vor, dass der oder die Erziehungsberechtigte selbst (!) und unbemault (!!) einen Tonträger für die Autofahrt auswählen durfte? Oder umgekehrt: Wann endete der laut proklamierte Ruf der Kids im Fond der Familienkutsche vorher nicht in Zank und Streit (und insgeheim im dringenden Wunsch seitens der Eltern, die Verniedlichungsfantasien der Kinderbespaßungs-Industrie kommentarlos und umgehend durchs geöffnete Wagenfenster zu pfeffern)!? Beide CDs, die Deine Freunde bislang eingespielt haben, lassen sich daheim, bei Besuchen oder unterwegs bedenkenlos und ohne nennenswerte Abnutzungserscheinungen abspielen – besser noch, sie machen aus quälenden Überlandpartien (und unvermeidbaren Stauphasen) gutgelaunte Musikhappenings und versöhnen (wenigstens auf eine Spieldauer) die junge resp. unverspannte und die gestresste resp. auf ewig uncoole Generation miteinander.

Und das klappt so auch auf den Konzerten der drei: Wer das unkontrollierte, selige Gehüpfe der eigenen Kids zur Ansprache der Jungs selbst schon gesehen hat, wer bemerkt, wie der anfangs obligatorische Sicherheitsrückblick zum in der letzten Reihe postierten, verstohlen mitwippenden Begleitschutz immer seltener wird, wie Deine Freunde sich gekonnt mal mit dem jungen, mal mit dem gealterten Publikum verschwören und den Kindern das unbedingte Gefühl vermitteln, jetzt und hier sei Zügellosigkeit und Ausgelassenheit genau die richtige Wahl – der kann nicht anders, als sie dafür und ein für allemal ins Herz zu schließen. Sie lassen den Nachwuchs erleben, dass trockene, satte Beats und gescheite Texte ohne jedes Herangewanze in gleichgesinnter Gemeinschaft jede Menge körperliche Glücksgefühle hervorrufen können. Genau die eben, die man selbst von eigenen Konzertbesuchen kennt und von denen man sich immer wünscht, der Nachwuchs möge es ähnlich empfinden.

Was man noch erfährt? Nun, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist – naja, da können wir ja noch mal drüber reden. Dass Florian Sump HSV-Fan ist (okay, die Chancen standen 50/50, dass er zu den Guten gehört, aber vielleicht braucht jeder, auch ein Kindergärtner, eine dunkle Seite…). Dieses Katzending ist ein wenig gruselig, es treibt vermeintlich erwachsene Männer zu verstörenden Geräuschen und Bewegungen, über deren Herkunft man Näheres wohl nicht wissen mag. Die Schoko-Oma ist dabei, der begnadigte Rolf Z., ohne den es – dickes sorry! – die Band als solche gar nicht gäbe, Crowdsurfing, ein paar ganz und gar nervige Flötentöne und Videos satt natürlich. In einem besinnlichen Moment wird einem bewusst, dass die eigenen Kinder auch dieser Mucke wieder entwachsen werden (was danach kommt, liegt im furchtbar Ungewissen) und man fragt sich, wer einen dann wohl mitnehmen mag, wenn Deine Freunde wieder mal in der Stadt zu Gast sind. Besser, man hat dann die DVD zur Hand…

Freitag, 3. April 2015

Jeanne Added: Für den zweiten Blick

Jeanne Added
"War Is Coming"

(Naive)

Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn man ab und an mal seine Vorbehalte in der Ecke abstellt: Diese nämlich könnten besagen, dass eine junge Dame mit derart markant aufgestyltem Haupthaar den Großteil der Arbeit vor dem Spiegel und nicht im Tonstudio verrichtet, für den Rest wird sich schon ein halbwegs talentierter Produzent finden lassen. In diesem Falle: Kokolores. Denn wer ein Blick ins Netz riskiert, der wird schnell feststellen können, dass Jeanne Added ihren Kopf ganz sicher nicht in erster Linie zum Frisieren benutzt. Sondern ganz im Gegenteil schon eine ganz Reihe Meriten vorzuweisen hat. Abgesehen von ihrer Ausbildung zum klassischen Gesang, zu Cello und Jazz in Paris hat die junge Französin neben Festivalgastspielen auch mit Marielle Chatain (Musikerin bei The Dø) zahlreiche Auftritte absolviert - ein Grund, warum Dany Levy auch die vorliegenden EP betreut hat. Minimaler, abgedunkelter Elektropop, der seine Zeit braucht, intensiv nicht vordergründig durch Lautstärke oder BPM, sondern eher unterschwellig, mithilfe klarer Strukturen und eindringlichen Gesangs. Alle drei Stücke lassen sich im Übrigen nicht nur auf Konserve, sondern auch im Rahmen der äußerst gelungenen Deezer-Live-Sessions hören und sehen. http://jeanneadded.com/

The National: Rückgriff

Schon klar, noch ausgelassener wäre der Jubel gewesen, wenn es gleich ein neues Album gegeben hätte - aber ein neuer Song ist auch nicht schlecht für's Erste: The National veröffentlichen aus den Sessions zu ihrer letzten Platte "Trouble Will Find Me" das Stück "Sunshine On My Back", wenn man genau hinhört, sollte man auch noch die Begleitstimme von Sharon Van Etten erkennen. Sagt Pitchfork.

Donnerstag, 2. April 2015

Laura Marling: Hausbesuch

Na da ist aber jemand gutgelaunt: Laura Marling macht jetzt Hausbesuche. Schaut ein bisschen aus wie die Urliedtherapie oder folgt der Regel, dass eine feste Umarmung auch mal helfen kann. Die Umarmten jedenfalls nehmen es gelassen, die Kinder freuts und der Zuschauer hört nebenbei den schönsten Song des Albums "Short Movie", nämlich "Gurdjieff's Daughter".


Hot Chip: Selbstfindung

Tja, sieht ganz so aus, als hätte Alexis Taylor, die singende Brille von Hot Chip, da ein gewaltiges Problem am Hacken. Und das meint nicht die grausige Wohnung in einer grausigen Gegend oder die Frau, die gerade ihre Sachen gepackt hat. Der Mann leidet offenbar an einer Art Persönlichkeitsstörung und findet sich entschieden zu oft selbst. Zu sehen im Video zur neuen Single "Need You Now" vom kommenden Album "Why Make Sense?".


Kendrick Lamar: Straight outta Compton

Wirklich noch jemand da draußen, der nicht davon überzeugt ist, dass Kendrick Lamar mit seinem aktuellen Album "To Pimp A Butterfly" ein wirklich großen Wurf gelandet hat? Na, vielleicht überzeugt dann ja das Video zu "King Kunta", einem der besten Tracks der Platte.


Kim Gordon: Vom Suchen und Finden seiner selbst

Kim Gordon
„Girl In A Band“

(KiWi)

“Was ist erschreckender als ein Paar, dass – nach 30 Jahren in einer eigenen Band, nach 27 Jahren Ehe, nachdem sie 17 Jahre gemeinsam ein Kind großgezogen haben – beschließt, die Nase voll zu haben? Während sie Erfolg hatten, waren auch wir erfolgreich.“

Was macht das mit einem, wenn man solche Zeilen über sich lesen muss? Zeilen, geschrieben von einer Online-Journalistin, die implizieren, nun, da man sich getrennt habe, sei man ebenso Schuld am Misserfolg aller anderen? Wie geht man damit um, gefangen in einem Mythos, von dem man nur zu gut weiß, dass er nicht funktioniert hat? Es ist ein altbekanntes Phänomen, dass nicht wenige zu Ikonen stilisierte Menschen, Künstler zumeist, bereitwillig ihren eigenen Ruf auf’s Spiel setzten, um Erwartungen und falsche Bilder zu brechen. Kim Gordon, Mitbegründerin und Bassistin der amerikanischen Noiseband Sonic Youth, mithin gern aufgerufenes und verehrtes Role-Modell für so vieles, Kim Gordon also schreibt ein Buch. Ein Buch, wie es widersprüchlicher nicht sein könnte, so dissonant wie ihre Musik, so umstritten, so ambivalent. Ein Buch, das mit dem Ende beginnt – ohne die Trennung von Thurston Moore, Vater ihrer gemeinsamen Tochter und kreativer Partner, ohne das darauf folgende Ende von Sonic Youth hätte es wohl kein Buch gegeben. Und das mit dem Beginn endet, ihrem Neuanfang, ihrem Re-Start, ihrem Versuch, sich neu zu orientieren nach dem Zerfall so vieler Sicherheiten.



Das Eingangszitat stammt aus dem ersten Kapitel, eines von später folgenden, die schwer zu ertragen sind, wenn man Kim Gordon nicht wirklich näher kennt, sondern ihre Person aus Videos, von Plattencovern und Interviews imaginiert und sie so zum kühlen, in sich gekehrten Rockgirl stilisiert, die alles fest im Griff hat, die nichts erschüttern kann. Über weite Strecken des Textes macht sie einen zum Voyeur wider Willen, zum Mitwisser, dann, wenn sie detailgetreu und mit viel Bitternis die Geschichte ihrer Trennung schildert. Intimste Szenen einer Ehe, die man so genau gar nicht lesen wollte, die ein erschrecken lassen ob der Bereitschaft, all dies dem Boulevard, der gefräßigen Presse auf dem berühmten Silbertablett zu servieren. Die Breite des verlassenen häuslichen Bettes, die verräterischen Mails und Textnachrichten, alle Kümmernisse und Verletzungen werden haarklein beschrieben und so der medialen Nachnutzung anempfohlen – schon suchen Scharen von Paparazzi nach der geheimnisvollen Person, die beider Beziehung zerstört hat. Sie braucht ihren Groll und ihre Enttäuschung ganz gewiss nicht hinterfragen, aber musste sie es aller Welt zu lesen geben?



Und doch: Viele andere Kapitel zeichnen einen beeindruckenden Bogen vom unfertigen, verunsicherten Mädchen, gestartet in der totenbleichen und lähmenden Sonne Kaliforniens, über die inspirierenden Auslandsaufenthalte mit den Eltern, die Hassliebe zum Moloch New York mit seiner schier unfassbaren Kunst- und Musikszene bis hin zur Familienkommune in Northhampton. Ein Bogen, der vor dem Bildschirm des heimischen Fernsehapparates endet und ein Konzert der eigenen Tochter zeigt, wie diese mit sparsamer, selbstbewusster Gestik ihre Mutter rührt. Wie an einer Perlenkette aufgereiht trifft man die Mitspieler dieser Sinnsuche, Dan Graham, Cindy Sherman, Tony Oursler, Greil Marcus, Lydia Lunch, Henry Rollins und Kurt Kobain. Menschen, die ihr neue Anstöße gaben, die sie die Anonymität New Yorks ertragen ließen oder einfach nur für ein Dach über dem Kopf sorgten. Man erfährt allerlei Erstaunliches über liebgewonnene Alben und Songs, begleitet die Entstehungsgeschichte bahnbrechender Werke wie „Daydream Nation“ oder „Goo“ von der Aufnahme bis zum Coverentwurf.



Auch, dass ihr die Widersprüchlichkeit quasi in die Wiege gelegt wurde, erfährt man. Zärtliche Zeilen über den Professorenvater, dem sie so vieles recht machen wollte und bei dessen Tod sie nicht zugegen sein konnte. Distanziertes über ihre Mutter, die schroff und wenig vertraulich geschildert wird und zu der Gordon erst ganz spät eine tröstende Nähe entwickeln kann. Schmerzvoll und prägend das Verhältnis zum schizophrenen Bruder Keller, den die Familie in den Focus der Aufmerksamkeit stellt, woran die Schwester Zeit ihres gemeinsamen Lebens leidet. Und letztendlich ein unentschiedenes, selten klares Bild ihres Mannes Thurston Moore, liebevoll als Vater, unendlicher Egomane, genial in seinem Tun und doch mit seiner steten Ruhelosigkeit nicht fähig, sich auf die Familie, auf die neue Umgebung fern ab vom quirligen New York einzulassen. So sehr diese Schilderungen versöhnen, so sehr verstören einen später die hinrichtungsartigen Ausfälle gegen Lana Del Rey und Billy Corgan. Eigentlich sollte sie, die sie den täglichen Beschuss der Senstationspresse kennt, die Folge solcher Äußerungen besser kennen.

Vielleicht beherzigt sie aber auch nur den Rat ihrer Eltern, die ihr für den Streit mit dem herausfordernden Bruder empfahlen: „Ach, schlag einfach zurück!“ Zurückschlagen, laut werden, auch mal gemein, das vertrug sich bislang nicht mit dieser Frau, der ein halblautes „Fuck!“ auf einem Benefizkonzert von Freund Neil Young schon unendlich peinlich war, einer Frau, die sich in der direkten Linie der Frauen ihrer Familie aufwachsen sah – „stoisch, duldsam, keine Fragen, keine Klagen.“ Und so bleibt am Schluss das Bild der zeitlebens Suchenden, nach ihrer Rolle als Tochter, Schwester, Frau, Mutter, Bandgirl und Künstlerin. Und die Vermutung, dass Kim Gordon genau dort, auf der Bühne, den Bass in der Hand, den gesenkten, rhythmisch wiegenden Kopf inmitten eines Orkans an Verzerrungen und Wortfetzen der selbstbestimmten Identität, die sie so dringend zu finden wünscht, am Nächsten kommt. Und das ist dann doch, Gottlob, irgendwie wieder Rock’n Roll.

„Wenn ich auf der Bühne absolut konzentriert bin, empfinde ich mich als eine Art Raum mit einem Rand drum herum, einem Schimmer selbstbewusster, freudiger Sinnlichkeit. … Ich wollte nie etwas anderes sein als das, was ich war.“

Mittwoch, 1. April 2015

Adam Horovitz: Want some advice?

"Girls - to do the dishes
Girls - to clean up my room
Girls - to do the laundry
Girls - and in the bathroom
Girls - that's all I really want is girls
Two at a time - I want girls
With new wave hairdos - I want girls
I ought to whip out my - girls, girls, girls, girls, girls!"

Ähem - Ratschläge von jemandem, der solche Texte gerappt hat? Allen Ernstes? Für Euch, Mädchen!? Aber sicher doch! Adam Horovitz aka. Ad-Rock, einer der drei Beastie Boys, hat sich für Rookie, eine Videoplattform, vor die Kamera seines Notebooks gesetzt, um im Rahmen der Reihe "Ask A Grown Man" Ratschläge an Heranwachsende zu geben. Ein Dr. Sommer mit Coolness-Faktor also. Auch wenn sich der Mann augenscheinlich etwas unsicher ist, ob er die richtigen Tipps gibt. Aber hey, Horovitz ist schließlich mit Riot-Grrrl Kathleen Hanna verbandelt. Wenn der das nicht kann...

Azealia Banks: She's got the look

Das ist dann tatsächlich etwas abgefahren: Azealia Banks ist bekanntlich stets für eine Überraschung gut - letztens kam sie mit der Nachricht, sich für den amerikanischen Playboy ausziehen zu wollen, das Ergebnis war dann eher ein ironisch-glamouröses als etwas für Spanner. Im Video zur aktuellen Single ihres Albums "Broke With Expensive Taste" gibt sie die stahlkalte "Ice Princess" - auch schön anzuschauen.


Franz Ferdinand vs. Sparks: Verpiß dich!

Die Kollaboration war ja schon einige Zeit Thema, jetzt gibt es auch ganz offiziell Töne zum Spektakel: Franz Ferdinand und die Sparks machen für ein Album unter dem Namen FFS gemeinsame Sache, hier ist der Schlußtrack der Platte "Piss Off" und noch einmal die Erinnerung an alle Kölner, das Privileg des "einzigen Indoor-Konzertes in Deutschland" nicht leichtfertig sausen zu lassen, Berlin ist natürlich später auch noch dran.

01.07.  Köln, Gloria
12.09.  Berlin, Lollapalooza