Mit Neueinsteigern war's ja in den letzten Tagen nicht so dicke, das soll sich jetzt ändern: Den Anfang macht das Londoner Duo Pale. (mit Punkt), im vergangenen Jahr mit dem Stück (plus Video) "Fearing Faces" im Gespräch. Nun legen die beiden Jungs eine neue EP mit dem etwas irreführenden Namen "Comeback" vor, die man sich bei Soundcloud sogar kostenlos herunterladen kann - klingen tut das Ganze ordentlich entspannt und natürlich ganz nach dem derzeit angesagten RnB. Der Dank für die Quelle geht im Übrigen an Turntablekitchen.
Freitag, 12. September 2014
BANKS: Raumaufteilung
BANKS
„Goddess“
(Capitol/Universal)
Ganz geheimnisvolle Sache: Von BANKS war lange Zeit nicht einmal der Vorname zu bekommen (Jillian, das wissen wir jetzt), vereinzelte Songs auf den bekannten Portalen und gezieltes Namedropping von den richtigen und schon etwas bekannteren Leuten haben gereicht, sie zum „next big thing“ eines Genres auszurufen, das wie kein anderes in den letzten Jahren einem endlos ergiebigen Talenteschuppen gleicht: R’n’B. Sie tourte mit Abel Tesfaye aka. The Weeknd und Christopher Taylor, Londoner Musiker und bekannter unter dem Pseudonym SOHN, gehört zu ihren größten Protegés – viel mehr an Startkapital braucht es nicht, um nun endlich den EP’s einen ersten eigenen Longplayer folgen zu lassen. Und „Goddess“ enttäuscht nicht. Für die knapp sechzig Minuten kreiert die feingliedrige Kalifornierin einen vielschichtigen, druckvollen Synthesizersound, der zwar selten tanzbar ist, aber mit Abwechslung nicht spart.
BANKS beginnt mit ihren Songs an dem Punkt, bis zu welchem sich eine Beyoncé Knowles im äußersten vorwagt, wenn sie sich mal zu Ungewohnterem entschlossen hat, es also dunkler, schwerer klingen soll – und sie spielt sie bis zu der Kante, über welche von der anderen Seite wiederum FKA Twigs gelegentlich lugt, wenn sie nicht so widerspenstig gestimmt ist. Satte Downtempobeats, der Gesang wechselt zwischen soulig („This Is What It Feels Like“), gefühlvoll („Waiting Game”) und kräftiger Dramatik (“You Should Know Where I’m Coming From”) und befremdet nur dann, wenn er – wie im letzten Stück „Under the Table“ – ins Rockröhrige zu kippen droht.
Dabei sind Komplexität und Düsternis für die Wirkung der Stücke nicht einmal so entscheidend – es gelingen ihr durchaus auch reduzierte, leichtere Momente. „Someone New“ beschränkt sich fast ausschließlich auf die akustische Gitarre, „Warm Water“ erscheint einem tatsächlich so anschmiegsam wie warmes Wasser und auch „Stick“ und „Brain“ lassen kurz innehalten zwischen all den gewaltig aufgetürmten Bit- und Bytegebirgen. Es ist trotzdem kein Wunder, dass BANKS gerade Lauryn Hill und Fiona Apple zu zwei ihrer größten Vorbilder ausruft, Künstlerinnen also, die nicht gerade mit übertriebenem Frohsinn auffällig geworden sind. Sie selbst verarbeitet heute noch, wie sie sagt, die Trennung der Eltern in ihren Stücken: “That age was the first time that I needed something so bad like that. It’s kind of like falling in love for the first time – being really, really dark for the first time.” Wie und warum auch immer – sie tut das auch heute noch so überzeugend, dass man ihr gern dabei zuhören möchte. www.hernameisbanks.com
„Goddess“
(Capitol/Universal)
Ganz geheimnisvolle Sache: Von BANKS war lange Zeit nicht einmal der Vorname zu bekommen (Jillian, das wissen wir jetzt), vereinzelte Songs auf den bekannten Portalen und gezieltes Namedropping von den richtigen und schon etwas bekannteren Leuten haben gereicht, sie zum „next big thing“ eines Genres auszurufen, das wie kein anderes in den letzten Jahren einem endlos ergiebigen Talenteschuppen gleicht: R’n’B. Sie tourte mit Abel Tesfaye aka. The Weeknd und Christopher Taylor, Londoner Musiker und bekannter unter dem Pseudonym SOHN, gehört zu ihren größten Protegés – viel mehr an Startkapital braucht es nicht, um nun endlich den EP’s einen ersten eigenen Longplayer folgen zu lassen. Und „Goddess“ enttäuscht nicht. Für die knapp sechzig Minuten kreiert die feingliedrige Kalifornierin einen vielschichtigen, druckvollen Synthesizersound, der zwar selten tanzbar ist, aber mit Abwechslung nicht spart.
BANKS beginnt mit ihren Songs an dem Punkt, bis zu welchem sich eine Beyoncé Knowles im äußersten vorwagt, wenn sie sich mal zu Ungewohnterem entschlossen hat, es also dunkler, schwerer klingen soll – und sie spielt sie bis zu der Kante, über welche von der anderen Seite wiederum FKA Twigs gelegentlich lugt, wenn sie nicht so widerspenstig gestimmt ist. Satte Downtempobeats, der Gesang wechselt zwischen soulig („This Is What It Feels Like“), gefühlvoll („Waiting Game”) und kräftiger Dramatik (“You Should Know Where I’m Coming From”) und befremdet nur dann, wenn er – wie im letzten Stück „Under the Table“ – ins Rockröhrige zu kippen droht.
Dabei sind Komplexität und Düsternis für die Wirkung der Stücke nicht einmal so entscheidend – es gelingen ihr durchaus auch reduzierte, leichtere Momente. „Someone New“ beschränkt sich fast ausschließlich auf die akustische Gitarre, „Warm Water“ erscheint einem tatsächlich so anschmiegsam wie warmes Wasser und auch „Stick“ und „Brain“ lassen kurz innehalten zwischen all den gewaltig aufgetürmten Bit- und Bytegebirgen. Es ist trotzdem kein Wunder, dass BANKS gerade Lauryn Hill und Fiona Apple zu zwei ihrer größten Vorbilder ausruft, Künstlerinnen also, die nicht gerade mit übertriebenem Frohsinn auffällig geworden sind. Sie selbst verarbeitet heute noch, wie sie sagt, die Trennung der Eltern in ihren Stücken: “That age was the first time that I needed something so bad like that. It’s kind of like falling in love for the first time – being really, really dark for the first time.” Wie und warum auch immer – sie tut das auch heute noch so überzeugend, dass man ihr gern dabei zuhören möchte. www.hernameisbanks.com
Donnerstag, 11. September 2014
Anna Calvi: Doppelt glücklich
Das ist entweder eine WinWin oder nur eine Win-Situation, abhängig davon, ob Morrissey seine Deutschlandkonzerte im Herbst tatsächlich spielen wird: Als Support ist nämlich für Berlin (23.11.) und Essen (24.11.) die wunderbare und gerade erst für den Mercury-Prize nominierte Anna Calvi vorgesehen. Verlieren kann man also gar nicht, im besten Falle gibt es Anlass zu doppelter Freude.
Arca: Heraus mit Talent [Update]
Was da so metallen und geheimnisvoll aus den Boxen wummert, stammt von dem jungen venezolanischen Künstler Alejamdro Ghersi, bekannter unter seinem Künstlernamen Arca. Nach einer Reihe von EPs hat der junge Mann sein beachtliches Talent sowohl für FKA Twigs' "EP1" und Kanye West' "Yeezus" beigesteuert - für sein erstes Album mit dem Titel "Xen" hat er nun bei Mute Records unterschrieben und wird dieses dort Ende September veröffentlichen - besagtes "Thievery" ist einer von fünfzehn Tracks davon.
Update: Tausche 'Official Audio' gegen 'Official Video'.
Update: Tausche 'Official Audio' gegen 'Official Video'.
SBTRKT: Nimm zwei
Über das neue Album von Elektroniker SBTRKT haben wir hier ja schon berichtet - Anfang Oktober soll "Wonder Where We Land" erscheinen. Auf der Gästeliste standen ja auch da schon Emily Kokal von Warpaint und ASAP Ferg, beide Tracks kann man sich nun vorab anhören.
Mittwoch, 10. September 2014
Cold Specks vs. Nick Cave: Zwangsläufig
Irgendwie hätte man auch selber drauf kommen können: Cold Specks und Nick Cave liegen sich musikalisch so nahe, dass ein Cover fast die logische Folge sein muss. So nimmt sich also die Kanadierin einen Song des Australiers - und zwar "We Know Who U R" vom wunderbaren Album "Push The Sky Away" und singt ihn selbst, anhören läßt sich das exklusiv bei Clash.
Bye bye, Clickwheel!
Die zweite schlechte Nachricht des gestrigen Tages kam im Übrigen auch aus Cupertino: Nach dem neuen Album von U2 sickerte recht schnell durch, dass Apple nicht daran denkt, seinen iPod Classic im Produkt-Portfolio zu behalten. Problemlose bespielbare Musikbox für überall und unterwegs adé, bye bye Clickwheel, ab jetzt soll alle Welt gefälligst an der Wolke hören. Ganz besonders dumme Idee - findet nicht nur Mapambulo...
Jens Friebe: Einladung in die Waschanlage
Wer schon mal vorhören durfte, der weiß, dass die neue Platte von Jens Friebe eine gute geworden ist. Zumindest den Titeltrack des Albums "Nackte Angst zieh dich an wir gehn aus", das am 19. September ins Regal kommt, darf man sich nun schon einmal anschauen - Achtung: Kategorie Romantisches Waschanlagenvideo.
Dienstag, 9. September 2014
U2: The World Won't Listen
Wo wir's gerade von bräsig hatten: War doch klar, dass U2 nicht weit sein konnten, wenn Apple eine bunte Armbanduhr und ein paar aufgeblasene iPhones in Cupertino präsentiert und alle Welt wie bekloppt vor den Tickern sitzt, um den ersten Schnitt abzubekommen. Gesungen haben sie dann auch noch (also Bono und Konsorten) und danach bekanntgegeben, dass ihr Album "Songs Of Innocence" (huhh, Nackenhaarkräuseln meets Fremdschämen) ab sofort in der iWolke geparkt wird. Erste Kommentare ließen natürlich nicht lange auf sich warten - Geoff Barrow, quasi Tontechniker von Portishead, schrieb via Twitter: "If U2 were given a broken drum machine and 2 string gtr and a cassette 4 track I might have a quick listen but...." und "Did Bono record vocals on the iwatch cos it sound like there recorded
groin height moving closer then further away in a rhythmical motion." Nun, es werden wohl nicht die letzten gewesen sein.
Julian Casablancas: Der Oasis-Effekt
Sollte mit dem Jungen wohl das Gleiche passieren wie mit den Gebrüdern Gallagher? Deren Band (wer sich noch erinnert: Oasis) war über die Jahre einfallslos und bräsig geworden, also stritten sie sich fleißig und versuchten es fortan auf getrennten Wegen und siehe resp. höre da - es klappte wieder mit den guten Songs. Geschwister, mit denen sich Julian Casablancas streiten könnte, gibt es keine, aber auch The Strokes haben sich in der letzten Zeit nicht mit Ruhm bekleckert. Doch solo blieb der New Yorker bislang nichts schuldig - "Phrazes For The Young" (2009) war wundervoll und auch sein letzter Gastauftritt bei Daft Punk ließ aufmerken. Nun hat er zusammen mit seiner Kapelle The Voidz die nächste Eigenleistung angekündigt, "Tyranny" soll Mitte Dezember auf seinem eigenen Label Cult Records erscheinen und nach dem Elfminüter "Human Sadness" kommt hier der zweite Leak "Where No Eagles Fly" samt Video.
Perfume Genius: Kampf den Dämonen
Die erste Single eine Offenbarung und auch die zweite ist nicht ohne: Perfume Genius läßt dem Song "Queen" den nächsten folgen - im Video zu "Grid" kämpft er mit Dämonen und Versuchungen und es hört sich wieder blendend an. Das Album "Too Bright" erscheint Mitte September bei Matador.
Montag, 8. September 2014
Iceage: Dänische Chamäleons
Erst Rock'n Roll, dann Post Punk: Die dänischen Iceage hatten sich ja schon für den ersten Song ihres neuen Albums "Plowing Into The Field Of Love", das Anfang Oktober erscheinen soll, eine Überraschung einfallen lassen - der lässige Swing von "The Lord's Favorite" klang so ganz anders als der punkige Sound auf ihren beiden ersten Platten. Nun kommen sie mit "Forever" als Reinkarnation des jungen Nick Cave daher und machen das nicht gar mal so schlecht. Wer die Jungs live erleben möchte, hat dazu im November Gelegenheit - das Video zum neuen Stück gibt's bei Clipfish.
22.11. Hamburg, Uebel und Gefährlich
23.11. Trier, Exhaus
24.11. Berlin, Berghain Kantine
25.11. Esslingen, Komma
26.11. Wien, Arena
27.11. München, Strom
28.11. Zürich, Kinski
22.11. Hamburg, Uebel und Gefährlich
23.11. Trier, Exhaus
24.11. Berlin, Berghain Kantine
25.11. Esslingen, Komma
26.11. Wien, Arena
27.11. München, Strom
28.11. Zürich, Kinski
Donnerstag, 4. September 2014
Blonde Redhead: Mit weniger mehr
Blonde Redhead
„Barragán“
(4AD)
Über zwanzig Jahre musiziert Kazu Makino nun schon mit den Brüdern Simone und Amadeo Pace. Zu behaupten, sie hätten dies nahezu unbeobachtet getan, wäre übertrieben, aber ihre Anhängerschaft ist überschaubar – wie immer, wenn man eine Nische bespielt und ehrenwerter Weise für sich beschlossen hat, diese für großes Geld und noch größere Hallen nicht zu verlassen. Über ihrer steht im Übrigen in großen Buchstaben ‚Dreampop‘ geschrieben – was auch immer das heißen mag – und man kann Blonde Redhead hoch anrechnen, das sie diesen eigenartigen Begriff über die Jahre sehr weit gedehnt haben. Die letzten zwei, drei Alben wandelten beispielsweise zwischen bittersüßen Tagträumereien (insofern doch ein Genrebezug) und schwer melancholischem Klagegesang, verführerisches Moll, feingewebte Gitarren und Makinos mal feen-, mal sirenenhafte Stimme bestimmten das Bild.
Für das Verständnis des nun folgenden „Barragán“ ist es hilfreich, auch die Arbeit der Band an weniger bekannten Projekten zu erwähnen: Neben der Initiation der Erdbeben-Benefizplatte „We Are The Works In Progress“ haben Blonde Redhead auch die Soundtracks zu zwei Filmdokumentationen geschrieben – zum einen für Keven McAlester’s „The Dungeon Masters“ und später zu Brendt Barburs Film „The Commentator“, Computerspiele und Radklassiker, beides keine Themen, hinter denen man eine Indiepopband vermuten würde. Die Liebe zu konzeptionellen Scores läßt sich nun auf dem vorliegenden Album deutlich heraushören. Denn wie keine ihrer Platten zuvor ist diese hier wie die Klangkulisse zu einem fiktiven Drama angelegt.
Wer die Filme von Pedro Almodovar kennt und liebt, der wird zwischen ihnen und der Musik von „Barragán“ einige (unfreiwillige?) Parallelen erkennen können. Auch hier kippen die Stimmungen ineinander über, wechseln von beschwingt und lebendig über träge und schwermütig zum großen, gern auch theatralischen Gefühlsausbruch. Begleitet von einer Alltagsgeräuschkulisse gibt also es nach zarter Einstimmung die verzaubernden Töne der „Lady M“, gefolgt von federleichten Takten und herrlich schiefen 80er Synths („Dripping“) und den lässigen Hooks zum fettem Bass der „Cat On Tin Roof“. Richtiggehend südländisch dann „The One I Love“, das selbst gleich mehreren Richtungen folgen will. Und weil diese großartige Platte neben vielen Abwechslungen und Gegensätzen auch Herzstücke braucht und hat, kommen mit „No More Honey“, „Mind To Be Had“ und „Defeatist Anthem“ – zusammen knappe zwanzig Minuten lang – gleich drei Songs am Stück, die sich auf angenehme Weise dem verspielten Psychrockblues von Warpaint nähern.
Sie machen das so ähnlich, aber auf ihre Art deutlich puristischer und genau dies ist einer der wichtigsten Wesenszüge des Albums: Blonde Redhead haben für „Barragán“ gelernt, mit weniger mehr zu machen, haben die Anzahl der Instrumente und Schichten für den neuen Sound merklich zurückgenommen und erzielen dennoch eine vergleichbar beeindruckende Wirkung wie auf den vorangegangenen Werken. Ob nun Akustikgitarre, Flöte oder sogar eine Maultrommel, programmiertes Geplucker, die Riffs einschmeichelnd melodiös oder laut und schräg, es wird nichts übertrieben und immer mit Bedacht kombiniert und so ist der Gesamteindruck ein guter und bleibender. Und jetzt, wo das erste Halbjahr schon gedanklich gewogen ist, darf man sich schon mal zur Ansage versteigen: Top Twenty 2014, mindestens. www.blonde-redhead.com
16.09. Köln, Gebäude 9
17.09. Berlin, Frannz Club
04.10. (CH) Freiburg, Fri-Son
05.10. (CH) Luzern, Schüür
„Barragán“
(4AD)
Über zwanzig Jahre musiziert Kazu Makino nun schon mit den Brüdern Simone und Amadeo Pace. Zu behaupten, sie hätten dies nahezu unbeobachtet getan, wäre übertrieben, aber ihre Anhängerschaft ist überschaubar – wie immer, wenn man eine Nische bespielt und ehrenwerter Weise für sich beschlossen hat, diese für großes Geld und noch größere Hallen nicht zu verlassen. Über ihrer steht im Übrigen in großen Buchstaben ‚Dreampop‘ geschrieben – was auch immer das heißen mag – und man kann Blonde Redhead hoch anrechnen, das sie diesen eigenartigen Begriff über die Jahre sehr weit gedehnt haben. Die letzten zwei, drei Alben wandelten beispielsweise zwischen bittersüßen Tagträumereien (insofern doch ein Genrebezug) und schwer melancholischem Klagegesang, verführerisches Moll, feingewebte Gitarren und Makinos mal feen-, mal sirenenhafte Stimme bestimmten das Bild.
Für das Verständnis des nun folgenden „Barragán“ ist es hilfreich, auch die Arbeit der Band an weniger bekannten Projekten zu erwähnen: Neben der Initiation der Erdbeben-Benefizplatte „We Are The Works In Progress“ haben Blonde Redhead auch die Soundtracks zu zwei Filmdokumentationen geschrieben – zum einen für Keven McAlester’s „The Dungeon Masters“ und später zu Brendt Barburs Film „The Commentator“, Computerspiele und Radklassiker, beides keine Themen, hinter denen man eine Indiepopband vermuten würde. Die Liebe zu konzeptionellen Scores läßt sich nun auf dem vorliegenden Album deutlich heraushören. Denn wie keine ihrer Platten zuvor ist diese hier wie die Klangkulisse zu einem fiktiven Drama angelegt.
Wer die Filme von Pedro Almodovar kennt und liebt, der wird zwischen ihnen und der Musik von „Barragán“ einige (unfreiwillige?) Parallelen erkennen können. Auch hier kippen die Stimmungen ineinander über, wechseln von beschwingt und lebendig über träge und schwermütig zum großen, gern auch theatralischen Gefühlsausbruch. Begleitet von einer Alltagsgeräuschkulisse gibt also es nach zarter Einstimmung die verzaubernden Töne der „Lady M“, gefolgt von federleichten Takten und herrlich schiefen 80er Synths („Dripping“) und den lässigen Hooks zum fettem Bass der „Cat On Tin Roof“. Richtiggehend südländisch dann „The One I Love“, das selbst gleich mehreren Richtungen folgen will. Und weil diese großartige Platte neben vielen Abwechslungen und Gegensätzen auch Herzstücke braucht und hat, kommen mit „No More Honey“, „Mind To Be Had“ und „Defeatist Anthem“ – zusammen knappe zwanzig Minuten lang – gleich drei Songs am Stück, die sich auf angenehme Weise dem verspielten Psychrockblues von Warpaint nähern.
Sie machen das so ähnlich, aber auf ihre Art deutlich puristischer und genau dies ist einer der wichtigsten Wesenszüge des Albums: Blonde Redhead haben für „Barragán“ gelernt, mit weniger mehr zu machen, haben die Anzahl der Instrumente und Schichten für den neuen Sound merklich zurückgenommen und erzielen dennoch eine vergleichbar beeindruckende Wirkung wie auf den vorangegangenen Werken. Ob nun Akustikgitarre, Flöte oder sogar eine Maultrommel, programmiertes Geplucker, die Riffs einschmeichelnd melodiös oder laut und schräg, es wird nichts übertrieben und immer mit Bedacht kombiniert und so ist der Gesamteindruck ein guter und bleibender. Und jetzt, wo das erste Halbjahr schon gedanklich gewogen ist, darf man sich schon mal zur Ansage versteigen: Top Twenty 2014, mindestens. www.blonde-redhead.com
16.09. Köln, Gebäude 9
17.09. Berlin, Frannz Club
04.10. (CH) Freiburg, Fri-Son
05.10. (CH) Luzern, Schüür
Mittwoch, 3. September 2014
Future Islands feat. Win Butler: Traumhochzeit
Klar, die Qualität ist besonders übel und auch die Länge eher mau, aber wir reden hier schließlich von den Future Islands und ihrem Song "Seasons (Waiting For You)" - für selbigen stieg gerade Win Butler von Arcade Fire in Montreal mit auf die Bühne und wer schon das Glück hatte, Samuel T. Herring einmal live zu erleben, der weiß, dass es kaum besser geht - Butler hat das wahrscheinlich auch so gesehen.
Interpol: Nachtrag
TV On The Radio: Bunte Bilder und Töne
Als hätten Dave Sitek und Kollegen eine Extraportion Sonne abbekommen: So klingt sie also, die erste Auskopplung aus "Seeds", dem nächsten Album von TV On The Radio. Das Album soll Mitte November bei Vertigo erscheinen und die Single "Happy Idiot" kann man sich bei Vevo schon einmal als Lyric-Video anhören und -sehen. Zum Artwork - oben Single, unten LP ...
Dienstag, 2. September 2014
Interpol: Danach ist davor
Interpol
„El Pintor“
(Matador)
Das Komische ist, dass Interpol ihre mutmaßlich schwierigste Platte eigentlich schon hinter sich hatten. Kurz nach Fertigstellung ihres vierten Albums kündigte Carlos Dengler, eigenwillig verschrobener Bassist der New Yorker Wavekapelle, bekanntlich den Job. Dem Vernehmen nach wollte er sich eher um seine Filmmusikprojekte kümmern, man durfte zudem vermuten, dass ihm der zunehmend dicht gestopfte und manchmal doch recht durchschnittlich rockende Sound der Band nicht ganz ins kreative Konzept passte. Interpol konnten 2001 mit ihrem fulminanten, grabesdunkel schimmernden Debüt „Turn On The Bright Lights“ zu Recht begeistern, mit „Antics“ folgte kurze Zeit später ein sehr straightes, kompaktes und erfreulich tanzbares Album und anschließend dann das orchestrale, äußerst vielschichtige, aber manchmal auch etwas theatralische und selbstgefällige "Our Love To Admire", auf welchem sich dann schon der eine oder andere Füller finden ließ – „The Heinrich Maneuver“ und „Who Do You Think?“ zählen mit Sicherheit nicht zu den stärksten Stücken der Amerikaner.
Weiter zu dritt und mit einem Paul Banks an der Spitze, der sich zunehmend – ob nun mit Klarnamen oder dem Alter Ego Julian Plenti – von seinen Kollegen emanzipierte, versuchte man auf Platte Nummer vier sowohl den eigenen Wurzeln als auch neuen Einflüssen gerecht zu werden und das gelang wider Erwarten erstaunlich gut. Ein paar der neuen Stücke wurden synthetischer als bisher üblich, man konnte Banks‘ Leidenschaft für Dubstep, Breakbeats und Hiphop wenn nicht hören, so doch ahnen und es stand den Songs gut zu Gesicht, behielten sie doch durch Kesslers markantes Gitarrenspiel und des Sängers sehnsuchtsvollen Gesang jenen Charakter, der die Band groß und, ja, auch einmalig gemacht hatte. Und das alles nahezu ohne Dengler und dessen (als so unersetzlich beschriebene) Ideen – man durfte staunen.
Nun also „El Pintor“. Ob man nun über das Buchstabenrästel lächeln will oder nicht, das Album ist wie erwartet ein seltsam indifferentes geworden. So richtig viel Neues wagt es nicht, sieht man einmal von den vorsichtigen Ausflügen in die souligen Diskozeiten der 70er ab, die bei „Same Town, New Story“ und „My Blue Supreme“ durchklingen. Beiden Stücken mischen Interpol neben den üblichen harschen Riffs ein paar mehr oder weniger funkige Akkorde unter, besonders dem erstgenannten bekommt das richtig gut und man möchte fast den matten Glanz der Glitzerkugel im schummrigen Nebel erkennen. Der Rest der Songs orientiert sich, wenn man eine grobe Marschrichtung ausmachen will, eher am druckvollen, perkussiven Stil von „Antics“ – schon bei den ersten drei Stücken pumpt der Bass so gewaltig, als wollten sie gar keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie solches noch hinbekämen.
Und auch wenn „Everything Is Wrong“ und „Breaker 1“ erfreulich rough und stellenweise so wunderbar dramatisch (wie wirklich nur sie es können) daherkommen – sie gönnen dem Zuhörer nicht die geringste Atempause. Alles ist dicht gedrängt und geschichtet, wo auf dem Vorgänger noch kleinere Überraschungsmomente versteckt und Spannungs-Breaks gesetzt waren, da rollt hier unentwegt ein Brecher nach dem anderen Richtung Trommelfell, „Ancient Ways“ und „Tidal Wave“ nimmt man so fast nur noch als dröhnende Soundmassen wahr. Warum Banks, Kessler und Fogarino hier nicht auf mehr Unterscheidbarkeit und Zwischentöne gesetzt haben, will sich nicht so recht erschließen. Irgendwie hat man den Eindruck, sie wollten auf keinen Fall etwas falsch machen und so richtig schlecht klingt sie ja auch nicht, die Nummer Sicher. Nur eben etwas wenig abwechslungsreich und gerade so, als habe jemand Angst gehabt, in einem stillen Moment zur Besinnung zu kommen. www.interpolnyc.com
25.01. Köln, Paladium
04.02. Berlin, Columbiahalle
„El Pintor“
(Matador)
Das Komische ist, dass Interpol ihre mutmaßlich schwierigste Platte eigentlich schon hinter sich hatten. Kurz nach Fertigstellung ihres vierten Albums kündigte Carlos Dengler, eigenwillig verschrobener Bassist der New Yorker Wavekapelle, bekanntlich den Job. Dem Vernehmen nach wollte er sich eher um seine Filmmusikprojekte kümmern, man durfte zudem vermuten, dass ihm der zunehmend dicht gestopfte und manchmal doch recht durchschnittlich rockende Sound der Band nicht ganz ins kreative Konzept passte. Interpol konnten 2001 mit ihrem fulminanten, grabesdunkel schimmernden Debüt „Turn On The Bright Lights“ zu Recht begeistern, mit „Antics“ folgte kurze Zeit später ein sehr straightes, kompaktes und erfreulich tanzbares Album und anschließend dann das orchestrale, äußerst vielschichtige, aber manchmal auch etwas theatralische und selbstgefällige "Our Love To Admire", auf welchem sich dann schon der eine oder andere Füller finden ließ – „The Heinrich Maneuver“ und „Who Do You Think?“ zählen mit Sicherheit nicht zu den stärksten Stücken der Amerikaner.
Weiter zu dritt und mit einem Paul Banks an der Spitze, der sich zunehmend – ob nun mit Klarnamen oder dem Alter Ego Julian Plenti – von seinen Kollegen emanzipierte, versuchte man auf Platte Nummer vier sowohl den eigenen Wurzeln als auch neuen Einflüssen gerecht zu werden und das gelang wider Erwarten erstaunlich gut. Ein paar der neuen Stücke wurden synthetischer als bisher üblich, man konnte Banks‘ Leidenschaft für Dubstep, Breakbeats und Hiphop wenn nicht hören, so doch ahnen und es stand den Songs gut zu Gesicht, behielten sie doch durch Kesslers markantes Gitarrenspiel und des Sängers sehnsuchtsvollen Gesang jenen Charakter, der die Band groß und, ja, auch einmalig gemacht hatte. Und das alles nahezu ohne Dengler und dessen (als so unersetzlich beschriebene) Ideen – man durfte staunen.
Nun also „El Pintor“. Ob man nun über das Buchstabenrästel lächeln will oder nicht, das Album ist wie erwartet ein seltsam indifferentes geworden. So richtig viel Neues wagt es nicht, sieht man einmal von den vorsichtigen Ausflügen in die souligen Diskozeiten der 70er ab, die bei „Same Town, New Story“ und „My Blue Supreme“ durchklingen. Beiden Stücken mischen Interpol neben den üblichen harschen Riffs ein paar mehr oder weniger funkige Akkorde unter, besonders dem erstgenannten bekommt das richtig gut und man möchte fast den matten Glanz der Glitzerkugel im schummrigen Nebel erkennen. Der Rest der Songs orientiert sich, wenn man eine grobe Marschrichtung ausmachen will, eher am druckvollen, perkussiven Stil von „Antics“ – schon bei den ersten drei Stücken pumpt der Bass so gewaltig, als wollten sie gar keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie solches noch hinbekämen.
Und auch wenn „Everything Is Wrong“ und „Breaker 1“ erfreulich rough und stellenweise so wunderbar dramatisch (wie wirklich nur sie es können) daherkommen – sie gönnen dem Zuhörer nicht die geringste Atempause. Alles ist dicht gedrängt und geschichtet, wo auf dem Vorgänger noch kleinere Überraschungsmomente versteckt und Spannungs-Breaks gesetzt waren, da rollt hier unentwegt ein Brecher nach dem anderen Richtung Trommelfell, „Ancient Ways“ und „Tidal Wave“ nimmt man so fast nur noch als dröhnende Soundmassen wahr. Warum Banks, Kessler und Fogarino hier nicht auf mehr Unterscheidbarkeit und Zwischentöne gesetzt haben, will sich nicht so recht erschließen. Irgendwie hat man den Eindruck, sie wollten auf keinen Fall etwas falsch machen und so richtig schlecht klingt sie ja auch nicht, die Nummer Sicher. Nur eben etwas wenig abwechslungsreich und gerade so, als habe jemand Angst gehabt, in einem stillen Moment zur Besinnung zu kommen. www.interpolnyc.com
25.01. Köln, Paladium
04.02. Berlin, Columbiahalle
Die Sterne: Lippenbekenntnisse
Der dritte Clip im Tagesrundumschlag: Schöne Frau, klasse Song, irre Stadt - Die Sterne haben zu "Mein Sonnenschirm umspannt die Welt" ein Video in New York aufgenommen, Lip-Sync rules! Gedreht hat Constantin von Hartenstein, das Stück stammt natürlich vom eben erst veröffentlichten Album "Flucht in die Flucht", das man hier, wenn man schnell ist, noch immer für lau bekommen kann...
Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Bildungsfernsehen
Na Junge, hier kannste noch wat lernen: Wer den Song "Kennst Du Werner Enke?" von der Liga der gewöhnlichen Gentlemen schon vor Jahren live gehört hat, der hatte natürlich genügend Zeit zum investigativen Rumgegoogel und weiß bereits, das Enke ein Berliner Schauspieler und Drehbuchautor war und an der Seite von Uschi Glas in "Zur Sache, Schätzchen" bekannt wurde - für alle, denen der Song erst seit aktuellen Album "Alle Ampeln auf Gelb!" ein Begriff ist, gibt's hier eine paar Winke mit dem Zaunspfahl von der Band persönlich.
Kraftklub: Achtung - Ironie!
Soll ja ernsthaft noch Leute geben, die für Kraftklub und ihren aktuellen Song "Unsere Fans" einen permanent blinken "Ironie"-Button brauchen, damit sie auch ja hinter den Sinn des Tracks steigen. Der Hinweis fehlt leider auch beim dazugehörigen Video - wollen wir also hoffen, dass deshalb nicht ganz so viele kopfschüttelnd der Band den Rücken kehren ...
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