Freitag, 26. April 2013

Keine Gnade, keine Chance

!!!
„Thr!!!er“

(Warp/Rough Trade)

Wie, bitteschön, soll das denn gehen – ein objektiver, kritischer Blick auf diese Platte? Schon mal angeschaut? Schon mal gelesen? Und überhaupt – schon mal reingehört? Hey, draußen haut der Sommer gerade alle seine Säfte auf einmal raus, oben blau, unten grün, Sonne satt. Und dann dieses Cover, wo man sich gern als viertes Ausrufezeichen einreihen möchte. Und dieser Titel, der an Coolness kaum zu überbieten ist und sich auf der Jahresbestenliste ganz knapp hinter “The Chronicles Of Marnia” und “Fool Metal Jack” einordnen darf. Und –natürlich Hauptsache – die Musik: Man hatte ja gemeint, nach “Strange Weather, Isn’t It?” würde Nick Offer und Kollegen ganz sicher die Luft ausgehen und sie müßten alsbald wieder in gelangweilten Griesgrimm verfallen. Weit gefehlt, “Thr!!!er” setzt dem Vorgänger noch einen obendrauf – wenn der funky war, dann ist das hier Superfunkyness. Alles hier, wirklich jeder der neun Songs, hüpft und wippt und flippt. Das geht beim Opener “Even When The Water’s Cold” mit feinem Gitarrentwang und beschwingtem Damenchor los und endet bei bratzigem Fuzzrock auf treibenden Beats im Schlussakkord “Station (Meet Me At)”. Dazwischen wird gnadenlos auf gute Laune getrimmt, Handclaps, Italodisco und Saxsolo (“Get The Rhythm Right”), südamerikanisches Wohlgefühl (“Slyd”), Kopfstimmen – keine Chance für schlechte Laune. Anders als die anderen vielleicht “Fine Fine Fine”, etwas mehr Wave, etwas Heaven 17, und “Carefull” mit seinen sechseinhalb Minuten Sythiegeorgel – hat man letztens bei The Rapture gehört. Will ja nicht behaupten, dass einem so viel Glücksgefühl auch mal auf den Keks gehen kann – aber eingedenk des zurückliegenden Winters: Ein dreifaches Californiyeah! http://www.chkchkchk.net/

03.05.  Wien, Donau Festival
04.05.  Berlin, Gretchen

Standortbestimmung

Einem gut formatierten Ex-Ossi kommt bei dem Albumtitel natürlich gleich der Heuler des Oktoberklubs in den Sinn: "Sag mir, wo du stehst (und welchen Weg du gehst)". Travis, die schottischen Smarties um Fran Healey, die also, die immer im Regen stehen, wollen nach fünf Jahren kreativer Pause am 19. August ein neues Album veröffentlichen. Heißen soll es "Where You Stand" und das ist auch der Name der ersten Single (VÖ Ende April) - wann, wie und wohin kommt dann später. Zunächst noch einmal eine tv.noir-Aufnahme von "Sing":

Donnerstag, 25. April 2013

Rollentausch

Kieran Hebden, besser bekannt unter dem Pseudonym Four Tet, war bisher in der Regel derjenige, der anderer Künstler Werke in Bearbeitung nahm und erstklassige Remixe ablieferte, nun hat es ihn also wieder einmal selbst erwischt: Vom letzten Album des Briten, "Pink", stammt der Song "Pyramid" und dieser hat wiederum Thom Yorke und seinen Atoms For Peace so gut gefallen, dass sie ihrerseits einen Remix anfertigten - hier bei Soundcloud.

Erfolgreiche Stimmabgabe

Westbam
„Götterstrasse“

(Universal)

Größer könnten die Gegensätze wirklich nicht sein: Hier der mittlerweile etwas dickplautzige Maximilian Lenz alias Westbam, der lichtscheu und ungelegt durch Rampenlicht stolpert, dort die geschmeidige und glamouröse Tanzplatte. Natürlich ist das, was hier so gefällig aus den Boxen wummert, kein Nischentechno mehr, auch die Texte lassen sich, vorsichtig formuliert, unter tiefenpsychlogischen Aspekten nur begrenzt verwerten. Westbam folgt auf diesem (im Wortsinne) Album seines Lebens genretypisch, also wie immer, der Devise „form follows function“ und gibt mit der „Götterstrasse“ quasi die irwingsche Ergänzung zum „Teufelswerk“ des Kollegen Hell. Einer illustren Gästeschar, gespeist aus nun bald 30 Jahren hinter den Tellern und mit Liebe und Verstand ausgewählt, schreibt der Meister  seine dreizehn Tunes auf den Leib und es gelingt ihm auf beeindruckende Weise, den jeweiligen Stimmfärbungen und Charakteren den passenden Sound zuzumischen – der Endlosmix geht direkt aus dem Ohr über den Bauch in die Beine.

Dabei greift der heute 48-jährige Münsteraner ganz tief in die Kruschkiste der eigenen Vergangenheit – mit Richard Butler, Iggy Pop, Bernard Sumner und Hugh Cornwell schreiten gleich vier Idole seiner frühen Jugend zur erfolgreichen Stimmabgabe. „You Need The Drugs“ ist eine sehnsuchtsvolle, einschmeichelnde Hymne an die Nacht und ihre Gestalten, Iggy Pop legt sein gegerbtes, windschiefes Grummeln über die spotzenden Beats der „Iron Music“ und der New-Order-Frontmann leiht sein warmes Timbre als Futter für die perlenden Synths von „She Wants“, während das Stranglers-Urgestein mit „A Night To Remember“ eine satten Tanzbodenstampfer veredelt.

Und damit sind die Glanzpunkte des Albums noch nicht einmal ausgezählt. Die alte Weggefährtin und Poptrine Inga Humpe darf sogar zweimal ans Mikrophon treten, beim Titelsong dient ihr zweifellos erotisches Stimmchen noch als getupfte Ausschmückung, „The Middle Of Nowhere“ gibt ihrem Gesang kurz darauf  etwas mehr Raum und – Überraschung – das stört nicht, das funktioniert. Der Kontrapunkt (die Kontrapunktin?) dazu: Die New Yorkerin Katt Rockwell, auch sie darf für zwei Stücke in die Mischmaschine – für die melancholische Erinnerungsadresse an den verstorbenen Freund Mark Spoon („Rebel Heart“) ist sie mit ihrem brüchigen Organ die Idealbesetzung und auch der ruppige Downbeat von „Where we‘re from“ kann mit ihr nur gewinnen.

Das letzte Lob noch für die beiden Besetzungen aus Übersee: Das rostige Rezitativ von Lil Wayne („Kick It Like A Sensei“) erinnert angenehm an Gil Scott-Herons Meisterleistung „I’m New Here“ und scheint direkt aus dem Wachkoma über die Drums gelegt, Kanye West wiederum hat mit „Radio Siberia“ genau den Track erwischt, der seinen nöligen Rhymes am besten zu Gesicht steht – großes Orchester, Electrobrass, kurz: DJ-Culture. Nichts an dieser Platte ist schwer zu haben und dennoch fährt Westbam immer knapp neben der Mainstreamspur. Vielleicht wird manch früherer Jünger das Verschrobene, Trashige vermissen, kein Bamm-Bamm und kein Gabber, von House ganz zu schweigen – Westbam zieht Bilanz und verneigt sich mit dieser Platte vor seiner eigenen Vergangenheit und ihren Protagonisten. Es macht eine Menge Spaß, ihm dabei zuzuhören.

Albumvorschau auf Westbams Facebookseite oder bei MyVideo.de

Mittwoch, 24. April 2013

Immer noch dagegen

Ein waschechtes Revival ist das natürlich nicht, denn wirklich weg waren sie nie: Die New Yorker Post-Hardcore-Helden Girls Against Boys schicken sich an, nach ihrem letzten Album "You Can't Fight What You Can't See" aus dem Jahr 2002 mit einer bislang noch unbetitelten EP auf Tour zu gehen. Der erste neue Song daraus heißt "It's A Diamond Life" und steht bei Soundcloud als Stream bereit, in die Nähe Deutschlands führt sie bislang nur ein Termin am 2. Mai auf das Donau-Festival in Krems.

Kaltes Feuer

The Besnard Lakes
„Until In Excess, Imperceptible UFO”

(Jagjaguwar)

Ganz so einfach machen sie es einem diesmal nicht. Das letzte Album “… Are The Roaring Night” hatte den Hörer mit seinem tonneschweren Progrock und den gewittrig verknitterten Gitarrensoli recht schnell auf seiner Seite, für “Until In Excess…” muß man sich für die freundliche Übernahme schon etwas mehr Zeit gönnen. Wer will, konnte schon anhand der Coverentwürfe der letzten drei Alben (von Corri-Lynn Tetz) einen leichten Wandel erkennen – zweimal tobte auf den Pressungen bei Jagjaguwar der Feuersturm, bevor nun ein kaltes, gleißendes Licht auf graugrüner Moorlandschaft für eine gespenstische Ruhe sorgt. Schluß also mit raumgreifendem Geknarze und düster grollenden Klanglandschaften? Nicht doch, Jace Lasek and Olga Gorea lassen sich diesmal nur etwas mehr Zeit. Die ersten drei Stücke gehen eher behutsam zu Werke – für das fast beschwingte “On Her Eyes Were Painted Gold” geben sich die Besnard Lakes regelrecht melodieverliebt und Goreas zartes Stimmchen schwebt beseelt in höheren Sphären. Zur Mitte des Albums hin dann aber doch wieder ein Mehr an wohldosierter Härte und Wucht, “The Specter”, “Catalina” und besonders “Colour Your Lights In” malen schon mit dickerem Pinsel – es wird lauter. Kulminationspunkt ist das gut siebenminütige “Alamogordo”, ausufernder Gitarrenkrach vor überlangem Fadeout. Unterm Strich: Sie geizen mit dem Lärm, es gefällt uns trotzdem. www.jagjaguwar.com

07.06.  Zürich, Rote Fabrik
08.06.  Köln, Blue Shell
09.06.  Berlin, Monarch
10.06.  München, Atomic Cafe

Sonne satt

Nur eine Randnotiz, aber eine sehr erfreuliche: Das Komplettwerk der amerikanischen Drone- bzw. Doom-Band Sunn O))) ist mit sofortiger Wirkung komplett bei Bandcamp gestreamt - inklusive Livealben und Koops mit Nurse With Wound, Boris etc. Wie vermerkte The Quietus so treffend: Hark! Alle alles - hier.

Dienstag, 23. April 2013

Typical male

Für alle, die auch an den kleinen Details Gefallen finden, hat Kim Gordon, Säulenheilige des Alternativ-Rock und ehemalige Frontfrau von Sonic Youth, der Elle die wahren Gründe für die Trennung von Ehemann Thurston Moore im Jahr 2011, die auch zum Split der Band führten, verraten und diese sind - nun ja, sehr profan. Ganz nebenbei erwähnt sie auch, dass ihr im selben Jahr eine weniger bedenkliche, weil nichtinvasive Art von Brustkrebs diagnostiziert worden ist.

Wiedergutmachung

Ihr Debütalbum "The ArchAndroid" ist an gleicher Stelle nicht gerade gnädig besprochen worden, deshalb gibt es nun ein Stück Wiedergutmachung: Janelle Monáe startet mit einer neuen Single - diesmal feat. Erykah Badu - in die zweite Wochenhälfte. "Q.U.E.E.N." heißt das gute Stück und hören kann man es bei Soundcloud, in naher zukunft kommt dann Album Nummer zwei "The Electric Lady".

Montag, 22. April 2013

Nicht allein

Treffen sich zwei Serienkiller ... Klingt nicht wie der Anfang eines Schenkelklopfers, sieht auch im Video nicht danach aus: Zu "Toe Cutter - Thumb Buster" gibt es von den Thee Oh Sees ein denkbar blutrünstiges, brutales Kurzfilmchen über die Schwierigkeiten, lästige Mitwisser hinreichend zu entsorgen.

Der Reiz des Wandels

Das dritte kommt: James Chapman aka. Maps, britisches Einmannorchester aus Northhampton, hat für Anfang Juli sein nächstes Album angekündigt - nach "We Can Create" und "Turning The Mind" steht nun via Mute "Vicissitude" an und soll nach Auskunft das Meisters selbst deutlich kämpferischer und konfrontativer ausgefallen sein als die beiden Vorgänger. Nun, der Anfang mit "I Heard The Say" ist schon gemacht und klingt gleich mal ziemlich umwerfend - hier, bei Soundcloud.

Sonntag, 21. April 2013

Return to Gender

Vor zwei Jahren brachte Peaches im Berliner Hebbel am Ufer (HAU) ihr weitestgehend autobiografisches Musical "Peaches Does Herself" auf die Bühne - nun tingelt der gleichnamige Film zum Stück durch die einschlägigen Festivalhäuser. Gerade ist er in London angelaufen und im Guardian findet man deshalb ein so aufschlußreiches wie unterhaltsames Interview mit der kanadischen Wahlberlinerin zu Lady Gaga, Peaches Geldof und den Mustknows der Intimpflege.

Samstag, 20. April 2013

Unkaputtbar

Attwenger
Milla, München,
19.04.2013

Das Kompliment klingt ein wenig vergiftet, ist aber gar nicht so gemeint: Attwenger sind als Band mittlerweile das, was man gemeinhin ‚unkaputtbar‘ nennt. Man bekommt dies auch sehr anschaulich auf der DVD zur CD zur Tour (Clubs/Trikont) demonstriert – Markus Binder und HP Falkner können in der kleinsten Kaschemme, auf dem größten Festival, kurz: an den unmöglichsten Orten spielen, im Handumdrehen werden daraus flux (haha) Attwenger-Orte gemacht: Beats, Sog, Trance, shaking my brain, woast eh. Sie können also auch einen Gefälleschlauch wie die Münchner Milla, ambitioniert bis hochklassig kuratiert, aber mit eher unglücklichen Räumlichkeiten ausgestattet, mühelos in einen Hort der kollektiven Freude und Verzückung verwandeln. Klar, man hat schon schweißtreibendere Attwenger-Shows als diese erlebt, dennoch: Die ersten Takte und alle sind bei der Sache – „Dog“, „Mir“, „Hintn Umi“, „Kalender“, „Mief“, Polkaparty rules. Ob Grandmaster Flash oder Bill Withers, hier wird zum Besten aller gefleddert, was das Zeug hält und die Maultrommel hergibt. Jederzeit das, was der Ami, der die beiden Verrückten ja nun auch schon kennenlernen durfte, ein „Goal“ nennt: „Wama Liaba“, endlos, zum Glück, weil gradios, das klassische Attwenger-Mantra. Noch ein Selbstgänger, weil – sonst eher untypisch – mit klarer Botschaft versehen: „Kaklakariada“ als Encore. Das Pu blikumrastet nicht aus, aber es mag, was es hört und erkämpft sich sogar einen zweiten Vorhang. Ein schöner Abend – nicht weniger.

Freitag, 19. April 2013

Fabelhafte Verschwendung

Der Puls bei Daft Punk ist schnell wieder im Normalbereich, bei London Grammar, deren Gesamtwerk im Moment noch sehr überschaubar ist, sieht das schon anders aus: Auf der Website des Trios http://www.londongrammar.com/ kann man nun zwei neue Stücke bestaunen - "Wasting My Young Years" und "Metal And Dust". Das, liebe Kinder, ist Klebstoff!

Herzrasen

Das ist sie nun also, die erste Single "Get Lucky" aus dem neuen Album "Random Access Memories" von Daft Punk: Eingesungen von Pharrell Williams, unterstützt von Nile Rodgers (Chic), Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter im schmucken Glitzerkostüm - alles wie gehabt also. Was genau man da postet, weiß man selbst nicht, bei iTunes gibt's eine Version, bei Soundcloud einen Edit oder andere Heimwerkerarbeiten. Hier jedenfalls etwas von Vimeo. Wer mehr will - selber suchen!

Pogo für Plüschophile

An dieser Stelle mal wieder was für unsere Kleinen und natürlich auch die kleinen Großen: Unsere Lieblingsband Deine Freunde aus Hamburch haben mal wieder ein hübsches Video gedreht - diesmal zum Song "Erzähl mal". Alles dabei, was man von der aktuellen Tournee kennt - plüschophiles Stagediving, Kinderpogo und der garstige Katzengeist. Am 29. April sind die Jungs übrigens zu Gast bei "TV Total", also beim Metzger der Herzen, und wer immer noch nicht gecheckt hat, dass Deine Freunde wirklich rocken, der hat bei folgenden Terminen noch Zeit zum nachbessern:

15.06.  Duisburg, Kinderkulturfestival
16.06.  Münster, Bürgerhaus Kinderhaus
01.09.  Bielefeld, Kulturfest Wackelpeter
05.01.  Erlangen, E-Werk
06.01.  Augsburg, Parktheater

Donnerstag, 18. April 2013

Maul halten, Dingdong aus

Einen knappen Monat noch, dann sind sie endlich da: Savages haben einen neuen Song zum kommenden Album "Silence Yourself" samt Video ins Netz gestellt - bei "Shut Up" kann man schon mal sehen, was einen wohl erwartet oder was man eben verpaßt. Die Termine nochmal - hier.

Der kleine Tipp für Konzertbesucher schon mal vorab:

Peng!

Phoenix
„Bankrupt!“

(Warner Bros.)

Irgendwie hatte man ja insgeheim noch auf so eine Art Guerillagag gehofft, also: ‚Lasst uns vorab mal alle mit einer richtig mittelmäßigen Nummer irritieren – am Ende kommen wir dann mit dem supertollen Album um die Ecke und die ganzen Nörgler haben sich umsonst aufgeregt und müssen jetzt zu Kreuze kriechen!‘ Den Jungs von Phoenix, ja auch sonst nicht gerade um ironische Spitzfindigkeiten verlegen, wäre das wohl zuzutrauen gewesen. Und nun? Kein Täuschungsmanöver, kein Kaninchen im Zylinder – „Bankrupt!“ ist, da hilft kein Jammern, genauso gut oder eben schlecht, wie es der Einstieg „Entertainment“ hat befürchten lassen. Und selbst wenn man dem eigenen Hirn mittels MIB-Neuralisator absolute Unvoreingenommenheit befehlen wollte, also alle vorangegangenen, tatsächlich und zu Recht hochgelobten Platten der Franzosen ausblendete – selbst dann bliebe für die aktuelle nur ein müdes und ratloses Schulterzucken übrig.

Dass die Band aus Versailles das hohe Niveau auf Dauer schwerlich durchhalten würde, welches sie seit dem Debüt „United“ jedem nachfolgenden Werk in die Rillen presste, musste selbst dem glühendsten Anhänger dämmern – allein, es überrascht, wie plötzlich jedwede Songidee und Inspiration verschwunden sind. Vier Einzelbeispiele in zeitlicher Abfolge aus der Vita gepickt – „If I Ever Feel Better“, „Everything Is Everything“, „Sometimes In A Fall“, „Fences“ – keines der neuen Stücke erreicht auch nur annähernd das Format der genannten. Und das liegt beileibe nicht daran, dass sich Phoenix im Jahr 2013 komplett und ganz en vogue dem Synthpop verschrieben haben – auch die älteren Sachen unterschieden sich voneinander und schafften mühelos den Spagat zwischen digital und analog bzw. Korg und Fender.

Der maue, pseudoasiatisch verbrämte Sound von „Entertainment“ setzt sich also schon bei „The Real Thing“ fort, alles klappert und spotzt dazu ganz hübsch beliebig vor sich hin, kaum deutet ein Takt mal Geberqualitäten an, wird er sofort in einer sämigen Popsoße versenkt. Leichtigkeit, Ohrwurmhooks? Fehlanzeige. Alles ächzt im neu geschneiderten Soundgewand – jedoch, es paßt nicht, keine Lässigkeit, von Coolness („Trying To Be...“ haha) ganz zu schweigen. Da hilft es auch nicht, dem Titelstück einen von Pink Floyd inspirierten Ambienttechno anzuschrauben – das klingt verwegen, aber eben auch etwas überambitioniert. Der kleine Gruß an ihre Landsleute („Justice done...“) ist dann aber doch eher unfreiwillig ...

Was bleibt also noch? Das satte „Chloroform“, das zumindest nicht auseinanderfällt, „Bourgeois“ mit verheißungsvollen, weil luftigeren Versen, die dann aber im Chorus gnadenlos vom Synthiesperrfeuer weggeböllert werden, auch „Oblique City“ kommt über ein paar gute Ansätze nicht hinaus. Es endet beschaulich und verzupft und mit der Sehnsucht, es hätte mehr von diesen behutsamen, schillernden Momenten gegeben, die das Quartett früher im Akkord abliefern konnte. Es werden viele kommen und in Anspielung auf den letzten Titel „Wolfgang Amadeus Phoenix“ behaupten, Hochmut käme vor dem Fall. Gegen diese augenzwinkernde Anmaßung ist aber überhaupt nichts einzuwenden, sie bleibt als Stilmittel sogar dringend geboten. Mehr Substanz darf es dann aber trotzdem sein, damit aus dem vorgehaltenen Revolver beim Überfall auch ein Schuss kommt statt eines kleinen Tüchleins, auf dem „Peng!“ zu lesen ist. http://www.wearephoenix.com/

07.06.  Rock im Park
08.06.  Rock am Ring
11.06.  Hamburg, Stadtpark

Unter Brüdern

Na das kann sich doch hören lassen: Kelvin Mercer, David Jude Jolicœur und Vincent Mason, zusammen seit Ende der 80er bekannt als De La Soul, haben für den Herbst diesen Jahres bekanntlich ihr neues Album "You're Welcome" angekündigt, der erste Track daraus ist nun beim Rolling Stone gestreamt - "Get Away" enthält gleich mal ein Sample des Wu Tang Clan von deren Meisterwerk "Wu Tang Forever". Bruderdienste also, auch der Clan plant schließlich für dieses Jahr noch eine Platte ...

Mittwoch, 17. April 2013

Vorreiter

Man wünscht sich das für manche Platte, Christopher Owens hat es für sein erstes Solowerk vorgemacht: "Lysandre" gibt es nun auch als Akkustikversion mit acht Tracks zum freien Download auf seiner Homepage. Auch wenn der Unterschied zum Original in diesem Falle nicht so gravierend ist, das Beispiel sollte Schule machen - wir warten dringend auf: "Music For The Jilted Generation", "Master Of Puppets" und "Raw Power" - Acoustic Albums.