Mittwoch, 12. August 2015

Frittenbude: Der perfekte Tag

"Diese Straße, sie führt dich irgendwo hin, und irgendwann findet jeder mal heim" - man ahnt schon, dass man sich mit "Die Möglichkeit eines Lamas" von Frittenbude einen perfekten Roadtrip zusammenbasteln kann, gerade so, wie es die drei Mädels im neuen Video der Band tun. Der perfekte Tag (ist wohl einer ohne Jungs) zwischen Pommesregen, Buddelwodka und Leuchtraketen auf dem Weg ins Nirgendwo. Aber auch das muss ja irgendwo sein...

Telepathe: Konjunktiv

Telepathe
„Destroyer“

(Federal Prism)

Also vom Tatbestand der arglistigen Täuschung sind wir noch meilenweit entfernt – man sollte sich allerdings vom bösen Blick und der grobkörnigen FY-Attitüde des Covers nicht in die Irre führen lassen: Aus Telepathe, dem New Yorker Duo, wird auch mit dem zweiten Album nach „Dance Mother“ (2009) keine bissiges Grime-Projekt. Es ist eher so, dass Melissa Livaudais und Busy Gangnes sehr beschaulichen, manchmal arg vorhersehbaren Wavesound anbieten – wütend, aggressiv oder gar zerstörerisch ist das wirklich nicht. Nun könnte es ja durchaus reizvoll sein, Textzeilen wie “Burn it down, fuck you up!” des Gegensatzes und der Irritation wegen zwischen gefällige Popmelodien zu stecken, das scheint hier aber nicht oder nur halbherzig gemeint zu sein. Weiche, gedoppelte Stimmen zu synthetischem Halbdunkel als Vorsatz, in der Mehrzahl gemächlich bis verträumt, selten (wie bei “Trow Away This”, “Someone Is Home” und Onyx”) mal etwas lebendiger – alles ganz hübsch aber irgendwie auch egal. Nach den Vorabmeldungen und ganzen sechs Jahren Schaffenspause hatte man sich tatsächlich etwas mehr erwartet.

Der Komplettstream des Albums findet sich u.a. beim FACT Magazine.

Editors: Spot on!

Video Nummer drei des Tages stammt mal wieder von den Editors: Die Herren haben im Zuge der Veröffentlichung ihres neuen Albums "In Dream" bei Play It Again Sam am 2. Oktober die nächste Auskopplung am Start - das Filmchen zu "Life Is A Fear" hat der iranischstämmige Regisseur Rahi Rezvani verantwortet, die Optik ist an das Artwork der Platte angelegt (oder umgekehrt).

MIYNT: Aus dem Fundus

Unter die Rubrik "Künstlerisch wertvoll" sollte auch dieser Clip fallen, zumindest was Interieur und Kleiderfundus angeht: Die Schwedin MIYNT hat zu ihrem zauberhaften Song "Civil War", der hier auch schon Thema war, ein eigenwilliges Video drehen lassen, das sich wie eine verlangsamte Aneinanderreihung von Filmstills ausnimmt.

Hot Chip: Herzklopfen

Ankündigungen für neue Videos werden bei Hot Chip immer mit jeder Menge Herzklopfen quittiert - die letzten waren formidabel und heben sich immer angenehm vom weggefilmten Durchschnitt ab. So auch das aktuelle Exemplar zu "Started Right" vom Album "Why Make Sense?", das als Karaoke-Session beginnt und dann etwas durcheinander gerät - Regie führte Rollo Jackson.

Dienstag, 11. August 2015

Wild Ones: Nicht genug

Wild Ones
„Heatwave“

(Topshelf Records)

Wenn man den Wild Ones überhaupt etwas vorwerfen kann, dann nur, dass sie ihre aktuelle Veröffentlichung auf ganze fünf Songs begrenzt haben – EP also und leider keine LP. Man hätte wohl mehr vertragen von diesen zauberhaften, wattig leichten Popsongs, die Danielle Sullivan und ihre vier Freunde aus Portland da anbieten, dem vorab veröffentlichten „Dim The Lights“ – mit großer Wahrscheinlichkeit und ebenso großem  Recht einer der besten Songs des Jahres 2015 – folgen also nun neben dem Titelstück noch „Show Me Islands“, „They Said“ und das verhalten dahinpluckernde „Loveless“. Je öfter man diese Kompositionen anhört, desto dringender werden die Fragen: Wo waren die eigenen Ohren, als im Sommer vor zwei Jahren das nicht minder wunderbare „Keep It Safe“ (Album!) herauskam? Wann wagt die Band den Sprung über den Teich, um auch in Europa die Freunde zu sammeln, die sie zweifellos verdient? Und wer bitteschön sagt ihnen, dass fünf Lieder dieser Güte entschieden zu wenig sind … !? http://www.wildonestheband.com/



Tubbe: Zwischenbilder

Tubbe sind ja, wie man lesen kann, eine sehr beliebte Festivalband - auch wenn man es bei der Art von Musik nicht gleich vermutet, sie stehen gern auf offener Bühne. Mittendrin haben sie noch genügend Zeit, um ein weiteres Video zu ihrer feinen Platte "Keine Arbeit Lieber Tanzen" (Audiolith) zu streuen, bei "Good Days" kommt zum soft pumpenden Beat und herrlichem Saxophon animierter Zeichentrick, Regie und Design stammen von Jakob Rompkowski. Ach ja, vier Termine haben wir noch:

15.08.  Stemwede, Stemwede Open Air
20.08.  München, Theatron
30.10.  Erlangen, E-Werk
31.10.  Reutlingen, Franz K.

Deaf Wish: Selbstzähmung [Update]

Deaf Wish
„Pain“

(Sub Pop)

Man sollte sich ja vorsehen mit übermäßigen Vergleichen – nicht jeder Musiker schätzt den Hinweis auf Referenzen, Gleichklang oder Assoziationen und manchmal dienen diese ohnehin nur als Vehikel, den ausgewiesenen Sachverstand des Rezensenten zu unterstreichen (hüstel,…). Manchmal treten Parallelen allerdings so deutlich zu Tage, dass man gar nicht anders kann und es trotzdem gut meint: Deaf Wish zum Beispiel, das Indie-Quartett aus Melbourne, erinnert in manchen seiner besten Momente (und davon gibt es auf „Pain“ viele) angenehm an Sonic Youth, was vielerlei Gründe haben könnte. Zum einen ist ihnen das krude Feedback der No-Wave-Kapelle sehr geläufig, ähnlich wie diese wechselt der Gesang nach Lust und Laune quer durch die Band (und Gitarristin Sarah Hardiman’s Stimme ähnelt mit ihrem kühlen Timbre auch noch verteufelt der von Kim Gordon) – Stücke wie „Sunset’s Fool“, „They Know“ oder „Sex Witch“ können hier als gelungene Beispiele herhalten. Dennoch bleibt den Stücken genügend Eigenständigkeit, Deaf Wish spielen einen überwiegend kraftvollen, punkigen Noise-Punk, der zur vollen Entfaltung selten länger als drei Minuten braucht und trotzdem auch mal den Ausfallschritt wagt – „Dead Air“ zum Beispiel präsentiert sich als wogendes, instrumentales Auf und Ab lärmender Gitarren, dagegen schimmern „On“ und „Calypso“ auf fast schon verführerische Weise. Wieder eine Gemeinsamkeit also – erst wer den Krach selbst auch zu zähmen versteht, kann ein Großer werden.

Update:
Zur Komplettierung wird nun noch das Video zu "On" nachgereicht.

Deaf Wish und "Pain" bei Bandcamp.



Chvrches: Kleiner Trost

So, jetzt ist es an der Zeit, mal etwas Erbauliches für Hamburg zu tun: Nicht nur dass der FC St. Pauli gestern Abend (leider verdientermaßen) gegen Gladbach aus dem Pokal ausgeschieden ist, noch dazu machte sich der andere Club der Stadt erst spielerisch unmöglich und später medial lächerlich, weil ein Funktionär des Vereins hochsensible Unterlagen in einem Rucksack durch die Gegend schleppt und sich dann später auch noch klauen läßt. Sei's drum - hier die gute Nachricht: Die Chvrches werden ihr bislang einziges Clubkonzert im Herbst in den Hamburger Docks spielen - na, ist das was!?

12.11.  Hamburg, Docks

Montag, 10. August 2015

Steven A. Clark: Soulfulness

Bis zum Album ist's noch 'ne ganze Weile hin, aber wenn das nur halb so perfekt wird wie die ersten Singles, dann könnte sich das lange Warten lohnen: Der Amerikaner Steven A. Clark wird am 18. September seine neue Platte "The Lonely Roller" via Secretly Canadian veröffenlichen, zur bislang bekannten ersten Auskopplung "Not You" gesellt sich jetzt das tanzbare, aber ebenso samtweiche "Can't Have" - synthetische Beats der Feinschmeckerklasse gepaart mit Soulfulness, der Junge wird sich über ungezügeltes Lob nicht wundern müssen.

FANS: Mach's einfach

Mach es nicht zu kompliziert - alte Regel. Haben sich schon The Strokes dran gehalten und ihr Debüt "Is This It" quasi aus einem Riff pro Song geklöppelt. Hat funktioniert. Tut auch "Born Into", die neues Single des Trios FANS aus dem britischen Yorkshire. Straight und crispy, ganz so wie es sein soll. Nachdem die Single schon einen Monat draußen ist, gibt's nun dazu ein kleines DIY-Filmchen.

Mountain Lakes: Orange Crush

Sehr anschmiegsam präsentieren sich Mountain Lakes - Indiepop aus Polen, zumindest zu Hälfte. Denn Produzent und Songwriter Wayne Hood hat während einer Backpackertour in Warschau Sängerin und Bandpartnerin Joanna Cisowska kennengelernt, zusammen haben sie ihre EP "Eyesore" eingespielt, von dieser stammt der nun veröffentlichte Song "Penrose Stairs". Der Track ist seit heute online, die gesamte EP ist außerdem bei Bandcamp verlinkt.

Sonntag, 9. August 2015

Haim vs.Tame Impala: Männer? Ha!

Weil wir's gerade von Lässigkeit hatten - hier zwei, die da auch mehr als ein Wörtchen mitreden können: Die Damenkombo Haim, vor zwei Jahren mit "Days Are Gone" die ultimative Spätsommerplatte gelandet, covern/remixen Tame Impala, die gerade "Currents" abgeliefert haben - und zwar haben sich die drei Mädels "Cause I'm A Man" vorgenommen, die wohl amüsanteste Ausrede in punkto genetischer Vorbestimmung der letzten Jahre.

Tamper: Verdammt lässig

Ein wirklich sehr gelungene Coverversion kommt da von Tamper um die Ecke: Das Duo aus Brooklyn hat im Juni seine "Tamper EP" als Debüt veröffentlicht, nun folgt dieser "Disparate Youth", bekannt als unbedingter Smasher von Santigold, hier auch sehr, ach was - sehr, sehr lässig.

Freitag, 7. August 2015

Reighnbeau: Wärmetauscher

Und nun wieder ein wenig gemächlicher - mit Reighnbeau aus Albuquerque in New Mexico. Das Project ist das Baby von Musiker und Künstler Bryce Hample, der von einem vierköpfigen Kollektiv unterstützt wird. Gemeinsam verfertigen Reighnbeau wunderliche und bezaubernde Elektronik mit Anklängen bei Tangerine Dream und auch den Cocteau Twins, sehr ästhetisch, sehr sphärisch und mit ganz viel Wärme. Aktuell kann man sich hier das Stück "Ghost" anhören, wenn dem noch ein größeres Format folgt, kann es nichts Falsches sein.

RDGLDGRN: Auf die Schnelle

Noch schneller, mehr in Richtung rappin' Breakbeats gehen RDGLDGRN, ein Trio aus Washington D.C. - gerade online gegangen ist ihr Track "Runnin' Away" von der EP "Red Gold Green", die im Oktober erscheinen soll (hier auch als Video). Dort wird sich dann wohl auch "No Pixar" finden, das schon vor einigen Wochen die Runde machte. Und wer sich beeilt und im Einzugsbereich der folgenden Orte wiederfindet, der kann die Jungs auch gleich noch live besuchen - schon heute Abend geht's los:

07.08.  Rothenburg, Tauberthal Festival
08.08.  Püttlingen, Rocko del Schlacko Festival
09.08.  Köln, Kölnmesse
15.08.  Bielefeld, Serengeti Festival

Duckwrth X The Kickdrums: Lass scheppern, Baby!

So - Beat ist angesagt, weil Wochenende: Der erste Track kommt von einem jungen Rapper namens Duckwrth, mittlerweile wohnhaft in Brooklyn, New York. Dieser hat zusammen mit dem Produzenten The Kickdrums schon vorher ansprechende MashUps präsentiert, so die Tracks "Lambo", "Naruto" und "Indica La Roux", allesamt bei Soundcloud zu finden. Hier nun das neuste Stück "Psycho" - scheppert und hämmert ganz passabel, das dazugehörige Album soll am 21. August folgen.

Donnerstag, 6. August 2015

The Maccabees: Schön dick aufgetragen

The Maccabees
„Marks To Prove It“
(Caroline/Universal)

Früher war das irgendwie alles viel übersichtlicher eingeteilt: Der politisch und gesellschaftlich korrekte, halbwegs alternative Konsensrock großen Stils (puh!) war im Grunde auf zwei Paar Schultern verteilt – für’s leidenschaftliche Breitwandformat zeichneten U2, für die zarteren Zwischentöne R.E.M. verantwortlich und alles war gut so. Aber nicht lange, denn der sympathischere Michael Stipe hatte irgendwann keine Lust mehr auf die Schulterklopferei und olle Bono, der bereitwillig auch Stipe‘s Part übernommen hätte, wollte am Ende doch lieber Jesus, aber mindestens Nobelpreisträger oder wenigstens Apple-Chef werden und macht(e) sich somit komplett unmöglich. Und als dann auch noch Chris Martin und in seinem Gefolge haufenweise Coldplay-Clones auf der Bildfläche auftauchten, war aber gleich mal alles im Eimer. Und heute? Gibt es das Gute und Böse so nicht mehr, sind die Großen nicht per se zu verteufeln, kommen sie doch alle (wie Coldplay im Übrigen auch) aus eher kleinen Verhältnissen – Arcade Fire, Modest Mouse, Death Cab For Cutie, Interpol, die Foals, alles Superacts für die Super-Arenen dieser Welt, die sich nach und nach sehr breit gemacht haben.

Und das meint auch die Musik, den Sound und das meint ebenso: The Maccabees. Auch diese haben vor Jahren ganz winzig, ja schrullig angefangen (wer sich mal das Debüt “You Make Noise, I Make Sandwiches” anhört, weiß wie lang der Weg war) – mit Album Nummer vier ist das Quintett aus London nun aber endgültig in die Premierleague aufgestiegen. Schon der Vorgänger “Given To The Wild” vor zwei Jahren war ein deutlicher Hinweis, wohin die Reise gehen sollte, aus jetziger Sicht ein fast logischer Zwischenschritt. Wem das jetzt nach Meckerei klingt, der missversteht hier was, denn: “Marks To Prove It” ist ohne Abstriche ein ganz und gar wunderbares Album geworden, eine, die – um das Klischee mal zu befeuern – der Glanztat “Reflektor” am allernächsten kommt. Elf Stücke, ach was, Hymnen finden sich auf der Platte, wobei man sich von der kracherten Kurzatmigkeit des Titelstücks nicht täuschen lassen sollte – es geht hier schon eher um stimmungsvolle, großvolumige, komplexe Arrangements, es muss schon was hermachen.

Tut es auch – “Kamakura” protzt mit dunklen und geheimnisvollen Melodien, “Ribbon Road” setzt den Beat zu schneidigen Westerngitarren und die Single “Spit It Out” schmeisst sich einem im schmachtenden Stil der Smiths an den Hals. Und das wird nicht weniger, nicht bescheidener, “River Song”, “Slow Sun” – herrlich, mit Saxophon, heller Trompete, funkelnden Gitarrenhooks, nicht zu vergessen die immer wieder leicht überkippende Stimme von Orlando Weeks. Das ist dann nicht nur einfach dick, sondern sehr gekonnt aufgetragen, viele Töne, viele Spuren, aber keine falschen dabei. Klar fällt einem auch mal das vergleichsweise puristische “No Kind Words” früherer Tage ein, aber das war dann eben anders gut. In diesem, sehr jetztzeitigen Album steckt jedenfalls eine Unmenge an großartigen Ideen, an Sentiment und Melancholie, an Sinn für’s Schöne. Und ganz ehrlich, wer wollte den Maccabees dafür gram sein … ? http://www.themaccabees.co.uk/

21.08.  Berlin, Heimathafen
28.01.  Köln, Kantine
31.01.  Hamburg, Markthalle
01.02.  Frankfurt, Batschkapp
02.02.  München, Theaterfabrik

Leftfield feat. Sleaford Mods: No blockbustin'

Das ist natürlich allemal lustiger als dieser Blockbuster-Kram, der gerade als "Pixels" durch die Kinos zieht und unsäglich langweilt. Besser machen es die Sleaford Mods zusammen mit Leftfield auf deren Track "Head And Shoulders" vom aktuellen Album "Alternative Light Source" - ein allesvertilgender, immergieriger Monster-Pac-Man zieht durch die Straßen und frisst und frisst und frisst ...

Nevermen: Interessensgemeinschaft

Da war doch noch was: Irgendwie ist die Meldung im Zettelstapel untergegangen, dass Mike Patton (Faith No More), Tunde Adebimpe (TV On The Radio) und Adam Drucker aka. Doseone eine Supergroup mit dem Namen Nevermen ins Leben gerufen haben. Und zwar nicht erst jetzt, sondern schon 2008. Die Stücke, die bald auf einem Album erscheinen sollen, stammen also aus sieben Jahren gemeinsamer Arbeit und klingen, geht man nach dem ersten Song "Tough Town", wie erwartet experimentell und reichlich jazzy. Ach übrigens - cooles Shirt, Mr. Patton...