Mittwoch, 11. Juni 2014

My Brightest Diamond: Entgegenkommen

Und es geht munter weiter mit großartigen Ankündigungen für diesen Sommer: Auch Shara Worden, besser bekannt unter ihrem Pseudonym My Brightest Diamond, wird Mitte September ihre nächste Platte "This Is My Hand" bei Asthmatic Kitty veröffentlichen. Der erste Song daraus - ein wahres Drum- und Bläserfeuerwerk - heißt "Pressure" und wird gerade bei Soundcloud gestreamt.

21.10.  Hamburg, Knust
22.10.  Berlin, Postbahnhof

Bob Mould: Werkschau

Bob Mould
„Love And Ruin“

(Merge)

Verwunderlich an diesem Cover ist keineswegs der Altersunterschied, der zwischen dem 18jährigen und dem 53jährigen Protagonisten liegt – ähnliche Fotos kann wohl jeder bei Bedarf aus der Tasche ziehen. Erstaunlich ist vielmehr, dass dieser ergraute und bebrillte Strickmützenträger, der fünfunddreißig Jahre zuvor mit Hüsker Dü eine der stilbildendsten Alternativrockbands der neueren Musikgeschichte gründete, auch heute noch auf absolut unpeinliche Weise den Sound seiner Jugend spielen kann. Wer kürzlich den Auftritt von Bob Mould bei Conan O’Brien gesehen hat, der wird bestätigen, dass dieser zu keiner Zeit irgendeinen Anlaß zur Fremdscham bot – nimmt man das eine oder andere Interview hinzu, dann darf Mould fraglos als einer der umgänglichsten und charmantesten Altpunks dieses Universums gelten.

Zwei Jahre sind seit seinem letzten Solowerk „Silver Age“ vergangen, zwei Jahre, in denen der Mann aus New York ausreichend Gelegenheit hatte, mit seinen neuen Partnern Jason Narducy am Bass und Drummer Jon Wurster zu einem eingeschworenen Team zusammenzuwachsen. „Love And Ruin“, von ihm selbst als sein bislang persönlichstes Album tituliert, wurde in den Studios von Steve Albini eingespielt, will man diese Produktion kurz umreißen, dann so: Historische Verweise – jede Menge, Kraft und Energie – zur Genüge, Neuerungen – so gut wie keine. Man kann die Platte gut und gern als ‚livespanning‘ Werkschau hören, es finden sich hier sowohl Lieder wie „Forgiveness“ oder die Single „I Don’t Know You Anymore“, die an seine Zeit mit Sugar und den ersten Alleingang („Workbook“) erinnern, als auch Stücke mit gepflegter Härte („Little Glass Pill“, „Hey, Mr. Grey“, „Fix It“), welche die Gründerjahre von Hüsker Dü wieder in angenehme Erinnerung rufen.

Würdevoll altern ist natürlich auch für Mould eine stetige Herausforderung und er stellt sich ihr täglich auf’s Neue, mal selbstironisch und spielerisch zusammen mit Colin Meloy im Video zu „I Don’t Know ...“, an anderer Stelle („The War“) verarbeitet er den Tod seines Vaters im Jahr 2012. Der Verlust ist für ihn ein ständiger Begleiter: "I'm getting to that point in my life, where I've been losing people and people are getting really sick around me," sagte er dazu dem Rolling Stone, "It's weird. It can be a downer, but it can also be very enlightening. I'm very grateful that I'm in a line of work where now that I've stayed around long enough, sadly I get this perspective. It's not a popular one in rock music." Sätze wie diese machen das Album nicht nur zu einem nachdenklichen, sondern auch zu einem besonderen und gerade weil sie nicht alltäglich sind, helfen sie wohl ihm und auch seinen Zuhörern, einem jeden auf seine Weise. http://bobmould.com/


Jens Friebe: Ausgehen

Ach, was hat der Junge da wieder für einen hübschen Slogan ausgegraben: "Nackte Angst zieh Dich an wir gehen aus" soll das neue Album von Jens Friebe heißen, das am 19. September bei Staatsakt erscheinen wird. Und auch wenn das ein wenig an die Spendierhosen der Ärzte erinnert, so sind die restlichen Titel auf der Platte doch von der selben lyrischen Güte: "Sei einfach nicht du selbst", "Warum zählen die rückwärts, Mammi?", "Zahlen getrennt, gehen zusammen" und und und - Friebe halt. Eine kleine Kostprobe gibt es vom Label mit dem "Schlaflied" auch schon, die Tour folgt wie folgt:

07.10.  Hannover, Lux
08.10.  Köln, Studio 672
09.10.  Weinheim, Cafe Central
10.10.  München, Milla
12.10.  Regensburg, Alte Mälze
13.10.  Wien, Stadtsaal
14.10.  Dresden, Ostpol
16.10.  Berlin, BiNuu 

Sinkane: Böse Liebe

Schon vor zwei Jahren war Ahmed Gallab alias Sinkane mit seinem Album "Mars" ein ganz heiße Nummer - RnB und Soul plus Jazzanleihen, man durfte begeistert sein. Nun meldet er sich wieder zurück und wird Ende August bei City Slang seinen zweiten Longplayer "Mean Love" veröffentlichen. Mit dabei dem Vernehmen nach auch Damon Albarn, David Byrne, Blood Orange und Mitglieder von LCD Soundsystem. Na, viel schiefgehen kann da wohl nicht - der erste Track "Hold Tight" klingt schon mal vielversprechend.

First Aid Kit: Nachsommer

Zwei, drei schöne Platten im Gepäck, dann sollte auch diese Tournee keine schlechte werden: First Aid Kit haben gerade mit "Stay Gold" einen hübschen Sommersoundtrack abgeliefert, nun schicken sie ein paar Livetermine hinterher.

03.10.  Zürich, Plaza
04.10.  Wien, Waves Festival
05.10.  München, Ampere
08.10.  Hamburg, Mojo
09.10.  Berlin, Astra Kulturhaus

Dienstag, 10. Juni 2014

Blonde Redhead: Schluß mit Süßigkeiten!

Wie lang manche Pause war, merkt man wirklich erst dann, wenn sie endlich vorbei ist: Seit 2010 haben Blonde Redhead kein Album mehr veröffentlicht, seit "Penny Sparkle" also. Anfang September hat das Warten nun ein Ende, dann veröffentlicht die New Yorker Indiekapelle um Sängerin Kazu Makino ihre neue Platte "Barragán" - den ersten Song daraus mit Namen "No More Honey" kann man sich schon via Soundcloud anhören.

16.09.  Köln, Gebäude 9
17.09.  Berlin, Frannz Club

Spoon: Vorschuss

Und auch Spoon haben vom lang erwarteten Nachfolger des Longplayers "Transference" einen ersten Eindruck vernetzt - "Rent I Pay" vom Album "They Want My Soul" gibt es (für Anmelder) via Spotify, in einer nicht minder aufregenden Liveversion vom kürzlich abgefilmten NPR-Showcase aus New York und als inoffiziellen Videotake bei Youtube.

J Mascis: Hörbares

Angekündigt hatten wir sie schon, nun folgt die erste Hörprobe: Die neue Platte von J Mascis "Tied To A Star", die mit hübschen Monstercover, wird also Ende August erscheinen und darauf sollen sich Kollaborationen mit Cat Power, Mark Mulcahy und Pall Jenkins von Black Heart Procession befinden - der erste Song für die Masse heißt "Every Morning".

Eugene McGuinness: Verzückung

Die Idee ist nett und wohl auch vielseitig verwendbar, zuletzt sah man sie auf den Kinoplakaten zu Lars von Triers "Nymphomaniac", Gesichter in Großaufnahme im Moment orgiastischer Verzückung. Eugene McGuinness, Londoner Songschreiber, der zuletzt für sein Album "Invitation To The Voyage" zu Recht sehr gelobt worden ist, hat für Anfang Juli den Nachfolger dazu angekündigt. "Chroma" soll das gute Stück heißen, an dem auch Leo Taylor und Tom Herbert von The Invisible mitgearbeitet haben sollen - im Video zum ersten Song "Godiva" sieht man lauter beseelte Männer in Slow-Motion beim Anreißen elektrifizierter Gitarrensaiten.

Montag, 9. Juni 2014

Alt-J: Alles für Dich

Auch diese Veröffentlichung könnte eine lohnende werden: Mercury-Prize-Gewinner Alt-J haben den Nachfolger für ihr Erfolgsalbum "An Awsome Wave" angekündigt - "This Is All Yours" soll Mitte September bei Warner erscheinen und weil es zwar ein Cover, aber noch keine neuen Stücke gibt, wird hier gern noch einmal sattsam Bekanntes, aber bestechend Gutes präsentiert: Voilá, das letzte Album nochmals im Stream.

FKA Twigs: Ohne Witz

Okay, den Witz mit Raider sollte man sich jetzt wohl sparen, aber lustig war er schon: Die neueste Londoner Pophoffnung Tahliah Barnett hat sich nun einmal den Namen FKA Twigs gegeben, wobei die ersten drei Buchstaben für "Formerly Known As" stehen - klar?! Nach zwei hochgelobten EPs hat sich die junge Dame nun entschlossen, Mitte August via Young Turks ihr Debütalbum herauszubringen, das schlicht "LP1" heißen wird. Das Artwork gibt es oben, der untenstehende Titel "Hide" stammt noch noch ihrer ersten 12".

Death Grips: Erster Teil - Mondlandung

Wo genau sich nun die Dame versteckt, muss der aufmerksame Hörer schon selbst herausfinden: Die Drone-Rapper Death Grips haben eine Doppel-LP mit dem Namen "The Powers That B" zum kostenlosen Download angekündigt - Teil 1 lautet "Niggas On The Moon" und an allen acht Tracks dieser Scheibe soll Björk mitgearbeitet haben - zu hören gibt's ihn hier, zu haben ist er da.


Der zweite Teil nennt sich "jenny death" und wird wohl später in diesem Jahr verfügbar sein.

Samstag, 7. Juni 2014

Cro: Noch kein Denkmal

Cro
„Melodie“
(Chimperator)

Keine Ahnung, ob der Junge schon, wie er nicht müde wird zu behaupten, in einer eigenen Liga spielt, ein paar Vergleiche wird er sich dennoch gefallen lassen müssen. Cro, der selbsternannte King of Ra(o)p, arbeitet also, wie das Cover vermuten lässt, seit einiger Zeit am eigenen Denkmal und hat nun sein zweites Album veröffentlicht. Und dieses ist, entgegen allen Weissagungen und vollmundigen Versprechen, weder Erscheinung noch Gral, sondern ein handelsüblicher Tonträger mit einem Dutzend mal mehr, mal weniger guter Lieder geworden. Erster Eindruck: Ein richtig Harter, Giftiger wird aus ihm in diesem Leben nicht mehr werden, wo andere die Cops zum Infight bitten, steigt er lieber für einen feuchten Traum mit einer von ihnen in die Kiste. Wirklich „bad“ ist bei ihm nur das Chick, da kann er noch so viel über Battles, Gangs und Homies reimen, die Rollen ‚böser Böser‘ (Bushido) und ‚guter Böser‘ (Casper) sind hierzulande schon besetzt, da wo letzterer Blut spuckt und die Wortkanone nachlädt, holt sich Cro die nächste Ladung Wasser für die Spritzpistole. Aber was nicht muss, das muss nicht. Er ist klug genug, das zu wissen und er singt davon.

Den Bezug zu Marteria stellt er dann selbst her, indem er sich dessen Hooks aus „Kids“ für sein „Jetzt“ klaut – so frech muss man erst mal sein. An diesen Vergleich mit dem Rostocker Ex-Hool läßt sich vielleicht der einzige Vorwurf hängen, den man dem Jungen aus der Nähe von Stuttgart machen kann. Denn es geht hier keineswegs um fehlende Credibility, nicht darum, wer am meisten oder besten dissen kann oder womöglich tausend Einheiten seines Album mehr absetzt – wo Marteria rausgeht, bleibt Cro einfach in der Stube hocken. Anders: Bei diesem Album dreht sich alles um ihn selbst, seine Vergangenheit, seine Träume, seine Befindlichkeit, also quasi seinen – ähh, Crosmos. Dass er den Blickwinkel nicht wenigstens ein Stück weit über den Tellerrand hinaushebt, macht die Sache am Ende ein bisschen langweilig, diese Selbstgenügsamkeit, diese Verteidigungspose erscheinen ein wenig dünne für eine ganze Platte.

So richtig gut und an dem Punkt, der vieles wieder aufwiegt, ist der Junge dann, wenn er seine Rhymes, die manchmal richtig witzig und warmherzig gelingen, zu lässig wippenden Tanznummern verbaut – also „Melodie“, „Traum“ oder auch „Hey Girl“, wenn er in der Rückschau bedauert, sich nicht mehr um seinen Vater gekümmert zu haben oder sich selbst zu einem Besuch bei der Oma ermahnt. Wenn er zu dem großen Kind steht, das er wohl noch ist („Never Cro Up“), wirkt er ebenso bei sich wie bei dem Versuch, eine verfahrene Beziehung wiederzubeleben („Vielleicht“). In diesen Momenten, in der gerapten Familiengeschichte („Erinnerung“) oder dem altklugen „2006“ steckt dann bei aller Ich-Bezogenheit mehr Ehrlichkeit und Authentizität als in dem ganzen Bang-Bang zwischendrin. Denn ob nun mit oder ohne Maske, der Junge hat mit vierundzwanzig schon mehr geschafft als mancher andere in diesem Business, diese Platte sollte ihm trotz mancher Schwachstelle das Überleben im Haifischteich für eine Weile sichern.

07.11.  Winterthur, Eulachhallen
08.11.  Mannheim, Maimarktclub
09.11.  Frankfurt, Festhalle
13.11.  Berlin, Max-Schmeling-Halle
14.11.  München, Olympiahalle
15.11.  Nürnberg, Arena
17.11.  Wien, Gasometer
18.11.  Dresden, Messe
19.11.  Bremen, Halle 7
21.11.  Hamburg, O2-World
22.11.  Dortmund, Westfalenhalle
26.11.  Hannover, Swiss Life Hall
27.11.  Köln, Lanxess Arena
06.12.  Stuttgart, Schleyerhalle

Freitag, 6. Juni 2014

Sylvan Esso: Gar nicht so einfach

Sylvan Esso
„Sylvan Esso“

(City Slang)

Es werden die gleichen Leute sein, die auch von abstrakten Malereien ständig behaupten, das würde der Dreijährige daheim auch nicht schlechter hinbekommen, die jeden künstlerischen DIY-Anspruch vehement mit dem Kommentar beiseitewischen, jeder und jede könne das ohne Mühe aus dem Ärmel schütteln. Im Falle von Amelia Meath und Nick Sanborn aus North Carolina, die gerade unter dem Namen Sylvan Esso ihr Debütalbum abgeliefert haben, wird der Hinweis auf ProTools, Wavelab, Soundtbooth, Cubase und wie die semiprofessionellen Heimwerkerprogramme alle heißen, mit Sicherheit kommen. Wäre es allerdings so einfach, mal eben ein paar charmante Beats zusammenzuschrauben, es gäbe weit mehr Platten wie diese. Tatsächlich gelingt es Sylvan Esso auf verblüffende Weise, aus einer Unmenge von Bits und Bytes zehn luftig leichte Dancetracks zu generieren – Sanborn setzt zu federnden Soundpatterns das zarte Stimmchen von Meath in ein wohlklingendes, wenn auch meist reibungsarmes Verhältnis. Das klackt und spotzt und fiept ziemlich lässig und lässt sich ohne weiteres zwischen Feist, Grimes und den Chvrches einordnen. Und natürlich werden sich die Kaffeehausketten die Hände reiben, weil solche anschmiegsamen Klänge dort immer sehr willkommen sind – es spricht aber auch wenig dagegen, seinen Latte Macchiato zu einem Song wie „Coffee“ zu schlürfen, wenn das Heißgetränk schon zum Stimmungsbarometer umfunktioniert wird („Wild winter, warm coffee, mind's gone, do you love me? Blazing summer, cold coffee, baby's gone, do you love me?“). Besonders hervorzuheben: „H.S.K.T.“ (Head, shoulders, knees und toes als Alternative zum kalt schimmernden Smartphonedisplay) wummert außer der Reihe etwas kräftiger, hierfür wie für den Rest gilt: Hat das Zeug zur saisonalen Lieblingsplatte.

17.09.  Dresden, Altes Wettbüro
22.09.  Köln, Stadtgarten
28.09.  Zürich, Stall 6

James: Kleine Morde unter Freunden

Der eine Hinweis wenigstens muss erlaubt sein - schließlich gehörten sie früher mit zum engeren Freundeskreis: James, jaja, die mit "Sit Down", verkaufen ab heute via Cooking Vinyl ihr neues Album "Le Petite Mort" und auch wenn sich das irgendwie nach Aufkoche und Superretro anhört, die aktuelle Single "Moving On" darf man sich schon mal anhören - wer möchte, bekommt sie auf der Website der Band übrigens auch noch als freien Download. Just for the old times...

Donnerstag, 5. Juni 2014

Hamilton Leithauser: Besser allein

Hamilton Leithauser
„Black Hours“

(Domino Records)

Für alle, die es überhört oder übersehen haben: Es gilt einen weiteren Glückwunsch auszusprechen. Seit die Gebrüder Gallagher vor fünf Jahren getrennter Wege gegangen sind, sich also weniger auf das Absondern großmäuliger Kommentare, sondern eher auf die Musik ihrer neuen Begleitbands Beady Eye und High Flighing Birds konzentrierten, kann man ihren Songs auch wieder etwas abgewinnen. Hamilton Leithauser ist nun beileibe kein halbstarker Lautsprecher, aber auch er hat die Zusammenarbeit mit seinen Jugendfreunden von The Walkmen vor einiger Zeit auf Eis gelegt, um sich einer Solokarriere zu widmen – heute weiß man, dass dies kein Fehler war. Denn was seinem Debüt „Black Hours“ an Spektakel fehlt, das macht es mit ausgezeichnetem Songwriting und gefälligen Arrangements wieder wett. Leithauser hat sich, um auf Nummer sicher zu gehen, eine Reihe hochqualifizierter Handwerker an die Seite geholt – mit ihm spielen immerhin Rostam Batmanglij von Vampire Weekend, Richard Swift von The Shins, Paul Maroon aus seiner vormaligen Band und Morgen Henderson, der schon bei den Fleet Foxes, den Cave Singers und den Blood Brothers in Diensten stand. Zehn schöne Songs sind den fünfen da gelungen, dicht, abwechslungsreich und nicht so vergrübelt und ‘indie‘ wie befürchtet. Der Start mit „5am“ wirkt zwar noch etwas zäh, aber schon „The Silent Orchestra“ zieht einen dank einschmeichelnder Melodie und behutsamem Vibraphon schnell auf seine Seite, für die Single „Alexandra“, etwas konventioneller gehalten, wählt Leithauser die große Kapelle und kann trotzdem punkten. Und so geht es munter weiter – Barschunkler wechseln mit unpeinlichem Gefühlspop (Bono und Chris Martin können sich hier mal ganz hinten anstellen), „11 O’Clock Friday Night“„Self Pitty“, „The Smallest Splinter“, alles Perlen, die weder nach übertriebener Anstrengung noch nach falschen Pathos klingen, Leithauser darf bei „I Retired“ sogar den King imitieren, ohne albern zu wirken. Wenn sich dunkle Stunden so anhören, dann kann das Licht ruhig noch eine Weile ausbleiben… http://hamiltonleithauser.com/

Jack White: Die blaublütige Krähe

Jack White
„Lazaretto“

(XL Recordings/Beggars)

Blau/schwarz bleibt also seine Lieblingskombi, jetzt, da rot/weiß endgültig ausgedient hat. Jack White, der gerade erst die Black Keys abgebügelt hat, weil sie seiner Ansicht nach eine weichgespülte und darum kaum brauchbare Version der White Stripes abgäben, kommt mit einem weiteren Analogfetisch aus dem Hobbykeller seiner legendären Vinylmanufaktur daher und wie schon der fabelhafte Vorgänger „Blunderbuss“ hört sich auch diese Platte an die eine betrunkene, zerrupfte Krähe, die jederzeit in der Lage ist, einem ohne Vorwarnung ein Auge auszuhacken. White zelebriert eine Art von derangierter Rohheit, einen Sound, der wild, ungeschliffen und anarchisch klingt, und von dem man doch weiß, dass Detroits derzeit bekanntester Showact als Kontrollfreak mit Sicherheit jeden einzelnen Takt und Ton bewusst an die richtige Stelle gesetzt hat.

Er hätte es sich deutlich einfacher machen können, hätte einfach nur zehn, zwölf von diesen elektrifizierten Bluesrockstampfern aus dem Ärmel schütteln müssen und ein jeder hätte vor Ehrfurcht geschwiegen. Wollte er aber nicht. Die eigentümliche Mischung Marke Tom Morello meets Axl Rose hat er so spielend drauf, die macht er live aus dem Handgelenk, eine Herausforderung ist das beileibe keine mehr. Für’s Titelstück rappt sich der bleichgesichtige Junge mal eben durch die gniedelnden Akkorde, „That Black Bat Licorice“ und „I Think I Find The Culprit“ scheppern auch schon gewaltig und als wollte er allen Besserwissern eine Nase drehen, läßt er das bissigste, derbste Stück „High Ball Stepper“ ganz ohne jeden Text von der Leine. Da hört man schon die Bedauerungsadressen aus dem Off – „Och, schade, hat er aber hergeschenkt, so als Instrumental…“

White ist nun mal kein Nachmacher, am wenigsten, wenn es um ihn selbst geht. Und so sind die spannendsten Nummern die souligen, die schon bei „Blunderbuss“ für Stimmung sorgten. „Three Women“ knarzt, rüttelt und orgelt ganz wunderbar, „Would You Fight For My Love“ klagt er später und weiß doch schon die Antwort – die logische Folge also „Just Another Drink“: „You drink water, I drink gasoline, one of us is happy, one of us is mean…“ Country, Funk, Soul, Punk, viele Geigen, viele Tasten, White läßt sich schon lange nicht mehr nur auf die Gitarre festlegen wie noch zu Zeiten der White Stripes, nachträglich müssen ihm diese wie eine unnötige Selbstbeschränkung vorkommen. Und auch wenn nicht jeder Song von „Lazaretto“ mit eine Top-Rating davonkommt – der Mann und seine Musik werden von Mal zu Mal interessanter. http://jackwhiteiii.com/


High Ball Stepper de Jack White von Gentside

Jeff Tweedy: Father and son

Eine ebenso erfolgversprechende wie naheliegende Lösung: Jeff Tweedy, knurriger Bandleader von Wilco, hat sich mit seinem Sohn Spencer (Drums) und der aktuellen Begleitband, bestehend aus Bassist Darin Grey, Jim Elkington (Gitarre) und Keyboarder Liam Cunningha, zusammengetan und das Album "Sukierae" aufgenommen, die Platte wird Mitte September bei Anti Records erscheinen. Einen ersten Vorgeschmack dieser Familienzusammenführung gibt es hier mit dem Song "I'll Sing It".

Interpol: Es wird malerisch

Jetzt ist sie also raus aus dem Sack, die Katze: Gerade laufen die ersten US-Konzerte von Interpol, da vermeldet die New Yorker Wave-Kapelle endlich den Namen ihres neuen, fünften Albums. "El Pintor", so der eigenwillige Name (spanisch soviel wie 'der Maler', ansonsten ein Anagramm auf den Bandnamen), soll Anfang September via Matador erscheinen und bislang sind ja mit "Anywhere", "My Desire" und "All The Rage Back Home" drei Titel davon bekannt - diese werden auch momentan von der Band live vorgestellt (dazu kommen dann noch: Same Town, New Story / My Blue Supreme / Everything Is Wrong / Breaker 1 / Ancient Ways / Tidal Wave und Twice as Hard).

Mittwoch, 4. Juni 2014

Jack White: Ton Steine Scherben

Zu guter Letzt noch ein paar Grüße an die Zunft des Glasers und zwar von Jack White: Im Video zum Titelsong seines neuen Albums läßt er so einiges zu Bruch gehen, dazu gibt's bratzige Gitarren, Frauen, die keine sind und rauchende Boliden - kennt man ja schon, sieht trotzdem ganz schick aus. Hier bei Vevo.