Mittwoch, 13. Juni 2012
Betandwin
Ach, der liebenswerte alte Sack - man muß J Mascis einfach lieben! Kündigt er für Ende August eine neue Platte von Dinosaur Jr. an, läßt ein gar wundervolles Cover dazu malen und überlegt sich auch noch einen noch wundervolleren Titel hinterher: "I Bet On Sky". Auf die Wortspiele und Sponsoren darf man schon gespannt sein ...
Die nächste bitte
Guided By Voices „Class Clown Spots A UFO“ (Fire)
Es ist gar nicht so lange her, da verschluckte sich die sonst betont lässige Musikpresse fast an der Meldung, Guided By Voices, schon zu Lebzeiten in den Götterstatus berufen, würden nach langer Zeit wieder in Originalbesetzung auf Tour gehen und, besser noch, auch neues Material veröffentlichen. Die Aufregung war wohl berechtigt, die erste neu eingespielte Platte „Let’s Go Eat The Factory“ war jede Schlagzeile wert – erfreulich deshalb, dass nunmehr mit „Class Clown Spots A UFO“ schon der zweite Streich in diesem Jahr folgt.
Ebenso erfreulich die Tatsache, dass sich zum Vorgänger nichts Wesentliches verändert hat – ein Album voll von diesen (immer noch) erstaunlichen, auf engstem Raum verdichteten Miniaturkunstwerken, als Liederzyklus die Gattung Indierock buchstabierend und ein Anschauungsobjekt mit herausgestreckter Zunge für all jene, die dem Genre schon den Grabgesang anstimmen wollten. „Words are falling like rainsdrops“ singt Robert Pollard im watteweichen „Starfire“ – wie die Worte, so die Songs: 21 Regentropfen, oft kaum länger als ein Gedanke, den man(n) fassen kann, mal als kalter, prasselnder Schauer („Blue Babbleship Bay“, „Tyson’s High School“), mal als lauer Sommerregen („Keep It In Motion“, „They And Them“), die großen, schweren Tropfen für „The Opposite Continues“, das feine, zarte Nieseln für „Fly Baby“.
Mittendrin versteckt mit dem Titelsong ein Stück, das zum Singleformat taugt und genausogut von Belle And Sebastian stammen könnte, auch „He Rises! Our Union Bellboy“ und „No Transmission“ haben diese Qualität und weisen so über das gewohnt Skizzenhafte, das Komprimierte hinaus. Keine Langeweile also, denn wem auch das vorliegende Material noch immer nicht reichen sollte, der muß sich nur bis zum November gedulden, dann nämlich erscheint mit „Bears For Lunch“ schon das dritte Album dieses Jahres.
Mittendrin versteckt mit dem Titelsong ein Stück, das zum Singleformat taugt und genausogut von Belle And Sebastian stammen könnte, auch „He Rises! Our Union Bellboy“ und „No Transmission“ haben diese Qualität und weisen so über das gewohnt Skizzenhafte, das Komprimierte hinaus. Keine Langeweile also, denn wem auch das vorliegende Material noch immer nicht reichen sollte, der muß sich nur bis zum November gedulden, dann nämlich erscheint mit „Bears For Lunch“ schon das dritte Album dieses Jahres.
On the mic
Weitaus wichtiger als der Auftritt einiger abgehalferter Popmarionetten (Lesson learned, Billy C!) in London sind die beiden für dieses Jahr angekündigten Alben von Public Enemy - yes, yes, yaw! "The Evil Empire Of Everything" und "Most Of My Heroes Don’t Appear On No Stamps" werden sie heißen und mit "Get It In" gibt es auch schon einen ersten Leak zu hören.
Liste des Grauens
Am 11. Juli diesen Jahres noch ein Zeitfenster frei? Wer vorhat, sich den Tag generalstabsmäßig zu versauen - wie wäre es mit einem Kurztripp nach London, verbunden mit einem Ausflug in den Hyde-Park? Dort findet an diesem Tag ein Show-Event unter dem griffigen Namen "Hit Factory Live" statt und als besonderen Programmpunkt kann diese Veranstaltung mit einer Wiederaufführung des unsäglichen 88'er Duetts "Especially For You" mit Jason Donovan und Kylie Minogue aufwarten. Wenn das nix ist. Noch nicht genug? Auch kein Problem, denn das Lineup für diesen Tag liest sich wie eine Liste des Grauens - wer ohne Angst ist, der lese:
Bananarama, Rick Astley, Dead Or Alive, Ray and Anita from 2-Unlimited, Lonnie Gordon, Princess, Sybil, Hazell Dean, Sinitta, Sonia, Pepsi And Shirley, Brother Beyond - also, da kribbelt's doch schon gewaltig, oder? Alles Leute jedenfalls, von denen man meinte, sie hätten das Zeitliche entweder schon gesegnet oder würden jetzt der Gerechtigkeit halber bei Kick oder McDonalds einen Knochenjob verrichten. Tickets nur 54 Pfund, für Unerschrockene hier.
Bananarama, Rick Astley, Dead Or Alive, Ray and Anita from 2-Unlimited, Lonnie Gordon, Princess, Sybil, Hazell Dean, Sinitta, Sonia, Pepsi And Shirley, Brother Beyond - also, da kribbelt's doch schon gewaltig, oder? Alles Leute jedenfalls, von denen man meinte, sie hätten das Zeitliche entweder schon gesegnet oder würden jetzt der Gerechtigkeit halber bei Kick oder McDonalds einen Knochenjob verrichten. Tickets nur 54 Pfund, für Unerschrockene hier.
Dienstag, 12. Juni 2012
Schönes Kalkül
2:54 „2:54“ (Fat Possum)
Das ist es nun also. Die Erwartungen so groß wie die Vorfreude wie der ganze Hype, der um die Band der Geschwister Colette und Hannah Thurlow gemacht wurde – befeuert durch zwei fraglos erstklassige EPs und die prominenten Paten an den Reglern Rob Ellis und Allan Moulder. Der Referenzen gibt es viele, mit Warpaint, als deren Support die beiden schon auf der Bühne standen, macht man keinen Fehler, auch Mazzy Star und Lush werden häufig genannt. Darf man noch die Berliner Super 700 ergänzen, die ganz gut auf diese Wellenlänge passen dürften.
Es ist, um beim Hype zu bleiben, beileibe keine besonders ausgefallene Rezeptur, die für das Album zusammengemischt wurde, liebevoll eingetrübter Wave-Post-Rock, eingängig, noisy und manchmal tatsächlich recht berückend vorgetragen, hier ein paar nebelige Cure-Gitarren, da das passende Shoegazing-Pedal getreten, es ist nichts Falsches im Gefälligen zu entdecken. Dass die beiden Mädels allerdings auf die Queens Of The Stone Age und die Melvins als Sozialisationsbezüge verweisen – man kann es beim besten Willen nicht heraushören. Denn auch wenn der Bandname, gern zitierter Nebensatz, aus der Schwestern Lieblingssequenz des Melvins-Stücks „A History Of Bad Men“ stammt – hier ist so gar nichts roh, rau oder dreckig. Alles auf „2:54“ wirkt wohl kalkuliert, am richtigen Platz und deshalb vielleicht auch zuweilen ein wenig arg vorhersehbar.
Macht aber nix, die schillernden Riffs von „Scarlet“, der feine, schleppende Beat von „Easy Undercover“ oder der gebremste und veredelte Lärm bei „Circuitry“ können trotzdem gefallen, auch wenn sie bei „Sugar“ wie die feminine Variante von Justin Warfields She Wants Revenge klingen, muß das kein Nachteil sein. Es gibt sicher genügend Momente im Leben, wo solcherart melancholischer Feinkostrock von Nöten sein kann, auch wenn er nicht für die Pophistorie gemacht ist. Was hier zählt, ist das gute Gefühl – das zu vermitteln gelingt den beiden Damen auf ansprechende Weise. http://www.twofiftyfour.net/
Auch zu empfehlen: Die akkustische Daytrotter-Session mit "Circuitry", "Creeping" und "Sugar" - hier.
Das ist es nun also. Die Erwartungen so groß wie die Vorfreude wie der ganze Hype, der um die Band der Geschwister Colette und Hannah Thurlow gemacht wurde – befeuert durch zwei fraglos erstklassige EPs und die prominenten Paten an den Reglern Rob Ellis und Allan Moulder. Der Referenzen gibt es viele, mit Warpaint, als deren Support die beiden schon auf der Bühne standen, macht man keinen Fehler, auch Mazzy Star und Lush werden häufig genannt. Darf man noch die Berliner Super 700 ergänzen, die ganz gut auf diese Wellenlänge passen dürften.
Es ist, um beim Hype zu bleiben, beileibe keine besonders ausgefallene Rezeptur, die für das Album zusammengemischt wurde, liebevoll eingetrübter Wave-Post-Rock, eingängig, noisy und manchmal tatsächlich recht berückend vorgetragen, hier ein paar nebelige Cure-Gitarren, da das passende Shoegazing-Pedal getreten, es ist nichts Falsches im Gefälligen zu entdecken. Dass die beiden Mädels allerdings auf die Queens Of The Stone Age und die Melvins als Sozialisationsbezüge verweisen – man kann es beim besten Willen nicht heraushören. Denn auch wenn der Bandname, gern zitierter Nebensatz, aus der Schwestern Lieblingssequenz des Melvins-Stücks „A History Of Bad Men“ stammt – hier ist so gar nichts roh, rau oder dreckig. Alles auf „2:54“ wirkt wohl kalkuliert, am richtigen Platz und deshalb vielleicht auch zuweilen ein wenig arg vorhersehbar.
Macht aber nix, die schillernden Riffs von „Scarlet“, der feine, schleppende Beat von „Easy Undercover“ oder der gebremste und veredelte Lärm bei „Circuitry“ können trotzdem gefallen, auch wenn sie bei „Sugar“ wie die feminine Variante von Justin Warfields She Wants Revenge klingen, muß das kein Nachteil sein. Es gibt sicher genügend Momente im Leben, wo solcherart melancholischer Feinkostrock von Nöten sein kann, auch wenn er nicht für die Pophistorie gemacht ist. Was hier zählt, ist das gute Gefühl – das zu vermitteln gelingt den beiden Damen auf ansprechende Weise. http://www.twofiftyfour.net/
Auch zu empfehlen: Die akkustische Daytrotter-Session mit "Circuitry", "Creeping" und "Sugar" - hier.
Ansage
Keiner weiß, was ihn so antreibt, aber Billy Corgan schlägt mal wieder verbal um sich und geriert sich einmal mehr zum einzig wahren Auskenner in Sachen Rock. Und das just in dem Moment, da das neue Album "Oceania" seiner ehemals verehrten, nunmehr zur nebulösen Rumpftruppe verkommenen Band Smashing Pumpkins zum Prelistening bei iTunes und bei tape-tv erschienen ist. Sieht ganz so aus, als wolle da wer, koste es auch die letzten Sympathien, unbedingt im Gespräch bleiben:
"I can't think of any people outside of Weird Al Yankovic who have both embraced and pissed on rock more than I have. Obviously there's a level of reverence, but there's also a level of intelligence to even know what to piss on. Because I'm not pissing on Rainbow. I'm not pissing on Deep Purple. But I'll piss on fucking Radiohead, because of all this pomposity. This value system that says Jonny Greenwood is more valuable than Ritchie Blackmore. Not in the world I grew up in. So I find myself defending things. Is Ritchie Blackmore a better guitar player than me and Jonny Greenwood? Yes. Have we all made contributions? Yes. I'm not attacking that. I'm attacking the pomposity that says this is more valuable than that. I'm sick of that. I'm so fucking sick of it, and nobody seems to tire of it." (NME)
"I can't think of any people outside of Weird Al Yankovic who have both embraced and pissed on rock more than I have. Obviously there's a level of reverence, but there's also a level of intelligence to even know what to piss on. Because I'm not pissing on Rainbow. I'm not pissing on Deep Purple. But I'll piss on fucking Radiohead, because of all this pomposity. This value system that says Jonny Greenwood is more valuable than Ritchie Blackmore. Not in the world I grew up in. So I find myself defending things. Is Ritchie Blackmore a better guitar player than me and Jonny Greenwood? Yes. Have we all made contributions? Yes. I'm not attacking that. I'm attacking the pomposity that says this is more valuable than that. I'm sick of that. I'm so fucking sick of it, and nobody seems to tire of it." (NME)
Montag, 11. Juni 2012
Grabgabe
Fast in Vergessenheit geraten, dass Wesley Eisold alias Cold Cave mit "Cherish The Light Years" 2011 eine wirklich wunderbare Waveplatte abgeliefert hat. Um dem Ganzen etwas auf die Sprünge zu helfen, hat das Label Matador nun eine B-Seite zum Album nachgereicht, "Believe In My Blood" - ein flottes Stück Synthetik - gibt es bei stereogum zum hören und laden.
Neue Kraft
A Place To Bury Strangers „Worship“ (Dead Oceans)
Einen Trend – nein, den kann man daraus sicher nicht ablesen, aber es sieht ganz danach aus, dass für manche hartgesottene Kapelle das Zusammenspiel von Melodie und Rhythmus ihre Schrecken verloren haben. Erst die Liars, jetzt A Place To Bury Strangers, beide aus verschiedenen Lagern kommend, beide auf dem Weg weg vom destruktiven, infernalischen Krach, beide mit dem Willen zu Einfachheit, zu klarer Songstruktur, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Das Trio aus New York, von nicht ganz so wohlmeinenden Stimmen als bloße Klone von The Jesus And Mary Chain verschrieen, geben mit dieser Richtungskorrektur den Spöttern jedenfalls auf angenehme Art und Weise recht.
Denn schon die Gebrüder Reid wußten zu Beginn mit einer bestechenden Ballance zwischen behutsamer Zartheit und ohrenbetäubendem Karwall zu bezaubern, dieser Ausgewogenheit nun nähern sich A Place To Bury Strangers mit „Worship“ deutlich an. Früher, also zu Zeiten ihres selbstbetitelten Debüts und des Nachfolgers „Exploding Head“, auschließlich darauf bedacht, den Nymbus der schieren Unhörbarkeit zu wahren, gestatten sie sich und dem Hörer nun durchaus Momente des Atemholens und der düsteren Anmut, Songs wie das mit Westerngitarren unterfütterte „Slide“ oder das muntere, fast verspielte „Dissolved“ hätte es auf früheren Platten wohl nicht gegeben.
Hier versinkt nicht mehr alles im blechernen Kreischen der vergangenen Aufnahmen, Oliver Ackermanns dunkles Timbre und Dion Lunadons fiebriger Bass gewinnen mehr Eigenständigkeit und geben so den Stücken „And I’m Up“ und „You Are The One“ mehr Struktur und Drive. Natürlich fehlen auch die alten Splatterbeats nicht, mit „Leaving Tomorrow“, „Revenge“ und „Alone“ ist genügend Störgeräuschpotential vorhanden, um auch die alte Kundschaft nicht zu verprellen. Über die komplette Länge mehr Kompaktheit und Spannung, mit dem Willen zur Veränderung mehr gewagt und trotzdem an Kraft nichts eingebüßt – nichts auszusetzen am neuen Album. http://aptbs.tumblr.com/
Einen Trend – nein, den kann man daraus sicher nicht ablesen, aber es sieht ganz danach aus, dass für manche hartgesottene Kapelle das Zusammenspiel von Melodie und Rhythmus ihre Schrecken verloren haben. Erst die Liars, jetzt A Place To Bury Strangers, beide aus verschiedenen Lagern kommend, beide auf dem Weg weg vom destruktiven, infernalischen Krach, beide mit dem Willen zu Einfachheit, zu klarer Songstruktur, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Das Trio aus New York, von nicht ganz so wohlmeinenden Stimmen als bloße Klone von The Jesus And Mary Chain verschrieen, geben mit dieser Richtungskorrektur den Spöttern jedenfalls auf angenehme Art und Weise recht.
Denn schon die Gebrüder Reid wußten zu Beginn mit einer bestechenden Ballance zwischen behutsamer Zartheit und ohrenbetäubendem Karwall zu bezaubern, dieser Ausgewogenheit nun nähern sich A Place To Bury Strangers mit „Worship“ deutlich an. Früher, also zu Zeiten ihres selbstbetitelten Debüts und des Nachfolgers „Exploding Head“, auschließlich darauf bedacht, den Nymbus der schieren Unhörbarkeit zu wahren, gestatten sie sich und dem Hörer nun durchaus Momente des Atemholens und der düsteren Anmut, Songs wie das mit Westerngitarren unterfütterte „Slide“ oder das muntere, fast verspielte „Dissolved“ hätte es auf früheren Platten wohl nicht gegeben.
Hier versinkt nicht mehr alles im blechernen Kreischen der vergangenen Aufnahmen, Oliver Ackermanns dunkles Timbre und Dion Lunadons fiebriger Bass gewinnen mehr Eigenständigkeit und geben so den Stücken „And I’m Up“ und „You Are The One“ mehr Struktur und Drive. Natürlich fehlen auch die alten Splatterbeats nicht, mit „Leaving Tomorrow“, „Revenge“ und „Alone“ ist genügend Störgeräuschpotential vorhanden, um auch die alte Kundschaft nicht zu verprellen. Über die komplette Länge mehr Kompaktheit und Spannung, mit dem Willen zur Veränderung mehr gewagt und trotzdem an Kraft nichts eingebüßt – nichts auszusetzen am neuen Album. http://aptbs.tumblr.com/
Neues aus der Tierhandlung
Neues Material von den Pet Shop Boys: Einer Ankündigung auf ihrer Website zufolge ist für dieses Jahr mit eine neuem Album der zwei smarten Edelpopper zu rechnen, "Elysium" wird es wohl heißen und hier kann man sich den kleinen Vorabclip "Invisible" von Brian Bress anschauen.
Freitag, 8. Juni 2012
Kopfstände
So geht's also zu, wenn sich die Hamburger Kombo Fuck Art Let's Dance! auf den Weg zu ihren Fans macht. Helmkamera, Lowest Budget rules, in jedem Falle sieht es nach ziemlich viel Spaß aus, was die Jungs da in ihrem neuen Video "Déja Vù" zum Besten geben.
Jenseitiges
Ganz andere Baustelle - das neue Video von Beach House zu ihrem Song "Lazuli": Viel Rauch, jede Menge Metaphysik und ein paar kaputte Eier. Dazu gibt's noch die Tourdaten für Sommer und Herbst:
28.08. Duisburg, Grammatikoff
29.08. Frankfurt, Das Bett
05.11. Hamburg, Kampnagel
10.11. Berlin, Astrastube
14.11. München, Feierwerk
16.11. Köln, Gloria
28.08. Duisburg, Grammatikoff
29.08. Frankfurt, Das Bett
05.11. Hamburg, Kampnagel
10.11. Berlin, Astrastube
14.11. München, Feierwerk
16.11. Köln, Gloria
Donnerstag, 7. Juni 2012
Lesson learned?
Zwei, die sich wohl so schnell nicht mehr auf einen gemütlichen Plausch verabreden werden, sondern lieber per Twitter aufeinander losgehen: Erykah Badu hat sich mit den Flaming Lips für eine Neuaufnahme des Roberta-Flack-Klassikers "The First Time Ever I Saw Your Face" zusammengetan, für diesen Song gibt es auch einen recht verstörenden, weil freizügigen Clip. Den sogenannten Roughcut des Videos hatte nun Wayne Coyne, Sänger der Flaming Lips, dem Internetportal pitchfork.com überlassen - Badu ist darüber einigermaßen verärgert und schimpft Coyne wegen fehlender Absprachen ein Arschloch - das Video ist zwar von vielen Seiten entfernt worden, doch auch hier gilt: Einmal im Netz, immer im Netz.
Der Unverdrossene
Seit dem Ende der 70er ist der Mann am Drücker, von der School Brass Band in Teaneck/New Jersey, ersten ernstgemeinten Versuchen mit Jay Bee And His Jupitors, später natürlich die Jeremy Days und danach unverdrossen als Me And Cassity - Dirk Darmstaedter sind Ausdauer und Kreativität in einem Maße zu eigen, die andere Musiker blaß werden lassen. Neuestes Werk mit der aktuellen Band seit Anfang des Jahres das Album "Appearances", nach der ersten Single "Fred Astaire" ist nun das Video zur zweiten erschienen - "Stupid World" heißt das Stück, visuell umgesetzt von Dennis Dirksen.
"Appearances" im Komplettstream auf soundcloud - hier.
Dirk Darmstaedter/Me And Cassity live in Deutschland:
09.06.12 Hamburg, Politbüro (Duo)
20.06.12 Hannover, Fete de la musique (mit Band)
20.07.12 Hamm, Songwood Festival (solo)
26.08.12 Hannover, BootBooHook Festival (mit Band)
27.08.12 Frankfurt, Das Bett (solo)
06.10.12 Hoisdorf, Landhaus Hoisdorf (solo)
02.11.12 Hamburg, Hootenanny
03.11.12 Hamburg, Hootenanny (solo)
08.11.12 Köln, Wohngemeischaft
10.11.12 Saarburg, Casino (solo)
Alles wie gehabt
Irgendwie hat was gefehlt. Irgendwie war es unvollständig. Und nun weiß man auch, was es war: Es kann natürlich kein Throhnjubiläum in Great Britain geben ohne das passende Statement von Morrissey. Nun also:
"The soul is tried all over again as the jackboot of dictatorship strangles England. This week, the Queen's Diamond Jubilee presents a new lesson in the force of tyranny, and is an expression of loathing and abhorrence of the British poor - and all done, quite naturally, at the public's expense! It is degrading to anyone of intelligence. While dictatorships throughout the Middle East are gently condemned by the British government, there is no examination of the extremism enforced by the British 'royals', who remain the most overpaid and most utterly useless people on the planet. Having done nothing to earn our respect, they demand everything by return. It is a cunning and extravagant form of benefit fraud."
Die geballte Ladung natürlich wie immer auf True To You - hier.
"The soul is tried all over again as the jackboot of dictatorship strangles England. This week, the Queen's Diamond Jubilee presents a new lesson in the force of tyranny, and is an expression of loathing and abhorrence of the British poor - and all done, quite naturally, at the public's expense! It is degrading to anyone of intelligence. While dictatorships throughout the Middle East are gently condemned by the British government, there is no examination of the extremism enforced by the British 'royals', who remain the most overpaid and most utterly useless people on the planet. Having done nothing to earn our respect, they demand everything by return. It is a cunning and extravagant form of benefit fraud."
Die geballte Ladung natürlich wie immer auf True To You - hier.
Das Heute im Morgen
"Science Fiction hat überhaupt nicht das geringste mit der Zukunft zu tun, sie handelt nur von heute. Und das, womit man sich heute beschäftigt, das ändert das Morgen. Man kann die Zukunft nicht haben, wenn man nicht an ihr aktiv mit seiner Phantasie in der heutigen Welt arbeitet." (SpOn, Mai 1999)
Und wieder einen verloren, der unbestritten ein besonderes Verhältnis zu Büchern hatte: Ray Bradbury, Vater des SciFi-Romans "Fahrenheit 451" und somit auch Schöpfer der wunderbaren Verfilmung von Francois Truffaut, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Neben unzähligen anderen Dingen bleibt auch ein schöner Satz von ihm zurück: "Es gibt schlimmere Verbrechen, als Bücher zu verbrennen. Eines davon ist sie nicht zu lesen.“
Mittwoch, 6. Juni 2012
Meisterstück
Neil Young And Crazy Horse „Americana“ (Reprise)
Natürlich nagt es noch an einem, das schlechte Gewissen. Hatte man sich doch, weil die Zeit drängte, vom neuen Neil-Young-Album nur das CD-Format zugelegt, wohl wissend, dass der alte Grantler dieses – in Rage – erst kürzlich in der Süddeutschen in einen Topf mit den schändlichen Downloadfiles geworfen und mit einem unmissverständlichen Bann belegt hatte. „Dreck“ und „Müll“ sei das, unterhalb von Vinyl und BlueRay sei sein Werk dem Hörer gar nicht zuzumuten, die Mühen der ausgefeilten Produktion nicht herauszuhören, so das Verdikt des Kanadiers. Nun gut, allzu ironisch sollte man das gar nicht kommentieren, freut man sich doch über einen jeden, der sich noch Gedanken über qualitative Maßstäbe und die dafür geeignete Rezeption macht, auch wenn der Kampf ehrlicherweise einer gegen Windmühlen ist und somit aller Voraussicht nach nicht zum allgemeinen Umdenken führen wird. Leider.
Wenigstens mal zusammengerissen und anstatt des sonst üblichen Pre- ein Postlistening veranstaltet, das wenigstens ist man dem großen, alten Mann des Folkrock schuldig. Dass es sich bei der neuen Platte nicht um selbstkomponiertes Material handelt, ist nur auf dem Zettel ein Nachteil, was Young und die Crazy Horse aus den Klassikern des US-amerikanischen Folk- und Countrykanons machen, ist aller Ehren wert und lohnt der genaueren Betrachtung. Schon wie sich zu Beginn für „Susannah“, eigentlich ein eher leichtfüßig gefidelter Standard, aus einem wilden Knarzen und Bersten langsam eines von diesen Youngschen Krachmonstern schält, läßt aufhorchen. Ebenso weit weg vom Original präsentieren sich „Clementine“ und „Tom Dula“, letzterer hatte sich ja im Laufe der Zeit schon namentlich zum „Tom Dooley“ gewandelt, Young dreht die Schraube nun musikalisch noch ein paar Umdrehungen weiter.
Wenigstens mal zusammengerissen und anstatt des sonst üblichen Pre- ein Postlistening veranstaltet, das wenigstens ist man dem großen, alten Mann des Folkrock schuldig. Dass es sich bei der neuen Platte nicht um selbstkomponiertes Material handelt, ist nur auf dem Zettel ein Nachteil, was Young und die Crazy Horse aus den Klassikern des US-amerikanischen Folk- und Countrykanons machen, ist aller Ehren wert und lohnt der genaueren Betrachtung. Schon wie sich zu Beginn für „Susannah“, eigentlich ein eher leichtfüßig gefidelter Standard, aus einem wilden Knarzen und Bersten langsam eines von diesen Youngschen Krachmonstern schält, läßt aufhorchen. Ebenso weit weg vom Original präsentieren sich „Clementine“ und „Tom Dula“, letzterer hatte sich ja im Laufe der Zeit schon namentlich zum „Tom Dooley“ gewandelt, Young dreht die Schraube nun musikalisch noch ein paar Umdrehungen weiter.
Für „Gallows Pole“ schaltet er überraschend zurück, vielleicht eingedenk des etwas überdrehten Led-Zeppelin-Covers aus den 70ern, er versucht es mit flottem Rock’n Roll und fährt damit ganz gut – das Original von Odetta Holmes ist ohnehin schwer zu toppen. Einen Song wie „Get A Job“ hätte man Neil Young wohl nicht so schnell zugeschlagen – gleichwohl, er gelingt und hat nicht viel weniger Drive als der Hit der Silhouettes Ende der 50er Jahre. Die gängigen Stücke wie „High Flyin‘ Bird“ von Billy Edd Wheeler, Woody Guthries „This Land Is Your Land“ und der „Wayfaring Stranger“, mal bearbeitet von Jefferson Airplane, Bruce Springsteen oder Johnny Cash, meistert auch Young routiniert und fügt den Stücken jeweils ein elektrisch-folkiges Kapitel hinzu.
Zweifellos ein Höhepunkt: Youngs Version des traditionellen Spirituals „Jesus ‘Chariot“, eine Art apokalyptischer Vorausschau, hier fabelhafte fünfeinhalb Minuten mit energischem Saitenlärm und passendem Endzeitchorus. Für das abschließende „God Save The Queen“ hätte man sich natürlich insgeheim die böse Pistols-Variante gewünscht, doch bei aller Bärbeißigkeit bleibt Young natürlich Gentlemen und Traditionalist, und so präsentiert er die Besatzerhymne (vielleicht) als augenzwinkernde Marschmelodie mit schönen Grüßen an Jimmy Hendrix und sein „Star Spangled Banner“. Ein runder Abschluß jedenfalls für des alten Mannes Meisterstück – wieder einmal und eines von vielen.
Vierzig Minuten Neil Young mit seinem Album als Stummfilmklamotte: http://www.neilyoung.com/
Zweifellos ein Höhepunkt: Youngs Version des traditionellen Spirituals „Jesus ‘Chariot“, eine Art apokalyptischer Vorausschau, hier fabelhafte fünfeinhalb Minuten mit energischem Saitenlärm und passendem Endzeitchorus. Für das abschließende „God Save The Queen“ hätte man sich natürlich insgeheim die böse Pistols-Variante gewünscht, doch bei aller Bärbeißigkeit bleibt Young natürlich Gentlemen und Traditionalist, und so präsentiert er die Besatzerhymne (vielleicht) als augenzwinkernde Marschmelodie mit schönen Grüßen an Jimmy Hendrix und sein „Star Spangled Banner“. Ein runder Abschluß jedenfalls für des alten Mannes Meisterstück – wieder einmal und eines von vielen.
Vierzig Minuten Neil Young mit seinem Album als Stummfilmklamotte: http://www.neilyoung.com/
Dreiteiler [ends up]
Die dänische Tanzkapelle Who Made Who hat ihre Video-Triologie "Pitfalls Of A Modern Man" mit der elfminütigen Doppelsingle "Running Man/The Sun" beendet - zuvor waren schon die Clips zu "Keep Me In My Plane" und "Every Minute Alone" zu diesem Prokjekt, das in Zusammenarbeit mit der Kreativagentur Goodboy! entstanden ist, erschienen. Zu sehen sind nicht ganz alltägliche, doch sehr unterhaltsame Büroszenerien mit einer Art interaktivem Verlaufsmodus. Merke: Setze dir immer die richtigen Ziele im Leben, sonst kann das gemein daneben gehen.
Dienstag, 5. Juni 2012
Kickt noch
Bobby
Womack „The Bravest Man In The Universe“
(XL Recordings)
(XL Recordings)
Einfach oder ausführlich? Einfach machen, hieße hier: Man
suche sich die Rezension des phänomenalen Albums „I’m New Here“ von Gil
Scott-Heron heraus, tausche neben den Künstlernamen an den entsprechenden
Stellen „Rap“ mit „R&B und Soul“, fertig ist die Laube. Das geht natürlich
auch eine ganze Spur respektvoller und mit einem Mehr an Information: Richard
Russell, Musiker und Chef von XL-Recordings, der Mann also also, der vor zwei
Jahren Uralt-Ikone Gil Scott-Heron zu einer Zusammenarbeit überreden und ihm so
ein Jahr vor seinem Tod ein sagenhaftes Denkmal setzen konnte, hat nun nach
gleichem Muster und unter Mithilfe des arbeitswütigen Allrounders Damon Albarn Soullegende
Bobby Womack auf ungewohntes Terrain gebeten.
An einer Stecktafel würden sich die Querverbindungen dieser Kollaborationen als ein munteres Hin und Her illustrieren lassen: Nicht nur, dass Womack sich seinerzeit schon für Albarns Gorillaz und den Track „Stylo“ mit einem Gastauftritt verewigte, Russell selbst baute zudem, quasi als künstlerisches Stilmittel, zwischen die einzelnen Songs von „The Bravest Man...“ Audiosequenzen ein, die zum einen von Womacks mutmaßlichem Ziehvater Sam Cooke als auch vom verstorbenen Scott-Heron stammen – der Verschiedene ergänzt aus dem Off das Werk seines Nachfolger, welch feiner Humor.
An einer Stecktafel würden sich die Querverbindungen dieser Kollaborationen als ein munteres Hin und Her illustrieren lassen: Nicht nur, dass Womack sich seinerzeit schon für Albarns Gorillaz und den Track „Stylo“ mit einem Gastauftritt verewigte, Russell selbst baute zudem, quasi als künstlerisches Stilmittel, zwischen die einzelnen Songs von „The Bravest Man...“ Audiosequenzen ein, die zum einen von Womacks mutmaßlichem Ziehvater Sam Cooke als auch vom verstorbenen Scott-Heron stammen – der Verschiedene ergänzt aus dem Off das Werk seines Nachfolger, welch feiner Humor.
Die Songs sind für R&B-Puristen und Soultrainees alter
Schule möglicherweise etwas gewöhnungsbedürftig – Womacks brüchige Stimme, aus
der, wer will, gern auch den Zahn der Zeit und die überstandene Krankheit
herausorakeln darf, dennoch beharrlich und nicht selten anrührend, unterlegt
mit Russells Beats und Samples und Albarns klugen Keyboardspielereien – sie
brauchen wider Erwarten nicht viel Zeit. Ein kontemplatives Cello für’s Intro,
„The bravest man in the universe, is the one who has forgiven first“,
klackernde Drumpads, tripping, ersetzt durch das dunkle Pluckern bei „Please
Forgive My Heart“ und einen verführerischen Synthiepart, schneller kann man
kaum zum Punkt kommen. Auf den Gospel von „Deep River“ folgt das stimmige Duett
mit Lana Del Rey („Dayglo Reflection“) und ein nicht minder reizvolles „Sweet
Baby Mine“, das nach aller Herzenlust raschelt, pocht und zittert.
„A beautiful mummification into
an assertion of intelligence and power, full of blood, sweat and salty vinegar”
schreibt das Onlineportal npr,
zweifelnd, wie euphorisch man hier wohl urteilen darf. Manchem mag da „Love Is
Gonna Lift You Up“ helfen, der einzige Song, dessen Drumherum etwas lieblos
gestrickt wirkt, hier muß man wenigstens nicht in Ehrfurcht erstarren. Der Rest
jedoch bleibt makellos, der Wechselgesang Womacks mit der malischen Sängerin
Fatoumata Diawara bei „Nothing Can Save Ya“ ebenso wie der donnernde
Abschlußstomp „Jubilee“. Wenn auch nicht jeder Traditionalist diese Platte in
sein Herz schließen wird, so bleibt es Russells Verdienst, Womack einem neuen
Hörerkreis erschlossen zu haben, Leuten also, die sonst nicht oder schwerlich
einen Zugang zu seinem Werk gefunden hätten. Oder,
auch treffend, der Schlußsatz von npr:
“Fascinating dance of someone who will keep kicking until
he can kick no more.”
Komplettstream des Albums auf npr - hier.
Muchas Gracias!
Ganz offensichtlich haben Wilco Gefallen an Barcelona und dem dortigen Primavera-Festival gefunden, wo sie am vergangenen Wochenende neben Franz Ferdinand, The Cure und Björk aufgetreten sind. Kurzerhand haben sie, als Dankeschön, den Song "It Dawned On Me" vom aktuellen Album in Spanisch eingespielt - "Me Avivé", bittesehr. Nun, wir warten dann mal auf "Mir dämmert's"...
Suchtgefahr
Woher sie die nur immer wieder haben - diese bittersüßen Melodien, die einen innehalten lassen: Calexico kündigen dieser Tage den Nachfolger zu ihrem letzten Album "Carried To Dust" aus dem Jahr 2008 an, heißen wird es "Algiers" (7. September/City Slang) und die Chancen stehen gut, dass auch die zwölf darauf enthaltenen Titel Suchtcharakter haben. Eine Kostprobe mit Namen "Para" jedenfalls gibt's schon mal vorab.
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