Dienstag, 12. Mai 2015

For Esmé: Unerschrocken

Kanada muss sich, so scheint es, momentan keine Sorgen um fehlende Aufmerksamkeit machen - das Land bringt Runde um Runde immer neue Künstler an den Start und speziell Toronto liegt diesbezüglich sehr weit vorn im Rennen. Aktuell auf der Liste: For Esmé, Synthpop-Trio um die wasserstoffblonde Sängerin Martha Meredith. Sie ist es auch, die zu hübschem Geplucker a lá Robyn, Röyksopp und Little Boots mit einer Taschenlampe durch die Nacht stromert - Voilá: "You".

Montag, 11. Mai 2015

Metric: Kurzer Kick

Von Emily Haines und The Metric gab es in größeren Abständen vor Ort schon zu hören - mal solo, mal Demo. Hier nun kommt die erste offizielle Single vom kommenden Album, dessen Veröffentlichungsdatum und Titel allerdings noch nicht bekannt sind. "The Shade" sollte dennoch für den kurzen Kick reichen.

Editors: Das große Paket

Erst kürzlich den Song gepostet, nun gibt es ein paar Bilder dazu: Die Editors haben Mitte April mit einem neuen Titel überrascht, jetzt wird zu "No Harm" ein Videoclip hinterhergeliefert. Und - tada! - neu im Paket sind auch schon ein paar Livetermine für den Herbst.

02.11.  Köln, Palladium
08.11.  Hamburg, Mehr Theater
09.11.  Berlin, Columbiahalle
10.11.  Offenbach, Stadthalle
29.11.  Wien, Gasometer
13.12.  Zürich, X-Tras

Gloria: Keine Rookies

Natürlich ist bei solchen Projekten immer Vorsicht geboten und natürlich darf man die Euphoriebremse immer ganz leicht schleifen lassen, wenn es heißt: Entertainer/Schauspieler/Sportler/etc. macht in Musike. Nun ist aber Klaas Heufer-Umlauf in punkto Rollenwechsel kein Rookie mehr, denn sein Debüt zusammen mit Wir-Sind-Helden-Bassist Mark Tavassol als Gloria ist schließlich schon seit zwei Jahren draußen und hat, das darf man sagen, für ein paar ganz anständige Kritiken gesorgt. Und weil nun mit "Geister" Anfang August bei Grönland schon das zweite Album ansteht, können die beiden die Sache etwas entspannter angehen. Schaut man sich dazu die Songtitel der Platte an, ist von Halligalli zum Glück noch immer nichts zu hören, letzte Restzweifel lassen sich aber am besten bei der intimen Clubrunde im Sommer beseitigen.

10.08.  München, Muffatcafé
11.08.  Köln, Studio 672
12.08.  Hamburg, Prinzenbar

Samstag, 9. Mai 2015

Girlpool: Zu zweit genug

Gerade noch rechtzeitig erwähnt, um nicht als Verpasser und Nachzügler zu gelten: Das Duo Girlpool aus Los Angeles, bestehend aus Cleo Tucker (Gitarre) und Harmony Tividad (Bass), wird Anfang Juni sein Debüt "Before the World Was Big" via Wichita Recordings herausbringen. Eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale der Band, das Wikipedia sogar eine Extrazeile wert ist: "The band does not have a drummer." Und klingt trotzdem rotzig genug. Überzeugen kann man sich davon anhand der beiden ersten Tracks des kommenden Albums, gerade ist mit "Your Heart" noch ein one-off-release dazugekommen. Und natürlich auf einem der Livetermine im Herbst dieses Jahres.

18.09.  Köln, King Georg
21.09.  Berlin, Monarch
25.09.  Hamburg, Reeperbahn Festival

Paul Weller vs. Young Fathers: Mixed Up

Einen ungewöhnlichen Sparringspartner hat sich Paul Weller im Zuge der Promotion seines neuen Albums "Saturns Pattern", das in der kommenden Woche erscheinen wird, ausgesucht. Die Young Fathers haben sich zusammen mit dem Leith Congregational Choir den Titelsong der Platte für einen Remix vorgenommen - das Ergebnis kann man sich hier im Stream anhören.

Donnerstag, 7. Mai 2015

My Brightest Diamond: Auf höchstem Niveau

Bester Song eines der besten Alben des vergangenen Jahres: Aaron Brink und Steve Reidell alias The Hood Internet aus Chicago haben sich "Lover/Killer" von My Brightest Diamond vorgenommen. Zu finden ist die neue Version neben dem ebenfalls wunderbaren Groundlift-Remix des Titeltracks "This Is My Hand" auf der EP "I Had Grown Wild", die Mitte Mai bei Asthmatic Kitty erscheinen soll.

Hot Chip: Abweichler

Hot Chip
„Why Make Sense?“

(Domino)

Dreiecke mag er also. Und Kreise natürlich. Weil die als Sinnbilder für das Unendliche herhalten können. Alexis Taylor hat sich neulich in einem Interview erschöpfend über seine Vorliebe für geometrische Formen ausgelassen, über den Reiz von Repetition und Variation. Dabei war es interessant zu erfahren, dass er bei synthetisch erzeugter Tanzmusik, die strenggenommen nicht mehr ist als ein durchkomponiertes Raster aus Einsen und Nullen, die stetige Wiederholbarkeit digitaler Muster nicht als Gefahr, sondern eher als künstlerische Herausforderung begreift – “Wiederholung ist Punk.” Muss er wohl sagen. Denn klar ist natürlich, dass auch auf dem aktuellen, mittlerweile sechsten Album der Londoner Kombo Hot Chip so viel bahnbrechend Neues nicht zu finden ist, Taylor und Goddard werkeln noch immer an der intelligentesten Ausformung elektronischen Dance-Pops, die ihnen zwar nicht mehr so vertrackt wie früher, aber immer noch recht geschmeidig gelingt.

Es ist wie mit dem Bild auf dem Cover: An den Strukturen hat sich nichts Wesentliches geändert, je nachdem, wie man diese aber miteinander verschränkt, ergeben sich immer neue Klangfarben und am Ende sind es diese feinen Abweichungen und Facetten, die in Erinnerung bleiben. So kommt “Why Make Sense?” eine Spur analoger daher, das Hauptunterscheidungsmerkmal zu Vorgängern wie “One Life Stand” und “In Our Heads” ist aber die offenkundige Hinwendung zum Funk. “Love Is The Future” gibt eine 1A-Oldschool-Diskonummer mit Beats und Raps ganz im Stile der frühen 80er ab, die nachfolgenden “Cry For You” und “Started Right” können auf ähnliche Art punkten.

Daneben zählt auch Altbewährtes zum Programm – samtweiche Stimmen zu dunkel pulsierenden Loops sind ja so etwas wie ein Markenzeichen der Briten, neben “Huarache Lights” und “Dark Night” ragt hier vor allem die Single “Need You Now” heraus, ein Stück, das sich in der Galerie ihrer Alltime-Hits ausgesprochen wohlfühlen sollte. Ganz zum Schluss dann doch noch etwas Nachdenklichkeit – zu mächtig aufgetürmten und verschränkten Soundflächen sinniert Taylor im Titeltrack über den Sinn des täglichen Mühens: “Why make sense, when the world around refuses? A winner lost is one who always chooses, nothing left can leave you all out of time and without it, you're nearing your decline. Why be tough, when strength is just for losers? Be what you are at the mercy of yours…“ Eine Antwort hat man da auf die Schnelle auch nicht parat – Musik wie diese ist aber immer noch eine prima Alternative … http://www.hotchip.co.uk/

20.05.  Berlin, Heimathafen
29.08.  Zürich, Open Air
12.09.  Berlin, Lollapalooza


Sleaford Mods: The easier choice

Wieder mal das richtige Timing: Am Tage der Wahl zum britischen Unterhaus kündigen die Sleaford Mods ihr neues Album an - "Key Markets" wird via Rough Trade Anfang Juli erscheinen. Und natürlich gibt es ein äußerst präsentables Statement der Band zum Release:

"The album was recorded in various periods between summer 2014 through to October of that year. We worked fast as we normally do, the method was the same as the other albums and like the other two, the sound has naturally moved itself along. 'Key Markets' is in places quite abstract but it still deals heavily with the disorientation of modern existence. It still touches on character assassination, the delusion of grandeur and the pointlessness of government politics. It's a classic. Fuck em."

Der erste Song der Platte "No Ones Bothered" ist auch schon unterwegs, wer nicht so lange auf Neues warten möchte, kann sich auch schon Anfang Juni bei Leftfield umhören - auf deren Album "Alternative Light Source" haben die Mods den Titel "Head And Shoulders" mit eingesungen.

Four Tet: Zwischen Tag und Nacht

London, Tanzmusik, hatten wir gerade. Werden wir spätestens in der kommenden Woche wieder auf den Tisch bekommen, wenn Hot Chip zur Veröffentlichung ihres nächsten Albums schreiten (oder eher wippen). Und gerade flattert die Nachricht herein, dass auch Kieran Hebden aka. Four Tet Anfang Juli wieder Neues für den Warenkorb hat - "Morning/Evening" heißt die Platte und auf dieser befinden sich tatsächlich nur ganze zwei Stücke, die aber beide um die zwanzig Minuten zählen. Sagt zumindest der Tweet. Und der hält auch schon den Covershot bereit seines Labels Text Records - für die Tonkulisse muss aber vorerst ein Titel vom letzten Werk "Beautiful Rewind" herhalten.

23.08.  Hamburg, MS Dockville

Mittwoch, 6. Mai 2015

Mammút: Darüberhinaus

Ganz ehrlich: Popmusik aus Island ist eher was für Doktorarbeiten als für's Allgemeinwissen. Gut, mit Björk und Sigur Rós könnte man bei WWM noch ein paar Punkte sammeln, wie aber sieht's bei Namen wie GusGus, Emiliana Torrini, Lay Low, Samaris oder Of Monsters And Men aus? Telefonjoker? Noch schwieriger wird's wohl mit Mammút, einer fünfköpfigen Band aus Reykjavík - seit zwölf Jahren und drei Alben im Geschäft, haben sie bisher nur einen eher regionalen Bekanntheitsgrad erlangt. Das soll sich nun allerdings ändern, Mammút werden Anfang Juni bei Bella Union ihre nächste EP "River's End" veröffentlichen, einen Track vom letzten Album „Komdu til mín svarta systir“ gibt's hier schon mal im Stream. Und wer bei der Stimme von Katrína Kata Mogensen ein bisschen an Frau Guðmundsdóttir und ihre Sugarcubes denkt, liegt wohl gar nicht so falsch - auf dem Label der Indie-Ikonen haben vor Jahren auch Mammút ihr erstes Album herausgebracht.

Metz: Bis zum Umfallen

Metz
„II“

(Sub Pop)

Es gibt eine Menge Dinge, für die man das kanadische Noise-Rock-Formation Metz loben kann, unbedingt erwähnen muss man aber auch das gestalterische Konzept ihrer bisherigen zwei Alben, mit welchem ganz offensichtlich dem gänzlich unproduktiven Nichtstun gehuldigt werden soll. Ob nun mit dem Kopf auf dem Aktenstapel oder in sich zusammengesunken auf einer Parkbank – totale Erschöpfung, deren Gründe im Ungewissen bleiben. Einstellen könnte sich dieser Zustand durchaus nach dem Besuch eines Konzertes des Trios, wer sie schon auf der Bühne gesehen hat, der weiß, dass sie dort das genaue Gegenteil der Fotomotive präsentieren: wilde, sprunggewaltige Energie schafft sich dann Raum, Alex Edkins, Chris Slorach und Hayden Menzies bleiben dem Publikum nun wirklich nichts schuldig. Und erfreulicherweise können sie diese rohe Gewalt auch auf die Konserve übersetzen. Edkins stellte kürzlich fest: “A lot of things in everyday life drive me crazy: how we relate to each other, how politics, media, technology, money and medication influence our lives. This band, in a lot of ways, is an outlet.” Ja, der Junge muss mächtig wütend sein. Denn der Druck, der durch dieses Ventil nach draußen pfeift, ist unvermindert laut, roh und kompromisslos. Stücke wie “Acetate”, “Spit You Out” oder “Landfill” sind weit davon entfernt, gefällig klingen zu wollen und passen damit ganz gut zu einem weiteren Zitat: “This is how we are: We are not going to clean up our sound. We are not going to hire a big producer. We are not going to try to write a radio song.” In nicht ganz dreißig Minuten werden also alle Spielarten des Krachs durchdekliniert, mal blechern, mal satt, manchmal ein Fräsen, dann wieder ein rostiges Quietschen, das schichtet sich und verzweigt sich und will sich nicht beruhigen. Gut so – da kann die “III” kommen. http://www.metzztem.com/

22.06.  Leipzig, Täubchenthal
24.06.  Berlin, Cassiopeia
25.06.  Köln, MTC

Dienstag, 5. Mai 2015

DAT Politics: Noch nicht fertig

Der Aufschrei der Freude wird vielleicht kein riesiger, wohl aber ein spezieller sein. Denn heute ist quasi ein kleiner Festtag für Freunde gutgemachten, französischen Synthpops der alten Schule: DAT Politics, seit Ende der 90er mit Claude Pailliot und Gaetan Collet wenigstens geschmackssicheren und wohlinformierten Spezialisten ein Begriff, haben via Shitkatapult ihr neues Album "No Void" angekündigt - und aus diesem ist nun die erste Single "Reptiloid" ausgekoppelt und zudem als freier Download bei Soundcloud verfügbar. Noch mehr Songs, bewegte Bilder, die Bandbio und natürlich auch das Coverartwork gibt es auf der Website der beiden.



The Chemical Brothers vs. Q-Tip: Im Gleichschritt

Ein Hingucker der ganz anderen Art ist der neue Clip der Chemical Brothers: Für das neue Album "Born In The Echoes" haben die beiden bekanntlich wieder ein Stück mit Q-Tip eingespielt und für dieses hat wiederum Michel Gondry die Bilder inszeniert - der Mann also, der schon Honoriges für Björk, Daft Punk, Radiohead und Massive Attack gedreht hat. Hier also "Go" mit Bildern - im Gleichschritt Marsch...


Montag, 4. Mai 2015

Metz: Kurz vor knapp

Am Freitag ist es soweit, dann steht endlich mal wieder ordentlichen Krach zum Verkauf: Die kanadische Noise-Punk-Formation Metz wird dann ihr zweites Album "II" veröffentlichen (wir berichteten) - aber bevor gleich alle Gäule durchgehen, hier schon mal das wirklich sehr skurrile Video zur Single "The Swimmer", gedreht von Scott Cudmore (Timber Timbre, Fucked Up).

Samstag, 2. Mai 2015

Speedy Ortiz: Gekonntes Durcheinander

Speedy Ortiz
„Foil Deer“

(Carpark Records)

"I got a boy in a hardcore band, I got a boy likes to fuck to Can, then there's the boy sings those sad songs I like, I got too many boyfriends to see you tonight." Worte, die auch heute noch nichts an Witz verloren haben. Gesungen hat sie vor drei Jahren Sadie Dupuis, Sängerin der Indiekapelle Speedy Ortiz, gemeint waren sie als Antwort an alle Kerle, die immer und überall mit ihren Beziehungen prahlen müssen – das Stück hieß übrigens „Taylor Swift“. Nun, die Dinge haben sich nicht groß geändert und so ist auch Dupuis nicht eben leiser oder angepasster geworden. Gemäß ihrer eigenen Maxime („I don’t wanna be a sad sack. I wanna be tough. I wanna be direct and not hide behind myself“, Pitchfork) textet sie auch auf dem aktuellen Album die klaren Ansagen: „But still beneath the poster bait I got the message - boys be sensitive and girls be, be aggressive (Mr. Difficult)”. Und ganz wie auf den früheren Werken ist auch “Foil Deer” wieder vollgepackt mit jeder Menge verstolperter Krachgitarren, die sich um Harmonien nicht allzuviele Gedanken machen – Pavement, Liz Phair, Polvo, die Créme der alternativen 90er nimmt die Parade ab. Bei „Raising The Skate“ glaubt man endlich einen passenden Ersatz für die große Pixies-Leerstelle gefunden zu haben, „Puffer“ wiederum ist so funky wie „Ginger“ ein Stück weit den Stoner mimt. Alles herrlich unausgegoren und von einnehmender Unfertigkeit. Ganz einfach eine schöne Platte.

Speedy Ortiz bei Bandcamp

05.10.  Berlin, Comet Club
06.10.  Hamburg, Volt
07.10.  Köln, Blue Shell
12.10.  Zürich, Hafenkneipe
13.10.  Dudingen, Bad Bonn

Tamara Williamson: Rollenspiele

Einen schönen Song, quasi im Vorbeisurfen entdeckt, gibt es von Tamara Williamson zu hören. Die gebürtige Londonerin, die viel Zeit ihres Lebens in Kanada verbracht und als Songwriterin über zehn Alben veröffentlicht hat, plant für dieses Jahr eine neue Platte mit dem Titel "Sister Mother Daughter Wife". Von den vorwiegend ruhigen und dunklen Stücken gingen Anfang des Jahres zunächst "Victoria" und "Angel" in die Runde, nun folgt "Who's Next" und zwar in zwei verschiedenen Versionen, eine stammt als Zusammenarbeit mit Absolutely Free (und unter leicht verändertem Titel "The Next One") von einem Sampler des Labels Arts+Crafts, die andere bleibt eher solistisch.



Daugh Gibson: Anhaltende Verführung

Nicht nachzulassen scheint auch eine der wichtigsten Lebensmaxime für Daughn Gibson zu sein - sein letztes Album "Me Moan" überzeugte mit einer feinen Mischung aus Nick Cave, Iggy Pop und - naja, Chris Isaak. Und wenn man dem ersten Song von "Carnation", seiner nächsten Platte, lauscht, dann klingt "It Wants Everything" schon wieder so teuflisch, cool und verführerisch, dass man sofort große Lust auf mehr bekommt - Anfang Juni ist es soweit, bei Sub Pop.

Freitag, 1. Mai 2015

Disclosure: Tanz in den Mai

Hoffentlich noch nicht zu spät: Disclosure stellen zum Maiwochenende das langerwartete Eröffnungststück ihres neuen Albums ins Netz. "Bang That" klingt genau so wie es heißt, wie und womit es weitergeht, ist noch nicht bekannt - bleibt es so, muss einem nicht bang(e) sein...

Mumford And Sons: Streichelzoo

Mumford And Sons
„Wilder Mind“

(Universal)

Natürlich klang das gut. Es ist immer zu loben, wenn jemand etwas verändern möchte, den Stillstand verachtet, vielleicht sogar Besserung gelobt. Marcus Mumford hat wohl gewußt, dass es so nicht mehr lange gutgehen konnte – die Kritik mochte den Erfolg des zweiten Albums „Babel“ nur noch widerwillig anerkennen, zu sehr hatte es sich die Band in der Beschaulichkeit ihres Wohlfühlfolks gemütlich gemacht. Die Arenen waren noch voll, aber die Songs hatten schon deutlich die Originalität und Kraft des feinen Debüts „Sigh No More“ eingebüßt. Zudem schienen die Londoner mehr und mehr vom Tourbetrieb ermattet – Abwechslung musste her. Gute Idee. Trotzdem hätte man stutzig werden müssen, als auf dem Cover der neuen Platte diese „Notting-Hill“-Parkbank vor romantischer Großstadtkulisse erschien. Und spätestens mit der Nachricht, Mumford fände den Bandnamen mittlerweile ziemlich panne und würde zukünftig jedes akustische Instrument, besonders dieses ach so verhasste Banjo, aus dem Studio und von der Bühne verbannen, war Vorsicht geboten. Nun, da das vermeintlich ‚wilde‘ Ding draußen ist, weiß man auch, warum. Denn die vier haben zwar jede Menge Elektronik in ihre Songs gesteckt, haben sich große Mühe gegeben, den Stücken ein modernes Outfit zu verpassen – allein: An der Mittelmäßigkeit der Kompositionen hat sich leider nichts geändert. Gefällig plätschern und pluckern sie an einem vorbei, hübsch arrangiert, aber austauschbar und brav wie schon zuvor. Um Dämonen soll es gehen und man hört von allerlei grausigem Getier: Breitschultrige Biester, Wölfe, Schlangen, Monster gar – bedrohlich ist all das kaum, es bleibt ein Streichelzoo. Nimmt man hier die Musik von The National, die abgrundtiefen Seelennöte von Matt Berninger zum Vergleich, wird der Unterschied um so augenfälliger. Wo dieser tatsächlich kämpft und hadert, bleibt Mumford in seiner romantischen, selbstgefälligen Pose verhaftet – das reicht vielleicht für einen behaglichen Schauer oder eine laue Sommernachtsfahrt. Bleibenden Eindruck hinterlässt es kaum. Ob nun mit oder ohne Banjo. http://www.mumfordandsons.com/

17.07.  Berlin, Waldbühne
18.07.  Berlin, Waldbühne


Mumford & Sons - Believe (Official Audio) von lessano