Dienstag, 9. Juni 2015

Prinzhorn Dance School: Kurz und gut

Prinzhorn Dance School
„Home Economics“

(DFA Records)

Zugegeben, das liest sich zunächst einmal etwas merkwürdig, abschrecken lassen sollte man sich davon allerdings nicht. Schließlich sind PDS bei DFA verlabelt und das gilt ja in den allermeisten Fällen schon als erster, sicherer Qualitätsausweis. Suzi Horn und Tobin Prinz aus der südenglischen Hafenstadt Portsmouth jedenfalls haben sich seit 2006 dem minimalistischen Post-Punk verschrieben. Wer unbedingt wissen möchte, wie die beiden auf den Namen gekommen sind, darf sich gern einmal hier umschauen – viel wichtiger ist, dass bald ihr drittes Album “Home Economics” erscheint. Mit sechs Stücken bewegt sich die Platte zwar eher in 12”-Dimensionen, diese allerdings sind dann doch so gelungen, dass die Spielzeit zweitrangig erscheint. Wie alles, was James Murphy unter seine Fittiche nimmt, kommt auch dieses Album mit einem Anflug von – nun ja, nennen wir es ‘hypnotischer Monotonie’ daher, einfache Melodien werden zu behutsamen Drums geordnet, selten (wie bei “Haggle”) poltert mal etwas dazwischen, der Bass pluckert schön im Hintergrund und alles gerät zu einem entspannten Wippen. Wire fallen einem da natürlich ein, die zu ihren gemäßigten Zeiten ähnlich geschmeidig klangen, Horn und Prinz sind mit dieser Platte wieder erkennbar in Richtung analoger Produktion unterwegs und nur der (trotzdem fabelhafte) Shit-Robot-Mix der ersten Single “Reign” erinnert noch an den synthetischeren Stil ihrer Anfangstage. Kurz und gut – genau das.

City Calm Down: Dunkles aus Down Under [Update]

Auf dem Promo-Foto sehen die vier etwas verfroren aus, dabei dürfte ihre Heimatstadt doch dafür eigentlich keinen Anlass bieten: Wahrscheinlich bezieht sich die Gestik eher auf die Grundstimmung ihrer Songs, denn City Calm Down aus dem australischen Melbourne spielen einen Postpunk, der es in puncto Düsternis problemlos mit Joy Division und New Order aufnehmen kann. Nach einer ersten EP ("Movements" 2012) kommt im September das Debüt "In A Restless House", davon schon mal "Rabbit Run" vorab hier im Stream als Video.

Montag, 8. Juni 2015

Kim Gordon vs. J Mascis: Schuhgrößen

Was braucht es da viele Worte? Nur soviel: Kim Gordon (Ex-Sonic-Youth/Body Head) und J Mascis (Dinosaur jr), schon zu Zeiten ihrer großen Erfolge gute Bekannte, haben laut Pitchfork für die dritte Auflage der Converse CONS EP Series gemeinsam den Song "Slow Boy" eingespielt - hier zum Anhören und Downloaden.

FFS: Perfect Match

FFS
„FFS“

(Domino)

Da hat man ja schon oft von gelesen, dass im Tonstudio die eigentliche Reifeprüfung für eine Band stattfindet – der worst case: Verkaterte Alphaweibchen und -männchen, die sich nur mühsam auf eine gemeinsame Linie für die Produktion einigen können, um dann doch schon bei der kleinsten Hürde aufeinander loszugehen. Nicht wenige Musiker haben sich genau in diesen Räumlichkeiten für lange Zeit das letzte Mal zu Gesicht bekommen, viele mutmaßliche Großwerke kamen nicht über die erste Session hinaus und für manche Band war der Anfang vor Ort schon das Ende vom Lied. Muss aber nicht sein. Bei dieser Platte hier hat man beispielsweise das Gefühl, die sechs hätten sich in einem fort gegenseitig auf die Schulter gehauen – so spaßig klingt das Ergebnis.

Schon für den Titel des Albums werden sich Franz Ferdinand und die Sparks ordentlich beömmelt haben – wann kommt man schon mal auf einen Bandnamen, der so fabelhaft missverständlich zu einem anderen Akronym passt, dass man den Schwung gleich ausnutzt und den Schlußakkord „Piss Off!“ dazudichten kann? Dass die Gebrüder Mael zusammen mit Alex Kapranos und Kollegen diese schottisch-amerikanische Mixtur aus Disko, barockem Kammerpop, DEVO und Monty Python auf die Tanzbeine stellen, scheint nur auf den ersten Blick verwunderlich. Die Sparks waren ohnehin Zeit ihres Wirkens dafür bekannt, gern in anderen Teichen zu fischen – ihre letzte große Arbeit war immerhin ein Musical namens „The Seduction of Ingmar Bergman”, zudem haben sie schon mit Harold Faltermeyer, Giorgio Moroder und Toni Visconti gearbeitet.

Auch Franz Ferdinand sind dafür bekannt, dass sie sich selten ein Lachen verkneifen – Gitarrist Nick McCarthy stammt ja nicht umsonst aus der weirden Münchner Künstlerkombo Kamerakino und sangen sie nicht schon vor einiger Zeit ausgelassen von „Schampus mit Lachsfisch“? Nicht ganz so überraschend trifft hier also die Disko-Operette den ausgelassen zackigen Indiesound und siehe da – es funktioniert ganz prima. Bratzige Synths, Falsettgesang, verrücktes Pianogeklimper, alles wird verschleift und ausprobiert. Tanzbares, Melodisches, ein paar Albernheiten und so viel Augenzwinkern, dass ihnen die Lider schon schmerzen müssen, ein dramatisches Horn-Intro zwischendrin, mit „bom bom didi“ zum Stelldichein mit der Schutzmacht, irgendwann glaubt man von einer „Hello-Kitty-Uzi“ zu hören und hofft, dass es kein Verhörer ist.

Okay, man will das vielleicht nicht gerade für fünf Stunden am Stück hören, aber für den Moment ist dieser ganze superironische Klamauk einfach zum Brüllen: Allein „Collaborations Don’t Work“ ist schon die ganz hohe Schule, ein Stück, das auf sich selbst mit dem Finger zeigt und das Spektakel absurd und unmöglich schimpft – die Herren hüpfen von Tonart zu Tonart und werfen sich gegenseitig die Bälle zu, warum das alles nur schiefgehen kann. Tut es natürlich nicht, augenscheinlich bereitet es beiden Bands ein unheimliches Vergnügen, sich selbst auf den Arm zu nehmen, dass dabei so schöne Tanznummern wie „Johnny Delusional“, „Call Girl“ und „Safe Me From Myself“ herauskommen, ist als Nebeneffekt nicht zu gering zu schätzen. Sie haben sich also gefunden wie der Topf den Deckel oder knapper: Perfect match! http://www.ffsmusic.com/

01.07.  Köln, Gloria
08.07.  Zürich, X-Tra Festival
20.08.  Lausanne, For Noise Festival
12.09.  Berlin, Lollapalooza



Disclosure: Eher wild

Sie nun also auch: Überall Katzenbilder - Kuscheliges, Ungeschicktes, Tapsiges, Gott wie süß! Wenn man ihrem Statement glauben darf, waren das aber nicht die bestimmenden Gründe, warum Guy und Howard Lawrence, besser bekannt als Disclosure, ihr neues Album "Caracal" nennen und auch gleich ein Exemplar auf dem Cover platzieren. Der Karakal ist ohnehin eher dem Luchs und der Wildkatze verwandt als dem niedlichen Schmusetier - es geht hier eher um dessen Eigensinn, Eleganz und Natürlichkeit. Mitte September kommt der Nachfolger von "Settle" also ins Regal, mit dabei auch "Holding On" feat. Gregory Porter.

Samstag, 6. Juni 2015

Craft Spells: Von lechts nach rinks

Ein sehr schönes Video findet sich gerade bei Stereogum: Das Duo Craft Spells aus Seattle hat im letzten Jahr für das Album "Nausea" viele gute Kritiken bekommen, nun haben sie sich von Shaun Libman für den Track "Twirl" einen Clip drehen lassen, bei dem das Unterste zuoberst und lechts rinks ist, da macht das Zuschauen Spaß - der Song ist ohnehin ein Ohrwurm der entspannten Sorte.

Freitag, 5. Juni 2015

Das Weiße Pferd: Auf Marmor

Falls wer noch freie Termine für den kommenden Monat in seinem Filofax (hüstel...) zu vergeben hat, dann kann er oder sie sich den 17. Juli ganz dicke anstreichen. Dann nämlich feiert die Münchner Stuckvilla ihr alljährliches Sommerfest und hat dazu - ta da! - die legendäre und kürzlich wiedererstandene Formation Das Weiße Pferd geladen. Deren Album "Münchner Freiheit" konnte im Januar in Sachen Extravaganz und Übermut ganz kräftig punkten (was man sicher nicht von allen Neuerscheinungen in deutscher Sprache der letzten Monate behaupten kann) - wie sich die Kunstliebhaber zum spleenigen Experimentalpop der Band um Albert Pöschl auf weißem Mamor bewegen, das kann man sich im Malerfürstenhaus ab 19:00 Uhr anschauen.

17.07.  München, Stuckvilla

Bob Moses: Tiefergelegt

So, noch einmal kurz zurück zum Thema House - diesmal die etwas tiefergelegte Variante: Der vorgestellte Deep-House-Track stammt vom kanadischen EDM-Duo Bob Moses - Tom Howie und Jimmy Vallance haben in der New Yorker Clubszene schon reichlich Erfahrungen gesammelt und gehören in den Dunstkreis um Francis Harris und Nicolas Jaar. Im letztem Jahr haben Bob Moses bei Domino Records unterschrieben und dort bringen sie nun auch ihre aktuelle Single "Talk" heraus. Wer sie live sehen möchte, hat dazu in den nächsten Wochen ebenfalls Gelegenheit.

12.06.  München, Bob Beaman
27.06.  Berlin, Watergate
28.06.  Neuss, Keisgrube
22.08.  Basel, Hinterhof
23.08.  Berlin, All Day I Dream

Donnerstag, 4. Juni 2015

Daughn Gibson: Von der dunklen Seite

Daughn Gibson
„Carnation“
(Sub Pop)

Hand auf’s Herz: Typen, die so blendend aussehen wie Josh Martin, denen traut man doch ernsthafte oder nachdenkliche Songs gar nicht zu. Einsamkeit – der? Niemals. Unglück, Selbstzweifel? Das will man doch von jemandem wie Martin oder seinem Bühnen-Alter-Ego Daughn Gibson gar nicht hören. Tatsächlich sind das genau die Vorurteile, mit denen der Songwriter aus Pennsylvania seit Beginn seiner Karriere zu kämpfen hat – einer, der so sehr Mann scheint wie er, dem nimmt man das alles doch gar nicht ab. Dass er sich mit Raymond Carver und George Saunders, Foster-Wallace und Pynchon beschäftigt, dass er versucht, seine Albträume und dunklen Gedanken in die Kurzgeschichten seiner Stücke umzuarbeiten. Dabei waren doch gerade die beiden ersten Alben „All Hell“ und „Me Moan“ stilistische Totentänze aus Goth, Blues und Country, zusammengehalten durch eine Vielzahl von elektronischen Effekten und dem rauchigen, tieftönenden Barriton Gibsons.

Er ist also in der Tat ein tiefgründiger, grüblerischer Typ und wenn die geschilderten Erfahrungen und die schwarzen Gedanken auch nicht immer die seinen sind, so kennt er sie, so scheint es, doch nur zu genau: „I don’t want to hear every dumb detail of someone’s meaningless day, but I do want to fill in the blanks of someone’s observations, or my observations … I like to take these voices, but honestly I feel all these things myself and I’m pretending when I use someone else.”” sagte er kürzlich dem Netzportal In The Line Of Best Fit und wer ihm das partu nicht abnehmen mag, dem entgehen ein paar wirklich gute Momente. „Carnation“ ist dabei noch eine Spur wandlungsfähiger, vielschichtiger geworden als die beiden Vorgänger – war es da eher die Verwandtschaft zu Nick Cave und Iggy Pop, so meint man jetzt öfter die sanfte Eleganz von David Sylvian oder Bryan Ferry herauszuhören.

Und das, obwohl diese Platte von keinem Geringeren als Randall Dunn produziert worden ist, dem Mann, der schon mit Schwergewichten wie Earth oder Sun O))) gearbeitet hat. Natürlich haben die Songs ihren sinisteren Charakter nicht verloren, klingen das vampirische „For Every Bite“ oder das Kriegsdrama „Shine Of The Night“ noch immer gruselig und düster. Aber die Mittel, mit denen Gibson diese fiebrige Atmosphäre zum klingen bringt, sind variabler geworden. Und werden nicht selten auch mal ins Gegenteil verkehrt. So treffen dronige Synths auf mehrstimmigen Frauengesang, kratzige Akkorde auf geschmeidige Steel-Guitar-Spuren, mittendrin hellt ein Saxophonsolo die Stimmung auf und selbst Autotune wird als künstlerisches Mittel keineswegs verworfen.

Den berührendsten, intimsten Eindruck allerdings hinterläßt das reduzierteste Stück des Albums – die verzweifelte Suche nach sexueller Identität, mehr noch die Hoffnung auf vorbehaltlose Anerkennung bei „Daddy I Cut My Hair“ schicken einem Schauer über die Haut, außer einer einfachen Melodie braucht es hier nicht viele Verzierungen, um innezuhalten. Vieles auf „Carnations“ hat diesen bleibenden Zauber, Gibson erscheint noch reifer, noch abgeklärter. Und auch wenn die Parallele vielleicht etwa vorschnell gezogen ist – es gibt da mit Leonard Cohen einen Mann, der schon früh verteufelt gut aussah und der dennoch stets die dunkle Seite des Mondes (und also natürlich der Liebe) besungen hat. Cohen gilt bis heute als ein Meister des Abgründigen, kann ja gut sein, dass wir hier seinem legitimen Nachfolger zuhören.

BAILE: Club-Futter [Update]

Und noch ein bisschen was für den Tanz in's heiße Wochenende: Hinter dem Moniker BAILE verbirgt sich der Produzent Reed Kackley aus Brooklyn. Mit Unterstützung von Felicia Douglass (Ava Luna) hat der Junge den hübschen House-Track "Leaves" eingespielt - selbiger stammt von der EP "Matter", die Mitte Juli bei Brooklyn Boutique/Color Station erscheinen soll.

Update: Zwei weitere Tracks von besagter EP sind nun im Netz - zum einen das Titelstück, wieder mit Felicia Douglass eingespielt, sowie "Down".

Shura: Gute Gründe

Der feingliedrige Dancepop der Britin Aleksandra Denton aka. Shura hat schon eine ganz besondere Qualität, die, wie wir wissen, auch schon viele Freunde gefunden hat. Nun bringt die junge Frau aus Manchester mit "White Light" eine weitere Single heraus - gute sieben Minuten Tanzmusik der Extraklasse, beschwingt, ohne platt zu sein und ein guter Grund mehr, sich in diesem Jahr mal auf's MELT oder in Richtung Dockville zu verdrücken.

17.07.  Gräfenhainichen, Melt Festival
23.08.  Hamburg, Dockville Festival

Mittwoch, 3. Juni 2015

Bully: Vertraute Töne

Zeit genug, sich noch etwas umzuhören, bis das Album kommt: Bully sind ein ganz wunderbares Alternative-Rock-Quartett aus Nashville - die vier haben sich offenbar in Bild und Ton um das offizielle Erbe von Bands wie Dinosaur jr. und Weezer beworben. Und das nicht nur, weil sich Sängerin Alicia Bognanno auf ihrem bekanntesten Foto (oben) in haarverhangener Grungepose gefällt, auch der Sound ist entsprechend windschief. Mitte Juni soll also bei Columbia das Debüt "Feels Like" erscheinen und mit "I Remember" und "Trying" gibt es davon schon mal zwei Stücke zum Vorhören. YoursTruly hat übrigens zu Bully eine hübsche Geschichte im Programm.

Westkust: Der Reiz der Betäubung

Westkust
„Last Forever“

(Luxury)

Shoegazing über die komplette Spiellänge eines Albums kann, das liegt im Charakter des Genres begründet, manchmal etwas eintönig sein. Allerdings werden jetzt die eingefleischten Fans behaupten, dass gerade dieses Einlullende, Betäubende den Reiz der Musik ausmacht. Wer sich wenigstens einmal bei entsprechender, meint nicht zu niedriger Lautstärke “Loveless” von My Bloody Valentine oder “Nowhere” von Ride angetan hat, wird wissen, wie das gemeint ist. Diesen hohen Ansprüchen kann das Quintett Westkust aus Göteburg ebenfalls genügen, ihr Debüt “Last Forever” besticht nicht nur durch dicht gewebten Noise und bezaubernde Melodien, sondern hat dankenswerterweise auch die nötigen Ecken und Kanten nicht vergessen, ohne die solche Platten schnell zur gefälligen Hintergrundkulisse werden. Nicht so bei Gustav Anderson und Julia Bjernelind – ihr Äußeres (schwarz und schräg) harmoniert prächtig mit der ätherischen Zweistimmigkeit und dem dunkel polternden Sound ihrer Stücke. Dass Stil keineswegs dogmatisch verstanden wird, zeigt ein Song wie “Easy”, hier läßt der geschmeidige Ravepop der Madchester-Ära aus den frühen 90ern grüßen. Nichts falsch gemacht also, schöne Scheibe.

Radkey: Drei Brüder, ein Album

Ein weiteres Kapitel zum scheinbar unerschöpflichen Thema Hausmusik: Nachdem schon Bands wie die Kings Of Leon und Kitty Daisy And Lewis ihre Mitglieder hauptsächlich aus der eigenen Familie rekrutierten, gibt es nun mit Radkey ein neues Projekt. Die Band besteht aus den Brüdern Isaiah, Solomon und Dee Radke, entstand 2011 im beschaulichen St. Jospeh, Missouri und wird natürlich von Papa Matt Radke gemanaged. Der Sound der drei läßt sich als ziemlich unspektakuläre und trotzdem ordentlich laute Spielart des Garage Punk beschreiben, nach mehreren EPs kommt nun via Little Man Records das Debütalbum "Dark Black Makeup" - der Titeltrack läßt schon hier im Stream begutachten, eine kleine Tour gibt's noch obendrauf.

22.08.  Osnabrück, Kleine Freiheit
23.08.  Bochum, Matrix
25.08.  Berlin, About Blank
26.08.  Hamburg, Molotow

Blur: Schenkelklopfer

Na, da hat aber jemand mächtig Spaß bei der Arbeit gehabt: Blur haben sich zu ihrem Song "Ong Ong" vom aktuellen Album "The Magic Whip" ein Video zusammenbasteln lassen, das ähnlich sinnfrei wie der Titel des Stückes daherkommt und mit seiner Mischung aus Computerspiel und Puppenparade trotzdem Vergnügen bereitet - Albarn als Eistüte und Coxon als Kakerlake, wenn das nix ist...

Dienstag, 2. Juni 2015

Metric: Amtlich

Bei allem, was sich im Netz so tummelt, heißt es ja vorsichtig sein. Da jubelt man zum Beispiel, weil Morrissey einen ersten Tweet absetzt - eine Stunde später stellt sich die Sache als Fake raus. Oder die Welt erfährt, dass der olle Blatter Sepp seinen Rücktritt eingereicht hat und will gerade zum Freudentanz ansetzen, da ... naja, scheint wohl doch zu stimmen. Gleiches hofft man auch für die aktuelle Single von Metric - "Cascades" wurde vor ein paar Tagen schon im online geleakt (nach dem Demo von "The Shade"), das Loch ist aber offenbar ein hochoffizielles und stammt von der Band selbst. Nun gut. Warum der Zweifel? Selber hören. Das Album zum Song heißt übrigens "Pagans in Vegas" und erscheint Mitte September.

Screaming Females: Danke!

Manchmal reicht schon ein einfaches Dankeschön. Wenn sich nämlich beispielsweise eine Band wie die Screaming Females zusammen mit Sängerin Marissa Paternoster im Rahmen der A.V. Undercover Web Series einen Song wie "Shake It Off"  vornehmen und zeigen, dass der neben blankpoliertem Plastikpop auch noch ein paar andere Facetten haben könnte, die eben bislang von Darling Taylor Swift, nun, noch nicht so herausgearbeitet worden sind. Ha, könnte glatt ein Hit werden!

Algiers: Wut im Bauch

Algiers
„Algiers“

(Matador)

Natürlich und selbstverständlich und überhaupt ist das der neueste und heißeste Scheiss in Sachen experimenteller Rockmucke, wenn schon Drone dransteht, dann muss ja gut sein, was das Trio aus Atlanta da macht. Und – Überraschung: Ist es wirklich. Franklin James Fisher, Ryan Mahan und Lee Tesche werden es, einziger Nachteil, wohl kaum ins Vorprogramm von TV On The Radio oder den Young Fathers schaffen, denn der Sound ihres Debüts klingt wie die Schnittmenge beider Bands und darf trotzdem mit Originalität punkten. Mehr noch als die beiden Referenzen haben es sich Algiers zur Aufgabe gemacht, Punk und Gospel miteinander zu kreuzen und hernach unter Strom zu setzen – die Stücke des Debüts klingen denn auch nach Knochenklappern und Zähneknirschen, wie ein stampfendes Mahlwerk wummern die Bässe zu kreischenden Gitarren und der übersteuerten Stimme des Sängers. Dieser hat im Übrigen auch den Bezug zu den traditionellen Spirituals in die Band gebracht, legt allerdings großen Wert darauf, dass sich deren Einfluß auf die politische Komponente beschränkt. Dieser Bezug wird bei Algiers in vielerlei Hinsicht augen- und ohrenfällig, das beginnt natürlich beim Namen der Formation selbst (und dem Verweis auf die algerische Hauptstadt und ihre Geschichte im afrikanischen Befreiungskampf), zudem verstehen sich viele Stücke als Statements gegen Rassismus, Gewalt und religiöse Vereinnahmung.

Zu seinem Heimatland hat Franklin James Fisher dabei eine weniger herzliche Beziehung, dem Online-Portal Quietus sagte er kürzlich: “In my adult life, I've never felt any positivity about the future anywhere - certainly not in America. I'm not fooled by the office of President Obama; America is the same place it's always been. Institutionalised violence against people of colour is more American than apple pie.” Kein Wunder also, das sich die Mehrheit der Songs nach viel Wut im Bauch anhören – so etwa der Synthpop von “Irony.Utility.Pretext.” oder das zackige MashUp aus Noise und Tribal bei “Black Eunuch”. Interessant ist es, die musikalische Sozialisation der drei Bandmitglieder zu verfolgen, über Eltern, Geschwister und frühe Freunde haben sie alles ins Stammbuch ihrer Formation eingetragen, was man in Ansätzen aus dieser wilden Mixtur auch herauszuhören glaubt – das krachende Feedback von Sonic Youth, den Industrial von Throbbing Gristle, den Punch von Public Enemy und die verstörenden Lärmorgien der Einstürzenden Neubauten. Das wunderbare “Blood” kann hier als Lehrbeispiel herhalten, wie sich all diese verschiedenen Stränge zu einem spannenden Ganzen bündeln lassen. Und weil die drei offenbar keine Berührungsängste kennen, ist mit Langeweile vorerst nicht zu rechnen. http://algierstheband.com/

Den Komplettstream des Albums kann man sich zur Zeit bei NPR anhören.

Montag, 1. Juni 2015

Beirut: Negation

Von Zach Condon war tatsächlich schon lang nichts mehr zu hören, hatte sich mit seinem Projekt Beirut nach dem letzten Album "The Rip Tide" 2011 doch ganz schön rar gemacht. Vorbei, vorbei - für September hat sein Label 4AD endlich eine neue Platte angekündigt, "No No No" wird sie heißen und zum Release soll sie unter anderem auch in Berlin präsentiert werden - der Titelsong anbei.

20.09.  Berlin, Columbiahalle


Sleaford Mods: Nächster Einschlag

Die Sache mit den Einschlägen, die näher kommen: Die Sleaford Mods haben nach "No Ones Bothered" einen zweiten Track aus ihrem neuen Album "Key Markets" in die Arena gejagt - "Face To Faces" flankiert eine Reihe von neuen Tourdaten durch UK, bei der Gelegenheit darf man auch noch mal auf die künftigen Termine in Deutschland verweisen.

19.06.  Berlin, SO36
20.06.  Leipzig, Werk 2
22.06.  Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus
23.06.  Münster, Gleis 22
05.11.  Berlin, Kulturhaus Astra