Donnerstag, 23. Mai 2013
Chinese Democrazy?
Die Meldung, der chinesische Dissident Ai Weiwei arbeite an einem Heavy-Metal-Album, ist ja so neu nicht mehr, nun aber gibt es einen ersten audiovisuellen Arbeitsnachweis: Weiwei hat zu einer unzweideutigen und recht originalgetreu nachgebauten Gefängnisszenerie den in Mandarin eingesungenen Titel "Dumbass" stellen lassen und ist Axl Rose damit um einige Längen voraus.
Killing me softly
Irgendwer muss es halt rauskramen, denn ganz so neu wie's scheint ist die Nachricht wirklich nicht: Lauren Mayberry, vielen zur Stunde bekannt als die Stimme der schottischen Pophoffnung Chvrches, stand vor dieser Zeit bei einer Band mit Namen Blue Sky Archives in Lohn und Brot und beschäftigte sich dort u.a. mit dem Nachsingen allseits bekannter Rap- und Metalklassiker. Im Jahr 2011 haben BSA eine Variation von "Killing In The Name" der Crossover-Ikonen Rage Against The Machine eingespielt - SPIN hat diese nun gefunden, bei Bandcamp darf man sich das und weitere Sachen gern anhören.
Mittwoch, 22. Mai 2013
Kein Trost, nirgends
VÅR
„No One Dances Quite Like My Brothers“
(Sacred Bones)
Und wieder bittet die Finsternis zum Tanz. Was einigermaßen verwirrt ist der Name der Formation – ursprünglich als „WAR“ gestartet, ist daraus bald „VÅR” geworden und das bedeutet nun mal auf dänisch “Frühling” und will so nicht ganz zu den düsteren Klängen passen. Sei’s drum, Elias Bender Rønnenfelt, im Hauptberuf Sänger der Noisepunk-Band Iceage und Loke Rahbek, wiederum bei Sexdrome beschäftigt, werden sich schon ihren Teil dabei gedacht haben. Auch ‚Formation‘ ist trifft es eigentlich nicht ganz, VÅR firmieren eher unter ‘Multimediaprojekt’, die Stücke auf „No One Dances Quite Like My Brothers” wirken eher wie Performances, kühl, distanziert, tiefschwarz ohnehin – man sagt wohl jetzt Coldwave dazu. Die Klammer, die dieses Album als Referenz umschließt, kann mit Joy Division schnell benannt werden – sowohl das erste Stück (Begin To Remember) als auch das abschließende (Katla) erinnern allzu deutlich an “Atmosphere”, den genialen All-Time-Classic der Jungs aus Manchester. Dunkles Pochen und Wummern, eine rostige Tür quietscht in den Angeln, zähe Synthloops zu trostlosem Gesang – Aufmunterung ist hier nicht zu holen. Auch dazwischen wenig Änderung, es nebelt, mäandert, taumelt zu künstlichen Beats, mal verirren sich ein paar Gitarren- und Bläsersamples in trübe Gesamtbild (Motionless Duties), dann wieder lassen trockene Schläge den Körper zucken (The World Fell) – hier und nur hier denkt man kurz, VÅR könnten sich auch gut als ‘Mr. Hyde’ zu den gutmütigen Drums gesellen. Aber natürlich wären sie nicht bei Sacred Bones (Zola Jesus, Lust For Youth, The Men) gelandet, hätten sie sich nicht komplett der Schattenseite verschrieben. Ein reizvolles, wenn auch wenig erbauliches Album – aber der Frühling da draußen macht sich um seinen Namen dieser Tage auch nicht gerade verdient.
„No One Dances Quite Like My Brothers“
(Sacred Bones)
Und wieder bittet die Finsternis zum Tanz. Was einigermaßen verwirrt ist der Name der Formation – ursprünglich als „WAR“ gestartet, ist daraus bald „VÅR” geworden und das bedeutet nun mal auf dänisch “Frühling” und will so nicht ganz zu den düsteren Klängen passen. Sei’s drum, Elias Bender Rønnenfelt, im Hauptberuf Sänger der Noisepunk-Band Iceage und Loke Rahbek, wiederum bei Sexdrome beschäftigt, werden sich schon ihren Teil dabei gedacht haben. Auch ‚Formation‘ ist trifft es eigentlich nicht ganz, VÅR firmieren eher unter ‘Multimediaprojekt’, die Stücke auf „No One Dances Quite Like My Brothers” wirken eher wie Performances, kühl, distanziert, tiefschwarz ohnehin – man sagt wohl jetzt Coldwave dazu. Die Klammer, die dieses Album als Referenz umschließt, kann mit Joy Division schnell benannt werden – sowohl das erste Stück (Begin To Remember) als auch das abschließende (Katla) erinnern allzu deutlich an “Atmosphere”, den genialen All-Time-Classic der Jungs aus Manchester. Dunkles Pochen und Wummern, eine rostige Tür quietscht in den Angeln, zähe Synthloops zu trostlosem Gesang – Aufmunterung ist hier nicht zu holen. Auch dazwischen wenig Änderung, es nebelt, mäandert, taumelt zu künstlichen Beats, mal verirren sich ein paar Gitarren- und Bläsersamples in trübe Gesamtbild (Motionless Duties), dann wieder lassen trockene Schläge den Körper zucken (The World Fell) – hier und nur hier denkt man kurz, VÅR könnten sich auch gut als ‘Mr. Hyde’ zu den gutmütigen Drums gesellen. Aber natürlich wären sie nicht bei Sacred Bones (Zola Jesus, Lust For Youth, The Men) gelandet, hätten sie sich nicht komplett der Schattenseite verschrieben. Ein reizvolles, wenn auch wenig erbauliches Album – aber der Frühling da draußen macht sich um seinen Namen dieser Tage auch nicht gerade verdient.
Feel the pain
Primal Scream
“More Light”
(Ignition/Indigo)
Zugegeben, irgendwann kurz nach der Jahrtausendwende sind einem Primal Scream abhanden gekommen. Der blitzsaubere Rave von “Screamadelica” war zwar immer noch unter ‘best longplayers ever’ in der Großhirnrinde abgespeichert, doch Rave war gerade nicht mehr so gefragt und David Holmes hatte den Jungs mit “XTRMNTR” die wohl spleenigste Platte ihrer Karriere untergejubelt (Kill all Hippies, Swastika eyes, hoho!) – abgelegt. Und nun soll sich olle Bobby Gillespie (wieder mit Holmes) anschicken, etwas Nennenswertes zum Popdiskurs beizutragen? Wer’s glaubt … der alten Verbundenheit wegen also doch mal ein Interview rausgekramt – nun, der Junge scheint richtig sauer: Der Zustand der Gesellschaft, das Verhalten der eigenen Musikerzunft lassen ihn verzweifeln, kritische Selbstbetrachtung, Hinterfragen, ehrliche Auflehnung – alles Fehlanzeige, alles Pose, alles verdorben, bullshit wohin man schaut.
Das sind jetzt nicht gerade die exklusivsten Ansichten, die Gillespie da seinem Gegenüber präsentiert, gleichwohl äußert er sie aus exponierter Position und mit ehrlichem Furor, man will’s ihm also glauben. Und dass es genügend gute Gründe für eine Revolte gibt, aber keine Jugend, die sich dafür begeistern ließe, auch das darf als sicher gelten. Wen wundert’s, dass die neue Primal Scream ein recht unentschiedenes, wenig homogenes Werk geworden ist? Die in stein gemeißelte Regel, ein guter Song brauche nicht mehr als dreieinhalb Minuten, haben Primal Scream seit jeher ignoriert, sie nehmen sich auch bei “More Light” die Freiheit, die Mehrheit der Stücke auf Maximallänge zu strecken. Und es funktioniert meistenteils: Schon “2013” baut um Gillespies wütende Nörgelei die Soundwände der frühen Tage – nicht umsonst hat Kevin Shields auf Teilzeitbasis angeheuert – dazu fetter Bass und blechernes Saxophon, wenn nichts geht, geht wenigstens das.
Es folgen jede Menge Psychedelia, Jazz, Blues bis hin zum dramatischen Orchesterreigen, “River Of Pain” ist als dunkle Gewaltphantasie bedrückend und beeindruckend zugleich, “Hit Void” mimt den Rockfetzen und “Tenement Kid” bietet proletarischen Realismus zu elektronisch verschwurbelten Beats. Jedes der Stücke zeigt eine andere Facette, nur wenige von ihnen sind überraschend und neu, dennoch halten sie die Maschine am Laufen und die Drehzahl hoch. Ob Steelguitar mit Bartenderblues (Goodbye Johnny), kribbelnde Raverhythmen (Turn Each Other Inside Out) oder der teuflische “Elimination Blues” zusammen mit Robert Plant, Langeweile mag nicht aufkommen. Was Jason Pierce und seine Spiritualized im letzten Jahr in ein geniales “Hey Jane” gepackt haben, das verteilen Gillespie, Innes und Shields zu dreizehn gleichen Teilen. Das macht die Songs in der Summe vielleicht etwas weniger ergiebig, der Spaß an der Sache bleibt aber dennoch erhalten. Und wen das bittersüße Abschlußstück “It’s Allright, It’s Okay” nicht kriegt, nun, an dem ist dann auch in den 90ern wohl schon einiges vorbeigelaufen. Noch immer gilt: Don’t fight it, feel it! http://www.primalscream.net//
“More Light”
(Ignition/Indigo)
Zugegeben, irgendwann kurz nach der Jahrtausendwende sind einem Primal Scream abhanden gekommen. Der blitzsaubere Rave von “Screamadelica” war zwar immer noch unter ‘best longplayers ever’ in der Großhirnrinde abgespeichert, doch Rave war gerade nicht mehr so gefragt und David Holmes hatte den Jungs mit “XTRMNTR” die wohl spleenigste Platte ihrer Karriere untergejubelt (Kill all Hippies, Swastika eyes, hoho!) – abgelegt. Und nun soll sich olle Bobby Gillespie (wieder mit Holmes) anschicken, etwas Nennenswertes zum Popdiskurs beizutragen? Wer’s glaubt … der alten Verbundenheit wegen also doch mal ein Interview rausgekramt – nun, der Junge scheint richtig sauer: Der Zustand der Gesellschaft, das Verhalten der eigenen Musikerzunft lassen ihn verzweifeln, kritische Selbstbetrachtung, Hinterfragen, ehrliche Auflehnung – alles Fehlanzeige, alles Pose, alles verdorben, bullshit wohin man schaut.
Das sind jetzt nicht gerade die exklusivsten Ansichten, die Gillespie da seinem Gegenüber präsentiert, gleichwohl äußert er sie aus exponierter Position und mit ehrlichem Furor, man will’s ihm also glauben. Und dass es genügend gute Gründe für eine Revolte gibt, aber keine Jugend, die sich dafür begeistern ließe, auch das darf als sicher gelten. Wen wundert’s, dass die neue Primal Scream ein recht unentschiedenes, wenig homogenes Werk geworden ist? Die in stein gemeißelte Regel, ein guter Song brauche nicht mehr als dreieinhalb Minuten, haben Primal Scream seit jeher ignoriert, sie nehmen sich auch bei “More Light” die Freiheit, die Mehrheit der Stücke auf Maximallänge zu strecken. Und es funktioniert meistenteils: Schon “2013” baut um Gillespies wütende Nörgelei die Soundwände der frühen Tage – nicht umsonst hat Kevin Shields auf Teilzeitbasis angeheuert – dazu fetter Bass und blechernes Saxophon, wenn nichts geht, geht wenigstens das.
Es folgen jede Menge Psychedelia, Jazz, Blues bis hin zum dramatischen Orchesterreigen, “River Of Pain” ist als dunkle Gewaltphantasie bedrückend und beeindruckend zugleich, “Hit Void” mimt den Rockfetzen und “Tenement Kid” bietet proletarischen Realismus zu elektronisch verschwurbelten Beats. Jedes der Stücke zeigt eine andere Facette, nur wenige von ihnen sind überraschend und neu, dennoch halten sie die Maschine am Laufen und die Drehzahl hoch. Ob Steelguitar mit Bartenderblues (Goodbye Johnny), kribbelnde Raverhythmen (Turn Each Other Inside Out) oder der teuflische “Elimination Blues” zusammen mit Robert Plant, Langeweile mag nicht aufkommen. Was Jason Pierce und seine Spiritualized im letzten Jahr in ein geniales “Hey Jane” gepackt haben, das verteilen Gillespie, Innes und Shields zu dreizehn gleichen Teilen. Das macht die Songs in der Summe vielleicht etwas weniger ergiebig, der Spaß an der Sache bleibt aber dennoch erhalten. Und wen das bittersüße Abschlußstück “It’s Allright, It’s Okay” nicht kriegt, nun, an dem ist dann auch in den 90ern wohl schon einiges vorbeigelaufen. Noch immer gilt: Don’t fight it, feel it! http://www.primalscream.net//
Blackest Black
Wesley Eisold zählt ja seit langer Zeit schon zu den Lieblingen dieses Blogs, auch deshalb, weil er sich in regelmäßigen Abständen mit feinen Veröffentlichungen unter seinem Pseudonym Cold Cave in Erinnerung zu bringen weiß. Waren es erst kürzlich die Stücke "Oceans With No End" und "People Are Poison", kommt er nun mit "Black Boots" um die Ecke - zu beziehen über sein Label Heartworm Records.
Dienstag, 21. Mai 2013
Lauter Liebe
Der kleine Mann ist wieder da: Für Mitte September hat Brian Molko das neue Album von Placebo "Loud Like Love" angekündigt, neben dem Coverentwurf gibt es auch schon ein paar Livetermine für den Herbst:
15.11. Leipzig, Arena Leipzig
16.11. Köln, Lanxess Arena
18.11. Zürich, Hallenstadion
19.11. München, Olympiahalle
21.11. Wien, Stadthalle
24.11. Genf, Genf Arena
27.11. Frankfurt, Festhalle
28.11. Berlin, O2 Arena
05.12. Hamburg, O2 World
15.11. Leipzig, Arena Leipzig
16.11. Köln, Lanxess Arena
18.11. Zürich, Hallenstadion
19.11. München, Olympiahalle
21.11. Wien, Stadthalle
24.11. Genf, Genf Arena
27.11. Frankfurt, Festhalle
28.11. Berlin, O2 Arena
05.12. Hamburg, O2 World
Volle Dröhnung
Na wenn das alles ist, was dieser Tag gebracht hat, dann ist es so schlecht nicht: Anfang September werden The Clash ein prächtig anzuschauendes (und mutmaßlich auch fabelhaft klingendes) Superboxset zum Kauf anbieten. Hinter dem Namen "The Clash Sound System" verbirgt sich ein im Stile eines Radiokassettenrekorders (the English do it better: Boombox) gestaltetes Package, das die fünf LP der Punklegenden in Remasterqualität enthält, dazu drei weitere CD's mit Singles, B-Seiten, Raritäten, etc., eine DVD mit Liveaufnahmen, ein seltenes Fanzine-Reprint und jede Menge Spielzeug für die getreue Gefolgschaft. Für Puristen und Träger schmaler Geldbeutel (weil: 290 US-Dollar) gibt es parallel dazu auch die Doppel-CD "The Clash Hits Back" mit dreiunddreißig Tracks.
Montag, 20. Mai 2013
Selten so gelacht
"Res severa verum gaudium."
Orgelinschrift aus dem Leipziger Gewandhaus:
"Es ist eine ernste Sache, etwas Heiteres zu machen."
Loslassen
Gäbe es ein Mapambulo-Radio, das Stück liefe auf heavy rotation - in den blogeigenen Kleinstcharts wird es ja ohnehin schon seit Wochen gelistet: London Grammar ist mit "Wasting My Young Years" eine wirklich wunderbar zarte Musik gelungen, nun gibt's zum Song auch noch ein schemenhaftes, mystisches Video - hach Gott, mehr braucht's nicht ...
Vitamine
Ein paar Wochen noch, dann steht "BE", das zweite Album von Liam Gallaghers Beady Eye im Regal. Die überraschende Meldung dazu war ja weniger das Cover als die Nachricht, Dave Sitek habe sich mit dem Proller zusammengetan - der zweiten Single des Albums hört man das nun auch nicht unbedingt an - "Second Bite Of The Apple" bei Muzu.TV.
Sonntag, 19. Mai 2013
Gods second son
Samstag, 18. Mai 2013
Tagträumer
Selten wurden Jalousien poetischer in Szene gesetzt als hier: Die französische Band mit dem wunderschönen Namen The Sudden Death Of Stars wird Anfang Juni ihr Debütalbum "Getting Up, Going Down" veröffentlichen, psychedelische Popträume, auch bei der ersten Single "I'll Be There". Die Bildmeditation bei Quietus.com, das Farbenspektakel nachfolgend auf Youtube.
Richtigmacher
Nun ist es raus: Das neue Album von Franz Ferdinand wird "Right Thoughts, Right Words, Right Action" heißen und Ende August beim Dealer zu haben sein. Der kurze Teaser zur Platte holt erst mal die Band aus den Betten, wo genau sie dann zur Präsentation auf der Bühne stehen werden, ist - vom Termin in Hockenheim (Rock'n'Heim, puhhhh...) noch nicht bekannt.
Hinrichtung als Lebenszeichen
Klar ist: Es wird bald ein neues Album des Wu-Tang Clan geben und es wird "A Better Tomorrow" heißen. Soweit, so wunderbar. Um die Wartezeit so angenehm wie möglich zu halten, veröffeentlicht das Label Soul Temple einen Track namens "Execution In Autumn", an dem mit RZA, Raekwon, Inspectah Deck und U-God gleich vier aktuelle Clanmitglieder gearbeitet haben - ob das Stück auf der neuen Platte enthalten sein wird, ist allerings nicht sicher. Hier bei Soul Temple Music.
Freitag, 17. Mai 2013
Schattenboxen
Savages
Gebäude 9, Köln, 16.05.2013
Support: Johnny Hostile
Während die Savages in ihrer Heimat nicht mehr nur als Geheimtipp geführt werden, sondern (natürlich) als the next big thing, füllen sie bei ihrem ersten Deutschlandgig für die Debütplatte „Silence Yourself“ einen Laden wie das Kölner Gebäude 9 gerade mal zu zwei Dritteln – es ist, wie es desöfteren ist: Der Hype als Import hat Startschwierigkeiten. Dabei haben die vier Mädchen aus London auch hierzulande schon einige Anerkennung erfahren dürfen – viel Lob für ihr erstes Album (vier von fünf Punkten beim Rolling Stone, neun von zehn gar bei SPON) und nun noch die Coverstory in der SPEX. Warum sich die Resonanz dennoch so zurückhaltend ausnimmt, klärt der Ortstermin: Die Faszination dieser Band beruht nicht unbedingt auf der Eingängigkeit, der Melodik ihrer Songs – diese verbleiben meist sperrig und verstörend beim Zuhörer, sondern vielmehr auf der Körperlichkeit, der Unmittelbarkeit ihrer Bühnenpräsenz.
Kurz – man muß sie sehen um zu wissen, wie gut sie wirklich sind. Eine sparsame Plattenlänge im gelblich-blauen Gegenlicht also, angry young women in action. Am wenigsten auffällig, weil zurückhaltend und scheinbar in sich versunken agierend: Gitarristin Gemma Thompson. Der Gegensatz: Jehnny Beth, das Wutbündel am Mikrophon, auf der Bühne am ehesten an Hilary Swank in „Million Dollar Baby“ erinnernd – düster dreinblickende, energiegeladene Schattenboxerin, tänzelnd, abwartend, um im richtigen Augenblick zu explodieren. Ayse Hassan spielt ihren Bass tatsächlich, wie oft zu lesen war, über das komplette Set mit geschlossenen Augen und einem leichten Lächeln auf den Lippen. Im Hintergrund und dem Publikum trotzdem sehr nahe: Fay Milton, Schlagzeugerin, die mit Hingabe und beseeltem Grinsen ihre Arbeitsgeräte vertrimmt, man schaut ihnen allen einfach gern bei der Arbeit zu.
Der Sound: trocken, laut, voll, agressiv – „Shut Up“, „City’s Full“, „No Face“ – die Platte kommt ungeschliffen, noch eine Spur roher zur Aufführung. Am druckvollsten hier, was auch auf der Vorlage heraussticht – das bittere Mantra, zum zornigen Geschrei gesteigert bei „She Will“, der knüppelharte Beat von „Hit Me“ und das rastlose Keuchen in „Husbands“. Den Schlußpunkt setzt „Fuckers“ – eine Art Manifest der vier: „Don’t let the fuckers get you down“, als letzter Aufschrei kulminiert das Stück in minutenlagem Trommelfeuer und infernalischem Getöse, es ist vollbracht. Dass sie ohne Zugabe von der Bühne gehen, ist schade, aber nicht wirklich ärgerlich, wer sich derart verausgabt, hat Nachsicht verdient. Bald werden sie in Berlin für Portishead eröffnen, einer Band also, die die gleiche Wucht mit gänzlich anderen Mitteln zu entfachen versteht – ein armer Narr, wer das vor Ort liegen läßt.
Anbei noch ein Mitschnitt von "Fuckers" aus dem Konzert der Savages im Electric Ballroom in London vom Februar 2013 - hier bei Youtube.
42 plus 2
Daft Punk
„Random Access Memories“
(Sony)
Seit jeher sind Fragen, die uns zum Thema Zukunft und künstliche Intelligenz einfallen, entweder sehr komplex oder sehr wirr, bestenfalls auch beides. Da hätten wir: “Dream androids of electric sheep?” (Dick) oder “Are Friends Electric?” (Numan) und natürlich “The ultimate question of life, the universe and everything“ (Adams). Na gut, die Antwort auf letzteres ist soweit klar – 42, für den Rest steht sie allerdings noch aus. Weitaus einfacher sollte aber zu klären sein, ob Roboter denn eigentlich tanzen können. Selbstverständlich können sie, Kraftwerk haben diesen Beweis schon in den Siebzigern auf geniale Weise erbracht. Was bei der Sache damals allerdings gröbstens vernachlässigt wurde, war der Spaß an der Sache. Und hier nun kommen Guillaume Emmanuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter ins Spiel. Denn wenn ein Roboter Wert auf intelligente (vorausgesetzt) und zugleich lässig/coole (empfohlen) Tanzmusik legt, dann landet er seit 1993 unweigerlich bei Daft Punk, dem nicht minder genialen Projekt der beiden Franzosen. Und – noch einmal ein kräftiges “Ja!” – die Maschinen können sich gemeinsam mit uns Menschen freuen, denn die neue Daft Punk ist genau für sie wie für uns: The Soundtrack of our digital live.
Das Erstaunliche an dieser Platte mit dem romantisch anmutenden Titel ist allerdings nicht, dass Daft Punk immer noch genau wissen, wie man Electrofunk und House buchstabiert – sie haben in dieser Beziehung nichts verlernt und geben mit der ersten Hälfte von „RAM“ eine Lehrstunde in Sachen ordnungsgemäßer Animation. Es überrascht eher, dass man dieses Album auf einem komplett anderen Level verläßt als das, auf welchem man eingestiegen ist. Die ersten sechs Stücke bieten dem Zuhörer genügend Gelegenheit zum entspannten Mitwippen, die hat der Groove der beiden komplett im Griff und alles, was man von den Vorgängerwerken kennt und schätzt, ist bestens dosiert vertreten: Verfremdetes Vocodersampling, quecksilbrige Synthieloops, feinstes Gitarrenpicking, infektiöser Beat – man kommt ihnen nicht aus. Mittendrin Giovanni „Everyone calls me Gorgio“ Moroder, der – einem Beamten gleich und mit holprigem Akzent – seine Berufung zum besten gibt, auch daraus macht das Duo eine nahezu perfekte Tanznummer, hier sitzt jeder Klick und jedes Beep und selbst die fast schon obligatorische Breitbeingitarre (siehe Frank Ocean, Muse, etc.) passt ins Bild.
Nachdem dann mit Pharrell Williams ein weiterer Gast kurz die Bühne verläßt – natürlich nicht ohne vorher mit „Loose Yourself To Dance“ kräftigst eingeheizt zu haben, kommt mit Paul ein weiterer Williams ins Programm und verpaßt der Platte mit „Touch“ die erste Zäsur. Denn auch wenn der Hintergrund mit technoidem Trance geschmückt wird, überrascht doch die zerbrechliche, klare Stimme der Songschreiberlegende aus den 70ern, der Muppetmann hebt den Song zusammen mithilfe von Daft Punk zum Alleinstellungsmerkmal und läßt unbedingt aufhorchen. Und es kommen noch andere Ausflüge, wenn auch nicht mehr vom selben Kaliber. Nach dem zweifellos großartigen Hit „Get Lucky“, der all der Hysterie um das Album hochoffiziell und als erstes Recht geben durfte (und das wieder mit Pharrell Williams) leitet der smoothe Schummerfunk von „Beyond“ zu einer weiteren angenehmen Irritation.
„Motherboard“, qua Namen zum Hauptspeicher der Platte erhoben, kommt ganz ohne Glitzer und Glamour aus, im Stile der klassischen Synthie-Altvorderen Tangerine Dream ist hier vieles flächig, verschlungen und schwer aufbereitet, erst später pumpen die Drums den Track in bewegtere Bahnen – nicht zum ersten Mal fallen einem hier auch die Landsleute von Air ein. Dass „Doin‘ It Right“ kein Fast Food werden würde, konnte man schon bei der Nennung von Noah Benjamin Lennox, aktivem Mitglied des Animal Collectives, erahnen, der Sound bleibt dennoch satt und wummert mächtig in den Gehörgängen. Standesgemäß folgt am Ende mit „Contact“ und dem alten Bekannten Stéphane Quême alias DJ Falcon ein hochgepitchtes Finale inklusive kolabierenden Systemen – all machines down. Und sonst? Nile Rogers darf keinesfalls unterschlagen werden - dagegen: Julian Casablancas ist auch mit dabei („Instand Crush“), bleibt aber auf der Payroll nicht mehr als eine Fußnote, das Album ist auch so schon groß genug. Und irgendwie beschleicht einen am Ende die Ahnung, dass auch diese fabelhafte Musik das Zeug dazu hätte, die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wenigstens ein Stück weit zu beantworten. http://www.daftalive.com/
„Random Access Memories“
(Sony)
Seit jeher sind Fragen, die uns zum Thema Zukunft und künstliche Intelligenz einfallen, entweder sehr komplex oder sehr wirr, bestenfalls auch beides. Da hätten wir: “Dream androids of electric sheep?” (Dick) oder “Are Friends Electric?” (Numan) und natürlich “The ultimate question of life, the universe and everything“ (Adams). Na gut, die Antwort auf letzteres ist soweit klar – 42, für den Rest steht sie allerdings noch aus. Weitaus einfacher sollte aber zu klären sein, ob Roboter denn eigentlich tanzen können. Selbstverständlich können sie, Kraftwerk haben diesen Beweis schon in den Siebzigern auf geniale Weise erbracht. Was bei der Sache damals allerdings gröbstens vernachlässigt wurde, war der Spaß an der Sache. Und hier nun kommen Guillaume Emmanuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter ins Spiel. Denn wenn ein Roboter Wert auf intelligente (vorausgesetzt) und zugleich lässig/coole (empfohlen) Tanzmusik legt, dann landet er seit 1993 unweigerlich bei Daft Punk, dem nicht minder genialen Projekt der beiden Franzosen. Und – noch einmal ein kräftiges “Ja!” – die Maschinen können sich gemeinsam mit uns Menschen freuen, denn die neue Daft Punk ist genau für sie wie für uns: The Soundtrack of our digital live.
Das Erstaunliche an dieser Platte mit dem romantisch anmutenden Titel ist allerdings nicht, dass Daft Punk immer noch genau wissen, wie man Electrofunk und House buchstabiert – sie haben in dieser Beziehung nichts verlernt und geben mit der ersten Hälfte von „RAM“ eine Lehrstunde in Sachen ordnungsgemäßer Animation. Es überrascht eher, dass man dieses Album auf einem komplett anderen Level verläßt als das, auf welchem man eingestiegen ist. Die ersten sechs Stücke bieten dem Zuhörer genügend Gelegenheit zum entspannten Mitwippen, die hat der Groove der beiden komplett im Griff und alles, was man von den Vorgängerwerken kennt und schätzt, ist bestens dosiert vertreten: Verfremdetes Vocodersampling, quecksilbrige Synthieloops, feinstes Gitarrenpicking, infektiöser Beat – man kommt ihnen nicht aus. Mittendrin Giovanni „Everyone calls me Gorgio“ Moroder, der – einem Beamten gleich und mit holprigem Akzent – seine Berufung zum besten gibt, auch daraus macht das Duo eine nahezu perfekte Tanznummer, hier sitzt jeder Klick und jedes Beep und selbst die fast schon obligatorische Breitbeingitarre (siehe Frank Ocean, Muse, etc.) passt ins Bild.
Nachdem dann mit Pharrell Williams ein weiterer Gast kurz die Bühne verläßt – natürlich nicht ohne vorher mit „Loose Yourself To Dance“ kräftigst eingeheizt zu haben, kommt mit Paul ein weiterer Williams ins Programm und verpaßt der Platte mit „Touch“ die erste Zäsur. Denn auch wenn der Hintergrund mit technoidem Trance geschmückt wird, überrascht doch die zerbrechliche, klare Stimme der Songschreiberlegende aus den 70ern, der Muppetmann hebt den Song zusammen mithilfe von Daft Punk zum Alleinstellungsmerkmal und läßt unbedingt aufhorchen. Und es kommen noch andere Ausflüge, wenn auch nicht mehr vom selben Kaliber. Nach dem zweifellos großartigen Hit „Get Lucky“, der all der Hysterie um das Album hochoffiziell und als erstes Recht geben durfte (und das wieder mit Pharrell Williams) leitet der smoothe Schummerfunk von „Beyond“ zu einer weiteren angenehmen Irritation.
„Motherboard“, qua Namen zum Hauptspeicher der Platte erhoben, kommt ganz ohne Glitzer und Glamour aus, im Stile der klassischen Synthie-Altvorderen Tangerine Dream ist hier vieles flächig, verschlungen und schwer aufbereitet, erst später pumpen die Drums den Track in bewegtere Bahnen – nicht zum ersten Mal fallen einem hier auch die Landsleute von Air ein. Dass „Doin‘ It Right“ kein Fast Food werden würde, konnte man schon bei der Nennung von Noah Benjamin Lennox, aktivem Mitglied des Animal Collectives, erahnen, der Sound bleibt dennoch satt und wummert mächtig in den Gehörgängen. Standesgemäß folgt am Ende mit „Contact“ und dem alten Bekannten Stéphane Quême alias DJ Falcon ein hochgepitchtes Finale inklusive kolabierenden Systemen – all machines down. Und sonst? Nile Rogers darf keinesfalls unterschlagen werden - dagegen: Julian Casablancas ist auch mit dabei („Instand Crush“), bleibt aber auf der Payroll nicht mehr als eine Fußnote, das Album ist auch so schon groß genug. Und irgendwie beschleicht einen am Ende die Ahnung, dass auch diese fabelhafte Musik das Zeug dazu hätte, die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wenigstens ein Stück weit zu beantworten. http://www.daftalive.com/
Unglück verjährt nicht
The National
„Trouble Will Find Me“
(4AD)
Matt Berninger ist kein einfacher Mensch. Und er ist ganz sicher nicht das, was einem zwingend zur Spezies Rockstar einfällt. Gerade erst eröffnete „Mistaken For Strangers“ das New Yorker Tribeca Film Festival, eine Livedokumentation seines jüngeren Bruder Tom, der sich für die Dauer einer Konzerttournee von The National als Newbie unter die Roadies mischte und fortan die Kamera gnadenlos auf alles draufhielt, was ihm berichtenswert schien. Kurz: Tom meets Matt und Matt hatte nicht selten die Nase gestrichen voll davon. Neben all den stimmungsvollen Bühnenbildern flogen so auch mal Gegenstände durch die Leinwanddiagonale, Geschrei, Kopfschütteln, Bilder mit Wahnwitz und Ironie, der ganze Irrsinn eben. In einer Einstellung läßt sich der Bandleader geduldig mit weiblichen Fans in der Öffentlichkeit ablichten – quietschbuntes, aufgekratztes Gekicher und Getuschel im Großstadtrummel, mittendrin der schwarzgewandete, stoisch dreinblickende, sonnenbebrillte Berninger, der hier nur das tut, was er muß, und nicht das, was er mag.
Ganze drei Jahre hatte Matt Berninger nun Zeit, für den Nachfolger zum letzten Album „High Violet“ auf das vielstimmige Raunen seiner inneren Dämonen zu hören, denn diese, das weiß man, sind quasi die Ghostwriter seiner Texte. Und was soll man sagen – sie haben sich zusammen für „Trouble Will Find Me“ richtig Mühe gegeben, so viel, dass man versucht ist zu behaupten, diese Platte schließe nahtlos an die Großwerke „Alligator“ und „Boxer“ an. Berninger gibt in gewohnter Manier den Grübler, den Schmerzensmann, der sich auf alttestamentarische Weise selbst verflucht („I Should Live In Salt“), der für die eigene Gram noch immer Redewendungen findet, die ihresgleichen suchen: „When I walk into a room, I do not light it up. Fuck“ („Demons“) oder „I have only two emotions, careful fear and dead devotion, I can't get the balance right, throw my marbles in the fight“ („Don’t Swallow The Cap“).
Verwünschungen, Schuld und Sühne, jede Menge Frauennamen geistern durch die Zeilen seiner Beichtgesänge. Wirklich wenige können so anrührend und glaubwürdig über den eigenen Gedankenwirrwarr singen wie der bärtige Grummler aus Cincinnati und wenn man nicht wüßte, dass Berninger laut eigener Auskunft ein durchaus unverkrampftes Verhältnis zum Teufel Alkohol pflegt, man müßte sich fragen, wie das alles sonst zu ertragen wäre. Die Musik zum wohltönenden Barriton ist gewohnt dicht, selten aufgekratzt und nimmt sich gern zurück, die Unterschiede zwischen den einzelnen Songs markiert einzig die Taktzahl der Drums, die sich – mal schneller („Don’t Swallow The Cap“/„Graceless“/“Humilations“), mal träge (alle anderen) – nie in den Vordergrund drängen, sondern stets Berningers Gesang die Bühne überlassen.
Es bleibt also der ausschließliche und lohnende Zeitvertreib des Zuhörers, den Tiraden, Klagen und sarkastischen Erzählungen Berningers zu lauschen, man ist und bleibt Zeuge intimer („I was a television version of a person with a broken heart … somebody said you disappeared in a crowd, I didn't understand then, I don't understand now“, Pink Rabbits) und versöhnlicher Einsichten („If I tried you'd probably be hard to find“, Hard To Find) und fühlt sich manchmal vielleicht etwas unwohl in der Rolle des stillen Beobachters. Trotzdem wünscht man dem Mann, hier wird’s dann etwas absurd und unfair, auch in Zukunft nicht unbedingt das Wohlbefinden und die Erlösung, die er sich so dringend erhofft – wer sollte einem denn sonst die Nichtigkeit der eigenen Sorgen derart kunstvoll vor Augen führen, wem würde man dann beim Leiden zuhören wollen? Nichts für ungut Matt, that’s simply your business. http://www.americanmary.com/
21. bis 23.06. Hurricane Festival
21. bis 23.06. Southside Fetival
04.11. Berlin, Max-Schmeling-Halle
05.11. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall
„Trouble Will Find Me“
(4AD)
Matt Berninger ist kein einfacher Mensch. Und er ist ganz sicher nicht das, was einem zwingend zur Spezies Rockstar einfällt. Gerade erst eröffnete „Mistaken For Strangers“ das New Yorker Tribeca Film Festival, eine Livedokumentation seines jüngeren Bruder Tom, der sich für die Dauer einer Konzerttournee von The National als Newbie unter die Roadies mischte und fortan die Kamera gnadenlos auf alles draufhielt, was ihm berichtenswert schien. Kurz: Tom meets Matt und Matt hatte nicht selten die Nase gestrichen voll davon. Neben all den stimmungsvollen Bühnenbildern flogen so auch mal Gegenstände durch die Leinwanddiagonale, Geschrei, Kopfschütteln, Bilder mit Wahnwitz und Ironie, der ganze Irrsinn eben. In einer Einstellung läßt sich der Bandleader geduldig mit weiblichen Fans in der Öffentlichkeit ablichten – quietschbuntes, aufgekratztes Gekicher und Getuschel im Großstadtrummel, mittendrin der schwarzgewandete, stoisch dreinblickende, sonnenbebrillte Berninger, der hier nur das tut, was er muß, und nicht das, was er mag.
Ganze drei Jahre hatte Matt Berninger nun Zeit, für den Nachfolger zum letzten Album „High Violet“ auf das vielstimmige Raunen seiner inneren Dämonen zu hören, denn diese, das weiß man, sind quasi die Ghostwriter seiner Texte. Und was soll man sagen – sie haben sich zusammen für „Trouble Will Find Me“ richtig Mühe gegeben, so viel, dass man versucht ist zu behaupten, diese Platte schließe nahtlos an die Großwerke „Alligator“ und „Boxer“ an. Berninger gibt in gewohnter Manier den Grübler, den Schmerzensmann, der sich auf alttestamentarische Weise selbst verflucht („I Should Live In Salt“), der für die eigene Gram noch immer Redewendungen findet, die ihresgleichen suchen: „When I walk into a room, I do not light it up. Fuck“ („Demons“) oder „I have only two emotions, careful fear and dead devotion, I can't get the balance right, throw my marbles in the fight“ („Don’t Swallow The Cap“).
Verwünschungen, Schuld und Sühne, jede Menge Frauennamen geistern durch die Zeilen seiner Beichtgesänge. Wirklich wenige können so anrührend und glaubwürdig über den eigenen Gedankenwirrwarr singen wie der bärtige Grummler aus Cincinnati und wenn man nicht wüßte, dass Berninger laut eigener Auskunft ein durchaus unverkrampftes Verhältnis zum Teufel Alkohol pflegt, man müßte sich fragen, wie das alles sonst zu ertragen wäre. Die Musik zum wohltönenden Barriton ist gewohnt dicht, selten aufgekratzt und nimmt sich gern zurück, die Unterschiede zwischen den einzelnen Songs markiert einzig die Taktzahl der Drums, die sich – mal schneller („Don’t Swallow The Cap“/„Graceless“/“Humilations“), mal träge (alle anderen) – nie in den Vordergrund drängen, sondern stets Berningers Gesang die Bühne überlassen.
Es bleibt also der ausschließliche und lohnende Zeitvertreib des Zuhörers, den Tiraden, Klagen und sarkastischen Erzählungen Berningers zu lauschen, man ist und bleibt Zeuge intimer („I was a television version of a person with a broken heart … somebody said you disappeared in a crowd, I didn't understand then, I don't understand now“, Pink Rabbits) und versöhnlicher Einsichten („If I tried you'd probably be hard to find“, Hard To Find) und fühlt sich manchmal vielleicht etwas unwohl in der Rolle des stillen Beobachters. Trotzdem wünscht man dem Mann, hier wird’s dann etwas absurd und unfair, auch in Zukunft nicht unbedingt das Wohlbefinden und die Erlösung, die er sich so dringend erhofft – wer sollte einem denn sonst die Nichtigkeit der eigenen Sorgen derart kunstvoll vor Augen führen, wem würde man dann beim Leiden zuhören wollen? Nichts für ungut Matt, that’s simply your business. http://www.americanmary.com/
21. bis 23.06. Hurricane Festival
21. bis 23.06. Southside Fetival
04.11. Berlin, Max-Schmeling-Halle
05.11. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall
Mittwoch, 15. Mai 2013
Karrieresprung
Doch, da darf man sich durchaus freuen: Die Dodos aus San Francisco, an dieser Stelle schon mal als Knüppelfolker bezeichnet, werden bald den Nachfolger zu ihrem letzten Album "No Color" vorstellen. "Carrier" wird das Ding heißen und mit "Confidence" liegt bei Soundcloud auch schon die erste Hörprobe vor.
Dienstag, 14. Mai 2013
Spannungsabfall
The Boxer Rebellion
„Promises“
(Absentee Recordings)
Irgendwie treiben einen die Jungs mit dem geschichtsträchtigen Namen immer noch um und man weiß nicht genau, woran das eigentlich liegt. Am letzten Album? Wohl kaum – „The Cold Still“ war nicht mehr als eine gediegene Durchschnittsleistung und selbst für diese Einschätzung musste der Zuhörer einen guten, einen gnädigen Tag erwischen. Ein einziger Song auf dieser Platte, der sich vom weichgespülten Einerlei abhob – „Step Out Of The Car“ weckte Hoffnungen, die der Rest nicht erfüllen konnte. Nun, das Gleiche ist ihnen auch bei „Promises“ gelungen – der Beifall für diesen zweifelhaften Verdienst dürfte sich allerdings in Grenzen halten. „Diamonds“ also – ohne Zweifel ein gradioses Stück Dreampop, einschmeichelnd, watteweich, auch das will so erst mal gezwungen werden. Danach allerdings, das ist die traurige Nachricht, gelingt es keinem der folgenden Stücke auch nur ansatzweise, diese Qualität zu halten. Rasanter Spannungsabfall bis hin zur Belanglosigkeit, wenn „Fragile“ und „Always“ noch mit ein paar schönen Akkorden glänzen können, irgendwann sorgt die Aneinanderreihung all dieser überzuckerten, gefühligen Balladen unweigerlich zu Übersättigung und Völlegefühl – spätestens bei „New York“, der x-ten und leider auch x-beliebigsten Liebeserklärung an die Megacity der Träume ist’s mit dem Wohlwollen vorbei, ans Ende des Werks gelangt man nur mit aufeinandergebissenen Zähnen und einer gehörigen Portion Pflichtgefühl. Einzig die Macher US-amerikanischer Arzt-Schmonzetten dürfen sich schon mal die Hände reiben – „Promises“ bietet jede Menge tränengetränktes Soundtrackfutter. Viel mehr aber eben nicht. http://www.theboxerrebellion.com/
17.09. Köln, Gebäude 9
19.09. Berlin, Lido
25.09. Leipzig, Werk 2
27.09. Frankfurt, Das Bett
29.09. München, Ampere
„Promises“
(Absentee Recordings)
Irgendwie treiben einen die Jungs mit dem geschichtsträchtigen Namen immer noch um und man weiß nicht genau, woran das eigentlich liegt. Am letzten Album? Wohl kaum – „The Cold Still“ war nicht mehr als eine gediegene Durchschnittsleistung und selbst für diese Einschätzung musste der Zuhörer einen guten, einen gnädigen Tag erwischen. Ein einziger Song auf dieser Platte, der sich vom weichgespülten Einerlei abhob – „Step Out Of The Car“ weckte Hoffnungen, die der Rest nicht erfüllen konnte. Nun, das Gleiche ist ihnen auch bei „Promises“ gelungen – der Beifall für diesen zweifelhaften Verdienst dürfte sich allerdings in Grenzen halten. „Diamonds“ also – ohne Zweifel ein gradioses Stück Dreampop, einschmeichelnd, watteweich, auch das will so erst mal gezwungen werden. Danach allerdings, das ist die traurige Nachricht, gelingt es keinem der folgenden Stücke auch nur ansatzweise, diese Qualität zu halten. Rasanter Spannungsabfall bis hin zur Belanglosigkeit, wenn „Fragile“ und „Always“ noch mit ein paar schönen Akkorden glänzen können, irgendwann sorgt die Aneinanderreihung all dieser überzuckerten, gefühligen Balladen unweigerlich zu Übersättigung und Völlegefühl – spätestens bei „New York“, der x-ten und leider auch x-beliebigsten Liebeserklärung an die Megacity der Träume ist’s mit dem Wohlwollen vorbei, ans Ende des Werks gelangt man nur mit aufeinandergebissenen Zähnen und einer gehörigen Portion Pflichtgefühl. Einzig die Macher US-amerikanischer Arzt-Schmonzetten dürfen sich schon mal die Hände reiben – „Promises“ bietet jede Menge tränengetränktes Soundtrackfutter. Viel mehr aber eben nicht. http://www.theboxerrebellion.com/
17.09. Köln, Gebäude 9
19.09. Berlin, Lido
25.09. Leipzig, Werk 2
27.09. Frankfurt, Das Bett
29.09. München, Ampere
Abonnieren
Posts (Atom)


















