Mittwoch, 11. April 2012

Letzte Chance



Nicht viel übrig geblieben von der großartigen Reputation einer Scarlett Johansson - selbst die Marilyn spielt nun Michelle Williams, Johansson dagegen müht sich an der Seite von Matt Damon durch Cameron Crowe's "Wir kaufen einen Zoo" - puhhh. Da kann etwas Coolness nicht schaden, also her mit den Produzenten 3D (Massive Attack) und DFA's Tim Goldsworthy und eine fette Version von George Gershwins "Summertime" aufgenommen. Erschienen auf dem Soundtrack zu Everardo Valerio Gouts Thriller "Days Of Grace" - nun, wenn's denn hilft.

Geteiltes Leid

Xiu Xiu, Kranhalle, München, 10. April 2012 (Support: AU)
Konzerte von Xiu Xiu sind so etwas wie Leiden im halböffentlichen Raum, der Besucher zahlt also einen kleinen Beitrag, um einen bestmöglichen Ausblick auf die Selbstgeißelung von Jamie Stewart, vorgetragen mit seiner derzeit dreiköpfigen Begleitband, zu erhaschen. So auch am gestern in der mäßig gefüllten Kranhalle des Münchner Feierwerks. Fairerweise sollte man keinem Menschen vorwerfen, sich an diesem Abend für eine andere Form der Unterhaltung entschieden zu haben – die Auftritte der Amerikaner gelten als nicht sonderlich einfach rezipierbar, angefangen bei der quasi nicht vorhandenen Interaktion mit dem Publikum, verbreiten die vier auf und vor der Bühne ein körperlich spürbares Unwohlsein, eine unangenehme Schnittmenge aus schroffer, abweisender Gestik und gehetzter Unruhe. Am deutlichsten fokussiert sich das natürlich in der Person Jamie Stewarts selbst – ein Getriebener, der sich mit entrücktem Blick über seiner Gitarre krümmt, seine (selbstbezeugt) kranke Gefühlswelt den neugierigen Blicken da unten zum Fraß vorwirft und dabei augenscheinlich derart unter Druck steht, dass man meint, er werde den Abend nicht heil zu Ende bringen können.

Tut er natürlich doch – bei allem Befremden muss man ihm und seiner Band zugute halten, dass die Musik, die diese zur Schau gestellte Qual untermalt und transformiert, wunderbarer, feinster Indie- und Postrock ist – kalt, natürlich, aber eben auch faszinierend. Das gilt für die Stücke seines fabelhaften neuen Albums „Always“, hier vor allem die Single „Hi“, „Joey’s Song“ und „Beauty Towne“, genauso wie für ältere Songs, mit „Fabulous Muscles“, „The Fox And The Rabbit“, „I Love The Valley, OH!“ mischt er sein Set ausgewogen zwischen früher und heute. Zwischendurch immer wieder die fast zwanghafte Mundspülung mittels zweier verschiedener Flüssigkeiten, das eigenhändige Wechseln einer Gitarrensaite (anderswo vom emsigen Roadie mittels Zweitinstrument schnell überbrückt) gerät bei Stewart – keiner im Publikum wagt auch nur einen Laut von sich zu geben – zur spannungsgeladenen, sprichwörtlichen Zerreißprobe. Um so lauter dann der Jubel für zwei gelungene Coverversionen: Schon „Ceremony“ aus dem Spätwerk von Joy Division scheint wie für diese Band und diesen Abend gemacht, bei der furiosen Zugabe „Frankie Teardrop“ von Suicide taumelt und springt Stewart, vom eigenen Mikrofonkabel gewürgt, mit luzidem Grinsen über die Bühne – die ganz große Show. Und mit Sicherheit das Ende eines eigenwilligen, aber gelungenen Abends. Xiu Xiu "Gray Death", Bowery Ballroom, 2010

Dienstag, 10. April 2012

Muss man nicht



Kann man mögen - muss man aber nicht: Würde hinter dem Projekt nicht ein honorabler Name wie Brett Nelson, Bassist der Formation Built To Spill, stecken, man müsste glauben, hier hätte sich jemand einen ganz üblen Scherz erlaubt. Denn einen Titel wie Dinosaur jr.'s "The Lung" derart verunstaltet und fast ohne jeden Wiedererkennungswert nochmals einzuspielen - dazu gehören jede Menge Mut und Humor. Zum Record Store Day am 21. April ist jedoch, wie man weiß, nahezu alles erlaubt, und so machte sich Nelson für sein Electronic Anthology Project an die Bearbeitung einiger Mascis-Klassiker und bekam dazu höchstselbst vom Meister neue Vocals samt Absolution gereicht. Ein Vergleich gefällig? Bitte: alt und neu.

Sonntag, 8. April 2012

Halbsowild


The Wedding Present „Valentina“ (Scopitones)
Diese neue Platte ist eine eigenartige geworden – keine schlechte, gewiß nicht, aber etwas seltsam schon. Seit 1985 kämpfen Wedding Present, wenn man das so sagen darf, an vorderster Schrammelfront, „Valentina“ ist ihre achte Platte. In der Zeit zwischen den Jahrtausenden, immerhin acht Jahre, schien es, als ob sich Bandgründer, Ideengeber und Sänger David Gedge mit dem Ende der Band abgefunden hätte – und doch gab es mit „Take Fountain“ 2005 eine überraschende Rückkehr. Heute weiß man, dass das Quartett aus Leeds seine besten Zeiten, trotz der Wiederauferstehung, da schon gesehen hatte – „George Best“, „Bizarro“ und „Seamonsters“ erscheinen mit jedem neuen Album ein Stück größer und es ist sicher kein Zufall, dass Wedding Present seit dem vergangenen Jahr nicht mit den neuen Songs, sondern – der derzeitigen Mode folgend – mit einer Komplettaufführung ihres 91’er Albums „Seamonsters“ touren. Neues für die Couch, altes für die Clubs? Ganz so schlimm ist es nun doch nicht geworden, auch wenn es den letzten Platten, „Valentina“ eingeschlossen, an dem Furor und der unvergleichlichen Energie der Frühwerke fehlt, für den Tanztee kommen sie gottlob noch zu krachert daher.

Über die Themenauswahl muß sich bei Wedding Present niemand beschweren – Gedge war und ist seit jeher ein Mann, der seinen Beziehungswirrwar mit Vorliebe in die eigenen Lieder packt – so handelt auch der Großteil der zehn Stücke des vorliegenden Albums vom Lieben und Scheitern, vom Wollen und Müssen und Lassen. Der Start gerät als Mischung aus Carl Barats Dirty Pretty Things und Nancy Sinatra – beide haben sich am großen Bang! schon abgearbeitet, Gedge tut nun seinen Teil dazu, und gibt am Ende doch den Kleinlauten („Okay, call me“). „You Jane“ erinnert am ehesten an zurückliegende, wildere Glanzzeiten – das ist schnell, das tut gut. In der Folge wird das Zwischenmenschliche in allen Erscheinungsformen bespiegelt und variiert, selbst vor astronomischen Bezügen schreckt Gedge nicht zurück („524 Fidelio“). Textlich wirkt das manches Mal ein wenig platt wie bei „Deer Caught In The Headlights“, wenn er räsoniert: „If I were a painter, I just paint portraits of you, you’ld been everything I do”, auch “End Credits” kann mit solchen Weisheiten aufwarten: “… the closer I get to you, the further I get away from me…”.

Der interessanteste Ausflug gelingt ihm allerdings mit der späten Beichte “The Girl From The DDR“ – und das meint nicht die eingehauchte Triviallyrik wie „Ich warte auf Dich!“ und „Ruf mich an!“ – das Lied führt einem schmerzhaft den Sommer 1988 in Erinnerung, da man als Heranwachsender, dem die nötige Stromlinienförmigkeit nicht anerzogen war, die schmerzvolle Erfahrung der Entbehrung machen musste: Zum Geburtstag der FDJ waren damals nicht nur The Wedding Present, sondern auch Depeche Mode in die Berliner Seelenbinder-Halle geladen – drinnen die Funktionäre, draußen die Fans, ein Jammer. Vorbei. Was Wedding Present auf „Valentina“ musikalisch bieten, bleibt unentschieden, zu oft zurückhaltend, so als trauten sie sich das laute Getöse ihrer alten Songs „Brassneck“, „Suck“ oder „Getting Nowhere Fast“ nicht mehr zu. Das ist schade, im Lichte der Altersmilde betrachtet, der man selbst ja auch verpflichtet fühlt, lässt sich trotzdem damit leben. Man wird halt bis zum Herbst durchhalten müssen und dann kontrollieren, ob ihnen die Monster noch aus der Hand fressen. Und für die kleineren Beziehungsstürme zwischendurch taugt „Valentina“ ja allemal … The Wedding Present bei www.scopitones.co.uk

Freitag, 6. April 2012

Gar nicht komisch



Screaming Females "Ugly"
(Don Giovanni Records)
Marissa Paternoster also. Das entbehrt natürlich für eine Rezension, die man am Karfreitag schreibt, nicht einer gewissen Komik. Haha – und aus. Denn komisch wollen die Screaming Females aus New Jersey nun wirklich nicht sein – eher heiliger Ernst, Knochenarbeit: Paternoster (Geschrei/Gitarre), Jarett Dougherty (Drums) und King Mike (Bass) legen los, als hätten die 90er nicht aufgehört und als gelte es, dem Grunge ein weiteres, schmutziges Kapitel hinzuzufügen. An diesem Kapitel arbeiten die drei im Übrigen schon seit 2006, bis heute sind nicht weniger als fünf Alben und diverse Singles zusammengekommen, zum großen Durchbruch hat’s bisher trotzdem nicht gereicht. Woran genau dieser gescheitert ist, bleibt unklar – „Ugly“ jedenfalls ist neben allen Grungereminiszenzen ein mehr als gelungenes Stück Garagepunk, roh, unmittelbar und böse. Was die Frontfrau da ins Mikro spuckt, hat mit dem „Vaterunser“ herzlich wenig zu tun. Das hier sind eher die Wutgesänge einer unverstandenen und enttäuschten Generation („Nobody knows just how I feel“/“5 High“) – die mantraartig vorgetragene Liedzeile „I’m a rotten apple“ klingt wohl eher nach hoffnungslosem Selbstekel als nach demütigem Bittgebet. Die Begleitmusik dazu ist herrlich schroffer Hardcore, hart angerissene Chords, gemischt mit der ausufernden, zerfransten Saitenquälerei ebenjener Grunge-Ikonen wie den frühen Pearl Jam, den Screaming Trees oder auch Janes Addiction. Das darf dann schon auch mal länger dauern – das grandiose „Doom 84“ schafft es immerhin auf knappe acht Minuten und trotzdem ist keine zuviel dabei. Stilbruch am Schluß: „It’s Nice“ präsentiert sich als Akustik-Ballade mit trügerisch süßen Streichern – „… they take me out, they make it fair, and everyone is running scared, the biggest joke, the brightest smile, I feel just like a little child – and it’s nice …”, was wie versöhnliches Sentiment anmutet, ist doch nur trauriger Abgesang. Große Platte – und überhaupt nicht häßlich. Live-Stream auf valve, Website unter http://screamingfemales.com

Donnerstag, 5. April 2012

Das also auch



Das, was den deutschen Betrachter ein wenig an die infantilen Klecksereien eines Udo Lindenberg erinnert, stammt in Wahrheit von Kurt Cobain und befindet sich laut Internetmagazin the fix in einem Lager in Los Angeles. Es handelt sich um insgesamt fünf Bilder, die nach dem Willen von Witwe Courtney Love achtzehn Jahre nach dem Selbstmord des Sängers und Bandleaders von Nirvana baldmöglichst meistbietend verscherbelt werden sollen.

Stahlgewitter?



Oder doch eher Leichtmetallschnulze? Zum Film "Iron Sky" hatten wir's hier ja schon, nun gibt es den ersten Song "Under The Iron Sky" aus dem Soundtrack, der bekanntermaßen von Laibach stammt. Diese werden laut thequietus resp. Label Mute Records im Sommer auch noch eine weitere Platte mit dem Titel "An Introduction To ... Laibach / Reproduction Prohibited" mit größtenteils bekanntem Material veröffentlichen, dazu allerdings auch noch zwei neue Titel: ein Cover zu "Warm Leatherette" von The Normal (hier "Warme Lederhaut") und eine Neubearbeitung von Dylans "Ballad Of A Thin Man" - machen dann hoffentlich etwas mehr her als die kitschige Untermalung des Nazi-SciFis.

Gute Wahl



Die dürfen das: Die hochverehrten Wild Flag haben während ihres Tourstopps in Boston "Margin Walker" der ebenso vergötterten Fugazi zum Besten gegeben - zu sehen/hören bei pitchfork.

Draußen nur Kännchen


Die SPEX hat also einen neuen Chefredakteur - Jan Kedves und Wibke Wetzker sind es nicht mehr, nun versucht sich Torsten Groß, gerade erst beim deutschen Rolling Stone geschasst, an der Fürhungsrolle. Ein paar Ausblicke, was von und mit ihm zu erwarten ist und seine Sicht auf die bisherige Rolle der SPEX in der hiesigen, musikmedialen Landschaft ("randständig", "Kaffeetisch-Magazin") kann man in einem Interview mit Spiegel Online schon erfahren. Wer wie ich sein RS-Abo schon zu Groß' Zeiten gekündigt hat, weil die Themenauswahl dort arg betulich und die ewige Heldenverehrung greiser Herren wie Springsteen, McCartney, Dylan, Jagger und Richards enervierend war, dem wird ein wenig Angst bei dem Gedanken, dass eben dieser Mann die SPEX nun "einem breiteren Publikum zugänglich machen" möchte. Es gilt also: Paß Obacht!

Mittwoch, 4. April 2012

Kleines Derby, großer Sieg



Es gibt durchaus noch denkwürdige Spiele am Millerntor, die noch dazu gewonnen werden. Am heutigen Mittwoch gewann die Mannschaft des FC St. Pauli II im Stadtderby gegen die Elf des Hamburger SV II von Rodolfo Cardoso mit 1:0 - Kristof Kurczynski erzielte in den Treffer in der vierten Minuten. Die wichtigste Nachricht für die erste Garnitur: Philipp Tschauner ist nach langer Verletzungspause wieder fit und dürfte in einer der nächsten Partien der 2. Liga wieder zur Verfügung stehen.

Umsonst & Draußen



Fünf Live-Aufnahmen der Europatour 2011 der Red Hot Chili Peppers kann man sich laut valve ganz legal und für umme auf der Website der Band herunterladen, die EP "I'm With You Europe" listet neben "Monarchy Of Roses", "Look Around" und "Dani California" auch zwei ältere Stücke, nämlich "If You Have To Ask" und "Give It Away". Also - her damit: hier.

Zur Sache, Schätzchen!



Im Videoclip zu Rufus Wainwrights erster Single "Out Of The Game" aus dem bald erscheinenden, gleichnamigen Album gibt Helena Bonham Carter die verwirrte, verzweifelte Tagträumerin und Bibliothekarin, während sich Rufus gleich durch mehrere Rollen albert - sehenswert, witzig: hier.

Windmühlen



Eine schöne Meldung, die da heute bei pitchfork zu lesen ist: Neil Young, ewiger Grantler, Gitarrengott und Klangbewahrer, ist offensichtlich dabei, ein neues, digitales Datenformat zu entwickeln, welches annähernd die Qualität wiederzugeben in der Lage ist, die Musiker und Produzenten in den Aufnahmeräumen ihrer Studios genießen dürfen - das Ganze soll, so Young, auch als Download funktionieren. Nach dem ganzen Papierkram hat sich der Mann nun beim zuständigen Patentamt einige Namen sichern lassen, die da wären: Ivanhoe, 21st Century Record Player, Earth Storage, Storage Shed, Thanks for Listening und SQS (Studio Quality Sound). Wobei auffällt, dass Don Quijote nicht als ritterliche Alternative in Betracht gezogen wurde - Young war seit eh und je ein Kämpfer und obschon ihm klar sein müßte, dass der Feldzug gegen minderwertige Soundfiles einer gegen Windmühlen ist, wählte er dennoch lieber den schwarzen Ritter nach Sir Walter Scott. Humor und Behauptungswillen - man muß ihn einfach lieben.

Dienstag, 3. April 2012

Melodien



Uuups, das kann man sich ja sogar ohne präventive Schutzmaßnahmen anhören: A Place To Bury Strangers werden Ende Juni ihre dritte Platte "Worship" veröffentlichen - nachdem schon die kürzlich erschienene EP "Onwards To The Wall" ungewohnt eingängig gelang, klingt nun auch der erste Track des Albums, "You Are The One", für ihre Verhältnisse regelrecht melodiös - wer's nicht glaubt: hier.

Nachgereicht



Das war der Blog noch schuldig: Die B-Seite zur neuen Single der Japandroids "The House That Heaven Built" - immerhin ein Cover des Nick-Cave-Songs "Jack The Ripper" - jetzt hier.

Married in a fever



Eines der schönsten Duette der neuzeitlichen Musikgeschichte - "Jackson" von Johnny und June Carter Cash - erfuhr kürzlich bei MTV-Unplugged eine unerwartete Wiederaufführung. Im Mikro diesmal Florence Welch, hier ohne Machine, und Stoner-Urgestein Josh Homme - CD und DVD dazu kommen in ein paar Tagen, den Track kann man sich aber schon mal hier anhören.

Auf die Fresse



Schlachthofbronx „Dirty Dancing“ (Disko B)
Möchte man den zum Duo geschrumpften Schlachthofbronx, den Buddies Bene und Jakob also, glauben, dann sollte eine CD wie die vorliegende eigentlich keine adäquate Ausdrucksform für ihre Musik und den damit verbundenen Anspruch sein. Einmal auf den Silberling Gepresstes ist unwiderruflich gefixt, in der vorliegenden Fassung unabänderlich und – trotz unleugbarer Qualitäten – nur in dieser starren, immergleichen Version wiederholbar. Dass sie diese strikt geregelte Abfolge von Bits und Bytes insgeheim so ganz und gar nicht mögen, vermutet, wer sie hinter all ihrem Equipment auf der Bühne selig lächelnd schwitzen sieht, sicher nicht zu Unrecht – sie lieben die Roughness, das Unbehauene, Schiefe, Spontane, geben der ausgelassenen, hungrigen Crowd gern das, was sie gerade braucht – und es gibt wohl nicht viele Beispiele, in denen der von der „Basswatschn“ (BR2) gehörige Geprügelte gleichermaßen selig zurücklächelt.

Seit 2008 verquirlen die Münchner nun schon Dancehall, Dub, Electro, Breakbeats und Baile Funk zu einer wilden, explosiven Mischung, eine Reihe von EPs und nunmehr zwei Alben sind das unbedingt hörenswerte Ergebnis, sie bespielen – ihrer Heimatstadt längst entwachsen – als „Bavarian Bulldozers“ (Selbstbezichtigung) die verschiedensten Flecken der Erde, und mit „Dirty Dancing“, ihrem neuen Longplayer, wird sich daran so schnell nichts ändern. Es ist wieder fett geworden – schon die ersten Takte von „Slowine“ lassen daran keinerlei Zweifel aufkommen: träge noch, aber schon raumgreifend, spätestens bei „Juego“ mit ihrem alten Bekannten Doubla J ist es an der Zeit, seinen Füssen (ungefragt) Auslauf zu gönnen – sie werden, das ist sicher, bis zum Schluß nicht mehr zur Ruhe kommen.

Das analoge Schlagwerk bei „Agwazo“ könnte man schon mal als Vorgriff auf den im Interview geäußerten Wunsch der beiden werten, irgendwann mal eines ihrer Sets dem Publikum komplett live zu präsentieren. Vorerst geht’s jedoch auch bestens ohne Band, dafür mit anständiger Gästeliste: Natalie Storm aus Jamaika scattet sich durch den nervösen Breakbeat von „Touch Your Toes“, die Puppetmastaz geben sich bei „One Hand“ die Ehre und Gnucci Banana, gerade erst auf dem Album „Father Creeper“ von Partner Spoek Mathambo veredelt, meldet sich für die Dancehallbeats von „Singstar“ zu Wort.

Im Vergleich zum Vorgänger präsentiert sich die vorliegende Platte zwar formstark und bis zum Ende ohne jeden Hänger, die Schlachthofbronx gestatten sich allerdings weitaus weniger Ausflüge jenseits des beschriebenen Parcours. Kein „Schorschl“ also, auch kaum etwas von dem, was man platterdings gern als „Balkanbeat“ verallgemeinert – gut möglich, dass sich den beiden da mittlerweile zu viele Wannabees im Ring tummeln. Wirklich schmerzhaft ist das nicht, denn auch die „Nummer Sicher“ bringt einen genügend aus der Puste und am Ende gibt’s mit „Copenhagen“ immerhin noch ein sattes Technobiest auf die Ohren. Allzulang sollte man sich mit der CD allerdings nicht aufhalten, denn mehr als bei anderen Platten kann das hier nur der erste Schritt sein – zum besseren Verständnis ist ein baldiger Konzertbesuch dringend anzuraten. Für's erste - Stream bei Soundcloud, Infos bei Schlachthofbronx.

Und live/dirty in nächster Zeit:
20. April Hannover, Weidendamm
21. April Krefeld, Schlachthof
04.05. Köln, Uni Mensa
05.05. Mühlheim/Ruhr, Ringlokschuppen

Montag, 2. April 2012

Neue Lügen



Und weiter geht's im Vorankündigungsreigen - auch die Liars stehen mit einem neuen Album in den Startlöchern. "WIXIW" wird das nach "Sisterworld" nunmehr sechste Album heißen und mit "No. 1 Against The Rush" gibt es hier das erste Stück daraus - Cover, Tracklist und Teaserfilmchen bei stereogum.

Zwoviernfuffzsch: Bitterfeld calling



Definitiv dem Status des Geheimtipps entwachsen und definitiv eine der interessantesten Veröffentlichungen in diesem Jahr: Das Londoner Geschwisterpaar Colette und Hannah Thurlow, ergänzt um zwei männliche Mitstreiter, hat unter dem Namen 2:54 mit einer EP für mehr Wirbel gesorgt als manche Band mit ihrem Gesamtwerk. "Scarlet" weckte in der Tat hohe Erwartungen, Vergleiche mit Warpaint, The XX, Lush oder Mazzy Star waren schnell gefunden. Nun gibt es zum im Juni erscheinenden Longplayerdebüt eine erste Single - und zwar zum Hören und Anschauen. Der wunderschöne Clip zu "You're Early" stammt von Jeppe Kolstrup und sieht aus, als wäre er zu Vorwendezeiten in Bitterfeld gedreht worden. Ansonsten: Große Klasse - hier.

Kostprobe



Nun also der erste Song - mit "Mnemosyne" stellen iLiKETRAiNS den ersten Song ihres kommenden Albums "The Shallows" ins Netz - zu haben bei Soundcloud.